Prof. Dr. Ralph v. Baltz 15. Apr. 2013 Alte Pforzheimer Str. 110

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Prof. Dr. Ralph v. Baltz
Alte Pforzheimer Str. 110
75217 Birkenfeld
(Inst. für Theorie der Kond. Materie,
KIT, Campus Süd)
15. Apr. 2013
DPG Nr. 700 299
An die Präsidentin
der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e.V.
Frau Prof. Dr. Joh. Stachel
Hauptstr. 5
53 604 Bad Honnef
Betr: KPK–Investigation: Fehler in den Ergänzungen des Gutachtens!
Sehr geehrte Frau Präsidentin,
auch die Ergänzungen des Gutachtens zum KPK können nicht unwidersprochen hingenommen werden, da sie gravierende Fehler enthalten. Ich bedauere, dass ich hierzu nochmal um
Gehör bitten muß.
Der Einfachheit halber beziehe ich mich nur auf die ”frisierte” Behauptung betreffend magnetischen Ladungen. In der kurzen Zusammenfassung steht (letzter Absatz):
Quellen von magnetischen Erregungsfeldern H sind entweder elektrische Ströme oder
die räumlich veränderliche Magnetisierung eines Mediums. Das magnetische B–Feld
(Induktion), das die Lorentzkraft bestimmt, hat keine Quellen. Entgegen der Darstellung des KPK entspricht die Magnetisierung eines Mediums keiner magnetischen Ladungsdichte, sondern einer magnetischen Dipoldichte.
Die im letzten Satz aufgestellte Behauptung ist falsch
und wird so auch nicht vom KPK vertreten!
Diese Aussage ist schon deswegen Unfug, weil die Magnetisierung M(r) ein Vektorfeld, die
magnetische Ladungsdichte ρm (r) dagegen ein Skalarfeld ist.
Richtig dagegen ist, dass die induzierte magnetische Ladungsdichte durch ρm = −divM
gegeben ist. Das hatten die 13 Gutachter offenbar nicht erkannt.
In meinem Brief vom 23. 3. 2013 (s. Anlage) an die DPG hatte darauf hingewiesen, dass das
Problem des Permanentmagneten in Sommerfeld Bd.III, Par. 12 klar und unmissverständlich
behandelt wird, und ich hatte darum gebeten, die Hinweise den Gutachtern zukommen zu
lassen. Möglicherweise ist dies nicht erfolgt oder der Band 3 von Sommerfeld’s Kurs der
Theoretischen Physik war nicht verfügbar. Nichts gegen Jackson, aber der ist für Materie
im Elektromagnetischen Feld ”wenig ergiebig”. [NB: Weder auf diesen Brief noch auf den
vorangegangen habe ich eine Eingangsbestätigung oder Antwort erhalten.]
Ich unternehme daher nochmal einen Versuch Sommerfeld’s Darstellung zur Kenntnis zu
bringen (siehe beigelegte Kopie der Seite 72):
Sommerfeld führt aus, dass aus rotH = 0 zunächst H = −gradψ folgt, wobei ψ (in Analogie
zu elektrischen Fall) als magnetisches Potential bezeichnet wird. Dieses genügt dann der
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Gleichung (Sommerfeld’s Gl. (4))
∆ψ = divM.
NB: Mit etwas gutem Willen kann diese Gleichung als Analogon der Poissongleichung im elektrischen Fall erkannt werden, mit der magnetischen Ladungsdichte ρmag ∝ divM . Die (”emanenten”) magnetischen Monopole im Spin–Eis verdanken ihre Existenz dieser Gleichung, genau wie die
(induzierten) magnetischen Ladungen auf den Stirnseiten eines Permanentmagneten, nur mit dem
Unterschied, dass die Monopole im Spin–Eis ”punktförmig” sind und die Ladungen auf einem Permanentmagneten nicht. Früher sprach man von induzierten (elektrischen/magnetischen) Ladungen, ich sehe keinen Unterschied zu ”emanent”. Also, wenn die DPG die magnetischen Ladungen
auf einem Permanentmagnet leugnet, dann bitte auch die im Spin-Eis!
Folgen wir weiter Sommerfeld mit seiner Gl. (5):
4πψ = −
Z
Z
Mn
divM
dτ −
dσ.
r
r
O–Ton Sommerfeld:
Das erste Glied summiert alle magnetischen Raumladungsdichten im Inneren
des Magneten, das zweite alle Oberflächendichten ωm auf seiner Begrenzung.
ρm = −divM, ωm = Mn .
Und auch Max Planck ist auf unserer Seite: siehe beigelegte Kopien!
Was nun? – Sind Planck und Sommerfeld etwa nichts mehr wert? – Blasphemie!
Ich bitte diese ”Neuigkeit” dem Gutachtergremium zur Kenntnis zu bringen. Die offizielle
Meinung der DPG wird sich dadurch sicher nicht mehr ändern, sie ist ja eine Invariante
bezüglich den physikalischen Grundlagen. Insofern brauchte Herr Herrmann auch nicht
eingeschaltet werden, – er hätte es in 5 Minuten klären können. Sollten immer noch Zweifel
an dem Konzept der magnetischen Ladungen bestehen, dann könnte sicher auch einer der
von Ihnen kürzlich ausgezeichneten (neutralen) Kollegen behilflich sein.
Ich hätte nicht gedacht, dass in einem 13–köpfigen Gutachtergremium hochrangiger Kollegen
ein solches Defizit von Grundlagenkenntnissen herrscht. Die Ausführungen bezüglich Impulsströmen und Inertialsystemen sind ebenfalls nicht tolerierbar. Die Grundlage des KPK
ist hier nach wie vor eine kurze Notiz von Max Planck, wäre dann auch zu brandmarken.
Den Mut hat die DPG wohl kaum!
Ein Wink an die Ministerien mit dem ”Daumen nach unten” hätte doch völlig ausgereicht
dem KPK den ”erwünschten Todesstoß” zu versetzen, wozu der ganze Aufwand, die Physik
zu ”verbiegen”?
Durch das von der DPG praktizierte und gedeckte Vorgehen wird unserem wissenschaftlichen
Nachwuchs ein denkbar schlechtes Beispiel bezüglich Stil und wissenschaftlicher Seriosität
gegeben. Das bedrückt mich sehr. Ich distanziere mich daher nachdrücklich vom Inhalt und
schlampigen Stil des Gutachten als auch seinen (19 seitigen) Ergänzungen.
Noch immer auf ”selbstreinigende Kräfte” hoffend!
Ralph. v. Baltz
Anlagen:
1. Kopie meines Briefs vom 23.3.2013;
2. Kopie der Seite 72, Sommerfeld Bd. III, Elektrodynamik, Geest & Portig, 1961;
3. Kopien der Seiten 74–81, Max Planck, Einführung in die Theorie der Elektrizität und
des Magnetismus, Hirzel 1922.
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