Erneuerbare Energien und historische Bauten

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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Erneuerbare Energien und historische Bauten
Evangelische
Akademie Meißen
Home
Erneuerbare Energien und historische Bauten - Nachha
für unsere Gesellschaft
Ausgewählte Vorträge und Poster
Nach oben
Einführung
Dr. Hans Heiner Daut, Studienleiter, Evangelische Akademie Meißen
Zukunftsfähigkeit und historische Verantwortung
Nachhaltigkeit und Traditionsbewahrung ein notwendiger Kom
Dr. Arno Weinmann, Referatsleiter Umwelt und Kulturgüter, Deutsche Bundesstiftu
Osnabrück
Solaranlagen in Kulturdenkmalen? – Kriterien, Maßstäbe und B
aus der denkmalpflegerischen Praxis in Sachsen
Dr. Ralf – Peter Pinkwart, Referatsleiter, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen,
Erneuerbare Energien in Baudenkmalen – Rahmen, Spielräume
Susanne Rexroth, Architektin, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin
Das Kirchgebäude und die Nutzung erneuerbarer Energie
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Schöpfungsauftrag ?!
Dr. Ulrich Böhme, Baureferent i. R., Landeskirchenamt der Ev.- Luth. Landeskirch
Dresden
Evangelische Akademie Meißen als Bildungseinrichtung und
Demonstrationsobjekt für die Anwendung Erneuerbarer
Dr. Eberhard Pfau, Architekturbüro Dresden
Effiziente Energienutzung
Dr. Stephan Scheffler, Ingenieurbüro, Dresden
Photovoltaik bei der Restaurierung in Sachsen – eine Innovatio
sich Bahn
Dieter Winkler, Solarwatt, Solare- Systeme GmbH, Dresden
Erneuerbare Energien und politische Umsetzung in Sachsen
Dr. Bernd Wolters, Referent, Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Land
Dresden
Erneuerbare Energien und historische Bauten - Zusammenfass
Diskussionsstandes
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Prof. Dr. Manfred Schmidt, Fachhochschule Zittau/ Görlitz, Zittau
POSTER
Bilder zum Vortrag D. Winkler
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Einführung
Dr. Hans Heiner Daut, Studienleiter,
Evangelische Akademie
Meißen
Erneuerbare Energien stoßen
bei ihrer Nutzung auf objektive
und auf subjektive Probleme in
der Gesellschaft. Kommen
Erneuerbare Energien dabei
mit historisch wertvollen
Gebäuden in Berührung,
nehmen die Akzeptanzschwierigkeiten zu.
Die Evangelische Akademie versucht seit 10 Jahren diese Probleme zu
benennen, im interdisziplinären Dialog zwischen Herstellern und Nutzern
von Anlagen zur Umsetzung Erneuerbarer Energien sowie einer
interessierten Öffentlichkeit technische Innovationen bekannt zu machen
und Vorurteile abzubauen. Dabei ist deutlich, dass die Nutzung
Erneuerbarer Energien ein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung sein kann und sie dann e
akzeptiert erfolgt, wenn die technischen Lösungen den Einsatzerfordernissen angepasst w
Probleme in gegenseitiger Abstimmung zu einer Annäherung geführt worden sind. Dass da
individuelle Bewusstseinsänderungen erreicht werden müssen, ist immer wieder erkennbar
Die Tagungen der Evangelischen Akademie Meißen haben versucht, diesen Bildungsauftra
wahrzunehmen und in der praktischen Umsetzung die Chancen zu verdeutlichen, die in de
Erneuerbarer Energie liegen. In dem 8. Meißner Forum – von der Deutschen Bundesstiftun
dem Regierungspräsidium Dresden finanziell unterstützt –wird der Bildungsauftrag eindruck
Präsentation der Demonstrationsobjekte der Evangelischen Akademie veranschaulicht. Ein
rapsölbetriebenes Blockheizkraftwerk – von dem Sächsischen Umweltministerium geförder
Regenwasseraufbereitung zur Speisung des Brauchwasserkreislaufes der Akademie
im Einsatz, eine Solarthermie- und eine Photovoltaikanlage – von der Deutschen Bundesst
gefördert und seit wenigen Monaten in Betrieb, demonstrieren den Einsatz Erneuerbarer En
Akademie und führen vor, welchen Beitrag diese neuen Energiequellen zur thermischen un
elektrischen Versorgung leisten können. Welchen Umfang Erneuerbare Energien in Sachs
annehmen, welche technischen Lösungen möglich sind und wie eine von allen Beteiligten
Lösung aussehen kann, ist darüber hinaus anschaulich dargestellt worden.
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
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Zukunftsfähigkeit und historische Verantwortung – (k)ein Widerspruc
Nachhaltigkeit und Traditions-bewahrung ein notwendiger Komprom
Dr. Arno Weinmann, Referatsleiter Umwelt und Kulturgüter, Deutsche Bundesstiftung Umw
Osnabrück
Abstract
Der Erhalt von Kulturdenkmälern ist kultureller Um
Denkmalgeschützte Gebäude zu bewahren und zu
schont Ressourcen im Baubereich. Kulturlandscha
historische Gärten zu erhalten dient auch dem Art
der Erholung des Menschen. Im Bundesgesetz zu
der Deutschen Bundesstiftung Umwelt von 1990 u
daraus abgeleiteten Förderleitlinien Förderbereich
Kulturgüter" wird die Verbindung von Umwelt- und Kulturgüterschutz deutlich.
Religiös-ethisch findet der Kulturgüterschutz seine Rechtfertigung in der Bewahrung der Sc
wozu ausdrücklich auch das vom Menschen Geschaffene gehört.
Analog zur Biodiversität ist kulturelle Vielfalt in einer zunehmend globalisierten Welt geford
schafft Identität. Kultur beantwortet die Frage: Woher kommt der Mensch?
Die Nutzung regenerativer und umweltfreundlicher Energien ist ein Schritt zur Bewahrung u
Umwelt. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt förderte deshalb in ihrem Programm
für die Sonnenenergie" von 1999 – 2001 die Nutzung von solarthermischen Anlagen und
Photovoltaikanlagen in Verknüpfung mit Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit. Auch für
denkmalgeschützte Gebäude ist zu fragen, wie ihre Nutzung den genannten Anforderunge
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Teilaspektes des Umweltschutzes angepasst werden kann.
Verschiedene Umweltziele können miteinander konkurrieren. Es sei hier nur auf die aktuel
zwischen Naturschützern und Befürwortern von Windenergie verwiesen. Auch der Erhalt ei
denkmalgeschützten Gebäudes kann in Konflikt geraten mit der Nutzung umweltfreundliche
sowie der geplanten Einsparung von Energie durch den Eigentümer. Es ist Aufgabe von Mo
der DBU, solche Konflikte zu lösen und Ratschläge für den Umgang mit solchen Konflikten
Umweltschutz ist ganzheitlich zu betrachten. Die Geschichte kirchlicher Einrichtungen wie
Benediktiner- oder auch Zisterzienserklöster zeigt, dass die daraus abgeleitete Handlungsw
vielen Feldern zur Nachhaltigkeit führen kann. Die DBU fördert Projekte von Klöstern und e
Kommunitäten auf dem Weg zu einem ganzheitlichen Umweltschutz. Beispielhaft sei das I
Begegnungszentrum St. Marienthal e. V. in Sachsen genannt.
Zukunftsfähigkeit und historische Verantwortung schließen sich nicht aus. Verschiedene T
Umweltschutzes müssen bei Konflikten im Sinne der Nachhaltigkeit untereinander abgewo
Eine „Schulung der Sinne und Kultur der Aufmerksamkeit" (Die deutschen Bischöfe, Hande
Zukunft der Schöpfung 3.4) ist gefordert.
Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude, Planer und Denkmalpfleger sind gefordert, offen
nach Lösungen zur Verbindung verschiedener Ziele des Umweltschutzes einschließlich de
Umweltschutzes zu suchen.
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Solaranlagen in Kulturdenkmalen? – Kriterien, Maßstäbe und Beispie
denkmalpflegerischen Praxis in Sachs
Dr. Ralf – Peter Pinkwart, Referatsleiter, Landesam
Denkmalpflege Sachsen, Dresden
Als ich vor wenigen Jahren zum erstem Mal als
Gebietsdenkmalpfleger im Sächsischen Landesam
Denkmalpflege mit der Problematik der nachträglic
von Sonnen-kollektoren- bzw. Photovoltaikanlagen
Kulturdenkmalen befasst wurde, flatterte mir über d
Denkmalschutzbehörde des Landratsamtes des La
Meißen dieser Antrag für eine Photovoltaikanlage auf der Kirche Zadel auf den Tisch. In die
Planungsqualität und für diese landschaftgestalterisch bedeutsame Kirche auf dem Hochuf
zwischen Meißen und Diesbar-Seußlitz, - mit Fernwirkung auf mehrere Kilometer Abstand
einem roten Biberschwanzziegeldach auf dem Schiff, in dem sich die schwarzblaue Anlage
kontrastreicher hätte abzeichnen können !
Unsere Aufgabe als Denkmalpfleger ist es, nach Sächsischem Denkmalschutzgesetz, § 1
Kulturdenkmale zu schützen und zu pflegen". Das betrifft sowohl die Substanz als auch da
Erscheinungsbild des Denkmals. Ein Kulturdenkmal darf nach § 12 nur mit Genehmigung d
Denkmalschutzbehörde u. a. „in seinem Erscheinungsbild oder seiner Substanz verändert
beeinträchtigt" oder „mit An- und Aufbauten etc. versehen werden". Die Denkmalschutz-Be
nach § 11 zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben diejenigen Maßnahmen zu treffen, die ihnen n
pflichtgemäßem Ermessen erforderlich erscheinen". Die Eigentümer und Besitzer müssen
Kulturdenkmale hingegen nach § 8 „pfleglich behandeln" und „im Rahmen des Zumutbaren
denkmalgerecht erhalten und vor Gefährdung schützen". Bereits nach diesem Kurzdurchla
Denkmalschutzgesetz wird schnell klar, dass es für eine positive Entscheidung in dieser A
eigentlich kein Ermessen gab. Der Aufbau der Anlage war für die Nutzung und den Betrieb
weder erforderlich noch sinnvoll, hätte aber eine schwere Beeinträchtigung ihres weithin sic
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Erscheinungsbildes bedeutet. Daraufhin folgten mehrere, z. T. anstrengende Auseinanders
der Kirchgemeinde und dem Büro für Baupflege beim Landeskirchenamt, aber es blieb bei
Sachlage. Das Vorhaben wurde zurück gewiesen.
In der Folgezeit bekamen wir mit weiteren ähnlichen Anträgen zu tun, die mehr oder wenig
entscheiden waren: Für die Kirche Wendischbora bei Nossen mit hohem biber-schwanzzie
Dach, das ebenfalls weithin in die Landschaft einsehbar ist, für die Kirche Rüsseina, gleich
Landkreis Meißen gelegen und mit ähnlicher Fernwirkung, dann ersatzweise für das sehr s
ländlich-klassizistische Pfarrhaus in Rüsseina, wo für die Anlage sogar noch eine ganze
Fledermausgaupenreihe geopfert werden sollte, für die Kirche Thum zwischen Annaberg un
die eine wichtige Blickbeziehung von der Bundestrasse 95 aus eröffnet und erst kürzlich fü
ehemaliges Amtsgerichtsgebäude in Radebeul, auf dessen fein gegliederter Dachlandscha
Batterie von PV-Flächen errichtet werden sollte.
Bereits nach dem ersten Fall in Zadel und angesichts der kontroversen Gespräche daraufh
ich Kriterien zu definieren, nach denen Ansprüche solcher Art beurteilbar sind, ohne der
niemals ganz zu vermeidenden – Subjektivität des Beurteilers zuviel Einfluss auf die Entsc
gewähren. Denn was sich in einem Fall erschwerend auf eine positive Entscheidung auswi
durchaus in einem anderen sehr viel konfliktärmer sein und warum soll es nicht auch Kultu
geben, bei denen solche Veränderungen tolerierbar oder sogar gänzlich akzeptabel sind?
Bei der Abwägung zwischen den meist entgegen gesetzten Intensionen sind in jedem Einz
Reihe von Kriterien zu berücksichtigen. Zur Beurteilung der Auswirkung der Anlage auf das
Kulturdenkmal und ggf. dessen Beeinträchtigung ergeben sich folgende Fragen:
Wie ist die hinzuzufügende
Kubatur und Flächenausdehnung der Anlage bescha
und wie wirkt sich diese auf die bislang ungestörte (?) Flächigkeit des Daches aus ?
Wie wirkt sich die neue Farbigkeit der Anlage auf das bisherige Erscheinungsbild des
Daches aus (gravierender bei Ziegeldächern, etwas verträglicher bei Zinkstehfalz- und
Schieferdächern)?
Führt der Oberflächenglanz der Anlage zu weithin sichtbaren fremden Spiegelungen ?
Gegenteilige Indikationen für die Installation solcher Anlagen sind in Abhängigkeit von den v
Kriterien insbesondere gegeben bei:
gestalteten Dächern im Gegensatz zu unverbaut belassenen Dachflächen (Gaupen- anordn
-reihungen, Dachdurchdringungen, Flächenverschnitt, Kleingliedrigkeiten),
besonderem Architekturwert des betroffenen Gebäudes (kunstgeschichtliche Bedeutung, b
gestalterische Absicht / Ausgewogenheit, Solitärcharakter des Gebäudes)
besonderer städtebaulicher oder landschaftsgestaltender Bedeutung des Gebäudes in eine
Zusammenhang, insbesondere bei vorliegender Fern- bzw. Dominantenwirkung.
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Desweiteren sind auch technische Fragen zu klären wie:
Werden nennenswerte neue Dachlasten in das Tragwerk eingebracht und sind diese von de
Konstruktion problemlos aufnehmbar ?
Werden gebäudeintern neue Leitungsführungen o. a. technische Einbauten nötig, die zu
Denkmalunverträglichkeiten führen können ?
Können die sich ergebenen konstruktiven Anschlüsse der Anlage an die Dachhaut dauerha
ausgeführt werden ?
Wie und mit welchem Aufwand ist die Anlage zu Reparatur- und Wartungszwecken erreich
Schließlich ist die Frage der Reversibilität zu klären: Ist der Eingriff nur für eine Reihe von J
beabsichtigt ? Wenn nicht, auf welche Zeit ist die Funktionsdauer der Anlage aus technisc
ohnehin begrenzt ? Ist der Vorzustand, wann auch immer, vollständig wieder herstellbar ?
welchem Aufwand ?
Denkmale sind nun einmal langlebiger als der sog. Stand der Technik, der morgen bereits
wird. Und Ästhetik ist bekanntermaßen nicht bloße Geschmackssache. Ich muss mir übe
gewinne ich und was verliere ich dabei. Also sollten eine erst durch massive Unterstützung
Steuerzahlers dennoch nur mühselig erzwungene Wirtschaftlichkeit und das Bedürfnis, etw
Technologieentwicklung in der Zukunft zu tun, ein „Bekenntnis abzugeben" oder ein
setzen", normalerweise keine ausreichenden Gründe dafür sein, den gewaltigen
Lebensdauerunterschied zwischen historischem Gebäude und Solaranlage zu akzeptieren
vielleicht noch unverkennbare Schönheit schwer zu beschädigen. Beantworten lässt sich je
am konkreten Einzelfall. Das heißt nicht, sich doch wieder zu verstecken, um sich zu gege
Entscheidungswillkür üben zu können, sondern das ist die ganz logische und unabdingbar
der Vielfalt der Denkmale einerseits wie auch der Anwendungsfälle für diese Technologie a
Als Fazit ist demzufolge festzustellen, dass Beeinträchtigungen solcher Art umso leichter
sind:
je weniger bedeutsam der Wert des betroffenen Kulturdenkmales ist – entweder per se ode
einem bestimmten Zusammenhang,
je weniger auffällig die Anlage für das Erscheinungsbild bzw. die Erlebbarkeit des Denkma
oder im Umkehrschluss je anspruchsvoller gestaltet sie ist, wenn sie nun einmal nicht übe
werden kann oder soll !
Und damit komme ich zu vorerst guten Ausführungsbeispielen, die m. E. beweisen, dass d
anscheinend Unvereinbare in vielen Fällen durchaus auch zusammen passen kann. Das be
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Solaranlagen auf der Kirche in Bärwalde bei Radeburg, auf der Nikolaikirche in Leipzig, - ei
Prestigevorhaben, dass gegen den Widerstand unseres Hauses genehmigt wurde und sich
Nachhinein überraschenderweise gar nicht als Beeinträchtigung des kirchlichen Erscheinu
herausgestellt hat (!), gleichermaßen auf der Kirche St. Antonius in Dresden-Löbtau, auf de
Gemeindehaus der Dresden-Trachauer Apostelkirchgemeinde, auf der katholischen Herz-J
und der evangelisch-methodistischen Kirche in Plauen, auf der Matthäuskirche in Zwickauzahlreiche weitere Vorhaben auf Wohnhäusern, Schulen und ländlichen Gebäuden. Besond
verdient der Umgang mit dem Haus Helmertplatz 1 in Freiberg, wo eine Solaranlage gesch
Dachfläche einer Schleppgaupe arrangiert wurde und hier zu einer völlig neuen Gestaltqual
hat.
Sonnenkollektor- und Photovoltaikanlagen waren in Deutschland natürlich auch schon meh
Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen. Mir sind bislang insgesamt vier Fälle bek
allesamt zugunsten der einmal getroffenen Ablehnung bestätigt wurden.
Im Jahre 1988 wurde ein Fall vom VGH Baden-Württemberg entschieden, in dem der Eigen
Hauses, das zu einer denkmalschutzrechtlich geschützten Gesamtanlage gehört, eine 4 x
Sonnenkollektorenanlage mit schwarz beschichteter Aluminiumoberfläche in das Dach ein
Das Landesdenkmalamt und auch das Landratsamt waren dagegen, weil die Anlage in der
weitgehend unversehrten Dachlandschaft einen Fremdkörper dargestellt und eine unerwüns
Vorbildwirkung entfaltet hätte und versagten die Genehmigung. Nach zuvor geführter
Auseinandersetzung, ob das Vorhaben der Baugenehmigung bedarf, was bejaht wurde, un
üblichen Erörterungen zu Denkmalwert, Zumutbarkeit von Eingriffen in private Interessen et
sich das Gericht wie folgt:
„Aufgabe der Denkmalschutzbehörde ist es, im Einzelfall – die unbestimmten Rechtsbegrif
Gesetzes konkretisierend – die öffentlichen Denkmalschutzinteressen und die schutzwürd
Interessen des Eigentümers in einen gerechten Ausgleich und in ein ausgewogenes Verhä
bringen, wie es der Grundrechtsschutz des Eigentums verlangt (…). Dem entspricht es, da
Denkmalschutzbehörde, soweit sie nicht zur Erteilung der Genehmigung verpflichtet ist (- a
Sächsischen Denkmalschutzgesetz ist z. B. nach § 12 (2) die Genehmigung grundsätzlich
erteilen", wenn ein Vorhaben in der Umgebung eines Kulturdenkmals das Erscheinungsbild
Denkmals „nur unerheblich oder nur vorübergehend beeinträchtigen würde oder wenn überw
Gründe des Gemeinwohls Berücksichtigung verlangen."), ein Ermessen eingeräumt ist, be
Ausübung sie die dargelegte Grenze des Zumutbaren zu beachten hat. Für die Rechtspos
Klägers als Besitzer des (betroffenen) Hauses, …, gilt … im Ergebnis nichts anderes. Hier
die Denkmalschutzbehörde nach pflichtgemäßem Ermessen unter Beachtung höherrangig
insbesondere des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit, darüber zu entscheiden, ob dem
Veränderung planenden Antragsteller – gleich wie viel, ob es sich um den Eigentümer oder
handelt – die Genehmigung erteilt wird, wiewohl die Veränderung das Bild der Gesamtanla
unerheblich beeinträchtigt.
Eine solche Ermessensentscheidung hat die Widerspruchsbehörde im vorliegenden Fall ge
hat den Standpunkt vertreten, angesichts der Einmaligkeit des mittelalterlichen Stadtbildes
betroffenen Stadt) gebühre den Belangen des Denkmalschutzes Vorrang gegenüber den In
Klägers an der verstärkten Nutzung einer umweltfreundlichen Energie. Das ist rechtlich nic
beanstanden. Der Verzicht auf den Einbau einer Solaranlage zu dem Zweck, eine erheblich
Beeinträchtigung des geschützten Ortsbildes zu vermeiden, ist dem Kläger zumutbar. Sein
Energie … kann er ohne weiteres auch auf andere Weise als durch eine Solaranlage deck
der Versagung der Genehmigung zum Einbau einer Solaranlage liegende Beschränkung se
allgemeinen Handlungsfreiheit (…) ist verhältnismäßig und hält sich deswegen im Rahmen
verfassungsmäßigen Ordnung. Infolgedessen begegnet die Ablehnung der Baugenehmigun
angefochtenen Bescheide auch in dieser Hinsicht keinen rechtlichen Bedenken."
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
In einem zweiten Fall wurde 1992 die Klage auf Errichtung einer 3,00 x 4,00 m² großen So
und einer 3,00 x 4,70 m² großen Photovoltaikanlage auf einem Baudenkmal in Niedersachs
Verwaltungsgericht Braunschweig abgewiesen. Hier betraf die Forderung ein ehemals klein
Fachwerkhaus aus der Mitte des 18. Jh., das in seiner gering veränderten Form angeblich
Seltenheitswert besaß. Die ausgewählte Dachfläche war mit Ziegeln eingedeckt und befan
auf der straßenabgewandten Seite. Wiederum nach Erörterungen der Genehmigungspflicht
den Begriff der Beeinträchtigung kam die Kammer zu dem Urteil, dass das
Bereich stark beeinträchtigt" worden wäre. Das konnte nicht „hingenommen werden, da die
einen reflektierenden Fremdkörper darstellen", womit „der Charakter des Hauses empfindli
worden wäre, „was (aber) zu vermeiden" war.
1994 wurde eine weitere Klage durch dasselbe Gericht abgewiesen, die eine Doppelhaushä
denkmalgeschützten Wohnsiedlung in Wolfsburg betraf, die in den frühen 40er Jahren in
Zusammenhang mit der Errichtung der Fabrikationsanlagen für den KdF-Wagen gebaut wu
Siedlung war zusätzlich durch einen Bebauungsplan, eine Erhaltungssatzung und eine sog
Bauvorschrift über die Gestaltung geschützt. Es sollte eine Sonnenkollektorenanlage von 5
m² errichtet werden, nach deren Versagung vor Gericht ausführlich darüber gestritten wurde
Sonnenkollektoren auch nicht anders als die vielfach genehmigten liegenden Dachfenster i
Erscheinung treten würden oder nicht. Die Widerspruchsbehörde verwies in ihrer Begründu
„dass (im Bereich der betroffenen Wohnanlage) Sonnenkollektoren eher noch störender als
Dachflächenfenster seien. Dachflächenfenster würden nämlich aufgrund der sich wiederhole
Formate und der Unverzichtbarkeit zur ausreichenden Belichtung der Räume im Dachgesc
einem unvoreingenommenen Betrachter leichter akzeptiert. Sie würden auch zum gewohnt
Dachlandschaft gehören. Sonnenkollektoren empfinde man hingegen als Fremdkörper, auc
das Sonnenlicht weniger als Dachflächenfenster spiegelten. Im übrigen sei zu berücksichti
Sonnenkollektoren zu den Dachflächenfenstern und / oder Dachgauben noch zusätzlich hin
und die Dachfläche somit insgesamt großflächig unterbrochen werde. Die Sonnenkollektor
daher auch unter Berücksichtigung ihrer Umwelt entlastenden Wirkung nicht zugelassen w
Besonders berücksichtigt wurde in der Abwägung auch der Charakter der betroffenen Woh
dessen Eigenschaften wie Heimatverbundenheit, konservative Bauformen und Traditionalism
Zulassung der Sonnenkollektoren beeinträchtigt worden wären. Interessant ist an diesem F
der erwähnten örtlichen Bauvorschrift Festsetzungen zu Anzahl und Größe von Dachfläche
enthalten waren, die – weil sie Solaranlagen nicht betreffen, zwar nicht unmittelbar anwend
mit folgender Begründung aber dennoch angewendet wurden: „Die entsprechende Anwendu
Vorschrift im Wege der Analogie ist geboten, wenn die Vorschrift eine unbewusste Regelu
enthält und die Übertragung der für einen oder mehrere bestimmten Tatbestände in der Vo
vorgesehenen Regel auf einen anderen, vergleichbaren Tatbestand möglich ist. Eine Rege
vorliegend gegeben, da die Beklagte durch die Regelungen …abschließend die zulässigen
Veränderungen der Dachhaut regeln wollte (…), ohne … (zum Zeitpunkt der Regelungsform
bereits an eine Veränderung durch Sonnenkollektoren zu denken. Diese Lücke ist hier durc
entsprechende Anwendung der Vorschriften über die Dachflächenfenster zu schließen, da
Regelungen bezüglich der Dachflächenfenster mit der Einstufung von Sonnenkollektoren ve
sind…."
Schließlich wurde im Jahre 2000 durch das Verwaltungsgericht Ansbach eine 18,5 m² groß
Photovoltaikanlage auf dem Scheunendach eines denkmalgeschützten Bauernhofes in Rot
T. aus dem mittleren 18. Jh. in der Ablehnung bestätigt. Der Denkmalwert des Bauernhofes
der Scheune selbst stand außer Frage, der Beeinträchtigungstatbestand wurde nicht bestr
Wirkung als Präzedenzfall für die historische Dachlandschaft der gesamten Stadt wurde so
besonderes Gewicht beigemessen. Ich zitiere aus dem Schriftsatz: „Auch isoliert betrachte
sich bei der für die Anbringung der Photovoltaikanlage vorgesehenen Scheune nicht um ein
denkmalpflegerisch untergeordnetes Objekt, für welches eine Veränderung unter erleichtert
Voraussetzungen ermöglicht werden sollte. Die Scheune hat vielmehr Bedeutung für die hi
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Ortsstruktur – zu der nicht nur der eigentliche Altstadtbereich gehört – , für das Stadtbild u
denkmalgeschützte Ensemble der ehemaligen Freien Reichsstadt Rotheburg o. d. T.. Die E
Photovoltaikanlage auf dem Dach würde sowohl für dieses Ensemble als auch für die Sche
einen schweren Eingriff darstellen, dem gewichtige Gründe des Denkmalschutzes entgege
Dass die streitgegenständliche Anlage im Nahbereich nur sehr eingeschränkt und von der
überhaupt nicht einsehbar ist, ändert nichts an der Denkmaleigenschaft und den gewichtige
des Denkmalschutzes für die Beibehaltung der bisherigen Dachgestaltung. Das denkmalpf
Erhaltungsinteresse besteht auch grundsätzlich unabhängig von Beeinträchtigungen, die vo
oder Anlagen in der Umgebung des Baudenkmales auf dieses einwirken oder von in der Ve
vorgenommenen denkmalschutzwidrigen Veränderungen des Baudenkmales selbst (
Dem Urteil liegt nach einer Anmerkung die schon vorhin geteilte Auffassung zugrunde, das
geschützten Baudenkmale in allen Fällen in gleichem Maße geschützt sind. In jedem Einz
prüfen, ob gewichtige Gründe des Denkmalschutzes für die unveränderte Beibehaltung des
Zustandes sprechen. Ist dies der Fall, so hat die Behörde nach Ermessen zu entscheiden.
das Abwägungsgebot dazu führen, dass Baudenkmale von relativ geringer Bedeutung, Sac
gerade noch über der Bedeutungsschwelle herausheben, Baudenkmale, an deren Erhaltun
Interesse der Allgemeinheit besteht, aber kein sehr großes Interesse, gegen schwerwiegen
Belange nicht unverändert erhalten werden müssen. Sind die gegen die Erhaltung eines so
Denkmales gerichteten Interessen aber im konkreten Fall ebenfalls nur von geringer Bedeu
auch das geringerwertige Denkmal erhalten werden.
Zur Dokumentation vermutlich ähnlich schwieriger Fälle, wie sie durch die angeführten
Gerichtsentscheidungen verhindert wurden, dienen folgende Beispiele: Auf seinem, in städ
bedeutsamer Lage befindlichen Wohnhaus Dresdner Straße 20 in der Altstadt von Stolpen
Bauherr nach langen Verhandlungen mit den Denkmalbehörden, in denen ihm eine ähnlich
beim Fall Helmertplatz in Freiberg ausdrücklich angeboten wurde, stattdessen eine hässlic
Kollektorenanlage in die rote Biberschwanzdachfläche seines Hauptdaches eingebaut. Er l
den ablehnenden Bescheid auf seinen Antrag Widerspruch ein und setzte seinen Plan fas
als „Schwarzbau" um. Die Auseinandersetzung harrt gegenwärtig bei der Widerspruchsbeh
ihrer Entscheidung. Ein ähnlich gelagerter Schwarzbau aus vergangenen Jahren in Markkle
nach erfolgter Auseinandersetzung schließlich für einen gewissen Zeitraum zur Duldung b
Bei weiteren schlechten Ausführungsbeispielen in Radebeul, Chemnitz, Naustadt, Cosseba
Freiberg wurden entweder die architektonische Qualität und das Erscheinungsbild des betr
Gebäudes im städtebaulichen Raum oder in der Landschaft beschädigt oder aber die Vorha
aus diesem Grunde erst gar nicht zur Ausführung genehmigt.
Besonders schmerzlich sind dabei die – allerdings keine Denkmale betreffenden
Straße 156 in Dresden-Wachwitz und Wilhelm-Wolf-Straße 5 in Dresden-Pillnitz. Im ersten
die Villa in der Elbansicht des Wachwitzer Dorfkernes, im anderen Fall un-mittelbar neben
Weinbergskirche und ist damit von der Straße aus Graupa kommend sehr gut einsehbar. In
Fällen haben sich die Hauseigentümer – ohne Verletzung formaler denkmalschutzrechtlich
aber selbst keinen Gefallen getan, weil die zerrissenen, ausschließlich auf die Funktion ori
gestalterisch völlig unbefriedigenden Photovoltaikflächen das äußere Erscheinungsbild ihre
Füssen treten.
Da Erfahrungen mit solchen Anlagen noch nicht lange bestehen, kann man jedoch durchau
gegenwärtigen Gestaltungs- und Einordnungsprozess reden, der immer wieder neue Frage
aufwerfen und aller Wahrscheinlichkeit nach auch zu einer Entwicklung –
Anlagenangebote wie auch auf der Seite des denkmalpflegerischen Toleranzrahmens
Und schließlich: Auch Denkmalpflege ist Ökologie !
Substanzerhalt schont Ressourcen und vermeidet Entsorgung.
Erlebniskontinuität schafft Identität und diese wiederum geistige Immunität gegen Beliebig
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Austauschbarkeit und übersteigerte Schnelllebigkeit.
Seitenanfang
Erneuerbare Energien in Baudenkmalen – Rahmen, Spielräume, Gren
Susanne Rexroth, Architektin, Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin
Bei Baudenkmalen bringt eine bevorstehende San
häufig einen Konflikt zwischen Denkmalschutz un
Optimierung der energetischen Eigenschaften mit
Denkmalerhalt ist oftmals die Sanierung oder Mod
der Haustechnik zur Energieversorgung unabdingb
optimierten Energieversorgung von Baudenkmalen
den visuellen und substantiellen Erhalt der Baudenkmale bei gleichzeitiger Senkung des
Energieverbrauchs und Verbesserung des Raumkomforts. Diese beiden Ziele lassen sich i
häufig nur schwer vereinen. Konflikte sind vor allem dann zu erwarten, wenn neue Technolo
Systeme oder Komponenten angewendet werden sollen. Dies sind zum Beispiel Photovolt
Solarkollektoren, Systeme zur Bauteiltemperierung, oder verglaste Bauteile als Klimapuffer
(Glas-Doppelfassaden). Ein Hauptgrund für die bisher geringe Akzeptanz solcher neuen Te
für die Anwendung an Denkmalen ist – neben mangelndem „Know-how" und den relativ hoh
dass sich bisher noch keine ästhetisch befriedigenden Gestaltungsmöglichkeiten erkennen
meist ablehnende Haltung der Denkmalschützer gegenüber den neuen Bauelementen mac
besonders deutlich.
Außer massiven Eingriffen in die Bausubstanz verursachen die Maßnahmen zur Verbesser
energetischen Verhaltens eine größere Schadensanfälligkeit der Baudenkmale, mitunter tr
bauphysikalische Probleme auf. Der energetische und finanzielle Aufwand für den Einsatz
Komponenten steht in einem ungünstigen Verhältnis zu deren energetischen (und damit au
wirtschaftlichen) Nutzen.
Zudem altern die neuen Materialien anders als die historischen. Außerdem überformen ode
die Elemente das Erscheinungsbild, erzeugen also formale Veränderungen an der historisc
des Gebäudes. Dies sind die Argumente, mit denen Vertreter des Denkmalschutzes die M
Photovoltaikanlagen etc. an Denkmalen ablehnen.
Kriterien zur Denkmalverträglichkeit von Solaranlagen
Die Auswirkungen der baulichen Ergänzung (Solaranlage) auf das Erscheinungsbild des B
spielen bei der Beurteilung eine entscheidende Rolle. Die Baumaßnahme am Denkmal mu
Kontext des historischen Bauwerks und seinem Zeugniswert betrachtet werden.
Die Beurteilung umfasst das Baudenkmal in Kriterien wie zum Beispiel:
Bauwerk (Historische und formale Aussagen, Morphologie des Bauwerks),
Nutzungsprofil,
Anforderungsprofil an Energieversorgung und Raumkomfort,
Intensität der durchgeführten Maßnahmen,
Art und Umfang der Eingriffe,
gestalterische und baulich-konstruktive Integration der Komponenten und Systeme,
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
standortbezogene und standortunabhängige Randbedingungen,
Verlauf des Planungs- und Bauprozesses,
Kosten und Betrieb.
Bauliche Maßnahmen sollen das Erscheinungsbild sowie die Bausubstanz erhalten oder re
Gebäudeintegrierte Photovoltaik
Anwendungsfälle - Definition der Gebäudeintegration
Ziel einer Planung mit Photovoltaikmodulen sowohl im Fassaden- als auch im Dachbereich
möglichst weitreichende konstruktive und gestalterische Einbindung in das Gebäude sein.
allem bei Neubauten. Die Integration in den Fassaden- und Dachbereich ist von drei qualita
gekennzeichnet:
Applikation,
konstruktive Addition,
konstruktive Integration.
Die erste Stufe umfasst diejenigen Anwendungen, bei denen die Module zusätzlich vor ode
eigentlichen Gebäudehülle angebracht (appliziert) werden. Dies ist der Fall bei einer nachtr
Installation an ein bestehendes Gebäude. Diese Solaranlagen sind reversibel. Bis auf weni
(konstruktiv nötige) Punkte geht die Anlage keine Verbindung mit dem Gebäude ein. Im Fa
„konstruktiven Addition", der nächsthöheren Integrationsstufe, sind die Module mit dem Ba
verbunden. Sie übernehmen zusätzlich zu ihrer energetischen Funktion Witterungsschutz,
äußerste Schicht der Gebäudehülle bilden. Integration - nach lateinisch = integratio im Sinn
Wiederherstellung eines Ganzen - bedeutet die Herstellung eines Ganzen, Zusammensch
Vereinigung. Übertragen auf die Architektur meint die gebäudeintegrierte Photovoltaik als h
der Integration die Substitution von Fassaden- und Dachelementen. Die Photovoltaikmodule
somit zu einem Bestandteil der Gebäudehülle und übernehmen all deren Funktionen wie W
Wärme-, Sonnen- und Schallschutz. Sie können zudem die Tageslichtnutzung unterstütze
Entfernung der Photovoltaikmodule würde nicht nur eine Schicht der Fassade, sondern die
Fassade fehlen.
Fassadenkonstruktionen
Die Tragwerke der modernen Fassadenkonstruktionen sind kein homogener Massiv- oder F
sondern ein Skelettbau (Stahlbeton- oder Stahl-Skelettbau), bei denen die Tragwerks- und
Außenwandebene von einander getrennt sind. Man unterscheidet
Pfosten-Riegel-Konstruktion unabhängig vom Rohbauraster;
Rahmenkonstruktion und
Elementbauweise (Tafelbau).
Bei der Pfosten-Riegel- und Rahmenkonstruktion werden Sprossen am tragenden Skelett b
Sprossen der Pfosten-Riegel-Konstruktion werden bauseits an das Tragwerk montiert die
Fassadenelemente bauseits eingefügt, während bei der Rahmenkonstruktion die Sprossen
Rahmen zusammengefügt und bei der Montage aneinandergesetzt werden. Die Platten kön
werkseitig eingebaut werden. Die Rahmen spannen in vertikaler Richtung von Decke zu De
Großformatige, geschosshohe oder halbgeschosshohe Tafeln werden als selbsttragende
Einzelbestandteile der Fassade bei der Element- oder Tafelbauweise direkt am Skelett bef
Baukonstruktive Einbindung der Photovoltaikmodule
Fassadenintegrierten Photovoltaik eignet sich nur bedingt für Baudenkmale. Die Photovolta
lassen sich gut in moderne Fassadenkonstruktionen integrieren und mit anderen Fassaden
kombinieren. Dies setzt als Träger jedoch eine Elementfassade - zum Beispiel als
Pfosten-Riegel-Konstruktion - voraus. Warmfassaden gibt es bei Baudenkmalen nur als
Fensterbereiche. Hinterlüftete Fassadenkonstruktionen (Kaltfassaden) sind die Ausnahme.
Außenwände von Baudenkmalen vor allem der vorindustriellen Zeit sind meist homogen in
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Massivbauweise aus Mauerwerk und Putz oder als Fachwerk konstruiert. Die Skelettbauw
vorgehängter Fassade verbreitete sich erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Photovoltaikmodule werden deshalb bei Baudenkmalen kaum als Fassadenbauteil - mit Au
Fensterbereich als Warmfassadenteil - verwendet, sondern auf das Dach aufgesetzt (konst
oder in die Dachfläche integriert. Gewöhnlich ist jeweils nur eine Seite des Daches (meist
aufgrund funktionaler und wirtschaftlicher Entscheidungen (Ertrags- und Kostenoptimierung
Photovoltaik belegt.
Signifikante Gestaltmerkmale von Photovoltaikmodulen
Modularität
Der Begriff „Modul" deutet auf eine Rasterung hin, ist also verbunden mit einer starren Geo
Fläche. Standardphotovoltaikmodule sind gerastert und rastern selbst: zum einen durch die
Zellenformate (sie bewirken ein quadratisches Raster), zum anderen durch die Modulabme
sich aus diesen festgelegten Maßvarianten ergebende Raster stimmt meist nicht mit der
Fassadengliederung des Baudenkmals überein. Meistens sind Fassade und Dach eines B
aufgrund seines Baustils und konstruktionsbedingt überhaupt nicht nach einem einheitliche
durchgängigen Raster gegliedert.
Eine Rasterung der Oberfläche unterstreicht die Plastizität eines Körpers. Was an Neubau
gewünschten gestalterischen Akzentuierung führt, erweist sich beim Umgang mit einem B
eher als Nachteil, denn die Photovoltaikflächen drängen das sie tragende jeweilige Bauteil
Vordergrund. Ist das Bauteil nur zum Teil mit Photovoltaikmodulen belegt, tritt die Modulari
Photovoltaikfläche stark als visuelles Defizit hervor.
Die Photovoltaikmodule kontrastieren deutlich zu den vorhandenen, historischen und gealte
Materialien und oftmals handwerklich gefertigten Bauteilen eines Baudenkmals (als industr
vorgefertigte Bauteil), deren serielle Herstellung gleichförmige Elemente ergibt. Die präfabri
Fertigteile zeichnen sich neuwertig durch die perfekten Abmessungen und makellosen Obe
Glasscheiben aus.
Baudenkmale weisen gegenüber Neubauten erhöhte Maßtoleranzen auf. Altersbedingte Un
kennzeichnen die Oberflächen, Schiefwinkligkeit die Körper. Werden Standardmodule auf d
installiert, ergeben sich ungleiche Abstände in der Horizontalen zwischen den Modulen, wa
unruhigen Erscheinungsbild führt. Eine Unebenheit des Untergrundes, die für das Baudenk
charakteristisch sein kann und seine Authentizität unterstreicht, wird besonders in der Reih
starren Rahmen verstärkt und wirkt zusammen mit den neuen Elementen unpräzise.
Farbigkeit der Elemente
Die verfügbare Farbpalette aller Solarzellen, gleichgültig mit welcher Technologie sie herge
ist aus physikalischen Gründen eingeschränkt.
Photovoltaikmodule mit kristallinen Siliziumzellen befinden sich standardmäßig im blauen
Farbspektrum. Die vorhandene Farbskala mit ihren klaren Tönen steht komplementär oder
kontrastiv zu den oftmals gedeckten und gebrochenen Farbtönen gealterter Baumaterialien
Bei den Modulen mit kristallinen Siliziumzellen ist darauf zu achten, dass alle Zellen den g
Farbwert besitzen, da sonst die Module fleckig wirken.
Photovoltaikmodule mit amorphen Siliziumzellen sind rötlich-braun. Werden die Module als
Kunststofflaminate auf ein dunkles Trägermaterial wie zum Beispiel Metalldachpaneele auf
sind sie nicht nur weniger steif als Glasmodule, sondern „verschmelzen" auch optisch mit
Untergrund. Die Farbigkeit verträgt sich besonders gut mit anorganischen Baustoffen aus g
Ton, wie zum Beispiel die Dacheindeckung aus naturroten Tondachsteinen.
Photovoltaikmodule mit alternativen Dünnschichtsolarzellen zum Beispiel aus Cadmium-Te
Kupfer-Indium-Diselenid sind schwarz mit einem grünlichen Schimmer (Cadmium-Tellurid)
mit einem bräunlichen Schimmer (Kupfer-Indium-Diselenid). Diese Farbigkeit verspricht ein
Verträglichkeit mit der Farbskala von historischen Materialien wie zum Beispiel gebrannter
und verwittertes Holz. Da die Technologie noch relativ neu ist, gibt es nur sehr wenige Beis
Einsatz an Baudenkmalen.
Texturen und Strukturen der Elemente
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Die haptischen und visuellen Eigenschaften der vorwiegend verwendeten komplexen Materi
(Verbundglas) kontrastieren jene Eigenschaften von einfachen Baustoffen (Dachziegel, Ma
Putz). Das vorwiegend verwendete Material Glas bewirkt eine schnelle Ableitung der Körpe
wenn man das Modul anfasst. Die Flächen fühlen sich kalt an, wohingegen Bauteile aus hä
Baudenkmälern verwendeten schweren, wärmespeichernden Materialien wie zum Beispiel
Putz die Körperwärme nicht so schnell ableiten und sich deshalb warm anfühlen. Auch die
der Oberflächen ist unterschiedlich: an Materialien wie zum Beispiel Ziegel oder Putz, zud
ist sie eher grob, an Glasscheiben eher fein.
Die glatte Oberfläche der Glasmodule macht eine wesentliche haptische Qualität der Elem
Werden in der gängigen modernen Architektur glatte, glänzende Oberflächen häufig verwen
Plastizität der Körper zu unterstreichen, so tendiert am Baudenkmal diese Eigenschaft ehe
vorhandenen Baukörper zu dominieren.
Das Deckscheibenglas tritt als glatte, glänzende Oberfläche in den Vordergrund, reflektier
helle, desintegrierte Fläche.
Die einzelnen Zellen müssen elektrisch verschaltet werden. Zellverbinderbändchen, auch
Kontaktbändchen genannt, führen bei kristallinen Siliziumzellen von einer Zelle zur nächste
Ende der Kette zur Anschlussdose. Das verzinkte Kupferband wird mit einem leitfähigen K
Trägerglas montiert. Aus den etwa zwei Millimeter breiten Bändchen entsteht ein Streifenm
nach gestalterischem Ansatz kann es dekorativ verwendet werden, was bei Neubauten ein
Gestaltungskonzepts sein kann.
Bei den Dünnschichtmodulen verbindet eine elektrisch leitende Schicht die einzelnen Zells
dass nur zwei silbrig glitzernde Kontaktbändchen am Modulrand für die Verbindung zur An
nötig sind. Die Modulfläche wird von weniger Elementen bestimmt und wirkt dadurch auch
betrachtet homogener und gleichmäßiger.
Optische Eigenschaften
Der Abstand der Zellen bestimmt die Lichttransparenz des Moduls, wenn das Trägermater
besteht. Die Module sind dann semitransparent. Kristalline Siliziumzellen liegen in einem A
zwei bis fünf Millimeter voneinander. Der Abstand der durchschnittlich ein en Zentimeter br
Dünnschichtzellen ist mit rund 0,5 Millimeter optisch kaum wahrnehmbar. In Abhängigkeit v
Distanz zur Fassade oder zum Dach entstehen diaphane Effekte. Je nach Abstand der Zel
die Module zur Tageslichtnutzung eingesetzt werden.
Die Solarmodule werden zum Lichtfilter, die - in Abhängigkeit von den optischen Eigenscha
Abdeckscheiben - farbneutrales Licht ins Rauminnere lassen.
Die einstellbare und hohe Transparenz ist im Inneren wahrnehmbar, von der Ferne erwecke
Modulflächen den Eindruck einer geschlossenen Hülle. Vor allem das Layout der Module m
Solarzellen erzeugt im Rauminneren ein Lichtgitter, das zwar zur Tageslichtnutzung ausre
ein sehr expressives Muster aus harten Schatten an den Flächen ergibt. Je näher die Modu
den lichtempfangenden Flächen liegt, desto stärker ist das Muster wahrnehmbar.
Durch das Einfräsen winziger, 0,15 Millimeter großer punktförmiger Löcher können die Mod
kristallinen Siliziumzellen ihre Transparenz nicht nur durch den Zellabstand, sondern auch
Zelldesign gewinnen. Die Fertigung dieser so genannten Power-Solarzellen wird jedoch bisl
einem Hersteller ausgeführt. In Baudenkmalen kam sie bisher noch nicht zum Einsatz.
Die Dünnschichttechnologie eröffnet den größten Spielraum, was die Erzeugung einer kon
Belichtung und homogenen Leuchtdichteverteilung im Rauminneren anbelangt. Die elektris
Beschichtung wird ausgelasert. Dadurch entsteht je nach der erwünschten Transparenz de
Eindruck, man blicke durch eine Gardine. Die Dünnschichtmodule eignen sich besonders g
wirksamen Blendschutz.
Der Lichtdurchlassgrad muss mit der Wirksamkeit des Moduls abgestimmt werden, denn j
Transparenz, desto geringer ist die elektrisch wirksame Fläche eines Moduls.
Verhalten im Gebrauchsprozess
Gerhard Auer unterscheidet und hierarchisiert die Baustoffe in der Architektur nach dem Gr
Bearbeitung. Es sind deshalb Werkstoffe. Je komplexer ihre Bearbeitung, desto artifizieller
Produkte. Im Sinne Auers gehören die bei Baudenkmalen verwendeten Werkstoffe zur dritt
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Bearbeitungsstufe: „Verformende Bearbeitung", das heißt chemo-physikalische Umwandlu
Zerkleinern, Schmelzen, Brennen, Gießen. Es entstehen Tonziegel, Keramiken, Glas, Kal
bei den anorganischen Werkstoffen. Der organische Werkstoff Holz zählt nach Auer sogar
davor liegenden zweiten Stufe der Bearbeitung, wenn er geschnitten, gehauen oder gepres
Photovoltaikmodule als Verbundgläser gehören nach dieser Genealogie wie die ebenfalls a
Werkstoffe Stahlbeton oder Edelstahl und die organischen Werkstoffe Holz- und Harzlamin
fünften Bearbeitungsstufe an. Diese Werkstoffe werden zu ihrer Herstellung aus unterschie
Materialien vernetzt, legiert und laminiert. Die verschiedenen Bearbeitungsstufen nach Auer
beschrieben, die Skala ist nach oben offen) deuten darauf hin, wie problematisch die niveau
Einbindung der Photovoltaikmodule (hoher Bearbeitungsgrad) in historischer Bausubstanz
Bearbeitungsgrad) ist.
Die bei Photovoltaikmodulen eingesetzten Materialien werden mit großem technologischen
hybriden, heterogenen Produkten transformiert. Dagegen werden die bei Baudenkmalen vo
Materialien mit weniger verfahrenstechnischem Aufwand bearbeitet und zu Produkten wie Z
Schnittholz umgewandelt. Die beiden Werkstoffgruppen haben deshalb völlig unterschiedlic
Alterungsweisen. Photovoltaikmodule gehören aufgrund der Materialien ihrer Deckscheiben
Kunststoff) und der Materialien von Bauteilen wie Aluminiumrahmen und Kunststoffleitunge
denjenigen Bauelementen, die durch Gebrauchsspuren, Abnutzungs- und Alterungsprozes
Qualität verlieren.
Unterscheidet man weiter die Bauprodukte nach ihrer Formbarkeit, so lassen sie sich in R
Halbzeug, Fertigteile und Installationen (Applikation) differenzieren. In diesem Sinne ist ein
Photovoltaikmodul als Halbzeug noch formbar und adaptiv, als konfektioniertes, serielles F
nicht mehr einpassungsfähig.
Anpassung von Photovoltaikmodulen
Solarmodule müssen den ästhetischen Anforderungen eines Baudenkmals in zweierlei Hin
werden: zum einen in ihrer Flächenwirkung, zum anderen in ihrer Detailausbildung und in ih
Abstimmung auf die vorhandenen historischen Materialien und Konstruktionen. Standardmo
diese Anforderungen häufig nicht.
Dummies
Wenn aufgrund funktional-technischer Entscheidungen (vor allem wegen Verschattung) nur
mit Photovoltaik belegt werden, soll ein homogenes Gesamtbild dadurch entstehen, dass i
Restfläche so genannte Dummies eingesetzt werden. Oftmals wirken sich auch nur unters
Nuancen in der Farbigkeit und Oberflächenbeschaffenheit der Module störend aus. Wenn a
elektrisch inaktive Module verwendet und diese mit den elektrisch aktiven Modulen kombin
können die Flächen einheitlich belegt werden. So vermeidet man farbliche und strukturelle
Kaschierungen
Im Detail wirken die Kontaktbändchen störend und dekorativ, wenn eine homogene Fläche
Mit Kunststoffklebestreifen, die beständig gegen ultraviolettes Licht sind, werden die silbrig
Kontaktbändchen überdeckt und damit kaschiert.
Wegen der Moduldichtigkeit ist ein bei Dünnschichtmodulen ein unbeschichteter und bei k
Siliziummodulen ein unbelegter Modulrand nötig. In diesem Bereichen ist das Modul transp
Glasrand wird mit Kunststoffklebestreifen kaschiert oder - bei der Dünnschichttechnologie
Zell- und Modulfarben
Die technologisch möglichen Farben von kristallinen Siliziumzellen reichen von blaugrün üb
bis magentarot. An Baudenkmalen kamen sie bisher nicht zur Anwendung. Graue Zellen s
möglich, wenn man wie bei den anderen nicht-blauen Zellen Ertragseinbußen in Kauf nimm
Farbigkeit ist zurückhaltender und somit denkmalverträglicher.
Nicht nur die Zellen, auch das Trägermaterial bestimmt die Farbigkeit eines Moduls. Wird e
Kunststofffolie (zum Beispiel Tedlar) oder farbiges Glas verwendet , so können die spezifisc
Anforderungen erfüllt werden. Je dunkler der Hintergrund, desto mehr Solarstrahlung wird a
Zellen erwärmen sich, und die Module verlieren dadurch an Leistungsfähigkeit.
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Oberflächenmodulation
Eine raue Oberfläche des Deckglases streut das einfallende Licht und wirkt somit Reflexion
entgegen. Um dies zu erreichen wird eine Deckscheibe aus Ornamentglas oder eine strukt
Kunststofffolie eingesetzt.
Entwurfshaltungen
Wie ist gestalterisch mit einem Baudenkmal umzugehen? Entscheidend für den kreativen
Arbeit am Baudenkmal bleibt der Bereich des letztlich nicht Zugänglichen, des Unbekannte
historischen Bauwerk. Der Handelnde sollte sich deshalb die Fragen beantworten: Mit welc
Legitimation füge ich dem Baudenkmal eine weitere historische Schicht hinzu? Mit welche
Selbstverständnis greife ich ein? Wie gültig ist meine Einschätzung aus dem Augenblick?
Je mehr gestalterische Eigenständigkeit ein Eingriff für sich in Anspruch nimmt, desto höh
Anforderungen an die Qualität des Entwurfs. Die baulichen Eingriffe, die ein Gebäude im La
Daseins erfahren hat, sowie die seine Gebrauchs- und Verschließspuren sollen sichtbar un
bleiben. - wie die Jahresringe eines Baumes als Schichten auf sein Alter und seine Entwic
hindeuten.
In diesem Schichtmodell bleibt das jeweils Neue ablesbar. Spätere Hinzufügungen oder Üb
des Originals besitzen häufig selbst Denkmalwert, und auch der Umformungsprozess hat
Informationswert, denn er spiegelt die Notwendigkeiten und Möglichkeiten der jeweiligen Ze
deren Gestaltvorstellungen wider. Entscheidend ist also die Qualität der Veränderung sowie
Informationswert. Die Frage steht im Vordergrund, ob ein Gebäude so wiederhergestellt we
es einmal war, oder ob es mit modernen Ergänzungen weiterentwickelt werden soll.
Folgende prinzipielle Entwurfshaltungen, die das Schichtmodell und die Ablesbarkeit des N
abnehmender Distanz zum Vorhandenen interpretieren, sind möglich:
Abstand / Trennung,
Kontrast,
Opposition,
Dialog
Verschmelzung.
Solaranlagen verändern nicht selten erheblich den Charakter des Baudenkmals
weil sie von ihren Bauherren als Symbol eingesetzt werden. Photovoltaikmodule haben ein
zeichenhaften Charakter. Die Photovoltaik am Gebäude weist über ihren eigentlichen Zwec
Stromproduktion hinaus: Sie repräsentiert.
Eine Solaranlage steht für das Umweltengagement ihrer Bauherren. Besonders bei Kirchen
Photovoltaikanlagen als Ausdruck des Sendungsbewusstseins ihrer Initiatoren eingesetzt.
Solaranlage wird als Botschaft, als modernes Zeichen verstanden, als eine Variante des K
Kirchendächer eignen sich auf Grund ihrer Ausrichtung besonders gut für die technische N
Sonne. Die Apsis ist meist nach Osten gerichtet, dadurch ergeben sich zwei Schrägdachfl
Süden und Norden. Die Gebäude stehen meist frei und sind deshalb weithin sichtbar. Som
gute funktionale und mediale Voraussetzungen gemeinsam genutzt, wenn es um die Photo
als Zeichen geht.
Problemfelder
Zielkonflikt
Baudenkmale konfrontieren die am Bau Beteiligten mit besonders anspruchsvollen Anforde
Integration der technischen Elemente. Geht es den einen um die Ansprüche an Energieein
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Interesse des Klimaschutzes, so den anderen um ein ästhetisch befriedigendes Erscheinu
Bauwerken.
Der Anteil der denkmalgeschützten Gebäuden liegt zur Zeit bei drei bis fünf Prozent der Ba
Deutschland. Auch wenn der Anteil der Baudenkmale gemessen an der Gesamtheit des
Gebäudebestandes nur gering ist, so ist es für den betreffenden Bauherren und Besitzer ei
Baudenkmales meistens das einzig in Frage kommende Gebäude, an dem er eine Solaran
integrieren kann. Er entscheidet sich mit seinem Engagement für die Solartechnologie nich
Baudenkmal, sondern möchte einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten. Die Ar
Bauherren für den Einsatz von Solartechnologie in denkmalgeschützten Gebäuden sind:
den Lebenskomfort – auch im öffentlichen Interesse - zu verbessern (im Hinblick auf die
umweltentlastende Wirkung der energieerzeugenden Anlagen),
die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit zu sichern (in diesem Sinne wäre eine Photovoltaik
Prestigeobjekt zu betrachten, das das Gebäude ‚veredelt’),
die Nutzungsmöglichkeit des Gebäudes zu gewährleisten (zum Beispiel bei einem Haus oh
Netzanschluss) oder
eine Solaranlage in der heutigen Zeit zur Standardausstattung von Gebäuden zu zählen (w
Antennen, Isolier- oder Lärmschutzfenster oder Garagen).
Die Förderinitiative der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) „Kirchengemeinden für die
Sonnenenergie" brachte diesen Zielkonflikt bei vielen ihrer Förderprojekten zum Ausdruck.
Kommunikation
Ein weiteres Konfliktfeld zwischen Genehmigungsbehörden und Bauwilligen eröffnet sich in
Kommunikation zwischen den Entscheidungsträgern. Die Behörden werden zu spät einges
geschieht es häufig, dass Hauseigentümer eine solartechnische Anlage auf dem Dach ihre
installieren ohne darüber informiert zu sein, dass sie dafür eine denkmalrechtliche Genehm
brauchen. Vielen Bauherrn sind die verfahrensrechtlichen Systeme der Unterschutzstellung
Denkmalen nicht geläufig. Welches System angewendet wird, variiert in den einzelnen Bun
Zähes Ringen um eine für beide Seiten akzeptable Lösung - nicht selten auf politischer Ebe
ausgetragen - führt zu Verzögerungen im Projektablauf.
Wissensdefizite
Dass die Auseinandersetzungen zwischen Denkmalschutzbehörden und solar engagierten
so hart geführt werden, liegt auch an den Wissensdefiziten, die auf beiden Seiten noch be
Während die Bauherren oftmals Experten in der Anwendung von Solartechnologie sind, sin
unsicher, wie ihr Baudenkmal in seinem kulturellen Wert einzuordnen ist. Umgekehrt sind
des Denkmalschutzes bewandert in der kunst- und baugeschichtlichen Bedeutung des Ku
ihnen fehlt jedoch häufig das „Know-how" in der Solartechnologie.
Nicht-Akzeptanz
Die Denkmalschützer und Denkmalpfleger haben meistens Probleme, Photovoltaikmodule
thermische Kollektoren an den Baudenkmalen zu akzeptieren – was verständlich ist, wenn
Mehrheit der baulich-gestalterischen Lösungen betrachtet.
Dies führt zu einem weiteren Grund, der die Auseinandersetzung mit dem Thema Solartech
Denkmalschutz interessant macht: die Kriterien für eine ästhetische Gestaltung von Bauw
Solarpaneelen. Im Interesse des Denkmalschutzes dienen diese Kriterien dem Erhalt des
Erbes. In Denkmalschutzprojekten werden diejenigen Entscheidungsgründe definiert, nach
Solarflächen in Dach und Fassade als verträglich (und damit ästhetisch gelungen) oder ina
gelten. Die Kriterien des Denkmalschutzes machen die Anforderungen an Solarpaneele als
Bauelemente, die mehr als ein technisches Zubehör oder teures Dekor am Gebäude sein
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
offenkundig. Damit zeigen sich auch die Perspektiven auf, die Solarpaneele im Kontext der
haben können.
Seitenanfang
Das Kirchgebäude und die Nutzung erneuerbarer Energie
Schöpfungsauftrag ?!
Dr. Ulrich Böhme, Baureferent i. R., Landeskirche
Luth. Landeskirche Sachsens, Dresden
Wie sich nach allem schon Dargestellten als Nich
dem mir gestellten Thema nähern, ohne dabei Eul
Meißen tragen?
Zu meinen Erfahrungen gehört, dass die mit dem
Forum korrespondierenden Zusammenhänge kein
Allgemeingut sind, geschweige gesellschaftliche A
genießen. Im Gegenteil, erneuerbare Energien in/an/auf Kirchgebäuden werden noch häufi
Hobby kirchlicher Außenseiter diskreditiert.
Deshalb bin ich dankbar, hier einige Fakten, Einsichten und Erwartungen ausbreiten und z
stellen zu dürfen. Sicher wird Ihnen auch Bekanntes ans Ohr dringen. Dann konzedieren S
mit dem Bonus, wonach Wiederholung die Mutter aller Pädagogik sei.
Die Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Umwelt sind längst keine Black box meh
meisten Probleme der Umweltverschmutzung bekanntlich – Bildrede – aus der Luft gegriffe
gilt auch für den Renner auf der Hitliste aktueller Problemthemen, die Klimaveränderungen.
ein globales Ursach-Wirkungs-Szenario bis hin zur noch nicht auszuschließenden ökologis
Selbstzerstörung.
Ich bin nicht um eine Analyse dieser Krise gebeten. Deshalb dazu nur einige Anmerkungen
Erschließung meiner Thematik.
Seit dem 17. Jahrhundert hat sich die Weltbevölkerung verzwölffacht. Der Weltenergieverbr
sogar auf das 150-fache gestiegen. Die dafür in Anspruch genommenen, über Jahrmillionen
entstandenen fossilen Energieträger, zugleich wertvollste Produktionsrohstoffe, werden in
vergleichsweise wenigen Jahrzehnten aufgebraucht sein. Und das mit dramatischen Neben
Die Bewirtschaftungsfristen datieren bei den Restbeständen von Erdöl auf etwa 4, bei Erdg
Jahrzehnte und bei Kohle auf etwa 1,5 Jahrhunderte. Bezogen auf Vergangenheit und Zuku
Menschheit ist das „Übermorgen". Deshalb dürfen die verbliebenen Reserven fossiler Energ
die Dynamik deren Reichweiten nicht zu Illusionen oder gar zu strategischer Verharmlosun
noch dazu im Jahr 2002 auf dem ersten Internationalen Workshop zur Ölverknappung post
„Nachdem die Geologen den Erdball gründlich durchwühlt haben, wartet kein gigantisches
auf seine Entdeckung".
Limitierender Faktor sind aber gar nicht zuerst die schwindenden Vorräte fossiler Brennsto
die ökologischen Konsequenzen ihres Gebrauchs sowie die politischen Risiken infolge Abh
den Ölförderländern.
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
85 % der klimaverändernden Treibhausgase werden der Energiewirtschaft zugeschrieben. D
verbundenen Auswirkungen sind noch nicht umfassend bewertbar. Und sie werden perman
kollektives menschliches (Fehl-) Verhalten intensiviert, das sich fatalerweise an Fragen wie
denn ich?" bzw. „Warum den ich nicht?" orientiert. Dem liegt die uns allen vertraute mensc
Schwäche zu Grunde, dem längerfristigen Nutzen den kurzfristigen „Gewinn" vorzuziehen.
Offensichtlich ist nichts so unglaublich wie die Wahrheit; deshalb nehmen sie viele nicht re
wahr und verhalten sich der Zukunft gegenüber wie jene Zureisenden, die die Toilette versc
zurücklassen, weil sie wissen, dass sie diese kein zweites Mal benutzen
Weniger spektakulär formuliert folgendes höchst bedenkenswerte Beispiel: Zur Herstellung
Blattes weißen Papiers wird eine Energiemenge benötigt, mit der ein 60-Watt-Glühbirne ei
brennen könnte. Bitte ziehen Sie daraus Ihre eigenen Schlüsse.
Die M e n e t e k e l der ökologischen facta und futura scheinen ihre Schockwirkung auf un
haben. Als selbsternannte Schwachverständige neigen wir an unseren politischen Stammt
zum Beschwichtigen. Unser Lebensstil und die Gebaren der Wirtschaft erinnern fatal an So
o l l e n offensichtlich nicht wahrhaben, was wir bereits seit dem Jahr 1972 vom Club of Ro
Dazu kommt, dass eindimensionale Ideologie mit „ökonomischem Sachzwang", bei der all
her bestimmt wird, Ursache der globalen Gegenwartsprobleme ist – der landwirtschaftliche
Monokulturen und Massentierhaltungen, des Raubbaues an den Regenwäldern, der
Lebensmittelvernichtungen, der bedrohlichen Klimaveränderungen bis hin zum so erbärmlic
Terrorismus.
Ohne die Bedeutung der Ökonomie zu verkennen: Sie allein darf nicht Kriterium für
oder gar für ökologisch nachteilige Entscheidungen sein. Ökonomische Argumente müsse
Werteorientierten Gewissenskontrolle unterzogen werden. Anderenfalls droht, dass eben d
Fällen des letzten Baumes und wenn der letzte Fisch gefangen ist, wahrgenommen wird, d
auch frau, Geld nicht essen kann …
Bei ökologisch orientierten Alternativen werden häufig nicht die Preis-Nutzen-Relation, son
die gegenüber herkömmlichen Standardlösungen erforderlichen Mehrkosten bewertet. Hier
Grundübel aller – teilweise auch vorsätzlichen – Fehlinterpretation.
Ganz besonders Solaranlagen wird häufig mit der abwehrenden Frage begegnet: Rechnet s
das? Damit disqualifiziert sich allerdings der mit zweierlei Maß messende Fragesteller sel
beim Autokauf noch bei der Anschaffung „schon wieder" neuer Kleidungsstücke oder Möbe
ähnlich distanziert, obwohl es diesbezüglich eher begründet wäre. Aber vielleicht gelingt es
Solaranlagen in unserem Bewusstsein schrittweise zu Statussymbolen für Haltung und Vo
entwickeln.
Max Frisch provoziert deshalb mit der Erkenntnis: Wer will, dass die Welt so bleibt, wie si
nicht, dass sie bleibt. Das geht unter die Haut, stimmt nachdenklich, weil, ja weil wir die W
Solcherart Impuls und Forschungsergebnisse sowie Prognosedaten zu Energiebedarf,
Energieerzeugung und zu erwartenden Auswirkungen vor allen auf das Weltklima waren im
Jahres 2000 für den Bundestag Entscheidungsgrundlage zum Beschluss des Erneuerbare
Gesetz (EEG). Mit diesem Gesetz ist ein bemerkenswertes politisches Signal für eine nac
Aufwertung auch der S o l a r e n e r g i e n u t z u n g gesetzt – initiiert durch die EU-Kom
nicht durch Herrn Trittin, schon von der Regierung Kohl/Töpfer ins Regierungsprogramm au
und nun nach intensiven Verhandlungen durch einen Mindestkonsens in den Fraktionen de
Bundestage möglich geworden.
Damit steht für nachhaltige Energiepolitik ein legitimes und effizientes Steuerinstrument zu
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
der Förder- und Subventionspolitik im Gesundheits-Verkehrs-, Kultur- und Sozialwesen, in
Landwirtschaft, Steinkohlebergbau und Denkmalpflege direkt vergleichbar.
Staatsregierung (CDU) schreibt seit dem Jahr 2001 sogar einen jährlichen Umweltpreis zum
Solarenergienutzung aus.
Teilweise wird beklagt, dass der Verbraucher die Subventionen im Bereich erneuerbare En
trägt. Natürlich! Aber wie populistisch. Fast alles Neue musste gefördert werden, ehe es si
durchgesetzt hatte (Schildbach). Das ist logisch, ist normal. Dennoch sind die pekuniären
Auswirkungen der staatlichen Fotovoltaik-Förderung auf den Endverbraucher marginal.
Die Strom-Bezugskosten erhöhen sich um etwa 0,01 Cent pro kWh. Beim durchschnittlich
Stromverbrauch eines Haushaltes ergibt sich damit eine zusätzliche „Belastung" infolge
Subventionierung von Solaranlagen von ca. 2 (zwei!) Cent pro Monat. Diese Größenordnung
„Mitbezahlung" sollte jedem im Interesse unserer Lebensumwelt zumutbar sein!
Übrigens: Atomkraft und Kohle erhalten wesentlich höhere Subventionen vom Steuerzahler
erneuerbaren Energien.
Ungeachtet all dessen wird die Gesellschaft in sehr absehbarer Zeit beträchtliche Aufwendu
ökologisch bedingte Korrekturen – denken Sie bitte an die Erweiterung von Dammbauten u
Rückhaltebecken, an den Rückbau ausgedienter AKW`s, an Anpassungen in Landwirtscha
Umwelt usw. – und für die Sicherung unserer Lebensbedingungen überhaupt leisten müsse
Daran gemessen sind die erörterten Subventions-Belastungen nicht einmal peanuts. Unter
darauf geht Quasching in seiner Habilitationsschrift ein, die sich mit klimaverträglicher
Elektrizitätsversorgung im 21. Jahrhundert befasst.
Endlich das Klima gegen anthropogene Störungen zu schützen ist längst mehr als ein pol
Programm. Die Störpotentiale sind so immens, dass man sich sogar genötigt sieht, die Ve
von Abgasbilanzen der Unternehmen als Gegenstand internationalen Handels freizugeben.
Vorbereitungen dafür laufen, Einführung geplant für das Jahr 2005.
Das alles heißt doch: Wir dürfen mit unserem Globus nicht länger umgehen, als verfügten
Reserveglobus für Notzeiten. Die Sorglosigkeiten von gestern und heute werden ohnehin die
morgen sein. Es bedarf also dringend ermutigender Zeichen und nachahmenswerter Beispi
Bereichen, auch wirksamer Impulse auf Verhaltensänderungen hin. In diesem Zusammenh
oder gerade – von bürgerschaftlichem, auch von christlich motiviertem Engagement zu spr
weder Strohhalm noch ritualisierende Beschwörung. Im Gegenteil! Wir leider ja nicht Mang
Erkenntnissen, wohl aber an der Fähigkeit, diese in geeignetes Handeln umzusetzen! Süff
hinzugefügt: Glücklich ist, wer nicht vergisst, was zu ändern ist; denn mit Redereien allein
kein Schiff bauen!
Die Zielstellung lautet: Gravierende Reduzierung der Primärenergieverbrennung und damit d
Kohlendioxyddemission insbesondere auch durch Solarenergienutzung, und zwar für Strom
(Fotovoltaik) und Unterstützung von Gebäudeheizung bzw. Brauchwassererwärmung (Solar
gleichermaßen.
Getrieben durch unser Gewissen, die Seele unseres Wissens, müssen wir dieses Ziel erre
en!
Gottlob gibt es bereits zahlreiche aus Verantwortung ergriffene Initiativen, doch längst nicht
Deshalb bemühen sich auch zahlreiche unserer Kirchgemeinden mit all ihrer Autorität, die
erkannten Zukunftsstrategien Vorbild schaffend in der Öffentlichkeit zu vertreten. Das erwar
um Zukunftssicherung Bemühten, die politische Verantwortung Tragenden eingeschlossen
Kirche ist bei allen Fragen der Sinnstiftung und Werteerziehung eine unverzichtbare Instan
Dürfen, Nichtdürfen und Sollen muss ein Rahmen gefunden werden. Nicht länger
müssten …, sonst wird tradiert: Heute ist die gute alte Zeit von morgen, oder schlimmer: K
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
t e n f ü r i h r e E l t e r n, also das Gegenteil von intragenerativer Gerechtigkeit.
Kardinal Lehmann dazu auf dem 1. Ökumenischen Kirchentag: „Gott hat den Menschen ke
räuberischem Verhalten auf Kosten kommender Generationen gegeben". Deshalb müssen
Kirchgemeinden vermittels einer biblisch fundierten ökologischen Ethik dazu beitragen, da
Schöpfungsurteil „Siehe, alles ist sehr gut" (1. Mose 1,31) nicht durch kollektives Fehlverh
Geschöpfes Mensch weiter ins Gegenteil verkehrt wird.
Wie aber ist die Rolle unserer Kirchgemeinden zu beschreiben?
„Und Gott, der Herr, nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn b
bewahrte" (1. Mose 2,15).
ABER – dem biblischen Auftrag „M a c h e t e u c h d i e E r d e u n t e r t a n"
(1. Mose 1,28) ist das Menschengeschlecht weniger als Heger, sondern eher plündernd in
von Raubrittern gefolgt. Umkehr tut not. Schließlich befinden wir uns in einer ähnlichen Lag
im Alten Testament. Ihm wurde prophezeit, es werde eine große Flut kommen und er solle
t i g Vorkehrungen treffen….
Ein anderer geistlicher Wegweiser findet sich bei Franz von Assisi. In dessen berühmten S
heißt es unter anderem:
„Sei gepriesen, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
vornehmlich mit unserer Schwester, der Sonne:
Sie wirket den Tag und schenkt uns durch ihn das Licht.
Schön ist sie und strahlend in großem Glanze
Und deines Wesens, Allerhöchster, ein Gleichnis".
B e w a h r u n g d e r S c h ö p f u n g ist unaufgebbarer Bestandteil unseres christlichen G
s z e u g n i s s e s. Deshalb feiert die christliche Gemeinde im Gottesdienst die Schöpfun
Bewahrung der Schöpfung Gottes darf aber nicht nur gepredigt werden, sondern wir müsse
Mögliche dazu beitragen!
Viele Umweltgruppen und Bürgerinitiativen sind im kirchlichen Raum beheimatet. Und die S
Evangelischen Kirche in Deutschland wie auch die Katholische Bischofskonferenz haben b
1998 zum Stichwort Energie Aufrufe erlassen. Zum einen haben sie sich für Energieeinspa
ausgesprochen; denn es gibt kein Energieproblem, sondern infolge der zu billigen Energie
Energieverschwendungsproblem!
Prognostiker erwarten, dass in den Jahren von 1990 bis 2020 mehr Energie verbraucht wird
gesamten Menschheitsgeschichte bis 1990!
Darüber hinaus wurde von den genannten kirchlichen Gremien aufgerufen, auf kirchlichen G
Solartechnik zu installieren.
Doch Artikulation und Aktion, Anspruch und Umsetzung liegen bis heute noch weit auseina
Selbst im Landekirchenamt – nur dort? – war und ist eine geradezu pädagogische
Nöten. Beispielsweise habe ich mich immer wieder als Beleuchtungsmeister betätigen mü
Draußen ungetrübter Sonnenschein, drinnen alle Raumbeleuchtung aktiviert, selbst über
Abwesenheitszeiten hinweg …
Wie auch immer: Unseren Kirchgemeinden tun sich bei beabsichtigter Realisierung von So
gleich mehrere benennenswerte Schwierigkeiten auf:
Allem voran müssen für Solarenergienutzung auch bei den Gemeindegliedern
B e w u ß t s e i n und Überzeugung und damit Handlungsdruck vorhanden sein. Das ist k
selbstverständlich.
Ferner muss die gewollte Solaranlage f i n a n z i e r b a r sein. Auch das ist bei den vielfäl
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Verpflichtungen und Diensten unserer leider kleiner gewordenen Kirchgemeinden keineswe
selbstverständlich. Viele Gemeinden sind kaum noch in der Lage, ihre Gebäude zu erhalte
geschweige Solaranlagen zu errichten. Allein deshalb wurde die S t i f t u n g zur Bewahru
Baudenkmäler in Deutschland gegründet, für die wir Einzelpersönlichkeiten und Kirchgeme
Unternehmer, Planer und Künstler, Politiker und Handwerker ganz herzlich um Fördermitgl
bitten. Die Devise kann demzufolge nur lauten: Das eine, den Gebäudeerhalt, tun, und das
Errichtung von Solaranlagen, möglichst nicht lassen.
Schließlich: Fast alle kirchlichen Gebäude sind D e n k m a l e. Denkmale sind Gegenstan
kollektiven Gedächtnisses und aktiver Erinnerung an historische, ästhetisch-kulturelle, han
und andere Bedeutsamkeiten. Daraus folgt: Es ist keinesfalls selbstverständlich, Solaranla
Denkmalen zu errichten. Zumindest gelten sehr strenge Maßstäbe. Natürlich sind diese hö
subjektiv, was Definition und Quantität der gegebenenfalls behaupteten ästhetisch-sinnlich
Beeinträchtigung eines Denkmals durch Fotovoltaikanlagen betrifft.
Und – es besteht nicht nur scheinbar Dissens zwischen staatlich-denkmalschutzrechtliche
und staatlich-ökologischen Zwängen. Der eine Pol konzentriert sich auf das bloße Bewahr
Denkmals, der andere erwägt verantwortungsbewusst Weiterbauen am Denkmal, ohne ges
Spuren zu verwischen. Gerade deshalb fühlen sich Kirchgemeinden und kirchliche Baufach
Denkmalpfleger als Anwälte ihrer Baudenkmäler. Noch zugespitzter: Sie wissen sich als d
Pflichtverteidiger, ohne aber „Fundamentalisten" zu sein.
Deshalb sind wir grundsätzlich nicht bereit, eine lediglich puristisch-antiquarische Denkma
Rechtfertigung eines Generalboykottes für erneuerbare Energiegewinnung an uns überkom
kirchlichen Bauten anzuerkennen, ebenso wenig natürlich zitierbare Negativbeispiele von S
aus dem nichtkirchlichen Bereich. Vielmehr sind wir sogar von der Überzeugung geleitet, d
Bewahrung der Schöpfung noch höherrangiger ist als die von uns intensiv betriebene Bewa
kirchlichen Baudenkmäler.
Das hören und bedenken Sie bitte nicht als ein so genanntes Todschlagargument. Ich kan
moderater formulieren: Wer sich für Denkmale einsetzt, muss sich auf für Frieden, natürlich
Ökologie stark machen. Umweltschutz als besten Denkmalschutz zu apostrophieren ist de
mehr als ein nur plakativer Slogan.
Umweltaspekte sind also künftig ebenso selbstverständlich in eine kirchbauliche Planung e
wie Statik oder Bauphysik. Dennoch ist solcherart umweltbewusstes Bauen keine neue Di
ist Haltung aus Verantwortung. In diesem Sinn entspricht umweltbewusstes Bauen auch d
des soeben in der europäischen Kulturhauptstadt Graz abgeschlossenen 6. Internationalen
Altstadt und Baukultur: „Historisch zu handeln bedeutet, das Neue zu integrieren und gleic
Fortlauf der Geschichte zu sichern".
Natürlich nehmen wir verantwortungsbewusst Einfluss auf die in unserer Landeskirche gepl
Solaranlagen, stellen Forderungen an Planer und Hersteller von Solartechnologie. Das betr
Beispiel die Kleinteiligkeit, Farbwirkung und Anordnung der Module auf der jeweiligen Dach
geringmögliche Beeinträchtigung der ästhetischen Gebäudeerscheinung zu erreichen. Es m
an Lösungen gearbeitet werden, bei denen Form und Aussehren herkömmlicher Bedachun
weitgehend erhalten bleiben und dennoch Fotovoltaik integriert ist.
Dies alles nicht zuletzt auch deshalb, als bei Einführung der Solartechnologie verständliche
zunächst mehr „gebastelt" als architektonisch-denkmalpflegerisch gestaltet wurde. Der Ba
Kirchgemeinde stimmt sich also mit dem Bezirks- bzw. Landeskirchenamt ebenso ab wie
Fachplanern, mit dem Landesamt für Denkmalpflege und der Unteren Denkmalschutzbehö
Angesichts der dargestellten Entwicklung geht es nicht darum, ob überhaupt Solaranlagen
kirchlichen Gebäuden errichtet werden dürfen, sondern lediglich um Entscheidungen hinsic
und wie. Immerhin stammt von Erfolgsarchitekt Sir Norman Foster das Urteil:
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Frage der Mode, sie ist eine Frage des Überlebens!"
Das legt uns nahe, den begonnenen Prozess der Solarenergienutzung vom denkmalpflege
Standpunkt aktiv mitzugestalten. – In diesem Zusammenhang sei an die Entwicklungsges
e d a c h u n g s m a t e r i a l i e n erinnert: Grasnarbe, Steinplatten, Holzschindeln und R
abgelöst von keramischem Bedachungsmaterial und Naturschiefer und diese später von Bl
von Pappen und Kunststoffen.
Selbst auf höchst bedeutsamen kirchlichen Baudenkmälern ist Wechsel der Dacheindecku
nachweisbar. Erst vor wenigen Jahren haben wir zum Beispiel das über Jahrhunderte hinwe
deckte Dach immerhin des Freiberger Doms durch Kupferblech ausgetauscht. Und nunmeh
wird eben, zunehmend erfolgreich, an der Kombination der Funktionen von Fachdeckung u
Solarstromerzeugung gearbeitet. Wir werden uns auch daran peu à peu gewöhnen!
Parallel zum „Königsweg" Dach erforsch die Firma Glasmalerei Peters in Paderborn im
Zusammenwirken mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt Möglichkeiten, Fotovoltaik au
gestalteten Kirchenfenstern nutzbar zu machen. Erste Ergebnisse wurden bereits im Jahr 2
vorgestellt.
Der Solarenergienutzung eine bemerkenswerte Perspektive zu prognostizieren rechtfertigen
eingangs angedeuteten zivilisatorischen Zwänge. Jedenfalls zeichnet sich dank interdiszipl
Langzeitanstrengungen eine Entwicklung ab, die mit den Zuwachsraten nach Praxiseinführ
Erfindungen von Dampfmaschine oder Elektrizität vergleichbar sein wird.
Weitere die Solartechnik vorantreibende F a k t e n sind:
Die Sonne liefert täglich den Weltenergiebedarf von derzeit acht Jahren auf die Erde. Diese
Insolation zur Nutzenergiegewinnung in Anspruch zu nehmen ist eine Großchance. Sonne
ohne Risiken und Emissionen, ist unerschöpflich, schont irdische fossile Ressourcen und
„kostenlos".
Die Politik hat mit dem EEG die Entscheidung getroffen: Für bis Ende des Jahres 2001 ins
Fotovoltaik-Anlagen wird jede ins öffentliche Netz eingespeiste kWh 20 Jahre lang mit 99 P
vergütet (ab 2002 errichtete Anlagen „nur noch" mit 47 Cent). Darum titelte die Presse:
ins Solarzeitalter".
Kapitalwert-Untersuchungen erweisen Solaranlagen gute Rentabilität. Dabei sind eingespa
Sowiesokosten für Bedachungsmaterial, vor allem aber exorbitante (auch subventionierte!)
der konventionellen Energieerzeugung sowie die zu erwartenden Preissteigerungen bei kna
werdenden Energierohstoffen sogar unberücksichtigt.
Die Forschung konzentriert sich auf Effektivitätssteigerung, auf Ästhetik der Module und au
Reduzierung der Kosten der Solartechnologie.
Bundesweit sind Förderprogramme von inzwischen über 1 Milliarde Euro praxiswirksam ge
Eine Solarzelle egalisiert die zu ihrer Herstellung benötigte Energie durch eigene Stromerz
bereits in rund zwei Jahren. Für die Installation der Gesamtanlage werden etwa 7 Jahre ve
überrascht nicht, dass vergleichbare Werte für Kraftwerke herkömmlicher Provenienz unbe
Nach Erfahrungen der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie in Freiburg liegt die Lebens
Solarzellen inzwischen bei mehr als 25 Jahren. Nach der energetischen Amortisation bleib
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
mindestens 15-20 Jahre für ausschließlich umweltfreundlich produzierten Strom.
Und finanziell amortisieren sich Solaranlagen bei derzeitigen Konditionen nach spätestens
Alle für Heizung und Stromerzeugung kompetenten Anbieter von AEG über Buderos, Strie
hin zu Vaillant und Viessmann forschen im Bereich Solartechnik und produzieren bereits
hochbewährtes Angebot.
Dachdecker, Elektroinstallateure und Heizungsbaufirmen sind zunehmend mit der fachgere
Installation von Solaranlagen vertraut.
Selbst der auf Erdöl ausgerichtete Shell-Konzern erwartet, dass im Jahr 2050 die Hälfte de
Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen gespeist wird bzw. werden muss, soll ein koll
Szenario verhindert werden. Auf diese Prognose hin korrigiert Shell derzeit seine Konzerns
Ungeachtet all dieser Optionen finden Pessimisten auch für die Solarenergienutzung passe
Probleme. Oder anders ausgedrückt: Gegen Vorurteile kann man nicht in Berufung gehen!
Dank des im Jahr 1999 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück aufgelegte
sehr gewissenhaft vorüberlegten, zwischenzeitlich sogar erweiterten S o n d e r p r o g r a
Kirchgemeinden für die Solarenergie" konnten sich auch unsere Kirchgemeinden aktiv der
Zukunftstechnologie Sonnenenergienutzung zuwenden. Ziel dieses hochwillkommenen Pro
es, die Solartechnik in ein optimiertes energetisches Gesamtkonzept einzubinden und dam
bestehenden Energiebedarf ressourcesparend, emissionsreduziert und kostengünstig zu g
Dieses Programm ist inzwischen abgeschlossen, leider.
Unsere Landeskirche liegt in der Inanspruchnahme des DBU-Förderprogramms erfreulicher
bundesweit mit „vorn". Die einhundertste von der DBU geförderte Anlage wurde in Anwesen
Herrn Generalsekretär Brickwedde in Bautzen feierlich in Betrieb genommen.
Auch die Sächsische Landeskirche unterstützt die Solarenergienutzung, weil diese nachha
rentierlich und dem Evangelium gemäß ist. Auf Antrag der Kirchgemeinden gewährt sie Zu
zu 18,3 Prozent der Errichterkosten.
Zu den geförderten Gemeinden, die beispielhaft Beispielhaftes geleistet haben, gehören un
Bad Gottleuba, Dresden-Apostel, - Cossebaude und –Weinberg, Nossen Strauch und die E
Akademie Meißen. – Auch zahlreiche katholische Gemeinden (in Dresden, Ostritz, Plauen
Schmochtitz und anderswo) haben sich für Solaranlagen entschieden.
Unsere mit 260 m2 und 24000 kWh Jahresleistung größte Fotovoltaik-Anlage ist auf der S
Matthäuskirche in Zwickau installiert. Diese erspart, auf 20 Jahre bezogen, den Einsatz vo
sowie die Emission von je fast 600 t CO2 und SO2 sowie 1000 t NOx.
Erwähnenswert ist schließlich die Fotovoltaik-Anlage auf der St. Nikolaikirche in Leipzig, w
der Vorbereitungsphase geltend gemachten denkmalpflegerischen Bedenken nach Realisie
ausnahmslos n i c h t bestätigt haben.
Die Kirchgemeinden verbinden mit ihren Anlagen intensive Öffentlichkeitsarbeit. Neben frei
Visualisierungseinrichtungen dienen Faltblätter und Broschüren, Gemeindeveranstaltungen
Christenlehre und Konfirmandenunterricht sowie die Zusammenarbeit mit öffentlichen Einric
Vereinen und Schulen der Informationsvermittlung und Argumentationshilfe, um
Nutzung erneuerbarer Energien zu bewirken. Denn dass v i e l wenig viel ergibt ist Erfahrun
Vision!
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Schmerzlich gescheitert sind wir mit der Planung, auch auf der Dorfkirche zu Zadel eine So
errichten. Schmerzlich – weil die denkmalschutzrechtliche Genehmigung mit nicht nachvol
Gründen vorenthalten wurde.
Die derzeitigen technischen Parameter sind weitgehend bekannt.
10 m² Modulfläche bringen etwa
1,2 kWp Anlagenleistung, was ca. 35 % des Stromverbrauches eines 4-Personen- Hausha
entspricht;
bei einer durchschnittlichen jährlichen Insolation von 800 kWh/m2 liegt der Jahresertrag be
kWh.
Es sei noch darauf hingewiesen, dass die meisten Kirchen zur Installation von Solaranlage
prädestiniert sind. Denn sie sind in Ost-West-Richtung gebaut, um den Altar aus guten sy
Traditionsgründen im Osten des Kirchraumes anordnen zu können. Dadurch ergeben sich
nach Süden orientierte, günstig geeignete Dachflächen, die wegen der Gebäudehöhe auch
Großgrün oder Baulichkeiten verschattet sind.
Zu prüfen bleibt selbstverständlich in jedem Einzelfall die denkmalschutzrechtliche Verantw
denn keinesfalls jedes Kirchgebäude kommt zur Installation von Solartechnik in Betracht.
Eines sollte durch diese Akademietagung angestoßen werden:
Wir kennen die ehrgeizige, wenn auch späte Zielstellung der Kyoto-Unterzeichner, damit a
Deutschen Bundesregierung zur Verminderung der CO2-Emissionen.
Eine ähnliche Verpflichtung sollte auch unsere Landeskirche eingehen, besser noch über d
EKD aller Landeskirchen. In unserem Bereich schlummern riesige Reserven im Sinn von e
Energie sparen!
Abschließende These: Das Thema Solarenergienutzung – keine Abprodukte, zukunftsvertr
ohne nennenswerten Bedienaufwand – darf nicht nur Sujet für unterhaltsame Wochenend-F
sein. Es bleibt für uns alles Pflichtlektüre mit dem Ziel, einem Paradigmenwechsel den We
helfen. Und es gehört in die Verkündigung mit dem Appell an die Gemeinde, dem Schöpfun
folgend etwas zu tun! Denn „wer den kleinen Stein aufhebt, der ihm zu tragen möglich ist, g
denen, die Berge versetzen" (Kardinal Meißner).
Zusammenfassend und ausdrücklich ermutigend stelle ich fest:
Aus vielerlei Gründen wäre eine Energiepolitik des Weiter-so-wie-bisher verheerend. Wir w
mit sehr großer Wahrscheinlichkeit auf uns zukommt, wenn wir keinen radikalen Bewussts
und Innovationen schaffen.
Die erneuerbaren Energien werden eine Erfolg versprechende Entwicklung nehmen, wenn w
solidarischer Vernunft, auch als Wahlbürger, den uns möglichen Beitrag leisten. Anderenfa
wir zu spät in der Zukunft an.
Deshalb wollen zunehmend auch unsere Gemeinden nicht nur Zeitzeugen, sondern aktive
dafür sein, dass die Solarenergienutzung zu einem selbstverständlichen und unsere Leben
stabilisierenden Bestandteil der Energieversorgung wird. Denn zum Christsein gehört, ethis
Mitverantwortung für die Schöpfung und damit für die Eine Welt wahrzunehmen.
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Den wohl entscheidenden Schub zur Nutzung erneuerbarer Energien auch für unsere Gem
das EEG geliefert. Künftige Technikgeschichte wird dieses Gesetz als Türöffner ins Solarz
bewerten, den grundlegenden Veränderungen etwa bei der Ablösung der Agrarwirtschaft du
industrielle Revolution vergleichbar. Und, in Abwandlung zu Heines begeisterten Jubel um d
aufbrechende Eisenbahnzeitalter: Unsere Generation darf sich rühmen, dass sie dabei gew
Seitenanfang
Evangelische Akademie Meißen als Bildungseinrichtung
Demonstrationsobjekt für die Anwendung Erneuerbarer Energien
Architektonische Gestaltung –
Dr. Eberhard Pfau, Architekturbüro Dresden
Als das Ev. - Luth. Landeskirchenamt Sachs
der Sächsischen Staatsregierung den Kaufan
ehemaligen Ökonomiehof des St. Afra Kloste
das ein ebenso mutiger und folgenreicher En
gleichzeitig auch die bewusste Entscheidung
Einordnung der Evangelischen Akademie Me
Baustruktur des kultur- und baugeschichtlich
bedeutsamen Denkmales Klosterhof St. Afra
relativ schnellen ersten Bauetappe ab Herbst
der Einweihung Pfingsten 1993 kam die Pha
Zielplanung, die in den folgenden 10 Jahren, trotz Unterbrechungen und gewissen Verände
relativ kontinuierlich umgesetzt werden konnte. Das bis heute Entstandene ist das Ergebn
intensiven Zusammenarbeit von Landeskirchenamt, der Akademie , den beteiligten Planern
Architekten und nicht zu zuletzt der wirklich kreativen Zusammenarbeit mit der Denkmalpfl
wesentliche Erfahrungen haben wir in den vergangenen 10 Jahren mit dieser Bauaufgabe g
erste ist, dass bei der Inanspruchnahme und Befähigung der historischen Bausubstanz für
Funktionen einer Ev. Akademie, die da sind Essen, Tagung, Übernachten, Parkmöglichkei
usw., dass dabei bauliche Lösungen entstanden sind, welche in ihrer Ausformung die spez
Geschichte des Ortes sichtbar gemacht haben, diese Geschichte in Teilen weiter geschrie
und dadurch eine ganz spezifische Färbung, Identität und Unverwechselbarkeit erzeugt wu
dieser nachvollziehbaren Geschichte wird die Brücke von gestern über heute nach morgen
Dieser Atmosphäre von Alt und Neu, von Historie und Modernität ist es wahrscheinlich zu v
dass die Akademie Meißen allgemein als vertraut und angenehm empfunden wird.
Die zweite Erfahrung war die, dass das hier praktizierte etappenweise kontinuierliche sozu
langsame Bauen große Potentiale in sich birgt. Es schafft die Möglichkeit Dinge auszuprob
beim nächsten Schritt zu verbessern und erzeugt so eine gemeinsame Verantwortungsebe
Beteiligten. Sie überzeugen auch die genehmigenden Behörden, hier vor allen die Denkma
mutigeren Lösungen zuzustimmen, aus der Sicht auf das bisher Geleistete. Und natürlich
Reifeprozess aller Beteiligten, der heute in den aufeinander gefolgten Bauten erkennbar ble
So wie die Aufnahme von Geschichtsspuren in den heutigen Alltag eine ganz wichtige Kom
unsrer Arbeit war, so ist auch die effiziente Energienutzung, die Nutzung erneuerbarer Ene
auch die Senkung des Energieverbrauches ein konzeptioneller Grundsatz der Planung von
gewesen.
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Bei den Gäste- und Wohnhaus der Akademie, in der Freiheit 2, haben wir z. B. durch die V
eines früheren Innenhofes die Außenwandflächen des Hauses um ca. 25 % reduziert, was
Energiebedarf des Gebäudes entsprechend gesenkt hat. Gleichzeitig ist dadurch die Gesta
Aufenthaltsqualität dieses Bereiches enorm gestiegen und zur angenehmen und akzeptier
geworden.
Die Sonne taucht diesen früher finsteren , kalten Innenhof in freundliches Licht. Den Bewoh
dadurch Lebens- und Milieuenergien zu, die nicht zu messen, aber deutlich zu spüren sind
In die Kellerräume ist die Heizzentrale der Akademie eingebaut. Ein Blockheizkraftwerk, m
nachwachsenden Rohstoff Rapsöl gespeist, liefert Wärme und Strom. Das Regenwasser w
gesammelt und dient der WC-Spülung.
Die Geschichtsspuren sind sorgfältig erkundet, sie werden unauffällig vorgezeigt und beiläu
behutsam wie der Umgang mit dem Überkommenen ist –
Die gleichen ganzheitlichen Überlegungen finden sich im Klosterhof, sind hier jedoch um e
komplexer.Neben dem Aufspüren verschütteter, verbauter Geschichtsspuren werden aus G
prinzipieller Erschließungsnotwendigkeiten gravierende Veränderungen vorgenommen, welc
aus vergangenen Geschichtsspuren generell abgeleitet werden konnten.
Drei Beispiele sollen das architektonisch konzeptionelle Vorgehen zeigen.
Wirtschaftsverkehr und PKW-Stellplätze belegten den Akademie-Innenhof und zerstörten d
Nach zahlreichen anderen Untersuchungen wurde der Weg beschritten, den früheren Zwing
zwischen äußerer und innerer Stadtmauer auszugraben und durch die äußere Stadtmauer
Anlieferung und Abstellplätze zu organisieren.
Heute scheint diese Lösung ganz plausibel und erläutert nebenher die ursprüngliche
Verteidigungsanlage. Denkmalpflege und Bodenarchäologie haben genehmigt, was am Anf
unmöglich erschien.
Das Kreuzganghaus hatte nach der Säkularisierung als Folge der Reformation für Jahrhund
verschiedene Funktionen und war dementsprechend stark verbaut. Wir haben die frühere O
Kirche, Kreuzgang, Remter (Speisesaal) und schwarze Küche wieder hergestellt. Das gro
eingebaute Treppenhaus musste aus diesem Grund weichen. Heute steht das Treppenhau
Fundamentresten eines früheren Stadtmauerturmes und erschließt das Kreuzganghaus. A
mit der Aufnahme einer Geschichtsspur eine aus der heutigen Zeit kommenden Anforderun
selbstverständlich erfüllt.
Ein letztes Beispiel : Der im Laufe der Jahrhunderte verbaute und verfestigte Wehrgang hin
inneren Stadtmauer wird gestalterisch der früheren leichteren Bauart wieder angenähert un
Rampe ausgestattet, welche die beiden Akademieteile ohne Stufen miteinander verbindet.
die behindertenfreundliche Nutzung ermöglicht. Gleichzeitig sichert ein im alten Pönitenzeingebauter Wirtschaftsaufzug den Wirtschaftsverkehr der Akademie von außen, ohne das
wie bisher in den Akademiehof einfahren muss.
Auch die Art und Weise der Einordnung von Voltaik –
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Planungsprozess auf unterschiedliche einwirkende Kräfte reagiert hat.
Ursprünglich in das nach Süden orientierte Dach des Kreuzganghauses eingeordnet, gab e
Widerstände der Denkmalpflege. Auch wir waren von der Segmentierung des großen Dach
Dacheinbau nicht überzeugt. Daraus ist die heutige Lösung entstanden, die durchaus eine
Wiederverwendungseffekt haben könnte. Die Thermie- Elemente zur Warmwasserbereitung
den klar umgrenzten Dächern der Schleppgaupen, die Voltaik – Elemente, sind auf den ne
Stadtturm montiert, verschatten die obere Verglasung des dort eingebauten Treppenhauses
gestalterische Referenz zum benachbarten originalen Stadtturm.
So wie diese Beispiele exemplarisch zeigen sollen haben sich , vor allem durch die gründli
Mitwirkung aller an der Konzeption der Gebäude Beteiligten, die Probleme, die sich aus de
von Denkmalsbauten ergeben und oft zu baukulturellen Verlusten führen, in den hier vorges
Beispiel letztlich zu einer Verdichtung, zur Ergänzung, Weiterschreibung und Aufwertung d
gekommenen Bausubstanz geführt. Das macht uns Mut für neue Aufgaben dieser Art.
????
????
Seitenanfang
Effiziente Energienutzung –
Dr. Stephan Scheffler, Ingenieurbüro, Dresden
Mit der Nutzung Erneuerbarer Energien und Resso
verdeutlicht die Evangelische Akademie unsere Ve
für die Schöpfung und gibt ein anschauliches Beisp
nachhaltiges Wirtschaften.
Im Rahmen der Sanierung und behutsamen Erweit
historischen Bausubstanz des historischen St. Afr
Klosterhofes, in dem die Evangelische Akademie a
vier Anlagenkomponenten, die Erneuerbare Resso
in das technische Gesamtkonzept integriert worde
Folgende Anlagen sind entstanden
o Blockheizkraftwerk mit kaltgepresstem Rapsöl a
o Regenwassernutzungsanlage
o Solarwärmeanlage
o Solarstromanlage
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
sie dienen der Versorgung der Akademie mit Wärme- und Elektroenergie, der Elektroenerg
zu ca. 60 % durch die installierten Anlagen gedeckt werden.
Ausführliche Informationen unter www.ib-scheffler.de\aktuelles
Seitenanfang
Photovoltaik bei der Restaurierung in Sachsen – eine Innovation bric
Bahn
Dieter Winkler, Solarwatt, Solare- Systeme GmbH, Dresden
Solarsystemmodule stehen in unterschiedlichen F
Gestaltungen und Eigenschaften zur Verfügung un
dem Einsatzzweck und den Erfordernissen des
Denkmalschutzes weitestgehend angepasst werde
Angebot denkmalgerechter Solaranlagen nimmt Sa
führende Stellung in der Bundesrepublik Deutschla
Ausführliche Informationen unter www.solarwatt.de
Erneuerbare Energien und politische Umsetzung in Sachsen
Dr. Bernd Wolters, Referatsleiter, Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwir
Dresden
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Erneuerbare Energien und historische Bauten - Zusammenfassung d
Diskussionsstandes
Prof. Dr. Manfred Schmidt, Fachhochschule Zittau/ Görlitz, Zittau
Das Nutzen von Energien aus regenerativen Energiequ
und historische Bauten gehören zusammen
meist im Zeitalter der ersten solaren Zivilisation.
EREQ ist keine Erfindung unserer Zeit; es hat lange H
Wiederentdeckung hat Gründe, wie
§
Ressourcenverknappung (Ölpreiskrise),
§
§
Umweltbelastung,
Verantwortung für Arbeitsplätze, Unabhängigkeit.
Großteil der vorhandenen Bauwerke können mit dem Attribut „historisch" versehen werden.
Wir haben es im Wesentlichen mit gebauter Umwelt zu tun - das sind nicht allein Denkma
Diskussion der Tagung war auf breites Spektrum von Bauten gerichtet (Weinmann:
Reparaturgesellschaft).
Fokussierung auf Denkmale kann den Blick für Problemerkennen und -behandeln schärfen
Bewahrung der Schöpfung hat Vorrang vor Bewahrung der Denkmale.
Schutz der Gebäude ist wichtig. Aber: Ohne Energie müssen auch keine Dächer der Gebä
geschützt werden.
Für jede Sache gibt es Befürworter und Gegner. Jedoch: Durch dieses Widerspruchspaar w
Prozesse in Gang gesetzt.
Wie finden die, die Energie einsparen wollen, mit denen, die Gebäude schützen wollen, zu
Können Solaranlagen Aufmerksamkeit erwirken für das Erhalten der Schöpfung?
Sind Toleranzbereiche objektiv zu fassen?
Dürfen z. B. Kirchen geheizt werden?
Wie wirken sich unterschiedliche Lebensdauer und Alterung von Solaranlage und Gebäude
Sollen EREQ -Anlagen vordergründig wirken?
Müssen Solaranlagen versteckt werden?
Darf mit EREQ -Anlagen Geld verdient werden?
Gebäude wandeln sich von Energieabwertern zu Energiebereitstellern.
Meilensteine sind zu setzen, keine Zeichen der Hässlichkeit.
Neue Qualitäten für alte Gebäude: Denkmalpflege bringt sich befruchtend ein.
Neue Qualität in der Kommunikation: Tatsachen aussprechen und nicht ausklammern.
Richtlinien sind keine Dogmen.
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Seitenanfang
POSTER
Timo Leukefeld, Soli fer, Freiberg
Solardach
Ausführliche Informationen unter www.soli-fer.de
Dr. Alexander Kallweit, Solartechnik, Dresden
Photovoltaik auf denkmalgeschützten Gebäuden
Ausführliche Informationen unter www.energie-umwelt.de\Referenzen
Hendrik Herrmann, Ingenieurbüro Scheffler, Dresden
Solaranlagen auf denkmalgeschützten Gebäuden
Ausführliche Informationen unter www.ib-scheffler.de\Aktuelles
Thomas Hoffmann, Sachsen – Solar AG, Dresden
Solarstromanlage der Katholischen Pfarrgemeinde „Herz Jesu" in Plauen
Ausführliche Informationen unter www.sachsensolar.de\Poster
Johannes Hübner, Ulrich Clausen, Bischöfliches Ordinariat Dresden/ Meißen, Dresden
Dachintegrierte Solaranlage auf der Katholischen Kirche in Dresden - Löbtau
Ausführliche Informationen unter www.bistum-dresden-meissen.de in Vorbereitung.
Bilder zum Vortrag D. Winkler
Solarelemente am Firmengebäude SOLARWATT, Dresden
Dachintegration Weinbergskirche Dresden
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
Solarstromanlage der Katholischen Kirche in Plauen
St. Antoniuskirche Dresden
Standardmodule Glas-Folie zur Dachintegration
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Erneuerbare Energien und historische Bauten
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