Signalverstärkte Sonographie verbessert Nachweis von

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M E D I Z I N
Christoph F. Dietrich1
Dirk Becker2
Signalverstärkte Sonographie
verbessert Nachweis
von Leberraumforderungen
Zusammenfassung
Der Einsatz von Kontrastmitteln in der Sonographie hat die Ultraschalldiagnostik der Leber
deutlich verbessert. Die Echosignalverstärker
bestehen aus Luft- oder Gasbläschen, die in
verschiedenen Hüllsubstanzen eingeschlossen
sind. Diese Mikrobläschen stellen einen starken
Reflektor für den Ultraschall dar und erhöhen
die Rückstreuung. Die Substanzen verbleiben,
vergleichbar mit konventionellen Kontrastmitteln, in der Blutbahn und führen bei der Leberpassage zu einer von der Perfusionsphase (arteriell, kapillär, portalvenös) abhängigen Signalverstärkung des Leberparenchyms und von
Lebertumoren. Die Sonographie ermöglicht als
einziges bildgebendes Verfahren eine kontinuierliche Analyse des An- und Abflutens des
Kontrastmittels unter Echtzeit-Bedingungen.
Hyperperfundierte Lebertumoren (zum Beispiel fokal noduläre Hyperplasie, hepatozelluläres Karzinom, hyperperfundierte Metastasen) können so besser erkannt und charakterisiert werden. Hypoperfundierte Tumoren (zum
Beispiel Metastasen gastrointestinaler Karzi-
K
ontrastmittel haben sich bei röntgen-, computer- und magnetresonanztomographischen Untersuchungen schon seit langem etabliert
und die Sensitivität und Spezifität dieser Untersuchungen entscheidend verbessert. Einige Untersuchungen werden überhaupt erst durch die Applikation von Kontrastmitteln ermöglicht
(zum Beispiel konventionelle Angiographie).
Bei Ultraschalluntersuchungen werden dagegen Kontrastmittel, so genannte Echosignalverstärker, derzeit
noch selten eingesetzt. Erst in den letzten Jahren wurden durch die technischen Entwicklungen auf dem Gerätesektor Einsatzmöglichkeiten für die
kontrastverstärkte Sonographie geschaffen. Anfangs war die Methode
nur mit sehr teuren, so genannten
High-End-Systemen möglich, mittlerweile sind deutlich kostengünstigere
Systeme für circa 50 000 Euro erhältlich, welche den qualitativen Anforde-
A 1666
nome) können als Negativkontrast in der portal-venösen Durchblutungsphase und in der leberspezifischen Spätphase besser erkannt und
von benignen Tumoren differenziert werden.
Durch Verbesserungen in der Gerätetechnologie und preiswertere Ultraschallgeräte kann
diese Technologie vermehrt eingesetzt und die
Anwendung aufwendiger, teurer und zum Teil
überflüssiger Schnittbildmethoden sinnvoll reduziert werden.
Schlüsselwörter: hepatozelluläres Karzinom,
Ultraschalldiagnostik, Metastasierung, Hämangiom, Krebsdiagnostik
Summary
Contrast Enhanced Ultrasonography Improves Detection and Characterization of
Liver Tumours
Echo-enhancing agents, also known as ultrasound contrast media, have improved the accuracy of liver ultrasound. The agents consist of
air- or gas bubbles coated with different shell
rungen an diese Untersuchung genügen. Unter den Gesichtspunkten der
Diagnosis Related Groups (DRGs)
und des Qualitätsmanagements sind
bei der Erstellung von diagnostischen
Algorithmen auch finanzielle Aspekte
zu berücksichtigen (11).
Seit dem Jahr 1991 sind in Deutschland standardisierte Ultraschallkontrastmittel für die Rechtsherzdiagnostik (Echovist) und seit 1995 lungengängige Ultraschallkontrastmittel
(Levovist) kommerziell erhältlich (Tabelle 1). Alle derzeit verfügbaren Ultraschallkontrastmittel bestehen aus
einer Hülle (shell), um die Stabilität
der Mikrobläschen im Blutkreislauf
zu erhöhen und eine standardisierte
1 Medizinische Klinik II mit Schwerpunkt Gastroenterologie (Direktor: Prof. Dr. med. Wolfgang F. Caspary), Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt
am Main
2 Innere Abteilung (Chefarzt: Priv.-Doz. Dr. med. Dirk
Becker) Kreiskrankenhaus Eckernförde
media. These microbubbles act as potent
reflectors for the ultrasound beam enhancing
the backscatter signal. The agents remain in
the circulation and, according to the perfusion
phase (arterial, capillary, portal venous), lead
to enhancement of different hepatic structures. For the first time this imaging technique
allows an analysis of tumour perfusion in the
liver under real time conditions. Liver tumours
known to be hyperperfused in the arterial phase
(e.g. focal nodular hyperplasia, hepatocellular
carcinoma and hyperperfused metastases) can
be detected and characterized more precisely.
Hypoperfused tumours (e.g. liver metastases of
the gastrointestinal tract) can be recognized in
the portal venous phase and liver specific late
phase as less perfused “black spots“. Improved
ultrasound technology and less expensive ultrasound devices will help to spread this technology and to reduce expensive and unnecessary
CT and MRI examinations.
Key words: hepatocellular carcinoma, ultrasonography, metastasis, hemangioma, diagnosis
of cancer
Größe zu erzielen, sowie einem darin
eingeschlossenen oder daran adsorbierten Gas.
Zu unterscheiden sind Präparate
mit harter Schale (zum Beispiel Galaktose-Mikropartikel, denaturiertes
Albumin) von solchen mit einer flexiblen Hüllmembran (zum Beispiel
Phospholipidhülle). In Bezug auf den
Gasanteil der Partikel sind Präparate
mit Luft (Produkte der ersten Generation) sowie Präparate mit schwer wasserlöslichen Gasen (Produkte der
zweiten Generation) erhältlich. Letztere haben eine längere Kontrastdauer, da sich das enthaltene Gas nur
schwer im umgebenden Blut löst (zum
Beispiel SonoVue).
Einige dieser Kontrastmittel besitzen gewebespezifische Affinitäten.
Dies bedeutet, dass sich diese Substanzen am Ende der vaskulären Phase
in bestimmten Geweben anreichern,
zum Beispiel im retikulo-endothelialen System von Leber und Milz. Dieser
Deutsches Ärzteblatt½ Jg. 99½ Heft 24½ 14. Juni 2002
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´
Tabelle 1
´
Ultraschallkontrastmittel – Präparateübersicht
a
Name
Hersteller
Hülle
Gas
Zulassung
Echovist*
Albunex
Galaktose
Albumin
Luft
Luft
1991
1993
Levovist
Optison
Sonovue
Definity
Imavist
Schering
Molecular
Biosystems
Schering
Mallinckrodt
Bracco
DuPont
Schering
Galaktose
Albumin
Phospholipide
Perflutren
Surfactants
1995
1998
2001
?
?
Sonazoid
Nycomed Amersham
?
Luft
Perfluoropropan
Schwefelhexafluorid
Perfluoropropan
Perfluorohexan/
Stickstoff
Perfluorcarbon
?
* nicht lungengängig
b
a
b
c
d
c
Abbildung 1: a) Histologisch gesichertes Hämangiom bei einer Patientin mit chronischer
Virushepatitis C und histologisch gesichertem
zirrhotischen Umbau der Leber. Im Vergleich
zum umgebenden Lebergewebe schwächer
echogene Raumforderung in einer leicht verfetteten Leber; Powerdoppler-sonographisch
keine erkennbare Perfusion. b, c) In den weiteren Abbildungen erkennt man nach Applikation des Signalverstärkers (hier: Levovist)
eine für das Hämangiom typische Kontrastmittelaufnahme von peripher nach zentral
(Irisblendenphänomen) (10).
Effekt ist für Levovist und Sonazoid
beschrieben und kann zur gleichmäßigen Kontrastierung von gesundem Lebergewebe in der leberspezifischen
Spätphase (das heißt nach Ende der
vaskulären Phase) diagnostisch genutzt werden. Hierbei ist darauf zu
achten, dass die Spätphasenuntersuchung nicht zu früh erfolgt, um eine
Überlappung mit der portalvenösen
Phase zu vermeiden.
Die optimale Dosierung des Kontrastmittels wird unter anderem von
der verwendeten Technik (beispielsweise B-Mode, Doppler, Harmonic
Mode, et cetera), der Einstellung und
Sensitivität des Ultraschallgerätes,
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Abbildung 2: Fokal noduläre Hyperplasie, histologisch gesichert. a) Im B-Bild isoechogene Raumforderung, die farbduplexsonographisch ein radspeichenartiges Gefäßmuster aufweist. b) Nach
Applikation des Signalverstärkers (hier: SonoVue) sieht man eine frühe arterielle Anreicherung
im Zentrum der Läsion und c, d) wenige Sekunden später eine gleichmäßige Mehranreicherung in
der portalvenösen Phase und Darstellung der zentralen Narbe (10).
dem Zielorgan sowie der benötigten
Kontrastverstärkung und Kontrastdauer vorgegeben.
Echosignalverstärkter
Ultraschall
Die konventionelle B-Bild-Sonographie erlaubt, die häufigen typischen Leberzysten (Kriterien: rund, echofrei,
glatt begrenzt, Randschatten, Schallverstärkung) und Verkalkungen (echoreich, Schallschatten) durch Echogenitätsunterschiede im Vergleich zum
umgebenden Lebergewebe eindeutig
zuzuordnen. Im Unterschied hierzu
stellt die Detektion und Charakterisierung von Lebertumoren trotz technischer Fortschritte bei Sonographie,
Computertomographie und Magnetresonanztomographie weiterhin eine Herausforderung an die bildgebenden Verfahren dar. Die Sonographie ermöglicht
als einziges bildgebendes Schnittbildverfahren eine kontinuierliche Analyse
des An- und Abflutens des Kontrastmittels unter Echtzeit-Bedingungen.
Die sonographische Darstellung und
Charakterisierung fokaler Läsionen erfolgt durch die Analyse von Echogenitätsunterschieden im Vergleich zum umgebenden Lebergewebe, aber auch durch
den Nachweis einer Hyper- beziehungsDeutsches Ärzteblatt½ Jg. 99½ Heft 24½ 14. Juni 2002
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wird. Die Ergebnisse von Vergleichsstudien zeigen, dass die Detektionsraten
und korrekte Tumorcharakterisierung in
der gleichen Größenordnung wie die der
kontrastmittelverstärkten
Computerund Magnetresonanztomographie liegen
(1–10, 14, 20).
a
b
Sicherheitsaspekte
c
d
Abbildung 3: Leberzelladenom, histologisch gesichert. a) Isoechogene Raumforderung, die
im B-Mode kaum vom umgebenden Lebergewebe abzugrenzen ist. b, c) Die Raumforderung
lässt sich nur in einem Fenster von 10 bis 20 s nach Applikation eines Signalverstärkers
(hier: SonoVue) identifizieren. d) Nach > 20 s ist die Raumforderung nicht mehr sicher abzugrenzen (10).
´
Tabelle 2
Im Zusammenhang mit Ultraschallkontrastmitteln gibt es drei mögliche Risiken: das toxikologische Risiko, das embolische Risiko und die Erzeugung von
Bioeffekten durch Ultraschall-induzierte
Kavitation (10). Es sind allerdings keine relevanten Nebenwirkungen der aus
Luft oder einem inerten Gas sowie einer
Hülle bestehenden Ultraschallkontrastmittel bekannt.
Primäre benigne Lebertumoren
Hämangiom
´
Flussphasen in der Leber (Kontrastmitteldynamik) bei normalen Kreislaufverhältnissen
Phase
Zeitpunkt nach Injektion
Früharterielle Phase
Arterielle Phase*1
Kapilläre Phase*1
Portalvenöse Phase*1
Gesamtvaskuläre Phase*1
Besonderheit: Hämangiom
Postvaskuläre leberspezifische Phase*2
< 10 (–15) s
10–20 (30) s
15–40 s
30–90 (120) s
ca. 2 (–4) min
bis 400 s
> 2–10 min
*1 länger anhaltende Effekte neuerer Echosignalverstärker sind zu berücksichtigen und führen zu Überlappungen der einzelnen Phasen; *2 nur
Kontrastmittel mit leberspezifischer Aufnahme
weise Hypovaskularisierung (Farbduplexsonographie) oder neuerdings auch
durch eine veränderte Anflutungskinetik
von Kontrastmitteln (12). Hypervaskularisierte Läsionen lassen sich in der Regel
während der arteriellen Phase als Regionen mit hoher Kontrastmittelanreicherung darstellen. Hypovaskularisierte Läsionen lassen sich dagegen erst in der
portalvenösen Phase vor dem Hintergrund des deutlich kontrastierten normalen Lebergewebes als Kontrastaussparungen erkennen. Umschriebene Läsionen aus leberfremdem Gewebe (zum
Beispiel Metastasen) lassen sich teilweise
auch aufgrund der fehlenden Speicherung von leberspezifischen KontrastmitDeutsches Ärzteblatt½ Jg. 99½ Heft 24½ 14. Juni 2002
teln (zum Beispiel Levovist) nachweisen.
Solche Läsionen stellen sich im postvaskulären Spätphasenbild als Speicherdefekte dar.
In der Leber zeigen fokale Läsionen
(bedingt durch die doppelte Blutversorgung über Leberarterie und Portalvene)
häufig keine eindeutige Hyper- oder Hypoperfusion sondern je nach Flussphase
und Histologie ein komplexes zeitliches
und räumliches Muster aus Mehr- und
Minderkontrastierung.
Es konnte gezeigt werden, dass mittels
der echosignalverstärkten Phasen- oder
Pulsinversionstechnik die Detektionsrate von Metastasen gegenüber der konventionellen B-Bild-Sonographie erhöht
Obwohl Hämangiome sehr gefäßreiche
Raumforderungen sind (histopathologisch bestehen sie im Wesentlichen aus
einer Vielzahl unterschiedlich dimensionierter Gefäße), lässt sich mit der konventionellen Farbdopplersonographie
auch mit hochwertigen Geräten häufig
kein oder nur ein geringer Blutfluss in
den Hämangiomen detektieren. Dies
liegt daran, dass die Blutflussgeschwindigkeit im Hämangiom zu gering ist. Jedoch lassen sich häufiger die zu- und abführenden Gefäße darstellen. Das aus
der Angio-CT bekannte „Irisblendenphänomen“ als Nachweis der Perfusion
im Hämangiom ist mittels Farbdopplersonographie nur durch repetitive Darstellung der gleichen Region zu führen,
das typische Auffüllen (fill-in) des Kontrastmittels von peripher nach zentral im
Hämangiom kann je nach Größe mehrere Minuten dauern (Abbildung 1). Diese
Kinetik ist allerdings variabel und dauert
bei High-flow-Hämagiomen weniger als
eine Minute oder auch nur einige Sekunden (17).
Leider gibt es auch bei dieser typischen Darstellung der Perfusion Überlappungen zu Lebermetastasen gastrointestinaler Karzinome, sodass Verwechslungen möglich sind. Hier kann die
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Untersuchung der Leber in der leberspezifischen Spätphase mit Levovist hilfreich sein, da Metastasen in der Spätphase scharf gegenüber dem normalen Lebergewebe kontrastieren, während bei
Hämangiomen der Kontrast gegenüber
der Umgebung abnimmt (2, 10, 17).
a
b
c
d
Fokal noduläre Hyperplasie
Die fokal noduläre Hyperplasie (FNH)
ist typischerweise ein zur übrigen Leber isoechogener Tumor mit zentraler
arterieller Blutversorgung und Narbe.
Bei einer Vielzahl von Patienten kann
bereits im Farbduplex-Modus eine
Mehrdurchblutung im Vergleich zum
umgebenden Lebergewebe und ein so
genanntes Radspeichenmuster nachgewiesen werden. Diese schon nativ erkennbare Hyperperfusion ist jedoch
keinesfalls obligat.
In der echosignalverstärkten Untersuchung stellt sich die FNH typischerweise
früharteriell (zentral) hyperperfundiert
im Vergleich zum umgebenden Lebergewebe dar. Diese Hyperperfusion ist
während der kontinuierlichen Untersuchung mit niedrigerem mechanischen Index (zum Beispiel mit SonoVue) sehr gut
zu erkennen (Abbildung 2).
Je nach Herzzeitvolumen des Patienten kommt es circa 10 (bis 20) s nach peripher-venöser Injektion des Echosignalverstärkers zu einer raschen Aufnahme
der Substanz mit Darstellung des (sich
von zentral anreichernden) Gefäßmusters. Das übrige Lebergewebe kontrastiert sich erst in der kapillären und portalvenösen Phase nennenswert. In dieser
Phase zeigt die FNH ein weitgehend
isoechogenes Verhalten im Vergleich zur
Pfortader und später auch zur parenchymatösen Umgebung (17, 18).
Leberzelladenom
In der B-Bild-Sonographie ist das Adenom, ähnlich wie die FNH, zumeist ein
zum umgebenden Lebergewebe isoechogener Tumor in einer ansonsten
unveränderten Leber. Bedingt durch
diese Echogleichheit kann das Adenom
maskiert sein und übersehen werden.
Adenome können in einer Fettleber
schwächer echogen oder aber bei Patienten mit Speicherkrankheiten (zum
Beispiel Glykogenosen, Morbus Nie-
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Abbildung 4: a) Kolorektale Karzinommetastase mit zentral nekrotischen Anteilen, histologisch gesichert. b) Nach Applikation des Echosignalverstärkers (hier: SonoVue) findet sich eine
arterielle randständige Mehranreicherung. c, d) In der späten portalvenösen Phase Darstellung
weiterer kleiner wenige Millimeter großer Herde in direkter Nachbarschaft (10).
b
a
Abbildung 5: a) Kolorektale Karzinommetastase, histologisch gesichert. b) Nach Applikation
des Echosignalverstärkers (hier: Levovist) Darstellung einer Metastase, die sich erst in der leberspezifischen Spätphase demarkiert und eindeutig abgegrenzt werden kann (10).
mann-Pick) echoreich imponieren (10,
15). Das Adenom weist eine gleichmäßige arterielle (randständige) Hyperperfusion und eine isoechogene Spätphase
auf (Abbildung 3).
Dieses Gefäßmuster kann jedoch
auch bei (hochdifferenzierten) hepatozellulären Karzinomen auftreten und ist
daher nicht pathognomonisch. Eine sichere sonographische Unterscheidung
des Leberzelladenoms von anderen soliden Tumoren in der Leber (insbesondere hepatozelluläre Karzinome) erscheint
mit den heutigen bildgebenden Methoden (inklusive der Magnetresonanztomographie) nicht möglich. Die Diagnose
bleibt somit häufig der Operation oder
Biopsie und histologischen Untersuchung vorbehalten.
Zur Differenzialdiagnostik des Adenoms wurden auch szintigraphische
Methoden etabliert, diese erreichen jedoch erst ab einer Adenomgröße von 3
bis 4 cm eine ausreichende Zuverlässigkeit.
Primäre maligne
Lebertumoren
Hepatozelluläres Karzinom
Die Mehrzahl der hepatozellulären
Karzinome (HCC) ist schon im nativen
Farbdoppler deutlich hyperperfundiert (6). In solchen Fällen ist eine Verwechslung mit anderen hyperperfundierten Lebertumoren möglich, die jeDeutsches Ärzteblatt½ Jg. 99½ Heft 24½ 14. Juni 2002
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doch in der Zirrhoseleber selten beobachtet werden.
Für die Unterscheidung von blanden Pfortaderthrombosen und Tumorthrombosen durch hepatozelluläre Karzinome ist die Farbduplexsonographie
wichtig. In tumorassoziierten Thromben können sich im Gegensatz zu reinen
Gerinnungsthromben (arterielle) Blutflusssignale nachweisen lassen (16).
Eine deutliche Verbesserung der Dignitätsbeurteilung von Lebertumoren in
der Leberzirrhose gelingt durch den
Einsatz von Echosignalverstärkern. Das
HCC zeigt typischerweise eine arterielle
Hyperperfusion des Tumors mit chaotischem Gefäßmuster als Zeichen der
Neovaskularisation im Tumor, während
in der umgebenden Leber noch keine
Kontrastierung erkennbar ist (17).
Die sonographische Erkennung von
hepatozellulären Karzinomen in der
Zirrhoseleber kann bei sehr inhomogener Echotextur schwierig sein. Ein möglicher Ansatz ist die Untersuchung der
Leber in der arteriellen Phase nach Injektion eines Signalverstärkers mit niedrigem mechanischen Index (mechanischer Index < 0,4, hoher dynamischer
Bereich, Bildrate 10 bis 15/s, zum Beispiel SonoVue). Ob mit dieser Methode
eine frühzeitige Erkennung von HCC in
Risikokollektiven möglich ist, wird derzeit in Studien untersucht. Bei der Technik mit hohem mechanischen Index (MI
1,2 bis 1,6, dB 20, Bildrate 10 bis 15/s) hat
sich die Untersuchung mit Levovist in
der Spätphase (> 5 min) zur Verbesserung der Detektion als hilfreich erwiesen.
Die cholangiozellulären Karzinome
weisen hingegen in der arteriellen Phase
ein variables Perfusionsmuster entlang
der Gallenwege auf, während sie in der
späten portalvenösen Phase als ausgestanzte Defekte kontrastieren.
Sekundäre Lebertumoren,
Metastasen und Lymphome
Metastasen
Metastasen sind in der Regel gefäßarm
und zeigen als wesentliches Charakteristikum eine vorwiegend arterielle
Durchblutung, während die portalvenöse Phase gering oder aufgehoben ist.
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Ähnlich wie die Echogenität ist die Vaskularisierung abhängig von der Größe,
dem biologischen Verhalten und der Art
des Primärtumors. Häufig zeigt sich eine
irreguläre Vaskularisierung mit Gefäßabbrüchen und peripher gelegener
arterio(porto-)venöser Shuntbildung.
Metastasen neuroendokriner Tumoren
(aber zum Beispiel auch Metastasen hypernephroider Karzinome) können gefäßreicher als andere Metastasen sein.
Metastasen können schon in der arteriellen Phase kontrastieren, auch wenn
die früharterielle Anreicherung (< 15 s)
nicht typisch ist und häufig nur eine
randbetonte Signalanreicherung zu beobachten ist. Die Gefäßkontrastierung
erfolgt von peripher nach zentral, und
das Gefäßmuster ist irregulär. Bei gefäßarmen Metastasen finden sich auch
mittels signalverstärkter Farbduplexsonographie nur einzelne randständige
Blutgefäße, während in Einzelfällen keine Vaskularisationsdarstellung möglich
ist.
In der kapillären Phase nach 20 bis 40
s findet sich häufiger eine unscharf begrenzte (und bei gefäßreichen Metastasen eine maximale) Signalverstärkung,
wobei nicht durchblutete Anteile (zum
Beispiel Nekrosen, Verkalkungen) ausgespart bleiben (Abbildungen 4, 5).
In der portalvenösen Phase kontrastieren sich Metastasen zunehmend als
Signalaussparungen (black spots) gegenüber der gleichmäßig signalverstärkten übrigen Leber (Ursache sind Überstrahlungsartefakte, so genanntes Blooming). In der späten portalvenösen Phase lassen sich winzige Metastasen besser
abgrenzen, da zu diesem Zeitpunkt Artefakte weniger ausgeprägt auftreten als
direkt nach Applikation des Signalverstärkers. Die Artefakte können durch
das Phaseninversionsverfahren vermieden werden (4).
Die Differenzialdiagnose von metastasenverdächtigen Raumforderungen
ist vielfältig. Diagnostisch entscheidend
ist die (ultraschallgezielte) Punktion der
Leberläsion und die feingewebliche beziehungsweise mikrobiologische Untersuchung des Leberbiopsates. Differenzialdiagnostisch sind Komplikationen der
zugrunde liegenden Erkrankung und
Komplikationen der Therapie (zum Beispiel Neutropenie mit bakteriellen oder
mykotischen Abszessen) zu bedenken.
Lymphome
Die Vaskularisation umschriebener
Lymphome ist häufig geringer als im Bereich des gesunden Lebergewebes.Typischerweise finden sich Gefäßabbrüche
und arteriovenöse Kurzschlüsse, die in
der duplexsonographischen Spektralanalyse zu einem Verschwinden der diastolischen Flusskomponente führen
können. Charakteristisch ist die verminderte Signaldarstellung in der portalvenösen Phase im Vergleich zum umgebenden Lebergewebe, da Portalvenen
im Lymphombereich fehlen.
Fokale Verfettung, fokale
Minderverfettung
Farbduplexsonographisch verhält sich
sowohl die fokale Verfettung als auch
die fokale Minderverfettung per se unauffällig. Da es sich im Prinzip um normales Lebergewebe handelt, ist weder
eine vermehrte noch eine verminderte
Durchblutung zu erkennen. In der echosignalverstärkten Sequenz stellen sich
regional unterschiedliche Verfettungen
in der Kontrastmitteldynamik wie normales Lebergewebe dar; charakteristisch ist die Darstellung eines zuführenden arteriellen Gefäßes aus dem Leberhilus (13).
Manuskript eingereicht: 27. 11. 2001, revidierte Fassung
angenommen: 28. 1. 2002
❚ Zitierweise dieses Beitrags:
Dtsch Arztebl 2002; 99: A 1666–1672 [Heft 24]
Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis, das über den Sonderdruck beim Verfasser
und über das Internet (www.aerzteblatt.de) erhältlich ist.
Anschrift für die Verfasser:
Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Dietrich
Innere Medizin II
Caritasklinik
Uhlandstraße 7
97980 Bad Mergentheim
E-Mail: [email protected]
Deutsches Ärzteblatt½ Jg. 99½ Heft 24½ 14. Juni 2002
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