corporate architecture - Award für Marketing + Architektur

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MODULØR
CORPORATE ARCHITECTURE
CORPORATE ARCHITECTURE
VON DER IDEE ZUR IDENTITÄT – EINE HISTORISCHE SPURENSUCHE
POP-UP! – SPONTANE CORPORATE ARCHITECTURE
VITRA CAMPUS: EINE KOMPOSITION MIT LANGEM ZEITHORIZONT
AWARD 2016 FÜR ARCHITEKTUR + MARKETING – DIE SIEGER
Nº3 2016
www.modulor.ch
www.modulor.ch
MODULØR
Architektur, Bauen, Recht
THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
DAS THEMA
CORPORATE
ARCHITECTURE
018
VON DER IDEE ZUR IDENTITÄT
Spätestens seit den 1980er-Jahren wird Architektur als Kommunikationsmittel unter dem Begriff der «Corporate Architecture»
als ein Instrument des strategischen Marketings genutzt.
von Dr. Kerstin Bussmann
028
«DIE DIALEKTIK VON ARBEIT UND KULTUR
MACHT DEN ORT AUS.»
Auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein gibt es auf kleinem
Raum herausragende Architektur. Rolf Fehlbaum gewährt
dazu ein paar persönliche Einblicke.
von Katharina Marchal
034
In der «Stadtlounge» im Bleicheli-Quartier in
St. Gallen (Raiffeisen) war Fotograf Matthias
Dietiker auf Spurensuche, um das Thema
Corporate Architecture für Modulør ins rechte
Licht zu rücken. Der Entwurf stammt aus der
Ideenschmiede der Künstlerin Pipilotti Rist
und des Architekten Carlos Martinez. Der
Stadtraum ist mit einem roten Teppich aus
Kunststoffgranulat überzogen, der sich wie
vom Himmel heruntergefallen über alles legt.
Das «Raiffeisen»-Quartier hat so eine neue,
prägende Identität erhalten.
www.raiffeisen.ch
«BESINNUNG ZU WERDEN UND VISIONEN»
Harry Hersche ist Innenarchitekt, Produkt- und Kommunikationsdesigner. Im Gespräch mit Modulør spricht der Zürcher
Gestalter über Corporate Architecture und ihre zunehmende
Bedeutung, und wie er in einer intensiven Zusammenarbeit die
Marke Strasserthun zum Fliegen gebracht hat.
von Roland Merz
040
AWARD FÜR MARKETING + ARCHITEKTUR
Innert kürzester Zeit hat sich der Preis, der seit 2008 hochwertige Corporate Architecture auszeichnet, als feste Grösse in der
Szene etabliert. Ein Rückblick auf die Sieger.
von Valentin Kaelin
052
POP-UP! SPONTANE CORPORATE ARCHITECTURE
Dynamik und Flexibilität stehen im Mittelpunkt von temporären Architekturformen, die der Präsentation und dem Verkauf
dienen. Pop-up-Stores sind eine ideale Erweiterung der bisherigen Verkaufskanäle und haben das Potenzial, eine Brücke
zwischen virtuellen und stationären Plattformen zu schlagen.
von Dr. Jons Messedat
060
«BÜRORAUM ALS STÜTZE FÜR DIE ENTWICKLUNG
DER ORGANISATIONSKULTUR»
Eine integrale Konzeption der Arbeitsräume kann die Entwicklung der Organisationskultur nachhaltig unterstützen.
Firmen, welche die Herausforderung annehmen, gewinnen
nicht nur an Raum, sondern auch an Profil und Potenzial.
von Mark Helfenstein
© Matthias Dietiker
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THEMA
Corporate Architecture
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CORPORATE
ARCHITECTURE
VON DER IDEE ZUR
IDENTITÄT
von Dr. Kerstin Bussmann (Text)
Grundlegend für das Verständnis von Architektur ist es, diese als
Kommunikationsmittel zu begreifen, das Bedeutungen vermittelt und
Identität transportiert. Spätestens seit den 1980er-Jahren wird diese
Fähigkeit vermehrt unter dem Begriff «Corporate Architecture» als
ein wirkungsvolles Instrument des strategischen Marketings genutzt,
um die Unternehmenspersönlichkeit und das Image zu visualisieren.
Die Vereinheitlichung des öffentlichen Auftritts wird derzeit als
Grundvoraussetzung für eine ansprechende und glaubwürdige
Marktidentität gewertet.
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THEMA
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G
laubensgemeinschaften und Regierungssysteme haben sich durch die
gesamte Baugeschichte hindurch mittels Architektur Ausdruck verschafft.
Dementsprechend ist die Frage nach
den Bedeutungsmöglichkeiten von
Baukunst eine der zentralsten Fragen
der Architekturtheorie. Die Option,
mit Architektur Ideen zu materialisieren, gehört zu ihren wesentlichen,
wenn auch bisweilen in Vergessenheit
geratenen Aufgaben. Bereits der römische Theoretiker Vitruv hatte in «De architectura libri decem» (33–14 v. Chr.),
dem ältesten erhalten gebliebenen
Architekturtraktat, den verschiedenen Säulenformen Geschlechtern zugeordnet und ihre Verwendung von
der jeweiligen Bauaufgabe abhängig
gemacht. Vitruv bildete – und damit
auch seine Rezipienten, die ihn als
Grundlage und Autorität jeglicher
theoretischer Auseinandersetzung mit
Architektur über die frühe Neuzeit hinaus ansahen – einen Zusammenhang
zwischen der Betrachtung der Aussenhülle eines Gebäudes, deren Form und
ihren kommunikativen Inhalten, die
er als eine Art Gespräch verstand.
Sebastiano Serlio legte wiederum in
seinen einflussreichen Traktaten dar,
dass der optische Eindruck wichtiger
sein solle als die funktionalen Belange. Damit kündigte sich im 16. Jahrhundert eine narrative Baukunst an,
die vom neuartigen Interesse an der
Ausformulierung einer Gebäudegestalt als Ausdrucksträger bestimmt
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THEMA
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war. Deutlicher noch als in den von
Jean-Nicolas
Ledoux
realisierten
Gebäuden der lothringischen Salinenstadt Arc-et-Senans trat seine
Vorstellung von einer gesellschaftskonstituierenden «Architecture Parlante» in der gedachten Erweiterung
der Saline zur Idealstadt Chaux zutage. In zahlreichen, immer mehr ins
fantastische abdriftenden Radierungen, die er ab 1795 in seinem Architekturtraktat «L’Architecture considérée sous le rapport de L‘art, des
mæurs et de la législation» festhielt,
entwarf er Bauwerke, die jeweils in
ihrer Ausgestaltung auf das berufliche Metier verwiesen, welches sie
beherbergen sollten. So griff der Entwurf des Köhler-Hauses die Tätigkeit
der darin wohnenden Handwerker
auf, indem Ledoux Meiler und pyramidenförmig geschichtete Holzstapel
imitierte. Im Plan für die Unterbringung der Reifenmacher hingegen wurden die zur Herstellung der Salzfässer
benötigten Metallringe zum zentralen
Gestaltungselement der Fassade.
Am Ende des 18. Jahrhunderts, im
Übergang vom Manufaktursystem
zur Fabrik, entstand ein neuer Bedarf an Produktionsstätten, für die es
noch keine eigene Bauform gab. Nach
den ersten hölzernen oder gemauerten Zweckbauten lehnte man sich an
historische Bautypen und Stile an;
Industriebauten erinnerten zu dieser
Zeit eher an Palastarchitekturen, Kirchen, Klöster oder mittelalterliche Festungen. Damit verwiesen sie zugleich
auf eine Nobilitierung des Grossbürgertums, dem mehr und mehr an der
Repräsentation gelegen war. Die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
sollte demonstriert werden, wie wohl
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Magazin
auch die Ebenbürtigkeit gegenüber
der staatlichen Macht. Beispielhaft
sei hier an die Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen oder die AugustBorsig-Eisengiesserei und Maschinenbauanstalt in Berlin erinnert.
Trotz der neuen, wegweisenden Konstruktionsmethoden, die durch die
Erfindung des Gusseisens möglich
geworden waren, verbrämte man
auch weiterhin Industriebauten mit
historisierenden Zitaten. Über das,
was in der Fabrik hergestellt wurde,
sagten sie jedoch nichts aus und waren bezüglich der Produkte höchstens
allegorische Verweise, indem sie die
wirtschaftliche Potenz, die Tradition
des Unternehmens oder die Zuverlässigkeit der Waren versinnbildlichten.
Besonders extravagante Fabrikbauten,
wie die 1838–1841 von James Combe
und Joseph Bonomi erbaute ägyptisierende Flachsspinnerei John Marshall
& Company in Holbeck, Leeds, wie
auch die Tabak- und Zigarettenfabrik
Yenidze in Dresden, die, in Form einer
Moschee mit einer farbigen, nachts
hell erleuchteten Glaskuppel, 1907–
1909 von Martin Hammitzsch erdacht
worden war, sollten durch ihr exotisches Aussehen auf die Herkunft bzw.
Tradition der dort verarbeiteten Materialien verweisen. Da der Orient noch
zu Beginn des 20. Jahrhunderts als ein
Märchenland des sinnlichen Genusses galt, erweckten die im Stadtbild
prägnanten Produktionsstätten eine
werbewirksame Assoziation zwischen
den Erzeugnissen des Unternehmens
und dem architektonischen Erscheinungsbild. Obwohl, wie von Hammitzsch bekannt, es Anlehnungen an
konkrete Vorbilder wie die Grabmoschee des Khair Bak und Minarette
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aus dem Kairo des 16. Jahrhunderts
gab, war diese Originaltreue irrelevant. Die Vermittlung von populären
Orient-Stereotypen wurde angestrebt,
um das architektonische Bild und die
damit verbundenen positiven Assoziationen mit der Firma im Gedächtnis
potenzieller Käufer zu etablieren.
DIE ERFINDUNG VON
CORPORATE IDENTITY
Im Sommer des Jahres 1907 wurde
Peter Behrens, Architekt, Direktor
der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule und Gründungsmitglied des Deutschen Werkbundes, als künstlerischer
Beirat der AEG nach Berlin berufen.
In der Folgezeit überarbeitete er das
äusserst heterogene Erscheinungsbild
der Firma, die bereits um die Jahrhundertwende das grösste europäische
Energie- und Elektrounternehmen
war und weltweit Geräte aller Art
– von Turbinen für Kraftwerke bis
hin zu Haushaltsgeräten – herstellte.
Sein Ziel war es, das gesamte visuelle Erscheinungsbild zu überarbeiten
und eine sich mit den Firmenbauten
identifizierende Formgebung zu entwickeln, die eine möglichst innige
Verbindung von Industrie, Produkt,
Architektur und Öffentlichkeitsarbeit
erkennen lassen sollte. Dies ging so
weit, dass werbegrafische Entwürfe, Schriftarten, Bogenlampen, Teeund Wasserkessel, Uhren, Ventilatoren, Schalttafeln und Turbinen – bis
hin zur Architektur von jedwedem
Schmuck befreit wurden. Die Funktion bestimmte nun die Form, die sich
an das polygonale AEG-Logo anlehnte
und sich seither auf unterschiedlichste
Art und Weise in Behrens Entwürfen
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THEMA
Corporate Architecture
wiederfand. Zusätzlich war es ihm gelungen mit modernen Bauten wie der
AEG-Turbinenhalle den Industriebau
in den Rang repräsentativer und von
der Öffentlichkeit anerkannter Baukunst zu heben. Diese neue Bauaufgabe und die Methode der Corporate
Identity wurden vermehrt auch von
anderen Architekten und Unternehmen als ernst zu nehmendes Aufgabenfeld aufgegriffen. Wie erfolgreich
ein solch architektonisches Statement
sein konnte, zeigte sich in der Rezeption des von Peter Behrens 1920 fertiggestellten, monumentalen Verwaltungsgebäudes des Stammwerks der
Höchst AG. Die 150 m lange backsteinerne Schauseite zur Strasse mit Turm
und einer einem Stadttor ähnlichen
Verbindungsbrücke zum neobarocken
alten Hauptkontor wurde 1947 von Richard Lisker für das unverwechselbare Signet verwandt und stand weltweit
noch bis 1999 für das Unternehmen
Höchst AG.
INDUSTRIESTEPPE UND
HORTEN-KACHEL
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen im Laufe der Zeit aus den Industriebereichen, weitgehend von der
Öffentlichkeit unbeachtet, triste Industriesteppen empor, mit von der
Ökonomie begrenzten Schuhschachtelarchitekturen. Auffällig war bei
dieser Entwicklung eine entstehende
Diskrepanz zwischen den angebotenen Produkten und ihrer Präsentation, wie es besonders prägnant anhand
der Autobranche abzulesen war. Eine
vermehrte Unzufriedenheit mit dieser
Baupraxis rief die Forderung nach einer aussagekräftigen Fassade hervor,
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mit der sich der Bauherr der Öffentlichkeit zuwenden konnte. Die von
Hans von Klier erdachten firmentypischen Designrichtlinien für die Firma
Olivetti in den 1970er-Jahren gaben
zukunftsweisende Impulse für die
Etablierung eines architektonischen
Konzepts innerhalb eines umfassenden Designprogramms. Beispiele wie
die Olivetti-Bürohäuser in Frankfurt
von Egon Eiermann, die Glashütte
der Thomaswerke in Amberg, 1968
von Gropius in der Zusammenarbeit
mit TAC realisiert, führten zu der sich
langsam durchsetzenden Einsicht,
dass Architekturdesign zwar funktionalen Anforderungen genügen muss,
es jedoch genügend gestalterischen
Spielraum gibt, der zur charakteristischen Unternehmensdarstellung genutzt werden kann.
BEGEHBARE RAUMBILDER
Während Architektur lange Zeit nur
als Additivum zum Corporate Design
betrachtet wurde, wird derweil mehr
und mehr die räumliche Gestaltung
als Aufwertung sowie Vermittlung eines Unternehmens und dessen Images
eingesetzt. Aufwendige Bauten mit
vielschichtigen, überraschenden Umsetzungen von Markenwerten sowie
der Firmenphilosophie werden seither
als begehbare Raumbilder gestaltet.
Corporate Architecture kann dementsprechend als Ausdruck von Unternehmensleitsätzen und ihrem Selbstverständnis Kernpunkte nach innen
wie aussen transparent werden lassen.
Verschiedene Ansätze bestimmen
heute die Corporate Architecture:
Wenn auch zuweilen sich Unternehmen für die Anwendung von histori-
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schen, nobilitierenden Formen- und
Stilmitteln entscheiden, um z. B. eine
wertkonservative Grundhaltung, Unternehmensstabilität, und historische
Kontinuität zu visualisieren oder einen Imagetransfer einzuleiten durch
die Umnutzung eines im urbanen
Raum kulturell bedeutenden historischen Gebäudes – oftmals wird doch
einem Neubau der Vorzug gegeben.
Mit einem Konzept der Corporate Architecture, welches durch die gleichförmige Gestaltung von Verkaufs- und
Produktionsstätten eine sofortige
Erkennbarkeit des Unternehmens ermöglichen soll, unabhängig, ob es internationale Fast-Food-Ketten oder die
für eine Kaufhaus-Kette entworfenen
Horten-Kacheln von Egon Eiermann
sind: Immer wird dabei an das immanente menschliche Grundbedürfnis nach Orientierung, Ordnung und
Gewohnheit appelliert. Doch diese
Gleichförmigkeit, die regionalen Besonderheiten ignorierend, erscheint
geradezu von geisterhafter Ödnis. Sie
erinnern an ein Vorhaben des USamerikanischen Präsidenten Truman,
der, wie der «Rheinische Merkur» am
29. Mai 1948 berichtete, vorhatte, in
jeder Hauptstadt der Welt ein genaues Abbild des Weissen Hauses für
die amerikanischen Botschaften zu
errichten, sodas wenn ein amerikanischer Bürger seine Botschaft besuche,
[...] er sich in das Haus des Präsidenten versetzt fühlen solle.
Konkrete Assoziationen mit dem Produkt waren schon im 19. Jahrhundert
ein Baustein der Webestrategie, wie es
zuvor ausgeführt wurde. Für die Ricola AG, einen Hersteller von Kräuterbonbons und Teespezialitäten, wurde
das Verpackungs- und Vertriebsgebäu-
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de im französischen Mülhausen-Brunstatt nach den Entwürfen der Architekten Herzog & de Meuron als eine
einfache, kubische Stahlkonstruktion errichtet. Aus den längsseitigen,
lichtdurchlässigen Hallenwänden, die
mit einem schemenhaft erkennbaren
Blattmotiv bedruckt sind, wird der
Blick in die Landschaft aus dem Inneren des Gebäudes ermöglicht. Doch
in der Dunkelheit, wenn die Innenbeleuchtung angeschaltet ist, wird der
Bau zu einer bedruckten Schachtel,
auf der sich nicht nur die symbolisierten Kräuter als massgebliche Ingredienzien der Bonbons und Tees, sondern
auch die Maschinen und Container in
der Halle abzeichnen. Des Weiteren
zeugt der 1985/1986 konzipierte Neubau der Rimowa-Kofferfabrik in Köln
von einem ebenso gelungenen Versuch, das Firmenprodukt in die bauliche Gestaltung miteinzubeziehen. In
diesem Fall verweist die Fassade auf
die typische Querrillenstruktur, mit
der das Unternehmen weltweit bekannt geworden ist.
Als fantastisches Warenzeichen imitierte BMW mit seinem von Karl
Schwanzer entworfenen und 1973 fertiggestellten Hauptverwaltungsgebäude in München die vier Zylinder eines
Motors. Die Fassadenringe des 18-geschossigen, zylindrischen Baukörpers
können als Kühlrippen, die Turmaufsätze als Ventile und die Fahrstühle
als Motorkolben interpretiert werden.
Durch diese Analogien sowie das Baumaterial Aluminium soll die grundsätzliche Befürwortung von innovativer Technologie und die Bereitschaft,
dies in die Produkte einfliessen zu lassen, vermittelt werden.
Mit dem 1989 gegründeten Vitra De-
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sign Museum, erbaut von Frank O.
Gehry in Weil am Rhein, begann der
Wandel von einem reinen Industriegelände mit ambitionierter Architektur
zu einem Ort der Kommunikation.
Durch das auf dem Vitra-Gelände
umgesetzte Konzept einer vielfältigen
pluralistischen Architektur, zu der
auch fast schon historisch zu nennende Architekturperlen wie Buckminster Fullers geodätische Kuppel, eine
Tankstelle von Jean Prouvé, aber auch
Bauten von Zaha Hadid und Tadao
Ando gehören, soll aus einem Allerwelts-Industriegelände ein vitaler und
unverwechselbarer Ort werden, an
dem die Werke profilierter Architekten gemäss des firmeneigenen Qualitätsanspruchs aufeinandertreffen.
Singuläre Spektakelbauten haben in
den letzten Jahrzehnten Konjunktur.
Während 1915 bis 1926 die Fiat-Werke in Lingotto-Turin durch parallele
500 m lange Blöcke, auf deren Dächern Rennstrecken eingerichtet wurden, die Geschwindigkeit als futuristischen Rausch umsetzten, profilieren
sich die Bauherren heutzutage zusätzlich durch das Image eines Stararchitekten. Das 2000 fertiggestellte Sony
Center in Berlin von Helmut Jahn mit
seiner unverwechselbaren Dachlösung ist nur eines der vielen Beispiele
dieser Art.
Die
durch
vertikal-hierarchische
Raumordnung tradierte Vorstellung,
dass man zu den Mächtigen emporzusteigen habe, fand ihre ideale Entsprechung in Wolkenkratzern, die
von Unternehmen als Statement, als
eindeutige, weithin sichtbare Signatur, als ein unverwechselbares Logo
für die jeweilige Firma und deren
Produkte sowie für ihre wirtschaftli-
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che Potenz und Macht errichtet wurden. Schon im 12. und 13. Jahrhundert
dienten die Geschlechtertürme in der
Toskana und Umbrien, die zunächst
als Schutz vor konkurrierenden Adelsfamilien und marodierenden Banden
entstanden, einer rein symbolischen
Machtfunktion. Die Zuschreibung von
Innovationskraft und Wagemut sowie die Ausnutzung der Höhe als eine
praktikable Option, Aufmerksamkeit
zu erheischen, bekamen schon früh
mit Wolkenkratzern wie dem Woolworth Building von 1913 und dem mit
319 m einen neuen Höhenrekord brechenden Chrysler Building aus dem
Jahr 1930 eine neue Dimension. In
den vergangenen Jahren haben spektakuläre Hochhausbauten nahezu
babylonische Dimensionen angenommen. Nicht nur die Ausmasse der sich
gegenseitig in kürzester Folge überbietenden Konstruktionen, sondern auch
die extravagantesten Formen können
durch computergenerierte Berechnungen mittlerweile möglich gemacht
werden, wie beispielsweise das 2009
fertiggestellte Projekt von Rem Koolhaas, der CCTV-Tower für das chinesische Staatsfernsehen in Peking, zeigt.
HUMANISIERUNG ODER BABYLON?
1920 verkündete der Architekt Hermann Muthesius noch zukunftsoptimistisch, dass Baukunst im Dienste
der kaufmännischen Werbetätigkeit
ein probates Mittel sei, den Menschen
in eine schönere Welt zu versetzen.
In Anbetracht der gesichtslosen Industrie- und Bürogebäude ebenso
wie der aus ungebärdiger Lust an
der Sensation errichteten Neubauten der Gegenwart, denen allzu oft
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jegliche Massstäblichkeit abhandengekommen ist, erscheint diese Aussage
geradezu von nostalgischer Naivität.
Als eines der machtvollen Medien der
heutigen Konsumgesellschaft hat sich
Corporate Architecture in der Funktion den Massenmedien angeglichen –
Mitteilungen sollen schnell, lautstark
und allgemein zugänglich sein. Glücklicherweise haben sich in der letzten
Zeit die Ansprüche der Konsumenten
an eine Marke bedeutend erweitert
und binden neben den wirtschaftlichen ästhetische wie auch ethische Aspekte mit ein. Zu den herkömmlichen
Forderungen nach Qualität und angemessenen Kosten sind heute Nachhaltigkeit, Umweltverträglichkeit, fairer
Handel und soziales Engagement für
das Image eines Unternehmens wesentlich. Man kann nur hoffen, dass
diese Tendenz sich weiter durchsetzt,
denn Corporate Architecture kann
langfristig dazu beitragen, dass die
Humanisierung des urbanen Lebensraums wieder mehr Beachtung findet.
Dr. Kerstin Bussmann: Studium der
Kunstgeschichte, -pädagogik und
Germanistik, lebt und arbeitet in
Frankfurt am Main. Für die Architekturzeitschrift Modulør begibt sich
die versierte Autorin seit Jahren auf
Spurensuche.
STADTLOUNGE IM «RAIFFEISEN»QUARTIER VON ST. GALLEN.
ENTWURF: PIPILOTTI RIST UND
CARLOS MARTINEZ.
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«DIE
DIALEKTIK
VON ARBEIT
UND KULTUR
MACHT DEN
ORT AUS.»
Das Vitra-Haus ist als
Flagship-store das Zuhause
der Vitra Home Collection
und dient gleichzeitig für
alle Besucher als Tor zum
Campus. Herzog & de Meuron
nahmen nahmen 2010 die
archetypische Gebäudeform
des Giebeldaches auf, verlängerten sie und stapelten
zwölf solcher Gibelhäuser
übereinander.
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von Katharina Marchal (Text)
und Vitra (Fotos)
Auf dem Vitra Campus in
Weil am Rhein vereinen sich
auf vergleichsweise kleinem
Raum sehr vielfältige Beispiele
herausragender Architektur. Die
Identität des Möbelherstellers
Vitra und des Vitra Campus beruht
nicht auf einer starren Vorstellung
von Corporate Identity, sondern
entstand im Prozess und mit viel
persönlichem Gespür und oft
auch durch Zufall. Rolf Fehlbaum,
Sohn des Gründers und Leiter der
Firma bis 2013, gibt dazu ein paar
Einblicke.
A
m Beginn der Entwicklung des Vitra Campus stand eine Katastrophe. Ausgelöst
durch einen Blitzschlag, zerstörte 1981
ein Grossbrand fast die Hälfte der Fabrikationsgebäude, die das Unternehmen
seit 1953 in Weil am Rhein errichtet hatte. Rolf Fehlbaum, der erst wenige Jahre
zuvor die Leitung der von seinen Eltern
gegründeten Firma übernommen hatte,
meint dazu: «Der Brand war im Grunde
genommen ein Glücksfall. Er zwang uns,
in grösseren Dimensionen zu denken.»
Fehlbaum erkannte die Chance, mit den
Neubauten eine architektonische Neuorientierung zu verbinden. «Mein Bruder
und ich entschieden uns, nicht zu einem
lokalen Bauunternehmen zu gehen, um
kostengünstig und möglichst schnell eine
Claes Oldenburg gilt mit seiner Frau
Coosje van Bruggen als wichtiger Vertreter
der amerikanischen Pop Art und ist vor
allem für seine Grossskulpturen bekannt.
Auch auf dem Vitra Campus weden mit
Hammer, Schraubenzieher und Zange drei
wichtige Werkzeuge zur Stuhlherstellung
um ein Vielfaches vergrössert. Dieses
Geschenk der Kinder von Willi Fehlbaum
zum 70. Geburtstag des Firmengründers
war das erste Objekt auf der Fläche vor
dem Produktionsgelände.
neue Produktionshalle zu erstellen, sondern trotz des Zeitdrucks mit einem guten Architekten zusammenzuarbeiten.»
Ein paar Monate vor dem Brand hatte
Fehlbaum Nicholas Grimshaw, einen
wichtigen Vertreter der Hightech-Architektur, in England kennen gelernt und
einige Gebäude von ihm besichtigt. «Seine Architektur sprach mich an, weil ihre
technische Ästhetik und ihr Umgang mit
vorfabrizierten Elementen mich an die
Vorgehensweise von Charles Eames erinnerten», erzählt Fehlbaum. Innerhalb
von nur sechs Monaten konnte die neue
Fabrikhalle bezogen werden. Zufrieden
mit dem Ergebnis, bat Fehlbaum Grimshaw, einen Masterplan für die weitere
Entwicklung des Geländes zu entwer029
THEMA
Corporate Architecture
fen. «Damals hatte ich eine Auffassung
von Corporate Identity, die vorsah, dass
alle Gebäude gleich oder ähnlich sein
sollten.» Es kam jedoch nur noch ein
zweites Gebäude von Grimshaw hinzu.
Anlässlich des 70. Geburtstags des VitraGründers Willi Fehlbaum gaben die Söhne bei den Künstlern Claes Oldenburg
und Coosje van Bruggen eine Skulptur
in Auftrag. «Balancing Tools» ziert seit
1984 das Vitra-Gelände. Durch den Kontakt mit den Künstlern lernte Fehlbaum
Frank Gehry kennen. «Erst sprachen wir
über Möbel und realisierten für die erste Vitra-Edition den Kartonsessel «Little
Beaver». Irgendwann entstand die Idee,
für eine Anfang der 1980er-Jahre begonnene Sammlung von Möbeln der
Moderne ein kleines Gebäude zu erstellen», erzählt Fehlbaum. In der Diskussion mit Gehry rückte Fehlbaum in den
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späten 1980er-Jahren von der Idee einer
Bebauung mit einheitlichen, wiedererkennbaren Gestaltungsgrundsätzen ab.
Stattdessen verfolgte er seither einen
pluralistischen Ansatz, der die Weiterentwicklung des Areals im Sinne eines
gleichberechtigten Nebeneinanders unterschiedlicher Architektursprachen und
-auffassungen ermöglicht. Das «Ideal eines Campus, der öffentliche und private,
industrielle und kulturelle Elemente auf
selbstverständliche Weise vereint», wie
es Fehlbaum formuliert, begann Formen
anzunehmen.
DAS ERSTE MUSEUM AUF
DEM CAMPUS
Das Gebäude für die Möbelsammlung,
das Vitra Design Museum, war Frank
Gehrys erster Entwurf ausserhalb der
Nach dem Brand 1981 entwarf der
britische Architekt Nicholas Grimshaw
den Masterplan, und sechs Monate später
stand die mit Aluminium verkleidete Halle,
1983 folgte eine zweite.
Vereinigten Staaten. Damals traute sich
Fehlbaum gar nicht, von einem Museum zu reden. «Das klang mir viel zu
prätentiös. Ich sprach von ‹a little shed›»,
meinte Fehlbaum. Parallel zum Museum
entstanden nach Gehrys Plänen eine Fabrikationshalle (inklusive Werkskantine,
Büros und Schauräume) sowie das Gebäude für die Pforte, das die Grenze zwischen öffentlich zugänglichen und den
vorwiegend betrieblich genutzten Teilen
des Campus markiert.
Die 1989 vollendeten Bauten von Gehry
liessen die Zäsur in der Architekturphilosophie von Vitra unmissverständlich
sichtbar werden. Das Vitra Design Museum mit seinem bewegten, zerklüfteten
Baukörper, der die Grenzen der Geometrie zu sprengen scheint, gilt heute als
ein Schlüsselwerk in Gehrys Schaffen
und sorgte weit über die Fachwelt hinaus
für Aufsehen. Für Fehlbaum wurde klar,
dass auch für zukünftige Bauten ausserordentliche Architekten auf dem Vitra-Gelände tätig werden sollten. Als es
darum ging, ein neues Gebäude für die
Werksfeuerwehr zu errichten, wandte er
sich an Zaha Hadid. «Feuerwehr steht für
Tempo und Gefahr, da schien mir Zaha
ideal», erinnert er sich. Für die britische
Architektin mit irakischen Wurzeln, die
es mit ihren kühnen Architekturvisionen
in Fachkreisen zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hatte, war das für die
Werksfeuerwehr konzipierte Gebäude
der erste nach ihren Vorstellungen realisierte Entwurf. Da Hadid seinerzeit noch
nicht viel Erfahrung in der Umsetzung
hatte, dauerte der Prozess der Planung
und Realisierung mehr als vier Jahre.
Fehlbaum vermutet: «Wahrscheinlich
hat sie niemals wieder so viele Zeichnungen pro m³ produziert wie bei diesem
Gebäude.» Der heute zu den bedeutendsten Zeugnissen dekonstruktivistischer
Architektur zählende Bau besteht aus
zwei ineinander verkeilten Baukörpern:
auf der einen Seite die grosse Garage für
die Feuerwehrautos, auf der anderen die
Sozial- bzw. Schulungsräume. Das markante Erkennungszeichen des Baus ist
Für die Betriebsfeuerwehr konnte Zaha
Hadid 1993 ihr erstes Gebäude überhaupt
verwirklichen, das schnell zu einer Ikone
und zu einem vielbeachteten Werk wurde.
das vor der Garageneinfahrt weit auskragende und spitz zulaufende Dach, in dem
die Dynamik, die das gesamte Bauwerk
erfasst und aus dem Lot gebracht zu haben scheint, ihren vollkommensten Ausdruck findet. Nur für relativ kurze Zeit
seiner eigentlichen Bestimmung gemäss
genutzt, dient das Gebäude jetzt als Veranstaltungsort – der Brandschutz für das
Areal wird heute von der öffentlichen
Feuerwehr wahrgenommen.
Gebäude, das Ando feinfühlig etwas abseits vom Vitra Design Museum in eine
Kirschbaumwiese integrierte, war auch
eine Premiere. Es war der erste Entwurf,
den er ausserhalb Japans realisierte. Den
Schlusspunkt der Bauaktivitäten auf dem
Vitra Campus in den 1990er-Jahren setzte der portugiesische Architekt Álvaro
Siza. «Weil das Umfeld bereits sehr vielfältig war, entschied sich Siza, eine Fabrikationshalle mit einfachen, klassischen
Materialien zu realisieren: Backstein und
Granit. Heute scheint es, als sei es das
älteste Gebäude», meint Fehlbaum zu der
1994 vollendeten Fabrikationshalle. Nur
an einer Stelle setzt das zurückhaltende
Gebäude einen auffälligen Akzent. Eine
brückenartige Dachkonstruktion überspannt den Weg zwischen der Produktionshalle von Siza und der gegenüberliegenden Halle. An ihren Stahlträgern ist
ein absenkbares Dach befestigt, das bei
Regen tief liegt und damit Schutz für den
Werksverkehr bietet. Bei schönem Wetter fährt es automatisch nach oben, um
so einen freien Blick auf Hadids Feuerwerksgebäude zu ermöglichen. Der Träger scheint das Feuerwehrhaus von Zaha
Hadid gleichsam einzurahmen.
FORTSETZUNG FOLGT
Fast als Antithese zu den expressiven
Bauten von Gehry und Hadid ist der
von dem japanischen Architekten Tadao
Ando geplante, ebenfalls 1993 fertiggestellte Konferenzpavillon lesbar. Fehlbaum erinnert sich: «Bei einem Vortrag,
den Werner Blaser veranstaltet hatte,
lernte ich Ando kennen», erinnert sich
Fehlbaum. «Dann bin ich nach Japan
gefahren, um seine Bauten anzusehen,
und war fasziniert», erzählt er weiter.
Ursprünglich diskutierten sie über die
Idee eines Pavillons of Silence – einer
Art Meditationsraum. Da es in der Fabrik seinerzeit keine Konferenzräume
gab, bat Fehlbaum, die Pläne zu ändern
und einen Ort für interne Konferenzen
zu schaffen. Das betont ruhige, auf klaren geometrischen Formen basierende
Die kuppelförmige Zeltkonstruktion
«Dome» entwickelte Richard Buckminster
Fuller 1975 zusammen mit Thomas C.
Howard bei Charter Industries, und sie
wurde 2000 auf dem Campus aufgestellt.
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THEMA
Corporate Architecture
Mit «Diogene» entwickelte Renzo Piano
eine Wohneinheit, die auf einer bescheidenen Fläche von 6 m² alle elementaren
Funktionen des temporären Wohnens
unter einem Dach vereint (2013).
LANGE PAUSE
«Da es keine Notwendigkeit für neue Gebäude auf dem Campus gab, vergingen
bis zum nächsten Bau 16 Jahre», nennt
Fehlbaum als Grund für die lange Baupause. Neue Produktionsmethoden wie
just in time erlaubten die Expansion
auf den bestehenden Flächen. In diesen
Jahren wurden ein kleines Tankstellengebäude von Jean Prouvé von 1954 und
ein Buckminster-Fuller-Dome übernommen, und es wurde eine Bushaltestation von Jasper Morrison errichtet. Doch
2007 begannen die Arbeiten für zwei
weitere Grossprojekte auf dem Campus.
Nach Plänen des japanischen Architekten-Duos SANAA entstand eine neue
Produktionshalle und nach dem Entwurf von Herzog & de Meuron wurde in
unmittelbarer Nähe zum Museum von
Frank Gehry das Vitra-Haus errichtet.
2010 eröffnet, sind die übereinandergestapelten Giebelhäuser das mit Abstand
höchste und entsprechend schon von
weitem sichtbare Bauwerk auf dem Campus. Mit der Dynamik, dem Erfolg und
dem Publikumsinteresse an dem VitraHaus hatte keiner in der Form gerechnet.
Dazu erklärt Fehlbaum: «Im Museum
hatten wir jeweils 80 000 bis 90 000 Besucher. Seit dem Vitra-Haus zählen wir
032
MODULØR
Magazin
mehr als 300 000 Besucher jährlich.» Die
Besonderheit liegt auch in der Eigenheit
des Gebäudes selbst, denn mit den Worten von Rolf Fehlbaum: «Das Vitra-Haus
ist weder Museum noch Showroom,
sondern ein neuer Typus. Die einzelnen
Häuser bilden den Rahmen für Einrichtungen mit unterschiedlichen Atmosphären. Das Stapelprinzip dieser Einheiten,
das Durch- und Ausblicke erlaubt, eröffnet unterschiedliche Perspektiven und
sorgt für Überraschungen. Eine brillante
gestalterische Idee, die wir aber erst mit
der Zeit zu bespielen wussten.» Um nicht
mit dem in Weiss gehaltenen FrankGehry-Bau zu konkurrieren, «setzten sich
Herzog & de Meuron beim Vitra-Haus bewusst für den dunklen Fassadenanstrich
der Hauseinheiten ein», beschreibt Fehlbaum.
Dass dieses Konzept sinnbildlich seine
Vorstellungen eines Unternehmens wiederspiegelt, erklärt Fehlbaum folgendermassen: «Ein Unternehmen projiziert
mit einem neuen Bauwerk etwas in die
Zukunft. Sobald es umgesetzt ist, wirkt
das Bauwerk wieder zurück auf die Menschen, die darin arbeiten oder es nutzen.
Jedes Gebäude ist sozusagen auch ein
2016
Nº3
Der Konferenzpavillon integrierte der
japanische Architekt Tadao Ando 1983
feinfühlig in eine bestehende Kirschbaumplantage. Sichtbares Grundmodul ist die
auf menschlichen Proportionen beruhende Tatamimatte mit 90 x 180 cm.
Versprechen an uns selber, an die Firma
und an das Publikum.» Ein gutes Beispiel dafür ist seiner Meinung nach das
VitraHaus von Herzog & de Meuron: «In
seinen Wurzeln ist Vitra auf Büroausstattung ausgerichtet. Mit dem Vitra-Haus
wollten wir für uns selber und für die
anderen verdeutlichen, dass wir von nun
an auch im Wohnbereich stark sind.»
Genauso aussergewöhnlich wie das Vitra-Haus, aber für die Öffentlichkeit nicht
zugänglich ist die 2012 von SANAA vollendete Produktionshalle. Sie fällt durch
ihren ungewöhnlichen, runden Grundriss auf, der sich von den umliegenden
eckigen Produktionshallen abhebt. Im
Zusammenspiel mit den blendend weissen, leicht gewellten Kunststofffassaden
ist es dem menschlichen Auge fast unmöglich, das Volumen und die Ausdehnung der Halle realistisch einzuschätzen.
Architekturführungen zugänglich. Das
zum Ausstellungsraum umfunktionierte
Feuerwehrhaus von Zaha Hadid sowie
das neue Schaudepot von Herzog & de
Meuron – Eröffnung 3. Juni 2016 – werden öffentliche Bauten sein. Diese beiden Gebäude markieren auf der Südseite
des Campus einen neuen Zugang. Damit
können die Besucher in Zukunft vom
südseitigen Gelände über die Siza-Promenade zum Museum, Vitra-Haus und
Konferenzpavillon gelangen. «Das Nebeneinander von öffentlichen Bereichen
und Werksgelände ist für uns ein ganz
wichtiges Thema», unterstreicht Fehlbaum und führt weiter aus: «Das Einzigartige an unserem Konzept ist, dass die
Produktion und die kulturellen Angebote
miteinander verbunden sind. Diese Dialektik von Arbeit und Kultur macht den
Ort aus.»
Mit dem Schaudepot entsteht eine der
weltweit grössten Dauerausstellungen
und Forschungsstätten zum modernen
Möbeldesign. Im Zentrum des Schau-depots steht eine Dauerausstellung mit über
400 Schlüsselstücken des modernen Möbeldesigns von 1800 bis heute. Gezeigt
werden frühe Bugholzmöbel, Ikonen der
NÄCHSTE SCHRITTE
Frank Gehry baute 1989 einerseits das
skulpturhafte Vitra Design Museum und
andererseits, gleich daneben, ein Pförtnerhaus sowie eine Produktionshalle. 2003
kam noch die Gallery dazu.
Und es stehen weitere Projekte vor der
Umsetzung. «In Zukunft wird der Vitra Campus von zwei Seiten erschlossen
und damit besser mit Basel und Weil
am Rhein verbunden», erklärt Fehlbaum. Der Bereich der Produktionshallen in der Mitte bleibt weiterhin für die
Öffentlichkeit nur in Verbindung mit
Die vom japanischen Architekturbüro
SANAA entworfe Produktionshalle ist
mit Ausnahme der Fassade, die Ende
2012 fertiggestellt wurde, seit 2010 ein
Bestandteil des Vitra Campus.
klassischen Moderne von Le Corbusier,
Alvar Aalto oder Gerrit Rietveld, aber
auch bunte Kunststoffobjekte der PopÄra oder die jüngsten Entwürfe aus dem
3D-Drucker. Ergänzt wird diese Präsentation um kleinere Wechselausstellungen zu sammlungsbezogenen Themen.
Im Untergeschoss bietet das Schaudepot
Einblick in weitere Sammlungsschwerpunkte wie das skandinavische und italienische Design, die Leuchtensammlung
und den Nachlass von Charles und Ray
Eames. Der Neubau umfasst zudem ein
Café und einen Shop.
Der hellrote Backsteinbau bringt wieder die Typologie des minimalistischen
Hauses mit Satteldach ins Spiel, wie es
Herzog & de Meuron bereits beim VitraHaus umgesetzt haben. Fehlbaum führt
dazu aus: «Mein Wunsch war es, für das
Schaudepot einen sehr einfachen, zurückhaltenden Bau zu realisieren. Es ist
schlussendlich wieder ein ikonisches Gebäude geworden.»
Es gibt noch Bauland im nordöstlichen
Teil des Vitra Campus. Zuerst wird jedoch über die Grünflächen nachgedacht.
«Als Nächstes möchten wir uns der Landschaftsgestaltung des Campus widmen.
Mit dem Landschaftsarchitekten Günther
Vogt werden wir die Zonen im Umfeld des
Schaudepots neu gestalten», informiert
Fehlbaum. Der hauseigenen Publikation
entnehmen wir: Mit dem Vitra-Haus ist
der Campus zu einem der Öffentlichkeit
zugewandten und öffentlich wahrgenommenen Ort geworden. Dem Konzept «A
Day at Vitra» (Ein Tag bei Vitra) folgend,
wird dem design- und architekturinteressierten Publikum hier ein aus kulturellen
und kommerziellen Elementen zusammengesetztes Tagesprogramm offeriert.
Dazu gehören neben den Ausstellungen,
Architekturführungen und Präsentationen der Vitra-Produkte auch Einkaufsmöglichkeiten in den Shops sowie
Verpflegung und Entspannung im hauseigenen Café. Und wer mag, kann über den
neuen, 2012 eingeweihten Verner-PantonWeg den nahe gelegenen Tüllinger Hügel
besteigen, von wo aus sich eine grossar-
Álvaro Siza baute 1994 eine Produktionshalle, die mit ihrer Backsteinverblendung
Bezug auf die 1981 abgebrannten Hallen
nahm. Gleich dahinter führt die ÁlvaroSiza-Promenade vorbei, die das Vitra-Haus
von Herzog & de Meuron mit dem Feuerwehrhaus von Zaha Hadid verbindet.
tige Aussicht über den Campus und die
gesamte Region bietet. Der Erfolg von
Vitra legt den Gedanken nahe, er sei auf
Grundlage eines von langer Hand sorgsam ausgearbeiteten Marketingkonzepts
entstanden. Tatsächlich aber beruht seine
Überzeugungskraft auf der authentischen
Leidenschaft des Bauherren für die zeitgenössische Architektur. Oder mit den
Worten von Rolf Fehlbaum ausgedrückt:
«Der Vitra Campus ist eine Komposition
mit langem Zeithorizont.»
Rolf Fehlbaum (1941 in Basel geboren, heute Chairman Emeritus) leitete
Vitra von 1977 bis 2013.
GRUNDLAGEN DES TEXTES
Interview von Katharina Marchal mit Rolf Fehlbaum,
Vitra-Center, Birsfelden, April 2016
Interview von Hubertus Adam mit Rolf Fehlbaum,
publiziert in: archithese, 2/2012 Bauherr/The Client
Der Vitra Campus – Architektur Design Industrie;
Hrsg. Mateo Kries, Vitra Design Museum GmbH,
Weil am Rhein, 2013
033
THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
«BESINNUNG
ZU WERTEN
UND VISIONEN»
von Roland Merz (Interview)
Harry Hersche ist Innenarchitekt, Produkt- und Kommunikationsdesigner. Im Gespräch
mit Modulør spricht der Zürcher Gestalter über Corporate Architecture und ihre
zunehmende Bedeutung, warum ein Stuhl eine Geschichte erzählen soll und wie er in
einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Unternehmen selber die Marke Strasserthun
zum Fliegen gebracht hat.
C
orporate Architecture –
ein Teil der Corporate Identity?
Corporate Architecture ist eine
Abbildung der Corporate Identity mit
dem Ziel, zusätzliche Imagewirkung für
ein Unternehmen zu erreichen. Gegenstand sind sowohl das gesamte äussere
architektonische Erscheinungsbild als
auch die gesamte innenarchitektonische Gestaltung. Die Thematik selbst
ist alles andere als neu. Dass sich mit
spannenden Gebäuden und Räumen
nachhaltige Wirkungen auf Menschen
erzielen lassen, wissen wir. Bekannte,
meist grosse Konzerne, vorwiegend aus
dem Dienstleistungssektor, Behörden
und staatliche Einrichtungen bedienen
sich dieser Erkenntnisse seit Jahren und
034
Inspirativer Ausgangspunkt und
Materialbibliothek
in einem – «punkt6»
von Strasserthun ist
nicht ein gewöhnlicher
Showroom, sondern
ein Ort, wo der Kunde
empfangen wird und
Kreativität keine Grenzen
erhält, wo die Werte
des Unternehmens ins
Blickfeld gerückt und
vorgelebt weden.
035
THEMA
Corporate Architecture
nutzen sie als strategisches Werkzeug
in der Unternehmensführung. Doch
auch für klein- und mittelständische
Unternehmen bringt eine identitätsnahe
Architektur enorme Vorteile und Mehrwerte. Sobald ein Unternehmen auf die
Öffentlichkeit trifft, entscheidet oft der
erste Eindruck und das damit verbundene äussere Erscheinungsbild, ob es positiv wahrgenommen wird. Also schlicht
und einfach ausgedrückt: «Du bekommst
keine zweite Chance für den ersten Eindruck.» Der Betrachter schliesst von der
Architektur, vom Innenraum und auch
vom allgemeinen Präsentationskonzept
auf das Unternehmen und leitet einen
grossen Teil seiner Meinung und Wertung davon ab. Dieses Zusammenspiel,
seine Möglichkeiten und seine Auswirkungen sind sich die meisten Klein- und
Mittelstand-Unternehmungen noch nicht
ganz bewusst. Jedoch spielen gerade
diese Firmen für die Schweizer Wirtschaft eine entscheidende Rolle. Vom
Blumenladen über den Schreiner bis hin
zu kleinen Dienstleistern aus jeglichen
Bereichen bilden diese die überwältigende Mehrheit aller Unternehmen.
Corporate Identity ist ein
Zusammenspiel verschiedenster
Bereiche. Was für eine Rolle nimmt
dabei Corporate Architecture ein?
Corporate Architecture gewinnt
an Bedeutung, da dadurch Image und
Selbstverständnis eines Unternehmens
nach aussen und innen kommuniziert
werden. Über die konsequente Kombination von ästhetischen, funktionalen
und expressiven Gestaltungsansätzen
sollen Mitarbeiter und Kunden nicht nur
auf eine Art berührt werden. Vielmehr
ist die Verwirklichung konkreter strategischer Zielsetzungen im Mittelpunkt.
Jeder Einsatz von Funktion, Form oder
Material löst Assoziationen aus und gibt
Auskunft darüber, worauf ein Unternehmen Wert legt. Dieser erste Eindruck,
den die gebaute Struktur vermittelt,
kann einen positiven Einfluss auf künftige Geschäfte ausüben.
036
MODULØR
Magazin
«PUNKT6»
VON STRASSERTHUN
Klarheit bestimmen Konstruktion und Materialität. Minimal in
der Farb- und Formgebung. Ein
Stahlbau, der Verbindungen offenlegt. Innenarchitektur in Weiss
und Hellgrau ausgeführt um den
Materialien, in Form von Halbfabrikaten, genügend Ausdruck
zu geben. Die skulpturale Interpretation einer Plattenfräse als
Präsentationsfläche soll Kunden
animieren, für sich die grandiose
Welt der Materialien auf den
Punkt zu bringen. Im Unterschied
zu einem reinen Showroom
versteht sich «punkt6» als inspirativer Ausgangspunkt und erlaubt
jeglichen Spielraum bei der
Weiterverarbeitung – ganz im
Sinne der Kreativen. Gleichzeitig
bietet Srasserthun das gesamte
Handwerk für die Umsetzung in
der Innenarchitektur, im Innenausbau und im Möbelbau an und
kann so den kompletten Prozess
von der Entstehung der Idee bis
hin zur Anwendung im Raum
oder im Produkt begleiten.
www.strasserthun.ch
2016
Nº3
In welcher Weise sollten
architektonische Stilmittel mit
anderen Mitteln der Gestaltung
des gesamten Erscheinungsbildes
kombiniert werden?
Grundsätzlich muss ein in sich passendes und authentisches Gesamtbild
entstehen. Markenwerte, die Unternehmerkultur, müssen klar und deutlich
in die ganze Corporte Identity eingebunden werden. Das Ziel muss sein,
disziplinenübergreifende Inhalte durch
ein einheitliches Design zu vermitteln, um die Unternehmung an ihren
baulichen, räumlichen, grafischen und
digitalen Berührungspunkten optisch
gleich sichtbar zu machen. Eine solche
Präsenz stärkt das Vertrauen der Kunden und vermittelt Qualität, Beständigkeit und gibt die gewünschte Sicherheit
wieder.
Wie setzt ein Unternehmen seine
Werte und Visionen in Bauten um?
Als Erstes muss eine Unternehmung
sich zu Werten und Visionen bekennen.
Diese sollten nach aussen und nach
innen identisch sein. Demnach muss
zuerst ein Selbstbild definiert und als
Ziel gesehen werden. Denn genau diese
Verbindung herzustellen, wird von dem
beauftragten Gestalter bei der Entwicklung von Corporate-ArchitectureProjekten abverlangt. Also ist neben den
funktionalen Anforderungen an ein Gebäude oder an eine Räumlichkeit eine
genaue Beschreibung der Unternehmensidentität die Basis. Ergänzend ist der
Einsatz von Bilderwelten ein Mittel, um
die Markenbotschaft noch besser wiederzugeben. Auf diese Weise erhält der
Architekt Klarheit über den Handlungsspielraum seiner Gestaltungsprozesse.
Architekten und Innenarchitekten, die
sich auf Corporate Architecture spezialisiert haben, können die jeweilige
Unternehmenskultur überzeugend in
Volumen übersetzen.
Wem bringt die gebaute
Identität überhaupt etwas?
Markenkommunikation in Form
von Corporate Architecture ist neben
der Bindung von Kunden auch für die
Mitarbeiterbindung fundamental. Die
Bandbreite hierfür erstreckt sich von der
Sicherstellung von guten Gefühlen aller
Mitarbeiter und auch aller Besucher,
über die Optimierung von Abläufen bis
hin zur nachhaltigen Vermittlung von
Werten, für die das Unternehmen steht
und mit denen es von aussen wahrgenommen werden möchte. Eine Marke
mit gutem Image wirkt dadurch auch
zweifelsohne anziehend auf erstklassige
Arbeitskräfte.
Sind Corporate-Architecture-Projekte
von grossen Budgets abhängig?
Nein, solche Projekte sind nicht von
grossen Budgets abhängig. Viel wichtiger
sind Selbstvertauen, Mut und eine Menge Kreativität. Architekten und Innenarchitekten übernehmen bei kleineren
Unternehmen auch die Aufgabe, das
Marketing mitzudenken. Klein- und Mittelstand-Unternehmungen haben häufig
keine ausführliche Marketingstrategie
wie Grosskonzerne. Auch die kleinsten
Betriebe können durch minimale, gezielte Eingriffe an der Architektur oder im
Innenraum ihre Marke zelebrieren und
überraschende Mehrwerte erzielen. Der
gewinnbringende Einfluss gelungener
Corporate Architecture ist somit nicht
nur grossen Konzernen vorbehalten. Es
bestehen viele Möglichkeiten, ein Unternehmen zu adäquaten Kosten nachhaltig
und emotional sichtbar zu gestalten.
Wichtig für ein konsequentes
Corporate Design sind unter anderem
Materialien, Formen
sowie Farben. Bei der gebauten
Identität kommen auch Elemente wie
Beleuchtung und der Einsatz
von Möbeln hinzu. Welche
Rolle nehmen diese Punkte
für Sie konkret ein?
Es sind allesamt sehr wichtige Elemente. Die genaue Selektion und der
alles umfassende Ausdruck ist hierfür
von enormer Bedeutung. Soll ein Stuhl
einfach als Sitzgelegenheit dienen, oder
soll er auch eine Geschichte, besser
noch einen Kerngedanken überliefern?
Gutes Corporate Design beschränkt
sich auch nicht nur auf die übertriebene
Gestaltung modischer Oberflächen und
extravaganter Farb- und Formgebungen.
Auch hier sucht man nach Formen, die
unternehmens- oder organisationsspezifische Besonderheiten hervorheben und
kommunikative Prozesse in Gang setzen
können. Gleiches gilt bei der architektonischen Ausgestaltung, der Licht- und
Raumgestaltung, der Oberflächendefinition und deren Haptik, der Materialwahl, der Möbelauswahl, der Definition
von Farbe und Form. Nur dadurch
entsteht eine wahrnehmbare Kommunikationsplattform.
Vielfach wird das Potenzial
der Architektur für gute
Unternehmenskommunikation nicht
in Betracht gezogen. Wie sah das
am Beispiel von Strasserthun aus?
Durch die neue Positionierung am
Markt war dies bereits bei der Entwicklung der Marke Strasserthun und somit
von Anfang an ein zentrales Thema.
Strasserthun ist als moderner Dienstleister in einem breiten Arbeitsfeld
international tätig und bietet neben
hochstehenden Materialberatungen,
Innenarchitektur und Innenausbauten
auch eine eigene Möbelkollektion in
Manufakturqualität an. Leidenschaft,
Handwerk, Qualität, Design, Innovation
und Emotion stehen für Strasserthun
und deren Projekte. Durch die Globalisierung nimmt die Vielfalt an vergleichbaren Dienstleistungen und Produkten
stetig zu. Umso wichtiger war es für
die Strasser AG Thun, sich als Marke
Strasserthun mit ihren ausformulierten
Kernkompetenzen deutlich erkennbar zu
machen, von Mitbewerbern abzugrenzen
und das eigene Profil bis ins letzte Detail
zu schärfen. Neben den klassischen
CD-Elementen wie interne Kommunikation, Geschäftspapiere, Broschüren,
Das Corporate Design
hat Strasserthun im
«punkt6» perfektioniert – der Showroom
ist in schlichtes Weiss
getaucht, inklusive
einzelnen Farbtupfern,
natürlich im Grün des
Unternehmens, wie dem
Sofa auf der Empore,
den Hockern beim Empfangstresen oder beim
Eingang zur Toilette.
037
THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
Publikationen, Werbung, Verpackungen,
Bekleidung, Fahrzeuge, Internetauftritt,
digitale Medien, Messen und Ausstellungen war dies natürlich auch die Architektur beziehungsweise Innenarchitektur der eigenen Räumlichkeiten, um ein
ehrliches, prägnantes und passendes
Gesamtbild zu erreichen.
Warum setzte Strasserthun
auf Corporate Architecture
(Interior)? Welche zusätzliche
Imagewirkung für die eigene
Marke sollte erreicht werden?
Gute Corporate Architecture verkörpert in Form einer dreidimensionalen
Struktur das Selbstverständnis des
Unternehmens, bewirkt eine emotionale
Verbindung, schafft Überzeugungskraft,
verbessert das Wohlgefühl und die
Unternehmensidentifikation der Mitarbeiter nachhaltig. Somit erfüllte die
Umsetzung gleich mehrere Aufgaben
in einem. Erzielte Attribute sind ein
klares Unternehmensprofil am Markt
– Markenpräsenz in der Öffentlichkeit
–, Vertrauensgewinn, Glaubwürdigkeit
durch eine hochwertige Repräsentationsplattform, Kompetenzstärkung und
Sicherheitsausstrahlung, verbesserte
Mitarbeiteridentifikation, die Vereinfachung von Abläufen und letztlich der
ökonomische Nutzen.
Was sind die Vorteile des
neuen Showrooms «punkt6»
für Strasserthun im Bezug
zur umgesetzten Corporate
Architecture (Interior)?
Sicherlich die Werbewirkung, welche als Visitenkarte fungiert und das
Image des Unternehmens ausdrückt.
Innerhalb eines Jahres ist «punkt6»
ein fester Teil der Marke geworden,
garantiert einen erheblichen Wiedererkennungseffekt und generiert so
Mehrwerte, mit denen sich sehr gut
Werbung machen lässt. Wenn der
komplette Auftritt des Unternehmens
zudem konsistent ist, hat das auch
sinnstiftende Wirkung, die es leichter
038
Harry Hersche wurde 1979 in Zürich
geboren. Der gelernte Hochbauzeichner
arbeitete nach seinem Innenarchitekturstudium 2004 in unterschiedlichen
Funktionen in den Bereichen Innenarchitektur und Produktdesign. Rund vier
Jahre realisierte er Projekte im Privat- und
Objektkundenbereich für das renommierte Schweizer Einrichtungshaus ZinggLamprecht. In den Jahren 2008 bis 2013
war er bei Detail Design in Zürich für die
Gestaltung zahlreicher Showrooms und
Gastroprojekte im In- und Ausland mitverantwortlich. Die letzten zwei Jahre hiervon als Art Director. Ausgeführte Projekte
für Lindt & Sprüngli, Flughafen Zürich AG,
James Richardson Duty Free oder auch
das Schweizer Heimatwerk sind einige Referenzen, die er sich während dieser Zeit
erarbeitet hat. Nach seinem Abschluss in
Kommunikationsdesign 2012 begann er
parallel mit Projekten als freischaffender
Designer, u. a. für Strasserthun, für welche
er seit Ende 2013 zudem als Leiter des
Coporate Image tätig ist.
www.harryhersche.com
2016
Nº3
macht, sich damit zu identifizieren.
Das umgebaute Gebäude verbindet
hochwertiges und dennoch bodenständiges Design mit praktischem Nutzen.
Neben einer einzigartigen Repräsentationsfläche der Marke und der Produkte konnte eine neue Fläche für den
Büro- und den Lagerbereich geschaffen
werden und somit dem Platzmangel in
der bestehenden Produktion entgegengewirkt werden. Die kurzen Wege zu
den Werkstätten sorgen darüber hinaus
für eine bessere Produktivität.
Wie geht der Prozess des Corporate
Design, der Corporate Architecture
von Strasserthun weiter?
Alle Elemente aus dem CorporateIdentity-Bereich werden stringent
weiterverfolgt, ausgebaut und ständig
verfeinert. Erweiterungsmassnahmen
sind permanent erforderlich, da sich die
Vielzahl der Kommunikationsmassnahmen und die damit verbundenen Anforderungen und Aufgabenstellungen in
der Praxis kontinuierlich erweitern und
verändern. Hierbei muss gleichbleibende
und hohe Qualität bei allen Handlungen
angestrebt werden. Raumbildende, innenarchitektonische Branding-Massnahmen im Bestand sowie geplante Messeauftritte und Events werden konsequent
nach den «Prototypen» der Marke
weiterentwickelt. Ständige Präsenz und
der Wiedererkennungswert der Marke
spielen eine entscheidende Rolle. Ganz
nach dem Credo von Strasserthun: «Früher wie heute sind wir in unserem Kern
Schreiner. Nicht gewöhnliche vielleicht.
Aber Schreiner. Mit einem Hang zum
Aussergewöhnlichen.»
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THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
von Valentin Kaelin (Redaktion)
Der Award für Marketing + Architektur zeichnet
seit 2008 hochwertige Corporate Architecture aus
und hat sich in kürzester Zeit als feste Grösse in der
Szene etabliert. Ein Rückblick auf die Sieger.
orporate Architecture und
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eingesetzt, ist diese aufstrebende Form
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der Architektur nicht etwa plakativ, viel040
mehr integriert sie sich in die Umgebung
und nimmt gleichzeitig Bezug auf die in
den Bauten beheimateten Unternehmen.
Corporate Architecture findet inzwischen in vielen Bereichen Anwendung
– auch bei öffentlichen Bauten wie
Turnhallen, Bahnhöfen oder Spitälern wird sie immer öfter eingesetzt.
Dabei wird Wert auf eine zeitgemässe Architektursprache gelegt, die
die Leitlinien von Unternehmen
auch in ihren Bauten widerspiegelt.
Vorhang auf für die Hauptsieger seit
2008 und vor allem für die kürzlich
gekürten Gewinnerteams des diesjährigen Wettbewerbs!
2008 – FREITAG
FLAGSHIPSTORE
Der Sieger der ersten Ausmarchung
schafft eine kongeniale Verbindung von
Produktionsweise und Produkt zur Architektur und Bautechnik. Das Gebäude
von Spillmann Echsel Architekten ist
authentisch zum Unternehmen, Standort und Marke, es ist die Ableitung aus
dem urbanen Ursprung.
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2010 – JUGENDHERBERGE SCUOL
Die Jugendherbergen haben sich vom
verstaubten Image verabschiedet und
sich zu einem modernen Anbieter im
Tourismus gewandelt. Exemplarisch
wird ab 2005 der Prozess des Strategiewechsels, geprägt durch das
Marketing, vorangetrieben. Der Bau in
Scuol von ARGE Sursass ist spezifisch
für den Ort gedacht und entworfen: ein
monolithischer Einzelbau, der die Stärke
und Massivität eines alten Engadiner
Hauses ausstrahlt und die Philosophie
des Vereins verkörpert.
2014 – RAIFFEISEN
STADTLOUNGE
2012 – GALERIE
PILATUS KULM
Die Panoramagalerie signalisiert den
Neuaufbruch am Pilatus. Sie bietet die
wettersichere Verbindung zwischen
den beiden Hotels Pilatus Kulm und
Bellevue. Subtil schmiegt sich das neue
Passstück von Graber Steiger Architekten der alpinen Kulisse an und entwickelt sich zur künstlichen Topografie
zwischen den bestehenden Bauten und
den markanten Felsnasen des Pilatus.
Ein feuerroter, weicher Bodenbelag aus
Gummigranulat verkörpert den heterogenen Charakter des Raiffeisen-Quartiers in
St. Gallen. Die Stadtlounge ist ein hochwertiger, prägnant homogener Stadtraum
mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten, ein öffentliches Wohnzimmer, das
zum Verweilen einlädt, sich paradoxerweise nach aussen stülpt und sich mit den
umgebenden Vierteln vernetzt.
041
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THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
G
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des
Award
2016 für Marketing +
Architektur ist der von
ffbk Architekten gebaute
Datacube in Münchenstein.
Seine Bauherrin, die Quickline
AG, erstellt, betreibt und vermietet Rechenzentrumsflächen für Geschäfts- und
Privatkunden. Im komplexen Umfeld
der Kommunikation und Informatik garantiert sie kontinuierliche Verfügbarkeit von Strom, Kühlung und physischer
Unversehrbarkeit der Hardware. Das
Ziel ist es, mit Innovation und Qualität
der Konkurrenz und der Zeit in einem
schnell wachsenden, zukunftsgerichteten Markt immer einen Schritt voraus
zu sein; Versorgungssicherheit bei stark
steigenden Leistungsdichten, neue Wege
der Lösungsgestaltung als Markenzeichen. Als Bauherrin stellte Quickline
hohe Ansprüche an die Funktionalität
und Flexibilität des Gebäudes. Vor allem
wünschte sie sich einen Baukörper, der
die innovative Technik und Exzellenz
des Services sowie die angebotene Sicherheit einprägsam verkörpert.
AUFGELÖSTER WIDERSPRUCH
Dies zeigt sich nun in der Architektur.
Die hohen technischen und funktionalen
Anforderungen – Einbruchs- und Versorgungssicherheit, Zutrittskontrolle, Schutz
vor Naturgefahren und Anpassbarkeit –
sowie die geforderte Kostenoptimierung
werden ideal mit dem kompakten und
flexibel strukturierten Baukörper erfüllt,
der mit einer geheimnisvollen Hülle
042
Po
h e li t is
di e r vo c h e
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überzogen wird. Er oszilliert dabei einerseits in der Umgebung zwischen den
kleinmassstäblichen
Einfamilienhäusern und den grossen Industriebauten,
oszilliert aber ebenso zwischen der Erscheinung eines geheimnisvoll sicheren,
chromstahlblinkenden Safes und des
sich durch Reflexion auflösenden Volumens. Der Widerspruch zwischen dem
rohen technischen Gebäudeinneren und
der angestrebten Brillanz der äusseren
Gebäudeerscheinung verdichtet sich an
der Fassade und löst sich dort auf: in eine
innere Schicht mit scharf und funktional gesetzten Öffnungen, die Lichteinfall
und Ausblick definieren, einen äusseren
von
Johannes Marburg
(Fotos)
043
THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
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Schleier, der den Körper verhüllt und ihn
zum Schimmern und Spiegeln bringt.
Das Gebäude wirkt so geheimnisvoll und
unzugänglich, aber auch hochwertig und
anmutig. Die Fassade verhindert alle Einblicke und vermittelt Sicherheit, lässt von
innen aber einen ungestörten Ausblick
wie durch eine Gardine zu. Der damit geschützte Kern schafft durch einen StützPlatten-Stahlbau mit Prefab-Betondecken
eine äusserst flexible Grundrissstruktur
und genügend Raum für die Gebäudetechnik. Die Roheit der inneren Materialien verdeutlicht die Konzentration auf
diese Technik und die Flexibilität.
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Distanziertheit und Sicherheit, Anziehung
und Eleganz sind vermeintlich konträre
Merkmale, die dieses Gebäude in besonderer Art auszeichnen. Beinahe unglaublich und gerade deshalb so erfolgreich geschieht dieser Aufwand für ein Gebäude,
das nur mit einem ständigen Arbeitsplatz,
der Sicherheitsloge, betrieben wird. Wie
Werbeschilder strecken sich die Stirnseiten in die Höhe und lassen die notwendige Technik nur diskret andeutungsweise
erkennen. Hohe Sicherheit, exzellenter
Service und überbordende Innovationskraft bietet das Unternehmen an und
zeigt dies explizit in seiner Architektur;
beste Werbung in eigener Sache für die
bestimmenden Werte des Unternehmens
und für eine komplex wahrnehmbare Architektur, die viel offensichtlicher ist als
die versteckte und unzugängliche Technik, die sich darin verbirgt.
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THEMA
Corporate Architecture
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MODULØR
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realisiert das alljährliche
Origen Festival Cultural
in Graubünden und widmet sich der Förderung und
Produktion von neuem, professionellem Musiktheater. Viele temporäre
Theaterbauten hat Origen in den letzten
Jahren geschaffen und bespielt. Mit den
Theaterräumen in der «Clavadeira» – der
Scheune von Sontga Crousch in Riom –
erhielt das Festival 2015 erstmals eine
ganzjährig bespielbare Infrastruktur.
VON DER SCHEUNE ZUM SAAL
Der Ausbau der Gasser Derungs Innenarchitekturen GmbH ist Sieger der Kategorie «Publikumsbauten» des Award
2016 für Marketing + Architektur. Die
Bauherrschaft hatte eine einfache Vision: Riom wird zum Theaterdorf. Mitten in der alpinen Brache, weit weg vom
städtischen Kulturschaffen, soll das Theater neu erfunden werden. Hier soll das
Festival archaische Landschaften bespielen und mit den Sprachen jonglieren.
Realisiert wurde eine Stätte für Kultur
der besonderen Arten. Ein grosszügiger
neuer, aber historischer Raum für Theater, Konzerte, Tanz, Proben und Anlässe
unterschiedlicher Inhalte, Darstellung
und Form. Die Umbauten wollten vor
allem eins: die einmalige Atmosphäre
des Anwesens erhalten, freilegen und
darüber hinaus künstlerisch nutzen. An
einem geprägten Ort sollen Geschichten erzählt und soll Gastfreundschaft
gepflegt werden, wo sie eine lange Tra-
dition hat. Entstanden ist kein unscheinbares Kellertheater, auch kein pompöses
Foyer. Der Hof wird bespielt als das, was
er ist: ein stattliches Wohnhaus, das bewohnt und belebt werden soll – inklusive
einer geräumigen Scheune, die Platz für
Experimente bietet. Denn zusammen mit
Wohnhaus, Waschhaus, Hof und Garten
bildet die Scheune ein Ensemble und
weist ausserdem eine Stallarchitektur
auf, die in der Region einmalig ist.
von
Bowie Verschuuren
und Benjamin Hofer
(Fotos)
EIN EINZIGARTIGER ORT
Die neue Nutzung stärkt das Ensemble.
Wie früher Stall, Scheune und Wohn047
THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
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2016
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haus miteinander verbunden waren, sind
heute Theater und Foyer in der ehemaligen Scheune eng mit dem Wohnhaus
verbunden, in dem sich das Café und
die WC-Anlagen sowie die Heizzentrale
befinden. Die Eingriffe sind subtil, nehmen Rücksicht auf den Bestand, lassen
aber auch die neuen Bedürfnisse zu Wort
kommen und schaffen Raum für bewegte und bewegende Geschichten.
Als Erstes hat die Scheune ein neues
Dach erhalten. Die Öffnungen wurden
aus energetischen, thermischen und
akustischen Gründen mit grossflächigen
Verglasungen geschlossen, die Abschlüsse sind aussen angebracht. Tagsüber ist
048
weiterhin das liebliche Lichtspiel durch
die Ritzen der alten Holzverschalung
sichtbar, und abends kann eine intime
Theaterinszenierung stattfinden, ohne
irritierende Spiegelungen auf den Glasscheiben. Die Scheunentore sind wie
früher offen, für Publikum und Requisiten. In die Nischen wurden Abschlüsse
eingebaut, damit der Raum beheizbar
ist und auch im Winter bespielt werden
kann.
Durch die Klärung der Räume und den
Rückbau der Ställe ist ein einzigartiger
Saal entstanden. Die Holzarbeiten und
die steinernen Rundbögen wurden ebenso erhalten wie die Holzbalkendecken.
Der annähernd quadratische Grundriss
des Saals ermöglicht eine flexible Bespielung. Eine einfache Arenatribüne
umgibt die Bühnenfläche, Besucher und
Darsteller erleben einander in nächster
Nähe. Durch den sorgfältigen Umgang
mit der Bausubstanz konnte die Patina
innen und aussen erhalten werden und
gleichzeitig die Anforderungen an die
neue Nutzung an Komfort, Energie und
Denkmalpflege erfüllt werden. Die Stimmung hier lebt von der atmosphärischen
Dichte, die Qualität des Raumes ist seine
Ehrlichkeit. An diesem einzigartigen Ort
ist vieles möglich, das in der Stadt unvorstellbar wäre.
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THEMA
Corporate Architecture
STANDORTENTWICKLUNG
WASSERKRAFTWERK
HAGNECK
Penzel Valier konnte, zusammen mit Raymond Vogel Landschaften
AG, den Gestaltungswettbewerb für den Neubau des Wasserkraftwerkes und die umfangreichen Umgebungsarbeiten für sich
entscheiden. Durch das Absenken der Wehrbrücke wurde zugleich
die horizontale Dominante entscheidend nach unten genommen
und die Terrainanschlüsse an den beiden Ufern mit allen hierfür
notwenigen Böschungen und Stützmauern deutlich tiefer gehalten. Der Eingriff in die weite, flache Auenlandschaft konnte so sanft
und flach gehalten werden, was gerade für die Panoramawirkung
der Anlage auf die Weite des Sees von Bedeutung ist.
050
MODULØR
Magazin
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HOTELS, RESTAURANTS, USW.
PORTAL CHURWALDEN
Das neue Portal Churwalden bildet den Zugang und Abschluss des Skigebietes zugleich. Das Gebäudekonzept von Ritter Schumacher Architekten
entwickelt sich aus der Topografie und der Bewegung heraus. Die Bewegungsflüsse von Personen und Gondeln bestimmen die innere Organisation
und das äussere Erscheinungsbild dieses Infrastrukturbaus. Die Fassade
besteht aus Sichtbeton und einer geschwungenen Rillenstruktur, was dem
Material die Härte nimmt und gleichzeitig eine textile Geschmeidigkeit gibt,
die seiner Form entspricht. Boden, Wand und Decke im Inneren sind einheitlich in Rot gehalten und lassen den Benutzer für kurze Zeit in eine andere
Welt eintauchen, bevor er mit der Gondel in das Skigebiet entschwindet oder
sich im Restaurant eine Stärkung gönnt.
GESCHÄFTSHÄUSER
BÜROHAUS WÜST & WÜST
Das Gebäude von Giuliani Hönger Architekten antwortet
sowohl auf den spezifisch gewählten Ort wie auf die Werte
der Firma: Der nähere Kontext besteht aus zweigeschossigen,
traditionellen Wohnbauten mit Satteldach. Das scheinbar
schwebende Volumen erscheint als skulpturale Antithese zur
traditionellen Villa und als volumetrischer Eyecatcher, vermittelt
innovative Exklusivität und drückt damit die Corporate Identity
der Firma Wüst und Wüst aus. Am Tag wirkt das Gebäude als
gerahmter Kristall, in der Dämmerung als schwebender Leuchtkörper, in der Nacht als glimmender Quader.
TEMPORÄRE BAUTEN, MESSEBAU
ARGOLITE MESSESTAND
Realisiert wurde einen Messestand, der zum grössten Teil aus HPL gefertigt
wurde. Dobas reduzierte das Exponat auf die Oberflächenschicht (0,9 mm), dem
eigentlichen Kernprodukt der Argolite, und verzichtet auf das Trägermaterial
(Span oder MDF). Damit konnte auf die Stabilität des HPL hingewiesen und der
Unterschied zur günstigen Folienbeschichtung verständlich gemacht werden.
LÄDEN, KUNDENCENTERS
APODOC
Die von Aroma Productions erdachte und erbaute ApoDoc
empfängt und berät Kunden und Patienten in den modernen
Räumlichkeiten. Die Apotheke zeichnet sich durch ein diskretes
und effizientes Beratungskonzept aus. Die Arztpraxen bieten
Hausarzt- und Walk-in-Service mit modernster Infrastruktur. Die
drei Bereiche bilden architektonisch und visuell eine Einheit und
unterstreichen damit das Konzept von ApoDoc eindrücklich.
TEAMPREIS
UNTERWERK UND NETZSTÜTZPUNKT OERLIKON
Herz des Projekts von Illiz Architektur ist der «Guckkasten» – ein
Schaufenster, das Passanten Einblicke in gemeinhin verborgene
Welten ermöglicht. Der unterirdische Schaltanlagenraum erhebt
sich als erleuchteter Kasten in die Stadt, sodass in der Tiefe des
Gebäudes dessen Herzstück, die 150-kV-Schaltanlage, sichtbar
wird. Inszeniert wird das Herz der Anlage durch den Künstler Yves
Netzhammer. Er verkleidete die Wände des Schaltanlagenraums
mit einer multimedialen Spiegelinstallation. Architektur wird hier
zum Bindeglied zwischen Öffentlichkeit, Unternehmen, Produkt
und Kunde, der Zweckbau zur Visitenkarte für den Bauherrn EWZ.
051
THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
POP
UP!
SPONTANE CORPORATE ARCHITECTURE
von Dr. Jons Messedat (Text)
Wer kennt sie nicht, die aufklappbaren Karten, aus denen sich mit ein paar Kniffen
kunstvolle Mikroarchitekturen entfalten. Die ursprüngliche Form dieser Papierkunst
stammt aus Japan und sorgt unter der Bezeichnung Origami – oru = falten + kami
= Papier – für Erstaunen. Der Prozess, mithilfe dieser Technik räumliche Gebilde zu
formen, lässt sich aber auch umkehren, beispielsweise um dreidimensionale Elemente
zu Transportzwecken möglichst kompakt zusammenzufalten. Mobile Bausysteme folgen
häufig dem Pop-up-Prinzip, um eine möglichst ökonomische Logistik vom Transport über
den Aufbau bis hin zur Einlagerung zu garantieren.
052
Die Gestaltung der
Ausstellung «Helden der
Stadt» reflektiert mit der
Auswahl der Materialien
die Arbeit der
Do-it-yourself-Kultur.
Entwurf: Yalla Yalla!
D
ynamik und Flexibilität stehen
im Mittelpunkt von temporären Architekturformen, die der
Präsentation und dem Verkauf
dienen. Pop-up-Stores sind eine
ideale Erweiterung der bisherigen Verkaufskanäle und haben das Potenzial,
eine Brücke zwischen virtuellen und stationären Handelsplattformen zu schlagen. Wie irritierende Pop-up-Fenster auf
unseren Bildschirmen tauchen solche
temporäre Läden an ungewöhnlichen
Orten auf und überlagern diese für kurze Zeit mit neuen Inhalten. Als temporäre Zwischennutzer generieren Pop-upStores mit minimalem Budget maximale
Aufmerksamkeit. Die spontane Vernetzung von Marke, Event und einzigartigen
Orten hat zu einer kreativen und wirtschaftlich erfolgreichen Form der Corporate Architecture geführt.
GUERILLASTRATEGIEN – DER REIZ
DER VERKNAPPUNG
Den Beginn dieses Trends markierten die
ersten Guerillastores in den Szenevierteln der internationalen Metropolen wie
New York und Berlin. Im Rahmen von
illegalen Aktionen okkupierten Kreative
und Modemacher leer stehende Läden,
Investorenruinen und Abbruchobjekte.
Eine Renovierung war in diesem Fall vor
Verkaufsbeginn nicht gewünscht, denn
gerade der provisorische Charme machte den Reiz des Vergänglichen aus. Das
Label Comme des Garçons, zu Deutsch
«wie Jungen», gilt als Pionier des Guerillamarketings. Den ersten Pop-up-Store
eröffnete die Gründerin Rei Kawakubo
053
THEMA
Corporate Architecture
in einer ehemaligen Buchhandlung in
Berlin-Mitte. Der rasche Ortswechsel
wurde zum Prinzip: Es folgten Gastspiele an kuriosen Orten, wie beispielsweise
in einer Apotheke in Helsinki, einer ehemaligen Metzgerei in Köln und einer leer
stehenden Garage für Hochzeitskutschen
in Glasgow. Der Begriff Guerillamarketing umschreibt diese Verkaufsstrategie,
die sich bewusst verschleiert gibt und
nur durch nadelstichartige Aktionen an
die Öffentlichkeit tritt. Die räumliche
Präsenz ist flüchtig, und es ist unklar, ob
es Tage, Wochen oder Monate dauert, bis
sie wieder von der Bildfläche verschwindet. Die Befürchtung, möglicherweise
etwas zu verpassen, spielt bei Kaufentscheidungen häufig eine Rolle. Bei genauerem Hinsehen scheint diese Erkenntnis
jedoch nicht neu zu sein. Schon die fahrenden Händler präsentierten ihre Waren auf temporären Marktplätzen, und
auch die ersten Konsumgütermessen
erlaubten nur kurze Einblicke in neue
Warenwelten. Während die temporäre
Verfügbarkeit von Gütern früher ein notwendiges Übel war, sind die Märkte heute gesättigt, und die meisten Produkte
sind über dichte Filialnetze und virtuelle
Handelsplattformen jederzeit erhältlich.
Produkt- und Markenmanager setzen
der unbegrenzten Verfügbarkeit von
Waren deren kalkulierte Verknappung
entgegen. Auf diesem Prinzip basiert der
besondere Reiz von Sonderangeboten, limitierten Editionen und zeitlich befristeten Verkaufsplattformen. Auf klassische
Werbemassnahmen wird zugunsten von
Mundpropaganda sowie zeitnahen Informationen in Blogs, per SMS oder Tweets
054
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
verzichtet. Der Vorteil ist, dass die Eckdaten zu Standort, Zeitfenster und Begleitevents vom Zielpublikum selbst
weitergegeben werden. Die Herausforderung ist es, dabei ein ausgewogenes Mass
zwischen Öffentlichkeit und Exklusivität
zu finden: Einerseits muss der Kreis der
Empfänger klein gehalten werden, andererseits würde ein leerer Shop rasch vom
Pop-up zum Flop.
VOM SMARTPHONE ZUM
SMARTSPACE
TEMPORÄRE
INTERVENTIONEN:
HELDEN DER STADT
In der Ausstellung «Helden der Stadt» im Ernst-Bloch-Zentrum in Ludwigshafen wurden
urbane Trends wie Guerillagärten, Repair Cafés und temporäre stadträumliche Interventionen
gezeigt. Helden der Stadt sind Bewohnerinnen und Bewohner, die ihre Kreativität einsetzen,
um ihre Stadt mit spontanen Aktionen lebenswerter zu gestalten. Sie lassen urbane Gärten
spriessen, umstricken Beton, schaffen Begegnungsorte und beleben damit ungenutzte Freiräume. Das Architekturbüro Yalla Yalla! – studio for change entwickelte ein Raumkonzept aus
knapp 1200 Gemüsekisten, das mit typischen Materialien, Gegenständen und Herangehensweisen die Do-it-yourself-Kultur widerspiegelt.
www.doitwithyallayalla.com
Längst nutzen nicht nur kreative Newcomer und Undergroundlabels dieses immense Potenzial: Es entstehen avantgardistische Pop-up-Pavillons für etablierte
Galerien, spektakuläre Pop-up-Stores für
Marken sowie Pop-up-Restaurants und
-Bars. Als besonders agiles Element der
räumlichen Kommunikation bieten diese
neuen Formate die Chance, unmittelbar
an die Hotspots der jeweiligen Zielgruppen zu gehen. Ob im urbanen Kontext,
an der Rennstrecke oder auf der Skipiste: Sie bilden publikumswirksame Treffpunkte. In Kombination mit kulturellen,
kulinarischen und sportlichen Events
werden sie zu spontanen Aktionsflächen
für aussergewöhnliche Erlebnisse. Der
Kunde besucht eine Ausstellung, ein Café
oder ein Stadion und erfährt ganz nebenbei etwas über Produkte und Dienstleistungen. Diese Chance haben auch Anbieter von bisher reinen Onlineplattformen
erkannt, die über neue Verkaufsformen
und eigene Verkaufsräume nachdenken.
Die neuen Schnittstellen zwischen den
HOTSPOT VOR ORT:
AUDI ULTRASTORE, BIKINI BERLIN
Die Concept Mall im frisch sanierten Bikini Berlin bietet eine Mischung aus kuratierten Verkaufs- und Aktionsflächen. Hier können für einen begrenzten Zeitraum kleine Präsentationsflächen als Pop-up-Stores
angemietet werden, um neuartige Produkte und Ideen zu testen. Der Automobilhersteller Audi präsentierte sich mit einem Pop-up-Store als begehbares Markenerlebnis. Die von Schmidhuber Brand Experience gestalteten Präsentationselemente bilden einen Kontrast zu den statischen Holzboxen. Die Produkte wurden in einer filigranen Leichtbauskulptur aus Aluminium präsentiert, die sich wie ein biomorphes
Strebwerk im Raum verteilt. Mit der Wahl des Standortes in der westlichen Mitte der Hauptstadt spricht
der Pop-up-Store ein urbanes, für Innovationen aufgeschlossenes Publikum an.
055
THEMA
Corporate Architecture
einzelnen Vertriebswegen ermöglichen
den Kunden einen fliessenden Wechsel
zwischen Online- und Offlinepräsenzen.
Mit dem Schlagwort «Multi Channel»
wird diese Entwicklung des Sowohl-alsauch umschrieben. In der Vernetzung
und sinnvollen Verknüpfung bisher parallel laufender Handelskanäle liegt ein
enormes Potenzial. Beispielsweise ermöglichen Mischformen nach dem Prinzip «Click & Collect» die Auswahl im Internet mit anschliessender Abholung an
eigens dafür eingerichteten räumlichen
Schnittstellen. Oder der Vorgang läuft
in umgekehrter Richtung ab, und der
Kunde lässt sich vor Ort inspirieren, um
den Kauf nach einer Vorauswahl online
abzuschliessen. Pop-up-Stores werden
in Zukunft weit mehr an Bedeutung gewinnen, denn sie sind die ideale Ergänzung zum virtuellen Auftritt im Internet.
Grosse und aufwendige Showrooms, die
durch die Masse der ausgestellten Produkte beeindrucken, werden in Zukunft
von kleinen, aber smarten Raumkonzepten abgelöst; der Weg führt vom Smartphone direkt zum Smartspace.
INDIVIDUALISIERUNG VON PRODUKT
UND PRÄSENTATION
Mediale Räume sind keine kurzfristige
Erscheinung, sondern eine kontinuierliche Entwicklung, die durch den Fortschritt in der Kommunikationstechnologie möglich wird. In Zukunft werden
immer mehr Informationen orts- und
zeitunabhängig auffindbar und «on demand» abrufbar sein. Als erweiterte Realität oder Augmented Reality (AR) wird
056
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
EXPERIMENTELL: VITRA
CAMPER POP-UP-PROJEKT,
WEIL AM RHEIN
Die Kundenakzeptanz digitaler Services hat Vitra gemeinsam mit der spanischen Schuhmarke Camper auf dem Unternehmenscampus in Weil am Rhein getestet. Unter der
geodätischen Kuppel des Architekten Richard Buckminster Fuller wurde ein experimenteller
Show- und Verkaufsraum eingerichtet. Kéré Architecture entwickelten ein Raum-im-RaumPrinzip aus gebogenen Regalwänden für Schuhe, Schuhkartons und begleitende Informationen. Die «Customer Journey» startete für den Besucher gleich nach dem Betreten mit dem
Aufbau einer Smartphone-Verbindung zum WLAN. Eingeloggt und registriert als Camper
Guest, konnten die Kunden einen individuellen QR-Code abrufen, der den Zugang zu Informationen rund um die Marke und Produkte eröffnete. Das Verhalten im Store soll darüber
Aufschluss geben, welche digitalen Services vom Kunden in Zukunft gefragt sind.
www.kere-architecture.com, www.vitra.com, www.camper.com
die computerunterstützte Wahrnehmung
bezeichnet, bei der sich reale und künstliche Welten überlagern. Im Gegensatz
zur rein virtuellen Realität, der Virtual
Reality (VR), werden dem Nutzer zusätzliche Informationen vermittelt, die
eine Ergänzung der realen Welt bilden.
Die AR-Technik wird beispielsweise bei
Sportübertragungen eingesetzt, wenn
zusätzliche Informationen und grafische
Elemente unmittelbar in das Geschehen
eingeblendet werden. Neuere Systeme
unterstützen die Benutzer durch standortbezogene Dienste, englisch «Locationbased Services (LBS)», die direkt in das
Display eingeblendet werden. Die Darstellung stützt sich dabei auf die Bilderkennung, die Ortung, die Position und
den jeweiligen Blickwinkel des Betrachters. Im Handel bietet Augmented Reality die Chance, Hintergrundinformationen zu Produkten, Produktionsorten
und den Produktionsbedingungen vor
Ort zu vermitteln. Kunden können diese Inhalte und Eindrücke sammeln, sie
übers Internet vertiefen und über SocialMedia-Plattformen mit anderen teilen.
Beflügelt werden die neuen Verkaufsformen durch den rasanten Fortschritt der
Fertigungsprozesse. So ermöglichen neue
Technologien wie beispielsweise der 3DDruck das Customizing von Produkten.
Die Produktentwicklung erfolgt direkt
vom Bildschirm an die individuelle Fertigung. Der Kunde wird gleichzeitig zum
Konsument und Produzent. Prosuming
lautet das Schlagwort: Der sogenannte
Prosumer wird unmittelbar in den Produktionsprozess mit einbezogen und
kann Einfluss auf das Produktdesign
WIN-WIN-SITUATION:
WÜRTH FAMILY STORE,
BREUNINGER STUTTGART
Mit der Eröffnung des ersten temporären Markenstores bei Breuninger in
Stuttgart geht die Marke Würth im Einzelhandel neue Wege. Unter dem Namen Würth Family Store will das Unternehmen, dessen Produkte bisher ausschliesslich Gewerbetreibenden vorbehalten waren, neue Zielgruppen ansprechen. Die D’art Design Gruppe GmbH (Dart) entwickelte ein überraschendes
Konzept mit einer Werkbank in Betonoptik und angesägten Baumstämmen,
die den Hintergrund für die ausgestellten Produkte bieten. Das Joint Venture
hat für beide Unternehmen Vorteile: Für den Hersteller von Werkzeugen wird
eine Plattform für den direkten Kontakt mit den Kunden geschaffen. Breuninger bietet unter seinem Dach eine spannende Aktionsfläche mit der nicht
zuletzt auch die männliche Kundschaft angesprochen wird.
www.dart-design.info, www.wuerth-ag.ch
057
THEMA
Corporate Architecture
und die Produkteigenschaften nehmen.
Entweder werden vorhandene Produkte
umgestaltet oder durch die Eingabe von
Präferenzen individualisiert. Für die
Besucher von Pop-up-Stores ist es interessant, diese neuen Möglichkeiten vor
Ort zu testen und im Idealfall ein selbst
gestaltetes Produkt mit nach Hause zu
nehmen.
RETAILDESIGN ALS INTERDISZIPLINÄRER PROZESS
Wie bei einem Drehbuch ist der erste
Schritt zu Entwicklung neuer RetailKonzepte die Definition eines Leitbildes
mit Abfolgen von gestalteten Szenarien.
Die gesamte Planung ist ein Prozess, der
in enger Abstimmung mit immer mehr
Partnern aus ganz unterschiedlichen Bereichen abläuft. Die Bandbreite reicht von
den internen Marketingverantwortlichen
über Architekten, Agenturen für Kommunikation im Raum und klassische Ladenbauer bis hin zur Projektentwicklung.
Viele Innovationen kommen aus angrenzenden Disziplinen wie dem Lichtdesign,
der visuellen Kommunikation und der
vergleichsweise jungen Mediatektur. Für
die interdisziplinäre Zusammenarbeit ist
es notwendig, den Hintergrund und auch
die Sprache der benachbarten Fachgebiete zu kennen. Hier ist der Architekt
zunehmend als Mediator zwischen den
Disziplinen gefordert. Besonders spannend ist es, Synergien mit ganz anderen
Bereichen zu schaffen, um die Kunden
vor Ort zu begeistern. Kooperationen mit
kulturellen Institutionen und regionaler
Gastronomie können beispielsweise An058
MODULØR
Magazin
reize setzen, die der virtuelle Raum nicht
bieten kann. Auch die demografische
Entwicklung wird neue Anforderungen
an die Retail-Architektur stellen. Die
Anzahl der sogenannten Digital Natives
mit wenig Berührungsängsten zum Onlinehandel steigt ebenso an wie die Anzahl von Menschen, für die komfortable
und barrierefreie Einkaufsprozesse ein
Garant für ein autarkes Leben sind. Viel
stärker als bei anderen Bauaufgaben stehen im Handel wirtschaftliche Aspekte
wie die Rentabilität, der Umsatz und die
Kundenzufriedenheit im Vordergrund.
Um in dieser Entwicklung für Akzeptanz zu sorgen, ist es notwendig, schon
frühzeitig mit den zukünftigen Kunden,
aber auch Stadtplanern und Architekten
in einen glaubwürdigen Dialog zu treten.
Es gilt, Antagonisten wie Kommerz und
Kultur, den Verbrauch von Ressourcen
und Nachhaltigkeit sowie den menschlichen und den wirtschaftlichen Massstab
in Einklang zu bringen.
Passend zur Reportage von Dr. Jons
Messedat ist dieses Jahr bei Avedition
sein neuestes Buch «Retail Design
International» erschienen. Sehen Sie
auch die Buchsprechung auf Seite 62.
2016
Nº3
Dr. Jons Messedat studierte Architektur
in Aachen, Stuttgart und als Stipendiat der
Europäischen Gemeinschaft in London.
Parallel dazu machte er sein Diplom als
Industriedesigner an der Staatlichen
Akademie der Bildenden Künste in
Stuttgart bei Richard Sapper. Im Büro von
Sir Norman Foster war er für das Interior
Design im Reichstagsgebäude und die
Ausstellungsgestaltung im Designmuseum NRW auf der Zeche Zollverein in Essen
verantwortlich. Als wissenschaftlicher
Mitarbeiter an der Bauhaus-Universität
Weimar promovierte er zum Thema
Corporate Architecture. Es folgten Lehraufträge an Hochschulen in Deutschland, der
Schweiz und den USA. An der TH Köln
lehrt er in der Mastervertiefung Corporate
Architecture die Module «Marke im Raum»
und «Raumgestaltung». Seit 2016 vertritt
er das Fach Messe-, Ausstellungs- und
Shopdesign an der HAWK Hildesheim. Im
Mittelpunkt seiner Arbeit steht die gebaute Identität von Unternehmen und Marken;
von der Gestaltung über das Management bis zur Realisierung. Für den ersten
«Award für Marketing und Architektur» in
der Schweiz übernahm er den Juryvorsitz.
www.messedat.de
THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
BÜRORAUM ALS
STÜTZE FÜR DIE
ENTWICKLUNG
DER ORGANISATIONSKULTUR
von Mark Helfenstein (Text)
Eine integrale Konzeption der
Arbeitsräume kann die Entwicklung der
Organisationskultur nachhaltig unterstützen.
Firmen, welche die Herausforderung
annehmen, gewinnen nicht nur an Raum,
sondern auch an Profil, Charisma und
Potenzial.
D
as durch die neuen Technologien begünstigte
virtuelle und zeitlich flexible Arbeiten führt
zu einer Neuordnung der Geschäftsprozesse.
Büroarbeit ist nicht mehr an einen festen Ort
gebunden, sondern kann grundsätzlich von
jedem Ort aus getätigt werden. Viele Firmen realisieren immer mehr, dass sie sich stärker als bisher
mit diesen Veränderungen auseinandersetzen müssen, wollen sie diese als zukünftigen Wettbewerbs-
060
2016
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vorteil nutzen. Die Organisationskultur spielt dabei
eine zentrale Rolle. Neben den Werten, Mission und
unbewussten Wahrnehmungen kommt die Organisationskultur auch in Gebieten wie Gebäudearchitektur und Büroraumgestaltung zum Ausdruck.
ORGANISATIONKULTUR ALS TREIBER
VON EFFEKTIVITÄT UND INNOVATION
Kultur schafft eine Form von Ordnung, Kontinuität
und Orientierung, die jeden Aspekt der Organisation durchdringt – von der Interaktion der Mitarbeitenden bis hin zur Kundenwahrnehmung. Oft ist es
für eine Organisation schwierig, ihre eigene Kultur
zu artikulieren, obwohl diese weitreichende Auswirkungen hat. Sie hat Einfluss auf das Management,
die Prozesse und die Innovation, die Bewerbung
und Bindung von Mitarbeitern, die Produktivität,
das Image und zu guter Letzt den Geschäftserfolg.
Es verwundert deshalb nicht, dass die Organisationskultur immer mehr als Schlüsselelement für die
Innovationskraft und damit als ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Steigerung der Unternehmensleistung verstanden wird. Der Innovationsgeist bei
Apple ist beispielhaft kultur- und nicht prozessgetrieben.
DER ARBEITSRAUM BEEINFLUSST
DIE ORGANISATIONSKULTUR
Die Gestaltung der meisten modernen Büros beruht
immer noch auf funktionalen Überlegungen – Flächenverdichtung, einheitliche Arbeitsplätze für alle,
Grossraumkonzepte usw. Der Arbeitsraum wird
aber leider noch oft als Kostenfaktor und nicht als
Triebfeder zur Steigerung der Unternehmensleistung gesehen. Und auch wenn das Bewusstsein der
Zusammenhänge latent vorhanden ist, fehlt oft das
Know-how für ein effektives Vorgehen. In der Praxis hat es sich bewährt, die involvierten Entscheidungsträger in einem Sensibilisierungsworkshop an
das Thema heranzuführen und mit den verfügbaren
Methoden vertraut zu machen. Als Erstes gilt es, ein
gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Die Entscheidungsträger müssen sich über den Einfluss der
Büroräume auf die Organisationskultur und deren
Einfluss auf die Produktivität und den Unternehmenserfolg einig sein. Der nächste Schritt gilt dann
dem systematischen Erfassen der vorherrschenden
Organisationskultur. Die aktuell vorhandene Kultur wird danach dem gewünschten Kulturprofil
von einer externen Fokussierung auf Wettbewerb,
Differenzierung und Rivalität unterschieden. Gemeinsam bilden diese zwei Dimensionen vier Quadranten, die jeweils für eine Reihe unterschiedlicher
Faktoren stehen. Jeder der vier Quadranten – teamorientiert, gestaltend, kontrollierend, marktorientiert – verkörpert beispielhaft einen Kulturtyp in
seiner Reinform.
gegenübergestellt, womit die angestrebte Kulturentwicklung greifbar gemacht wird. Aus diesen
Erkenntnissen lassen sich schlussendlich konkrete
Implikationen für die Gestaltung der Arbeitsräume
ableiten. Typische Fragen bei der modernen Büroplanung lassen sich dann schnell und fundiert beantworten: Wie gross soll der Anteil fest zugewiesener
Arbeitsplätze sein? Welche Zonen sollen geschaffen
werden, damit die Ansprüche aller Nutzergruppen
abgedeckt werden? Wo braucht es Begegnungszonen
und wo Rückzugszonen? Ist dem Bedarf für spontane Zusammenarbeit in Kleingruppen Rechnung getragen worden? Fördert die Raumplanung den spontanen Austausch und somit die Innovationskraft?
Fragen wie diese sollten nicht ohne Kompetenz und
Einsicht für deren Tragweite beantwortet werden.
EINBEZUG DER MITARBEITER SCHAFFT
VERTRAUEN UND UNTERSTÜTZT DIE
BEREITSCHAFT FÜR DEN WANDEL
COMPETING-VALUES-FRAMEWORK-MODELL
Erst durch das Wissen um das Mass und die Richtung der gewünschten Kulturentwicklung ist es möglich, den Arbeitsraum in geeigneter Geschwindigkeit und ohne Entfremdung oder Widerstand seitens
der Mitarbeitenden zu konzipieren. Es stellt sich die
Frage nach einem geeigneten Modell, in dem sich
die Organisationskultur einfach und verständlich
beschreiben lässt. Das bekannte Competing-ValuesFramework™-Modell hat sich für diese Art der Aufgabenstellung sehr bewährt. Das Modell wurde im
Jahr 1983 erstmals vorgestellt und ist das Resultat
breit angelegter Studien, die zum Schluss führten,
dass sich die Bandbreite der verschiedenen Indikatoren der Organisationskultur auf zwei Hauptdimensionen verteilen lässt:
1.
FLEXIBILITÄT
VS.
STABILITÄT
Bei dieser Dimension geht es um das Mass an Ordnung und Kontrolle im Gegensatz zu Anpassungsfähigkeit und Dynamik.
2.
INTERNE ERHALTUNG
VS.
EXTERNER AUSDRUCK
Mark Helfenstein leitet
als General Manager
seit zehn Jahren die
Haworth Schweiz AG.
Zudem ist er verantwortlich für die Beratungsgruppe Ideation Europe,
ein Expertenteam für
neue Arbeitswelten.
Nach dem Studium zum
Ingenieur war er bei führenden Computer- und
Telekommunikationsfirmen tätig.
Haworth Schweiz AG
ist mit 100 Mitarbeitern
in Menziken domiziliert
und produziert und
vertreibt innovative
Bürolösungen. Die Muttergesellschaft ist eine
global tätige Familienunternehmung mit Sitz in
den USA. Ebenfalls zur
Haworth-Gruppe gehören die renommierten
Möbelmarken Cassina,
Cappellini und Poltrona
Frau.
www.haworth.ch
Für eine gute Abstimmung der Arbeitsraumstrategie auf die kulturellen Faktoren braucht es nicht nur
ein gutes Modell für die Abbildung der Kulturen,
sondern auch einen frühen Einbezug der Mitarbeitenden. Die Veränderungen am Arbeitsplatz werden
sehr unterschiedlich wahrgenommen und können
zu einem ablehnenden Verhalten einzelner Mitarbeitenden führen. Es ist sehr wichtig, den Mitarbeitenden zu helfen, mit diesen Veränderungen umzugehen. Durch benutzerspezifischen Einbezug in die
verschiedenen Planungsprozesse lässt sich nicht nur
Vertrauen und Unterstützung schaffen, sondern auch
die Qualität der erarbeiteten Lösungen verbessern.
Dies führt automatisch zu höherer Identifikation
und einer engeren emotionalen Bindung zur Firma.
Erfolgreiche Unternehmen bauen auf motivierten
Mitarbeitern auf. Begeisterung, Leidenschaft und
Loyalität sind jedoch keine Selbstverständlichkeit.
Der Einfluss der Arbeitsumgebung spielt dabei eine
wichtige Rolle, die man nicht ungenutzt lassen sollte.
FAZIT: ORGANISATIONSKULTUR
BEWUSST GESTALTEN
Die Organisationskulturen erfolgreicher Firmen
werden bewusst gestaltet und sind nicht das Ergebnis eines glücklichen Zufalls. Eine gute Mitarbeitermotivation auf breiter Front ist nur dann möglich,
wenn sich die Unternehmenskultur spannungsfrei
weiterentwickeln kann und die Mitarbeitenden in
diesen Prozess einbezogen werden. Die integrale Gestaltung der Arbeitsräume kann diese Prozesse aktiv
unterstützen und einen wichtigen Beitrag zur gesamten Performance des Unternehmens leisten.
Mit dieser Dimension wird eine interne Orientierung auf Integration, Zusammenarbeit und Einheit
061
THEMA
Corporate Architecture
MODULØR
Magazin
2016
Nº3
Links und Infos zum
Thema Corporate Architecture
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RETAIL DESIGN INTERNATIONAL
Jons Messedat, Avedition, 240 Seiten, ca. 305 Fotos, 21× 30 cm,
ISBN 978-3-89986-237-9, ca. 80 Franken
AWARD
CORPORATE ARCHITECTURE
Aktuelle Herausforderungen im Retail-Design, wie die zuneh-
Der Award für Marketing + Architektur,
Die Plattform für Corporate Architec-
mende Digitalisierung mit der Verschmelzung von Online- und
der 2008 seine Premiere erfuhr, ge-
ture betreibt Forschungen darüber,
Offlineplattformen, führen zu ganz neuen Handelsformaten und
niesst hohes Ansehen bei Architekten,
wie wichtig eine «Gebäudeidentität»
deren räumlichen Ausdrucksformen. Genau an diesem Punkt
Marketingfachleuten und Bauherren.
heutzutage geworden ist.
setzt das neue Jahrbuch an. Der Bildband
www.marketingarchitektur.ch
www.corporatearchitecture.org
mit informativen Texten gibt einen aktuellen
VITRA CAMPUS
JONS MESSEDAT
Commerce, von zukunftsweisender In-Store-
Auf dem Vitra Campus vereint ein
Der Architekt und Industriedesigner
Technologie bis hin zu neuen Produkten, Ma-
einzigartiges Ensemble zeitgenös-
entwickelt Konzepte für Corporate
terialien und Lichtlösungen am Point-of-Sale
sischer Architektur die kommerziellen
Architecture, die zu einem selbstver-
von Retail-Design, Architektur und Interior-
und kulturellen Aspekte des Schweizer
ständlichen Baustein der Unterneh-
Design. Über 50 aktuelle Best-Practice-Bei-
Möbelherstellers.
menskultur werden sollen.
spiele von Pop-up-Stores über Brand World
www.vitra.com
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Interiors bis hin zu Retail-Centern.
Überblick zu Innovationen im Multi-Channel
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280 Seiten, ca. 490 farbige Abbildungen, 23 × 31 cm,
ISBN 978-3-89986-185-3, 88.80 Franken
Dieses Buch gibt einen fachlichen Überblick zu aktuellen
Dieses Standardwerk ist seit 15 Jahren für
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CORPORATE INTERIORS
CORPORATE MUSEUMS
Jons Messedat, Avedition, 320 Seiten, 227 farbige Abbildungen und
Pläne, 23,5 × 28,8 cm, ISBN 978-3-89986-176-1, 82 Franken
Erstmals werden in diesem Buch hochkarätige internationale
062
Sylvia Leydecker, Avedition, 272 Seiten, 360 farbige Abbildungen,
23 × 31 cm, ISBN 978-3-89986-206-5, 87 Franken
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