Sattelf,eckbuntbarsch

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essanten kleinen Zwergbuntbarsches hat mir groBe Freude und viel Spaß gemacht.
Literatur:
Koslowski, I (1980): ,,Aquarienbeobachtungen an Apistogramma spec nov., dem WangenfleckenApistogramma" DCG-lnfo ll (8): 151-154
(1983a): ,,Neues aus der Gattung Apistogramma " DCG'lnfo 14 (6): 101-110
(1983b): ,,Neue Farbtupfer aus der Gattung Apistogramma " Tl 64: 9-11
Kullander,S O (198Oa):,,Descriptionof anewspeciesof ApistogrammafromtheRioNladeirasystemin
Brazil " Bull. Zool. Mus. Univ. Amsterd. T:157-164.
(1 980 b) : ,, A tax o nomical study of the genus Apistog ramma Regan, with a
vian species " Bonn. Zool. Monogr. 14r 1-152
Metje, W-R (1983): ,,Apistogramma geisleri " DCG-lnfo 15 (3).
rev
ision of
B
razi I ian and Peru-
Schmettkamp,W ('1979):,,NeuesausderGattungApistogramma"DasAquariuml3(119):202-205
" Das Aquarium 14 1129):120-123
(1982): Die zwergcichliden Südamerikas. Hannover, S 176
(1980) : ,,Neues aus der Gattung Apistogramma
Sattelf,eckbuntbarsch
-
Acarichthys geayi
Rainer Stawikowski (D 460303)
ln den vergangenen Jahren wurde in der aquaristischen Literatur mehrmals über
den Sattelfleckbuntbarsch geschrieben. Schmettkamp schilderte 1979 (1) seine
Beobachtungen zur Pf lege und Zucht dieses Cichliden, Werner stellte ihn kurze
Zeit später (1980) noch einmal vor (2) - diesmal mit ,,zwei Gesichtern". Dabei
scheint mir die Frage, ob die beiden farblich und morphologisch unterschiedlichen Formen, die Werner auch abbildet, tatsächlich lediglich ,,Lokalformen" der
Art Acarichthys geal/ (PELLEGRIN, 1902) darstellen, nicht ohne weiteres mit einem ,,Ja" beantwortbar zu sein;die Vermutung, daß die hellere, gelbe,,Form" mit
der im Vergleich zur dunklen ,, Form" relativ f lachen Stirnprof illinie eine eigene Art
darstellt, ist inzwischen mehrfach geäußert worden. Doch kann die endgültige
Beantwortung dieser Frage wohl erst dann erfolgen, wenn genauere Untersuchungen, dabei auch Vergleiche von Exemplaren der hellen ,,Form" mit den Be-
schreibungstypen von Geophagus hareri GOSSE, 1975, durchgeführt worden
sind. Die schon von den oben genannten Autoren vertretene Auffassung, daß die
bekanntere und häuf iger im Aquarium gepflegte, damals noch in der Gattung Aequidens geführte, dunkle ,,Form" von Acarichthys geayr (nur von dieser soll im folgenden die Rede sein) völlig vom ,,Normaltyp" eines Aequidens abweicht und daher wohl besser in einer anderen Cichlidengattung unterzubringen sei, hat KUL-
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LANDER 1980 (4) bestätigt, indem er den Sattelfleckbuntbarsch in die Gattung
Acarichthys stellte, da er viel größere morphologische Ahnlichkeit en mil Acarichthys heckelii hat als mit irgendwelchen ,4egurdens-Arten.
Meine ersten A. geayi waren zehn schöne Nachzuchttiere. Vier Tiere gingen sofort an einen Freund weiter, sechs blieben bei mir. Glück muß man haben: Die vier
weitergegebenen Tiere entpuppten sich als zwei Paare, und kurze Zeit später
stellte sich heraus, daß auch die anderen sechs Exemplare drei Männchen und
drei Weibchen waren. Da ich ohnehin nur Platz für die Pf lege eines Paares hatte,
konnte ich nochmal vier Tiere weggeben. Die zurückbehaltenen Sattelf leckbuntbarsche hatten eine Größe von rund fünf (Weibchen) und etwa acht Zentimetern
(Männchen). Es zeigte sich bald, daß sie mit dieser geringen Größe bereits geschlechtsreif waren. Das ist aber eigentlich gar nicht so verwunderlich, denn A.
geayi soll mit 15 Zentimetern, nach einigen Literaturangaben sogar mit nur 12 bis
13 Zentimetern, schon ausgewachsen sein. Die Art stammt übrigens aus dem
nördlichen Südamerika, genauer: aus den Guyana-Staaten.
Da ich wußte, daß es sich bei A. geayium einen Höhlenbrüter handelt, richtete ich
das Aquarium von Anfang an mit einigen Versteckplätzen ein. Da die Tiere ja
noch relativ klein waren, bot ich ihnen halbierte Kokosnußschalen mit einem etwa vier Zentimeter durchmessenden Einschlupfloch. Das Paar nahm eine solche
Höhle sofort an. Ein Revier wurde so besetzt, daß die Kokosnuß im Zentrum lag;
in einem Umkreis von rund 30Zentimetern zog sich die Reviergrenze um die Höhle: Alles, was sich näher herantraute, wurde blitzschnell angeschwommen und
mit energischen Maulstößen in die Flucht geschlagen. Beide partner des eigentlich javöllig willkürlich zusammengesetzten Paares begannen dann bald mit dem
Ausbau der Laichhöhle: Die Tiere transportierten mit ihren Mäulern fast den gesamten Sand aus dem Höhleninnern, so daß nach wenigen Tagen der blanke
Glasboden des Aquariums freilag. Das Weibchen warzwareindeutig deraktivere
Teil bei diesen Laichvorbereitungen, doch half das Männchen zwischendurch immer wieder mit. Allmählich veränderte sich das schwarze Zeichnungsmusterauf
den Flanken der Tiere (der,,Sattelfleck" war nur noch als runder bis ovaler Punkt
vorhanden), und die Genitalpapillen traten bei beiden Fischen deutlich hervor.
Dann mußten die Tiere an einem Nachmittag abgelaicht haben, denn als ich
abends in das Becken schaute, hatte das Weibchen, das nun fast nur noch in der
Höhle saß, eine deutlich eingefallene Bauchlinie. Das Männchen durfte sich nicht
mehr im Höhleninnern sehen lassen. Seine Aufgabe bestand darin, das Revier gegen mögliche Eindringlinge zu verteidigen.
Die Eier von ,4. geayi s ind f ür einen Höhlenbrüter auffällig klein; s ie haben etwa die
Größe von ,,typischen" Offenbrütereiern. Genauso schnell entwickeln sie sich
auch: Schon nach knapp 70 Stunden fand ich die ersten zappelnden Larven am
Höhlenboden; sie lagen zwar in der hintersten und dunkelsten Ecke der Bruthöhle, aber mit Hilfe einer Taschenlampe konnte ich sie doch einigermaßen gut se-
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hen (wenn ich meinen Kopf ein wenig verrenkte). Mit einem Schlauch stahl ich
den Eltern ein rundes Dutzend Larven, um deren Entwicklung zum frei schwimmenden Jungfisch besserverfolgen zu können. Das Weibchen griff den Schlauch
zwar nicht an, aber es umschwamm ihn sichtlich erregt Als ich den Schlauch
dann wieder aus der Höhle zog, stürzte das Weibchen förmlich hinein und begann, die verbliebenen Larven im Maul aus der Höhle zu tragen. Es deponierte sie
kurz entschlossen in einer Steinritze unweit der Bruthöhle. Dort verblieben die
Larven bis zu ihren ersten Schwimmversuchen.
Die Eier des Sattelfleckbuntbarsches hatten im Höhleninneren sehr dunkel ausgesehen; schon mehrmals wurde berichtet, sie seien fast schwarz Bei Tageslicht konnte ich nun den Dotter der frisch geschlüpften Larven etwas genauer betrachten:Erwarnicht,,fastschwarz",aberauffälligdunkel olivgrün DieEntwicklung der Larven zu schwimmfähigen Jungfischen verlief recht zügig:Schon rund
Männchen von Acarichthys geayi
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100 Stunden nach dem Schlupf wurden die ersten, noch unsicheren, Schwimmversuche ausgef ührt, und am folgenden Morgen schwamm die gesamte Brut f rei
(die Temperatur in dem Becken betrug übrigens 260 Celsius).
Mit Beginn des Freischwimmens der Brut änderte sich die Aufgabenteilung der
Elterntiere: War vorher das Weibchen allein f ür die Betreuung der Brut zuständig,
so beteiligte sich jetzt auch das Männchen wieder. Beide Partner trugen auch
wieder ihr kontrastreiches ,,Sattelfleck- und Zügelstrichmuster". Eines der beiden Elterntiere stand immer in unmittelbarer Nähe des Jungfischschwarmes,
meist direkt darüber; oft hielten sich aber auch beide Eltern über den J ungen auf .
Nur wenn eine größere Gefahr drohte, wenn sich beispielsweise größere Fische
den Reviergrenzen näherten, verließen beide Elterntiere den Schwarm, um ihr
Revier mit wütenden Ang riff en zu verteidigen. Dabei änderten die J ungen ii:r Verhalten nicht: Sie pickten ganz ruhig weiter am Algenaufwuchs. Wenn ich dagegen mit der Kamera dem Jungfischschwarm, der sich meistens unmittelbar an
der Frontscheibe des Aquariums aufhielt, zu nahe kam, dirigierte das Weibchen
ihn mit ruckweisem Rückwärtsschwimmen aus der vermeintlichen Gefahrenzone. Genauso verfuhr das Weibchen übrigens auch abends, wenn es seine Brut ins
Höhleninnere brachte.
Die Jungen fanden in den ersten Tagen ihres Freischwimmens genügend Nahrung in dem zum Teil sehr stark veralgten Becken, so daß ich zunächst auf eine
zusätzliche Fütterung mit Artemla-Nauplien verzichten konnte. Allmählich zog
sich derSchwarm immerweiterauseinander, und als die kleinen Sattelfleckbuntbarsche nach einigen Tagen schon recht weit über die Grenzen des elterlichen
Revieres hinausschwammen, überführte ich sie in ein Aufzuchtaquarium. Dort
f raßen sie genauso gut wie unter der Obhut ihrer Eltern, so daß ihr Wachstum gute Fortschritte machte. Nach rund 14 Tagen bekamen sie zum erstenmal fein zerriebenes Trockenfutter, und nach weiteren drei Wochen hatten sie in ihrer Körperform bereits eine gewisse Ahnlichkeit mit Cichliden. Bald darauf färbten sich
die ersten Hartstrahlen ihrer Rückenf lossen schwarz, und man konnte schon fast
erkennen, daß es sich um kleine A. geayi handelte. - Die Aufzucht bereitet also
keinerlei Schwierigkeiten.
Literatur:
('l) Schmettkamp, Werner (1979): ,,Gesattelt und gezäumt:'Aequidens'geayi"
(13):586-588
(2) Werner, Uwe (1980): ,,Ein Cichlide mit zwei Gesichtern
Aquarien-Magazin 12
- Sattelfleckbuntbarsch, Aequidens geayi"
Das Aquarium 133 (14):352-353
(3) Cichocki, Frederick Paul (1976): ,,Cladistic History of Cichlid Fishes and Reproductive Strategies
of the American Genera Acarichthys, Biotodoma and Geophagus Vol ll " (Diss.) Michigan
(4)Kullander,SvenO (1980):,,ATaxonomicalStudyoftheGenusApistogrammaRegan,withaRevision
of Brazilian and Peruvian Species (Teleostei: Percoidei: Cichlidae) " Bonner Zoologische Monographien, Nr. 14. Bonn: 35
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