Kranke Halme: Ackerhygiene wird immer wichtiger!

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Übersicht 2: Vorrangig befallene Pflanzenteile
Kranke Halme: Ackerhygiene
wird immer wichtiger!
Fußkrankheiten sind wieder auf dem Vormarsch.
Über die Ursachen informieren Prof. Dr. Schlüter
und Dr. Kropf, Fachhochschule Kiel.
Übersicht 1: Ansprüche der Fußkrankheiten
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20
15
Bodentemperatur °C
Scharfer Augenfleck Schwarzbeinigkeit
Fusarium culmorum
10
Parasitärer Halmbruch
5
B
is vor zwei Jahren waren Fußkrankheiten, besonders Halmbruch, kein
Thema. Dünne Saat mit befallsminderndem Mikroklima, standfeste Sorten
sowie leistungsstarke Fungizide und
Wachstumsregler ließen den Eindruck
entstehen, dass Halmbruch die Bestände
kaum noch gefährden könne. Das hat sich
geändert. Die Halmbasen blieben in den
letzten beiden Jahren längst nicht mehr so
gesund wie früher. Viele Praktiker fragen
sich: Ist der Halmbruch wieder da?
Verschiedene Schadpilze
Verschiedene Schadpilze können den
Halmgrund von Getreide besiedeln und
mehr oder weniger stark schädigen. Alle
wichtigen Arten kommen in unseren Böden vor und haben sich über Jahrzehnte
angereichert, weil sie immer wieder Getreide als Wirtspflanzen vorfinden. Wir
haben es also mit standorttreuen Schadpilzen zu tun, die als Fruchtfolgekrankheiten immer wichtiger werden.
Je nach Jahreswitterung, Infektionstermin, Verfassung der Pflanzenbestände
und Sorte treten unterschiedlichste
Schadbilder auf, die von den Fotos in
Lehrbüchern oder Broschüren der Industrie erheblich abweichen. Nicht selten findet man bei der Untersuchung geschädigter Pflanzen so genannte Mischinfektionen – oft sogar erst im Juni oder Juli.
Dann sind mehrere Krankheitserreger
gleichzeitig beteiligt. Es ist fast immer unmöglich zu bestimmen, welcher zuerst
vorhanden war.
Besonders auffällig ist seit einigen Jahren der Einfluss der Jahreswitterung. Sowohl im Herbst 2005 als auch 2006 war es
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trockener Boden (< 50% nutzb. Feldkapazität)
feuchter Boden
Regen
Zunehmende Bodenfeuchte
Scharfer Augenfleck, Fusarium und Schwarzbeinigkeit haben ähnliche klimatische
Ansprüche und reichern sich im Boden an.
Fusarium-Arten
Scharfer Augenfleck
Parasit. Halmbruch
Schwarzbeinigkeit
kk
kkk
Halmbasis
Halm
bis 1. Knoten bis 2. Knoten
Blattscheiden
Blätter Ähre
kkk
kk
kk
k
kkk
kkk
kkk
k
kkk
kk
kkk
kkk
kk
kkk
Nicht immer sind die Wurzeln betroffen. Vorrangig werden Halmbasis, Halme und
Blattscheiden befallen.
In den beiden letzten Jahren kam es
nicht selten vor, dass trotz Beizung des
Weizens mit Jockey oder Latitude ein
Befall mit Schwarzbeinigkeit eintrat. Verunsicherte Landwirte befürchteten ein
Versagen wegen schlechter Beizqualität
oder gar Resistenzbildung. Hier ist zu bedenken, dass auch eine noch so gute
Beize nur zeitlich begrenzt wirkt. Der
Wirkstoff diffundiert in den Boden, wird
in der Pflanze verteilt und langsam abgebaut. Bei optimalen Infektionsbedingungen kommt es dann zur Besiedlung der
Wurzeln und die Krankheit nimmt ihren
Lauf.
Fungizide mit bekannt guter Wirkung
gegen den parasitären Halmbruch (z. B.
Unix, Radius) oder mit ausgeprägter Nebenwirkung (z. B. Flexity) schienen in der
Praxis zu versagen: Trotz optimaler Düsentechnik und richtigem Spritztermin
trat verbreitet Halmgrundbefall mit teilweise erheblichem Schaden auf. Schuld
waren nicht die Fungizide! Es waren andere Pilze im Spiel (v. a. Rhizoctonia), die
nicht ausreichend zurückgedrängt werden
können.
Strohmanagement wird
immer wichtiger
Alle wichtigen Wurzel- und Halmbasisparasiten verfügen über die Fähigkeit,
an Stoppelresten oder als Dauersporen
Parasitärer Halmbruch
zur Saat in Norddeutschland über viele
Wochen außergewöhnlich warm. Damit
boten sich den Schadpilzen auch dann
günstige Infektionsmöglichkeiten, wenn
sie nur in geringem Ausmaß auf dem
Standort vorhanden waren. Besonders
betroffen waren Frühsaaten aufgrund der
langen Vorwinterentwicklung: Die Pflanzen erkrankten bereits im Herbst, während des milden, feuchten Winters konnte sich ein ungewöhnlich starker Befall
auch mit bislang weniger bedeutenden
Erregern wie Rhizoctonia aufbauen.
Nasskaltes Wetter
fördert den Befall
Für einen Pilz
passt das Wetter immer
Bislang fanden die biologischen Voraussetzungen für die Infektion verschiedener Pilze in Praxis und Beratung nur
wenig Beachtung. Übersicht 1 zeigt, dass
Rhizoctonia (Scharfer Augenfleck), Fusarium culmorum und Schwarzbeinigkeit
an Wurzeln und Halmbasis ähnliche klimatische Bedingungen benötigen. Alle
drei reichern sich im Boden bei hohem
Getreideanteil an und bewirken einen
steigenden Infektionsdruck. Und – egal
wie die Herbstwitterung verläuft – einer
der drei kommt meist zum Zuge! Problematisch ist nur, dass sich die Symptome
sehr ähneln und die Ursache nur mit sehr
viel Erfahrung und optischen Hilfsmitteln nachgewiesen werden kann.
Wurzel
bzw. Dauermyzel zu überleben. Ackerbaulich wird es deshalb immer wichtiger,
bei hohen Getreideanteilen ein perfektes
Stroh- und vor allem Stoppelmanagement zu betreiben, um die Rotte zu fördern, und so die Überlebensfähigkeit der
Schadpilze einzuschränken.
Vor allem der zunehmend praktizierte
Hochschnitt von Getreide verlangt eine
intensive Stoppelzerkleinerung. Ob dies
durch Strohhäcksler oder Mulchgeräte
am besten zu erreichen ist, muss letztlich
jeder Betrieb individuell festlegen. Wichtig ist, gut zerkleinerte, streichholzkurze
Stoppeln möglichst flach in den Boden
einzuarbeiten. Wenn dann das Wetter
mitmacht und der Boden nicht zu trocken
bleibt, können Mikroorganismen mit dem
Zersetzungsprozess beginnen.
Das geschieht allerdings nur, wenn genug Sauerstoff verfügbar ist. Deshalb
wird bei Mulchsaat eine deutlich bessere
Strohrotte erzielt als nach Einsatz des
Pfluges. Der hinterlässt zwar den „reinen
Tisch“, aber der Abbau von Pflanzenresten wird bei tiefer Einmischung so stark
verzögert, dass viele Erreger dort überleben. Die nächste wendende Bearbeitung
befördert diese wieder in die Keim- und
Wurzelzone, womit erneuten Infektionen
Tür und Tor geöffnet wird.
Vermorschte Halme konnten Regen
und Wind nicht standhalten. Verstärkter Unkrautdurchwuchs ist die Folge.
Fotos: Schlüter
In feucht-kühlen Klimazonen schädigt
diese Krankheit vor allem spät reifende
Weizen- und besonders Triticalebestände.
Wissenschaftlich betrachtet gibt es zwei
unterschiedliche Arten: Der so genannte
W-Typ war lange Zeit vorherrschend.
Heute ist im Wintergetreide verstärkt der
R-Typ nachzuweisen.
Überdauerung: Der Pilz überlebt als typische Fruchtfolgekrankheit an infizierten Stoppeln, die oft im Boden „konserviert“ werden und später durch die Bodenbearbeitung wieder an die Oberfläche
gelangen. Parasitärer Halmbruch kann
lebende Pflanzen leicht infizieren. Ihm
fehlt aber die Fähigkeit, reifes Stroh und
Stoppeln zu besiedeln. Er bildet keine
Dauersporen oder langlebige Fruchtkörper aus. Er kann als Myzel bis zu zwei
Jahre im Boden überleben und ist darauf
angewiesen, Getreide immer wieder neu
zu infizieren.
Witterung: Auf warmen, trockenen Böden hat der Erreger im Spätsommer und
Herbst (wie 2005 und 2006) überhaupt
keine Chance zur Infektion. Befall im
Frühjahr findet nur statt, wenn es über
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viele Wochen in Mai und Juni durchgehend nass und kalt bleibt. Dann kommt
vor allem der R-Typ zum Zuge. Er hat einen höheren Temperaturanspruch als der
W-Typ und ist weniger empfindlich gegenüber Azol-Fungiziden.
Infektion: Die Krankheit nimmt ihren
Ausgang üblicherweise bei Sporen (Konidien), die ungeschlechtlich auf Stoppelresten an der Bodenoberfläche gebildet
werden. Parasitärer Halmbruch vermehrt
und entwickelt sich optimal bei nur mäßigen Temperaturen unter etwa 12 °C.
Die Pflanzen werden an der Basis besiedelt und der Pilz durchwächst die Blattscheiden. Das kann zum völligen Absterben von Bestockungstrieben führen. Meist
kommt es aber eher zum Vermorschen
der Halmbasis. Auch wenn der Halmbrucherreger in der Lage ist, flugfähige Askosporen zu bilden, wird diesen in Bezug auf
eine Krankheitsausbreitung bislang nur
eine geringe Bedeutung beigemessen.
Symptome: Wurzeln werden nicht infiziert, denn der Schadpilz wächst über die
Blattscheiden bis in den Halm hinein!
Der typische „Medaillonfleck“ mit dunklem Rand und hellem Zentrum ist nur
nach späten Frühjahrsinfektionen am
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Schäden: Der Pilz zerstört das Gewebe
der Halmbasis einschließlich der Leitbündel. Sehr früher Befall führt zu unspezifischer Halmbasisvermorschung, wodurch
Bestockungstriebe oder sogar ganze Jungpflanzen zerstört werden können. Infektionen, die weite Teile des Halmes umfassen, führen in der Kornfüllungsphase zu
Notreife und Kümmerkorn. Die Stabilität
des Halmes wird durch die Besiedlung
nachhaltig verschlechtert, so dass Wind
und Regen im Juni ein Halmknicken herbeiführen können und die Pflanzen kreuz
und quer durcheinander liegen.
Scharfer Augenfleck
Halmbruch: Der Medaillonfleck tritt meist
bei späten Frühjahrsinfektionen auf.
Pilz liebt trockene,
warme Böden
Halm deutlich sichtbar und bei Weizen,
Roggen und Triticale unterschiedlich ausgefärbt. Im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf findet sich unter dem Fleck im
Halm ein dichtes Pilzmyzel.
Überdauerung: Schadpilze der Gattung
Rhizoctonia bilden an den infizierten
Pflanzen meist zahlreiche Sklerotien aus.
Diese Dauerorgane können auch nach
dem Verrotten der Pflanzenreste im Boden verbleiben und schon im Herbst die
Jungpflanzen infizieren. Der Pilz überlebt
oft im Wurzelraum vieler Pflanzen ohne
erkennbare Schäden zu verursachen, wodurch sich aber ein zunehmendes Befallspotenzial aufbauen kann.
Witterung: Diese Halmgrunderkrankung
führt nur dann zu spürbaren Schäden,
wenn Getreide im Herbst über längere
Zeit unter Stress durch Wassermangel
leidet. 2005 und 2006 kam es in Norddeutschland in bislang kaum bekanntem
Umfang zum langanhaltenden Austrocknen auch schwerer Böden, wodurch Rhizoctonia erheblich gefördert wurde.
Infektion: Aus den Sklerotien oder von
befallenen Pflanzenresten wächst Pilzmyzel in den Boden und besiedelt die jungen Wurzeln. Optimal sind dafür Bodentemperaturen zwischen 15 und 25 °C. Trockenheit mit 20 bis 50 % nutzbare Feldkapazität fördert den Übergang des
Erregers vom Boden an die Pflanze. Mit
zunehmender Bodenfeuchte (über 60 %)
finden kaum noch Infektionen statt.
Schwere, kalte Böden sind deshalb auch
nicht so stark betroffen.
Hat sich der Schadpilz etabliert, hängt
der Schaden insbesondere von der Witterung ab. Längere Abschnitte mit trocken-
Unregelmäßige, scharf abgegrenzte
Flecken sind typisch für Rhizoctonia.
warmem Wetter im April/Mai zu Schossbeginn fördern die weitere Ausbreitung.
Symptome: An älteren Blattscheiden
und Halmen entsteht im Frühjahr der so
genannte „Scharfe Augenfleck“, ein Symp-
tom, das oft mit Halmbruch verwechselt
wird. Scharfe Augenflecken sind recht
markant und unregelmäßig mit einem
dunklen Rand vom gesunden Gewebe
abgegrenzt. Meistens findet man mehrere
davon, die oft über ein bis zwei Internodien verteilt sind.
Im fortgeschrittenen Verlauf entwickeln sich dann in den Augenflecken kleine, braunschwarze Sklerotien, die sich
schon mit dem Fingernagel abheben lassen. Auf dem infizierten Gewebe findet
sich häufig ein weißer, schorfiger Myzelbelag oder das helle bis rotbraune Pilzgeflecht, das mikroskopisch anhand typischer Verzweigungen leicht von dem anderer Erreger zu unterscheiden ist.
Schäden: Unter optimalen Befallsbedingungen (Herbst 2005 bis Frühsommer
2006) können massive Halmvermorschungen auftreten, die fälschlich auf den
Parasitären Halmbruch zurückgeführt
wurden. Insbesondere dort, wo aufgrund
der Frühjahrstrockenheit in blattgesunden Weizensorten wie z. B. Dekan auf systemische Fungizide zu Schossbeginn verzichtet wurde, ließ sich in Feldbeständen
wie auch in Exaktversuchen eine deutliche Befallszunahme nachweisen.
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Fusarium-Arten
Pilze überdauern
lange im Boden
Zerstörte Wurzeln und Pilzmyzel als
Folge von Befall mit Fusarium.
Fusarien infizieren mit flugfähigen
Sporen während der Blüte und können
die partielle Taubährigkeit auslösen. Sie
sind aber auch als bodenbürtige Erreger
wichtig. Als standorttreue Schadpilze können sie an tief eingearbeiteten Stoppelresten lange Zeit überleben. Am häufigsten
treten Fusarium graminearum, F. culmorum, F. avenaceum und. F. poae auf.
Auch der Erreger des Schneeschimmels wurde früher zu den Fusarien gestellt. Er gehört aber nicht zu den „Echten“ Fusarien und bildet z. B. im Korn
auch keine Toxine aus. Größere Bedeutung erlangt der Pilz nach einem langen
Schneewinter, da er Triebe und Blätter
zerstören kann.
Überdauerung: Vor allem Fusarium culmorum besitzt eine hohe Konkurrenzkraft gegenüber Zersetzern, so dass man
diesen Schadpilz oft noch nach mehreren
Jahren leicht von Pflanzenresten isolieren
kann. Besonders ausdauernd sind die von
dieser Art gebildeten Dauersporen, die
einen befallenen Standort langfristig verseuchen. Aber auch andere Arten können
problemlos zwei Jahre auf Stoppelresten
im Boden überleben, so dass immer mit
Infektionspotential zu rechnen ist.
Witterung: Fusarium culmorum bevorzugt nach der Aussaat trocken-warme
Böden, in denen die Dauersporen oder
das Myzel unterirdisch an die Wurzeln
oder Halmbasen heranwachsen können.
Infektion: Im Gegensatz zu Pseudocercosporella infizieren Fusarium-Arten nicht
die Blattscheiden, sondern die Wurzeln.
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Deren Ausscheidungen können den Befall
fördern und aus Dauersporen keimendes
oder an Pflanzenresten überdauerndes
Pilzmyzel dringt in Wurzeln und andere
Pflanzenteile ein. Je nach Erregerart, Infektionstermin, Witterung und Wachstumsverlauf erfolgt die Entwicklung der
Pilze in der Pflanze recht unterschiedlich.
Symptome: Etabliert sich Fusarium im
Frühjahr, dann findet man Symptome an
Blattscheiden, Halmbasen, Knoten sowie
an Kronenwurzeln. Typisch sind rostrote
Verfärbungen des befallenen Gewebes,
die oft auch strichelförmig erscheinen.
Häufig treten Fusarien am Halmgrund
mit anderen Schadpilzen vergesellschaftet auf und führen zu unspezifischen Symptomen. Oft bleibt der Befall auch lange
verborgen und kann möglicherweise zu
einer Schädigung der Ähre durch partielle Taubährigkeit führen.
Schäden: Das infizierte Gewebe stirbt
ab. Nach Durchwachsen der Halmbasis
wird die Versorgung der Ähre unterbunden und Notreife tritt ein. Vermorschte
Halme verlieren ihre Stabilität und knicken um. Im Halm bildet sich ein lockeres, weit ausladendes Pilzmyzel.
Schwarzbeinigkeit
Feuchtwarme Böden fördern Befall
Schwarzbeinigkeit breitet sich von der
Wurzel bis in den Halm aus.
Überdauerung: In unserer Klimazone
überlebt der Erreger der Schwarzbeinigkeit im Boden vor allem an befallenen
Stoppelresten als Pilzmyzel. Somit kann
ein stark befallener Weizenbestand für
mehrere Jahre eine Anreicherung mit diesem Schadpilz auslösen, was auch noch
nach drei oder sogar vier Jahren zu nennenswerten Schäden führen kann. Es
reicht also ein sehr geringes Verseuchungspotenzial aus. Maßgeblichen Einfluss auf
die tatsächliche Infektion hat jedoch die
Jahreswitterung. In welchem Umfang eine
Verbreitung auch durch Askosporen erfolgt, kann derzeit nicht beurteilt werden.
Witterung: Warme und leicht feuchte
Böden fördern den Ausgangsbefall erheblich. So kann sich schon im Herbst ein
hoher Krankheitsdruck aufbauen, der
sich dann während feuchter Witterungsphasen eines milden Winters weiter verstärkt. So war gerade in Schleswig-Holstein im Sommer 2007 auf vielen Standorten ein ungewöhnlich hoher Befall zu
beobachten. Selbst Weizen nach Raps
war oft stark geschädigt.
Infektion: Alle Entwicklungsstadien der
Wurzel sind anfällig. Sobald sie in die
Nähe infizierter Pflanzenreste wachsen,
können sie durch vorhandene Pilzfäden
infiziert werden. Der Pilz kann weit verzweigte, so genannte Laufhyphen im Boden ausbilden und gleichzeitig viele
Pflanzen infizieren.
Typisch ist ein Befall zu Schossbeginn,
der aber nicht immer massive Schäden
verursachen muss. Bei ausreichender
Wasserversorgung bildet Weizen Adventivwurzeln aus. Besonders gravierend
sind Herbstinfektionen, die oft zum Ausdünnen der Bestände führen. Überlebende Pflanzen bieten dem Pilz über lange
Zeit eine Entwicklungsmöglichkeit, so
dass ein hohes Schadpotenzial entsteht.
Symptome: Im Extremfall tritt die klassische Weißährigkeit als Folge der absterbenden Wurzeln auf. Typisch sind meist
größere Befallsnester, in denen die Pflanzen chlorotisch erscheinen und bei Trockenheit vorzeitig abreifen. Die verkümmerten Ähren werden in feuchten Jahren
leicht von Schwärzepilzen besiedelt.
Infizierte Pflanzen haben schwarz verfärbte, meist stark reduzierte Wurzeln
und lassen sich deshalb leicht aus dem
Boden ziehen. Bei starkem Befall wächst
der Pilz über die Kronenwurzeln bis zur
Halmbasis, die ebenfalls schwarz verfärbt
erscheint. Auf dem Halmgewebe wird ein
dunkel gefärbtes Pilzgeflecht erkennbar.
Schäden: Je nach Befallsgrad kommt es
zur Ertragsminderung, die bei flächigem
Befall durch die verminderte Kornzahl
pro Ähre und das stark reduzierte Tausendkorngewicht erheblich sein kann. Hitze und Trockenheit im Juli fördern diesen
Effekt. Auf vielen Flächen kommt es zu
geringen Infektionen, die nur selten wahrgenommen und dessen Symptome anderen Ursachen zugeschrieben werden. So
kann sich völlig unbeachtet allmählich ein
zunehmendes Befallspotenzial aufbauen
und dann – scheinbar plötzlich – zu erheblichen Schäden in der Folgekultur führen.
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