Wirkmächtige Siegeszeichen im Alten Testament: Ikonographische

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Zurich Open Repository and
Archive
University of Zurich
Main Library
Strickhofstrasse 39
CH-8057 Zurich
www.zora.uzh.ch
Year: 1974
Wirkmächtige Siegeszeichen im Alten Testament: Ikonographische Studien
zu Jos 8, 18-26; Ex 17, 8-13; 2 Kön 13, 14-19 und 1 Kön 22, 11
Keel, Othmar
Posted at the Zurich Open Repository and Archive, University of Zurich
ZORA URL: https://doi.org/10.5167/uzh-138521
Veröffentlichte Version
Originally published at:
Keel, Othmar (1974). Wirkmächtige Siegeszeichen im Alten Testament: Ikonographische Studien zu Jos
8, 18-26; Ex 17, 8-13; 2 Kön 13, 14-19 und 1 Kön 22, 11. Freiburg, Switzerland / Göttingen, Germany:
Universitätsverlag / Vandenhoeck Ruprecht.
OTHMAR KEEL: WIRKMÄCHTIGE SIEGESZEICHEN
ORBIS BIBLICUS ET ORIENTALIS
Im Auftrag des Biblischen Institutes der Universität
Freiburg Schweiz
herausgegeben v~n
Othmar Keel und Bernard Tremel
ORBIS BIBLICUS ET ORIENTALIS
5
OTHMAR KEEL
WIRKMÄCHTIGE
SIEGESZEICHEN
IM ALTEN TESTAMENT
Ikonographische Studien zu Jos 8, I8-26; Ex I7, 8-I3;
2 Kön I3, I4-I9 und I Kön 22, II
UNIVERSITÄTSVERLAG FREIBURG / SCHWEIZ
VANDENHOECK & RUPRECHT GÖTTINGEN
1974
Veröffentlicht mit Unterstützung des Hochschulrates
der Universität Freiburg Schweiz
@
by Universitätsverlag Freiburg. Schweiz
Paúlusdruckerei Freiburg Schweiz
1974
uv ISBN 3 7278 oll9o vR ÍSSN
3 s2s s3305 5
Digitalisat erstellt durch Florian Lippke, Departement für
Biblische Studien, Universität Freiburg Schweiz
5
INHALTSVERZEICHNIS
Einführung
7
I. DAS AUSGESTRECKTE SICHELSCHWERT DES JOSUA
(Jas 8,18.26)
11
1. Die Stellung von Jas 8,18 und 26 im Kontext
13
2. was bedeutet Kidon ?
21
3. Die Verbreitung des Sichelsehwerts
Gebrauchswaffe
als
4. Die Verbreitung und Bedeutung des Sichelsehwerts als Ideogramm
a. Mesopotamien
b. Anatolien und Syrien
c. In Aegypten und in der von Aegypten
inspirierten Kleinkunst Palästinas und
Phöniziens
27
34
35
41
51
5. Die Herkunft des Sichelschwert-Motivs in
Jas 8,18.26
77
6. Das Problem von Jas 5,13-15
82
II. DIE ERHOBENEN HAENDE DES MOSE (Ex 17,8-13)
89
1. Die Geste(n) des Mose in Ex 17,8-13
91
2. Die "erhobenen Hände" in Aegypten
95
3. Die ägyptische Ikonographie und Ex 17,12
III. DAS SCHIESSEN UND SCHLAGEN AUF GEHEISS DES
ELISCHA (2 Kön 13,14-19)
IV. DIE HOERNER DES ZIDKIJA (l Kön 22,11)
103
111
123
Zusammenfassung der wichtigsten Argumente und
Ergebnisse
135
Schlussbemerkungen
143
ANHANG I : Der König übergibt einer Gottheit Gefangene
ANHANG II: Das Ausstrecken der Hand
147
153
ABBILDUNGEN
161
STELLENREGISTER
205
Sachregister
ABKUERZUNGEN UND VERZEICHNIS DER ZITIERTEN LITERATUR
213
7
Einführung
In einer Arbeit über "Die Welt der altorientalischen
Bildsymbolik und das Alte Testament. Am Beispiel der Psalrnen111 habe ich versucht, in einem Uebersichtsbericht ein
möglichst breites altorientalisches und ägyptisches Bildmaterial zu den Psalmen zu sammeln und auf Aehnlichkeiten
(oder Kontraste) zwischen den Aussagen dieser Bilder und
jener der Psalmen hinzuweisen 2 • Bei der Breite der angeschlagenen Thematik konnte ich manche Probleme nur skizzenhaft andeuten und manche mussten ganz ausgeklammert
werden. So blieb die Arbeit bewusst bei der schlichten
Konfrontation atl Vorstellungen und Bilder mit ähnlichen
altorientalischen stehen. Die Frage der nachweisbaren Abhängigk~it
einzelner atl Motive von solchen der altorienta-
lischen oder der altägyptischen Bildkunst wurde nicht beantwortet. Das Problem der Medien,rnittels derer ikonographische Motive wandern (israelitische Besuche in den Nachbarländern, Wirksamkeit ausländischer Künstler in
Paläs~ina,
ikonographische Motive auf Werken der Kleinkunst, wie Rollsiegel, Skarabäen, Stoffen, Schalen, die durch den internationalen Handel verbreitet werden), blieb ausser Betracht.
Ebenso kam die fast notwendig anzunehmende Neuinterpretation beim Eindringen einzelner Kompositionen und Motive
vorn einen Kulturkreis in den andern nur gelegentlich und
am Rand zur Sprache.
1) Zürich/Neukirchen 1972.
2) Ebd. 11.
8
Die vorliegende Arbeit dient wie die frühere dem Bemühen, Sinnbilder und Riten des AT in Bezug zu denen seiner Umwelt zu setzen und damit die Abhängigkeit aber dann
vor allem auch die Eigenart Israels möglichst zutreffend
zu erfassen. Der Akzent ist nun aber im Gegensatz zur
früheren Arbeit von der Breite des zusammengetragenen Materials auf die Eindringlichkeit der eben skizzierten
präzisen Fragestellungen verlagert. Sie werden hauptsächlich anhand einer einzelnen Komposition durchgespielt,
nämlich der Verbindung des ausgestreckten Sichelsehwerts
mit dem Niederschlagen der Leute von Ai (Jos 8,26) 1 . Diese Komposition erhält schon durch ihre Singularität innerhalb des AT den Charakter eines erratischen Blocks, dessen Ursprung ausserhalb seines jetzigen Kontextsgesucht
werden muss. Zwei weitere, kürzer behandelte Stellen, die
ebenfalls - wenigstens im Rahmen des AT - singuläre Sie2
gessakramente zum Gegenstand haben, können als Parallel1) Unter "Komposition*wird hier eine feste Verbindung von
zwei oder mehreren Bildmotiven verstanden, die an und
für sich auch selbständig auftreten können, so etwa
die ägyptische Zusammenstellung des Pharao, der einen
Feind niederschlägt, mit einem Gott, der ein Sichelschwert in der ausgestreckten Hand hält (vgl. die
Abb. 21, 22, 26, 29 u.o.). Die einzelnen Teile der
Komposition werden als Motive (z.B. das Motiv des Niederschlagens, das Motiv des Gottes mit dem ausgestreckten Sichelschwert) und die einzelnen Teile des Motivs
als (Bild)-Elemente (z.B. das Sichelschwert, der Feind,
der Pharao) bezeichnet. Es versteht sich von selbst,
dass diese Begriffe stark relativen Charakter haben
und oft nicht klar ist, ob man eine Szene noch als Motiv oder als Komposition, als blasses Bildelement oder
schon als Motiv ansprechen soll.
2) Der Begriff "Sakrament" wird nur insofern im traditionell kath.-kirchlichen Sinn verwendet als damit signa
efficacia gemeint sind. Das Wort "Symbol" ist für das
hier Angesprochene zu schwach, der Begriff "magisches
Mittel" zu negativ. Es soll etwa in Jos 8,26 nic_ht eigenmächtig und willkürlich manipuliert werden. Durch
ein von Jahwe verordnetes Zeichen wird der von ihm gewollte Sieg bewirkt und gleichzeitig als gottgewollt
signalisiert.
9
fälle die für Jas 8,26 eruierte Möglichkeit der Herkunft
atl Vorstellungen und Symbole aus der ägyptischen Ikonographie erhärten. Mit den Hörnern des Zidkija in 2 Kön
22,11 wird ergänzend auf ein wirkmächtiges Zeichen wahrscheinlich kanaanäischen Ursprungs hingewiesen.
Auf andere Siegesriten, wie das Hörnerblasen und die
Fackeln in Ri 7,8.16.18-20 oder die Lade und das Hörnerblasen in Jas 6, wird hier nicht eingegangen, da dazu m.W.
keine ikonographischen Parallelen aus der altorientalischen Welt bekannt sind und ihre Verwurzelung in der israelitischen Vorstellungswelt und Kultpraxis ja auch genügend stark ist, um einen nicht spontan nach Fremdeinflüssen Ausschau halten zu lassen.
Für die gekonnte Anfertigung zahlreicher Strichzeichnungen danke ich meiner Frau Hildi, geb. Leu, für das
sorgfältige Schreiben der Offsetvorlagen Fräulein lic.
theol. Bernadette Schacher, für die Erstellung des Bibelstellenregisters und des Literaturverzeichnisses meinem
Assistenten Dr. Vitus Huonder und für einen namhaften
Druckkostenzuschuss dem Hochschulrat der Universität
Freiburg/Schweiz. Den Kollegen und Studenten am Biblischen
Institut aber danke ich für ihr Interesse an meiner Arbeit
und ihre stete Bereitschaft, mit ihrem Wissen behilflich
zu sein.
Freiburg/Schweiz, 18. Oktober 1973
Othmar Keel
11
I
DAS AUSGESTRECKTE SICHELSCHWERT DES JOSUA
(Jos 8,18.26)
13
1. Die Stellung von Jas 8,18 und 26 im Kontext
Im Anschluss an J. Wellhausen's vernichtendes Urteil
über den historischen Wert von Ri 19-21 1 war es lange Zeit
üblich, diese Kapitel als spät, künstlich und als Produkt
judäischen Hasses gegen den Stamm Saul's zu qualifizieren.
In neuerer und neuester Zeit neigt man nun dazu, diesen
Texten wieder mehr historischen Kredit zu geben
2
Zwar zweifelt niemand, dass die Formung des Stoffes
zahlreiche späte Einflüsse aufweist. Wellhausen hat nachdrücklich auf die hohen Zahlen, die an das chronistische
Geschichtswerk erinnern, auf die an die Priesterschrift
gemahnende Schilderung Israels als Kultgemeinde (Ri 20,l)
und auf zahlreiche Reminiszenzen aus älteren Ueberlieferungen hingewiesen 3 . Aber wenn Ri 19-21 auch viele Züge eines
Midrasch aufweist, stellt sich doch die Frage : Um welchen
Kern hat sich dieser Midrasch kristallisiert ? Wellhausen
hält es für möglich, dass die Erzählung Ri 19-21 ihren
4
Ausgang von Hos 10,9 (vgl. auch 9,9) genommen hat , wo
Hosea die Sünde Israels mit den "Tagen Gibea's" beginnen
lässt. Hosea würde hier - das steht für Wellhausen fest auf die Erhebung Sauls zum König und die Einrichtung des
Königtums anspielen.
1) Die Composition des Hexateuchs 229-233, besonders 232.
2) Die Wende brachten Noth, Das System der Zwölf Stämme
100-106, 168-170, und Eissfeldt, Der geschichtliche
Hintergrund 19-40; jetzt auch : Kleine Schriften II
64-80; vgl. die unten zitierte neuere Literatur zu
Ri 19 und 20.
3) Die Composition 231; Hertzberg, Die Bücher Josua,
Richter, Ruth 249.
4) Die Composition 233.
14
Diese Erklärung der Hoseaverse wird (soweit ich sehe)
von den heutigen Kommentatoren, die sich ausführlich zu
den beiden Versen äussern, abgelehnt 1 . Man bringt gegen
Wellhausen vor, Saul sei nicht in Gibea König geworden
sondern in Gilgal (1 Sam 11,5), resp. in Mizpa (1 Sam
10,17)
2
• Da Hosea von den "Tagen Gibeas" redet, denkt er
aber ohnehin kaum an ein einmaliges Ereignis, wie eine
Investitur, sondern an eine kürzere oder längere Zeitspanne (vgl. Hos 2,15.17). Man könnte also an die Zeit denken,
da Saul in Gibea residiert hat (1 Sam 15,34; 22,6). Dann
stellt sich aber die Frage, was die Schuld jener Zeit war 3
Man kann an die Verfolgungen David's durch Saul (1 Sam
18-21) und die Hinschlachtung der Priester von Nob (1 Sam
22,6-19) denken. Die Erinnerung an die Entstehung des
Königtums hat im Ganzen von Hos 9,1-9 keinen Sinn 4 . Die
Beschwörung von Saul's Wüten gegen David und die Priester
von Nob kann hingegen sehr wohl die Anfeindung der Propheten, um die es Hosea geht, in eine geschichtliche Perspektive rücken.
Dieser Interpretation steht aber doch die schlichte
Tatsache entgegen, dass nicht von den "Tagen Sauls", sondern von denen "Gibea's" die Rede ist und das Nächstliegende ist, Gibea als Metonymie für die Bewohner (vgl. Ri
20,5.15) von Gibea, resp. für deren Schandtat aufzufas1) Wolff, Hosea 203, 237f.; Rudolph, Hosea 179f., 198-200;
Vollmer, Geschichtliche Rückblicke 99-101.
2) Wolff, Hosea 204; Rudolph, Hosea 179.
3) Wellhausen, Die Composition 233 Anrn.l, denkt, wie gesagt, an die Anfänge des Königtums. Aber Hosea lehnt
das Königtum als solches nicht ab. Hos 7,3-7 und 8,4
geisseln die Königsmorde, Usurpationen und die Verderbnis des Königtums, nicht die Institution als solche.
Und es ist unwahrscheinlich, dass eine so grundsätzliche Kritik, wie die Ablehnung der Institution des
Königtums, nur in flüchtigen Anspielungen wie Hos 9,9
und 10,9 erfolgen sollte (Vollmer, Geschichtliche Rückblicke 99).
4) Wolff, Hosea 204; Rudolph, Hosea 179.
15
1
sen • Ueberdies macht eine genaue Beachtung des Kontexts
der beiden Hoseastellen eine Anspielung auf Ri 19-20 wahrscheinlicher als eine solche auf 1 Sam 18-22. Das zeigt
das Folgende.
Hos 9,1-9 hat deutlich zwei Teile. Es ist einzig nicht
ganz klar, ob man die Zäsur nach V. 6 oder nach V. 7a
setzen muss. In den V. 1-6 wird das grosse Herbstfest als
Fest Jahwes in Frage gestellt. V. 7a mit der Ankündigung
der "Tage der Heimsuchung" könnte den Abschluss dieses
Abschnitts bilden.'Aber man kann die
mit
IP~~
Mlv~n
~D~
zusammen
in V. 9 auch als Teile einer Inclusio verstehen,
die den zweiten Abschnitt einschliesst, der von der Feindschaft gegen die Propheten handelt. So oder so bildet das
Motiv der Ahndung
(lv~)
einen wesentlichen Bestandteil
des Abschnitts, und die Ahndung spielt bei der Schandtat
von Gibea, aber nicht bei Saul eine Rolle. Ueberdies leidet der Prophet in Hos 9 nicht unter der Feindschaft eines Königs, sondern unter der des Volkes, das vielleicht
wie in Ri 20 eine Gruppe deckt, die der eigentliche Träger der Feindschaft ist.
Noch deutlicher als in Hos 9,9 ist die Anspielung auf
Ri 19-21 in Hos 10,9. Der Text ist zwar stark verderbt.
Aber ob man stärker in den Text eingreift wie Rudolph
oder ihn wie Wolff möglichst so stehen lässt, wie er dasteht 2 , ]edenfalls ist von Frevlern in der Mehrzahl die
Rede und von einem Krieg, der ihre Frevel ahnden soll.
Wie die Stämme sich versammelten (vgl. Hos 10,10 mit
Ri 20,11.14), um Benjamin zu bestrafen,das sich mit den
Frevlern von Gibea solidarisiert hatte, so wird Jahwe
Völker versammeln (passivum theologicum!), um das frevlerisch gewordene Israel zu züchtigen.
1) Bühlmann/Scherer, Stilfiguren der Bibel 69.
2) Wolff, Hosea 232-239; Rudolph, Hosea 198-200.
16
Aus den beiden Hoseastellen ist also mindestens zu
entnehmen, dass es zur Zeit des Propheten eine Ueberlieferung gab, die von einer Schandtat in Gibea und deren
Bestrafung durch ein grösseres militärisches Aufgebot zu
erzählen wusste.
Zu einem ähnlichen Ergebnis wie diese kurze Analyse
der beiden Hoseastellen ist K.-D. Schunck aufgrund einer
literarkritischen Untersuchung von Ri 19-21 gekommen :
"Am Anfang muss eine Grundüberlieferung gestanden haben,
die von einer Verschuldung Gibeas an einem auf dem Gebirge Ephraim beheimateten Mann berichtete. In dem sich
aus der Haltung Gibeas entwickelnden Streit nahm der ganze
Stamm Benjamin für diesen Ort Partei, während als Gegner
der Benjaminiten die übrigen 9 Stämme des 10-Stämmebundes
oder nur Ephraim als der Stamm, in dessen Gebiet wohl der
Wohnsitz des beleidigten Mannes lag, auftraten 111 . Diese
Grundüberlieferung "bildete eine relativ sachliche Darstellung"
2
1) Schunck, Benjamin 57-68, bes. 67.
2) Ebd. 67; Eissfeldt, Der geschichtliche Hintergrund 27,
weist auf die Gefliessentlichkeit hin, mit der betont
wird, dass es ein Ephraimit war, dem das Unrecht geschah, und dass der einzige Bewohner von Gibea, der
dem Ephraimiten Gastfreundschaft gewährte, ebenfalls
ein Ephraimit war, während die übrigen Bürger Benjaminiten waren. "Das legt den Gedanken nahe, dass an den
Ereignissen von Haus aus nur Beleidigter und Beleidiger,
Ephraim und Benjamin beteiligt waren •.. " (beachte die
kleinen Zahlen in Ri 20,15.16.47, die der Grösse des
Stammes Dan in Ri 18,11.16.17 entsprechen, und die 30
gefallenen Israeliten in Ri 20,31). Die Hoseastelle
(10,9) legt aber nahe, dass gegen Gibea, resp. Benjamin, verschiedene Grössen zusammengerufen wurden. Hosea
kann allerdings schon eine gesamtisraelitische Version
vor Augen gehabt haben. Eissfeldt, Der geschichtliche
Hintergrund 27, sieht in der sexuellen Sünde eine
Chiffre für einen politischen Prozess (vgl. Gen 9,20-27;
35,22 und 49,3 f.), der im Abfall des späteren Stammes
Benjamin von Ephraim bestanden haben soll (zu diesem
Prozess vgl. de Vaux, Histoire ancienne d'Israel 587-589).
17
Die Historizität der aus Hos 9,9; 10,9 und Ri 19 f.
ermittelten Vorgänge wird durch die Ausgrabungen auf dem
mit Gibea identifizierten tell el-ful bestätigt, soweit
Ausgrabungen solche Ueberlieferungen bestätigen können.
Die erste Ansiedlung aus der Zeit des Uebergangs von der
Spätbronze- zur frühen Eisenzeit I wurde gegen Ende des
12. Jahrhunderts v. Chr., evt. erst um 1100 v. Chr. zerstört. Eine dicke Brandschicht bedeckte die Reste der
ältesten Siedlung 1
Unter den Reminiszenzen, die Wellhausen in Ri 19 f.
findet, scheint ihm insbesondere "die Beschreibung des
Kampfes, gegen Gibea Kap. 20 nahezu eine Kopie der Beschreibung des Kampfes gegen Ai (Jos 8)" zu sein 2 . Nach den eindeutigen Ergebnissen der Ausgrabungen in Ai ist die Stadt
zur Zeit der Landnahme seit vielen hundert Jahren zerstört gewesen 3 . Die an Einzelheiten reiche Beschreibung
der Einnahme von Ai muss also irgendwo anders entstanden
und sekundär vom imposanten Ruinenhügel angezogen und als
dessen Aitiologie an ihm haften geblieben sein. Wie in
neuerer Zeit hinreichend klar geworden ist, verdankt eine
Geschichte wie Jos 8 ihre Entstehung nicht schlicht der
Existenz eines Ruinenhügels, auch wenn er so imposant ist
wie der von Ai 4 .
1) Schunck, Benjamin 68 f.; Kenyon, Archäologie im Heiligen Land 228 (sie scheint die Burg irrtümlich schon
der ältesten Schicht zuzurechnen); Franken, A Primer
of Old Testament Archaeology 81-85.
2) Die Composition 231; neuere Detailvergleiche der beiden
Texte bei Roth, Hinterhalt und Scheinflucht 300, und
bei de Vaux, Histoire ancienne 569.
3) Weippert, die Landnahme 34-36; de Vaux, Histoire ancienne 565.
4) zum Problem der Aitiologie in der neueren Forschung
vgl. den Forschungsbericht von Sabourin, L'etiologie
biblique 201-206.
18
Das Zeugnis von Hos 9,9; 10,9; Ri 19 f. und das der
Ausgrabungen auf dem tell el-ful lassen die Annahme vernünftig erscheinen, die Ueberlieferung der Zerstörung von
Ai verdanke ihre Entstehung weitgehend derjenigen von
Gibea. Nach W.M.W. Roth 1 wurde durch diese Uebertragung
die für Benjamin peinliche in eine glorreiche Tradi t~ion
umfunktioniert. Die Besiegten waren nun nicht mehr die
Benjaminiten sondern die Erbfeinde Israels. Das Denkmal
des nationalen Sieges, nämlich die Ruine von Ai, lag im
Zentrum des benjaminitischen Gebietes. Die probenjaminitische Wendung der Tradition erreichte ihren Höhepunkt
damit, dass die anfänglichen Misserfolge durch die Verbindung mit der Achan-Geschichte einem Judäer angelastet
wurden (vgl. Jos 7, 16 f.)
2
.
In der Gibeaversion bleibt der zweimalige Misserfolg
unerklärt. Er könnte ein historisches Element enthalten,
das seinerseits den Rückgriff auf die Kriegslist des
Hinterhalts erklären würde. Auffällig ist, dass dem
ganzen militärischen Teil - von der Befragung des Orakels abgesehen -
jede sakramentale Verstärkung fehlt.
Diese ist, wie R. de Vaux bemerkt, auch bei der Eroberung
von Ai, besonders im Vergleich mit der Eroberung von
Jericho, noch ausnehmend schwach 3 . Von der Ri 19,28 analogen Siegeszusage Jos 8,1 und einigen damit verbundenen
Anweisungen (Jos 8,2) abgesehen
4
ist es nur das Ideo-
1) Hinterhalt und Scheinflucht 296-304; vgl. de Vaux,
Histoire ~ncienne 569 f.
2 ) Ebd . 5 6 9 f.
3) Ebd. 56 4.
4) Bei Gibea wird das Orakel dreimal befragt (Ri 19,18.
23.27). Erst das dritte Mal verheisst es ausdrücklich
Sieg (19,28). Bei Ai wird das erste, erfolglose Unternehmen ohne Orakelbefragung gestartet (Jos 7,2-5). Der
zweite, erfolgreiche Anlauf wird auf ausdrücklichen
Befehl Jahwes unternommen, den dieser ohne befragt wor-
19
gramm
1
der ausgestreckten Waffe (Jas 8,18 und 26), das den
profanen Kampf als Jahwekrieg deutet. Denn es ist Jahwe,
der Josua befiehlt, die Hand mit der Waffe gegen Ai auszustrecken (Jas 8,18) 2 . Josua hält sie ausgestreckt bis alle
Bewohner von Ai gebannt sind (8,26). Die zeitliche Koinzidenz impliziert offensichtlich eine kausale Verbindung.
Die ausgestreckte Waffe ermöglicht den totalen Sieg, so
wie in Ex 17,8-13 Mose durch das Ausstrecken der Hände
den Ausgang der Schlacht zugunsten Israels entscheidet.
Dieses "Sakrament" scheint aber schon früh unverständlich gewesen oder gar irgendwie als anstössig empfunden
und als blasses Signal gedeutet worden zu sein. Im Satze
Jas 8,19a "Der Hinterhalt aber erhob sich eilends von seiner Stellung und rannte los als er (scl Josua) seine Hand
ausstreckte" scheint das "als er seine Hand ausstreckte"
etwas nachzuhinken. Zudem würde man eher als "die Hand"
die in V. 18 genannte Waffe erwarten. Die Deutung der
ausgestreckten Hand (mit der Waffe) als Signal kommt auch
insofern unerwartet als bei der Organisation des Hinterhalts von keinem Zeichen die Rede gewesen ist (vgl. Jas
8,2-8) 3 . Der Hinterhalt sollte auf die Stadt vorrücken,
sobald die Bewohner von Ai diese verlassen hätten (ebd.
V. 5-7). Jas 8,21 scheint überhaupt auszuschliessen, dass
den zu sein, erteilt. Man begreift bei Gibea nicht
recht, wie das Jahwe-Orakel ~ie Israeliten in den Kampf
schickt und verlieren lässt, obgleich diese von besten
Absichten geleitet sind. In der Ai-Version gibt es keine solchen theologischen Anstössigkeiten.
1) Zum Begriff "Ideogramm" vgl. Bühlmann/Scherer, Stilfiguren der Bibel 73 f.
2) Die plausibelste Erklärung des eigenartigen ~ in
lii~~~ n~)
ist immer noch, eine Ellipse anzunehmen
und den Ausdruck als Kurzform von l li~~~ 11~ n~) zu verstehen (vgl. die Septuaginta, die liest EHTELVOV •nv
XELPU oou EV TW YULOW ~ad Ex 8,1; dazu Koehler/Baumgartner, Lexicon 611).
3) Noth, Das Buch Josua 51.
20
der Hinterhalt und Josua einander sehen konnten 1 . Vor
allem aber zeigt V. 26, dass das Ausstrecken der Waffe an
und für sich kein blasses Signal sondern ein wirkmächtiges
Zeichen war.
Die Tendenz, die ausgestreckte Waffe als Signal zu
verstehen, die sich im
li~
n1~J~
in Jos 8,19a schüchtern
andeutet, hat in der Septuaginta das wirkrnächtige Zeichen
völlig eliminiert 2 . Die Stelle lautet in der griechischen
Fassung : "Und der Herr sprach zu Josua :
'Strecke deine
Hand mit dem (Wurf) Speer, der in deiner Hand ist, gegen
die Stadt aus, denn ich habe sie in deine Hände gegeben
und die (Leute) im Hinterhalt werden sich eilends von
ihrer Stellung erheben.' Und Josua streckte seine Hand aus,
den Speer, gegen die Stadt. Und die im Hinterhalt erhoben
sich eilends von ihrem Platz. Und sie kamen hervor als er
die Hand ausstreckte ••• ". Schon im Befehl Jahwes ist das
Ausstrecken der Hand mit der Aktivierung der Leute im
Hinterhalt verknüpft. Und in der Ausführungsnotiz werden
das Ausstrecken der Hand, resp. des Speers, nicht nur einmal sondern zweimal ausdrücklich miteinander verbunden.
Endlich wird die Deutung als Signal dadurch vervollständigt, dass die Septuaginta V. 26 eliminiert hat 3 .
1) Ebd.
2) Zur Septuaginta im Buche Jos vgl. Wellhausen, Die
Composition 124.
3) Josephus (Antiquitates V 46) paraphrasiert das Geschehen wie folgt : " ••. und indem er (Josua) die Signale
gab, die er mit denen im Hinterhalt verabredet hatte,
liess er auch jene sich zum Kampf erheben." V. 26 wird
von Josephus übergangen. Die Deutung der erhobenen
Waffe als Signal hat auch die Vulgata, allerdings ohne
V. 26 zu eliminieren. Sie übersetzt V. 19 : "Curnque
elevasset clypeurn ex adverso civitatis, insidiae quae
latebant, surrexerunt confestim ... ". Die Deutung als
Signal ist bis heute nicht ausgestorben (Schulz, Das
Buch Josua 29; Molin, What is a Kidon? 336).
21
Als Ergebnis dieser kleinen Untersuchung ist festzuhalten : In der ursprünglichen (Gibea) Version fehlt das
wirkmächtige Zeichen der ausgestreckten Waffe. Es wurde
wahrscheinlich bei der Uebertragung des Stoffes von Gibea
auf Ai und bei seiner Integration in die Landnahmeüberlief erung in diesen eingeführt, um ihr stärker den Charakter
1
des Jahwekriegs zu geben
Das Zeichen wurde aber schon
früh nicht mehr verstanden oder als anstössig empfunden
und deshalb als blosses Signal gedeutet oder ganz eliminiert.
2. Was bedeutet Kidon ?
Das in die Ai-Version der alten Gibeasage eingeführte
2
Ideogramm hat im Alten Testament keine genaue Parallele •
Bei der Frage nach seiner Herkunft und seiner genauen Bedeutung sind wir also auf ausserisra.elitische Parallelen
angewiesen. Bevor wir solche suchen können, muss die Bedeutung von
111~~
geklärt werden. Die neueren Uebersetzun-
gen und Wörterbücher geben das Wort mit "Speer" oder
1) Jos 8,18 und 26 sind also sekundär eingeführt. Das ergibt sich auch aus der Spannung zwischen dem taktischen
Mittel des Hinterhalts und dem kultisch-sakramentalen
der ausgestreckten Waffe. Bei Jericho hat die kultische
Interpretation der Eroberung die profane soweit verdrängt, dass diese nur noch in Resten (Kundschaftergeschichte Jos 2 und die Notiz in Jos 24,lli auf uns
gekommen ist. Hertzberg, (Die Bücher Josua, Richter
und Ruth 59) dürfte seinerseits irren, wenn er die des
Irrtum bezichtigt, die meinen "solche Züge seien nachträglich hinzugekommen, um die ursprünglich mehr weltlich-militärische Geschichte zu vergeistlichen". Im
Recht ist er nur, wenn er die Deutung der erhobenen
Waffe als Signal als sekundär ablehnt.
2) In Ex 17,8-13 sind es die erhobenen Hände des Mose,
die Israel den Sieg über Amalek sichern; bei den Ereignissen, die den Exodus vorbereiten, ist es der Stab des
Mose, der die Macht Jahwes vergegenwärtigt.
22
"Wurfspeer" wieder 1
Wie ein Blick auf die alten Ueber-
setzungen zeigt, wurde der Begriff schon früh nicht mehr
verstanden. Man hat ihn mit verschiedensten Ausrüstungsgegenständen vom Wurfspeer über den Brandpfeil und das
Schwert bis zum Schild und zum Schuppenpanzer identif iziert, wie die folgende Uebersicht deutlich macht :
Die Wiedergabe von l 'li'l:J in den alten Uebersetzungen
Targum
Jos
8,18
KMOi
8,26
KMOi
njzk 1
njzk>
K~noo
trpns
17,45
KMOi
6,23
50,42
1 Sam 17,6
Jer
Ijob
Sir
Peschitta se;etuaginta Vulgata:
clypeus
O.OltL!:
clypeus
O.OltL !:
clypeus
O'lin
njzk
njzkl
6Lßuvn
scutum
O'lin
njzk
EYXF:LPLÖLOV scutum
1
1
1
41,21
njzk 1
njzk.>
46,2
njzk 1
39,23
clypeus
YO.LOO!:
(?)
].l.0.)(0.LPO.
clypeus
nupcpopoi;;:
hasta
poµcpa.La.
romphaea
In eigenartigem Kontrast zum Zögern der Versionen
steht die Genauigkeit, mit der der
Ki~on
in der Kriegs-
rolle aus Qumran beschrieben wird (V. 7.11.12.14; VI 5).
1) Noth, Das Buch Josua 48 ("Speer"); Hertzberg, Die
Bücher Josua, Richter, Ruth AB f. ("Speer"); Stolz,
Jahwes und Israel Kriege 83 ("Lanze"); Koehler/Baumgartner Lexicon 433 ("Wurfspeer"); Fohrer, Hebräisches
und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament 122
("Wurfspeer"). Stoebe (Das erste Buch Samuelis 316, 318,
329) übersetzt "Krummschwert".
23
K.G. Kuhn 1 und G. Molin 2 haben diese Beschreibung unabhängig voneinander auf das Sichelschwert gedeutet. Es ist
denkbar, dass die Priesterkreise in und um Qumran bessere
Hebräischkenntnisse besassen, als sie den alten Uebersetzern zur Verfügung standen. Die Bedeutung "Sichelschwert" passt für das
111~::i
der drei vorexilischen Stel-
len jedenfalls besser als irgendeine andere. Generell geht
aus diesen drei Stellen (Jos 8,18.26; 1 Sam 17,6.45;
Jer 6,23) hervor, dass es sich beim Kidon um eine Waffe
gehandelt haben muss, die im 1. Jahrtausend nicht mehr
zur Ausrüstung des gewöhnlichenKriegersgehörte, sondern
nur noch als Ideogramm Bedeutung besass
3
In Jos 8,18.26 ist es eine sakramentale Grösse, deren
Ausstrecken den Sieg bewirkt. Das unten in Abschnitt 3 c
vorgelegte Material enthält zahlreiche Parallelen zu dieser Verwendung des Sichelsehwerts. In 1 Sam 17,6.45 bildet der Kidon einen Teil der singulären Rüstung Goliats,
die <d-er Erzähler "aus verschiedenen ihm bekannten Ausrüstungsstücken zusammengesetzt (hat), um .•• das
Schreckensvolle einer die Unverwundbarkeit gleichsam ga.
d en Bewa ff nung eines
'
'
d arzutun • • •
" 4• D'ieser
rantieren
Riesen
Kidon ist nach 1 Sam 17,6 aus Bronze gefertigt. Das trifft
1) Beiträge zum Verständnis der Kriegsrolle von Qumran
25-30, besonders 29 f.
2) What is a Kidon ? 334-337. Galling (Goliath und seine
Rüstung 166, Anm.l) vermutet : "Bei der archaistischen
Aufnahme des Terminus Kidon in der Kriegsrolle dürfte
das Wunder in Jos VIII eine Rolle spielen". '
3) Vgl. R. de Vaux, Das Alte Testament und seine Lebensordnungen II 49 : "In den biblischen Texten· erscheint
der kidon als eine aussergewöhnliche Waffe, die ausser
Jos 8 nicht in Händen der Israeliten vorkommt". Im
einzelnen vgl. die folgenden Abschnitte 3 und 4 dieser
Arbeit.
4) Galling, Goliath und seine Rüstung 167; wie Galling
ebd. 165 zur Behauptung kommt, in 1 Sam 17,45 werde bei
den Waffen Goliats das Schwert, das in 17,51 plötzlich·
24
wohl auf ein Sichelschwert aber nicht auf eine Lanze oder
einen Wurfspeer zu, bei denen höchstens die Spitze aus
Bronze ist {vgl. 1 Sam 17,7). Immerhin könnte die Lanze
Goliats
übertreibend ganz aus Bronze vorgestellt sein.
Aber gegen die Lanze spricht auch die Plazierung zwischen
den
~~n~
Goliats.
Die alten Uebersetzungen geben denn
auch, wie ein Blick auf die obige Liste zeigt, an dieser
Stelle Kidon ohne Ausnahme mit "Schild" wieder. Selbst
die Peschitta, die sonst konsequent njzk> "Wurfspeer" hat,
bietet hier trpns'. Das ist umso verständlicher als unmittelbar vor dem Kidon der Schuppenpanzer und die Beinschienen erwähnt werden. Dennoch ist diese Wiedergabe natürlich eine Verlegenheitslösung.
Die Sache klärt sich, wenn wir
o~~n~
in 1 Sam 17,6
nicht zu eng als "Schulterblätter" sondern als die beiden
1
Seiten des Oberkörpers verstehen • Wenn der Hohepriester
die zwei goldgefassten Edelsteine mit den Namen der zwölf
Stämme auf den beiden
n1~n~
seines Ephods tragen soll,
um sie vor Jahwe in Erinnerung zu bringen {Ex 28,12;
vgl. 28,7.25.27; 39,4.7.18.20), so ist, wie M. Noth richtig sagt, wohl gedacht, dass sie ihren Platz oben auf den
Schultern oder noch eher an den Vorderseiten haben sollen 2 •
da sei, nicht genannt, weiss ich nicht. David sagt
doch 17,45 : "Du kommst zu mir mit Schwert {·:J.iil::J.) ••• ".
1) Cross Jr./Freedman {The Blessing of Moses 205 Anm.40)
schlagen für l~~n~ 1~::i in Dt 33,12 die Uebersetzung
"bosom" vor, "because the English ward 'shoulder' is
more restricted in meaning and does not include the
front of the ehest". Stoebe (Das erste Buch Samuelis
316) übersetzt : "Ein Krurnrnschwert aus Erz hing zwischen seinen Schultern". Eine Erklärung für diese doch
eher seltsame Position des Schwertes gibt er nicht.
2) Das zweite Buch Mose 181.
25
Auf der Brust, zwischen den beiden Hälften des Brustkastens
(O~~n~
1~~),
wobei die Schneide oft auf die
Schultern zu liegen kam, wurde das Sichelschwert nach
Ausweis der Ikonographie sehr häufig getragen 1 . Um zu
wissen, was damit gemeint ist, schaue man sich etwa die
goldene Statuette eines Königs als Arnon im Metropolitan
Museum in New York an 2 . Diese Tragart und die damit zusammenhängenden Texte erklären auch die Nähe des Kidon
zu Schuppenpanzer und Beinschienen, die die alten Uebersetzer veranlasste,
('11~~
in 1 Sam 17,6 mit "Schild" zu
übersetzen. In einer Inschrift Ramses III. überreicht diesem Arnon das Sichelschwert mit den Worten : "Ich gebe dir
mein Sichelschwert als Schild für deine Brust ! " 3. In einer
andern Inschrift bestätigt der König dem Gott : "Dein
Sichelschwert dient mir als Schild ! 114 • Es scheint, dass
das Siche-lschwert im Aegypten des ausgehenden 2. Jahrtausends nicht nur eine Angriffswaffe und ein Ideogramm
des Sieges war, sondern auch als eine Art Amulett galt,
1) Für das Zweistromland des 3. Jahrtausends v. Chr. vgl.
die Abb. 5,6 und 7 dieser Arbeit;
für die altbabylonische Zeit siehe die Belege unten in Anm. 2 auf S. 37;
für einen anatolisch/nordsyrischen Beleg von der Osten,
Ancient Oriental Seals in the Collection of Mr. Edward
T. Newell Nr. 331; für den hethitischen Raum vgl. die
Gruppe von Göttern in der Nebenkammer von Yazilikaya
(Akurgal/Hirmer, Die Kunst der Hethiter Abb.80,86,87);
für den syrisch-palästinensischen Bereich vgl. die
Elfenbeine von Ugarit und Megiddo (Belege : Anm. 6 und 1
auf S.30~; für den späthethitischen Raum vgl. ThureauDangin/Dunand, Til-Barsib. Album, Taf. XI/l; Werner,
Verzeichnis der Ergänzungen zur Ausstellung ~unst und
Kultur der Hethiter. Kunsthaus Zürich Nr. 254; für
Aegypten : Daressy, Statues de divinites, Taf. 35 und 7.
2) Pritchard, ANEP Nr. 550; farbig bei Westendorf, Das
Alte Aegypten s. 198.
3)
Nelso~
Medinet Habu II Taf. 101 Z. 18; Edgerton/Wilson,
Historical Records 107; vgl. auch Nims, High Gate Medinet Habu VIII Taf.606 Z.4.
4) Nelson, Medinet Habu I Taf. 44 Z. 12 f.; Edgerton/Wilson, Historical Records 47.
26
das im Kampfe Schutz gewährt. In diesem Sinne könnte es
auch in 1 Sam 17,6 gemeint sein, das im Kontext also wie
folgt zu übersetzen wäre :
"Er hatte einen Helm aus Bronze auf dem Kopf und war mit
einem Schuppenpanzer bekleidet. Das Gewicht des Panzers
war 5000 Schekel Bronze. An den Beinen hatte er bronzene
Schienen und vor der Brust ein bronzenes Sichelschwert.
Der Schaft seiner Lanze war wie ein Weberbaum, und pi~
Lanzenspitze hatte ein Gewicht von 600 Schekel Eisen. ·Sein
Schildträger ging vor ihm her" (1 Sam 17,5-7).
Von der Amarnazeit
bis zum Ende des Neuen Reiches finden
wir in Aegypten häufig Krieger, die mit Sichelschwert und
Lanze bewaffnet sind 1 • In 1 Sam 17,45 kommt zu 711~~ und
n~~n
noch der
~in,
das gerade Schwert, das wohl umgebunden
zu denken ist.
Der dritte vorexilische Text, in dem Kidon erscheint,
ist Jeremia 6,23 (vgl. 50,42). Hier ist das geheimnisvolle
Volk aus dem Norden mit Kidon und Bogen ausgestattet. Die
Zusammenstellung mit dem Bogen legt nahe, Kidon als eine
Art Schwert zu denken, denn die polaren Ausdrücke Bogen
(Fernwaffe) und Schwert (Nahwaffe)
(Hos 1,7; 2,20; Ps 44,7),
resp. Schwert und Bogen (Gen 48,22; Jos 24,12; 2 Kön 6,22;
Jes 21,15; Sach 9,5; Ps 37,14 f.) bilden weit häufiger
als irgendwelche andern Bezeichnungen für Waffen einen
Merismus, der die Bewaffnung oder gar den Krieg als Ganzes
bezeichnet (z.B. Hos 2,20). Jeremia dürfte an Stelle des
gewöhnlichen Schwertes den Kidon gewählt haben, um das
Numinose der Krieger aus dem Norden zu unterstreichen.
Wie das Folgende zeigt, ist das Sichelschwert als Gebrauchswaffe am Ende des 2. Jahrtausends v.Chr. aus den
Waffenarsenalen des vorderen Orients verschwunden. Als
Ideogramm ist es aber lange über diesen Zeitpunkt hinaus
verwendet worden.
1) Davies, The Rock Tombs of el Amarna II Taf. 13; Ders.,
Ebd. III, Taf. 31; Nelson, Medinet Habu I Taf. 17.
27
3. Die Verbreitung des Sichelsehwerts als Gebrauchswaffe
H. Bonnet hat zu Recht betont, dass das Sichelschwert
nicht zu den Waffen gehöre, "die sich mit einer gewissen
Notwendigkeit aus den Prirnärforrnen menschlicher Angriffsmittel entwickeln und daher unabhängig voneinander entstehen können. Es muss an einer Stelle erfunden sein, und
die Frage ist nur, ob wir diese noch aufweisen können" 1 .
Nach allgemeiner und begründeter Ansicht ist Vorderasien, genauer das Zweistromland als Entstehungsbereich
des Sichelschwertes anzusehen 2 • Während man früher eine
geradlinige Entwicklung von der Flachkeule der Urzeit
über das Krummholz des Eannaturn zu den Sichelschwertern
von Tell Loh annehmen wollte 3 , sieht man heute im Sichelschwert eine Weiterentwicklung der Sichelaxt 4
Ein ge-
wisser Einfluss des Krummholzes, besonders in der Formgebung und in der ideogrammatischen Verwendung braucht
deshalb nicht ausgeschlossen zu werden.
Während bei der Sichelaxt die sichelförmige Schneide
aus Metall, der Schaft aber aus Holz besteht, sind beim
1) Bonnet, Die Waffen der Völker 89.
2) Bonnet, Ebd.; Wolf, Die Bewaffnung des altägyptischen
Heeres 66; Galling, Biblisches Reallexikon, Sp. 474;
Solyrnan, Die Entstehung und Entwicklung der Götterwaffen 55 f.
3) Bonnet, Die Waffen 91 f. Eine Reihe scharfer Beobachtungen führen Bonnet allerdings dazu, praktisch doch eine
Entwicklung anzunehmen, die vorn Krummholz über die
Sichelaxt zum Sichelschwert führt.
4) Solyrnan, Die Entstehung 55; vgl. auch Maxwell-Hyslop
Daggers and Swords 41-44.
28
Sichelschwert beide aus Metall und - was angesichts des
einheitlichen Materials nun möglich ist - aus einem Stück
gefertigt. Die damit erreichte Stabilität und das grössere Gewicht garantieren dem Sichelschwert erheblich mehr
Durchschlagskraft als sie die Sichelaxt besass 1 • Diese·
wird denn auch im Mesopotamien des ausgehenden 3. Jahrtausends v. Chr. vom Sichelschwert vollständig verdrängt.
Die Ersetzung der Sichelaxt durch das Sichelschwert
dürfte am Ende der Ur !-Zeit (um 2400 v. Chr.) eingesetzt
haben und durch "die fortgeschrittene Technik der Metallbearbeitung sowie auch das vermehrte Vorkommen von Kupfer
und Bronze" ermöglicht worden sein 2 Aus ungefähr dieser
Zeit dürften die beiden Sichelschwerter aus Tell Loh stammen3. Der Ablösungsprozess muss sich über längere Zeit ,
erstreckt haben. Bei manchen Motiven der Glyptik hält
sich die Sichelaxt die ganze Akkadzeit über und in die
altbabylonische Zeit hinein und wird erst dann vom Sichelschwert abgelöst (vgl. Abb. 1 mit 2 und 3 mit 4).
Syrien ist in dieser Zeit stark von Babylonien beeinflusst. Die Einführung des Sichelsehwerts ist nur einer
von vielen Beweisen. Drei solche stammen aus den Gräbern
dreier aufeinander folgender Fürsten von Byblos, die aufgrund anderer Grabbeigaben (ägyptischer Geschenke) in die
1) H. Bonnet (Die Waffen 85) findet die Bezeichnung Sichelschwert falsch und irreführend. Die Sichel ist an der
konkaven Seite geschärft, die Schwerter in der Regel
nur an der äusseren, konvexen. Bonnet zieht den Begriff Krummschwert vor. Wolf (Die Bewaffnung 66) hält
am Begriff fest, da er in der Charakterisierung der
Form im wesentlichen das Richtige treffe. Dieser Meinung möchten wir uns hier anschliessen.
2) Solyman, Die Entstehung 55.
3) Cros/Heuzey, Nouvelles Fouilles de Tello 129 ff, und
Taf. VII 4-5; vgl. auch Bonnet, Die Waffen Abb. 33 und
34b, und Gressmann, AOB Nr. 668; zur Datierung der
Tell Loh-Schwerter siehe Bonnet, Die Bewaffnung 89;
Solyman, Die Entstehung 56.
29
Zeit Amenemhets III.
(1842-1794 v.Chr.) und des IV. (17971788 v.Chr.) datiert werden können 1 . Alle drei sind mit
dem Uraeus geschmückt. Man hat sie daher als ägyptische
Importware betrachten wollen
2
Aber dagegen spricht nicht
nur die Tatsache, dass sich aus dem Aegypten dieser Zeit
bis heute keinerlei Belege gefunden haben, sondern auch
die unägyptische Gestaltung der Hieroglyphen, mit denen
eines von ihnen beschriftet ist. Darauf hat schon P. Montet, ihr Entdecker, nachdrücklich hingewiesen 3 . Wir haben
es mit Erzeugnissen byblischer Kunsthandwerker zu tun 4 .
Der ägyptisierende Stil kann im stark ägyptisch beeinflussten Byblos nicht verwundern.
Gleichzeitig mit den byblischen Originalschwertern
oder schon etwas früher taucht das Sichelschwert in der
syrischen Glyptik auf 5 und zwar nicht nur in den von der
1) Die drei Sichelschwerter aus Byblos sind publiziert :
1) Montet, Byblos et l'Egypte 173 und Taf. CI Nr. 652
(aus <fern Grab des Abischemu = Grab I); Virolleaud,
Decouv~rte a Byblos d'un hypogee de la XIIeme dynastie
282 und Taf.65; Montet, L'art phenicien au
XVIIIe siecle 3 und Abb.l; Bonnet, Die Bewaffnung Abb.
34a; Galling, Reallexikon Sp. 473 f. Nr. 7; siehe Abb.
42 dieser Arbeit.
2) Montet, Byblos et l'Egypte 174-177 und Taf. C-CI
Nr. 653 (aus dem Grab des Jpschemuabi = Grab II);
Montet, Les fouilles de Byblos en 1923 334-344, besonders 340; Montet, L'art phenicien 3-13 und Taf.l.
3) Montet, Byblos et l'Egypte 177 und Taf. C Nr. 654
(aus Grab III); P. Montet, L'art phenicien 3 und Abb.l.
2) Wolf, Die Bewaffnung 66.
3) Montet, Byblos et l'Egypte 176 f. Die Hieroglyphen sind
zwar lesbar, ihre Form ist aber ziemlich u~ägyptisch.
4) Diese Meinung vertreten auch Bonnet, Die Waffen 93;
Galling, Reallexikon Sp. 475.
5) Zum Sichelschwert in der syrischen Glyptik von 1800 an
vgl. Safadi, Die Entstehung Abb. Nr. 61, 63, 73, 86,
107, 108, 109, 126 und dazu die Belege auf S. 41 ff.
30
babylonischen Glyptik vorgegebenen Motiven (vgl. Abb.19
und 20). Das Sichelschwert ist in der Folgezeit für den
syro-palästinensischen Raum bis gegen Ende des 2. Jahrtausends v.Chr. regelmässig bezeugt.
In die Zeit um 1700 v.Chr. oder etwas früher wird ein
Sichelschwert aus Sichern datiert, das der Form nach den
byblischen Schwertern, besonders denen aus Grab II una
III ausserordentlich ähnlich und wie diese mit dem Uraeus
mit einer Lotosblüte geschmückt ist 1 . Ein weiteres kam in
der Schicht aus der letzten Zeit der 18. Dynastie (Ende
2
des 14. Jh.s) in Bet-Schean zutage
Es weist keinerlei
Dekorationen auf und muss als Gebrauchswaffe angesprochen
werden. Auch die Schwerter aus Geser 3 und aus Ras-Schamra 4,
die beide ebenfalls ins 14. Jahrhundert gehören dürften,
und das aus Beirut (?),das ins frühe 13. Jh. datiert
wird 5 , sind in ihrer Schmucklosigkeit nicht als Prunkoder Symbolwaffen zu verstehen 6 . Auf dem berühmten Elfen1) V. Bissing bei Böhl, De geschiedenis der stad Sichern
20-24, bes. 21; Bonnet, Die Waffen Abb.34c; Watzinger,
Denkmäler I Abb.52; Galling, Reallexikon Sp. 473/74
Nr. 8; Müller, Staatliche Sammlung 50 und Farbtafel
zwischen Taf.24 und 25.
2) Rowe, Discoveries 72-94, bes. 90 und Taf. XV/2; Rowe
datiert die Fundschicht in die Zeit Thutmosis III.,
W.F. Albright (Beit Mirsim II 76 f.) ans Ende des 14.
Jh.s (vgl. auch Fitzgerald, Beth-Shean, in : D. Winten
Thomas, Archaeology 188 f .) .
3) Macalister, The Excavation of Geser III Taf.75; Bonnet,
Die Waffen.Abb.35; Galling, Reallexikon Sp.473/74 Nr.9.
4) Schaeffer, Les fouilles, Septieme campagne Taf .XVIII
unten; Galling, Reallexikon Sp. 473/74 Nr. 10.
5) Müller, Staatliche Sammlung 52 und Abb. auf Taf .24.
6) Ein dem Beirut (?)-Schwert sehr ähnliches, aber an der
Nahtstelle zwischen Griff und Klinge mit einer "Lilie"
dekoriertes Sichelschwert ist neulich aus der Gegend
von Sichem-Samaria ins Israel-Museum in Jerusalem gekommen (Tadmor, Bepesh-Sword 63 f.).
31
beinpaneel aus Ras
Scha~ra (1400-1300 v.Chr.) 1 , sind nicht
der König oder die Prinien, sondern die sie begleitenden
Soldaten mit dem Sichelschwert ausgerüstet. Das gleiche
gilt von der bekannten Elfenbeinritzung mit dem König auf
dem Kerubenthron aus Megiddo (1300-1170 v.Chr.) und einer
weniger bekannten Elfenbeinschnitzerei von demselben Ort
u~d aus derselben Zeit 2 • Das Sichelschwert war in Palästina-Syrien vorn 16. Jahrhundert v.Chr. bis ans Ende der Spätbronzezeit als Gebrauchswaffe bekannt. Davon zeugen nebst
den Funden aus Palästina-Syrien auch ägyptische Grabmalereien der 18. Dynastie, von denen gleich die Rede sein
. d3 .
wir
In Aegypten finden sich die ersten unbestrittenen literarischen Belege für das Sichelschwert erst in den Anfängen der 18. Dynastie 4 . So erscheint es unter dem Tribut,
1) Ward, La deesse nourriciere d'Ugarit 225-239, bes.236 f.
Abb.3 und 4; Keel, AOB Ps Abb.383.
2) Loud, The Megiddo Ivories Nr.2 und Nr.161. Zum Sichelschwert als Waffe der ägyptischen Palastwache vgl. unten s. 33.
3) Galling (Reallexikon Sp.475) bezweifelt, dass das Sichelschwert zwischen dem 18. und 14. Jahrh. v.Chr. als
Waffe gebraucht worden sei, aber nebst den obigen Belegen scheinen mir gerade die folgenden ägyptischen
Zeugnisse solche Zweifel zu zerstreuen.
4) Das Wort !J.p~, das später "Sichelschwert" bedeutet, bezeichnet eigentlich den Vorderschenkel eines Tieres,
besonders eines Rindes, dann aber auch den Arm und besonders den Arm als Symbol der Kraft. Bei den ältesten
für "Sichelschwert" angeführten Belegen (aus dem Mittleren Reich) gilt die Bedeutung "Arm" als naheliegender. So übersetzt E. Edel die einschlägige.stelle bei
Sinuhe (Z.105) : "Ich erbeutete sein (scl des Landes,
das ich angriff) Vieh, führte seine Einwohner fort,
raubte ihre Nahrung und tötete die Leute in ihm mit
meinem Arm (hpS) und mit meinem Bogen, durch mein vorgehen und meine trefflichen Pläne" (Galling, Textbuch
4 f.). Man muss aber beachten, dass die Sinuhegeschichte in der Levante spielt, die Sichelschwerter von Byblos und selbst das von Sichern zeitlich vom Sinuhetext
nicht allzu weit entfernt sind und "Sichelschwert und
32
den Thutrnosis III. aus Syrien erhält 1 • Etwas weiter zurück
reicht ein Beleg, der eine Zwischenstellung zwischen den
literarischen und den archäologisch-ikonographischen Zeugnissen einnimmt. Nach dem Papyrus Arnherst hat in den Verhandlungen gegen Grabräuber aus dem 16. Jahr Ramses IX.
(1149-1131 v.Chr.) ein Steinmetz des Arnontempels namens
Arnenpanefer bekannt : "Wir fanden das Grab des Königs
Sechernre Schedtauj, Sohn des Re Sebekernsaf ..• Wir fanden
die erhabene Mumie des Königs, versehen mit einem Sichelschwert, einer grossen Anzahl von Amuletten und Goldschmuck an seinem Hals ..• 112 . Sebekernsaf II., um den es
sich hier handelt, regierte von 1594-1585 v.Chr. Das Bild,
das der Grabräuber beschreibt, erinnert an die Sarkophage
von Byblos, wo die Sichelschwerter ebenfalls unmittelbar
neben den toten Fürsten lagen 3
Zur Zeit Hatschepsuts (1489-1469 v.Chr.) wird ein einBogen" auch sonst ein Paar bilden (Jer 6,23). Solche
Ueberlegungen und die ausgesprochen ägyptische Dekoration der ältesten Sichelschwerter aus dem syrisch-palästinischen Raum (Byblos, Sichern) lässt doch die Frage
entstehen, ob das Sichelschwert der 12. Dynastie nicht,
wenn auch nur in begrenztem Umfang, bekannt gewesen sei.
Sicher muss man das Fehlen aller archäologisch-ikonographischen Belege aus dem Aegypten dieser Zeit beachten. Aber angesichts der Fragilität des argurnenturn e
silentio scheint mir das letzte Wort in dieser Sache
nicht gesprochen zu sein. Eine ähnlich zweideutige Stelle, wie in der Sinuheerzählung findet sich auch in einem Text aus Siut (Griffith, Inscriptions V. 16; vgl.
zu beiden Stellen Bannet, Die Waffen 93 f.).
1) Sethe, Urkunden der 18. Dynastie. IV. Abteilung, Bd.III
726 Z.17.
2) Capart/Gardiner/van de Walle, New Light an the Rarnesside Tornb Robberies 169-193, bes. 171 (Papyrus Leopold
II 2,13; Papyrus Arnherst 2,4). Obgleich hPS S.171 mit
"falchion" übersetzt und diese Uebersetzung S.179 im
Kommentar bestätigt wird, liest man dann mit Erstaunen
weiter, dass damit nur ein Dolch ("dagger") gemeint
sein könne. Neuere Uebersetzer geben den Terminus doch
zurecht mit "scimitar" wieder (so z.B. Nirns, Thebes of
the Pharaohs 134).
3)_Eine Lageskizze der Beigaben in einem byblischen Sarkophag bei Virolleaud, Decouverte a Byblos 283, Abb.4.
33
zelnes Sichelschwert in einer festlichen Prozession von
ägyptischen Soldaten mitgetragen 1 Unter Thutrnosis III.
(1490, resp. 1469-1436 v.Chr.) ist meines Wissens zum
ersten Mal die Ersetzung der Keule durch das Sichelschwert
im uralten Sinnbild des Niederschlagens bezeugt (vgl. Abb.
'21). Während der 18. Dynastie (1554-1318 v.Chr.) erscheinen Sichelschwerter oft in grosser Menge unter dem Tribut,
resp. den Neujahrsgaben, die dem Pharao (bes. Thutrnosis
III., Arnenhotep II.) von den Völkern Syriens zuteil wer2
den • Die grosse Zahl dürfte mit der praktischen Verwen..
3
d ung zusammen h angen
•
In Arnarna (1376-1359 v.Chr.) sind jedenfalls neben
Truppen, die noch mit der alten Streitaxt ausgestattet
sind 4 , solche zu sehen, die das Sichelschwert tragen 5 Es
scheint sich um Angehörige der Leibgarde zu handeln. Ein
Sichelschwert, das angeblich aus der Deltaresidenz der
Ramessiden stammt und vermutlich einem Mitglied der Pa1) Naville, Deir el Bahari IV Taf. 90, Text S. 2 (das Sichelschwert scheint, soweit das aus der Zeichnung bei
Naville ersichtlich ist, in ähnlicher Weise mit einem
Uräus geschmückt zu sein wie die byblischen Sichelschwerter); zu einem ägyptischen Soldaten mit Sichelschwert in einer Festprozession vgl. auch Wolf, Das
Schöne Fest von Opet Taf. 2 (die Truppe unter der
Königinbarke bei der Rückkehr von Luxor nach Karnak) .
2) Davies, The Tombs of Menkheperrasonb 8 f. und Taf. 5
und 8 (Zeit Thutmosis III.); Davies, Syrians in the
Tomb of Arnunedje~ 96-98, bes. 97 und Taf. 13 (Zeit
Thutmosis III.); Davies, The Tomb of Ken-arnun at Thebes
II. Taf. 22 A; ebenso Wreszinski, Atläs zur altägyptischen Kulturgeschichte I Taf. 306 (Zeit Arnenhotep's
II.). Bei diesem letzteren Beleg geht aus Bild und Begleittext hervor, dass in den Zugängen zur königlichen
Schatzkammer nebst 230 ledernen Köchern, 680 fellüberzogenen Schildern, 140 ehernen Dolchen auch 360 eherne
Sichelschwerter gelagert wurden.
3) Gegen Galling, Reallexikon Sp. 475.
4) Davies, The Rock Tombs of El Arnarna I, Taf. 10, vgl. 15
und 29; Ders., Ebd. III Taf. 31.
5) Ders., Ebd. II Taf. 13; Ders., Ebd. III Taf. 31.
34
lastwache gehörte, ist heute in München 1 . Unter Ramses
III.
(1204-1173 v.Chr.) bildete das Sichelschwert eine der
gebräuchlichsten Nahkampfwaffen, mit denen das ägyptische
Heer ausgestattet war, und ist viel häufiger als die Streitaxt, die nur noch vereinzelt vorkommt 2 . Das Verhältnis ist
nun gerade umgekehrt als am Anfang der 18. Dynastie.
Man nimmt an, dass es nach dieser Blüte als Gebrauchswaffe bald verschwunden und durch das gerade Schwert abgelöst worden ist 3 • Auf den späthethitischen Reliefs fehlt
es jedenfalls als Gebrauchswaffe so gut wie ganz
4
und auch
die Heere des mittel- und des neuassyrischen Reiches haben es als solche nicht mehr gekannt. Als Gebrauchswaffe
belegt ist das Sichelschwert also von ungefähr 2400-1150
V.Chr., wobei es zuletzt in Aegypten intensive Verwendung
fand, während es im Zweistromland am Ende dieser Epoche
offensichtlich schon nicht mehr im Gebrauch war.
4. Die Verbreitung und Bedeutung des Sichelsehwerts als
Ideogramm
Als Ideogramm hatte das Sichelschwert eine erheblich
längere Lebensdauer denn als Gebrauchswaffe.
1) Müller, Staatliche Sammlung 52.
2) Nelson, Medinet Habu I Taf. 17, 29, 37.
3) Bonnet, Die Waffen 94 f.; im Grabe Ramses III. erscheinen Sichelschwerter und gerade Schwerter in gleicher
Menge nebeneinander (vgl. Champollion, Monuments de
l'Egypte et de la Nubie III (Taf. 264).
4) Auf dem bei Thureau-Dangin/Dunand (Til Barsib. Album
Taf. XI/l) abgebildeten Relief könnte es aber noch Gebrauchswaffe sein. Doch würde es sich da um eine Ausnahme handeln.
35
a. Mesopotamien
Seine Verwendung als Ideogranun scheint gleich weit
zurückzureichen wie seine Entstehung überhaupt. Denn es
hat seine ideogranunatische Funktion mindestens teilweise
von der Waffe (Sichelaxt), resp. den Waffen (Sichelaxt und
Krummholz) übernommen, von denen es genetisch und formal
abhängig ist.
Während der ur-I-Zeit wurde die kriegerische Inanna
durch Keulen, die aus ihren Schultern hervorragen, charakterisiert1. Bei der akkadischen Form dieser Göttin, der
kämpferischen Ischtar treten zu den Keulen die Sichelaxt
(Abb.l), die in einzelnen Fällen durch das Sichelschwert
ersetzt wird (Abb.2) 2 • Sie wird dadurch als Macht der
Waffen, des Krieges und des siegreichen Kampfes charakterisiert3. Das kämpferische Pathos und die Sieghaftigkeit
ihres Einsatzes kommen aber bei einer andern Darstellung,
die während der ersten Dynastie von Babylon sehr beliebt
wird, viel stärker zum Ausdruck. Sie zeigt die Göttin en
face wie sie mit dem rechten aus ihrem langen Falbelgewand hervortretenden nackten Fuss auf einen kauernden Löwen tritt. In der gesenkten Linken hält sie das Sichelschwert, in der Rechten eine Keule oder die Leine, an
der der Löwe liegt (Abb.4). Auf der ältesten und bislang
einzigen Darstellung dieses Typs aus der Akkadzeit ist es
aber noch die Sichelaxt, die den Platz innehat, den später
1) Barrelet, Les deesses Abb.l; Boese, Altmesopotamische
Weihplatten Taf. 18, 3 (N 10).
2) Barrelet, Les deesses 227 (zahlreiche Abbildungen);
vgl. auch Boehmer, Die Entwicklung der Glyptik 65-69.
3) Aehnlich wird Schamasch durch Flammen als Macht der
Sonne, Ea durch Wellenlinien und Fische als solche des
Süsswasserozeans und Nintu durch Kinderköpfe als die
des Gebärens kenntlich gemacht (vgl. dazu Keel, AOB Ps
Abb. 53, 286, 285, 43, 277a, 42).
36
das Sichelschwert einnimmt (Abb.3) 1 .
Während der sumerischen Renaissance der Ur-II-Zeit
scheint das Sichelschwert aus der Ikonographie nach einem
ersten zögernden Auftauchen in der Akkadzeit nochmals weitgehend verschwunden zu sein 2 . Allerdings ist auf einem
leider stark abgewetzten Siegel aus der Sammlung Newell,
1
das H.H. von der Osten der Ur-III-Zeit zuweist, ein Gott
zu sehen, der ein Sichelschwert auf der Schulter trägt
(Abb.5). Auf der Schulter oder vor der Brust wird schon
seit der Mesilimzeit (1. Hälfte des 3. Jahrtausends v.Chr.)
das Krummholz getragen (Abb.6). Auf dem Fragment einer
Stele Sargons von Akkad wird in dieser Weise die Sichelaxt(?) mitgeführt (Abb.7). Der Mann mit der Waffe ist der
erste in einer Reihe von fünf Kriegern 3 , die sie vor der
Brust, resp. auf der Schulter tragen. Die gleichzeitige
Verwendung als Gebrauchswaffe (Abb.7) und als Ideogramm
(Abb.5) dürfte für letztere
die Bedeutung "Kampfkraft,
4
Sieg" nahe legen •
Angesichts des Zustands des auf Abb.7 wiedergegebenen
Stelenfragments kann nicht ganz deutlich werden, ob es
sich hier um ein Sichelschwert handelt, wie es umgekehrt
,~·
1) Boehmer (Die Entwicklung der Glyptik 68) spricht in
Zusammenhang mit Abb.3 zu Unrecht von einem Sichelschwert; Solyman (Die Entstehung und Entwicklung 102)
deutet die Waffe richtig als Sichelaxt. Noch auf dem
berühmten Wandbild aus Mari (vgl. Abb.9), das Ischtar
auf dem Löwen zeigt, sind die Waffen, die aus den
Schultern der Göttin ragen, wie auch die, die sie in
der gesenkten Hand hält, Sicheläxte, wie die dunkle
Farbe des Stils und die helle der Klinge deutlich zeigen (vgl. Parrot, Sumer Abb. 346).
2) Solyman (Die Entstehung und Entwicklung 108) sagt
"Während wir aus der Ur-III-Zeit keinen Beleg für eine
Darstellung des Sichelschwertes kennen •.• "
3) Potratz, Die Kunst 174 Abb. 26.
4) Eannatum hält es als siegreicher Vorkämpfer, der seiner
Truppe im Streitwagen voranfährt, resp. ihr vorangeht,
in der angewinkelten Rechten (Pritchard, ANEP Nr. 300).
37
nicht ganz sicher ist, ob wir es auf dem Siegel der urIII-Zeit nicht noch mit einem Krummholz zu tun haben. Das
Krummholz ist gelegentlich durch Metallstücke oder einen
Metallstreifen in seiner Wirkung verstärkt worden und
diese Art von Krummholz ist auf den Darstellungen vorn Sichelschwert und gelegentlich auch von der Sichelaxt nicht
deutlich zu unterscheiden 1 • In altbabylonischer Zeit erscheint das Sichelschwert gelegentlich auf der Schulter
eines nicht näher zu bestimmenden Gottes 2 • Wahrscheinlich
hat das Sichelschwert in diesem Falle die
ideogrammati~
sehen Funktionen des Krummholzes übernommen.
Allerdings wird auf einem Rollsiegelabdruck aus Tell
Asrnar, der trotz seines akkadischen Stils, von einem
Herrscher der ausgehenden Ur-III-Zeit stammt, wie auf den
Abb. 5-7 das Krummholz (Sichelschwert), die Streitaxt
3
vor der Brust getragen (Abb.8) • Krummholz, Sichelaxt und
Sichelschwert können also gleicherweise vor der Brust
gehalten und auf der Schulter ruhend getragen werden. Sie
sind ikonographisch schwer zu unterscheiden, was für uns
nicht weiter von Belang ist, da sie ideograrnrnatisch anscheinend die gleiche Bedeutung haben. Der Gott von Abb.8
steht auf zwei besiegten Feinden. Der König, der ihm seinen Sieg verdankt, trägt wie der Gott die Streitaxt, nur
nicht vor der Brust sondern in der gesenkten Rechten. Die
beiden Bildelemente (Waffe vor der Brust, in der gesenkten
Hand) stehen hier in einem Kontext, der von Sieg und
Triumph gekennzeichnet ist. Da Ring und Stab des Gottes,
1) Von daher wird die einseitige Ableitung des Sichelsehwerts von der Sichelaxt, wie schon oben angedeutet,
etwas modifiziert (vgl. Bannet, Die Waffen 91 f.).
2) De Sarzec/Heuzey, Decouvertes en Chaldee Taf. 22, 5;
Solyrnan, Die Entstehung und Entwicklung Abb. 457;
Porada, The Collection of the Pierpont Morgan Library
Nr 380 und 395.
3) Vgl. Strommenger/Hirrner, Mesopotamien Abb.114 : Ein
38
die der König in Empfang zu nehmen scheint 1 , Insignien
höchster Herrschaft in einem allgemeinen Sinne sind 2 ,
dürfte hier die Sichelaxt den spezifischen Charakter der
Szene (Sieg und Triumph) signalisieren. Eine ähnliche
Komposition, wie die von Abb. 8 findet sich wenig später,
aus altbabylonischer Zeit in Mari (Abb.9). Der König
~dt
hier nicht als Krieger charakterisiert, umso mehr ist das
sein göttliches Gegenüber, die kriegerische Ischtar. Die
Art, wie sie die Sichelaxt hält, ist in altbabylonischer
Zeit sehr beliebt (vgl. Abb.3 und 4).
Neben Ischtar, für die sie in der Akkadzeit als einzige mit Sicherheit belegt war, tragen jetzt auch andere
3
Götter Sichelaxt oder Sichelschwert in der gesenkten Hand •
Das zeigt z.B. Abb.10. Nergals rechter Fuss ruht dabei
auf einem rücklings auf dem Boden liegenden Feind. Das
Sichelschwert, um das es sich hier handelt, zeigt Sieg
und Triumph und nicht einfach Herrschaft an.
Ebenfalls mit dem gesenkten Arm und der Schneide nach
unten hält es die Gestalt von Abb.11. Ihre Tracht und ihre
Haltung sind im übrigen mit der des sogenannten "Gottes
mit der Keule" identisch. H. Frankfort vermutet, dass es
sich bei ihm in Wirklichkeit um den König oder die Statue
des Königs handle 4 • Ungefähr gleichzeitig hat A. Moortgat
begründet, warum er im "Gott mit der Keule" keinen eigentlichen Gott, sondern den vergöttlichten König als Krieger
akkadischer Offizier führt mit geschulterter Streitaxt
Gefangene ab.
1) Vgl. unten s. 76.
2) Van Buren, The Rod and Ring 434-450; vgl. z.B. das
Relief auf der Gesetzesstele des Harnrnurabi (Strornrnenger/
Hirmer, Mesopotamien Abb. 159).
3) Solyrnan, Die Entstehung und Entwicklung 108 f.; Parrot,
Scenes de Guerre a Larsa 64 f. und unten Anm. 1 S. 41
und die Belege S. 42.
4) Frankfort, Cylinder Seals 168.
39
sieht. "Seine äusseren Trachtabzeichen weisen nicht auf
einen wahren Gott, die Kappe ist diejenige der Fürsten
seit neusumerischer Zeit, der kurze Schurz mit vorderem
Zipfel dagegen ist die Tracht des Naramsin auf seinem
berühmten Relief aus Susa" 1 •
Mit einem andern Gestus als auf den Abbildungen 3-4
und 10-11, resp. 5 ist das Sichelschwert auf Abb.12 verbunden. Die Gestalt, die da mit dem Sichelschwert in der
erhobenen Rechten zum Schlag gegen einen nackten Mann
ausholt, der abwehrend und
fleh~nd
vor ihr kniet, wird
verschieden gedeutet. H. Frankfort bezeichnet ihn schlicht
als "conqueror god", erwägt dann aber seine Identifikation
mit Nergal 2 • T. Solyman möchte in ihm Ninurta erkennen 3 •
Das eine oder andere mag auf jene Darstellungen zutreffen,
auf denen die Gestalt neben dem Sichelschwert noch die
phantastische Mehrfachkeule schwingt 4 • Die Gestalt von
1) Moortgat, Vorderasiatische Rollsiegel 37, vgl. 37-39;
in ähnlichem Sinne auch Porada, The Collection of the
Pierpont Morgan Library 51 f. und Solyman, Die Entstehung und Entwicklung 81-85 und 109. Eher skeptisch
ist Opificius (Das altbabylonische Terrakottarelief
224). Sie ist nicht abgeneigt, in der Gestalt einen
Gott zu sehen, allerdings ohne ihn benennen zu wollen.
Aehnlich wie der "Gottkönig als Krieger" wird aber
schon in den letzten Jahren der III. Dynastie von Ur
Iluschuilia mit kurzem Kleid und einer Sichelaxt in
der gesenkten Rechten dargestellt (vgl. Abb.8). Der
Stil des bemerkenswerten Siegelabdrucks ist wie gesagt
akkadisch. Könnten nicht die akkadischen Könige das Urbild des "Gottkönigs" gewesen sein ?
2) Frankfort, Cylinder Seals 166 f.; vgl. auch Porada, The
Collection of the Pierpont Morgan Library 47.
3) Solyrnan, Die Entstehung und Entwicklung 95 ff., 109.
4) Ders., Ebd. Abb. Nr. 402-406. Die hier vorgeschlagene
Lösung findet sich auch bei P. Arniet für zwei Siegel
aus Mari (Notes sur le repertoire iconographique
229-232).
40
Abb.12 möchte ich aber wegen ihrer Aehnlichkeit mit derjenigen von Abb.11 eher als König deuten. Beide Gestalten
erscheinen auf einem Zylinder der frühesten altbabylonischen Zeit aus Susa (Abb.13). Beide werden hier zu Recht
nicht nur miteinander identifiziert sondern auch als Gottkönig interpretiert 1 Die Verwendung des Sichelschwertes
im Rahmen des Triumphmotivs von Abb.12 und 13 bestätigt
den ideogrammatischen Wert der Waffe, wie er oben festgelegt wurde.
Eine letzte Haltung mit der verbunden das Sichelschwert häufig erscheint, besteht darin, dass ein Gott
dieses als Attribut vor sich hinhält. In ähnlicher Weise
wurde in altsumerischer Zeit das Krummholz als Attribut
verwendet (Abb.14). In der a'ltbabylonischen Periode ist
der Gott, der damit charakterisiert wird, in der Regel
der kriegerische Nergal (vgl. Abb.10). Der Löwe, auf dem
ihn Abb.15 zeigt, ist sein Tier 2 Schon auf Abb.10 ist er
uns als Träger des Sichelsehwerts begegnet. Auf Abb.15
hält er allerdings noch dessen Vorläufer, die Sichelaxt 3
Aber auf Abb.16 trägt er in gleicher Weise das Sichelschwert4. Hinter ihm stehen zwei Priester mit kleinen
Wasserkesseln und Sprengwedeln. Vor ihm steht eine fürbittende Göttin. Sie scheint den nackten Mann, der hinter
ihr stehtJzu Nergal zu geleiten. Der nackte Mann nimmt
die Haltung des Gottes mit der Keule ein. Es dürfte sich
hier um den König handeln.
1) Strommenger/Hirmer, Mesopotamien 87 und Abb.157,
zweite Reihe.
2) Porada, The Collection of the Pierpoµt Morgan Library 52.
3) Porada, Ebd. spricht zu Unrecht von einem Sichelschwert.
4) Porada, Ebd. 47.
41
Mit den Abb.4-5 und 10-16 sind die wichtigsten Gesten
und Haltungen gezeigt, mit denen das Sichelschwert im
Mesopotamien der altbabylonischen Zeit verbunden ist.
Auch die wichtigsten Träger (Ischtar, Nergal, König als
Kriegsheld) sind damit vorgeführt. Gelegentlich taucht
es auch in andern zusammenhängen oder in der Hand anderer
Personen auf 1 • Dies kann das Ergebnis nicht beeinträchtigen : Das Sichelschwert ist in altbabylonischer Zeit ein
Ideogramm für kämpferische Macht und göttliche Siegqaftigkei t. Als solches hat es in der mesopotamischen Glyptik
bis in die achämenidische Zeit hinein eine grosse Rolle
gespielt 2 Das braucht uns aber hier weiter nicht zu
interessieren. Denn soweit die Verwendung des Sichelsehwerts in der syrischen und ägyptischen Ikonographie
von Mesopotamien beeinflusst ist, geht dieser Einfluss,
wie das Folgende zeigt, auf die altbabylonische Zeit zurück.
b. Anatolien und Syrien
Als Symbol göttlicher Siegesmacht ist das Sichelschwert noch in altbabylonischer Zeit von Babylon her in
die anatolische und syrische und spätestens in der Späten
Bronzezeit auch in die palästinische Ikonographie, besonders die Glyptik, eingedrungen 3 •
1) So hält z.B. ein viergesichtiger Gott aus Ischchali,
der seinen linken Fuss auf einen Widder stellt, in
der gesenkten Rechten ein Sichelschwert (Frankfort,
More Sculpture 21 f. und Taf. 77-79; ebenso in Parrot,
Sumer Abb.351). Vgl. auch die oben in Anm. 3 s. 38
genannten Beispiele.
2) Vgl. z.B. Porada, The Collection of the Pierpont Morgan
Library Nr. 747, 751, 765, 766, 815; Wiseman/Forman,
Götter und Menschen Abb.63 und 65; Frankfort, Cylinder
Seals Taf.37a.
3) H. Bonnet (Die Waffen 92) meint : "Die Dinge liegen
42
Von der thronenden Ischtar abgesehen, aus deren
Schultern Keulen und Sichelschwerter hervorgehen (Abb.l
und 2) und die vor allem in der Akkadzeit beliebt war,
tauchen die verschiedenen Haltungen und Gesten, mit denen
das Sichelschwert im Babylonien der altbabylonischen Zeit
verbunden ist, gleichzeitig oder etwas später regelrnässig
auch im anatolisch-syrischen Raum auf. Das Sichelschwert
in der gesenkten Linken Ischtars (Abb.3 und 4) findet sich
auf einem Siegelabdruck der Schicht Ib in Kültepe 1 , in
der berühmten "Investitur"-Szene im Palast von Mari (vgl.
Abb.9), in der Linken einer geflügelten Göttin mit dem
syrischen Hut auf einem syrischen Rollsiegel der Pierpont
Morgan Library in New York 2 , in derjenigen Nergals (vgl.
Abb.10) auf einem Rollsiegel aus tell ta~annek (14. Jahrhundert v.Chr.) 3 und in der Hand des Gottkönigs ("Gottes
mit der Keule")
(vgl. Abb.11 und 13) auf einem syrischen
Siegel des Louvre 4 . Eine Variante des Motivs bietet ein
schwerlich so, dass die symbolische Wertung des Krurnrnschwertes schlechthin auf babylonischen Einfluss zurückginge; sie war gewiss vorbereitet durch heimischen
Brauch. Wie das Krummholz überhaupt, so wird eben auch
seine Verwendung zum Zeichen der Herrscherwürde gemeinsamer semitischer Besitzstand sein." Bonnet setzt, wie
schon gesagt, zu Unrecht eine direkte Herkunft des Sichelsehwerts vorn Krummholz her voraus. Weiter sieht er,
wie am Ende dieses und im folgenden Abschnitt noch gezeigt werden soll, ohne allen Grund im Sichelschwert
ein Zeichen der Herrscherwürde schlechthin. Im babylonischen Raum ist das Sichelschwert den kämpferischen
Göttern vorbehalten. Es ist durchaus nicht einfach Attribut der höchsten Götter und d.h. der Herrscher. So
erscheint etwa Schamasch m.W. nie mit dem Sichelschwert.
1) Ozgü9, Seals and Seal Impressions of Level Ib frorn
Karum Kanish Taf. IX A.
2) Porada, The Collection of the Pierpont Morgan Library
Taf.145 Nr. 960.
3) Nougayrol, Cylindres-Sceaux 37-40 Nr.81; zu Nergal mit
Sichelschwert und Mehrfachkeule vgl. auch Safadi, Die
Entstehung der syrischen Glyptik Nr. 73.
4) Delaporte, Catalogue des Cylindres Orientaux Nr.923
Taf.53, Nr. 24.
43
Rollsiegelabdruck aus Alalach (15. Jahrhundert v.Chr.) auf
dem der Gottkönig (in syrischer Tracht) das Sichelschwert
in der gesenkten Rechten (er schaut nach rechts) nicht
wie üblich vertikal sondern horizontal hält 1 • Der Umstand,
dass er dabei auf einen niedergeschlagenen Feind tritt,
unterstreicht einmal mehr den ideograrnrnatischen Wert dieser Waffe.
Vor der Brust, resp. auf der Schulter getragen (vgl.
Abb.5-7) wird das Sichelschwert auch im anatolisch-nordsyrischen Raum 2 •
Das über dem Haupt geschwungene Sichelschwert (vgl.
Abb.12 und 13) findet sich auf einem kappadokischen Rollsiegel der PierpontMorgan Library in New York 3 und auf einem syrischen Rollsiegel des Louvre 4
Es findet sich auch
5
auf dem Astarte-Siegel aus Bethel (um 1300 v.Chr.) J doch
dürfte es erst auf dem Umweg über Aegypten dorthin gekommen sein.
Wie das in der gesenkten Linken gehaltene, das auf
der Schulter oder vor der Brust getragene und das über
dem Haupt geschwungene, so ist auch das als Attribut getragene Sichelschwert aus der altbabylonischen in die
anatolisch-syrische Glyptik übernommen worden. Zwei
kappadokische Rollsiegel der Pierpont Morgan Library
(Abb.17 und 18) zeigen einen Gott, der ein Sichelschwert
in der Rechten hält. Vor ihm steht ein Beter, der mit der
1) Moortgat-Correns, Neue Anhaltspunkte 95 Abb.6 = Taf.
I/5; ähnlich auf dem Siegel 42.709 der Walters Art
Gallery in Baltimore : Porada, Syrian Seal Impressions
Taf.30/2.
2) Belege aus dem anatolisch-syrischen Raum sind in Anrn.l
auf S. 25 aufgeführt.
3) Porada, The Collection of the Perpont Morgan Library
Nr. 877.
4) Delaporte, Catalogue des cylindres Taf.53/24; vgl.
Moortgat, Vorderasiatische Rollsiegel Nr. 517.
5) Pritchard, ANEP Nr. 468.
44
..
erhobenen Lin k en grusst
1
Zwischen Gott und Beter steht
keine fürbittende Gottheit wie bei dem ähnlichen altbabylonischen Siegel (Abb.16). Der Gott auf Abb.17 entspricht
dem Gott auf Abb.16 so sehr, dass es sich auch bei Abb.17
um Nergal handeln dürfte 2 •
Auf nordsyrischen Siegeln ist nicht selten der Wettergott dargestellt, wie er mit der Rechten die Keule schwingt
und in der auf Schulterhöhe erhobenen Linken eine gekrümmte
Waffe, vielleicht ein Sichelschwert hält, in der Regel
zusammen mit einer Streitaxt 3 • Für ihn existiert, wie
E.Porada zu Recht sagt, in der altbabylonischen Glyptik
4
keine genaue Parallele •
Das haben auch die beiden syrischen Siegel von Abb.19
und 20 nicht. Beide zeigen die geflügelte Anat /Astarte
als Kriegsgöttin 5 und zwar, und das ist das Neue, in eng1) Porada, The Collection of the Pierpont Morgan Library
Nr. 814, 882.
2) Es ist mir deshalb nicht recht einsichtig, warum Porada
(The Collection of the Pierpont Morgan Library 110)
sagt, für diesen Gott existiere keine Parallele in
altbabylonischer Zeit.
3) Nur das Sichelschwert hält er auf einem Siegel der
Sammlung Baldwin-Brett ~an der Osten, Ancient Oriental
Seals in the Collection of Mrs. Agnes Baldwin Brett
Nr. 90); Sichelschwert und Streitaxt auf zwei Siegeln
der Sammlung Newell (von der Osten, Ancient Oriental
Seals in the Collection of Mr. Edward T. Newell) Nr.327
und 339; Vanel, L'iconographie du Dieu de l'Orage
Abb. 33 und 41; Safadi, Die Entstehung der syrischen
Glyptik Nr.61 und 155; auf Nr.109 hält er das Sichelschwert in der gesenkten Hand. Hier handelt es sich
sicher um ein Sichelschwert. Bei den andern Belegen,
scheint mir, könnte es sich auch um ein Wurfholz handeln.
4) Porada, The Collection 110.
5) Zur Ikonographie der geflügelten kriegerischen Göttin
in Syrien vgl. Barrelet, Les deesses armees et ailees
240-242. Barrelet kommt zum Schluss : "Malgre une evolution certaine dans l'habillement, ces figures des
cylindres syriens viennent se placer exactem~nt a la
suite de la guerriere pterophores inventee en Mesopota-
45
stem Zusanunenwirken mit dem König als Krieger. Schon die
Abb.15 und 16 und die davon abhängigen 17 und 18 haben
den König als Kriegsheld in Gegenwart eines Gottes mit
dem Sichelschwert dargestellt. Aber im Gegensatz zu Abb.
19 und 20 besteht dort keinerlei sichtbares Zusanunenwirken zwischen beiden.
mie ä 1'€poque accadienne." Nun besteht aber kein
Zweifel, dass die geflügelte kriegerische Göttin in
Mesopotamien Ischtar ist. In Ugarit wird Ischtar der
Astarte gleich gesetzt (Gese u.a., Die Religionen
Altsyriens 161). Im Hinblick auf die Aussagen der
mytischen Texte aus Ugarit möchte man die geflügelte,
kriegerische Göttin der syrischen Ikonographie mit
U. Moortgat-Correns (Neue Anhaltspunkte 92) lieber mit
Anat gleichsetzen. Es kann von ihr gesagt werden :
"Es erhob die Flügel die Jungfrau Anat,
sie erhob die Flügel und schnellte im Flug hin
auf die Wiese Smk, die voller (Wild)rinder ist."
(Gordon, Ugaritic Textbook II 182, Text 76 II z. 10-12;
Uebersetzung nach Aistleitner, Die mytholigischen und
kultischen Texte aus Ras Schamra 53); auch in einem
Hymnus (?) auf Anat ist von ihrer Fähigkeit zu fliegen
die Rede (Gordon, Ugaritic Textbook 161, Text 6 z. 8).
In einem erst 1968 publizierten Text wird Anat als "le
plus beau des oiseaux qui planent" beschrieben (Ugaritica V, Mission de Ras Shamra XVI (Paris 1968) 551555 Text 2 z. 8). Der kriegerische Aspekt Anats, der
auch in der Ikonographie zum Ausdruck kommt (Pritchard,
ANEP Nr. 475 unten; Gese, Die Religionen Altsyriens
160 Abb.17), ist zu bekannt, als dass hier eigens darauf eingegangen werden müsste. Die Frage, ob die auf
Abb.19 und 20 dargestellte Göttin nun mit Anat oder
Astarte zu identifizieren sei, kann mit einem Satz Geses dahin beantwortet werden, dass "beide Göttinnen im
Grunde ein und dieselbe sind und sie nur verschiedene
religionsgeschichtliche wurzeln haben" (Die Religionen
Altsyriens 162). In der Spätzeit verschmelzen denn
auch beide in der Gestalt der Atargatis.
46
Auf dem Rollsiegelabdruck des Mukannischum aus Mari
(Abb.19), der den
König, Zimrilim, beim uralten Ritus
des Niederschlagens zeigt 1 , legt die geflügelte Anat hingegen schützend und kräftigend ihre Hand auf die Schulter
des Königs 2 . Von diesem Gestus abgesehen ist die Göttin
in Haltung und (weitgehend auch in) Tracht der kämpferischen Ischtar ähnlich, die das Sichelschwert in der gesenkten Hand hält (vgl. Abb.3 und 4). Aehnlich wie die
Göttin führt auch der König das Sichelschwert. Das etwas
verbreiterte obere Ende berechtigt nicht von einer andern
Waffe zu sprechen 3 .
Noch enger als auf Abb.19 ist das Zusanunenwirken zwischen Gottheit und König auf Abb.20. Die geflügelte Anat /
Astarte trägt hier das kurze syrische und nicht mehr das
lange mesopotamische Kleid. Die mesopotamische Hörnerkrone
ist durch den typisch syrischen "Hut" ersetzt. Mit der
1) Vgl. Anm. 1
S.
53 f.
2) Das Bild erinnert an alttestamentliche Stellen, da die
Hand Gottes, die jemanden berührt, diesen zu besonderen
Leistungen befähigt. So befähigt die Hand Jahwes, die
nach 1 Kön 18,46 über Elia konunt, diesen vom Karmel bis
nach Jesreel vor dem Wagen Ahabs herzurennen. In Ri 3,10
und 11,29 konunt in ähnlicher Weise, wie in 1 Kön 18,46
die Hand, der Geist Jahwes über Otniel, resp. Jiftach
und befähigt sie zu kriegerischen Heldentaten (vgl. dazu W. Zinunerli, Ezechiel, Biblischer Konunentar XIII/l
4 7-50) .
3) Wie A. Parrot (Le Palais. Documents et Monuments, Mission archeologique de Mari II/3 189 Anm.7) das tut.
Was für eine Waffe soll es denn sein ? Parrot macht
keinen Vorschlag. Die Sichelschwerter sind am obern
Ende häufig und in verschiedenster Art ausgestaltet.
Die Sichelschwerter aus den Gräbern II und III von
Byblos besitzen eine Art (nach Innen gerichteten) Widerhaken. In Aegypten ist das obere Ende gelegentlich gar
zu einem Falken- oder Widderkopf ausgestaltet (vgl.
Nelson, Medinet Habu II Taf. 101-102; Michailidis, De
la signification speciale de certaines armes 60 f. und
Abb.21).
47
ausgestreckten Rechten hat sie einen Mann am Haarschopf
gepackt, den sie dem König zuführt. Dieser hält in der
Linken das Sichelschwert, mit dem der Gefangene niedergeschlagen werden soll. Die Szene ist eine ausgezeichnete
Illustration der im AT häufigen Zusage
X in deine (eure) Hand gegeben 111 .
"Ich (Jahwe) habe
1) Formeln, mit denen ausgesagt wird, dass der Gott jemanden in jemandes Hand gibt, sind im AT sehr häufig
(vgl. dazu von Rad, Der heilige Krieg 7-9; Westermann,
Grundformen prophetischer Rede 87) . W. Richter (Traditionsgeschichtliche Untersuchungen 21-24; vgl. auch
149, 180-182) zählt 134 Belege für die Formel. 87 finden sich nach ihm im Dtr G, 34 in seinem Einflussbereich.
Aufgrund der alten Stellen 1 Sam 14,36 f.; 23,4;
2 Sam 5,19 sieht er den Sitz im Leben der Uebereignungsformel in der Institution der Gottesbefragung vor einem (heiligen) Krieg. Später sei die Uebereignung mittels Propheten geschehen (1 Kön 20,13.28; 22,6.12.15.23).
Au~q~nd dieser Konstruktion wird dann für Ri 3,28
(Ehud) der Schluss gezogen : "Die Formel steht nicht in
einem ursprünglichen Zusammenhang, sondern wird dem
Ehud in den Mund gelegt, der sicher weder Priester noch
Prophet ist" (a.a.0.24).
Tatsächlich kann in Israel seit ältester Zeit die
Uebereignungsformel, die stets als von Gott gesprochen
gedacht ist, nicht nur durch die das Losorakel bedienenden Priester, sondern auch durch Träume und Propheten
(vgl. 1 Sam 28,6) oder durch charismatische Führer
(Ri 3,28), kurz durch jeden vermittelt werden, dessen
Amt oder Charisma ihn als Sprecher Gottes legitimieren.
w. Richter kommt bezüglich des Sitzes im Leben nur zu
einem so präzisen Ergebnis, weil er (der methodischen
Sauberkeit zuliebe ?) nicht in Rechnung stellt, dass
Israel im Rahmen des alten Orients eine ausgesprochen
junge Erscheinung und die Uebereignungsformel am Ende
des 2. Jt.s eine abgegriffene Münze ist. J.-G. Heintz
(Oracles proph€tiques et "Guerre sainte" 117-121 und
125-129) zieht das in Betracht und möchte die Uebereignungsformel im AT von der aus Mari bekannten Formel
malilin (D) ana qät X "die Hand jemandes füllen" ableiten,
die mehrmals in Siegeszusagen erscheint. Er sieht in
der Verwendung der Formel durch die Philister im Dagontempel von Gaza (Ri 16,24) ein wichtiges Bindeglied
zwischen den Belegen in Mari und jenen im ATJ denn Dagan
spielte in Mari eine grosse Rolle (a.a.O. 128 f.).
Ri 16,24 kann aber (mit Rücksicht auf das allgemeine
48
"unser Gott" und) angesichts der mindestens 700 Jahre,
die diesen Text von den Maritexten trennen, kaum als
Bindeglied zwischen Mari und Israel gewertet werden.
Positiv steht einer direkten Abhängigkeit, der von
J.-G. Heintz selber beachtete Unterschied im Wortlaut
der beiden Formeln entgegen. In Mari heisst der Ausdruck "die Hand jemandes füllen", in Israel "in die
Hand jemandes geben".
Neben der sprachlichen Gestaltung der Uebergabe des
Feindes findet J.-G. Heintz in Mari auch eine ikonographische (a.a.o. 118-120 und Abb.2). Er deutet im
Anschluss an P. Hamelin und S. Moscati einen fragmentarischen Arm mit einer geballten Faust als Bruchstück
einer Szene des Niederschlagens. Das ist möglich. Das
Motiv war schon in altbabylonischer Zeit in Mesopota....
mien (Abb.12 und 13) und auch in Mari (Abb.19) recht
weit verbreitet. J.-G. Heintz meint, dass das Motiv
"sans doute d'origine egyptienne" sei, wenn es auch
sehr früh in Vorderasien Eingang gefunden hätte (a.a.
o. 118). Schon S. Moscati vermutet aber, es könnte
sich bei den Szenen des Niederschlagens in Mesopotamien und Aegypten um unabhängig entstandene, zufällig
konvergierende Motive handeln (Ders., Un avorio di
Ugarit e l'iconografia del nemico vinto 3-7). Diese
Vermutung erhärtet sich mir u.a. durch die Beobachtung,
dass in Aegypten seit prae-historischer Zeit der Sieger sein Opfer am Schopf packt (vgl. Keel, AOB Ps
Abb.395), während er es in Mesopotamien wahrscheinlich ebenfalls seit prae-historischer Zeit (in der
Regel) am Arm festhält (Kantor/Delougaz, Revelations
of the 5'000 year old city of Chogah Mish 25; und die
Abb.12, 13 und 19 dieses Aufsatzes). Ob man diesem
Ergebnis zustimmt oder nicht, jedenfalls handelt es
sich beim Niederschlagen nicht eigentlich um eine
Uebergabe.
Hingegen zeigt das syrische Rollsiegel (Abb.20) ganz
eindeutig diesen Vorgang. Die kriegerische Göttin gibt
dem König seinen Feind in die ausgestreckte Hand. (Die
umgekehrte Rollenverteilung finden wir auf einem syrischen Siegel im Ashmolean Museum in Oxford. Da ist es
der König, der der Göttin mit dem syrischen "Hut" einen Gefangenen übergibt; vgl. dazu Anhang I, S. 147ff.).
Die Vorstellung vom Gott, der dem König seine Feinde
in die Hand gibt, könnte sich auf ikonographischem
Wege verbreitet haben. So liessen sich kleine Verschiedenheiten in der sprachlichen Fassung leicht erklären.
49
Ein Zusammenwirken zwischen Gott und König in der Art,
wie es die beiden Kompositionen von Abb.17 und 18 zeigen,
ist der mesopotamischen Ikonographie und weitgehend auch
der mesopotamischen Vorstellungswelt fremd 1 . Hingegen ist
es für Aegypten, wie wir noch sehen werden, selbstverständlich.
Was die ideogramrnatische Bedeutung des Sichelsehwerts
betrifft, so scheint sich diese bei seinem Eintritt in
den syrischen Raum nicht gewandelt zu haben. Auch hier
signalisiert die Waffe unwiderstehliche göttliche Siegesmacht. 1925, kurz nach der Auffindung der byblischen Sichelschwerter hat R. Dussaud allerdings die These aufgestellt, das Sichelschwert
sei in Byblos des 2.
Jahrtau~
sends v.Chr. das königliche Herrschaftszeichen par excel2
lence gewesen .
Was literarische Parallelen anbelangt, so entspricht
das ägyptische dl.n.i (n.k) X m gmrn.k "Ich habe (dir)
X in deine Faust gegeben" (Nelson, Medinet Habu II Taf.
99 z. 4-6; Taf. 75 z. 2) dem hebräischen Ausdruck genauer als das malfun ana qat X der Maritexte. Wahrscheinlich aber bildete der Ausdruck einen Bestandteil der
Siegesformeln und -gesten der phraseologischen und
ikonographischen Koine der 2. Hälfte des 2. Jahrtausends,
deren sich die Bibel als Spätling in der altorientalischen Welt nicht selten bedient hat.
1) Frankfort, Kingship and the Gods 3-12; Keel, AOB Ps
221-285. Die sumerischen, babylonischen und assyrischen
Könige erscheinen in der Regel nicht wie die ägyptischen
als Partner, resp. Söhne, sondern als Knechte der Götter.
2) Dussaud, Dedicace d'une Statue d'Osorkon 105 f. und
116.
50
H. Bannet hat sie ein Jahr später noch erheblich ausgeweitet. "Was hier (nämlich in Byblos) gilt, gilt sicher
allgemein für die Fürstentümer Syriens 111 . Seither ist die
These von vielen Autoren und bis heute immer wieder übernommen worden 2 • Dabei hat die von Bannet erweiterte These
Dussauds keinerlei solides Fundament. Die beiden
Argum~nte
Dussauds für diese Annahme halten einer Prüfung nicht
Stand. Das
i~n
in der Inschrift des Achiram-Sarkophages
bedeutet nicht Sichelschwert, wie Dussaud annimmt, sondern
Stab, Reis (vgl. Jes 11,1) 3 und wenn sich Kranes nach
Philo Byblios aus Eisen apnnv xaL oopu schmiedete, dann
kann das, wie etwa Clemen übersetzt, "Sichel und Speer"
bedeuten~ und wenn man im Hinblick auf den kriegerischen
Kontext "Sichelschwert und Speer" vorzieht, heisst das
noch nicht, dass sie Insignien königlicher Macht waren.
1) Bannet, Die Waffen 92 (vgl. auch Anm. 3 oben S. 4lf.) •
2) Maxwell-Hyslop, Daggers and Swords 42 "symbol cf divinity and royalty"; Galling (Goliath und seine Rüstung
167) stellt vorsichtiger die Frage : "Hat der Erzähler
bei dem Kidon Goliaths, wenn ihm dessen Form als Sichelschwert vorschwebte, an eine symbolische Königswaffe
gedacht ?"; Fahrer (Art. "Sichelschwert", BiblischHistorisches Handwörterbuch III Sp. 1781) behauptet hingegen kurz : "Das Sichelschwert ist keine Kampf- sondern
Prunkwaffe und Herrschersymbol (daher nicht hebräisch
kidon)".
3) Donner/Röllig, Kanaanäische und aramäische Inschriften
II 4.
4) Philo Byblios, Fragmenta 10,18 (Clemen, Die phönikische
Religion nach Philo von Byblos 26).
51
Als einziges von Dussaud selbst nicht angeführtes Argument
für seine These könnte man die Sichelschwerter in den Sarkophagen der Fürsten von Byblos anführen. Aber diese beweisen so wenig, dass das Sichelschwert ein byblisches oder
gar allgemein syrisches Zeichen königlicher Herrschaft war,
wie die Dolche, Pfeile, Bogen und das Sichelschwert (?) in
den Sarkophagen der ägyptischen Könige der 17. Dynastie 1
beweisen, dass diese Insignien pharaonischer Macht waren.
c. In Aegypten und in der von Aegypten inspirierten Kleinkunst Palästinas und Phöniziens
Im Gegensatz zum anatolisch-nordsyrischen Raum gab es
in Aegypten zum Zeitpunkt, als das Ideogramm des Sichelschwertes dort Eingang fand, bereits eine reiche, fest
geprägte, sozusagen kanonische Ikonographie. Während der
Gebrauch in Anatolien und Syrien weitgehend von dem im
Zweistromland abhängig war, ist das Sichelschwert in
Aegypten als einzelnes Element in ältere, typisch ägyptische Kompositionen integriert worden. Die Abhängigkeit
zeigt sich aber darin, dass das Sichelschwert von Anfang
an ein Ideogramm des Sieges ist 2 .
Das älteste, mir bekannte, ikonographische Zeugnis
für die eindeutig ideogrammatische Verwendung des Sichelschwertes in Aegypten gehört in die Zeit Thutmosis III.
(1469-1436 v.Chr.) 3 • Es besteht aus drei Skarabäen, die
1) Vgl. Winlock, The Tombs of the Kings of the Seventeenth
Dynasty 217-277, bes. 237-240.
2) Es ist also gegen Wolf (Die Bewaffnung 67) nichts Merkwürdiges dabei, wenn das "Sichelschwert gleichzeitig
mit seiner Einführung als Kriegswaffe in Aegypten zu
einer symbolischen Waffe des Königs oder Gottes" wird.
3) Wolf (Die Bewaffnung 67 f.) behauptet : "Mindestens seit
dem Anfang der 18. Dynastie gehört die Darstellung des
52
Gottes, der dem König das Sichelschwert als Zeichen
der Macht und Kraft reicht, oder des Königs, der seine
Feinde am Schopf fasst und mit dem Sichelschwert tö~
tet ..• zum festen Bestand ägyptischer Symbolik". Belege
bietet Wolf keine. Die ältesten, mir bekannten und
einigermassen sicher datierbaren Belege für das Ueberreichen des Sichelsehwerts sind die drei im folgenden
genannten Skarabäen Thutmosis• III. (Abb.2la und b).
Sie werden von einem Elfenbein Thutmosis IV. gefolgt
(Abb.22). Aus der Zeit Amenhoteps III. stammt eine
Stele aus der Gegend von Assuan (de Morgan, Catalogue
des monuments I,l, S. 4). Während Amon-Re' das Sichelschwert in der ausgestreckten Hand hält, schwingt
Amenhotep III. noch die Beilkeule.
Aus Deir el Medine ist zwar eine Stele bekannt, die
die Kartuschen Djeserkare~ Amenhoteps (I.) trägt und
die den König zeigt, wie er Amon-Re', der ihm das Sichelschwert überreicht, einen Gefangenen zuführt. Man
neigt dazu, die Stele aufgrund ihrer rechteckigen Form
der 18. Dynastie zuzuweisen (M. Tosi und A. Roccati
mündlich), aber ob die Stele aus der Zeit Amenhoteps I.
stammt ist mehr als fraglich. Da Amenhotep in Deir el
Medine als "Heiliger" verehrt wurde, handelt es sich
eher um ein "Andachtsbild" aus späterer Zeit. Die Stele
ist publiziert in Tosi/Roccati, Stele e altre Epigrafi
50121 ; vgl. dazu weiter Anhang I.
Das Sichelschwert in der Hand des Königs beim Niederschlagen ist, soweit ich sehe, ebenfalls zuerst auf
den Skarabäen Thutmosis III. und dem Elfenbein Thutmosis IV. bezeugt. Aus der Zeit Amenhoteps III. stammt
eine Darstellung aus dem Grabe des Surer (Theben West
Nr. 48) (Säve-Söderbergh, Four Eighteenth Dynasty Tombs
Taf. 30-33). Amenhotep IV. - Achenaten und Nofretete
führen auf den unten noch zu erwähnenden Blöcken aus
Hermopolis das Sichelschwert (Cooney, Amarna Reliefs
from Hermopolis 80-85). Tutanchamon schwingt es auf
einem Votivschild, das ihn bei der rituellen Tötung
eines Löwen zeigt (Desroches-Noblecourt, Tut-enchAmun Taf. XV). Auf dem Bruchstück einer Goldfolie ist
er beim traditionellen Niederschlagen eines Feindes mit
dem Sichelschwert zu sehen (Desroches-Noblecourt, Ebd.
202 Abb.121). In die 18. Dynastie datiert W.M.F. Petrie
zwei Stelen, die den König mit dem Sichelschwert beim
Niederschlagen vor Ptah zeigen (Memphis I Taf.7 und 8).
Die rustikalen Stelen können nicht genauer eingeordnet
werden.
Das Ueberreichen des Sichelsehwerts, wie auch das Niederschlagen mit dem Sichelschwert sind also sicher von
der Mitte der 18. Dynastie an mit einer gewissen Regelmässigkeit belegt. Ob sie, wie w. Wolf (Die Bewaffnung
57 f,) behauptet "mindestens seit dem Anfang der 18.
53
stilistisch der 18. Dynastie angehören. Auf allen dreien
ist der Pharao beim Niederschlagen eines Feindes dargestellt. Dieses Niederschlagen wurde in Aegypten schon in
der 1. Dynastie zum Sinnbild, das dann durch alle Phasen
ägyptischer Geschichte sehr beliebt geblieben ist 1 .
Dynastie" an sind, entzieht sich meiner Kenntnis.
1) Eine befriedigende Darstellung dieses wichtigen Sinnbildes fehlt immer noch. H. Schäfers posthum erschienener Aufsatz "Das Niederschlagen der Feinde. Zur Geschichte eines ägyptischen Sinnbildes" ist bei alle1
Grossartigkeit nur eine knappe Skizze ohne jeden
technischen Apparat. Zudem ist seit Schäfers Arbeit
wichtiges Material neu bekannt geworden. Schäfer
konnte noch schreiben : "Unter Amenophis IV.-Echnaton
scheint man das Bild des "Niederschlagens" nicht mehr
verwendet zu haben. (Wenigstens ist mir keine Darstellung bekannt.) Das ist auffällig und sollte gerade
bei einem Menschen wie Echnaton nicht übersehen werden.
Denn in dem Vermeiden dieses Sinnbildes äussert sich
doch wohl eine Gesinnung ... " (Ebd. 175 f.) Der "Pazifismus" Achenatens, der hier vermutet wird, hat sich
inzwischen, fast möchte man sagen leider, als inexistent herausgestellt. Ein Reliefblock aus Hermopolis
zeigt die königliche Barke, die u.a. mit dem Bild
Achenatens beim Niederschlagen geschmückt ist (Cooney,
Amarna Reliefs from Hermopolis 80 f.). Das Sinnbild
mit AmenhotepIV. als Hauptakteur hat auch in monumentaler Form existiert (vgl. ßaad, New Light on Akhenatens' s Temple). Ironischerweise ist die Gemahlin
Achenatens, Nofretete, soweit ich sehe, sogar die einzige ägyptische Frau, die beim Niederschlagen dargestellt wurde (Cooney, a.a.O. 82-85). Das hat natürlich
nichts mit einer speziell grausamen Veranlagung der
schönen Königin zu tun, sondern hängt mit der starken
Betonung und Erweiterung der Königin-Rolle zusammen,
die Achenaten sich angelegen sein liess.
Einiges Material zum Sinnbild des Niederschlagens
findet man,von Schäfer abgesehen,noch bei von Bissing,
Denkmäler ägyptischer Skulptur, Kommentar zu Taf. 33A
und 86/87; sowie bei Wreszinski, Atlas II Taf. 184/
184a.
Detailfragen behandeln : Jequier, L'arc du roi massacrant les prisonniers; Koefoed-Petersen, Le triomphe
du pharaon; Schneider-Herrmann, Over de figuur achter
de zegevierenden Pharao; Jesi, Rapport sur les recherches relatives; Hornung, Geschichte als Fest 12 f.
54
was die Bedeutung des Sinnbildes anbelangt, so ist sie
wohl nicht stets die gleiche gewesen. Die Narmerpalette (Pritchard, ANEP Abb.296) oder das Elfenbeintäfelchen des Pharao Den (Pritchard ANEP Abb.293) sollten
wohl ein historisches Ereignis kommemorieren (vgl. dazu Breasted, A History 156 f; Gardiner, Egypt 199 f.).
Das Niederschlagen feindlicher Fürsten durch den
Pharao scheint aber schon früh a'usser Brauch gekommen
zu sein. Das eigenhändige Hinrichten von 7 nubischen
Häuptlingen durch Amenhotep II. (Breasted, Ancient
Records II § 797) dürfte eine Ausnahme und auf das
Konto der Vorliebe zu setzen sein, die dieser Pharao
für physische Kraftakte besass. Das Bild ist spätestens
in der dritten Dynastie zum Sinnbild geworden. Da es
im Alten Reich recht häufig im gefährdeten Minengebiet
im Wadi Maghara auf dem Sinai angebracht wurde, hat man
ihm Propagandaabsichten und -wirkung zuschreiben wollen (Gardiner/Peet/Cerny, Inscriptions of Sinai II 27;
vgl. auch de Morgan, La prehistoire II 240, 246). Tatsächlich ist gerade das älteste dieser Bilder an einer
schwer zugänglichen Stelle angebracht, wo es vom Tal
aus nicht sichtbar ist (Gerster, Sinai 44).
Helck (Sinai-Inschriften 423) hat mit Recht darauf hingewiesen, dass seine Funktion eher magischer Natur sei.
Es soll die Abwehr- und Siegesmacht des Pharao vergegenwärtigen. Diese Deutung erklärt seine Präsenz an
den Grenzen Aegyptens, auf dem Sinai (Abb.23), bei Assuan (Abb.25, 48), am Nahr el Kelb (Abb.30). Auch der
Brauch,die Pylonen der Tempel damit auszustatten, wird
von daher verständlich (vgl. dazu Derchain, Reflexions
sur la decoration des pylOnes}. Das Bild soll apotropäisch alles Böse vom heiligen Bezirk fernhalten.
Spätestens im Neuen Reich wird der Pharao, der die Feinde Aegyptens niederschlägt, zu einer Art Andachtsbild,
nicht unähnlich dem heiligen Georg, der den Drachen
überwindet. Oft lassen sich die Stifter der Stelen, die
mit ihm geschmückt werden, in anbetender Haltung mitabbilden (vgl. Petrie, Memphis I, Taf.VIII,3 (18. Dyn.);
de Morgan, Catalogue des monuments I,l, S. 28 Nr. 5
(Seti I) (= Abb.51); Bruyere, Le roi vainqueur 62-64
und Abb.4 (Ramses II) (= Abb.52); vgl. auch Anm.3 S.100).
Zur Verbreitung des Sinnbildes im palästinisch-syrischen Raum vgl. Moscati, Un avorio di Ugarit 3-7; zur
Beziehung zwischen dem Sinnbild und den alttestamentlichen Psalmen vgl. Keel, AOB Ps 270-276 und zu der
zwischen diesem und Num 24,15-19 (J) Seybold, Das Herrscherbild des Bileamorakels.
55
Auf dem ersten dieser drei Skarabäen trägt der Pharao
die unterägyptische Krone. Ihm gegenüber steht der Gott
Nefertern, der eng mit Memphis verbunden ist. Er hält in
der ausgestreckten Hand ein Sichelschwert. Zwischen Nefertern und dem Pharao stehen die Zeichen für "rnen" und "cheper", die beiden ersten Teile des Vornamens Thutrnosis III.
Hinter dem König schwebt ein geflügelter Uräus (Abb.2la).
Der zweite Skarabäus zeigt genau die gleiche Dekoration
wie der erste 1 • Auf dem dritten trägt der König den blauen Helm. Er hält zwei Feinde am Schopf. In der erhobenen
Rechten schwingt er statt wie früher die Keule oder Beilkeule das Sichelschwert. Der Gott, der hier ein mächtiges
Sichelschwert in der ausgestreckten Hand hält, ist der
kriegerische Month, der alte Hauptgott des thebanischen
Gaus. Hinter dem König steht in einer Kartusche Mencheper-re<, Zwischen dem Gott und dem König sind die beiden Zeichen "Sonne" und "Ma'at" angebracht (Abb.2lb).
Die Kombination der Szene des Niederschlagens mit
einem Gott, vor dem dieser Akt stattfindet, ist fast so
alt wie das Motiv des Niederschlagens selbst. Man kann
hier schon die Narrnerpalette anführen. Dem Pharao beim
Niederschlagen steht der Horusfalke gegenüber, der das
Papyrusland gefangen führt 2 . Auf einem der Reliefs aus
dem Wadi Maghara (Sinai) schlägt Cheops (4. Dynastie) einen Gefangenen vor Thot mit dem Ibiskopf nieder (Abb.23).
Thot hält in der Rechten das Uaszepter. Die Linke ist
zerstört. Thot ist der Herr der Fremdländer 3 . Die Kornpo1) Hall, Catalogue of Egyptian Scarabs 109 Nr. 1108.
2) Zur Narrnerpalette und ihrer Deutung vgl. Quibell,
Slate Palette frorn Hieraconpolis 81-84; Vandier,
Manuel d'archeologie I. 595-599; Pritchard, ANEP
Nr. 296; Gardiner, Egyptian Grarnrnar 7. Zum Thema
Vorführung gefangener Feinde durch Beamte d~s Königs,
resp. durch Götter vgl. Anthes, Die Vorführung 30 f.
3) Gardiner/Peet/Cerny, The Inscriptions of Sinai II 58
Anm. a.
56
sition lässt das Niederwerfen derselben mit seiner Billigung, wenn nicht gar auf seine Veranlassung hin und zu
seiner Ehre geschehen. Diese Deutung wird durch eine Komposition aus dem Totentempel des Sahurec(5. Dynastie) bestätigt, wo das Niederschlagen eines libyschen Fürsten
vor der Göttin des Westens und dem Gott>Asch, dem Herrn
von 1'etienu (Libyen) vollzogen wird 1 . "Sie sind es, die
dem König das Land der !e~enu mit seinem ganzen Inhalt
in seine Gewalt geben 112 • Ikonographisch wird das z.B. im
Totentempel Pep~s II.
(6. Dynastie) durch das Motiv ver-
deutlicht, das sich in einer frühen Form schon auf der
Narmerpalette findet. Der Gott steht nicht nur dabei, sondern führt dem König die Gefangenen zu, über denen dieser
die Keule schwingt (Abb.24).
Die weniger deutliche Komposition mit dem schlicht
daneben stehenden Gott existiert aber weiter. In Medarnud
(8 k:m nord-östlich von Luxor) wurden Relieffragmente des
Pharao Sechemre'-Wadjcha~u Sebekernsaf I. (1644-1628 v.Chr.)
gefunden, die ihn beim Akt des Niederschlagens zeigen 3 .
Dies geschieht, wie auf dem zweiten Skarabäus (Abb.2lb)
vor dem Gott Month. Dieser hält hier aber in traditioneller Weise (vgl. Abb.23) in der Linken das Uaszepter und
in der Rechten den Anch, das Lebenszeichen und nichts weiter.
Für die frühe 18. Dyn. ist das Motiv z.B. durch das
grosse Relief Thutmosis III. auf dem VII. Pylon des Arnon4
tempels in Karnak bezeugt • Der König schwingt hier noch
- im Gegensatz zu Abb.2lb - die traditionelle Birnenkeule.
1) Borchardt, Das Grabdenkmal des Königs sa>hu-rec II.
Taf. 1.
2) Ebd. 14.
3) Bisson de la Roque, Fouilles de Medarnud (1929) 95 f.
und Taf. 13.
4) Lange/Hirmer, Aegypten Taf. 139; Pritchard, ANEP Nr.312.
57
Das Niederschlagen geschieht vor Amen (rechts oben) , der
ein Langzepter (der oberste Teil ist weggebrochen) und
den Anch hält. Nebst Amen wohnt der Szene aber noch eine
Göttin bei, die Uaszepter und Anch hält. Sie führt dem
König eine grosse Zahl von Gefangenen zu. Ihre Oberkörper
gehen in ovale Stadtgrundrisse über, denen die Namen der
eroberten Ortschaften einbeschrieben sind 1 • Auf diesem
Bild sind beide Varianten des Motivs vereinigt, die verhaltenere, bei der die Beteiligung des Gottes am Geschehen durch seine schlichte Präsenz ausgedrückt wird (Thot
auf dem Sinairelief, Month in Medamud), und die explizitere, bei der der Gott dem König die Gefangenen übergibt
(Horus auf der Narmerpalette, ein unbekannter Gott
Pepi II.) .
Wenn wir nun zu den Skarabäen Thutrnosis III.
2la und h}
(Abb.
zurückkehren, stellt sich die Frage : Ersetzt
die Gottheit mit dem ausgestreckten Sichelschwert die
Gottheit mit uas und Anch, vor der und für die das Niederschlagen sich abspielt, oder ersetzt sie die Gottheit,
die die Gefangenen herbeiführt, die der Pharao dann niederschlägt, oder ist die Gottheit mit dem Sichelschwert
ein völlig neues Motiv ?
Das erste scheint das nächstliegende zu sein. Wir haben gesehen, dass auf babylonischen und anatolisch-nordsyrischen Rollsiegelabdrücken Gottheiten erscheinen, die
ein Sichelschwert als Attribut vor sich hertragen (Abb.
15-18) . Man mag sich fragen, weshalb dann der Gott in
Aegypten den Arm so gerade ausgestreckt halte, wie das
auf den Abb. 2la und b und 22 der Fall ist. Doch diese
1) Diese Art, die eroberten Städte darzustellen, findet
sich auch bei Hatschepsut, der Dedun, der Gott des
Südens, eine Anzahl nubischer Ortschaften zuführt (Naville, The Temple cf Deir el BahariII und Taf. 152);
der älteste Beleg dürfte eine Stele Sesostris' I. ( 12.
Dyn.) sein (Rosellini, I monurnenti dell'Egitto e della
Nubia III, Taf.25,4; Berend, Principaux monurnents 51 f.).
58
Armhaltung gehört anscheinend nicht notwendig dazu. Es
gibt Darstellungen wie die auf einer Stele Amenhoteps III.
am Weg von Assuan nach Philae (Abb. 25) , auf der Amon-Re'
das Sichelschwert nicht anders hält als wie die ägyptischen Götter sonst ihre Szepter, den Djedpfeiler und andere Insignien ihrer Macht und Dauer halten.
In der Regel ist der Arm, der das Sichelschwert hält,
im Gegensatz zu Abb.25 allerdings waagrecht ausgestreckt
und der nach den Skarabäen Thutmosis III. nächstälteste
Beleg lehrt uns, dass das kein Zufall ist. Dieser Beleg
ist ein Elfenbeintäfelchen aus Amarna mit den Kartuschen
Thutmosis IV.
(Abb.22).
Der Gott ist wie auf Abb. 2lb
Month. In einer senkrechten Kolonne sind, was auf den
Skarabäen nicht möglich war, Worte eingraviert, die der
Gott spricht : "Empfange das Sichelschwert, du Guter Gott
(Pharao), damit du die Häuptlinge jedes Fremdlandes schlagest111. Der Gott hält das Sichelschwert also nicht einfach
als Attribut vor sich hin, sondern will es dem König überreichen. Damit ist auch klar, dass wir beim Ausstrecken
des Sichelsehwerts ein neues Motiv vor uns haben, neu nicht
nur in Aegypten sondern neu auch gegenüber der Verwendung
dieses Ideogramms in Asien, wo es nie von einem Gott einem
Menschen überreicht wird.
In Aegypten hat dieses neue Motiv inhaltlich allerdings eine gewisse Aehnlichkeit mit dem des Gottes, der
dem König die Fremdländer gefangen zuführt. Wie dort sind
zwei Vorgänge ineinander verschachtelt: Der Gott überreicht
dem Pharao das Sichelschwert, damit er mit seiner Hilfe
über alle Feinde Aegyptens triumphiere. Dieser Triumph wird
denn auch innerhalb der gleichen Szene durch das Niederschlagen dargestellt, wobei sich der Pharao wie auf Abb.2lb
1) ~sp n.k gp~ nfr n~r ~w.k t8W h~s.t nb.t. Uebersetzung
von Prof. Dr. K. Baer, Oriental Institute, Chicago
(brieflich).
59
oder 22 des Sichelsehwerts bedient, das ihm der Gott zu~
vor überreicht hat 1 • Dieser Triumph wird so als gottgeschenkt dargestellt.
Eine interessante Variante dieses Typs findet sich auf
einer Stele Ramses II. am Weg von Assuan nach Phiiae. In
der Mitte sind Rücken gegen Rücken Amon und Chnum zu sehen. Jeder von ihnen reicht dem Pharao das Sichelschwert,
der (zweimal abgebildet) vor jedem der beiden Götter einen
Gefangenen niederschlägt 2 Amon spricht : "Ich habe dir
dein Sichelschwert gegeben (dl.n.l n.k gp~.k)". Die Worte
Chnums sind weitgehend zerstört. Interessant ist hier das
Suffix bei gp~. Der durch das Sichelschwert angezeigte
Sieg ist gleichzeitig ganz Gabe des Gottes und Tat des
Pharao.
Besonders deutlich tritt der Ideogrammcharakter bei
einer variante der eben behandelten ältesten ägyptischen
Komposition mit dem Sichelschwert zutage. Auf manchen Bildern überreicht der Gott zwar ein Sichelschwert, der Pharao schlägt seine Feinde aber mit einer Keule nieder. Das
ist nicht nur auf Abb.25 so, wo das Sichelschwert vielleicht blosses Attribut Amens ist, sondern auch auf Bildern, die deutlich die Uebergabe des Sichelsehwerts zeigen, so etwa auf einer monumentalen Darstellung Seti's I.,
auf der nördlichen Aussenwand des grossen Säulensaals in
Karnak 3 . Beiderseits der Tür ist Amon-Re' dargestellt, der
1) Auf einer bereits erwähnten Stele aus Turin (Tosi/
Roccati, Stele e altri epigrafi, Stele 50121), die
die Kartuschen Amenhoteps I. trägt aber erheblich
jünger sein dürfte, ist nur die erste Phase dargestellt. Der Gott überreicht dem Pharao, der einen Gefangenen herbeiführt, das Sichelschwert (vgl. dazu
Anhang I).
2) de Morgan, Catalogue des monuments I, 1, S.6.
3) Wreszinski, Atlas II, Taf. 53a; Kitchen, Ramesside
Inscriptions I, 1, s. 27, z. 4 f.
60
Seti I. eine grosse Anzahl Gefangener (mit Städtekartuscben) zuführt und ihm mit ausgestrecktem Arm das Sichelschwert reicht. Die beiden Motive : "Zuführen von Gefangenen" und "Ueberreichen des Sichelsehwerts" sind hier verbunden. Dabei spricht Arnon-Re': "Empfange das Sichelschwert (gps) du starker König, dessen Keule die neun Bogen geschlagen hat". Während auf dem Elfenbein Thutmosis
IV. das Sichelschwert überreicht wird, damit der König mit
seiner Hilfe die Feinde schlage, wird es hier überreicht,
weil er sie schon geschlagen hat. Das Sichelschwert ist
hier also, wie schon der ikonographische Befund zeigt,
nicht die Waffe, mit der der König seinen Triumph erringt,
sondern sie visualisiert den von Gott geschenkten und anerkannten Triumph, den der König mit seiner Keule errungen
hat.
Dem Seti-Relief sehr ähnlich ist das berühmte Relief
Schoschenks I.
(945-924 v. Chr.) auf der Aussenseite der
Südwand des Arnontempels in Karnak
(Abb.26). Auch hier
überreicht Arnon mit den gleichen worten 1 das Sichelschwert,
während der König mit der Birnenkeule (in Spuren über der
weissen Krone sichtbar) seine Feinde niederschlägt.
Bei diesem Typ, wie er durch dieReliefsSeti's I. und
Schoschenk's I.
(Abb.26) repräsentiert wird, sind - wie
gesagt - das alte Motiv des Herbeiführens von Gefangenen
und das neue des Ueberreichens des Sichelsehwerts kombiniert. Ja, im Grunde sind es sogar drei Vorgänge, die dabei in einem Sinnbild verschmolzen wurden : Der Gott führt
1) Die Inschrift bei Seti I. lautet : Ssp n.k gps nsw not
~w.n ~g.k pg.t 9 (Wreszinski, Atlas II Taf. 53a); die
bei Schoschenk lautet genau gleich, einzig dass die
9 Bogen durch die "Häuptlinge der Fremdländer" (wr.w
h~swt) ersetzt sind (vgl. Abb.26). Das entspricht dem
ikonographischen Befund. Während Seti 9 Barbaren am
Schopf hält, die die 9 Bogen vertreten, hält Schoschenk
etwa 38.
61
dem König Gefangene zu; der König schlägt sie zum Dank dafür vor dem Gott nieder, und der Gott anerkennt und symbolisiert diesen Triumph durch das Ueberreichen des Sichelsehwerts, dessen Bedeutung "Siegesmacht" ist. Die
Komposition ist übrigens bezeichnend für das innige Zu1
sammenwirken von Gott und König in Aegypten •
Eine weitere Variante der Komposition aus "Niederschlagen" und "Ueberreichen des Sichelsehwerts"
(mindes-
tens was die Beischrift betrifft) findet sich auf dem
Südturm des 1. Pylons des Tempels Ramses III. in Medinet
Habu 2 . Die Worte Amens, die hier die Uebergabe des
Schwertes begleiten, lauten : "Ich gebe dir mein Schwert
als ein Schild für deine Brust (resp. deinen Körper) 113 •
Das Sichelschwert ist hier nicht nur ein Attribut, das die
KamPf-und Siegesmacht des Königs visualisiert, sondern
zugleich eine Art Amulett, das Schutz gewährt. Bei der
parallelen Komposition auf dem Nordturm, wo Amon-RecHarachti die Gefangenen herbeiführt und das Sichelschwert
überreicht 4 , lautet di~ Beischrift : "Ich gebe (dir) mein
Schwert vor dich, um die Bogen 5 niederzuwerfen." Diese
Beischrift ist an und für sich für jenen Typ charakteristisch, wo der Gott das Sichelschwert überreicht, mit dem
der König den Feind schlägt. Es scheint hier fehl am
1) Vgl. dazu Morenz, Die Erwählung zwischen Gott' und König.
2) Nelson, Medinet Habu II, Taf. 101,
:)
:)
V
:>
z.
18.
:)
V
3) Der Text lautet : di.i n.k bps.i m ikm n snb.t.k.
4) Nelson, Medinet Habu II, Taf. 102,
z.
20.
5) Gemeint sind die 9 Bogen als Bezeichnung für die 9
traditionellen Feindländer Aegyptens (vgl. dazu
Vercoutter, Les Haou-Nebout 108-128).
62
Platz, da der König über seinen Opfern tatsächlich eine
Keule schwingt. Man kann hier 9ps aber auch einfach mit
"Sieg", "Siegesmacht" übersetzen und dann spielt es keine
Rolle, womit der König ihn erringt.
Wir sind dann noch einen Schritt weiter. Es ist weder
an ein wirkliches Ueberreichen des Sichelsehwerts zum
Niederschlagen (vgl. Abb.22 und Abb.37) noch an ein Ueberreichen als Konkretisierung und Festigung der Siegesmacht
des Pharao (Abb.26 und Abb.35) gedacht. Das Sichelschwert
ist hier ein reines Piktogramm. Es ist nicht mit der
Ueberreichung eines konkreten Gegenstandes verbunden.
Das scheint auch
überall dort
der Fall zu
wo in der Beischrift das Wort "Sichelschwert"
sein,
(gp~) über-
haupt nicht auftaucht.
Eine Tempelwand auf dem Tell er-Retabeh zeigt Ramses
II., wie er vor dem Gott Atum mit der Birnenkeule einen
Feind niederschlägt 1 . Atum hält in der leicht gewinkelten
Rechten ein Sichelschwert. Die Beischrift lautet : "Er
gibt alle Siegeskraft (und) jeden Sieg" 2 . Klarer kann die
ideogrammatische Bedeutung des Sichelsehwerts nicht ausgedrückt werden. Es ist wie auch im Zweistromland und in
Syrien kein allgemeines Herrschersymbol sondern zeigt Siegeskraft und Sieg an.
Bedeutsame Varianten der ägyptischen Kompositionen mit
dem Sichelschwert zeigen eine Reihe von Fayencen aus Hermopolis in Mittelägypten, die in die Zeit Schoschenks I.
1) Petrie, Hyksos and Israelite cities Taf. 30.
2) rdl.f ~n.t nb(t) ngt nb(t). Zur Bedeutung der Begriffe:
Erman/Grapow, Wörterbuch der ägyptischen Sprache II
316 (nht "Kraft, Stärke, Sieg. Eine klare Scheidung
beidervBedeutungen ist nicht durchführbar") und V 45
(kn.t "Kraft, Tapferkeit, Sieg (griech. vLxnl. Eine
kiare Scheidung der Bedeutungen ist nicht durchführbar") .
63
(945-924 v. Chr.) datiert werden. Auf einem reliefierten
Kelch ist es z.B. ein falkenköpfiger Gott, der einen Gefangenen herbeiführt. Eine Göttin mit der Sonnenscheibe
zwischen dem Kuhgehörn streckt ihm das Sichelschwert entgegen 1. Statt der zwei Vorgänge in einer Szene (Ueberreichen des Sichelsehwerts und Niederschlagen mit dem Sichelschwert) wie auf Abb. 22, haben wir hier nur einen Vorgang : Das Ueberreichen des Sichelsehwerts zum Niederschlagen, wie auf der Stele 50121 in Turin 2 . Bedeutsamer
aber ist, dass hier beide Protagonisten Götter sind. Aus
durchbrochenen Fayencen mit der gleichen Komposition,
die am gleichen Ort zur gleichen Zeit entstanden, aber
mit Inschriften versehen sind, wissen wir, dass diese
Szene mit dem Neujahrsfest in Beziehung stand 3 • Sie ist
also aus dem Bereich des Historischen in den des MythischRi tuellen transponiert.
Neben solchen Varianten hat die klassische, seit
Thutmosis III. belegte Komposition (vgl. Abb.2la und b)
ihre Bedeutung nicht eingebüsst. Auf den Eingangspylonen
der griechisch-römischen Tempel, wie Philae oder Edfu,
soll das Sinnbild wohl die Vernichtung alles Bösen, das
dem heiligen Bereich schaden könnte, darstellen und bewirken. Die Listen der vom Gott dem Pharao zugeführten Städte,
die von der 18. zur 20. Dynastie diesen Kompositionen ihren historischen Wert geben, fehlen hier 4 .
1) Ricketts, Two Faience Chalices at Eton College 145-147
(die Zeichnung auf der dazugehörigen Taf. 25 gibt den
Kopf des falkenköpfigen Gottes ganz falsch wieder);
Tait, The Egyptian Relief Chalice 93-138, besonders
117-119 und Anhang I.
2) Vgl. die Angaben in Anm. 3oben S. 52 und Anhang I.
3) Tait, The Egyptian Relief Chalice 130 und 133.
4) Einzelne Nachzügler der Listen des neuen Reiches finden
sich noch unter Schoschenk I. (22. Dyn.) und Taharka
(25. Dyn.) (Simons, Handbook for the Study of Egyptian
Topographical Lists 178-187).
64
Die ägyptische Komposition, die die Szene des Niederschlagens mit dem Ueberreichen des Sichelschwertes verbindet, ist für Palästina in einer eigenartigen Abwandlung
bezeugt. Auf einem Rollsiegel Ramses II. aus Bet-Schean
streckt der Gott Seth/Reschef /Mekal das Sichelschwert
dem Pharao entgegen, der auf eine Scheibe schiesst, an
deren Stange zwei syrische Gefangene festgebunden sind
(Abb.27). Wir haben hier eine seltsame Kombination des in
der 18. Dynastie sehr verbreiteten Motivs des Pharao, der
als Bogenschütze auf eine Zielscheibe schiesst 1 , mit dem
Motiv des Pharao, der vor einem Gott mit ausgestrecktem
Sichelschwert seine Feinde niederschlägt. Leibesübung
(Scheibenschiessen) und der vorn Gott mit dem Sichelschwert
gewährte Kriegstriumph (gefesselte Feinde) fallen hier
zusammen.
Eine ähnliche Szene, wie auf Abb.27 findet sich auf
einem Fragment von getriebenem Blattgold des Pharao Eje
(Ende der 18. Dynastie) (Abb.28). Hier sind das Scheibenschiessen und das Motiv des Pharao, der von seinem Streitwagen aus in den amorphen Haufen der Feinde auf dem
Schlachtfeld hineinschiesst, kornbiniert 2 . Die bekannteste
1) Decker, Die physische Leistung 80-122 (mit sehr viel
Belegmaterial und Literatur); das Bogenschiessen auf
eine Scheibe zu Fuss, wie es Abb.27 zeigt, ist rn.W.
sonst nur noch für einen Prinzen bezeugt, der Schiessunterricht erhält (Vandier, Manuel IV 539 Abb.291;
Decker a.a.O. 107 Abb.19); eine berühmte Darstellung
des Scheibenschiessens vorn Streitwagen aus stammt von
Arnenhotep II. (ANEP Nr. 390; Decker a.a.O. 90-93 Abb.15).
2) Das Motiv des bogenschiessenden Königs im Streitwagen
ist zuerst auf einem Skarabäus Thutrnosis I, bezeugt
(Hall, Scarabs 50 Nr. 475; Srnith, Interconnections 22f.
und Abb. 34a). Am Totentempel Thutrnosis II. scheint es
bereits in monumentaler Form angebracht worden zu sein
(Bruyere, Sondage au temple funeraire 40 ff. und Taf.
3 und 4). Leider sind davon nur Fragmente erhalten.
Eine kleine Plakette aus dem Louvre bezeugt es für
Arnenhotep II. (Desroches-Noblecourt, Un petit rnonument
65
Version des zweiten Motivs liefert die kleine Truhe Tutanchamons, die auf ihren Längsseiten zwei Kampf- und zwei
Jagdszenen zeigt 1 • Wie bei Eje auf dem Goldblattfragment
werden auch auf diesen Truhenbildern hinter Tutanchamon
schützende Wedel getragen und mit dem Pharao zusammen
stürzen sich seine Hunde auf das Gewühl der Gegner 2 •
Die auf den Abb.27 und 28 an die Scheibenstange gebundenen Feinde sind von dieser Kombination des Scheibenschies s- mit den Kriegsmotiven her zu verstehen. Wir haben von ihnen aus nicht auf eine Art ägyptischen Marterpfahls zu schliessen 3 • Wenn man die Feinde an der SeheiTaf. 5). Bekannter als die genannten Belege ist die
Darstellung auf der rechten Aussenwand des Streitwagens Thutmosis IV. (Carter/Newberry, The Tomb of
Thoutmosis IV 24-33 und Taf. 10; ANEP Nr. 314). Es
scheint übrigens als ob das Bogenschiessen vom Wagen
aus auf Jagdbildern aus Privatgräbern älter sei als
der kämpfende König im Streitwagen (vgl. dazu Smith,
Interconnections 27 f., besonders die in Anm.32 genannten Belege) •
1) Davies/Gardiner, Tutankhamuns painted Box; ANEP Nr.
318 f.; Keel AOB Ps Taf. 16 f,
2) Ob wir in den Hunden eine bewusste Kombination von
Jagd- und Kriegsmotiven (Decker, Die physische Leistung
145 f.) zu sehen haben oder ob Hunde tatsächlich im
Krieg eingesetzt wurden, kann ich nicht entscheiden.
Gelegentlich erscheint anstelle des Löwen, von dem besonders Ramses II. nicht selten im Kampf oder beim
Niederschlagen begleitet wird (vgl. van de Walle, Les
rois sportifs 249 f.), ein Hund (Ricke/Hughes/Wente,
The Beit el Wali Temple Taf. 10 und 14; Ronzevalle,
Tablettes egyptiennes 792, WO es sich um einen Hund
und nicht um einen Löwen handelt, wie die Beschreibung
will). Als Verfolger eines menschlichen Opfers er~chei­
nen Menschen und Hunde in Ps 22,17.
3) Mit Decker (Die physische Leistung 100) gegen van de
Walle (Les rois sportifs 250 f.).
66
benstange nicht als reines Sinnbild verstehen will, das
stets nur ikonographisch existiert hat, dann sind in den
Feinden wohl am ehesten Puppen zu sehen, analog zu den
Feindfiguren aus verschiedenstem Material, die dann rituell zerschlagen oder sonst irgendwie vernichtet wurden 1 •
Das Schiessen auf die mit Feindsymbolen ausgestattete
Scheibe ist jedenfalls keine blasse Leibesübung sondern
ein magisch vorweggenommener kriegerischer Triumph (vgl.
Kap. III).
Die Komposition aus dem Gott mit ausgestrecktem Sichelschwert und dem triumphierenden König ist für Palästina-Syrien nicht nur in der aussergewöhnlichen Form von
Abb.27 sondern auch in ihrer gewöhnlichen Form belegt.
Aus dem gleichen Bet-Schean, wie das Rollsiegel von
Abb.2~
stammt der Skarabäus Abb.29. Er zeigt den König beim
Niederschlagen mit dem Sichelschwert. Vor ihm steht ein
Gott, dessen Kopf teilweise weggebrochen ist. Er hält
ein Sichelschwert. Hinter dem König ist das Zeichen für
"Westen" (?) angebracht. A. Rowe, der Ausgräber von BetSchean, hat die Schicht in der der Skarabäus gefunden
wurde, Arnenhotep III. zuweisen wollen 2 . Aber W.F.Albright
hat schon bald nachgewiesen, dass eine Datierung in die
Zeit Ramses II. angemessener sei 3 und G.M.Fitzgerald, der
Bearbeiter der Keramik von Bet-Schean, hat sich diesem ur4
teil angeschlossen •
1) Keel, AOB Ps 244-245 und die Seite 247 angegebene Literatur.
2) Rowe, A Catalogue of Egyptian Scarabs 139 Nr. 578;
Ders., The four Canaanite Temples I 83 und Taf. 36
Nr. 23; auch s. Moscati (Un avorio 4) datiert noch so,
anscheinend ohne der Problematik gewahr zu sein.
3) Beit Mirsim II 77.
4) Beth-Shean, in Winten Thomas, Archaeology 188 f.
67
Von Ramses II. stammen auch drei Stelen am Nahr elKelb (15 km nördlich von Beirut). Mindestens eine dieser
Stelen zeigte - so gut wie sicher - unsere Komposition.
Die südliche und die mittlere Stele sind heute arg verwittert. Die nördliche ist ganz zerstört. Auf der mittleren lässt sich noch deutlich der Gott "Horus im Horizont"
(Harmachis) mit der Sonnenscheibe auf dem Kopf erkennen.
In der Linken hält er ein Langszepter (Uas ?) und in der
Rechten das Sichelschwert 1 • Der Rest des Bildes ist aufgrund der Photographien weniger gut zu erkennen (Abb.30a).
Nach dem Original gefertigte Zeichnungen sind nicht veröffentlicht. F.H.Weissbach, der die Denkmäler zu Beginn der
zwanziger Jahre untersucht hat, beschreibt ihn wie folgt
"Der Pharao mit dem sogenannten Kriegshelm, aufrechtstehend, hält mit der Linken einen kurzen Hakenstab, der
etwas über die linke Schulter emporragt. Mit der Rechten,
die leicht gebogen ist, hält er den Feind am Schopf. Dieser steht aufrecht und ist mit einem langen Gewande bekleidet; die Arme hängen ihm schlaff hinter dem Rücken
herab 112 . Dieses Bild scheint also, insofern der König
nicht beim Niederschlagen dargestellt ist, nur halbwegs
der hier diskutierten Komposition zu entsprechen 3 •
Auf der südlichen Stele hingegen (Abb. 30b) ist der
Pharao mit der Atefkrone eindeutig beim Niederschlagen
dargestellt. Leider ist nicht mehr zu erkennen, was Amon,
der vor ihm steht, in der Hand gehalten hat. Aus der Armhaltung zu schliessen, dürften es, wie bei Harmachis auf
1) Weissbach, Die Denkmäler und Inschriften 20 Abb.5 und
Taf. 9; zum Gott mit Langszepter und Sichelschwert vgl.
die Abb.25, 33 und 34 dieser Arbeit und Wreszinski,
Atlas II Taf. 184a.
2) Weissbach, Die Denkmäler und Inschriften 19.
3) Zum König, der (am Haarschopf) Gefangene vor den Gott
führt, der ihm das Sichelschwert entgegenstreckt, vgl.
S. 48 f., 52, 63, 73 Anm.5 und Anhang I.
68
der mittleren Stele, Sichelschwert und Langszepter gewesen
. 1
sein •
Wichtig für uns ist, dass die Komposition während der
zweiten Eisenzeit als ein beliebtes Motiv des phönikischen
Kunsthandwerks weite Verbreitung erfahren hat. Sie findet
sich auf einer ganzen Reihe der bekannten Bronze- und
Silberschalen, die besonders vom 8.-6. Jahrhundert v.ChD.
einen wichtigen Exportartikel Phöniziens bildeten 2 . Die
Gottheit, die das Sichelschwert hält, ist in einzelnen
Fällen der klassisch ägyptische kämpferische Horus (Abb.31),
auf andern aber eine offensichtlich syrische Göttin
(Abb.32), wahrscheinlich Astarte/Anat 3 • Das Motiv ist
also nicht sklavisch übernommen worden, sondern hat lokal
bedingte Modifikationen erfahren. Zu diesen Modifikationen
mag man auch die eigenartige Form rechnen, die die Sichelschwerter auf diesen Schalen auszeichnet. Sie zeigt
eine gewisse Verwandtschaft mit derjenigen der seltsamen
messerähnlichen Schwerter auf einer Darstellung der Waffen1) Die Bemerkung Weissbachs (a.a.o. 21) "Der Gott Amon
streckt die Linke nach dem Feind••• "ist nicht sehr
glücklich. Die gesenkte Linke dürfte, wie die des
Harmachis auf der mittleren Stele ein langes Szepter
gehalten haben. Ob die von S. Ronzevalle (Stele de
'Adlun) beschriebene Stele von 'Adlun (18 km nördlich
von Tyrus) unsere Komposition dargestellt hat, lässt
sich beim schlechten Erhaltungszustand nicht mit Sicherheit sagen.
2) Von Abb.31 und 32 abgesehen sind mir zwei weitere Schalen mit unserer Komposition bekannt, eine aus dem
Bernardini-Grab in Praeneste, bei der Horus das Schwert
hält (Schneider-Herrmann, Over de Figuur Abb.27 auf
S. 356 = Moscati, Die Phöniker 142 f. Abb. XXIII =
Frankfort, The Art and Architecture 329 Abb.392); eine
andere aus Salerno, bei der es in der Hand einer weiblichen Gestalt zu sehen ist (Schneider-Herrmann a.a.o.
355 Abb.26 = Smith, Interconnections Abb.72).
3) R.D.Barnett
(The Nimrud Ivories 179-210, besonders
205) möchte in der Komposition eine Darstellung von
Baal sehen, der Mot erschlägt, wobei Ascherat oder
Anat das Sichelschwert halte. Barnett hält es für un-
69
kammer Ramses III. im Grab dieses Königs 1
Für die.Form
dieser Schwerter hat schon W.M.F. Petrie manche Parallelen aus Südeuropa, besonders aus Sizilien beigebracht 2
In diesem Raum fanden die phönikischen Schalen auch Verbreitung und hier wurden sie wohl gelegentlich auch kopiert und evt. modifiziert. Aber ehe man eine solche Genese der eigenartigen Form der Sichelschwerter auf unsern
Schalen erwägt, ist zu beachten, dass die Krümmung der
Schwerter auf diesen doch erheblich stärker ist als die
der Säbel in der Waffenkammer Ramses III. und dass Verzerrungen traditioneller Elemente auf diesen Schalen
ganz allgemein nicht zu selten sind 3 •
möglich, auf einem asiatischen Produkt den Pharao dargestellt zu sehen, der Asiaten niederschlägt. Wenn man
auf Abb.32 die weibliche Figur als Anat/Astarte deuten kann, so ist es doch schwerlich möglich, im falkenköpfigen Gott auf Abb.31 eine kanaanäisch-phönizische
GO'.t:;theit zu sehen, ganz abgesehen davon, dass der
Pharao hier mehrere Feinde erschlägt. Was den Pharao
und seine Opfer betrifft, so hat man die Szene kaum
historisch sondern wohl in einem allgemeinern Sinne
apotropäisch auigefasst.
1) Champollion, Monuments de l'Egypte III Taf. 263.
2) Petrie, Tools and Weapons, Taf. 26 Nr. 130-140. Während
W. Wolf (Die Bewaffnung 75) eine Herkunft aus Südeuropa durch Vermittlung der Seevölker annimmt, lehnt
H. Bonnet (Die Waffen 95 f.) eine solche ab, da dieser
Säbel nirgends in der Hand der Seevölker zu sehen sei.
Aufgrund einiger spärlicher assyrischer Belege für eine
ähnliche Waffe postuliert er eine Herkunft aus Assyrien.
3) Das "Bäumchen", das der Mann hinter dem Pharao auf
Abb.31 in der Hand hält dürfte auf den (halbrunden)
Schattenwedel zurückzuführen sein, der gelegentlich
schützend hinter dem Pharao beim Niederschlagen gehalten wird (Schneider-Herrmann, Over de Figur 361363, 369). Die Rechtecke mit unleserlichen Schriftzeichen könnten degenerierte Kartuschen sein; vgl.
auch die eigenartige Form des Sichelsehwerts auf
Abb.2la.
70
Neben der Komposition, die aus dem Niederschlagen und
dem Ueberreichen des
Sichelschwertes
besteht, kennt
die ägyptische Ikonographie eine weitere, die an die altbabylonisch-syrische erinnert, bei der der Beter vor dem
Gott steht, der das Sichelschwert als sein Emblem in der
Hand hält (vgl. Abb.16-18). Die frühesten mir bekannten
Beispiele stammen aus der 19. Dynastie. Auf einem Ste.lenfragment Setis I., das in Qadesch am Orontes gefunden wurde, steht Seti I. vor Arnon, der ihm mit der Rechten das
Sichelschwert überreicht, das Seti zu ergreifen sich anzuschicken scheint (Abb.33). In der Linken hält Arnon das
Uaszepter. Hinter Arnon sind Seth, Month und zuletzt eine
1
weibliche Gottheit, wahrscheinlich Hathor, zu sehen •
Diese Stele ist nur fragmentarisch erhalten. Besser konserviert ist eine solche Ramses II. aus Bet-Schean. Sie zeigt
Arnon-Re~
in der Rechten das Sichelschwert, in der Linken
das Uaszepter und vor ihm Ramses II., in der Linken den
Bogen, mit der Rechten eine Anzahl asiatischer Metallgefässe praesentierend 2 , die zwischen ihm und Arnon zu sehen
sind (Abb.34). Arnon Recspricht: "Ich habe dir Sieg (ngtw)
verliehen und die Macht des Sohnes der Nut für ewig. Ich
habe dir deinem Wunsche gemäss deine Grenzen ausgeweitet
bis an den Rand der Himmelspfeiler. Empfange du das Sichelschwert (gps) gegen alle Fremdländer, damit du die
3
Köpfe derer, die gegen dich rebellieren, abschlagest" •
1) Der Entdecker der Stele M. Pezard (Mission archeologique a tell Nebi Mend 89-llSf besonders 108 f.; und
Une nouvelle stele de Seti le 387-389) deutete die
Gottheiten von rechts nach links als Arnon, asiatischer
Gott, Mut und Chonsu. Diese Deutung wurde oft übernommen (z.B. Gressmann, AOB Nr. 91; ANEP Nr. 317). G. Loukianoff (Stele du pharaon Seti ler 101-108), dem wir
hier folgen, hat sie zu Recht kritisiert. Vor allem ist
der dritte Gott eindeutig Month und nicht Mut.
2) zu solchen Metallgefässen vgl. Schäfer, Die altägyptischen Prunkgefässe.
V
3) Zur Uebersetzung vgl. Cerny, Stela of Ramesses II from
71
"Sieg", "die Macht des Sohnes der Nut", d.h. des kämpferischen Seth, und "Sichelschwert" werden hier fast als
Synonyme verwendet. Der Sinn des Ideogranuns wird einmal
mehr mit aller wünschbaren Deutlichkeit ausgesprochen.
Bei allen bis anhin
genan~ten
ägyptischen Beispielen
wird eigentlich (wenn überhaupt) nur aus den Inschriften
deutlich, dass die Darstellung der Ueberreichung eines
Sichelsehwerts intendiert ist. Die ägyptische Ikonographie
kennt aber eine Gruppe von Darstellungen, die gerade dieses Ueberreichen gestalten. Die meines Wissens ältesten
Belege für diese Gruppe sind zwei Reliefs aus dem Totentempel Seti~ I. Sie zeigen den Pharao, wie er kniend einmal von Horus das Sichelschwert (Abb.35), ein andermal von
Arnon-R~ das Sichelschwert und die Beilkeule empfängt 1 •
Die beiden Szenen stehen im Zusammenhang der Inthronisati0fi des Königs als Herrscher über die Götter und
über die Toten 2 • Dazu gehört u.a. auch die Garantie der
Fähigkeit, über alle feindlichen Mächte zu triurnphieren 3 •
Diese Garantie wird durch das Sichelschwert visualisiert.
Dieses ist also auch hier nicht schlicht Herrschersymbol,
sondern Siegesideogranun.
Die Gewährung des Sieges drückt das Ueberreichen des
Sichelsehwerts auch auf der Siegesstele aus dem Totentempel des Merenptah ("Israel-Stele") aus. Im Giebelfeld ist
Arnon zweimal (Rücken gegen Rücken) dabei dargestellt, wie
er dem Pharao das Sichelschwert überreicht, das der Pharao
mit der Rechten in Empfang nimmt. Hinter dem Pharao stehen
Beisan 75*-82*; der Text wurde zuletzt von K.A.Kitchen
(Rarnesside Inscriptions II/3 150-151) ediert.
1) Calverley/Broome/Gardiner, The Temple of King Sethos IV
Taf. 22.
2) David, Religious Ritual at Abydos 43, 46, 83. Vgl. auch
die Sichelschwerter in den Sarkophagen der Könige der
17. Dynastie und der Fürsten von Byblos (oben S.29 + 32)~
3) Keel, AOB Ps 247 und Abb.356-360, 340-342.
72
mit segnender Gebärde links Mut und rechts Chons (Abb.36).
Die Komposition führt die auf der Stele geschilderten
Siege und Triumphe auf Arnon-Reczurück, der stellvertretend
für alle Götter steht, denn schon
~n
der 1. Zeile der In-
schrift wird Merenptah als derjenige gekennzeichnet, "der
das Sichelschwert des Horus-Re' erhebt"
~
(sk~(1)
bPSV
n
I;Jr-R ii:) nl •
Noch eindeutiger als bei dieser Stele ist der Kontext
der Uebergabe des Sichelsehwerts bei einem Bilderzyklus
aus Medinet Habu, der einen Kriegszug gegen die Libyer
schildert 2 • Das erste Bild zeigt Ramses III. vor dem thronenden Arnon, der ihm das Sichelschwert überreicht (Abb.37).
Hinter dem König steht Thot mit segnender Gebärde. Thot
spricht : "bein Vater Arnon sendet dich, um die neun Bogen
zu vernichten. Alle Länder sind für immer unter deine
Füsse gelegt". Arnon spricht : "Nimm das Sichelschwert,
mein Sohn, mein geliebter, um die Häuptlinge der aufständischen Länder zu schlagen". Die zweite Szene zeigt, wie
er den Tempel verlässt. Hinter ihm schreitet mit segnender
Gebärde der Kriegsgott Month. Der Pharao hält in der Linken den Bogen, mit der Rechten scheint er das Sichelschwert
an die Brust gepresst zu halten. Es ist nur noch ein Teil
seines Griffs zu sehen. Vor dem König steht : "Seine
Majestät zieht aus .•. gegendas elende Land Temeh, das in
der Gewalt seiner Majestät ist. Es ist sein Vater,
der ihn aussendet. Er hat ihm ein Sichelschwert gegeben,
1) W. Spiegelberg (Der Siegeshymnus des Merenptah 1-25)
übersetzt !}ps mit "Siegesschwert" (Z. 1 und 15). Er
zeigt sich hier von der griechischen Interpretation
des bP~ als onAOV VLKn•LKOV beeinflusst. Neueste Ausgabe des Textes : Kitchen, Ramesside Inscriptions IV/l
12-19.
2) Keel, AOB Ps Abb. 405a.
73
seine Feinde zurückzuwerfen •.• 111 • In Szene drei besteigt
der König den Kriegswagen. Hinter ihm steht ein Prinz mit
dem Sichelschwert 2 . Auf den folgenden Szenen dieses Zyklus
ist das Sichelschwert nicht mehr zu sehen. Bei andern Versionen des Zyklus schwingt es der König in der Schlacht 3
Gelegentlich hält er es auf der Rückfahrt ostentativ in
der Hand 4 . Bei der Vorführung und Uebergabe der Gefangenen ist es dann aber in der Regel wieder in der Hand Amens
zu sehen. So zeigt etwa eine Szene in Medinet Habu, wie
Ramses III. Amen und Mut Gefangene aus den Seevölkern zuführt, besonders Philister. Dabei hält Amen in der Linken
das Uaszepter, in der Rechten das Sichelschwert. Er spricht
(u.a.)
"Mein Sichelschwert, das für dich die Länder niederwarf, war mit dir ! 115 • Diese Szene ist im Grunde nur
eine Version des Niederschlagens der Feinde vor dem Gott
mit dem Sichelschwert in der ausgestreckten Hand. Der gottgewährte Triumph wird einmal durch das Niederschlagen, das
1) Nelson, Earlier Hisorical Records, Taf. 14
z.
1-6.
2) Ebd. Taf. 16. Vgl. den Krieger mit dem Sichelschwert
hinter dem König auf dem Streitwagen auf dem Elfenbeinblatt aus Megiddo (Pritchard, ANEP Nr. 332). Es ist
aber wahrscheinlicher, dass das Sichelschwert hier einfach zur Bewaffnung der den König begleitenden Truppe
gehört (vgl. Loud, The Megiddo Ivories, Nr. 161). Auf
einem Relief Seti's I. von der Nordseite der grossen
Hypostylhalle in Karnak hält der König beim Besteigen
des Streitwagens selber das Sichelschwert (Wreszinski,
Atlas II Taf. 47).
3) Z.B. Wreszinski, Atlas II Taf. 50.
4) Ebd. Taf. 40.
5) Nelson,
Earlier Historical Records Taf. 44 z. 2;
vgl. Nims u.a., The Eastern High Gate Taf. 606; die
Weihung von Gefangenen findet sich schon früher, so
etwa bei Seti I. (vgl. Wreszinski, Atlas II Taf. 37
und 48). Doch hält Amen dort noch das traditionelle
Uaszepter und den Anch. Zum König, der dem Gott mit
dem Sichelschwert in der Hand, Gefangene vorführt,
vgl. Anhang I.
74
andere Mal durch das Einbringen von Gefangenen veranschaulicht. Man möchte annehmen, dem Pharao sei jeweils zu Beginn eines Feldzuges ein Sichelschwert überreicht worden,
das nach dessen Beendigung wieder im Tempel hinterlegt
wurde, doch könnte es sich auch um ein theologisch interpretierendes Element handeln, das bloss in den literarischen und ikonographischen Berichten vorkommt.
Ich habe bereits festgestellt, dass der typisch ägyptische und gegenüber der ideogrammatischen Verwendung des
Sichelsehwerts in der babylonischen und syrischen Ikonographie originelle Zug die Ueberreichung des Sichelschwertes sei. Welche Bedeutung diesem Gestus in der ausgehenden
19. Dynastie zukam, zeigt ein Traum Merenpta~s, von dem
in der grossen Inschrift in Karnak die Rede ist, die den
libyschen Krieg dieses Königs feiert 1 . Nachdem dem Pharao
die Nachricht vom Einfall der Libyer zugekommen ist, versammelt er den Hof und tut ihm seinen Plan kund, dem unwürdigen Zustand ein Ende zu machen. Der Hof scheint seiner Ueberzeugung Ausdruck zu geben, dass dies dem Willen
der Gottheit entspreche. Die Vorbereitungen für den Feldzug beginnen. Bis dahin entspricht der Aufbau der klassischen Form der Königsnovelle 2 • Aber nun folgt, bevor die
Ausführung des Plans berichtet wird, eine Traumerscheinung,
die sonst gelegentlich anstelle eines Anlasses wie dem
Einfall fremder Truppen oder dem Zerfall eines Tempels usw.
am Anfang der Königsnovelle steht 3 • Der Bericht lautet
1) Bibliographie : Porter/Moss, Topographical Bibliography
II 131 Nr. 486; neueste Textausgabe : Kitchen, Ramesside Inscriptions IV/l 2-12; Uebersetzung : Breasted,
Ancient Records III 240-252.
2) A. Herrmann, Die ägyptische Königsnovelle; S. Herrmann,
Die Königsnovelle in Aegypten und in Israel 51-62.
3) Otto, in : Spuler, Handbuch der Orientalistik I.2
145.
75
"Dann sah seine Majestät in einem Traum, als ob eine
Statue des Ptah vor dem Pharao - Leben, Gedeihen, Gesundheit (mögen ihm zueigen sein) - stünde. Sie war so hoch
wie .•. Er (Ptah) sprach zu ihm:
'Fass (es)
! 'während er
ihm das Sichelschwert gab, 'und vertreibe das furchtvolle
Herz aus dir ! 1111 • Die Stellung des Traumes im Kontext,
die ohne Parallele ist, und Eigenheiten des Vokabulars 2
machen es wahrscheinlich, dass der Traum his,torisch ist.
Er zeigt, wie sehr dieser Gestus die Gemüter faszinierte
und beschäftigte. Und nicht weniger als der Traum selber
zeigt das auch seine Nachwirkung, wie sie in einer Geschichte Herodots sichtbar wird, die verschiedenste historische Elemente ziemlich phantastisch zusammenmischt 3
Wie manches andere signalisiert auch die Bedeutung,
die dieser Gestus in der 19. und 20. Dynastie erlangte,
wie stark das Bewusstsein, dass der König das Göttliche
repraesentiert, in dieser gefährdeten Zeit geschwunden
ist 4 . Mit Riten wie dem der Uebergabe des Siegesschwertes
versuchte man (wohl weitgehend unbewusst) den entstehenden
Graben zu überbrücken. Angesichts der Bedeutung des Ueberreichens des Sichelsehwerts ist es erstaunlich, dass die
weniger deutliche Version (Abb. 21, 22, 25-27, 29-30, 3334) bei der nur aus den Inschriften hervorgeht, dass es
sich um ein Ueberreichen handelt, älter zu sein scheint
als die deutliche, bei der das Ueberreichen dargestellt
1) Kitchen, Ramesside Inscriptions IV/l 5 Z. 10-13; Uebersetzung : Breasted, Ancient Records III § 582. Die
Tatsache, dass Ptah und nicht Amon das Sichelschwert
überreicht, weist auf Memphis als Ursprungsort des
Textes.
2) Statt des üblichen ~sp steht mh. Auch der Traum des
Merenptah sagt nichts darüber aus, ob es sich bei der
Ueberreichung des Sichelsehwerts um einen Vorgang des
Kults oder b.loss um ein deutendes Element im Rahmen der
Berichte handelt.
3) Vgl. Herodot, Historien II 141 und den Aufsatz von Müller, Die Sethongeschichte bei Herodot Sp. 476-479.
4) Morenz, Die Erwählung zwischen Gott und König 133.
76
wird (Abb.36,37). Vielleicht verrät sich hier noch die
Abhängigkeit von der babylonisch-syrischen Ikonographie.
Dort bestand wohl nie die Absicht, die Ueberreichung darzustellen, aber man konnte bei einem entsprechenden Vorverständnis Szenen wie die auf Abb.16-18 leicht so verstehen. Das zeigt etwa die moderne Interpretationsgeschi,chte
der sogenannten "Investitur des Zimrilim, des Königs von
Mari" (Abb.9). A. Parrot hat die Szene nach ihrer Entdeckung spontan so gedeutet, als ob Ischtar dem König Ring
und Stab übergäbe 1 • E.D. van Buren hat dann darauf hingewiesen, dass Ring und Stab in dieser frühen Zeit ausschliesslich von den höchsten Göttern getragen werden und
dass es sich nicht um eine Uebergabe dieser Insignien handeln könne, eine Meinung, die seither weitgehende Zustimmung erfahren hat 2 . Wahrscheinlich haben die Aegypter die
vorderasiatische Komposition mit dem König (?) vor dem
Gott spontan als "Ueberreichen des Sichelsehwerts" gedeutet.
Was die ideogranunatische Bedeutung des Sichelsehwerts
in Aegypten anbelangt, so dürfte aus der Ikonographie und
den Texten hinreichend klar geworden sein, dass es nicht,
wie z.B. das
..
heka~-Zepter,
ein allgemeines und dauerndes
Königsideogramm darstellt, sondern die spezifische Bedeutung "gottverliehene Siegesmacht" hat. Die Bedeutung
"Sieg" hat es bis in die griechisch-römische Epoche hinein
behalten. Sie kommt vor allem in der Bezeichnung des Sichelsehwerts als ßnAov VLKn•LKOV zum Ausdruck 3 .
1) Parrot, Les Peintures du Palais de Mari 325-354, besonders 337.
2) van Buren, Symbols of the Gods 156; zustimmend : Barrelet, Une peinture de la Cour 106 17-19; und Parrot selber, Mission Archeologique de Mari II. Le Palais. Peintures murales 54 ("Le roi ••• tauche le baten et le cercle que tient la deesse Ishtar").
3) Michailidis, De la signification speciale de certaines
armes 60-65.
77
5. Die Herkunft des Sichelschwert-Motivs in Jos 8,18.26
Wie am Ende von Abschnitt I.2 gesagt und in Abschnitt
I.3 und I.4 belegt wurde, ist das Sichelschwert als Gebrauchswaffe am Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. aus dem
vorderen Orient und aus Aegypten weitgehend verschwunden.
Es hat aber als Ideogramm ein langes Nachleben gekannt.
Die Komposition, die aus dem Motiv des ausgestreckten
Sichelsehwerts und dem des Niederschlagens besteht, weist
eine erstaunliche Aehnlichkeit mit der Aussage von Jos.8,26
auf : "Josue nahm seine Hand, mit der er das Sichelschwert
ausges.treckt hielt, nicht zurück, bis es alle Bewohner von
Ai gebannt hatte." Abschnitt I.4.c hat gezeigt, wie weit
verbreitet der Gestus des ausgestreckten Sichelsehwerts als
Ideogramm für gottgeschenkten Sieg in der ägyptischen und
der von ihr beeinflussten phönizischen Ikonographie war.
Die Uebersetzung von
111~~
mit Sichelschwert gewinnt durch
diese Parallelen erheblich an Wahrscheinlichkeit.
Was den Bann betrifft, so lässt uns das AT darüber,
wie er vollzogen wurde, nicht im unklaren. In 1 Sam 15,8
1
.
bannt Saul das ganze Volk (Amalek) ~in ~~7 . Und von Agag,
1) H. Schüngel-Straumann (Tod und Leben 69) erklärt den
Ausdruck ~in ~~7 il~il wie folgt : "Mit dem Mund (d.i.
die schneide) des Schwertes dreinschlagen" schildert
anschaulich die Drohung des hocherhobenen Schwertes, mit
dem. auf den Feind eingeschlagen wird" . Das "hocherhoben"
ist eine poetische Dreingabe. Im übrigen kann sich diese im deutschen Sprachraum übliche Wiedergabe auf die
Septuaginta stützen (Jos 8,24 : €v o•oµa•L poµ~aLab;
Jos 10,28 €v cr•oµa•L ~L~oub). Dennoch muss die Uebersetzung von 7 mit "mit" Bedenken erregen, da das klassische hebräische 7 nie instrumentale Bedeutung hat.
Kommentatoren, die das beachten, versuchen das 7 als 7
der Norm (vgl. Brockelmann, Syntax § 107 15) zu fassen.
So erklärt etwa S.R.Driver (Deuteronomy 154) den Ausdruck : "Wörtlich : dem Maul des Schwertes entsprechend;
78
d.h. was das Schwert verzehren kann (2 Sam 2,26; 11,25),
ohne Schonung". Dabei versteht auch er unter Maul die
Schneide des Schwertes. Tatsächlich wird das Schwert,
oder genauer seine Schneide, nicht selten als fressendes (Jes 1,20; Jer 25,29; 46,14.16), (Blut) saufendes
(Jer 46,10) Wesen vorgestellt. Dabei hat es, wie andere
Todesmächte, die Tendenz zur Masslosigkeit (2 Sam 2,26;
Jer 12,12). In 2 Sam 11,25 wird die Willkür betont, mit
der das Schwert im Kriege "bald da und bald dort"
frisst. Durch den häufigen Gebrauch könnte das im? in
jin im? sich übrigens leicht abgenutzt haben und nicht
mehr in jedem Falle als "dem Maul des Schwertes" entsprechend" sondern einfach als "dem Schwert entsprechend" verstanden worden sein (vgl. dazu ijj1 im? in
1 Kön 17,1). Wenn mit dieser Auffassung dem 7 auch Genüge getan ist, so fragt sich doch, ob bei Ri 3,16
Cn1im i)W n71 jin 11nX 17 wyi1) mit der Uebersetzung
"zweimäulig=zweischneidig" das Richtige getroffen ist.
T. Meek (Archaeology and a point in Hebrew Syntax 33)
verneint das. Er weist darauf hin, dass jedes normale
altorientalische Schwert zweischneidig war und möchte
nm deshalb auf den oder die aufgesperrten Tierrachen
beziehen, in den, resp. die, bei altorientalischen
Schwertern der Griff gelegentlich endet. Aus dem,
resp. den, Tierrachen fährt dann die Schwertschneide
als Zunge hervor (vgl. Schaeffer, Uagritica I 107-125
und unsere Abb.38). Die n1im i)w in Ri 3,16 sollen
sich auf ein Schwert beziehen, dessen Griff zwei Löwenköpfe mit aufgesperrtem Rachen bilden (vgl. dazu Keel,
AOB Ps Abb.323a und die Axt Abb.39). jin im? n~n würde
also bedeuten "in das Maul des Schwertes hinein schlagen" (to smite into the mouth of the sword).
So ansprechend die These Meeks auf den ersten Blick
sein mag, so stellt sich doch die Frage, ob es angängig
ist, einen so verbreiteten Ausdruck wie jin ~m7 auf
ein Phänomen zu beziehen, das doch nur bei verhältnismässig wenigen Schwertern zu sehen ist (vgl. etwa
Galling, Reallexikon Sp. 472-475). Und was das zweischneidige Schwert Ehuds betrifft, so kann das, auch
wenn das altorientalische Schwert an und für sich
zweischneidig ist, ja doch einmal ausdrücklich gesagt
werden, wie es in Ri 3,16 der Fall ist. Die Bibel kennt
krassere Pleonasmen als diesen (vgl. etwa den "männlichen Sohn" in Jer 20,15; Offb 12,5 oder den "Hausherrn
des Hauses" in Lk 22,11). Endlich bleibt zu fragen,
wie bei einer solchen Deutung Ausdrücke wie im? W7n
jin (Ex 17,13), jin im? )in (Gen 34,26) oder oi1nn
jin im? (1 Sam 15,8) zu verstehen seien ? Wenn also die
These Meeks auch kaum tale quale übernommen werden
kann, so hat er doch wohl etwas Richtiges gesehen.
zweifellos sollen die Löwen und andern Bestien den
79
Raubtiercharakter des Schwertes, der ja auch in seinem Fleischfressen und Blutsaufen (vgl. oben) in den
atl Texten häufig zum Ausdruck kommt, signalisieren
und verstärken. Aehnlich wie diese Schwerter wurden im
alten Orient übrigens schon früher andere Waffen durch
die Bilder todbringender Mächte in ihrem Charakter
verstärkt und verdeutlicht, so etwa sumerische Keulen
mit der siebenköpfigen Hydra, mit dem Imdugudvogel oder
mit Löwen (Frankfort, Art. 68 Abb.71; Moortgat, Kunst
Abb.35, 36 und unsere Abb.40), ägyptische Kampfbeile
durch Krokodilsköpfe (Abb.41), die Sichelschwerter von
Byblos durch die giftige Kobra (vgl. oben S.29 Anm.l
und unsere Abb.42) und der Streitwagen Ramses II. mit
einem anspringenden Löwen (Kuentz, La bataille de Qadech Taf. 17, 35, 41, 42 und unsere Abb.43). Auf allen
vier Bildern ist er diagonal zum Köcher angebracht,
Der Vorschlag von U. Schweitzer (Löwe und Sphinx 51),
in diesem Löwen das lebende Begleittier des Königs zu
sehen, das am Wagenkasten hochspringt, scheint mir
unannehmbar. Dem Argument, diagonal-gestellte Löwen
seien als Verzierung an Wagenkästen sonst nicht belegt,
kann man entgegenhalten, lebendige Schlachtlöwen, die
auf der Wagenseite hochspringen, seien sonst ebenso
wenig bekannt (vgl. die von B. van de Walle, Les reis
sportifs 250 Anm.l und U. Schweitzer, a.a.O. genannten
Belege) • Von dieser Vorstellung der Waffe als einem
Raubtier her, die ja über den ganzen alten Orient und
auch das AT verbreitet ist, muss man sich fragen, ob
~in i~7 n~n nicht - in einem allgemeineren Sinne als
Meek will - "für das Maul des Schwertes schlagen" bedeuten könnte. Der Sinn wäre : "Jemanden (so) schlagen,
dass das Maul des Schwertes Fleisch zu fressen und
Blut zu saufen bekommt" oder mit andern Worten "tödlich, vernichtend schlagen". Anstelle des in solchen
zusammenhängen üblichen ~in i~7 erscheint in 1 Sam
15,33 "in Stücke hauen". n~n kann an und für sich
schon "tödlich schlagen" bedeuten (Gen 4,15; Ex 2,12),
muss es aber nicht (Ex 17,6; Ps 3,8). Das geht daraus
hervor, dass in 2 Sam 10,18 gesagt wird, David hätte
den Feldherrn der Aramäer so geschlagen (verwundet) ,
dass er starb. ~in i~7 in ~in i~7 n~n wäre so die Umschreibung einer Art Superlativ analog etwa zu n107
in Ri 16,16; 2 Kön 20,l; Jes 53,12 oder nl0-1V in Jon
4,9 oder 71KW 1V in Jes 57,9 (vgl. Winten Thomas, A
Consideration 219-224). Vgl. dazu auch den Ausdruck
die Gebeine 71KW i~7 ausstreuen in Ps 141,7.
80
dem König der Amalekiter, den Saul geschont hatte, heisst
es : "Samuel hieb Agag vor Jahwe in Gilgal in Stücke"
1
(1 Sam 15,33) • Beachtenswert ist das "vor Jahwe". Es
erinnert an die ägyptischen Kompositionen, bei denen das
Niederschlagen vor einem Gott vollzogen wird (Abb.21-26,
29-30).
Wenn man diese Vorstellungen auf Jos 8,26 bezieht,
ergibt sich ein überraschend unmögliches Bild. Josua soll
das Sichelschwert ausstrecken und gleichzeitig mit gezücktem Schwert die Bewohner von Ai niederschlagen. Das
ist unmöglich. Es bleibt nichts anderes als das im folgenden Satz (V. 27) erscheinende Subjekt (Israel) schon als
solches von
ci1nn
zu betrachten und dieses Subjekt in der
Uebersetzung durch das unbestimmte Personalpronomen "man"
wiederzugeben 2 , also : "Josua nahm seine Hand, mit d.er er
das Sichelschwert ausgestreckt hielt, nicht zurück, bis
man
alle Bewohner von Ai gebannt hatte." V. 26 besagt so
1) Die Verwendung des Schwertes zum Niederschlagen in
diesen Texten erinnert an ein Elfenbein aus Ugarit,
das den König bei dieser Handlung zeigt (ANEP Nr. 817;
Keel, AOB Ps Abb.403). Während in Aegypten zum Niederschlagen die altertümliche Keule oder das Sichelschwert
verwendet wird, benützt der König hier ein gerades
langes Schwert. In ähnlicher Art wie der ugaritische
König dieses hält, hält Ramses II. auf einem Relief
von Beit el-Wali das Sichelschwert (vgl. Ricke/Hughes/
Wente, The Beit el-Wali Temple Taf. 10 und 14).
2) In V. 27 steht das zu "Israel" gehörige Verb iTT~ zwar
im Plural, aber in Jos 10,35 finden wir ci1nn mit dem
Volk als Subjekt auch im Singular obgleich die andern
Verben im gleichen Vers im Plural stehen. Zur Verwendung der 3. Person Singular zur Umschreibung des allgemeinen Subjekts "man" vgl. Brockelmann, Hebräische Syntax § 36 d. Man könnte natürlich einwenden, ci1nn besage hier nur "dem Bann weihen" in einem weiteren Sinne,
oder das Ausstrecken des Sichelsehwerts bewirke den
Bann auf wunderbare Weise, aber beide Auslegungen stossen sich am V. 27, wo "Israel" Subjekt der Vollstreckung
des Bannes ist.
81
zusammen mit V. 18, Josua habe das Sichelschwert in seiner Hand auf Geheiss Jahwes gegen Ai ausgestreckt, bis
der Kampf gewonnen und die Einwohner von Ai gebannt waren (vgl. dazu Ex 17,11-13).
Angesichts der Singularität dieses Motivs im AT ist
die Annahme wahrscheinlich, es liege ihm das ägyptische
Motiv von Abb.21 zugrunde, das ja durch die phönikische
Kleinkunst im 1. Jahrtausend v. Chr. weite
Verbreitung
gefunden hat (Abb.31-32). Interessanterweise ist es in
Jos 8 das Ausstrecken des Schwerts als solches, das als
Ritus des Sieges verstanden wird, so wie das die Ikonographie nahelegt, und nicht der Ritus der Uebergabe, wie es
die hieroglyphischen Beischriften in der Regel wollen.
Die Uebertragung des Motivs fand also auf ikonographischem
und nicht auf literarischem Wege statt. So wie beim Uebergang des Motivs aus dem altbabylonisch-syrischen in den
ägyptischen Raum eine Neuinterpretation stattgefunden
zu haben scheint, so wiederum eine beim Uebergang vorn
ägyptischen in den alttestamentlichen. Aus dem Attribut
(Babylonien, Syrien) wurde ein zu überreichendes Unterpfand (Aegypten) und aus diesem ein beim Ausstrecken wirksam werdendes "Sakrament" (Phönizien ?, AT). Bei der
Uebernahrne des Motivs in die phönizische Kleinkunst ist
zudem an die Stelle von Month, Arnon oder Horus von alter
syrischer Tradition inspiriert (Abb.19 und 20) gelegentlich eine Göttin getreten (Abb.32). Im AT erscheint Josua
in dieser Funktion, und anstelle des Königs vollzieht das
Volk den Bann.
Diese Besetzung einer an und für sich göttlichen Rolle
durch einen Menschen findet sich im AT auch sonst. So
wird die Funktion des Gottesboten, die in der Umwelt Israels in der Regel ein Gott oder ein göttliches Wesen (Thot,
Hermes) innehat, im AT weitgehend von Menschen, nämlich
82
den Propheten, übernonunen 1
Auch die Wahrnehmung könig-
licher Funktionen (Niederschlagen) durch das Volk liegt
durchaus in den Möglichkeiten des AT's (vgl. etwa Jes
55,3-5).
Durch die Einführung eines "Sakraments" wird das direkte Handeln Gottes, wie es in den älteren Jahwekriegen
erscheint (z.B. Ex 14,27; Jos 10,11; Ri 4,15; 2 Sam 5,24),
einerseits durch etwas weniger Direktes, anderseits durch
etwas Verfügbareres ersetzt. Solche signa efficacia sind
dann später von der Priesterschrift sehr geschätzt wor~
den 2 • Wie schon in Jos 8 werden solche Zeichen durch die
Zurückführung auf einen Befehl Jahwes jahwisiert.
6. Das Problem von Jos 5,13-15
Die Annahme einer ägyptischen Herkunft des Motivs von
Jos 8,18.26 kann vielleicht auch etwas Licht auf das
Rätsel von Jos 5,13-15 werfen. Das Stück wird seit langem
3
ziemlich allgemein als Fragment empfunden . Selbst ein
1) In der Frühzeit Israels fungiert als Gottesbote auch
noch ein göttliches Wesen, nämlich der geheimnisvolle
1K70 Jahwes, resp. Gottes (Gen 19,1.15; 21,17; 31,11).
In der Königszeit übernehmen die Propheten diese Funktion (Westermann, Grundformen prophetischer Rede 82 f.).
Erst in nachexilischer Zeit wagt man es aber, sie direkt als Boten Jahwes zu bezeichnen (Hag 1,13; 2 Chr.
36,15 f.).
2) Keel/Küchler, Synoptische Texte aus der Genesis II,46f.
3) Z.B. Garstang, Joshua, Judges 141; George, Les recits
de Gilgal en Josue 177-179 (betont den Fragmentcharakter sehr stark, bezweifelt aber die Möglichkeit einer
Ergänzung); Noth, Das Buch Josua 23; Keller, Ueber einige alttestamentliche Heiligtumslegenden II 89 f.;
B. Stade (Der Hügel der Vorhäute 132 f.) und J. Wellhausen (Die Composition 123) sahen in der Erscheinung als
solcher eine Theophanie "welche die Heiligkeit der Bama
83
konservativer Ausleger wie A. Schulz kann sich der Einsicht nicht verschliessen, dass der Engel nicht erschienen
sei "blass um Josue zu sagen, dass er die Schuhe ablegen
l
soll" • Dem Versuch, das Fragment zu ergänzen, stehen
grundsätzlich drei Wege offen :
a) Man argumentiert und ergänzt vom Kontext her.
b) Man geht von der Annahme aus, das Stück, resp. seine
Fortsetzung stehe nicht an seinem (resp. ihrem) ursprünglichen Platz und sucht die passenden Teile wieder zusammenzufügen.
c) Man sucht nach parallelen aber vollständigen Szenen und
ergänzt das Fragment von dorther.
Natürlich können die drei Methoden sich gegenseitig ergänzen.
Mit der Methode a) haben schon A. Kuenen und H. Holzinger operiert. Sie schliessen aus dem Umstand, dass die
Erscheinung bei Jericho stattfand und die Eroberung von
Jericho sich anschliesst, der Anführer des Heeres Jahwes
hätte Anweisungen zu dessen Eroberung gegeben2. Problematisch an dieser Deutung ist, dass
1n~1~~
von Hause aus
nicht "bei Jericho" sondern "in Jericho" heisst, "und so
war es ursprünglich wohl auch gemeint 113 • Da Josua vor der
Eroberung Jerichos nicht gut dort gestanden haben kann,
ist es fraglich, ob das Stück in seinem ursprünglichen
Kontext steht und eine Ergänzung von daher empfiehlt sich
deshalb nicht.
von Gilgal inauguriert und darum keineswegs so zwecklos ist, wie man gemeint hat" (Wellhausen). Aber es
gibt im AT nirgends eine Theophanie, die keinen andern
Zweck hätte als diesen. Selbst bei Bethel (Gen 28) ist
mit der Theophanie, die die Heiligkeit des Ortes inauguriert, eine Botschaft verbunden (vgl. George
Les
recits de Gilgal 178).
1) Schulz, Das Buch Josua 20 f.
2) Holzinger, Das Buch Josua 12.
3) Noth, Das Buch Josua 34 und 22 f.; vgl. auch Abel,
84
c.
Steuernagel kombiniert Methode a) und b). Er
schliesst aus dem "bei Jericho" ähnlich wie Kuenen und
Holzinger, "dass diese Erzählung zu der folgenden Eroberung Jerichos in Beziehung steht 111 und vermutet dann, dass
der Inhalt der Engel-Rede Jos 6,2-5 entsprochen hätte. Die
Unklarheit sei durch die Kombination verschiedener Schichten (J und E) entstanden, wobei bei J Jahwe direkt, bei E
der Anführer des Heeres Jahwes gesprochen hätte 2 • Eine
ähnliche Lösung hat neulich wieder G. del Olmo Lete vorgeschlagen. Ohne die Quellentheorie in Anspruch zu nehmen,
schlägt er vor, Jos 6,1 vor 5,13 zu setzen oder, was ihn
besser dünkt, 6,1 als Regieanweisung ("nota de libreto")
in Klammern zu setzen und 6,2 ff. direkt mit 5,15 zu verbinden3. Das Phänomen, dass ein Bote Jahwes erscheint und
dann Jahwe selber spricht oder handelt, gibt es auch
sonst im AT (vgl. Gen 21,17-20; 31,11-13; Ex 3,2 und 6)
Allerdings ist es hier in V. 14 nicht der übliche
4
.
1H'D
Jahwes, der erscheint, sondern der Anführer des JahweHeeres, und das deutet auf einen bevorstehenden Kampf. In
5
Jos 6,2 ff. werden aber kultische Anweisungen gegeben •
Dazu kommt die oben schon genannte Schwierigkeit der Ortsbestimmung "in Jericho".
So bleibt der dritte Weg c) zu beschreiten. M. Noth
z.B. sieht in Jos 5,13-15 eine verstümmelte HeiligtumsL'apparition du Chef 109-113, besonders 109.
1) Steuernagel, Uebersetzung und Erklärung der Bücher
Deuteronomium und Josue 169.
2) Ebd. 172; vgl. auch die bei Abel, L'apparition du Chef
111 genannten Autoren.
3) del Olmo Lete, La conquista de Jerico y la leyenda ugaritica de Krt 3-15, besonders 10 f.
4) Weitere Beispiele bei George, Les recits de Gilgal 177,
Anm. 32.
5) Vgl. auch George, a.a.o. 179, Anm. 41 "aux versets 1315 l'image guerriere indique une intervention de l'ar-
85
legende. Das Ganze könnte "auf eine bestimmte Anweisung
über die Ausstattung und Pf lege der durch die himmlische
Erscheinung geheiligten Stätte" hinaus gelaufen sein 1 •
Eine solche Inhaltsangabe wird der Person des Sprechers,
nämlich dem Anführer des himmlischen Heeres, kaum gerecht.
F.M. Abel hat von der Phraseologie von Jas 5,13-15 ausge2
hend auf einige Parallelen aufmerksam gemacht • Von ihnen
kann die auffallende Parallele von Jas 5,15b mit Ex 3,5
(E oder J, Mose vor dem brennenden Dornbusch) weiter helfen. Nach Abel stellt diese Parallele Josua neben Mose,
und in dieser Parallelisierung liegt für Abel auch der
Sinn des Fragments 3 • Allerdings entgeht auch ihm nicht,
dass das Ziel der Erscheinung in Ex 3 der Auftrag an Mose
ist, Israel aus Aegypten herau-szuführen (Ex 3, 7-4, 17 J
und E) 4 • Etwas ähnliches würde man im Anschluss an
Jas 5,13-15 für Josua erwarten.
Bei der Beauftragung des Mose spielt ein Stab
n~D
mindestens in der Version des E eine nicht geringe Rolle.
So wie der Text jetzt lautet, befindet sich dieser Stab
von Anfang an in der Hand des Mose (Ex 4,2-4 E). Aber die
Aufforderung am Schluss des Abschnitts, den Stab zu ergreifen (Ex 4,17 E) und der Hinweis darauf, dass Mose von
da an den Stab in der Hand gehalten hätte (Ex 4,20b E)
wie auch die Bezeichnung "Gottesstab" (Ex 4,20b; vgl. auch
17,9 E) scheinen mir darauf hinzudeuten, dass der St.ab
mee celeste; au chapitre VI Dieu apere plutöt par des
forces cosmiques".
1) Noth, Das Buch Josua 23 (unten) •
2) L'apparition du Chef.
3) Ebd. 111. Ohne im besonderen auf Jas 5,13-15 einzugehen stellt Mc Carthy in seinem Aufsatz "The Theology
of Leadership in Joshua 1-9" die Führerschaft Josuas
als Leitmotiv von Jas 1-9 heraus.
4) Abel,
L'apparition du Chef 111.
86
ursprünglich in der Hand Jahwes war und im Laufe seiner
Beauftragung dem Mose übergeben wurde. Der Stab legitimiert im folgenden durch seine Wunderkraft jedenfalls immer wieder die Beauftragung des Mose. Mit dem Stab wird
das Wasser des Nil in Blut verwandelt (Ex 7,15b.16.17b.
20 E). Mit dem Stab werden ein Gewitter herbeigeführt (Ex
9,23a E) und der Ostwind heraufbeschworen, der die Heuschrecken bringt (Ex 10,13 E). Vor allem aber wird mit dem
Stab das Meer gespalten (Ex 14,16 E). In der Amalekiterschlacht hilft er den Feind zu schlagen (Ex 17,9 E). Wahrscheinlich ist er dort allerdings ein späterer Einschub,
weil im folgenden die beiden Hände Mose's die entscheidende Rolle spielen 1 • Dennoch bleibt, dass bei Eder Stab eng
mit der Beauftragung Mose's durch Jahwe verbunden ist.
Wenn Jas 5,13-15 eine Parallele zur Beauftragung des
Mose in Ex 3-4 darstellt, was Jas 5,15 und der nähere und
weitere Kontext nahelegen, und wenn man beachtet, dass
Josua in Jas 8,18 und 26 ähnlich wie Mose beim Auszug mit
seinem Stab mit seinem Sichelschwert das Geschehen bestimmt, kann man vermuten - und über Vermutungen ist da
nicht hinauszukommen -, der Anführer des himmlischen Heeres habe das gezückte Schwert, das er nach V. 13 in seiner
Hand hält, Josua im Laufe seiner Beauftragung überreicht.
Als Vorbild für die Ueberreichung des Sichelsehwerts
käme nicht nur die (erschlossene) Ueberreichung des Gottesstabes an Mose in Frage, sondern auch die ägyptische Ikonographie (vgl. Abb.35-37) oder ägyptische Geschichten,
wie die von der Traumerscheinung des Merenptah (vgl. oben
s.
75).
Eine Schwierigkeit, die dieser Hypothese im Wege steht,
ist die Verwendung zweier verschiedener Ausdrücke für
Schwert in Jas 5,13
(~in)
und in 8,18.26
(111~~).
1) Noth, Das zweite Buch Mose 113 und unten
s.
Man kann
91-94.
87
dieses Problem zu lösen versuchen, indem man entgegen der
obigen Annahme die beiden Ueberlieferungen Jas 5,13-15 und
8 trennt 1 oder indem man in Jas 5,13-15 eine Ersetzung des
seltenen
(ii'~
durch das gebräuchlichere
~in
annimmt. Solche Ersetzungen lassen sich auch sonst beobachten 2 •
Die Vermutung, Jas 5,13-15 sei das Fragment einer
Ueberlieferung, die die Beauftragung Josuas zur Eroberung
von Ai (beachte das "in Jericho") enthielt, wobei diese
Beauftragung durch die Ueberreichung eines Sichelsehwerts
bekräftigt wurde 3 , ist nichts als eine Vermutung.
In Ez 30,20-26 ist das Motiv hingegen eindeutig belegt. In diesem aus dem Jahre 588/87 v.Chr. stammenden
Spruch (vgl. Ez 29,1) wird dem Pharao Hofra (= Apries,
589-570 v. Chr.), der Nebukadnezar in Palästina entgegen1) Das würde der heutigen Stellung von Jos 5,13-15 entsprechen, die es von der Ai-Sage getrennt vor die Jericho-Legende stellt. Da nach Jos 5,13 die Beauftragung
aber "in Jericho" erfolgte, kann sie sich ursprünglich
nicht auf die ganze Landnahme sondern nur auf die Einnahme von Ai und evt. noch das Felgende bezogen haben.
Allerdings bleibt dann die Frage offen, wie das Stück
an seinen heutigen Platz geraten ist.
2) Das nur zweimal belegte Yin II in 2 Sam 5,24 ersetzt
1 Chr 14,15 durch das gewöhnliche non?o~ ~~~, das Hapax legomenon O'VJVJO in 2 Sam 6,5 durch das in nachexilischen Texten zwölfmal belegte O'n7~0 (1 Chr 13,8;
vgl. 15,28), die singulären i~i~Oi ll~O in 2 Sam 6,16
durch die verständlicheren pn~oi iPiO. Mit Hilfe der
zweifarbigen Synopsen von Abba Bendavid, Parallels in
the Bible (Jerusalem 1965-1969) liessen sich leicht
viele weitere solcher Fälle zusammenstellen. Sie zeigen,
dass die Ersetzung alter, seltener Ausdrücke durch gängige und bekannte durchaus geläufig war.
3) Der Vorstellung von Jos 5,13 analog ist das Bild auf
den Stelen Abb.33 und 34. Auf Abb.34 steht Ramses II.
barfuss vor dem Gott mit gezücktem Schwert. Der Text
dieser Stele (vgl. S. 70) redet dann allerdings von der
Uebergabe des Schwertes. Da die Erzählung in Jos 5,13ff.
im Gegensatz zum Bildschmuck der Stelen sich kaum auf
die Schilderung einer einzelnen Szene beschränkt haben
dürfte, liegt die Annahme einer (heute verlorenen) Beauftragung durch die Uebergabe des Sichelschwertes nahe.
88
trat (vgl. 2 Kön 24,7; Jer 37,5-11; Ez 29,1-32,21) das
Zerbrechen seines Arms und dem König von Babylon die Stärkung des seinen angekündigt 1 • In diesem Zusammenhang teilt
Jahwe auch mit, dass er sein Schwert (jiM) dem König von
Babylon übergeben werde (Ez 30,24 und 25). Der wird es
gegen Aegypten ausstrecken
(n~~)
(V.25; vgl. Anhang II
und Jahwe wird Aegypten unter die Völker zerstreuen (V.
26). Wenn Ezechiel den ägyptischen Brauch der Beauftragung
zum Krieg durch die Ueberreichung eines Sichelsehwerts
(vgl. Abb.37 und S. 72 f .) vor Augen hat, dann haben wir
es hier mit der polemischen Umkehrung dieses ägyptischen
Theologumenons zu tun. Nicht der Pharao ist (wie er zu
~ein
beansprucht; vgl. 2 Chr 35,21) von Gott mit Krieg
und Sieg beauftragt, sondern sein Gegner, der König von
Babylon. Wie Josua (Jos 8,18.26) soll er sein Schwert gegen Aegypten ausstrecken und Jahwe wird Sieg verleihen.
So sehr die Vorstellung an ägyptische, resp. ägyptophönizische Vorlagen erinnert, so dürfte sie im Gegensatz
zu Jos 8,26 doch nicht direkt von solchen abhängig sein.
Statt des
jli~~
erscheint das gerade Schwert (jin),und
das Ausstrecken des Schwertes ist nicht mit dem "Schlagen"
der Feinde sondern mit ihrer Zerstreuung verbunden. So
möchte ich Ez 30,24 ff., wenn die wurzeln der dahinter
stehenden Vorstellungen letztlich auch in Aegypten gesucht
werden müssen, in der vorliegenden Form lieber als Bestandteil der vorderasiatisch-ägyptischen Koine von Siegesriten
2
und -syrnbolen betrachten , von denen schon oben, Anm. 1
S. 47-49, die Rede war.
1) Zum Spruch als ganzem vgl. die Kommentare von Fohrer
(173-174), Eichrodt (287-290) und Zirnrnerli (740-746).
2) Zur Uebergabe von Pfeil und Bogen als Beauftragung zum
Krieg und als Unterpfand göttlicher Hilfe im Kampf aus
aus Assyrien vgl. Keel, AOB Ps Abb.297.
II
DIE ERHOBENEN HAENDE DES MOSE
(Ex 17, 8-13)
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1. Die Geste{n) des Mose in Ex 17,8-13
Die erhobenen Hände des Mose 1 , denen die Israeliten
in Ex 17,8-13 ihren Sieg über Amalek verdanken, werden von
den Exegeten in der Regel als einzige Parallele zu Jos
8,18.26 angeführt 2 . Wie Josua das Sichelschwert ausstreckt
bis {nach der oben vorgetragenen Deutung) das Kriegsvolk
die Leute von Ai gebannt hat, so streckt Mose seine Arme
aus, bis Josua und das Kriegsvolk die Amalekiter geschlagen haben 3 .
Besonders eng wäre die Parallele, wenn Mose, wie V. 9
sagt, bei dieser Gelegenheit mit dem Gottesstab in der
Hand vorgestellt worden wäre. Der Gottesstab wird im fol1) Genau genommen ist nur in V. 12 von den beiden Händen
die Rede.
2) Z.B. Schulz, Das Buch Josue 29; Noth, Das Buch Josua
51; Hertzberg, Die Bücher Josua, Richter, Ruth 59;
Fritz, Israel in der Wüste 58 Anm. 14. Gr~nbaek {Juda
und Amalek 33) findet, 1 Sam 7,7-14 {Dtr) sei eine genauere Parallele zu Ex 17 als Jos 8. Josua würde in
Jos 8 kriegerische Funktionen ausüben, was bei Mose
{Ex 17) und Sam (1 Sam 7) nicht der Fall sei. Versteht
Gr~nbaek das Ausstrecken des Sichelsehwerts als Signal ?
Die erhobenen Hände des Mose versteht er jedenfalls als
Segensgestus. Mose führt den Israeliten Kraft zu, die
von Jahwe kommt {a.a.o. 43). Aber selbst bei dieser
fraglichen Deutung bestehen zwischen Ex 17 und 1 Sam 7
merkliche Differenzen. In Ex 17 wirkt Mose {wie immer
der Ursprung seines Einflusses vorgestellt wird) direkt
auf das Volk, resp. auf Josua ein, während SamueL der in
1 Sam 7 mit Opfer und Gebet auf Gott einwirkt {der dann
selber eingreift) , nur indirekt (über Gott) auf das
Kampfgeschehen Einfluss nimmt.
3) Auch von dieser Parallele her ist die oben S.80 vorgetragene Deutung von Jos 8,26 wahrscheinlich.
92
1
genden allerdings nicht mehr genannt , vor allem aber ist
es nach V. 12 für den Erfolg wesentlich, die beiden Hände
des Mose erhoben zu halten. Wenn es auf den Gottesstab
ankäme, würde eine Hand genügen.
Wir haben also mindestens zwei Vorstellungen : Mose
streckt die eine Hand mit dem Stab aus und Mose erhebt die
beiden Hände ohne Stab. Wenn wir der Tatsache, dass in
V. 11 der Stab nicht genannt und nur von einer Hand die
Rede ist, ihr ganzes Gewicht lassen, haben wir sogar drei
Varianten. Der Samaritanus und alle Versionen lesen in
V. 11 zwar "seine Hände", aber da es sich dabei wohl um
eine Angleichung an V. 12 und also um eine lectio facilior
handelt, entkräftet sie die Lesart des masoretischen
Textes nicht ohne weiteres 2 . Immerhin ist, wenn wir den in
Anmerkung 1 beschriebenen Sachverhalt beachten, denkbar,
dass in V. 11 an die Hand mit dem Stab gedacht ist, ohne
dass dieser nochmals erwähnt wird 3 . Der Stab aber dürfte
1) Noth, Das zweite Buch Mose 113; das Argument ist allerdings nicht allzu gewichtig. In Ex 14 ist in V. 16E
auch vom Stab, in V. 2la.26.27E auch nur noch von der
Hand des Mose die Rede; vgl. Anhang II
2) Die Bemerkung von Fritz (Israel in der Wüste 60 Anm.23):
Da in "Ex 17,8-13 stets von den beiden Händen des Mose
die Rede ist, wird in Ex 17,11 zweimal 1,1, anstelle
von 11, zu lesen sein" muss ~ls Beispiel wenig sorgfältigen Umgangs mit dem Text gewertet werden, denn
von den "Händen" im Plural resp. Dual ist in 17,8-13
nicht "stets" sondern nur in V. 12 die Rede. Es steht
also genau genommen V. 11 gegen V. 12.
3) So z.B. Gr~nbaek, Juda und Amalek 32. Die Möglichkeit,
dass auch in Ex 14E von zwei verschiedenen Gesten die
Rede ist, kann allerdings nicht ganz ausgeschlossen
werden, wenn sie auch wenig wahrscheinlich ist. Die
Erhebung des Stabes (Ex 14,16) und die Erhebung der
Hand (14,2la, 26a, 27a), die die gewaltige Hand Jahwes
(14,31) vergegenwärtigen könnte, sind vielleicht als
Varianten zu betrachten, vgl. Anhang II •
93
so gut wie sicher bei der Verbindung von 17,3-6 (besonders
V.
5~)
mit 17,8-13 in den zweiten Abschnitt hineingerutscht
sein. Der Singular in 17,11 wäre dann eine Angleichung an
17,9. Diese Angleichung kam dann in 17,12 angesichts von
Aaren und Hur zum Stillstand, die E oder ein späterer Redaktor nicht zu eliminieren wagte. Im folgenden gilt unsere Aufmerksamkeit also den beiden erhobenen Händen, die
innerhalb der Ueberlieferung von Ex 17,8-13 als ursprünglich zu betrachten und in Ex 17,12 auch mit dem Stein verbunden sind, auf dem Mose gesessen haben soll. Dieser
Stein dürfte (evt. zusammen mit dem in V. 15 genannten
Altar) den Haftpunkt für die älteste Version gebildet ha1
ben .
Was die Beziehungen zwischen Jos 8,18.26 und Ex 17,12
anbelangt, so ist von der Verschiedenheit der beiden Gesten (mit der einen Hand ausgestrecktes Sichelschwert; erhobene Hände) abgesehen, ein weiterer beachtenswerter Unterschied festzustellen. Josua handelt auf Geheiss Jahwes
(Jas 8,18). Mose bestimmt das Kampfgeschehen aus eigener
Initiative, anscheinend kraft seiner numinosen Fähigkeiten2. Ob sich in diesem Unterschied eine betont höhere
1) zur Frage, ob der Stein geradezu traditionsbildend gewirkt hat, wie Noth (Ueberlieferungsgeschichte des
Pentateuch 132) annimmt, vgl. unten s.101.Fritz (Israel
in der Wüste 56) legt Wert darauf, zwischen Sitz-Stein
und Altar zu unterscheiden.
2) Noth, Das zweite Buch Mose 114. Die numinosen Fähigkeiten rücken Mose hier in die Nähe der älteren Propheten
des Nordreiches, besonders Elia's und Elischa's, die
nach der Ueberlieferung zu allerhand wunderbaren Taten
befähigt waren. Für E, dem die Propheten soviel bedeuten und der in Mose ihren Prototyp sieht (vgl. dazu
Keel/Küchler, Synoptische Texte aus der Genesis II,33-38),
ist auch Mose ein Wundertäter und zwar "bis an die
Grenze des Magiers" (von Rad, Theologie des Alten Testaments I 305). Aus diesem Grund möchte man Ex 17,8-16
gerne für E buchen. Typisch E ist übrigens auch der Hinweis auf eine schriftliche Quelle in V. 14 (Weiser, Einleitung in das Alte Testament 108 f.). Da die Wohnge-
94
Wertschätzung des Mose gegenüber Josua, ein weniger auf
Jahwe-Zentrik bedachter, volkstümlicherer Ueberlieferungskreis oder einfach eine archaischere Zeit kundtut, ist
kaum zu entscheiden. Vielleicht haben alle vier Faktoren
zusammengewirkt.
Denkbar ist aber auch, dass die beiden Gesten aller
vordergründigen Aehnlichkeit und gleichen Wirkung zum
Trotz von sehr verschiedener Art sind. Das ausgestreckte
Sichelschwert hat sich als eine Art Sakrament erwiesen,
das als solches nur von Jahwe eingesetzt werden konnte.
Die erhobenen Hände hingegen sind vielleicht nicht mehr
als ein besonders feierlicher Gebets- und Segensgestus,
dessen Gebrauch keiner göttlichen Initiative bedarf. Es
wird noch darauf zurückzukommen sein.
Festzustehen scheint mir, dass die wirkkräftige Geste,
die nach Ex 17,12 in dem lange währenden Ringen zwischen
Amalek und Israel (Dtn 25,17-19; 1 Sam 15; 1 Sam 27,8;
30,l ff.) den entscheidenden Ursieg Israels ermöglicht,
wie das ausgestreckte Sichelschwert aus Aegypten stammt.
biete der Amalekiter aber südlich von Israel im Negev
und im nördlichen Sinai lagen und die Geschichte eine
dauernde Feinschaft zwischen Amalekitern und israelitischen Verbänden voraussetzt, ziehen es die neueren
Exegeten vor, diese Ueberlieferung aus dem Süden J zuzuweisen (Gr~nbaek, Juda und Amalek 29; Fritz, Israel
in der Wüste 12 f.; Stolz, Jahwes und Israels Kriege
97 und die dort genannten Autoren) . Wenn die Ueberlieferung ursprünglich auch aus dem Süden stammt, machen
mir die oben angeführten Punkte und die Rolle Josua's
doch eine Ueberarbeitung im Nordreich und eine Zuweisung an E wahrscheinlich. Die ursprüngliche NegevUeberlieferung kann schon zur Zeit Sauls im Nordreich
bekanntgewordensein(vgl. 1 Sam 15 und Gr~nbaek, a.a.
O. 30). Ex 17,8-13 aufgrund von so allgemeinen Begriffen wie 1no; ~~~; Oll; 1~~ etc. J zuweisen zu wollen,
wie Fritz (Israel in der Wüste 13 Anm. 17) das versucht, scheint mir verfehlt.
95
2. Die "erhobenen Hände" in Aegypten
In Israel sind die erhobenen Hände in diesem Kontext
ebenso singulär wie das ausgestreckte Sichelschwert in
Jos 8. In Aegypten gehören die Hände mit nach vorn gekehrten Handflächen zu den verbreitetsten Gesten. Sie bedeuten
Verehrung, Lobpreis, Bitte, Segen, Schutz und Abwehr.
Die einzige mir bekannte Deutung des Ursprungs dieses
Gestus stammt von Sainte Fare Garnot 1 : "Dans l'exhibition
des mains ouvertes, le dieu trouve d'abord une garantie :
celui qui l'invoque n'a pas d'armes, c'est un ami." Diese
Deutung hat keine Anhaltspunkte in der Ikonographie. Fehlende feindliche Absichten scheint man seit ältester Zeit
durch eine in der Hand gehaltene Feder oder einen Zweig
kundgetan zu haben 2 . Sainte Fare Garnots Interpretation
erklärt auch nicht den spätern Gebrauch des Gestus als
Ausdruck der Verehrung und der Abwehr, ganz abgesehen davon, dass es weder vom Gott noch vom Beter her ein vordringliches Bedürfnis sein kann, das Fehlen jeder agressiven Absicht zu demonstrieren. Vielmehr scheint es sich
von Haus aus um einen Gestus des Beschwörens gehandelt zu
haben. Eine praehistorische Felsritzung zeigt eine Frau (?)
3
in dieser Haltung vor einer sich aufrichtenden Schlange
Von diesem Ursprung her erklärt sich auch die Ambivalenz
des Gestus in historischer Zeit. Wenn man damit vor einen
Gott tritt, beschwört man seine heilvolle Segensmacht, um
an ihr teilzuhaben. Man lobt ihn, man segnet ihn (vgl. das
1) L'hommage aux dieux sous l'Ancien Empire 11 f.; H. Bonnet (Reallexikon 207) verzichtet auf eine Deutung.
2) Vgl. die Belege bei Clere, Fragments d'une nouvelle
representation 41 f.
3) Keel, AOB Ps Abb. 417.
96
hebräische
ii~).
Loben bedeutet nicht, "dass man nichts
von Gott will - im Gegenteil : man will alles von ihm" 1 .
Man beschwört seine Herrlichkeit, um an ihr teilzuhaben.
Wenn in Aegypten mit diesem Gestus nicht nur Begriffe
des Lebens wie
Bittens wie
tw~
dw~
oder
oder
i~w
sondern auch des Betens und
snm/srun~
determiniert werden, hängt
das mit der Form des ägyptischen Bittgebets zusammen. Dieses besteht in der Regel aus hymnischen Lobpreisungen und
die eigentliche Bitte schliesst sich nur mit wenigen Worten an 2 . Der Beter beschwört alle guten Eigenschaften des
Numens und nennt nur in einem knappen Schlussatz den Zweck
dessetwegen er sie beschworen hat.
Die erhobenen Hände finden sich
n~cht
nur bei Menschen.
Mit diesem Gestus des Lobpreisens und Segnens steht nicht
selten eine Göttin (oder ein Gott) hinter einem (andern)
Gott oder dem König (Abb. 36 und 37) 3 . "Hinter" hat im
Aegyptischen häufig den Beiklang von "schlitzend" 4 Was
die Hände betrifft ist allerdings fast ausnahmslos nur
eine Hand mit nach vorn gekehrter Handfläche erhoben, die
andere hält das Lebenszeichen (Anch), das Uaszepter oder
ein anderes Attribut göttlicher Macht und Wlirde 5 .
1) Van der Leeuw, Phänomenologie der Religion 489; vgl.
Beyerlin, Die t6da der Heilsvergegenwärtigung 208-224.
2) Bonnet, Reallexikon 204; für Beispiele siehe Erman,
Gebete eines ungerecht Verfolgten 19-36.
3) Selten steht in dieser Haltung ein Gott hinter einer
Göttin (Calverley/Broome, Abydos III Taf. 45).
4) Erman/Grapow, Wörterbuch III
S. 8 und 10.
5) Calverley/Broome, Abydos I, Taf. 4; III Taf. 14;
Hughes, Medinet Habu VII Taf. 499, 515, 520-522 u.o.
97
Wo dieses fehlt ist die eine Hand erhoben, die andere legt
sich auf oder um die Schultern des Gottes 1 oder stützt
seinen Arm 2 . Gelegentlich sind die Arme der Göttin mit
Flügeln ausgestattet, die sie dann schützend um den Gott
legt, hinter dem sie steht 3
Die Bedeutungsgleichheit des Gestus der erhobenen Hand
mit dem der ausgebreiteten Flügel suggeriert auch Abb.44.
Hinter dem vergöttlichten Ramses III. stehen der personifizierte Tempel von Medinet Habu und Nechbet in einer
Mischgestalt von Geier und Uräus 4 über der oberägyptischen
Lilie. Beide sichern dem König Schutz, Leben, Dauer, Herrschaft und Gedeihen zu, wie die zwischen dem König und
den beiden Göttinnen angebrachten Hieroglyphen ausdrücklich sagen.
Dass bei den Göttinnen bloss eine Hand erhoben ist,
braucht uns noch nicht an einen vom "Gebetsgestus" grundsät~lich
verschiedenen Gestus denken zu lassen. Der Gestus,
zu dem in der Regel beide Hände erhoben werden, wird von
Menschen auch nur mit einer Hand ausgeführt, wenn die be.
5
treffenden in der andern Hand irgendetwas halten . Dennoch scheint die eine erhobene Hand der Götter und Göttinnen eine wirkliche Variante der beiden erhobenen Hände zu
sein, die die spezielle Bedeutung "Schutz, Segen" hat.
1) Calverley/Broome, Abydos I Taf. 4,5,15; III Taf. 1,
4,15,31,33 u.o.; Hughes, Medinet Habu VII Taf. 498.
2) Ebd.
Taf. 512; Calverley/Broome, Abydos III
Taf. 16.
3) Calverley/Broome, Abydos I Taf. 13 und 16; Keel,
AOB Ps, Abb. 262. Diese Variante macht auch deutlich,
dass die Göttin tatsächlich hinter dem Gott und nicht
neben ihm steht, wie das Bild beim aperspektivischen
Charakter der ägyptischen Zeichenkunst sonst auch verstanden werden könnte.
4) Zum geflügelten Uräus als Erscheinungsform der Nechbet
vgl. Bonnet, Reallexikon 507.
5) Keel, AOB Ps, Abb. 132a, 372, 379; vgl. auch Abb. 50
dieser Arbeit.
98
Immerhin zeigt eine Inschrift von der Felsinsel Konosso
nördlich der Insel Philae aus der Zeit Thutmosis IV., dass
auch Gottheiten mit den beiden Händen erhoben vorgestellt
werden können. Bei der Beschreibung eines Feldzugs gegen
die Nubier sagt der König u.a.: "Nechbet, die Weisse von
El Kab, sie befestigte den (Kriegs)Schmuck meiner Majestät,
ihre beiden Hände waren hinter (mir) , sie band für mich
die neun Bogen 111 . Die oberägyptische Geiergöttin, die
nicht selten als Kriegsgöttin erscheint 2 , ist hier wie
auch sonst häufig und seit ältester Zeit menschengestaltig
vorgestellt 3 . Mit erhobenen Händen segnet und schützt sie
den König.
Die mit erhobener Hand, resp. erhobenen Händen
schützende Göttin ist von Aegypten her in die syrische
Ikonographie eingedrungen. Abb. 45 zeigt einen syrischen
Fürsten 4 von ägyptischen Schutz- und Segenssymbolen umgeben5. Das Lebenszeichen ist hier nicht der Göttin in die
Hand gegeben, sondern zwischen ihr und dem Fürsten in den
freien Raum gesetzt. Wahrscheinlich hat man in Syrien die
beiden erhobenen Hände als so typisch empfunden, dass man
sie auch in diesem Kontext, wo in Aegypten in der Regel
1) Aegyptischer Text : nhb.t hd.t nhn smn.n.f(sic!)
~
~
w
·> w
hkrw J;un.i <wj.s h~ (i) dm~.s n.i p~.t 9 dmd; Text
de Morgan, Catalogue des monuments I,l, S.67 Z.15; Uebersetzung bei Breasted, Ancient Records II, § 828.
2) Vgl. Abb. 23,49 und 56. H. Bonnet (Reallexikon 507 f.)
wird dem Sachverhalt nicht ganz gerecht, wenn er statuiert : "Nur vereinzelt brechen kriegerische Eigenschaften der Göttin auf".
3) Ebd. , S. 508 .
4) Es ist wenig wahrscheinlich, dass es sich um einen Gott
handelt, da alle diesbezüglichen Attribute fehlen.
5) Aehnliche Bilder bei Frankfort, Cylinder Seals Taf. 4lr,
44q. Der ägyptische Gestus ist vom babylonischen zu
unterscheiden, bei dem die Handflächen nicht nach vorn
sondern einander zugekehrt sind. Was bei Werken der
99
nur die eine Hand erscheint, nicht missen wollte. Ueber
dem Fürsten schwebt mit ausgebreiteten Flügeln der göttliche. Falke {oder Geier?).
Die Herkunft des Gestus der erhobenen Hände von der
Beschwörung, wie sie oben vermutet wurde, macht nicht nur
seine Verwendung zum Segnen sondern auch die zur Abwehr
des Bösen verständlich. Aegypten kennt seit dem alten
Reich einen deutlich apotropäischen Gestus : Zwei ausgestreckte Finger 1 . Mit ihnen wehrt man z.B. die Krokodile
ab, wenn man mit der Rinderherde einen der zahlreichen
Kanäle durchqueren muss, wie dies ein Relief aus der
Mastaba des Ptahhetep (5. Dyn.) in Saqqara zeigt {Abb.46).
Das Ausstrecken der Finger wird von Sehimpfworten begleitet : "Du Schmutziger, möchtest du {wörtl. dein Herz)
doch mit Wasserpflanzen zufrieden sein '" In der Mastaba
des Anchrnahor (6. Dyn.) trägt die gleiche Szene die Beischrift: "Abwehren des Krokodils 112 .
Abb.47 parallelisiert den apotropäischen Gestus der
beiden ausgestreckten Finger mit den erhobenen Händen mit
nach vorn gekehrten Handflächen, die hier auf diese Weise
deutlich abwehrende Funktion bekommen.
Die Doppelbedeutung des Gestus, nämlich Lobpreis, Segen, Schutz einer- und Zurückweisung, Abwehr andererseits,
kommt in einer Stelle der berühmten Siegeszusage Arnons an
Flachbildkunst manchmal nicht ganz eindeutig ist, tritt
bei vollplastischen Werken deutlich zutage.
1) Schäfer, Abwehren und Hinzeigen 151-154; wie die Arbeit
von Schäfer zeigt, war der Gestus schon im Alten Reich
weit verbreitet und es ist unmöglich mit G.A. Wainwright (Same Sea-Peoples 71-90, besonders 82 und 97 f.)
in dieser Geste etwas für Seevölker kleinasiatischer
Herkunft Typisches zu sehen, zum Gestus vgl. auch
Müller, Darstellungen von Gebärden 108-111.
2) Wreszinski, Atlas III Taf. 52.
100
Thutrnosis III. ganz klar zum Ausdruck. Der Gott spricht :
"Die Arme meiner Majestät sind erhoben, um das Böse abzuwehren. Ich gewähre dir Schutz, mein Sohn, den Horus
liebt 111 .
Schon im alten und mittleren Reich plazierte man hinter dem König beim Niederschlagen Schutz- und Segensz.ieichen oder -göttinnen (vgl. Abb. 23 und 24) 2 . Spätestens in
der 18. Dyn. erscheinen in dieser Funktion auch Göttinnen
mit der erhobenen Hand. Auf einer Stele am Weg von Assuan
nach Philae ist es Anuket, die Göttin des Kataraktengebietes, die hinter Amenhotep III. steht, der vor Amon zwei
Feinde niederschlägt (Abb.48). Auf einem Prunkschild Tutanchamons (Abb. 49) 3 nimmt die schon aus Abb. 44 bekannte
Nechbet, diesmal in reiner Geiergestalt (vgl. Abb.23 und
27), diesen Platz ein. Auf der Inschrift Thutmosis IV. aus
Konosso wurde sie vorgestellt, wie sie ihre Hände über den
König hält, der nach Nubien in den Kampf zieht. Die oben
(vgl. Abb. 44) angenommene Bedeutungsgleichheit der erhobenen Hände und der erhobenen Flügel bewährt sich auch
hier.
1) Der ägyptische Text : 'wj ~m.l ~r ~rt s~rl ~w.t dl.1
~wt.k s~.i mrr ~r; de Buck, Egyptian Readingbook 57,
z. 1 f.;uebersetzung bei Erman, Die Literatur der
Aegypter 322.
2) Gardiner/Peet, Inscriptions of Sinai I, Taf. I, Abb. 2
zeigt eine Göttin mit Uas und Anch hinter Djoser-Teti
(Sechemchet) beim Niederschlagen; bei de Morgan,
Fouilles a Dahchour Taf. XXI steht hinter dem siegreichen König das personifizierte Lebenszeichen, das den
Wedel hält, der Schatten und Schutz bedeutet.
3) Der Umstand, dass hier statt der traditionellen Feinde
zwei Löwen niedergeschlagen werden, zeigt, wie sinnbildhaft dieses Motiv des Niederschlagens zu verstehen
ist (vgl. auch Keel, AOB Ps, Abb.399a und die dazugehörige Legende) .
101
Auf dem Bruchstück einer Goldfolie Tutanchamons tritt
an die Stelle der Göttin die "Grosse Gemahlin des Königs,
Anchesamun" (Abb.50) 1 . Zwischen-dem König und seiner Gemahlin steht : "Aller Schutz und alles Leben sind hinter
ihm, wie (hinter) Re'". Dem König gegenüber erhebt der
"Gottesvater Eje" anbetend seine Linke. Seine Rechte hält
die Straussenfeder (m1't), die regelmässig in der Hand der
Königsöhne und des Veziers zu sehen ist 2 •
Ch. Desroches-Noblecourt meint, der einflussreiche
Eje würde sich hier vor dem jungen Tutanchamun die Rolle
Amons anmassen, vor dem der König die Feinde niederschlägt
(vgl. Abb.48). "Die Kühnheit des "Gottesvaters" Eje, auf
diese Weise den dem höchsten Gott gebührenden Platz einzunehmen, ist ohnegleichen" 3 . Aber das Erstaunen und die
Entrüstung Desroches-Noblecourtssind ganz unangebracht.
Weder die Attribute noch die Haltung Ejes weisen auf ein
soLqhes Ansinnen hin. Vielmehr ist diese Darstellung den
drei Felsstelen Amenemopet's, der unter Seti I. Vizekönig
von Kusch war, an die Seite zu stellen. Alle drei finden
sich am Weg von Assuan nach Philae und zeigen den hohen
Beamten in anbetender Haltung vor dem König beim Niederschlagen (Abb.51) 4 . Es wurde bereits darauf hingewiesen 5 ,
dass das Motiv des Niederschlagens im neuen Reich zu einer Art Andachtsbild geworden ist, das man gern auf klei1) Auch unter Thutmosis IV. (Lepsius, Denkmäler V, Taf.
69e),Amenhotep III. (Matouk, Corpus Abb.490) und
Achenaten (Cooney, Amarna Reliefs 82) ist die königliche Gemahlin hinter dem König zu sehen, der seine
Feinde niederschlägt,in allen drei Fällen aber ohne die
für Abb.SO typische Armhaltung.
2) Keel, AOB Ps, Abb.132a, 328a.
3) Desroches-Noblecourt, Tut-ench-Amun 202.
4) De Morgan, Catalogue des monuments I,l, S. 20, Nr. 123
und 124; s. 28, Nr. 5.
5) Siehe oben S. 54 letzter Abschnitt.
102
nen Stelen anbrachte, wobei der "Stifter" (oder derjenige,
für den man es stiftete) mit abgebildet wurde (Abb.52).
Eine interessante Variante dieses Motivs ist kürzlich
auf dem Tell Masos (chirbet el-meschasch), ca. 15 km ostsüdöstlich von Beerscheba, auf der Nordseite des Nachal
Beerscheba, gefunden worden (Abb.53). Der Skarabäus, der
von den Ausgräbern Seti II. Merneptah (User-cheperu-Re'
Setep-en Rec; 1220-1214 v. Chr.) zugewiesen wird, und der
als Oberflächenfund sichergestellt wurde, stammt wahrscheinlich aus einer der vom 13. - 11. Jh.v.Chr. reichenden Schichten, die als frühisraelitisch bezeichnet werden 1
Das Sinnbild des Pharao beim Niederschlagen ist auf
Skarabäen, die in Palästina gefunden wurden, nicht selten 2
Für die Figur hinter dem Pharao wüsste ich allerdings keine genaue Parallele. Im Gegensatz zu den Göttinnen auf Abb.
48 und 49 und der Königin auf Abb.SO weist die Gestalt auf
Abb.53 keinerlei Attribute auf, die eine Identifikation
als Gottheit oder als Königin erlauben würden. Es muss sich
um einen gewöhnlichen Menschen handeln. Angesichts der
Ambivalenz des Gestus der erhobenen Hände kann sie einen
(weiteren) Feind, der als nächster niedergeschlagen wer3
den soll, darstellen , oder sie kann (was mir wahrschein1
licher scheint) eine "Stifterfigur" sein, wie sie auf den
Abb.51 und 52 zu sehen ist 4 . Dass sie entgegen der Regel
nicht dem Pharao gegenüber sondern hinter ihm steht, dürfte
1)
(Aharoni), Excavations in the Negev 13; Aharoni/Kempinski/Fritz, Tel Masos 243; Dieselben, Vorbericht 203.
2) Rowe, A Catalogue Taf. XV, N~. 578 (=unsere Abb.29);
Taf. XVII, Nr. 669-672; Albright, Tell Bet Mirsim T I 51
Abb.9; Tufnell, Lachish IV Taf. 36, Nr. 243; Taf.39,
Nr. 391; Schumacher, Tell el-Mutesellim Taf. 27g.
3) Aus dem mittleren Reich gibt es eine Darstellung, die
den König beim Niederschlagen zeigt, während weitere
Opfer darauf warten, ebenfalls hingerichtet zu werden
(Habachi, King Nebhetepre 39, Abb.17). Für das alte Reich
wäre auf Abb.24 hinzuweisen. Aus dem neuen Reich wüsste
ich aber nichts ähnliches anzuführen.
4) Auf den Abb.51. und 52 kniet der "Stifter". Er kann aber
103
mit der Form des Skarabäus .zusammenhängen.
Schöne Fest, Blatt : Westwand, Szene 3)
(vgl. Wolf, Das
3. Die ägyptische Ikonographie und Ex 17,12
Die Präsenz Aegyptens in der Gegend von Timna noch
während der Herrschaft Ramses' III.
des IV.
(1204-1173 v.Chr.),
(1173-1167 v.Chr.) und des V.
(1167-1163 v.Chr.)
ist gerade in letzter Zeit durch neue Funde eindrücklich
1
dargetan worden . Der Skarabäus von Abb.53 beweist, dass
nicht nur das Motiv der erhobenen Hände sondern auch seine
Verbindung mit dem des Niederschlagens Israeliten des 12.
Jh. v.Chr. zugänglich war, und zwar auf ikonographischem
Wege, der keinerlei Sprachkenntnisse voraussetzt.
Ex 17,8-16 wird allgemein als alte Lokaltradition aus
dem Negev angesehen 2 . Angesichts der Häufigkeit der erhobernen Hände in Aegypten und der Einmaligkeit des Gestus
von Ex 17,12 in Israel und angesichts der ins 12. Jh.
hinabreichenden ägyptischen Anwesenheit daselbst, scheint
es mir naheliegend, die erhobenen Hände des Mose auf
ägyptischen Einfluss zurückzuführen. Das Motiv der erhobenen Hände allein würde eine solche Annahme vielleicht
nicht rechtfertigen. Aber diese erscheinen in Ex 17,12
nicht vereinzelt sondern in Verbindung mit dem Motiv des
Niederschlagens (Josua). Und diese Komposition dürfte so
wenig wie die aus ausgestrecktem Sichelschwert und Niederschlagen in Jos 8 unabhängig voneinander in Aegypten
und in Israel entstanden sein. Bei einer Abhängigkeit
kommt aber nur diejenige Israels von Aegypten in Betracht.
auch stehend dargestellt werden (vgl. Abb.SO und de
Morgan, Catalogue des monuments I, 1, S. 20, 124) ·
1) Lipschitz, Timnca 158 und Taf. 27; Avner, Nahal Roded;
Rothenberg, Timna 132, 163, 166 und 201.
2)
Gr~nbaek, Juda und Amalek 27; Fritz, Israel in der
Wüste 56; Stolz, Jahwes und Israels Kriege 97 und die
dort in Anm.2 genannte Literatur.
104
Lässt sich genauer ermitteln, welche der oben genannten ägyptischen Kompositionen dem Sachverhalt von Ex 17,
8-13 am ehesten gerecht wird ? Von den Göttinnen (Königinnen) und Göttern (Abb.36-37), die segnend hinter dem siegreichen Pharao stehen, wird, wie gesagt, ziemlich konsequent bloss eine Hand erhoben 1 . Ex 17,12 legt aber Gewicht
auf das Erheben beider Hände. Angesichts dieses Sachverhalts möchte ich als Vorbild der Tradition von Ex 17,8-13
eine Komposition aus anbetendem "Stifter" und triumphierendem Pharao annehmen (vgl. Abb.51 und 52), wie sie der
Skarabäus aus Tell Masos (Abb.53) in Miniaturform zeigt 2
1) In V. 11 ist, wie gesagt, nur von einer Hand des Mose
die Rede (I~~). Falls dabei nicht an die Hand mit dem
Stab (vgl. 17,9 und Ex 14,16.21 ff.) gedacht ist, könnte hier das Bild der Göttin, die mit der einen Hand
erhoben hinter dem Pharao beim Niederschlagen steht
(vgl. Abb. 48) , eingewirkt haben. Mose würde dann ähnlich wie Josua in Jos 8,18.26 eine Stelle einnehmen,
die in Aegypten von einer Gottheit eingenommen zu
werden pflegt.
2) Es ist zwar selbstverständlich, aber um allen Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich doch ausdrücklich betonen, dass ich nicht der Ansicht bin, Ex 17,12
stehe in einem direkten Zusammenhang mit diesem konkreten Skarabäus. Nur die darauf abgebildete ikonographische Komposition hat meines Erachtens auf die atl
Stelle einen bestimmenden Einfluss ausgeübt. Sie kann
den im Negev siedelnden Stämmen durch vielerlei Medien
bekannt geworden sein (Stelen, Felsritzungen, Skarabäen, Metallarbeiten u.a.). Angesichts der Tatsache,
dass sich in der Regel nur klägliche Reste des einst
vorhandenen Materials über die Jahrtausende erhalten
haben und angesichts des stereotypen Charakters des
Kunsthandwerks im allgemeinen und des altorientalischen
im besonderen, darf man Einzelfunde, wie den Skarabäus
vorn Tell Masos, mit einigem Recht als einziges erhaltenes Muster einer ganzen dereinst existierenden Kollektion betrachten. Gelegentlich geben uns literarische Nachrichten einen Hinweis darauf, wieviel verloren gegangen ist. So schreibt der König von Jerusalem
an Achenaten (?) : "Siehe, der König hat gesetzt seinen Namen im Lande von Urusalirn auf ewig" (Knudtzon,
El-Arnarna-Tafeln Nr. 287 Z. 60-61). K.H.Bernhardt deutet diese Stelle wohl richtig "auf das durch Aufrich-
105
Es wurde eingangs dieses. Kapitels die Frage aufgeworfen, ob Mose in Ex 17,12 betend dargestellt werde oder
ob M. Noth recht zu geben sei, de-r sagt : "Die Wirkung des
Händeerhebens erscheint in der Erzählung auffällig unpersönlich-magisch 111. Eine Herleitung vom ägyptischen Gebets- und Segensgestus - sollte man meinen - begünstige
die Deutung als Gebetsgestus. Aber dem ägyptischen Gebetsgestus inhäriert von Hause aus ein beschwörender Zug. Und
was die Schilderung in Ex 17,8-13 betrifft, bemerkt Noth
zu Recht : "Nichts deutet darauf hin, dass das Händeerhe2
ben im Sinne eines Gebetsgestus verstanden werden solle" .
Das Hebräische verfügt über eine Reihe von Begriffen und
Wendungen, die den Vorgang des Betens unzweideutig beschreiben3. Die Ueberlegenheit Israels hängt in Ex 17,8-13
einzig von der, resp. den erhobenen Händen des Mose ab.
Wenn Ex 17,12 von der ägyptischen Komposition aus
"triumphierendem Pharao" und "betendem Stifter" abhängt,
hat Israel das Bild allerdings missverstanden. Erstens
wird das ägyptische Sinnbild fälschlicherweise historisierend gedeutet. zweitens erhöht und festigt der "Stifter"
im Gegensatz zu den Schutzgöttinnen keineswegs die Siegesmacht des Pharao sondern beschwört die bereits gesicherte
und gefestigte Siegesmacht für seine Zwecke.
tung von Stelen dokumentierte Besitzrecht des ägyptischen Königs" (Amenophis IV. und Psalm 104, S. 203).
Von diesen Stelen hat sich wie von vielen andern literarisch dokumentierten Monumenten bis heute keine
(archäologische) Spur gefunden und noch viele andere
dürften verschwunden sein, ohne literarische oder archäologische Spuren zu hinterlassen.
1) Das zweite Buch Mose 114.
2) Ebd.
3) Durch das Gebet und das Opfer Samuels wird die Philisterschlacht in 1 Sam 7 entschieden. Von beiden ist ganz unmissverständlich die Rede (1 Sam 7,9). Dabei wird in 1
Sam 7, wie gesagt, auch der Sieg auf andere Art verwirklicht als in Jos 8 und Ex 17. Samuel wendet sich an
106
Diese Missverständnisse erhärten die bereits angedeutete Auffassung, dass das Motiv nicht auf literarischem, sondern auf ikonographischem Wege in die israelitische Ueberlieferung Eingang gefunden habe. Den "Stifter"
mit beschwörend erhobenen Händen identifizierte man dabei
mit Mose, den triumphierenden Pharao mit dem siegreichen
Protagonisten (Ex 17,13) 1 , der Amalek vernichtend geschlagen hatte 2 • Die Art, die erhobenen Hände des Mose zu
schildern, ohne den Gestus auch nur andeutungsweise als
Gebets-, Segens- oder Zaubergestus zu charakterisieren,
erklärt sich am besten, wenn die Schöpfer der Ueberlieferung ein Bild vor Augen hatten, das diesen Gestus zeigte,
dessen Sinn ihnen nicht völlig durchsichtig war und das
gerade deshalb einen numinosen Zug erhielt. Dieses Bild
mag mit einer historischen Erinnerung an eine harte Auseinandersetzung mit Amalek3 verbunden worden sein.
Aus dieser Verbindung erklärt sich aber noch nicht
der Zug, dass Mose's Hände schwer geworden seien und er
sich auf einen Stein gesetzt hätte, wobei Aaren und Hur
seine Arme stützten. Da der Zusammenstoss mit den Amalekitern als hart und langwierig 4 in Erinnerung war, lag der
Gedanke der Ermüdung nahe, besonders, wenn die Komposition,
Jahwe und dieser verwirrt die Philister durch gewaltige
Donnerschläge.
1) Wie A. Alt in seinem Aufsatz "Josua" wahrscheinlich gemacht hat, war der historische Josua charismatischer
Führer des Stammes Ephraim (Jos 17,14-18). Er dürfte
als Prototyp eines Anführers im Krieg in unsern Text
hineingekommen sein (vgl. im einzelnen : Fritz, Israel
in der Wüste 58-60) •
2) Vgl. dazu Guillaume, The Use of w7n 91; zu
vgl. oben s. 77 Anm. 1.
3)
Gr~nbaek,
~in
~~7
Juda und Amalek.
4) Vielleicht handelte es sich ursprünglich gar um eine
Niederlage Israels (vgl. Dtn 25,17-19; 1 Sam 15,2).
107
die die Entstehung der Ueberlieferung beeinflusste, den
Mann mit den erhobenen Armen in der unbequemen Stellung
der "Stifter" auf den Abb.51 und 52 zeigte. Aber wahrscheinlicher scheint mir doch, dass in diesem - und nui
in diesem - bestimmten Punkt ein thronförmiger Steinblock
auf dem Hügel, mit dem die Erinnerung an die Amalekiterschlacht verbunden war, traditionsbildend gewirkt hat 1
Er mag zur Erklärung Anlass gegeben haben, Mose sei beim
Erheben der Hände müde geworden und hätte sich auf ihn gesetzt. Da bei solcher Ermüdung die Hände notwendig zuerst
betroffen werden, musste man auch noch erklären, wie sie
den ganzen Tag erhoben bleiben konnten. Um sie zu stützen
wurden Aaron und Hur eingeführt. Zu welchem Zeitpunkt das
geschah und warum gerade sie und ob sie Vorgänger hatten,
die sie verdrängten, kann hier nicht diskutiert werden 2
Die Ueberlieferung, die aus der Erinnerung an einen
harten Zusammenstoss Israels mit Amalek, aus der ägyptischen Komposition der "erhobenen Hände" und des "Nieder1) M. Noth (Ueberlieferungsgeschichte des Pentateuch 132)
scheint mir zu weit zu gehen, wenn er sagt, dass sich
auf dem Hügel der Amalekiterschlacht "ein auffälliger
Stein befand, dessen Form auf die Vorstellung führte,
dass er einmal als Sitz gedient haben müsse. Von da
aus entfaltete sich der Gedanke an eine von hier ausgegangene siegverleihende "Macht"-Wirkung, deren notwendige Ausdehnung über die Zeit eines ganzen Tages
die Beschaffung eines Sitzes für ihren Träger notwendig
gemacht hatte." Der Stein entlässt hier etwas zu viel
aus sich. Man ist heute von der Vorstellung abgekommen,
dass ein auffälliger Stein ganze Bilder oder gar Geschichten hervorbringe. Er kann ihnen als Haftpunkt
dienen, mehr nicht (vgl. dazu Sabourin, L'etiologie
biblique, und die von Richter, Exegese _155 Anm. 17
genannte Literatur).
2) Vgl. dazu Fritz, Israel in der Wüste; zu Aaron S. 60
bis 62; zu Hur S. 62.
108
schlagens" und aus dem thronförmigen Stein erwachsen ist,
dürfte zur Zeit Sauls (vgl. 1 Sam 15) oder Davids (1 Sam
27,8 f.; 30) ins Nordreich gelangt sein, wo schon früh der
Name Josuas eingefügt wurde. Auf E, der 17,8-13 mit 17,3-6
verknüpfte, könnte das
Singular
II~
~I~~
b~M7Kn
n~DI
in V. 9 und der
in V. 11 (vgl. 17,5) zurückgehen. So unqefähr
mag man sich das Entstehen und wachsen der Ueberlieferung
vorstellen, ohne vom Bereich des Wahrscheinlichen in den
des bloss auch noch irgendwie Möglichen abzusinken.
Anhangweise sei noch auf den Gestus des ausgestreckten
Zeigefingers in Assyrien hingewiesen, der ähnlich ambivalente Bedeutung besessen hat, wie die erhobenen Hände mit
nach vorn gekehrten Handflächen in Aegypten. Man legt
diesem assyrischen Gestus gerne einseitig apotropäische
Bedeutung bei 1 • Diese Deutung erklärt aber schlecht seine
häufige Verbindung mit Gebetshaltungen (Abb.54) 2 . Vielmehr dürfte es sich, wie bei den erhobenen Händen in Aegypten von Hause aus um eine beschwörende Gebärde handeln,
die sowohl lobend-segnende als auch schädlich-apotropäische
Bedeutung haben kann. Die letztere wird nicht nur durch
die Ikonographie (Abb.55) sondern auch durch ein Gebet eines Königs Tukultininurta an Assur belegt. Der König klagt
über die Feinde : "Um die Truppen Assurs zu zersprengen,
3
haben sie ihren bösen Finger ausgestreckt"
1) Schmökel, Ur, Assur und Babylon 282.
2) Pritchard, ANEP Nr. 442, 453, 535, 576, 625; Strommenger/Hirmer, Fünf Jahrtausende Mesopotamien Abb.188
oben, 190 Mitte rechts, 191 oben.
3) Gressmann, AOT 264; zum Ganzen vgl. Keel, AOB Ps 290 f.
109
In Jes 59,8 stehen "Firigerausstrecken" verbunden mit
(IK - Reden parallel zu einem Joch, das auf die Menschen
gelegt wird. Man wird der Bedeutung dieses Fingerzeigens
kaum gerecht, wenn man mit den neueren Kommentaren darin
nur eine Geste des Spottes sieht 1 • Vielmehr legt die Parallelisierung mit "Joch" nahe, dabei an ein Binden und
Tyrannisieren zu denken, wie es den Frauen in Ez 13,17-23
zur Last gelegt wird 2 .
1) Fahrer, Das Buch Jesaja III 211 ("das höhnische Ausstrecken des Fingers (vgl. Spr 6,13) und das verleumderische Unheilreden über den Bedrängten oder Ruinierten"); Westermann, Das Buch Jesaja 270 ("also die
Geste des Verspottens und das Wort des Verleumdens");
Mc Kenzie, Second Isaiah 165 ("insulting gesture").
Man muss ja (IK nicht mit Mowinckel ('Awän und die
individuellen Klagepsalmen) immer und überall als
Schadenzauber verstehen wollen, aber warum (IK - Reden
in Jes 58,9 gerade Verleumden heissen soll (Fahrer,
Westermann) ist auch nicht einsichtig.
2) In Spr 6,12-15 dürfte hingegen an geheimes Verabreden
usw. eines Intriganten gedacht sein.
III
DAS SCHIESSEN UND SCHLAGEN AUF GEHEISS DES ELISCHA
(2 Kön 13, 14-19)
113
Die Gesten von Jas 8,26 und Ex 17,12 beeinflussen unmittelbar das Kampfgeschehen. Die beiden noch zu behandelnden Riten versuchen es zum voraus zu bestimmen.
2 Kön 13, 14-19 ist eine Erzählung, die - ähnlich wie Ex
17,8-13 Mose - Elischa verherrlicht. Wie der Tod des Elischa herannaht, kommt der König von Israel 1 weinend zum
Propheten, der für Israel soviel bedeutet wie ein ganzes
Streitwagenkorps (2 Kön 13,14). Durch einen Ritus, den der
Prophet den König ausführen lässt, und bei dem er ihm assistiert, macht er seine Segensmacht für Israel über seinen Tod hinaus wirksam. Dieser Ritus umfasst zwei parallele Vorgänge : Schiessen und Schlagen.
Die beiden Vorgänge finden sich als magisch-symbolische Riten des Sieges auch in der bekannten Sed-Fest-Folge
Thutmosis III. in Karnak (Abb.56) 2 • Einmal ist da Seth,
der
d~n
König beim Bogenschiessen unterstützt, daneben
leiht ihm Horus seine Kraft, wie er mit einem Stab in die
Luft schlägt 3 • Die beiden Handlungen werden in Gegenwart
des Symbols einer Göttin vorgenommen. Die gekreuzten Pfeile weisen auf die Kriegsgöttin Neith 4 . Die Beischrift beim
1) Das "Joasch", das jetzt dabei steht, dürfte ein redaktioneller Einschub sein, da im folgenden immer nur vom
"König" oder vom "König von Israel" die Rede ist. Der
Redaktor dürfte diese Präzisierung der Annalennotiz von
1 Kön 13,24 f. entnommen haben (Schmitt, Elisa 82).
2) Im Gegensatz zu 2 Kön 13,18 wird beim Karnakrelief allerdings nicht mit einem Pfeilbündel sondern mit einem
Stab geschlagen und zwar in die Luft und nicht auf den
Boden. Zum Schlagen mit dem Pfeilbündel kann man auf
die Nubier hinweisen, die auf zweien der Belagerungsbilder von Beni Hasan Pfeilbündel gegen die Verteidiger der Festung schwingen (Newberry, Beni Hasan II
Taf. 5 und 15). Es ist die genaueste, wenn auch keine
genaue, Entsprechung, die ich kenne.
3) Es scheint mir erwägenswert, ob Ps 110,2 nicht an einen ähnlichen Ritus denkt.
4) Bannet, Reallexikon 513.
114
Symbol rechts, die wohl
~9.t
zu lesen ist, deutet aber auf
El-Kab und seine Geiergöttin Nechbet, die den alten Beinamen "die Weisse von Nechen" führt 1 • Sie ist eine der
Schutzgöttinnen des Königs und beschützt ihn als solche
vor allem auch im Karnpf 2 . Eindeutiger als die Pfeilstandarte ist die Bedeutung des Schiessens und Schlagens in
die vier Richtungen. Es soll die Vernichtung der Feinde
ringsum bewirken 3 . Der ptolemäische Festkalender von Edfu
setzt den Ritus des Schiessens nach den vier Weltgegenden
für den 1. Tjbi, den Tag der Thronbesteigung des Horus von
Edfu und den Krönungstag des Pharao an 4
Wie Abb.56 gehört auch Abb.57 zu einer Sed-Fest-Folge 5
Auf diesen Relief fragrnenten des Sed-Festes aus dem Sonnentempel des Ne-user-Re (5. Dyn.; 2425-2415 v.Chr.) wird
zwar nicht das Schiessen dargestellt, aber der Pharao empfängt vorn Sernpriester Pfeile und Bogen, die dieser seinerseits vorn Vorlesepriester erhalten hat. Die Waffen
stammen, wie die Beischriften nahelegen, aus den Kapellen
des Horus und des Seth 6 , also jener Götter, die Thutrnosis
III. auf Abb.56 beim Schiessen und Schlagen assistieren.
1) Kees, Horus und Seth 21 f.
2) Vgl. Abb.23(?), 37, 49.
3) Kees, Horus und Seth 21; v. Bissing/Kees, Untersuchungen zu den Reliefs 107-109; Moret, Du caractere religieux de la royaute 106.
4) Brugsch, Drei Festkalender 13, Taf. VII 22-23.
5) Kees (Horus und Seth 21 Anrn.4) findet weitere Hinweise
auf rituelles Pfeilschiessen beim grossen thebanischen
Minfest (vgl. Lepsius, Denkmäler Bd.VI Taf .163). Da das
Sedfest zur Hauptsache aus Riten des Herrschaftsantritts besteht (Helck, Herkunft und Deutung 986), kann
es nicht überraschen, einzelnen Elementen bei anderen
Inthronisationsfeiern zu begegnen. Vgl. auch de Wit,
Les Genies des Quatre Vents 37 f.
6) v. Bissing/Kees, Untersuchungen zu den Reliefs 107-108.
115
Es kann kein berechtigter Zweifel daran bestehen, dass
sie dem Pharao überreicht werden, damit er die Pfeile im
Laufe der Zeremonie (wahrscheinlich) nach den vier Himmelsrichtungen abschiesse.
Besser erhalten als das Relief des Ne-user-Re ist eine
gut 1700 Jahre jüngere Darstellung über dem Eingang zu
Raum V im Re-Harachti-Ternpel 1 Taharqa's (25. Dyn.; 690664 v.Chr.) in Karnak (Abb.58) 2 . Im Zentrum der Darstellung steht der Osirishügel mit der Heiligen Akazie 3 . Links
davon schiesst die "Gottesgernahlin 114 mit Pfeilen nach vier
als Brote gestalteten Scheiben (im Text : bnw) 5 . Zwei davon tragen eine Beischrift oder wenigstens Reste einer
solchen. Die untere zeigt Binse und Papyrus, die hier
wohl für ~rnc.w und rn~w, d.h. Ober- und Unterägypten, stehen. Die Beischrift zur darüberliegenden Scheibe ttnw muss
wohl das alte thnw "Libyen" bedeuten 6 . Die vier Scheiben
1) Porter/Moss, Topographical Bibliography II 220 und
Plan XIX.
2) Wichtige Hinweise zur Deutung dieses Bildes verdanke
ich Prof. J. Leclant, Paris.
3) Vgl. Vandier, Manuel II/2 579-581.
4) Sander-Hansen, Das Gottesweib; Bonnet, Reallexikon
256 f.; Leclant, Adoratrices; Ders., Recherches 353386.
5) Prisse d'Avennes (Monuments egyptiens Taf.33) zeigt
zwar nur drei, lässt aber erkennen, dass das Bild in
der linken untern Ecke beschädigt ist. H. Schäfer
(Kunst 168 Abb.149b) ergänzt zurecht eine vierte. Heute
sind nur noch Teile der beiden mittleren Scheiben erhalten (vgl. Abb.58, Photo). Vielleicht handelt es sich
um rollende Scheiben (vgl. O.F.Raurn, The rolling target
garne in Africa (African Studies 12), Pretoria 1953, 175.
6) Prisse d'Avennes (a.a.O. Taf.32/1 = Leclant, Recherches
Taf.48) zeigt eine andere Zeremonie vorn gleichen Tempel und mit gleichem Inhalt, wie die von Abb.57. Die
Götter der vier Weltgegenden Horus, Sobek, Sopdu und
Dedun werden, jeder auf einem Knoten stehend, von der
Gottesgemahlin zusammen mit einem je verschiedenen
Priester getragen. Dabei ist Horus Aegypten, Sobek Libyen, Sopdu Asien und Dedun Nubien zugeordnet. Bei je-
116
dürften die vier "Länder" verkörpert haben, die für den
Aegypter die Welt bedeuteten. Diese Interpretation wird
durch die Beischrift über der schiessenden Gottesgemahlin
bekräftigt : "Die Gottesgemahlin hat den Bogen ergriffen
gegen Süden, Norden, Westen und Osten entsprechend seiner
Abrechnung, die er ihr übergeben hat 111 .
Die "Abrechnung" dürfte eine solche des Osiris sein
und die Bestrafung seiner Feinde meinen (vgl. den Grabhügel des Osiris im Zentrum des Bildes !) . Das Ritual eines
Kugelwerfens gegen Osirisfeinde vom Typ des Seth bietet
ein unveröffentlichter Papyrus im Metropolitan Museum in
New York 2 •
Die vier Ausrufe beim Abschiessen der Pfeile, die auf
Abb.58 links zu sehen sind, lassen allerdings eher an die
Feinde des Sonnengottes denken. So wird z.B. der zweite
Spruch als vom Sonnengott gesprochen eingeführt : "Meine
Kinder sind Rebellen (sbj.w) mit Herzen, die gegen mich
rebellieren 113 . Von einem Pfeilschiessen gegen Apopis und
die rebellischen Kinder des Rer weiss auch ein Text aus
dem Gott steht : "Möge Gott NN. auf seinem Knoten (Amulett) stehen, damit er ein Gemetzel mache und seinen
Kummer verhänge unter denen ... " (Sander..,.Hansen, Das
Gottesweib 26 f.). Diese Parallele ist der Grund, warum
ich die bei zwei Scheiben erhaltenen Zeichen auf Aegypten, resp. Libyen deute.
1) Uebersetzung nach J. Leclant (brieflich) und SanderHansen (Das Gottesweib 26).
2) L. 2379 (=35.9.21) Col. 26, 1 ff. 7 ff. Vgl. J.C.Goyon,
Les Cultes d'Abydos a la Basse Epoque, in : Kemi 18
(1968) 44 Anm.l; S. Schott, Aegyptische Quellen zum
Plan des Sphinxtempels (Beiträge zur ägyptischen Bauforschung 10), Kairo-Wiesbaden 1970 60 Anm.52 f. Vgl.
auch die Sprüche gegen Seth am Grabe des Osiris bei
N. de G. Davies, The Temple of Hibis in El Khargeh
Oasis III, New York 1953, Taf .20.
3) Diese Uebersetzung von J.C. Goyon verdanke ich Prof. J.
Leclant, Paris. Die Texte des Taharqa-Gebäudes sollen
bearbeitet von R.A.Parker, J.C.Goyon und J.Leclant demnächst publiziert werden.
117
1
Esna .
Der Sinn der ganzen Szene dürfte sein : Der König und
die Gottesgemahlin übernehmen von Osiris, resp. von Re',
die Weltherrschaft, die sie verwirklichen 2 indem sie durch
Pfeilschiessen und Kugelwerfen nach den vier Himmelsrichtungen alle (mythischen) Feinde der rechten Weltordnung 3
unschädlich machen.
Von Haus aus dürfte das Pfeilschiessen ein Kriegszauber gewesen sein 4 (vgl. Abb.27-28).
Da der König auf Abb.56 parallel zum Pfeilschiessen,
mit dem Stab schlägt, kann man sich fragen, ob die Keule
in der Hand des Königs auf Abb.58 diesem Ritus diene. Da
die Haltung des Königs aber derjenigen beim Opferlauf
ähnlich ist 5 und er bei diesem gelegentlich mit der Keule
in der Hand erscheint, ohne dass der Gedanke an Schlagen
naheläge 6 , muss das nicht der Fall sein. Auf den Opferlauf
weisen übrigens auch die drei übereinander angeordneten
hinter dem König hin, die mit den verschiedensten
Formen des Opferlaufs verbunden ~ind 7 Die Haltung des
g)
lJ S. Sauneron, Les f~tes religieuses d'Esna aux derniers
siecles du Paganisme (Esna 5), Le Caire 1962, 296.
2) J. Leclant (Recherches 68), der zu Abb.58 eine reiche
Bibliographie bietet, bezeichnet das Abschiessen der
vier Pfeile und das Werfen der vier Kugeln als "rites
de domination du monde".
3) Zu ähnlichen Riten, die Anfeindungen verschiedenster
Art abwehren sollen, vgl. Papyrus 10288 des Britischen
Museums, Col. 2,14 ff. (unveröffentlicht, vgl. S. Schott,
a.a.O., 60 Anrn.51).
4) Helck, Herkunft und Deutung 988.
5) Bei den klassischen Darstellungen des Opferlaufs (Kees,
Opfertanz Taf.1-7), berührt der König den Boden nur mit
den Zehen, was ihm etwas Tänzerisches gibt. Auf Abb.58
setzt er den rechten Fuss ganz auf. Das erinnert an die
Haltung beim Niederschlagen (Abb.22,24,25).
6) Kees, Opfertanz 149.
7) Ebd.151; Sander-Hansen, Das Gottesweib 26.
118
Opferlaufs wird den Eifer und die Freude zum Ausdruck
bringen, mit denen der König seinen Auftrag erfüllt 1 •
Ein Teil von Abb.56, nämlich das Bogenschiessen, ist
schon von H. Gunkel mit Ps 18,35 in Beziehung gebracht
worden 2 • Die ganze Szene kann aber mit noch mehr Recht
zur Illustration von 2 Kön 13,14-19 beigezogen werden.
Erstens haben in diesem Text die beiden Vorgänge auf dem
Bild ihre Entsprechung. Und zweitens geht es bei der Szene
nicht wie in Ps 18,35 (vgl. 144,1) um ein Unterweisen im
Bogenschiessen, sondern wie in 2 Kön 13 um einen rnagischsyrnbolischen Sieg über die Feinde des Königs.
Die Parallelität zwischen dem Karnak-Relief und 2 Kön
13,14-19 ruht auf der literarischen Einheitlichkeit des
alttestamentlichen Textes. Gegen diese sind aber neulich
eine Reihe von Argumenten geltend gemacht worden
3
1. Es wird ein Widerspruch zwischen dem völligen Sieg in
V. 17 und dem nur teilweisen Erfolg der drei Siege in
V. 19 konstatiert.
2. Die beiden Praktiken in den V. 14-17 und 18-19 würden
nicht zueinander passen. In 15-17 würden magische Beeinflussung, in 18-19 ein rnantischer Vorgang geschildert.
3. V. 17 ende mit einem Doppelzweier. Die folgenden Prosazeilen würden den wirkungsvollen Abschluss stören.
4. In V. 14-17 sei von Elischa, in 18-19 aber vorn Gottesmann die Rede.
1) Bonnet, Reallexikon 559 f.
2) Die Psalmen 65. w. Baurngartner, ein Schüler Gunkel's,
bemerkt dazu in seinem Aufsatz "Zum 100. Geburtstag von
Hermann Gunkel" (S.7) : "Gross war seine Freude, wenn
er den Gott, der des Königs Hand beim Bogenschiessen
führt (Ps 18,35) ••. auf den Denkmälern gefunden hatte".
3) Schmitt, Elisa 81; schon F. Schwally (Semitische Kriegsaltertümer I 22) redet von zwei Ueberlieferungen ohne
diese Auffassung zu begründen. Er bringt a.a.O. 22 f.
auch allerhand Beispiele für Pfeilzauber u.ä., die vorn
alten Schweden bis zum Mexiko Cholotls I. reichen. Mit
einer ähnlich bunten Palette mehr oder weniger präziser Parallelen wartet auch G. Fohrer auf (Die symbolischen Handlungen der Propheten 24 f.).
119
Als Konsequenz dieser Beobachtungen dränge es sich
auf, die V. 18-19 als spätere "Gottesrnann"-Bearbeitung
von den älteren V. 14-17 abzuheben.
Die für diese Scheidung angeführten Argumente haben
nicht alle das gleiche Gewicht :
Zu 1)
Man könnte einwenden, dass ein auch noch so
vollständiger Sieg noch kein gewonnener Krieg
sei.
Zu 2)
Die Unterscheidung der beiden Vorgänge als magisch (V. 15-17) resp. rnantisch ist unangemessen
rational und künstlich. Das Schlagen ist an und
für sich genauso magisch-symbolisch (vgl. Ez 6,11)
wie das Schiessen. Die nach Ansicht des Elischa
inadaequate Ausführung ist ein schlechtes Omen,
wie die adaequate des Schiessens ein gutes ist.
Eine rite ausgeführte magische Handlung beeinflusst
die Zukunft gut, eine schlecht ausgeführte schlecht.
Von einem genuin rnantischen Gebrauch von Pfeilen
ist in Ez 21,26 die Rede. Da wird mit ihnen aber
nicht geschlagen, sondern sie werden geschüttelt
(7i'7P) •
Zu
Die Ansicht, auf einen schönen Doppelzweier dürfe
nichts mehr folgen, ist nicht mehr als ein Gefühl und kein Argument.
~)
Zu 4)
Der Wechsel von "Elischa" zu "Gottesmann" ist auffällig. Er rechtfertigt, wenn auch nicht zwingend,
die Annahme, V. 18-19 seien sekundär.
Immerhin ist denkbar, dass ursprünglich nur vorn Pfeilschiessen als magisch-symbolischem Ritus die Rede war.
Mit ihm wären dann das Goldblatt Ejes (Abb.28) und das
Rollsiegel aus Bet-Schean zu vergleichen (Abb.27). Während
in 2 Kön 3,17a die Feinde, denen der Pfeilschuss schaden
soll, nur durch die Schussrichtung (Osten) angedeutet
sind, werden sie auf dem Siegel durch die Scheibe mit den
beiden gefesselten Asiaten repraesentiert. Anstelle des
Sieg verheissenden Wortes des Propheten in 2 Kön 13,17b
steht auf dem Rollsiegel der Gott Seth/Reschef/Mekal, der
dem König durch das ausgestreckte Sichelschwert Sieg bestimmt.
120
Ebenso wahrscheinlich wie die Zuweisung von V. 14-19
an zwei verschiedene Schichten scheint mir aber die Ursprünglichkeit der Verbindung des Schiessens mit dem
Schlagen zu sein. Das stichhaltigste Argument für die
Annahme zweier Schichten ist wohl der Wechsel von Elischa
zu Gottesmann. "Gottesmann" erscheint aber erst in V. 19.
Die Aufforderung zum Schlagen und die Ausführungsnotiz
"und er schlug" in V. 18ab schliessen sich fugenlos an
V. 17 an. Auf die Zusammengehörigkeit von V. 18ab mit den
V. 14'-17 weisen auch die Mehrzahl der Pfeile in V. 15 hin.
In V. 17 wird ja nur ein Pfeil verschossen, erst in V.
18ab findet die Mehrzahl der Pfeile von V. 15 Verwendung.
Zur Gottesmannbearbeitung würden so nur das "dreimal und
er hielt inne" in V. 18b und V. 19 gehören. Ursprünglich
dürfte nach V. 18ab ein ähnliches Wort Elischas dagestanden haben wie in V. 17b, etwa : "Ein Schlag des Sieges
von Jahwe, ein Schlag des Sieges gegen Aram, du wirst Aram
schlagen bis zur Vernichtung !" Gerade die zweite Hälfte
der magischen Besprechung "du wirst ••. schlagen" ruft ja
einem Ritus wie dem Schlagen mit den Pfeilen.
Der ursprünglich strenge Parallelismus zwischen den
beiden magisch-symbolischen Handlungen und deren Besprechung könnte von der Gottesmannbearbeitung aufgehoben worden sein, um die Ueberlieferung den tatsächlichen Geschehnissen anzugleichen, wie sie in der von Dtr verarbeiteten
Annalennotiz in 1 Kön 13,22-25 angedeutet werden 1 . Dabei
schiebt die Bearbeitung, die ihre Verehrung für Elischa
schon durch den Ehrentitel "Gottesmann" kundtut, alle
Schuld am unbefriedigenden Ausgang der Kämpfe dem König
1) Die Angaben in V. 22 und 24 f. stammen nicht von Dtr.
Sie stellen altes Quellenmaterial dar, denn sie stehen
im Widerspruch zur dtr Darstellung der Zeit des Joachas
in 2 Kön 13,1-9 (vgl. Schmitt, Elisa 87 Anm.83).
121
zu. Im Zuge der Historisierung der alten Ueberlieferung
vom Siegesritus, den Elischa vor seinem
~ode
zugunsten
Israels zusammen mit dem König von Israel durchgeführt
haben soll, dürften nicht nur das "Joasch" in V. 1 und
die Neuinterpretation des Schlusses in den V. 18b-19, sondern auch das "in Afek" in V. 17 (vgl. 1 Kön 20,22-43) dazugekommen sein. Solche Ueberlegungen bleiben notgedrungen
hypothetisch.
Hingegen scheint mir festzustehen, dass das Pfeilschiessen und Schlagen, das der König von Israel auf Geheiss des Elischa vornimmt, seine nächste Parallele in
Aegypten hat. Es ist natürlich denkbar, dass die Vorstellung von einem so einfachen Ritus in Israel spontan entstanden ist. Es ist aber immerhin zu bedenken, dass er
in Aegypten als ein fester Bestandteil zu regelmässig
wiederholten Zeremonien gehört, für Israel 2 Kön 13 hingegen den einzigen Beleg bildet.
Angesichts dieser Tat-
sache scheint mit die Uebernahme aus Aegypten doch nicht
unwahrscheinlich. Es hat zu allen Zeiten der Geschichte
Israels direkte Kontakte zu Aegypten gegeben (vgl. z.B.
1 Kön 11,40; 2 Kön 7,6; 17,4; Hos 7,11.16). Auf welchem
Wege (mündliche, literarische, ikonographische Ueberlieferung) in einem solchen Falle das Motiv nach Israel gekommen ist, lässt sich allerdings nicht sicher ausmachen.
Die drei Belege (Abb.56-58) liegen zeitlich weit auseinander. Sie demonstrieren durch ihre grosse Verschiedenheit das Fehlen einer festen ikonographischen Tradition
für dieses Thema. Ich möchte deshalb annehmen, es sei nicht
auf dem ikonographischen, sondern auf dem Weg des Berichtens und Erzählens nach Israel gelangt. Da es sich um einen in Aegypten regelmässig ausgeführten Ritus handelt,
fällt es nicht allzu schwer, sich einen Augenzeugen vorzustellen, der Kunde davon nach Israel gebracht hat.
123
IV
DIE HOERNER DES ZIDKIJA
(1 Kön 22,11)
125
Unter den 400 Propheten, die vor Ahab und Joschafat
auf der Tenne vor dem Tor
prophezeien, tut sich
1
Zidkija, der Sohn des Kenaana besonders hervor . Er hat
Samar~as
ein Paar eiserne Hörner gemacht und sagt nun zum König
von Israel : "So spricht Jahwe : Mit diesen wirst du Ararn
niederstossen bis es aufgerieben ist" (1 Kön 22,11; vgl.
2 Chr 18,10).
Im Gegensatz zu 2 Kön 13,14-19 handelt es sich m.E.
hier nicht um das gegenständliche Herbeiholen, resp. vorwegnehmen von etwas Künftigem. Vielmehr scheint der Prophet, der von der Ueberlieferung als Gegner des echten
Jahwe-Propheten Micha qualifiziert wird, dem König ein
Mittel anzubieten, kraft dessen er Ararn in Zukunft besiegen wird. Art und Vorstellungshintergrund dieses Mittels
sollen hier etwas aufgehellt werden.
Das Verbum n::i.:i {niederstossen), das die Handlung beschreibt, zu der der König durch dieses Mittel befähigt
werden soll, kommt im AT zehnrnal vor 2 . Es bezeichnet das
"Stossen" von hörnerbewehrten Tieren (Stier, Widder, Zie1) E. Würthwein {Zur Komposition von I Reg 22 249-252)
möchte innerhalb der eigentlichen Micha-Erzählung
(V. 5-28), bei der nur die Verse 5-9.13-17 (18?) und
26-28 zur ältesten Schicht gehören, die Verse 10-12
und 24-25 einer zweiten und die Verse 19-22 einer dritten Schicht zuweisen. Während die Abhebung der dritten
Schicht mit guten Gründen postuliert wird, überzeugt
die der zweiten weniger. Man kann schwerlich aufgrund
der Beobachtung, das in V. 24 f. angetönte Unheil sei
viel umfassender als das in V. 17 angedrohte, eine
literarkritische Scheidung postulieren. Man kann das
in V. 24 f. Geschilderte als natürliche Folge des Unglücks von V. 17 verstehen (vgl. auch Hassfeld/Meyer,
Prophet gegen Prophet 168 Anm.30).
2) Von den zwei genannten Stellen abgesehen, findet es
sich dreimal im Bundesbuch in Zusammenhang ~it dem
stössigen Rind (Ex 21.28.31.32 (vgl. auch 21,29 und 36).
In Ez 34,21 stossen die starken Tiere der Kleinviehher~
den die schwächeren mit ihren Hörnern zur Seite. In
126
genbock) oder das von Königen, die metaphorisch als diese
Tiere erscheinen. An die Stelle des Königs kann in einer
für Israel typischen Weise auch das Volk (Ps 44,6) oder
ein Starnrneseponym treten (Dtn 33,17). Diese letzte Stelle
ist besonders deutlich :
"Erstgeborener seines Stiers ! Erhabenheit ist ihm e1igen.
Seine Hörner sind Hörner des Wildstiers.
Mit ihnen stösst er Völker nieder,
die Enden der Erde insgesamt."
Mit dem Suffix "seines" in "Erstgeborener seines Stiers"
dürfte Jahwe gemeint sein. Seine Vorstellung als Stier
war zwar spätestens seit dem 9. Jh. v. Chr. verpönt (Ex
32; 1 Kön 12,28 f.; Hos 8,4-6; 13,2; Ps 106,19-21) 1 . Aber
das schliesst das Ueberleben einzelner Stellen, die Jahwe
so sehen, nicht aus 2 . Die Verpönung zeigt ja, dass es so
etwas tatsächlich gegeben hat. Der Gedanke ist also, dass
Joseph die Völker niederstösst, weil er der Erstgeborene
eines Stiers ist.
Mit dem Stier wird der Gott Israels auch in Num 23,22
(E) und 24,8 (J/E?) assoziiert. Die Wildstierhörner, mit
deren Hilfe Gott
(7~)
Israel aus Aegypten herausgeführt
hat, lassen allerdings nicht unbedingt auf Stiergestalt
schliessen. Die beiden Verse können - falls die Hörner
Dan 8,4 stösst der das medisch-persische Reich darstellende Widder unaufhaltsam nach Westen, Norden und
und Süden vor. In Dan 11,40 beschreibt es einen Zusammenstoss zwischen Königen.
1) Das erklärt auch, warum alle Texte und Versionen ausser
M, Targurn und 4 Qh das Suffix "sein" in Dtn 33,17 unterdrückt haben. Man hatte Hemmungen, sich Jahwe als Stier
vorzustellen (J.-D. Barthelerny mündlich).
2) Zu Gott als Stier vgl. auch den Gottesnamen
(Gen 49,24; Ps 132, 2.5; Jes 49,26; 60,16).
~lvV,
1i~~
127
hier nicht rein ideogranunatisch für Macht stehen - auch
an eine Kopfbedeckung denken lassen, die mit einem Hörnerpaar bewehrt ist. Zu den Göttern, die so abgebildet werden,
gehört auch der in Nurn 23,22 und 24,8 mit Jahwe identifizierte El 1 . Sonst sind es besonders kämpferische Gottheiten vorn Typ des Baal, die hörnerbewehrte Helme oder Kronen
2
tragen . Im Gegensatz zu Mesopotamien, wo mindestens die
höheren Gottheiten in der Regel durch drei bis vier aufeinandergestockte Hörnerpaare ausgezeichnet werden 3 , ist die
kanaanäische Götterkrone oder der Götterhelm nur mit einem
Hörnerpaar versehen 4 • Das einfache Hörnerpaar steht dem
natürlichen Kopf schmuck des Stiers näher als die künstlichen Hörnerkronen des Zweistromlandes. Der Zusammenhang
zwischen dem Ursprung und dem davon Abgeleiteten bleibt,
wie übrigens allgemein in der syrischen Religion des 2.
5
Jahrtausends auch hier stärker bestehen als in Mesopotamien.
Aber noch einfacher als die typisch kanaanäischen, mit
einem einzigen Hörnerpaar versehenen Helme und Kronen ist
die Hörnerkappe, die ein kanaanäischer König 6 auf einem
1) Keel, AOB Ps Abb. 283-284; Schaeffer, Götter der Nordund Inselvölker 59-69 Abb.11 und 12.
2) Keel, AOB Ps Abb. 290-291.
3) In der Frühzeit der rnesopotarnischen Kunst werden die
Götter auch noch mit nur einem Hörnerpaar geschmückt
dargestellt. Die Entwicklung zur mehrfachen Hörnerkrone
erfolgte aber schon in der Akkadzeit (van Buren, Concerning the Horned Cap 318-327) •
4) Zur Götterkrone vgl. Keel, AOB Ps Abb.283; zum Götterhelm Ebd. Abb.291
5) Gese, Die Religionen Altsyriens 180 f.
6) H. Frankfort (The Art and Architecture 270) möchte die
drei Gestalten, die auf dem Elfenbeinstab, der vielleicht als Stütze einer Armlehne an einem Se~sel diente, als Götter deuten, da sie bartlos sind. Auf einer
Reihe anderer Megiddoelfenbeine (Loud, The Megiddo Ivories Nr. 159-162), die durch ihren Stil Abb.59 nahe
128
Elfenbein aus Megiddo trägt (Abb.59). Die Kappe scheint
hier einzig dazu zu dienen, die Hörner am Kopf des Königs
zu befestigen. Das gleiche gilt von den Hörnerkappen, die
zwei Bronzefiguren aus Enkomi/Alasia (Zypern) tragen (Abb.
60 und 61). Die ältere (Abb.60) gehört wie das Megiddoelfenbein in die ausgehende Spätbronzezeit, die jüngere
(Abb.61) in die beginnende Eisenzeit. Aufgrund der Fundumstände sind beide mit Recht als Götterfiguren gedeutet
worden 1 .
Die Götter, die im syrischen Raum auf bildlichen Darstellungen Hörnerhelme, -kronen oder -kappen tragen, erscheinen in der Literatur gelegentlich als Stier. El trägt
den Beinamen "Stier" (_~_r) 2 • Baal begattet sich mit der als
Kuh vorgestellten Anat (aller Wahrscheinlichkeit nach) in
Stiergestalt 3 • Jedenfalls kann Baal in der Bildkunst rein
stehen, sind der König und sein Gefolge auch bartlos.
H.J.Kantor (Syro-Palestinian Ivories 166) rechnet alle
diese Elfenbeine stilistisch zu den Stücken, die eigentlich kanaanäisch sind und "which do not resemble closely any foreign prototypes". Auf dem Elfenbeinstab
Abb.59 scheint dreimal der König dargestellt zu sein.
Zuoberst in gewöhnlicher syrischer Königstracht (vgl.
Abb.19 und besonders 20), in der Mitte ägyptisierend
und zuunterst als Kämpfer (?).
1) Schaeffer, Götter der Nord- und Inselvölker.
2) Gordon, Ugaritic Textbook II,49 : IV : 34 und VI : 2627; 51 : III ;
vgl. auch Gray, The Legacy of Canaan
158 f. Gray möchte aus der Tatsache, dass auch Göttinnen gelegentlich Hörner tragen,auf das Hörnerpaar als
ziemlich unqualifiziertes Symbol von Macht schliessen.
Aber das von ihm angeführte Elfenbeinpaneel aus Ugarit
(Syria 31 (1954) Taf. VIII = ANEP Abb.829), das eine
stillende Göttin zeigt, beweist nichts. Die Göttin ist
völlig der ägyptischen Hathor angeglichen, bei der es
sich um Kuhhörner handelt und die auch theriomorph als
Kuh dargestellt werden kann (Lange/Hirmer, Aegypten
Abb.146 f.). Das gilt auch von Anat/ Astarte (vgl.
Abb.4 und das Folgende). Die Hörner bei Göttinnen dürfte
man ganz allgemein als Kuhhörner aufgefasst haben.
3) Gordon, Ugaritic Textbook II,67 : V : 18-22; Ueber-
129
therimorph als Stier erscheinen 1 • Die Stierbilder in
Bethel und Dan (l Kön 12,25-33) sind wohl nicht nur als
Podeste sondern als Repräsentation der göttlichen Macht
verstanden worden 2 .
Die mit Stierhörnern bewehrte Kopfbedeckung dürfte im
syrischen Raum also nicht nur ein ziemlich unqualifiziertes Symbol von Macht 3 , sondern ein Hinweis auf latente
Stierkräfte gewesen sein, die ohne weiteres durch die reine Stiergestalt visualisiert werden konnten.Und wie stets
in solchen Fällen konnte auch bei den Stierhörnern oder,
wie das folgende Beispiel zeigt, beim Stierschwanz aus dem
Mittel, vorhandene Kräfte anzudeuten, ein Mittel werden,
gewünschte Kräfte zu vergegenwärtigen 4
So hat sich der ägyptische König seit ältester Zeit durch
5
das Umbinden eines Stierschwanzes Stierkräf te zugelegt
Die berühmte Stele Thutmosis III. aus dem Month-Tempel in
Erment berichtet : "Er (der König) brachte ein Rudel von
12 Wildstieren in einer Stunde als Beute ein, als noch
die Zeit des Mundgeruchs 6 war, wobei ihre Schwänze für
seine Rückseite bestimmt waren 117 • Die Schwänze der Beutesetzung : Aistleitner, Die mythologischen und kultischen Texte 16.
l) Keel, AOB Ps Abb.290. Für El ist das meines Wissens
nicht eindeutig nachgewiesen.
2) Weippert, Gott und Stier 93-117.
3) Vgl. Anm. 2 S. 128.
4) Fackeln und Posaunenschall waren nach Ex 20,18 Begleiterscheinungen der Sinai-Theophanie. In Ri 7,16-20 dienen Fackeln und Posaunenschall dazu, Jahwe "sakramental"
zu vergegenwärtigen.
5) Mond/Myers, Temples of Armant Taf. 103, 1.7; weitere
Beispiele bei Decker, Die physische Leistung 43 und
184.
6) D.h. die Zeit vor dem Frühstück.
7) Text : Helck, Urkunden der 18. Dyn. 1245 z. 15-17;
Uebersetzung : Ders. Urkunden der 18. Dyn. Uebersetzung
13.
130
tiere dienten also als Zeremonialschwänze, wie sie der
König an seinem Gürtel befestigt trägt (vgl. Abb.22,36,37
und 47). Spätestens im Neuen Reich hat man diese Schwänze
als Stierschwänze angesehen, "gewissermassen als Teil der
Verkleidung des Königs als starker Stier" 1 •
Wie El oder Bacal wird auch der Pharao gelegentlich
rein therimorph vorgestellt. So trampelt er auf der bekannten Stierpalette aus dem Louvre in Stiergestalt einen
Feind nieder 2 • Auf der Vorderseite der Narmerpalette
stösst er mit seinen Hörnern zugleich eine Stadtmauer
ein 3 . Auch in der 18. Dyn. wird der König gelegentlich
noch als Stier dargestellt, der seine Feinde niedertritt,
so auf der Kajütenwand einer königlichen Barke auf einem
Relief Thutmosis II. in Deir el Bahri (Abb.62)
einem Skarabäus Amenhoteps II.
4
und auf
(Abb.63). Auf diesem trägt
er die Beischrift "Mutigen Herzens"
(mn ib). Im literari-
schen Bereich ist in Aegypten die Metapher vom König als
Stier besonders von Thutmosis III.
Ramses III.
(18. Dynastie) bis zu
(20. Dynastie) ausserordentlich häufig 5 • In
der grossen Siegesverheissung für Thutmosis III. spricht
1) Helck, a.a.O. 13 Anm. 5; vgl. auch Decker, Die physische Leistung 43; ursprünglich scheint es sich beim
Schwanz der königlichen Tracht um einen Hundeschwanz
gehandelt zu haben, Teil einer Jagdverkleidung, die
den Jäger in einen Jagdhund verwandelte (Helck Ebd.).
2) ANEP Abb. 291 f.
3) ANEP Abb. 297 unten; zur frühgeschichtlichen Darstellung des Königs als Stier vgl. Schweitzer, Löwe und
Sphinx 18.
4) Eine ähnliche Darstellung aus Deir el-Bahri bei Naville,
Deir el-Bahari VI Taf. 153; vgl. Rowe, Egyptian Scarabs
Nr. 527.
5) Breasted, Ancient Records of Egypt II § 143,659,853;
Ebd.III § 117,144,147,285,360,372,455,489,507,608;
Ebd.IV § 40,41,46,56,62,67,81,94,103,105,246,852;
vgl. Baillet, Regime pharaonique 135 f.
131
Amon-Re' : "Ich bin gekonunen, um dich das Westland niedertrampeln zu lassen. Kreta und Zypern fürchten sich vor
dir. Ich lasse sie deine Majestät sehen als jungen Stier
mit unerschütterlichem Willen, mit zwei scharfen Hörnern,
1
(als einen Stier) der nicht bezwungen werden kann" •
Ramses III. praediziert sich auf dem Nordturm des 2. Pylons in Medinet Habu selbst : "Ich bin ein angriffiger
Stier, der sich auf seine zwei Hörner verlässt 112 .
Seit Salmanassar III. findet sich - allerdings eher
selten - der Vergleich des kämpfenden Königs mit dem Wildstier (nie mit dem Stier) auch in assyrischen Inschriften.
So heisst es von Salmanassar III.
: Er zertrampelt das
Feindesland "wie ein Wildstier (rimi) 113 . Sanherib erklinunt
das schwierige Gelände in den Bergen zu Fuss "wie ein
Wildstier (rimäni~) und geht auf die Feinde los wie ein
wütender Wildstier (rimi e~di) 114 •
Von diesem Material her erscheint sich mir für das
Verständnis von 1 Kön 22,11 folgendes zu ergeben. Die
Stierhörner, die Zidkija hergestellt hatte 5 , sind nicht
zwei isolierte Hörner, sondern mit eine Kappe verbunden,
die ihr Tragen ermöglicht. Am besten denkt man wohl an
1) Text : m k~ rnpj mn lb spd dbwj n h~ .n.tw.f (de Buck,
Egyptian Readingbook 55 Z. 3 f.).
2) Text : ink k~ h~w-tm (sie!) hn.s hr <bw.f (Nelson,
Earlier Historical Records of Ramses III. Taf. 46
z. 30; Edgerton/Wilson, Historical Records of Ramses
III 31 Anm. 55a.
3) Schott, Die Vergleiche in den akkadischen Königsinschriften, MVAeG 30/2 86 und 225.
4) Ebd. 86 und 226.
5) Das Plusquamperfekt rechtfertigt sich von der Sache
her. Die Herstellung eiserner Hörner ist ein zu komplizierter Vorgang als dass er im Augenblick des Weissagens auf der Tenne hätte stattfinden können (vgl. Gesenius/Kautzsch, Hebräische Granunatik § 164 b).
132
eine Kappe, wie sie die Abb.59-61 zeigen. Da die Kappe als
solche keinerlei Eigengewicht hat, erklärt sich so am
besten, warum der Text nur von Hörnern spricht. Dieses
Verständnis ist nichts Neues. Es präzisiert nur die herkömmlichen Interpretationen 1 • Von diesen weiche ich aber
ab, wenn ich das 17, das den Empfänger der Hörner bezeichnet, nicht reflexiv verstehe, wie das durchwegs geschieht 2 ,
sondern auf den König von Israel beziehe. Zidkija hatte
nicht für sich, sondern für ihn eine Kappe mit eisernen
Hörnern gemacht.
Man kann dagegen einwenden, dass im V. 10 von zwei Königen die Rede war und das den Vers beschliessende
on~~~7
sich auf sie beziehe und man in diesem Falle also on7 oder
107 erwarten müsse. Es ist aber zu beachten, dass Zidkija,
wie er im folgenden sein Erzeugnis anpreist, sich nur an
den König von Israel wendet : "Mit diesen (scl Hörnern)
wirst du Aram niederstossen !" Der Wechsel von den zwei
Königen zum einen König von Israel findet also jedenfalls
statt, und der Inhalt der Worte, die die Bedeutung der
Hörner erklären, erfordert m.E., dass dieser Wechsel schon
bei 17 stattgefunden hat. Zidkija hat die Hörner für den
König gemacht und erklärt ihm (bei der Uebergabe), dass
er kraft dieser Hörner(kappe) Aram besiegen werde. Die
Hörner verwandeln den König, wie
n)~
andeutet, in einen
unbesiegbaren, triumphierenden Stier 3 .
1) Haller, Charisma und Ekstasis 16 "die Tanzmaske des
Zedekia"; Fahrer, Die symbolischen Handlungen der Propheten 22 f.
2) Fahrer, a.a.O. 22; Schmitt, Elisa 197: Hassfeld/Meyer,
Prophet gegen Prophet 28; zur Konstruktion vgl. Gen
37,3.
3) Die Hörner werden im folgenden nicht mehr erwähnt, weil
ursprünglich kein Zusammenhang besteht zwischen 1 Kön
22,5-28a und dem Rest des Kapitels (vgl. Würthwein,
Zur Komposition von I Reg 22,1-38 245-254). Auch vom
weiteren Schicksal des Micha ist am Schluss von Kap. 22
nicht mehr die Rede.
133
Zidkija hat die beiden Hörner aus Eisen angefertigt.
Das garantiert ihre überlegene Härte. Das mit mythischen
Zügen ausgestattete Nilpferd in Ijob 40,18 hat Knochen
wie von Eisen, denen man nichts anhaben kann. Nach Mich
4,13 will Jahwe Hörner und Hufe der Tochter Zion, die als
dreschende Kuh vorgestellt wird, eisern machen, damit sie
die vor Jerusalem wie auf einer Tenne versammelten Völker
wirkungsvoll dresche. Das von Chananja zerbrochene hölzerne Joch vom Nacken Jeremias wird Jahwe durch ein Joch und
Jochstangen aus Eisen ersetzen (Jer 28,10.12-14), die
nicht zu zerbrechen sind. Hörner können abgeschlagen werden (Ps 75,11; Klgl 2,3; Dan 8,7). Ein Horn aus Eisen ist
wie eine eiserne Keule (Ps 2,9), eine eiserne Waffe (Ijob
20,24) oder eine eiserne Mauer (Jer 1,18; Ez 4,3)
1
so gut
wie unüberwindlich.
Ein Fund aus dem eisenzeitlichen Megiddo legt nahe,
dass zur magisch-symbolischen Identifikation, wie sie
1 Kön 22,11 widerspiegelt, auch natürliche Stierhörner
verwendet wurden. In Stratum III (um 700 v. Chr.) fanden
die Ausgräber die rot bemalte Stirnpartie eines Stierschädels mit beiden Hörnern (Abb.64) 2 . Dieses Stück dürfte im Kult eine Rolle gespielt haben. Es legt nahe, dass
natürliche Hörner auch zur Anfertigung von Hörnerkappen
dienten, wie einein 1 Kön 22,11 genannt wird. Sollte die
Verwendung von solchen natürlichen Hörnern gar das Uebliche gewesen sein, dann würden die eisernen Hörner des
1) Alt, Hie murus aheneus esto 33-48 und dazu Böhl, Opera
minora 516 f.; zum ehernen Bogen in Ps 18,35 und 2 Sam
22,35 vgl. Couroyer, L'arc d'airain 508-514.
2) A. Jirku (Die Gesichtsmaske des Mose 43-45) will diesen Fund zur Illustration von Ex 34,29-35 (der "gehörnte" Mose) verwenden. Zur roten Färbung des SkelettTeils vgl. die rotgefärbte Stele aus dem Al~erheilig­
sten in Arad (Aharoni, The Negeb, in : Winten Thomas,
Archaeology and Old Testament Study 396).
134
Zidkija eine klare Ueberbietung dieses Ueblichen bedeuten
und nach dem Glauben Zidkijas und seiner Genossen den sichern Sieg des Königs von Israel verbürgen.
135
Zusammenfassung der wichtigsten Argumente und Ergebnisse
In einer 1972 erschienenen Arbeit über "Die Welt der
altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament" habe ich ein möglichst umfangreiches Material über parallele
Vorstellungen im Bereich der altorientalisch-ägyptischen
Ikonographie und der Anschauungswelt der Psalmen zusammengestellt. Angesichts der breiten Thematik konnte manches
nur skizzenhaft ausgeführt werden. So blieben die Fragen
nachweislicher historischer zusammenhänge zwischen den
beiden Bereichen, das Problem der Medien, die solche Verbindungen ermöglichten und die fast notwendig anzunehmende
Neuinterpretation bei der Uebernahme einzelner Bildelemente von einem Kulturkreis in einen andern unbeantwortet.
In der vorliegenden Arbeit wird diesen Fragen eingehend nachgegangen und zwar im Hinblick auf vier singuläre
Stellen, die wie erratische Blöcke in ihrem atl Kontext
stehen, und schon dadurch eine fremde Herkunft suggerieren.
Bei Jos 8,26 und Ex 17,12 lässt sich nachweisen, dass ihre
Vorstellungen der ägyptischen Ikonographie entstammen und
auf ikonographischem Weg (und nicht auf dem der mündlichen
oder der literarischen Ueberlieferung) nach Israel gelangt
sind. Auch 2 Kön 13,14-19 hat seine nächste Parallele in
ägyptischen
Siegesriten.
Ihr Weg von Aegypten nach
Israel lässt sich allerdings nicht in gleicher Weise nachzeichnen, wie bei den beiden erstgenannten. In 1 Kön 22,11
endlich haben wir wohl einen kanaanäischen Ritus vor uns.
136
Jos-8,26
Die Eroberung von Ai in Jos 8 stellt eine jüngere variante der Ueberlieferung von der Einnahme Gibeas dar, die
in Ri 20 in einem allerdings sehr jungen Gewande vor:liegt.
Das Motiv des
111~~,
den Josua auf Befehl Jahwe's aus-
streckt (Jos 8,18.26) und mit dem er Israel den Sieg vermittelt, hat die Funktion, Gott bei der Eroberung von Ai
in stärkerem Mass zu beteiligen als das bei der Ueberlieferung der Einnahme von Gibea der Fall ist. Um die Frage
nach der Herkunft dieses verdeutlichenden Ideogramms (nämlich des ausgestreckten
111~~)
zu beantworten, muss zuerst
die Bedeutung dieses Wortes geklärt werden. Aufgrund einer
genauen Beschreibung in der Kriegsrolle von Qumran und
seiner Funktion in Jos 8,18.26; 1 Sam 17,6.45 und Jer 6,23
(50,42) liegt es nahe,
111~~
als "Sichelschwert" zu ver-
stehen. Diese Annahme wir.d durch einen Blick auf seine
Verbreitung und seinen Gebrauch bestätigt.
/
Das Sichelschwert stammt aus Mesopotamien, wo es sich
am Ende des 3. Jt. v. Chr. aus der Sichelaxt, teilweise
vielleicht auch aus einem mit Metallstreifen verstärkten
Krummholz, entwickelt hat. Zu Beginn des 2. Jt.s v.Chr.
erscheint es im syrischen Raum (Byblos; vgl. Abb.42) und
findet kurz vor Beginn oder zu Beginn des Neuen Reiches
in Aegypten Eingang. Spätestens seit Achenaten (14. Jh.v.
Chr.) ist es dort Gebrauchswaffe, mit der vor allem die
Leibwache des Königs ausgestattet ist. Als Waffe der königlichen Leibgarde ist das Sichelschwert auch auf spätbronzezeitlichen Elfenbeinen aus Megiddo und Ugarit zu sehen, Während das Sichelschwert im Heer Ramses III.
(1204-
1173 v.Chr.) noch eine grosse Rolle gespielt hatte, scheint
·es bald darauf als Gebrauchswaffe aus Aegypten und Syrien
verschwunden zu sein. Im Osten ist
es als solche anschei-
137
nend schon früher ausser Gebrauch gekormnen. Die Behauptung,
das Sichelschwert sei nie Gebrauchs- sondern stets nur
Prunkwaffe und Symbol gewesen, ist falsch.
Richtig ist hingegen, dass das Sichelschwert in seiner
Funktion als Ideograrmn noch lange nachdem es im Kampfe
nicht mehr verwendet wurde, lebendig blieb. Seine ideograrmnatische Bedeutung hat es von seinen Vorläufern übernormnen. Es ist nicht ein Zeichen für Herrschaft schlechthin (wie etwa Ring und Stab) sondern für Siegesmacht und
Triumph. In der Akkadzeit erscheint es neben der Sichelaxt als Attribut der kriegerischen Ischtar (Abb.l-2). In
altbabylonischer Zeit tragen es neben Ischtar auch Nergal
und andere kriegerische Götter und der König, besonders
beim Niederschlagen der Feinde (Abb.12-13,19). Bei seinem
Eindringen in den syrischen Raum behält es seinen ursprünglichen ideograrmnatischen Wert.
~n
Aegypten findet das Ideograrmn des Sichelsehwerts
vor allem Eingang in die Komposition, die aus dem König
besteht, der vor einem Gott einen oder mehrere Feinde niederschlägt (Abb.21). Dabei zeigen die Beischriften von Anfang an, dass die Uebergabe des Sichelsehwerts an den König dargestellt werden soll, der damit die Feinde niederschlägt (Abb.22). An die Stelle von Sichelschwert (gps)
treten in den Beischriften später nicht selten Sieg (ngtw)
oder Siegesmacht
(~nt)
(vgl. z.B. Abb.34), ein Beweis,
dass das Sichelschwert auch in Aegypten Siegesmacht und
Sieg und nicht, wie z.B. Krurmnszepter und "Geissel" Königsmacht im allgemeinen bedeuten. Erst von der 19. Dynastie
an ist die Komposition belegt, die den Akt der Uebergabe
nicht nur durch die Beischrift evoziert sondern auch ikonographisch darstellt (Abb.35-37). Das könnte ein Hinweis
darauf sein, dass die ägyptische Ikonographie ursprünglich
von der babylonisch-syrischen abhängig war, wo die Götter
das Sichelschwert als Attribut vor sich her trugen aber
138
niemandem übergaben (vgl. Abb.16-18 mit 33-34). Erst nach
und nach hätten die Aegypter die ihnen eigene Deutung auch
bildlich dargestellt.
Die Komposition aus Niederschlagen und Ueberreichen
des Sichelsehwerts hat in der Spätbronzezeit auf ägyptischen Denkmälern in die Levante Eingang gefunden (Abb:.
29-30) und ist während der zweiten Eisenzeit durch das
phönizische Kunsthandwerk weit verbreitet worden (Abb.3132) . Auf diesem Weg dürfte sie auch in Israel bekannt geworden sein.
Die Art, wie das Sichelschwert in Jos 8,26 durch das
blasse Ausgestrecktwerden wirkt, weist auf die Ikonographie
und nicht auf literarische oder mündliche Ueberlieferung
zurück, die nicht vom Ausstrecken sondern von der Uebergabe des Sichelschwertes redet. Die Beachtung der Herkunft
und Bedeutung des Bildes in Jos 8,26 lässt die übliche Uebersetzung : "Josua aber zog seine Hand, die er mit der
Lanze ausgereckt hielt, nicht zurück, bis er allen Bewohnern von Ai den Bann vollstreckt hatte"
fraglich erscheinen.
(11~~
(Zürcher-Bibel) als
ist, wie bereits gesagt, nicht
"Lanze" und Josua kann nicht gleichzeitig das Sichelschwert
ausstrecken und die Bewohner von Ai schlagen. Subjekt des
Schlagens muss das im folgenden Vers genannte "Israel"
sein. Eine korrekte Uebersetzung müsste also lauten :
"Josua aber zog seine Hand, die er mit dem Sichelschwert
ausgereckt hielt, nicht zurück, bis man an allen Bewohnern
von Ai den Bann vollstreckt hatte". Josua spielt also die
Rolle, die in Aegypten die Gottheit (gewöhnlich Amon oder
Horus) innehat, während das Volk den Part des Königs übernimmt.
Am Schluss des I. Kapitels werden einige Erwägungen
über mögliche zusammenhänge zwischen dem ikonographischen,
resp. literarischen Motiv der Ueberreichung des Sichelsehwerts und dem fragmentarischen Stück Jos 5,13-15, resp.
Ez 30,20-24 angestellt.
139
Ex 17,12
Als wichtigste, und oft einzige Parallele zu Jas 8,26
wird Ex 17,12 genannt. Solange Mose seine Hände erhoben
hält, siegt Israel gegen Amalek. Bei der Zusanunenfügung
von Ex 17,3-6 mit 8-13 dürfte der Stab des Mose aus V. 5
in V. 9 eingedrungen sein und ln V. 11 den Singular nach
sich gezogen haben. In V.12 mit den beiden Händen ist wohl
die ursprüngliche Ueberlieferung enthalten, da sie mit
dem Stein verbunden ist, der ihr als Haftpunkt diente.
Die beiden erhobenen Hände sind ein in Aegypten seit
ältester Zeit üblicher Gestus der Verehrung, des Lobpreises, der Bitte aber auch der Abwehr (Abb.47). Er dürfte
von Hause aus ein Beschwörungsgestus sein. So erklärt sich
seine Ambivalenz am besten. Eine variante dieses Gestus
stellt die eine erhobene Hand der Göttinnen (oder Götter)
dar, die sich schützend hinter einen Gott (oder eine Göttin) oder den König stellen. Seit der Mitte der 18. Dynastie wird diese mit dem Pharao beim Niederschlagen kombiniert (Abb.48).
Da in Ex 17,12 die beiden
Ursprüngliche sein
d~rften,
erhobenen Hände aber das
liegt es näher, als Vorbild
der Szene eine Komposition anzunehmen, wie sie in der 19.
Dynastie nicht allzu selten auftaucht. Vor dem Pharao beim
Niederschlagen, der zu einer Art Andachtsbild (vgl. den
Hl. Georg als Drachentäter) geworden ist, steht oder kniet
ein Verehrer mit erhobenen Händen (Abb.51-52). Dieses Motiv ist jüngst auf einem Skarabäus auf dem Tell Masos in
der Nähe von Beerscheba gefunden worden (Abb.53). Diese
Siedlung stammt aus frühisraelitischer Zeit. Neue Funde
aus der Gegend von Timna zeigen, dass Aegypten·bis tief
ins 12. Jh.v.Chr. im südlichen Negev aktiv war.
140
Ex 17,8-13 dürfte aus der Erinnerung an einen Zusammenstoss mit den Amalekitern am Fuss eines bestimmten Berges,
einem thronartigen Stein auf diesem Berge und der ägyptischen Komposition aus dem Pharao beim Niederschlagen und
dem Beter mit erhobenen Händen entstanden sein, die im 12.
Jh.v.Chr. im Negev bekannt war, wie die Funde von Tirnna
nahelegen und das Käfersiegel von Abb.53 beweist. Die des
Lesens unkundigen Israeliten haben die ägyptischen Protagonisten mit eigenen Helden identifiziert. Auf eine Vermittlung durch ikonographische Medien lässt das Missverständnis schliessen, der Mann mit den erhobenen Händen bewirke den Sieg des andern. Nach ägyptischem Verständnis
verehrt aber der Beter den Sieg des triumphierenden Pharao.
2 Kön 13, 14-19
Die berühmte Szene Thutmosis III. aus Karnak (Abb.56)
ist von H. Gunkel mit Ps 18,35, resp. 144,1 in Beziehung
gebracht worden. Sie kann aber mit mehr Recht zur Illustration von 2 Kön 13,14-19 beigezogen werden. Abb.56 stellt
nicht eine Unterweisung im Bogenschiessen dar, sondern
zeigt die Mithilfe der Götter bei einem Schiessen und
Schlagen, das anlässlich des Sed-Festes den Sieg und die
Herrschaft des ägyptischen Königs über die vier Weltgegenden gewährleisten soll. Die Uebergabe der Pfeile durch Horus und Seth auf einem Sed-Fest-Relief aus dem Sonnentempel
des Ne-user-Re (2425-2415 v.Chr.) setzen diese Zeremonie
schon für das Alte Reich voraus (Abb.57). Rund 1700 Jahre
später taucht sie auf einem Bild Taharqas nochmals auf
(Abb.58). Dabei wird durch die Begleittexte der Sinn recht
deutlich ausgesprochen. Dieser stellt Abb.56 neben 1 Kön 13
und nicht neben Ps 18. Dabei übernimmt Elischa, der dem
König von Israel beim Abschiessen des Siegespfeiles behilf-
141
lieh ist (ähnlich, wie in J.os 8,26 Josua) die Rolle, die
in Aegypten ein Gott (Seth) innehat. Zu der genauen Uebereinstinunung in der Bedeutung hat 2 Kön 13 im Vergleich mit
Ps 18 auch noch den Vorteil, eine Parallele zum Schiessen
und zum Schlagen von Abb.56 zu liefern.
Diese letztere Feststellung basiert allerdings auf der
Einheitlichkeit von 2 Kön 13,14-19, die neulich bestritten
wurde. Die angeführten Argumente lassen aber eher eine
Trennung zwischen V. 14-18c und 18d-19 ("Gottesmann" statt
"Elischa") als eine solche zwischen V. 14-17 und 18-19
ratsam erscheinen. Die Mehrzahl der Pfeile von V. 15 findet erst in V. 18 Verwendung. Ursprünglich dürfte nach
V. 18a-c ein ähnliches Wort Elischa's dagestanden haben
wie in V. 17b. Der ursprünglich strenge Parallelismus zwischen den beiden magisch-symbolischen Handlungen und deren
Besprechung könnte von der Gottesmannbearbeitung aufgehoben worden sein, um die Ueberlieferung den tatsächlichen
Geschehnissen anzugleichen, wie sie in der von Dtr verarbeiteten Annalennotiz in 1 Kön 13,22-25 angedeutet werden.
Dabei schiebt die Bearbeitung, die ihre Verehrung für Elischa schon durch den Ehrentitel "Gottesmann" kundtut, alle
Schuld am unbefriedigenden Ausgang der Kämpfe dem König
zu.
Wenn das Pfeilschiessen aber doch, wie eine neuere literarkritische Untersuchung will, ursprünglich für sich
gestanden haben sollte, so hätten wir die beste Parallele
dazu in dem auf den Abb.27-28 dargestellten Bogenschiessen
des Pharao auf Scheiben, die mit Feindsymbolen verbunden
sind.
142
1 Kön 22,11
Die Stelle 1 Kön 22,11 wird so verstanden, dass Zidkija sich eiserne Hörner gemacht habe, um mit ihnen vor dem
König von Israel aufzutreten und ihn in seiner Absicht,
gegen Aram zu Felde zu ziehen, zu bestärken. Die Worte :
"Mit diesen wirst du Aram niederstossen bis es aufgerieben
ist" hätten eine symbolische Handlung des Propheten begleitet.
Wenn man sich diese Hörner aufgrund archäologischen
Vergleichsmaterials vorzustellen versucht, muss man zum
Schluss kommen, es hätte sich dabei kaum um zwei lose Einzelhörner gehandelt sondern um eine Art Hörnerkappe, wie
sie die Abb.59-61 zeigen. Wie der Stierschwanz des ägyptischen Königs
(vgl. z.B. Abb.37) seine verborgene Stier-
macht signalisiert und garantiert, die in sprachlichen
Metaphern und theriomorphen Darstellungen (Abb.62-63) expliziert wird, so hängt auch die Hörnerkappe eng mit dem
Stiercharakter ihrer Träger zusammen. Da Zidkija dem König
von Israel zusichert, er werde wie ein Stier Aram niederstossen, hat man sich vorzustellen, dass Zidkija ihm mit
diesen Worten die Hörner(kappe) übergibt und er diese also
nicht für sich sondern für ihn (nämlich den König) gemacht
hat, den sie im Hinblick auf den Kampf in einen siegreichen
Stier verwandeln soll.
143
Schlussbemerkungen
Wie eingangs und in der Zusammenfassung gesagt wurde,
sollte anhand zweier Beispiele (Jos 8,26 und Ex 17,12)
demonstriert werden, wie dem AT fremde Stoffe nicht nur
durch mündliche oder literarische, sondern auch durch ikonographische Ueberlieferung zufliessen konnten. Dabei
mochte in manchen Fällen phönizisch/kanaanäische Vermittlung von Bedeutung gewesen sein, wie das für die Komposition von Jos 8,26 wahrscheinlich gemacht wurde. Diese
Vermittlung muss aber keineswegs zum Gesetz erhoben werden. Allzu hoch braucht man sie gerade für die 1. Hälfte
des 1. Jt.s v.Chr. nicht in Anschlag zu bringen 1 Ein
1)
~anz
anderer Meinung ist hier M. Dahood. Er betrachtet
z.B. die Bemühungen, die personifizierte Weisheit von
Spr 8,22-36 von der Gestalt der ägyptischen Ma'at her
zu verstehen als "of marginal interest at best", solange das von ihm als unerlässlich postulierte phönizische Zwischenglied nicht verfügbar ist (Proverbs 8,
22-31, 521). Solche Urteile sind allerdings nur aus
einer extrem auf nor.dwestsemitische Philologie fixierten Haltung zu verstehen, die in ihrer Exklusivität an
den Panbabylonismus der Jahrhundertwende und den "Panqumranismus" der fünfziger und frühen sechziger Jahre
erinnert. Solange kein Corpus phönizischer Liebeslieder oder phönizischer Spruchweisheit auftaucht, ist
der Vergleich mit Aegypten und Mesopotamien immer noch
besser als der mit der nicht vorhandenen phönizischen
Literatur. Selbst, wenn solche Corpora je auftauchen
sollten, was wenig wahrscheinlich ist, düfte der Vergleich atl Texte mit ägyptischen und akkadischen weiterhin interessant sein, wenn man die Exegese nicht
aufs Philologische reduziert, sondern auch literatur-,
kultur-, religions- und theologiegeschichtliche Interessen hat. Im Vergleich mit den grossen Hochkulturen
des Niltals und des Zweistromlandes sind die phönizische wie die hebräische Kultur doch eher provinzieller Natur, was einzelne Spitzenleistungen (für Phönizien im wirtschaftlich-verkehrstechnischen, für Israelim religiösen Bereich) nicht ausschliesst.
144
Blick auf das phönizisch-palästinische Kunsthandwerk dieser Zeit zeigt, wie sehr Phönizien etwa in diesem Bereich
von fremden, vor allem ägyptischen Vorbildern abhängig und
wie bescheiden der eigene Beitrag war 1
Bei ihrer jüngsten, intensiven Beschäftigung mit dem
"Heiligen Krieg 112 haben sich denn die Alttestarnentle~ auf
der Suche nach Analogien auch nicht gescheut - und das mit
Recht -, in erster Linie ausserhalb des syro-palästinischen Raumes Ausschau zu halten. Dabei haben sie sich vor
3
allem dem Zweistromland zugewandt
1) Vgl. z.B. die oben S. 68 f. erwähnten, phönizischen
Metallschalen und die kanaanäischen Elfenbeine (Kantor,
Syro-Palestinian Ivories 166 und Crowfoot, Early Ivories from Sarnaria Taf. 1-4,7,14), überhaupt das ganze
syrisch-palästinische Kunsthandwerk, das von der grossen Bedeutung zeugt, die man in diesem Raum und zu dieser Zeit ägyptischen Symbolen zumass. Schon um 1070
v.Chr. war sich ein Fürst von Byblos anscheinend der
"Tatsache" bewusst : "Arnon hat alle Länder ausgestattet,
er hat sie ausgestattet~ nachdem er zuerst das Land
Aegypten ausgestattet hatte ..• Die handwerkliche Fertigkeit ist von ihm (von Aegypten) ausgegangen bis zu
meinem Wohnsitz hin und die Unterweisung ist von ihm
ausgegangen bis zu meinem Wohnsitz hin" (Uebersetzung
von E. Edel in Galling, Textbuch zur Geschichte Israels
45) und rund 600 Jahre später bemerkt Herodot : "Ebenso seien die Aegypter die ersten gewesen, die den Göttern Altäre, Bilder und Tempel errichtet und Figuren
in Stein gemeisselt hätten. Dass es wirklich so ist,
davon haben sie mich in vielen Fällen durch tätsächliche Beweise überzeugt" (Historien II 4; Uebersetzung :
Horneffer, Herodot Historien 100 f.). Man kann die Bedeutung dieser Aussage ermessen, wenn man bedenkt, dass
für die Antike die Wirkkraft und Würde einer Sache in
der Regel der Höhe ihres Alters entsprach.
2) Vgl. Stolz, Jahwes und Israels Kriege, und die dort
zitierte Literatur.
3) Vgl. Heintz, Oracles prophAtiques et "guerre sainte",
und besonders Weippert, "Heiliger Krieg" in Israel und
Assyrien, und die dort zitierte Literatur.
145
Die vorliegende Arbeit versucht, das aus diesem Raume
beigebrachte Material durch Hinweise auf einige ägyptische
Einflüsse zu ergänzen. Die ägyptische Symbolwelt galt spätestens seit den glanzvollen Tagen des Neuen Reiches (1554
- 1206 v.Chr.) in Palästina und Syrien als besonders wirkmächtig1
Vom langen Nachwirken dieses Glanzes zeugen
nicht nur die oben erwähnten Produkte des phönizisch-syrischen Kunsthandwerks, sondern auch ein angesichts der
Wirklichkeit ganz übertriebenes Vertrauen auf Aegypten als
militärische Macht, das von den atl
Propheten verschie-
dentlich gegeisselt wird (Hos 7,11; Jes 20; 30,1-7; 31,1-3;
Ez 29-30; vgl. auch Jes 36,6 und 9 und Par.) Mit diesen
Hinweisen sollen die mesopotamischen Beziehungen keineswegs bagatellisiert werden.
Vielleicht zeigen aber weitere Arbeiten, dass es seit
der Mitte des 2. Jt.s v.Chr. im Bereich der Symbole und
Riten, die den Krieg begleiten und theologisch deuten, eine Art Koine gab, die vom Zweistromland bis nach Aegypten
benutzt wurde 2 .
Was die sichere oder wahrscheinliche Uebernahme
Israels von ägyptischen Riten betrifft, so ist nicht nur
beim ausgestreckten Sichelschwert~
sondern auch beim
Pfeilschiessen und Schlagen (Abb.56 und 2 Kön 13,14-19)
auffällig, dass die Rolle, die in Aegypten ein Gott spielt,
in Israel von einem Menschen übernommen wird (Josua, Elischa). Das dürfte mit der für Israel typischen Verpönung
der kultischen Darstellung Gottes nicht nur durch Bilder,
1) Zu dem bereits im 17. Jh. v.Chr. einsetzenden ägyptischen Einfluss auf die syrische Glyptik vgl. Buchanan,
Catalogue of Ancient Near Eastern Seals 166.
2) Vgl. Anm. 1 S. 47-49 und S. 88 und S. 147-151.
3) Vgl. oben S. 81 f.
146
sondern auch durch lebende Menschen zusanunenhängen. Das
ist vielleicht auch der tiefere Grund, warum die Anfertigung eiserner Hörner durch Zidkija ben Kenaana, durch die
der israelitische König in einen (göttlichen) Stier verwandelt werden soll, als Aeusserung eines Jahwe entfremdeten Prophetentums erzählt wird.
Von dieser grundsätzlichen Zurückhaltung gegenüber
einer Repräsentation Gottes durch irgendwelche Lebewesen
abgesehen, überrascht die verschiedene Bewertung der
"Siegessakramente" je nachdem, ob sie sich in der Hand
von Beauftragten Jahwes oder, wie bei Goliat (1 Sam 17,45),
in der Hand seiner Gegner befinden. Das von Elischa arrangierte Pfeilschiessen wird als letzte, sakramental über
seinen Tod hinaus heilvolle Tat des Jahwepropheten gefeiert. Das vor der Brust getragene Amulett des Sichelsehwerts
vermag dem "heidnischen" Vorkämpfer Goliat hingegen keinen
Schutz zu gewähren. In der Hand Josuas wird das gleiche
Ideogramm zum "Sakrament", das den Sieg Israels bewirkt
und sichert. Von den qualifizierenden Begriffen wie "magisch", "sakramental" und "Amulett" steht bezeichnenderweise keiner in den alten Texten. Für diese scheint hier,
wie in andern Fällen, nicht so sehr eine Daseinshaltung
(sei sie nun mehr sakramental, weisheitlich, prophetisch,
heilsgeschichtlich oder wie immer) über die jahwistische
Legitimität entschieden zu haben 1 • Bedeutsamer war anscheinend das Gefüge der personalen Beziehungen, grundlegend das Verhältnis zu Jahwe, in das diese Haltungen mit
den ihnen entsprechenden Formen und Aeusserungen eingebettet waren.
1) Von daher scheint es mir auch fraglich, ob man mit
G. Fahrer die prophetische Daseinshaltung zur praktisch
einzigen, überzeitlich bedeutsamen hochstilisieren
kann (Grundstrukturen des Alten Testaments 71-86, 94).
147
ANHANG I
Der König übergibt einer Gottheit Gefangene
An und für sich spielt dieses Thema weder im Zusammenhang mit Jos 8,18.26 noch mit Jos 5,13-15 oder Ez 30,20-26
direkt eine Rolle. Da wir aber am Rande doch immer wieder
darauf gestossen sind, soll es hier wenigstens anhangsweise noch kurz behandelt werden, zumal es geeignet ist, weiteres Licht auf den regen Austausch von Bildgedanken zu
werfen, wie er gerade im Bereich der Darstellungen kriegerischer Triumphe zwischen Aegypten und Vorderasien stattgefunden zu haben scheint.
Das Thema des Gottes oder der Götter, die dem König
Gefangene ~uführen, ist in Aegypten seit der ersten Dynastie bis in die Spätzeit belegt, so etwa auf der Narmerpalette (ANEP Abb.296 und oben S. 55), auf Reliefs Sahure's
(Borchardt, Grabdenkmal II, Taf. 5-7), Pepi's II. (Abb.26),
Thutmos1s' III. (ANEP Abb.312), Seti's I. (Wreszinski,
Atlas II Taf. 53a; vgl. dazu oben S. 59 f.), Schoschenk's
I. (Abb.26), um nur einige wenige Beispiele zu nennen. In
diesen Bildern wird die weit verbreitete Vorstellung ikonographisch gestaltet, dass es der Gott ist, der dem König
(oder sonst einem Menschen) seine Feinde in die Hand (d.h.
in seine Gewalt) gibt (vgl. dazu Abb.20 und Anm. 1 auf den
Seiten 47-49). Ebenso verbreitet wie diese Komposition ist
die Vorführung von Gefangenen vor dem König durch seine
untergebenen, die Prinzen, die Generale und Soldaten (vgl.
dazu Anthes, Die Vorführung der gefangenen Feinde vor den
König, und das vor wenigen Jahren neu entdeckte Bild aus
der 11. Dyn. bei Keel, Kanaanäische Riten Abb.l).
Viel seltener wird dargestellt, wie der Pharao einer
Gottheit Gefangene zuführt. Das Motiv des Königs (?), der
die Keule über einem klein dargestellten Gefangenen
schwingt, den er am Schopf haltend vor sich herführt, ist
zwar schon auf drei elfenbeinernen Rollsiegeln aus Hierakonpoli s (Beginn der geschichtlichen Zeit) zu finden
(Abb.65). Die mehrfache Wiederholung des gleichen Motivs
zeigt, dass das Ziel des Zuges nicht aus Platzmangel weggefallen ist. Wir haben es hier mit einem reinen Triumphbild zu tun, das Siegesmacht verkörpert, nicht mit der Uebergabe eines Gefangenen an eine Gottheit.
Das gleiche Motiv erscheint auf einem Relieffragment
aus dem Grabdenkmal des Königs Neuserre< (5. Dyn.) und zwar
auf einem Armband (Borchardt, Das Grabdenkmal des Königs
Ne-user-re' 39). Der Triumphator ist hier deutlich als König gekennzeichnet.
148
Diese triumphierende Gestalt taucht ähnlich in der
altsyrischen Glyptik auf (ca. 1850 - ca. 1600 v.Chr.),
wobei sie die syrische Königstracht trägt und statt der
Keule ein Beil schwingt (Abb.66). Da das Siegel auch sonst
ägyptischen Einfluss aufweist, ist eine Beeinflussung von
Aegypten her nicht ausgeschlossen. Im Gegensatz zu den
alten ägyptischen Belegen steht der Sieger allerdings
nicht isoliert, sondern vor einer Gestalt, die ihm bis in
Einzelheiten ähnlich ist und als Attribut ein gleiches
Beil hält, wie der Triumphator es schwingt. Was diese Gestalt zu bedeuten hat, ist mir nicht klar.
Eindeutiger ist die ebenfalls altsyrische Komposition
von Abb.67, die B. Buchanan (Catalogue cf Ancient Near
Eastern Seals 165) dem 17. Jh. v.Chr. zuweist. Der Hathorkopf signalisiert Verbindungen zu Aegypten. Für den König,
der der Göttin mit dem syrischen Hut einen Mann zuführt,
wüsste ich aber kein ägyptisches Vorbild. Der König erscheint im Gegensatz zu den bisher genannten Beispielen
nicht in der Pose des Niederschlagens. Nicht er ist hier
die Haupt- oder gar einzige Figur, sondern die Göttin, der
er den Gefangenen (?) übergibt, der einen Finger gegen sie
auszustrecken scheint (zu diesem Gestus vgl. oben s. 108).
Da der König der Göttin zugleich mit einem ägyptischen
(Buchanan, a.a.O. 171) oder hethitischen (vgl. Kunsthaus
Zürich, Sammlung E. und M. Kofler 31, Nr. 266-271) Räucherarm räuchert, dürfte es sich um eine Weihung handeln (vgl.
oben s. 48). Eine parallele Darstellung dieses Geräts auf
einem Siegel der Pierpont Morgan Library (Porada, The
Collection cf the Pierpont Morgan Library Nr. 999), auf
das Buchanan hinw~ist, lässt einen allerdings eher an die
seit Sahurec (5. Dyn.) als Zeremonialwaffe bekannte Beilkeule (vgl. Bonnet, Die Waffen 41 f.) denken. Die Deutung
der Gesamtkomposition hängt nicht von der Klärung dieses
Details ab.
In Aegypten taucht die Komposition des Königs, der einen Gefangenen, den er an den Haaren vor sich herführt,
einer Gottheit übergibt, soweit ich sehe, erst in der Hyksoszeit auf. 1883 hat E. Naville auf dem Tell el-Mas'chuta
(Pithom?) ein kleines Kalksteinmonument ausgegraben, dessen oberer Teil abgebrochen ist (Breite 39,5 cm, Dicke
25 cm, erhaltene Höhe 34 cm) (Naville, The Store City cf
Pithom Taf. VI). Es ist auf drei Seiten mit Reliefs versehen. Naville wollte das Stück der 20. Dyn. zuschreiben.
G. Daressy (Monument du temps des Hyksos) hat aber erkannt,
dass es sich beim Stein um eine Art Palimpsest handelt,
dessen Original in das späte Mittlere Reich, resp. die
Hyksoszeit (Abb.68a) und dessen Ueberarbeitung in die Zeit
Seti's I. (Abb.68b) zurückgehen dürften (Ebd. 266 f.). In
der originalen Form, die ohne Inschrift ist, tritt auf dem
Mittelteil der König (?) mit einem Räucherständer (und einem Ruder ?) vor den Gott des 20. Gau's, Hor-Sopdu. In sei-
149
nem Gürtel trägt er ein Scnwert, das auch auf den beiden
Seitenbildern zu sehen ist, die die Hauptszene flankieren.
Es handelt sich bei diesen drei Figuren wohl dreimal um
die gleiche Person. I~re Bewaff~ung ist uriägyptisch. Das
Schwert ist in Aegypten nie heimisch geworden (Bonnet,
Die Waffen 73 f.). Hingegen ist ,ein ausgesprochen langer
Dolch (35 cm) aus der Hyksoszeit mit dem Namen Apophis erhalten, der in der Form dem Schwert auf Abb.68a nicht unähnlich sieht (Wolf, Die Bewaffnung 43 f. und Taf. 13,8).
In grösserer Menge sind Schwerter erst am Anfang der 18.
Dyn. in Aegypten eingeführt worden (Wolf, Die Bewaffnung
73 f.). Das Wurfholz, das die Figur links hält, ist ebenfalls eine typisch asiatische Waffe (Bonnet, Die Waffen
108, Anm. 2). Die Annahme, es handle sich um einen König,
basiert nicht nicht nur auf der sekundären Interpretation
als Pharao auf Abb. 68b, sondern vor allem auf dem Triumphmotiv des rechten Seitenbildes. Dabei hat man sich wohl
vorzustellen, dass der König, ähnlich wie der auf dem syrischen Rollsiegel Abb.67, den Gefangenen, der mit keinem
der klassischen ägyptischen Feindtypen übereinstimmt, der
Gottheit übergibt. Die beiden Seitenbilder sind deutlich
auf die Hauptszene ausgerichtet'. Dass die Uebergabe eines
Gefangenen an die Gottheit in Aegypten zuerst auf einem
Hyksosmonument auftaucht, scheint mir die Wahrscheinlichkeit eines asiatischen Ursprungs der Komposition erheblich
zu verstärken.
Der nächste, mir bekannte Beleg findet sich auf einer
30 cm hohen Kalksteinstele, die aller Wahrscheinlichkeit
nach aus Deir el Medine kommt (Abb.69). Die Kartuschen
sind die Amenhoteps I. , aber die Stele dürfte erst aus der
späten 18. Dyn. stammen (vgl. oben S. 52). Beachtlich ist,
dass auch dieser Beleg wieder aus einem Milieu stammt, in
dem ein ziemlich starker asiatischer Einfluss nachweisbar
ist (Boreux, La stele C 86, 681-683). Die Stele Abb.69
verrät durch ihre Form, aber noch mehr durch ihren nachlässigen Stil, ihre private Herkunft.
Das erste offizielle Monument, das unsere Komposition
aufweist, gehört in die 19. Dyn., genauer in die Zeit
Ramses II., während der asiatische Einfluss bekanntlich
einmal mehr stark war und zwar entstand das Monument auf
asiatischem Boden, am Nahr el Kelb im heutigen Libanon
(Abb.30a; vgl. oben s. 67). Dann taucht die Komposition
noch einmal und zwar in mythisch-ritualisierter Form unter
Schoschenk I. auf (vgl. oben S. 62 f.). Die Vorführung Gefangener durch den König vor dem Gott ist in Aegypten, jedenfalls in dieser symbolischen Form, nie richtig heimisch
geworden.
Ramses III. und seine Nachfolger werden zwar nicht
allzu selten dargestellt, wie sie gefangene Feinde an den
Haaren vor sich herführen (Nelson, Later Historical Records Taf. 111; Nims, The Eastern High Gate 626, 629 und
150
Abb.70; vgl. auch Daressy, Ostraca Taf. XXIII Nr. 25.119,
die rundplastischen Gestaltungen des Bildgedankens bei
Vandier, Manuel III,l, s. 423 f. und Ebd. III,2, Taf.132,
1 und 3 und Scamuzzi, Egyptian Art Taf. 85), aber diese
werden nicht einem Gott zugeführt. Auch die Beischriften
reden, soweit sie vorhanden sind, ausschliesslich vorn
Triumph des Pharao
(vgl. Nirns, The Eastern High Gate 13).
Gelegentlich schwingt auf diesen Bildern der Pharao über
den Feinden, die er vor sich herführt, das Sichelschwert
und wir haben dann eine "moderne" Variante des alten Rollsiegelrnotivs von Abb.65 (Nelson, Later Historical Records
Taf. 114).
Eine gewisse Verbreitung fand die Vorstellung vorn König, der der Gottheit die unterworfenen Feinde zuführt,
in historisierter Form im Rahmen der grossen Zyklen, die
die Feldzüge der Pharaonen der 19. und 20. Dyn. darstellen.
Seti I., Ramses II. und Ramses III. werden nicht selten
vorgestellt, wie sie an langen Stricken Züge von Asiaten,
Libyern und Nubiern vor die thebanische Trias (Amen, Mut,
Chans) führen, um sie dieser, resp. deren Tempel, zu weihen, zusammen mit kunstvollen Metallgefässen und anderer
kostbarer Beute (Wreszinski, Atlas II Taf.37,44,56; Nelson, Earlier Historical Records Taf.11,26,43; Ders., Later Historical Records Taf.78,93,99; Nirns, The Eastern
High Gate Taf.604, 621, 627). Auf allen diesen Szenen hält
Amen Uas und Anch (Abb.71).
Eher selten findet sich eine Vermischung der symbolischen, ursprünglich asiatischen (?) Komposition, wie sie
durch die Abb.30a und 69 repräsentiert wird, und der historisierenden, wie sie z.B. Abb.71 darstellt. Beispiele dafür sind eine Stele Ramses II. aus Tanis (Abb.72; vgl.
auch Abb.34) und einige Szenen Ramses III. (Nelson, Earlier Historical Records Taf.44; Nirns, The Eastern High
Gate Taf.606).
Der Bildgedanke der Vorführung von Gefangenen durch
den König ist in Aegypten also auf die Zeit des Neuen Reiches beschränkt. Es entspricht der ägyptischen Auffassung
vorn König als dem Zentrum des Kosmos besser, dass Götter
und Menschen ihm seine Feinde gefangen zuführen, wie die
aus allen Epochen ägyptischer Geschichte stammenden Beispiele eingangs dieses Abschnitts zeigen. Das asiatische(?)
Sinnbild vorn König, der der Gottheit einen Gefangenen übergibt (Abb.30a, 67-69), hat in Aegypten nie richtig Fuss
gefasst. Die alte Ikone vorn König beim Niederschlagen seiner Feinde ist dank ihrer mythischen Eindeutigkeit und
Radikalität den ägyptischen Vorstellungen vorn Triumph des
Pharao besser gerecht geworden. In der 19. (und vielleicht
schon in der 18.) Dyn. hat sich die Szene von der Weihung
einer Schar von Kriegsgefangenen durch den Pharao einer
gewissen Beliebtheit erfreut. Die Komposition dürfte durch
die historisierende Tendenz dieser Kunstepoche begünstigt
151
worden sein. Die langen Reihen Gefangener waren zudem geeignet, die Grösse dessen zu demonstrieren, was der König
für den Gott getan hatte und im Bedürfnis das zu tun, mag
sich auch ein dem Alten und Mittleren Reich und evt. auch
noch der frühenl8. Dyn. gegenüber gewandeltes Gottesverhältnis ausdrücken, dessen Charakteristikum es war, den
König stärker als Diener der Götter zu sehen.
153
ANHANG II
Das Ausstrecken der Hand
Im Laufe der vorliegenden Untersuchung ist gelegentlich die beim Exodus so wichtige ausgestreckte Hand des
Mose (resp. Aarons) mit dem (Gottes)-Stab aufgetaucht.
S. 85 f. wurde vermutet, es sei mit der Beauftragung des
Mose ursprünglich die Uebergabe dieses Stabes verbunden
gewesen. S. 91 f. haben wir gesehen, dass das Motiv der
ausgestreckten Hand mit dem Stab sekundär auch in Ex 17,
8-13 eingedrungen ist.
Das Motiv gehört streng genommen nicht in dieses Buch,
da die ausgestreckte Hand, resp. der Stab, im Gegensatz
zum Sichelschwert (Jos 8,18.26) oder den erhobenen Händen
des Mose (Ex 17,12) nirgends dazu dient, einen militärischen Sieg zu erwirken. Das Schilfmeergeschehen ist von
einem solchen zwar nicht allzu weit entfernt, wenn auch
vor allem aufgrund sekundärer Interpretation (Stolz,
Jahwes und Israels Kriege 90-97). Es bleibt aber zu beachten, dass Mose hier mit seiner ausgestreckten Hand,
resp. dem Stab, die Wasser (Ex 14,16.21.26.27) und nicht
die feindlichen Heerlager oder einen Kampf beeinflusst.
Die Geste der ausgestreckten Hand ist im AT sehr häufig. Von den singulären ,, n1n (Jes 11,8), 1, Wi~ (Klgl
1,10) und,, mw, (Sir 7,32) abgesehen, wird sie entweder
mit ,, n7w oder mit ,, nml beschrieben.
Dabei erscheint jeder dieser zwei Ausdrücke in ganz
bestimmten zusammenhängen.
Wenn jemand die Hand ausstreckt, um die Früchte des
Lebensbaumes (Gen 3,22), eine Taube (Gen 8,9), einen Mann
(Gen 19,10) ein Messer (Gen 22,10), eine Schlange (Ex 4,4),
die männliche Scham (Dtn 25,11), ein Schwert (Ri 3,21),
einen Zeltpflock (Ri 5,26), einen Eselskinnbacken (Ri 15,
15), Steine (1 Sam 17,49), Leute (2 Sam 15,5; 1 Kön 13,4;
Ps 18,17; 144,7), ein Eisenstück (2 Kön 6,7), die Locke
Ezechiels (Ez 8,3) oder einen Feuerbrand (Ez 10,7) zu ergreifen, dann steht stets,, M7W und nie,, nml. Für "Ergreifen" findet sich 9 mal Mv7, 3 mal das Hif. von vln
und je einmal tn~, ~Wl, w~n und das Hif. von ~1~. Hieher
gehört auch die Stelle Hld 5,4, da der Geliebte seine Hand
durchs Türloch schickt, wohl um den Riegel zu ergreifen,
den er aber nicht finden kann.
154
Ebenso steht 1i n7w, wenn die Hand ausgeschickt wird,
um etwas in guter oder böser Absicht zu berühren, was ja
dem Ergreifen recht nahe kommt (Gen 48,14; 2 Sam 6,6 und
1 Chr 13,10, Jer 1,9, Ijob 1,11; 2,5).
Häufig steht 1i n7w ohne ein folgendes Verb, das die
Tätigkeit beschreibt, zu der die Hand "ausgeschickt" wird.
Wenn so einzig durch die Präposition ~ oder seltener 78
mit einer Sache verbunden wird, bedeutet es, an eine Sache
Hand anlegen (Ijob 28,9; Ps 125,3), sich an einer Sache
vergreifen (Ex 22,7.10; Dan 11,42); wenn es mit Personen
verbunden ist aber stets "Hand an sie legen" im Sinne von
"töten", "ermorden" (Gen 22,12; 37,22; Ex 24,11; 1 Sam 22,
17; 24,7.11; 26,9.11.23; 2 Sam 1,14; 18,12; Neh 13,21;
Ps 55,21; Ijob 1,12; Est 2,21; 3,6; 6,2; 8,7; 9,2). Dabei
scheint das blosse 1i n7w + Person eine Ellipse zu sein,
bei der ein V)~7 (1 Sam 22,17), ein nnw7 (2 Sam 1,14) oder
etwas ähnliches zu ergänzen ist. Einmal steht an Stelle
einer Person, übrigens ohne ~ oder 78 eine Stadt (2 Sam
24,16).
Das Ausschicken der Hand (1, M7W) geschieht immer zu
einem bestimmten Zweck, zu einer konkreten Handlung, ist
also stets funktional. Wo das Ausrecken der Hand als solches den Eigenwert eines Gestus besitzt, steht
Aufschlussreich für das Verständnis der beiden Ausdrücke ist ein Vergleich der Parallelstellen 2 Sam 24,16
und 1 Chr 21,16.
2 Sam 24,16
108i1 nvin-78 n1ni onJi1 nnnw7 oi7w11i 187on 11i n7wi1
... 11i ~In . ··18707
1 Chr 21,16
1i41 Yl8n
,,~
10V n1ni 1870 n8 81,1 1iJiV-n8 1i11 8W,I
o7w11i-7y ni1~J 11i~ n~17w 1~1n1 oiown
In der älteren Version von 2 Sam 24 wird erzählt, wie die
Pest durchs Land geht und wie der Verderber eben dabei ist,
Jerusalem zu schlagen und wie Gott ihm in diesem Augenblick in den Arm fällt. 1i M7W ist hier deutlich funktional (vgl. Gen 22,12). In der jüngeren Fassung von 1 Chr
wird nicht ein Vorgang erzählt sondern eine Vision Davids
geschildert, in der ihm eine gewaltige Gestalt erscheint,
die im drohend ausgereckten Arm (ni1~J 11,~) ein Schwert
gezückt hält, das gegen Jerusalem gerichtet ist. Die von
dieser Vision angekündigte Katastrophe wird durch Gebet,
155
Altarbau und Opfer abgewendet (1 Chr 21,17-27). Die ausgereckte Hand ist ein Drohgestus, durch den David gewarnt
wird.
Ein Drohgestus ist die ausgereckte Hand (ni~~) ii)
auch im grossen Kehrversgedicht aus Jesajas Frühzeit (9,720; 5,25-30), bei dem die einzelnen Abschnitte mit der
Zeile schliessen :
"Bei all dem kehrt sein Zorn nicht um
noch ist seine Hand ausgereckt" (Jes 9,11.16.20; 5,25;
vgl. 10,4).
In Jes 31,3 reckt Jahwe seine Hand aus (Hif.), "da strauchelt der Helfer und der, dem geholfen wird, stürzt .•. "
Der Zusammenhang zwischen der ausgereckten Hand und dem
Stürzen wird hier nicht deutlich beschrieben. Das sonst
übliche "gegen" fehlt. Die ausgereckte Hand zeitigt aussergewöhnliche Wirkungen. Das tun die Gesten Gottes oft.
Sie erhalten dadurch einen Zug ins Numinose (vgl. "Jahwe
brüllt vorn Zion ... und die Weideplätze der Hirten wel~
ken •.• " Arnos 1,2; "Er berührt die Berge und sie rauchen"
Ps 104,32). Wie Jahwes Schelten (iVJ) genügt, um die chaotischen Wasser unschädlich zu machen (Jes 50,2; Nah 1,4;
Ps 18,16; 104,7; 106,9) und feindliche Heere und Frevler
zu vertreiben (Jes 17,13; Ps 9,6), so genügt die drohend
ausgereckte Hand, die Bündnispartner Juda und Aegypten
untergehen zu lassen (vgl. auch Jes 23,11). Aehnlich wie
in Jes 31,3 verhält es sich mit Jer 6,12, wo jegliches
Unheil, das dem Land widerfährt, auf die ausgereckte Hand
Jahwes zurückgeführt wird.
Bei Jer 15,6 (vgl. 51,25), bei zwei Zefanja- (1,4; 2,
13) und acht Ezechiel-Stellen (6,14; 14,9.13; 16,27; 25,
7.13; 35,3) verhält es sich etwas anders. Hier reckt Gott
die Hand gegen (7V) ein Volk oder ein Land aus und macht
es zur Wüste (z.B. i17J7Jtt.I 1n)) , resp. rottet die Menschen
aus (ni~n; i7Jtt.IM).
An diesem Punkt scheinen sich die beiden Wendungen
,, rr7tt.I und,, M~) zu berühren, besonders wenn man Ex 3,20
oder 9,15 mit Jes 5,25a vergleicht, wo auf den Ausdruck
,, n?tt.1 (Ex 3,20; 9,15), resp.,, M~) (Jes 5,25a) beide
Male M~i1 (schlagen) folgt.
vorn je spezifischen Schwerpunkt der beiden Ausdrücke
her muss aber bezweifelt werden, dass sie hier schlicht
zusammenfallen. In Ex 3,20 resp. 9,15 schickt der Herr
seine Hand aus um zu schlagen. In Jes 5,25a bilden das
drohende Ausrecken der Hand und das Schlagen zwei verschiedene Vorgänge. Normalerweise folgt auf , , i1~) nicht
ein so konkreter, vorstellbarer Vorgang wie Schlagen, sondern ein umfassenderer wie "verwüsten", "ausrotten".
P. Hurnbert (Etendre la rnain, besonders S. 3S9-392) hat
den Unterschied zwischen ,, M7tt.1 und ,, i1~) hauptsächlich
darin sehen wollen, dass ,, i17tt.I eine banale menschliche
Geste mit teilweise auch positiven Wirkungen (vgl. Ps 138,7
156
und dazu Humbert, Ebd. 391), ,, ill!l) hingegen Gott und dem
von ihm Beauftragten reserviert sei und ausschliesslich
zerstörerische Funktion habe (vgl. auch van der Woude, jäd
Hand Sp 673). Das vorliegende Material kommt dieser Deutung Humberts recht weit entgegen. Aber mir scheint der
Hauptunterschied doch darin zu liegen, dass 1i n?W rein
funktionalen (Boten)-Charakter hat, während,, ill!l) ein eigenständiger Gestus ist.
,, n?W als der bedeutungsärrnere erscheint zwar in der
Regel in profanen zusammenhängen, kann aber auch von Gott
verwendet werden (vgl. Ex 3,20; 9,15; 24,11; Ez 8,3; Ps
138,7), umgekehrt erscheint ,, ill!l) in Ijob 15,25 als
menschlicher Droh- und Irnponiergestus in Parallele zu
l~)nil "sich gegenüber jemandem als Helden, als überlegen
aufspielen". In Ez 30,25 reckt der babylonische König seine Hand (oder sein Schwert; das fern. nnl~ kann sich auf
beide beziehen) gegen Aegypten und Jahwe zerstreut die
Aegypter unter die Völker. Jahwe führt eine Drohung des
Babelkönigs aus. Man kann den König von Babel hier mit
Humbert natürlich als Beauftragten Jahwes sehen, der seine Hand im Auftrag Jahwes ausreckt, wie Mose in Ex 9,22;
10,12 usw.; Aaron in Ex 7,19; 8,2; Josua in Jos 8,18.26
und der Bote Jahwes in 1 Chr 21,16 und 1i ill!l) so für Jahwe
und seine Beauftragten reklamieren. Aber Ijob 15,25 und
der Vergleich von 1 Chr 21,16 mit 2 Sam 24,16 zeigen, dass
nicht die Person für die Wahl von ill!l) oder n?W ausschlaggebend ist,und ich möchte ~o nicht mit Humbert den weittragenden Schluss ziehen : "L'analyse lexicographique manifeste donc, dans le cas qui nous occupe, la distinction
biblique classique et radicale de Dieu et de l'homme, du
divin et de l'hurnaih, du sacre et du profane" (Ebd. 392 f.;
zu einem ähnlichen Versuch Hurnberts vgl. Qana en hebreu
biblique, und die Kritik bei de Savignac, Note sur le sens
du verset VIII 22 des Proverbes 430 f., Anrn.l).
Der Bedeutungsunterschied zwischen den beiden Ausdrücken scheint mir, wie gesagt, vielmehr der, dass
,, n?W stets Teil einer Handlung ist und das Subjekt von
1i il?W und dasjenige der Handlung, zu der die Hand ausgesandt wurde, das gleiche sind, während bei ,, ill!l) einer
(z.B. der König von Babel, Ez 30,25) die Hand ausreckt und
ein anderer (z.B. Jahwe Ez 30,25) etwas tut.
Die ausgereckte Hand ist mehr als ein blosser Drohgestus. (Ein blosser Drohgestus und nicht mehr ist das
wilde Schwingen (~I) und Derivate) der Hand gegen jemanden;
vgl. Jes 10,32; 11,15; 19,16; Sach 2,13; Ijob 31,21). Er
signalisiert überdies einen herrscherlichen Willen, einen
Plan, der ausgeführt werden will.
In Jes 14,26 f. schliesst der Spruch über den Schwur
Jahwes, in dem der Untergang Assurs angekündigt wird, mit
den Worten
157
"Dies ist der Ratschluss, der über die ganze Erde beschlossen ist
und dies die Hand, die ausgereckt ist über alle Völker.
Ja, Jahwe der Heerscharen hat beschlossen und wer vereitelt (seinen Ratschluss)
und seine Hand, die ausgereckte, wer biegt sie zurück ?"
1i n~j hat an dieser Stelle eine gewisse Affinität zur
MOi 1i. Etwas MOi 1i~ tun besagt, etwas vorsätzlich und
ganz bewusst tun (Ex 14,8; Num 15,30; 33,3; Damaskusschrift 8,8; 10,3; 19,21; 1 QS 5,12; 8,17.22; 9,1). In
Ex 14,16 wird Mose in einem feierlichen Moment aufgefordert 11, nK M~j) 1~0-nK OiM. Der erhobene (011) Stab steht
so parallel zur ausgereckten Hand.
Der Aspekt der herrscherlichen Willenskundgebung, der
dem Ausdruck 1i n~j eigen ist, unterstreicht auch Spr. 1,
24. Humbert hat die Stelle, in der die personifizierte
Weisheit spricht, kaum beachtet : ini~j 1jKOn1 inKiv 1vi
~iwvo 1iK1 1i. Der Kontext redet von der Weisheit, die in
ihre Zucht ruft und ihre Gedanken kundtut. Sie ruft, aber
man weigert sich (zu hören; vgl. Jes 50,2; 65,12; 66,4),
sie reckt ihre Hand aus aber man achtet nicht darauf. Die
ausgereckte Hand ist hier nicht nur Ausdruck einer n~v
wie in Jes 14,26 f. sondern zugleich Aufforderung, auf
diese n~v einzugehen. Man könnte die ausgereckte Hand natürlich auch in diesem Zusammenhang als Drohung interpretieren (die nicht beachtet wird) . Aber der Kontext legt
diese Deutung nicht nahe. 1i n~j ohne ?V signalisiert primär eine Absicht, einen Plan (Jes 14,26 f.).
Nach Humbert bedeutet diese Willenskundgebung stets
Unheil. Aber was den einen Unheil bedeutet, kann den andern zum Heil sein. So löst der durch den ausgereckten
Arm signalisierte Plan (Jes 14,26 f.), Assur zu zerstören
und das Joch von Israel zu nehmen bei den Hörern des Propheten sicher Freude aus. Deutlich wird die Ambivalenz
auch in Ex 7,5 :
inK~1n1 oi1~0 ?V ,,, nK in1~j~ n1ni ijK ,~ oi1~0 1v1i1
0~1no ?Kiwi ij~-nK
Eine ganz ähnliche Stelle mit 1i M?W, nämlich Ps 138,7
"ou le geste est hostile aux ennemis, mais par la meme benefique pour le Psalmiste" dient Humbert (a.a.O. 391) dazu, die Ambivalenz von 1i n?w im Gegensatz zum angeblich
eindeutig negativen Sinn von 1i n~j darzutun.
Als Ausdruck eines herrscherlichen Willens, der die
verschiedensten Mächte zum Handeln veranlasst, erscheint
die ausgereckte Hand in den Auszugstexten (Ex 8,2; 9,22;
10,12; 10,21 f.; 14,21.26 f.; 15,2). Dabei wird die Autorität dieser Hand noch durch den Stab (M~O) unterstrichen,
den sie gelegentlich hält (Ex 8,1; 9,23; 10,13; 14,16).
Er ist, wie schon die Etymologie andeutet, eine Art Verlängerung der Hand, er verstärkt und erweitert ihre Hand-lungsmöglichkeit. Auf die Parallelisierung von Stab und
158
Hand in Ex 14,16 wurde schon hingewiesen. Sie liegt auch
in den beiden Beglaubigungswundern vor, die in Ex 4,1-9
erzählt werden. Der Stab, der zur Schlange und dann wieder
zum Stab wird, und die Hand, die aussätzig und dann wieder
gesund wird, demonstrieren beide, die dem Mose verliehene
Möglichkeit, seine Macht (Hand, Stab) zu einer gefährlichen Macht werden zu lassen (ähnlich Rickert, Der Stab
Gottes 539).
Als Symbol der Macht ist er ein Attribut der vornehmen.
Siegel, Schnur und Stab muss Juda der Tarnar als Pfand hinterlassen (Gen 38,18.25). Einen Stab trägt der Königssohn
Jonatan (1 Sam 14,27.43) und natürlich der König selber
(Ps 110,2; Jer 48,17; Ez 19,11).
Der Gestus der ausgereckten Hand mit oder ohne Stab
dürfte von dem des ausgereckten Arms (n~1~~ V1il), der für
Dtn typisch ist, aber in der späteren Literatur auch sonst
vorkommt (vgl. die Stellensammlung bei Weinfeld, Deuteronorny 329), kaum verschieden sein. Beide signalisieren Macht
und die feste Entschlossenheit, dieser Macht zum Sieg zu
verhelfen.
Die ausgestreckte, resp. erhobene Hand in Aegypten
Der hochgereckte Arm erscheint mit offensichtlich ähnlicher Bedeutung auch in der ägyptischen Ikonographie und
Literatur. Besonders häufig ist er bei den Göttern Min,
Arnon, Horus und bei dem mit letzterem identifizierten König zu sehen. (Diesen Hinweis verdanke ich Prof. H. Brunner, Tübingen) .
Schon auf einer frühgeschichtlichen Scherbe im Aegyptischen Museum in West-Berlin (Inventar Nr. 15454; vgl. K.
Sethe, Urgeschichte und älteste Religion der Aegypter,
Leipzig 1930 166 Anrn.2) erscheint Min mit hochgerecktem
Arm und der "Geissel" darüber. Obgleich in den Beschreibungen regelrnässig gesagt wird, er halte sie in der Hand,
resp. schwinge sie über seinem Haupt (vgl. z.B. Bannet,
Reallexikon 461; w. Helck / E. Otto, Kleines Wörterbuch
der Aegyptologie, Wiesbaden 1956 226), erscheint die
"Geissel" auch in den zahllosen klassischen Darstellungen
(Abb.73), ja selbst noch in den Bronzen der Spätzeit (z.
B. H. Fechheirner, Kleinplastik der Aegypter, Berlin 1921
Taf. 123) über der erhobenen Hand und ist mit ihr einzig
durch Gedankengesellung verbunden (vgl. dazu Schäfer, Von
ägyptischer Kunst 167 f.). Die normierende Kraft einer
archaischen Darstellung scheint hier durch Jahrtausende
prägend gewirkt zu haben. Wenn es sich nicht um eine Götterdarstellung gehandelt hätte, wäre eine Entwicklung wie
beim Sternbild "n ( "Abwehrer", vgl. Errnan/Grapow, Wörterbuch I 189) wohl unvermeidlich gewesen.
159
In der ältesten bekannt.en Version aus dem Grabe Seti' s
I. hält cn ähnlich wie Min die Hand erhoben (Abb.74). Im
Gegensatz zu Min auf Abb.73 hält cn sie zur Faust geballt.
Man könnte die Haltung. der Figu~ mit der dtr Wendung
n~l~J Ylil~I nvlM i~~ (Dtn 4,34; 5,15; 26,8; siehe Weinfeld, Deuteronomy 329) beschreiben. Im Ramesseum (Ramses
II., Sohn und Nachfolger Seti's I.) ist Cn mit dem Falkenkopf und der Sonnenscheibe des Horus ausgestattet und eine
Lanze über seinen Händen angebracht (Abb.75). In derleider stark zerstörten Version aus Medinet Habu (Ramses III.)
hält er die Lanze fest in seinen Händen und zu den Horusattributen ist noch der"'Z'eremonielle Stierschwanz des Königs getreten (Abb.76).
In der Literatur wird das Attribut "mit starkem", resp.
"erhobenem Arm" (!:m~ c) vor allem Horus und dem häufig mit
ihm identifizierten, resp. verglichenen König zuteil. Im
Wadi Maghara (Sinai) erscheint das Prädikat "Horus mit
erhobenem Arm" neben Cheops und Pepi I., wie sie dievKeule
über dem Köpf ihrer Feinde schwingen (Gardiner/Peet/Cerny,
Inscriptions of Sinai I Taf. 2, Nr. 7 und Taf. 8, Nr. 16).
Auf einer Stele des Mittleren Reiches im Louvre (C 30)
führt sogar Min den Titel ~r ~m~ c
(Sethe, Lesestücke
S. 65, Z.18). Thutmosis III. zieht zur Schlacht von Meg iddo aus "wie Horus mit erhobenem Arm (.!:m~ c) , ein Herr
der Tat (nb lr l9t) (Sethe, Urkunden IV 657, Z. 7). In
einer Inschrift aus Karnak wird Merenptah als "stark an
Kraft, mit erhobenem Arm, der seine Feinde niederwirft
(shr ~ftlw.f)" (vgl. Jes 5,25a) gepriesen ffrman/Grapow,
Wörterbuch. Belegstellen zu Bd. 5, S. 367
; vgl. Wreszinski, Atlas II Taf. 182).
Neulich hat M. Weinfeld (Deuteronomy 329)
nvlM i~
n~l~J Ylill von der ägyptischen Königshymnik herleiten
wollen. Er verweist dazu auf den Ausdruck pg gr.t ("die
Hand ausstrecken"; vgl. Gaballa, Minor War Scenes 87, Fig.
SA, wo es vom Pharao heisst, er sei "stark ohne Seinesgleichen, er, dessen Hand ausgestreckt ist"; vgl. auch
Nelson, Earlier Historical Records Taf. 18,2 pd ' und
Taf. 28, 62 pd lmn.t).
Eine genaue Analogie zur formelhaften Wendung in den
deuteronomisch-deuteronomistischen Texten bildet keine der
oben genannten ägyptischen Wendungen. Es ist vielleicht
richtiger statt einer Beeinflussung durch die Literatur
eine solche durch die Ikonographie anzunehmen (vgl. das
Material bei D. Collon, The Smiting God, in : Levant 4
(1972) 111-134). Ein so naheliegender Gestus wie das HandAusrecken kann allerdings auch in Aegypten und in Israel
unabhängig voneinander entstanden sein. Immerhin könnte die
Herkunft der Wendung von ägyptischen Götter- und Königsdarstellungen erklären, warum in Israel nur Gott, Könige
oder Führergestalten mit ausgerecktem Arm vorgestellt werden. Auf eine von P. Humbert postulierte typisch israeliti-
160
sehe radikale Trennung zwischen göttlicher und menschlicher Sphäre (vgl. Etendre la main 392 f.) für den verschiedenen Gebrauch von i~ n?w und i~ n~) könnte man dann
verzichten.
Was die Bedeutung anbelangt, so wird der ausgereckte,
resp. erhobene Arm bei Min ähnlich wie der erigierte Phallus überschäumende Kraft signalisieren. Diese ist ganz natürlich mit Freude verbunden. Als Ausdruck der Freude und
des Jubels ist der erhobene Arm in der hnw-Haltung zu deuten (Abb.77) (vgl. Erman/Grapow, Wörterbuch II 493; Keel,
AOB Ps 313). Kraft und Jubel können sich angesichts des
Feindes zur Siegesgewissheit steigern und für den Feind
zu einer Drohung werden (vgl. Abb.74). Die ausgereckte
oder hoch gereckte Hand (M~) scheint in der Regel eine
horizontale, nicht eine vertikale Bewegung anzudeuten,
doch zeigen Ausdrücke wie "den (gewölbten) Himmel" oder
"das Zelt ausspannen", dass es vor allem um ein "Ausstrecken" geht; vgl. Köhler, Lexicon 611 f.) als Drohgestus und als Ausdruck der Macht und des Willens zum
Triumph ist in Aegypten und im AT häufig.
Weniger häufig und eindeutig ist die ausgereckte Hand
als Ausdruck der Weisung, resp. des Befehls. Immerhin werden in Aegypten Befehle nicht selten mit ausgereckter
Hand erteilt (vgl. Müller, Darstellungen von Gebärden
64 f., 69-76). So erteilt etwa der Vorsteher der Vogelfänger den' Befehl, ruhig zu sein, mit ausgestrecktem Arm
(Abb.78). Im gleichen Zusammenhang kann der Arm auch steil
in die Höhe gereckt werden (vgl. J. Capart, Une rue de
tombeaux a Saqqarah, Bruxelles 1907 Taf.37).
ABBILDUNGEN
162
1
Rollsiegel aus der Akkadzeit, New York, Privatsammlung (Boehmer,
Die Entwicklung der Glyptik Nr. 953 und Abb.384 auf Taf.32; Pritchard, ANEP Nr. 525). 35
2
Rollsiegel aus der Akkapzeit, Paris, Louvre (Delaporte, Catalogue
des cylindres orientaux. Musee du Louvre II 113 und Abb.l auf Taf.
74; Boehmer, Die Entwicklung der Glyptik Nr. 957 und Abb.385 auf
Taf.32). 35
~3
3
Rollsiegel aus der Akkadzeit, Chicago, Oriental Institute (Pritchard, ANEP Nr. 526; Boehmer, Die Entwicklung der Glyptik Nr. 951,
Text 65-69 und Abb.382 auf Taf.32). 36, 42
4
Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit, Chicago, Oriental Institute
(Frankfort, Stratified Cylinder Seals 34 und 46, Abb.770 auf Taf.
70; Parrot, Sumer Abb.384). 35, 42
164
5
Rollsiegel aus der Ur-Jil-Zeit, Sammlung E.T. Newell (von der Osten,
Ancient Oriental Seals 25, Nr. 127, und Abb.127 auf Taf.12). 36, 43
6
Reliefierter Sockel aus frühdynastischer Zeit (Mesilim-Zeit) aus
Tell Loh, Paris, Louvre (Strommenger/Hirmer, Fünf Jahrtausende Mesopotamien 63, Taf.44 oben). 36, 43
7
Fragment einer Stele des Sargon von Akkad aus Susa, Paris, Louvre
(Strommenger/Hirmer, Fünf Jahrtausende Mesopotamien 73 und Taf.115;
·Parrot, Sumer Abb.209; Moortgat, Die Kunst Taf.125). 36, 43
165
8
Rollsiegelabdruck vom Ende der Ur-III-Zeit, Stil noch akkadisch,
Bagdad (Frankfort u.a., The Gimilsin Temple 202f., 215 und Abb.
100 B; Moortgat, Die Kunst Taf.N, Abb.2). 37
9
Ausschnitt aus einem Wandgemälde aus altbabylonischer Zeit aus Mari,
Paris, Louvre (Parrot, Les peintures du palais de Mari 335-346,
Taf.39, Abb.8; Parrot, Sumer Abb.346). 38, 42, 76
166
10
(links) Ausschnitt aus einem Rollsiegel aus altbabylonischer
Zeit, Bagdad (Pritchard, ANEP Nr. 699; Parrot, Sumer Abb.380). 38
11
(rechts) Fragmentarisch erhaltenes Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit, New York, Pierpont Morgan Library (Porada, The Collection of the Pierpont Morgan Library Nr. 455, Abb.455 auf Taf.
64). 38, 42
12
Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit, Sammlung E.T. Newell (von
der Osten, Ancient Oriental Seals Nr. 155, Abb.155 auf Taf .14;
Frankfort, Cylinder Seals 158, 167f., l77, Taf.28 d). 39, 43
~7
13
Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit aus Susa, Paris, Louvre
(de Mecquenem/le Breton/Rutten, Archeologie Susienne Taf.9,
Abb.4l Parrot, Sumer Abb.383; Amiet, Glyptique susienne Nr. 1769,
Abb.1769 auf Taf.162). 40, 426
14
Fragment einer Weihplatte aus frühdynastischer Zeit (Uebergang
von der Mesilim zur Ur-I-Zeit) aus Chafadschi (Iraq), Bagdad
(Boese, Altmesopotamische Weihplatten 178 CN 6 und Abb.2 auf
Taf.12; Frankfort, More Sculpture from the Diyala Region Nr.
315, Abb.315 auf Taf.64). 40
~8
15
Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit, New York, Pierpont Morgan
Library (Porada, The Collection of the Pierpont Morgan Library
Nr. 430 und Abb.430 auf Taf.61). 40, 45
16
Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit, New York, Pierpont Morgan
Liprary (Porada, The Collection of the Pierpont Morgan Library
Nr. 383, Abb.383 auf Taf.55). 40, 446
169
17
Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit im provinziellen Stil Anatoliens, New York, Pierpont Morgan Library (Porada, The Collection
of the Pierpont Morgan Library Nr. 882, Abb.882 auf Taf.133). 4366
!;=;;;;;;;;;;:;~
c;:;:;:;;;;=~
f)
>
t===-=
18
Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit im provinziellen Stil Anatoliens, New York, Pierpont Morgan Library (The Collection of the
Pierpont Morgan Library Nr. 874, Abb.874 auf Taf.132). 4366
170
19
Rollsiegelabdruck aus Mari aus altbabylonischer Zeit, Damaskus
(Parrot, Mission archeologique de Mari II. 3 189f., Taf.4lf.;
Amiet, Notes sur le repertoire iconographique 229f., Abb.12).
4466
20
Syrisches Rollsiegel aus altbabylonischer Zeit, New York, Pierpont Morgan Library (Porada, The Collection of the Pierpont Morgan Library Nr. 958, Abb.958 auf Taf.145). 44-47
171
2la (links) Skarabäus Thutmosis III., London, Britisches Museum
(Hall, Royal Scarabs 109, Nr. 1109). 55
2lb (rechts) Skarabäus Thutmosis III., London, Britisches Museum
(Hall, Royal Scarabs 109, Nr. 1110). 55
22
Elfenbeinschnitzerei Thutmosis IV. aus el Amarna, Berlin-West,
Aegyptisches Museum (Borchardt, Ausgrabungen in Tell el-Amarna
31-33 und Bl.5; Kaiser, Aegypt. Museum Berlin Nr. 590). 58, 63
172
23
Felsrelief des Cheops im Wadi Maghara (Sinai), jetzt zerstört,
einige Fragmente in Kairo (Gardiner/Peet/Cerny, Sinai Inscriptions
I Taf.3, Nr. 7; Dies., Ebd. II 57f.). 556
24
Fragmentarisch erhaltenes Relief Pepi.'s II. aus seinem Totentempel,
Kairo (Jequier, Le monument funeraire de Pepi II. Bd. II Taf.36).
56
173
25
Felsstele Amenhotep's III., an der alten Strasse von Assuan nach
Philae (de Morgan, Catalogue des monuments I.l, s. 4). 586
26
Relief Schoschenk's I., Karnak, südliche Aussenwand des l.Vorhofs
(Hughes/Nims u.a., Reliefs and Inscriptions at Karnak III. The
Bubastite Portal Taf.3). 60, 62
174
27
Rollsiegel Ramses II. aus Bet-Schean, Jerusalem, RockefellerMuseum (Rowe, A Catalogue of Egyptian Scarabs 252f., Nr. 561 und
Taf.28 oben~ Pritchard, ANEP Nr. 338). 6466, 117, 141
28
Goldblattfragment des Pharao Eje, Kairo (van de Walle, Les rois
sportifs 250, Fig.3). 6466, 117, 141
175
30a Felsstele Ramses II. beim Nahr el Kelb (Libanon)
Denkmäler und Inschriften 19-21 , Taf . 9) . 676
(Weissbach , Die
176
29
Skarabäus aus der Zeit Ramses II. aus Bet-Schean, Jerusalem,
Rockefeller-Museum (Rowe, The four Canaanite Temples I 83 und
Taf.36, Nr. 23; Rowe, A Catalogue of Egyptian Scarabs Nr. 578
und Abb.578 auf Taf.15). 66
30b Felsstele Ramses II. beim Nahr el Kelb (Libanon) (Weissbach, Die
Denkmäler und Inschriften 2lf., Taf.6, Abb.6). 676
177
31
Ausschnitt aus der Innenseite einer Silberschale aus Kurion,
(Zypern), New York, Metropolitan Museum (Perrot/Chipiez, Histoire
de l'art III Abb.552; Bessert, Altsyrien Nr. 310; Zeichnung nach
Photo des Metropolitan Museum). 68
32
Ausschnitt aus der Innenseite einer Bronzeschale aus Nimrud (Iraq)
London, Britisches Museum (Layard, The Monuments of Niniveh II
Taf.61 B; Frankfort, The art and architecture 325, Abb.387). 68
178
33
Stelenfragment Seti's I. aus Qadesch (Syrien), Aleppo (Loukianoff,
Stele du pharaon Seti Ier 101, Abb.l; Pritchard, ANEP Nr. 317). 70
34
Oberer Teil einer Stele Ramses II. aus Bet-Schean, Philadelphia,
University Museum (Rowe, The Topography and History of Beth-Shan
Taf.46; Pritchard, ANEP Nr. 321). 70
179
35
Relief aus dem Tempel Seti's I. in Abydos (Calverley/Broome, The
Temple of King Sethos IV Taf.9). 62, 71
36
Oberer Teil einer Stele Merenptah's aus seinem Totentempel in
Theben, Kairo (Petrie, Six Temples Taf.13 und 14; ANEP Nr. 342
und 343). 716
180
37
Relief Ramses' III. aus Medinet Habu (Nelson, Earlier Historical
Records Taf.13). 72
181
38
(links) Dolch aus Luristan, Persien (Godard, L'art de l'Iran 74,
Fig. 106; von der Osten, Die Welt der Perser Taf.28). 18
39
(rechts) Axtfassung und Klinge aus Ugarit, Aleppo (Schaeffer,
Ugaritica I Fig. 100-103, 109; Strommenger/Hirmer, Mesopotamien
Taf~ XXXIV). 78
40
Reliefierter Keulenkopf,
Kopenhagen (Frankfort,
Art and architecture 68,
Abb.71).
79
182
41 Ausschnitt aus einem Relief
Pepi's II. aus seinem Totentempel, Kairo {Jequier, Le
monument funeraire de Pepi II
Taf.46f.). 79
11
1
1
43 Ausschnitt aus einem Relief
Ramses' II. aus dem Ramessem
in Theben (Lepsius, Denkmäler VI, Taf.165). 79
,~~
:
1
~
42 Sichelschwert aus Byblos,
Beirut (Montet, Byblos et
l'Egypte 173, Taf.101, Nr. 652).
79
183
44
Relief Ramses' III. aus Medinet Habu (Hughes, Medinet Habu VI.
The Temple proper II Taf.447). 97
45
Syrisches Rollsiegel aus
dem 2. Jahrt.v.Chr.,
Oxford, Ashmolean Museum
(Buchanan, Cylinder Seals
Nr. 858).
98
184
46
Relief aus der Mastba des Ptahhetep in Saqqara (Davies, The Mastaba of Ptahhetep I 9 und Taf.3).
99
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Relief Ramses' III. aus Medinet Habu (Nelson, Later Historical
Records Taf. 121 C).
99
las
48
Felsstele Amenhotep's III. an der alten Strasse von Assuan nach
Philae (de Morgan, Catalogue des monuments I. 1, S. 5; Lepsius,
Denkmäler V Taf.81 h).
700
49
Prunkschild aus dem Grab des Tutanchamon, Kairo (Desroches-Noblecourt, Tut-ench-Amun 79). 100
186
50
Goldblattfragment aus dem Grab des Tutanchamun, Kairo (DesrochesNoblecourt, Tut-ench-Amun 202, Abb.121). 101
_0Jl.::J~if!Rf?:+~\i4~-­
HIK
51
Felsrelief aus der Zeit Seti's I. an der alten Strasse von Assuan
nach Philae (de Morgan, Catalogue des monuments I. 1, s. 28,
Nr. 5; Lepsius, Denkmäler VI Taf.141 h). 1016 104
187
52
Stele aus der Zeit Ramses' II. aus Deir el Medine, Kairo (Bruyere,
Deir el Medineh (1935-1940) XX. 3, S. 62, Abb.4). 102, 104
53
Skarabäus vom Tell Masos (Israel) aus der Zeit Seti's-II. (Aharoni/
Kempinski/Fritz, Vorbericht 203 und Taf.23 A). 1026, 104
188
1
i
)
54
Relieforthostat aus Assur, Berlin-Ost (Reicke/Rost, BiblischHistorisches Handwörterbuch I Sp. 590; Pritchard, ANEP Nr. 535).
108
55
Fragment eines
reliefverzierten
Büchsendeckels aus
Assur, Berlin-Ost
(Moortgat, Die
Kunst Abb.244).
108
189
57
Relieffragmente aus dem Totentempel des Ne-user-re', Kairo (v.
Bissing, Das Re-Heiligtum II Blatt 18, Nr. 44c (oberes Bild) und
Blatt 19, 45b (unteres Bild)).
1146
190
56
Relief Thutmosis III. aus Karnak (Lepsius, Denkmäler V Taf.36b).
113
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L
-
'
........
a
Relief Taharqa's in Karnak (Zeichnung nach Prisse d'Avennes,
Monuments egyptiens Taf.33; Photo : Oriental Institute Photograph
33982). 115-118
191
192
59
Reliefierter Elfenbeinstab aus Megiddo, Chicago, Oriental Institute (Loud, The Megiddo Ivories Taf.22, Nr. 125). 128
193
60
(links) Bronzefigur aus Enkomi-Alasia (Zypern) Nikosia (Dikaios,
The Bronze Statue 31, Fig.18; Karageorgis, Cyprus Abb.95).
128
61
(rechts) Bronzefigur aus Enkomi-Alasia (Zypern) Nikosia (Schaeffer, Götter der Nord- und Inselvölker 59 Abb.l; Karageorgis,
Cyprus, Abb.65).
128
62
Relief aus dem Tempel des Hatschepsut in Deir el Bahri, BerlinOst (Lepsius, Denkmäler V Taf. 17a). 130
63
Skarabäus Amenhotep's II., London, Britisches Museum (Hall, Scarabs 162 Nr. 1643). · 130
195
64
Rotbemalte Stirnpartie eines Bovidenschädels aus Megiddo (May ,
Material Remains 23 und Taf . 19 (M 4966) , Oriental Institute
Photograph 59226) .
733
196
65
Rollsiegel aus Hierakonpolis (Quibell, Hierakonpolis I Taf.15,2).
147
66
Ausschnitt aus einem syrischen Rollsiegel, Paris, Sammlung de
Clercq (Frankfort, Cylinder Seals Taf.42f.). 148
197
67
Syrisches Rollsiegel, Oxford Ashmolean Museum (Buchanan, Catalogue of Ancient Near Eastern Seals Nr. 871). 148
68
Teil einer Stele von Tell el Mas'chuta, Hyksoszeit (68a), unter
Seti I. überarbeitet (68b), Kairo (Daressy, Monument du temps des
Hyksos 264f., Fig.5 und 6). 148
198
69
Stele aus der 18. Dyn. (?) aus Deir el-Medine (?), Turin (Tosi/
Roccati, Stele e altre epigrafi 139 Nr. 50121). 149
70
Relief Ramses' III. aus Medinet Habu (Nims, The Eastern High Gate
Taf. 625).
1496
199
71
Relief Seti's I . aus Karnak (Wreszinski , Atlas II Taf .48) . 150
200
72
Linke Hälfte des oberen Teils einer Stele Ramses' II. aus Tanis,
Kairo (Yoyotte, Les steles de Ramses II Taf.8). 150
201
73
Relief Ramses III. aus Medinet Habu (Hughes, Medinet Habu VI.
The Temple proper II Taf.366). 158
202
74
Ausschnitt aus einem Deckenbild aus dem Grab Seti's I. im Tal der
Könige (Westendorf, Das Alte Aegypten 174-175~ A. Lhote, La Peinture egyptienne, Paris 1954, Abb.6}. 759
75
(links} Ausschnitt aus einem
Deckenbild Ramses II. in
seinem Totentempel (Ramesseum} (Hughes, Medinet Habu
VI. The Temple proper II
Taf.478). 159
76
(rechts} Ausschnitt aus einem
Deckenbild Ramses III. in Medinet Habu (Hughes, a.a.O.,
Taf.476}. 759
203
77
Relief Ramses III. aus Medinet Habu (Hughes, a.a.o., Taf.422).
1.60
204
78
Ausschnitt aus einem Grab des Alten Reiches (Müller, Darstellungen von Gebärden 73, Abb.14; J. Capart, Une rue des tombeaux a
Saqqarah, Bruxelles 1907, Taf.86). 160
Die Abbildungen 1-7, 9-13, 15-22, 27, 30a, 31-32, 34-36, 38-39, 42,
45, 49, 53, 55, 60-61, 63, 66-67, 69, 72, 74 hat Hildi Keel-Leu gezeichnet. Die übrigen stammen jeweils aus dem ersten Werk, das in
der Bildlegende als Quelle genannt ist.
Die kUJr.O~v getich.!Uebenen Zahlen bei den Bildlegenden beziehen sich
auf die Seiten im Text, wo auf das betreffende Bild eingegangen wird.
STELLENREGISTER
206
Gen
3,22
4,15
8,9
9,20-27
19,1
19,10
19, 15
21,17-20
21,17
22,7
22,10
22,12
28
31,11-13
31,11
34,26
35,22
37,3
37,22
38,18
38,25
48,14
49,3f
49,24
153
791
153
16 2
82
153
82
84
82
154
153
154
154
83 3
84
82
78 1
16 2
132 2
154
158
158
154
16 2
126 2
7,20
8,1-2
8,1
8,2
8,12-13
9,15
9,22-23
9,22
9,23
10,12-13
10,12
10,13
10,21-22
14,8
14,16
Ex
14,21
2,12
3 - 4
3,2
3,5
3,6
3,7-4,17
3,17
3,20
411-9
4,2-4
4,4
4,17
4,20
7,5
7,15
7,16
7,17
7,19-20
7,19
79 1
86
84
85
84
85
85
155
156
158
85
153
85
85
157
86
86
86
92 1
156.
14,26
14,27
14,31
15,2
17,3-6
17,6
17 ,8-13
86
92 1
19 2
157
156
157
92 1
155
156
921
156
157
86
157
92 1
17,8-16
17,9
17,11-13
17 ,11
17,12
156
157
86
157
921
157
157
86
921+ 2
104 1
153
157
158
921+3
1041
153
157
921+ 3
153
157
82
921+ 3
153
92 3
157
92
108
139
79 1
19
21 2
91-95
104
105
17,13
17,14
17,15
20,18
21,28
21,29
21,31
21,32
21,36
24,11
28,7
28,12
28,25
28,27
32
34,29-35
39,4
39,7
39,18
39,20
108
113
139
153
103
85
86
91
93
104 1
81
92
93
92
93
94
103-109
113
135
139-140
143
153
78 1
106
932
93
129 4
125 2
125 2
125 2
125 2
125 2
154
156
24
24
24
24
126
133 2
24
24
24
24
207
Num
15,30
23,22
24,8
33,3
157
126
127
126
127
157
8,21
8,24
8,26
Dtn
4,34
5,15
25,11
25,17-19
26,8
33,12
33,17
8, 19
159
159
153
94
106 4
159
241
126
Jos
1 - 9
2
5,13-15
6
6,2-5
7,2-5
7,16f.
8
8,1
8,2
8,2-8
8,18
85 3
21 1
82-88
138
147
9
84
184
18
17
95
103
1053
18
18
19
13-21
19
21 1
22
23
77-82
86
87f.
91
93
104 1
8,27
10,11
10,28LXX
10,35
17,14-18
24,11
24,12
136
147
153
156
19
20
19
771
13-21
22
23
77-82
86
87f.
91
93
104 1
113
135
136-138
141
143
147
153
156
80
82
771
so 2
1061
211
26
Ri
3,10
3,16
3,21
3,28
4,15
5,26
7,8
7,16-20
11,29
15,15
16,16
16,24
46 2
78 1
153
471
82
153
9
9
1294
46 2
153
79 1
47 1
18,11
18,16
18,17
19
19 - 20
19 - 21
19,18
19,23
19,27
19,28
20
20,l
20,5
20,ll
20,14
20,15
20,16
20,31
20,47
16 1
16 22
16
17
15
13
15
16
184
184
184
18
17
136
13
14
15
15
14
16 2
16 2
162
16 2
1 Sam
7
7,7-14
7,9
10,17
11,5
14,27
14,36f.
14,43
15
15,2
15,8
15,33
15,34
17,5-7
17,6
91
105 3
912
105 3
14
14
158
47
158
94
108
1064
77
78 1
79 1
80
14
26
22
23
24
25
208
17,7
17,29
17,45
17,51
18 - 22
22 ,6-19
22,17
23,4
24,7
24,11
26,9
26,11
26,23
27,8
28,6
30
30,lff.
136
24
153
22
23
26
136
146
23 4
15
14
154
47 1
154
154
154
154
154
94
108
411
108
94
2 Sam
1,14
2,26
5,19
5,24
6,5
6,6
6,16
10,18
11,25
15,5
18,12
22,35
24,16
154
791
47 1
82
87 2
87 2
154
87 2
79 1
78 1
153
154
133 1
154
156
17,1
18,46
20, 13
20,22-43
20,28
22,2-28
22,6
22,10
22,11
22,12
22,15
22,23
2 Kön
6,7
6,22
7,6
12,1-9
13,1
13,14-19
17,4
20,l
24,7
13,24f.
18,10
35,21
36,15f.
125
88
82
Neh
13,21
154
Est
2,21
3,6
6,7
8,7
9,2
154
154
154
154
154
Ijob
1,11
1,12
2,5
15,25
20,24
28,9
31,21
39,23
40,18
41,21
154
154
154
156
133
154
156
22
133
22
Ps
13, 8
13,10
14,15
15,28
21,16
21,17-27
121
129
126
153
120
141
113
153
26
121
1201
121
113
118-121
125
135
140-141
145
121
791
88
2 Chr
1 Chr
1 Kön
11,40
12,25-33
12, 28f.
13,4
13,22-25
791
462
47 1
121
47 1
1251
132 3
471
132
125
131-134
135
142
471
47 1
471
87 2
154
972
87 2
154
156
155
2,9
3,8
9,6
18,16
18,17
18,35
22,17
37,14f.
44,6
44,7
55,21
75,11
104,7
133
791
155
155
153
118
133 1
140-141
65 2
26
126
26
154
133
155
209
104,32
106,9
106,19-21
110,2
125,3
132,2
132,5
138,7
141,7
144,1
144,7
155
155
126
113 3
158
154
126 2
126 2
155
156
157
791
118
140
153
31,1-3
31,3
36,6
36,9
49,26
50,2
53,12
55,3-5
57,9
58,9
59, 8
60,16
65,12
66,4
145
155
145
145
1262
155
157
79 1
82
79 1
109 1
109
1262
157
157
Spr
1,24
6,12-15
6,13
8,22-36
157
109 2
109 1
143 1
Jer
1,9
1,18
6,12
6,.23
Hld
5,4
153
Sir
7,32
46,2
153
22
Jes
1,20
5,25-30
5,25
9,7-20
10,4
10,32
11,1
11,8
11,15
14,26f.
17,13
19,16
20
21,15
23 ,11
30,1-7
78 1
155
159
155
155
156
50
153
156
156
157
155
156
145
26
155
145
• 12, 12
15,6
20,15
25,29
28,10
28,12-14
37 ,5-11
46,10
46,14
46 ,16
48,12
50,42
51,25
153
133
155
22
23
26
31 3
136
791
155
78 1
791
133
133
88
791
78 1
78 1
158
22
26
136
155
Klgl
1.10
2,3
153
133
Ez
4,3
6,11
6,14
8,3
10,7
13,17-23
14,9
14,13
16,27
19,11
21,26
25,7
25,13
29 - 30
29,1-32
29,1
30,20-26
30,25
34,31
35,3
133
119
155
153
156
153
109
155
155
155
158
119
155
155
145
21
88
87
87f.
138
147
156
1252
155
Dan
8,4
8,7
11,40
11,42
126 2
133
126
154
Hos
1,7
2,15
2,17
2,20
7,3-7
7 ,11
7,16
8,4-6
8,4
9,1-6
9,1-9
26
14
14
26
14 3
121
145
121
126
143
15
14
15
210
9,9
10,9
10,10
13,2
13
143
15
17
18
13
14 3
15
16 2
17
18
15
126
Damaskusschrift
8,8
10,3
19,21
157
157
157
lQM
V,7
V,11
V, 12
V,14
VI,5
22
22
22
22
22
Am
1,2
155
Jon
4,9
79 1
Mich
4,13
133
155
155
155
Hag
1,13
82
Sach
2,13
9,5
157
157
157
157
22,11
78 1
Offb
Nah
1,4
5,12
8,17
8,22
9,1
Lk
Zef
1,4
2,13
~
156
26
12,5
78 1
211
Sachregister
Dieses kleine Sachregister ist nicht ais selbständiges Arbeitsinstrument sondern nur als Ergänzung zum Inhaltsverzeichnis und zum Stellenregister gedacht.
Aegypter im Negev
Bedeutung des Sichelsehwerts als
Ideogramm
103, 139 f.
Fingerausstrecken
35-38, 41, 49-51, 62, 70 f.,
75 ff.
99' 108 f.
Goliat's Sichelschwert
23-26
"Gott gibt den Feind in die Hand
des NN" ( "r 'I ::J. ( n.:i )
47 f.
"Hand Gottes-kam über NN"
<?v
1
7~
nn"n n1n„ .,.„>
Ikonographischer Weg
75 f., 81, 106, 121
Koine (ikonographische)
48 f., 88, 145, 147-151
Neuinterpretation
49, 58, 81, 105
NiedeJtschlagen (Sinnbild)
52-54, 100-102
Phönizier als Vermittler ägyptischer
Kultur
66-69, 143-145
"Schlagen mit der Schärfe des Schwertes''
c::i.1n "!:l::J. n::mi
77 ff.
Stab
85 f., 92, 157 f.
Stier
126-132
Traum des Merenptah
74 f.
Ueberreichen des Sichelsehwerts
58, 74 f., 82-88
Vorkommen des Sichelsehwerts in
Aegypten
Mesopotamien
Syrien/Palästina
31-34, 51-63, 136-138
27 f., 35-41, 136 f.
28-31, 41-51, 64-69, 136-138
Waffen als Raubtiere
78 f.
ABKUERZUNGEN UND VERZEICHNIS
DER ZITIERTEN LITERATUR
214
Abkürzungen
AOATS
Alter Orient und Altes Testament Sonderreihe, Kevelaer/Neukirchen.
AOB Ps
o.
Keel, Die Welt der altorientalischen
Bildsymbolik und das Alte Testament.
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BHH
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Hrsg. von B. Reicke und L. Rost, 3 Bde,
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MDAIK
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts. Abt. Kairo, Wiesbaden.
MUSJ
Melanges de l'Universite St-Joseph, Beyrouth.
OIP
Oriental Institute Publication, Chicago.
OrAnt
Oriens Antiquus. Rivista del Centro per le
Antichitä e la Storia dell'Arte del Vicino
Oriente, Roma.
VTS
Supplements to Vetus Testamentum, Leiden.
Im übrigen sind die Abkürzungen diejenigen von DIE RELIGION
IN GESCHICHTE UND GEGENWART I, Tübingen
3 1957, XVII-XXVII.
215
Verzeichnis der zitierten Literatur
ABEL F., L'apparition du Chef de l'armee de Yahveh ä Josue (Studia
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NACHTRAEGE
Zu den S. 28-30 :
Zusätzlich zu den 9 genannten Sichelschwertern aus Palästina-Syrien (1 aus Ugarit, 3 aus Byblos, l aus Beirut(?),
l aus Bet-Schean, 2 aus der Gegend von Sichern, l aus Gezer)
macht mich Frau Dr. Helga Weippert freundlicherweise auf
ein zehntes aufmerksam. G. Lankester Harding berichtet in
einem kurzen Aufsatz über neue Funde in Jordanien (Recent
Discoveries in Jordan, in : PEQ 90 (1958) 7-18) auf S. 10,
wie das in vier Stücke zerbrochene bronzene Exemplar ihm
von einem Flughafenangestellten kurz vor einem Abflug nach
London gebracht wurde. Das Schwert löste dann die Ausgrabung des Quadratbaus aus (vgl. J.B. Hennessy, Excavation of a Late Bronze Age Temple at Amman, in : PEQ 98
(1966) 155-162).
Zu den S. 53-54 :
Eine neue materialreiche Zusammenfassung der Geschichte
des Sinnbilds des Niederschlagens findet sich bei Ch. Desroches-Noblecourt/Ch .Kuentz, Le petit temple d'Abou Simbel I. Etude archeologique et epigraphique. Essai d'interpretation, Le Caire 1968, 167-168 und Anm. 178-189 und der
Nachtrag S. 241. Zu einer monumentalen Gestaltung des Sinnbilds durch Amenhotep IV. am 3. Pylon in Karnak vgl. R.
Sa'ad, Les travaux d'Amenophis IV au IIIe pyl6ne du temple
d'Amon Re'
a
Karnak, in : Kemi 20 (1970) 187-193. Zu einer
späten plastischen Gestaltung des Motivs vgl. L. Castiglione, Diocletianus und die Blemmyes, in : ZAeS 96 (1969/70)
90-103.
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