Auswirkungen und Risiken des Klimawandels in der Metropolregion

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„Klimabericht für die Metropolregion Hamburg“
Auswirkungen und Risiken des Klimawandels in der Metropolregion Hamburg –
Wissensgrundlage ab jetzt im Buchhandel
Ab jetzt ist der vom KlimaCampus erstellte „Klimabericht für die Metropolregion Hamburg“ als
Buch im Springer Verlag erhältlich. Damit steht erstmals eine zusammenfassende
Wissensgrundlage zur Verfügung, die alle relevanten Erkenntnisse über die bisherige und
künftige Entwicklung des Klimas im Raum Hamburg und der umliegenden norddeutschen
Region zusammenfasst. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen haben dafür das
vorhandene wissenschaftliche Wissen zusammengetragen und werteten es in Bereichen wie
Landwirtschaft, Tourismus, Küstenschutz oder Stadtplanung sowohl für die vergangenen als
auch für die kommenden 100 Jahre aus. Diese Bestandsaufnahme zeigt, dass wir in vielen
Bereichen
mit
Veränderungen
rechnen
müssen.
Es
zeigen
sich
zudem
zukünftige
Handlungsoptionen für Wissenschaft und Politik, um die heute schon entwickelten regionalen
Strategien zur Anpassung an den Klimawandel weiter auszubauen.
Für die Metropolregion zeigen die Wetteraufzeichnungen der letzten 100 Jahre deutliche Änderungen.
Die Temperatur ist um etwa 1 °C gestiegen, mit einer Beschleunigung in den letzten 30 Jahren. Die
jährlichen Niederschläge haben zugenommen mit einer Tendenz zu trockeneren Sommermonaten
und einer deutlichen Zunahme des Niederschlags im Herbst und Winter. Regional sind die
Temperatur- und Niederschlagsänderungen relativ gleichmäßig, es findet sich jedoch ein
Stadtklimaeffekt
in
Hamburg.
Veränderungen
im
Sturmklima
sind
nicht
belegt.
Der
Meeresspiegelanstieg längs der Küste liegt bei 20 cm. In Hamburg werden außerdem höhere
Sturmflutwasserstände gemessen. Diese werden jedoch hauptsächlich auf den Ausbau der Tideelbe
zurückgeführt. Im ökologischen Bereich sind frühere Blühtermine bei Pflanzen und längere
Vegetationsperioden eingetreten und seit einiger Zeit sind neue wärmeliebende Arten in Elbe,
Wattenmeer und Nordsee anzutreffen.
Die
Abschätzungen
für
zukünftige
Klimaänderungen
beruhen
auf
unterschiedlichen
Treibhausgasszenarien, die in regionale Klimarechenmodelle eingehen. Alle Berechnungen weisen
darauf hin, dass sich die Erwärmung auch künftig weiter fortsetzt. Außerdem scheint der Niederschlag
im Jahresmittel zuzunehmen, wobei es Schwankungen innerhalb der Jahreszeiten gibt. Nach
Redaktionsschluss des Klimaberichts hat das Norddeutsche Klimabüro des Helmholtz-Zentrums
Geesthacht den Norddeutschen Klimaatlas veröffentlicht. Unter www.norddeutscher-klimaatlas.de
wird der aktuelle Forschungsstand zum möglichen zukünftigen Klimawandel in der Metropolregion
Hamburg gezeigt: Bis 2050 erscheint eine Erwärmung um 0,8 °C bis 2 °C plausibel, bis 2100 kann
sich die mittlere Jahrestemperatur um 2 °C bis 4,7 °C erhöhen. Die bisherige Tendenz der
Niederschlagsänderung scheint sich auch in Zukunft weiter fortzusetzen – im Jahresmittel kann der
Niederschlag bis 2100 um bis zu 12 % zunehmen. Die Sommermonate können im selben Zeitraum
mit etwa 7 % bis 41 % weniger Niederschlag deutlich trockener werden. Im Winter muss sich die
Metropolregion Hamburg bis 2100 auf eine starke Niederschlagszunahme von 18% bis 53%
einstellen.
Der Meeresspiegel wird vermutlich weiter ansteigen und Sturmfluten könnten in der Deutschen Bucht
und der Tideelbe bis 2100 um 3 bis 11 Dezimeter höher auflaufen als heute. Alle Zahlen sind jedoch
mit bedeutenden Unsicherheiten verbunden.
Die Änderungen des Klimas werden Auswirkungen auf Natur- und Wirtschaftsräume mit sich bringen.
Es werden schon heute Änderungen der Lebensräume und ihrer Artzusammensetzungen beobachtet
und auch im Obst- und Pflanzenbau werden Temperatur- und Niederschlagsänderungen
Anpassungen notwendig machen. Positive Effekte durch eine verlängerte Sommersaison könnten den
Tourismus in der Metropolregion stärken.
Für eine wirkungsvolle Klimaanpassung sollten die erwarteten Klimaänderungen in strategische
Entscheidungsprozesse einbezogen werden, bspw. in der Stadt- und Raumplanung. Aussagen zu
technischen Anpassungspotenzialen beziehen sich im Wesentlichen auf den Hochwasserschutz.
Blick nach Vorne
Mit der Vorlage des Klimaberichts liegt nun eine solide, nach strengen wissenschaftlichen Kriterien
erarbeitete Bestandsaufnahme des derzeitigen Forschungsstandes für die Metropolregion Hamburg
vor. Der Bericht zeigt auch, welche Möglichkeiten für Wissenschaft und Politik in Zukunft bestehen,
heute schon entwickelte Anpassungsstrategien weiter auszubauen. Dabei erscheint es besonders
wichtig, dass Wissenschaft, Politik und andere Entscheidungsträger weiter an einem Strang ziehen.
Anregungen für die Forschung sollen zum Beispiel helfen, in Zukunft leichter und zuverlässiger auf
Daten und Informationen zugreifen zu können. So ist angeregt, die Datengrundlage zur Beschreibung
vergangener Klimaänderungen auszuweiten – etwa im Hinblick auf Starkniederschlagsereignisse.
Eine kritische Bearbeitung historischer Beobachtungen kann neue Erkenntnisse liefern. Solche
„Reanalysen“
mit
hoch
aufgelösten
Klimamodellen
sollten
nicht
nur
die
bestehenden
Beobachtungsdaten sondern auch die Änderungen der Bodennutzung und städtebaulichen
Veränderungen
berücksichtigen.
Klimaänderungen
in
der
Eine
Analyse,
Metropolregion
inwieweit
verantwortlich
verschiedene
sind,
also
Ursachen
etwa
erhöhte
für
die
globale
Treibhausgaskonzentrationen, solare und vulkanische Faktoren, regionale Belastung mit Aerosolen,
der veränderliche Stadteffekt oder andere Landnutzungsänderungen, ist für die Einschätzung
zukünftiger Entwicklungen notwendig. Es stellt sich außerdem die Frage, ob das Stadtklima, z.B.
durch geeignete Stadtplanung, steuerbar ist.
Um die bestehenden Aussagen für die Zukunft zu verfeinern, sollten die Möglichkeiten der regionalen
Klimamodellierung
ausgebaut
werden.
Der
„Ensemble
Ansatz“
(unterschiedliche Regionale
Klimamodelle, unterschiedliche Antriebe aus Globalmodellen, unterschiedliche Emissionsszenarien)
erlaubt das bessere Ausleuchten der Bandbreite möglicher Änderungen. Von großer Bedeutung ist
auch, welcher Detaillierungsgrad für die weitere Forschung (Klimafolgen) oder für Entscheidungen in
Politik
und
Wirtschaft
erforderlich
ist.
Die
Intensivierung
der
Forschung
zu
künftigen
Extremereignissen (v. a. Starkniederschlagsereignisse sowie Hitzeperioden) ist vor allem für
Ballungsräume wichtig - inkl. der Frage, wie bedeutsam Extremereignisse für Umwelt und
Gesellschaft sind.
Im Bereich der Deutschen Bucht sind besonders Aussagen für die zukünftige Entwicklung des
Seegangs und der Wasserstände (die überwiegend von globalen Faktoren, wie der Zukunft der
Eisschilde Grönlands und der Antarktis, abhängen) notwendig. Aussagen zur winterlichen Eisdecke
existieren bisher nur für die Vergangenheit.
Eine ausgeweitete Datengrundlage für den Bereich der Tideelbe kann helfen, verschiedene Ursachen
für Veränderungen besser zu trennen.
Die Auswirkungen des Klimawandels auf terrestrische und semi-terrestrische Ökosysteme in der
Metropolregion Hamburg könnten beträchtlich sein. Kenntnisse zur Änderung von Bodenprozessen
durch Klimawandel und die Bewertung von Böden in ihrer Funktion für die Klimafolgenanpassung sind
von großer Bedeutung. In den Feuchtgebieten der Ästuare, der Küsten sowie des Binnenlandes
(Moore, Auen) sind weitere Untersuchungen notwendig, da sie große Relevanz für das
Biodiversitätsmanagement haben und deren Ökosystemfunktionen auch für die Menschen in der
Metropolregion Hamburg relevant sind.
Es ist nur schwer abzuschätzen, wie sich zukünftige strombauliche Maßnahmen in der Tideelbe auf
die Hydrologie und das Ökosystem auswirken. In Verbindung mit dem Meeresspiegelanstieg, der zu
erwartenden
Temperaturerhöhung
und
dem
klimaabhängigen
Abflussverhalten
sind
die
Konsequenzen bisher nur schwer abschätzbar. Die Fischbestände sind schon heute durch die mit
steigenden Temperaturen zunehmende Sauerstoffzehrung beeinträchtigt. Weitgehend unbekannt ist,
wie sich die Einwanderung fremder, wärmeliebender Arten auswirkt.
Hamburg ist ein beliebtes Urlaubsziel. Für die Metropolregion liegen nur für den Bereich Nordsee
Analysen des touristischen Angebots und der Auswirkungen des Klimawandels vor. Um einen
wettbewerbsfähigen Tourismus zu erhalten, sollten neue Trends im Reiseverhalten inkl. möglicher
Anpassungen untersucht werden.
Die Metropolregion könnte im Obst- und Pflanzenbau zu den "Gewinnerregionen" in Deutschland
gehören. Um dies eingehend zu beurteilen, sind weitere Studien zu der Auswirkung des Klimawandels
auf die Landwirtschaft, insbesondere auch den Obstbau, gefordert.
Der Umgang mit den Unsicherheiten möglicher zukünftiger Klimaentwicklungen ist für alle
Planungsprozesse eine große Herausforderung. Welche Potenziale und Lösungsstrategien die
Forschung hier vorlegen kann, hat eine große praktische Bedeutung auf dem Weg hin zu einer
klimaangepassten Metropolregion. Leitbilder, Entwicklungskonzepte und Zielvereinbarungen sind
Instrumente, die dialogische Entscheidungsprozesse und die Umsetzungsqualität von Anpassungen
verbessern
können.
Verbunden
mit
formalen
Instrumenten
der
Raumplanung,
können
Planungsprozesse ganzheitlich gestaltet werden.
Die Frage der Anpassung an den Klimawandel aus Sicht des Hochwasser- und Sturmflutschutzes ist
eng mit dem der Stadt- und Landschaftsplanung verbunden. Eine besondere Rolle wird in der Zukunft
das „Tideelbekonzept“ spielen. Ursprünglich für das Sedimentmanagement gedacht, eröffnet es auch
interessante Potenziale für die Minderung der Sturmflutgefahr in der Elbe - speziell für Hamburg. Hier
geht es darum, die Wirkung vergangener wasserbaulicher Maßnahmen durch andere Maßnahmen
teilweise zurückzunehmen.
Organisatorische Herausforderungen
Das Klima, der Klimawandel und die Klimawirkung in Hamburg, aber auch die Kommunikation, die
Anpassungsplanung und der regionale Klimaschutz werden in Hamburg von zahlreichen
Einrichtungen erforscht. Ein Teil dieser Einrichtungen ist bereits durch das über die Exzellenzinitiative
des Bundes und der Länder geförderte Exzellenzcluster CliSAP der Universität Hamburg und ihrer
außeruniversitären Partner vernetzt: verschiedene Institute der Universität Hamburg, das HelmholtzZentrum
Geesthacht,
das
Max-Planck-Institut
für
Meteorologie
und
das
Deutsche
Klimarechenzentrum sowie zahlreiche assoziierte Partner wie z.B. der Deutsche Wetterdienst und das
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.
Diese Hamburgische Besonderheit der Verbindung von globaler Dynamik und regionaler Folgen sowie
der gemeinsamen natur-, sozial-, kultur- und technikwissenschaftlicher Expertise unter der Überschrift
der Klimaforschung ist eine besondere Stärke, die es weiter auszubauen gilt. Dazu gehört auch die
Vernetzung mit dem Umland und den dort verorteten KLIMZUG-Projekten. Die Auszeichnung der
Stadt Hamburg als Europäische Umwelthauptstadt 2011 bietet weitreichende Möglichkeiten einer
synergetischen Verbindung von Klimapolitik und –wissenschaft.
Konkrete Vorschläge gibt es für die Bereiche „Tideelbe“, „Schutz von Böden in ihrer Klimafunktion“
sowie „Schutz von Ökosystemen im Klimawandel“. Um ein umfassendes Systemverständnis der
Tideelbe zu erlangen, sollten die vorhandenen Daten zentral zugänglich sein – beispielsweise in
einem Datenpool. Für den Bereich der Böden wird die Einrichtung einer Sachverständigenkommission
empfohlen, um die Rolle der Böden, ihre Funktionen und Veränderungen im Bereich der
Metropolregion zu bewerten.
Das derzeitige Wissen über Klima, Klimawandel, Klimawirkungen und Klimamanagement im Bereich
der Metropolregion Hamburg, soll jährlich fortgeschrieben werden. Das Norddeutsche Klimabüro des
Helmholtz-Zentrums Geesthacht wird zusammen mit den Leitautoren des Klimaberichts neues und
relevantes Wissen dokumentieren. Das Seewetteramt des Deutschen Wetterdienstes und das
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie können Auskunft geben über Klimastatistiken von
Temperatur, Niederschlag, Wasserstand etc. In etwa sechs Jahren ist eine aktualisierte Neuauflage
des Klimaberichts geplant.
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