Dokument zum Referat - Psychiatrie

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Psychiatrie-Dienste Süd; Dienstagsreferat 25.03.2014
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«WENN DIE SEELE AUF DEN MAGEN SCHLÄGT»
Referentin:
Dr. med. Christiane Kranzusch
Ärztin für Psychosomatik / Psychotherapie /Allgemeinmedizin
Psychiatrie-Dienste Süd
Klinik St. Pirminsberg
7312 Pfäfers
Psychiatrie-Dienste Süd; Dienstagsreferat 25.03.2014
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Psychosomatikvortrag - Ablauf
Was bedeutet «Psychosomatik»?
Beispiele:
Psyche und Herz
Psyche und Magen-/Darmtrakt
Was bedeutet «Somatisierung»?
Bei Interesse kurze Achtsamkeits- / Entspannungsübung
Psychosomatik – also alles nur «Einbildung?»
Fragen und Diskussion
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Definition
Ableitung aus den beiden griechischen Worten
Psyche
-
Seele
Soma
-
Körper
In der Medizin bezeichnet man damit das Fachgebiet, das sich mit den
Krankheiten oder Symptomen befasst, die im weiteren Sinne durch seelische,
körperliche und soziale Bedingungen ausgelöst, verschlimmert oder
aufrechterhalten werden
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Das Bild des Menschen als Maschine (René Descartes, 1596 – 1650) kann
die Entstehung und den Verlauf von körperlichen Zuständen häufig nicht
angemessen erklären. Oft ist es dann hilfreich, den Menschen in seiner
individuellen Vielfalt zu erfassen versuchen, dazu gehören neben dem
Körper der Blick auf die Seele; etwa auf Gefühle, Instinkt, Gedanken,
Wünsche, Konflikte, Widerstände etc. Diese sind geprägt durch Biographie
und soziale Faktoren wie Lebenssituation oder die soziale Einbindung –
das «Beziehungsnetz».
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• Mir liegt etwas im Magen
• Ich habe etwas auf dem Herzen
• Es ist zum aus der Haut fahren
• Man sieht nur mit dem Herzen gut
• Wut im Bauch haben
• Mir sitzt die Angst im Nacken
• Mit herzlichen Grüssen
• Ein Herz aus Stein haben
• Wünsche, die von Herzen kommen
• Das Herz schlägt bis zum Hals
• Er frisst etwas in sich herein
• Sich den Kopf zerbrechen
• Mir lastet etwas auf den Schultern
• Das Herz bleibt vor Schreck stehen
• …
oder rutscht in die Hose
• Sich vor Angst in die Hose machen
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Der Begriff und die Bedeutung der Psychosomatik
•
Der Begriff Psychosomatik wurde vermutlich erstmals 1818 von Johann Christian August
Heinroth (1773–1843) benutzt. Heinroth versuchte als „Psychiker“, jedes
Krankheitsgeschehen in seinen psychischen wie somatischen und lebensgeschichtlichen
Gesamtzusammenhängen zu verstehen.
•
Sigmund Freud in dessen Studien über Hysterie 1895: „Psychische Erregung, die nicht
adäquat verarbeitet oder abgeführt werden kann, ‚springt‘ in einen Körperteil, wird also
umgewandelt (Konversion)“.
•
Viktor von Weizsäcker: „Einführung des Subjekts in die Heilkunde“,
•
Thure von Uexküll und Wolfgang Wesiak: „dynamisches bio-psycho-soziales Modell“,
Weitere Beschreibungen
•
•
•
Axel Schweickhardt definierte 2005: "Psychosomatik bedeutet, dass Körper und
Seele zwei untrennbar miteinander verbundene Aspekte des Menschen sind, die nur
aus methodischen Gründen oder zum besseren Verständnis unterschieden werden
Thure von Uexküll: Integrierte Medizin versteht unter „bio“ die „Biologie“ als
Wissenschaft lebender Systeme. Sie geht daher nicht primär von dem „Körperbegriff“
der Anatomie und Physiologie aus, sondern von dem Begriff des „lebenden Körpers“.
Der lebende Körper ist Teil eines Systems, das sich autopoetisch (selbsterschaffend,
selbsterhaltend) als Einheit aus Organismus und Umwelt erzeugt, und für das
Gesundheit daher „Salutogenese“ und Krankheit Störung seiner Salutogenese
bedeuten. Lebende Systeme sind „geschlossene Systeme“. Sie „deuten“ ihre
Umgebung „selbstreferentiell“, das heißt nach ihrem eigenen Code. (Niemand kann
den Schmerz, den Hunger, den Durst oder die Gefühle eines anderen fühlen).
Salutogenesekonzept: Dieses Konzept wurde von Aaron Antonovsky 1979
begründet. Heterostase, Ungleichgewicht und Leid sind inhärente Bestandteile der
menschlichen Existenz. Er setzt die wissenschaftliche Diagnostik einer Krankheit
gegenüber einer Bestimmung des allgemeinen Gesundheitsstatus einer Person. Das
Bemerkenswerte ist der Zugang zum Verstehen aus der Perspektive von Gesundheit
und nicht des Krankheitseins. Für den Umgang mit der Krankheit ist das
Kohärenzgefühl („sense of coherence“) wesentlich mit einer Verständlichkeit der
Stressoren („comprehensibility“), der Bewältigung der Anforderungen
(„managerability“) und dem Verstehen der Bedeutsamkeit („meanigfulness“).
Körperlicher Symptome einer Erkrankung sind nur ein Aspekt. Sie wirken sich
ebenso auf das seelische Befinden aus, welches seinerseits auf
Krankheitsentwicklung und –verlauf einen entscheidenden Einfluss haben können.
Psychophysiologische Krankheitsmodelle
Beispiele:
Erkrankung ist verhaltensbedingt
Intervention
Psychoedukation
Verhaltensmodifikation
Erkrankung bildet einen psychischen Stressor
Fördern der Krankheitsbewältigung; Psychotherapie, Pharmakotherapie
Es besteht eine relevante psychische
Komorbidität
Psychotherapie
Pharmakotherapie
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Psyche und Herz –
Bsp. Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit
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Psychosoziale Faktoren / Stress
Anhaltende negative Belastungen, z. B. finanzielle Sorgen, hohe Dauerbelastung
(z. B. pflegebedürftige Angehörige)
„life events“ wie Verlust eines Kindes, Arbeitsplatzverlust Erdbeben, Krieg oder
anhaltende negative Emotionen wie: Angst, Ärger, Trauer
Entscheidend ist die individuelle Veranlagung, auf Belastungen zu reagieren
(Vulnerabilitäts-Stress-Modell)
Personen mit induzierbaren myokardialen Ischämien unter psychischem Stress
weisen eine schlechtere Prognose auf als Personen ohne Stress –
induzierte Ischämien
Sheps, Circulation 2002
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Depressivität und Angst als kardiovaskulärer Risikofaktor
Depressivität
und Angst
Medikamentöse
Therapie
Koronargefährdendes
Verhalten
Kardiovaskuläre
Krankheiten
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Psyche und Herz
Verarbeitungsstörungen nach akuter koronarer Herzkrankheit:
Leichte Depression
40 – 60 %
Schwere Depression
17 – 27 %
Posttraumatische Belastungsstörungen
11 – 12 %
Diese kann oft erst Monate nach dem Akutereignis auftreten und ist
auf ein starkes Gefühl existentieller Bedrohung – unabhängig von der
objektiven Schwere des Ereignisses zurückzuführen
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Psyche und Herz
Kann vor Schreck
das Herz stehen
bleiben?
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Plötzlicher emotionaler Stress kann auch bei herzgesunden Menschen eine schwere
Kardiomyopathie auslösen
Stress-Kardiomyopathie / Tako – Tsubo – Kardiomyopathie /
Broken - Heart – Syndrom
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•
•
Diese betrifft vor allem Frauen
Echokardiographisch oder in der Ventrikulographie typische Kontraktionsstörung
an der Herzspitze
Auffallend hohe Katecholaminspiegel im Plasma
Prognose: Bei Entwicklung einer schweren Herzschwäche oder bei Auftreten
nicht beherrschbarer Herzrhythmusstörungen gelegentlich tödlich – nach der
Akutphase innerhalb von Wochen aber auch reversibel
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Psyche und Herz
Sind Ärger und Wut
schädlich für das Herz?
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Psyche und Magen - Darmtrakt
Reizdarmsyndrom (RDS)
«Wenn der Darm verrückt spielt»
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Psyche und Magen-Darmtrakt
Die von Gastroenterologen am häufigsten gestellte Diagnose
Grösste Patientengruppe in allgemeinmedizinischen Praxen
Erste Beschreibung des Symptomkomplexes von Manning et al. (1978)
Epidemiologische Studien belegen eine Prävalenz für eine Reizdarmproblematik
von 5 – 15 % in Europa und Nordamerika
Ca. 25 % der Betroffenen suchen einen Arzt auf
Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer
Gehäuftes Auftreten nach Magen – Darminfektionen
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Leitsymptome:
•
•
•
•
Bauchschmerzen (Qualität: dumpf, krampfartig bis brennend)
Stuhlunregelmässigkeiten mit Durchfall oder Verstopfung
Blähungen
Phasischer Verlauf (Wechel von beschwerdefreien Intervallen und Phasen, in
welchen massive Beschwerden auftreten)
Weitere Bezeichnungen
•
Irritables Kolon, spastisches Kolon irreführend, da die Störung nicht auf das
Kolon beschränkt ist
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Abklärung bei Reizdarmsymptomatik
Anamnese u. a. Ernährung, Gebrauch von Abführmitteln, Konsum von Alkohol oder
Koffein
Körperliche Untersuchung: in der Regel unauffällig, aber unverzichtbar
Bei fehlenden Warnsymptomen (z. B. Blutarmut, Blut im Stuhl, Gewichtsverlust,
Nachtschweiss, Familienanamnese mit Karzinom- oder chronische –
entzündlichen Magen- Darmerkrankungen) ist die Indikation zu weiteren
Abklärungen umstritten
Empfohlen, aber nur selten richtungsweisend: Blutbild, CRP
Geringer diagnostischer Gewinn von Stuhluntersuchungen
Bei etwa 4-fach erhöhter Prävalenz von Zöliakie bei einer Reizdarmsymptomatik ist
ein sreening auf Zöliakie gerechtfertigt (empfohlen: Transglutaminase-IgAAntikörper)
Bildgebung oder Endoskopie wird bei einer typischen Symptomatik nicht empfohlen
Biomarker: Calprotectin im Stuhl (einmalige Stuhlprobe, Kosten ca. 50;-jedoch unspezifisch; jede Erhöhung sollte bei über drei Wochen bestehender
Symptomatik abgeklärt werden; ein normaler Wert schliesset eine organische
Erkrankung aus
Pscychiatriedienste -Süd; Dienstagsreferat; 25.03.2014
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Reizdarmsyndrom Pathophysiologie
Das Verständnis ist bis heute inkomplett
Ein multifaktorielles Geschehen wird postuliert
Die pathophysiologischen Konzepte beinhalten u.a.:
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•
•
Viszerale Hypersensitivität
Abnorme gastrointestinale Motilität
Dysfunktion des autonomen Nervensystems
Aktivierung des mukosalen Immunsystems
Genetische Faktoren
Psychologische Faktoren
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Reizdarmsyndrom – Viszerale Hypersensitivität
Viszerale Hypersensitivität bedeutet, dass die Wahrnehmung von Schmerzen in
einem inneren Organ erhöht ist.
Beispiel für einen Studienansatz:
Setzen von definierten Schmerzreizen mittels aufblasbaren Ballonen in Enddarm,
Dickdarm, Speiseröhre.
Bei Betroffenen konnte eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit im Vergleich mit
Kontrollpersonen nachgewiesen werden
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Reizdarmsyndrom
Assoziation mit psychiatrischen Erkrankungen
Ein grosser Teil (40 – 80 %) derjenigen, die wegen einer
Reizdarmsymptomatik einen Arzt aufsuchen leiden auch unter
• Depressionen
• Angst / Panikstörungen
• Somatisierungsstörungen
• Posttraumatischen Belastungsstörungen; traumatische biographische
Belastungen
Assoziation mit Krankheiten, bei denen psychische Einflüsse einen
hohen Stellenwert haben
Ähnlich hohe Korrelationen bei:
• Fibromyalgiesyndrom
• Migräne
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Psychische und soziale Faktoren
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•
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Familiäre Häufung genetisch? Modellernen?
Bsp: verstärkte elterliche Aufmerksamkeit auf die Darmtätigkeit erhöht bei
Frauen das Risiko auf eine dort lokalisierte funktionelle Störung
(Whitehead et al., 1994)
Emotionen: Gefühle können ebenfalls Magen und Darm reizen: Ärger kann
auf den Magen schlagen: Vermehrte Ängstlichkeit, Depressivität,
Krankheitsängste und Neigung, unter Stress körperliche Beschwerden zu
entwickeln (sog. Somatisierungsneigung) sind Risikofaktoren für die Entwicklung
eines RDS bei bestehender Vulnerabilität.
Stress: Belastende Lebensereignisse (z. B. Verlust des Arbeitsplatzes,
Trennung vom Partner, Missbrauchserlebnisse) erhöhen ebenfalls das Risiko,
ein RDS zu entwickeln.
Zusammenwirken von biologischen und psychischen Faktoren: Das
Risiko, ein RDS zu entwickeln steigt, wenn mehrere der oben genannten
Risikofaktoren zusammenkommen, z.B. ein ängstlicher Mensch einen
Darminfekt und gleichzeitig erhebliche Arbeitsplatzprobleme hat.
Psyche und Darm; scheinbar kurioses zur
medikamententösen Therapie
Antidepressiva als Therapie bei Reizdarmsymptomatik
Wirksam sind SSRI und trizyklische Antidepressiva,
Auch bei den Betroffenen, bei denen keine depressiven oder Angstsymptomatik
bestehen
Mögliche Erklärungen:
• Wirkung nicht nur zentral, sondern auch im peripheren Nervensystem, etwa dem
«Bauchhirn»
• Funktion der Beschwerden als «Gefühlsäquivalente»
Tendenz bei gefühlsvermeidenden oder -verleugnenden Menschen, Gefühle (z. B.
Angst, Depression, Aggression) durch körperliche Symptome zu «ersetzen».
Ursprüngliche und zugrunde liegende Gefühle können nicht mehr wahrgenommen
werden
Alexythymie (Unfähigkeit, Gefühle «lesen» zu können
Somatisierung
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WORKSHOP
EINLEITUNG
Vorstellung
Klinik SGM
„BAUCHHIRN“
EIN BEISPIEL
REIZDARM
Enterisches Nervensystem (ENS)
• Dichtes Geflecht
• „Sonnengeflecht“
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Neueres Erklärungsmodell für eine Reizdarmsymptomatik:
•
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•
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•
•
Dysregulation des zentralen und enteralen Nervensystems
Führt zu vermehrter Schmerzempfindlichkeit und
Motilitätsstörungen
Ausgelöst durch psychosoziale Belastungsfaktoren
Vor dem Hintergrund einer besonderen Empfindlichkeit gegenüber diesen
Belastungen und
genetischen / epigenetischen (Lernerfahrungen, Biographie, durchgemachte
Infekte, Operationen, Lebensmittelunverträglichkeiten etc.) Faktoren
Reizdarmbeschwerden stellen eher Ausdruck einer abnormen Wahrnehmung
normaler Funktionen als eine normale Wahrnehmung abnormer Funktionen dar
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Somatisierung
Auslöser
«Stressoren»
Harmlose körperliche
Veränderungen
Krankheitsverhalten
Symptomverstärkung
Wahrnehmung
Fehl- / Überinterpretation
Kognitiv-verhaltenstherapeutisches Modell der somatoformen Störungen (Rief u. Hiller 1998)
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Psychische Risikofaktoren für eine Chronifizierung
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•
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Tendenz zum «Katastrophisieren»
Angst – Vermeidungsverhalten
Ungünstige Verarbeitungs-Strategien wie Passivität, Hilflosigkeit,
Selbstbeschuldigung, übersteigertes Leistungsideal
Ausgeprägtes non verbales Schmerzverhalten
Einseitig körperliches Diagnostizieren, Abklärungsuntersuchungen und
Behandlungsversuche
Soziale Probleme und Belastungen (z. B. Beruf, Familie, Finanzen, Sorgen etc.)
Egle und Hoffmann 1993, Egle et al 1999, Hasenbring et al 2001, Huse et al. 2001, Ruoss 1999
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Depressive Somatisierung
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Zurückstellen eigener Wünsche auf dem Hintergrund mangelnder
Geborgenheitserfahrung
Übermässiges Bemühen, sich anzupassen
Überforderung bis zur Erschöpfung, Ausbruch von Symptomen, etwa
Schmerzen, bzw. Entwicklung von Beschwerden im Sinne des
«Vulnerabilitäts- / Stressmodells
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Was sind «Stressoren»?
Stressoren sind interindividuell unterschiedlich wirksame Belastungsfaktoren, die
starke Gefühle, etwa Angst, auslösen können
•
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Äussere Überforderungen
Innere Konflikte
führen zu vermehrter psychischer und körperlicher Anspannung
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Reizdarmsymptomatik - Behandlungsmöglichkeiten
Vertrauensvolle Arzt – Patienten – Beziehung
Diagnosevermittlung, Aufklärung über Wesen und Ursachen der Beschwerden
Vermeidung wiederholter Untersuchungen
Regelmässige Kontakte, Termine, Gespräche
Förderung von Eigenverantwortung
Ermuntern zu sportlichen Aktivitäten
Achtsamkeitsschulung
Entspannungstechniken vermitteln, evtl. Biofeedback
Essgewohnheiten thematisieren, evtl. Ernährungsberatung
Klären der Lebenssituation, evtl. bestehender zwischenmenschlicher oder
intrapsychischer Konflikte
Längerfristig werden medikamentöse Behandlungen oder diätetische Massnahmen
ohne Berücksichtigung der Arzt – Patienten – Beziehung als wirkungslos erachtet
Mehrere Studien fanden eine schlechte Prognose bei psychosomatisch
unbehandelten funktionalen Magen – Darmbeschwerden, etwa eine anhaltende
Symptomatik bei fast der Hälfte der Betroffenen nach fünf Jahren
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Kognitiv – verhaltenstherapeutische Ansatzpunkte für
die Behandlung
1. Zusammenwirken von chronischer Stressreaktion und Magen –
Darmbeschwerden.
2. Klären der persönlichen Symptomerklärung
3. Aufmerksamkeitsfokussierung; verstärkte Wahrnehmung und Fehlbewertung
«normalen» Körperreaktionen
4. Inaktivität, Schonverhalten (bsp.: sozialer Rückzug, Vermeiden von auch
positiven Aktivitäten, «Schondiäten») abbauen
5. Stressverschärfende, dysfunktionale gedankliche Bewertungen erkennen und
umbewerten
6. Selbstbeobachtungsprotokolle
7. Ermunterung zum Gefühlsausdruck
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Klassische Methoden der Stressbewältigung
Wesentliche Teile des unbewussten Nervensystems sind im Magen – Darmtrakt
lokalisiert, daher reagiert bei Belastungen immer auch der Magen – Darmtrakt mit.
Führt diese «normale» Reaktion zu anhaltenden Beschwerden, können diese
ihrerseits eine Stressreaktion auslosen, so dass im ungünstigen Fall ein Teufelskreis
aus körperlichen Symptomen und Stressreaktion entstehen kann.
Methoden zur Stressbewältigung stellen daher einen wichtigen Ansatzpunkt bei der
Behandlung dar:
1. Reduktion und Veränderung stressauslösender Ereignisse
2. Förderung der Selbstwahrnehmungsfähigkeit in Bezug auf chronische
Anspannung, Erregung und Vermittlung geeigneter Entspannungsmethoden
3. Erkennen von stressauslösenden Ereignissen und eigener Verhaltensweisen
4. Erkennen und Umbewertung stressfördernder Bewertungen von belastenden
Ereignissen
5. Erkennen und Umbewerten stressverschärfender Gedanken in Zusammenhang
mit dem Auftreten von Magen – Darmbeschwerden
6. Verringern des allgemeinen Anspannungsniveaus
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PSYCHOSOMATIK -
ALSO ALLES NUR «EINBILDUNG»?
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Warum Zurückweisung schmerzt
CyberBall: Virtuelles Spiel;
Probanden vermuten, mit
realen Personen zu spielen,
spielten jedoch mit einem
computergesteuerten
Programm
Naomi Eisenberger et al (2003): mit Hilfe der «funktionellen
Magnetresonanz-Tomographie» konnte gezeigt werden, dass in
Situationen, in welchen Probanden sich sozial ausgegrenzt fühlen,
ähnliche Hirnregionen aktiviert werden, wie bei körperlichen
Schmerzen
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Psychiatrie-Dienste Süd; Dienstagsreferat, 25.03.2014
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Warum Zurückweisung schmerzt
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