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sEN SORIK U ND mESSTE C HNI K
sENS ORIK UND mES S T ECHNIK
Für Drehzahlbereiche über ca. 10-20 Prozent der Nenndrehzahl wird üblicherweise
Rotorpositionsinformation rein passiv aus
der induzierten Spannung (EMK) gewonnen.
Im Bereich kleiner Drehzahlen einschließlich Stillstand werden Injektionsverfahren
eingesetzt, die rotorpositionsabhängige
Induktivitätsschwankungen, angeregt durch
Spannungspulsen, auswerten [2].
Beide Verfahren sind Thema von intensiven Forschungsbemühungen, aber die
Akzeptanz in der Industrie ist nicht so hoch
wie gehofft, weil die bisher vorgestellten
Lösungen entweder zusätzliche, leistungstärkere Prozessoren oder zusätzlichen
Aufwand bei der Inbetriebnahme benötigt
haben. Weiterhin wurde das Injektionsverfahren bisher mit störenden akustischen
Geräuschen assoziiert. Um breiter akzeptiert
zu werden, müssen neue Regelungsverfahren drei wesentliche Bedingungen erfüllen:
n nur eine Regelung für kompletten Drehzahlbereich (keine Umschaltung)
n Unempfindlichkeit gegenüber ParameterVariationen
n kein zusätzliches akustisches Geräusch
Durchbruch auf
leisen Sohlen
Neues Verfahren für die sensorlose Regelung
von Permanentmagnet-Synchronmotoren
Mithilfe von äußerst schnellen
Stromsensoren ist es Forschern der
TU München gelungen, ein neues
Verfahren für die „(positions-)
sensorlose“ Regelung von Permanentmagnet-Synchronmotoren
umzusetzen. Dieses Verfahren
ermöglicht eine hohe Regelgüte,
vermeidet eine unangenehme
Geräuschentwicklung auch bei
niedrigen Drehzahlen und benötigt
nur eine Regelung vom Stillstand
bis zu hohen Drehzahlen ohne
Umschaltung. Schafft damit die
sensorlose Regelung den Durchbruch in der Praxis?
Dr. Rolf Slatter ist Geschäftsführender
Gesellschafter, Sensitec GmbH, Lahnau
2 INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2013
B
ei der permanenterregten Synchronmaschine werden alle Maschinengrößen
zum Zweck der Regelung in ein mit dem
Rotorfluss synchron umlaufenden Koordinatensystem gedreht. Das setzt die Kenntnis
der absoluten Rotorposition mit ausreichender Genauigkeit und zu jeder Zeit voraus.
Hierzu werden Rotorlagegeber eingesetzt,
welche die Rotorposition mittels elektromagnetischer, magnetischer oder optischer
Sensoren ermitteln. Weite Verbreitung finden in der Antriebstechnik Inkrementalgeber auf optischer oder magnetischer
Basis sowie Resolver, die die relative oder
absolute Rotorposition in kodierter Form
zur Verfügung stellen. Diese Rotorlagegeber
erfordern jedoch eine zusätzliche Verkabelung zwischen Motor und Frequenzumrichter sowie Aufwendungen bei der
weiteren Hardware, die eine störsichere
Übertragung und Auswertung der Gebersignale gewährleisten.
Aufgrund der verschiedenen Vorteile, die
sich als Folge des Verzichts auf einen
Lagegeber ergeben, werden seit Jahren Verfahren untersucht, die die indirekte Bestimmung der Rotorposition und der Drehzahl
aus den elektrischen Maschinengrößen
ermöglichen. Diese Verfahren werden in
der Literatur mit dem Begriff “sensorlose
Regelung“ (engl.: “Sensorless Control“ ) bezeichnet, wobei jedoch die Sensoren für die
Stromerfassung noch vorhanden sind und,
wie gleich deutlich wird, sogar dann eine
besonders wichtige Rolle spielen.
Am Lehrstuhl für Elektrische Antriebssysteme und Leistungselektronik wurde ein
Verfahren zur sensorlosen Regelung mit
verbesserten Eigenschaften kürzlich vorgestellt [3]. Dieses führt sowohl zu einer deutlichen Reduktion des akustischen Geräuschs
vom Injektionsverfahren als auch zu einer
Verbesserung der Güte des Schätzsignals
für die Rotorlage.
Hierzu wurden neue, extrem schnelle
Stromsensoren auf magnetoresistiver Basis
eingesetzt. Sie erlauben die Überabtastung
(Oversampling) des Stromsignals mit einer
Frequenz von 2 MHz. Diese Überabtastung
wird zur rauscharmen Berechnung der di/dtWerte verwendet. Die di/dt-Werte lassen
auf die Induktivität rückschließen und damit
auf die aktuelle Winkellage des anisotropen
Rotors. Die Überabtastung ermöglicht di/dtWerte mit einem deutlich geringeren
Rauschanteil sowie höhere Auflösung
gegenüber bisherigen Verfahren. Dadurch
wird eine injektionsbasierte geberlose
Regelung bei Stillstand ermöglicht.
Diese Injektion ist normalerweise deutlich hörbar und schließt die Anwendbarkeit
Echtzeitsystem
Pentium CPU
Linux RTAI
C @16kHz
FPGA
VHDL@20Mhz
ADC @20Mhz
8kHz PWM
Stromsensor
02 Systemaufbau für neues Prinzip
Obwohl das Thema der sensorlosen Regelung der permanenterregten Synchronmaschinen seit vielen Jahren und an vielen
Stellen bearbeitet wird, hat sich bis jetzt
noch keine Lösung in nennenswertem Umfang durchsetzen können. Grund dafür ist,
dass die für die Rotorwinkelbestimmung
auszuwertenden physikalischen Effekte
sehr abhängig vom jeweiligen Betriebszustand der Maschine sind. Problematisch
ist vor allem die Bestimmung bei niedriger
Drehzahl bzw. im Stillstand der Maschine,
da die Rückwirkung der Rotorposition auf
die gemessenen Ständergrößen wegen der
zur Drehzahl proportional induzierten
Spannung klein bzw. Null ist. Unter diesen
Umständen werden andere Verfahren benötigt, mit denen die Rotor-position aus der
Auswertung drehzahlunabhängiger Effekte
der Maschine bestimmt werden kann [1].
Bildquelle: Sensitec
Dr. Rolf Slatter
Neues Verfahren entwickelt
Bildquelle: TU München
Grenzen der bisherigen
Verfahren
01 Stromsensoren (gelb) zur hochdynamischen
Messung von Gleich- und Wechselstrom
3
INDUSTRIELLE AUTOMATION 6/2013 sEN SORIK UND mESST E C HNI K
und zudem einen niedrigen Stromverbrauch und hohe Effizienz bietet. Der AMRbasierte Stromsensor weist praktisch keine
Hysterese auf, wie sie in Eisenkern-basierten Hall-Sensorlösungen zu beobachten ist.
Bildquelle: Peter Landsmann
Ausgeklügelten Geometrie
03 Anwendungen für CMS3000 Stromsensoren sind u.a. USV-Anlagen, Schaltnetzteile sowie Umrichter
Leistungsstarke Stromsensoren
auf magnetoresistiver Basis
Der magnetoresistive (MR) Effekt bietet eine
Kombination von Bandbreite, Auflösung,
Miniaturisierung und Robustheit und ist
besonders für kompakte, schnelle Stromsensoren geeignet. Die Verlustleistung ist
deutlich geringer als bei Shunt-Widerständen und die Response-Zeit fast eine Größenordnung schneller als bei Hall-Effekt basierenden Stromsensoren. Weiterhin verfügen
MR-Stromsensoren über eine sehr hohe
Bandbreite, welche für den Einsatz von
neuen leistungselektronischen Technologien eine Bedingung darstellt.
Die zu messende Größe ist ein differentielles Magnetfeld, auch Magnetfeld-Gradient
genannt, das durch zwei Ströme mit entgegengesetzten Flussrichtungen erzeugt wird.
Der Primärstrom fließt durch eine
U-förmige Stromschiene und erzeugt einen
Magnetfeldgradienten zwischen den beiden
Seiten der Schiene.
Zur Strommessung sind vier AMR (anisotrope magnetoresistiver Effekt) “Widerstände“
zu einer Wheatstone-Brücke verbunden.
Die Widerstände auf dem Silizium-Chip
sind so platziert, dass sie einen Differenz-
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feld-Sensor bilden. Dies ist erforderlich, um
den Einfluss von Störfeldern zu eliminieren.
Kombiniert mit einer Auswerteschaltung
wird der Chip auf einem keramischen Substrat mit Hybrid-Schaltung bestückt [4].
Die Geometrie des Primärleiters bestimmt
den Messbereich des Stromsensors. Basierend auf dem Ausgangssignal des MR-Chips
erzeugt die Auswerteschaltung einen Strom
Ikomp im Kompensationsleiter, der das
Magnetfeld durch den Primärleiter in der
Ebene des AMR Widerstands kompensiert.
Mit dieser Methode erreicht das Signal eine
hohe Linearität (0,1 %) und ist weitgehend
unabhängig von der Temperatur. Der Kompensationsstrom verhält sich direkt proportional zum zu messenden Primärstrom und
wird zum Erzeugen des Ausgangssignals
des Stromsensors genutzt.
Aufgrund der Kompensation des Primärfeldes (“closed-loop” principle) entsteht ein
extrem kompakter Sensor, der nahezu
unempfindlich gegenüber homogenen
Störfeldern und Temperaturwechseln ist
Sensitec www.vfmz.net/3097200
[1] J.C. Gamazo-Real, E. Vázquez-Sánchez & J. GómezGil, „Position and Speed Control of Brushless DC
Motors Using Sensorless Techniques and Application
Trends”, Sensors 2010, 10, 6901-6947
[2] M. Schrödl, “Dynamik und Überlastfähigkeit von
sensorlosen Antrieben mit PM Synchronmaschinen
einschließlich Stillstand und tiefen Drehzahlen”,
VDE/VDE Tagung Antriebssysteme 2013, Nürtingen,
Deutschland, 17.- 18.9.2013
[3] P. Landsmann, D. Paulus, A. Dötlinger & R. Kennel,
“Silent Injection for Saliency based Sensorless Control
by means of Current Oversampling“, Proc. of ICIT
2103 – IEEE International Conference on Industrial
Technology, Cape Town, Südafrika, 25. - 27.02.2013
[4] S. Scherner & R. Slatter, „New applications in power electronics for highly integrated high-speed
magnetoresistive current sensors“, 15th European
Conference on Power Electronics and Applications,
Lille, Frankreich, 03.- 05.09.2013
Bildquelle: Sensitec
in vielen Bereichen aus. Der geringe Rauschgehalt der auf Überabtastung basierten
di/dt Berechnung erlaubt es nun, die Injektionsamplitude etwa um einen Faktor 10 zu
reduzieren, was für manche Maschinen
absolute Stille bedeutet. Auf diese Weise ist
eine der bislang größten Nachteile geberloser Regelung bei Stillstand überwunden.
Das neue Verfahren erzielt zudem deutlich
bessere Werte für den Drehzahlschätzwert,
was zu einem sehr guten dynamischen Verhalten führt.
Der Sensor ist für hohe Genauigkeit und das
schnelle elektronische Erfassen von Strömen
von DC bis zu 2 MHz ausgelegt. Im Unterschied zu Hall-Effekt basierten Sensoren
ermöglicht das beschriebene System Differenzfeldmessungen dank einer ausgeklügelten Geometrie der magnetoresistiven Elemente. Dadurch ist der Sensor immun
gegenüber homogenen Störfeldern und benötigt keine magnetische Abschirmung wie
sie bei oberflächenmontierten Hall-Sensoren
mit externer Stromschiene notwendig ist.
Die Reaktionszeit liegt im Bereich von 20 ns
– ein außergewöhnlicher Wert.
Die schnellen CMS3000 Stromsensoren
von Sensitec sind nicht nur für die sensorlose Regelung von Interesse. Überall, wo
hohe Bandbreite und hohe Genauigkeit benötigt werden, sind sie vorteilhaft, z. B. in
Umrichtern, DC-DC Wandlern, Laserdiodentreibern, Zustandsüberwachungen oder kabellosen Ladesystemen für Elektrofahrzeuge.
05 Funktionsprinzip des Stromsensors
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