Parkinsonsche Krankheit: Europäische Forscher

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IP/03/536
Brüssel, 10. April 2003
Parkinsonsche Krankheit:
kämpfen
gemeinsam
Gehirnerkrankungen
Europäische
gegen
Forscher
schwere
Am morgigen Welt-Parkinson-Tag stellt das für Forschung zuständige
Kommissionsmitglied Philippe Busquin neue Techniken vor, mit deren Hilfe
die Lebensqualität von Parkinson-Patienten verbessert werden kann. Die
Forschung der EU auf dem Gebiet dieser zur Debilität führenden Krankheit
umfasst das PARREHA-Projekt (PARkinson-REHAbilitation), das es den
Parkinson-Patienten ermöglichen soll, ihre Symptome durch visuelle
Stimulierung und Geräusche zu überwinden. Die Forscher der Europäischen
Kommission haben einen Virtual-Reality-Raum und spezielle Brillen
entwickelt, um die Patienten mit audio-visuellen Bezugspunkten auszustatten
und ihre Mobilität und Unabhängigkeit zu verbessern. Darüber hinaus stellt
die Kommission Mittel für das mit 1,7 Millionen Euro veranschlagte
"EuroPa"-Netz für klinische Forschung und die Behandlung der
Parkinsonschen Krankheit bereit. “EuroPa” fördert die Zusammenarbeit
zwischen klinischen Zentren in Österreich, der tschechischen Republik,
Frankreich, Deutschland, Israel, Italien, Portugal, Spanien, Schweden, den
Niederlanden und dem Vereinigten Königreich. Sein Ziel ist die Erforschung
der Ursachen und möglicher neuer Therapien zur Bekämpfung von
Gehirnkrankheiten.
“In Europa gibt es über 500 000 Parkinson-Patienten, und diese Zahl nimmt mit der
Alterung der europäischen Gesellschaft ständig weiter zu,” erklärte der
Forschungskommissar Philippe Busquin. “Die Forschung der EU kann dazu
beitragen, die Lebensqualität der von dieser Krankheit betroffenen Menschen zu
verbessern. Die Schaffung von Forschungsnetzen gestattet die Zusammenarbeit
der besten Wissenschaftler Europas, um bei den Bemühungen um Lösungen für
diese Krankheit gemeinsam einen realen Durchbruch zu schaffen. Die Europäische
Kommission beabsichtigt, mit der Unterstützung des Europäischen Parlaments
eine Konferenz zu veranstalten, um darüber zu diskutieren, wie wir einen echten
Europäischen Raum für Gehirnforschung schaffen können."
Das PARREHA-Projekt
Ziel des PARREHA-Projekts ist es, unter Beteiligung der Gemeinsamen
Forschungsstelle (GFS) innovative Informationstechnologie-Instrumente für die
Rehabilitation und Unterstützung von Menschen zu entwickeln, die unter
Mobilitätsproblemen infolge der Parkinsonschen Krankheit leiden.
Bei der Parkinsonsche Krankheit handelt es sich um eine motorische Dysfunktion.
Die Stimulierung mit "virtuellen" Signalen (visuell und/oder auditorisch) kann
Parkinson-Patienten helfen, ihre Lethargie zu überwinden und zu einem plötzlichen
Verschwinden aller Krankheitssymptome führen. Dieses unter dem Namen
“Kinesia Paradoxa” bekannte Phänomen ist immer noch nicht vollständig erforscht
und wird gegenwärtig von Neurologen mit Hilfe von fortgeschrittenem GehirnImagery untersucht.
Das PARREHA-Projekt hat eine Reihe personalisierter Virtual-Reality-Tools
entwickelt, die zu einer signifikanten Verbesserung der Ergebnisse traditioneller
Rehabilitationspläne führen können. Es ist ferner auf dem Gebiet der
Mobilitätshilfen tätig, die bereits zu erheblichen Verbesserungen der
Lebensqualität von Parkinson-Patienten geführt haben. Die Ergebnisse des
Projekts sind unter anderem:
• leichte Virtual-Reality-Brillen, die durch personalisierte visuelle Stimulierung
Übungen zu Hause ermöglichen und eine Mobilitätshilfe im Alltag darstellen;
• eine Virtual-Reality-Übung / ein Ausbildungssystem, das Virtual-RealityStimulierung, auditorisches Feedback und interaktive VideokonferenzTechnologien für die konventionelle Rehabilitation umfasst;
• eine Einrichtung für Remote-Consulting, Ausbildung und individuelle
Abstimmung der virtuellen Realität auf die Bedürfnisse des Patienten.
Prototypen der PARREHA Virtual-Reality-Brillen haben beeindruckende Ergebnisse
gezeigt, indem sie Parkinson-Patienten aus dem Zustand der Lethargie in einen
aktiven Zustand versetzt haben. Das für das Projekt zuständige Konsortium ist jetzt
damit beschäftigt, die Ergebnisse zu vermarkten.
Das EuroPa-Projekt
EuroPa – das europäische Netz für Zusammenarbeit im Bereich Forschung und
Behandlung der Parkinsonschen Krankheit in Europa - zielt darauf ab, die klinische
Forschung und Behandlung der Parkinsonschen Krankheit in Europa durch
Vernetzung von Fachwissen und Ressourcen hochqualifizierter klinischer Zentren in
verschiedenen europäischen Ländern zu verbessern. Das Projekt wird von Prof.
Wolfgang Oertel der Philipps-Universität Marburg (Deutschland) koordiniert.
Zunächst will das EuroPa-Netz klinische Zentren in 11 Ländern mit einander
verbinden. Das Netz wird danach in eine unabhängige und selbsttragende
Organisation umgewandelt, die die Aufgaben dieses Netzes über den Zeitraum, der
durch EU-Mittel finanziert wird, hinaus fortsetzen wird. Spezialisten klinischer
Zentren in anderen europäischen Ländern können sich dann dem Netz anschließen.
EuroPa wird auch mit anderen Forschungsnetzen wie der europäischen MSAStudiengruppe zusammen arbeiten, die ebenfalls von der EU finanziert wird und sich
auf die Multiple System Atrophie, eine mit der Parkinsonschen Krankheit in
Verbindung stehende motorische Störung, konzentriert.
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Gemeinsame Nutzung von Informationen und Ressourcen
EuroPa wird ein multinationales Forschungs- und klinisches Versuchsnetz auf der
Basis von Internet-Technologie schaffen. Eines der Hauptziele wird ein zentrales
Patientenregister sein, um das Auffinden von Patienten zu erleichtern, die dem
erforderlichen klinischen Profil entsprechen. Medizinische Daten sollen unter
Pseudonymen im zentralen Server gespeichert werden. Persönliche Daten werden
mit der Zustimmung der Patienten im Einklang mit den Leitlinien für den Schutz
persönlicher Daten bei den medizinischen Zentren bleiben und werden dazu
verwendet, potenzielle Teilnehmer klinischer Tests aufzufinden.
Die Verbindung von Fachwissen und Ressourcen aller Teilnehmer mit einer
zunehmenden Datenbasis genauer medizinischer Daten wird die klinische
Forschung beschleunigen und verbessern. Immer mehr Patienten werden in
zunehmendem Maße von der Ausbreitung guter klinischer Praxis in alle
Teilnehmerländer sowie von der schnelleren Entwicklung neuer therapeutischer
Optionen profitieren.
Sozio-ökonomische Auswirkungen
Die Parkinsonsche Krankheit ist nicht nur ein medizinisches sondern auch
zunehmend ein gesellschaftliches Problem. Nach einer kürzlich in Deutschland
durchgeführten Studie belaufen sich die direkten Kosten für die Therapie der
Parkinsonschen Krankheit jährlich auf insgesamt 6 000 Euro pro Patient, wodurch
die Krankheit zu einer der kostspieligsten bekannten Gehirnerkrankungen wird.
Das EuroPa-Netz unterstützt darüber hinaus wirtschaftliche Bewertungen und
vergleichende Analysen der Versorgung von Parkinson-Patienten. Langfristig sollte
die Patientenversorgung verbessert werden, wenn die Interessen aller Parteien Patienten, Ärzte, Krankenversicherungen und pharmazeutische Industrie berücksichtigt werden.
Forschungsnetze
Im 6. Forschungsrahmenprogramm wird die Gehirnforschung durch die neuen
Instrumente “Integrierte Projekte” und “Exzellenznetze” finanziert, um neue
therapeutische Wege für Gehirnerkrankungen wie Parkinson und Alzheimer sowie
für psychiatrische Erkrankungen zu finden. Die Ursachen zu kennen, kann helfen
den Weg zu neuen therapeutischen Strategien zu finden. Darüber hinaus werden im
Rahmen derartiger Forschungsprojekte im großen Maßstab auch grundlegende
Forschungsthemen wie Gehirnentwicklung oder Lernen und Gedächtnis
angesprochen werden.
Mitglieder des EuroPa-Konsortiums:
W. Poewe, Neurologische Klinik, Universität Innsbruck (AT)
E. Ruzicka, Abt. Neurologie, Karls-Universität Prag (CZ)
W. Oertel, Neurologische Klinik, Philipps-Universität Marburg (DE)
R. Dodel, Neurologische Klinik, Universität Bonn (DE)
interActive Systems GmbH, Berlin (DE)
E. Tolosa, Dept. of Nervous System Diseases, University of Barcelona (ES)
O. Rascol, Laboratory of Pharmacology, University Paul Sabatier, Toulouse
(FR)
- E. Melamed, Dept. of Neurology, Tel Aviv University (IL)
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- P. Barone, Dept. of Neurological Sciences, University of Naples Federico II (IT)
- K. Leenders, Dept. of Neurology, University of Groningen (NL)
- C. Sampaio, Institute of Pharmacology and Geriatric Therapeutics, University of
Lisbon (PT)
- O. Lindvall, Dept. of Neurology, Lund University (SE)
- A. Lees, Institute of Neurology, University College London (UK)
Für weitere Informationen siehe:
• The PARREHA project:
http://www.parreha.com/
• The Commission’s Joint Research Centre activities on information society
technologies:
http://ipsc.jrc.cec.eu.int
• EuroPa project web site:
http://www.europarkinson.net
• The European Multiple System Atrophy Study Group (EMSA-SG):
http://www.emsa-sg.org
• Major diseases in the Sixth Framework Programme:
http://www.cordis.lu/lifescihealth
• European Parkinson’s Disease Association (EPDA):
http://www.epda.eu.com
• World Parkinson’s Disease day:
http://www.epda.eu.com/wpd02.html
• Parkinson’s Disease information:
http://www.parkinsonsdisease.com
Im Rahmen der Durchführung der Gemeinschaftsaktion auf dem Gebiet der
öffentlichen Gesundheit (2003 – 2008) sowie des entsprechenden Arbeitsplans für
2003 werden die für Gesundheit und Verbraucherschutz zuständigen Dienststellen
der Kommission die Erfassung von Daten über Morbidität im Zusammenhang mit
Gehirnerkrankungen wie der Parkinsonschen Krankheit fördern. Im Teil über die
bestimmenden Gesundheitsfaktoren wird der Feststellung und Dokumentierung
bester Praktiken besondere Beachtung geschenkt, um Parkinson-Patienten die
Möglichkeit zu geben, ein relativ normales Leben zu führen, indem aus diesen besten
Praktiken hergeleitete einschlägige Hilfsstrategien angewendet werden. Weitere
Schwerpunkte sind die Krankheitsvorbeugung und die Koordinierung der Beiträge
von Nichtregierungsorganisationen durch das europäische Gesundheitsforum. Web
page :
http://europa.eu.int/comm/health/index_en.html
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