Tischlerei mit Ausstellungsraum - Publikationsdatenbank der TU Wien

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01
2015
Simon Moosbrugger
Der seit mehreren Generationen wachsende Tischlereibetrieb der Familie Rüscher stößt an
seine Grenzen, denn die in die Jahre gekommene Bausubstanz kann einen wirtschaftlichen
Produktionsablauf nicht mehr gewährleisten. Während früher leerstehende Ställe und Garagen leicht zu Werkstätten umfunktioniert werden konnten, sind die Anforderungen an einen
„Werkraum“ heute sehr vielschichtig. Es gilt es vor allem, den immer komplexer werdenden
Produktionsabläufen ihren notwendigen Raum zu geben.
Tischlerei mit Ausstellungsraum
Entwurf einer neuen Betriebsstätte
für die Tischlerei Rüscher GmbH
in Schnepfau, Vorarlberg
Diplomarbeit
Tischlerei mit Ausstellungsraum
ausgeführt zum Zwecke der Erlangung
des akademischen Grades eines
Diplom-Ingenieurs unter der Leitung von
András Pálffy, Univ.Prof. Arch. Dipl.-Ing.
Abteilung für Gestaltungslehre
und Entwerfen e253.6
Fakultät für Architektur und
Raumplanung, TU Wien
eingereicht an der Technischen
Universität Wien, Fakultät für
Architektur und Raumplanung
von
Simon Moosbrugger
Matrikelnummer 0826536
Wien I November 2015
Inhaltsverzeichnis
8
12
16
32
56
84
Einführende Worte
Eines nach dem anderen
Eine Einleitung
Zersiedelt
Der Bregenzerwald
Allgemeines zum Bregenzerwald
Geschichte des Bauens
Tradition des Handwerks
Exkurs: Interview mit Gebhard Rüscher
Exkurs: werkraum bregenzerwald
Exkurs: LEADER Programm
Gemeinde Schnepfau
Allgemeines
Geschichte
Geologie
Infrastruktur
Der Bauplatz
Einleitung
Örtliche Raumplanung
Standort: Dorfeinfahrt
Standort: Burg
Gesetzliche Grundlagen
Der Entwurf
Exkurs: Bestandsgebäude Tischlerei Rüscher
Raumprogramm
Gebäudekonzeption
Pläne
Visualisierungen
Eine Kurzfassung
Inhaltsangabe
Der seit mehreren Generationen wachsende Tischlereibetrieb der Familie
Rüscher stößt an seine Grenzen, denn die in die Jahre gekommene Bausubstanz kann einen wirtschaftlichen Produktionsablauf nicht mehr gewährleisten.
Mit der fortschreitenden Industrialisierung des Handwerks sind heute längst
nicht nur mehr kleine Hand – oder Standmaschinen im Einsatz. Während früher leerstehende Ställe und Garagen zu Werkstätten umfunktioniert werden
konnten, sind die Anforderungen an einen „Werkraum“ heute sehr vielschichtig. Neben strengen Auflagen an Brandschutz, Unfallverhütung und Hygiene
gilt es vor allem, den immer komplexer werdenden Produktionsabläufen ihren
notwendigen Raum zu geben.
Der Neubau der Tischlerei Rüscher in der kleinen bregenzerwälder Gemeinde
Schnepfau soll diese Anforderungen unter einem Dach vereinen und über weitere Generationen hinaus eine hochqualitative und zeitgemäße Arbeitsstätte
ohne räumliche Barrieren sein. Dies erfordert nicht nur eine akribische Planung des Gebäudes selber, sondern auch eine sehr sorgfältige Integration
des Volumens in die kleinmaßstäbliche Bebauungsstruktur der Gemeinde.
Das Raumprogramm wird neben Räumen für Lagerung, Produktion, Administration und Bereichen für Mitarbeiter durch einen Ausstellungsraum erweitert,
der als Bühne für ausgewählte Möbelstücke dient und von weitem erkennbar
als Kommunikator nach außen dient.
Abstract
For several generations the Ruescher family carpentry has been growing and
its current building structure can no longer support an economic production
process. With the progressive industrialization of the crafts, new technology
has been integrated and it is no longer just hand and table machines that are
in use. In earlier times empty stables and garages were used as workspaces,
but with todays multifaceted requirements of a workstation, this is no longer
possible. Parallel to strict regulations regarding fire safety, accident prevention
and hygiene, the ever developing production processes need suitable space.
The construction of the Ruescher carpentry in the small village of Schnepfau
should fulfill all its requirements under one roof and function as a high quality,
contemporary workplace that is adaptable for future generations. This does
not only demand meticulous planning of the building itself, but also has to blend
into the architectural language of the surrounding area. Besides for storage ,
production, administration and recreational rooms, the new construction will
include an exhibition suite, which will display carefully chosen workpieces to
the general public.
„Ich glaube nicht, dass es darum geht, weiter zu wachsen,
sondern um das Schaffen wirtschaftlicher Arbeitsbedingungen.“
Gebhard Rüscher
Einführende Worte
8.9
Eines nach dem anderen
Es ist manchmal schon faszinierend, wie sich Dinge im Leben mit der Zeit
scheinbar von selbst fügen. Die Gründe dafür sind und waren für mich nicht
immer ganz nachvollziehbar, jedoch scheint sich mit viel Geduld und manchmal auch Glück einiges mit einer solchen Selbstverständlichkeit zu erledigen,
wie man es sich vorher nicht vorzustellen getraut hätte. Seit Kindertagen verbringe ich immer wieder gerne Zeit in Werkstätten und auf Baustellen. Wahrscheinlich weil sich eben auch dort Dinge aneinander fügen1, oder vielleicht
einfach deshalb, weil sich mir die Gelegenheit dazu geboten hatte. Dass ich
nun als Abschlussarbeit die Möglichkeit habe, eine Werkstatt zu entwerfen, ist
einer dieser glücklichen Umstände, die ich so nicht habe kommen sehen. Und
so schaue ich am Ende meines Architekturstudium rund zwanzig Jahre zurück
an meine ersten Erlebnisse in der Tischlerei Rüscher. Mittlerweile betrachte
ich das Thema freilich von einem anderen, weiteren Blickwinkel. So interessiert mich die Werkstatt heute vor allem als Gebäudetypus. Sie bietet zum einen Raum für Baustellen, das heißt Raum für die Produktion ihrer Erzeugnisse,
wobei das Gebäude selber auch immer wieder bauliche Veränderungen und
Adaptionen erfährt. Ein Gebilde, das Vorgänge ermöglicht und selbst Teil eines
Vorganges ist. Somit ein sich ständig verändernder räumlicher Komplex, der
kontinuierlich aufs Neue wahrgenommen werden kann. Räume, die durch das
Positionieren der Maschinen und Werkstücke laufend neu bespielt werden,
fast so, als wäre die Werkstatt selber ein Ausstellungsraum. So gesehen könnte der Titel dieser Arbeit auch „Tischlerei als Schauraum“ lauten. Ein schönes
Beispiel einer solchen Adaption findet man in der Nachbargemeinde Reuthe,
bei der die Abbundhalle einer Zimmerei bei Großaufträgen temporär vergrößert wird, um stets den aktuellen Anforderungen zu entsprechen und um die
Durchführung eines Auftrages zu ermöglichen. Nun ist das bei einer Tischlerei
mit sensiblem Maschinenfuhrpark nicht so einfach möglich, jedoch werden wenigstens ein großes Maß an innerer Flexibilität sowie die Möglichkeit zur Mehrfachnutzung vorausgesetzt, um nachhaltig komplexe Arbeitsabläufe ökonomisch ermöglichen zu können. Diese innere Komplexität der Abläufe soll der
Einführende Worte
10.11
regionalen Bauweise entsprechend unaufgeregt nach außen in Erscheinung
treten. Dafür verantwortlich sind die Gebäudeform sowie die Art der Fassade. Während die Fassade den unmittelbaren Übergang von innen nach außen, also eine Schwelle mit einer, wenn auch sehr kurzen zeitlichen und somit
räumlichen Komponente darstellt, ist das Gebäude selbst mit seiner Form
und Ausdehnung vor allem auch Sache der Raumplanung. Und so wie die
Architektur von innen heraus arbeitet, so tut es die Raumplanung von außen.
Beide Disziplinen müssen in gleicher Weise betrachtet und beachtet werden,
um ein überzeugendes und schlüssiges Projekt zu erarbeiten. Diese Wechselbeziehung zwischen dem Inneren und dem Äußeren, gibt es in mehreren
Maßstäben. So kann zum einen die Raumplanung selber als „außen“ gesehen
werden, die Architektur als das kleinmaßstäblichere „innen“. Zoomt man in die
kleinmaßstäbliche Architektur hinein, gelangt man zum Punkt, an dem die Gestalt der Architektur zum „außen“ wird, die beherbergeten Räume geben das
„innen“ wieder. Dieser Verlauf zwischen diesen Zonen und Maßstäben ist entscheidend für den Erfolg eines Projektes. Gute Architektur setzt voraus, dass
sie am richtigen Ort entsteht. Demnach gibt es auch dann keine gute Lösung,
wenn das Gebäude an sich alle formalen und funktionalen Bedingungen erfüllen würde, solange der Ort nicht gut gewählt wurde. Die Raumplanung bildet
somit den zweiten Schwerpunkt dieser Arbeit, da dieser als der Architektur
übergeordnete Fachbereich eine wichtige und oft unterschätzte Rolle in der
Planung unseres Lebensraumes einnimmt. Während das Bewusstsein gegenüber des Raummanagements an Orten mit Ressourcenknappheit wächst,
wird in ländlichen Gebieten wie dem Bregenzerwald noch immer in die grüne
Wiese gebaut und somit hochwertiger Lebensraum nach und nach dezimiert
(und leider immer noch von den Ländern subventioniert).
Mit diesen Gedanken im Hinterkopf bin ich in zahlreichen Gesprächen mit Personen unterschiedlichster Fachrichtungen sowie Untersuchungen vor Ort einer Lösung Schritt für Schritt näher gekommen. Diese Arbeit ist ein Versuch,
raumplanerische Lösungen vor Ort zu entwickeln, um eine konkrete architektonische Intervention dort anzusetzen, wo sie der Umwelt am verträglichsten
ist. Denn schlussendlich müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass mit jeder baulichen Intervention wertvoller Boden verloren geht. 2
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit habe ich auf genderspezifische Endungen (z.B.: »-Innen«) verzichtet. Hiermit erkläre ich jedoch ausdrücklich, dass
an allen Textstellen, wo natürliche Personen bzw. Personengruppen erwähnt
werden, immer Menschen beiderlei Geschlechtes gemeint sind.
Simon Moosbrugger
1
Architecture starts when you carefully put two
bricks together. There it begins,
Ludwig Mies van der Rohe
2
„In den vergangenen 60 Jahren ging ein Viertel der damals noch genutzten landwirtschaftlichen Fläche verloren. aHeutzutage werden
täglich rund 11 Hektar landwirtschaftlicher
Fläche für Verkehr, Industrie, Wirtschafts- und
Wohnraum verwendet und auf Dauer einer
anderen Verwendung zugeführt. Rechnet man
Freizeit- und Bergbauflächen mit ein, sind dies
über 20 Hektar pro Tag“, erläutert AgrarLandesrat Max Hiegelsberger.
http://www.umweltbundesamt.at/aktuell/
presse/lastnews/news2013/news_130617/
Zugriff 10.08.2015
Bildquellen
Alle Fotos und Pläne ohne Nachweis
© Simon Moosbrugger
Eine Einleitung
12.13
Zersiedelt
Mit der fortschreitenden Zersiedelung unserer Siedlungsräume wird die begrenzte Ressource Boden rasant dezimiert. Da gleichzeitig auch der Bedarf an
grauer Energie steigt, kann die Wirtschaftlichkeit dieses Systems in Frage gestellt werden. Wie aus einem Bericht von „ZERsiedelt“ aus dem Jahr 2011 hervorgeht, werden die von der öffentlichen Hand getragenen Kosten für den Bau
und Erhalt von Infrastruktur immens teuer. So hat sich beispielsweise die Siedlungsfläche pro Einwohner in Österreich von 200m²/EW in1950er Jahren bis
heute mehr als verdoppelt. 3 Öffentlicher Verkehr kann nicht mehr wirtschaftlich
angeboten werden, wobei besonders die Bevölkerung in ländlichen Gegenden
auf diesen angewiesen ist. Siedlungsgrenzen werden unscharf und verwachsen nicht selten mit benachbarten Dörfern zu einer räumlich spannungslos
verbauten Einöde. Diese Spannungslosigkeit wird maßgeblich von den derzeitigen Bauvorschriften unterstützt, da in der Regel Mindestabstände zu den
Grundgrenzen eingehalten werden müssen. Auch die Subventionierung des
Einfamilienhauses seitens der Länder kann in diesem Zusammenhang negativ
hervorgehoben werden. Räumliche Qualitäten, wie wir sie aus historischen
Stadtkernen oder Straßendörfer kennen, sind aus eben genannten Gründen
nicht mehr zu erreichen. Als besonders eindrucksvolles Beispiel städtischer
Qualitäten ist die Altstadt von Feldkirch (A) zu nennen, mit ihren engen Durchgängen, Gassen und Plätzen. Als Ortsteil von Schnepfau ist Hirschau als historisch erhaltenes Straßendorf hervorzuheben. Bauernhäuser positionieren
sich in loser aber sehr enger Anordnung links und rechts entlang der Hauptstraße und vermitteln ein Gefühl einer Einheit. So steht heute die Art zu bauen
im krassen Gegensatz zu dem sonst vorherrschenden Streben nach Effektivität und der Ökonomisierung von Abläufen. Ein aktives Siedlungsflächenmanagement ist von Seiten der Gemeinden notwendig, um dieser Willkür entgegenzuwirken. Oft ist dies jedoch nicht möglich, da entsprechende Fachkräfte
oder gar der Wille zur gewissenhaften Planung fehlen, aber auch weil die Notwendigkeit dieser umfangreichen Vorausplanung bislang unterschätzt wurde.
Vor allem die verantwortlichen Landesstellen sind hier zum Tun aufgerufen.
Im konkreten Fall dieser Arbeit befindet sich bereits ein bebaubares Grund-
Einleitung
stück im Besitz der Familie Rüscher. Auf ihren Vorschlag, soll dieser Standort für den Bau der neuen Tischlerei herangezogen werden. Da der Neubau
aufgrund seiner Größe in jedem Fall massiven Einfluss auf das Ortsbild haben
wird, geht der architektonischen Formfindung eine Überprüfung der Standortqualität voran. Diese soll klären, ob das Grundstück geeignet für den Neubau
ist, oder ob gegebenenfalls eine bessere Alternative vorgeschlagen werden
kann. Durch Begehungen vor Ort, Gesprächen mit Fachleuten verschiedenster Professionen sowie Analysen von aktuellen Luftbildern bis zurück zur Urmappe vom Jahre 1857 konnte Klarheit über die Entstehungsgeschichte der
Gemeinde und deren Gründe geschaffen werden. Diese Geschichte konsequent weitergedacht führte zu einem neuen Standort, der sich sehr gut für einen Bau der Werkstatt anbietet und sich aufgrund der richtigen Positionierung
verträglich in das bestehende Ortsbild einfügt.
14.15
Die folgende Arbeit gliedert sich in vier Teile. Den Anfang bildet ein allgemeiner Informationsblock, der wichtige Wesensmerkmale der Region Bregenzerwald beinhaltet. Dies ist insofern von großer Bedeutung, als dass der Leser ein Gefühl für diesen Kulturkreis und dessen Merkmale entwickeln kann.
Denn nur wer die Kultur kennt, kann den Ort richtig interpretieren. Lösungen
müssen in der Raumplanung jeweils vor Ort gefunden werden. 3 Diesen Ort
gilt es sowohl räumlich als auch geschichtlich zu erfahren und kennenzulernen, um die richtigen Schlüsse ziehen zu können. Der zweite Teil widmet sich
der Gemeinde Schnepfau sowie deren Entstehungsgeschichte und dient als
Grundlage für weitere raumplanerische Überlegungen für das Dorf. Als erste
Annäherung an die Bauplätze dienen neben Luftbilder auch Fotografien vor
Ort. Der dritte Abschnitt befasst sich konkret mit den Eigenschaften zweier
Grundstücke. Wobei das Grundstück „Dorfeinfahrt“ den Standort beschreibt,
der sich im Familienbesitz befindet, stellt der Standort „Burg“ die durch die
Analyse gefundene Alternative dar, welche in weiterer Folge für den Entwurf
herangezogen wurde. Der vierte und letzte Teil setzt sich mit dem konkreten Entwurf der „Tischlerei mit Schauraum“ auseinander und enthält alle wesentlichen Pläne und Darstellungen in den jeweiligen Maßstäben. Modellfotos
dienen dem erweiterten räumlichen Verständnis. Zusätzlich dokumentieren
Abbildungen den Arbeitsprozess während der letzten Monate. Entstehen soll
ein Gesamtwerk, das im besten Fall als Vorbild dienen kann, wie Weiterbauen am Land heute funktionieren kann, ohne auf eine hohe räumliche Qualität
verzichten zu müssen, sowie der Wahrung spezieller Charakteristiken von bestehenden Strukturen im ländlichen Raum.
3
vgl http://www.zersiedelt.at/zersiedelunglaufender-betriebsenergiebedarf-wohngebaeude/zersiedelt-kurzfassung-zersiedelunggraue-energie.pdf, Seite 3
Zugriff am 18.08.2015
4
Prof. Dr. Bernd Scholl,
Siedlungsflächenmanagement Schweiz
Reto Nebel, 2014
Bildquellen
Alle Fotos und Pläne ohne Nachweis
© Simon Moosbrugger
Der Bregenzerwald
16.17
Allgemeines zum Bregenzerwald
Die Region Bregenzerwald im österreichischen Bundesland Vorarlberg erstreckt sich südöstlich von Bregenz am Bodensee bis an den Hochtannbergpass unweit der Grenze zu Tirol. Dieses Gebiet ist im Wesentlichen auch
das Einzugsgebiet der Bregenzerache, des wichtigsten Flusses im Nordteil
des Bundeslandes. Politisch gesehen gehört der Bregenzerwald zum Bezirk
Bregenz und zählt mit 22 Dörfern etwas über 30000 Einwohner. Die gleichnamige Stadt Bregenz ist Regierungssitz des Bezirks und gleichzeitig auch
Hauptsitz der Vorarlberger Landesregierung. Die Region teilt sich in den Vorderen – bzw. den Hinteren Bregenzerwald, bei genauer Differenzierung mit
dem Mittelwald dazwischen. Wenn auch die Gründe für die Unterteilung auf
die politischen Verhältnisse im 14. Jahrhundert zurückzuführen sind, lassen
sich die Grenzen heute nur noch an den geologisch markant unterschiedlichen Verhältnissen erahnen. So gipfelt die landschaftliche Vielfältigkeit Vorarlbergs wortwörtlich - vom Bodensee und Rheintal kommend - in den Gipfeln der alpinen Bergwelt, die im hinteren Bregenzerwald beginnt. Während
der an das Oberallgäu (D) angrenzende Vorderwald von einer sanften Hügellandschaft geprägt ist – den Ausläufern der Alpen - entwickelt sich der
Hinterwald nach Süden hin zunehmend schroffer und ist von vielen tiefen
Schluchten durchzogen, durch die sich die vielen Gebirgsbäche ihren Weg
seit Jahrtausenden bahnen. Es ist das wechselvolle Bild von Grasflächen und
nackten, wuchtigen Felsgestalten, das in dieser Zone besonders nachhaltig
wirkt und den Reiz des Hinteren Bregenzerwaldes maßgeblich bestimmt.6
Ursprünglich war der Bregenzerwald durchwegs bewaldetes Gebiet, weshalb
die veraltete Schreibweise Bregenzer Wald vereinzelt noch auftaucht, heute aber eher von der Region „Bregenzerwald“ gesprochen wird. Erst mit der
Besiedelung seit dem 11. Jahrhundert erfolgte die Kultivierung der Urwälder
durch die Alemannen vom Bregenzer Raum aus, wobei das hintere Tal erst
ab dem 14. Jahrhundert von den Walsern von Süden her zugänglich gemacht
und besiedelt wurde. Mit der Teilung des Bregenzer/Montforter Grafengeschlechts (1338) in eine Bregenzer und Feldkircher Linie und aufgrund des
unterschiedlichen Zugriffs der beiden Häuser, entwickelten sich die beiden
Der Bregenzerwald
18.19
Landesteile Vorder - und Hinterwald sehr unterschiedlich. Verschiedene Sozial – und Wirtschaftsformen bildeten sich, wobei der Vorderwald stark von
Bregenz abhängig blieb, der Mittel – und Hinterwald jedoch weitgehende
Freiheiten von den Feldkirchern erhielten. Durch die geografischen Vorraussetzungen entwickelte sich bis Anfang des 19. Jahrhunderts ein selbstverwaltetes Gemeinwesen, die sogenannte Bauernrepublik. 5 Mit eigener freier
Landgemeinde, eigener Verfassung (Landsbrauch) und Gerichtsbarkeit war
eine vorbildliche bäuerliche Selbstversorgung gegeben.7
In seiner Arbeit „Jenseits von Bauernrepublik und Bezegg - Neue Perspektiven auf die Geschichte der Gerichtsgemeinde im Hinteren Bregenzerwald“
schreibt Mathias Moosbrugger, dass es „[...] eindeutige Beweise für permanente Siedlungen im Bregenzerwald seit weit über 2000 Jahren [gibt] – und
doch findet sich vor dem 12. Jahrhundert nicht ein einziger schriftlicher Hinweis darauf. Alles deutet darauf hin, dass das von daher kommt, dass erst mit
der herrschaftlichen Erfassung des Tales von außen vor allem während des
späten Mittelalters überhaupt die Notwendigkeit einer schriftlichen Verwaltung und Beanspruchung von bestimmten Besitztiteln aufgekommen ist.“ Die
genaue Entwicklung ist durch die fehlende Erfassung nur mehr schwer oder
gar nicht mehr nachvollziehbar, jedoch ist die Entwicklung dieser Bauernrepublik mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht annähernd so romantisch, wie sie gerne beschreiben wird. So schreibt Moosbrugger weiter: „Die hier ansässigen
selbstbewussten „freien Bauern“ hätten dabei in einer freien Bauernrepublik
– eben der Gerichtsgemeinde im Hinteren Bregenzerwald – eine Form von Demokratie entwickelt, die im gesamten Alten Europa ihresgleichen gesucht und
letztlich nicht nur die antike griechische, sondern auch die moderne liberale
Demokratie an Gehalt bei weitem übertrumpft habe“ und dass die Habsburger
“daran interessiert waren], dass es zu einer stabilen Vereinigung der Hinterbregenzerwälder in einer solchen politischen Gemeinde komme, da dadurch
die dortigen Leute zu einem „politischen Subjekt“ wurden, das von einem Ammann vertreten werden konnte – das heißt vor allem: rechtsgültig die Herrschaft des Habsburgerherzogs anerkennen konnte. Durch solche Aktionen
gelang es den Habsburgern gleichzeitig auch, die Bindungen der Bregenzerwälder an andere Herrschaftsträger zu unterminieren.“ Nun wird dieses Thema zwar hier nicht näher beleuchtet, doch ein Aspekt erscheint interessant
für das Verständnis der Menschen im Bregenzwald. Unabhängig von genauen
Entwicklung vom frühen Siedler bis zu den ersten schriftlichen Dokumenten,
scheinen sich die Bregenzerwälder mit Geschick stets das Beste für sich herauszuholen. Sie haben sich den Weg von der Armut zu einer finanziell und kulturell starken Region entwickelt und sind weit über die Landesgrenzen hinaus
als selbstbewusste Menschen bekannt.
Geschichte des Bauens
Während heute Landwirtschaft, Gewerbe und Tourismus für Wohlstand im Tal
sorgen, mussten in früheren Zeiten viele Bewohner ihr Einkommen fern der
Heimat verdienen. So stammen die bedeutendsten Barockklöster und - kirchen in der Ostschweiz und in Süddeutschland von Baumeistern der „Auer
Zunft“, die den Kirchenbau im 17. Jahrhundert revolutioniert hat. Maria Einsiedeln, Disentis, Weingarten, Kirche und Stiftsbibliothek St. Gallen wurden von
Baukünstlern der Barockbaumeisterschule in Au und Bezau errichtet. Der
internationale Erfolg der Architekten und Handwerker von heute erinnert an
diese alte Tradition. Die Redewendung „Schaffa, schaffa, hüsle baua“ ist Teil
dieser alemannischen Mentalität, in der jeder seine eigenen vier Wände haben
will und sprichwörtlich sein Leben lang dafür sparen und arbeiten „muss“. Die
Bebauungsstruktur im Bregenzerwald ist darauf zurückzuführen und bis heute Identifikationsmerkmal der Gesellschaft Vorarlbergs. Die Dörfer entlang
der Bregenzerach entwickeln sich von Bregenz bis nach Warth durchwegs
als Straßendörfer mit loser Bebauung. Alte Bregenzerwälder Bauernhäuser
stehen mal mehr, mal weniger dicht aneinander und reihen sich entlang eines
Erschließungsweges auf. Diese Erschließung ist meist erst die Hauptstraße,
von der aus sich je nach Wachstumspotential der Gemeinde mehrere Weiler
bilden können. Das kulturelle und öffentliche Zentrum ist der Dorfplatz, um
den Gemeindeamt, Feuerwehrhaus, Kirche und Schule ihren Platz finden. Die
obligatorische Dorflinde schließt den Kreis dörflicher Symbolik. Neben den
alten prächtigen Bauernhäusern können sich die Einfamilienhäuser von heute
kaum behaupten, sind jedoch aufgrund ihrer hohen Anzahl wesentlicher baulicher Bestandteil der Region und tragen maßgeblich zum heutigen Erscheinungsbild der Gemeinden in Vorarlberg bei. Während früher Großfamilien in
stattlichen Bauernhäuser lebten und arbeiteten, prägen heute Einfamilienhäuser maßgeblich das Ortsbild mit. Damals situierten sich Bauernhäuser in
räumlichen Bezug zu örtlichen Gegebenheiten wie Wald, Acker, Straße oder
bestehender Bausubstanz gebaut wurde, während heute viele Einfamilienhäuser eher oft durch Beliebigkeit in Position und Form auffallen. Das liegt vor
allem an den wesentlichen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen im
letzten Jahrhundert. Die Trennung von wohnen und arbeiten, sowie die Größe einer durchschnittlichen Familie sind Faktoren, mit der sich letztlich die
Raumplanung sowie die Architektur zu befassen hat. In der Realität baut der
Vorarlberger immer noch gerne sein hüsle, obwohl schon längst ein Umdenken notwendig wären. Vielen jungen Familien fehlen die notwendigen finanziellen Mittel für ein Eigenheim, wobei vielen die eigenen vier Wände als Statussymbol wichtig wäre. Während eine Verschuldung zum „schaffa schaffa“
führt, fehlt in Vorarlberg ein guter Standart im Wohnbau, was viele dann doch
zum selber bauen bewegt. Ein anderes Konzert zum Einfamilienhaus und zum
klassischen Wohnbau das von einer breiteren Masse angenommen wird, fehlt
bisher. Auf Kosten der Qualität der Landschaft, die uns alle betrifft.
Tradition des Handwerks
Wer früher als Landwirt kein Auslangen finden konnte, hat zusätzlich ein
Handwerk erlernt. Es handelte sich dabei um unterschiedlichste Tätigkeiten,
die es dem Bauer ermöglichten, einen Zusatzverdienst erwirtschaften zu
können. Viele dieser Berufe sind heute aus verschiedensten Gründen verschwunden oder können nur noch von sehr wenigen Menschen ausgeführt
werden. Hausnamen wie Sattler, Schuster oder Schneider erinnern an diese Berufe, die früher in Handarbeit im eigenen Wohnhaus ausgeübt wurden.
Während Bauern einfache Möbelstücke wie zum Beispiel Melkstühle selbst
produzieren konnten, wurde bei aufwendigeren Arbeiten stets der Tischler hinzugezogen. Freilich nur die Leute, die es sich leisten konnten, denn
Der Bregenzerwald
20.21
aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage war dieses Handwerk nur für
wenige erschwinglich. Wegen der hohen Anpassungsfähigkeit und der grundsätzlichen Notwendigkeit dieses Berufzweigs, hat der Beruf des Tischlers
nicht nur „überlebt“, sondern konnte seine Stellung in der Gesellschaft entscheidend stärken und ist heute wichtiger kultureller Bestandteil der Region. Und so wie die Begabungen bei den Menschen sind auch die günstigen
Bedingungen in Wirtschaftsräumen nicht gleichmäßig verteilt. 8 Die Tischlerei
Rüscher GmbH ist mit mehr als 20 Mitarbeitern seit langem die größte im Hinteren Bregenzerwald und wichtigster Arbeitgeber in der Gemeinde Schnepfau. Seit mehr als 50 Jahren wird der Betrieb stetig durch An- und Umbauten
vergrößert und adaptiert. Doch auch andere Handwerksbetriebe konnten sich
im Bregenzerwald etablieren, wobei das handwerkliche Niveau durchwegs
hoch ist. Doch bei allem eigenen Können ist der Austausch untereinander und
das Netzwerken über die Landesgrenzen hinweg von großer Bedeutung. Ein
interessantes Beispiel einer Kooperation international renommierter Architekten mit regionalen Handwerkern ist das Projekt BUS:STOP in Krumbach.
In der kleinen Gemeinde sollen neue Bushaltestellen errichtet werden, wobei der Austausch verschiedenster architektonischen Denkschulen im Vordergrund stand und das Projekt auf seine Weise einzigartig ist. Neben dem
künstlerischen Anspruch, geht es vor allem darum, im Austausch mit anderen
Fachleuten zu bleiben um dem Handwerk neue Impulse zu geben. Dies ist
hier in einer überzeugenden Weise gelungen. Ein passendes Zitat findet sich
im aktuellen reisebegleiter bregenzerwald, der die Region so beschreibt: Das
gelungene, durchaus mutige Miteinander von Tradition und Moderne wird Ihnen an der Architektur und im Handwerk auffallen. Beide Disziplinen sind eng
verwoben und Symbol für das, worauf sich die Bregenzerwälder besonders
gut verstehen: Nämlich Kunstsinniges, Schönes, Genussvolles zu schaffen,
das gleichzeitig durchdacht und sinnvoll ist. Dieses Wechselspiel ist vielerorts
sichtbar und spürbar.“
Exkurs: Interview mit Gebhard Rüscher
Als einer von vielen Einmannbetrieben in der Region startete Anton Rüscher im Alter von 26 Jahren um 1910 die eigene Produktion im Keller des
Wohnhauses. Es war damals relativ leicht, als Tischler zu arbeiten, da die
Anschaffungskosten der benötigten Werkzeuge trotz der ärmlichen Verhältnisse relativ überschaubar waren. Sämtliche Produkte wurden von Hand
gefertigt, denn Maschinen gab es aufgrund des fehlenden Stromnetzes und
der viel zu kostspieligen Anschaffung ohnehin keine. Deswegen wurde viel
improvisiert, weshalb man schließlich auch den Großteil der Werkzeuge selber fertigte. Die Auftragslage war infolge der schlechten wirtschaftlichen
Situation und der beiden Weltkriege bis Mitte der 1950er Jahre miserabel,
weshalb man auch um kleinste Aufträge wie einfache Flickarbeiten froh war.
Als Nebenerwerb diente beispielsweise die Mithilfe an Infrastrukturprojekten
innerhalb der Gemeinde oder eine kleine Landwirtschaft, die nebenher von
der Familie geführt wurde. Die Ehefrau, die mit ihrer Arbeit an der Stickmaschine die Familie ernährte, ermöglichte dem Mann, sich neben dem Bauernberuf eine Existenz als Handwerker aufzubauen. Erst Anfang der 1930er
Jahre wurde die Region mit Strom erschlossen, wodurch erstmals einfache
Der Bregenzerwald
22.23
Hobelmaschinen oder Bandsägen zum Einsatz kamen. Trotz der Entwicklung
des Betriebes und der Einstellung erster Gesellen blieben größere Aufträge
aus. Durch die extrem schlechte wirtschaftliche Lage war auch die Arbeitslosigkeit entsprechend hoch. Gebhard Rüscher, mittlerweile nach der im Jahre
1943 begonnen Lehre selber im Betrieb seines Vaters tätig, entkommt in den
letzten Kriegsmonaten 1945 infolge einer Lungenentzündung der Einberufung. 1953 übernahm er den Betrieb und kann bis Anfang der 1960er Jahre
erste größere Investitionen tätigen. . Dennoch wurde aus Kostengründen immer noch eine Vielzahl der verwendeten Werkzeuge selber hergestellt. Mit
bis zu acht Mitarbeitern zählt der Betrieb schon damals zu den größten der
Region. Mit dem aufkommenden Tourismus konnten erstmals große Aufträge
wie Innenausbauten von Hotels oder Gasthäusern realisiert werden. Gerade
im Bereich des Tourismus, wo mit Termindruck zu rechnen ist, hatte Rüscher
die Kapazität, Großaufträge fristgerecht umsetzen zu können. Daher war die
Konkurrenz in dieser Sparte nicht besonders groß, was der Firma einen entscheidenden Vorteil im Wettbewerb mit anderen Tischlerbetrieben einbrachte. Daneben war der Ausbau von Wohnanlagen und Privathäusern an der Tagesordnung. 1969 starb Gründer Anton Rüscher nach kurzer Krankheit. Mit
Heinz Rüscher (*1957) tratt Anfang der 70er Jahre die dritte Generation in
den Betrieb ein und begann nach abgeschlossener Lehre die Meisterschule in Graz. Bis dahin wurde die Architekturlandschaft in Vorarlberg von einem ländlich-rustikalen Stil geprägt, was sich im Innenausbau fortsetzte. Die
wirtschaftliche Lage hat sich zu dem Zeitpunkt zwar schon wesentlich verbessert, doch gefährdeten Konkurse von Kunden immer wieder die Existenz
der Firma, die durch große Vorausleistungen ein sehr hohes Risiko einging.
Dazu meint Gebhard zusammenfassend nur: “Ma muss Glück ou hea.“ Zeitgleich mit Heinz‘ Rückkehr aus Graz hielt in Vorarlberg durch die Baukünstler
eine moderne und formal schlichte Haltung Einzug. „Einfachheit, Rationalität,
Brauchbarkeit und Eleganz am Puls der Zeit waren in der Vorarlberger Szene
keine theoretisch applizierten Ideologien, sondern Resultat einer umfassenden, vom Handwerklichen Schritt für Schritt zum Industriellen vorstoßenden
Praxis, die der sprichwörtlichen Sparsamkeit und dem hochentwickelten
Preis-Leistungs-Denken der Alemannen entgegenkam.“ 10 Sachlichkeit und
die Rückbesinnung auf das Wesentliche waren Ideen, die von einer neuen
Generation junger Handwerker und Architekten der neuen Vorarlberger Bauschule gemeinsam getragen wurden. Mit dem Eintreten zweier weiterer Söhne - Anton und Christian - gab Gebhard Rüscher nach und nach die Zügel aus
der Hand. Man muss die Jungen eben machen lassen.11 Nun gehe es nicht
mehr darum noch größer zu werden, sondern um den Bau einer Betriebsstätte, in der wirtschaftlichen Arbeiten möglich ist.
Exkurs: werkraum bregenzerwald
Der werkraum bregenzerwald ist ein formeller Zusammenschluss von innovativen Handwerks- und Gewerbebetrieben aus der Region Bregenzerwald.
Organisiert in einem Verein bietet die Kooperation aktuell 85 Mitgliedern institutionalisierte Hilfestellung in den Bereichen Mitgliederservice, Produkt und
Designinnovation. Von den klein- und mittelstrukturierten Betrieben sind nach
Branchen verteilt knapp 40 % holzverarbeitende Betriebe. Knapp 60 % sind
Der Bregenzerwald
24.25
aus dem Baugewerbe und Bauhandwerk, der Sanitär- und Elektrotechnik, dem
Metall - und Glasbau, aus den BranchenBekleidung, Schuhe und Schmuck.
Weitere Vertreter sind Maler, Küfer, Ofenbauer, Polsterer, Steinmetz und Neue
Dienstleister. Der werkraum bregenzerwald ist über EU-, Landes- und Bundesmittel gefördert. Die Mitglieder leisten gestaffelt nach Beschäftigungsanzahl Mitgliedsbeiträge. Gemeinden und Sponsoren des Bregenzerwaldes
tragen den Vereinszweck als außerordentliche Mitglieder mit. Das im Jahre
2013 fertiggestellte werkraumhaus dient als Kontaktstelle und managt die
veranstalteten Gespräche, Ausstellungen und Dokumentationen. Vereinsziele
des werkraum bregenzerwald sind das Initiieren und Organisieren von Projekten zu den Themen Gestaltung und Ausbildung, seien es Wettbewerbe, Ausstellungen oder andere gemeinsame Aktionen. Als Impulsgeber und Plattform
für das Handwerk werden neueste Entwicklungen und aktuelle Themen im
Spiegel des regionalen kulturellen Erbes aufgezeigt. Als Motor für Innovationen und Wachstum stellt der werkraum bregenzerwald die Verbindung von
Handwerk mit Design und neuen Technologien sowie die Stärkung projektbezogener und betriebsübergreifender Kooperationen ins Zentrum seiner
Tätigkeiten. Die Arbeiten der Vereinsmitglieder werden für eine gemeinsame eigene Formensprache gelobt. Arbeiten wie die der Designmarke schmidinger.modul oder des Industriedesigners Robert Rüf haben internationale
Beachtung gefunden. Neben der ständigen Ausstellung im eigenen Rahmen
und Sonderausstellungen ist der Werkraum auch international präsent in Ausstellungsbeteiligungen und Messeauftritten sowie eigenen Ausstellungen wie
möbel für alle.12
Das werkraumhaus
Die Kooperation der Bregenzerwälder Handwerker mit der Bezeichnung werkraum bregenzerwald hat Modellcharakter und gilt als Vorzeigebeispiel für eine
regionale Kooperation des Handwerks. Als neue Geschäftsstelle des stetig
wachsenden Vereins soll der Bau des werkraumhauses neue Geschäftsstelle
und Aktionsbühne zugleich sein. Die Gestaltung dieses repräsentativen Gebäudes der lokalen Handwerker soll von und mit den Handwerkern der Region
erfolgen. In einem moderierten gestalterischen Prozess brachten Handwerker ihre Erfahrungen zur Gestaltung ein und erarbeiten mit kooperierenden
Architekten ein schlüssiges Konzept. Dieser Planungsprozess hat ebenfalls
Modellcharakter, womit die Zusammenarbeit der kleinen Betriebe weiter intensiviert wird. So geht es im Kern um die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen Raums - durch Kooperation der Akteure, Betriebe in den
Bereichen Know-how, Transfer, Produktinnovation und Verbesserung der Zugänge zum Markt. Nachdem 2006 die Erstellung eines Struktur- und Entwicklungskonzeptes für ein neues Haus erfolgte, gab es zeitgleich eine Prüfung
des Vergabeverfahrens. So wurde im Zuge einer Prüfung eine Direktvergabe dem Wettbewerb vorgezogen und der Schweizer Architekt und PritzkerPreisträger Peter Zumthor 2008 mit dem Bau des werkraumhauses beauftragt. Nach zwei Jahren Planungsphase wurde der Baubescheid im November
2011 erteilt und im darauffolgenden Jahr mit den Bauarbeiten begonnen. 2013
erfolgte die feierliche Eröffnung. Seither werden für das Bespielungskonzept des Werkraums regelmäßig Experten hinzugezogen und verschiedenste
Der Bregenzerwald
26.27
Ausstellungen zum Thema Design und Handwerk realisiert.Zusätzlich dient
das werkraumhaus sowohl als Ausstellungsraum für ausgewählte Werkstücke
als auch als Austragungsort verschiedenster kultureller Veranstaltungen Neben dem Wettbewerb Handwerk+Form sind Kinderbaustellen, handwerk im
unterricht und der werkraum lädolar ambitionierte Ausbildungsprojekte, die
werkraum wochenenden erfreuen sich hoher Akzeptanz. Bei der Entwurfsfindung arbeitete Peter Zumthor mit großmaßstäblichen Modellen. Ein unmittelbar neben der Baugrube stehendes Mock-up diente als Muster eines Gebäudeteils im Maßstab 1:1. Dieser Modellprototyp war eine Nachbildung der
südöstlichen Gebäudeecke und diente der Erprobung von Ausführungsvarianten und dem Bemustern von Farben, Oberflächen, Formen und Materialien.
Waren die bestmöglichen Lösungen gefunden, wurde das Teil wieder abgetragen und in recycelter Form neu genutzt. Parallel zum Modell des Architekten
bauten sechs Lehrlinge von von Mitgliedsbetrieben des werkraum bregenzerwald ein Modell im Maßstab 1:20. Dieses diente dem Durchspielen täglicher
Abläufe und Szenarien im werkraum haus. Das Bauwerk ist vollständig unterkellert. Neben Technik und Sanitärräumen befindet sich dort auch das Schauarchiv, in welchem die vom Vorarlberger Landesmuseum angekauften und
prämierten Werkstücke vom Wettbewerb Handwerk+Form ausgestellt sind.
Das Kellergeschoss wurde - ebenso wie die raumhohen Kerne im Erdgeschoß
- in Massivbauweise erstellt. Im Erdgeschoss bilden 14 Pendelstützen aus
Holz einen Kranz und schaffen zusammen mit drei raumhaltigen Türmen aus
Beton eine Zonierung. Die Fassade besteht aus einer dreifachen Isolierverglasung und ist durch das rundum weit auskragende Vordach von Witterung geschützt. Das Flachdach ist eine Trägerrostkonstruktion aus Holz. Dieses weist
eine Gesamtfläche von 1500m² auf, wobei die darunterliegenden Innenräume
des Erdgeschosses sowie das Kellergeschosses mit je ca. 770m² beziffert
werden. Mit einer Gebäudelänge von 55,5m sowie einer Breite von 14,1m entspricht die Proportion im Grundriss etwa dem Verhältnis 1:4. Das Dach misst
72,6m auf 20,8m und kragt auf etwa 7,8m Höhe auf allen Seiten weit aus.13
Handwerk+Form
„Handwerk+Form ist ein Wettbewerb, an dem alle drei Jahre Handwerker
aus dem Bregenzerwald gemeinsam mit Gestaltern aus dem In- und Ausland teilnehmen. Seit 1991 führt der vom werkraum bregenzerwald und dem
Handwerkerverein Andelsbuch ausgetragene Wettbewerb das Wissen der
Handwerker mit den ästhetischen Entwürfen der Architekten, Designer und
Gestalter zusammen und gibt innovative Impulse zur Bau- und Wohnkultur.
Dabei entstehen inspirierende Objekte und Einrichtungsgegenstände genauso wie Detaillösungen zu Gebäuden und Häusern. Eine kompetent besetzte
Fachjury bewertet und prämiert die Einreichungen nach den Grundsätzen von
Material, Form und Funktion, in einem alltagstauglichen Kontext. Alle Einreichungen sind in einem Dorfrundgang durch Andelsbuch ausgestellt, in aufgelassenen Sägen und Scheunen, Schmieden und Backstuben, im Ambiente
alter Werkstätten. Die öffentliche Präsentation aller Einreichungen erfährt viel
Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und in der Fachpresse. Seit 2013 sind die
vom Vorarlberg Museum angekauften Prämierungen aus diesen Wettbewerben im Schaulager des werkraumhauses zu sehen.14
Exkurs: LEADER Programm
Im Zuge des LEADER Programmes (= Liaison entre Actions de Développement de l’Economie Rural) - wörtlich übersetzt:„Verbindungen zwischen Maßnahmen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“ - frei übersetzt: „Branchenübergreifende Initiativen zur Entwicklung der ländlichen Gebiete“) wurde
der Bau eines eigenen Hauses für den werkraum bregenzerwald – das werkraumhaus – vorangetrieben und finanziell gefördert. Da in Vorarlberg deutliche strukturelle Unterschiede zwischen dem Ballungsraum im Rheintal und
dem ländlichen Umland zu verzeichnen sind, muss das ländliche Gebiet große
Anstrengungen unternehmen, um das sozioökonomische Gleichgewicht in
den Talschaften zu erhalten. Dabei geht es nicht um Abgrenzung, sondern
um den bewussten Umgang, die Chance, den nahe liegenden Ballungsraum
zu nutzen und die eigenen Strukturen zu stärken. So haben rund zwei Drittel
aller Vorarlberger Gemeinden die Herausforderung angenommen und eine
gemeinsame Entwicklungsstrategie mit Maßnahmen festgelegt.15
Der Bregenzerwald
5
vgl: eigen+sinnig, Der werkraum bregenzerwald als Modell für ein neues Handwerk,
Florian Aicher, Renate Breuß, 2005, Seite 11
ISBN 3-936581-88-6
13
vgl: http://buildout.mkping.s16494353.
onlinehome-server.info/mkp/projekte/offentlich/werkraumhaus-andelsbuch-a
Zugriff am 04.10.2015
6
http://volkskundemuseum.at/jart/prj3/volkskundemuseum/data/uploads/downloads/
OeZV_Volltexte/OEZV_1961.pdf, Seite 15
Zugriff am 04.10.2015
14
vgl: http://werkraum.at/handwerk-form/
handwerk-form-2015/
Zugriff am 20.08.2015
7
http://www.andelsbuch.at/index.php?page=
die-geschichte-der-waelder-bauernrepublik
Zugriff am 04.10.2015
28.29
8
Das Tischlerhandwerk im Bregenzerwald, Beiträge zur alpenländischen Wirtschafts – und
Sozialforschung, Karl Baumann, 1969, Seite 8
9
Das Tischlerhandwerk im Bregenzerwald, Beiträge zur alpenländischen Wirtschafts – und
Sozialforschung, Karl Baumann, 1969
Seite 162 +11
10
http://www.v-a-i.at/bauschule-text-ottokapfinger.html, Vorarlberger Bauschule – Zur
Entstehung und Wirkung einer Schule, die nie
eine war, Otto Kapfinger
Zugriff am 18.08.2015
15
vgl: http://www.leader-vlbg.at/leader
Zugriff am 04.10.2015
vgl: http://tpoint.regio-v.at/external/project_
detail.php?ID=952
Zugriff am 04.10.2015
Bildquellen
21
BUS:STOP, Haltestelle Bränden, Krumbach,
Sou Fujimoto, http://img.444.hu/sites/25/
DSC6710.jpg
Zugriff am 24.09.2015
23 oben + 23 unten
Tischlerei Rüscher GmbH
25 oben
http://hicarquitectura.com/wp-content/uploads/2013/09/werkraum-house_7.jpg
Zugriff am 24.09.2015
11
vgl: eigen+sinnig, Der werkraum bregenzerwald als Modell für ein neues Handwerk,
Florian Aicher, Renate Breuß, 2005, Seite 107
ISBN 3-936581-88-6
25 unten
http://werkraum.at/handwerk-form/archiv/
Christine Ax, Harry Metzler, Michael Hausenblas, Peter Zumthor, Hermann Czech
Zugriff am 24.09.2015
12
vgl. eigen+sinnig, Der werkraum bregenzerwald als Modell für ein neues Handwerk,
Florian Aicher, Renate Breuß, 2005, Seite 187
ISBN 3-936581-88-6
Alle Fotos und Pläne ohne Nachweis
© Simon Moosbrugger
http://de.wikipedia.org/wiki/Werkraum_Bregenzerwald
Zugriff am 20.08.2015
www.werkraum.at
Zugriff am 20.08.2015
Gemeinde Schnepfau
32.33
Allgemeines
Die im Hinteren Bregenzerwald gelegene Gemeinde Schnepfau ist Schauplatz dieser Arbeit. Auf 734 Metern Seehöhe gelegen und rundherum von Bergen umgeben, findet sich dieses kleine Straßendorf mit zirka 475 Einwohnern.
Knapp 50% des 16,5 km² großen Gemeindegebiets sind bewaldet, wobei etwa
weitere 15% auf Alpen entfallen. Die Gemeinde gliedert sich in die drei Ortsteile: Schnepfau, Hirschau und Schnepfegg. Schnepfegg liegt nördlich oberhalb
des Ortsteils Schnepfau auf dem Sattel zwischen dem Hirschberg und dem
Gopf, wo eine schmale Straße in das Tal von Bizau führt. Im Gegensatz zum
historisch gut erhaltenen und relativ dicht bebauten Straßendorf Hirschau ist
die Besiedelung hier nur sehr dünn. Den Hauptteil und somit namensgebend
für die Gemeinde Schnepfau ist der gleichnamig Ortsteil Schnepfau mit allen
Einrichtungen des öffentlichen Lebens. Kirche, Schule, Gemeindezentrum und
Feuerwehrhaus versammeln sich um den Dorfplatz, in dessen Mitte der Dorfbrunnen im Schatten der alten, mächtigen Dorflinde plätschert. Das Schulhaus
beherbergt neben den zwei Klassen der Volksschule auch den Kindergarten.
Der Turnsaal dient als Mehrzwecksaal den sportlichen, kulturellen und geselligen Bedürfnissen der Dorfbewohner. Der Musikverein trägt bei seinen Ausrückungen die originale Bregenzerwälder Männertracht, auch die Frauentracht
wird an Sonn- und Festtagen noch oft getragen. Nicht weit vom Dorfplatz entfernt steht ein altes, weitgehend originales bregenzerwälder Bauernhaus mit
roter Fassadenfarbe. Dieses historisch wertvolle Wälderhaus inmitten vieler
anderer Häuser alten und modernen Stiles ist bezeichnend für die Einstellung
der Schnepfauer, die ihrem überlieferten alten Kulturerbe weitgehend mit Stolz
und Feingefühl begegnen. Die alte Hauptstraße aus Kaiserreichszeiten führt
direkt am Dorfplatz vorbei und lässt Vorbeikommende durch eine Anschlagtafel vom spärlichen aber doch vorhandenen Fremdenverkehrsangebot in der
Gemeinde wissen. Dominiert wird das Ortsbild neben der weitgehend intakten und hohen Qualität der Bebauung vor allem durch den Hausberg, die Kanisfluh. Als erster Berg über 2000 Meter Höhe – vom Alpenvorland her kommend - bildet die markante Felswand eindrucksvoll den Beginn der Alpenwelt.
Die Bregenzerach, ebenfalls signifikant für die Region, mäanderte bis Ende
des 19.Jahrhunderts durch die etwa 500 Meter breite und vier Kilometer lange
Talsohle. Mit der Regulierung der Ache wurde der Gebirgsfluss physisch und
visuell vom Dorf getrennt. Neben einer hohen Hochwassersicherheit konnten
nun die durch die Kultivierung entstandenen Flächen landwirtschaftlich genutzt werden.
Geschichte
Vor dem Jahr 1000 war der Bregenzerwald ein unbewohnter Urwald, der
den Grafen von Bregenz gehörte. Nur die hochgelegenen waldfreien Alpen
wurden von den Rätoromanen als Weideland benützt. Nach 1000 begann die
Besiedelung der Region vom Raum Bregenz aus. Erste Orte waren Egg, Andelsbuch und Schwarzenberg. Vor hier aus zog die Besiedelung immer weitere Kreise und war um 1300 weitgehend abgeschlossen. Um das Jahr 1200
kamen Bauern aus Reuthe und Bezau hinter die Schnepfegg, blieben vorerst
nur während der Sommermonate und begannen mit dem Roden. Sie bauten
ihre Häuser am hochwassersicheren Talrand. 1249 fand die erste urkundliche
Erwähnung von „hirsowe“ (Hirschau) und 1260 von „snephowe“ (Schnepfau)
statt. Nachdem 1375 Graf Rudolf von Montfort seine Herrschaft, zu der auch
der Hinterwald gehört, mit allen Rechten und Freiheiten an Österreich verkauft hat, entwickelte sich Schnepfau 1497 zur selbstständigen Pfarrei. Die
ganzen Jahrhunderte herauf führten die Schnepfauer und Hirschauer einen
dauernden Kampf gegen die Hochwasser der unregulierten Bregenzerach,
die ihre Äcker und Wiesen bedrohten. Die Bauern waren Selbstversorger und
betreiben neben der Viehhaltung auch Ackerbau. Angebaut wurden Hafer,
Gerste, Flachs und Hanf. Um 1750 wurde zum ersten Mal Schule gehalten.
Von 1806 – 1814 war der Bregenzerwald unter bayerischer Herrschaft. Nach
der Rückkehr an Österreich war es mit der alten Wälderrepublik endgültig
vorbei. Zu dieser Zeit wurde der Bregenzerwald bereits mit Fahrstraßen erschlossen. Der Ackerbau wurde aufgegeben. Bekannte Persönlichkeiten um
diese Zeit waren Franz Xaver Moosmann (1839-1891), ein vielseitiger Autodidakt und Förderer der Heimatkunde, sowie der Auswanderer Johann Michael
Kohler (1844 – 1900), Unternehmer und Gründer des Kohler-Konzerns und der
Kleinstadt Kohler Village in Wisconsin/USA.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Schnepfau bis 1955 Teil der französischen
Besatzungszone in Österreich. Als sich die Wirtschaft nach den Weltkriegen wieder erholte, wurde ab 1960 massiv in neue Infrastruktur entwickelt.
Dazu zählen die 1962 durchgeführte Ortswasserversorgung, die 1970 erstellte Landesstraße über die Schnepfegg in die Nachbargemeinde Bizau sowie
die Umfahrungsstraße B200 im Jahre 1977. Die Flurbereinigung durch Güterzusammenlegung erfolgte Anfange der 1980 Jahre und trug neben den
anderen Maßnahmen maßgeblich zur jüngeren Entwicklung der Gemeinde
bei. Mit der Neugestaltung des Dorfplatzes, dem Umbau des Gemeindeamtes sowie der Volksschule oder auch Investitionen in den Hochwasserschutz folgte eine Vielzahl an weiteren Projekten, die in den letzten Jahren
und Jahrzehnten realisiert worden sind. Die Gemeinde Schnepfau hat heute
22 wirtschaftstreibende und 16 landwirtschaftliche Betriebe. Die Gemeindevertretung besteht aus 9 Mitgliedern, wobei per Mehrheitswahl gewählt wird.
Gemeinde Schnepfau
34.35
Geologie
Die Gemeinde Schnepfau weist eine Größe von 16,5 km² auf und zeigt sich
als langgestreckte Talebene, die auf drei Seiten von Bergen begrenzt wird:
im Norden von Hirschberg, Schnepfegg und Gopf, im Osten von Mittagsflug
und Giblerkopf und im Süden von der Kanisfluh. Sie besteht aus den drei
Ortsteilen Schnepfau, Hirschau und der Schnepfegg. Die helvetische Decke
ist dort, wo die Kreidefelsen die Oberfläche bilden, wirtschaftlich ungünstig.
Aber weite Strecken werden von Moränen oder von Ton- und Mergelschiefern bedeckt. Sie bilden fette Humusböden, die prächtigen Waldbeständen
und wieder vielen Wiesen und Almgründen reiche Unterlagen bieten. Boden
und das Klima prädestinieren den Bregenzerwald vielfach zu einem ausgesprochenen Gebiet der Graswirtschaft. Ursprünglich war er an den meisten
Stellen von tiefem Wald eingenommen. Landschaftsbezeichnungen wie Bregenzerwald, Tannberg usw. machen dies noch heute deutlich. Das Land liegt
in der Nordabdachung der Alpen und empfängt alle Niederschläge, die Nordund Nordwestwinde heranführen, in erhöhtem Maße, indem sie hier gestaut
werden. Sie schenken den Wiesen die vielbegehrte Feuchtigkeit. Daneben
kennt das Land aber auch den günstigen Einfluss des trocknenden warmen
Föhns.“ 16
Wichtigstes Charakteristikum Schnepfaus ist der Hausberg Kanisfluh. Er
ist ein weitgehend isoliert stehendes Bergmassiv im zentralen Bregenzerwaldgebirge, das sich zwischen den Orten Mellau und Au erstreckt und sich
südlich des Gemeindegebiets von Schnepfau mit einer gewaltigen Felswand
auftürmt. Der Grat des Berges bildet die Grenze zu den südlich gelegenen Gemeinden Mellau und Au, in deren Richtung die Kanisfluh als sanft abfallender
Berg in Erscheinung tritt. Die sagenumwobene Kanisfluh gilt als bekanntester
Berg und Wahrzeichen des Bregenzerwalds. Die flach einfallenden Sonnenstrahlen während der Wintermonate werfen einen breiten Schatten über das
gesamte Gemeindegebiet von Schnepfau, weshalb der Winter sehr kalt und
neblig sein kann. Am Fuße des Berges verläuft die Bregenzerach von Osten
kommend durch das Tal. Diese weist im Schnepfauer Abschnitt zwei grundsätzlich verschiedene Fließstrecken auf. Im Gebiet der Gemeindegrenze zu
Au treten die bewaldeten Hänge bis ans Ufer. Bis unterhalb der Hellbachmündung ist der Verlauf der Ache schluchtartig. Mit der Flussbiegung gegenüber
dem Ortsgebiet von Schnepfau tritt die Ache in die Talweitung von Schnepfau-Hirschau ein. Ihr Verlauf im Talboden wurde durch massive Verbauungen
eingeengt und verläuft entlang des Fußes der Kanisfluh.
Wie auf der Urmappe von 1857 deutlich zu erkennen ist, bahnte sich der Gebirgsfluss ursprünglich seinen Weg und mäanderte entlang des Talesebene
zur nächsten Engstelle bei Mellau. Regelmäßig überschwemmte die Bregenzerach bei Hochwasser Teile des Gemeindegebietes von Schnepfau und war
eine ernstzunehmende Gefahr. Der Jahrhunderte andauernde Kampf mit
der Natur nahm erst in den 1930er Jahren mit dem Start zur Verbauung der
Bregenzerache langsam ein Ende. Die natürlichen Gegebenheiten denen die
Siedler früher schutzlos ausgeliefert waren, sind maßgeblich und nachhaltig
dafür verantwortlich, wie sich das Dorf von der Grundsteinlegung bis in das
20. Jahrhundert geografisch und infrastrukturell entwickelt hat.
Infrastruktur
Der Streckenabschnitt zwischen Reuthe und Schoppernau wurde durch das
Landesgesetz vom 26. Dezember 1879 zur Konkurrenzstraße erklärt. In der
österreichischen Rechtssprache bezeichnet Konkurrenz die gemeinsame Finanzierung eines Projektes durch verschiedene Institutionen, von denen jede
einen gesetzlich festgelegten Prozentsatz der Instandhaltungskosten übernimmt. Zwei Drittel der Baukosten sollten durch eine Straßenmaut finanziert
werden, das restliche Drittel sollte durch die Gemeinden Mellau, Schnepfau,
Au und Schoppernau im Verhältnis ihres Steueraufkommens finanziert werden. 1901 begann der Bau der Hinterbregenzerwaldstraße von Bezau bis
Schröcken, die im Rahmen eines staatlichen Straßenbau programms ausgebaut werden sollte. An den geplanten Baukosten in Höhe von 278.700 Gulden beteiligte sich das Kaiserreich Österreich mit 40 %, das Land Vorarlberg
mit 35 % und die angrenzenden Gemeinden mit 25 %. Ab 1912 sollte auch
der weiterführende Streckenabschnitt von Schröcken bis Warth ausgebaut
werden, dessen Baukosten in Höhe von 110.000 Gulden zu 70 % aus dem
Staatshaushalt, zu 25 % aus dem Landeshaushalt und zu 5 % von den angrenzenden Gemeinden finanziert werden sollten.17 Die Bregenzerwaldstraße zwischen Dornbirn und Schröcken gehört seit dem 1. Jänner 1949 zum
Netz der Bundesstraßen in Österreich. Der anschließende Streckenabschnitt
zwischen Schröcken und Warth gilt erst seit dem 1. Jänner 1950 als Bundesstraße und wurde 1954 nach 25-jähriger Bauzeit dem Verkehr übergeben.
Mit dem erhöhten Verkehrsaufkommen in den 60er Jahren wurde bald der
Wunsch einer neuen Trassenführung laut, um eine komfortable und leichte Erschließung des Hinteren Bregenzerwaldes nachhaltig sicherzustellen.
Im Sommer 1970 erarbeitete die Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald in Zusammenarbeit mit den Bürgermeistern ein flächendeckendes
Verkehrskonzept für den Bregenzerwald. Dieses enthält neben einer Darstellung der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen des Bregenzerwaldes
auch eine Beschreibung des bisherigen Ausbauzustandes der Bundesstraße
B200. Daraus wurde ein Programm entwickelt, das den Ausbau der Bundesstraße und der Landesstraßen im Bregenzerwald ab dem Jahre 1971 bis 1980
vorsieht. Daraus geht zwar hervor, dass der Abschnitt „Umfahrung Hirschau
– Schnepfau“ in den Jahren 1972 und 1973 realisiert werden sollte, wurde jedoch erst 1977 fertiggestellt.18 In der von der Regionalplanungsgemeinschaft
erarbeiteten Richtlinien für die Trassenfürhrung der neuen Bundesstraße wird
beschrieben, dass außerhalb der Ortsdurchfahrten möglichst eine Linienführung zu wählen ist, die Geschwindigkeiten ähnlich wie auf einer Schnellstraße
zulässt. Straßen und Wegeeinbindungen sind auf ein Minimum zu reduzieren.
Einige Abschnitte der alten und neuen Bundesstraße sind deckungsgleich,
während die beiden Straßen an einigen Stellen parallel verlaufen. Während die
B200 zum Großteil eine reine Durchfahrtsstraße ist und an vielen Dörfern vorbeiführt, verläuft die alte Trasse durch sämtliche Dörfer von Bregenz bis nach
Warth. In dieser Form besteht die Straße im Abschnitt Hirschau – Schnepfau also auch bis heute noch. Die Umlegung der Trasse hatte große Konsequenzen für die Gemeinden, da nun der Durchreiseverkehr an den Dörfern
vorbeigeführt wird. Im Schnepfauer Abschnitt wird dies besonders deutlich
Gemeinde Schnepfau
36.37
spürbar, da man sprichwörtlich parallel vorbeifährt und das Dorf von „außen“
betrachten kann. Eine dem Straßenbau vorangegangene Regulierung der
Bregenzerach im Süden legte den Grundstein für die Neulegung der Trasse. So wurden zwei Probleme mit einem Schlag gelöst, denn der Damm zur
Regulierung der Ache im Süden bot geografisch und baulich ein ideales Fundament für die neue Bundesstraße. Bei näherer Betrachtung der Luftbilder
ab 1950 lässt sich die Grundstruktur wie wir sie heute anfinden gut erkennen. Während der Hauptlauf des Flusses auf der Urmappe noch nicht klar
erkennbar war, ergibt sich rund 100 Jahre später schon ein klareres Bild. Die
durch die Regulierung trockengelegten Flächen wurden der Landwirtschaft
übergeben. Baulich hat die Maßnahme keine Veränderung mit sich gebracht.
So ist besonders der etwa drei Kilometer westlich gelegene Ortsteil Hirschau
bis heute in seiner Struktur unverändert und zeigt sich als unverfälschtes Bregenzerwälder Straßendorf, durch dessen Häuser sich die alte Bundesstraße
windet. Und auch in Schnepfau ordnen sich die Gebäude in bekannter weise lose auf beiden Seiten der Hauptstraße nacheinander auf. Bedingt durch
die Größe und die Attraktivität der Anhöhe Richtung Schnepfegg entwickelte
sich ab dem Dorfplatz eine zweite Erschließungsstraße südlich der Hangkante
entlang nach Osten. Zunächst endete diese am Waldrand, bevor sie in den
Jahren 1978 – 1980 über die Schnepfegg - ebenfalls im Zuge der Entwicklung
des Verkehrskonzeptes - in das nördlich gelegene Bizau weitergeführt wurde.
Weitere Verästelungen kleinerer Erschließungswege im Ortsteil Schnepfau
verbinden die nordöstlich gelegene Anhöhe Rimsen mit der alten Hauptstraße im Süden.19 Zusammenfassend sind alte Bundesstraße nach Hirschau, die
Bundesstraße B200 sowie die Straße in das nördlich gelegene Bizau die drei
wichtigsten Erschließungswege der Gemeinde.
16
http://volkskundemuseum.at/jart/prj3/volkskundemuseum/data/uploads/downloads/
OeZV_Volltexte/OEZV_1961.pdf, Seite 16
Zugriff am 08.10.2015
19
vgl: http://www.schnepfau.at/geschichte.html
Zugriff am 08.10.2015
17
vgl.https://de.wikipedia.org/wiki/
Bregenzerwaldstra%C3%9Fe
Zugriff am 08.10.2015
30 + 31
Richard Rüscher
18
vgl: Regionalplanungsgemeinschaft Bregenzerwald, Verkehrskonzept für den Bregenzerwald, Teil II, Einstimmiger Beschluss des
Ausschusses der Regionalplanungsgemeinschaft vom 21. September 1971
Bildquellen
Alle Fotos und Pläne ohne Nachweis
© Simon Moosbrugger
Luftbild 2015
38.39
Das Luftbild zeigt eindrücklich die Talebene, die sich von Hirschau (links) bis
Schnepfau (mitte) erstreckt. Die Kanisfluh türmt sich südlich parallel entlang
des Tales imposant auf. Am Fuße des Berges verläuft die B200 und mit ihr die
Bregenzer Ache, ihrerseits die wichtigst Bundesstraße sowie der größte Fluss
im nördlichen Teil Vorarlbergs.
Gebäude nach Nutzungen
40.41
ROT: öffentlich, GOLD: gewerblich, BLAU: privat, SCHWARZ: sonstige Bauten
Diese Karte zeigt die heterogene Verteilung verschiedener Nutzungen über
das Gemeindegebiet. Dabei konzentriert sich der Großteil der Bebauung
entlang der Straße in Hirschau und Schnepfau. Die rundherum verstreuten
TISCHLEREI MI
Gebäude sind kleine Stadel, die der Bewirtschaftung der landwirtschaftlich Schnepfau im Bregenzerwa
09.04.2015 I Simo
genutzen Flächen dienen.
06 / 17
Gebäude M 1
IT SCHAURAUM
ald I Vorarlberg I Österreich
on Moosbrugger
1:20000
Höhenrelief
42.43
Rund um die Talebene gibt es Anhöhen, auf denen sich zahlreiche Vorsäße
befinden die landwirtschaftlich und als Erholungsgebiete genutzt werden.
Wasserläufe
44.45
Das Gemeindegebiet ist von zahlreichen kleinen Gebirgsbächen durchzogen.
Alle münden in die Bregenzerache., die sich Aufgrund der Vielzahl von ZuflüsTISCHLEREI MIT
sen und der Größe ihres Einzugsgebietes sehr schnell zu einem reißenden Schnepfau im Bregenzerwa
09.04.2015 I Simo
Fluss entwickeln kann.
07 / 17
Wasserläufe M
T SCHAURAUM
ald I Vorarlberg I Österreich
on Moosbrugger
M 1:20000
Flächenwidmungsplan
46.47
Der Flächenwidmungsplan macht deutlich, dass in Schnepfau nur Bauland
gewidmet wird, wenn es benötigt wird. Das heißt auch, dass es kein gesamtheitliches Flächenwidmungskonzept gibt, sondern in Zusammenarbeit mit
der Raumplanungsstelle Bregenz von Fall zu Fall über eine Bewilligung entschieden wird. Dabei wird sehr restriktiv vorgegangen, da die Talebene von
Schnepfau und Hirschau noch als „relativ unverdorben“ eingestuft werden,
was wilde Widmung angeht.
Urmappe 1857
48.49
Durch den unkontrollierten und natürlichen Flusslauf der Bregenzerache enstanden überall in der Region Auenlandschaften. Auch wenn sie heute durch
die Regulierung der Ache ausgetrocknet sind, sind sie in vielen Ortsbezeichnungen wie etwa Bezau, Mellau, Au, Schoppernau etc. verewigt. Die Bregenzerache ist maßgeblich verantwortlich für die Positionierung der Standorte
von u.a. Schnepfau und Hirschau.
Aktueller Schwarzplan
50.51
Der aktuelle Schwarzplan zeigt die grundlegende Bebauungsstruktur der Gemeinde. Wichtigster Erschließungsweg ist heute die B200, von der sich die
alte Hauptstraße im Bereich Hirschau sowie im Bereich Schnepfau ausklingt
um dann wieder in die B200 einzumünden, wo sie quasi Deckungsgleich ins
nächst Dorf führen.
Verkehrsaufkommen
52.53
Wichtigster Erschließungsweg ist heute die B200, von der sich die alte Hauptstraße im Bereich Hirschau sowie im Bereich Schnepfau ausklingt um dann wieder
in die B200 einzumünden, wo sie quasi Deckungsgleich in die nächstgelegenen
Dörfer führen. Ein weiterer Erschließungsweg stellt eine schmale Landesstraße dar, die über den Ortsteil Schnepfegg in das nördlich gelegene Bizau führt
Luftbild Hochwasser 2005
54.55
Nach dem Jahrhunderthochwasser von 2005 wurden die Überschwemmungsgebiete entlang der Flüsse aufgenommen, um nach ihrer Analyse entsprechende Schutzmaßnahmen vor Ort umzusetzen. Die Zubringerstraße
B200 - Schnepfau Dorfzentrum staute übergelaufenes Wasser der Bregenzerache und leitete es direkt in das Ortszentrum, welches tagelang vollständig
unter Wasser stand. Entsprechende Maßnahmen zur Vermeidung wurden in
den letzen Jahren bereits getroffen.
Der Bauplatz
56.57
Einleitung
Bei der Wahl des Grundstückes ist auf eine Vielzahl von Punkten zu achten.
Zum einen sollen die Erschließungskosten für den zu bebauenden Grund wirtschaftlich sein. Im Sinne der Innenentwicklung befindet sich der Standort bereits innerhalb des Gemeindegebiets. Diese wären idealerweise zu bevorzugen, wobei für betriebliche Nutzungen eine Randlage realistischer erscheint.
In jedem Fall soll der Neubau keine neue Bauzone etablieren, sondern eher bestehende räumliche Leerstände schließen und sich als Baustein in das historische Ensemble einfügen. Um zu einem überzeugenden Ergebnis zu gelangen,
ist eine Analyse des Ortes unabdingbar. Dabei geht es sowohl um die historische Entwicklung des baulichen Bestandes sowie der vorhandenen Infrastruktur. Dieser geschichtliche Ablauf steht in direktem Zusammenhang mit den
geografischen Gegebenheiten des Dorfes und verrät uns, wo wir nachverdichten sollen respektive der Natur den Vorrang gelassen werden soll. Aus diesem
Verständnis folgen weitere Überlegungen zum neuen Standort der Tischlerei.
Standortsuche
Bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Bau eines Betriebes
gibt es unterschiedliche Ansätze. Je nach individuellen Prämissen einzelner
Parteien können diese in Gegensätze umschlagen und damit das Fundament
für die Umsetzung eines erfolgreichen Projektes in Gefahr bringen. Zum einen
sind aus wirtschaftlicher Sicht die Lage und die vorhandene Infrastruktur von
großer Bedeutung, jedoch sind oft die notwendigen Besitzverhältnisse nicht
gegeben. In ausgewiesenen Industriezonen ist dies ein leichtes, nicht aber im
Kontext eines Bauerndorfes im Hinteren Bregenzerwald. Um die Stimmigkeit
des Ortsbildes zu bewahren, bedarf es eines verantwortungsvollen Umgangs
mit der vorhandenen Situation, will der Betrieb im Dorf ansässig bleiben. Dabei
geht es aber nicht etwa Angst gegenüber Veränderung oder Neuem, vielmehr
einer behutsamen Weiterentwicklung des Bestehenden. Selbst in einer kleinen Gemeinde sind Wachstum und Investitionen relevante Themen, die für die
Zukunft und den Fortbestand der hohen Lebensqualität enorm wichtig sind.
So liegt es schlussendlich doch im Sinne der Dorfgemeinschaft, die beste
Lösung zu finden. Aufgrund von zahlreichen Begehungen und Dokumentationen vor Ort, sowie Analysen von Luftbildern und Schwarzplänen bis hin
zu Fotomontagen wird in dieser Arbeit versucht, ein geeignetes Grundstück
für den Neubau zu finden. Der Eingriff soll nicht nur die Gemeinde in ihrer
gebauten Struktur weiter ausformulieren, sondern auch Ausganspunkt sein,
weitere Baumaßnahmen innerhalb eines Masterplans für die Gesamtentwicklung des Dorfes über mehrere Generationen hinaus sinnvoll umzusetzen.
Aufgrund derzeit schwieriger politischer und persönlicher Verhältnisse innerhalb der Dorfgemeinschaft wurde in dieser Arbeit auf die Miteinbeziehung
der Grundstückseigentümer im Arbeitsprozess verzichtet, diese Maßnahme
wäre jedoch in der Realität ein richtiger und langfristig zielführender Ansatz.
Örtliche Raumplanung
Im Rahmen der Gemeindeautonomie sind die Gemeinden für die örtliche
Raumplanung zuständig. Das zentrale Instrument der örtlichen Raumplanung ist in Verbindung mit dem REK (=räumliches Entwicklungskonzept)
der Flächenwidmungsplan und daher auch entsprechend wichtig. 20 Als gewachsenes Straßendorf mit kleinmaßstäblicher, punktueller Bebauung bietet
Schnepfau nur bedingt einen geeigneten Rahmen für den Bau eines Betriebes
dieser Größe. Auch ist zunächst nicht vollständig klar, inwieweit der Neubau
noch dem Bild einer Werkstatt im klassischen Sinn entspricht, oder ob man
nicht vielmehr von einem industriellen Betrieb sprechen muss. Wäre letzteres der Fall, kann man sich die Frage stellen, ob derart große industrielle
Strukturen in ländlich - alpinen Regionen überhaupt einen Platz haben und
wenn ja, wie damit am besten umzugehen ist. Jedenfalls wäre das zu bebauende Grundstück im Sinne einer ökonomischen räumlichen Entwicklung innerhalb der Siedlungsgrenzen zu suchen, sofern es sich nicht um Industrie
handelt. Dazu besteht in der gemeindeübergreifenden Standortsuche von
Gewerbegebieten die Möglichkeit, Betriebe aus mehreren Gemeinden an
einem Ort zu verdichten, um Synergieeffekte zu erzielen und Ressourcen
zu schonen. Dabei spielen die zunehmende Bodenknappheit durch Zersiedelung sowie die Nutzung bestehender Infrastruktur eine große Rolle. Weil
aber gerade in größeren Betrieben Mitarbeiter aus der Region zum Arbeitsplatz pendeln, dh. sich der Arbeitsplatz nicht innerhalb des Wohnortes befindet, wird der Ruf nach geografisch günstigen Gewerbestandorten in der
Region immer lauter. Im speziellen Fall dieser Arbeit trifft dies jedoch nicht
zu, da mit Ausnahme einiger weniger Mitarbeiter haben alle im Umkreis von
wenigen Kilometern ihren Wohnsitz haben. Leasingarbeiter aus dem In - und
Ausland werden über die Dauer ihres Vertrages direkt im Dorf einquartiert.
Somit steht die Tischlerei in enger Verbindung mit der Gemeinde und ihren
Angestellten und trägt als größter Arbeitgeber im Dorf seit Generationen wesentlich zur Erhaltung einer hohen Lebensqualität in Schnepfau bei und ist
als Handwerksbetrieb Teil der Kulturlandschaft im Bregenzerwald. Aus diesen genannten Gründen soll der Betrieb entgegen der Idee einer gemeindeübergreifenden Lösungsstrategie in Schnepfau bleiben und sich durch die
zur Verfügung stehenden raumplanerischen und architektonischen Mittel
und Werkzeuge in die gewachsene Struktur des Dorfes geschickt einfügen.
Der Bauplatz
58.59
Räumliches Entwicklungskonzept für Schnepfau
(Im Gespräch mit Bürgermeister Ing. Josef Moosbrugger)
1978 wurde der erste Flächenwidmungsplan des gesamten Gemeindegebiets
von Schnepfau aufgelegt. Damals konnte jeder Grundstücksbesitzer anmelden wo er Bauland möchte. Es wurden dann hauptsächlich angrenzend an
das bestehende Haus Grundstücke als Bauland gewidmet. Der Siedlungsrand
wurde dabei sehr streng eingehalten, denn es sollte der Landwirtschaft viel
Fläche bleiben. Seitens des Landes – Raumplanungsstelle Bregenz – wurden nur sehr wenig Plätze gewidmet, da auch bisher grundsätzlich nur nach
tatsächlichem Bedarf gewidmet wurde. Das ist nach wie vor gängige Praxis
in Schnepfau. So muss zuerst eine berechtigte Bauabsicht bestehen, die mittels eines Vorprojekts in der Gemeinde eingereicht wird. Diesem folgt dann
die behördlich erforderliche Einreichplanung, bevor der Widmungsantrag in
die Gemeindevertretung gelangt. Diese fasst den Entschluss zu Umwidmung
stellt den Antrag an die Raumplanungsstelle Bregenz weiter. Nach deren Genehmigung wird der Flächenwidmungsplan punktuell für dieses Projekt verändert. In den Jahren 1979 und 1980 wurde in Schnepfau ein Flächenwirtschaftliches Projekt (Güterzusammenlegung über die Agrarbezirksbehörde)
durchgeführt. Die gesamte Talebene von Schnepfau und Hirschau war von
diesem Projekt betroffen. Ziel war es vor allem, die klein parzellierten landwirtschaftlich genutzten Grundstücke der einzelnen Besitzer zu einem größeren
Ganzen zusammenzulegen, um diese Grundstücke rationeller bewirtschaften
zu können. Aktive Bodenpolitik seitens der Gemeinde wurde dabei nie betreiben, weshalb der Einfluss auf Verfügungstellung von Bauland sehr gering
bis gar nicht vorhanden ist. „Wenn ein Eigentümer nicht verkaufen will, dann
kann man ihn nicht zwingen“, so der Bürgermeister. Der Tausch von Grund
sei manchmal eine Option. Zwar hat die Gemeinde keinen eigenen Grund,
könnte jedoch bei der Suche nach einem Grundstückseigentümer behilflich
sein, welcher zum Tausch vermittelt werden könnte. Dies ist jedoch auch eine
Frage der Finanzierung, da gerade wenn es um zu widmende Grundstücke
außerhalb des Siedlungsrandes geht der Wert von Bauland zu Freiflächen für
landwirtschaftliche Nutzung bei 1 zu 10 liegt. So hat die Gemeinde kein direkten Einfluss auf die Planungsvorgänge und wird weiterhin von Fall zu Fall
über Anträge entschieden müssen. Grundsatz der Landesraumplanungsstelle ist jedoch immer, Widmungen speziell in Schnepfau und Hirschau sehr
restriktiv handzuhaben, da die Gemeinde als „relativ unverdorben“ gilt, was
wilde Widmung angeht. Im Sinne einer Entwicklung nach Innen, sollen neue
Gebäude stets in den gewachsenen Siedlungsraum eingebettet werden. Das
gilt sowohl für private Bauten als auch für Betriebe, wobei Betriebe eine bestimmte Größe, dh. Klein und Mittelbetriebe voraussetzen. Die Talebene soll
weiterhin als Erholungsraum erhalten bleiben. Im Jahr 1994 hatte eine in Mellau ansässige Firma um eine Baubewilligung für einen Produktionsbetrieb in
Hirschau im Bereich der L200 - Einfahrt Hirschau ersucht. Das Projekt wurde seitens der Gemeinde stark befürwortet, seitens des Landes aber nicht
genehmigt. Grund dafür war, dass der weite Blick in die unberührte Talebene Hirschau - Schnepfau nicht verbaut werden soll. Aus diesem Problem
und zur Vermeidung weiterer Missverständnisse wurde im darauffolgenden
Jahr 1995 das erste räumliche Entwicklungskonzept für Schnepfau erstellt.
Dieses sieht einen Kompromiss vor, in dem drei Grundstücke an der Einmündung der alten Hauptstraße in die B200 in Hirschau in Gewerbegebiet umgewidmet wurden. Davon sind bis heute nur zwei der drei Grundstücke bebaut
worden. Das zweite räumliche Entwicklungskonzept von 2012 ist eine Überarbeitung des ersten REK, wobei es hauptsächlich um die Handhabung der
Möglichkeiten zur Widmung für Ferienwohnungen geht. Betreffend Widmungen von Gewerbeflächen gibt es eine laufende Studie, die sich mit dem gesamten Bregenzerwald beschäftigt und regionale Standorte sucht, an denen
sich Betriebe in Zukunft ansiedeln könnten. Nicht jede Gemeinde erfüllt die
Voraussetzungen für diese sogenannten „regionalen Betriebsgebiete“ und so
wird Schnepfau aufgrund des „unverdorbenen“ Zustandes des Ortsbildes von
der Politik nicht als Standort für Betreibe vorgeschlagen.
Zwei Standorte
Die genau Analyse der in Schnepfau vorhandenen räumlichen Situation hat
das Ziel, einen alternativen Standort für den Neubau des Betriebsgebäudes
der Tischlerei Rüscher unter Berücksichtigung der baurechtlich geltenden
Vorschriften zu finden. Das sich im Besitz der Familie befindende Grundstück
entlang der Zubringerstraße B200 ist bereits als Bauland gewidmet. Aus diesem Grund soll hier die neue Betriebsstätte errichtet werden. Da das Grundstück alleine zu klein ist, gibt es nach mündlichen Absprachen eine Kaufoption
für den benötigten Baugrund in südlicher Richtung. Nach einer Auseinandersetzung mit den räumlichen Auswirkungen an örtlichen Begehungen und Modellen wurde relativ schnell klar, dass die Auswirkungen, die ein Bauwerk an
dieser Stelle auf die räumliche Gliederung des Dorfes hat, zu groß sind, da
die gewachsene Struktur des Dorfes und deren Regeln missachtete werde
würden. Auf den folgenden Seiten wird das Ausgangsgrundstück sowie der
alternativ Vorgeschlage Standort kurz präsentiert und verglichen. Dabei spielen eine Reihe von verschiedensten Faktoren eine Rolle. Laut der Auskunft
des Bürgermeisters, die im Flächenwidmungsplan ebenfalls ersichtlich ist,
hätte Hirschau ein freies Grundstück, das bereits für gewerbliche Nutzung
gewidmet wäre.
Dieses ist jedoch zu klein und durch die leichte Hanglage ungeeignet für einen
Betrieb dieser Art und Größe. Eine Bebauung an einer anderen Stelle ist in
Hirschau ausgeschlossen, da die Platzsituation gegenüber Schnepfau insgesamt deutlich enger ausfällt. Zudem ist es aufgrund des größeren Dorfkörpers
von Schnepfau leichter, ein Gebäude mit diesen Abmessungen zu integrieren.
Eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für ein Grundstück spielt im allgemeinen, ob und inwieweit das Grundstück schon erschlossen ist. Es liegt in
der Sache der Natur, dass Grundstücke innerhalb des Siedlungsraumes unproblematisch erschlossen werden können, jedoch sind für einen reibungslosen Betrieb gewisse räumliche Dimensionen notwendig. Ideal wäre also ein
gut erschlossenes Grundstück in Siedlungsrandlage, durch das sich gleichzeitig räumliche und architektonische Qualitäten im Falle einer Bebauung
entwickeln können. Dieses Grundstück wurde ein paar hundert Meter weiter
östlich in erster Baureihe zur alten Hauptstraße gefunden. Es bietet optimale
Voraussetzungen und zeichnet sich nicht nur durch eine sehr gute Erschließungssituation aus, sondern passt auch räumlich in das gewachsene Gefüge.
Der Bauplatz
60.61
„Vieles ist heute global vernetzt, die Welt ist trotz aller Umstände zusammengerückt, Die Warenströme verlaufen global, wir erhalten Informationen von
entferntesten Orten „in Echtzeit“, die Verhältnisse sind unübersichtlicher geworden. Vielleicht rührt daher das wachsende Bedürfnis nach Nähe, Heimat
und Überschaubarkeit. Der Regionsgedanke liegt jedenfalls im Trend.“ 21
Flächenwidmungsplan
62.63
Der Flächenwidmungsplan von Schnepfau wird nach den Grundsätzen der
Landesraumplanungsstelle Vorarlberg verwaltet und nur aufgrund konkreter
Projekte laufend angepasst. Das rot markierte Grundstück beschreibt das Ausgangsgrundstück der Familie Rüscher, während das rechts markierte Grundstück das aus der Analyse sinnvoll erachtete alternative Grundstück umrahmt.
GELB: FS Sondergebiet, ORANGE: BW Wohngebiet, BRAUN: BM Mischgebiet,
GRAU: BM Baumischgebiet - öffentliche Bauten, VIOLET: BB Betriebsgebiet:
Kategorie I, GRÜN: FS Freihaltegebiet, HELLGRAU: FL Landwirtschaftsgebiet
Der Bauplatz
66.67
Standort Dorfeinfahrt
Die neue Trassenführung der B200 erforderte zusätzlich die Erstellung einer Zubringerstraße, welche die Bundesstraße direkt mit dem Zentrum der
Gemeinde verbindet. Diese verläuft von Süden kommend durch unbebautes
Gebiet und mündet direkt in den Dorfplatz. Anders als bei anderen Dörfern
entlang der B200, führt die Bundesstraße vollständig am Dorf vorbei. In der
Entstehungszeit wurde dieses Vorhaben zunächst aus Angst wegen des
Ausbleibens von Tagestouristen heftig kritisiert, jedoch sieht man sich heute gegenüber anderen Dörfern, die seit Jahrzehnten mit stark steigendem
Verkehrsaufkommen zu kämpfen haben, im Vorteil. Neben Flächen landwirtschaftlicher Nutzung streift die Zubringerstraße außerdem den Gemeindesportplatz, der sich direkt an der Einmündung in die B200 befindet. Ein kleiner
Brunnen auf halber Höhe der Zubringerstraße markiert die Abzweigung in
den sogenannten „Mittelweg“, ein parallel zur B200 und alten Hauptstraße
verlaufender Güterweg, der der Erschließung aller Parzellen bis zum Ortsteil
Hirschau dient. Kurz danach - ebenfalls westseitig der Verbindungsstraße befindet sich ein Stromumwandlungsgebäude der Vorarlberger Kraftwerke in
Form eines kleinen Türmchens.Schlussendlich markiert die Volksschule als
erstes Gebäude links der Straße den Eingang zum Dorf.
Das im rechten Bild aufgehellte Grundstück ist im Besitz der Familie Rüscher und soll zum Bau der Werkstatt herangezogen werden. Derzeit wird
das Grundstück von einem kleinen Güterweg erschlossen der zu zwei kleinen Ställen führt. Diese markieren das Ende des Weges, also den Anfang der
Wiese und somit die Siedlungsgrenze. Eine neuer Erschließungsweg soll das
Grundstück mit der Zubringerstraße (B200 - Dorfplatz) auf Höhe des Mittelweges verbinden. An diesem Erschließungswerg setzt die Argumentation gegen den Bau der Werkstatt an dieser Stelle an. Die Ablesbarkeit Schnepfaus
als Straßendorf, historisch durch den Prozess der linearen Aneinanderreihung entlang der einer Straße entstanden, wird durch den Bau eines zweiten
Erschließungssystems gestört. Genau genommen gilt das auch für die Zubringerstraße, jedoch wird über sie nur das Dorfzentrum selbst erschlossen
und nicht die Grundstücke die sie durchkreuzt. Sie ist ein übergeordnetes
Verkehrssystem, das nicht für die Erschließung weiterer Grundstücke herangezogen werden darf. Weiters stehen Gebäude gewöhnlich immer in der
ersten Reihe entlang der Straße und sind somit relativ kompakt durch kurze
Erschließungswege erschlossen. Die Werkstatt würde wegen ihrer Größe viel
zu weit in nicht bebautes Gebiet ragen und somit den Siedlungsrand empfindlich vergrößern. Dazu kommen Kosten für Infrastruktur und Erschließung. Bei
der Analyse der Luftbilder wird schnell klar, dass die unberechenbaren Naturgewalten, die von der Bregenzerache ausgingen (und es heute noch tun), den
Straßenverlauf der alten Hauptstraße vorgaben. Somit war auch der Grundstein für die räumliche Entwicklung der Dörfer gelegt. Auffallend ist, dass sich
in Schnepfau darüberhinaus ein Weiler weiter nach Nordosten gebildet hat.
Dies ist auf die Attraktivität der geografischen Situation zurückzuführen. Nach
Süden mit einem derart großen Volumen zu erweitern, wäre nicht nur das erste Mal in der Geschichte von Schnepfau, sondern entspräche auch keiner Logik und würde die räumliche Entwicklung des Dorfes in eine falsche Richtung
lenken. Dieses Grundstücks ist somit entschieden abzulehnen.
Standort Dorfeinfahrt
68.69
Siedlungsrand
70.71
07 / 17
TISCHLEREI MIT
im Bregenzerwal
Eine Bebauung an dieser Stelle hat eine Vergrößerung des Siedlungsrandes nach Schnepfau 09.04.2015
I Simo
Süden zur Folge. Der Dorfkörper wird an einer ungeeigneten Stelle erweitert, woWasserläufe M
bei für die Erschließung des Grundstückes eine zusätzliche Straße erstellt werden muss. Zudem ragt das Gebäude weit in hochwasserunsicheres Gebiert vor.
T SCHAURAUM
ld I Vorarlberg I Österreich
on Moosbrugger
M 1:20000
Der Bauplatz
72.73
Standort Burg
Südöstlich des Schnepfauer Ortsgebiets erhebt sich über dem flachen Talboden ein Felskopf aus Quintner Kalk. Dort stockt ein artenreicher Laubmischwald. 22 Aüdlich dieses inselartigen Naturdenkmals führt die alte Hauptstraße
vorbei, bevor sie kurz danach wieder in die B200 Richtung Au einmündet. Inmitten der landwirtschaftlich genutzten Fläche ruht das Volumen seit der letzten Eiszeit. Dieser Straßenabschnitt von der Einfahrt B200 bis zum Dorfplatz
von Schnepfau wird heute größtenteils von aus der Nachbargemeinde Au ankommenden Anrainern oder Gästen genutzt und kann als Nebeneinfahrt oder
als Art „hintere“ Einfahrt von Schnepfau gesehen werden. Ferner dient sie
auch der Erschließung der landwirtschaftlich genutzten Freiflächen entlang
der B200. Bei eingehender Betrachtung fällt auf, dass sich direkt westlich
der Burg eine Fläche befindet, die einerseits durch die alte Hauptstraße im
Süden, andererseits durch kleine Zufahrtsstraßen nach Westen und Norden
hin definiert wird. Diese kleinen Erschließungswege erschließen das Gebiet
zwischen alter Hauptstraße und der L 28, die Landstraße nördlich entlang
der Hangkante über die Schnepfegg nach Bizau führt. Dieses Feld entspricht
als Baufeld wichtigen raumplanerischen Überlegungen und wird aus diesem
Grund zur Findung einer Alternative näher analysiert. Das Grundstück ist zum
einen räumlich durch das oben genannte Wegenetz im Gegensatz zum anderen Standort klar definiert, wobei andererseits noch ausreichend Raum für
weitere Entwicklungsschritte freigehalten wird. Zum anderen ist ein räumlicher Anschluss an das Dorf gegeben, wobei die Burg gleichzeitig einen
markanten Abschluss darstellt. Die Erschließung erfolgt so wie die meisten
Gebäude des Dorfes - direkt in erster Baureihe - über die alte Hauptstraße.
Neben des dichten bestehenden Wegenetzes gibt es ebenfalls Strom und
Wasseranschlüsse, die mitgenutzt werden können. Wie das Luftbild nach
dem letzten Jahrhunderthochwasser zeigt, ist dieses Gebiet im Gegensatz
zu dem an der Zubringerstraße unbetroffen von dieser Naturgewalt. Mit einer
Bebauung an dieser Stelle würde der Dorfkörper am östlichen Ende einen
markanten baulichen Abschluss erhalten. Weiters bietet eine Situierung an
dieser Stelle die Möglichkeit baulich nach Innen - Richtung Norden und somit
hin zum Dorfkörper - nachzuverdichten, sei es durch weitere Gebäude oder
durch die Erweiterung des Betriebs selber. Zwar wäre es wünschenswert, sich
wie das bestehende Betriebsgebäude innerhalb des Dorfkörper anzusiedeln,
doch das ist bei einem Gebäude dieser Größe in dem kleingewachsenen Dorf
unrealistisch. Ein weiterer wichtiger Punkt stellt die Nutzung der Dorfeinfahrt
von Au kommend dar. Da die alte Hauptstraße mit dem Bau der neuen Bundesstraße extrem an Bedeutung verloren hat, wird diese heute größtentreils von
Anrainern und Gästen befahren. Ferner auch von Zulieferern und Mitarbeitern
angrenzender Kleinbetriebe. Diesem Weg könnte mit dem Neubau der Tischlerei erneut große Bedeutung zukommen, da die schnelle Erreichbarkeit von
der Hauptstraße für den Betrieb von Vorteil ist und der Dorfkern vom Verkehr
entlastet werden würde. Aus raum - und landschaftsplanerischer Sicht wäre
jedenfalls eine respektable Freihaltezone rund um das Naturdenkmal Burg
einzuhalten. Da sich dieses Grundstück weder im Besitz der Familie Rüscher
befindet noch gewidmet ist, muss durch ein Vorprojekt geklärt werden, ob das
Grundstück grundsätzlich zur Bebauung verfügbar gemacht werden kann.
Standort Burg
74.75
Siedlungsrand
76.77
07 / 17
TISCHLEREI MIT
im Bregenzerwal
Eine Bebauung an dieser Stelle hat keine Vergrößerung des Siedlungsran- Schnepfau 09.04.2015
I Simo
des nach Süden zur Folge. Vielmehr erhält der Dorfkörper einen markanten
Wasserläufe M
baulichen Abschluss im Südosten und erfordert gleichzeitig keine zusätzliche
Erschließungswege.
T SCHAURAUM
ld I Vorarlberg I Österreich
on Moosbrugger
M 1:20000
Der Bauplatz
Gesetzliche Grundlagen
Die folgenden Gesetzesauszüge aus dem Vorarlberger Raumplanungsgesetz
bilden den rechtlichen Rahmen, in dem Widmungen von potentiellen Bauflächen grundsätzlich möglich sind. Darüber hinaus sind sowohl die grundsätzlichen Ziele der Raumplanung gesetzlich definiert, als auch eine Hilfestellung
zur Handhabung im Falle von Widmungsänderungen.
78.79
Flächen, die grundsätzlich als Baufläche gewidmet werden können23
Als Bauflächen nach § 13 Raumplanungsgesetz dürfen nur bereits bebaute
Flächen und Flächen festgelegt werden, die sich aufgrund der natürlichen
Verhältnisse für die Bebauung eignen. Sie müssen längstens innert 15 Jahren
als Bauflächen benötigt werden und innerhalb dieser Frist erschlossen werden können.
Eine Widmung als Baufläche ist nicht zulässig bei Flächen,
a / die sich wegen der natürlichen Verhältnisse (Grundwasserstand, Bodenbeschaffenheit, Lawinen-, Hochwasser-, Vermurungs-, Steinschlag-, Rutschgefahr u.dgl.) für eine zweckmäßige Bebauung nicht eignen, es sei denn, dass
Maßnahmen zur Abwendung solcher Gefahren technisch möglich und wirtschaftlich vertretbar sind,
b / deren Erschließung unwirtschaftliche Aufwendungen, insbesonders für
die Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Energieversorgung oder Verkehrsverbindungen, erforderlich machen würde,
c / deren Bebauung für die Einwohner besondere wirtschaftliche Schwierigkeiten oder besondere Belästigungen zur Folge haben würde und
d / die zum Schutz des Landschaftsbildes von einer Bebauung freizuhalten
sind.
Bauflächenkategorien24
Bauflächenkategorien sind entsprechend Erfordernis und Zweckmäßigkeit
nach § 14 Raumplanungsgesetz:
Kerngebiete (BK): Gebiete in zentraler innerörtlicher Lage, die vornehmlich
für Gebäude für Verwaltung, Handel, Bildungs- und andere kulturelle und soziale Einrichtungen, sonstige Dienstleistungen und Wohnungen bestimmt sind.
Andere Gebäude und Anlagen sind zulässig, wenn der Charakter als Kerngebiet nicht gestört wird.
Wohngebiete (BW): Gebiete, die für Wohngebäude bestimmt sind. Andere
Gebäude und Anlagen dürfen in Wohngebieten errichtet werden, wenn dadurch das Wohnen und auch sonst der Charakter als Wohngebiet nicht gestört wird.
Mischgebiete (BM): Gebiete, in denen Wohngebäude und sonstige Gebäude
und Anlagen zulässig sind, die das Wohnen nicht wesentlich stören.
Mischgebiet mit Bauwerken für land- und forstwirtschaftliche Zwecke (BML): In Mischgebieten können Zonen festgelegt werden, in denen Gebäude und
Anlagen für land- und forstwirtschaftliche Zwecke errichtet werden dürfen.
Betriebsgebiete Kategorie I (BB-I): Gebiete, die für Betriebsanlagen bestimmt sind, die keine wesentlichen Störungen für die Umgebung des Betriebsgebiets verursachen.
Im Betriebsgebiet Kategorie I ist die Errichtung von Wohnungen für die in Betrieben des betreffenden Gebiets Beschäftigten sowie von Gebäuden und
Anlagen zulässig, die der Versorgung und den sozialen Bedürfnissen der in
solchen Gebieten arbeitenden Bevölkerung dienen. Wenn dies nach den für
die Raumplanung maßgeblichen Verhältnissen erforderlich ist, können im Betriebsgebiet Kategorie I zum Zwecke der Sicherung geeigneter Flächen für
Produktionsbetriebe Zonen festgelegt werden, in denen
a / Wohnungen, ausgenommen betriebsnotwendige Wohnungen für das Aufsichts- und Wartungspersonal, wenn diese in den Betrieb integriert sind, oder
b / Gebäude und Anlagen für Sport- und Freizeitzwecke oder
c / Gebäude und Anlagen für Zwecke des Handels, sofern der Handel nicht
ausschließlich zum Weiterverkauf oder untergeordnet in Produktionsbetrieben zum Verkauf von Waren überwiegend eigener Produktion erfolgt, nicht
zulässig sind.
Betriebsgebiete Kategorie II (BB-II):
Gebiete, die vornehmlich für Betriebsanlagen, die im Betriebsgebiet Kategorie
I nicht errichtet werden dürfen, bestimmt sind. In Betriebsgebieten Kategorie
II dürfen
a / Wohnungen, ausgenommen betriebsnotwendige Wohnungen für das Aufsichts- und Wartungspersonal, wenn diese in den Betrieb integriert sind,
b / Gebäude und Anlagen für Sport- und Freizeitzwecke und
c / Gebäude und Anlagen für Zwecke des Handels, sofern der Handel nicht
ausschließlich zum Weiterverkauf oder untergeordnet in Produktionsbetrieben zum Verkauf von Waren überwiegend eigener Produktion erfolgt nicht
errichtet werden.
Ob ein Gebäude oder eine Anlage mit einer der obigen Widmungen vereinbar ist, ist nicht nur nach der Art des Gebäudes oder der Anlage, sondern
auch nach den Maßnahmen zur Verhinderung störender Auswirkungen, deren
Durchführung technisch möglich ist und rechtlich festgelegt wird, zu beurteilen.
§ 21) Raumplanungsziele25
(1) Die Raumplanung hat eine dem allgemeinen Besten dienende Gesamtgestaltung des Landesgebiets anzustreben.
(2) Ziele der Raumplanung sind a) die nachhaltige Sicherung der räumlichen
Existenzgrundlagen der Menschen, besonders für Wohnen und Arbeiten, b)
die Erhaltung der Vielfalt von Natur und Landschaft, c) der bestmögliche Ausgleich der sonstigen Anforderungen an das Gebiet.
(3) Bei der Planung sind insbesondere folgende weitere Ziele zu beachten:
a) Mit Grund und Boden ist haushälterisch umzugehen, insbesondere sind
Bauflächen bodensparend zu nutzen. b) Die verschiedenen Möglichkeiten
der Raumnutzung sind möglichst lange offen zu halten. c) Die natürlichen und
naturnahen Landschaftsteile sowie die Trinkwasserreserven sollen erhalten
bleiben. d) Die zum Schutz vor Naturgefahren notwendigen Freiräume sollen
erhalten bleiben. e) Flächen mit wichtigen Rohstoffvorkommen sind von Nutz-
Der Bauplatz
ungen, die ihre Gewinnung verhindern oder erheblich erschweren, freizuhalten. f) Die für die Land- und Forstwirtschaft besonders geeigneten Flächen
dürfen für andere Zwecke nur verwendet werden, wenn dafür ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht. g) Die äußeren Siedlungsränder sollen
nicht weiter ausgedehnt werden. h) Gebiete und Flächen für Wohnen, Arbeiten, Freizeit, Einkauf und sonstige Nutzungen sind einander so zuzuordnen,
dass Belästigungen möglichst vermieden werden. i) Räumlichen Strukturen,
die zu unnötigem motorisierten Individualverkehr führen, ist entgegenzuwirken. j) Für Einrichtungen des Gemeinbedarfs sind geeignete Standorte festzulegen.
80.81
§ 23 Änderung
(1) Der Flächenwidmungsplan darf nur aus wichtigen Gründen geändert werden. Er ist zu ändern a) bei Änderung der maßgebenden Rechtslage oder b)
bei wesentlicher Änderung der für die Raumplanung bedeutsamen Verhältnisse. Die wenigsten FWP-Änderungen fallen unter die Begründung des zweiten
Satzes; eine Änderung der Rechtslage, zB des Raumplanungsgesetzes oder
der für die Raumplanung bedeutsamen Verhältnisse sind vergleichsweise selten. Aus dem ersten Satz ergibt sich, dass die Änderung nur aus „wichtigen
Gründen“, das sind wichtige Gründe im Sinne der Ziele der Raumplanung, erfolgen darf!
Diese „wichtigen Gründe“ sind im Beschluss der Gemeindevertretung darzulegen insbesondere dann, wenn ein Widerspruch zu einem Raumplanungsziel
vorliegt und die Gemeindevertretung eine Interessensabwägung vornimmt.
Für die aufsichtsbehördliche Genehmigung ist eine nachvollziehbare Argumentation und gegebenenfalls Interessenabwägung besonders wichtig!
Leitfaden zur Änderung des Flächenwidmungsplans26
Für die aufsichtsbehördliche Genehmigung ist es unbedingt erforderlich,
dass nach der ständigen Rechtsprechung der Gerichtshöfe des öffentlichen
Rechts eindeutige und unzweifelhafte Planunterlagen der Widmungsänderung mitgeliefert werden. Im Sinne einer schnellen und genauen Behandlung
sind daher Pläne eines Vermessungsbüros, die beispielsweise im Rahmen
einer Grundstücksteilung vorliegen, digital mitzuliefern. Ein Papierausdruck
ist jedoch in jedem Falle dem Widmungsakt beizulegen, die entsprechenden digitalen Daten können auch per Mail an die Raumplanungsabteilung
übermittelt werden (Daten-Format: DXF, Shape, Coverage etc.). Viele Gemeinden verfügen bereits über ein GIS System, mit dem auch die Pläne für
die Widmungsänderung erstellt werden. Wenn diese digitalen Daten ausreichend genau sind, d.h. in einem ausreichend großen Maßstab konstruiert wurde, eventuelle Widmungsungenauigkeiten aus der vordigitalen Zeit
berücksichtigt wurden etc., dann können auch diese Daten im Hinblick auf
eine vereinfachte Verarbeitung zusätzlich digital an die Raumplanungsabteilung übermittelt werden (GIS-Auszug im Shape, Coverage bzw DXF-Format)
Wenn die Grundlagen (=Vermessungsplan, GIS-Pläne) nicht in dieser Detailgenauigkeit vorliegen, dann kann auch ein Papierausdruck aus dem GIS oder
eine Kopie aus dem Katasterplan verwendet werden, auf dem von Hand die
entsprechenden Änderungen eingezeichnet sind. Allerdings sind dann sämtliche Maße und unter Umständen auch Winkel anzugeben, damit die Widmungsänderung in ihrer Lage und Ausdehnung zweifelsfrei nachvollzogen
werden kann. Der digitaler Plan und der Ausdruck auf Papier müssen selbstverständlich übereinstimmen!
Hilfestellungen und Tipps bei Änderungen des Flächenwidmungsplanes
Im Rahmen der Gemeindeautonomie sind die Gemeinden für die örtliche
Raumplanung zuständig. Das zentrale Instrument der örtlichen Raumplanung
ist in Verbindung mit dem REK (=räumliches Entwicklungskonzept) der Flächenwidmungsplan und daher auch entsprechend wichtig. Es tauchen immer
wieder Fragen zur Änderung von Flächenwidmungsplänen auf, insbesondere hinsichtlich der erforderlichen Plandarstellungen und weiteren formalen
Anforderungen. Da seitens der Aufsichtsbehörde keine eigenmächtige Abänderung des FWP möglich ist, muss der Akt bei Fehlerhaftigkeit zur neuerlichen Bearbeitung (Auflage, Beschlussfassung etc.) an die Gemeinde retourniert werden. Dies ist beiderseits mit erheblichem Aufwand verbunden.
Die häufigsten Fehler sowie deren Vermeidung werden in der nachfolgenden
Handreichung kurz beschrieben. Die örtliche Raumplanung und der Flächenwidmungsplan als deren wichtigstes Instrument ist im Rahmen des eigenen
Wirkungsbereiches Aufgabe der Gemeinde. Ob eine Änderung des Flächenwidmungsplanes aufsichtsbehördlich genehmigt werden kann, hängt neben
den formalen Anforderungen wesentlich von der inhaltlichen Komponente ab.
Gefahrenzonenpläne
Die Beachtung möglicher Naturgefahren für den Siedlungsraum gehört zu
den zentralen Aufgaben der Raumplanung. In Form von Gefahrenzonenplänen
liegen zum Teil flächenhafte Gutachten vor, die nähere Auskunft über potentielle Gefährdungen geben. Im Falle einer Widmungsänderung insbesondere
bei Widumung einer Baufläche oder einer Freifläche-Sondergiebiet, die ihrem
Wesen nach einer Bauflächenwidmung entspricht, sind die entsprechenden
Gefahrenzonenpläne zu beachten. Die aktuellen Gefahrenzonenkarten des
WLV (Forstechnischer Dienst für Wildbach- und Lawinenverbauung) werden
vom VoGIS digital über den Gemeindeserver zur Verfügung gestellt. Gefahren
drohen, insbesondere im alpinen Bereich, von Gewässern.
Wildbäche werden in der Regel vom WLV betreut, größere Gewässer von der
Bundeswasserbauverwaltung. Von der WLV betreute Gewässer sind von deren Gefahrenzonenplänen erfasst, für andere Gewässer liegen solche Gutachten in aller Regel nicht vor. Die Kompetenzgrenzen zwischen der WLV und
der Bundeswasserbauverwaltung gehen oft auf historische Entwicklungen
zurück. Es wird daher geraten, sich genauestens darüber zu informieren, wer
zuständig ist bzw. welche Gefährdungen vorhanden sind. Der 1884 gegründete WLV erstellt flächenhafte Gutachten (=Gefahrenzonenpläne), in denen
bestimmte Gefährdungen ausgewiesen sind. Betrachtet wird jedoch nur der
„raumrelevante Bereich“ der Gefahrenzonenkarte, daher im Wesentlichen
der Dauersiedlungsraum. Außerhalb des raumrelevanten Bereiches sind natürlich ebenso Gefährdungen möglich. Nur weil keine Gefährdungen ausgewiesen sind, heißt das nicht, dass es dort keine gibt (siehe Gefahrenkarte)!
Der Bauplatz
Die Ausweisung von roten Gefahrenzonen (Wildbach-Rot WR und LawinenRot LR) sowie gelben Gefahrenzonen (Wildbach-Gelb WG und Lawinen-Gelb
LG) in den Gefahrenzonenplänen der WLV ist für diese verpflichtend. Andere
Gefahrenzonen, insbesondere die braune Gefahrenzone (z.B. Steinschlag,
Vernässung, etc) können angegeben sein. Insbesondere bei älteren Gefahrenzonenplänen fehlen diese Zonen jedoch. Die Gefährdung, die in braunen
Gefahrenzonen vorliegen, können in ihrer Bedeutung sehr unterschiedlich
sein und reichen von geringer bis starker Beeinträchtigung. In entsprechenden Fällen wird die Beiziehung eines Fachmannes zur Abklärung empfohlen.
82.83
Planliche Darstellung von Widmungsänderungen
Ein häufiger Fehler besteht darin, dass die planliche Darstellung nicht exakt
mit der verbalen Beschreibung im Beschluss der Gemeindevertretung übereinstimmt. Erforderlich sind eine eindeutige planliche Darstellung und eine
eindeutige Beschreibung. Es ist genau zu überprüfen, welche Widmungen im
Bestand vorliegen. Decken sich die Widmungsgrenzen nicht mit den Grenzen
der DKM, was häufig vorkommt, so ist eine Bemaßung erforderlich. Ebenso
häufig werden die bestehenden Widmungen nicht vollständig aufgezählt. Mitunter kann eine Straße, ein Weg oder Wald von der Umwidmung betroffen
sein. Diese bestehenden Widmungen sind sowohl im Beschluss als auch in
der planlichen Darstellung vollständig anzuführen.Da früher die Erstellung der
Flächenwidmungspläne zeichnerisch auf Papier und in einem kleinen Maßstab erfolgte, finden sich nach der Übernahme ins GIS immer wieder konstruktionsbedingte Ungenauigkeiten, die beispielsweise in Form einer geringfügig über eine Grundstücksgrenze hinausreichenden Widmung vorliegen und
offensichtlich nicht so gewollt sind.
In solchen Fällen ist im Rahmen einer Widmungsänderung eine Korrektur angebracht. Allerdings sind Widmungen, die aufgrund einer technischen Ungenauigkeit vorliegenden, so zu behandeln, als ob sie gewollt wären. So sind im
Rahmen einer Änderung des Flächenwidmungsplanes alle jene Widmungen
taxativ aufzuzählen und planlich eindeutig zu bezeichnen, die von der Umwidmung betroffen sind. Es hat sich als taugliches Mittel erwiesen, der oben dargestellten Problematik mit einer tabellarischen Auflistung der bestehenden
sowie der beabsichtigten Widmungen inklusive deren Flächenausmaß zu begegnen. Eventuelle Überschneidungen mit Gefahrenzonen oder Landesraumplänen sind ebenso zu berücksichtigen.
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass eine gewissenhafte
und detailgenaue Durchführung von Änderungen des Flächenwidmungsplanes letztlich im Sinne der Gemeinde und der betroffenen Bürger ist. Aus diesem Grund wurden die vorliegenden Vordrucke und Übersichtsdarstellungen
erarbeitet. Unsicherheiten in der Handhabung und etwaige spätere Anfechtungen, die oft mit erheblichem zusätzlichem Aufwand verbunden sind, lassen
sich bei Anwendung der zur Verfügung gestellten Hilfsmittel weitestgehend
vermeiden. Es wird insbesondere darauf hingewiesen, dass eine dem Zweck
entsprechende genaue planliche Darstellung in einem geeigneten Maßstab
von großer Bedeutung ist. Die Änderungen sind daher planlich so darzustellen, dass eine eindeutige Nachvollziehung gut möglich ist.
20
https://www.vorarlberg.at/pdf/hilfestellungundtippsbeia.pdf
Zugriff am 15.10.2015
25
https://www.vorarlberg.at/pdf/hilfestellungundtippsbeia.pdf
Zugriff am 04.10.2015
21
Im Walgau, Gemeinden gemeinsam, Regionalentwicklung 2009 – 2011, Zitat Seite 29
26
https://www.vorarlberg.at/vorarlberg/bauen_wohnen/bauen/raumplanung/weitereinformationen/instrumenteundverfahren/flaechenwidmungsplan/leitfadenzuraenderungdesf/
wichtigeinformationen.htm
Zugriff am 04.10.2015
22
http://www.vorarlberg.at/archiv/umweltschutz/biotopinventar/Schnepfau.pdf
Zugriff am 04.10.2015
Bildquellen
23
https://www.vorarlberg.at/vorarlberg/bauen_wohnen/bauen/raumplanung/weitereinformationen/instrumenteundverfahren/flaechenwidmungsplan/allgemeineszumflaechenwid/
bauflaechen/flaechen_diegrundsaetzlic.htm,
Zugriff am 14.10.2015
24
https://www.vorarlberg.at/vorarlberg/bauen_wohnen/bauen/raumplanung/weitereinformationen/instrumenteundverfahren/flaechenwidmungsplan/allgemeineszumflaechenwid/
bauflaechen/bauflaechenkategorien.htm
Zugriff am 04.10.2015
Alle Fotos und Pläne ohne Nachweis
© Simon Moosbrugger
Der Entwurf
84.85
Exkurs - Bestandsaufnahme der Tischlerei Rüscher
Gelassen sitzt das über mehrere Bauetappen entstandene Gebäude am Fuße
des Südhangs in Richtung dem Ortsteils Schnepfegg. Durch die geschickte
Anordnung der Gebäudeteile am Hang, ist von der Straße aus gesehen lediglich die langgestreckte Holzbau mit Satteldach sichtbar. Dieser wird über
einen gemeinsamen Vorplatz mit einem privaten Wohngebäude eines der drei
Brüder erschlossen. Seitlich sind zur Straße hin Parkplätze sowie ein Holzlager angeordnet. Interessant ist der kleine Gießenbach, der sich dazwischen
seinen Weg weiter Richtung Dorfzentrum bahnt. Der durch die verschiedenen Baumaßnahmen entstandene heterogene und zusammengewürfelte Eindruck der gesamten Anlage kommt der maßstäblichen Integrität in das Ortsbild insgesamt zugute. Der langgestreckte zweigeschossige Hauptteil parallel
zur Straße verdeckt die Sicht auf die dahinterliegende Halle, wobei der weiß
verputzte Späne-Silo aus der Gebäudemitte markant in die Höhe ragt und
von weitem gut sichtbar ist. Während der mit vertikalen Holzlatten verkleidete
Vorderbau ein Satteldach mit Leimbindern als Tragkonstruktion besitzt, wird
die Halle dahinter stützenfrei durch ein Sheddach überspannt und wird so
trotz der ungünstigen Position im Hang ausreichend mit Tageslicht versorgt.
Außerdem verfügt sie über einen weiteren Eingang, der unter anderem der
Anlieferung neuer Maschinen ins Obergeschoß dient. Im Erdgeschoss des
vorderen Bauteils befinden sich das gesamte Holzlager sowie Anlieferung,
Garage und Räume für gebäudetechnische Anlagen. Per Lastenlift gelangen
sämtliche Waren in das Obergeschoß, auf dessen Niveau sich die eigentliche Produktion befindet. Namentlich sind das die Handwerkshalle, die Maschinenhalle, Räume für die Oberflächenbearbeitung sowie eine kleine Metallwerkstatt. Das Raumprogramm wird außerdem durch Räumlichkeiten für
Mitarbeiter sowie Büroräume erweitert. Kunden werden im Ausstellungraum
empfangen, welcher zwischen der Werkstatt und dem privaten Wohnhaus eines der drei Brüder sitzt. Dieser ist wiederum über eine Treppe mit dem Büro
im Obergeschoß des vorderen Baus verbunden. Nach Jahrzehnten des „Dranbauens“ und der daraus resultierenden räumlichen Verschachtelung ist ein
wirtschaftlicher Ablauf aufgrund des stetigen Wachstums nicht mehr möglich.
Der Entwurf
Eine Erweiterung am Grundstück erscheint ebenfalls äußerst schwierig, da
zu allen Seiten kein wirtschafliches Bauen mehr möglich ist. Es bedürfte nicht
nur einer großen Investition in den in die Jahre gekommenen Bestand, sondern auch einer grundsätzlichen Umstrukturierung des gesamten Betriebsgebäudes, um die Produktionsabläufe verbessern zu können.
96.97
Raumprogramm & Funktionsprogramm
Basis für die Flächen - sowie Raumaufstellung für das neue Gebäude war die
Bestandsaufnahme der alten Werkstatt. Dabei wurden im Vorfeld alle Flächen vermessen, sowie die räumlichen Zusammenhänge erfasst und auf ihre
Qualitäten überprüft. Dabei ging hervor, dass nicht immer das zu geringe Flächenangebot ein Problem darstellt, sondern vor allem die Fragmentierung der
verschiedenen Funktionsbereiche, die durch die zahlreichen Adaptierungen
im Laufe der Jahrzehnte entstanden ist. Durch die Verteilung der Funktionen
in verschiedenen Bereichen innerhalb des Gebäudes werden zurückgelegte
Wege länger, was den Prozess als Gesamtes unwirtschaftlich macht. Dazu
kommt erschwerend hinzu, dass sich auch der Maschinenfuhrpark im Laufe
der Zeit an die aktuellen Bedingungen anpassen muss und Maschinen heute
tendenziell immer platzintensiver werden.
Das bedeutet, dass Maschinen oft dort platziert werden müssen wo sie
platz haben und nicht dort, wo sie im Produktionsprozess sinnvollerweise
gebraucht werden. Ein weiteres Problem stellt die Mehrgeschossigkeit des
Gebäudes dar, da neben distributionellen Schwierigkeiten auch die Kommunikation unter den Mitarbeitern leidet, weil die Übersicht fehlt. So kommt man
von der Vorstellung einer einfachen Halle für eine Handvoll Maschinen sehr
schnell zu einer komplexen Entwurfsaufgabe mit speziellen Funktionszusammenhängen. Diese Problemstellung ist Ausgangspunkt für alle weitere Überlegungen für den Entwurf. Da die Anforderungen an die verschiedenen Räume
und deren Zusammenhäng extrem vielschichtig sind, ist der Austausch und
die Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft und anderen Fachleuten von Beginn an essentiell.
Aufgrund des umfangreichen Raumprogramms ist zu Beginn eine Einteilung in
die wesentlichen Bereiche sinnvoll. Dabei lassen sich sämtliche Räume grob
in fünf übergeordnete Hauptfunktionen einteilen. Der Maschinenraum bildet
zusammen mit der Handwerkstatt die größte und wichtigste Raumeinheit
des Gebäudes - die Werkhalle. An sie angedockt ist einerseits das Lager für
sämtliche massive Hölzer, Furniere und Plattenmaterialien, sowie der Bereich
für die Fertigstellung auf der anderen Seite, wo sich auch die Oberflächenbearbeitung befindet. Als vierter Bereich ist die Administration zu nennen, in
dessen Einheit sich auch der Ausstellungsraum sowie Mitarbeiterbereiche
befinden. Alle Einrichtungen der Technik befinden sich gesammelt im Untergeschoß. Der Entwurf kommt dem Wunsch der Bauherrschaft nach, den
gesamten Produktionsprozess auf Erdgeschossniveau zu organisieren. In
Bereichen in denen die erforderlichen Raumhöhen eine Mehrgeschossigkeit
erlauben, wird dies ausgenützt, um Volumen und somit Kosten für den Bau,
den Betrieb und den Erhalt des Gebäudes einzusparen. Durch die ökonomischen und funktionalen Grundgedanken die diesem Entwurf zugrunde liegen,
erhalten die einzelnen Räume
Werkhalle
Fertigstellung
Maschinenraum
1120 m²
Handwerkstatt
370 m²
Garage
80 m²
Manipulation
95 m²
Blum Beschläge
45 m²
Schleifraum
45 m²
Trockenraum
120 m²
Fertigstellung
125 m²
WC I Dusche I Damen
15 m²
WC I Dusche I Herren
25 m²
Kehricht
10 m²
Eingang
38 m²
Fertigteillager
50 m²
Zwischenlager
100 m²
Lack I Lager
75 m²
Schleifraum Werkzeuge
20 m²
Abstellraum
Rohstofflager
Administration
610 m²
Massivholzlager OG
260 m²
Plattenlager
205 m²
Ausstellungraum
280 m²
Aufenthaltsraum mit Teeküche
Atrium
50 m²
190 m²
Besprechungsraum
50 m²
Erschliessung
35 m²
Abstellraum
5 m²
Zeichensaal
160 m²
Administration
Technik
10 m²
Massivholzlager EG
Hacker
95 m²
45 m²
Silo
100 m²
Massivholzlager
370 m²
Heizung
30 m²
Puffer
45 m²
Sonderlager
15 m²
gesamte Nutzfläche (netto)
verbaute Grundfläche
4888 m²
3180 m²
Der Entwurf
98.99
ihren Charakter, indem sie ihren Funktion nach Dimensioniert sind und durch
ihre Maßstäblichkeit intuitiv lesbar sind. Es ist außerdem ein Versuch, Räume so speziell wie nötig, aber so allgemein wie möglich auszuformulieren,
um zukünftig eine Mehrfachnutzung gewährleisten zu können. Dem neuen Raumprogramm wurden Flächen hinzugefügt, die für den reibungslosen
Ablauf notwendig sind. Es sind universell einsetzbare Zwischenlager oder
Pufferräume, die zu Stoßzeiten dafür sorgen, dass der Betrieb nicht ins Stocken gerät. Bei Bedarf kann dort auch Produktion stattfinden. Garderoben
für Mitarbeiter sind nach aktuellem Gesetz mit Duschen ausgestattet und
ebenfalls im Raumprogramm enthalten. Ziel des Entwurfs ist die Schaffung
einer Betriebsstätte, deren Aufenthaltsqualität sämtliche Benutzer nachhaltig animiert, ihr Handwerk in einer hohen Qualität weiter auszuüben.
Die Architektur kann mit einer angenehmen und spannungsvollen Atmosphäre dazu maßgeblich beitrage. Das Gebäude soll außerdem jederzeit
Änderungen der Produktionsprozesse über weitere Jahrzehnte ohne Umbauten ermöglichen. Übersichtlichkeit und eine gut funktionierende Kommunikation unter allen Benutzern des Gebäudes soll sichergestellt werden.
Gebäudekonzeption
Je nach hergestellten Produkten und der persönlichen Philosophie des Tischlers können innerbetriebliche Abläufe stark zu denen anderer Betriebe variieren. Der Möbeltischler, der Stühle produziert, sucht das Holz anders (nach
anderen Kriterien) aus, lagert es anders (auf eine andere Art) und bearbeitet
es mit anderen Maschinen als jener, der Küchen baut. Dementsprechend ist
auch sein Betrieb eingerichtet und mit den dafür benötigten Maschinen ausgestattet. Dies erschwert die Suche und Analyse von geeigneten bereits vorangegangenen Projekten maßgeblich. Zwar ist die Dichte an holzbearbeitenden Betrieben in der Region und darüber hinaus sehr hoch, jedoch auch ihre
spezielle Vielfalt. Durch diese speziellen Voraussetzungen wird mit der Planung eines solchen Gebäudes auch immer Neuland betreten werden müssen.
Aus diesem Grund wurde im Rahmen zahlreicher gemeinsamer Gespräche
eine Art Produktionsprofil samt Flächenauflistung entwickelt, das als Grundlage für die Konzeption dieses Entwurfes dient.
In der Tradition des Einhofes soll nach dem Vorbild des Wälderhauses ein Gebäude entstehen, das alle Funktionen kompakt unter einem Dach beherbergt.
Mit einem klar strukturierten Grundriss, der räumlich gerade so viel wie nötig,
aber so wenig wie möglich vorgibt, soll eine innere Flexibilität im Sinne einer
Mehrfachnutzung ermöglicht werden. Jede Hauptnutzung verlangt nach unterschiedlichen Raumzuschnitten sowohl in vertikaler als auch horizontaler Ausdehnung. Dies erlaubt bei geschickter Anordnung eine komplexe Verschachtelung aller Räume in einem kompakten Volumen. Ähnlich wie beim Wälderhaus
werden erdberührende Bauteile sowie Bereiche mit erhöhtem Brandrisiko in
Massivbauweise ausgeführt. Als konstruktiven Holzschutz bieten diese den
Sockel für vorgefertigte Wand- und Deckenelemente, die zusammen mit der
Fassade aus heimischen Hölzern realisiert werden. Wer entlang der Bundesstraße an der Gemeinde Schnepfau vorbeifährt, der wird nicht schlecht
staunen ob des Neubaus auf dem Grundstück zwischen Dorfrand und dem
Naturdenkmal Burg. Doch es ist nicht die Größe des Gebäudes, die die Blicke
auf sich zieht, sondern der im ersten Obergeschoss liegende, großzügig zur
Straße hin geöffnete Schau- und Ausstellungsraum, der als Kommunikator
nach außen dient. Mit einer Breite von 33 Metern sowie einer Höhe von acht
Metern ist die auftretende Stirnfläche mit der Seitenansicht des Gasthofs
Adler oder jener der Tischlerei Beer vergleichbar. Geschickt positioniert zwischen der westseitig umliegenden Bebauung und dem dicht bewaldeten Felskopf im Osten wird die Länge von 93 Metern größtenteils verdeckt und vom
steilen Blickwinkel von Vorbeifahrenden ohnehin stark verkürzt. Somit ergibt
sich trotz der großen Dimensionen ein ausgesprochen ausgewogenes Bild.
Die Fassade vermittelt den Eindruck eines hölzernen Vorhangs, der das Gebäude mit wellenhaften Bewegungen umhüllt. Die vertikale Holzlattung aus
schlanken Lärchenstäben mit quadratischem Querschnitt, wird hinterlüftet
und in variierenden horizontalen Abständen auf einer Unterkonstruktion angebracht. Das somit entstehende Spiel aus Material und Schatten lässt einerseits den Eindruck einer Bewegung entstehen und ermöglicht andererseits
bei größeren Zwischenräumen natürliche Belichtung auf dahinterliegende
Fensterflächen. Dabei wird in Nutzungsbereiche unterschieden, welche viel
Tageslicht benötigen und andere, bei denen aufgrund der Arbeitserleichterung künstliches Licht zugeschaltet werden muss und deshalb eine Verschattung sinnvoll ist. Ebenso kann mittels vertikal verschiebbaren Ladenelementen
auf flach einstrahlende Morgen- und Abendsonne im Bereich der Werkhalle
Rücksicht genommen werden.
Zwei Kreisläufe sind maßgeblich für die Konzeption einer Werkstatt. Das ist
zum einen der des Materials, von der Anlieferung des Rohmaterials bis zur
Auslieferung des fertiggestellten Produkts und zum anderen die Wege der
Menschen, sowohl der Mitarbeiter als auch der Kunden und Lieferanten, die
das Gebäude täglich betreten. Der Weg vom Rohmaterial zum Werkstück
lässt sich grob in die drei Abschnitte Lagerung, Zuschnitt/Fertigstellung und
Oberfläche unterteilen, wobei eine klare Trennung aufgrund der Komplexität
der Produktionsabläufe nicht immer vollzogen werden kann. Jedoch erscheint
es sinnvoll, deren jeweiligen Unterabschnitte grundsätzlich zu beschreiben.
Somit gilt in der Lagerung grundsätzlich in Massivholz und industriell hergestellten Platten zu unterscheiden. Von beiden sind unterschiedlichste Arten,
Ausführungen und Möglichkeiten zur Lagerung verfügbar. Der Bereich Zuschnitt/Fertigstellung beschreibt den Abschnitt, in dem aus den Rohmaterialen sämtliche Bestandteile des fertigen Werkstücks entnommen werden
und so aneinandergefügt werden, dass Proportion und Gestalt des fertigen
Werkstücks bereits erkennbar sind. Danach erhält das Werkstück im Zuge
der Oberflächenbearbeitung seine endgültige Form, Farbe und Oberflächenbeschaffenheit. Der Weg eines jeden einzelnen Werkstückes kann variieren
und wird deshalb nicht im Detail ausgeführt. Deshalb wird hier nicht näher
auf die Produktionsprozesse der verschiedensten Werkstücke eingegangen,
jedoch lässt sich schon jetzt das eben Beschriebene in seinen groben Zügen
gut im Erdgeschoßgrundriss ablesen und nachvollziehen. Betreten wird das
Gebäude über einen breiten, überdachten Vorbereich im Südosten. Dieser
fungiert gleichsam als Verteiler die verschiedenen Bereiche der Tischlerei.
Der Entwurf
Der über den Innenhof im Obergeschoss belichtete Eingangsbereich wirkt
einladend und leitet den Besucher intuitiv nach oben. Dort angekommen,
erschließt sich ihm das ganze Geschoss auf einen Blick. Die offene Struktur rund um den Innenhof bietet Übersicht, sowohl für Kunden als auch für
Mitarbeiter und garantiert beste Belichtungsverhältnisse und höchste Aufenthaltsqualität. Während sich der Ausstellungsraum nach Süden zur Hauptstraße öffnet, richten sich die Büroräume in das Innere des Gebäudes. Beide
erhalten durch einen gemeinsamen Innenhof sehr hohe Aufenthaltsqualitäten
mit vielschichtigen Blickbeziehungen. Dieser dient außerdem der Erweiterung
des Ausstellungsraumes. Durch die spezielle Dachform der Werkhalle eröffnen sich vom Büro aus Blicke, sowohl in die Werkhalle als auch nach außen
auf das begrünte Dach und ferner auf die dahinterliegende Berglandschaft
des Bregenzerwaldes. So wird ein Blick in die Ferne von jedem Arbeitsplatz
ermöglicht.
100.101
Die Produktion ist ausschließlich ebenerdig organisiert und lässt sich in die
bereits erwähnten drei Hauptbereiche einteilen. Über den großzügigen Parkund Wendeplatz im Osten des Gebäudes erfolgen An- sowie Auslieferungen
meist über Lastkraftwagen und Transportbusse. Sämtliche Zugänge in das
Gebäude erfolgen über diesen Bereich. Das Gebäude gibt einen linearen Ablauf vor, innerhalb dessen sich das Werkstück über mehrere Arbeitsprozesse entwickelt. So bildet jeweils das Lager am einen Ende beziehungsweise
die Komplettierung und Auslieferung am gegenüberliegenden Ende einen
Abschluss. Während diese Bereiche zwei- oder mehrgeschossig organisiert
sind, ist die dazwischen eingespannte Werkhalle überhöht und bietet so komfortabel Platz für große Maschinen und deren Kanäle für die Absaugung der
Späne.
102.19
Schwarzplan Gemeinde
104.105
Schwarzplan Schnepfau
106.107
1:5000
50
100
250
N
Lageplan
108.109
1:2000
20
40
1000
N
tung
Rich
Au
B200
Richtung
ße
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Alte Ha
B 200
Bregenzerache
u
Mella
tung
Rich
Situation
Efh le
VKW
01
Parkplatz
114.115
Tischlerei Rüscher
tru
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Do
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,0
Ri
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tu
n
737
5
7,
73
8,
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73
eerst.
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Holzlager
5
8,
73
Stadel
Wendeplatz
739,0
739,5
Stall
74
0,
0
740
,5
741,0
1:1000
10
20
50
N
Erdgeschoss
12
01
116.117
A
B
C
08
15
20
07
09
01
02
10
11
06
14
12
03
13
04
A
B
C
D
E
01
02
03
04
05
06
07
08
09
10
11
12
13
14
15
16
17
18
05
Anlieferung Holz
Maschinenhalle
Anlieferung Fertigteil
Hauptzugang
Gargage I Auslieferung
80 m²
Garage
95 m²
Manipulation
Blum Beschläge
45 m²
45 m²
Schleifraum
Trockenraum 120 m²
Fertigstellung 125 m²
15 m²
Wc I Dusche I Damen
10 m²
Kehricht
25 m²
Wc I Dusche I Herren
38 m²
Eingang
50 m²
Fertigteillager
Zwischenlager 100 m²
75 m²
Lacklager
20 m²
Schleifraum
10 m²
Abstellraum
Handwerkhalle 370 m²
Maschinenhalle 1120 m²
Massivholzlager 610 m²
16
20
D
E
Lagerschränke CNC-Werkzeuge, Ersatzmesser
17
18
1:500
5
10
25
N
Obergeschoss
12
01
118.119
04
05
08
190
03
07
01
02
Ausstellungsraum 280 m²
01
02 Augenthaltsraum I Teeküche
50 m²
Innenhof 190 m²
03
04
50 m²
Besprechungsraum
Erschliessung
05
35 m²
Abstellraum
06
05 m²
Zeichensaal 160 m²
07
08
95 m²
Administration
Lager Massivholz 260 m²
09
Plattenlager 205 m²
10
06
20
10
09
1:500
5
10
25
N
Untergeschoss
120.121
01
02
03
04
05
06
Hacker
45 m²
Silo horizontal 100 m²
Massivholzlager 370 m²
30 m²
Heizung
45 m²
Puffer
15 m²
Sonderlager
06
05
03
01
04
02
1:500
5
10
25
N
Quer - und Längsschnitt
DORFZENTRUM
DORFZENTRUM
122.125
SCHNEPFEGG
SCHNEPFEGG
+ 7.10
BURG
± 0.00
+ 7.10
BURG
DACHTERRASSE
DACHTERRASSE
± 0.00
+ 7.10
KANISFLUH I B200
± 0.00
+ 7.10
1:500
5
1:500
5
KANISFLUH I B200
10
25
± 0.00
10
25
Südwest und Südost
BURG
BURG
128.129
SCHNEPFEGG
SCHNEPFEGG
DORFZENTRUM
DORFZENTRUM
KANISFLUH I B200
KANISFLUH I B200
1:500
5
10
25
1:500
5
10
25
Nordost und Nordwest
DORFZENTRUM
DORFZENTRUM
130.131
BURG
BURG
1:500
5
10
25
1:500
5
10
25
Detail
1
2 3 4
5
+7.22
6
7
8
+ 6.50
RH = 2.80
134.135
9 10 11 12
13
24 25 26 27
+ 3.70
+ 3.25
14
15
16
RH = 3.25
17
19 20 21 22 23
±0.00 = 738 m ü. A.
18
1
2
3
4
5
6
7
8
Lattung Lärche, horizontal, 5 x 5 cm, a = 15 cm
Unterkonstruktion Lattung + Punkthalterung
EPDM Abdichtungsbahn
Steinwolle-Dachdämmplatte
KLH Decke
abgehängte Decke, Täfer in Esche
mit Dämmeinlage Steinwolle
Abdeckblech Kupfer
Dreifach-Isolierverglasung
Vorhang, elektrisch
9
10
11
12
13
14
15
16
17
Dielenboden, Esche
Heizestrich, schwimmend
PE-Folie
Stahlbetondecke
Lattung Lärche, vertikal, 5 x 5 cm,
a = 9/12/15 cm
Winddichtung
Steinwolle + Unterkonstruktion
Dreifach-Isolierverglasung, Dreh-Kippflügel
Schutzblech, Kupfer
31
28 29
30
32 33 34 35
1:50
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
Betonfeder
geschliffener Heizbeton, bewehrt, Weißzement
EPS Dämmung
Bitumenabdichtung
Bodenplatte, WU Stahlbeton
XPS Dämmung
Lattung Lärche, horizontal, 2,5 x 12 cm
Unterkonstrutkion Lärche + Punkthalterung
EPDM Abdichtungsbahn
XPS Dämmung
28
29
30
31
32
33
34
35
0.5
1
Gitterrost, Raster 25x25 mm
Rinne, beheizt
Absaugung Sägespäne
Lattung Lärche, vertikal mit Zwischenraum
für Wartung
Rigol
Asphaltbelag
zementgebundener Schotter
Frostkoffer
2.5
Der Entwurf
Bildquellen
102
Arbeitsmodell 1:100
85
Bestandsgebäude mit Vorplatz
Westansicht
110 + 112 + 113
86
Ausstellungs - und Besprechungsraum mit
Eingang
Massenmodell 1:500
Vogelansichten
124
140.141
87
Büroplätze für Mitarbeiter
Arbeitsmodell 1:100
88
Spritzraum mit Absaugung und Gitterboden
126
Arbeitsmodell 1:100
Handwerks - und Maschinenhalle im Schnitt
89
Handwerkshalle für Fertigstellung + Zwischenlager
90 + 91
Maschinenhalle mit Scheddachkonstruktion
Frontal von Süden
132
Perspektive aus Südosten
136
Arbeitsmodell 1:100
o: Schauraum, u: Atrium OG
92 + 93
Lager für Furnier und Massivholz
137
Arbeitsmodell 1:100
94
Erschließung mit Lastenlift im Durchgang
interene Erschließung für Mitarbeiter
138
95
Garage + Zuschnitt + Manipulation + Lager
Arbeitsmodell 1:100
101
Alle Fotos und Pläne ohne Nachweis
© Simon Moosbrugger
Arbeitsmodell 1:100
o: Teilansicht Ost
u: Schnittansicht Büro + Fertigstellung
Maschinenhalle
Danksagung
142.143
Ich möchte diese Möglichkeit zum Anlass nehmen, mich bei einer Reihe von
Personen zu bedanken, ohne dessen Unterstützung mein Weg nicht nur sehr
beschwerlich, sondern unmöglich gewesen wäre. Die letzten Jahre waren
sehr abwechslungsreich und wurden von einer Vielzahl unterschiedlichster
Eindrücke geprägt, die außerordentlich lehrreich für mich waren. Dafür möchte ich meinen Dank aussprechen.
Dieser gilt zuallererst meinen Eltern, die mir freie Hand bei all meinen Entscheidungen gegeben haben. Diese Freiheit wurde nicht zuletzt auch durch
die große finanzielle Unterstützung ermöglicht und das Vertrauen, dass ich
sie - wenigstens halbwegs - zweckmäßig einsetzte. Ich hoffe, dass ich dieses
Vertrauen eines Tages so weitergeben kann, wie ich es von ihnen erfahren
habe. Mit dem Institut für Gestaltungslehre und Entwerfen hat Prof. András
Pálffy eine Umgebung geschaffen, in der ich nicht nur meinen Platz in den
Weiten der Technischen Universität Wien gefunden habe, sondern an dem
sich mir durch sein persönliches Engagement viele Türen geöffnet haben.
Nicht vergessen möchte ich an dieser Stelle auch sein Team, das mich in
den letzten Jahren begleitet und betreut hat. Parallel zur universitären Lehre
durfte ich seit 2008 regelmäßig in Architekturbüros arbeiten, wobei ich erste
Erfahrungen bei Dietrich I Untertrifaller Architekten sammeln konnte, bevor
ich über mehrere Jahre bei Bernardo Bader Architekten eine Atmosphäre
erleben und mitgestalten durfte, die mein Denken über Architektur nachhaltig positiv beeinflussen wird. Ein besonderer Dank gilt dabei auch Sven Matt,
dessen Geschick und kollegiale Art ich sehr zu schätzen weiß. Meinen Bauherren möchte ich für die Möglichkeit danken, die nur wenigen Studenten zuteil wird. Nämlich eine Diplomarbeit nicht aus fiktiven Anforderungen zu erarbeiten, sondern aus ganz speziellen und realen Problemstellungen. So war es
möglich, diese Arbeit in ihrer vorhandenen Dichte auszuarbeiten. Es war kein
leichtes Unterfangen, aber ein wichtiger und äußerst interessanter Prozess.
Zu guter Letzt einen lieben Dank an alle meine StudienkollegInnen, die mich
sowohl an der Universität als auch im Atelier in der Wällischgasse begleitet,
gefordert und gefördert haben.
Simon Moosbrugger
Persönlich geführte Gespräche
144.145
/ András Pálffy, Inge Andritz
(Institut für Gestaltungslehre, TU Wien)
/ Andreas Voigt
(Institut für örtliche Raumplanung, TU Wien)
/ Lorenz Schmidt (Land Vlbg, Abt. Vlla Raumplanung)
/ Heinz Tesar (Architekt)
/ Sven Matt (Architekt)
/ Markus Innauer (Architekt)
/ Gebhard Rüscher
/ Heinz Rüscher
/ Anton Rüscher
/ Christian Rüscher
/ Nicki Rüscher
/ Richard Rüscher
/ Oliver Rüscher
(Tischlerei Rüscher GmbH)
/ Josef Moosbrugger
(Bürgermeister der Gemeinde Schnepfau)
/ Wolfgang Huber (Brandschutz)
/ Lothar Heinrich (Tragwerksplaner)
/ Roland Gnaiger (Architekt)
/ Pius Kaufmann (Tischlermeister)
/ Michael Marte (Grafiker)
/ Peter Bauer (cand. arch. TU Wien)
/ Walter Fritz (Institut für Kunst und Gstl., TU Wien)
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