Konkurrenz zwischen Parteien

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Soziologisches Institut der Universität Zürich
Herbstsemester 2011
Seminar: Soziologie der politischen Parteien
Dozent: Prof. Dr. Hans Geser
Kilian Koch
20.10.2011
Konkurrenz zwischen Parteien
Text: Black,Gordon S. (1974): Conflict in the Community: A Theory of the Effects of Community Size, in: American Political Science Review 6, pp. 1245 – 1261.
Allgemeine Probleme der Konfliktforschung:

Einseitige Betrachtungen:
o Primär gewalttätige Auseinandersetzungen
o Nur grosse Städte
Daraus folgt:
 Wenig Wissen über die Effekte von nicht gewalttätigen Konflikten (üblicherweise bei
Konflikten zwischen Parteien)
 Wenig Informationen, ob und wie die Art der Gruppe die Konfliktform beeinflusst
Theoretische Grundlagen
Simmel/Coser:
Drei Grundannahmen über Charakteristik von unterschiedlich grossen Gemeinschaften:
1. Je grösser eine Gemeinschaft ist, desto mehr unterschiedliche soziale Elemente beinhaltet sie.
2. Art der Interaktionen innerhalb einer Gemeinschaft ist bestimmt durch Grösse der
Gruppe:
 Kleine Gruppen: Interaktionen sind häufig, direkt, affektiv aufgeladen und diffus  emotionale Beziehungen
 Grosse Gruppen: Interaktionen sind weniger häufig, indirekter, emotional neutraler und spezifischer  Funktional spezifische Beziehungen
3. In kleinen Gruppen sind Personen stärker in Gruppenaktivitäten involviert als in grossen Gruppen.
Implikationen für Häufigkeit und Intensität von Konflikten in Abhängigkeit der Gruppengrösse:
1. Kleine Gruppen: Weniger häufig Konflikte, Intensität hoch
o Wenig verschiedene Elemente mit unterschiedlichen Interessen, aber nähere
Beziehung bietet grössere Reibungsfläche; Konflikte werden Unterdrückt fallen dann aber Intensiver aus, da Individuum durch Beziehungsform stark davon erfasst wird
2. Grosse Gruppen: Häufiger Konflikte, von niedriger Intensität
o Viele verschiedene Elemente mit unterschiedlichen Interessen steigert Konflikthäufigkeit; Konflikte bleiben aber aufgrund der funktional spezifischen
Beziehungen moderat.
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Rationalistische Theorie:
Grundannahme gleich wie in der Theorie von Simmel/Coser:
 Je Grösser eine Gemeinschaft ist, desto heterogener ist die Meinungsvielfalt dieser
Gruppe.
o Jedoch keine einfache lineare Beziehung
 Meinungsvielfalt abhängig von Subgruppen/Minderheiten: z.B. ethnisch,
berufsbezogen oder religiös; Basis der Bildung von Bündnissen
Grösse verbunden mit Anzahl Minderheiten und damit mit der Vielfalt von politischen
Präferenzen
Anzahl Minderheiten wirken auf zwei Arten der politischen Kalkulation:
1. Kosten die Individuen oder Gruppen aufwenden müssen, um andere Gruppen zu mobilisieren. Political mobilization cost
2. Unsicherheit die eigenen Ziele verwirklichen zu können. Expected political risk
Political mobilization cost:
 Zentrales Problem des politischen Lebens: Organisation von Bündnissen um politische
Ziele zu erreichen.  Kostenaufwendig (Zeit, Geld)
 Drei Thesen:
1. Je grösser eine Gemeinschaft von Personen ist, desto grösser ist die Anzahl unterschiedlicher Gruppen, Fraktionen und Minderheiten.
2. Die erwarteten Kosten zur Mobilisierung für eine kollektive Handlung steigt
mit zunehmender Anzahl Gruppen, Fraktionen und Minderheiten.
a. Wenn Informationsstand der Bürger mit steigender Grösse abnimmt, dann
nehmen die Mobilisierungskosten pro Organisationseinheit leicht zu.
b. Wenn die Beteiligung der Bürger mit steigender Grösse abnimmt, dann
nehmen die Kosten pro Organisationseinheit leicht zu.
 aus a. und b. folgt, dass der Kostenaufwand zu Mobilisierung mit steigender
Anzahl von Gruppen exponentiell steigt.
Expected political risk:
 Zwei weitere Thesen:
3. Je mehr Gruppen in einer Gemeinde vorhanden sind, desto kleiner fällt die
Kosten-Nutzendiffernz für die einzelnen Konfliktparteien aus.
4. Je mehr Gruppen in einer Gemeinschaft vorhanden sind, desto kleiner ist die
Wahrscheinlichkeit, dass eine einzelne Person oder Gruppe einen wahrnehmbaren Effekt auf den Konflikt hat.
 Intensität eines Konfliktes steht in negativer Beziehung zur Anzahl der Gruppen.
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Konflikttypologie

Typologie aus den beiden Theorien:
o Pluralistische Grossstadt: Mobilisierung
zentral
 Häufige aber nicht intensive Konflikte
o Homogene Kleinstadt: Affirmation
 Kaum Konflikte; Intensität irrelevant.
o Heterogene Kleinstadt: Unmut
 Häufig Konflikte mit starker Intensität
Quelle: Black 1974, S. 1250.
Empirische Evidenz
Partizipation:
Hypothese: Beide Theorien besagen, dass mit zunehmender Grösse einer Gemeinschaft die
Partizipation an einem Konflikt (hier Wahlen) abnimmt.
 Zusammenhang kann bestätigt werden, jedoch sind mit der rationalistischen Theorie noch
weitere Aussagen möglich:
 Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Individuum einen signifikanten Einfluss auf das
Wahlergebnis hat, erhöht sich, wenn die Wahlen knapp ausfallen, womit also auch die
Partizipation steigen müsste.
 Stark positive Korrelation zwischen einer knappen Wahl und der Partizipation in grossen Städten. In kleinen Städten, wo Beteiligung schon hoch ist, fällt der Zusammenhang
kleiner aus.
 Zudem nimmt Wahlbeteiligung in grossen Städten mit steigender Anzahl Kandidaten
ab, in kleinen Städten jedoch zu.
 In grossen Städten nehmen Informationskosten zu; in kleinen Städten ergibt sich eine
grössere Auswahl & einzelne Gruppen können differenzierter angesprochen werden.
Aufkommen von Konflikten:
Hypothese: Mit steigender gesellschaftlicher Heterogenität nimmt die Konflikthäufigkeit zu.
 In grossen Städten, die üblicherweise heterogener sind, gibt es häufiger Konflikte
 In kleinen homogenen Städten kaum Konflikte; in kleinen heterogenen Städten häufig
Konflikte
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Politische Mobilisierung:
Hypothese (rationale Theorie): Grösse steht in einem positiven Zusammenhang mit dem Mobilisierungsaufwand und Effektivität der Mobilisierung in grösseren Städten höher.
 Stark positiver Zusammenhang zwischen Ausmass des Wahlkampfes und der Grösse
der Stadt.
 In grossen Städten hat der Wahlkampf auch eine grössere Effektivität.
Intensität von Konflikten:
Hypothese (für beide Theorien): In kleinen heterogen zusammengesetzten Gemeinschaften
fallen Konflikte am intensivsten aus (vgl. Typologie).
 Auf drei Arten gemessen: Feindseligkeit zwischen Kandidaten, Abwahl von Amtsträgern und Ablehnung von einzelnen Gruppen
o Grösse der Gemeinschaft zeigt kaum Effekte auf die Intensität eines Konfliktes
(Wahlkampfes)
 Eine Ausnahme bildet die Ablehnung von einzelnen Gruppen, dies
kann darauf zurückgeführt werden, dass in grossen Städten mehr Gruppen an einer Wahl beteiligt sind und es somit auch wahrscheinlicher
wird eine spezifische Gruppe abzulehnen.
o Knappe Wahlen besitzen einen positiven Einfluss auf die Intensität des Wahlkampfes
o Jedoch ist der Effekt einer knappen Wahl auf die stärke des Konfliktes wesentlich stärker in kleinen Städten als in grossen
Anstreben von Wiederwahlen
Hypothese (rationale Theorie): Da in Grossen Städten Investitionen für eine Wahl hoch waren, streben Amtsträger eine Wiederwahl an. Ist jedoch das Ergebnis einer Wahl knapp, so
nehmen, aufgrund des steigenden Risikos einer Niederlage, die Bestrebungen einer Wiederwahl in grossen Städten ab.
 In grösseren Städten bestehen tendenziell eher Bestrebungen zur Wiederwahl als in
kleinen Städten.
 Knappe Wahlen haben in kleinen Städten keinen Effekt auf die Teilnahme an der
Wiederwahl; in grossen Städten jedoch stark negativer Zusammenhang
Fazit

Grundsätzliche Annahmen beider Theorien können bestätigt werden. Was nun?
o Drei Punkte, die für die rationalistische Theorie sprechen:
 Kann auf eine grössere Anzahl von Phänomenen angewendet werden
 Besitzt ein höheres Grad an Spezifität
 Hypothesen können klar von Grundannahmen abgeleitet werden
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