Streit ums Klima – Klimawandel unter Beschuss?

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Biologie und Biotechnologie, Medizin, Astronomie, Physik, Technik
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und ist heute Teil der Konradin Mediengruppe mit dem bekannten
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Bild
der
Wissenschaft
sowie
den
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natur.deunddamals.de.
02|Inhalt
01
02
ÜBERUNS
INHALT
03
STREITUMSKLIMA
KlimawandelunterBeschuss?
04
IMPRESSUM
03|StreitumsKlima
Klimawandelunter
Beschuss?
VONNADJAPODBREGAR
Gletscherschmelzen,derMeeresspiegelsteigtundeswirdimmer
wärmeraufderErde-dieAnzeichenfüreinenKlimawandelkönnten
kaumdeutlichersein.FastalleKlimaforschersindsichdarineinig,dass
derMenschundseineEmissionenbeidieserEntwickl
HEISSERKAMPFUMHEISSELUFT
D
er Klimawandel und seine Skeptiker Noch in den 1960er
Jahren erwarteten die Klimaforscher einen Wandel hin zu
einer neuen Eiszeit. Später warnten sie vor einem
nuklearen Winter nach einem Atomkrieg. Inzwischen hat
sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Erde eine Gefahr nicht von
einer Abkühlung sondern von einer Erwärmung droht - einer
menschengemachten oder zumindestens vom Menschen mit
verursachten.
Doch obgleich auch die neuesten Klimamodelle und -berichte noch
immer beharrlich in Richtung eines steigenden globalen Thermometers
tendieren, gibt es Menschen und Gruppierungen, die diesen
Erkenntnissen nicht glauben wollen und lautstark und meist sehr
medienwirksam ihre Zweifel artikulieren. Das Spektrum ihrer alternativ
vorgetragenen Ansichten ist allerdings ebenso bunt und unterschiedlich
wie die jeweilige wissenschaftliche Expertise der Akteure: Die
Spannbreite der Meinungen reicht dabei von der absoluten Leugnung
einer messbaren Erwärmung und der Anzweiflung sämtlicher
Messergebnisse über die Negierung eines Zusammenhangs zwischen
anthropogenen Treibhausgasen und einer Erwärmung bis hin zur
Ansicht, der Klimawandel sei nicht nur naturgemäß sondern auch ein
Segen. Ähnlich disparat sieht
es aus, wenn man den
Hintergrund der tatsächlichen
und selbsternannten Experten
betrachtet:
Die
wissenschaftlichen
Qualifikationen reichen von
Physikern über Ingenieure,
Biochemiker
und
Raketentechniker bis hin zu
ehemaligen Offizieren der
britischen Handelsmarine. Zu
den Kritikern gehören sowohl
Angehörige oder ehemaligen
EisausdemAll©NASA
Angehörige
etablierter
Forschungseinrichtungen oder
angeblich unabhängig agierende Einzelkämpfer als auch eindeutig der
Industrie nahestehende Gruppierungen. So verschieden die Herkunft
und Ansichten dieser “Klimaskeptiker” in Einzelnen auch sind,
zumindestenseineshabensieoffenbargemeinsam:IhreTheorienund
Aktionen scheinen allesamt darauf abzuzielen, die Glaubwürdigkeit der
Klimaprognosen und Handlungsempfehlungen der Mehrheit der
Klimaforscher und des Intergovernmental Panel on Climate Change
(IPCC) zu untergraben. Doch warum? Welches sind die Beweggründe
für diesen teilweise verbitterten Kampf gegen die vermeintliche
“Klimalüge”? Wer sind die Akteure? Und nicht zuletzt: Was sind ihre
Argumente?
VERGIFTETESKLIMA
F
ruchtbare
Diskussion
oder
polemische
Schlammschlacht? Was treibt die Skeptiker des
Klimawandels? Ist es wissenschaftliche Ethik, ein echtes
Interesse an der Wahrheit oder einfach nur die Freude an
PolemikundProvokation?DieArtundWeise,inderdieDebattegeführt
wird, scheint manchmal eher auf das Letztere hinzudeuten. Und dies,
obwohl viele Vertreter der “Pro-Klimawandel”-Fraktion durchaus
einräumen, dass ihre Modelle und Kalkulationen noch Raum für
Verbesserungenbieten.
Auch James Hansen, Leiter des NASA Goddard Institute for Space
Studies und einer der wichtigsten und renommiertesten Klimaforscher
weltweit,siehteinebegründeteKritikalseinennatürlichenunddurchaus
begrüßenswerten
Bestandteil
des
wissenschaftlichen
Erkenntnisprozesses: “Wissenschaft gedeiht erst durch wiederholte
Herausforderung jeder Interpretation.” Doch die Klimaskeptiker tragen
trotz dieser fast schon einladenden Aussprüche ihre Argumente
interessanterweise nur selten in wissenschaftlichen Diskursen,
PublikationenoderaufTagungenvor.Stattdessennutzensiemeistdie
MassenmedienoderdasInternetalsPlattform,umihreAnsichtenkund
zu tun. Dabei zeichnen sich ihre
Stellungnahmen und Kommentare - nicht
immer, aber doch sehr häufig - durch
eifernde Rhetorik, öffentlichkeitswirksame
Polemik und teilweise fast schon
verleumderische Anwürfe aus. So spricht
beispielsweise
Al
Caruba,
ein
amerikanischer
Klimaskeptiker
und
bekanntermaßen industrienaher PR-Mann
vom Klimawandel als dem “größten
ErdeausdemAll©NASA
SchwindeldesJahrzehnts”undJohnDaly,
einerderprominentestenVertreterder“Greenhousesceptics”,unterstellt
dem IPCC Panikmache und wirft ihnen “schlechte Wissenschaft” vor.
Der im deutschsprachigen Raum sehr umtriebige Peter Dietze
bezeichnetdievoreinemKlimawandelwarnendenKlimaforscherabfällig
als “IPCC-gläubige Gutmenschen und Planetenretter”. Diese Art der
Rhetorik wird vielerorts gerade von den Massenmedien mit Vorliebe
aufgegriffen.
Besonders
in
den
ohnehin
nicht
sehr
klimaschutzbegeisterten USA schwenkten viele Zeitungen auf die Linie
der Skeptiker ein: In der Washington Post sah Michelle Malkin in den
Appellen der Klimaforscher an die Bush-Administration ein “junk
science”-Erbe der Clinton-Gore-Ära und das eigentlich seriöse Wall
StreetJournalkommentierte1997anläßlichderEntscheidungüberdas
Kyoto-Protokoll:“DieKlimaschutzbefürworterscheinengeradzuvorWut
zu platzen, wenn jemand es wagt anzudeuten, dass die globale
Erwärmung nur Theorie und nicht bewiesene Tatsache sein könnte.”
Viele der solchermaßen angegriffenen Klimaforscher reagieren jedoch
weniger mit Wut als vielmehr mit Bedauern auf die Eskalation der
Klimadebatte. Ihrer Ansicht nach leidet vor allem die Sache darunter.
Hansen: “Die ganze Aufregung mag dazu beigetragen haben, der
Debatte um die globale Erwärmung öffentliche Aufmerksamkeit zu
sichern, sie hat aber nicht vermittelt, wo die tatsächlichen
wissenschaftlichenArgumenteundProblemeliegen.”
MASSESTATTKLASSE…
D
ie Oregon Petition Seit April 1998 zirkuliert ein Papier in
denUSA,dasinwissenschaftlichenKreisenfürerheblichen
Aufstand
sorgte.
Grundsatzartikel
und
Unterschriftensammlung zugleich, erklärte die “Oregon
Petition” nicht nur die Unschuld des Menschen am Klimawandel,
sondern schien gleichzeitig zu beweisen, dass die steigende
Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre sogar positive
AuswirkungenunteranderemaufdasPflanzenwachstumweltweithaben
würde.DiesemscheinbaroffiziellvonderamerikanischenAkademieder
Wissenschaften veröffentlichten Artikel war ein Brief von Frederick
Seitz,einemehemaligenPräsidentenebenjenerInstitutionvorangestellt,
in dem er Forscher aus dem ganzen Land aufforderte, sich mit ihrer
UnterschriftgegendiefalscheTheorievomanthropogenenKlimawandel
und die daraus resultierenden erheblichen negativen Folgen für
Wirtschaft und Technologie einzusetzen. Kleiner Schönheitsfehler der
Petition: Sie stammte keineswegs von der Akademie der
Wissenschaften, sondern vom Oregon Institute für Science and
Medicine (OISM), einer von Paul Robinson, einem Chemiker und
aktivenKlimaskeptikergegründetenprivatenForschungseinrichtung.Von
ihmstammteauchderbeigelegteGrundsatzartikel.UndauchFrederick
SeitzdrückteinseinemBegleitbriefkeineswegseinevonderAkademie
geteilteAnsichtaus,wiediesesichbeeilteklarzustellen.Dennochhatten
bisJuni2000,zumindestensnachAngabendesOISM,immerhin19.000
Wissenschaftler unterschrieben. Für Fred Singer, einen prominenten
Klimaskeptiker, stellt dies “die größte Opposition von renommierten
Wissenschaftlern gegen den Versuch dar, Wissenschaft zu Gunsten
einer politischen Agenda umzustürzen.” Die schiere Menge der
Unterzeichner sorgte dafür, dass die Petition und ihr Ergebnis in allen
wichtigen Zeitungen und Zeitschriften der USA ausführlich besprochen
wurde und auch die im Artikel dargelegten “Fakten” als aus
glaubwürdiger Quelle stammend zitiert wurden. Doch was war wirklich
dranandieserangeblichsobreitenOpposition?Nichtviel,wiesichnur
allzuschnellherausstellensollte:Recherchenergaben,dassnurwenige
derangeblichsoqualifiziertenUnterzeichnerüberhauptWissenschaftler
waren und von diesen wiederum nur die allerwenigsten Physiker,
Klimatologen oder Meteorologen. Und auch die Verfasser des
scheinbar so wissenschaftlichen Artikels waren weder von Fach, noch
war der Artikel durch die allgemein übliche Praxis der Begutachtung
durch Fachkollegen gegangen - auch wenn beides durch Aufmachung
und
Stil
impliziert
wurde.
Raymond
Pierrehumbert,
Atmosphärenchemiker der Universität Chicago kommentiert empört:
“Die Petition ist wissentlich irreführend gestaltet, um den Eindruck zu
erwecken, der Artikel, der voller Halbwahrheiten ist, sei ein Nachdruck
einer geprüften wissenschaftlichen Veröffentlichung.” Ein Einzelfall?
Leidernicht.Esfälltauf,dassviele-wennauchnichtalle-dereifrigsten
Klimaskeptiker ihre angebliche Qualifikation betonen und Wert darauf
legen, als rein wissenschaftliche Gegenstimme anerkannt zu werden.
Gleichzeitig erscheinen ihre Artikel so gut wie nie in den
wissenschaftlichen Fachmagazinen und entziehen sich damit einer
echtenwissenschaftlichenPrüfung…
MITALLERMACHT?
D
ie Global Climate Coalition Während die Motive für die
InitiatorenderOregonPetitioneherunklarbleiben,gabund
gibteseinigeGruppierungenunterdenKlimaskeptikern,die
eindeutig - und auch mehr oder weniger offen - politisch-
wirtschaftliche Ziele verfolgen. Eine der bekanntesten ist die Global
ClimateCoalition(GCC).
Diese1989vonVertreternderwichtigstengroßenIndustrieunternehmen
und Ölkonzerne unterstützte Vereinigung lancierte 1997, kurz vor der
VerabschiedungdesKyoto-Protokolls,einemassiveKampagnegegen
die weltweiten Klimaschutzbemühungen. In ihren Reden vor dem
Kongress oder “beratenden” Gesprächen mit dem damaligen
Präsidenten und zahlreichen Medienauftritten fuhren die Vertreter der
GCC dabei eine Doppelstrategie: Zum einen versuchten sie, die
offizielle Klimaforschung, wie beispielsweise von der IPCC vertreten,
wissenschaftlich
zu
diskreditieren
und
die
Glaubwürdigkeit
der
Klimaprognosen und -modelle
zu erschüttern. Zum anderen
aber schürten sie bewusst
Ängste der amerikanischen
Bevölkerung
vor
einem
wirtschaftlichen Einbruch. In
LogoderGCC©GCC
Kommentaren
und
auf
Pressekonferenzen beschworen sie düstere Bilder von tausenden von
Arbeitslosen,einerzusammenbrechendenAuto-undErdölindustrieund
einer durch die Verschwörung der Umweltfanatiker zu Grunde
gerichteten USA herauf. Ihre Kampagne zeigte Wirkung: Bis heute
stehendieUSAdemKlimaschutzablehnendoderbestenfalls“lauwarm”
gegenüber,dasKyoto-Protokollhabensienachwievornichtratifiziert.
Und selbst heute, nachdem angesichts der sich mehrenden Hinweise
aufeineKlimaerwärmungsichauchindenUSAdieöffentlicheMeinung
allmählich zu wandeln beginnt, erfolgen Zugeständnisse an den
Klimaschutz eher zögerlich. Der Trend geht hin zu alrternativen
AntriebenImmerhinreagiertenvieledergroßenÖlkonzernewieBPund
Shell und Automobilunternehmen wie Daimler Chrysler und General
Motors auf den Meinungsumschwung in der Öffentlichkeit: Schon im
Jahr 2000 waren fast alle von ihnen aus der Global Climate Coalition
ausgestiegen - aus Angst um ihr Image. Im Frühjahr 2002 schließlich
verkündetedieGCCoffiziellihreAuflösung-mangelsUnterstützung.Ihr
abschließender Kommentar: “Die GCC hat ihrer Bestimmung gedient
und zu einer neuen Herangehensweise an das Problem der
Klimaerwärmung geführt.” - In der Tat: George W. Bush kündigte im
Februar 2002 Klimaschutzziele an, die nicht nur weit hinter denen des
Kyoto-Protokolls zurückbleiben, sondern sogar in den nächsten Jahren
zu einem deutlichen Anstieg der Treibhausgasemissionen führen
könnten.StattwieursprünglichvorgesehendieEmissionenbis2010um
sieben Prozent des Bezugswerts von 1990 zu senken, will Bush
Emissionen und Bruttoinlandsprodukt verknüpfen. “Im Endeffekt würde
das bedeuten, dass die USA 2010 mindestens 35 Prozent mehr
Treibhausgase produziert, als im Kyoto-Protokoll erlaubt”, erklärt Chris
Flavon, Präsident des Worldwatch Instituts gegenüber dem New
Scientist.
NICHTNURSCHARLATANERIE
D
ie seriöse Seite der Kritik Doch natürlich wäre es zu
einfach, in allen Klimaskeptikern automatisch Scharlatane,
blindwütigeEifereroderIndustrielobbyistenzusehen-auch
wenn es in dieser “Nische” verdächtig viele von ihnen zu
geben scheint. Immerhin gibt es auch seriöse Klimaforscher, die Kritik
andenModellen,InterpretationenundPrognosendesIPCCäußern.
EinervonihnenistDouglasHoyt,AtmosphärenphysikerundAutorvon
immerhin80wissenschaftlichenVeröffentlichungenzusolarerStrahlung
undihrenKlimawirkungen.ErsiehtseineKritikinersterLiniealsAnstoß
und Regulativ, als integralen Bestandteil der normalen
wissenschaftlichen Diskussion: “Jede neue Hypothese braucht ihre
Kritiker,umdieDingeehrlichzuhalten,unddasistgenaudas,wasich
hier tue” , erklärt er. Im Gegensatz zu vielen anderen Klimaskeptikern
streitet er weder den Klimawandel als solchen ab, noch die Tatsache,
dass auch anthropogene Einflüsse eine Rolle spielen könnten. Hoyts
Ansicht nach sind jedoch weder die heutigen Modelle noch die
Messungen,aufdenensiebasieren,genaugenug,umdastatsächliche
Ausmaß des Klimawandels eindeutig festzustellen. Mit dieser Ansicht
steht Hoyt nicht allein da, räumen doch immerhin auch die Mitglieder
desIPCCein,dassModelle,diedastatsächlicheKlimageschehender
Erde in all seiner Komplexität simulieren können, erst in den nächsten
Jahrzehnten zu erwarten sind. Bestätigt wird dies auch durch
Klimaforscher wie Michael Schlesinger
von der Universität von Illinois, der im
März 2001 in der Zeitschrift Journal of
Geophysical Research eine Studie
veröffentlichte,nachderdievonderIPCC
vorhergesagte Temperaturspanne von 1,4
bis 5,8°C Erwärmung mit einer
Wahrscheinlichkeit von 54 Prozent überoder
unterschritten
werden
kann.
Schlesinger: “Wenn das Klima sensibler
reagiert, als die Obergrenze der IPCC es
voraussieht, könnte der Klimawandel zu
einem der gravierendsten Probleme des
SolareAktivitätalsAuslöser?©
21. Jahrhunderts werden. Liegen die
IPCC
Werte jedoch unterhalb der IPCCGrenzen,wäreeskeinegroßeSache.”UnabhängigvonderDiskussion
um das Ausmaß des Klimawandels weicht Douglas Hoyt auch in der
Zuordnung der Ursachen von der IPCC Linie ab: Er sieht sie eher in
natürlichen als in anthropogenen Faktoren: “Die solaren Einflüsse
können den größten Teil der Klimaerwärmung im 20. Jahrhundert
erklären, aber es bleibt noch immer eine unerklärbare Resterwärmung
von etwa 0,16°C, die den anthropogenen Treihausgasen zugeordnet
werdenkann.”SchlesingerdagegenmahntbeiallerSkepsis:“Eskönnte
den guten Teil des Jahrhunderts dauern, bis wir genügend
Beobachtungsdaten haben, um den Grad der Unsicherheit deutlich
absenkenzukönnen.Bisdahinallerdingskönnteeslängstzuspätsein,
um noch etwas dagegen zu tun.” Die Auseinandersetzung Hoyts und
andererseriösererWissenschaftlermitderIPCCfindetimUnterschied
zu vielen anderen klimaskeptischen Stimmen nicht nur in den
Massenmedien sondern auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen
stattundentziehtsichdamitnichtderBewertungundDiskussiondurch
Fachkollegen. Damit bieten ihre Argumente und Daten immerhin die
Möglichkeit zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung und können
vielleicht sogar dazu beitragen, das komplexe Klimageschehen immer
besserzuverstehen.
TRENDBAROMETERDERKLIMAFORSCHUNG
D
asIntergovernmentalPanelonClimateChange(IPCC)Als
imSommer2001dasIntergovernmentalPanelonClimate
Change (IPCC) seinen dritten Bericht zur Lage des
Weltklimasabgab,warihmdieAufmerksamkeitderMedien
- und der Skeptiker - sicher. Das internationale Gremium gilt als der
Expertenrat in Klimafragen schlechthin. Seine Berichte und Studien
geben die entscheidenden Impulse und Empfehlungen für die
internationaleundnationaleKlimapolitik.
UnddiesegehenindenletztenJahreninderRegelalleineineRichtung:
Siekonstatieren,dasseswärmerwirdaufderErde,dassderMensch
durchseineEmissionenvonTreibhausgasenhöchstwahrscheinlicheine
entscheidende Rolle dabei spielt und dass Klimaschutzmaßnhamen
dringend nötig sind, um eine weitere Erwärmung zu verhindern. Und
genau dieses reicht bereits, um sie in den Augen vieler Klimaskeptiker
zu“Panikmachern”und“Klimaverschwörern”zumachen.Fürdiemeisten
Klimaforscher dagegen sind sie nicht nur eine anerkannte und
qualifizierte Instanz, sondern auch ein wichtiges Bindeglied zwischen
Forschung und Politik. Doch was genau ist dieses Gremium? Wer
gehört ihm an und was tut es? Das IPCC wurde 1989 von der
MeteorologischenWeltorganisation(WMO)unddemUmweltprogramm
der
Vereinten
Nationen
(UNEP) ins Leben gerufen.
AusgehendvonderErkenntnis,
dass
ein
potentieller
Klimawandel
erhebliche
globale wirtschaftliche und
politische Folgen nach sich
ziehen könnte, sollte dieses
Gremium
alle
wissenschaftliche, technische
und
sozio-ökonomische
Information sammeln und
auswerten, die für die
Einschätzung des Risikos
nötig sei. Aktiv für das IPCC
tätig sind mehrere hundert bis
2.500
renommierte
Klimaforscher weltweit. Sie
führen dabei im Auftrag des
KlimaberichtderIPCC©IPCC
IPCC keine zusätzlichen Forschungen durch oder überwachen
klimatische Parameter, sondern werten in erster Linie die in der
wissenschaftlichen Fachpresse erscheinenden Veröffentlichungen aus.
Die im Abstand von einigen Jahren veröffentlichten “Assessment
Reports” des IPCC fassen die neuesten Erkenntnisse und Prognosen
zum Klimawandel zusammen und diskutieren dabei durchaus auch
abweichende Modelle und Studien. Sie geben nicht nur den jeweils
aktuellenStandderWissenschaftwieder,sondernsindgleichzeitigauch
eine Art Trendbarometer in Sachen Klimaforschung. Doch trotz aller
geballten Sachkompetenz sind sich die IPCC-Vertreter ihrer Grenzen
durchausbewusst:ImjüngstenIPCC-BerichtisteinganzesKapitelnur
der Diskussion der Unsicherheiten und möglichen Fehlerquellen in den
KlimamodellengewidmetundPassagendazufindensichimgesamten
rund tausendseitigen Werk. Ungeachtet solcher Einschränkungen
kommen die “Klimaweisen” letztendlich jedoch zu einem eindeutigen
Fazit: “Es gibt neue und stärkere Belege, dass die beobachtete
Erwärmungderletzten50JahrezumGroßteilaufmenschlicheAktivität
zurückzuführenist.”
VERLORENIMDICKICHTDERARGUMENTE?
D
ie Debatte und die Öffentlichkeit Klimaskeptiker machen
nicht
nur
als
Organisationen
oder
durch
öffentlichkeitswirksameAuftritteaufsichaufmerksam,auch
imBereichderpopulärwissenschaftlichenLiteraturflorieren
ihreThesenundTheorien.Bücherwie“HotTalkColdScience”vonFred
Singer oder “Klimalüge?” von Manfred Müller verkaufen sich bestens
und erfahren durchaus starke Beachtung seitens der Medien. Und
geradehierzeigtsichsehrdeutlicheinesdergrundsätzlichenProbleme
der Debatte: Wenn über einen bloßen Austausch von Polemik hinaus
tatsächlich sachliche Argumente und konkrete wissenschaftliche Fakten
diskutiert werden, ist deren Plausibilität oder Richtigkeit für den Laien
kaum mehr festzustellen. Zu komplex und speziell sind die
physikalischen, mathematischen oder statistischen Grundlagen der
Prozesse und Modelle. Um der Verständlichkeit willen werden die
komplexen Hintergründe daher oft vereinfacht - mit der Gefahr einer
willkürlichen oder unwillkürlichen Verzerrung oder Simplifizierung. Oder
aber sie werden in voller Pracht und Komplexität präsentiert - um den
Preis der Verständlichkeit. Noch häufiger aber bilden beide
MöglichkeiteneinewildeMischung,gewürztmitmeistmehralsnureiner
Prise Polemik. Selbst vorgebildeten Laien oder teilweise sogar
Forschern “vom Fach” fällt es unter Umständen schwer, diesen Wust
ausFakten,FehlschlüssenundBehauptungenauseinanderzusortierenkein Wunder, dass ein “nicht vorbelasteter” Leser hier kaum Chancen
hat, durchzublicken. Der Klimaforscher und Atmosphärenphysiker
CharlesKellervomLosAlamosNationalLaboratoryderUSAhattesich
1998 bereit erklärt, zu dem vom Klimaskeptiker Fred Singer
veröffentlichten Buch “Hot Talk Cold Science” in einer öffentlichen
Diskussion Stellung zu nehmen. “Ich war auf den enormen
Arbeitsaufwand nicht vorbereitet, der nötig war, um erst zum
eigentlichenKernvonSingersEinwändenvorzudringenunddanndarauf
zu entgegnen”, erklärt er hinterher und fährt fort: “Diese
Auseinandersetzung gab mir einen Eindruck, wie nahezu unmöglich es
für den interessierten Laien sein muss, zu erkennen, wie falsch oder
irreführenddieArgumentesind.”
KRITIKAUFALLENEBENEN
D
ie Ansatzstellen der Klimaskeptiker Betrachtet man die
Argumente der “Klimaskeptiker”, fällt auf, dass ihre Kritik
auf ganz unterschiedlichen Ebenen ansetzt: Die einen
bezweifeln
schon
die
Korrektheit
der
Temperaturmessungen und damit auch meist die Existenz einer wie
auch immer gearteten Klimaerwärmung. Zu ihnen gehören auch der
Klimatologe Douglas Hoyt oder der vor allem im Internet sehr
umtriebigeJohnDaly.
Andere, wie die Global Climate Coalition und andere vor allem
wirtschaftlich motivierte Gruppierungen, halten zwar die Messungen im
Großen und Ganzen für korrekt, bemängeln aber die Unsicherheit der
darauf basierenden Modelle und Prognosen und halten sie für zu
ungenau, um eindeutige Schlussfolgerungen ziehen zu können. Wieder
andere halten eine globale Erwärmung durchaus für wahrscheinlich,
kritisieren aber die Interpretation der Daten: Im Gegensatz zum IPCC
sehen
sie
keinen
Zusammenhang
zwischen
steigender
KohlendioxidkonzentrationderAtmosphäreundTemperaturanstieg.Sie
favorisierenehernatürlicheUrsachenundsehendieErwärmungalsTeil
eines normalen Klimazyklus. Dazu gehören der amerikanische
BuchautorFredSingerundderdeutscheGeologeundehemaligeLeiter
des Geologischen Landesamtes von
NRW, Peter Neumann-Mahlkau. Und zu
guter Letzt gibt es tatsächlich auch
einzelne Gruppierungen, darunter die
Greening Earth Society, die sowohl den
Klimawandelalsauchseineanthropogene
Ursache mehr oder weniger akzeptieren,
darin aber nur Positives entdecken
können. Das zusätzliche CO2 in der
Atmosphäre ist, so behaupten sie, nicht
Fluch sondern sogar Segen, da es das
Atmosphärische
Wechselwirkungen©MMCD
Pflanzenwachstum anregt und so höhere
Erträge garantiert. Und auch für die Tierwelt sei das dann ja nur von
Vorteil - kurzum, der Klimawandel könnte geradezu paradiesische
Zuständebescheren-wennmanihmnurfreienLauflassenwürde…
ZAHLENSPIELE…
D
ieKritikanMessungenundMessstationenDieersteStufe
derKritikderKlimaskeptikersetztschonanderBasisder
Modelle und Prognosen an: den Temperaturmessungen.
Hier eine kurze Gegenüberstellung der wichtigsten
Positionen.Dieunter“Einwand”zusammengefasstenAnsichtensindvor
allemausVeröffentlichungenvonDouglasHoyt,VincentGrayundFred
Singer entnommen, die unter “Entgegnung” subsummierten
Entgegnungen stammen in erster Linie von James Hansen (GISS),
Charles Keller (LANL), dem Global Hydrology & Climate Center
(GHCC)derNASAundausdemBerichtderIPCCvon2001.
VerteilungundQualitätderMessstationen
Einwand: Die so genannten “globalen” Messungen sind in Wirklichkeit
keineswegs global. Sie haben, wenn es hoch kommt, in den 1960er
Jahren40ProzentdesGlobuserfasst,ihreDichteistaberaufnurnoch
rund20ProzentindenletztenJahrengesunken.BesondersinGebieten
der ehemaligen Sowjetunion und in ländlichen Bereichen wurden aus
Geldmangel zahlreiche Stationen geschlossen, die Messdaten
verschieben sich so global zu Gunsten der Stationen in “reichen”
Ländern und urbanen Gebieten. Besonders in Ländern der dritten Welt
oder der ehemaligen Sowjetunion erfüllen die Klimamessstationen
außerdem oft nicht die Qualitätskriterien. Ungenügende Wartung oder
mangelnde Sorgfalt bei der Ablesung können die Werte höher
erscheinenlassenalssietatsächlichsind.AucheinesichimLaufeder
JahreveränderndeVegetationnahederStationkannbeispielsweisezu
stärkerer Abschirmung vor Wind oder Kälte führen und so eine
langsameErwärmungsuggerieren.Entgegnung:UmUnterschiedeinder
Verteilung der Messstationen auszugleichen, nutzen die Modelle nicht
einfachnurdieDatenallervorhandenenStationen,sondernderGlobus
wird in ein virtuelles Gitter mit einer jeweiligen Kantenlänge von 5°x5°
eingeteilt.FürjededieserBoxenwirdproZeitpunktnureinWertgenutzt,
der sich wiederum aus den Durchschnitten der innerhalb dieser Fläche
befindlichenStationenzusammensetzt.DasDatennetzdesNASAGISS
umfasst damit immerhin 8.000 Einzelregionen, das des Climate
Research Unit in Großbritannien immerhin noch 2592. In die von der
IPCC diskutierten Modelle flossen alle Ergebnisse der verschiedenen
Netzemitein.EinedirekteEntgegnungaufdieKritikanderSorgfaltund
Qualität der Messungen findet sich bei der IPCC oder bei der NASA
allerdingsnicht.
HITZEINSELNUNDSATELLITENDATEN
W
eitere Kritik an Messungen und Messstationen “Heat
Island”-Effekt,Urbanität
Einwand: Städtische Gebiete wirken als Wärmeinseln.
Die Steinoberflächen von Straßen oder Gebäuden
heizen sich tagsüber stärker auf als beispielsweise Vegetation und
geben die gespeicherte Wärme nachts an die Umgebung ab. Da viele
Messstationen in urbanen Gebieten stehen, weil sie dort leichter
erreichbar sind und ihr Unterhalt damit billiger ist, werden ihre
MessungendurchdieStadtwärmekünstlicherhöht.EinIndizfürdiesen
Effekt ist auch die geringer gewordene Spanne zwischen Tages- und
Nachttemperaturen.Entgegnung:
Eine neuere Studie, die die Werte von 7.280 Stationen auf
Urbanitätseffektehinkontrollierte,belegt,dassdieserEffektaufglobaler
Ebene relativ vernachlässigbar ist. In der Regel liegt die globale
TemperaturerhöhungdurchdieWärmeinselnderStädteumeineganze
Größenordnung niedriger als die beobachteten Temperatureffekte. Die
verringerte Spanne zwischen Tages- und Nachttemperaturen führt das
IPCC nicht auf urbane Effekte
sondern vor allem auf der
Nordhalbkugel auf einen seit
1950
zunehmenden
Wasserdampfgehalt in der
Atmosphäre
und
damit
verbunden
eine
stärkere
Bewölkungzurück.
Diskrepanz
Satelliten-
Bodenmesssdaten
zwischen
und
Urbanheat-Effekt©MMCD
Einwand:
Die
seit
1979
ergänzend
durchgeführten
Temperaturmessungen aus dem Orbit durch die Satelliten des
“Microwave Sounding Unit” (MSU) sind verlässlicher als die von
Messstationen am Boden ermittelten Daten. Im Gegensatz zu den
Bodenmessungen zeigen sie jedoch keine Temperaturerhöhung für die
untere Troposphäre (0.7 km) sondern sogar einen leichten (0,05°)
Abwärtstrend.WeilaberTreibhausgasevornehmlichinderAtmosphäre
wirken,müsstederKlimawandelgeradedortamstärkstennachweisbar
sein.Entgegnung: SatelllitenmessungIn der Tat zeigen die
Satellitenmessungen für die untere Troposphäre keine eindeutige
Erwärmung und widersprechen damit den Klimamodellen, nach denen
geradedortdiestärksteErwärmungzuerwartenseinmüsste.DieIPCC
gehtzurZeitdavonaus,dassdiesesErgebnisaberkeinenWiderspruch
zurglobalenErwärmungdarstellenmuss.EineStudievon1999zeigte,
dass sich der Schwund der Ozonschicht und die durch einige große
VulkanausbrücheindieAtmosphäregeschleudertenAerosoleabkühlend
auf die Temperaturen in der unteren Stratosphäre und sogar der
mittleren Troposphäre auswirken können. In jedem Fall waren die
ExpertenvonNASAundIPCCallerdingsgezwungenfestzustellen,dass
die atmosphärische Schichtung wohl doch komplexer ist, als zuvor
angenommenunddasnocheinigerForschungsbedarfherrscht.
NATÜRLICHODERMENSCHENGEMACHT?
U
rsachen und Interpretationen Neben den Messungen
konzentriertsichdieKritikderKlimaskeptikervorallemauf
die Interpretation der Daten und Modelle. Fragen nach
Ursachen und Zusammenhängen der Klimaentwicklung
stehen hier im Mittelpunkt. Hier eine kleine Auswahl der am häufigsten
gebrachtenArgumenteundEinwände:
NatürlicheSchwankungen
Einwand: Das Klima der Erde hat im Laufe der Erdgeschichte immer
wieder starke Temperaturschwankungen durchlebt. Auch der heutige
TemperaturanstiegistnichtsweiteralseinwinzigerAusschnittauseiner
langenKettevonnatürlichenAufundAbs.EinZusammenhangzwischen
Klima und menschlichen Einflüssen ist daher weder nachweisbar noch
nötig, um die Veränderungen zu erklären.Entgegnung: Es herrscht
weitestgehend Einigkeit darüber, dass die gegenwärtige Erwärmung
wahrscheinlich sowohl natürliche als auch anthropogene Ursachen hat.
Während jedoch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts natürliche
Einflüsse wie beispielsweise die Schwankungen der solaren
Einstrahlungüberwogenzuhabenscheinen,deutetinderzweitenHälfte
allesaufeinenstärkerwerdendenanthropogenenEinflusshin.Vergleicht
man die für das letzte Jahrhundert modellierten mit den tatsächlich
beobachteten Werten, passt das Szenario mit sowohl natürlichen als
auchanthropogenenFaktorenambestenaufdieRealität.
SolarerZyklusalsUrsache
Einwand:
Sonnenaktivitäten©SOHO
Nicht die Treibhausgase, sondern vor
allem die Schwankungen in der
Sonneneinstrahlung durch Veränderungen
der
Sonnenaktivität
sind
für
Klimaschwankungen verantwortlich. Vor
allem der 11-jährige Zyklus der Aktivität
und der Sonnenflecken wirkt sich dabei
aus. Perioden wie die “kleine Eiszeit”
zwischen1500und1800,alsinEuropadie
Temperaturen deutlich absanken belegen
dies.Entgegnung: Neue Studien unter
anderem der NASA deuten darauf hin, dass die Auswirkungen von
Schwankungen der solaren Aktivität auf das globale Klima nur gering
sind. Nach Angaben der IPCC lässt sich der Anteil der 1750 bis 2000
durch solare Einflüsse hervorgerufenen Erwärmung auf rund 0,3 Watt
pro Quadratmeter festlegen - weniger als ein Zehntel der
wahrscheinlichen CO2-bedingten Erwärmung. Allerdings liegt der
Unsicherheitsfaktor für die Einschätzung der Sonneneinwirkungen auch
immerhinbei67Prozent.DieStudienzeigenaberauch,dassdersolare
Zyklus größeren Einfluss auf die Energieflüsse und -Verteilung in der
Atmosphäre hat und damit zwar nicht global, wohl aber regional
deutliche Klimawirkungen auslösen kann. Dies könnte auch die “kleine
Eiszeit” erklären, denn sowohl diese als auch die mittelalterliche
Wärmeperiode, die ihr vorausging, lassen sich über Eisbohrkerne aus
Gletschern und Eiskappen nur als regionale, nicht als globale
Phänomene nachweisen. Das IPCC merkt in seiner Diskussion der
solaren Faktoren an, dass das Verständnis der solaren Prozesse und
ihrer Klimaeinflüsse noch “sehr gering” sei. So weichen die in
unterschiedlichen Studien ermittelten Schwankungen in der
Sonneneinstrahlung während der letzten vierhundert Jahre stark
voneinander ab, unter anderem, weil sich diese nur schwer im
Nachhineinbestimmenlassen.
TREIBHAUSWIRKUNGUNDEISZEITEN
W
eitere
Einwände
gegen
InterpretationenEiszeiten,CO2undKlima
gängige
Einwand: Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen
Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre und
dem Anstieg der globalen Temperaturen ist nicht nachweisbar. In der
letztenEiszeitlagderCO2-GehaltderLuftnachAngabendesGeologen
Peter Neumann-Mahlkau beispielsweise bei 1,5 Prozent, war also
erheblichhöheralsheute-dennochwareskälter.Entgegnung:
NachAngabenderIPCCistdiegegenwärtigeCO2-Konzentrationhöher
als jemals innerhalb der letzten 400.000 Jahre und mit 66- bis 90prozentiger Wahrscheinlichkeit auch innerhalb der letzten 20 Millionen
Jahre.DieRatedesCO2-Anstiegs-31Prozentseit1750-istinnerhalb
derletzten20.000Jahreunerreicht.DassdieEiszeitendurchnatürliche
Faktoren, darunter vor allem die Schwankung der Sonneneinstrahlung
durch Sonnenaktivität und Veränderungen der Erdachse und umlaufbahn ausgelöst werden, ist unstrittig. Ebenso, dass diese
Faktoren, wenn sie in diesem Maße wie in der Eiszeit wirken, den
Treibhauseffekt gleichsam “übertönen” können. Dies bedeutet aber
keineswegs,dassCO2deshalbkeinTreibhausgasseinkann.
TreibhauswirkungdesCO2
Einwand: Der Treibhauseffekt
von CO2 ist viel zu gering:
Selbst bei einer Verdoppelung
würde er allein gerade einmal
zu einem Temperaturanstieg
von 0,25 °C führen. Die
Differenzzudenimmerwieder
zitierten2,5°CbeiVerdopplung
beruht auf der Annahme von
positiven
Rückkopplungsprozessen, die
jedoch nicht nachgewiesen
IPCC-PrognosedesCO2-Anstiegs©IPCC
sind.Entgegnung: Die neusten
Berechnungen deuten darauf hin, dass eine Verdopplung des CO2 die
Strahlungsbilanz der Erde um immerhin 3,4 bis 4,1 Watt pro
Quadratmeter (Wm-2) verschieben kann - in Richtung einer stärkeren
Wärmeaufnahme
und
geringeren
Wärmeabgabe.
Eine
Temperaturerhöhung von 1,2 Grad wäre die Folge - ohne
Feedbackmechanismen.Computermodelleprognostiziereneinen60bis
100 prozentigen zusätzlichen Temperaturanstieg durch positive
Feedbackmachanismen. Darunter fällt vor allem die bei steigender
Temperatur stärkere Verdunstung, die größere Mengen des ebenfalls
treibhauswirksamen Wasserdampf in die Atmosphäre gelangen lässt.
ForscherwieCharlesKelleroderdasIPCCräumenaberein,dassdie
positiven und negativen Rückkopplungen des Klimasystems noch zu
denamwenigstenverstandenenPhänomenengehören.
GlobaleVerteilungderErwärmungnichtkonsistentmitTreibhaustheorie
Einwand: Die Erwärmung ist am stärksten auf der Nordhalbkugel und
dort in den mittleren Breiten. Dies widerspricht den TreibhausgasModellen,nachdenendiegrößteErwärmungindenpolarenBreitenzu
erwarten wäre.Entgegnung: Obwohl es Gebiete gibt wie den
Nordatlantik oder den außertropischen Pazifik, in denen die
beobachtete Erwärmung von der im Treibhaus-Modell simulierten
abweicht, lassen sich die Entwicklungen dennoch plausibel mit einem
Treibhausgas-Szenario erklären. Es gibt Simulationen, wie die von
Delworth und Knutson aus dem Jahr 2000, die eine verstärkte
Erwärmungvorallemindenmittleren-hohenBreitenwährendderersten
Hälfte des letzten Jahrhunderts zeigen - eine ähnliche
Temperaturentwicklung,wiesienunbeobachtetwurde.
WASBLEIBT?
K
eineeinfachenAntworten,wohlabereinMotto…Wasbleibt
nach der Betrachtung der Debatte, der Akteure und ihrer
Argumente?InjedemFalledieErkenntnis,dasseseinfache
Antworten, ein klares “Gut und Böse” in dieser Frage wohl
nicht gibt. Denn bei aller Polemik, mit der die Debatte häufig geführt
wird, sind doch nicht alle Argumente der Klimaskeptiker deshalb
automatischUnsinnoderkönnenaufAnhiebentkräftetwerden.Gerade
die Kritik an Zustand und Verteilung der Messstationen beispielsweise
scheint plausibel. Andererseits lassen sich wieder Punkte, wie
beispielsweise die totale Leugnung jeden Zusammenhangs zwischen
CO2undKlimaerwärmungsichernichtaufrechterhalten.
Doch auch wenn viele Argumente ins Leere gehen: Solange die Kritik
sich nicht auf Diffamierungen beschränkt, sondern sachlich dazu
beiträgt,echteSchwachstellenderModelleundPrognosenaufzuzeigen,
ist sie wichtiger und notwendiger Bestandteil des wissenschaftlichen
Fortschritts - und dies sehen auch die Klimaforscher ausdrücklich ein.
VorsichtundMisstrauensindallerdingsdortangebracht,wodieAkteure
-egalwelcherSeite-nichtbereitsind,sich
und ihre Argumente einer kritischen
Bewertung
und
sachlichen
Auseinandersetzung zu stellen. Im
Moment scheint dies vor allem für eine
ganze Reihe der Skeptiker zu gelten. Das
IPCC und viele Klimaforscher des “ProLagers”dagegensetzensichdurchausmit
Kritik an ihnen und ihren Modellen
auseinanderundgehendabeimeistrelativ
WolkenundSonne©IMSI
gewissenhaft und gründlich auf die
MasterClips
vorgebrachten Argumente der Skeptiker
ein-wenndieKritiksachlichundseriösist.IstdiesnichtderFall,handelt
derKritikernachAnsichtdesNASA-KlimatologenJamesHansennicht
wieeinWissenschaftler,sonderneherwie“einAnwalt,derdiePosition
seines Klienten um jeden Preis verteidigen will.” Hansen fährt jedoch
einschränkendfort:“Esistabernurfair,zusagen,dassbeiderDebatte
um die globale Erwärmung umweltpolische, politische und religiöse
Perspektiven von beiden Seiten aus in die Wissenschaft eingebracht
wurden.” Eben weil es sich beim Klimawandel nicht um ein rein
abstraktes wissenschaftliches Gedankengebäude handelt sondern um
ein Ereignis, das potentiell die gesamte Menschheit trifft, sind
ÜberschneidungenmitPolitik,WirtschaftundEthikinderDebattekaum
zuvermeiden.JamesHansen:“DerGedanke,dassunsereModelledie
AuswirkungenderSonnenstrahlung,vonVulkanenoderTreibhausgasen
einfangenundprognostizierenkönnen,istwirklichEhrfurchteinflößend.
AberdieBegeisterungwirdgedämpftdurchdasBewusstsein,dassdas
“Labor”, um das es geht, die Heimat von Milliarden Menschen und
Tieren ist.” Angesichts dieser Tatsache sollte das Motto im Falle des
Klimawandelssicherlichlauten:“ImZweifelsfallefürdenAngeklagten.”
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