Handreichung für Unterricht | zum

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Inhalt
Das Konzert…………………………………………………………………….…………….3
Inhaltsangabe………………………………………………………………………………...4
Lieder zum Mitsingen………………………………………………………….…………….7
Der Komponist Henrik Albrecht………………………………………………………...…12
Wer war Jules Verne?................................................................................................13
Der historische U-Boot-Kontext……………………………………………...……………18
Unter Wasser mit Prof. Mathias Hafner………………………………………………….19
Bilder zum Anmalen………………………………………………………………………..22
Quellenverzeichnis…………………………………………………………………...…….25
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Das Konzert
20.000 Meilen unter dem Meer
„Im Jahre 1866 erregte eine seltsame
Naturerscheinung erhebliches Aufsehen. Wo
auch immer Menschen zusammenkamen waren
Gespräche über ein Seeungeheuer zu hören.“
Jules Verne
Im Juli nimmt das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR (RSO) gemeinsam mit
dem SWR Vokalensemble Stuttgart (VE) alle kleinen und großen Science-FictionLiebhaber mit auf eine Abenteuerreise durch fantastische Unterwasser-Klangwelten.
Kommen Sie an Bord einer Expedition und begleiten Sie den wissensdurstigen
Professor Aronnax und den impulsiven Walfänger Ned Land auf ihrer Suche nach
dem ominösen Seeungeheuer. Werden Sie Zeuge wie sich das gesuchte Ungeheuer
als U-Boot Nautilus entpuppt und dessen unheimlicher Kapitän Nemo Professor
Aronnax und Ned Land gefangen nehmen lässt. Begleiten Sie dann die Besatzung
der Nautilus auf ihrer Reise von 20.000 Meilen durch die Tiefen der Weltmeere.
Entdecken Sie Fische in den schillerndsten Farben, Seeeschlangen, Zitterrochen,
Seepferdchen, Quallen, versunkene Schätze, verfallene Schiffswracks, Korallenriffe
und natürlich begegnen Sie auch einem echten Seeungeheuer.
Dass es eines Tages möglich sein würde unter Wasser zu reisen, diese Idee
verfolgten schon Alexander der Große und Leonardo da Vinci. Der französische
Schriftsteller Jules Verne, auch bekannt als der „Vater der Science-fiction“, hat die
naturwissenschaftlichen und technischen Überlegungen seiner Zeit in seinem Roman
20.000 Meilen unter der Meer festgehalten. Eine unerhörte Sensation, damals im 19.
Jahrhundert. Heute, im Jahre 2013, gibt SWR Young CLASSIX diesem Klassiker der
Weltliteratur ein neues, musikalisches Gesicht. Der Komponist Henrik Albrecht, der
bekannt ist für seine preisgekrönten Kinderhörspiele, vertonte im Auftrag des SWR
Jules Vernes Roman.
Die Uraufführung findet am Donnerstag, den 4. Juli im Rahmen eines Schulkonzertes in Mannheim statt.
Für interessierte Schulklassen gibt es die Möglichkeit vor dem Konzert eine
spannende Einführung in die Unterwasserwelt zu besuchen (Ein Angebot aus dem
Fächerbund: Mensch-Natur-Kultur; Näheres auf Seite 19).
Prof. Mathias Hafner, Direktor am Institut für Medizintechnik an der Universität
Heidelberg und Leiter des Institutes für Molekular- und Zellbiologie an der
Hochschule
Mannheim,
wirft
gemeinsam
mit
den
Kindern
einen
naturwissenschaftlichen Blick auf die auch heute noch kaum erforschte Tierwelt in
den dunklen Meerestiefen.
(Anmeldung unter: [email protected] oder [email protected])
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Die Stuttgarter Premiere gibt es dann am Samstag, den 6. Juli im Theaterhaus. Ab
10 Uhr lädt das RSO gemeinsam mit dem VE zur Einstimmung auf das Konzert ein.
Auch hier gibt es die faszinierende Unterwasser-Einstimmung mit Prof. Hafner aus
Mannheim und alle lernen ein schwungvolles Seemannslied, das später im Konzert
gemeinsam mit den Sängern und den Musikern aufgeführt wird. Im Anschluss an die
Veranstaltung gibt es die Möglichkeit die Profis des RSO persönlich kennen zu
lernen und selbst Unterwasserklänge auszuprobieren. Auch Sprecher Malte Arkona
wird sich unters Volk mischen.
Wie gesagt, nicht nur zum Zuhören, sondern auch zum Mitmachen lädt dieses
Konzert ein. Die Lieder zum Mitsingen finden Sie auf Seite 7 und auf unserer
Homepage swryoungclassix.de. Hier gibt es auch die Audio-Hörbeispiele,
eingesungen vom Komponisten selbst.
Wer das außergewöhnliche Unterwasser-Spektakel mit seinen Schülern live erleben
will, die Schülerkonzertkarten zum Preis von 5 bzw. 4,50 Euro können Sie beim
SWR2 KulturService bestellen, unter:
07221 300 200 oder [email protected]
Inhaltsangabe
Personen:
Prof. Pierre Aronnax
Meeresforscher
Ned Land
Harpunierer auf dem
Schiff „Abraham
Lincoln“ *
Nemo
Kapitän des
Unterseeboots
„Nautilus“
* Der Schiffsmann, der die Harpune bedient, ist
der Harpunierer.
Die Harpune ist ein Wurfspeer mit Widerhaken,
der bei der Jagd auf große Fische und speziell
beim Walfang auch heute noch verwendet wird.
Ned Land
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In der musikalischen Erzählung 20.000 Meilen unter dem Meer - nach dem
gleichnamigen Roman von Jules Verne - lässt der Komponist Henrik Albrecht neben
dem Chor und dem Orchester zwei Schauspieler mit Sprechrollen auftreten.
Die Hauptperson, der Meeresforscher Professor Pierre Aronnax, erzählt in zehn
kurzen Kapiteln von seiner gefährlichen Expedition im Jahr 1867. Von der Regierung
beauftragt, soll er an Bord des Schiffes „Abraham Lincoln“ den Grund für den
Untergang mehrerer Schiffe herausfinden. Die Zeitungen des Jahres 1867 berichten
von einem riesigen und unglaublich schnellen Seeungeheuer, das in verschiedenen
Ozeanen gesichtet wurde.
1. Kapitel
Professor Pierre Aronnax freundet sich an Bord der „Abraham Lincoln“ mit Ned Land
an, der sich als bester Harpunier „weit und breit“ vorstellt. Prof. Aronnax will Ned
davon überzeugen, dass er das fremde Tier nicht töten soll, doch Ned hält dies für
seine Pflicht.
2. Kapitel
Nach zwei Monaten vergeblicher Suche langweilt sich die Mannschaft. Plötzlich
tauchen aber in einem halben Kilometer Abstand zwei gelb leuchtende Punkte, die
Augen des Seeungeheuers, auf und nähern sich so schnell, dass es zwischen der
„Abraham Lincoln“ und dem Ungetüm zu einem Zusammenstoß kommt. Prof.
Aronnax wird durch den Aufprall ins Wasser geschleudert. Ned springt ihm nach, um
ihn zu retten. Die manövrier-unfähige „Abraham Lincoln“ treibt ab. Ned und Prof.
Aronnax scheinen im Ozean ertrinken zu müssen.
3. Kapitel
Ned sucht nach einer Rettung und erkennt, dass das, was er für die Augen des
Untiers gehalten hatte, in Wahrheit kein Lebewesen sein kann. Er schwimmt mutig
darauf zu. Tatsächlich öffnen sich die leuchtenden Punkte und die Luken eines
geheimnisvollen U-Bootes von gigantischen Ausmaßen werden sichtbar. Der Kapitän
des U-Bootes, Kapitän Nemo, nimmt die Schiffbrüchigen auf.
4. Kapitel
Ned und Prof. Aronnax müssen an Bord des U-Bootes „Nautilus“ erkennen, dass sie
Gefangene Kapitän Nemos sind, solang sie leben. Der Kapitän ist so sehr von einem
dunklen, geheimnisvollen, persönlichen Schicksal aufgebracht, dass er seinen
technischen Wissensvorsprung mit niemandem teilen will, um die Schätze des
Meeres nicht zu gefährden.
5. Kapitel
Für Prof. Aronnax als Wissenschaftler ist das Wunderleben unter Wasser interessant
und spannend. Eines Tages fordert Kapitän Nemo Prof. Aronnax und Ned Land auf,
bei der Ernte von Feldern am Meeres-Boden zu helfen. Ned zeigt sich bei diesem
Ausflug zum Meeresboden aber nur an den alten Goldschätzen eines gesunkenen
Schiffes interessiert und bringt diese mit an Bord der Nautilus.
6. Kapitel
Kapitän Nemo verlacht Neds Wunsch nach Gold und zeigt ihm die übervollen
Absenk-Kammern seines Schiffes. Er belehrt Ned über die wahren Werte des
Lebens, die in guten Gedanken und Essbarem liegen.
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7. Kapitel
Während an der Meeresoberfläche ein gewaltiger Sturm losbricht, taucht die
„Nautilus“ in ungeahnte Tiefen ab, und so sieht Prof. Aronnax mit Kapitän Nemo die
versunkene Stadt „Atlantis“. Prof. Aronnax versteht dadurch Nemos Liebe zum Meer
immer besser.
8. Kapitel
Beim Tauchen zur tiefsten Stelle des Meeresgrunds gerät die Nautilus zwischen die
Fangarme zweier kämpfender Riesenkraken. Nur mit größten Schwierigkeiten kann
Kapitän Nemo das Schiff zur Oberfläche zurück bringen, da die „Nautilus“ beschädigt
ist.
9. Kapitel
Ein Riesenkrake ist mit zur Oberfläche geschwommen und greift Kapitän Nemo an.
Ned kann mit seiner Harpune das Tier töten und rettet Kapitän Nemos Leben.
10. Kapitel
Ned will die „Nautilus“ endgültig verlassen, doch Nemo gibt ihn nicht frei. So bereitet
Ned heimlich ein Beiboot für die Flucht vor. Als der Kapitän noch wegen der nötigen
Reparaturen der Nautilus abgelenkt ist und zudem auf einen gefährlichen MeeresStrudel vor der Küste Norwegens zusteuert, nutzt Ned die Gelegenheit und flieht mit
dem widerstrebenden Prof. Aronnax. Sie sehen vom Beiboot aus, wie die „Nautilus“
im Sog des Strudels versinkt, und ahnen, dass sie nie wieder auftauchen wird. Ned
Land und Prof. Aronnax werden von norwegischen Fischern gerettet und grübeln
über die Geheimnisse Kapitän Nemos und die wahren Schätze des Lebens nach.
Filmtipp
Jules Vernes Klassiker „20.000 Meilen unter
dem Meer“ wurde 1954 von Disney verfilmt.
Noch heute gilt er als Kultfilm, insbesondere
wegen seiner bemerkenswerten Spezialeffekte und des außergewöhnlichen Szenenbildes des Fantasie-U-Bootes „Nautilus“.
Erstmals wirkten bekannte HollywoodSchauspieler in einem Disney-Film mit. Die
Besetzung:
James Mason:
Paul Lukas:
Kirk Douglas:
Kapitän Nemo
Professor Pierre Aronnax
Ned Land
Diese Verfilmung findet sich bei Youtube.
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Lieder zum Mitsingen
Im Konzert kommen immer wieder Lieder vor, die über und unter Wasser spielen.
Der Komponist Henrik Albrecht sowie der Dirigent Stéphane Denève laden das
ganze Publikum im Saal ein, diese Seemannslieder mitzusingen. Henrik Albrecht hat
die Lieder selbst eingespielt (siehe Anlagen) und erklärt auch, wie und wann sie
gesungen werden:
Wenn Ihr gemeinsam mit dem mutigen Harpunier Ned Land das Meeresungeheuer
fangen wollt, dann müsst Ihr unbedingt das Seemannslied ausprobieren, das die
Mannschaft auf der Abraham Lincoln singt. Das macht mutig und gibt Kraft, so ein
gefährliches Untier zu fangen.
Bevor Ihr einsetzt, singt der Chor noch ein paar Befehle, die man braucht, um ein
Schiff zu Wasser zu lassen. Dann geht's los, und Ihr könnt kräftig mitsingen.
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Wer mit Kapitän Nemo und der Nautilus die Wunderwelt unter Wasser erforschen
möchte, sollte natürlich auch das Lied singen können, das seine Mannschaft des
Öfteren in den Tiefen des Meeres anstimmt. Es besteht aus zwei Teilen.
Der erste Teil ist gesprochen und macht die Geräusche aus dem Maschinenraum der
Nautilus hörbar. Unsere Sprache kann durch den Klang der Wörter Geräusche
darstellen, und so könnt ihr vielleicht den Maschinenraum der Nautilus vor Euch
sehen, wenn Ihr diesen Teil des Liedes gemeinsam sprecht. Da stampfen die Kolben
und dampfen die Kessel, und im Nu ist man unter Wasser. Wenn Ihr Lust habt, könnt
Ihr auch dazu klatschen oder Euch Handzeichen überlegen, die das Ganze noch
mehr unterstützen. Alles ist erlaubt, solange Ihr als eine Mannschaft gemeinsam
antretet.
Der zweite Teil des Liedes wird gesungen. Hier hilft Euch im Konzert der Chor. Der
singt die einzelnen Strophen und beim Refrain "An Bord der Nautilus" setzen alle ein.
Die vierte Strophe des Liedes heben wir uns für eine besondere Stelle im Konzert
auf. Da müssen wirklich alle mitmachen. Sonst könnte unsere Geschichte böse
enden.
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Der Komponist Henrik Albrecht (*1969)
Henrik Albrecht wurde am 23.8.1969 in Köln geboren.
1991 begann er seine Studien an der Musikhochschule
Köln. Dort studierte er zunächst Klavier, später
Komposition (bei Bojidar Dimov und York Höller) und
Tonsatz (bei Johannes Schild). Diese Studien
vermittelten ihm das handwerkliche Geschick, den
Farbenreichtum des modernen Orchesters zu
beherrschen.
Er arbeitet in vielfältigsten Musikrichtungen unter
anderem als Tangomusiker, Pianist und Bandoneonist.
Neben Kompositionen für den Konzertsaal gilt seine
Liebe schon lange dem Hörspiel und der Film- und
Theatermusik. Er komponierte unter anderem die
Musik zu den Hörspielen „Bel Ami" nach Guy de
Maupassant und „Der Messias vom Stamme Efraim" nach Moische Kulbak. Im
jüngsten Donna Leon Hörspiel „Nobiltá" ist seine Musik ebenso zu finden wie in den
Komissar Montalbano Krimis von Andrea Camillieri, die der SWR produziert. Mit
Leonard Koppelmann kreierte er das erste Technicolor Breitwand Hörspiel „Die
Säulen der Erde" von Ken Follett, das erstmalig wieder seit den Goldenen Tagen des
Radios in den 50er Jahren das Orchester als Klangkörper einsetzte. Auch vertonte er
das Hörspiel „Baudolino" nach Umberto Eco.
Seit 2005 widmet er sich der von ihm kreierten Gattung des Orchesterhörspiels. Drei
Sprecher und ein Orchester erwecken in dieser Reihe klassische Stoffe der
Weltliteratur zu neuem Leben. Auf diese Weise bearbeitete er musikalisch schon die
Stoffe „Pinocchio“, „Das Gespenst von Canterville“, „Der Krieg der Knöpfe“ und
„Peter Pan". Für „Das Gespenst von Canterville“ erhielt Albrecht 2007 den
Deutschen Hörbuchpreis. 2009 erhielt „Der Krieg der Knöpfe“ den Deutschen
Hörbuchpreis als bestes Kinderhörbuch. Seine neuesten Orchesterhörspiele sind
„Alice im Wunderland" und "A Christmas Carol". Zahlreiche Orchester haben diese
Werke bereits aufgeführt.
In jüngster Zeit widmet sich Henrik Albrecht verstärkt der Oper. Aus der
Zusammenarbeit mit der von ihm mitbegründeten Literaturoper-Köln entstanden
seine drei Kammeropern „Frankenstein", „Das Bildnis des Dorian Gray" und „Die
Verwirrungen des Zöglings Törleß", die bereits erfolgreich inszeniert und aufgeführt
wurden.
Henrik Albrecht lebt und arbeitet in Köln.
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Die Arbeit an meinem neuesten Orchesterhörspiel "20.000 Meilen unter dem Meer"
hat begonnen. Ich bin überglücklich neben dem Orchester (Radio-Sinfonieorchester
Stuttgart des SWR) diesmal auch für Chor (SWR Vokalensemble Stuttgart)
komponieren zu dürfen. Ich bin nun also 20.000 Meilen unter dem Meer anzutreffen.
Der Druck in der Tiefsee ist hoch…..“
Freuen wir uns also mit Henrik Albrecht auf die Uraufführung im Juli in Mannheim
und danach in Stuttgart.
Wer mehr über Herrn Albrechts Kompositionsstil erfahren möchte, kann das jederzeit
im Internet auf seiner Website (www.henrik-albrecht.de) im „Komponierhäuserl“ tun.
Viel Spaß!
Wer war Jules Verne?
Jules Verne (1828-1905)
Jules Verne wurde am 8. Februar des Jahres 1828 in Nantes als ältester Sohn von
fünf Kindern des Rechtsanwalts Pierre Verne und dessen Ehefrau Sophie Allotte de
la Fuye geboren. Nantes war zu Lebzeiten Jules Vernes die viertgrößte Hafenstadt
Frankreichs mit 90.000 Einwohnern und weckte schon im elfjährigen Jungen die
Sehnsucht nach fernen Ländern. Die erste Biografin von Jules, eine Verwandte
seiner Mutter, behauptete, Jules habe nachts heimlich seine Kleider mit einem
Schiffsjungen vertauscht, um sich nach Indien auszuschiffen. Sein Vater habe
allerdings von der Sache Wind bekommen, und den Sohn auf halbem Weg zum
Meer eingeholt, um ihn zu Hause bei trockenem Brot und Wasser wieder zur
Vernunft zu bringen.
Jules schrieb über die Athmosphäre seiner Kindheit selber im Text „Souvenirs
d’enfance et de jeunesse“: Ich habe in einer großen Handelsstadt gelebt, die
Ausgangs- und Endpunkt vieler Reisen nach Übersee war. Ich sehe noch die Loire
vor mir mit ihren Ulmen und Brücken und überfüllten Kais, die damals noch nicht von
der Eisenbahn durchfurcht wurden, und die schwerfälligen Segelschiffe der
Handelsmarine. Im Geiste kletterte ich in ihre Wanten, zog mich hinauf zu den
Mastkörben und klammerte mich an ihre Leitplanken, um den Fuß auf ihre Decks
setzen zu können!
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Schließlich gehorchte Jules aber doch seinem Vater und studierte Jura, zuerst in
Nantes, ab November 1848 in Paris. Dort freundete er sich mit dem Schriftsteller
Alexandre Dumas dem Älteren (1802-1870) an und begann Dramen und
Opernlibretti zu schreiben, was aber dazu führte, dass er sein Jura-Studium mehr
und mehr vernachlässigte. Als sein Vater ihm deswegen Vorwürfe machte, schrieb er
an ihn in einem Brief vom 24. Januar 1849:
Weiß ich denn nicht, daß das Diplom im August bestanden sein muß und ich dann
zum Anwalt ernannt werde? Aber lieber Papa, wenn ich eine andere Laufbahn in
Aussicht hätte, […] so verliere ich doch nie ganz den Verstand. […] Denn wir wissen
ja, daß die Fülle des Glücks uns nicht im Diesseits beschieden ist, sondern die
vollständige, allumfassende Befriedigung unserer Verlangen für das Jenseits
aufgespart bleibt! […] Ich habe immer gesagt, daß ich Anwalt werde, obwohl (wie er
zugibt) die schönste Stellung, die man in der Welt haben kann, die des Schriftstellers
sei.
Am 10. Januar 1857 heiratete er die Witwe Honorine Morel, die zwei Töchter mit in
die Ehe brachte und am 3. August 1861 den Sohn Michel gebar.
Bald darauf begann Jules Verne Abenteuerromane zu schreiben und entwickelte sich
zu einem ersten Science-Fiction-Autor. Er selbst sagte über seine Einstellung zu
dieser Einstufung als „Abenteuer-Schriftsteller“ in einem Interview im Jahr 1902:
Vielleicht werden Sie überrascht sein zu erfahren, daß ich nicht besonders hochmütig
geworden bin, über Auto, U-Boot und lenkbares Luftschiff geschrieben zu haben,
bevor sie in das Reich der wissenschaftlichen Wirklichkeit eingetreten sind. Als ich in
meinen Schriften von ihnen wie von tatsächlichen Dingen gesprochen habe, da
waren sie zur Hälfte schon erfunden. Ich habe lediglich eine Fiktion aus dem
entwickelt, was in der Folge zur Tatsache werden mußte, und so ist meine Absicht
mit diesem Verfahren auch nicht das Prophetisieren gewesen, sondern
geografisches Wissen unter der Jugend zu verbreiten, indem ich es auf
größtmögliche Weise anziehend gestalte.
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Im Jahr 1863 veröffentlichte der Jugendbuch Verleger Hetzel den frei erfundenen
Entdeckungsreise-Roman „Fünf Wochen im Ballon“. Der Erfolg beim Publikum und
bei der Presse war so groß, dass Hetzel einen Vertrag mit Verne aufsetzt, in dem
Verne verpflichtet wurde, jährlich zwei Bände mit ähnlichen Thematiken zu
schreiben. Mit diesem Honorar konnte Jules Verne für sich und seine Familie ein
finanziell sorgenfreies Leben ermöglichen. In den Jahren 1869/70 entstand der
Roman „Vingt mille lieues sous les mers“ ( „20.000 Meilen unter den Meeren“) und im
Jahr 1873 der Roman „Le tour du monde en quatre-vingts jours“ („In 80 Tagen um
die Welt“), welcher auch heute noch in Frankreich auf Platz neun der am meist
verkauften Bücher steht.
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Im Jahr 1877 schrieb Jules Verne in einer Art Resignation an seinen Verleger Hetzel
als Selbsteinschätzung über seinen Schreibstil:
Auf der literarischen Stufenleiter ist der Abenteuerroman wohl niedriger eingeordnet
als der Sittenroman. Aber die Wahrheit ist, daß ich der Schöpfer eines neuen Genres
bin und einen Sonderplatz in der Literatur verdiene. Das größte Bedauern meines
Lebens liegt darin, daß ich keinen Platz in der französischen Literatur bekommen
habe.
Den Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ hielt Jules Verne zusammen mit dem
Roman „Die geheimnisvolle Insel“ (1874/75) für sein bedeutendstes Werk. Über
Kapitän Nemos Fortschrittlichkeit schrieb Jules Verne im Jahr 1903, also 33 Jahre
nach der Entstehung des Romans:
Mein misanthropischer Held Nemo, der mit der Erde nichts zu tun haben will, bezieht
seine Energie für sein Schiff aus dem Meer. Das hat eine wissenschaftliche
Grundlage, denn die See besitzt in gleicher Weise Reserven elektrischer Kraft, wie
das Festland. Doch man hat bisher noch nicht entdeckt, wie man diese Kraft
ergaunern kann.
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Kapitän Nemo, dessen Name „Niemand“ bedeutet, bleibt in der gesamten Erzählung
geheimnisvoll und Jules Verne wollte den Roman eigentlich mit dem Selbstmord der
Figur beenden. Der Verleger Hetzel, der Zeit seines Lebens großen Einfluss auf
Jules Verne hatte, ließ dies jedoch mit Hinblick auf die jungen Leser und Käufer
seiner Bücher nicht zu. So entschloss sich Jule Verne schweren Herzens diese
Änderung des Ausgangs vorzunehmen, und schrieb darüber an Hetzel:
Ich sehe schon, daß Sie von einem Burschen träumen, der so ganz anders ist als
meiner. Das ist schlimm, um so mehr, als ich absolut unfähig bin zu verwirklichen,
was ich nicht fühle. Mir war die Idee gekommen, dass dieser Unbekannte (Nemo)
keinerlei Kontakt mehr mit der Menschheit haben darf, er verzichtet auf die Erde. […]
Ach mein lieber Hetzel, sollte ich dieses Buch verhauen, wird mich nichts darüber
hinweg trösten können. Nie habe ich ein schöneres Thema in der Hand gehabt.
Eine offensichtliche Identifikation von Jules Verne liegt mit der Person des IchErzählers, Professor Aronnax vor, dessen Porträt nach einer Fotografie Jules Vernes
angefertigt worden ist. Aronnax erlebt die Reise unter Wasser in zwei Perspektiven.
Einerseits erkennt er die dunklen Machenschaften Nemos aber er verdrängt diese,
da er als Forscher den Reiz der Unterwasser-Landschaft, die Nemo ebenfalls liebt,
sehr gut versteht.
Am 24. März 1905 starb Jules Verne in Amiens, wo er 1871 für seine Familie eine
große Villa gebaut hatte, an den Folgen seiner Diabetes. Sein Sohn Michel setzte die
Herausgabe verschiedener angefangener Werke seines Vaters bis zum Jahr 1920
fort. Mit über neunzig Romanen war Jules Verne einer der produktivsten Schriftsteller
des 19. Jahrhunderts.
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Der Historische U-Boot-Kontext
1622
Der Niederländer Cornelius van Drebbel (1572-1634) baut in England ein von zwölf
Ruderern angetriebenes Untersee-Boot, mit dem er zwei Stunden lang in der
Themse fährt. Vor ihm hatte schon Leonardo da Vinci (1452-1519) über das
Problem nachgedacht und Skizzen angefertigt, aber keine praktischen Versuche
unternommen.
1653
Der Franzose de Son konstruiert in Rotterdam ein 72 Fuß langes U-Boot aus Holz,
von dem mehrere Zeichnungen überliefert sind, bei dem aber unbekannt ist, ob es
jemals funktioniert hat.
1695
Der französische Physiker Denis Papin (1647-1714) beschreibt ein würfelförmiges
Tauchboot, das er im Auftrag des Landgrafen Karl von Hessen entwickelt hat.
1717
E. Halley (1656-1742) konstruiert die erste einsatzfähige Tauchglocke.
1776
Der US-amerikanische Marineingenieur James Bushnell (1747-1824) entwickelt ein
Unterseeboot in vertikaler Eiform, genannt Turtle, in dem ein einziger Mann über eine
halbe Stunde über Luftvorrat verfügt, und das mit Handpropellern angetrieben
werden soll. In der Praxis erweist sich das Gerät jedoch als unbrauchbar.
1800
Fertigstellung der ersten Nautilus, zunächst Nautulus genannt, nach dreijähriger
Bauzeit durch den Amerikaner Robert Fulton (1765-1815) für die französische
Regierung. Es ist 6,48 cm lang und 1,94 cm breit. Über eine Stunde hinweg taucht
Fulton damit vor Le Havre. Napoleon lässt nach der Vorführung des Geräts keine
weiteren Bestellungen folgen.
1809
Die Brüder Coessin erproben mit ernüchternden Resultaten ein 8,5 m langes,
eisernes U-Boot mit dem Namen Nautile vor Le Tréport.
1821
Der Engländer Thomas Johnston erprobt auf der Themse ein 30 m langes U-Boot,
mit dem er den sterbenden Napoleon von der Insel St. Helena befreien will. Das
Projekt hat allerdings nur literarische Folgen im Roman Les Deux Étoiles von
Théophile Gautier (1811-1872).
1827
Beaudoin de Andelys führt in der Seine Versuche mit seinem Tauchboot Dauphin
aus und bleibt damit 44 Minuten unter Wasser.
1828
Jules Verne kommt in der bretonischen Hafenstadt Nantes zur Welt.
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Unterwasser mit
Prof. Mathias Hafner
Seit über 30 Jahren ist Prof.
Mathias Hafner als Meeresbiologe zu
Land und vor allem unter Wasser
unterwegs. Sein Spezialgebiet ist die
Erforschung der „Leuchtproteine aus
Meeresorganismen und ihre Anwendungen in der Zellbiologie und
medizinischen Forschung“; vereinfacht
gesagt: Mathias interessiert sich für die
Teilchen, die Fische, welchen in den Tiefen des Meeres leben, zum Leuchten
bringen. Bereits nach fünf Metern unter Wasser wird das einfallende Sonnenlicht
stark absorbiert, sodass z.B. nach zehn Metern die Farbe Rot nicht mehr
wahrgenommen werden kann. Spätestens ab 60 Metern Tiefe herrscht absolute
Dunkelheit. Um hier seine Nahrung oder seinen Partner anzulocken, haben z.B.
Fische die Gabe entwickelt, kurze Lichtblitze auszusenden. Mit Hilfe dieser
Leuchtproteine kann man in der medizinischen Forschung Prozesse und „Teilchen“
beobachten, die vorher nicht sichtbar waren.
Randbemerkung:
Die Leuchtproteine werden aber keinesfalls dem Menschen verabreicht. Ein Künstler hatte sie
allerdings für ein lebendes Kunstwerk eingesetzt: ein grün leuchtendes Kaninchen
(http://www.netzeitung.de/default/202413.html?Leuchtendes_Gentech-Kaninchen_gestorben).
Zahlreiche Expeditionen im Rahmen seiner Forschung führten Mathias zum Pazifik,
dem Indischen Ozean, in die Karibik und zum Mittelmeer. Mit seiner Erfahrung von
über viertausend Tauchgängen wirkte er bei TV-Produktionen des WDR in
beratender Funktion mit. Außerdem wurden schon mehr als einhundert
wissenschaftliche Publikationen von ihm veröffentlicht. Seit 2006 ist er Direktor am
Institut für Medizintechnologie der Universität Heidelberg und der Hochschule
Mannheim.
Beim SWR Young CLASSIX Konzert 20.000 Meilen unter dem Meer führt er die
jungen Zuhörer mit Bildern, Filmen und Erzählungen in die faszinierende
Unterwasserwelt ein, die Jules Verne u.a. zu seinem gleichnamigen AbendteuerRoman inspirierte. Die Kinder erfahren, dass tief unten im Meer eine Lebenswelt
existiert, die größer ist, als die bewohnbare Landfläche der Erde, in der bizarre
Lebewesen überleben können und die bislang nur von drei Personen ertaucht
worden ist.
Was hat sich als Wahrheit erwiesen, oder was ist Fiktion in Jules Vernes Roman?
Gibt es den Riesenkraken wirklich? Diesen Fragen geht Prof. Mathias Hafner nach.
Seine Einführung findet jeweils in Mannheim (Anmeldung erforderlich; siehe Seite 3)
und in Stuttgart (im Foyer des Theaterhauses) von 10.00-10.30 Uhr statt.
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So sieht die Unterwasserwelt bei Mathias Hafners Tauchgängen aus:
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links:
Die ersten Taucheranzüge mit der
Taucherglocke.
Die Taucherglocke ist hier eine Art
Helm, der mit Luft gefüllt ist und durch
sein Gewicht dem Taucher das
Absinken auf den Meeresgrund
ermöglicht.
unten:
Die Unterwasserwelt, wie sie sich
Jules Verne vorgestellt hat.
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Bilder zum Anmalen
Da die Originalbilder aus Jules Vernes Roman leider nur schwarz-weiß sind, gibt es
hier die Möglichkeit, seine eigene, bunte Unterwasserwelt zu gestalten.
Viel Spaß dabei!
Die Bilder stammen aus dem Kinderbuch:
22
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24
Quellenverzeichnis
Bildnachweis
Seite 3
SWR Grafik
Seiten 4, 6, 9, 19, 20
Illustrationen aus der französischen Originalausgabe des Romans; hier der dtvAusgabe entnommen (siehe unten)
Seiten 8, 10, 11
© Henrik Albrecht
Seiten 12-13
Von der Homepage: www.henrik-albrecht.de
Seiten 14-17
Aus der Jules Verne-Biografie von Volker Dehs (siehe unten)
Seiten 21-23
©Banu Theis-Baydur
Literatur
Verne, Jules
20 000 Meilen unter dem Meer. Roman, Volker Dehs
(Übersetzung und ausführliche Erläuterungen), Deutscher
Taschenbuch Verlag, München, 2009.
Dehs, Volker
Jules Verne. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten,
Klaus Schröter (Hrsg.), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg,
1986.
Internet
www.henrik-albrecht.de
25
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