Medikamente zur langfristigen Behandlung der

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Mehr Wissen: Medikamente zur langfristigen Behandlung der
koronaren Herzkrankheit
Zur langfristigen Behandlung einer koronaren Herzkrankheit (KHK) werden als wichtigste Maßnahme Medikamente eingesetzt. Die
verschiedenen Wirkstoffe sollen die Beschwerden lindern, aber auch Folgeerkrankungen vorbeugen.
Zur Vorbeugung von Folgeerkrankungen werden vor allem Medikamente aus drei verschiedenen Gruppen eingesetzt: Plättchenhemmer, Statine und
Betablocker.
In bestimmten Fällen kommen ACE-Hemmer oder Sartane hinzu. Jede Medikamentengruppe setzt an verschiedenen Krankheitsvorgängen an, die
Wirkstoffe werden daher kombiniert. Aussagekräftige Studien haben nachgewiesen, dass diese Wirkstoffe das Risiko für Folgeerkrankungen wie
Herzinfarkte oder Schlaganfälle senken können.
Manche Menschen wenden auch Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren oder Vitamine an. Solche Präparate haben sich in Studien
jedoch als nutzlos erwiesen. Manche Vitaminpräparate können in hohen Dosen sogar schaden.
Alle Medikamente können Nebenwirkungen haben. Oft lassen sie sich aber vermeiden, indem man die Dosierung des Mittels anpasst oder ein
anderes Präparat aus der Medikamentengruppe wählt. Zudem halten die Nebenwirkungen nur so lange an, wie die Medikamente genommen
werden. Manchmal treten sie auch nur zu Beginn einer Behandlung auf.
Das Risiko für Nebenwirkungen kann steigen, wenn zwei oder mehr Medikamente zusammen eingenommen werden, da es dann zu
Wechselwirkungen kommen kann. Daher ist es wichtig, der Ärztin oder dem Arzt zu sagen, welche Medikamente man bereits nimmt. Außerdem
kommt nicht jedes Mittel für alle Menschen infrage. Ob sich ein bestimmtes Medikament eignet, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem
Lebensalter oder ob jemand neben der KHK noch andere Erkrankungen hat.
Auch die beste medikamentöse Behandlung bietet nur einen begrenzten Schutz vor Herzerkrankungen. Allgemein gilt: Je mehr Risikofaktoren eine
Person hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass er oder sie von den Medikamenten profitiert. Wichtig ist, die Mittel dauerhaft und regelmäßig
anzuwenden – denn ihre schützende Wirkung hält nur so lange an, wie sie genommen werden.
Plättchenhemmer
Die Blutplättchen (Thrombozyten) tragen dazu bei, dass das Blut gerinnen kann. Dies ist zum Beispiel wichtig, um Wunden zu verschließen. Sie sind
aber auch an der Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) beteiligt. Als „Plättchenhemmer“ bezeichnete Medikamente hemmen die Funktion der
Blutplättchen. Dadurch verhindern sie, dass die Plättchen verklumpen, sich an den Gefäßwänden anlagern und ein Gefäß verschließen können.
Diese Medikamente werden auch Thrombozytenfunktionshemmer oder Thrombozytenaggregationshemmer genannt.
Zur langfristigen Behandlung der koronaren Herzkrankheit sind zwei Mittel aus dieser Medikamentengruppe zugelassen: Acetylsalicylsäure ( ASS)
und Clopidogrel. ASS ist der Wirkstoff von Schmerzmitteln wie Aspirin. Die Behandlung mit ASS gilt seit vielen Jahren als Standard. Üblicherweise
wird eine Tablette mit einer niedrigen Dosierung von 100 Milligramm ASS pro Tag eingenommen. Clopidogrel wird vor allem bei Menschen
eingesetzt, die ASS nicht vertragen oder aus anderen Gründen nicht nehmen dürfen. Die Dosierung für Clopidogrel liegt bei einer Tablette mit 75 mg
Wirkstoff pro Tag.
Studienergebnisse zu ASS und Clopidogrel
ASS ist in Studien gut erprobt: Die regelmäßige Einnahme des Medikaments kann bei Menschen mit KHK Folgeerkrankungen wie Herzinfarkten und
Schlaganfällen vorbeugen und ihre Lebenserwartung erhöhen. Die folgende Tabelle stellt die Studienergebnisse in Zahlen dar. Diese Ergebnisse
gelten über einen Zeitraum von gut zwei Jahren. Die Zahlen in der linken Spalte geben an, wie viele Menschen ohne ASS-Behandlung erkrankt oder
gestorben sind. Die Spalte in der Mitte gibt an, wie viele Menschen trotz ASS-Behandlung erkrankt oder gestorben sind. Die letzte Spalte zeigt den
Unterschied zwischen beiden Gruppen – also wie viele Personen durch die Behandlung vor Erkrankung oder Tod bewahrt wurden.
Tabelle: Zahl der Personen, die von einer 2-jährigen Behandlung mit ASS
einen Nutzen haben
Ereignis
Ohne ASS Behandlung mit ASSVon der Behandlung profitiert
Tod
133 von 1000120 von 1000
13 von 1000
Schlaganfall135 von 1000109 von 1000
26 von 1000
Herzinfarkt 117 von 100080 von 1000
37 von 1000
Eine große Studie hat untersucht, wie ASS und Clopidogrel im direkten Vergleich abschneiden. Dabei zeigte sich, dass die beiden Medikamente
ähnlich gut vor Folgeerkrankungen schützen.
Nebenwirkungen
Plättchenhemmer sorgen dafür, dass das Blut nicht so stark gerinnt. Dadurch kann es aber leichter zu Blutungen kommen und länger dauern, bis der
Körper Blutungen stoppt. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass Prellungen schneller zu blauen Flecken führen. Bei solchen und anderen kleineren
Blutungen wie Nasenbluten besteht kein Grund zur Sorge. Dunkelrot oder schwarz verfärbter Stuhl sowie erbrochenes Blut können hingegen auf
eine Magenblutung hinweisen und müssen ärztlich abgeklärt werden. Bei etwa 2 bis 3 von 100 der Menschen mit KHK, die ASS nehmen, löst das
Medikament eine behandlungsbedürftige Blutung aus. Die meisten Blutungen lassen sich aber gut behandeln und haben keine langfristigen Folgen.
Menschen, die eine solche Blutung hatten, wird zusätzlich zu ASS oft ein sogenannter Protonenpumpenhemmer verschrieben. Dieses Medikament
schützt die Magenschleimhaut und beugt Magengeschwüren vor.
Eine äußerst seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung von Plättchenhemmern sind Hirnblutungen. Sie machen sich durch starke, plötzlich
auftretende Kopfschmerzen bemerkbar, insbesondere in Verbindung mit anderen Problemen wie Sehstörungen, Schwindel, Lähmungen oder
Taubheitsgefühlen. Bei solchen Anzeichen ist es wichtig, sofort den Notruf 112 zu wählen. Die Wahrscheinlichkeit, aufgrund der Einnahme eines
Plättchenhemmers an einer Hirnblutung zu sterben, ist jedoch gering: Sie liegt bei 1 zu 1000. Das Risiko hierfür ist damit wesentlich niedriger als der
mögliche Nutzen: Nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass ein unter Umständen tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindert wird.
Statine
Cholesterin spielt bei vielen Vorgängen im Körper eine wichtige Rolle und ist daher lebensnotwendig. Cholesterin wird in Blut und Lymphflüssigkeit
zusammen mit Eiweißstoffen in Form kleiner Pakete transportiert. Als so genanntes LDL (für Low Density Lipoprotein) gelangt es so zu den Zellen
des Körpers, wo es weiter verarbeitet wird. Nicht verbrauchtes Cholesterin wird in Form von HDL-Cholesterin (High Density Lipoprotein) wieder in
die Leber zurückgebracht. HDL-Cholesterin wird auch als „gutes Cholesterin“ bezeichnet und es wird ihm sogar eine schützende Wirkung unterstellt.
Problematisch ist das LDL-Cholesterin: Je höher die Menge, desto größer ist das Risiko für eine KHK. Es wird deshalb auch „schlechtes Cholesterin“
genannt.
Statine sind eine Gruppe von Medikamenten, die den LDL-Cholesterinwert im Blut senken. Daher werden sie auch Cholesterinsenker oder
Lipidsenker genannt. Es ist allerdings unklar, ob der Nutzen der Statine vor allem auf die Cholesterinsenkung zurückzuführen ist. Da Statine
zusätzlich vermutlich auch die Gefäßwände schützen, werden sie bei allen Menschen mit KHK eingesetzt – unabhängig davon, ob ihre
Cholesterinwerte erhöht sind. Aus der Gruppe der Statine sind in Deutschland mehrere Wirkstoffe zugelassen: Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin,
Pitavastatin, Pravastatin, Rosuvastatin und Simvastatin. Bei einer Unverträglichkeit gegen ein Statin besteht also die Möglichkeit, auf einen anderen
Wirkstoff umzusteigen. Simvastatin wird mit Abstand am häufigsten eingesetzt. Es hat sich am längsten bewährt. Statine werden in verschiedenen
Dosierungen eingesetzt. Eine häufig eingesetzte Dosierung für Simvastatin liegt bei 40 mg pro Tag.
Studienergebnisse zu Statinen
Statine können das Risiko für Folgeerkrankungen einer KHK nachweislich senken und die Lebenserwartung verlängern. Studien zu Statinen bei
Menschen mit bekannter KHK zeigen folgende Ergebnisse:
Tabelle: Zahl der Personen, die von einer 5-jährigen Behandlung mit einem Statin einen
Nutzen haben
Ereignis
Ohne StatineBehandlung mit StatinenVon der Behandlung profitiert
Tod oder Herzinfarkt144 von 1000 114 von 1000
30 von 1000
Schlaganfall
45 von 1000 36 von 1000
9 von 1000
Diese Ergebnisse gelten für einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren, wenn die Medikamente regelmäßig eingenommen werden.
Nebenwirkungen
Statine können Muskelschmerzen und -entzündungen auslösen. Die meisten Menschen vertragen die Medikamente aber gut. Als äußerst seltene,
aber ernsthafte Nebenwirkung gilt die sogenannte Rhabdomyolyse. Dabei lösen sich die Muskelfasern bestimmter Muskeln langsam auf. Es treten
Lähmungen auf und die frei werdenden Stoffe können die Nieren schwer schädigen. Diese Nebenwirkung trat in Studien bei einem von 10.000
Menschen auf, die längerfristig Statine anwenden. Anzeichen hierfür können Muskelschmerzen und dunkel verfärbter Urin sein. Bei diesen
Symptomen ist es wichtig, umgehend ärztlichen Rat einzuholen.
Statine stehen zudem unter dem Verdacht, Typ-2-Diabetes auslösen zu können. Das Risiko hierfür ist jedoch niedrig: In den Studien wurde bei
zusätzlich 3 von 1000 Personen, die Statine anwendeten, ein Diabetes neu festgestellt. Ob diese Fälle von Diabetes eine gesundheitliche Bedeutung
haben, ist jedoch unklar. Ein Diabetes wird festgestellt, wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Ein leicht erhöhter Blutzuckerspiegel ist aber nicht
immer gesundheitsschädlich. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), das für die Zulassung von Arzneimitteln und
Sicherheitswarnungen zuständig ist, betont, dass der Nutzen der Behandlung das geringe Diabetes-Risiko überwiegt.
Betablocker
Betablocker senken die Zahl der Herzschläge und entlasten dadurch das Herz. Außerdem senken diese Mittel den Blutdruck. Ein Vorteil dieser Mittel
ist, dass sie sowohl Folgeerkrankungen vorbeugen als auch Angina-Pectoris-Beschwerden lindern. Daher werden Betablocker bei Menschen mit
KHK neben Plättchenhemmern und Statinen eingesetzt.
Es gibt eine ganze Reihe von Betablockern. Am häufigsten werden Bisoprolol und Metoprolol eingesetzt. Da sie auf etwas verschiedene Weise
wirken, werden sie in unterschiedlicher Dosierung eingenommen: Die übliche Dosis Bisoprolol liegt bei 2,5 bis 5 mg pro Tag, die von Metoprolol bei
50 bis 100 mg pro Tag. Bei Menschen, die bereits eine Herzschwäche haben, ist es wichtig, die Behandlung mit einer geringen Dosierung zu beginnen
und die Dosis schrittweise zu erhöhen. Beim Absetzen der Medikamente wird die Dosis ebenfalls langsam reduziert, da die Mittel sonst zu einem
plötzlichen, starken Anstieg des Blutdrucks und des Herzschlags führen können.
Studienergebnisse zu Betablockern
Betablocker können die Lebenserwartung von Menschen mit Bluthochdruck oder einer Herzschwäche nachweislich verlängern. Zudem ist belegt,
dass sie das Risiko senken, nach einem Herzinfarkt an Folgeerkrankungen zu sterben. Studien zur langfristigen Anwendung von Betablockern bei
Menschen nach einem Herzinfarkt zeigen folgende Ergebnisse:
Tabelle: Zahl der Personen, die von einer 2-jährigen Behandlung mit einem Betablocker einen
Nutzen haben
Ereignis
Ohne BetablockerBehandlung mit BetablockernVon der Behandlung profitiert
Tod
108 von 1000
86 von 1000
22 von 1000
Erneuter Herzinfarkt50 von 1000
42 von 1000
8 von 1000
Die Ergebnisse aus diesen Studien gelten für einen Zeitraum von ungefähr zwei Jahren. Bei einer Behandlung über diesen Zeitraum hinaus könnte
der Nutzen der Behandlung größer ausfallen.
Nebenwirkungen
Wenn der Herzschlag durch Betablocker zu stark gesenkt wird, kann es zu Schlappheit und Erschöpfungserscheinungen kommen. Dies lässt sich aber
oft vermeiden, indem die Dosierung der Mittel so angepasst wird, dass der Herzschlag nicht zu weit absinkt. Eine andere mögliche Nebenwirkung
von Betablockern ist, dass sie die sexuelle Lust mindern oder zu Erektionsstörungen führen können. Solche Probleme werden aber bei weniger als
einer von 100 Personen durch die Medikamente verursacht. Die meisten Menschen vertragen Betablocker gut.
ACE-Hemmer und Sartane
ACE-Hemmer und Sartane gehören zur Gruppe der blutdrucksenkenden Medikamente. Diese Medikamente bewirken unter anderem, dass sich die
Gefäße erweitern, wodurch der Blutdruck sinkt. Dadurch reduzieren sie den Druck auf die Herzkammern.
ACE-Hemmer und Sartane gehören nicht zur Standardbehandlung einer koronaren Herzkrankheit. Bei Menschen mit KHK, die bereits eine
Herzschwäche haben, können diese Medikamente jedoch das Risiko für Folgeerkrankungen senken und die Lebenserwartung verbessern. Daher
werden sie bei dieser Personengruppe manchmal zusätzlich zu einem Betablocker eingesetzt. Üblicherweise werden zunächst ACE-Hemmer
eingesetzt, da es mit diesen Mitteln mehr Erfahrungen gibt als mit Sartanen. Bei einer Unverträglichkeit gegenüber ACE-Hemmern kommen Sartane
infrage.
Nebenwirkungen
ACE-Hemmer und Sartane können Nebenwirkungen auslösen, wenn sie den Blutdruck zu stark senken. Anzeichen hierfür sind zum Beispiel
Müdigkeit und Schwindel. Um solche Nebenwirkungen zu vermeiden, wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und die Dosierung bei Bedarf
erhöht. ACE-Hemmer können auch einen trockenen Husten auslösen. Diese Nebenwirkung tritt bei Sartanen seltener auf.
Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren finden sich vor allem in Meeresfisch, aber zum Beispiel auch in Raps- oder Leinöl. Omega-3-Fettsäuren werden auch als
Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform verkauft. Von dieser Fettart erhofft man sich eine günstige Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Unter
anderem wird vermutet, dass sie bestimmte Blutfettwerte positiv beeinflusst, Entzündungen hemmt, den Blutdruck senkt und die Funktion der
Gefäßwände verbessert. Für viele dieser Vermutungen gibt es aber keine klaren wissenschaftlichen Belege. Nur wissenschaftlich fundierte
Langzeitstudien mit vielen Menschen können klären, ob Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel oder andere medizinische Maßnahmen den
erhofften Nutzen haben.
Eine Wissenschaftlergruppe hat 14 Studien zum Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln mit Omega-3-Fettsäuren zusammenfassend ausgewertet.
Insgesamt nahmen über 20.000 Menschen an den Studien teil. Die Auswertung lieferte keine Hinweise darauf, dass Präparate mit Omega-3Fettsäuren das Risiko für Folgeerkrankungen der KHK reduzieren können. Insgesamt legt die Auswertung nahe, dass Menschen mit KHK nicht von
solchen Produkten profitieren.
Vitaminpräparate
Manche Menschen nehmen regelmäßig Vitaminpräparate ein, um sich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen. Diese Mittel sollen die
Produktion von „freien Radikalen“ im Körper hemmen – Stoffen, denen eine schädliche Wirkung auf die Zellen zugeschrieben wird. Tatsächlich
zeigen Langzeitstudien mit mehr als 300.000 Teilnehmenden aber, dass Vitaminpräparate keinen gesundheitlichen Nutzen haben. Im Gegenteil:
Einige dieser Präparate verkürzen offenbar sogar die Lebenserwartung.
Vitaminpräparate sind außerdem nicht frei von Nebenwirkungen. Vitamin E, Betacarotin und Selen können beispielsweise Verstopfung, Durchfall
und Blähungen hervorrufen. Sehr große Mengen Vitamin A und C können Juckreiz auslösen.
Weitere Medikamente zur Behandlung von Angina-Pectoris-Beschwerden
Neben Betablockern gibt es noch weitere Medikamente, die infrage kommen, um Angina-Pectoris-Beschwerden zu lindern oder zu verhindern. Dazu
gehören vor allem Kalziumkanalblocker und Nitrate.
Kalziumkanalblocker weiten die Blutgefäße und einige verlangsamen auch den Herzschlag. Dadurch sinken der Blutdruck und der Druck in den
Herzkammern. Kalziumkanalblocker werden vor allem bei Menschen eingesetzt, die Betablocker nicht vertragen oder nehmen dürfen, oder bei
denen die Betablocker die Beschwerden nicht ausreichend lindern. Kalziumkanalblocker können verschiedene Nebenwirkungen haben, wie
Kopfschmerzen, Benommenheit, Hitzewallungen, Verstopfung und Wassereinlagerungen in den Beinen.
Auch Nitrate wirken gefäßerweiternd. Es sind schnell wirksame Medikamente, die beispielsweise als Spray eingesetzt werden, um akute AnginaPectoris-Anfälle zu behandeln. Menschen, die eine KHK mit Angina Pectoris haben, haben oft ein Nitrat dabei, das sie bei Bedarf nehmen können. Zu
den Nebenwirkungen von Nitraten gehören Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.
Medikamente langfristig einnehmen
Wer eine KHK hat, nimmt in der Regel über einen langen Zeitraum mehrere Medikamente ein. Es kann schwierig sein, dabei den Überblick zu
behalten. Es gibt allerdings eine Reihe von Maßnahmen, die helfen können, die Medikamenten-Einnahme zu erleichtern. Folgende Maßnahmen
haben sich als besonders hilfreich erwiesen:
Regelmäßige Arzttermine, bei denen sich Fragen zur Behandlung klären lassen
Ein möglichst einfacher Einnahmeplan
Verpackungen oder Medikamenten-Dosierer mit Fächern für jeden Tag, bei denen man sofort sieht, wenn man eine Tablette vergessen hat
Viele Menschen haben Angst davor, Medikamente über lange Zeit regelmäßig einzunehmen, etwa weil sie fürchten, dass sich mit der Zeit Reste der
Medikamente im Körper ansammeln. Solche Befürchtungen sind unbegründet. Der Körper verfügt über verschiedene Mechanismen, um Arzneistoffe
laufend abzubauen und auszuscheiden. Zudem sind die oben genannten Medikamente gut in Studien erprobt.
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