Experimentelle Phytopathologie Immunologische Methoden

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Experimentelle Phytopathologie
Wolfgang Arthofer
Wintersemester 2008/09
Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz
Department für Wald- und Bodenwissenschaften
Universität für Bodenkultur, Wien
Experimentelle Phytopathologie
Immunologische Methoden
•
Mikropräzipitation
•
Tissue Print
•
ELISA
•
andere Immunoassays
•
Western Blot
1
Antikörper
•
Bestehen aus zwei
leichten und zwei
schweren Proteinketten
•
Epitop-spezifische
hypervariable
Bindungsstellen
•
Biologische
Wirkmechanismen:
Neutralisation,
Agglutination
D. Endesfelder, Uni Mainz
Antikörper: Gewinnung
•
Polyklonale Antikörper: Immunisierung eines Tieres und
Gewinnung der Antikörper direkt aus dem Serum
•
Monoklonale Antikörper: Immunisierung eines Tieres,
Isolation der Plasmazellen, Hybridoma-Bildung,
Vereinzelung und Proteinexpression in vitro
•
Rekombinante Antikörper: Herstellung mittles
Expressionssystems ohne Immunisierung eines Tieres
2
Agglutination und Mikropräzipitation
•
Antikörper-Lösung wird direkt auf die zu testende Matrix
aufgebracht oder mit dieser vermischt
•
Ist das zu testende Epitop vorhanden kommt es zu
sichtbaren Fällungen
Serafol
Immuno Tissue Print
•
Zu testendes Gewebe wird auf einer Nitozellulose-Membran
abgedrückt
•
Membran wird anschliessend mit konjugiertem Antikörper
inkubiert und ungebundener Antikörper abgewaschen
E. Knapp, IAM
•
Gebundene Antikörper
werden mittels Farbreaktion
sichtbar gemacht
•
Beispiel: Verteilung von
ACLSV in einem SproßQuerschnitt
3
ELISA
(Enzyme Linked Immunosorbent Assay)
1. Gefäß mit Antikörpern beschichten
2. Probe zugeben; gesuchte Epitope werden von den Antikörpern
spezifisch gebunden
3. waschen; alle ungebundenen Anteile der Probe werden entfernt
4. an alkalische Phosphatase (AP) konjugierten Antikörper
zugeben, inkubieren, waschen um ungebundene Antikörper zu
entfernen
5. p-Nitrophenylphosphat (pNPP) zugeben; in Gegenwart von AP
kommt es zur Bildung von gelbem p-Nitrophenol
ELISA
(Enzyme Linked Immunosorbent Assay)
•
Wird fast immer in 96-well Mikrotiterplatten durchgeführt
•
Farbreaktion kann händisch oder über Photometer
ausgewertet werden
•
Testergebnis nach ca. 12 Stunden
4
Weitere Immunoassays
•
RIA: Radio-Immunoassay
•
FIA: Fluorescent Immunoassay
•
Immunchromatographie (für Schnelltests)
Western Blot
Proteine werden durch Elektrophorese aufgetrennt
•
anschließend auf eine Membran übetragen
•
dort Detektion mit markierten Antikörpern
•
multiple Antigene können so getrennt erfasst werden
www.laborpraxis.vogel.de
•
5
Experimentelle Phytopathologie
Molekularbiologische Methoden
•
Vorkommen und Isolierung von DNA
•
Restriktionsenzyme, RFLP
•
Amplifizierung von DNA
•
Sequenzierung von DNA
•
Mutationen
•
Häufig verwendete Marker
Molekularbiologie im Laufe der Zeit
1865
1871
1903
1927
1944
1945
1953
1961
1971
1977
1977
1988
1994
1995
2001
Merkmale werden unabhängig voneinander vererbt
Entdeckung der Nukleinsäuren
Chromosomen sind Träger des Erbguts
Mutationen sind physische Veränderungen eines Gens
DNA ist der Träger der genetischen Information
Gene codieren Proteine
DNA hat eine Doppelhelix - Struktur
Der genetische Code besteht aus Basentripletts
Die zelluläre DNA enthält repetitive Elemente
Eukaryotische Gene sind unterbrochen
DNA kann sequenziert werden
Das PCR-Verfahren revolutioniert die MolBiol
Erster kommerzieller DNA-Mikroarray
Erste Bakteriengenome vollständig bekannt
Erster Rohentwurf der humanen Gensequenz
6
DNA: die Struktur
Durchmesser etwa 2 nm
Eine komplette Drehung alle 10 Basen
Große Furche: 2.2 nm
Kleine Furche: 1.2 nm
Länge des Moleküls im menschlichen
Chromosom I: 8.4 cm !
DNA: die ‚Bauteile‘
3‘
Adenin, Thymin: 2 H-Brücken
Guanin, Cytosin: 3 H-Brücken
Desoxyribose
Phospho-diesther-Bindung
5‘
5‘
3‘
7
Wo kommt DNA vor?
Prokaryota Chromosom
ein einzelnes, großes Molekül
Plasmide
Eukaryota
eher kleine (< 10 kb), zirkuläre DNA, viele
Kopien pro Zelle
Nucleus
mehrere große, zu Chromosomen
kondensierte Moleküle; meistens diploid
Mitochondrien ein ~15 kb Molekül, haploid
Chloroplasten
ein ~250 kb Molekül, haploid
DNA-Extraktion mittels Silica-Membranen
Das Prinzip ...
Silica Membranen binden DNA bei hohen Salz- or Alkoholkonzentrationen, und geben sie bei niedrigen Konzentrationen
wieder ab
... und so wird es gemacht:
• Probe homogenisieren und mit salzreichem Puffer mischen
• Mischung durch eine Silica Membran pressen; die DNA wird an
die Membran gebunden
• Membran waschen: Puffer mit >70% EtOH
• Membran trocknen (EtOH würde später stören)
• DNA mit Wasser eluieren
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DNA-Extraktion mittels Silica-Membranen
Visualisierung durch Elektrophorese
• DNA ist negativ geladen
• Wandert im elektrischen Feld zur Anode
• Zur Grössentrennung werden Agarose-Gele (0.8 – 2%) in
einem leitfähigen Puffer verwendet
• Kleinere Fragmente wandern schneller
• Spannung 50 – 200 V, Laufzeit 15 – 120 Minuten
• Ethidiumbromid (EtBr) als DNA-spezifischer Farbstoff
• Betrachtung im UV-Licht
9
Visualisierung durch Elektrophorese
Visualisierung durch Elektrophorese
10
•
Binden an einer spezifischen
DNA-Sequenz
•
Schneiden dann die DNA
innerhalb oder in der Nähe
dieser Stelle
Blunt end: SmaI
5‘ CCC|GGG 3‘
3‘ GGG|CCC 5‘
5‘ overhangs: EcoRI
5‘ G|AATT C 3‘
3‘ C TTAA|G 5‘
3‘ overhangs: KpnI
5‘ G GTAC|C 3‘
3‘ C|CATG G 5‘
EcoRI an einem DNA-Strang (Wikimedia)
Restriktionsenzyme
RFLP
(Restriction Fragment Length Polymorphism)
• DNA unterschiedlicher Herkunft trägt an
verschiedenen Stellen Sequenzen, die von
Restriktionsenzymen erkannt werden
• Die Restriktionsenzyme
schneiden die DNA an
diesen Stellen
• Durch Elektrophorese auf einem Agarose-Gel
werden die Bruchstücke getrennt und die
Längenunterschiede sichtbar gemacht
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Polymerase chain reaction (PCR)
Science (1985) 230, 1350-13544.
Enzymatic amplification of beta-globin genomic sequences and
restriction site analysis for diagnosis of sickle cell anemia.
Saiki RK, Scharf S, Faloona F, Mullis KB, Horn GT, Erlich HA, Arnheim N.
Two new methods were used to establish a rapid and highly sensitive prenatal diagnostic
test for sickle cell anemia. The first involves the primer-mediated enzymatic amplification
of specific beta-globin target sequences in genomic DNA, resulting in the exponential
increase (220,000 times) of target DNA copies. In the second technique, the presence of
the beta A and beta S alleles is determined by restriction endonuclease digestion of an
end-labeled oligonucleotide probe hybridized in solution to the amplified beta-globin
sequences. The beta-globin genotype can be determined in less than 1 day on samples
containing significantly less than 1 microgram of genomic DNA.
Polymerase chain reaction (PCR)
elongieren (72°C)
erhitzen (94°C)
erhitzen (94°C)
Primer binden (50-60°C)
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Polymerase chain reaction (PCR)
elongieren (72°C)
Primer binden (50-60°C)
etc ......
Polymerase chain reaction (PCR)
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PCR in der Praxis
• Reaktionsvolumen 10 – 50 µl
• in dünnwandigen Gefässen (Streifen, Platten)
• heute zumeist 96-well Thermocycler
• Laufzeit eines typischen Programms ~ 2 Stunden
• Visualisierung meist durch Elektrophorese
• Kosten pro Reaktion ~ 0.2 €
PCR: Beispiele
1 2
3
4
5
6
7
8
9
10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 +
-
Test auf Wolbachia - Infektion
1000 bp
500 bp
100 bp
Bestimmung von Plasmid-Grössen
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PCR-RFLP
• PCR – Produkte werden mit Restriktionsenzym verdaut
• Spezifische Unterschiede in der Sequenz können so sichtbar
gemacht werden
Beispiel: D- und M-strain des Plum Pox
Virus (PPV) unterscheiden sich durch eine
Dde I – recognition site im viralen
Hüllprotein-Gen.
A
B
C
A .. PPV-D
B .. Mischinfektion
C .. PPV-M
DNA - Sequenzierung
Heute wird zumeist die „di-deoxy Strang-Abbruch Methode“
(Sanger, 1977) verwendet
5'
4'
1'
3'
2'
deoxy – weil
es DNA ist!
di-deoxy !!
•
DNA wird amplifizert – aber den ‚normalen‘ dNTPs ist eine kleine Menge
ddNTPs zugesetzt
•
Wurde in einen Strang ein ddNTP eingebaut kann dieser nicht mehr
verlängert werden
•
Dieser Einbau geschieht an zufälliger Stelle – alle nur denkbaren
Teilstränge werden mit der Zeit gebildet
•
... und wie kommen wir jetzt zur Sequenz ???
15
DNA - Sequenzierung
• jedes ddNTP wird mit einem Fluoreszenz-Farbstoff markiert:
• ddATP – R6G
• ddCTP – ROX
• ddGTP – R110
• ddTTP – TAMRA
• nach der Amplifizierung wird die DNA mittels hochauflösender
Kapillar-Elektrophorese aufgetrennt
• jedes Fragment ‚leuchtet‘ in der Farbe seines letzten Nukleotids
DNA - Sequenzierung
• Dieses System ist voll automatisierbar
• Dauer eines Laufs mit 1000 bp ca. 30 Minuten
• Moderne Sequenzierer verarbeiten 96 oder 384 Proben
gleichzeitig
• Kosten pro Sequenz 5 – 10 €, rasch sinkend
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Mutationen
•
Substitution: Austausch einer einzelnen Base
•
Insertion: Erwerb von Basen oder längeren Abschnitten
•
Deletion: Verlust von Basen oder längeren Abschnitten
•
Frameshift: Erwerb/Verlust einer Nuklidzahl ≠ 3 in
codierenden Regionen – Auswirkung auf AA-Sequenz!
•
Duplikation großer Regionen
Viele Mutationen verhalten sich ‚still‘
•
der Austausch einer Base verändert nicht notwendigerweise
die Aminosäuresequenz eines Proteins
•
der Austausch einer Aminosäure verändert nicht
notwendigerweise die Proteinfunktion
•
nicht mutierte Allele heterozygoter Organismen können
dominant sein
•
möglicherweise codiert ein anderer Locus innerhalb einer
Genfamilie für ein funktionales Protein
•
der Großteil der DNA höherer Lebewesen codiert überhaupt
nicht für Proteine
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„Junk“ DNA ?
• Etwa 1 % der DNA codiert für Proteine
• Intergenische DNA enthält viele regulatorische Elemente
• Der Großteil der DNA wird nie transkribiert
Pseudogene
5%
Introns
24%
Exons
1%
andere
intergenische
DNA
22%
Mikrosatelliten
3%
Transposons
45%
Verschiedene DNA-Regionen haben
unterschiedliche Mutationsraten
18S - rDNA
nieder
nukleare single-copy DNA (scnDNA)
nukleare Pseudogene
Introns
mitochondriale DNA (mtDNA)
ITS - rDNA
Minisatelliten
hoch
Mikrosatelliten
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Genetische Marker
•
sind definierte Abschnitte der DNA oder ihrer Folgeprodukte
(RNA, Proteine)
•
ihre Sequenz unterscheidet sich in charakteristischer Weise
von der homologen Sequenz anderer Individuen,
Populationen oder Taxa
•
die Sequenz des Markers kann direkt betrachtet werden
•
oder es werden Effekte, die direkt auf der Sequenz beruhen,
untersucht (restriction sites, sekundäre Strukturen, Proteine
etc.)
RAPD
Random Amplified Polymorphic DNA
•
PCR mit kurzen, zufällig ausgewählten Primern
•
nur wenig Ausgangs-DNA erforderlich
•
wo immer im Genom zwei Primer-Bindungsstellen nahe
genug liegen entsteht ein Produkt
•
Visualisierung am Agarose-Gel
•
sehr schlecht reproduzierbar
•
heute weitgehend verdrängt
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AFLP
Amplified Fragment Length Polymorphism
•
DNA wird mit Restriktionsenzymen verdaut
•
Anschließend Ligation von Adaptoren und
PCR mit Adaptor-Primern
•
Fragmentanalyse - Kapillarelektrophorese
•
wesentlich besser reproduzierbar als RAPD
•
keine a priori Kenntnis des Genoms erforderlich
Mikrosatelliten
•
•
•
•
•
Wiederholungen kurzer DNA-Motive (2 – 6 bp)
Anzahl der repeats = Länge des Mikrosatelliten
von konservierten Flankenregionen umgeben
nuklear, nicht codierend
unklare biologische Funktion
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Mikrosatelliten
• 1000-fach höhere Mutationsrate als scnDNA;
praktisch alle Mutationen sind Erwerb/Verlust von repeat units
• ‚Schneller‘ Marker für kurze evolutionäre Zeiträume
• Analyse ist schnell, einfach und eher billig
• Für neu zu untersuchende Arten ist de novo Isolation
erforderlich, keine Erfolgsgarantie
Universität für Bodenkultur Wien
Department für Wald und Bodenwissenschaften
Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Forstschutz
Universität für Bodenkultur Wien
Department für Wald- und Bodenwissenschaften
Dr. Wolfgang Arthofer
Hasenauerstraße 38, A-1190 Wien
[email protected]
www.boku.ac.at
www.peerart.at/aw
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