20 - Universität Hohenheim

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Vorlesung
Einführung in die
Betriebswirtschaftslehre
Prof. Dr. Marion Büttgen
Wintersemester 2010/2011
Lehrstuhl für Unternehmensführung
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Prof. Dr. Marion Büttgen
Veranstaltungsgliederung
1.
Gegenstand und Methoden der Betriebswirtschaftslehre
2.
Grundlagen der Entscheidungstheorie
3.
Kooperation und Austausch über Märkte
4.
Warum Unternehmungen?
5.
Unternehmensverfassung und Shareholder Value
6.
Personal und Organisation
7.
Typische Problemstellungen und -lösungen in Funktionsbereichen von
Unternehmen
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3. Grundlagen der Entscheidungstheorie
3.1 Merkmale eines marktwirtschaftlichen Systems
3.2 Gründe für Kooperationen
3.3 Koordination über Märkte
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3.1 Merkmale eines marktwirtschaftlichen Systems
Privatautonomie aller Entscheidungsträger: Individuen sind bei ihren
Entscheidungen nicht weisungsgebunden und orientieren sich (innerhalb
bestimmter Grenzen) an ihren eigenen Maßstäben.
Freiwilligkeit der Kooperationsentscheidung als Folge der
Privatautonomie:
Entscheidung zur Kooperation nur, wenn die Kooperation bei allen
Beteiligten zu einem größeren individuellen Nutzen führt als der
Verzicht darauf.
Eine Steigerung der Gesamtwohlfahrt führt nicht zwingend zu einer
Nutzenzunahme jedes einzelnen Beteiligten.
→Verteilungsfragen müssen also noch berücksichtigt werden.
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Gestaltung von Kooperationen
Gestaltung von Kooperationen in zwei Schritten:
Identifikation von Situationen, in denen durch Kooperation ein
zusätzliches Wohlfahrtspotenzial erschlossen werden kann.
Verteilung des insgesamt erwirtschafteten Überschusses.
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3.2 Gründe für Kooperationen
Mit jeder freiwilligen Kooperation gehen ökonomische Vorteile einher.
Diese schlagen sich in höheren Nutzenniveaus aller an der Kooperation
Beteiligten nieder.
Explizite Gründe für Kooperationen:
Verbesserung der Güterausstattung
Kostenvorteile
Teamproduktion / Synergieeffekte
Risikoteilung / Versicherung
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Verbesserung der Güterausstattung
Kombinierte Verwendung unterschiedlicher Konsumgüter oder
Produktionsfaktoren ist im Regelfall vorzuziehen bzw. unabdingbar.
Konsum: Abnehmender Grenznutzen und Komplementaritäten bei
Konsumgütern führen dazu, dass tendenziell ein gleichmäßiger
Konsum verschiedener Güter einem sehr ungleichmäßigen Konsum
vorgezogen wird.
Analoges gilt bei der Produktion, vgl. limitationale Faktoreinsatzbedingungen (nur ein spezielles Faktoreinsatzverhältnis führt zu
einem bestimmten Produktionsniveau).
Bei ungleichmäßiger Anfangsausstattung mehrerer Individuen mit
Konsum- oder Produktionsgütern kann durch den Tausch von Teilen ihrer
Ausstattung der Konsumnutzen oder das Produktionsergebnis gesteigert
werden.
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Beispiel zur Verbesserung der Güterausstattung
Es gebe zwei Individuen (i = 1, 2), die beide Nutzen aus dem Konsum von
zwei Gütern (j = A, B) ziehen.
ui Nutzen von Individuum i
Nutzenfunktion: ui = x iA ⋅ x iB
xij von Individuum i konsumierte
Anfangsausstattung:
Menge des Gutes j
Individuum
Gut
1
2
A
80
50
B
30
60
u1 = 48,99 und u2 = 54,77
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Fortsetzung des Beispiels zur Güterausstattung
Beispielhafter Tausch von 30 Einheiten des Gutes A gegen 20 Einheiten
des Gutes B führt zu höherem Nutzen bei beiden Individuen.
Güterausstattung nach dem Tausch:
Individuum
Gut
1
2
A
50
80
B
50
40
ui = x iA ⋅ x iB
Nutzenfunktion:
Ergebnis bei Güterausstattung vor Tausch: u1 = 48,99 und u2 = 54,77
Ergebnis bei Güterausstattung nach Tausch: u1 = 50 und u2 = 56,57
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Kostenvorteile
Unter Kostenvorteilen versteht man ein überlegenes Verhältnis von
Einsatz- und Ausbringungsmenge.
Kostenvorteile ermöglichen:
eine Steigerung der Ausbringungsmenge bei konstantem
Ressourceneinsatz oder
eine Verringerung des Ressourceneinsatzes für eine gegebene
Ausbringungsmenge.
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Absolute Kostenvorteile
Ein Produzent hat gegenüber einem anderen Produzenten absolute
Kostenvorteile bei der Produktion eines Gutes, wenn er eine bestimmte
Menge dieses Gutes mit einem geringeren Ressourceneinsatz herstellen
kann.
Liegen die absoluten Kostenvorteile zweier Güter bei
unterschiedlichen Produzenten, sollte sich jeder Produzent auf die
Produktion des Gutes beschränken, bei dem er absolute
Kostenvorteile hat.
Dies erfordert den anschließenden Tausch von Teilen der Produktion
zwischen den Produzenten, da der Nutzen durch den Verbrauch der
Güter, nicht durch deren Herstellung bewirkt wird (Annahme:
Produzenten konsumieren die für sie nach dem Tausch verfügbaren
Güter).
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Beispiel zu absoluten Kostenvorteilen
Es gebe zwei Produkte A und B, die jeweils mit nur einem Produktionsfaktor hergestellt
werden.
Die Anfangsausstattung mit dem Produktionsfaktor (variabler Faktor) beträgt für beide
Produzenten jeweils 40 Einheiten.
Die Produktionskoeffizienten der beiden Produzenten unterscheiden sich.
Produzent
Produkt
1
2
A
2
1
B
1
2
Der Produktionskoeffizient gibt an,
wie viele Einheiten des variablen
Faktors eingesetzt werden müssen,
um eine Produkteinheit zu erzielen.
Ohne Kooperation: Jeder Produzent maximiert seinen Konsumnutzen unter
Beachtung der Restriktion der knappen Ausstattung mit dem variablen Faktor u. den
Produktionskoeffizienten:
u1 = x1A ⋅ x1B
max!
Nebenbedingung: 2 x1A + x1B = 40
Lösung: x1A = 10; x1B = 20 u1 = 14,14
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u2 = x2A ⋅ x2B
max!
Nebenbedingung: x2A + 2x2B = 40
Lösung: x2A = 20; x2B = 10 u2= 14,14
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Fortsetzung des Beispiels zu absoluten Kostenvorteilen
Es gebe zwei Produkte A und B, die jeweils mit nur einem Produktionsfaktor
hergestellt werden.
Die Anfangsausstattung mit dem Produktionsfaktor (variabler Faktor) beträgt
für beide Produzenten jeweils 40 Einheiten.
Die Produktionskoeffizienten der beiden Produzenten unterscheiden sich.
Produzent
Produkt
1
2
A
2
1
B
1
2
Der Produktionskoeffizient gibt an,
wie viele Einheiten des variablen
Faktors eingesetzt werden müssen,
um eine Produkteinheit zu erzielen.
Mit Kooperation: Aufgrund der absoluten Kostenvorteile liegt es nahe, dass
sich Produzent 1 auf die Produktion von Gut B und Produzent 2 auf die
Herstellung von Gut A beschränkt. Anschließend werden die Güter zwischen
den Produzenten getauscht.
→ Die Faktorausstattungen ermöglichen dann bei den gegebenen
Produktionskoeffizienten Produktionsmengen von xA = 40 und xB = 40.
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Fortsetzung des Beispiels zu absoluten Kostenvorteilen
Gleichmäßige Aufteilung der Produkte aufgrund der Symmetrie der
Ausstattungen und Technologien scheint plausibel.
Ergebnis:
x1A = x1B = 20; u1 = 20 (!)
x2A = x2B = 20; u2 = 20 (!)
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Variation des Beispiels zu den Kostenvorteilen
Produzent
Produkt
1
2
A
2
10
B
1
2
Die absoluten Kostenvorteile liegen bei beiden Produkten bei Produzent 1.
Ergebnis ohne Kooperation:
x1A = 10; x1B = 20;
x2A = 2; x2B = 10;
u1 = 14,14
u2 = 4,47
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Relative Kostenvorteile
Ein relativer Kostenvorteil liegt vor, wenn die relativen Kosten eines
Produkts, ausgedrückt in der erforderlichen Minderproduktionsmenge des
anderen Produkts, geringer sind.
Hat ein Produzent bei allen Gütern absolute Kostenvorteile, liegt dennoch
i.d.R. ein relativer Kostenvorteil des anderen Produzenten bei einem
Produkt.
Es ist i.d.R. vorteilhaft (Nutzensteigerung für alle Beteiligten), wenn sich
beide Produzenten auf die Herstellung des Gutes beschränken, bei denen
sie relative Kostenvorteile besitzen.
Ricardo (1817) begründet die Vorteilhaftigkeit des Außenhandels mit
einem Vergleich von Produktionskosten von Wein und Tuch in
Großbritannien und Portugal.
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Variation des Beispiels zu den Kostenvorteilen
Absolute Kostenvorteile
Relative Kostenvorteile
Produzent
Produzent
Produkt
1
2
A
2
10
B
1
2
1
2 =2/1
0,5 =1/2
2
5 =10/2
0,2 =2/10
Die absoluten Kostenvorteile liegen bei beiden Produkten bei Produzent 1.
Allerdings hat Produzent 2 relative Kostenvorteile bei Produkt B:
→ Produzent 2 muss nur auf 0,2 Einheiten von Produkt A verzichten,
wenn er eine zusätzliche Einheit von Gut B erstellen will. Produzent 1
hat eine ungünstigere Relation, er muss auf 0,5 A-Einheiten für eine
zusätzliche B-Einheit verzichten.
Mit Kooperation: Herstellung des Produktes mit relativem Kostenvorteil
xA = xB = 20. Danach Aufteilung mit für beide überlegenem Konsum, z.B.:
x1A = x1B = 15; u1 = 15 (ohne Kooperation u1 = 14,14)
x2A = x2B = 5; u2 = 5
(ohne Kooperation u2 = 4,47)
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Teamproduktion / Synergieeffekte
Man spricht von Teamproduktion, wenn für die Herstellung eines Outputs
Inputgüter von verschiedenen Individuen (i.d.R. Arbeitsleistung)
eingebracht werden und der gemeinsam erstellte Output oder dessen
monetäres Äquivalent auf die Teammitglieder aufgeteilt wird.
Die kombinierte Kompetenz der verschiedenen Inputfaktoren erhöht die
Effizienz der Aktivitäten: Synergieeffekte. Das gemeinsam erzielte
Gesamtergebnis geht über die Summe der einzelnen Leistungsbeiträge
hinaus: „2 + 2 = 5“.
Beispiel: Unternehmensgründung im Beratungsbereich durch zwei
Gründer, einen Betriebswirt und einen Informatiker.
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Risikoteilung / Versicherung
Risikoaverse Individuen ziehen bei einem gegebenen Erwartungswert der
Zielgröße eine geringere Schwankung einer höheren vor (Risiko als
„Ungut“).
Risiko (Schwankung einer Zielgröße um ihren Erwartungswert) senkt den
Nutzen risikoaverser Individuen, weshalb sie für die Übernahme von
Risiko eine angemessene Prämie fordern bzw. bereit sind, für die
Abgabe von Risiko eine gewisse Prämie zu zahlen.
Risikoteilung ist nutzensteigernd, wenn die Prämie, die der „Verkäufer“
des Risikos zu zahlen bereit ist, größer ist als die Prämie, die der „Käufer“
des Risikos mindestens verlangt.
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Beispiel zur Risikoteilung: Versicherung
ϕi = µi − 0,1⋅ σ i2
Präferenzfunktionen:
Folgende Konsummöglichkeiten bei Risiko seien gegeben:
p1 = 0,5
p2 = 0,5
µi
σ2
φi
C1
15
25
20
25
17,5
C2
20
20
20
0
20
Individuum 2 erklärt sich bereit, gegen eine unbedingte Vorauszahlung
von 3,5 Euro (Versicherungsprämie) eine Zahlung von 5 Euro
(Versicherungsleistung) für den Fall zu leisten, dass der Zustand 1
eintritt (Schadenfall). Bei Eintritt von Zustand 2 gibt es keine
Verpflichtung für Individuum 2.
p1 = 0,5
p2 = 0,5
µi
σ2
φi
C1
15-3,5+5=16,5
25-3,5=21,5
19
6,25
18,375
C2
20+3,5-5=18,5
20+3,5=23,5
21
6,25
20,375
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Modifiziertes Beispiel zur Risikoteilung
Individuum 2 sei nun ein risikoneutraler Versicherer, für den
Schwankungen gar keine Rolle spielen. Die Präferenzfunktionen sind
somit
ϕ 2 = µ2
ϕ1 = µ1 − 0,1⋅ σ 12
Folgende Konsummöglichkeiten bei Risiko seien gegeben:
p1 = 0,5
p2 = 0,5
µi
σ2
φi
C1
15
25
20
25
17,5
C2
20
20
20
0
20
Nun wird angenommen, der Versicherer biete an, im Schadenfall 10 Euro
zu zahlen, wenn er dafür eine (unbedingte) Versicherungsprämie von 5
Euro erhält. Die Konsummöglichkeiten mit Versicherung sind nun:
p1 = 0,5
p2 = 0,5
µi
σ2
φi
C1
15-5+10=20
25-5 =20
20
0
20
C2
20+5-10=15
20+5=25
20
25
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3.3 Koordination über Märkte
Die Koordination über Märkte erfolgt über Preise, also die Relation von
Leistung und Gegenleistung.
Die Beeinflussbarkeit der Preise durch einen Marktteilnehmer hängt
davon ab, ob die anderen Marktteilnehmer Alternativen zur Kooperation
haben:
Falls nein: Preise müssen zwischen den Kooperationspartnern über
Verhandlungen festgelegt werden.
Falls ja:
Wettbewerb führt zu Marktpreisen.
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Koordination ohne Wettbewerb: Verhandlungen
Kein Kooperationspartner kann durch einen anderen ersetzt werden. Es
gibt nur einen Marktteilnehmer auf jeder Marktseite.
Der Preis als wesentliches Koordinationsergebnis kann nur über
Verhandlungen (Vorschlag/ Gegenvorschlag 1/ Gegenvorschlag 2…)
ermittelt werden. Durch bestimmte Spielregeln werden ganz bestimmte
Verhandlungsergebnisse induziert.
Verhandlungskosten: Verhandlungen sind mit Kosten verbunden
(Nervliche Belastung, verlorene Zeit etc.), wobei jede zusätzliche
Verhandlungsrunde den zu verteilenden Gesamtgewinn schmälert.
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Koordination ohne Wettbewerb: Verhandlungen
Rekursionsprinzip:
Frühere Entscheidungen beeinflussen den Rahmen für spätere
Entscheidungen.
Die einzige Entscheidung, bei der künftige Entscheidungen nicht mehr
zu antizipieren sind, ist die allerletzte.
Mehrstufige Entscheidungen sind „von hinten nach vorne“ zu lösen.
(Rekursion / Rückwärts-Induktion)
→ Eine Einigung in der vorletzten Runde setzt voraus, dass dem
Partner mindestens dessen Ergebnis aus der letzten Runde
zugestanden wird.
Gleiche Logik ist in den Vorrunden anzuwenden.
→ Rationale Partner einigen sich schon in der ersten Runde auf ein
bestimmtes Ergebnis (der zu verteilende „Kuchen“ wird dann
nicht durch Verhandlungskosten geschmälert).
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Rekursionsprinzip (Beispiel)
Verhandlungsrunde
Verteilbarer
Gewinn
Vorschlag
von
Anteil für A
Anteil für B
>4
0
A/B
0
0
4
10
B
0
10
3
20
A
10
10
2
30
B
10
20
1
40
A
20
20
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Koordination ohne Wettbewerb: Verhandlungen
Verhandlungsmacht: Die relative Wichtigkeit der Kooperation
… hängt ab von mittelbaren Vorteilen, die durch eine erfolgreiche
Kooperation erst ermöglicht werden.
Einen geringeren Teil des Kooperationsgewinns erhält i.d.R.
derjenige Partner, der ein besonderes/höheres Interesse am
Zustandekommen der Kooperation hat.
Ist das Zustandekommen der Kooperation für einen Partner von
existentieller Bedeutung, so kann der andere Partner ein sog. Take-itor-leave-it-Angebot machen: Die Kooperation kommt nur zustande,
wenn dieses Angebot unmittelbar akzeptiert wird.
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Koordination mit Wettbewerb: Marktpreise
Wettbewerb:
Es gibt mehrere potenzielle Kooperationspartner auf jeder
Marktseite.
Der erste Schritt einer Kooperation besteht in der Suche nach einem
geeigneten Vertragspartner.
-
Aus Sicht des Verkäufers eines Gutes: derjenige
Vertragspartner, der die größte Zahlungsbereitschaft für dieses
Gut hat.
-
Aus Sicht des Käufers: derjenige Verkäufer, der zum geringsten
Betrag bereit ist, sich von dem betreffenden Gut zu trennen.
Bei Wettbewerb werden also Güter dort bereitgestellt, wo der Verzicht
mit dem geringsten Mindernutzen einhergeht, und sie gelangen
dorthin, wo sie den höchsten Zusatznutzen herbeiführen.
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Koordination mit Wettbewerb: Marktpreise
Das Lenkungsinstrument zur Koordination von Güterströmen auf einem
Wettbewerbsmarkt ist der Preis der Güter:
Ist für ein Individuum der mit einem Gut verbundene Zusatznutzen
geringer als der erzielbare Preis, so ist der Verkauf des Gutes
vorteilhaft.
Ein Gut wird nur dann gekauft, wenn sein Preis geringer ist als der mit
diesem Gut für den Käufer verbundene Zusatznutzen.
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Koordination mit Wettbewerb: Marktpreise
Marktgleichgewicht: Menge von Preisen mit folgenden Eigenschaften:
• Alle Individuen passen sich im Rahmen ihrer Budgetrestriktionen nutzenmaximierend an diese Preise an und äußern Kauf- und Verkaufswünsche
(Planungsoptimum).
• Die auf dieser Basis kalkulierten Angebots- und Nachfragemengen sind bei
allen Gütern ausgeglichen (Markträumung).
Unter bestimmten idealen Voraussetzungen („vollkommener Markt“)
führen Preise im Gleichgewicht stets zu einer pareto-optimalen
Zuordnung von Gütern zu Individuen.
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Koordination mit Wettbewerb: Marktpreise
Pareto-Optimum:
Ein Pareto-Optimum ist dadurch gekennzeichnet, dass kein
Gütertausch denkbar ist, durch den mindestens ein Individuum besser
und kein Individuum schlechter gestellt würde.
Anders formuliert: Ausgehend von einem Pareto-Optimum geht die
Nutzensteigerung eines Individuums zwingend mit einer
Nutzenminderung mindestens eines anderen Individuums einher.
Ein Pareto-Optimum ist gleichzusetzen mit einer effizienten
Güterallokation.
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Koordination mit Wettbewerb: Marktpreise
Wie können Gleichgewichtspreise gefunden werden?
Zentralplaner, der alle Güterausstattungen und Präferenzen kennt,
legt ein Austauschverhältnis für je zwei Güter so fest, dass die
beschriebenen Merkmale des Marktgleichgewichts erfüllt werden. Die
Koordination erfolgt dann aber nicht über Preise, sondern über
Weisungen.
Dezentraler Mechanismus: Auf der Basis der individuellen
Nutzenmaximierung, nicht zentral auf der Basis der zu maximierenden
Gesamtwohlfahrt, wird das Pareto-Optimum erreicht: „Unsichtbare
Hand“ des Marktes (Adam Smith 1776).
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Koordination mit Wettbewerb: Marktpreise
Theoretisches Beispiel für einen dezentralen Mechanismus: Der WalrasAuktionator:
Der Auktionator ruft zufällige Preise für die verschiedenen Güter aus.
Die Individuen kalkulieren ihre Angebots- und Nachfragemengen in
Abhängigkeit von diesen Preisen.
Durch mehrfache Wiederholung dieses Vorgehens nähern sich die
Preise den Gleichgewichtspreisen an (Tâtonnement).
Stimmen Angebot und Nachfrage bei allen Gütern überein, ist das
Marktgleichgewicht gefunden.
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