Gebrauchsanweisung 666328 Probennahmekoffer für

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Gebrauchsanweisung 666328
Probennahmekoffer für Organismen der Boden- und Strauchregion
Die Untersuchung der Boden- und Strauchregion nach Art und Anzahl der dort vorkommenden
Organismen ermöglicht es, im Unterricht den Schülern Kenntnisse über die Vielfalt der
verschiedenen Formen der boden- und strauchbewohnenden Organismen zu vermitteln.
Mit den im Koffer enthaltenen Geräten ist es möglich, bis zu vier Gruppen mit den verschiedenen
Sammelgeräten arbeiten zu lassen. Der Koffer bildet die ideale Ergänzung zu dem
Probennahmekoffer für Wasserorganismen (666 327), da gemeinsam mit beiden Koffern eine
umfassende Untersuchung auch in der direkten Umgebung von Gewässern möglich ist und somit
eine gute Bestandsaufnahme der Lebewesen in einem begrenzten Bereich durchgeführt werden
kann.
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Technische Änderungen vorbehalten
1
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis............................................................................................................................................ 2
1.
Einleitung ..................................................................................................................................... 2
Hinweise zum Einsatz im Unterricht an Schulen, Volkshochschulen etc. .................................... 3
2.
Benötigte Geräte ......................................................................................................................... 4
3.
3.1
3.2
3.3
3.4
3.5
3.6
Beschreibung der Geräte und ihre Handhabung ..................................................................... 5
Das Käfersieb ................................................................................................................................ 5
Das Sammeltuch ......................................................................................................................... 10
Der Streifkescher ........................................................................................................................ 11
Der Klopfschirm ........................................................................................................................... 13
Der Saugexhaustor ..................................................................................................................... 14
Weitere Fangmethoden und -geräte ........................................................................................... 14
4.
Transport und Aufbewahrung der Tiere ................................................................................. 17
5.
5.1
5.2
5.3
5.4
5.5
Ausgewählte Lebensräume und ihre Fauna........................................................................... 19
Lebensraum Aas ......................................................................................................................... 19
Lebensraum Kot .......................................................................................................................... 22
Lebensraum Pilze ....................................................................................................................... 25
Lebensraum Tiernester ............................................................................................................... 27
Die Tierwelt der Bäume und Sträucher ....................................................................................... 35
6.
6.1
6.2
6.3
6.4
6.5
6.6
Projektvorschlag: Gestaltung des Schulgeländes ................................................................ 40
Die Hecke .................................................................................................................................... 41
Obstbäume .................................................................................................................................. 41
Wildwiese .................................................................................................................................... 42
Das Gemüsebeet ........................................................................................................................ 42
Organische Abfälle ...................................................................................................................... 43
Künstliche Nistgelegenheiten ...................................................................................................... 43
Hinweise zur rechtlichen Situation .............................................................................................. 45
Ergänzende Literatur ................................................................................................................... 46
1.
Einleitung
Dieses Büchlein macht sich zur Aufgabe, dem Laien eine detaillierte Anleitung zur Untersuchung der Boden-,
Kraut- und Strauchschicht in verschiedenen Biotopen an die Hand zu geben.
Mit den Hinweisen im Kapitel "Ausgewählte Lebensräume und ihre Fauna" können zudem die gefundenen
Ergebnisse näherungsweise interpretiert werden. Ökologische Zusammenhänge werden dadurch anschaulich
gemacht.
Diese Anleitung wendet sich an alle Personen und Einrichtungen, deren Aufgabe oder Wunsch es ist, mittels
praktischer Methoden Einblicke in die komplizierten Zusammenhänge in der Umwelt zu vermitteln. Eine
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2
detaillierte Behandlung der ökologischen Zusammenhänge in der Boden- und Strauchschicht im Rahmen des
Unterrichts an Schulen, Volkshochschulen, Erwachsenenbildungsstätten oder auch Naturschutzvereinen
bietet sich auch deshalb besonders an, weil Produktion, Umbau und Abbau von Stoffen v.a. in
Waldökosystemen von gravierender Bedeutung sind im Zusammenhang mit gerade in letzter Zeit viel
diskutierten Problemkreisen wie Klimaveränderung, neuartige Waldschäden.("Saurer Regen"), Artenrückgang
usw.
Zudem bietet die vorgestellte Geräteauswahl mit einer Vielzahl bewährter Sammel- und Extraktionsmethoden
die Möglichkeit, sozusagen "mit System" in eine Welt vorzustoßen, die dem biologischen Laien i.d.R.
verborgen bleibt. Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass von den über 40.000 für das Gebiet der
Bundesrepublik Deutschland nachgewiesenen vielzelligen Tierarten nur etwa 450 zum Stamm der Wirbeltiere
gehören und durch ihre Größe einigermaßen auffällig sind. Die restlichen Arten sind Wirbellose, von denen
alleine die Gruppen der Käfer und Zweiflügler (Fliegen, Mücken etc.) zusammengenommen ca. 12.000 Arten
umfassen. Von den Wirbellosen lebt der überwiegende Teil dauerhaft oder zumindest zeitweise am bzw. im
Boden oder in der bodennahen Vegetation.
Die vorliegende Schrift kann natürlich keinen Überblick geben über die außerordentliche Formenvielfalt der
Tiere, die mit den beschriebenen Methoden ans Licht befördert werden. Lediglich einige grundlegende
Lebensformtypen sollen exemplarisch vorgestellt und ihre Einbindung in ökologische Systeme beschrieben
werden. Für eine tiefergehende Beschäftigung mit der umfangreichen Thematik muss auf die einschlägige
Spezialliteratur verwiesen werden (s. Kap. Literatur).
Hinweise zum Einsatz im Unterricht an Schulen, Volkshochschulen etc.
Eine Untersuchung der Organismen der Boden-, Kraut- und Strauchschicht z.B. eines Mischwaldes sollte als
Ergänzung zu dem im Unterricht vermittelten theoretischen Grundlagenwissen im Fachbereich Ökologie
vorgenommen werden. Solche Untersuchungen ermöglichen einerseits einen Einblick in die Formenvielfalt
der einheimischen Tierwelt, andererseits lassen sich am gewonnenen Tiermaterial sehr schön Nahrungsketten
(bzw. -netze) lebensnah erarbeiten. Abhängigkeiten, die zwischen den verschiedensten tierischen und
pflanzlichen Organismen bestehen, lassen sich unter Anschauung selbst im Gelände gesammelten
Tiermaterials erheblich einleuchtender darstellen.
Die Einbeziehung solcher praktischer Feldarbeiten und die anschließende Aufarbeitung des gewonnenen
Materials sollte in einer Zeit überall drohender Naturkatastrophen (im Kleinen treten sie auch vor unserer
Haustür überall in Form von Überdüngung des Bodens, Pestizidanreicherung, land- und forstwirtschaftlichen
Monokulturen, Grundwasserabsenkung usw. in Erscheinung) in keinem Ökologie-Unterricht fehlen. Nur durch
praktisches Arbeiten und anschauliche Darstellung lässt sich die für einen verantwortlichen Umgang mit
unserer Umwelt notwendige Sensibilität in unserer Bevölkerung erreichen.
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2.
Benötigte Geräte
Anzahl
1
1
1
1
1
1
1
15
3
1
1
Bezeichnung
Klopfschirm
Streifkescher
Käfersieb
Saugexhaustor
Kunststoffsieb, 2 mm Maschenweite
Ausleseschale
Plastikfolie
Schnappdeckelgläser
Schraubdeckelgläser
Lupe
Federstahlpinzette
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Kat. Nr.
666 370
666 371
666 372
666 374
666 351
666 376
661 252
665 563 ET5
667 128
662 034
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3.
Beschreibung der Geräte und ihre Handhabung
Alleine mit einem Koffer voller Sammelgeräte wird es dem Unkundigen ähnlich ergehen wie dem
musikalischen Laien, der ein Musikinstrument in der Hand hält und etwas spielen soll. Zwar wird dieser dem
Instrument einige Töne entlocken können, doch zufriedenstellen wird er damit sich und seine Umgebung nicht.
Und so wird auch der entomologisch interessierte Laie viel Zeit und Geduld aufbringen müssen, um bei seinen
Untersuchungen Ergebnisse zu erlangen, die mehr sind als nur reine Glückstreffer, oder die sogar einen
Aussagewert bezüglich des untersuchten Gebietes haben. Vor allem muss er aber auch einige Techniken und
Tricks erlernen, die die Ausbeute erheblich verbessern und vergrößern können. Im Folgenden soll daher auf
die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten der oben angeführten Geräte näher eingegangen werden.
3.1
Das Käfersieb
Abb. 1:
Das Käfersieb
Das wichtigste Gerät zum Sammeln von in der Bodenstreu lebenden Tieren ist das Käfersieb, das, wie der
Name verdeutlicht, v.a. von Käferkundlern seit Jahrzehnten und mit großem Erfolg angewandt wird. Ein
solches Sieb besteht aus einem großen Stoffbeutel, der unten mit Bändern zugeschnürt wird. Die
Einfüllöffnung des Beutels wird durch einen Metallring offengehalten, an dem ein kräftiger Handgriff
angebracht ist. Im oberen Drittel des Beutels befindet sich ein zweiter Metallring gleicher Art und Größe, in
den ein Metallgitter mit etwa 10 mm Maschenweite eingeschweißt ist. An diesem Ring ist ebenfalls ein
Handgriff angebracht, mit dem das Sieb geschüttelt werden kann.
Prinzip des Gerätes ist, dass man grobe und feine Partikel voneinander trennen kann, wodurch die meist sehr
kleinen Bodentiere im unteren Teil des Beutels aufgefangen und konzentriert werden.
Die Einsatzmöglichkeiten des Käfersiebes sind äußerst vielfältig. Die gebräuchlichste Anwendung ist das
Sieben der Bodenstreu in Laubwäldern. Man geht hierbei an eine Stelle, an der sich viel Laub am Boden
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angehäuft hat und schüttelt davon eine größere Menge kräftig durch das Sieb. Auf diese Weise wird man
bereits eine ansehnliche Anzahl Bodenorganismen wie Springschwänze, Hundertfüßer, Tausendfüßer (s. Abb.
3, 23, 28) etc. erhalten.
Abb. 28
Abb. 3
Abb. 23
Größeren Erfolg wird man haben, wenn man sich in seinem Untersuchungsgebiet die zu besammelnden
Stellen genauer aussucht.
Ergiebig sind meist die Wurzelnischen alter Bäume, in denen sich oft eine große Menge Laub in den
verschiedensten Zersetzungsstadien ansammelt. Hier ist es geschützt vor Wind und zu starken
Temperaturschwankungen und bleibt länger feucht als auf dem offenen Waldboden. Viele Kleintiere schätzen
diese ausgeglichenen kleinklimatischen Bedingungen und versammeln sich in solchen Wurzelnischen oft in
großer Zahl. Trifft man beim Aussieben dieser Örtlichkeiten auf Mäusegänge, so wird man beim Aussuchen
des Gesiebes auch die entsprechenden Mäusenestbewohner wie Flöhe (s. Abb. 34) und bestimmte Käferarten
antreffen. Besonders Ausschau halten sollte man auch nach Stellen, an denen das Laub bereits stärker
vermodert oder verpilzt ist. Hier kann man dann eine große Fülle von Tieren erwarten, die sich von
Schimmelpilzen ernähren. Einen Grundsatz sollte man hier wie auch an anderen Stellen immer beachten:
lieber zu feucht als zu trocken sieben. Zwar besitzen auch trockene Stellen ihre spezifische Fauna, doch ist
diese meist nicht so arten- und vor allem individuenreich wie an feuchten Stellen. Man sollte sich nicht davor
scheuen, auch triefend nasses Material in das Käfersieb zu geben. Gute Erfolge wird man erzielen, wenn man
nasses Laub, Pflanzenreste und ähnliches aus trockengefallenen Gräben oder angeschwemmtes Treibgut
nach dem Hochwasser eines Baches gründlich durchsiebt.
Abb. 34
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Doch nun zurück zum Lebensraum Wald. Alte Bäume besitzen oft an ihrer Basis einen reichen Moosbesatz,
der sich besonders im Winter zum Durchsieben eignet. Dann verkriechen sich sehr viele Tiere, besonders
Laufkäfer (Carabidae) in diese Moospolster und verbringen dort die kalte Jahreszeit in Winterstarre.
Besonders interessant sind Bäume, die größere Faulstellen besitzen oder gar völlig hohl sind. Der dort
befindliche Baummulm hat seine ganz speziellen, oft stark angepassten Bewohner. An den Wänden von
Baumhöhlen, vor deren Untersuchung man sich unbedingt davon überzeugen sollte, dass sie nicht von
Wespen, Hornissen oder von Vögeln bzw. Fledermäusen bewohnt sind, befindet sich in der Regel eine Schicht
lockeren Mulms, den man mit einem Stock abkratzen und in das untergehaltene Sieb einfüllen kann. Auf diese
Art und Weise wird man bald einen Überblick über die spezifische Fauna der Baumhöhlen bekommen.
Manchmal findet man auch unbewohnte Nester von Vögeln, Hautflüglern oder Mäusen in Baumlöchern.
Hierbei lohnt das Aussieben immer, da eine große Anzahl Tiere nur hier anzutreffen ist. So jagen z.B. viele
Käfer in verlassenen (und natürlich auch in noch bewohnten) Nestern andere Insekten, v.a. Fliegenlarven, die
sich ihrerseits von den Hinterlassenschaften des Nesterbauers (Kot, Nahrungsreste, Aas) ernähren. Der am
Boden von Baumhöhlen befindliche Mulm ist ebenfalls hervorragend zum Aussieben geeignet.
An dieser Stelle soll ein dringender Appell an den eine solche Untersuchung leitenden Lehrer bzw. Dozenten
gerichtet werden: Seltene Lebensräume, zu denen in hohem Maße gerade alte, hohle Bäume gehören, dürfen
niemals in ihrer Substanz vernichtet werden. Ein Sammeln von Tieren in diesen Biotopen hat immer mit größter
Behutsamkeit zu erfolgen, damit auch weitere Tiergenerationen hier aufwachsen können!
Ist im Untersuchungsgebiet liegendes oder besser noch stehendes Totholz vorhanden, so lohnt eine genauere
Betrachtung desselben in jedem Fall. Zunächst sollte man einen Blick unter lose Rinde werfen (und diese auch
zerkleinern und sieben), die häufig noch den Stämmen oder Ästen anhaftet. Hier kann man dann typische
Rindenkäfer oder auch Larven finden z.B. die des Feuerkäfers (Pyrochroa) oder einiger Schnellkäferarten
(Elateridae). Auch Fliegenlarven und die interessanten Afterskorpione findet man in diesen Biotopen.
Oft ist Totholz mit Baumpilzen bewachsen. Auch nur eine kleine Menge dieser Pilze, über dem Sieb zerkleinert,
kann ein Gewimmel von Kurzflügelkäfern (Staphylinidae) beherbergen, die von den dann, ebenfalls im
Gesiebe sich findenden Fliegenmaden und Springschwänzen (s. Abb. 23) leben. Harte Baumpilze, die sich
nicht ohne weiteres zerkleinern lassen, sollte man besser mitnehmen. Aus ihnen schlüpfen nach einiger Zeit
kleine walzenförmige Käfer, sogenannte Schwammfresser (Cisidae).
Pilze gibt es natürlich nicht nur auf totem Holz, sondern auch auf dem Waldboden. Auch hier sind sie
Lebensraum für Käfer, Schnecken und anderes Kleingetier. Das Einsammeln, Zerkleinern und Aussieben
einiger Pilze wird immer eine Fülle von Tieren erbringen, v.a., wenn die Pilze schon überreif und etwas
angefault sind.
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Weitere in Waldgebieten das Sieben lohnende Objekte sind z.B. am Boden liegende Kiefern- und
Fichtenzapfen, dünnes Reisig und auch, die verfaulenden Baumstümpfe, die neben einigen Käferarten v.a.
von Scharen von Asseln (s. Abb. 9) bewohnt werden.
Abb. 23
Abb. 9
Natürlich gibt es auch außerhalb von Wäldern genügend Einsatzmöglichkeiten für das Käfersieb. Die
ergiebigsten Fundplätze sind Komposthaufen. An den richtigen Stellen eine ordentliche Portion gesiebt,
erbeutet man große Mengen von Springschwänzen (s. Abb. 23), Käfern, Milben (s. Abb. 13), Insektenlarven
u.v.a. Interessant kann dabei die Untersuchung der unterschiedlichen Schichten eines Komposthaufens sein,
die je nach Verrottungsgrad und Temperatur ganz unterschiedliche Tiergemeinschaften aufweisen können.
Nicht ganz so reichhaltige Ausbeuten ergeben an Feld- und Gartenrändern herumliegende Unkrauthaufen,
auf die man aber in jedem Falle auch einen Blick werfen sollte.
Abb. 13
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Findet man auf Wiesen Stellen mit Kaninchen- oder anderem Kot, so finden sich daran fast stets zumindest
Fliegen und Käfer. Aber auch, wenn, solche Dunghaufen auf den ersten Blick völlig steril erscheinen (man
bedenke, dass sich v.a. die Käfer oft mitten in den Kotballen aufhalten), darf man nicht aufgeben und sammelt
Kot und darunter befindliche Erde (ausstechen!) in das Käfersieb und schüttelt alles kräftig durch. Ist der Kot
sehr weich (Kuhfladen!), kann man ihn auch in einem Eimer mit Wasser aufschwemmen.
Die tierischen Bewohner schwimmen dann an der Wasseroberfläche und können leicht abgesiebt werden. Bei
Aas sind die Verhältnisse ähnlich, allerdings muss man bei der Untersuchung toter Tiere natürlich mit der
gebotenen Vorsicht arbeiten, da die Gefahr der Leichenvergiftung bestehen kann. Schüler sollten daher von
toten Tieren besser ferngehalten werden. Interessant ist es jedoch, einmal zu beobachten, wie mit
zunehmender Verwesung eines tierischen Leichnams sich immer wieder andere Tiergesellschaften einstellen.
An ausgesuchten Stellen des Untersuchungsgebietes kann man durchaus einmal Gras- oder sonstige
Pflanzenbüschel ausreißen und über dem Käfersieb zerkleinern. Tiere, die sich zwischen Pflanzenwurzeln
und -stengeln verstecken, findet man auf andere Weise vermutlich nicht.
Hat man die Möglichkeit, z.B. bei Nistkastenkontrollen, in größerem Umfange Vogelnester zu bekommen, so
sollte man diese Gelegenheit niemals auslassen, um die arten- und oft auch individuenreiche Fauna, die sonst
üblicherweise nur schwer zu erreichen ist, kennenzulernen.
Aber nicht nur Vögel bauen Nester. Der Maulwurf zum Beispiel baut im Herbst Nesthügel, die sich durch ihr
größeres Volumen deutlich von seinen normalen Haufen unterscheiden und in die er sich im Winter zum
Schlafen zurückzieht. Diese und die Nester der Mäuse, Kaninchen und anderer Säugetiere beherbergen eine
an den jeweiligen Wirt angepasste Tierwelt. Ganze Nahrungsketten bzw. -netze lassen sich gerade in solchen
kleinen isolierten Biotopen hervorragend nachvollziehen.
Diese Darstellung soll erst einmal genügen, um die Verwendungsvielfalt des Käfersiebes zu beschreiben. Es
gibt sicher noch weit mehr Anwendungsmöglichkeiten, wie z.B. das Sieben von Hochwassergenist oder altem
Stroh, und wenn man erst einmal im Gelände ist, wird man schnell weitere Objekte finden, für deren
Untersuchung das Sieb das geeignete Instrument ist.
Abschließend sei noch bemerkt, dass das Aussuchen besonders kleiner Tiere aus dem Gesiebe sehr
erleichtert werden kann, indem man das Grob-Gesiebe durch weitere Siebe engerer Maschenweite noch
weiter auftrennt. Geeignet sind dafür z.B. Küchensiebe unterschiedlicher Maschenweite.
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3.2
Das Sammeltuch
Als Sammeltuch dient ein weißes, starkes Leinentuch oder eine Plastikfolie von üblicherweise ca. 1 m2.
Grundsätzlich ist das Sammeltuch für ähnliche Anwendungen zu gebrauchen wie das Käfersieb. Entweder
man untersucht ein Gesiebe direkt auf dem Tuch oder man gibt Substrate, deren Eignung erst überprüft
werden soll, zunächst auf das Sammeltuch, um zu sehen, ob sich das Sieben überhaupt lohnt. Beachten sollte
man bei dieser Methode allerdings, dass kleine Tiere leicht übersehen werden und manches Getier erst nach
einer gewissen Zeit der Ruhe beginnt, durch Bewegungen auf sich aufmerksam zu machen.
Darüber hinaus kann der Einsatz des Sammeltuches auch sehr sinnvoll sein, z.B. beim Ausreißen von
Pflanzenpolstern, die dann nach und nach alle über dem Tuch ausgeschüttelt werden. Ein Großteil der
vorhandenen Käfer, Spinnen (Abb. 2) etc. kann so innerhalb kurzer Zeit abgelesen werden. Ähnlich verfährt
man bei der Untersuchung von am Boden liegenden toten Ästen. Man wirft sie möglichst rasch auf das
ausgebreitete Tuch und klopft sie mit einem kräftigen Stock ordentlich ab. Die an den toten Ästen sitzenden
Tiere, hauptsächlich Käfer, Asseln, Springschwänze und Spinnen (s. Abb. 2, 9, 23), sammeln sich dadurch
auf dem Tuch und können mit einem Saug-Exhaustor aufgesaugt werden. Rindenteile, die man nicht
aussieben, sondern nur absuchen möchte, platziert man ebenfalls auf dem Sammeltuch, da so die Gefahr des
Entweichens einiger Tiere, wie z.B. der laufgewandten Chilopoden (Hundertfüßer, Abb. 3), relativ gering ist.
Gut einsetzen kann das Sammeltuch ebenfalls derjenige, der Kot und insbesondere Aas und die darunter
befindliche Erde nicht in das Käfersieb einfüllen möchte. Die vielfach großen Dung- bzw. Aaskäfer lassen sich
auf der weißen Plastikfolie meist auch gut aufsammeln, wobei man einigen Arten, z.B. Stutzkäfern (Histeridae,
s. Abb. 15) genügend Zeit lassen muss, aus ihrer anfänglichen Schreckstarre aufzuwachen.
Abb. 2
Abb. 3
Abb. 15
Abb. 23
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3.3 Der Streifkescher
Abb. 4:
Der Streifkescher
Der Streifkescher ist den meisten Laien als Instrument zum Fang von Insekten bekannt. Wie jedoch schon
dargestellt wurde, ist zumindest der unmittelbare Bodenbereich ein Areal, das mit dem Kescher kaum
besammelt werden kann. Hier kann er lediglich als ein zusätzliches Hilfsmittel herangezogen werden, z.B. als
Sammelsack für Pilze, Koniferenzapfen, dünne Äste und ähnliches.
Das eigentliche Einsatzgebiet des Streifkeschers liegt im Abstreifen der niedrigen, bis etwa hüfthohen
Vegetation. Dadurch unterscheidet er sich auch von dem deutlich empfindlicheren Schmetterlingsnetz, das
zum Verfolgen einzelner, schnell fliegender Tiere wie Schmetterlinge, schwärmende Käfer etc. dient. Der
Streifkescher besteht dagegen aus einem festen Leinensack, der über einen stabilen Drahtbügel gespannt ist
und mit einem Holzgriff geführt wird. Er ist deshalb so stabil gebaut, damit er den ständigen, teilweise starken
mechanischen Beanspruchungen beim Schleifen über Vegetation standhält. Er darf z.B. auch nicht einreißen,
wenn man hin und wieder dorniges Gestrüpp (Brombeere, Schlehe, Weißdorn u.ä.) oder starre Äste streift.
Beim Keschern geht man so vor, dass der Kescher in die eine Hand genommen und beim Abschreiten des
Geländes mit zügigen (nicht hastigen) Bewegungen immer von einer Seite auf die andere geschwungen wird.
Der Kescher ist dabei selbstverständlich immer in die Richtung der Bewegung geöffnet und wird möglichst
nahe am Erdboden geführt, ohne auf diesem zu schleifen. Zuvor muss man natürlich, in den am Gerät
vorhandenen Anschluss, einen passenden Holzstab (z.B. Besenstiel) eingesteckt haben.
Mit dem Streifkescher werden auf der niedrigen Vegetation sitzende Tiere (Wanzen, Fliegen, Käfer,
Heuschrecken etc.) abgekeschert. Für die Tiere, die man auf diese Weise erhält, hat die Vegetation eine
durchaus unterschiedliche Bedeutung. Viele halten sich die meiste Zeit ihres Imaginallebens an den Pflanzen
auf. Hierzu zählen die meisten Heuschrecken, Wanzen, Schmetterlinge, viele Hautflügler und Zweiflügler.
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Auch die Vertreter einiger Käferfamilien, insbesondere Blattkäfer (Chrysomelidae) und Rüsselkäfer
(Curculionidae) halten sich bevorzugt auf ihren Brutpflanzen auf. Andere Arten suchen die Vegetation, v.a.
Blüten, zur kurzfristigen Nahrungsaufnahme auf, wie z.B. Bienen, Hummeln, Schwebfliegen (Abb. 5) und viele
Käfer. Wieder andere Tiere benutzen die Pflanzendecke nur als Startrampe für ihre Paarungs- oder
Ausbreitungs-(Dispersions-)Flüge, die der Geschlechterfindung bzw. dem Aufsuchen neuer geeigneter
Biotope dienen.
Abb. 5
Diese kurzen Ausführungen zeigen deutlich, dass der Erfolg eines Kescherfanges nicht nur von der Art des
Biotops abhängt, sondern auch sehr stark von der Jahres- und der Tageszeit. Besonders lohnend sind im
Sommer die Stunden vor Sonnenuntergang, da um diese Zeit neben den Arten, die ständig auf den Pflanzen
sitzen, auch solche gefangen werden können, die in ihren abendlichen Schwärmflug starten.
Neben dem Abstreifen der Vegetation kann der Kescher natürlich auch noch anderen Zwecken dienen. So
kann man ihn z.B. beim Abklopfen von Gebüsch unterhalten, einzelne mit Schwebfliegen (s. Abb. 5) besetzte
Doldenblüten abkeschern oder gezielt nach, fliegenden Insekten jagen.
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3.4 Der Klopfschirm
Abb. 6:
Der Klopfschirm
Zum Besammeln der Strauchschicht, unterer Baumäste sowie zum gezielten Absuchen einzelner krautiger
Pflanzen ist der Klopfschirm das geeignete Hilfsmittel. Er ist, ähnlich wie der Streifkescher, aus einem
stabilen, mit Griff versehenen Drahtbügel aufgebaut, der mit festem Leinen bespannt ist. Im Unterschied zu
diesem ist der Radius des Drahtbügels jedoch erheblich größer, und das Leinentuch relativ flach und straff
gespannt und nicht als Sack verlängert. Zusätzlich zum Klopfschirm benötigt man noch einen sehr stabilen
Stock von etwa 60 cm bis 1 m Länge, den man am besten aus frischem Haselnuss- oder Eichenholz selbst
schneidet.
Mit ihm klopft man sehr kräftig die Äste der Büsche und Bäume ab und hält währenddessen den Klopfschirm
darunter. Die auf dem Klopfschirm landenden Tiere muss man besonders bei warmem Wetter sehr schnell
absammeln, da viele von ihnen bereits nach wenigen Sekunden wieder abfliegen. Dies gilt nicht nur für
Hautflügler und Netzflügler (z.B. Florfliegen, Abb. 7), sondern auch für viele Käfer und Wanzen. Das
Absammeln erfolgt daher am besten mit dem Exhaustor.
Abb. 7
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Sollen krautige Pflanzen besammelt werden, z.B. Disteln, Beifuß und andere, so biegt man diese etwas über
den Klopfschirm und schüttelt sie ordentlich oder versetzt ihnen mit dem Stock einen Hieb, der natürlich nicht
zum Abbrechen der Pflanze führen sollte. Weiterhin kann man den Klopfschirm z.B. an Böschungen unter
einzelne Gras- oder sonstige Pflanzenbüschel halten und diese dann über dem Leinentuch
auseinanderpflücken. Auf diese Weise erhält man viele Tierarten, die sonst nur mit dem Käfersieb erbeutet
werden.
Sehr gut verwenden kann man den Klopfschirm auch beim Abklopfen toter Äste, die von Waldarbeitern zu
Haufen aufgeschichtet wurden oder von Pilzen, die auf toten Ästen bzw. umgefallenen Bäumen wachsen. Man
kann ihn aber auch beim Ablösen von Rindenschuppen von Kastanien, Kiefern, Fichten, Platanen, Ahorn etc.,
unter denen sich v.a. im Winter zahlreiche Insekten verstecken, unterhalten.
3.5
Abb. 8:
Der Saugexhaustor
Der Saugexhaustor
Der Saugexhaustor ist, wie schon aus den bisherigen Ausführungen über verschiedene Sammeltechniken
ersichtlich, ein nahezu unentbehrliches Hilfsmittel zum Aufnehmen der gefangenen Kleintiere aus Gesiebe,
Kescher und Klopfschirm. Während man bei individuenarmen Ausbeuten die Organismen durchaus auch mit
einem feuchten Pinsel bzw. Finger aufnehmen und in ein bereitstehendes Sammelgefäß überführen kann, ist
diese Methode bei größeren Mengen von Tieren nicht mehr zu praktizieren. Stattdessen bedient man sich
dann zweckmäßigerweise eines Saugexhaustors, mit dem die oft sehr schnell flüchtenden Kleintiere rasch
und ohne jegliche Verletzungen direkt in einen Auffangbehälter eingesaugt werden. Der Exhaustor besteht
aus zwei Schlauchstücken, die beide in dasselbe Gefäß münden und von denen das eine als Mundstück dient,
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das andere die Tiere aufnimmt. Das Mundstück ist im Auffanggefäß mit Gaze verschlossen, damit bereits
aufgesaugte Tiere nicht inhaliert werden.
Als besonders praktisch hat sich eine Ausführung erwiesen, bei der die Schläuche über einen Korkstopfen in
normierte Schraubdeckelflaschen einmünden, die nach Absammeln einer Probe mit den entsprechenden
Deckeln verschlossen werden können und dann gleichzeitig als Transportbehälter dienen. Ein weiterer Vorteil
dieser Anordnung ist, dass man für mehrere Fänge nur einen Exhaustor benötigt und lediglich die
Sammelgefäße jeweils auswechseln muss.
Das Einsaugen von bereits gefangenen Tieren ist aber nicht die einzige Verwendungsmöglichkeit des
Exhaustors. Vielmehr kann man mit ihm auch direkt Organismen aufnehmen, z.B. in großen Mengen auf
schlammigen Ufern laufende Käfer oder Fliegen. Auch beim Absuchen von Saftstellen an Bäumen kann man
ihn hervorragend einsetzen, nachdem die Tiere durch Beräuchern mit Tabaksqualm aus ihren Verstecken in
den Rindenspalten herausgetrieben wurden.
3.6 Weitere Fangmethoden und -geräte
In den voranstehenden Kapiteln sind die wichtigsten Fanggeräte und -methoden besprochen worden. Es gibt
aber noch viele andere Gelegenheiten, bei denen Klopfschirm, Streifkescher und Käfersieb nicht zum Einsatz
kommen. Im Folgenden soll daher noch kurz auf weitere Sammeltechniken und seltener benötigte Geräte
eingegangen werden, die v.a. derjenige einsetzen wird, der sich über das im Schulunterricht allgemein übliche
Maß hinaus intensiver mit unserer heimischen Fauna beschäftigen will.
Gehen wir noch einmal zurück zum Lebensraum Wald. Hat man einen hohlen Baum gefunden und will diesen
etwas näher untersuchen, so kann sich der Einsatz einer Bürste lohnen. Mit ihr kann man die Innenwände der
Höhlungen vorsichtig abbürsten und wird dabei, wie auch beim Abstreifen von Rindenpartien, so manches
Tier zutage fördern, das man sonst sicher übersehen hätte. Baumrinde an toten Ästen oder Stämmen lässt
sich oft nur sehr schwer lösen. Hier schafft ein kräftiges Messer, Stemmeisen oder auch ein Beil schnell
Abhilfe. Ein Beil kann man natürlich auch sehr gut zum Aufhacken morscher Baumstümpfe oder morscher
Stammpartien benutzen. An solchen Stellen findet sich dann manchmal in großer Zahl der Zwerghirschkäfer
(Dorcus parallelopipedus), welcher hier seine Larvalentwicklung durchmacht, sich verpuppt und als Imago im
Frühjahr bis zur Flugzeit im Mai/Juni im Holz verbleibt. Mit dem Beil können auch tote Äste von Bäumen
abgeschlagen werden, in denen sich Insektenlarven befinden. Solche Äste nimmt man am besten mit in die
Schule oder nach Hause und kann dort, in Ruhe über Monate hinweg das Ausschlüpfen verschiedenster
Tierarten beobachten.
An Rändern von Waldwegen liegen oft große Stapel zum Abtransport bereiten Holzes (sogen. Klafterholz).
Diese großen Mengen frischtoten Holzes haben eine geradezu magische Anziehungskraft für
holzbewohnende Insekten. An einem sonnig-warmen Nachmittag kann man dann zahlreiche Käfer, Fliegen,
Schlupfwespen und anderes Getier lebhaft auf den Stämmen herumlaufen sehen auf der Suche nach Nahrung
oder geeigneten Eiablageplätzen. Borkenkäfer kommen an manchen Tagen in großer Zahl angeflogen und
bohren sich sofort in die Rinde des Totholzes ein, was man sehr schön an den kleinen, kreisrunden Löchern
mit einem Wall von Holzmehl darum erkennen kann. An solchen Plätzen lohnt sich immer das genaue
Absuchen der Hölzer, das Abheben von Rindenteilen oder gegebenenfalls auch das Warten auf anfliegende
Insekten. Manche Tiere, die man im Wald meist vergeblich sucht, findet man so wesentlich einfacher an diesen
von der Forstwirtschaft unwillentlich geschaffenen Köderplätzen.
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An dieser Stelle soll noch eine weitere Methode beschrieben werden, nämlich das Ködern von Tieren.
Besonders leicht und erfolgreich sind solche Tiere zu ködern, die an Aas bzw. Dung leben. Ein im Boden
eingegrabener Eimer (dessen oberer Rand mit der Erdoberfläche abschließen muss) mit einer toten Maus,
einem toten Fisch oder verschiedenen Kotarten als Köder bestückt, lockt oft von einem Tag auf den anderen
eine große Menge Tiere, v.a. Käfer, Fliegen und Milben (s. Abb. 13), an.
Abb. 13
Besonders von den Käfern findet man im Ködereimer oft sehr viel mehr Individuen als unter natürlichen
Umständen. Einige von ihnen, z.B. die Totengräberarten (Necrophorus), zeigen am Aas eine sehr starke
Rivalität gegenüber anderen Necrophorus-Individuen. Sobald sich ein Pärchen am Nahrungsplatz
eingefunden hat, verjagt es alle weiteren Konkurrenten. Diese können aus dem Ködereimer jedoch nicht
entfliehen, so dass man am nächsten Tag einen Eindruck vom tatsächlichen Totengräberanflug bekommt.
Aber nicht nur mit natürlichen Lockstoffen, zu denen neben Dung und Aas auch Obst, faulendes
Pflanzensubstrat und ähnliches gehören, kann man die entsprechenden Tiere ködern. Die großen Laufkäfer
(Gattung Carabus) z.B. lassen sich sehr gut mit stark duftendem Käse anlocken. Tiere, die normalerweise an
gärendem Baumsaft anzutreffen sind, lassen sich an stark gezuckertem Wein oder an mit Zucker und Hefe
vermengten, gärenden Bananen fangen.
Wer an solchen Ködermethoden erst einmal Gefallen gefunden hat, dem wird die Phantasie im "Zubereiten'
von Lockstoffen sicher so schnell nicht ausgehen. In jedem Falle ist das Ködern von Tieren eine recht bequeme
Methode, in relativ kurzer Zeit an die gesuchten Tiere zu kommen.
Grundsätzlich „sei jedoch bemerkt, dass v.a. das Aufstellen von Fallen, wie eingegrabene Eimer oder Gläser,
nur dann durchgeführt werden darf, wenn die Gefäße täglich kontrolliert werden können. Über längere Zeit in
einem Behälter zusammengepferchte Tiere fressen sich sonst gegenseitig auf, ertrinken, vertrocknen oder
kommen anders zu Tode.
Eine Sammelmethode, mit der besonders im Winter gute Erfolge erzielt werden kann, ist das Durchsuchen
größerer Grasbüschel, besonders an und in Gewässern. Ein Großteil der Uferfauna zieht sich während der
kalten Jahreszeit in solche Verstecke zurück. Man geht dabei am besten so vor, dass man mit einer kleinen
Handsäge das Grasbüschel direkt über der Erde absägt und es anschließend über dem Wasser zerpflückt.
Die darin befindlichen Tiere treiben alsbald an der Wasseroberfläche und machen sich durch ihr Strampeln
bemerkbar. Mit einem Küchensieb werden sie eingesammelt.
Im Sommer muss man die Bewohner von Gewässerufern mit anderen Tricks veranlassen, ihre Verstecke zu
verlassen. Lockere, steinige oder sandige Uferpartien begießt man am besten mit Wasser, das in die
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Gesteinslücken eindringt und die dort lebenden Käfer an die Oberfläche zwingt. An ohnehin feuchten,
vegetationslosen, schlammigen Ufern hat man damit meist weniger Erfolg. Hier hilft das anhaltende
Betrampeln der Schlammflächen, zahlreiche Tiere aus ihren unterirdischen Gängen zu vertreiben. Zahlreiche
weitere Fangmethoden können in diesem Rahmen nicht weiter dargestellt werden.
4 Transport und Aufbewahrung der Tiere
Da aus ethischen und pädagogischen Gründen auf das Töten von Tieren im Rahmen eines ÖkologieUnterrichtes verzichtet werden sollte, muss mit gefangenem Tiermaterial immer sehr sorgfältig umgegangen
werden.
Nachdem die einzelnen Gesiebe-, Klopf- und Kescherproben sowie weitere Aufsammlungen jeweils getrennt
genau beschriftet und protokolliert wurden, muss man sie in geeignete Behältnisse überführen, um einen
schadlosen Transport in die Schule zu gewährleisten. Für den Transport und die kurzfristige Aufbewahrung
von Gesiebeproben, die neben den Tieren natürlich größere Mengen des gesiebten Substrates enthalten,
eignen sich besonders gut dicht gewebte Stoffbeutel, die oben zugeschnürt werden. In solchen Stoffbeuteln
ist das Material luftig untergebracht, was v.a. bei feuchteren Proben den Vorteil hat, dass diese etwas
abtrocknen können (wodurch sie nachher besser zu bearbeiten sind). Man sollte jedoch aufpassen, dass das
Gesiebe nicht vollständig austrocknet, da sonst die in ihm enthaltenen Tiere zugrunde gehen. Ein Aussuchen
des Gesiebes sollte spätestens 2-3 Tage nach der Aufsammlung erfolgen. Gesiebeproben können auch in
Plastiktüten aufbewahrt werden, in denen sich Schwitzwasser an den Wänden niederschlagen kann, was aber
die Gefahr birgt, dass kleine Tiere dort festkleben und absterben.
Tiere aus Klopf- und Kescherfängen, die mit dem Exhaustor aufgesaugt wurden, verbleiben am besten direkt
in den Auffangbehältern (s.o.), in die man Taschentuchfetzen einlegen kann, an denen sich die Tiere dann
festhalten. Weitere (Hand-)Fänge können in Schraubdeckelgläsern, die ebenfalls mit Papiertaschentüchern
ausgelegt wurden, transportiert werden.
Zum Aussuchen eines Gesiebes breitet man dieses – evtl. in mehreren kleinen Portionen nacheinander - auf
mit Zeitungspapier bedeckten Tischen so aus, dass eine ca. 1 cm dicke Schicht entsteht, die sodann mit der
flachen Hand festgeklopft wird. Die im Substrat befindlichen Tiere arbeiten sich bald an die Oberfläche und
können dann mit dem Exhaustor, einem angefeuchteten Pinsel oder mit der feuchten Fingerkuppe
eingesammelt werden. Bei größeren Tieren empfiehlt sich die Zuhilfenahme einer Federstahlpinzette.
Bei der Auswahl und Ausstattung der Behältnisse zur weiteren Hälterung bzw. Beobachtung des
eingetragenen Tiermaterials müssen zwei Kriterien berücksichtigt werden:
1.
Die wichtigsten Grundbedürfnisse der Organismen müssen erfüllt werden.
2.
Sie sollten problemlos beobachtet und gegebenenfalls zur weiteren Untersuchung bzw. Bestimmung
ohne größere Aktionen den Behältern entnommen werden können.
Für die Haltung von Bodentieren eignen sich besonders flache, durchsichtige Kühlschrankdosen, die in
verschiedenen Ausführungen im Fachhandel erhältlich sind. Man legt die Gefäße mit feuchtem (jedoch nicht
zu nassem) Fließpapier aus und gibt als Versteckmöglichkeiten Rindenstücke o.ä. hinzu. Man kann allerdings
auch eine bis mehrere weitere Lagen etwas zusammengeknüllten, feuchten Fließpapiers einlegen, in dessen
Falten die Tiere sich dann verstecken und problemlos wieder abgesammelt werden können. Es ist dabei von
großer Bedeutung, dass die Papiereinlage angefeuchtet ist, da viele Kleintiere neben einer genügend hohen
Luftfeuchte auch Kontaktwasser benötigen, um nicht, auszutrocknen.
Tiere, die beim Abstreifen der Vegetation erbeutet wurden, benötigen i.d.R. vertikale Strukturen, an denen sie
sich festklammern können. Man setzt sie daher zweckmäßigerweise in hohe, weithalsige Einmach- oder
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Gurkengläser und fügt neben der oben beschriebenen Papierauslage noch dünne Zweige, Grashalme oder
andere im natürlichen Biotop vorhandene Strukturelemente hinzu. Die Gläser werden oben mit Gaze oder
einer mit feinen Löchern versehenen Zellophanfolie abgedeckt.
Mit holzbewohnenden bzw. unter Rinden lebenden Arten verfährt man wie mit Bodentieren unter Beigabe des
für sie entscheidenden Strukturelementes (Holz- oder Rindenstücke, am besten direkt vom Standort).
Baummulmbewohnende Organismen hältert man am einfachsten in einer größeren Menge des Mulmes, in
dem man sie gefunden hat, in einem luftdurchlässig abgedeckten Einmachglas. Auch der Baummulm muss
regelmäßig oberflächlich angefeuchtet werden, denn die Tiere halten sich je nach ihrem besonderen
Feuchtigkeitsbedürfnis in der ihnen zusagenden Mulmschicht auf.
Neben einer einigermaßen artgerechten Haltung ist es unbedingt erforderlich, Fleischfresser von Pflanzenbzw. Detritusfressern zu trennen. Räuber, wie die großen Laufkäfer der Gattung Carabus oder die
Hundertfüßer (Chilopoden, s. Abb. 3) können nämlich ansonsten bis zum nächsten Morgen erheblich den
Bestand der Würmer, Insekten etc. dezimieren. Auch die auf den ersten Blick friedlich aussehenden Larven
vieler Käfer sind Fleischfresser und fallen über jedes kleine Tier her, das sie überwältigen können. Eventuell
sollte man die räuberisch lebenden Arten auch untereinander trennen und einzeln in kleineren Behältern
unterbringen, wo man sie dann mit kleinen Fleischstückchen (z.B. Rinderherz), Mehlwurmstückchen oder
lebenden Kleintieren füttern kann.
Auch den phytophagen (pflanzenfressenden) und saprophagen (detritusfressenden) Tieren sollte man
insbesondere bei längeren Hälterungszeiten entsprechendes Futter anbieten. Die mulmbewohnenden Arten
sind bereits durch ihr Substrat bzw. die darin befindlichen Kleintiere (Milben, Springschwänze etc., s. Abb. 13,
23) versorgt. Organismen, die in der Vegetation leben und sich
von dieser ernähren, gibt man Pflanzenteile vom Fundort mit in den Behälter. Die genaue Kenntnis der
Fraßpflanze, an der die jeweilige Art gefunden wurde, ist dabei natürlich von großem Vorteil. Detritusfresser
erhalten abgestorbene Pflanzenteile, Kot-und Aasfresser ebenfalls das entsprechende Substrat.
Sollen die Tiere jedoch nur über eine kürzere Zeit (bis zu einer Woche) gehalten werden, muss man sie i.d.R.
nicht unbedingt füttern, sofern nicht spezielle Beobachtungen zur Nahrungsaufnahme durchgeführt werden
sollen. Eine kühle Aufbewahrung der Fänge senkt die Stoffwechselaktivität der wechselwarmen Organismen,
so dass längere Hungerperioden schadlos überstanden werden.
Wie schon im Kapitel über die Sammelgeräte angedeutet wurde, ist es bei einigen Insektenarten möglich, die
Imagines aus den Larvenstadien zu züchten. Sehr leicht gelingt dies z.B. bei holzbewohnenden Insekten,
indem man befallene Holzteile - Rinden-teile, Äste etc. - einträgt und an einem geeigneten Ort das Schlüpfen
abwartet. Für den Schulunterricht ist es am zweckmäßigsten, kleine Aquarien als Aufzuchtgefäße zu
verwenden, da man die geschlüpften Tiere darin am besten beobachten kann. Die Aquarien müssen mit feiner
Gaze gut abgedeckt sein, damit die Organismen nicht nach oben entweichen können. Die Luft in den
Glasbehältern sowie die Bruthölzer selbst sollten nicht zu trocken sein. Es empfiehlt sich daher ein
regelmäßiges Absprühen der Äste, die in der meist trockenen Luft von Schulräumen sonst vollständig
austrocknen. Man kann sich auch mit einer gesättigten NaCI-Lösung behelfen, die man in einem Becher in
den Zuchtbehälter stellt.
Sind die Tiere ausgeschlüpft, so halten sie sich entweder direkt auf dem Brutholz auf (z.B. Schlupfwespen)
oder sie sammeln sich an der dem Zimmerfenster zugewandten Glasscheibe. Mit etwas Glück kann man in
solchen Aquarien auch über längere Zeit hinweg mehrere Generationen von Tieren züchten, wobei sich dann
sehr schöne Beobachtungsmöglichkeiten über das Verhalten der Insekten bieten.
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Neben Totholz kann man auch viele andere Substrate eintragen und aus ihnen die verschiedensten
Organismen-züchten. Erwähnt wurde bereits das Einsammeln von trockenen Baumpilzen, aber auch
Baummulm, Vogel- und Säugetiernester, Moospolster und vieles andere enthalten Insektenlarven, die sich oft
ohne Probleme bis zum Erhalt des Vollinsekts züchten lassen.
Stets sollte dabei beachtet werden, welchen Bedingungen das Substrat im Freiland ausgesetzt war. Die
entsprechende Feuchtigkeit, Helligkeit und Temperatur ist im Zuchtbehälter nachzuempfinden.
5 Ausgewählte Lebensräume und ihre Fauna
(unter besonderer Berücksichtigung der Käfer)
In diesem Kapitel wird versucht, die jeweils typische Fauna einzelner, überschaubarer Kleinbiotope
darzustellen. Besonders eingehend wird die Gruppe der Käfer behandelt, die sowohl arten-als auch
individuenmäßig in fast allen Landlebensräumen einen bedeutenden Anteil ausmacht.
Aus Gründen der Überschaubarkeit findet im Folgenden eine Beschränkung auf eine kleine Auswahl häufig
auftretender und typischer Organismen statt. Bei intensiverer Beschäftigung mit der Fauna der verschiedenen
Ökosysteme sollte auf die am Ende des Buches aufgeführte Bestimmungsliteratur zurückgegriffen werden.
Die Fauna spezieller Lebensräume weist in Anpassung an die besonderen Lebensbedingungen sehr häufig
konvergente Körperformen auf. So sind viele der unter Rinden lebenden Tiere stark abgeflacht. Beispiele:
Asseln (Abb. 9), Hundertfüßer (s. Abb. 3), Plattkäfer (Abb. 10), Rindenkäfer (Abb. 11). In Kot und Aas lebende
Tiere sind häufig gedrungen und kräftig, besitzen zum Graben geeignete, verstärkte Gliedmaßen (Beispiele:
Mistkäfer, Stutzkäfer, Aaskäfer). In harten Substraten bohrende Tiere sind meist schmal zylindrisch (Beispiele:
Borkenkäfer, Schwammfresser, Klopfkäfer). Diese Entwicklung konvergenter Körperformen in vergleichbaren
Lebensräumen lässt sich auch im Unterricht gut darstellen.
Abb. 3
Abb. 9
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Abb. 11
Abb. 10
5.1 Lebensraum Aas
Die Besiedlung von Tierleichen hängt v.a. vom Alter und von der Größe des Kadavers ab. Kleine Äser werden
oft innerhalb weniger Stunden von Totengräbern (Aaskäfer, Silphidae) eingegraben und dienen als
Nahrungsvorrat für ihre Larven. An größeren Kadavern jedoch stellt die Alterung und zunehmende Verwesung
einen dynamischen Prozess dar, der einerseits von den aasfressenden Tieren zusätzlich gefördert wird,
andererseits aber auch zu einer Sukzession in der Aasfauna führt.
Nach ihren Ernährungsstrategien kann man die Aasfauna unterteilen in Nekrophage, Saprophage und
Zoophage.
Nekrophage Arten fressen frischtotes Fleisch sowie Haut, Haare und Knochen.
Saprophage Arten ernähren sich von den Zerfallsprodukten des Verwesungsprozesses.
Zoophage oder Räuber hingegen verfolgen verschiedenste Tiere, die sich an bzw. in den Äsern aufhalten.
Zusätzlich zu diesen Artengruppen gehören spezialisierte Parasiten und Parasitoide (Parasiten, die ihre Wirte
töten) ebenfalls zur Aasfauna.
Gerade beim Aas lässt sich infolge des fortschreitenden Zerfalls innerhalb verhältnismäßig kurzer Zeit eine
immer wiederkehrende Abfolge (Sukzession) charakteristischer Tiergemeinschaften beobachten. Die nun
folgende Darstellung der typischen aasbewohnenden Fauna orientiert sich daher an ihrem zeitlichen Auftreten
am Kadaver.
Die ersten Tiere an frischem Aas sind dank ihrer hohen Mobilität Fliegen. Meist gehören sie der Familie
Calliphoridae (Gold- oder Schmeißfliegen) an; sehr häufig sind es Vertreter der Gattungen Calliphora oder
Lucilia. Sie sind die typischen, auch in Wohnungen oft lästigen, großen -Brummer", entweder metallisch grün,
gold- oder blaugrün (Lucilia) oder mit breitem, bläulich glänzendem Abdomen (Calliphora). Ebenfalls an Aas
auftretende, große Fliegen aus der Familie Sarcophagidae. (Fleischfliegen, Abb. 12) sind durch ihren
marmorierten Hinterleib gut gekennzeichnet. Die Fliegen saugen an den Körpersäften des toten Tieres und
legen ihre Eier auf dem Kadaver ab. Die Larven (Maden) der Fliegen ernähren sich von den verwesenden
Fleischteilen. Etwa zwischen dem 10. und 20. Tag stellen sie die Hauptmasse der aasbewohnenden Fauna
dar; später werden sie durch vermehrt auftretende Feinde (s.u.) wieder stark dezimiert.
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Zu den ersten Nutzern des überreichen Nahrungsangebots gehören neben den Fliegen auch die Milben (Abb.
13) und die Ameisen (Abb. 14) sowie verschiedene Käferarten der Familien Carabidae (Laufkäfer) und
Staphylinidae (Kurzflügler), die aus der umliegenden Bodenstreu zuwandern. Besonders die Käfer, die sich
normalerweise räuberisch ernähren, werden von dem großen Angebot an frischtotem Fleisch angelockt.
Abb. 12
Abb. 14
Abb. 13
Innerhalb der ersten 24 Stunden fliegen auch die Totengräber (Silphidae, Gattung Necrophorus) ein, zwischen
denen sofort ein heftiger Streit um die Nahrungsquelle ausbricht, bis am Ende nur ein Pärchen einer Art am
Aas zurückbleibt. Kleinere Äser (z.B. Mäuse, Kleinvögel) werden von diesen Käfern sofort vergraben und
dienen als Nahrungssubstrat für ihre Larven, die von der Mutter bis zur Verpuppung bewacht und gefüttert
werden. Die adulten Käfer ernähren sich einerseits vom toten Fleisch, andererseits auch räuberisch, wobei
sie v.a. den Fliegenmaden im Kadaver nachstellen. Interessant ist, dass mit den Käfern auch weitere Milben
eingeschleppt werden, die diese als Transportmittel nutzen. Eine Milbenart (Poecilochirus necrophori) verlässt
ihren Wirtskäfer auch zur Nahrungsaufnahme nicht, sondern nimmt als Kommensale an dessen Mahlzeiten
teil.
Mit fortschreitender Fäulnis nimmt die Anzahl der Käfer zunächst weiter zu, wobei die räuberisch - v.a. von
den nun massenhaft vorhandenen Fliegenmaden - lebenden Arten der Familien Styphylinidae (Kurzflügler),
Histeridae (Stutzkäfer, Abb. 15) und Aaskäfer (Silphidae) dominieren. Auch Arten der Kurzflüglergattung
Aleochara, deren Larven in Fliegenmaden parasitieren, treffen nun am Aas ein.
Wenn die Fleischteile weitgehend aufgezehrt sind, ändert sich das Bild noch einmal. Die Fliegenmaden
wandern nun größtenteils ab oder verpuppen sich, bei den Käfern dominieren dann desaprophagen Arten der
Familie Catopidae (Nestkäfer, Abb. 16), häufig sind auch noch die Larven der Aaskäfer anzutreffen, sowie
Mistkäfer (Scarabaeidae) der Gattung Geotrupes (Abb. 17).
Abb. 15
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Abb. 17
Abb. 18:
Selbst einzelne Knochen werden noch von Käfern besiedelt; hier findet man häufig Omosita-Arten (Glanzkäfer,
Nitidulidae, Abb. 18). Im Zusammenspiel mit Mikroorganismen (Bakterien, Pilzen) sorgen die hier angeführten
Tiergruppen für eine rasche Beseitigung abgestorbenen Tiermaterials, was bei Kleintieren ein bis mehrere
Tage dauert, bei großen Äsern (Großsäuger, Großvögel) aber auch einige Monate in Anspruch nehmen kann.
Nach diesem Zeitraum, der auch stark von den Außentemperaturen abhängt, bleiben meist nur größere
Knochen übrig, deren Abbau sich über längere Zeit erstrecken kann.
5.2 Lebensraum Kot
Ebenso wie Aas ist auch Kot ein gut abgegrenzter Mikro-Biotop, der sich aufgrund seiner Entwicklungsgeschwindigkeit für das Beobachten von Sukzessionen anbietet. Zudem ist der Umgang mit Kot wesentlich
ungefährlicher als mit Aas.
Für das Studium der Tiergemeinschaften in Fäkalien eignen sich in erster Linie die Exkremente
pflanzenfressender Säugetiere. Diese enthalten nämlich noch einen hohen Anteil unvollständig abgebauter
Nahrungsreste, im Gegensatz zum Kot der Fleischfresser, der kaum noch für höhere Tiere verwertbare
Bestandteile besitzt. Die koprophagen (streng an Kot gebundenen) und koprophilen (vorwiegend an Kot
lebenden) Dungbewohner ernähren sich demnach von faulendem Pflanzensubstrat, weshalb einige Arten
nicht streng an Kot gebunden sind, sondern auch in Kornposthaufen, faulenden Kartoffeln, Pilzen und
ähnlichem vorkommen.
Die Fäkalienfauna unterscheidet sich zum einen je nach Kotart, zum anderen jedoch auch nach den
vorhandenen Pflanzenresten. Zu den eigentlichen Kotfressern kommen außerdem, analog den Verhältnissen
an Aas, Fleischfresser hinzu, die den reich gedeckten Tisch zu nutzen wissen, sowie Arten, die größere
Dunghaufen, z.B. Kuhfladen, als Unterschlupf annehmen. Weitere Gemeinsamkeiten mit den Lebensgemeinschaften an Aas sind die schnelle Veränderung des Biotops durch die Bewohner (und durch die allmähliche
Austrocknung) sowie die gedrungene, oft rundliche Körperform der eigentlichen Kotfresser.
Die wichtigsten Besiedler von Exkrementen sind Fliegen (Dipteren) und Käfer. Neben Regenwürmern, die v.a.
bei der Beseitigung von Kuhfladen eine Rolle spielen, sind es in erster Linie die beiden Gruppen, die in
Zusammenarbeit mit Bakterien und Pilzen dafür sorgen, dass das Fäkalmaterial von der Bodenoberfläche
verschwindet und dem Nährstoffkreislauf wieder zugeführt wird.
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Die Tiere wenden dabei in erster Linie zwei Strategien an:
1.
Fliegenmaden und manche Käferarten, zu denen Arten der Gattungen Cercyon (Hydrophilidae,
Abb. 19) und Aphodius (Scarabaeidae, Abb. 20) gehören, wühlen und fressen im Kot und wechseln
ihren Aufenthaltsort mit dem sich ändernden Feuchtigkeitsgradienten.
2.
Andere Käferarten, v.a. die großen Mistkäfer der Gattungen Geotrupes (s. Abb. 17) und Typhoeus
(Stierkäfer), bauen unter den Fäkalien tiefe Gänge (Typhoeus bis zu 1,5 m), in denen sie einzelne in
Kugelform gebrachte Kotstückchen als Nahrungsvorrat für ihre Larven deponieren. Bei einigen dieser
Arten besteht eine ausgeprägte Vorliebe für Kaninchenkot, der von sich aus bereits eine optimale
Transportform aufweist.
Abb. 19
Abb. 20
Abb. 17
Nicht alle Arten besiedeln den frisch abgesetzten Dung gleichzeitig. Am Beispiel Kuhfladen soll dies einmal
näher erläutert werden. Direkt nach dem Absetzen ist der Fladen noch warm und v.a. sehr feucht. Die ersten
eintreffenden Insekten sind auch hier wieder die Fliegen, die in zahlreichen Arten die Kuhfladen besiedeln
(dungbewohnende Arten der Familien Muscidae (Abb. 21), echte Fliegen, Sphaeroceridae, Dungfliegen,
Scatophagidae (Abb. 22), Kotfliegen u.a.). Auch der Individuenreichtum der Fliegen ist sehr groß. So stellen
die Dungfliegen (Sphaeroceridae) bis zu einem Viertel aller in einem Kuhfladen vorhandenen Insekten; in 1 kg
Schweinemist können sich bis zu 15000 Stubenfliegen (Musca domestica) entwickeln. Aus diesen Zahlen wird
deutlich, welche bedeutende Stellung die Fliegen in der Nahrungskette einnehmen.
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Abb. 21
Abb. 22
Wenn der Kuhfladen nach einigen Stunden oberflächlich angetrocknet ist und eine feste Kruste aufweist,
können die Fliegen keine Eier mehr im Substrat ablegen. Die nächsten Besiedler sind dann die Käfer. Auch
sie erreichen, angelockt durch die weithin wahrnehmbaren Düfte, meist in der Dämmerung, fliegend ihr Ziel.
Sofort nach der Landung graben sie sich in den Fladen ein, um potentiellen Feinden, v.a. Vögeln, zu entgehen.
Durch die Wühltätigkeit der Scarabaeiden und Hydrophiliden verändert sich der Lebensraum sehr stark. Es
entstehen Gänge im Substrat, und die Exkremente werden allmählich in den Untergrund eingearbeitet. Zudem
erscheinen nun Nematoden und Milben (s. Abb. 13), die die großen Käfer als Transportmittel benutzt haben.
Weiterhin treffen sehr bald auch die ersten räuberischen Käferarten ein, die durch das überreiche Angebot an
Fliegeneiern und -maden angelockt werden. Es sind dies in erster Linie Vertreter der Kurzflügler
(Staphylinidae) und Stutzkäfer (Histeridae, s. Abb. 15), die sich in den bereits vorhandenen Gängen frei
bewegen können. Haben Käfer und Fliegenmaden einen Großteil des Kuhfladens bereits aufgefressen, so
erledigen Regenwürmer und Collembolen (Springschwänze, Abb. 23) den Rest. Besonders die Regenwürmer,
die den Dung Stück für Stück in ihre unterirdischen Gänge hineinziehen, leisten oft einen erheblichen Beitrag
zur Reinigung der Bodenoberfläche.
Abb. 13
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5.3 Lebensraum Pilze
Pilze sind zu einem erheblichen Teil an der Zersetzung toten organischen Materials in verschiedensten LandÖkosystemen beteiligt. Während der eigentliche Pilz, das Myzel, ein im Substrat (Waldboden, morsches Holz
etc.) verborgenes Leben führt und den meisten Menschen unbekannt ist, sind die Fruchtkörper einiger Arten
umso auffälliger. Besonders die großen Blätterpilze, Röhrenpilze und Porlinge sind auch als Lebensraum
wirbelloser Tiere von Bedeutung. In den folgenden Ausführungen soll nur auf diese großwüchsigen Vertreter
aus dem Reich der Pilze eingegangen werden.
Neben den eigentlichen Pilzfressern leben im Mikrobiotop Pilz natürlich auch viele räuberische Wirbellose, die
sich von diesen sogenannten Mycetophagen ernähren. Sobald der Fruchtkörper abstirbt und in Fäulnis
übergeht, kommen zudem noch zahlreiche Detritusfresser hinzu, die auch vielerlei andere faulende
organische Substanz zu nutzen in der Lage sind und somit nicht zur eigentlichen Pilzfauna zählen. Auf sie soll
hier nicht näher eingegangen werden.
Die rnycetophagen Tierarten werden durch ätherische Öle angelockt, die ein Pilz in frischem Zustand in die
Umgebung aussendet. Als erste Gäste erscheinen Dipteren, von denen die Pilzmücken (Mycetophilidae)
mengenmäßig den bedeutendsten Anteil ausmachen. Wie ihr Name bereits sagt, entwickeln sich die meisten
Mycetophiliden-Arten in allen möglichen Pilzen, ein geringerer Teil kommt auch in modernden und faulenden
Pflanzenstoffen vor. Es sind sehr zartgliedrige Geschöpfe, etwa 5 mm lang, meist gelb bis braun oder schwarz
gefärbt. Ihre dünne Cuticula (die den Körper umgebende chitinöse Membran) schützt sie kaum vor
Austrocknung, so dass sie nur bei hoher Luftfeuchtigkeit überleben können. Ähnlich anfällig gegen Trockenheit
sind ihre wurmförmigen, weißlich gelben, mit einer auffallend dunklen Kopfkapsel versehenen Larven, die in
den Pilzen oft in großen Mengen auftreten und als Zersetzer organischen Materials auf dem Waldboden eine
beachtliche Rolle spielen.
Pilzmückenlarven wiederum sind die Hauptnahrung der zahlreichen Kurzflüglerarten der Gattung Bolitobius
(syn. Lordithon, Abb. 24). Ebenfalls bereits in frischen Pilzen zu finden ist Oxyporusrufus, eine durch ihre,
Größe (7 - 12 mm) und rotschwarze Färbung sehr auffällige Käferart. Oxyporus wird nur häufig übersehen, da
er meist im Innern der Pilze sitzt und durch Auseinanderzupfen derselben gefunden werden kann.
Zu den eigentlichen Pilzfressern gehören neben Pilzmückenlarven, Hornmilben (Oribatei) und
Nacktschnecken der Gattung Arion (Wegschnecken) auch die Larven verschiedener Käferarten, deren
Imagines sich von den Pilzen erbeuten lassen. Je nach Pilztyp bietet sich dem Beobachter ein sehr
unterschiedliches Bild: In harten Baumschwämmen finden sich oft in großer Anzahl kleine walzenförmige
Käferchen, sogenannte Schwammfresser (Cisidae), die über mehrere Generationen in einem Porling
gezüchtet werden können und diesen letztendlich völlig zu Staub zerfressen. Diese harten Baumschwämme
nimmt man am besten mit, um in einem geeigneten Behältnis den Schlupf der Bewohner abzuwarten. An der
Unterseite harter Baumschwämme halten sich die kleinen Kurzflügler der Gattung Bolitochara auf, die man
erbeutet, indem man den Klopfschirm unter den Pilz hält und diesen mit einem Stock kräftig abklopft.
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25
Abb. 24
Abb. 25
Abb. 26
In den weichen Baumpilzen der Birke findet man manchmal den großen, rot-schwarz gezeichneten,
hochaufgewölbten Diaperis boleti (Abb. 25), einen Vertreter der Familie Tenebrionidae (Schwarzkäfer). In den
gleichen Biotopen kommt häufig eine kleine, verhältnismäßig breit gebaute Kurzflüglerart vor, Agaricochara
latissima. Sie ist nahe verwandt mit den sehr ähnlichen Gyrophaena-Arten (Abb. 26), die jedoch vorwiegend
Blätterpilze am Waldboden bewohnen und hier sehr zahlreich auftreten können.
Neben diesen typischen Pilzbewohnern, die natürlich nur eine kleine Auswahl der häufiger zu findenden Arten
darstellen, wird man beim Sieben oder Abklopfen von Pilzen auch immer wieder Spinnen (s. Abb. 2),
Weberknechte (Abb. 27), Asseln (s. Abb. 9), Tausendfüßer (Abb. 28) und andere Wirbellose einsammeln. Es
handelt sich dabei jedoch in aller Regel um Zufallsgäste, die weder obligatorische Pilzfresser sind, noch sich
auf die Erbeutung mycetophager Insekten spezialisiert haben. Mit fortschreitender Fäulnis nimmt dann
ohnehin die Zahl der Tierarten zu, die wenigsten von ihnen jedoch zählen dann noch zu den echten
Pilzbewohnern.
Abb. 9
Abb. 27x
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26
Abb. 28
Abb. 2
5.4 Lebensraum Tiernester
Nester sind Lebensraum nicht nur für ihre Erbauer, sondern auch für eine artenreiche nachgeordnete
Lebensgemeinschaft. Grundsätzlich muss man zwischen verschiedenen Typen von Nestern unterscheiden,
die sich auch hinsichtlich ihrer sekundären Bewohner deutlich voneinander abgrenzen.
Die Haupttypen sind:
1.
in Gebüsch und Bäumen frei hängende Nester, meist Vogelnester, aber auch von z.B. Eichhörnchen
und Haselmaus,
2.
Nester in natürlichen oder künstlichen Baumhöhlen, meist Vogelnester, aber auch z.B. von
Eichhörnchen, Marder oder Schläfern,
3.
Nester in Erdhöhlen, von Wühlmäusen, Maulwurf, Fuchs, Dachs, Kaninchen etc.
und
4.
Nester staatenbildender Insekten - Bienen, Hummeln, Wespen, Ameisen.
Eine Zwischenstellung zwischen den freihängenden und den Nestern in Erdhöhlen nehmen direkt an der
Bodenoberfläche angelegte Nester von bodenbrütenden Vögeln und von Mäusen ein.
Für die Besiedlung mit Wirbellosen von entscheidender Bedeutung sind v.a. die Faktoren Mikroklima und
Substrat bzw. Nahrungsspektrum in den Nestern. Die Art des Primärbesiedlers, also des Nesterbauers, ist
außer bei den Insektenstaaten meist von untergeordneter Bedeutung. Bei Insektenstaaten ist sie jedoch
wichtig, da die nestbauenden Wespen, Ameisen etc. selbst für viele Sekundärbewohner die Nahrungsgrundlage darstellen.
Die folgenden Tabellen (verändert nach Sick 1940) charakterisieren kurz gefasst die wichtigsten Faktoren:
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27
Tabelle 1
Substrate bzw. Nahrungsstoffe In den Nestern
Typus des Nestes
Laub,
Moos
Reisig
Erde
(Mulm)
Faulholz
Pilze
Kot +
Abfälle
1. frei hängend
+++
+
(+)
-
-
(+)
2. Baumhöhle
+
+
+
+
+
+
3. Erdhöhle
+
(+)
+++
-
(+)
+
4. Insektennest
-
-
+
+
+
(+)
Bodennest
+
+
+++
+
+
+
+
= vorhanden
(+)
= teilweise vorh.
++
= viel
+++ = sehr viel
Tabelle 2
Mikroklimatische Faktoren
Typus des Nestes
Temperatur
Feuchtigkeit
Luftzirkulation
1. frei hängend
schwankend
schwankend
gut
2. Baumhöhle
konstant
konstant
schlecht
3. Erdhöhle
konstant
konstant
schlecht
4. Insektennest
konstant
konstant
± schlecht
± konstant
± konstant
mittel
Bodennest
Aus dieser Darstellung geht hervor, dass frei hängende Nester i.d.R. ein von der Umgebung nur unerheblich
abweichendes Mikroklima aufweisen und in Bezug auf die vorhandenen Substrate große Ähnlichkeit mit
Reisigbündeln u.ä. aufweisen. Die Fauna der frei hängenden Nester enthält daher auch nur wenige
charakteristische Arten und wird hier nicht weiter berücksichtigt. Von dieser Regel abweichend sind lediglich
die, allerdings schwer erreichbaren, Nester von Großvögeln (Greifvögel, Reiher, Störche) und
Eichhörnchenkobel, die aufgrund ihres Volumens ein konstantes Innenklima besitzen und häufig mit Kot und
Nahrungsresten stark verschmutzt sind. Auch auf ihre Fauna soll wegen der schlechten Erreichbarkeit sowie
v.a. aus Artenschutzgründen nicht näher eingegangen werden.
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Ähnlich verhält es sich mit den unterirdischen Nestern der größeren Säuger. Es ist wohl nicht anzuraten, imRahmen des Schulunterrichtes den noch bewohnten Bau eines Fuchses, Dachses oder anderer Tiere
aufzugraben, um den Nestinhalt zu untersuchen.
Insektennester bergen wiederum andere Probleme. Entweder die Bewohner sind sehr wehrhaft, wie z.B.
Bienen, Hornissen, Wespen, Waldameisen, oder ihre Bauten sind sehr schlecht und meist nur unter
Zerstörung derselben zu erreichen. Dies ist der Fall bei vielen holzbewohnenden Ameisen (Ameise s. Abb.
14), die oft im Inneren von Baumstämmen bzw. dicken Ästen hausen.
Abb. 14
Viele der sogenannten "Ameisengäste" kann man sich jedoch auch beschaffen, ohne gleich das ganze Nest
auseinanderzunehmen. Einen Großteil der Arten findet man beim Sieben der das Nest umgebenden
Bodenstreu oder unter nestnahen, flachen Steinen, die man zu diesem Zweck auch auslegen kann.
Die regelmäßig in oder im näheren Umkreis von Ameisennestern auftretenden Tierarten lassen sich zunächst
in zwei Klassen einteilen. Die eine wird von Tieren gebildet, die hinsichtlich Nahrungsangebot, Kleinklima oder
Feindarmut besonders geeignete Verhältnisse in der Nähe von Ameisenstaaten vorfinden. Neben eng an die
Nester gebundenen Organismen treten auch Arten in Erscheinung, die in der umliegenden Bodenstreu
ebenfalls zu finden sind, meist jedoch in geringerer Dichte.
Die andere Klasse setzt sich aus Tieren zusammen, die in irgendeiner Weise den direkten Kontakt zu den
Ameisen suchen.
Dieser Kontakt kann:
1.
ein reines Feindschaftsverhältnis sein: die Arten fressen ihre "Gastgeber", und ihre Anpassung an die
Ameise besteht lediglich in der Nahrungsspezialisierung und in der Entwicklung wirkungsvoller
Abwehrmechanismen gegen die Angriffe ihrer Opfer
oder
2.
im Rahmen einer Integration in das Gesellschaftsleben eines Ameisenstaates stattfinden.
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29
Die folgenden Ausführungen beschränken sich auf einige Beispiele aus der Käferfauna.
Reine Feindschaftsverhältnisse (sog. Synchetrien) liegen vor, wenn die entsprechenden Käferarten sich
ausschließlich von Ameisen ernähren. Dies ist z.B. der Fall bei den Zyras-Arten (Abb. 29), Kurzflüglern, die
durch ihren relativ großen, gedrungenen Körperbau auffallen. Oft lauern mehrere Arten der Gattung Zyras in
recht hohen Individuenzahlen in der Nähe von Ausgängen der Ameisenbauten. Als Beute wird Lasius
fuliginosus bevorzugt, eine recht große, glänzend schwarze Ameisenart, die ihre unter Umständen sehr
volkreichen Nester in Wurzel- und Stammhöhlen alter Bäume anlegt. Die Käfer spritzen den Ameisen aus der
Analöffnung ein Sekret an den Kopf, wodurch diese betäubt und dann bis auf den Kopf gefressen werden. Ein
Zyras kann auf diese Weise täglich etwa 10 Ameisen vertilgen. Weiter ausschließlich von Ameisen lebende
Käfer sind die Kurzflüglerarten Quedius brevis (Abb. 30) und Gyrohypnus atratus, die jedoch vorzugsweise
bei den Waldameisen der Gattung Formica auftreten.
Andere Käfer werden in den Nestern der Ameisen geduldet, obwohl zumindest die Larven einiger Arten auch
dem Nachwuchs des Wirtes nachstellen. Die Käfer selbst ernähren sich von toten oder verwundeten Ameisen,
Beuteresten ihres Gastgebers oder auch von speziellen anderen Mitbewohnern des Nestes. Eine besonders
auffallende Art dieser sogenannten "Synöken" ist Clytra quadripunctata (Abb. 31), ein großer, orangefarbener
Blattkäfer (Chrysorrielidae) mit schwarzem Kopf und Halsschild sowie je zwei Flecken auf jeder Flügeldecke.
Während sich das ausgewachsene Tier auf in der Nähe von Formica-Bauten aufhält, ernährt sich die Larve in
den Nestern von eingetragenen tierischen Resten, von toten Ameisen und von Ameisenbrut. Zum Schutz vor
den Angriffen der wehrhaften Krabbeltiere trägt sie einen Kotsack, in dem ihr dünnhäutiger und gefährdeter
Hinterleib verborgen ist.
Abb. 29
Abb. 30
Abb. 31
Unter den Synöken gibt es hoch viele weitere Arten aus den Familien Ptiliidae (Zwergkäfer, Abb. 32),
Histeridae (Stutzkäfer, s. Abb. 15) und Staphylinidae (Kurzflügler). Zu letzteren gehört z,B. Dinarda dentata,
die sich auf die Verfolgung von Milbenarten.
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30
Abb. 15
Abb. 32
Der höchstentwickelte Grad des Zusammenlebens von Käfern und Ameisen ist die Symphilie, bei der die Käfer
zwar oft räuberisch von Ameisen bzw. deren Brut leben, als "Gegenleistung" dafür aber besondere Sekrete,
sogenannte Exsudate, anbieten, die aus Büscheln gelber Haare an den Seiten der vorderen Hinterleibsringe
austreten. Für die Ameisen stellen diese Exsudate eine Art Rauschmittel dar, und sie lecken sie daher mit
großer Begierde auf. Die Käfer werden von ihren Wirten gefüttert und sorgsam gepflegt. Sie betrillern diese
sogar nach Art der Ameisen und fordern so das Futter heraus. Nebenbei können diese Untermieter ihren
Ameisenstaat jedoch ganz erheblich schädigen, indem sie auch Eier und Larven ihrer Wirte fressen. Die
Larven z.B. von Lomechusa strumosa und den Atemeles-Arten (Staphylinidae, Abb. 33) leben sogar direkt auf
der Brut der Ameisen und ernähren sich ausschließlich davon.
Abb. 33
Normalerweise halten sich diese echten Ameisengäste im Innern der Baue auf, man kann sie aber auch unter
Steinen in unmittelbarer Nähe des Nestes in den darunter verlaufenden Gängen finden. Neben den bereits
erwähnten, außerordentlich robust gebauten Kurzflüglern Lomechusa strumosa und Atemeles spec. gehören
in diese Gruppe auch Kleinkäfer der Familien Pselaphidae (Palpenkäfer) und Clavigeridae (Keulenkäfer).
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Neben den Insektennestern weisen besonders auch Baum- und Erdhöhlennester sehr konstante
mikroklimatische Verhältnisse auf sowie darüber hinaus ein großes Angebot an Nahrungsstoffen. Vor allem
sind meist reichlich Kot, Essensabfälle usw. vorhanden und entsprechend groß ist auch die Zahl der
Nutznießer dieser Ressourcen.
Ideale Einrichtungen zur Beobachtung von "Baumhöhlennestern" sind (Vogel-)Nistkästen, die sich sogar auf
einem Schulgelände in einiger Anzahl installieren lassen. Der günstigste Zeitpunkt zur Kontrolle der Nistkästen
ist kurz nach dem Ausfliegen der Vogelbrut. Dann ist die Menge der Bewohner am größten, da noch
ausreichend Kot und Nahrungsreste (z.B. Chitin) der Nesterbauer, evtl. sogar abgestorbene Eier oder
Jungvögel vorhanden sind. Man kann die Nistkasteninhalte (die übrigens umso artenreicher sind, je mehr
Bruten hintereinander - ohne Leerung - stattgefunden haben) entweder direkt vor Ort ins Käfersieb geben oder
aber unbehandelt in Stoffbeutel verstauen und für eine spätere Bearbeitung aufbewahren. Dabei dürfen sie
jedoch nicht völlig austrocknen. Jedes Nest sollte getrennt aufbewahrt werden. Möglicherweise lassen sich
später Unterschiede in der Besiedlung feststellen, die sich auf die speziellen Verhältnisse im einzelnen
Nistkasten wie Vogelart, Größe und Exposition des Kastens, Nestvolumen u.a. (entsprechende Notizen
machen!) zurückführen lassen.
Vor dem Öffnen von Nistkästen muss man sich vergewissern, dass sie nicht von Wespen oder Hornissen
bewohnt sind (die in ihren Nestern ebenfalls eine spezifische Begleitfauna beherbergen).
Hinweis beim Öffnen: Vorsicht, Flöhe! Diese kleinen Plagegeister finden sich in praktisch allen Nestern von
Warmblütern in unterschiedlicher Zahl. Sie springen den Menschen, als willkommene (aber nur vorübergehende) Nahrungsquelle, sofort an, wenn der Kasten geöffnet ist. Eine gute Methode zur Abwehr solcher
Angriffe ist, einfach mit hochgekrempelten Ärmeln und etwas Distanz an die Arbeit zu gehen. Die Flöhe
springen dann sofort auf die warmen, hellen Arme und lassen sich von da ohne Probleme ablesen. Wenn sie
nämlich erst einmal die Kleidung erreicht haben, wird es unangenehm.
Flöhe (Abb. 34) sind also zunächst die auffälligsten Bewohner von Vogel-Nistkästen. Während ihre Larven
sich von allerlei organischen Resten in den Nestern ernähren, parasitieren die Imagines an Warmblütern,
vornehmlich an den Nesterbauern, von denen sie sich auch in die jeweiligen Brutstätten tragen lassen. Weitere
in Nestern regelmäßig anzutreffende Wirbellose sind Collembolen (Springschwänze s. Abb. 23), die sich von
verfaulenden Pflanzenteilen und Exkrementen ernähren. In den Nestern in hohlen Bäumen mischt sich unter
die eigentlichen Nestbewohner dann noch die Fauna des Baummulms, z.B. Tausendfüßer, Hundertfüßer und
Asseln (s. Abb. 3, 9, 28).
Abb. 34
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32
Abb. 3
Abb. 28
Abb. 9
Käfer sind in nahezu allen Höhlennestern in unterschiedlicher Arten- und Individuenzahl vorhanden. Auf einige
Arten soll auch hier wieder näher eingegangen werden. Ein sehr auffälliges Tier ist die Staphylinide Quedius
brevicornis (Quedius spec., Abb. 36). Sie ist sehr groß (ca. 11 mm), läuft sehr schnell und ist sofort an ihrer
kontrastreichen Färbung zu erkennen: glänzend schwarz mit roten Flügeldecken. Das stattliche, räuberisch
lebende Tier benötigt eine gewisse Feuchtigkeit und ist in mulmreichen Baumhöhlennestern nicht selten. In
Nistkästen dürfte man es allerdings nur ausnahmsweise antreffen.
Im Gegensatz zu Quedius brevicornis ist Trox scaber (Abb. 37), ein kleiner Blatthornkäfer (Scarabaeidae),
äußerst träge. Nach dem Ausbreiten des Nestinhaltes dauert es oft 15 min oder länger, bis sich plötzlich ein
erbsengroßes Klümpchen aus dem Gesiebe löst und sich langsam fortbewegt. Trox scaber lebt, ausschließlich
in Höhlennestern und ernährt sich dort von Federn, Haaren, Knochen etc..
Abb. 36
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Andere in Nistkästen häufiger lebende Arten sind der Nestkäfer (Catopidae) Nemadus colonoides, der
Stutzkäfer (Histeridae, s. Abb. 15) Dendrophilus punctatus sowie die Kurzflügler (Staphylinidae) Haploglossa
pulla und Aleochara albovillosa. Die Larven der letzten Art parasitieren in Fliegenmaden.
Abb. 15
Erheblich artenreicher als die Nistkastenfauna sind Nester in natürlichen Baumhöhlen, da viele Käfer eine
Mulmschicht unter dem Nest zu benötigen scheinen. Auch lagern hier oft viele Nestjahrgänge und somit
unterschiedlichste Zerfallsstadien übereinander, jeweils mit typischer Lebensgemeinschaft. Zwar ist es
normalerweise sehr schwer, an solche Baumhöhlen heranzukommen, doch gerade in Städten mit ihrem häufig
sehr alten, höhlenreichen Baumbestand, hat man immer wieder die Gelegenheit, bei Baumfällarbeiten an die
Höhlungen zu gelangen. Ein guter Kontakt zu den örtlichen Grünflächenämtern ist dabei sehr vorteilhaft. Man
wird erstaunt sein, welch seltene Arten unsere Großstadtbäume beherbergen.
Einige Wühlmausarten, wie Rötelmaus, Erdmaus und Schermaus, legen ihre Nester an der Erdoberfläche
oder unmittelbar darunter an. Sie wählen dafür etwas geschützte Plätze wie Hecken, größere Grasbüschel
oder die Wurzelnischen alter Bäume. Besonders mit der Bodenstreu aus solchen Wurzelnischen gelangen
ganze Nester oder Teile von ihnen, meist unbeabsichtigt, immer wieder einmal in Bodenstreugesiebe hinein.
Wenn man das Nest nicht schon am Baumaterial erkannt hat, dann spätestens beim Aussuchen des Gesiebes
an seiner typischen Fauna. Auch in Mäusenestern wird man wieder Flöhe (s. Abb. 34) antreffen, insbesondere
aber verschiedene Käferarten der Familie Catopidae (Nestkäfer, s. Abb. 16). Auffällig sind v.a. die recht großen
Vertreter der artenreichen Gattung Catops. Auch eine Besonderheit der heimischen Käferfauna findet sich
vornehmlich in Mäuse-und Maulwurfsnestern: der "Mäusefloh" (Leptinus testaceus, Leptinidae). Als echtes
Höhlentier sind Augen und Flügel des Tieres reduziert, auch Pigmentierung ist kaum vorhanden.
Abb. 34
Abb. 16
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5.5 Die Tierwelt der Bäume und Sträucher
Die zahlreichen Arten unserer Bäume und Sträucher haben jeweils ihre eigene Wirbellosenfauna. Viele dieser
Tiere sind monophag, leben also nur an einer Pflanzenart, andere sind oligophag und kommen i.d.R. an den
verschiedenen Sträuchern (Bäumen) einer Gattung (z.B. Prunus, Kirsche) bzw. Familie (z.B. Rosaceae,
Rosengewächse) vor.
Die Funktion, die die Pflanze für die einzelnen Tierarten hat, ist durchaus unterschiedlich. Einige machen ihren
gesamten Entwicklungszyklus auf der Pflanze durch (z.B. Blattläuse [Abb. 38], Gallwespen, div. Wanzen[Abb. 39 u. 40] und Käferarten), andere leben nur als Ei und Larve auf der Pflanze, verpuppen sich jedoch im
Boden (viele Schmetterlinge und Käfer), wieder andere suchen nur als Imagines. Sträucher und Bäume zur
Nahrungsaufnahme auf (z.B. Maikäfer, viele Rüsselkäfer).
Abb. 38
Abb. 40
Abb. 39
Während die oben angeführten sogenannten "Phytophagen" die Pflanze direkt als Nahrungsquelle nutzen,
gibt es natürlich daneben auch Arten, die als Larve oder Imago dort ihre Beutetiere jagen (Spinnen, Florfliegen,
einige Schwebfliegen, Marienkäfer
u.a.; s. Abb. 2, 5, 7) oder sich nur im schützenden Gewirr der Blätter verstecken oder ausruhen. Hierzu zählen
viele Insekten, deren Larval-Entwicklung in Gewässern vonstattengeht (Libellen, Köcherfliegen [Abb. 41],
Steinfliegen [Abb. 42] u.a.).
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35
Abb. 7:
Abb. 2
Abb. 5
Abb. 41
Abb. 42
Die Pflanze bietet demnach von der Nahrungsquelle bis hin zur reinen Struktur, die zur Geschlechterfindung
für die Fortpflanzung benötigt wird, die mannigfaltigsten "Dienstleistungen" an. Dies macht auch deutlich, dass
es ein völlig hoffnungsloses Unterfangen wäre, wollte man auch nur ansatzweise einen Überblick über die
Vielfalt der an Bäumen und Sträuchern anzutreffenden Lebensgemeinschaften vermitteln. Es soll an dieser
Stelle trotzdem der Versuch unternommen werden, eine brauchbare Zusammenstellung wenigstens der
Käferfauna an der Pflanzengattung Salix, also den Weiden, vorzulegen. Die folgenden Ausführungen beziehen
sich v.a. auf die-Verhältnisse im Tief- und niedrigen Bergland.
Weiden haben als Fraßpflanzen für Insekten eine große Bedeutung. Alleine an der Salweide (Salix caprea)
leben etwa 150 Arten von Großschmetterlingen. Für Käfer haben die Weiden eine ähnlich große Bedeutung,
einige Arten können sich allerdings auch auf verwandten Baum- und Straucharten (Betula, Populus)
entwickeln. Dazu kommen noch zahlreiche Formen, die lediglich eine baum- oder strauchartige Struktur in
ihrem Lebensraum benötigen und somit beispielsweise an FIußufern oder in Sümpfen häufig auf Salix-Arten
anzutreffen sind. Dazu zählen z.B. die zahlreichen Arten der Sumpffieberkäfer (Helodidae Abb. 43), deren
Larven sich in verschiedenen Gewässern entwickeln, während die Imagines die Vegetation als Ort der
Geschlechterfindung benötigen. Andere Arten leben räuberisch und verfolgen ihre Beute, Blattläuse, Raupen
o.ä., auch auf Weiden. In diese Gruppen gehören u.a. Weichkäfer (Cantharidae, Abb. 44) und Marienkäfer
(Coccinellidae). Die meisten Vertreter beider Käferfamilien sind bezüglich ihrer Beutetiere relativ
unspezialisiert, weshalb sie auf den verschiedensten Bäumen und Sträuchern gefunden werden können.
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36
Abb. 43
Abb. 44
Wie in allen Biotopen muss man natürlich auch beim Sammeln von Käfern oder anderen Wirbellosen an
Weiden damit rechnen, zahlreiche Irr- und Zufallsgäste mit zu erfassen. So findet man z.B. regelmäßig den
monophag an Buchen lebenden Springrüssler Rhynchaenus fagi (der dort für den Lochfraß in den
Buchenblättern verantwortlich ist) auf allen möglichen Sträuchern und Bäumen. Diese Tiere treten in ehr
großen Populationen auf und verfliegen sich auf der Suche nach neuen Nahrungsquellen regelmäßig. Für
Käfer sind die verschiedenen Weidenarten sehr unterschiedlich attraktiv. Von den neun weitverbreiteten
Weiden (s. Tab. 3) haben lediglich sechs eine sehr artenreiche (Phytophagen-)Käferfauna. Salix triandra, S.
alba und S. pentandra (Mandel-, Silber- und Lorbeerweide) werden von den meisten Käfern gemieden, eignen
sich folglich auch weniger zum Besammeln (diesen Befund kann man natürlich auch im Freilandunterricht
erarbeiten). Zumindest bei der Mandelweide (Salix triandra) ist die geringe Attraktivität in der hohen
Konzentration an Gerbstoffen und dem sekundären Pflanzenstoff Triandrin in den Blättern begründet.
Für die Anpassung der Käfer an die restlichen Weidenarten sind v.a. zwei Faktoren ausschlaggebend:
1.
Salicylsäuregehalt der Blätter
2.
Behaarung der Blätter
Manche Käferarten, für die. diese Faktoren von besonderer Bedeutung und die Bindung an die Gattung Salix
nicht so stark sind, kommen daher auch, auf den nahe verwandten Pflanzengattungen Populus (Pappel) bzw.
Betula (Birke) vor. Tabelle 3 stellt die Einordnung der Weidenarten in das natürliche Verwandtschaftssystem
der Pflanzen dar, nebst den für die Käferbesiedlung entscheidenden Faktoren Behaarung und Salicylsäuregehalt:
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Tabelle 3
Reihenfolge d.
Salicylsäure
Haare
Bemerkungen
Birkengewächse (Betulaceae)
-
(+)
Wollweiden (S.caprea,
S. aurita, S. cinerea)
-
Korbweide (S. viminalis)
-
Purpurweide (S. purpurea)
+
Mandelweide (S. triandra)
+
-
wenig Käfer wg. Gerbstoffe
+Triandrin
Silberweide (S. alba)
-
+
wenig Käfer
Bruchweide (S. fragilis)
+
-
Lorbeerweide (S. pentandra)
+
-
Pappeln (Populus spec.)
+
-
+
wenig Käfer
Nach dem vorab Gesagten wird nun anschaulich, dass Käfer, die auf z.B. Salix fragilis oder S. pentandra
leben, z.T. auch auf Pappeln anzutreffen sind, während einige Arten, die sich v.a. an Wollweiden finden, auch
an Birken zur Entwicklung kommen.
Hier soll nun etwas ausführlicher auf einige Käferarten eingegangen werden, die in Deutschland eine sehr
weite Verbreitung haben.
Während nahezu alle Prachtkäfer (Familie Buprestidae) zu den Seltenheiten unserer Käferfauna gehören,
kann man Trachys minutus (Abb. 45), der durch seine charakteristisch dreieckige Form sofort auffällt, im Mai
und Juni recht häufig von Wollweiden sowie Salix viminalis klopfen. Seine Larve lebt nach Art der Blattwespen
in den Weidenblättern, der Käfer frisst an den Blättern.
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Mit recht vielen Arten ist die Familie der Blattkäfer (Chrysomelidae) auf Weiden vertreten. Fünf häufige Arten
bzw. Gattungen, deren Imagines sämtlich an den Blättern fressen, sollen im Folgenden kurz vorgestellt
werden. Plagiodera versicolora ist eine rundliche, auffallend blau glänzende Art. Die Verpuppung ihrer
ebenfalls an Weidenblättern fressenden Larve findet im Gegensatz zu den folgenden Arten auf den Blättern
statt. Von ähnlicher Form, jedoch metallisch grün oder bräunlich gefärbt, sind die beiden häufigsten
Phyllodecta-Arten, P. laticollis und P. vitellinae. Die Tiere verpuppen sich, wie die folgenden Arten, im Boden.
An Weiden lebt eine Reihe untereinander sehr ähnlicher Phytodecta-Arten (Abb. 46), einigermaßen häufig ist
jedoch nur Phytodecta viminalis, die sehr variabel, meist jedoch orange-rot mit schwarzen Makeln, gefärbt ist.
Durch ihre braungelbe Färbung im Gewirr der Blätter gut getarnt ist Lochmaea capreae (Abb. 47), die
besonders an Grau- und Ohrweiden in individuenstarken Populationen auftreten kann und dann kleinere
Sträucher manchmal nahezu kahl frisst. Eher auffällig dagegen sind die Vertreter der Gattung Luperus
(Abb. 48), die wegen ihrer langen Fühler und der glänzend blauschwarzen Flügeldecken kaum mit anderen
Käferarten an Weiden verwechselt werden können. Über ihre Entwicklung ist kaum etwas bekannt. Dasselbe
gilt für die Käfer der Gattung Chalcoides (Abb. 49). Die Tiere gehören zu den kleinsten an Weiden lebenden
Chrysomeliden und fallen durch ihr bunt-metallisches (oft zweifarbiges) Aussehen und ihr Sprungvermögen
auf.
Abb. 48
Abb. 50
Abb. 49
Ebenfalls sehr artenreich sind die Rüsselkäfer (Familie Curculionidae) an Salix vertreten. Die kleinsten von
ihnen sind die Arten der Gattung Apion (Abb. 50). Sie ist sehr artenreich, und ihre Vertreter leben, je nach Art
unterschiedlich, an den verschiedensten Pflanzenarten. Ihre Larven entwickeln sich in den Gallen
verschiedener Gallwespen. Ein Zwerg unter ihnen ist das schwarze Apion minimum, das an verschiedenen
Salix-Arten zu finden ist. Mit metallischen, meist braunen, grauen oder grünen Schüppchen bedeckt sind die
Rüsselkäfer der Gattungen Phyllobius (Abb. 51) und Polydrusus. Eine sehr häufige Art, Phyllobius oblongus,
besitzt jedoch statt der Schüppchen lange Haare und ist ansonsten dunkelbraun gefärbt. Die Larven dieser
beiden Gattungen entwickeln sich unterirdisch an verschiedenen Pflanzenwurzeln. Auch die Verpuppung
findet unterirdisch statt: Einen wiederum anderen Weg zur Sicherung ihrer Nachkommenschaft gehen die
Arten der Gattung Dorytomus (Abb. 52). Die Imagines klettern im Frühjahr auf die Triebspitzen der Weiden
und legen ihre Eier auf die jungen Kätzchenblüten, in denen dann die gesamte Larvalentwicklung abläuft. Die
fertigen Käfer überwintern unter Baumrinde und haben in Anpassung an diesen Lebensraum eine abgeplattete
Körperform. Die der gesamten Käferfamilie den Namen gebenden Arten der Gattung Curculio (Abb. 53) fallen
durch ihren sehr stark verlängerten Rüssel, der bei einigen Spezies die Körperlänge übersteigt, sofort auf. Ihre
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Larvalentwicklung findet, wie bei Apion, in Pflanzengallen statt. Eine Besonderheit innerhalb der Rüsselkäfer
stellt die Lebensweise der Larven der Gattungen Rhynchaenus und Rhamphus dar. Die Tiere minieren in den
Blättern ihrer Wirtspflanzen, und in den Minen findet auch die Verpuppung statt. Die Imagines sind durch ihr
Sprungvermögen von allen anderen Rüsslern leicht zu unterscheiden.
Abb. 51
Abb. 53
Abb. 52
Die Darstellung der Fauna überschaubarer Kleinbiotope bzw. Biotopstrukturen soll hier beendet werden. Ist
sie auch noch so unvollständig, für den Unterricht mag diese Zusammenstellung zunächst genügen.
Interessierte Schüler und Lehrer werden ohnehin schnell auf das Studium weiterführender Literatur
zurückgreifen.
6 Projektvorschlag: Gestaltung des Schulgeländes
Gestaltung des Schulgeländes
Erfreulicherweise gehen viele Schulen heute wieder dazu über, auch ihr eigenes Gelände für den didaktischen
Unterricht nutzbar zu machen. Dies geschieht meist in Form eines Schulgartens, durch die Anlage naturnaher
Biotope, oder es wird, wenn die Flächenkapazitäten ausreichen, beides nebeneinander realisiert. Solche
abwechslungsreich gestalteten Gelände eignen sich selbstverständlich, auch für faunistisch-ökologische
Untersuchungen. An dieser Stelle sollen nun einige Anregungen gegeben werden, wie ein Schulareal gestaltet
werden kann, damit man vielfältige Möglichkeiten zur Untersuchung der Wirbellosenfauna hat.
Die einzelnen Strukturelemente werden im Folgenden getrennt dargestellt:
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6.1 Die Hecke
Bei der Anlage des Gartens sollte es selbstverständlich sein, dass, zumindest bei Bäumen und Sträuchern,
nur einheimische Arten verwendet werden. Exotische Gehölze sind für unsere Fauna weitgehend wertlos.
Daher sollten vor allem solche Arten angepflanzt werden, die im jeweiligen Naturraum heimisch sind. Damit
ist gewährleistet, dass bereits im Umfeld vorkommende Tierarten gezielt auf das Schulgelände gelockt werden
und sichtdauerhaft ansiedeln. Für die Anlage von Hecken sind vor allem Feldahorn, Weißdorn, Salweide und
Rosenarten zu empfehlen. Sie gehören nahezu überall zur bodenständigen Vegetation und werden von
zahlreichen Wirbellosen-Arten besiedelt. Auch Ginster hat eine artenreiche spezifische Faune und eignet sich
zur Pflanzung an Heckenrändern. Die Hecke, sollte 2 - 5 m breit sein und möglichst wenig geschnitten werden.
Zur faunistischen Untersuchung eignen sich die genannten Gehölze vor allem im blühenden Stadium. Dies
ist, mit Ausnehme der Salweide, die im März oder April blüht, von Mai bis Juni der Fall. Zur Blütezeit werden
die Heckensträucher mit einem Stock über dem Klopfschirm abgeklopft. Es lässt sich so eine große Zahl
blütenbesuchender Insekten einsammeln. Außerhalb ihrer Blütezeit bringt besonders das Abklopfen von
Salweide und Ginster ein reichhaltiges Ergebnis, aber auch die anderen Arten besitzen ihre spezifische Fauna.
Die Hecke auf dem Schulgelände bietet noch weitere Untersuchungsmöglichkeiten: Das Laub, das im Herbst
zu Boden fällt, kann unter den Sträuchern verbleiben und dann im zeitigen Frühjahr gesiebt werden. Für
denselben Zweck kann auch im Garten anfallendes Laub in der Hecke abgelegen und evtl. zu Haufen
aufgeschichtet werden. In solchen Laubhaufen überwintern gerne verschiedene Kleinsäuger, deren Begleitfauna bereits oben beschrieben wurde und die sich auch in den Haufen einfindet.
6.2 Obstbäume
Alle Sorten der heimischen Obstarten Apfel, Birne und Süßkirsche sowie die aus Asien bzw. den
Mittelmeerländern stammenden Sauerkirschen, Pflaumen und Pfirsiche sind Lebensraum und Nahrung für
viele Insektenarten. Es sollten grundsätzlich hochstämmige Pflanzen verwendet werden, da sie, besonders im
Alter, über ein erheblich höheres Strukturangebot verfügen.
Wie schon bei den Hecken gesagt, ist auch bei den Obstbäumen die kurze Blütezeit zum Aufsammeln von
Insekten sehr ergiebig. Ebenfalls lohnt sich das Abklopfen der Äste nach der Blüte. Besonders bei älteren
Bäumen kommen noch weitere Strukturelemente hinzu:
a)
rissige, schuppige Borke: Auf der Borke bzw. unter ihren Schuppen halten sich, zahlreiche Tiere auf.
Man kann entweder die Borke über dem Klopfschirm abbürsten, oder die Rindenschuppen mit einem
Beil über dem Käfersieb vorsichtig abschlagen, ohne die unter der Borke befindliche Kambiumschicht
zu verletzen.
b)
Totholz: Stärkere, tote Äste (ab Daumendicke) sollten nicht unmittelbar am. Stamm abgesägt werden,
da sich besonders im Basisteil viele Insekten, vor allem Käfer, entwickeln. Durch kräftiges Abklopfen
über dem Klopfschirm bekommt man manche der Bewohner zu Gesicht. Einen vollständigeren
Überblick über die in den Ästen lebenden Arten bekommt man natürlich durch Eintragen der Äste in
ein Zuchtgefäß.
c)
Baumhöhlen: Durch Ausfaulen abgestorbener Äste, Frostrisse u.a. entstehen in älteren Bäumen
Stamm- und Asthöhlen, die ihre eigene Fauna beherbergen (s.o.).
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6.3 Wildwiese
Die allgemein üblichen Rasenflächen auf dem Schulgelände können mit geringem Aufwand in blüten- und
insektenreiche Wildwiesen verwandelt werden. Der einfachste Weg ist, sie nicht mehr ständig zu mähen und
möglichst von Düngungen Abstand zu nehmen. Eine ein- bis zweimalige Mahd pro Jahr bei Abtragung des
Mähgutes fördert die Ansiedlung krautiger, blütentragender Pflanzen schon erheblich. Dabei sollte in den
ersten drei Jahren zweimal gemäht werden, um überschüssigen Nährstoff möglichst schnell zu entfernen. In
den folgenden Jahren genügt eine Mahd, am besten im September. Es ist durchaus empfehlenswert, eine
solche Wildwiese mit Obstbäumen (Hochstämmen!) zu, bepflanzen und, sie als Streuobstwiese zu nutzen und
zu pflegen.
Bereits kurze Zeit nach Aufgabe der Rasenpflege stellen sich Klee und Wicken ein, die von vielen Käferarten
bewohnt werden. Später kommen Hornklee, Flockenblume, Doldenblütler (z.B. Bärenklau und WaldEngelwurz) und andere hinzu. Besonders Korb-und Doldenblütler sind für nektar- und pollenfressende
Insekten und ihre Feinde (z.B. Krabbenspinnen) von großer Bedeutung. Das Käschern auf einer artenreichen
Wiese lohnt sich während der gesamten Vegetationsperiode und ergibt jeden Monat, bedingt durch die jeweils
gerade blühenden Pflanzenarten, andere Artengemeinschaften. Hochwüchsigere Blütenpflanzen (Disteln,
Bärenklau u.a.} werden besser nicht abgekäschert, sondern eher mit dem Klopfschirm besammelt. So lässt
sich auch für einzelne Pflanzenarten eine eigene Fauna erstellen.
6.4 Das Gemüsebeet
Gemüsebeete sind im Biogarten keine sterilen Monokulturen. Sie sind Teil des Organismus "Garten" und
stellen den Lebensraum vieler Tiere dar. Dies merkt nicht nur derjenige, der sich über Schnecken im Salat und
Raupen am Kohl ärgert. So sind z.B. die Mulchdecken zwischen den Pflanzreihen. Unterschlupf und/oder
Nahrung für Asseln, Tausendfüßer, Milben, Spinnen (s. Abb. 2, 9, 13, 28) und Laufkäfer. Durch Sieben des
Mulchmaterials können die Tiere gesammelt werden und möglicherweise Unterschiede in der Besiedlung
verschiedener Beete festgestellt werden. Auch unter den untersten Salatblättern versteckt sich manches Tier,
und faulende Kohlstrünke, Möhren und andere werden zur Nahrungsaufnahme von Würmern, Schnecken und
Asseln (s. Abb. 9) aufgesucht.
Abb. 9
Abb. 2
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42
Abb. 28
Abb. 13
Zur faunistischen Untersuchung geeignet sind auch die diversen Gründüngungspflanzen, die als StickstoffAnreicherer in keinem nach ökologischen Gesichtspunkten bewirtschafteten Garten fehlen sollten. Besonders
Steinklee (Melilotus), Hornklee (Lotus) und die verschiedenen Klee-Arten (Trifolium) werden von vielen Käferund Schmetterlingsarten besiedelt. Diese kann man mit dem untergehaltenen Klopftuch vorsichtig auffangen.
6.5 Organische Abfälle
Organische Abfälle sollten nach Möglichkeit im biologischen Kreislauf belassen werden. Sie werden innerhalb
eines Jahres von kleinen und kleinsten Organismen abgebaut und am Ende des Abbauvorgangs steht
fruchtbarer Humus zur Verfügung. Während der Zersetzung läuft im organischen Material eine Sukzession
der Organismengemeinschaften ab, die im Allgemeinen von größeren Arten, die das Rohmaterial mechanisch
zerkleinern, hin zu kleineren Arten verläuft, die z.T. die Stoffwechselendprodukte der Größeren weiter
abbauen. Diese Sukzession im Unterricht zu beobachten und zu besprechen, gehört sicherlich zu den
interessantesten Möglichkeiten, die ein Schulgarten bietet. Neben den Destruenten sind in verrottenden
Pflanzenstoffen natürlich auch ihre Verfolger, z.B. Hundertfüßer (s. Abb. 3), Käfer, Raubmilben und Pseudoskorpione (s. Abb. 35) vorhanden.
Abb. 28:
Abb. 3: x
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Einfluss auf den Artenbestand hat nicht nur der fortschreitende Zerfall des organischen Materials, sondern
auch dessen Zusammensetzung. Hier bietet sich für den Unterricht wiederum ein weites Experimentierfeld.
Überall verfügbares Anschauungsobjekt ist der Komposthaufen, der sich aus gemischten Gartenabfällen
zusammensetzt. Bei der Untersuchung des Komposthaufens wäre z.B. eine interessante Fragestellung, was
sich in einzelnen Regionen des Haufens abspielt. Hierzu werden Gesiebeproben aus unterschiedlichen Tiefen
entnommen und gruppenweise analysiert. Im günstigsten Fall hat man Komposthaufen verschiedenen Alters
zur Verfügung und kann daran ebenfalls Vergleiche anstellen.
Aber nicht nur der Komposthaufen ist ein geeignetes Untersuchungsobjekt. Zum Teil völlig andere
Artengemeinschaften finden sich in verrottenden Grashaufen (stärke Schimmelbildung) oder in Haufen
faulenden Fallobstes (gärender Obstsaft). Auch kann man Äste, die nach dem Schnitt von Obstbäumen,
Beerensträuchern u.ä. anfallen, aufeinanderschichten und von Zeit zu Zeit durchsieben. Fallen bei
Holzfällarbeiten auf dem Schulgelände dickere Ast- und Stammteile an, so können diese in einer schattigfeuchten Ecke des Gartens aufgestapelt werden. An ihnen siedeln sich bald Holzpilze an, die mehrmals im
Jahr abgeklopft und auf ihre Fauna hin untersucht werden. Nicht zuletzt soll noch auf die Möglichkeit
hingewiesen werden, z.B. Pferdemist an einer geeigneten Stelle im Garten anzuhäufen. Innerhalb weniger
Tage finden sich hier unvorstellbare Mengen von Organismen ein, die für den Unterrichteine reiche
Formenvielfalt bieten.
6.6 Künstliche Nistgelegenheiten
In einem Schulgarten, der zuvorderst als Anschauungs- und Erlebnisraum für naturentfremdete Kinder dient,
wird man gerne jede Möglichkeit nutzen, den Artenreichtum auf begrenztem Raum zu erhöhen. Es sollen
daher am Ende dieses Kapitels einige Möglichkeiten beschrieben werden, wie künstliche Nisthilfen für
unterschiedliche Tiergruppen auch im Sinne eines faunistisch-ökologischen Untersuchungsprogrammes
genutzt werden können. In Bio-Gärten am weitesten verbreitet sind die Ohrwurm-Behausungen. Meist werden
dafür umgedreht aufgehängte und mit trockenem Pflanzenmaterial gefüllte Ton-Blumentöpfe verwendet, in die
sich die geschätzten Blattlausvertilger tagsüber zurückziehen. Nun werden solche Verstecke natürlich nicht
nur von Ohrwürmern genutzt. Beim Durchsieben des Topfinhaltes kann man immer wieder überraschende
Funde machen.
Damit sind die Verwendungsmöglichkeiten des Blumentopfs jedoch noch nicht erschöpft. Umgedreht bis zum
unteren Rand eingegraben werden sie gerne von Hummeln zum Bau ihrer Nester angenommen. Besonders
erfolgversprechend sind die Ansiedlungsversuche dann, wenn man den Topf mit etwas Nistmaterial ausstattet,
das nach Mäusen riecht. Dieses kann man sich in der Regel leicht von einem Halter weißer Mäuse besorgen.
Der Gegenstand des Interesses für die faunistische Untersuchung selbst sind jedoch nicht die Hummeln
alleine, sondern in erster Linie die verschiedenen Untermieter, die sich auf Hummelnester spezialisiert haben.
Um sie zu fangen, legt man das Nest bald nach Verlassen durch die Hummeln frei und siebt es oder durchsucht
es auf dem Sammeltuch. Den Hummeln schadet man dadurch nicht, da sie ohnehin jedes Jahr ein neues Nest
bauen.
Nistkästen für Vögel gehören schon immer zum unverzichtbaren Inventar eines jeden Gartens. Über ihre
Eignung zur faunistisch-ökologischen Untersuchung wurde bereits ausführlich berichtet (s.o.). Hier soll daher
nur noch eine Modifikation dargestellt werden, die die Verhältnisse in natürlichen Baumhöhlen weitgehend
nachahmt. Wie bereits angemerkt, benötigen einige Nestbewohner eine Mulmschicht unter dem Nest. Wenn
man einen genügend starken Baumstamm (oder Ast) etwas weiter als bei normalen Nistkästen üblich aushöhlt,
kann man den entstehenden zusätzlichen Raum mit dem anfallenden Sägemehl wieder ausfüllen und so die
Mulm-Schicht nachahmen. Das Sägemehl sollte möglichst aus der gleichen Holzart bestehen oder zumindest
aus Laubholz, da das harzreiche Holz der Nadelbäume von vielen Insekten gemieden wird. Der Vergleich
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dieses Mulm-Nistkastens mit den Kästen herkömmlicher Bauweise wird für den Unterricht sicher sehr
interessant sein.
Auch Kleinsäuger kann man im Schulgarten ansiedeln und dann die Fauna ihrer Nester erforschen. Hier sei
dies am Beispiel eines Igelkastens angeregt. Wie schon erwähnt, überwintern Igel gerne in Laubhaufen oder
auch unter Holzstapeln. Noch komfortabler und zusätzlich für die Untersuchungszwecke dienlicher kann man
ihm sein Winterquartier gestalten, indem man in einem entsprechend großen Laubhaufen eine Holzkiste
postiert, die mit einem Eingangstunnel nach außen führt. In die Kiste wird Stroh oder anderes trockenes
Pflanzenmaterial eingestreut, das der Igel zum Bau seines Nestes verwendet. Nach Beendigung des
Winterschlafes des Igels kann man die Kiste vorsichtig öffnen und den Nestinhalt dem Sieb anvertrauen. Man
muss sich natürlich vergewissern, dass der Igel die Kiste nicht auch noch zur Aufzucht seiner Nachkommen
nutzt. In diesem Falle muss entsprechend länger gewartet werden.
Zeittafel zur faunistischen Untersuchung des Schulgartens
(Vorschlag):
Maßnahme/
Zeit
1
2
Salweide
3
5
6
7
8
9
A
A
A
A
A
A
Obstbäume
A
A
A
A
A
A
andere
Sträucher
A
A
A
A
A
A
Laubhaufen
A
4
S
S
Igelnest
Baumrinde
S
S
S
S
A
A
A
A
Wildwiese
K
K
K
K
S
S
Gründüngung
Kompost
S
S
S
Grashaufen
Asthaufen
S
S
Pferdemist
Ohrwurmtopf
S
S
S
S
S
K
S
S
S
S
S
S
S
S
K
K
K
K
S
S
S
S
S
S
S
S
S
S
S
S
S
S
S
S
12
S
S
S
11
S
tote Äste
Mulchdecke
10
S
S
S
S
S
S
S
S
S
S
Hummelnest
Nistkasten
S
S
S
S
S
S
A = Abklopfen (Klopfschirm);
K = Keschern;
S = Sieben (Käfersieb)
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Hinweise zur rechtlichen Situation
Nach den Natur-, Tier- und Landschaftsschutzgesetzen des Bundes und der Länder ist das Entnehmen von
Tieren und Pflanzen aus der Landschaft und das Töten von Tieren ohne vernünftigen Grund untersagt. Die
Bundesartenschutzverordnung verbietet zudem ausdrücklich jedwede Beeinträchtigung (Fang, Tötung,
Beunruhigung) bestimmter, besonders geschützter Arten, z.B. der Käferarten der Gattung Carabus (Großlaufkäfer) der Familie Carabisdae.
Die Ausbildung von Schillern und ihre Heranführung an die Natur ist unzweifelhaft ein vernünftiger Grund zur.
Entnahme einer begrenzten Anzahl von Tieren, aus ihrem Lebensraum. Da man jedoch niemals ausschließen
kann, auch, besonders geschützte Arten, unter Umständen unbewusst, mit einzusammeln, sollte eine Schule,
die faunistisch-ökologische Untersuchungen durchführen will, sich in jedem Falle um eine Ausnahmegenehmigung zur Entnahme von besonders geschützten Arten für Unterrichtszwecke bemühen. Keine
Landschaftsbehörde (Kreis- oder Bezirksverwaltung), bei der eine solche Genehmigung (sehr frühzeitig)
beantragt werden muss, wird ihre Zustimmung verweigern können.
Ergänzende Literatur
Bellmann,. H. (1985): Heuschrecken: beobachten - bestimmen. Melsungen.
Blab, J.; Novak, E.; Trautmann, W.; Sukopp, H. (Hrsg.) (1984): Rote Liste der gefährdeten Tieren und Pflanzen
in der Bundesrepublik Deutschland. 4. Auflage, Greven.
Chinerey, M. (1984): Insekten Mitteleuropas. 3. Auflage, Hamburg/Berlin.
Freude, H.; Harde, K. IN:; Lohse G.A. (1964-1983): Die Käfer Mitteleuropas. Band 1-11, Krefeld.
Harde, K. W.; Severa, F. (1988): Der Kosmos-Käferführer. 3. Auflage, Stuttgart.
Heimer, S.; Nentwig, W. (1991): Spinnen Mitteleuropas. Hamburg/Berlin.
Higgins, L.J.; Riley, N.D. (1978): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. 2. Auflage, Hamburg/Berlin.
Joger, U. (Hrsg.) (1989): Praktische Ökologie. Frankfurt, Aarau.
Lohse, G.A.; Lucht, W.H. (1989): Die Käfer Mitteleuropas. 1. Supplementband mit Katalogteil, Krefeld.
Müller, H.J. (Hrsg.) (1990): Bestimmung wirbelloser Tiere im Gelände. 2. Auflage, Jena.
Pfletschinger, H. (1979): Einheimische Spinnen. Stuttgart.
Stresemann, E. (1983): Exkursionsfauna für die Gebiete der DDR und der BRD, Band Wirbellose I. 6. Auflage,
Berlin.
Stresemann, E. (1978): Exkursionsfauna für die Gebiete der DDR und der BRD, Band 2/1 Wirbellose,
Insekten - Erster Teil. 3. Auflage, Berlin.
Stresemann, E. (1976): Exkursionsfauna für die Gebiete der DDR und der BRD, Band 2/2 Wirbellose,
Insekten - Zweiter Teil. 3. Auflage, Berlin.
Urania Tierreich Insekten. 5. Auflage, 1990. Leipzig.
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