III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII Joachim Richter 85.1 Bildgebende Diagnostik in ­Regionen mit begrenzten Ressourcen Wenige der zahlreichen bildgebenden Verfahren, die für Industrieländer entwickelt wurden, stehen in besonders armen Ländern wie in den Ländern Afrikas südlich der Sahara zur Verfügung. In Schwellenländern ist teure Technologie wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie zwar oft durchaus vorhanden, die ärmere Bevölkerung hat zu Untersuchungen mit solchen Geräten jedoch ebenfalls nur begrenzt Zugang. So beschränkt sich die Bildgebung, die für die weniger vermögende Mehrheit der Erdbevölkerung zugänglich ist, meist auf die konventionelle Radiologie und Sonografie. Die Abnahme der Kosten der Sonografie, die auf der rasanten technischen Innovation und zunehmenden Produktionszahlen beruht, führt dazu, dass sich diese Form der Bildgebung immer weiter etabliert. Diese Entwicklung gilt andererseits nicht für Röntgengeräte, deren Beschaffungs- und Wartungskosten in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen sind. Die folgende Darstellung kann keineswegs erschöpfend sein. Es sei daher auf die entsprechenden Standardwerke verwiesen. Dieses Kapitel konzentriert sich auf die Sonografie. Besonderes Gewicht gilt den Befunden, die nicht oder nicht genügend in den Standardwerken Berücksichtigung finden, die im Kontext der in Industrieländern erhobenen Pathologie stehen. ! Schwerpunkt für den Einsatz der Sonografie in Entwicklungsländern ist die Geburtshilfe und Gynäkologie. 85.2 Diagnostische Sonografie in ­Geburtshilfe und Gynäkologie Die meisten gynäkologischen Fragestellungen und Befunde unterscheiden sich nicht wesentlich zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Eine Arbeitsgruppe der WHO hat ein auch für radiologisch-technische Assistenten geeignetes Manual für Entwicklungsländer herausgegeben, das vor allem für die Geburtshilfe und Gynäkologie sehr hilfreich ist. Vielerorts steht eine Ultraschalleinheit zwar zur Verfügung, die aber nur mit einer Standardsonde bestückt ist, nicht jedoch mit einem 1020 Vaginalschallkopf. Gynäkologische Untersuchungen, die in Industrieländern transvaginal vorgenommen würden, müssen dann transabdominell erfolgen. Eine häufige Fragestellung ist die Bestimmung des Gestationsalters. In Entwicklungsländern sind hier einige Besonderheiten zu beachten: Werdende Mütter kommen, wenn überhaupt, meist nur einmal während ihrer Schwangerschaft zur Vorstellung und können das Datum der letzten Amenorrhö häufig nicht angeben. Für die Beurteilung des intrauterinen embryonalen und fetalen Wachstums muss die Ernährungssituation der Mutter berücksichtigt werden. Auch tragen Parasitosen wie Malaria, Bilharziose und andere Wurminfektionen zur Verlangsamung des fetalen Wachstums bei. Cave Bezieht sich der Untersucher auf die automatisch in der Software der Ultraschallgeräte integrierten Referenzwerte aus Industrieländern, besteht die Gefahr, einen Geburtstermin zu errechnen, der fälschlich um bis zu 4 Wochen später als der tatsächliche liegt. Die Qualität der Diagnostik von Malformationen hängt nicht nur stark von der Erfahrung des Untersuchers ab, sondern auch von der technischen Ausstattung des Ul­tra­ schallgerätes. Die Diagnose eines intrauterinen Fruchttodes ist mit Bedacht zu stellen, bei Unsicherheiten sollte die Indikation zu einer Nachuntersuchung sehr großzügig gestellt werden. Spezifische kulturelle Gegebenheiten sind zu erwägen. Der Untersucher muss berücksichtigen, dass in einem bestimmten Kontext eine Geschlechtsbestimmung des Ungeborenen dazu missbraucht werden könnte, weibliche Feten abzutreiben. Dies erfolgt insbesondere dort, wo lokale Bräuche wie eine hohe Mitgift für Bräute Familien, die viele Töchter haben, finanziell besonders belasten. Cave In Indien und China beispielsweise ist es verboten, bei der Sonografie einer Schwangeren das Geschlecht des Fetus zu bestimmen. Mit Ausnahme geschlechtschromosomen-assoziierter Gendefekte liegt für diese Fragestellung selten eine medizinische Indikation vor. Weitere häufige Fragestellungen sind die Abklärung einer Mehrlingsschwangerschaft, der Position des Fetus vor der Geburt und eine eventuellen Plazentapathologie. Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. II 85 Bildgebung bei tropenspezifischen und parasitären Erkrankungen Sonografie endemischer E ­ rkrankungen im Rahmen von Kontrollmaßnahmen Die häufigsten Notfallindikationen in der Geburtshilfe sind der Verdacht auf eine rupturierte extrauterine Schwangerschaft und die Abklärung von Vaginalblutungen. Uterusfibromyome und benigne und maligne Tumoren sind zum Untersuchungszeitpunkt oft bereits sehr voluminös, da Frauen sich häufig erst bei sehr fortgeschrittener Erkrankung vorstellen. Zu berücksichtigen ist, dass auch Bilharziose und Tuberkulose tumorverdächtige Massen hervorrufen können. Die Darstellung vesikovaginaler Fisteln gelingt nur mit Einsatz von Kontrastmitteln. Tropenspezifische gynäkologische Befunde betreffen die Filariose, die urogenitale Bilharziose und das relativ häufige Auftreten der urogenitalen Tuberkulose. Infektiöse und bilharziöse Salpingitiden können zum Tubenverschluss führen und so zur Extrauteringravidität prädisponieren. Verkalkungen können bei Tbc und Bilharziose auftreten. 23 47 6 7 ! Bei jedem tumorverdächtigen Befund müssen diffe- 8 renzialdiagnostisch Tuberkulose und Bilharziose in Betracht gezogen werden. Indikationen der Mammasonografie entsprechen denen in Industrieländern. Tumorverdächtige Befunde sind von Infektionen abzugrenzen, wie Tuberkulose, Myiasis, Sparganose, Gnathostomiasis und anderen Wurminfektionen, die primär oder ektop in der Mamma auftreten können. Eine der bevorzugten Lokalisationen adulter Würmer von Wuchereria bancrofti ist die weibliche Brust. 9 31 11 a 12 85.3 Diagnostische Sonografie in ­anderen Fachrichtungen Die diagnostische Sonografie hat in allen medizinischen Disziplinen, wie Chirurgie, Pädiatrie und Innerer Medizin ihren Stellenwert. Pathologische Befunde ubiquitärer Erkrankungen hängen davon ab, wie lange die Krankheitsentwicklung stattgefunden hat und zu welchem Zeitpunkt nach Beginn der Symptome der Patient sich vorstellt. Kardiale Vitien sind zum Untersuchungszeitpunkt häufig weit fortgeschritten. 13 14 15 16 b 17 18 85.4 Sonografie endemischer ­Erkrankungen im Rahmen von Kontrollmaßnahmen Die voranschreitende Verbesserung tragbarer Ultraschallgeräte führt dazu, dass zunehmend tropenspezifische sonografische Befunde erhoben werden. Die Sonografie bietet die temporäre Unabhängigkeit von externer Stromversorgung durch tragbare Stromgeneratoren (Abb. 85.1). 83 84 c Abb. 85.1 a–c Portable Sonografiesysteme. Einsatz eines tragbaren Ultraschallgerätes in Uganda (a); Tragbarer Stromgenerator (b). Moderne tragbare Ultraschallgeräte (c). 85 1021 Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. 5 Bildgebung bei tropenspezifischen und parasitären Erkrankungen Portable Sonnengeneratoren für die Stromversorgung von Ultraschallgeräten sind in der Entwicklung. ! Die Möglichkeit sonografische Befunde ohne Zeitver- II III IV V VI VII VIII Außer Transportkosten fallen wenige Folgekosten an, da die Dokumentation mittlerweile elektronisch erfolgen kann und Reparaturen vergleichsweise selten anfallen. Erkrankungen, bei deren Kontrolle sich die Sonografie inzwischen etabliert hat, umfassen die Bilharziose, die Echinokokkose und die Filariosen. Eingesetzt wurde die Sonografie bei der Kontrolle der Leberegelinfektion und der Ösophagostomiasis. In Afrika wurde sie auch zum Screening der Bevölkerung auf Schilddrüsenerkrankungen genutzt. 85.5 Sonografie bei ­Reiserückkehrern und Migranten unter guten ­medizinischen Infrastruktur­ bedingungen IX X XI XII XIII Abb. 85.2 Viszerale Leishmaniose. Ausgeprägte Splenomegalie. Hypoechogene Areale in der Milz können den fälschlichen Verdacht auf ein Lymphom lenken. Technologische Neuerungen wie die Farbdoppler- und Kontrastmittelsonografie sowie die Entwicklung hochfrequenter Schallköpfe eröffnen immer neue diagnostische Möglichkeiten. Befunde, die in Industrieländern unter anderem mit „High-End“-Geräten erhoben werden, sollten immer zum Anlass dienen, Ergebnisse, die unter eingeschränkten Bedingungen bei Patienten mit ähnlichem Krankheitsbild erhoben wurden, zu verifizieren. 85.5.1 Sonografische Differenzialdiagnose Tab. 85.1 zeigt sonografische Organbefunde und mögliche Infektionsursachen. ■■ Leber Viele Erkrankungen, die sowohl bei Reiserückkehrern als auch bei Einheimischen aus (sub)tropischen Regionen auftreten können, rufen eine unspezifische Hepatosplenomegalie hervor. Beispiele sind Malaria, akute Bilharziose, HIV-Infektionen, Dengue-Fieber, Schlafkrankheit, akute Chagas-Erkrankung, Typhus abdominalis, viszerale Leishmaniose (Abb. 85.2) und Rickettsiosen. Die Splenomegalie kann nicht nur bei Viruserkrankungen (insbesondere akute HIV-, EBV-Infektion und virale Hepatitis), sondern auch bei akuten parasitären Erkrankungen mit einer Vergrößerung von intraabdominellen Lymphknoten assoziiert sein (Abb. 85.3). 1022 Abb. 85.3 Perihiläre Lymphadenopathie, wie etwa bei akuter Bilharziose, Hepatitis, HIV-Infektion etc. Bei der Malariadiagnostik erbringt die Sonografie selten eine relevante Zusatzinformation. Leberzysten ! ▶▶Als Kriterien zur Abgrenzung einer zystischen Echinokokkose (Kapitel 59) von einer Zyste anderer Ätiologie und sehr echoarmen Abszessen gelten der Nachweis einer deutlich echogenen Wand, der Abspaltung der Zystenwand vom Perizystium bis hin zum „Wasserlilienzeichen“: in der Zystenhöhle flottierende parasitäre Membran bei teilkollabierter Zyste. ▶▶Der Nachweis intrazystischer Tochterzysten ist ebenfalls richtungsweisend. Insbesondere junge Echinococcus-Zysten sind dem Immunsystem des Wirts gegenüber nicht zugänglich (≥ 30– 40 % der Fälle). In diesem Fall kommt es weder zu einer peripheren Eosinophilie noch zu einer spezifischen An- Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. lust während der Untersuchung vor Ort zu generieren, stellt einen entscheidenden Vorteil bei Surveys dar, bei denen Patienten im Idealfall gleichzeitig diagnostiziert und therapiert werden können. Sonografie bei ­Reiserückkehrern und Migranten unter guten m ­ edizinischen Infrastruktur­bedingungen Tab. 85.1 Organveränderungen in der Bildgebung und mögliche entsprechende Infektionen. Befund in der ­Bildgebung Organveränderung/ Genese Splenomegalie ± Hepatomegalie reaktive Milzschwellung Infektion 23 Protozoenerkrankungen: Malaria, viszerale Leishmaniase, akute Trypanosomiasis Helminthosen: akute Bilharziose, akute Leberegel-/Lungenegelinfektionen, Larva migrans visceralis bakterielle Infektionen: Typhus abdominalis, Rickettsiosen, Brucellose, Leptospirose, Q-Fieber ­Dengue, Arbovirosen etc. hereditäre hämolytische Anämie, familiäres Mittelmeerfieber 5 6 intraabdominale Lymphknoten-Vergrößerung reaktive Hyperplasie HIV-, EBV-, CMV- und andere Virusinfektionen, akute Bilharziose, Tuberkulose, atypische Mykobakteriosen Leberabszess kolliquative Nekrose Amöbiasis (E. histolytica sensu stricto), bakterielle Abszesse Leberzysten Echinokokkose Echinococcus granulosus, E. vogeli, E. oligarthrus regionale, scharf begrenzte hyperechogene Leberstrukturen portale und/oder septale Leberfibrose hepatolienale Bilharziose, Kaposi-Sarkom hyper- oder hypo­ echogene Leberherde hepatozelluläres Karzinom HBV, HCV, HDV-Infektion diffuse Leberveränderungen divers chronische virale Hepatitis, postnekrotische Leberzirrhose, ­Peliosis hepatis (Bartonella henselae), granulomatöse tuberkulöse Hepatitis, AIDS, Malnutrition hypoechogene Milzherde Wurmmigration, Infiltration Filariosen, Lymphom, Abszess, Infarkt chronische Spleno­ megalie divers unter anderem hereditäre hämolytische Anämien, Familiäres Mittelmeerfieber, hyperreaktive Malaria-Splenomegalie, hepatolienale Bilharziose, postnekrotische Leberzirrhose Pleuraerguss, Perikard­erguss Inflammation Tuberkulose, akute Leberegelinfektion, Lungenegelinfektion, tropische pulmonale Eosinophilie Flüssigkeit im Peritoneum Kongestion, Inflammation postnekrotische Leberzirrhose, abdominale Tuberkulose, hepatolienale Bilharziose, Leberegelinfektion GallenblasenwandVerdickungen Gallenblasenfibrose, -karzinom hepatolienale Bilharziose, Leberegelinfektion, AIDS pathologische Echos in der Gallenblase Calculi, Parasiten Leberegelinfektion Erweiterung der Gallenwege Obstruktion, rezidivierende Cholangitis Leberegelinfektion, Obstruktion durch Spulwürmer, Krypto­ sporidiose (AIDS), CMV-Cholangitis (AIDS) Pankreas-Gang­ erweiterung, PankreasKalzifikationen Obstruktion, Pankreatitis Leberegelinfektion, tropische malnutritionsassoziierte ­Pankreatitis DarmwandVerdickungen Ulzerationen, Fibrosierung, Darmwand-Verdickung, Kolonpolyposis chronische intestinale Bilharziose, Yersiniose, abdominelle ­Tuberkulose Kardiomyopathie Inflammation Tuberkulose, akute Schlafkrankheit, Chagas-Erkrankung, restriktive Kardiomyopathie (RCM) Blasenwand-Verdickung granulomatöse Inflamma­tion, Fibrose, maligne Entartung Bilharziose Hydroureter, Hydronephrose Kongestion, granulomatöse Inflammation Bilharziose, urogenitale Tuberkulose 7 8 9 31 11 12 13 14 15 16 17 18 83 84 85 1023 Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. 47 virale Infektionen: HIV, EBV, CMV, HAV, HBV, HCV, HEV, Bildgebung bei tropenspezifischen und parasitären Erkrankungen Befund in der ­Bildgebung Organveränderung/ Genese Infektion hypoechogene Nierenherde Kongestion, granulomatöse Inflammation, Metastasen urogenitale Tuberkulose, bakterielle Nierenabszesse, Metastasen (z. B. Burkitt-Lymphom) III Hydrozele, Veränderung des männlichen Genitales Abflussbehinderung, ­Inflammation Bilharziose, Filariose, urogenitale Tuberkulose IV Veränderung des ­weiblichen Genitales granulomatöse ­Inflammation, Fibrose Bilharziose, urogenitale Tuberkulose V subkutane Veränderungen Wurmmigration Filariose, Ösophagostomiasis, Gnathostomiasis, Trichinose, ­Zystizerkose, Sparganose, Myiasis, ektope Helminthen II VI VII VIII IX X XI XII XIII a b Abb. 85.4 a, b Akute Fasziolose. Echoarme Leberherde, die im Verlauf von Tagen ihre Lokalisation verändern: Sonogramm (a), CT (b) (s. Bildnachweis). tikörperreaktion. Daher ist die Bildgebung entscheidend. Eine WHO-Arbeitsgruppe hat eine international standardisierte Klassifikation parasitärer Leberzysten entwickelt (vgl. Tab. 59.4). Hypoechogene Herde können einen Amöbenleberabszess, aber auch Wurmlarvenmigrationen (z. B. Filarien, Larva migrans visceralis, Leber- und Lungenegel) durch Leber und Milz widerspiegeln (Abb. 85.4). Differenzialdiagnostisch bedeutsam ist die im Verlauf von Tagen wandernde Lokalisation der Herde. Insbesondere bei Patienten, die hohe Entzündungsparameter aufweisen, liegt der Verdacht auf einen Amöbenleberabszess nah (Abb. 85.5) (Kapitel 54). Eine Größenabnahme des Abszesses ist auch bei adäquater Therapie erst nach 10–14 Tagen zu erwarten. Eine weitere Größenzunahme des Abszesses während der ersten 10 Tage darf daher nicht als Therapieversagen fehlinterpretiert werden. Kriterium des Therapieerfolgs ist die prompte Besserung des Allgemeinzustands des Patienten. Die vollständige Abheilung kann Monate in Anspruch nehmen und mitunter als verkalkte Resthöhle imponieren. Solidifizierte Echinococcus-Zysten (WHO-Stadium CE 4) imponieren ebenfalls als hypoechogene Herde. Ähnlich wie bei Leberabszessen zeigen sie eine dorsale 1024 Abb. 85.5 Amöbenabszess des rechten Leberlappens. Schallverstärkung. Andererseits fluktuiert der Inhalt der Raumforderung im Gegensatz zum Abszess nicht, und es liegt eine deutlich verdickte oder verkalkte Zystenwand (WHO-Stadium CE 5) vor. Darüber hinaus sind Echinococcus-Zysten nur dann druckschmerzhaft, wenn sich eine Sekundärinfektion in der Zystenhöhle entwickelt hat. Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. Tab. 85.1 Fortsetzung. Sonografie bei ­Reiserückkehrern und Migranten unter guten m ­ edizinischen Infrastruktur­bedingungen ! ▶▶In vielen tropischen Regionen ist die Hepatitis-BDurchseuchung und in einigen Ländern, z. B. Ägypten, auch die Hepatitis-C-Durchseuchung hoch. ▶▶Nicht nur bei Erwachsenen, sondern selbst bei Kindern und jugendlichen Patienten ist daher immer mit einer chronischen Hepatitis, einer Leberzirrhose und einem hepatozellulären Karzinom zu rechnen. Regionale, scharf abgegrenzte, vom Portalsystem ausgehende echogene Strukturen sind Ausdruck einer hepatischen Bilharziose. Eine WHO-Arbeitsgruppe hat eine standardisierte Klassifikation der Schistosoma-mansonibedingten Leberveränderungen etabliert (Abb. 85.6 bis Abb. 85.10). Während es schwierig ist, initiale Veränderungen ätiologisch zuzuordnen, sind fortgeschrittene Veränderungen pathognomonisch und können nur in Ausnahmefällen mit einem hepatischen Kaposi-Sarkom verwechselt werden. Bedeutsam ist die sonografische Be- a c b d urteilung der portalen Hypertension und des Risikos von Ösophagusvarizenblutungen. Da die portale Hypertension bei der Bilharziose nicht nur durch ein präsinusoidales Abflusshindernis, sondern auch durch einen Hyperafflux von der hypertrophierten Milz gekennzeichnet ist, sind dopplersonografische Portalflussbestimmungen nicht geeignet, Rückschlüsse über den Portalvenendruck zu ermöglichen. Netzwerkartige echoreiche Leberveränderungen (Abb. 85.11) sind Ausdruck einer durch Schistosoma japonicum hervorgerufenen septalen Leberfibrose. Die klinische und prognostische Bedeutung der unterschiedlichen netzwerkartigen Leberveränderungen ist nicht hinreichend geklärt. Die sonografische Befundung der Netzwerkfibrose (Abb. 85.12) sollte Auskunft über die vorwiegende durchschnittliche Größe der „Maschen“ und Dicke der Septen geben. Möglicherweise stellen Befunde mit großen Maschen (> 2,5 cm) und feinen Septen (Abb. 85.13) Involutionsstadien dar, die keine klinischen Komplikationen mehr nach sich ziehen. 23 47 5 6 7 8 9 Abb. 85.6 a–h Niamey-Belo-Horizonte-Klassifikation der Schistosomamansoni-bedingten Leberveränderungen: a Pattern A: Normalbild, b Pattern B: „starry sky“ – unspezifische, diffuse echogene Betonung der peripheren Portalastwände, c Pattern C: periphere „tonpfeifenstielartige“ echogene Portalwandverstärkung, d Pattern D: zentrale echogene Portalwandverdickung, e Pattern E: zentrale echogene Portalwandverdickung mit Okklusion einzelner Portaläste und echogenen Arealen, f Pattern F: echogene Areale, die sich vom Pfortaderhilus bis zur Glisson-Kapsel ausdehnen, g Pattern DC: zentrale und periphere echogene Portalwandverdickung, h Pattern EC: zentrale und periphere echogene Portalwandverdickung und echogene Areale. 31 11 12 13 14 15 16 17 e 18 f 83 84 g 85 h 1025 Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. Andere fokale oder regionale Befunde in der Leber Bildgebung bei tropenspezifischen und parasitären Erkrankungen a b II III Abb. 85.7 a, b Hepatolienale Bilharziose. Zirkuläre echoreiche Wandverdickungen (Querschnitt; a), parallele Echos (Längsschnitt; b) bei Symmers-Fibrose (Pattern C). IV VI VII VIII IX X XI XII XIII Abb. 85.9 Hepatolienale Bilharziose. Konfluierende ­echogene Areale mit Okklusion des Portalastes (Pattern E). Abb. 85.8 Hepatolienale Bilharziose. Echogene Wandverdickung des portalen Hauptstamms (Pattern D). Abb. 85.10 Hepatolienale Bilharziose. Bizarre, über das gesamte Lebergewebe ausgedehnte echodichte Areale, die im Wesentlichen dem Verlauf von Portalästen folgen (Pattern F). In diesem Stadium ist die Leberkapsel narbig retrahiert. 1026 Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. V Sonografie bei ­Reiserückkehrern und Migranten unter guten m ­ edizinischen Infrastruktur­bedingungen Abb. 85.11 a, b Phnom-PenhVientiane-Klassifikation der S.-japonicum-induzierten, interseptalen „Netzwerkfibrose“ und der portalen Fibrose: engmaschiges „Fischschuppen-Muster“ (a), grobmaschiges „Schildkrötenrücken-Muster“ (b). b 47 Bilharziose und chronische toxische sowie virale Hepatitiden betreffen nicht selten ein und denselben Patienten, was die Stadieneinteilung der Leberfibrose erschwert, wenn nicht verhindert. Jedoch ist die Darstellung einer portalen Hypertension, von portosystemischen Umgehungskreisläufen und Aszites auch hier von wesentlichem Nutzen. ■■ Milz Abb. 85.12 Hepatolienale Bilharziose. Klein- bis mittelgroße, maschendrahtähnliche Fibrose. Hypoechogene Herde in der Milz können durch ein Lymphom (z. B. bei HIV-Infektion oder Burkitt-Lymphom, eine viszerale Leishmaniose, migrierende Helminthenlarven, einen Milzabszess oder Milzinfarkt (z. B. bei Sichelzellanämie) hervorgerufen werden (vgl. Abb. 85.2). Chronische Splenomegalien sind häufig. Als Ursachen kommen unter anderem hereditäre hämolytische Anämien, familiäres Mittelmeerfieber, eine hyperreaktive Malaria-Splenomegalie oder eine portale Hypertension infrage. 6 7 8 9 31 11 12 13 ■■ Extravasale Flüssigkeitsansammlungen Abb. 85.13 Hepatolienale Bilharziose. Grobmaschige Netzwerkfibrose. 5 Pleura- und Perikardergüsse können bei verschiedenen viralen und bakteriellen Infektionen wie der Tuberkulose sowie bei Wurmerkrankungen (z. B. Lungenegel-, Leber­ egelinfektion) auftreten. Auch Amöbenleberabszesse können Pleuraraum, Perikard und Mediastinum penetrieren. Freie Flüssigkeit in der Bauchhöhle kann Ausdruck einer portalen Hypertension mit Aszites (Bilharziose, postnekrotische Leberzirrhose), einer Peritonealtuberkulose, einer intraabdominellen Blutung (beispielsweise bei Dengue-hämorrhagischem Fieber) oder einer Leberegelinfektion sowie eines eosinophilen Exsudats bei ausgeprägten Eosinophilien sein. Konglomerattumoren im Peritoneum können bei vielerlei Infektionen auftreten: „pelvic inflammatory disease“, Tuberkulose, als granulomatöse Reaktion auf ektop migrierende Wurmlarven bei Askariasis, Toxocariasis, Paragonimiasis, Fasziolose und bei urogenitaler Bilharziose. 14 15 16 17 18 83 84 85 1027 Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. a 23 ■■ Biliäres System und Pankreas II III IV V VI Eine echogene Gallenblasenwand-Verdickung tritt häufig bei Patienten mit hepatischer Bilharziose auf. Charakteristischerweise ist die Gallenblase indolent (Abb. 85.14). Auch die Chagas-Erkrankung kann zu einer Cholezystopathie führen, die durch eine isoechogene Wandverdickung und den Verlust der Kontraktilität charakterisiert ist. Komplikation einer chronischen Infektion durch kleine Leberegel ist das Gallenblasenkarzinom. Bei der Fasziolose gelingt die Darstellung lebender Leberegel nur selten, bei kleinen Leberegeln gar nicht (Abb. 85.15). Auch ohne Detektion spontan beweglicher Helminthen kann der Nachweis eines definiert geformten, frei flottierenden „sludges“ den Verdacht auf eine Leberegelinfektion erhärten (Abb. 85.16). Bei Clonorchis- VII VIII ■■ Darm IX Abb. 85.14 Bilharziose-Cholezystopathie. Echogene indolente Gallenblasenwand-Verdickung. Externe echoreiche Protrusionen Darmwand-Verdickungen können sowohl Ausdruck chronischer Darmwandentzündungen bei chronisch entzündlicher Kolitis, bakteriellen Kolitiden wie Yersiniose, Tuberkulose, bei opportunistischen Darminfektionen im Rahmen einer HIV-Infektion und bei Bilharziose als auch eines tumorösen Geschehens sein. Darmpolypen können hydrosonografisch dargestellt werden. Sie sind tumor- oder bilharzioseverdächtig (Abb. 85.20). Trotz ihrer manchmal beträchtlichen Länge werden adulte intestinale Helminthen selten sonografisch detektiert, da ihre Darstellung durch Darmgas erschwert ist. Massive Spulwurm-Infestationen können Darmobstruktionen und -perforationen hervorrufen, die zum sonografischen Bild eines mechanischen Ileus führen können. Abb. 85.15 Chronisch-latente Fasziolose. Vergrößerte, druckdolente Gallenblase. Spontan bewegliche, adulte Fasciola hepatica. Abb. 85.16 Chronisch-latente Fasziolose. Geformter, nicht sedimentierender „sludge“ (konglobierte, abgestorbene Fasziolen). X XI XII XIII und Opisthorchis-Infektionen werden als indirekte Folgen rezidivierender bakterieller Superinfektionen intrahepatische Gallenwegerweiterungen beobachtet (Abb. 85.17 und Abb. 85.18). Passagere Gallenwegobstruktionen durch Konkremente, Parasiten, Parasitenfragmente oder „sludge“ können Ausdruck einer Leberegelinfektion sein. Mitunter penetrieren auch Spulwürmer die Papilla vateri und migrieren in den Ductus choledochus (Abb. 85.19). Die 15–35 cm langen Rundwürmer sind an ihrer Form erkennbar: Sie weisen spitze Enden auf, der Durchmesser des Körpers beträgt uniform 2–6 mm bei echoarmem Lumen. Bei Infektion ausschließlich durch männliche Spulwürmer sind keine Wurmeier im Stuhl nachweisbar. Pankreasgang-Erweiterungen und Pankreatitiden können sowohl im Rahmen von Leberegelinfektionen auftreten als auch durch chronische Malnutrition bedingt sein (tropische kalzifizierende Pankreatitis mit malnutritionsassoziiertem Diabetes mellitus). Fallberichte über Pankreasfibrosierung bei Bilharziose liegen vor. 1028 Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. Bildgebung bei tropenspezifischen und parasitären Erkrankungen Sonografie bei ­Reiserückkehrern und Migranten unter guten m ­ edizinischen Infrastruktur­bedingungen ■■ Urogenitalsystem Typisch für die Blasenbilharziose sind fokale BlasenwandVerdickungen, Massen und/oder Pseudopolypen, die nach der Niamey-Klassifikation der WHO beschrieben werden sollten (Abb. 85.21 bis Abb. 85.28). Cave Bei Erwachsenen, im Einzelfall selbst bei Kindern, ist die Möglichkeit einer malignen Entartung zu berücksichtigen. 23 47 6 7 a 8 9 31 11 12 b Abb. 85.17 a, b Clonorchis-sinensis-Infektion. Sakkuläre Dilatationen der Gallenwege durch rezidivierende bakterielle Superinfektionen der befallenen Cholangien (s. Bildnachweis). Abb. 85.19 Zustand nach Cholezystektomie wegen intermittierenden Ikterus. ERCP. Bei der Kontrastierung des Duodenums zeigt sich eine einem Spulwurm entsprechende Aussparung. 13 14 15 16 17 18 83 Abb. 85.20 Intestinale Bilharziose. Ugandischer Patient. Hydrosonografie. Darmwandpolypen (s. Bildnachweis). 84 Abb. 85.18 Fasziolose. Sonografie zum Zeitpunkt einer Gallenkolik. Elimination einer adulten Fasciola hepatica durch den Ductus choledochus. 85 1029 Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. 5 Bildgebung bei tropenspezifischen und parasitären Erkrankungen III IV terstrikturen vorliegen, die sekundär zu einem unspezifischen Aufstau der Harnwege führen können. Eine Hydrozele kann unter anderem bei lymphatischer Filariose, urogenitaler Tuberkulose und Bilharziose auftreten. Wie Fallberichte zeigen, entpuppten sich echogene Skrotal- oder Adnexmassen, die wegen eines Tumorverdachts entfernt worden waren, als tuberkulose- oder Abb. 85.21 Blasenbilharziose. Niamey-Klassifikation der Blasenwand-Veränderungen. 1,0 cm V 0,5 cm VI Wand 0,0 cm irregulär Verdickung Masse Pseudopolyp VII VIII IX X XI XII XIII Abb. 85.22 Blasenbilharziose. Blasenwand-Unregelmäßigkeiten. Abb. 85.24 Blasenbilharziose. Komplett hypertrophierte Blasenwand. Abb. 85.23 Blasenbilharziose. Multiple Blasenwand-Verdickungen. 1030 Abb. 85.25 Blasenbilharziose. Transvaginale Sonografie. Blasenpolyp. Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. II Die Abgrenzung von einer urogenitalen Tuberkulose (Abb. 85.29) ist klinisch meist einfach: Als sonografisches Kriterium gilt, dass es sich bei der Tuberkulose um eine hämatogen von der Niere ausgehende, deszendierende Schädigung des Urogenitalsystems handelt, während bei der Bilharziose primär Blasenveränderungen bzw. Ure- Sonografie bei ­Reiserückkehrern und Migranten unter guten m ­ edizinischen Infrastruktur­bedingungen 23 47 6 Abb. 85.26 Blasenbilharziose. Hydroureter. Abb. 85.29 Urogenital-Tbc. Echoarme, schlecht abgegrenzte Areale. 7 8 1 cm 9 Score = 0 Score = 6 Score = 8 31 Abb. 85.27 Urogenitale Bilharziose. Niamey-Klassifikation des Nierenaufstaus. 11 12 Abb. 85.30 Urogenitale Bilharziose. Echogene Herde in der Prostata. 13 ■■ Haut, subkutanes und muskuläres Gewebe Abb. 85.28 Urogenitale Bilharziose. Mäßige Hydronephrose. bilharziosebedingt. Sporadisch lässt sich bei Sparganose ein Parasit darstellen. Fibrosierungen und Verkalkungen der Samenbläschen und der Prostata können unter anderem von Bilharziose und Tuberkulose hervorgerufen werden (Abb. 85.30) Bilharziöse Salpingitiden können zum Tubenverschluss führen und so zur Extrauteringravidität prädisponieren. Erfahrene Untersucher können spontan bewegliche, adulte Filarien in erweiterten skrotalen Lymphgefäßen nachweisen (Kapitel 60). Die weite Anwendung der Sonografie in den Tropen und technologische Innovationen, die auch in portable Geräte integrierbar sind, haben die sonografische Charakterisierung immer neuer tropenspezifischer Befunde zur Folge. Hochfrequente, hochauflösende Schallköpfe erlauben die Beurteilung schallkopfnaher Befunde in der Dermatologie und die Detektion von Helminthen wie Filarien. Praxistipp Die sonografische Detektion adulter Filarien bei Onchozerkose dient zur besseren Beurteilung der Anzahl lebender Würmer auch in palpatorisch nicht zugänglichem tieferem Gewebe. Sie hat sich auch bei der Ösophagostomiasis, Zystizerkose und Sparganose bewährt. 14 15 16 17 18 83 84 Während Fliegenlarven der Dasselfliege sich auch mit einem konventionellen Gerät detektieren lassen, erlaubt bei der wesentlich kleineren Tumbufliegenlarve erst eine 85 1031 Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. 5 Bildgebung bei tropenspezifischen und parasitären Erkrankungen II III IV V VI VII VIII IX X XI XII XIII Abb. 85.31 Myiasis. Dopplersonografische Darstellung des intralarvalen Flüssigkeitstransports einer subkutanen Larve von Dermatobia hominis. dopplersonografische Darstellung des intralarvalen Flüssigkeitstransports den Nachweis der viablen Larve (Abb. 85.31). 85.6 Radiologische Verfahren 85.6.1 Konventionelle Radiologie Die Darstellung ossärer, verkalkter und lufthaltiger Strukturen bleibt im Wesentlichen der konventionellen Radiologie vorbehalten. Nachteile der Radiologie sind die Strahlenbelastung, insbesondere bei alten, nicht regelmäßig gewarteten Röntgengeräten, und die Betriebskosten durch erforderliche Wartung und Anschaffung von Röntgenfilmen. Letztere werden in Zukunft durch die Möglichkeit der digitalisierten Speicherung nicht mehr erforderlich sein. Häufige Indikationen für die konventionelle Radiografie liegen in der in Entwicklungsländern besonders bedeutsamen Traumatologie vor. An Infektionen seien ossäre Veränderungen bei Osteomyelitiden, Morbus Pott, tiefen Mykosen und einigen Helmintheninfektionen hervorzuheben. Außer Tuberkulose und opportunistischen Infektionen bei HIV-Infektion rufen auch tropenspezifische Erreger Lungenerkrankungen hervor, die zu typischen Befunden führen. Die Paragonimiasis muss von einer Tuberkulose abgegrenzt werden. Auch andere Wurminfektionen wie die zystische Echinokokkose der Lunge sind radiologisch darstellbar. Wurmlarvenmigrationen vieler Helminthenspezies führen über die Lunge, wo sie flüchtige Löffler-Infiltrate induzieren können. Röntgen-Thorax-Aufnahmen erlauben auch die Beurteilung der Herzsilhouette. Die Echokardiografie ermöglicht den sicheren Nachweis eines Perikardergusses, die Beurteilung der Herzklappenfunktion und der Myokardkontraktilität und ist daher der konventionellen Radiografie überlegen. 1032 Röntgenkontrastmitteluntersuchungen des MagenDarm-Traktes können bei der Beurteilung der Ösophagus- und Darmmotilität bei der Chagas-Erkrankung hilfreich sein. Die Endoskopie hat wegen der Möglichkeit der unmittelbaren Probengewinnung, der Anwendung von Schallköpfen (Endosonografie, transösophageale Echokardiografie) und unmittelbarer Therapiemöglichkeiten (Sklerotherapie, Bandligatur, Unterspritzen von Ulzera, Entfernen von Polypen) die Radiografie weitgehend ersetzt. Die endoskopische retrograde Cholangiopankreatikografie (ERCP) ermöglicht die Darstellung distaler Abflusshindernisse des extrahepatischen Gallengangs, einer Region, die der Sonografie wegen Darmgasüberlagerung schlecht zugänglich ist. 85.6.2 Computertomografie und andere ­Verfahren Wesentliche Einschränkungen im Kontext begrenzter Ressourcen betreffen aufwendige Technologien wir Computertomografie (CT) und andere Verfahren (MRT, PET etc.), die nicht nur erhebliche Anschaffungskosten, sondern auch hohe Wartungskosten verursachen. Die Wartungskosten eines Computertomografen können über wenige Jahre den Anschaffungspreis eines Ultraschallgerätes übersteigen. In vielen Schwellenländern steht die CT-Diagnostik grundsätzlich zur Verfügung. In Entwicklungsländern stehen wenige Geräte in Universitätskliniken und privaten Institutionen. Die Computertomografie wird besonders für die Darstellung des Schädels und des ZNS benötigt. Eine sonografische Darstellung des Schädelinhalts durch die Fontanelle ist nur beim Säugling möglich. Die Möglichkeiten der CTDiagnostik wären für in Entwicklungsländern häufige Infektionen des ZNS wie Meningitiden und Enzephalitiden wünschenswert. Typische Befunde betreffen Infektionen mit neurotropen Erregern, wie die Zystizerkose. 85.7 Ausblick Auch in der Tropenmedizin werden technologische Innovationen heute noch ungeahnte diagnostische Möglichkeiten eröffnen. Die Kombination von Schallkopfeinheiten mit handelsüblichen tragbaren Computern nutzt die finanziellen Vorteile der Massenfertigung von Bildschirmen und Tastaturen und wird dazu beitragen, den Preis portabler Sonografiegeräte in Zukunft weiter erheblich zu senken. Die digitale Datenspeicherung ermöglicht die Heruntergeladen von: Thieme E-Books & E-Journals. Urheberrechtlich geschützt. Cave Bei Mammografien können Helminthen und Myiasen Befunde hervorrufen, die irrtümlich den Verdacht auf eine Neoplasie erwecken. Ausblick Literatur [1] Palmer PES, World Health Organization, eds. Manual of diagnostic ultrasound. Geneva: World Health Organization; 1995 [2] World Health Organization. Training in diagnostic ultrasound: essentials, principles and standards. Report of a WHO Study Group. WHO Technical Report Series No. 875. Geneva: World Health Organization; 1998 [3] World Health Organization, Niamey Working Group. Ultrasound in schistosomiasis. A practical guide to the standardized use of ultrasonography for the assessment of schistosomiasis-related morbidity. Richter J, Hatz C, Campagne G, Jenkins J, eds. World Health Organization / TDR / STR/ SCH / WHO-Dokument: 1–52 (www.who.int/ tdr) [4] Palmer PES, Reeder MM. The imaging of tropical diseases. Berlin: Springer; 2001 [5] Davies AM, Pettersson H, World Health Organization, eds. Manual of diagnostic imaging I: Radiografic anatomy and interpretation of the musculoskeletal system. 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Portable Ultraschallgeräte, die Farbdoppler- und sogar Kontrastmittel-Untersuchungen ermöglichen, stehen bereits zur Verfügung. Mehr als bei allen anderen bildgebenden Verfahren ist bei der Sonografie zu hoffen, dass sie auch Menschen zur Verfügung stehen wird, deren finanzielle Möglichkeiten begrenzt sind. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, bedarf es allerdings einer adäquaten Ausbildung des Personals und Maßnahmen zur Qualitätskontrolle.