Der Mitt le re Weg - beim Buddhistischen Bund Hannover

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Der Mittlere Weg
majjhimâ-patipadâ
Zeitschrift des Buddhistischen Bundes Hannover e.V.
Gemeinnütziger Verein . Zentrum: Drostestraße 8 . 30161 Hannover
41. Jahrgang
Mai - August 2009 / 2553
Die Welt erkennend,
wie sie ist,
hat er den rechten Blick erreicht,
und rechtem Pfade folgend nach,
zieht rechten Geistes er dahin.
Heftpreis 2,- €
aus Angutthara-Nikaya
Nr. 2
P R O G R A M M und E I N L A D U N G
Buddhistischer Bund Hannover e.V. - Drostestraße 8 (Nähe Lister Meile)
Veranstaltungen von Mai - August 2009 / 2553
10.05.
Puja (Buddhistische Andacht)
So 9.30 Uhr Eine zeremonielle Ver tiefung buddhistischer Lehrinhalte unter Leitung von Bernd Rink
VESAK 2553 - Hinweis: Dienstag, den 9. Mai ist Vesakh!
An diesem Vollmondtag beginnt das neue Jahr, mit dem Buddhisten weltweit Buddhas Geburt,
Erleuchtung und endgültigen Eintritt ins Nir vana gedenken.
8.-10.05.
Fr - So
VESAK-Feier tage
16.05.
Samstag
Vesakh-Fest im BBH
24.05.
Sonntag
VESAK-Feier im Haus der Stille (ab 10.30 Uhr)
24.05.
10-17 Uhr
Sonntag
Praxisstudium Lamrim
im Buddhistischen Kloster, Pagode Vien Giac, Karlsruher Str. 6 - Treffpunkt auch für Nicht-Vietnamesen!
Programm und Teilnahme unter Tel. 0511/879630 oder www.viengiac.net
bereits ab 14.30 - 16.00 Uhr findet ein Vesakh-Verkaufsbasar statt
15.00 Uhr: Eröffnung
anschließend kleines Buf fet – gleichzeitig Angebot zur Meditation
16.00 Uhr: Video-Dokumentation “Frieden des Geistes”
17.00 Uhr: Meditation
17.45 Uhr: Meditative Klänge mit der Musik gruppe BHAVANA
19.00 Uhr: Tee und Ausklang des Abends
Alle sind herzlich eingeladen
Zum Besuch der VESAKH-Feier in Roseburg, Haus der Stille, wird eine Mitfahrgelegenheit organisiert
(Abfahrt 8.00 Uhr morgens) oder kann beim BBH nachgefragt werden - bitte rechtzeitig anmelden.
mit Geshe Nawang Thapkhe
Weitere Termine: 14.06.
Mittagessen im Kloster möglich (Kosten: 5€). - Teilnahme auf Dana-/Spenden-Basis
Veranstalter: Buddh. Gemeinschaft Chöling e.V. - Ort: Vietn. Buddh. Kloster Vien Giac,
Karlsruher Str. 6, 30519 Hannover - Informationen: Tel. 0511/8790210
Organisation: Jochen Dienemann (Tel: 0511-57 45 51), www.choeling.de
28.5.-1.6. Zen-Sesshin in Reileifzen (zu Pfingsten)
Do 19 Uhr - mit Zen-Meisterin Dagmar Dôkô Waskönig - Praxistage für Geübte und Ungeübte
Mo mittag Beitrag 160,- € – Anmeldung Tel. 864871 oder [email protected]
Ort: Reileifzen, Ochsenbrink 3
30.05.
16.00 Uhr
Samstag
2
Tee-Nachmittag
Zu einem gemütlichen Teenachmittag wird herzlich eingeladen. Der Nachmittag dient sowohl
dem gegenseitigen Kennenlernen unserer alten und neuen Freunde und Interessenten als auch dem
Verständnis zwischen Älteren und Jüngeren. Wir wollen Er fahrungen austauschen und Lehrinhalte
ver tiefen (gleichzeitig Bücherausleihe bzw. -rückgabe).
majjhima patipada 2 - 2009
07.06.
Puja (Buddhistische Andacht)
So 9.30 Uhr Eine zeremonielle Ver tiefung buddhistischer Lehrinhalte unter Leitung von Bernd Rink
13.06.
14.00 Uhr
Mitglieder versammlung des BBH
19.-21.06
Tibetischer Buddhismus im BBH
Weitere ausführliche Informationen hier zu siehe Seite 33
Wochenendseminar mit Lama Sönam
Fr 19.00 Uhr Vor trag - Thema “Die Vier Unermesslichen - Gleichmut, Liebe, Mitgefühl, Mit-Freude”
Sa 10-16 Uhr Mit großer Freude begrüßen wir Lama Sönam zum ersten mal hier in in Hannover. Acharya Lama Sönam
So 10-14 Uhr ist Resident-Lama des Kamalashila-Institut für buddhistische Studien im Eifelkloster, Langenfeld.
Veranstalter: Tibetisch-Buddhistischer Gesprächskreis im BBH
Mittagessen möglich (Beteiligung er wünscht) - Vor trag und Seminar auf DANA-Basis (Spende für den
Lehrer) - Anmeldung für Komplett-Seminar erbeten! - Agnes Miriam Boeing Info-Tel. 0511-3007575
20.06.
Singen und Meditation
16-18.30 Uhr Mit dem Singen einfacher Lieder (Bhajans in Englisch und Sanskrit) und des Mantra OM können wir
Samstag
unser Herz öffnen, Freude ausdrücken und leichter zur Meditation finden.
Uwe Kickstein und Dieter Nitsche begleiten auf der Gitarre, es können auch eigene Instrumente
mitgebracht werden. Info: Tel. 05105/658922 (Michael Papenberg), Tel. 0511/1316224 (Uwe Kickstein)
Ort: Buddh. Gemeinschaft Chöling e.V. im Vietn. Buddh. Kloster Vien Giac, Karlsruher Str. 6, Hannover
27.06.
Sa 16.00 18.30Uhr
Sri Lanka - Die Perle des Indischen Ozeans
05.07.
7.15 Uhr
Sonntag
NDR 4 - Info-Radio: Sendereihe »Religionsgemeinschaf ten«
10.-11.07.
Revolution des Geistes - Die vier bahnbrechenden Wahrheiten des Buddha
PowerPoint-Vor trag mit Rajah Wirasekara (im Rahmen des Teenachmiittags)
Weitere Information hier zu siehe Seite 34
Beitrag der Buddhistischen Gesellschaft Hamburg
Vor trag von Dr. Alfred Weil
Vor trag und Seminar-Workshop mit Dr. Alfred Weil
Fr 19 Uhr
Einführungsvor trag (Spende erbeten)
Sa 9-17 Uhr Seminar-Workshop
Der Wirklichkeit begegnen - darauf zielt die buddhistische Spiritualität. Wer die wahre Natur der Dinge
kennt, kann Schmerz und Unzulänglichkeit ein für allemal hinter sich lassen. In vier wahrhaft bahnbrechenden Wahrheiten hat der Buddha seine Weisheit zusammengefasst, eine Weisheit, die in ihrer Tiefe
einzigar tig ist und deren praktische Bedeutung gar nicht über schätzt werden kann. Der Er wachte beschreibt, inwiefern unser Leben unbefriedigend ist. Er nennt die Ursachen dafür und er betont, dass es
Sicherheit und Geborgenheit gibt. Und endlich zeigt er einen gangbaren und erprobten Weg dahin.
Seminar-Beitrag: 40 € - (Ermäßigung möglich), bitte rechtzeitig anmelden
12.07.
Puja (Buddhistische Andacht)
So 9.30 Uhr Eine zeremonielle Ver tiefung buddhistischer Lehrinhalte unter Leitung von Bernd Rink
17.7.-19.7.
Fr 19 Uhr So13 Uhr
Lojong - Geistesübung und Her zensschulung - dem Leben mehr Sinn geben
Wochendseminar mit Bhikshu Tenzin Peljor Lojong
Teilnahmegebühr: Dana-Spende (Vorschlag: Euro 40,-) erbeten - Mittagessen im Kloster möglich
(Kosten: 5€) bitte verbindlich vorher anmelden - Organisation: Christian Jacob (Tel.: 0531 - 362 45 01)
Veranstalter: Buddh. Gemeinschaft Chöling e.V. - Ort: Vietn. Buddh. Kloster Vien Giac,
Karlsruher Str. 6, 30519 Hannover - Informationen: Tel. 0511/8790210, www.choeling.de
Fortsetzung auf Seite 34
majjhima patipada 2 - 2009
3
Inhalt
Seite
Programm . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
Editorial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
H.W. Schumann
Die Buddhalehre in Kürze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6
Oliver Petersen
Die vier unermesslichen Geisteshaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10
Rother Baumert
Erinnerung an Max Glashoff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
Rajah Wirasekara
Wiederaufbau des Klosters der Dhamma Dipa Akademie, Tripura/Indien. . 12
Axel Rodeck
Die Meditation im theravadischen Lehrgebäude . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
Sutta 58 der Mittleren Sammlung
Prinz Abhaya . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
Axel Rodeck
Im Fluß der Zeit - wieder ein Abschnitt zu Ende. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22
Axel Rodeck
Für Sie gelesen – Lesenswer tes aus anderen Zeitschrif ten . . . . . . . . . . . . 24
Friedrich Fenzl
Das „buddhistische” Afghanistan - Historische Erinnerungen ... . . . . . . . 26
Michael Funk
Tref fen der Theravada AG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29
Buchbesprechung (Axel Rodeck):
Jochen Maug: Buddha, Dhamma und Buddhismus. . . . . . . . . . . . . . . . . 30
Auch das noch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32
Einladung zur Mitglieder versammlung des BBH . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
Programm (Fortsetzung von Seite 3) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34
Der Mittlere Weg
majjhimâ-patipadâ
Herausgeber:
Buddhistischer Bund Hannover e.V.
Drostestr. 8, 30161 Hannover
Tel. + Fax 05 11 / 3 94 17 56
E-mail: [email protected]
Internet: www.buddha-hannover.de
Redaktionsteam:
Rother Baumert, Uwe Kickstein,
Axel Rodeck, Michael Schmidt
Satz u. Gestaltung:
Uwe Kickstein
Druck: Forum Druck, Hannover
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Buddhistischer Bund Hannover e.V.
Postgirokonto: Postbank Hannover,
Kto.-Nr. 180 18 303
BLZ: 250 100 30
IBAN: DE07 2501 0030 0018 0183 03
BIC: PBNKDEFF
Abbildungen:
Titelfoto: Blumen im Frühling
S. 12,13 von Rajah Wirasekara
S. 29 von Michael Funk
alle anderen lt. Quelle oder Archiv
»Der Mittlere Weg - majjhima patipada« er scheint nach Bedarf und
ist für Mitglieder kostenlos. Ein Anspruch auf Lieferung besteht nicht.
Namentlich gekennzeichnete Ar tikel
geben nicht unbedingt die Meinung
der Redaktion wieder. Der Nachdruck ist nur mit Genehmigung
gestattet. Ein Belegexemplar wird
erbeten.
Für unaufgefordert eingesandte
Manuskripte und Fotos übernehmen wir keine Gewähr. Notwendige
Kür zungen versuchen wir vorher mit
den AutorInnen zu besprechen. Texte und Bilder, wenn möglich, bitte
auf Diskette/CD (Windows) zusenden oder per Email:
[email protected]
Anreise zum BBH mit öf fentlichen Verkehrsmitteln:
Das Buddhistische Zentrum in der Drostestr. 8 ist gut mit öf fentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: mit den Linien 3 und 7 ab Hbf (Tiefebene) bis zur
ersten Haltestelle »Sedanstr./Lister Meile«, dann zu Fuß die Lister Meile
hoch, rechts in die Drostestr. einbiegen; mit den Bus-Linien 121, 131, 132
bis Haltestelle »Lister Platz«, zu Fuß die Lister Meile hinunter.
4
majjhima patipada 2 - 2009
EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser!
Das Ideal eines den Buddhismus betreffenden
Textes ist erreicht, wenn dieser fachkundig,
leicht verständlich und anschaulich ist und für
alle Schulrichtungen gleichermaßen gilt. Er ist
dann für Neulinge gut geeignet, frischt das Wissen der „Altsemester“ auf und dient auch in Gesprächskreisen als nützliche Lektüre. Einen solchen Text stellt der dieses Heft einleitende
Beitrag von H.W. Schumann „Die Buddhalehre
in Kürze“ dar. Der Verfasser hat hier gewissermaßen aus dem Erfahrungsschatz eines langen,
dem
Buddhismus
gewidmeten
Lebens
geschöpft und geschickt eine Zusammenfassung der Buddhalehre erstellt, die so als „Merkblatt“ allen Interessenten ausgehändigt werden
könnte.
spenden, ohne dass der Umweg über das Vereinsvermögen erfolgen müsse. Wie das funktionieren kann, sehen wir wieder an der in diesem
Heft S. 12/13 angebotenen Aktion: Für den Wiederaufbau des durch Brandstiftung zerstörten
Klosters in Tripura stellen wir unser Konto zur
Verfügung und leiten darauf eingegangene
Spenden weiter. So ist die Unmittelbarkeit der
Spende ohne Umweg über den BBH, der lediglich seine Bankverbindung zur Verfügung stellt,
gewahrt.
Vorstehende Gedanken über die Behandlung
und Weitergabe der Buddhalehre leiten über zu
der praktischen Frage, wie denn speziell von unserem „Buddhistischen Bund Hannover“ künftig verfahren werden soll. Wie Sie dem Rückblick auf Seiten 22/23 entnehmen können, sind
auch in der Vergangenheit schon viele Erörterungen über den künftigen Kurs des Schiffes
„BBH“ angestellt worden. Nun steht wieder
eine Vorstandswahl bevor und der bisherige
Vorstandsvorsitzende wird für dieses Amt nicht
wieder kandidieren. Dies gibt die Chance, neue
Wege zu gehen – wenn diese sich denn finden.
Doch damit genug von den Alltagsproblemen.
Widmen Sie sich, liebe Leser, wieder mit
Interesse den übrigen Aufsätzen in vorliegendem Heft. Der Beitrag über „Die vier unermesslichen Geisteshaltungen“ bringt in unsere
sonst mehr theravadische Zeitschrift etwas tibetisch-mahayanischen Wind. Dagegen versucht
der Aufsatz über „Die Meditation im theravadischen Lehrgebäude“ eine objektive Analyse, wo
denn im Buddhismus die Meditation anzusiedeln ist und wo die Schnittstellen mit der
Yoga-Kultur sind, die ja den jungen Heilssucher
Gautama maßgeblich geprägt hat. Als Lehrrede
haben wir uns diesmal für das Sutra M 58 „Prinz
Abhaya“ entschieden mit (bei genauer Betrachtung sicherlich etwas unvollständigen) Regeln
für angemessene Redeweise.
Eine mögliche Änderung betrifft die Vereinssatzung, die in § 1 die Bekanntmachung buddhistischen Gedankenguts als (ausschließlichen) Vereinszweck angibt. Hier wird eine Erweiterung
dahingehend vorgeschlagen, dass der BBH sich
auch humanitären Aufgaben in armen buddhistischen Ländern widmen können soll. Die Gegenmeinung weist darauf hin, dass es jedem
freigestellt sei, privat für solche Zwecke zu
majjhima patipada 2 - 2008
Alle Vereinsmitglieder seien an dieser Stelle gebeten, sich an der Vorstandswahl am 13. Juni
rege zu beteiligen. Auf die satzungsgemäße Einladung S. 33 dieses Heftes wird verwiesen.
Wir wünschen Ihnen einen angenehmen Sommer.
Ihre Redaktion
A.R.
5
Die Buddhalehre in Kürze
Hans Wolfgang Schumann
Inter-konfessionelle Diskussionen sind Mode geworden und enden stets mit der Feststellung, dass alle
Religionen den Frieden wollen und dass es keine Gründe gibt, dass ihre Bekenner sich befehden. Toleranz ist leicht, wenn die Ethiken der Religionen verglichen werden, aber schwer, wenn ihre Kernlehren zur Sprache kommen. Gerade dann aber hat Toleranz sich zu beweisen. - Der folgende Text könnte
als Gesprächsunterlage dienen.
weiß, dass es das eigene Tun und Denken ist, das
Man spricht gemeinhin von der „Lehre“ des
Leiden erzeugt, der wird der Gier und dem Hass
Buddha - und benutzt damit einen nicht ganz
freien Lauf lassen.
treffenden Ausdruck. Denn „Lehre“ klingt wie
etwas Ertüfteltes, Ersonnenes, wie ein erfundenes Denksystem: Gerade das ist die Lehre
Die Idee der Wiedergeburt, die Annahme, dass
(dharma) des Buddha aber nicht. Sie ist die
jedes unerlöste Wesen nach seinem Tode in neuErkenntnis und Darlegung einer vorgefundenen
er Daseinsform wieder ersteht, ist dem Westen
Naturmechanik. Wie Isaac Newton die Schwerfremd und ist wissenschaftlich nicht beweisbar.
kraft nicht er-funden, sondern vorgefunden und
Sie erklärt aber so viele Erscheinungen unseres
berechenbar gemacht hat, so hat der Buddha die
Daseins, dass sie zumindest als ArbeitshypotheGesetzmäßigkeit der Wiedergeburt erklärt und
se überzeugt. Es gibt, so der Buddha, fünf Danutzbar gemacht. Nicht die Entstehung der
seinsbereiche, in denen man wiedererstehen
Welt, keine Theologie beschäftigt sein Denken,
kann: Das Reich der Götter, die Menschenwelt,
sondern die naturgesetzlichen Zwänge des Dadas Geisterreich, das Tierreich und die Qualenseins, mit denen die Wesen ständig konfrontiert
welt. In keinem dieser Daseinsbereiche verweilt
sind.
man ewig, denn alles, was einen Anfang hat, findet irgendwann ein Ende. Auch Götter sind dem
Wiedergeburtenkreislauf (samsara) unterworDer Buddha unterteilt seine Lehre in Vier Wahrfen und müssen dereinst aus ihrer relativ bequeheiten.
men Existenzform wieder abtreten in ein be(1) Ausgangspunkt seiner Lehre ist die Frage,
scheideneres Dasein. Sie kommen im
ob es unter den Existenzformen des Daseins
Buddhismus nur als Randfiguren vor, denn sie
eine gibt, die von Leiden (duhkha) frei ist. Der
können dem Heilssucher keine Erlösungshilfe
Buddha verneint diese Frage. Er bestreitet nicht
leisten. Jeder Erlösungssucher ist auf sich allein
zeitweiliges Glück und erfreuliche Zustände,
gestellt.
aber jedes Glück, jede Freude ist episodisch
kurz und wird bald wieder erdrückt von den alltäglichen Daseinskümmernissen Altern und
Glücklicherweise vollzieht sich die WiedergeTod, dem Schmerz um Verlorenes, dem Zusamburt nicht nach Zufall, sondern wird gelenkt
mensein mit Unliebem, der Trennung von Liedurch das Gesetz der ethischen Kausalität. Gubem, dem Nichterlangen des Begehrten und den
tes Tun (karman) d.h. Handlungen aus guten
Anfälligkeiten des Körpers. In der Abwägung
Motiven, führen im Kreislauf der Wiedergeburt
von Freude und Leid wiegt das Leiden schwerer.
aufwärts zu angenehmerer Daseinsform,
schlechtes Tun und Denken zieht nach unten in
ein elendes Leben. Gute Taten sind heilsam,
(2) Und warum wünscht sich trotzdem fast jeder
schlechte unheilsam. Unsere gegenwärtige
ein langes oder neues Dasein?
Existenzform ist das Produkt unseres Handelns
Drei Antriebe sind es, die, dem Buddha zufolge,
in der Vergangenheit, unser jetziges Tun und
Wiedergeburt und weiteres Leiden bewirken:
Denken bestimmt unser zukünftiges Dasein und
Die Gier (nach Sein und Haben), der Hass
seine Umwelt. Es bedarf keines Weltenrichters;
(= Gier nach Zerstörung) und die Unwissenheit
jedem das zukommen zu lassen, was er sich ver(= Unkenntnis der Leidensursachen). Wer nicht
dient hat. Niemandem kann Unrecht geschehen.
6
majjhima patipada 2 - 2009
(3) Da Gier, Hass und Unwissen die Triebkräfte
sind zu immer neuer und stets leidhafter Wiedergeburt, so folgert daraus, dass sie zur Erreichung
der Erlösung zu annullieren sind: Eine Aufgabe,
die ständige Selbstdisziplin erfordert. Selbstvernichtung ist kein Mittel zur Erlösung, denn ihr
liegt die Gier nach Nichtsein zugrunde, die, wie
alle Arten von Gier, zur Wiedergeburt führt.
(4) Wie man Gier, Hass und Unwissen zum Versiegen bringt, lehrt der Buddha in der Vierten
Wahrheit. Es ist der Achtspurige Weg:
- Rechte Ansicht,
- Rechte Gesinnung,
- Rechte Rede,
- Rechtes Verhalten,
- Rechter Lebensunterhalt,
- Rechte Anstrengung,
- Rechte Achtsamkeit und
- Rechte Meditation.
Neben diesen positiv formulierten Weisungen
gibt es für den Laienbekenner fünf Enthaltungsregeln: Nicht töten, nicht stehlen, Unkeuschheit
meiden, nicht lügen, sich nicht berauschen. Abgesehen von den angedrohten weltlichen Strafen bewirken Verstöße gegen diese Regeln stets
auch karmische Selbstschädigung in Form von
niederer Wiedergeburt. Die meisten Menschen
werden viele Wiedergeburten brauchen, um alle
Hindernisse auf dem Weg zur Erlösung zu überwinden.
Wie sieht die buddhistische Erlösung aus?
Sie besteht in der Aufhebung von Gier, Hass und
Unwissen und wird bezeichnet als Verlöschen
(nirvana). Sie hat zwei Phasen. Im Nirvana zu
Lebzeiten weiß sich der Verloschene frei vom
Zwang zur Wiedergeburt; im Nachtodlichen
Nirvana (parinirvana) ist er als physisches Wesen aufgehoben. Das Parinirvana lässt sich weder als ein Sein noch als ein Nichtsein bestimmen. Es ist ein Befinden jenseits aller
Beschreibung, ein Zustand vor dem Worte
versagen.
majjhima patipada 2 - 2009
Manchmal wird die Lehre des Buddha zu flach
ausgelegt, so als ziele sie nicht ab auf endgültige
Erlösung, sondern nur auf höhere Wiedergeburt
oder gar Wellness im Hier und Jetzt. Sie ist jedoch sehr viel mehr, nämlich eine tiefgründige
Welterkenntnis.
Nirgendwo in der Welt, so der Buddha, gibt es
ein beharrendes Sein: Alles ist im Fluss. Die
Wesen sind davon keine Ausnahme; sie besitzen
keinen dauerhaften Kern, keine ewige Seele (atman), sondern existieren als ein Werden. Das
ständige Anderswerden ist das, was wir Leben
nennen. Hinter der aus fünf vergänglichen Komponenten (skandha) bestehenden empirischen
Person ist nichts von Dauer über den Tod hinaus. In Opposition zum allgemeinen indischen
Seelenglauben stellte der Buddha eine
An-atma-Lehre, eine „Nicht-Seelenlehre“ auf.
Die Vorsilbe a- (hier mit dem Bindekonsonanten
-n-) verneint im Sanskrit und Pali den ihr folgenden Begriff oder kehrt seine Bedeutung um in
sein Gegenteil. Gleichbedeutend mit dem Adjektiv an-atma (seelenlos) benutzt der Buddhismus das Wort sunya (leer).
Die Nichtexistenz einer ewigen Seele, so der
Buddha weiter, die „Leerheit“ der Person, ist für
uns ein Glück, denn eine überwandernde Seele
wäre infolge ihrer Ewigkeit unerlösbar und nie
endendem Leiden ausgesetzt. Der Glaube an einen unzerstörbaren Atman ist eine Narrenlehre
(baladharma). Gerade die Nichtexistenz einer
dauerhaften Seele ist es, die das Verlöschen (nirvana) zur Freiheit vom Leiden möglich macht.
Wie zu erwarten stieß die An-atma-, die
Nicht-Seelenlehre des Buddha weitgehend auf
Unverständnis und Widerspruch. Die Vorstellung, dass eine ewige Seele den Tod ihres Trägers überdauere und weiterwandere in eine neue
Existenzform, war vielen zu lieb und zu tröstlich, um sie aufzugeben. Dass ein Lehrer wie der
Buddha die Wiedergeburt anerkennen und zugleich die Existenz einer den Tod überdauernden Seele (atman) bestreiten könnte, erschien
jedem, der zum ersten Mal davon hörte, widersinnig und lächerlich.
7
Und wie vollzieht sich, nach der Erkenntnis des
Buddha, die Wiedergeburt ohne überwandernde
Seele?
Die Verbindung zwischen den Daseinsformen
einer Wiedergeburtenkette stellt sich her durch
Kausalität oder Konditionismus: Vorexistenz a
bedingt die Nachexistenz b. Die beiden Existenzen sind nicht voll identisch (weil ein Seelenband fehlt), sie sind aber wie Eltern und Kinder
engstens verwandt: Der Urheber eines Tuns
(karman) und der Erleider oder Nutznießer der
daraus entstehenden karmischen Folgen sind
weder derselbe noch ein anderer. An die Stelle
des indischen Glaubens an ein Wandern des
ewigen Atman ist im Buddhismus die Kausalität
getreten. Die Lehre des Buddha ist ein dynamistischer Pluralismus und steht, da sie sich auf ein
Denken im Immanenzbereich beschränkt, zu
den Naturwissenschaften nicht im Widerspruch.
Die buddhistische Verneinung einer ewigen
Seele, eines Atman, bedeutet nicht, es gebe kein
Ich. Jeder hat ein Ich oder Selbst, aber dieses ist
nur ein Etikett, das jeder seiner eigenen
psycho-physischen Person aufklebt, um von
sich selbst sprechen zu können. Auch der
Buddha sprach oft, ganz unbefangen von sich in
der Ich-Form. Beim Tod eines Wesens
verstummt sein Sprechen vom Ich und ist gegenstandslos geworden. Die Anatma-Lehre des
Buddha bestreitet nicht jedermanns zeitbegrenztes Ich, sondern die Existenz eines ewigen
Atman, einer unsterblichen Seele.
Gibt es im frühen Buddhismus einen Kult?
Es gibt den Brauch, vor Bildnissen des Buddha
seiner zu gedenken, Blumen niederzulegen und
Räucherstäbchen zu entzünden, zudem gibt es
die Meditation über die Inhalte der Buddhalehre
- aber es gibt keinen Gottesdienst und kein Gebet. An wen sollte sich das Gebet richten? Die
Buddhas der Vergangenheit sind verloschen und
nicht mehr ansprechbar; sie können keine Wün-
8
sche erfüllen. Die Ereignisse in unserem Leben
sind entweder nach Naturgesetzen ablaufende
Vorgänge, wie Geburt und Tod, oder privatrechtliche Entscheidungen, wie Namensgebung
und Heirat. Sie werden besinnlich-feierlich begangen, bedürfen jedoch keiner religiösen
Weihe.
Das Fehlen einer Erlösungshilfe von außen und
die Nüchternheit der im 6./5. Jh. v. Chr. vom historischen Buddha gelehrten „Lehre der Alten“
(Theravada), führte vom 1. Jh. v. Chr. an zur
Bildung einer neuen buddhistischen Schule, die
sich „Großes Fahrzeug“ (Mahayana) über den
Leidensstrom nennt. Sie durchbricht das Denken in der Immanenz und nimmt eine Vielzahl
von transzendenten, dem Normalmenschen
nicht sichtbaren Buddhas an. Zwei dieser
Buddhas, der im Westen und der im Osten, sind
Herren über Zwischenparadiese, in denen man
wiedergeboren werden kann, um dort, ungestört
von Verlockungen, die Leidensursachen Gier,
Hass und Unwissen zu vernichten. Wer dies verwirklicht hat, dem ist Nirvana, Verlöschen zuteil
geworden.
Daneben kennt der Mahayana-Buddhismus
Bodhisattvas, das sind Wesen, die durch ihre
innere Vollendung zum Verlöschen (nirvana)
reif und den Naturgesetzen enthoben sind, aus
Mitleid mit den Weltwesen aber freiwillig in der
Welt verbleiben, um den leidenden Wesen Erlösungsbeistand zu leisten. Sie kann man um Hilfe
anrufen.
Der Theravada-Buddhismus, aus Indien stammend, ist heute in Ceylon (Sri Lanka) und
Südostasien (Myanmar, Thailand, Laos und
Kambodja) zuhause; der Mahayana-Buddhismus hat seine Heimat in Tibet, Bhutan, China,
der Mongolei, Korea und Japan gefunden. Alle
buddhistischen Schulen Asiens haben Bekenner
auch in Europa und den USA.
majjhima patipada 2 - 2009
Buddhastatue im Borobudur (Java/Indonesien)
majjhima patipada 2 - 2009
9
Die vier unermesslichen Geisteshaltungen
von Oliver Petersen
Die Vier Unermesslichen Geisteshaltungen sind
Gleichmut, Liebe, Mitgefühl und Freude. Diese
geistigen Ausrichtungen sind kraftvolle Mittel, um
den Geist zur Reife zu bringen. Wenn wir sie immer wieder in der Meditation einüben, werden sie
sich auch in unserem körperlichen und sprachlichen Verhalten niederschlagen. Wir werden immer mehr in der Lage sein, uns mehr am Glück der
anderen orientieren.
Unermesslich sind diese Haltungen, weil sie sich
auf alle Wesen beziehen. Manchmal werden sie
auch „Göttliche Verweilzustände“ genannt. Dies
soll bedeuten, dass ein Mensch, der seinen Geist in
diese heilsamen Zustände versetzt, bereits im Leben in einer Art himmlischem Zustand verweilt.
Wir begeben uns für die Meditation an einen ruhigen Ort, an dem auch Bilder des Buddha aufgestellt und Opfergaben errichtet sind. Wir setzen
uns in eine geeignete Meditationshaltung, stärken
unsere heilsame Motivation und beruhigen den
Geist. Im Raum vor uns visualisieren wir den
Buddha als Zufluchtsobjekt, der unsere Meditationsbemühungen mit Wohlwollen betrachtet.
Dann beginnen wir mit der eigentlichen Meditation. Wir kontemplieren jede der einzelnen Vier Unermesslichkeiten in vier Schritten, wie es im Mahayana gelehrt wird. Wir nehmen uns innerhalb
einer Geisteshaltung Zeit, uns jeweils mit der ersten Stufe vertraut zu machen und gehen erst zur
nächsten Stufe über, wenn wir eine gewisse Stabilität erreicht haben.
Gleichmut besteht in einer ausgeglichenen Einstellung frei von Gier und Hass. Wir denken, wie
schön es wäre, wenn die Menschen auf der Welt
sich mit Gleichmut begegneten und sich nicht von
momentanen egozentrischen Gefühlen des Hasses
und der Begierde leiten ließen. Wenn mehr
Gleichmut herrscht, kann das Freund-Feind-Denken verringert werden, das so viel Streit, Konflikte
und Kriege in die Welt bringt. Wir denken an aktuelle Konflikte zwischen Völkern, Rassen und Religionen und wünschen uns von Herzen, dass diese
durch die Übung des Gleichmuts verringert werden. Dies ist der Gleichmut der ersten Stufe in
Form des unermesslichen Wunsches: „Wie wunderbar wäre es, wenn die Wesen untereinander frei
wären von Anhaftung und Hass.“
Im zweiten Schritt, dem unermesslichen Wunsch-
10
gebet, steigern wir die Dringlichkeit dieses Anliegens, indem wir es nicht nur bei dem Wunsch belassen, sondern denken: „Mögen die Lebewesen
doch tatsächlich in Gleichmut verweilen, frei von
Anhaftung und Abneigung.“ Im dritten Schritt,
der unermessliche Verantwortung genannt wird,
verlassen wir uns nicht auf andere, sondern entschließen uns, selbst alles dafür zu tun, dass dieser
Zustand wirklich eintritt: „Ich selbst will bewirken, dass die Wesen sich von Anhaftung an Nahestehende und Hass gegenüber Fernstehenden
befreien.“ Dies entspricht der Bodhisattva-Einstellung, mit der wir selbst die Verantwortung auf
uns nehmen.
In dem unermesslichen Bittgebet bitten wir auf der
vierten Stufe die erleuchteten Wesen um ihren Segen, dass dies gelingen möge. Zusätzlich zu unseren eigenen Bemühungen sind wir auf die Unterstützung derer angewiesen, die bereits spirituelle
Verwirklichungen erlangt haben: „Buddhas und
Lamas, befähigt mich mit Eurem Segen, dass ich
die Wesen von Hass und Gier gegenüber den anderen befreien kann.“ Daraufhin geht Segen vom
Buddha im Raum vor uns in Form von Licht aus,
das auf uns selbst und die uns umgebenden Wesen
trifft und so alle in einen Zustand tiefen Friedens
versetzt.
Die unermessliche Liebe besteht in dem Wunsch,
dass die anderen Glück und die Ursachen für
Glück finden mögen. Wir üben in vier Schritten:
den unermesslichen Wunsch, das Wunschgebet,
die Verantwortung und das Bittgebet.
Das unermessliche Mitgefühl ist der Wunsch, dass
die Wesen von Leiden und den Ursachen des Leidens frei sein mögen. Wir gehen so vor, wie es
eben beschrieben wurde.
Die unermessliche Freude wird in dem Wunsch
ausgedrückt, dass die Wesen nicht nur zeitweiliges
Glück erleben mögen, sondern das endgültige, unwandelbare Glück der Erleuchtung, in dem Unwissenheit, Begierde und Hass vollständig zur
Ruhe gekommen sind. Wir üben in Form des
Wunsches, des Wunschgebetes, der Verantwortung und des Bittgebets.
Wir verweilen in den jeweiligen Einstellungen, so
lange wir geistig frisch sind. Wenn wir erschöpft
sind, schließen wir die Meditation ab. Wir widmen
das heilsame Potenzial aus dieser Übung dem
majjhima patipada 2 - 2009
Ziel, dass alle Wesen die Praxis der Vier Unermesslichkeiten üben und so Glück an Körper und
Geist erfahren mögen.
Quelle: Erschienen in “Tibet und Buddhismus”,
Zeitschrift des Tibetischen Zentrum Hamburg e.V.,
www.tibet.de. - Ein interessantes Web-Archiv :
www.tibet.de/zeitschrift Ausgewählt vom Tibetisch-Buddhistischen Gesprächskreis im BBH
Erinnerung an Max Glashoff
von Rother Baumert
Sicher ist unseren älteren Mitgliedern und Freunden noch sein
Name im Rückblick auf stets offene Anteilnahme gerade unserer
Gemeinschaft zugewandter Hilfsbereitschaft seit ihrer Gründung
1963 in guter Erinnerung.
Inzwischen jährt sich bereits am 25.April sein friedlich-stiller Abschied nach kurzer Krankheit aus diesem erfüllten Leben im Alter
von 95 Jahren. Erst in den letzten drei Jahren zog er sich zusammen
mit seiner treuen Ehefrau Edith in ein Altersheim zurück. Noch ein
Jahr lang hat er sie dort aufopfernd bis zu ihrem Tode nach 66 Jahren glücklicher Ehe umsorgt.
Schon während des zweiten Weltkrieges wandte sich das Ehepaar
Glashoff philosophisch-religiösen Denkrichtungen zu und kam
über Vorlesungen von Paul Debes gleich nach Kriegsende in Hamburg mit der Buddhalehre in Kontakt, die fortan ihr Leben zunehmend bestimmte. Nicht nur die Mitgründung der Buddhistischen Gesellschaft Hamburg, des Hauses
der Stille in Roseburg und der Deutschen Buddhistischen Union (DBU), deren Leitung er seit 1960
für insgesamt 24 Jahre übernahm und seit 1985 zu deren Ehrenpräsidenten gewählt wurde, sondern
daraus resultierende weltweite Kontakte bewältigte er mit bewundernswertem Weitblick und einfühlsamer Verbindlichkeit.
Bereits 1970 wurde er nach schwerer Erkrankung von seinem Dienst bei der Bundesbahn pensioniert,
widmete sich daraufhin aber umso intensiver den vielfältigen Beziehungen seiner ehrenamtlichen
Aufgaben. In schaffensfroher, jedem Fragesteller liebevoll zugewandter Gelassenheit beeindruckte
vor allem sein unermüdliches Organisationstalent und nicht zuletzt die Gestaltung und Herausgabe
der auch uns vertrauten Buddhistischen Monatsblätter bis 1997 elfmal jährlich zusammen mit seiner
Ehefrau.
Gerade unser Buddhistischer Bund – zuvor bis 1979 als Buddhistischer Arbeitskreis Hannover – hat
vielfachen Grund ihm ein ehrendes Gedenken wachzuhalten. Nach jahrzehntelanger, vertrauensvoller Zusammenarbeit mit unserem langjährigen Vorsitzenden, Herrn Karl P.W. Stort sowohl im Bereich gemeinsamer Entwicklung der DBU als auch auf europäischer und weltweiter Ebene als Vizepräsidenten der „World Fellowship of Buddhists“ hielt er auch die einfühlsame Gedenkrede zu
dessen Verwandlung im Jahre 1986.
In den schwierigen Jahren des BBH danach stand er uns oft beim Erfahrungsaustausch für die Herausgabe unseres „Mittleren Weges“ mit guten Ratschlägen zur Seite. Gern erinnere ich mich an aufmunternde Besuche in seinem bescheidenen Hamburger Reihenhaus. Es war für ihn keine Frage, unsere Gemeinschaft weiterhin mit Rat und Wohlwollen zu unterstützen, wobei er unsere Entwicklung
auch in den Monatsblättern allen Hamburger Freunden nahebrachte. Bei einem letzten telefonischen
Kontakt im Frühjahr letzten Jahres war unvermindert zu spüren, wie zufrieden, loslassend und unbesorgt er schon den fließenden Übergang aus diesem Leben hinnahm.
Seine zuversichtliche Freundlichkeit und Gelassenheit gerade bei allem Wandel und durchgängiger
Unbeständigkeit (anicca ) als praktikable Weisheit in Buddhas Lehre zu erkennen, akzeptieren und
damit bereits Leiden zu mindern, möge uns weiterhin unvergessliches Vorbild im Lebensalltag bleiben. So gibt sein gelebtes Mitgefühl nachhaltigen Anlass, solches Erinnern in Dankbarkeit fortwirkend zu bewahren.
majjhima patipada 2 - 2009
11
Wiederaufbau des Klosters der Dhamma Dipa
Akademie in Tripura, Indien
von Rajah Wirasekara
Am 24. Juni 2008 ist die Klosterakademie
„Dhamma Dipa International Buddhist Academy“ (DDIBA) in Tripura, Indien, einer Brandstiftung zum Opfer gefallen (Wir berichteten in
der Ausgabe Nr. 3/2008)
Tripura ist mit ca. 10.500 Quadratkilometern
und 3,5 Mio. Einwohner der kleinste Staat im
Bergland von Indien (siehe Grafik). Etwa vier
Fünftel des Staates grenzen an Bangladesch und
lediglich ein Fünftel an die indischen Staaten
Assam und Mizoram im Nordosten. Die Bevölkerung besteht zu 85,5% aus Hindus, zu 8% aus
Muslimen, zu 3,2% aus Christen und nur zu
3,1% aus Buddhisten.
Niedergebranntes Kloster
Die DDIBA wurde, zwecks Wieder-Etablierung
und Förderung des Buddhismus in Nordostindien im Jahr 2007 gegründet. Zum Zeitpunkt
des Brandanschlages waren vor Ort 180 Samaneras und Novizen untergebracht, die dort lebten und im Dhamma unterrichtet wurden. Wie
die Bilder dokumentieren, verloren sie alles, bis
auf die Robe, die sie am Leib trugen.
Für den Wiederaufbau des Klosters werden
75.000 Euro benötigt. Bis Ende Februar 2009
sind 4.800 Euro Spenden eingegangen. Davon
wurde zunächst der abgebildete vorläufige Un-
Vorläufiger Unterrichts-, Essens- und Schlafraum
12
majjhima patipada 2 - 2009
gegangenen Spenden mittlerweile aufgebraucht, weshalb die DDIBA um weitere
Spenden bittet.
hier werden die Schüler bis zum Wiederaufbau
des Klosters vorläufig unterrichtet
Wiederaufbau des Klosters
terrichts-, Essens- und Schlafraum errichtet, so
dass die Ausbildung der Bhikkhus, Samaneras
und Novizen gewährleistet werden kann.
Im Jahr 2008 wurde bereits mit dem Wiederaufbau des Klosters begonnen. Leider sind die ein-
Mit Unterstützung der buddhistischen Gemeinden der ganzen Welt kann dieser Wiederaufbau
vollendet werden. In Indien, der Geburtsstätte
des Buddhismus, ist die Zahl der Buddhisten leider auf weniger als 1 % gesunken. Umso wichtiger scheint es daher, dass aufrichtige Wiederbelebungsbemühungen
unterstützt
werden.
Weitere Infos über das Tripuraprojekt unter:
www.brelief.org/index-new.html
Bei Spenden via PayPal ist es wichtig, dass der
Verwendungszweck angegeben wird. Das heißt:
Bei der PayPal Spendenseite, oben links beim
Description-Kästchen, bitte Tripura eintragen.
Alternativ über:
Buddhistischer Bund Hannover
Postbank Hannover
BLZ: 250 100 30
Konto-Nr.: 180 18 303
Wichtig! Verwendungszweck „Tripura” angeben
„Ein Buddhist strebt an, dass seine Individualität im Nir wana erlischt. Für
uns Christen bedeutet Selbstver wirklichung dagegen die Erfüllung der Person
in Gott - wenn wir „Ihn“ suchen, dann um uns selbst zu finden, nicht zu verlieren. So gesehen bezweckt der Buddhismus das genaue Gegenteil
dessen, was wir Christen anstreben.“
Benediktinerabt Notker Wolf (SPIEGEL-Inter view 29/2007)
majjhima patipada 2 - 2009
13
Die Meditation im theravadischen Lehrgebäude
von Axel Rodeck
I. Ein Themenblock des achtfältigen Pfades
1) Meditation und Vernunft
Die Vorstellung vom Buddhismus wird sowohl
bei den meisten seiner Anhänger als auch bei
den Nichtbuddhisten geprägt von der „Meditation“, was immer man darunter versteht. Georg
Grimm gab seinem Werk „Die Lehre des
Buddho“ den Untertitel „Die Religion der Vernunft und der Meditation“ und bezeichnete damit die beiden Pfeiler, die den Buddhismus tragen – mit unterschiedlich bewerteter Tragkraft.
Im Laufe der Geschichte wurde mal der einen,
mal der anderen Säule mehr Bedeutung zugemessen. Tatsache ist, dass der Buddha der Meditation und dem Verstehen der Lehre gleiche Bedeutung beimaß und auch klar erkannte, beide
Wege würden nur sehr selten von ein und derselben Person beherrscht.
Schon zu Lebzeiten des Buddha pflegte daher
ein Teil der Mönche sich primär der Meditation
zu widmen, während ein anderer sich um die rationale Verständnisdurchdringung der Lehre
bemühte. Der Mönch Mahacunda sah sich veranlasst, beide Gruppen zu Mäßigung und Toleranz gegenüber der jeweils anderen Fraktion
aufzurufen, denn Meditierer und Denker, so
führte er aus, gehörten zusammen. Während die
Meditationstreibenden (vipassanadhura) in der
Meditation den „todlosen Bereich“ berührten,
würden die Rationalisten (ganthadhura)
Buddhas Aussprüche mit Weisheit durchschauen. Der Unterschied zwischen beiden Wegen, so erklärte der Buddha einmal dem Ananda
(M 64,16), liege in der Verschiedenheit der
menschlichen Begabungen begründet.
Die Zweiteilung in Meditierer und Rationalisten
ist prinzipiell noch heute gegeben, wobei der
Zeitgeist im Westen sicherlich eher bei den Meditierern ist. Denn der früher in Ost und West
unbestrittene Gedanke, man könne durch geistiges Bemühen Gier, Hass und Unwissenheit
überwinden und so über Wissen zu Weisheit
(prajna) kommen, ist weitgehend verdrängt. Er
14
ist der Vorstellung gewichen, dies führe allenfalls zu Kopflastigkeit, akademischem
Bücherwissen und weltlicher Weisheit, nicht
aber zu der für die Erlösung erforderlichen transzendenten Weisheit (prajna-paramita).
Gut beraten ist daher, wer sich beiden Pfeilern
widmet und sowohl meditiert als auch die Lehre
Buddhas (dhamma) studiert.
Schauen wir uns daher einmal Buddhas Lehre
genauer an, um hier nach dem Element „Meditation“ zu suchen. Bei den fundamentalen „Vier
Edlen Wahrheiten“ vom Leiden und seiner
Überwindung stoßen wir in der Vierten Edlen
Wahrheit, dem achtfältigen (auch „achtgliedrigen“ oder „achtspurigen“) Pfad, auf folgende
der Erlösung dienliche Verhaltensweisen:
Nr. 1: Rechte Ansicht (samma-ditthi)
Nr. 2: Rechte Gesinnung (samma-sankappa)
Nr. 3: Rechte Rede (samma-vaca)
Nr. 4: Rechtes Verhalten (samma-kammanta)
Nr. 5: Rechte Lebensführung (samma-ajiva)
Nr. 6: Rechte Anstrengung (samma-vayama)
Nr. 7: Recht Achtsamkeit (samma-sati)
Nr.8: Rechte Meditation/Konzentration (samma-samadhi)
Die Nummern 1 und 2 bilden den Themenblock
„Erkenntnis“, die Nummern 3 bis 5 den
Themenblock „Ethik“. Sie sollen uns hier nicht
weiter beschäftigen und wir richten unser Augenmerk auf die letzten drei Glieder, nämlich
Rechte Anstrengung (samma-vayama, Nr. 6),
Rechte Achtsamkeit (samma-sati, Nr. 7) und
Rechte Meditation bzw. „Konzentration“ (samma-samadhi, Nr. 8). Sie bilden bei der Wahrheit
vom Wege zur Leidensaufhebung den Themenblock „Meditation“.
majjhima patipada 2 - 2009
2) Meditation im weiteren Sinn
a) Die Regel Nr. 6 „Rechte Anstrengung“ lässt
nicht sofort ihren Zusammenhang mit Meditation erkennen. Es handelt sich dabei um eine Methode der geistigen Selbsterziehung, um unheilvolle Geistesinhalte zu mindern und heilsame zu
fördern. Hierzu gehört die „Bewachung der Sinnestore“, die darauf abzielt, aus den Wahrnehmungen unserer Sinne keine unheilsamen Emotionen aufkommen zu lassen.
Die Regeln 7 und 8 enthalten dann die beiden
Hauptgruppen buddhistischer Kontemplation
(bhavana):
b) „Rechte Achtsamkeit“ (Nr.7) ist für den
Heilssucher von größter Bedeutung und eine Art
„Ausführungsvorschrift“ dazu enthält das „Satipatthana Sutta“, die „Lehrrede über die
Erweckung der Achtsamkeit“ (M 10 und D 22).
Diese Lehrrede bezieht sich auf eine der wichtigsten Meditationsformen des Theravada und
es ist anzunehmen, dass der Buddha die Grundzüge von seinem ersten Lehrer Alara Kalama erfahren hatte. Die Achtsamkeitsmeditation ist
genuin buddhistisch, während andere Methoden
auch von den Yogis angewandt wurden. Dabei
handelt es sich um eine Meditation, die sowohl
im Sitzen als auch bei den Verrichtungen des
täglichen Lebens geübt werden kann. Das Satipatthana-Sutta beschreibt ausführlich, wie der
Meditierende seine Achtsamkeit der Reihe nach
auf den Körper, die Empfindungen (die Gefühle), den Geist (die Gedanken, citta) und die
Geistobjekte (die Gegenstände der Welt) richten
soll. Die Betrachtung soll emotionsfrei erfolgen
und die Meditationsobjekte als vergänglich,
leidhaft und ohne beständigen Kern (anatta) erkennen lassen.
Die Betrachtung des Atems (anapanasati) hat
der Buddha an den Anfang seiner Ausführungen
über die Körperbetrachtung gesetzt, was ihre
Bedeutung unterstreicht.
c) „Rechte Meditation“ (Nr. 8). Sie sollte besser
„Konzentration“ genannt werden, da „Meditation“ ja schon die umfassendere Bezeichnung
für den gesamten Themenblock ist und die
Konzentration des Denkens auf einen Punkt ihren Gegenstand bildet. Es handelt sich um die
Übung, mit der sich Gotama auf die Erleuchtung
majjhima patipada 2 - 2009
vorbereitet hatte, bestehend aus dem Vollzug
von vier meditativen Versenkungsstufen (jhana). Bei diesen vier Stufen bleibt die Bewusstheit (= Achtsamkeit) des Meditierers wach und
es wird darauf verzichtet, auf weiteren Tiefenstufen in yogische Trance abzusinken. Die
Übung ist, wie gesagt, gekennzeichnet durch die
Ausrichtung des Geistes (der Gedanken) auf einen Punkt („Einspitzigkeit“; M 44,12) und wurde auch von den Yogins betrieben.
Das vorstehend genannte Gesamtgebiet
buddhistischer Meditation lässt sich (nach Nyanaponika) in zwei große Übungswege unterteilen, nämlich die Entfaltung des Klarblicks (vipassana-bhavana) durch meditativ verfeinertes
reflektierendes Denken und die in den meditativen Versenkungen (jhanas) erfolgende Entfaltung der Geistesruhe (samatha-bhavana). Über
die Reihenfolge bestehen unterschiedliche Ansichten, kanonischen Texten zufolge kann der
erlösende Klarblick auch ohne vorherige Erreichung der Vertiefungen gelingen.
3) Ein fakultatives Angebot
Wir halten also fest, dass die Achtsamkeitsmeditation (Nr. 7) genuin buddhistisch ist, während
die „Konzentration“ (Nr. 8) auf dem Gedankengut beruht, welches Gautama bei seinen yogischen Lehrern kennen gelernt hatte. Beide sind
gemeinsame Bestandteile des Heilsweges. Der
Buddha definiert in M 117 die „edle rechte Konzentration“ (aryo sammasamadhi) als „Ausrichtung des Geistes (der Gedanken) auf einen
Punkt; sie ist ausgestattet mit den (ersten) sieben
Gliedern (des achtgliedrigen Weges).“
(Übersetzung U. Schneider)
Freilich kann die Erlösung bei entsprechender
Disposition auch allein mit Achtsamkeitsmeditation oder, wie oben schon gesagt, auch ohne
jegliche Meditation durch Weisheit erlangt werden, denn entscheidend ist allein die Vernichtung der wiedergeburtlichen Triebkräfte. Es
lässt sich sagen, dass alle Sammlungsübungen
„nur die zeitweilige Beruhigung des Geistes und
die Aufhebung innerer Hemmungen zur Folge
haben und nicht zur endgültigen Befeiung führen. Sie werden vom Buddha als heilsam
empfohlen, aber unerlässlich sind sie nach des
15
Buddha eigenen Worten nicht. Man kann das
Ziel des Buddhaweges erreichen, ohne auch nur
eine dieser Übungen durchgeführt zu haben.“
(K. Schmidt)
Der achtfältige Weg ist also insoweit nur eine
Empfehlung; die meditative Versenkung gewann überragende Bedeutung erst seit dem 6.
Jh.n.Chr. im Zen-Buddhismus Ostasiens. Sicherlich ist aber dem Religionswissenschaftler
M. Eliade zuzustimmen, dass die Zahl derjenigen gering ist, die allein durch Intelligenz
(prajna) das Heilsziel erreichen. Selbst dem
Lieblingsjünger des Erhabenen, Ananda, wurde
trotz brillanter Kenntnis der Lehre die Aufnahme ins 1. Buddhistische Konzil verweigert, weil
es ihm an Meditationserfahrung mangelte. Für
das buddhistische Fußvolk im Theravada wird
es im Normalfall wohl sowieso bei
Atembetrachtung und Gehmeditation bleiben.
Dennoch lohnt es sich, die vier oben erwähnten
Versenkungsstufen (rupajjhana = „Form-Jhanas“, weil der Meditierende noch Formen und
Farben, d.h. Dinge wahrnimmt) einmal anzuschauen, befähigten sie doch den Gotama zur
Realisierung der Buddhaschaft.
II. Samma-samadhi (Rechte Meditation/Konzentration, Nr. 8)
1) Die Jhanas
Gemäß einer Definition von Nyanatiloka ist
„Jhana“ im weiteren Sinn jeder durch intensive
Konzentration (samahdi) auf ein einziges geistiges oder körperliches Objekt (bhavana) hervorgerufener Versenkungszustand des Geistes. Im
engeren Sinn besteht „Rechte Konzentration“
aus den vier meditativen Tiefenstufen (jhana),
die im Pali-Kanon wie folgt beschrieben werden:
1. Sinnlichen Lüsten fern, frei von unheilsamen
Geistesinhalten, gewinnt der Mönch die mit
Nachdenken und Erwägen verbundene, aus der
Abgeschiedenheit resultierende, von Freude
und Glücksgefühl erfüllte erste Versenkungsstufe und verweilt darin.
2. Nach dem Zurruhekommen von Nachdenken
und Erwägen gewinnt er den inneren Frieden,
die Konzentration des Geistes, die aus der Meditation resultierende, von Freude und
Glücksgefühl erfüllte zweite Versenkungsstufe
und verweilt darin.
3. Nach der Aufhebung der Freude verweilt er
leidenschaftslos, achtsam und klarbewußt und
fühlt in sich das Glück, von dem die Edlen sagen: „Glücklich ist, wer gleichmütig und achtsam weilt.“ So gewinnt er die dritte Versenkungsstufe und verweilt darin.
4. Nach dem Schwinden von Glücksgefühl und
Schmerz und durch das Verschwinden der
früheren Hochstimmung und Trübsal gewinnt er
einen leid- und freudefreien Zustand, die durch
16
Gleichmut und Bewußtheit gereinigte vierte
Versenkungsstufe, und verweilt darin.
Text D 22, 21 = M 141, 31 = M 39, 15-18)
(Übersetzung H.W.Schumann)
Der Meditierende durchläuft also nacheinander
vier Stufen der Versenkung und auf jeder Stufe
wird angegeben, welche Art Glücksgefühl er
empfindet - bis die letzte Stufe dann auch von
diesem völlig frei ist. Glücksgefühl ist somit
nicht das letzte Ziel der Meditation.
2) Der yogische Ursprung
Es fällt auf, dass unter der 8. Verhaltensempfehlung des buddhistischen Heilsweges kurzerhand
vier yogische Versenkungsübungen benannt
werden: „Samma-samadhi“ ist gleich den vier
„Jhanas“! (Nach anderer Auffassung ist es die
konzentrative Vorübung zur Versenkung.) Der
Buddha, der durch seine upanishadischen Lehrer mit den Yogapraktiken seiner Zeit vertraut
gemacht worden war, hatte in seine Wegempfehlung offenbar eine „Öffnungsklausel“ eingebaut, die einen Freiraum bei der Gestaltung der
„rechten Konzentration“ gewährte. Diese Gestaltungsfreiheit lag nahe, denn wie wir wissen,
hatten viele von Buddhas Anhängern vor ihrer
Aufnahme in den Orden anderen Philosophenschulen angehört und dort die Yoga-Jhanas kennen gelernt und praktiziert. Der Buddha hat – so
vermutet der Übersetzer K. Schmidt – alle diese
majjhima patipada 2 - 2009
Übungen (z.B. die Kasina-Übungen) wenn auch
nicht empfohlen, so aber doch als Alternativen
stillschweigend zugelassen. Denn wer schon auf
dem Erlösungsweg fortgeschritten war, brauchte kaum noch spezielle buddhistische Versenkungsrichtlinien. Ihm standen viele meditative
Praktiken und Psychotechniken, die es im damaligen Indien in großer Zahl gab, zur Verfügung. Schon die kanonischen Texte, so der Indologe U. Schneider, „haben in dieser Hinsicht ein
erhebliches Überangebot – ein verwirrendes, in
sich auch unstimmiges Bild.“
tradierern später wieder dem Samma-samadhi
zugeordnet wurden. Sie heben sich von den ersten vier Stufen, in denen der Meditierer achtsam, d.h. vollbewußt bleibt, dadurch ab, dass
der Meditierer in yogische Trance absinkt. Wie
sie in den Pali-Kanon gelangt sind, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben, ist aus dem Kanon nicht klar ersichtlich. Vermutlich, so der Indologe H.W. Schumann, hat der Buddha einem
Vertrauten seine Erlebnisse bei Alara Kalama
berichtet und der Zuhörer hat das Aufgenommene weitererzählt, so dass es bei der Kompilation
des Pali-Kanons in die Textmasse geraten ist.
Die Versenkungsstufen 5 - 8 werden wie folgt
beschrieben:
5. Bereich der Raum-Unendlichkeit (d.h. Erlebnis der Unendlichkeit des Raums),
6. Bereich der Bewußtseins-Unendlichkeit (d.h.
Erfahrung, dass das Bewusstsein alles
durchdringt),
7. Bereich des Nichts (d.h. Erlebnis der Nichtheit aller Dinge),
8. Bereich jenseits von bewußt und unbewußt
(d.h. Tieftrance).
Es ist daher nicht verwunderlich, dass selbst die
vom Buddha bei seinem Lehrer Alara Kalama
gelernten, dann aber von ihm als unbefriedigend
abgelehnten Jhanas 5 - 8 von eifrigen Text-
Im Mahaparinibbana-Sutra wird dem Ganzen
sogar noch ein neuntes Jhana („Aufhören von
Wahrnehmung und Gefühl“) zugefügt. Überhaupt wird mit diesem Sutra die Angelegenheit
etwas unübersichtlich: Offenbar als Konzession
an Buddhas Bevorzugung der Jhanas 1 – 4, mit
denen er die Erleuchtung erlangt hatte, wird ihm
zwar das mehrfache Durchlaufen der Jhanas 1- 9
vor seinem Sterben nachgesagt, der endgültige
Eingang ins Parinirvana erfolgte jedoch in der 4.
Jhana-Stufe, also in der Mitte statt am Ende der
Stufenfolge (D 16,6,9).
III. Aufnahme yogischer Gedanken
1) Wiederentdeckung zeitloser
Lehren
Der Buddha hat niemals den Anspruch erhoben,
eine neue „originelle“ Lehre erfunden zu haben.
Er betonte vielmehr, er habe nur den „alten
Weg“ der zeitlosen Lehre wiederentdeckt, den
auch die Heiligen vergangener Zeiten gegangen
majjhima patipada 2 - 2009
seien. Der Buddha hat daher frei und ohne
Scheu das 8. Glied seines Heilsweges „samadhi“ der yogischen Schule entnommen, wie er
sie bei seinen früheren Lehrern kennen gelernt
hatte. Hier ist am ehesten ersichtlich, dass „eine
alte (wie die Atman-Lehre esoterische)
Yoga-Tradition in die Lehre des Buddha eingeflossen, hier allerdings in recht eigenständiger
17
(exoterisch-ethisch-rationalistischer)
Weise
weiterentwickelt worden ist“ (U. Schneider).
Der Buddha hat zwar mit der offensichtlich yogischen Struktur seiner Methode eine Reihe von
seit Jahrhunderten bekannten Meditations- und
Konzentrationsübungen aufgenommen, „aber
es handelt sich um einen Yoga, der vom religiösen Genie des Erhabenen weiterentwickelt und
uminterpretiert wurde.“ (M. Eliade) Diese
Übernahme darf daher nicht dazu führen, dass
der genuin buddhistische Charakter des Erlösungsweges nach der „Vierten edlen Wahrheit“
verkannt wird. Deshalb wollen wir abschließend
den buddhistischen achtfältigen Pfad mit dem
gleichfalls achtfachen Yoga-Pfad vergleichen,
wie er im Yoga-Sutra des Patanjali (vermutlich
2. Jh. v. Chr.) überliefert ist.
2) Das Yoga-Sutra
Sowohl der buddhistische als auch der
Yoga-Weg beginnt mit ethischen Regeln, auf die
hier aber nicht eingegangen werden soll. Der
buddhistische achtfältige Pfad geht dann weiter
mit den vorstehend erörterten Gliedern
Nr. 6 = Rechte Anstrengung (samma-vayama),
Nr. 7 = Rechte Achtsamkeit (samma-sati) und
Nr. 8 = Rechte Meditation/Konzentration (samma-samadhi).
Ziel des Meditierers ist, kein an den Wiedergeburtenkreislauf bindendes Karma mehr zu sammeln, und so ist die „rechte Anstrengung“ zunächst für das Sammeln guten Karmas und die
„rechte Achtsamkeit“ für das Vermeiden selbst
guten Karmas zuständig.
Das Yoga-Sutra benennt eine andere zum „Samadhi“ führende Stufenfolge als der Buddha:
Nr. 1 „yama“ (= Zügelungen) und Nr. 2 „niyama“ (= Befolgung der Regeln) bilden die hier
nicht zu erörternden Vorstufen jeder Askese.
Nr. 3 „asana“ (= Sitzhaltung), hiermit beginnt
„Yoga“ im eigentlichen Sinn. Es werden bis zu
84 Positionen gelehrt,
Nr. 4 „pranayama“ (= Atemzügelung), Regelung des Ein- und Ausatmens und der Atemfrequenz,
18
Nr. 5 „pratyahara“ (= Einholen der Sinne), die
Sinne werden von der Außenwelt abgezogen,
Nr. 6 „dharana“ (= Festhalten), Binden des Denkens z.B. an Meditationsgegenstände, um die
Gedanken zum Stillstand zu bringen,
Nr. 7 „dhyana“ (= Versenkung), Loslassen der
Gedanken; wenn in der Versenkung der Geist
des Meditierenden und der Meditationsgegenstand miteinander verschmelzen, so erreicht
man
Nr. 8 „samadhi“ (= Konzentration), das Erlebnis
der Nichtverschiedenheit von Geist und Materie.
Der buddhistischen „rechten Anstrengung“
nach Nr. 6, also einer Methode zur geistigen
Selbsterziehung, stehen nach dem Yoga-Sutra
dessen Nummern 3 – 5 gegenüber, offenbar
mehr technische Anweisungen. Während das
buddhistische samma-sati (Nr. 7 des Achtweges) die reine Betrachtung des Atems regelt,
verlangt das Yoga-Sutra die Atemzügelung, also
das aktive Eingreifen in den Rhythmus.
Wir können den Yoga und seine psycho-physiologischen Praktiken aber nur verstehen, wenn
wir uns klar machen, dass diese der Beseitigung
von hemmenden menschlichen Grundhaltungen
dienen sollen: Dem natürlichen Bewegungsdrang wird mit „asana“ eine der Beruhigung dienende Körperhaltung entgegen gesetzt. Entsprechend richtet sich „pranayama“ gegen den
Drang des Menschen, seiner jeweiligen psychischen Situation gemäß arhythmisch zu atmen.
Denn „diese Unregelmäßigkeit verursacht eine
gefährliche psychische Fluidität und folglich die
Instabilität und Zerstreuung der Aufmerksamkeit. … Die rhythmische Atmung muß ein automatischer Vorgang werden, damit der Yogin sie
vergessen kann.“ (M. Eliade) Letztlich soll die
Rhythmisierung und immer weitere Verlangsamung des Atems zu Bewusstseinszuständen
führen, die dem Wachzustand unzugänglich
sind.
Beide achtfachen Wege enden dann in ihren
Nummern 8 mit „Samadhi“, wobei das
buddhistische Samahdi schon fast als
Erreichung des Heilsziels angesehen werden
kann – des Nirvana. Im Samadhi gemäß der
majjhima patipada 2 - 2009
Yoga-Philosophie sind Geist und Denkobjekt
(Meditationsgegenstand) eins geworden: Der
Geist erkennt, dass er aus dem selben Urstoff
(prakriti) besteht wie das Denkobjekt. Der Yogi
hat nun die irrtümliche Verbindung von Seele
und Materie erkannt und ist erlöst – die
Buddhisten können dem wegen ihrer Skepsis in
der Seelenfrage (anatta-Lehre) nicht zustimmen.
Wie wir oben (II 1) feststellten, räumen die
Buddhisten dem Glücksgefühl in der Versenkung nur einen begrenzten Raum ein. Die brah-
manischen Mystiker hatten dagegen das Ziel,
die Identität von Atman (Individualseele) und
Brahman (Weltseele) zu erkennen und so in der
„Wonne“ (ananda) der erlösenden Erkenntnis
aufzugehen.
Der eine Weg wird offen der ganzen Menschheit
angeboten, der andere esoterisch an auserwählte
Schüler weitergegeben.
Wir stellen also fest, dass Heilsweg und Samadhi in Buddhismus und Hinduismus in hohem
Maß verschieden sind.
„Die Erlebnisse, die der Meditierende in den Versenkungen hat,
können einem Menschen, der sie noch nicht gehabt hat, auf
keine Weise begreiflich gemacht werden, ebenso wenig wie einem Mann die Gefühle begreiflich gemacht werden können,
die eine Frau beim Gebären ihres Kindes erlebt.“
(Kurt Schmidt)
majjhima patipada 2 - 2009
19
Prinz Abhaya
Sutta 58 der Mittleren Sammlung
So habe ich es gehört:
Als der Erhabene einst am Eichhörnchenfutterplatz im Bambushain bei Rajagaha weilte, kam
Prinz Abhaya zu dem Nigantha (Jinisten) Nataputta. Dieser forderte ihn auf, den Samana Gotama ins Unrecht zu setzen; dann werde er berühmt werden als ein Mann, der den großmächtigen und gewaltigen Samana Gotama ins
Unrecht gesetzt hat. Auf die Frage des Prinzen,
wie er das machen solle, erwiderte Nataputta:
„Gehe zum Samana Gotama, frage ihn, ob er anderen Menschen etwas Unangenehmes sagen
würde. Antwortet er mit Ja, so frage ihn, wodurch er sich dann von den gewöhnlichen Menschen unterscheide, da auch gewöhnliche Menschen anderen etwas Unangenehmes sagen.
Antwortet er aber mit Nein, so frage ihn, ob er
nicht dem Devadatta gesagt habe, er gehöre in
die Hölle, er werde ein Weltalter lang in der Hölle bleiben, er sei unrettbar verloren, und ob dies
dem Devadatta nicht sehr unangenehm gewesen
sei. Wenn du ihm diese zweideutige Frage vorlegst, wird er sich nicht herauswinden können,
wie ein Mensch, der mit einem Eisenring um
den Hals gefesselt ist, sich nicht herauswinden
kann.“
Prinz Abhaya erklärte sich dazu bereit, ging
zum Erhabenen und setzte sich zu ihm. Mit
einem Blick auf die Sonne dachte er, es sei wohl
nicht die richtige Zeit, den Samana Gotama ins
Unrecht zu setzen, er wolle es lieber in seinem
Hause tun, und so lud er den Erhabenen für den
folgenden Tag zu einem Mahle zu Vieren ein.
Schweigend nahm der Erhabene die Einladung
an, und Abhaya erhob sich, verabschiedete sich,
schritt um den Erhabenen rechts herum und ging
fort. Am folgenden Vormittag besuchte der Erhabene den Prinzen Abhaya in seiner Wohnung.
Abhaya bewirtete ihn eigenhändig mit vorzüglichen Speisen, dann nahm er einen niedrigeren Stuhl, setzte sich zum Erhabenen und sagte: „Würde der Vollendete wohl anderen Menschen etwas Unangenehmes sagen?“ – „Das ist
hier nicht eindeutig“, erwiderte der Erhabene.
Darauf sagte Abhaya: „In diesem Falle habe ich
auf die Jinisten gehört.“ –
20
„Warum sagst du das?“ fragte der Erhabene, und
nun berichtete Abhaya ausführlich, wie Nataputta ihn aufgefordert hatte, dem Erhabenen die
zweideutige Frage zu stellen. Während der
Prinz sprach, saß auf seinem Schoß ein kleines
Kind. Da sagte der Erhabene zu ihm: „Wenn das
kleine Kind infolge deiner Unachtsamkeit oder
der Unachtsamkeit der Amme ein Stück Holz
oder einen Kieselstein in den Mund steckte, was
würdest du dann tun?“ – „Ich würde es ihm wegnehmen, und wenn ich es nicht sogleich fassen
könnte, würde ich mit der linken Hand seinen
Kopf festhalten und mit der rechten Hand das
Holz oder den Stein mit gekrümmtem Finger,
schlimmstenfalls blutig, herausholen, und zwar
deshalb, weilmich das Kind erbarmt.“ –
„Ebenso spricht der Vollendete keine Worte,
von denen er weiß, daß sie unwahr und
unpassend sind und anderen mißfallen; auch
Worte, von denen er weiß, daß sie zwar wahr,
aber unpassend sind und anderen mißfallen,
spricht er nicht. Bei Worten, von denen er weiß,
daß sie zwar wahr und passend sind, aber anderen mißfallen, prüft er, ob es angemessen ist, mit
solchen Worten zu antworten. Worte, von denen
er weiß, daß sie unwahr und unpassend sind,
spricht er nicht, selbst wenn sie anderen gefallen; auch Worte, von denen er weiß, daß sie zwar
wahr, aber unpassend sind, spricht er nicht,
selbst wenn sie anderen gefallen. Bei Worten,
von denen er weiß, daß sie wahr und passend
sind und anderen gefallen, prüft er, ob es angemessen ist, mit solchen Worten zu antworten. So
macht er es deshalb, weil ihn die anderen Wesen
erbarmen.
Nun fragte Abhaya: „Herr! Wenn gelehrte Adlige oder Brahmanen oder Bürger oder Samanas
sich eine Frage zurechtgelegt haben und zum
Vollendeten kommen und sie ihm vorlegen, hat
dann der Erhabene schon vorher überlegt, wie er
solche Frage beantworten würde, oder fällt ihm
die Antwort im Augenblick ein?“ – „Hierauf,
Prinz, möchte ich mit einer Gegenfrage antworten: Beantworte sie, bitte, wie es dir richtig
scheint. Kennst du die einzelnen Teile eines Wagens genau?“ – „Ja, Herr“ – „Wenn nun jemand
zu dir kommt und dich nach den einzelnen Teimajjhima patipada 2 - 2009
len eines Wagens befragt, hast du dir dann schon
vorher überlegt, wie du solche Frage beantworten wurdest?“ – „Als erfahrener Wagenlenker
kenne ich die einzelnen Teile eines Wagens genau, daher fällt mir die Antwort im Augenblick
ein.“ – „Ebenso, Prinz, fällt mir die Antwort auf
Fragen, die mir gelehrte Adlige oder Brahmanen oder Bürger oder Samanas stellen, im Au-
genblick ein; denn ich kenne die Beschaffenheit
der Dinge genau.“
Darauf erklärte Prinz Abhaya in der üblichen
Weise, daß er sein Leben lang Laienanhänger
des Erhabenen sein wolle.
aus: Kurt Schmidt - Die Lehrreden der Mittleren
Sammlung, Werner Kristkeitz Verlag
Wie man reden oder schweigen soll (nach M 58)
Bemerkungen zur Rechten Rede (samma-vaca)
Und was, Mönche, ist rechte Rede? Das Vermeiden von Lüge, das Vermeiden von
Verleumdung, das Vermeiden barscher Worte, das Vermeiden von Klatsch.
(D 22,21 = M 141,26)
Über das Gesehene, Gehörte, Erlebte und Erkannte, wobei dem Sprechenden die
unheilsamen Geistesinhalte zu- und die heilsamen abnehmen, über derartiges
Gesehene soll nicht gesprochen werden. Über das Gesehene aber, wobei dem
Sprechenden die unheilsamen Geistesinhalte ab- und die heilsamen zunehmen,
über derartiges Gesehene soll gesprochen werden, so sage ich.
(A 4,183)
majjhima patipada 2 - 2009
21
Im Fluß der Zeit – wieder ein Abschnitt zu Ende
von Axel Rodeck
So mancher Dharmafreund wird mir sicherlich
erfreut zustimmen: Schluss jetzt - zehn Jahre
sind genug! Zehn Jahre nämlich als Schriftführer oder Vorstandsvorsitzender des Buddhistischen Bundes Hannover. Die in diesem Jahr
wieder fälligen Vorstandswahlen (am 13. Juni)
geben Gelegenheit, das Schiff „BBH“ frischen
Winden auszusetzen und die mittlerweile eingetretene Stagnation mit neuen Kräften zu beenden. Für den Verein wie auch für mich geht ein
Abschnitt der eigenen Geschichte zu Ende und
dies gibt Anlaß, einmal zurück zu schauen.
Als ich im Juni 2001 den Vorstandsvorsitz übernahm, war mir bewusst, die Leitung eines im
hiesigen Buddhismus tief verwurzelten Vereins
übernommen zu haben. Ich machte aber klar,
dass ich dem ungeheuren Engagement eines
Karl Stort für den hannoverschen Verein wie
auch auf internationaler buddhistischer Bühne
weder nacheifern wollte noch dieses konnte.
Beruf und Familie blieben stets vorrangig. Da
ich mich auch nicht der Unterrichtung durch
namhafte spirituelle Lehrer berühmen kann,
stand fest, dass das Schwergewicht der Tätigkeit
bei der Organisationsstruktur anzusiedeln sein
würde. Dies deckte sich auch mit der Vereinssatzung, die als Vereinszweck in § 1 die Bekanntmachung buddhistischen Gedankenguts ohne
Festlegung auf bestimmte Lehrrichtungen angibt. Eine derart objektive Grundhaltung führt
dann zwangsläufig dazu, den „Buddhismus“
primär aus theravadischer wie auch (religions-)
wissenschaftlicher Sicht zu erörtern.
Schon bald erkannten wir, dass bei dieser nüchternen Zielsetzung der damalige „Buddhismus-Boom“ an uns vorübergehen würde. Sachlich wird in DMW 3/2001 zur damaligen
Situation ausgeführt:
„Der Verein muß sich in seinen Angeboten auf
das beschränken, was er leisten kann, genauer:
was seine Mitglieder zu leisten bereit sind. Dazu
gehört primär die Erhaltung des Zentrums als
Basis für alle Aktivitäten. Mit Vornahme einer
22
Renovierung und Anschaffung neuer Möbel und
technischer Geräte wurde hier schon ein Anfang
gemacht. Sodann gilt es, interessierte Menschen
besser als bisher auf den BBH als Anlaufstelle
aufmerksam zu machen. Auch hier ist schon ein
erster Schritt mit regelmäßig jeden Freitag angebotenen Sprechzeiten gemacht worden.
Laßt uns also gemeinsam den interessierten Laien das bieten, was sie nach den auch im
Zusammenhang mit der Expo 2000 gemachten
Erfahrungen meistens wollen: Grundlagenwissen über den Buddhismus ohne verwirrende
Schnörkel. Wer sich dann mit den Vier Edlen
Wahrheiten befasst hat, wird schon selber feststellen, welchen Weg er weiter gehen sollte.“
Zwei Jahre später, wir feierten das 40-jährige
Jubiläum des BBH, hatte die Realität unseren
Aktivitäten schon ihren Stempel aufgedrückt.
Wieder sei aus dem „Mittleren Weg“ (3/2003)
zitiert:
„Wir sollten bescheiden sein und akzeptieren,
dass auch unser Verein bei aller rühmlichen Tradition nicht unentbehrlich ist. Doch noch hat er
Vitalität, der inzwischen abgeklungene Buddhismus-Boom hat ihm kein hinderliches
Schein-Wachstum verschafft. Auf dem
DBU-Kongreß 2000 in Hannover traf Ringu
Tulku die Feststellung, dass es für einen
Buddhisten nur zwei Dinge gibt, nämlich Studieren und Praktizieren, und dass daraus für
buddhistische Zentren zwei Aufgaben entstehen: „Sie müssen eine Gelegenheit (engl. „situation“) für das Studium und eine Gelegenheit
für die Praxis schaffen.“ Und dazu muß eine Infrastruktur geschaffen werden, vom Angebot
von Gesprächs- und Meditationsabenden bis
zum Leeren von Mülltonnen und Papierkörben.
Dies ist unsere Aufgabe.
Zur Erfüllung dieser Aufgabe stehen uns aber
nach wie vor nur knappe personelle und
materielle Mittel zur Verfügung. Es gibt nur eine
kleine Schar von Mitgliedern, die neben ihrem
Berufs- und Familienleben einen Teil ihrer (Lebens-)Zeit für Aufgaben des Vereins zur Verfümajjhima patipada 2 - 2009
gung stellen können oder wollen. Vor einigen
Jahren ins Auge gefasste Projekte, etwa im sozialen Bereich, sind daher derzeit nicht realisierbar. Wie in der Wirtschaft ist es deshalb ratsam,
dass wir uns auf unser „Kerngeschäft“ beschränken, welches nach § 1 unserer Vereinssatzung die Bekanntmachung buddhistischen Gedankenguts ist. Und dazu bedarf es – hier
schließt sich der Kreis – eines funktionierenden
Zentrums.“
Auch für mich persönlich war die hier besprochene Zeit nicht frei von Vorwürfen, die sich vor
allem aus meinen Beiträgen in unserer Vereinszeitung „DMW“ ergaben. Dort widmete ich
mich nicht nur frommen Themen, sondern auch
politisch brisanten wie „Die Grenzen von Multikulti und der Islamismus“ oder „Von Toleranz
und Gewaltfreiheit“. Angesichts der Tatsache,
dass uns heute bei fast jedem Aufschlagen einer
Zeitung ein islamistischer Bombenanschlag ins
Auge springt, ist die damalige (2001)
Aufregung wegen Erwähnung eines (missglückten) islamistischen Terroranschlags auf den
Weihnachtsmarkt von Straßburg kaum noch verständlich. Dadurch sah man das zarte Pflänzchen interreligiösen Dialoges gefährdet.
Die Übung der „rechten Rede“ ist eine komplizierte Sache und sicherlich nicht zu Unrecht
wurde ich gelegentlich einer apodiktischen Argumentation bezichtigt. Als Entschuldigung
hierfür mag die den deutschen Juristen antrainierte Denkweise dienen. Denn sie lernen schon
im Studium, einen Sachverhalt entweder abwägend im „Gutachtenstil“ oder apodiktisch im
„Urteilsstil“ zu behandeln – letzteres setzt sich
dann offenbar auch hinsichtlich anderer als ju-
ristischer Themen durch. Wir wissen es ja: Die
langjährige Konditionierung prägt das Bewußtsein, siehe Lehrrede 57 der Mittleren Sammlung. (Und hier angelangt lesen wir doch bitte
gleich weiter die Lehrrede 58 „Prinz Abaya“,
die wir in diesem Heft, S. 20 wiedergeben. Der
Buddha hat dort weise die Kriterien aufgeführt,
die bei einer angemessenen Rede (-erwiderung)
beachtet werden sollten.)
Wie geht es weiter? Zu dumm, dass sich Prognosen immer auf die Zukunft beziehen – und diese
ist uns ja nicht bekannt. Wir wissen daher weder,
wie sich der hiesige Buddhismus noch der BBH
entwickeln werden. In DMW 3/2007 hatten wir
unter der Überschrift „Quo vadis, Buddhismus?“ über die Zukunft des Buddhismus im
Westen und die Frage nachgedacht, ob die
Erkenntnis eines „reinen“ Buddhismus jenseits
zeit- und ortsbedingter Formen (wie sie Georg
Grimm vorschwebte) nur eine „den europäischen Bedingungen entsprechende Fiktion“ (V.
Zotz) sei. Immerhin stellten wir fest: „Enge
Wechselbeziehungen zwischen den buddhistischen Erneuerungsbewegungen in Asien und
der Verbreitung des Buddhismus im Abendland
sind entstanden und haben gemeinsam die Tendenz, die buddhistische Lehre zeitgemäß neu zu
interpretieren (sog. „buddhistischer Modernismus“, H. Bechert).“
Wie immer die Entwicklung sein wird. Dem
BBH sei gewünscht, dass er auch in Zukunft mit
frischen Kräften auf dem Weg zur Erlösung Hilfestellung zu leisten vermag. Mitgestalten kann
jeder, der sich der Vereinsarbeit widmen möchte. Die bevorstehenden Vorstandswahlen geben
einen guten Anlaß, sich aktiv zu beteiligen.
Unaufhörlich rauscht der Frühlingsregen nieder und schlägt
ohne Erbarmen die Kirschblüten von den Bäumen.
Wem sich da nicht das Herz zusammenkrampft,
der hat das Leben nicht verstanden.
Matsuo Basho
majjhima patipada 2 - 2009
23
Für Sie gelesen – Lesenswertes aus anderen Zeitschriften
Auch in diesem Jahr erfolgt die Herausgabe von
Denkens“) wie Neid, Mißgunst, Geiz usw. finden eine leicht verständliche, auf den LebensallTexten Paul Debes’ in der Zeitschrift „Wissen
tag bezogene Erläuterung. Dazu werden auch
und Wandel“ und Heft 1/2 des 55. Jahrgangs
andere Pali-Texte zitiert, so dass die Bearbeihat sich den Text M 7 vorgenommen. Die Lehrtung schließlich 68 (in ansprechender Form gerede „Das Gleichnis vom Kleide“ wird ohne die
heftete) Seiten enthält. Ob dies erforderlich ist,
z.B. von Kurt Schmidt vorgenommenen Strafum die Essenz von Sutra M 7 aufzuzeigen, muß
fungen wiedergegeben und ebenso ausführlich
jeder Leser selber beurteilen.
kommentiert. Die 16 „Herzensbefleckungen“
(K. Schmidt spricht von „Befleckungen des
———————————————————
Würdigung des Gesagten fehlen lassen (müs„Buddhismus aktuell“ hat in Heft 1/2009 das
sen?). Der nicht fachkundige Leser wird damit
Schwerpunktthema „Die Kunst des Heilens –
redaktionell im Regen stehen gelassen.
buddhistische Psychotherapie“. Zum Erstaunen
sicherlich nicht weniger älterer Buddhisten erÜberzeugend sind die Ausführungen von Thich
fahren wir, dass nunmehr eine „Liaison von
Thien Son (Abt der Pagode Phat Hue) zum TheBuddhismus und Psychotherapie“ für unumma „Steuerung durch Angst“. Klar und ohne
gänglich gehalten wird. Asiatische Lehrer seien
buddhistisch gefärbtes Herumdeuteln nimmt
erstaunt über den Selbsthaß bei ihren westlichen
der Verfasser zu den drei Grundängsten VerlustSchülern und schüttelten über „das weit verbreiangst, Ablehnungsangst und Angst vor Mindertete Problem der Depression in ihren qualvollen
wertigkeit Stellung und legt dar, wie diese
Abstufungen“ nur hilflos den Kopf. - Ob, wie
Angstbilder zu einem Leben in selbstgebehauptet wird, unsere ursprüngliche Natur
schaffenen Angstwelten führen. Die (nicht nur)
wirklich „grundlegend gut“ ist, müsste sicherbuddhistische Erkenntnis: Je mehr wir unser
lich kritisch erörtert werden.
Ego ausbilden, desto mehr Ängste haben wir.
Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem von
Auf 100 Seiten bietet „Buddhismus aktuell“
Zeitschriften wie „Buddhismus aktuell“, die
wieder umfangreichen Lesestoff und Nachzwar einem überwiegend homogenen Autorenrichten, vom Jugend-DBU-Kongreß bis zur Galkreis eine Bühne zur Selbstdarstellung geben, es
lensteinoperation des Dalai Lama.
aber an Kommentaren oder einer kritischen
———————————————————
Patient üben, durch Konzentration und AutoAuch „Tibet und Buddhismus“ widmet sich in
suggestion die den Schmerz verstärkende negaeinem Aufsatz (Heft 1/2009) der Beziehung
tive Gedankenspirale abzublocken. Denn: „Gezwischen Buddhismus und Psychotherapie: Die
danken haben einen größeren Anteil am
„Achtsamkeit“ wird als eine „Anti-Streß-MeSchmerzerleben als der eigentliche biologische
thode“ empfohlen. Ein Arzt und Mikrobiologe
Schmerz.“
zeigt in einem anderen Beitrag Wege, wie die
Achtsamkeitsübung sogar bei chronischen
Natürlich liegt das Schwergewicht der sonstigen
Schmerzen helfen kann - selbst nichtreligiösen
Beiträge des Heftes bei Ereignissen im tibetiMenschen. Es gilt, den Schmerz losgelöst von
schen Buddhismus, etwa den Menschenrechten
negativen Gedanken und ohne Verändein Tibet („Der gewaltlose Kampf geht weiter!“).
rungswünsche (!) zu betrachten. Dazu muß der
———————————————————
Gern schauen wir nach Hamburg auf die
lichkeit gestaltet. Am warmen Ofen liest man
besonders gern den Bericht zweier buddhisti„Buddhistischen
Monatsblätter“
(Heft
scher Damen von einer Wanderung bei Wind
1/2009), werden diese doch, wie unser „Mittleund Wetter – aber immer herzlich unterstützt
rer Weg“ auch, von einer kleinen Schar emsig
bemühter Ehrenamtlicher in schlichter Sach-
24
majjhima patipada 2 - 2009
seitens der Bevölkerung – entlang der Westküste von Wales.
- „Buddhas Leitgedanken für eine gute Lebensführung“ (Aufsatz gemäß der Lehrrede D 31) sollen auch für Laien gelten und sowohl im
(mit-)menschlichen als auch im wirtschaftlichen
Bereich das ethische Verhalten des Buddhisten regeln. Gerade rechtzeitig zur Finanzkrise erfahren
wir so, dass der Buddha-Jünger ein Viertel seines
Einkommens für den Unterhalt einschließlich
wohltätiger Zwecke, zwei Viertel für Investitionen
verwenden und das verbliebene Viertel für die Zukunft zur Seite legen soll. Der Handel mit Derivaten wird leider nicht erörtert. Zu dem angeschnittenen Thema passt dann auch der Beitrag über
„das Wesen der Tugend und ihre Bedeutung für
den (heutigen) Menschen“. Zutreffend stellt der
Verfasser fest, dass uns Tugenden zwar vor lasterhaftem Leben schützen, aber auch zum Dogma
entarten können.
———————————————————
Die unterschiedlichen Erscheinungstermine erschüttet. Das Selbstbewusstsein der Buddhislauben es, auch auf das soeben erschienene Heft
tinnen steigt jedoch, zumal im Westen, wo sie
die zahlenmäßige Mehrheit bilden.
2/2009 von „Buddhismus aktuell“ noch einen
Blick zu werfen. Dort sehen wir etwas erstaunt
Zu recht wird in den Aufsätzen des Heftes beals Titelbild statt einer kahlköpfigen Nonne eine
tont, dass wir es hier mit den Folgen patrilanghaarige junge Schönheit fernöstlicher Proarchalischer Denkweisen zu tun haben. Der
venienz. Dies schien wohl angemessen angeBuddha Gautama hat zwar seine Mönche stets
sichts des Leitthemas „Die Töchter des
vor den Verlockungen des weiblichen GeBuddha“.
schlechts gewarnt, den Frauen aber ohne EinDie Autorinnen beklagen die nach wie vor fehschränkung die Erlösungsfähigkeit zuerkannt.
lende Gleichberechtigung von Frauen und MänAch ja: Bei der asiatischen Schönheit handelt es
nern und fordern die volle Nonnenordination.
sich übrigens um die Prinzessin Khandro Tseyang
Die Geburt in einem weiblichen Körper wird
Palmo, die der Zeitschrift ein lesenswertes Interweiterhin oft als niedrig angesehen und teilweiview gibt.
se wird von den Mönchen (in Asien) böser Spott
Axel Rodeck
über Nonnen (und Frauen überhaupt) ausge-
Die Menschen in der Welt
arbeiten für diese oder jene Belohnung,
aber die Mönche lehren uns etwas,
das tiefgründiger ist als das.
Was immer sie auch tun,
sie fragen nicht nach Gegenleistung.
Sie arbeiten für keine Belohnung…
…Wenn wir überhaupt nichts begehren,
was bekommen wir dann?
Wir bekommen nichts!
Was immer wir auch bekommen können,
ist eine Quelle des Leidens.
Deshalb üben wir, Nichts zu bekommen.“
Ajahn Chah
majjhima patipada 2 - 2009
25
Das „buddhistische“ Afghanistan
Historische Erinnerungen an eine umstrittene Weltregion
von Friedrich Fenzl
Die dramatischen Ereignisse der letzten Jahre,
die Schreckensherrschaft der islamisch-fundamentalistischen Taliban, die Attentate von New
York und Washington und die anglo-amerikanischen Luftangriffe auf Afghanistan lassen uns
unsere Augen auf eine Weltgegend richten, die
einst uraltes, buddhistisches Kulturland war.
Eine Buddhafigur im Tal von Bamiyan vor der
Zerstörung
Die Region des heutigen Afghanistan, Nordwestpakistan, Tadschikistan und Teile des heutigen Usbekistan wurden einst „Baktrien“ genannt. Sie lag zwischen Herat und Amu-darja,
„Gandhara“ hieß die Gegend zwischen Kabul
(heutige Hauptstadt Afghanistans) und Peshawar (heute Pakistan).
Alexander der Große errichtete während seines
Feldzugs nach Indien (329-325 v.Chr.) hier
26
mehr Städte, Garnisonen und Machtzentren als
irgendwo sonst in den von ihm eroberten Ländern. Er bemühte sich um eine Verständigung
zwischen Griechen und unterworfenen Persern,
die der zoroastrischen Religion anhingen.
Nach seinem frühen Tod (323 v.Chr.) errichteten
einige seiner Generäle und Vasallen griechische
Diadochenreiche (Satrapien) zwischen Oxus
(Amu-darja), Hindukusch und Indus. Dieses
graeco-baktrische Reich bestand nur etwa zwei
Jahrhunderte. Es war eine der großartigsten
Kulturschöpfungen der Menschheit, in der sich
griechisch-hellenistischer Kunstsinn und Ästhetik mit indisch-buddhistischer Philosophie und
Religiosität zu einer einzigartigen Symbiose
verbanden. In den letzten beiden Jahrhunderten
vor der Zeitenwende drang - nicht zuletzt gefördert durch die graeco-indischen Handels- und
Kulturbeziehungen indo-buddhistisches Kulturgut in das Reich von Bhaktrien ein. So fand man
eine in griechischer und aramäischer Sprache
abgefaßte, von Kaiser Ashoka dem Großen
(274-237 v.Chr.) gestiftete Felsplatte in der
Nähe von Kandahar (heute Afghanistan), auf
der die Menschen aufgefordert werden, die Lehre Buddhas zu verbreiten. Berühmt wurde ein
Dialog, den ein griechischer Diadochenfürst namens Menandros (indisch: Milirida), der einer
der bedeutendsten indo-griechischen Herrscher
war, mit dem buddhistischen Mönch Nagasena
geführt hat: Dieser Dialog ist als
MILINDAPANHA in die buddhistische Weltliteratur eingegangen.
(Leseempfehlung:
Milindapanha,
Barth-Verlag, 1998, 397 Seiten)
O.W.
Das zweite historische Ereignis geschah 135
v.Chr., als ein Volk, dass die Chinesen „Yuechi“
und die Inder „Kuschan“ nannten, in Bhaktrien
eindrang, das griechisch-bhaktrische Reich
stürzte und sich in der Landschaft Gandhara
(Kandahar) am Kabulfluß und den Quellflüssen
des Hilmand niederließ. Es waren große, blauäugige, blonde und ritterlich gekleidete Männer,
die sich einer indogermanischen Sprache bedienten. Es dürften Skythen gewesen sein. Sie
majjhima patipada 2 - 2009
selbst nannten sich Tocharer. Ihr König Kanishkar ließ sich in Purushapura, heute Peshawar
(Pakistan) nieder. Die Tacharer konvertierten
zum Buddhismus und übernahmen die Kultur
des graeco-persischen Mischvolks. Mit den Zoroastriern (Anhängern des persischen Philosophen Zarathustra) lebten sie in Frieden und
Freundschaft.
Kuschanreich kam, beschrieb es in begeisterten
Worten. Im Jahre 632 (Todesjahr des Propheten
Mohammed) traf er im Bamiyan-Tal ein. Im Tal
von Bamiyan waren in das weiche Gestein Hunderte von Höhlen, Nischen und Grotten mit
buddhistischen Fresken und Wandmalereien geschaffen worden. Bedeutender aber waren die
beiden aus dem Fels gehauenen Riesenbuddhastatuen (53 und 35 Meter). Die
kleinere hatte eine Verkleidung
aus vergoldetem Metallblech, die
größere, die den künftigen Buddha
Maitreya darstellte, eine auf Stuck
aufgelegte Mönchstoga, die gewiß
farbig erhöht und mit Gold und Juwelen geschmückt war. Es entstanden unzählige Buddha- und Bodhisattvastatuen, in denen sich
griechisch-hellenistische, ästhetische Formen widerspiegelten.
Man nennt diese Kunst „Gandhara
Kunst“, sie ist eine der eindrucksvollsten
Schöpfungen
der
Menschheitskultur. Münzen, die in
jener Zeit geprägt wurden, zeigen
Buddha in Lotussitz und eine Umschrift in indischer Prakrit- und
In einer Staubwolke verschwindet unersetzbares Kulturgut
griechischer (!) Schrift.
Die Katastrophe brach über BaSo entstand hier die einzigartige „Buddhistimiyan und ganz Gandhara herein, als die
sche Antike“ an der „Seidenstraße“, die von
hephtalitischen Hunnen und später die Moslems
China bis in die Levante und an die östliche Mitdiese Gegend verwüsteten. Muslimische Eiferer
telmeerküste führte. Viele Kaufleute aus dem
meißelten den Statuen von Bamiyan die GesichKuschanreich, die die „Seidenstraße“ bereisten,
ter ab. Ihre völlige Zerstörung erfolgte aber erst
waren Buddhisten, die den Buddhismus und
im „aufgeklärten“ 21.Jd. durch die fundamentabuddhistisches Kulturgut nach Zentralasien und
listischen Taliban.
China brachten.
Der große, buddhistische Pilger Hiuen-Tsiang,
der Anfang des 7.Jd. nach Gandhara in das
majjhima patipada 2 - 2009
27
Jade-Buddha in Shanghai / China
28
majjhima patipada 2 - 2009
Treffen der Theravada AG
von Michael Funk
Am 21. und 22. März traf sich die Theravada
AG in der Geschäftsstelle der DBU. Neben zwei
Ordinierten und drei Ratsmitgliedern konnten
12 weitere Mitglieder begrüßt werden.
Zunächst wurde über die Aktivitäten der Theravada-Klöster berichtet: Metta Vihara, Wat Puttabenjapon, Wat Sibounheunang, Anenja Vihara, Buddha Sasana Ramsi, Muttodaya, Bodhi
Vihara. Über geplante Aktivitäten der Klöster
wird wie gehabt in unserem Newsletter berichtet.
Agganyani berichtete über das letzte Vinaya Ordinierten Treffen. Die Ordinierten möchten sich
in einem Verein, der „Deutschen Buddhistischen Ordensgemeinschaft (Vinaya Sangha)“
organisieren, um ihre Interessen wirksam vertreten zu können. Derzeit wird noch die Satzung
überarbeitet.
Das Spendenaufkommen 2008 für Bücher lag in
der Größenordnung des Vorjahrs. Durch die
Druckkosten für das Kinderbuch wurden noch
vorhandene Reserven abgeschmolzen, so dass
erst nach weiterem Spendeneingang neue Bü-
majjhima patipada 2 - 2009
cher gedruckt werden können. Deshalb wird das
fast fertige „Abhidhamma in der täglichen Praxis“ vorerst nur auf der Theravadanetz-Webseite
als Download bereit gestellt. Die „Buddhistischen Zeremonien und Rituale“ sind bereits dort
zu finden.
Die neuesten MP3-CD’s wurden vorgestellt:
Mitschnitte
von
Vorträgen
Bhante
Dhammadipas zu den vier Elementen und zum
Mettasutta. Diese wurden themengenau transkribiert, so dass eine Suche nach Stichworten
möglich ist.
Die Ratsmitglieder berichteten von
der letzten Ratssitzung und den Vorbereitungen zur Großveranstaltung „Dalai Lama Frankfurt 2009“. Aktuell
werden noch Helfer für den Stand der
Theravada AG auf dieser Veranstaltung gesucht.
Rajah Wirasekara gab einen Statusbericht zu den Projekten des Sahana-Vereins. Die Patenschaften über Schulkinder im Tsunami-Gebiet von Sri Lanka
haben sich sehr positiv entwickelt. Zu
Beginn im Juni 2008 sponserten 4 Paten 7 Schulkinder. Aktuell werden von
25 Paten 35 Schulkinder unterstützt. In
dem kleinen Dorf Meeyagala soll die
noch zerstörte Dhammaschule wieder
aufgebaut werden, damit die Kinder eine Stätte
haben, an der sie die Lehre Buddhas hören können.
Weiterhin möchte der Verein zum Wiederaufbau
des durch Brandstiftung abgebrannten Klosters
Tripura in Indien an der Grenze zu Bangladesh
beitragen. Insbesondere für die beiden letztgenannten Projekte werden noch Spenden benötigt.
Das nächste Treffen findet am 12./13.09.2009
im BBH Hannover statt.
29
Jochen Maug: Buddha, Dhamma und
Buddh i s m u s
Eine andere Sicht der Dinge
Buchbesprechung von Axel Rodeck
Beim Studium von Pali-Texten in unserer Gesprächsgruppe stoßen wir oft auf bestürzende
Aussagen, die kaum mit Buddhas Lehre zu vereinbaren sind: Sind beispielsweise, wie in M 54
genüßlich suggeriert wird, die Wandermönche
nichtbuddhistischer Schulen minderwertig und
sollen sie deshalb von den
Hausherren nicht nur minderwertige Speise erhalten, sondern zudem geringschätzig behandelt werden? Wenn dann
nicht eine rettende Anmerkung
von Übersetzer Kurt Schmidt
oder einem anderen Kundigen
den Text als nachträglich kompiliert bezeichnet, kommen wir
schon ins Grübeln. (Bei Kai
Zumwinkel findet sich zu M 54
nur die verniedlichende Erläuterung, der übelwollende Haushälter „erkenne (lediglich) die
Überlegenheit der Lehre des
Buddha gegenüber anderen
Sekten an.“) Zunächst daher
Dank an Jochen Maug für die
Klärung, dass der Palikanon aus verschiedenen
Schichten besteht, die oft auf scholastischem Eifer beruhen und teilweise erheblich von Buddha
Gautamas Lehre abweichen, ja diese geradezu
verfälschen.
die Hintertür wieder in den Buddhismus eingedrungen.
Maug geht aus von dem Wissen des Menschen
um seine Sterblichkeit und dem daraus erfolgenden Bedürfnis einer Absicherung über die
als vergänglich erkannte Existenz hinaus. Zwar
hat die Lehre des Buddha in ihrer ursprünglichen Form einen unvergänglichen Wesenskern,
der zu einem wie auch immer gearteten Weiterleben nach dem Tode führen könnte, entschieden verneint. Doch dann, so Maug, hat die späte
Philosophie des Mahayana die Verbindung zu
elementaren Aussagen des Buddha abreißen lassen. Seelen- und Gottesglaube sind quasi durch
Doch das ist kein Grund für die Theravadins,
sich beruhigt zurückzulehnen. Maug hat
Abweichungen aufs Korn genommen, die den
Buddhismus in seinem Kern treffen. Buddhas
Lehre vom Nichtvorhandensein einer (ewigen)
Seele (anatta) als die Kernlehre des Buddhismus hebt demzufolge zwar das bisherige indische Dogma von Karma und Seelenwanderung,
also individueller Wiedergeburt, auf. Dies aber
widerspricht den mystischen Urbedürfnissen
auch der meisten Theravada-Buddhisten und sie
suchen deshalb nach Auswegen. Weil der
30
Denn die Mahayanaschulen und das Vajrayana
sind auf das Bestehen eines „ES“ ausgerichtet,
welches mit Riten und Kultus beeinflussbar sein
soll. Das Mahayana stellt alle
typischen Elemente von Glaubensreligionen parat mit dem
Bodhisattva als altruistischem
Idealbild eines angehenden
Buddha. Im Vajrayana wurden
die uralten magischen, ja okkultistischen
Methoden
der
Bon-Religion in den eigenen
minutiös ausgefeilten Kultus
adaptiert. Vom Mahayana bis zu
dessen tibetischer Sonderform
Vajrayana ist daher das Bild der
buddhistischen Geisteswelt geprägt von den Attributen, wie
sie auch in jeder Glaubensreligion zu finden sind: Bittformeln, Verehrung von Jenseitswesen und Anerkennung
himmlischer oder höllischer Jenseitswelten. Gerade die bunte tibetische Form hat im Westen
den stärksten Zulauf, weil sie die tiefsitzenden
mystischen Bedürfnisse der religiösen Menschen besser bedient.
majjhima patipada 2 - 2009
Buddha klar und deutlich gesagt hat, dass es
kein transzendentes Ich geben kann, wurde
schon im Frühbuddhismus (beginnend bereits
durch Sariputta!) das „Bewusstsein“ (vinnana)
als Ersatzbegriff für den verlorenen „Atta“ (die
Individualseele) eingeführt. Die Scholastik
propagierte dann das „Wiedergeburtsbewusstsein“, welches die vermittelnde Instanz der
Karmaformationen sein soll.
Maugs Kernthese ist, die Scholastik habe dem
Bewusstsein eine Sonderrolle als transpersonales Element und damit als „Karmamittler“
von Geburt zu Geburt zugewiesen. Ihm sei dadurch als einzigem der Persönlichkeitsmerkmale (khandas) ein den Tod überdauernder Bestand
zugesprochen worden. Das Bewusstsein als Verbindungsglied zwischen den Existenzen zu
setzen bedeute jedoch, Buddhas Lehre (s. hierzu
M 38) im Kern aufzuheben.
Freilich schießt Maug hier (auch nach M 38)
über das Ziel hinaus. Im ursprünglichen (Theravada-) Buddhismus wird dem Bewusstsein keineswegs der Charakter einer in die Wiedergeburt einziehenden Entität gegeben. Gemäß
einem anschaulichen Vergleich des Indologen
H.W. Schumann erinnert es vielmehr an Funkwellen: Die befruchtete Mutter gleicht dem eingeschalteten Empfänger, aber ein Empfang
kommt erst durch die Aktivität eines Senders
auf der selben Frequenz zustande. Sender (d.h.
das Bewußtsein des Sterbenden) und Empfänger
sind durch keinerlei Substanz oder Materie miteinander verbunden.
Maug beklagt die Verfälschung der wahren
Buddhalehre durch die vorbuddhistische
Thematik von Karma(!) und Wiedergeburt. Was
wir erleben und erleiden beruhe auf aktuellen
Lebensumständen, Veranlagung sowie Konditionierung (z.B. durch Erziehung) und dem darin gründenden Tun = „Kamma“(!). Dieses
majjhima patipada 2 - 2009
Kamma sei auf das derzeitige Leben begrenzt
und die Auffassung, alles fließe aus vorgeburtlichem Karma, sei falsch. Entsprechend sei Nibbana die Aufhebung der Verhaltensweisen Gier,
Haß und Verblendung und damit nichts Jenseitiges, sondern ein Aspekt des (derzeitigen) Lebens.
Der Autor – über seine Person erfährt der Leser
nur wenig, etwa dass er Zen praktiziert hat –
widmet sich außer der vorstehend geschilderten
Kritik an einem die Seligkeit ins Jenseits verschiebenden Buddhismus („Buddha-ismus) in
einem weiteren Kapitel ausführlich dem Verhältnis zur Scholastik. Er weist einen Weg von
der Theorie zur Praxis, wobei verschiedene Arten der Meditation besprochen werden. Es
schließt sich (fußend auf dem „Buddhistischen
Wörterbuch“ von Nyanatiloka Mahathera) eine
Hinterfragung wichtiger Pali-Begriffe an. Auch
eine kurze Inhaltsangabe wichtiger Sutra-Texte
soll noch erwähnt werden.
Ein kritisches Buch mit vielen anregenden Gedanken und beruhend auf gründlichem
Textstudium! Es passt in eine Zeit, die sich um
eine unserer westlichen Kultur entsprechenden
Buddhismus-Interpretation bemüht und den
Dhamma entmystifizieren will. Auch im eigentlich recht sachlichen Theravada wird der Glaube
an Geister und Jenseitswelten nicht nur im
Volksbuddhismus stark vertreten. Doch so behutsam, wie der Buddha seinen verwirrten
Zuhörern das Nichtvorhandensein einer Seele
(atta) verdeutlichte, müssen auch wir uns bei
der Mitteilung von Erkenntnissen verhalten, die
liebgewordene Glaubensansichten in Frage
stellen.
Jochen Maug: Buddha, Dhamma und Buddhismus. Edition Octopus 2008. 437 Seiten,
ISBN 978-3-86582-733-3
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Auch das noch
Nachrichten aus den Religionen und ihrem Umfeld
China: Buddhistische Proteste
In einem bescheidenen Zimmer mit Kohleofen in
der Mitte zögert ein Lama lange, ob er trotz Verbots mit dem SPIEGEL reden soll. Schließlich
sagt er: „Es ging bei der Demonstration nicht um
westliche Demokratie, sondern nur um einen besseren Buddhismus. Meine Brüder hatten gute
Gründe für ihre Aktion.“ Jetzt wird sein Kloster
von der Polizei scharf überwacht, die Mönche sollen Patriotismus-Unterricht erhalten und sich vom
Dalai Lama, dem „Verräter“, distanzieren. „Er
bleibt aber unser geistiges Oberhaupt“, sagt der
Lama trotzig .
DER SPIEGEL vom 9. 3. 2009
Gottes Platz im Kopf
Wo im Gehirn sitzt Gott? Nicht an einem Punkt,
sondern an mehreren Stellen entfalten sich religiöse Gefühle, wie Mediziner vom US National Institute of Neurological Disorders and Stroke herausgefunden haben. Die Hirnforscher ließen
Probanden verschiedener Religionen im Kernspintomografen über religiöse Probleme sinnieren. Dabei zeigte sich erhöhte Aktivität in Hirnarealen, die gemeinhin genutzt werden, um sich in
andere hineinzuversetzen. Die Vorstellung von
Gottes Zorn etwa schlug sich im linken Schläfenlappen nieder, jene von Gottes Liebe im rechten
Stirnlappen. „Es gibt keinen bestimmten Platz für
Gott im Gehirn“. Religiöse Gefühle werden demnach in gängigen Hirnarealen verarbeitet und genau wie andere Informationen herangezogen, um
Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen.
Das Gehirn sei zwanghaft darin, für alles eine Erklärung zu suchen. Wenn sich etwas nicht rational
erklären lasse, tendierten religiöse Menschen
dazu, „auf Übernatürliches zu vertrauen“. Über
die Existenz von Gott sage die Studie indes nichts
aus: „Er kommt in unseren Daten nicht vor.“
DER SPIEGEL vom 16.03.2009
Zulassung der Scharia in Pakistan
Mit der seit Jahren zugesagten Wiedereinführung
des islamischen Rechts will die pakistanische Regierung die konservativen, aber moderaten Stammesführer für sich gewinnen und den Extremisten
der Taliban und Al-Qaida-Kämpfern den Wind
aus den Segeln nehmen. Diese haben in den ver-
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gangenen Jahren an Einfluss gewonnen und 2007
einen Aufstand gegen die pakistanische Regierung begonnen. Im benachbarten Afghanistan
kämpfen die Taliban gegen die Regierung und die
Truppen der USA und der Nato. Die Vereinbarung
gilt für den Bezirk Malakand, in dem auch das
Swat-Tal liegt. „Das Recht wird künftig gemäß
der Scharia gesprochen“, sagte der Informationsminister der Region, Iftikhar Hussain. „Alle Gesetze, die gegen die Scharia verstoßen, werden abgeschafft.“
HAZ 18.02.2008
„Keine Messe nur für Christen“
Als „abwegig“ hat der EKD-Ratsvorsitzende
Wolfgang Huber Vorschläge aus der Politik bezeichnet, Gottesdienste an Heiligabend nur Mitgliedern der Kirche anzubieten. „Die Vorstellung,
dass gerade an Heiligabend nur Gemeindemitglieder einen Platz in der Kirche bekommen sollten
und die anderen ausgeschlossen werden, ist abwegig. Gerade an Weihnachten treffen wir auf die gesamte Spannbreiteder Gesellschaft, da gilt allen
die Einladung“, sagte Huber der Hannoverschen
Allgemeinen Zeitung. Weder die Hirten noch die
anderen Menschen, die an Jesu Krippe geeilt sind,
seien eingeschriebene Kirchenmitglieder gewesen, merkte der Berliner Bischof an.
HAZ 23.12.2008
Kein Geturtel
Für rosa Plüschbären und herzförmige Luftballons
haben Indiens radikale Hindus keinen Sinn. Und
noch viel weniger für turtelnde Liebespärchen. Ihnen drohte die fundamentalistische Sri-RamSena-Partei jetzt, sie am Valentinstag (14. Februar] in
Parks und auf Uni-Gelände aufzuspüren und zu
verprügeln. „Der Valentinstag ist unmoralisch und
zerstört die indische Kultur“, so Parteichef Pramod Mutalik. Die radikale Hindu Sena kündigte
an, Fotos von Liebenden zu machen und sie an öffentlichen Plätzen auszuhängen, „damit sich ihre
Familien schämen“.
Focus 9. 2. 2009
Die Redaktion dankt der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” für die freundliche Erlaubnis zur
Übernahme der Pressemitteilungen.
majjhima patipada 2 - 2009
Einladung
zur Mitgliederversammlung des
Buddhistischen Bundes Hannover e.V.
am Samstag, 13. Juni 2009/ 2553, um 14.00 Uhr
im Buddhistischen Zentrum, Drostestr. 8, 30161 Hannover
Nach §§ 3 und 4 der Satzung des Buddhistischen Bundes Hannover e.V. ist der Vorstand des Vereins alle zwei
Jahre auf einer Mitglieder versammlung zu wählen. Dem Vereinsvorsitzenden obliegt es, die Mitglieder versammlung mit einer Frist von mindestens 14 Tagen vor dem Versammlungstermin schriftlich einzuladen.
In meiner Eigenschaft als Vereinsvorsitzender lade ich daher hiermit alle Vereinsmitglieder zur Mitglieder versammlung am
Samstag, dem 13. Juni 2009 um 14.00 Uhr
in das Vereinszentrum in der Drostestraße 8 in Hannover herzlich ein. Auch interessier te Nichtmitglieder sind
als Gäste willkommen!
Die Tagesordnung sieht, vorbehaltlich weiterer Meldungen, folgende Punkte vor:
TOP 1: Eröffnung, Beschlussfähigkeit, Protokollführung
TOP 2: Bericht über den abgelaufenen Geschäftszeitraum
TOP 3: Kassenbericht und Kassenprüfungsbericht
TOP 4: Entlastung des Vorstands
TOP 5: Neuwahl des Vorstands
TOP 6: Neuwahl des Kassenprüfers
TOP 7: Antrag auf Satzungsänderung:
Als Zweck des Vereins unter § 1, Absatz 3, die Hinzufügung: Der Verein sieht seine Aufgabe auch in der Unterstützung humanitärer Projekte, insbesondere in den armen Ländern, z.B. Hilfen bei Hunger, Krankheit,
fehlender Schulbildung, Kathastrophenhilfe.
TOP 8: Programmplanung
TOP 9: Verschiedenes
Wichtig für jede Gemeinschaft, natürlich auch einen Verein wie den Buddhistischen Bund, ist die rege Beteiligung der
Mitglieder am Vereinsleben. Gerade für die Mitglieder versammlung, auf der doch die Grundsteine für die Arbeit der
kommenden Jahre gelegt werden, wünschen wir uns wie auch beim letzten Mal schon, vielfältige Ideen und Beiträge.
Bei Wahlen und Entscheidugen abstimmen können nur Mitglieder.
Bei Verhinderung können einzelnen Mitgliedern (auch aus dem Vorstand) Ver tretungsvollmachten über sandt
werden. Ein entsprechendes Formular liegt bei.
Gez. Axel Rodeck
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Sri Lanka – Die Perle des Indischen Ozeans
PowerPoint-Vortrag mit Rajah Wirasekara
am Sa., 27. Juni - 16:00 – ca. 18:30Uhr
Die portugiesischen Kolonialherren nannten die Insel „die Perle des Indischen Ozeans“. Auch die Holländer und die Briten
hinterließen ihre Fußabdrücke und so dauerte die Kolonialherrschaft über 400 Jahre.
Seit dem sind einige Jahrzehnte vergangen,
und vieles ist in der Zwischenzeit geschehen…
Als buddhistisches Land und als Ferienreiseziel ist Sri Lanka hier zu Lande wohl geläufig. In den Medien gibt es ab und zu
Schlagzeilen über die dortige seit über dreißig Jahren andauernden ethnischen Unruhen. Ins Rampenlicht ist Sri Lanka auch
durch den Tsunami gerückt, als die Bilder
der katastrophalen Zerstörung des Küstengürtels der Insel auf Bildschirm um die
Welt gingen.
Der Referent macht einen Streifzug durch die Geschichte und berichtet über Land und Leute.
In der Pause werden ein kleiner Imbiss und Getränke gereicht.
Buddhistische Meditation
Theorie, Einführung und Praxis
mit dem Ehrw. Bhante Dhammananda
am Fr., 21.08.09 um 19:30-21:00 Uhr (Vortrag)
und Sa., 22.08.09 um 10:00-15:00 Uhr (Seminar)
Beitrag: Spende (Dana) - zum Mittagessen bitte etwas mitbringen
In der heutigen Zeit sind Stress, innere Unruhe und mangelnde Konzentration Symptome, die unser Leben oftmals begleiten. Nicht nur wir leiden dann darunter, auch unser soziales Umfeld leidet mit. Die Leistungen im Beruf bzw. in der Ausbildung können davon betroffen werden.
Psychosomatische Krankheiten können die Folge sein. Wie können wir
dann Ausgeglichenheit, Gleichmut, innere Ruhe und Konzentration finden? - Indem wir unseren Geist in die positive Richtung durch Meditation konditionieren.
Wir meditieren nach folgenden Methoden:
Atembetrachtung
(Anapanasati)
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Einsichtsmeditation
(Vipassana)
Liebende Güte
(Metta)
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18.07.
15.00 Uhr
Samstag
Video und Gespräche
Tibetisch-Buddhistischer Gesprächskreis im Buddhistischen Bund Hannover,
25.07.
Sa 16 Uhr
Teenachmittag (wie am 30.05.)
06.08.
8 - 18 Uhr
Montag
Hiroshima-Gedenktag - Gedenkfeier, Stille, Gebete und Meditationen unter Beteiligung verschiedener
08.08.
15.00 Uhr
Samstag
Video und Gespräche
Tibetisch-Buddhistischer Gesprächskreis im Buddhistischen Bund Hannover,
Dialog unter der Leitung von Bernd Weber (Karma Gelek Samten)
Video: “Der Dalai Lama - mein Leben” - Gespräch: Lehrer-Schüler im Buddhismus
Weltreligionen anläßlich des 64. Jahrestages der Atombombenabwür fe in Japan.
Ort: In der Ruine der St. Aegidienkirche (Nähe Aegidientorplatz)
Dialog unter der Leitung von Bernd Weber (Karma Gelek Samten)
Video: “Dalai Lama Unter weisungen” - Gespräch: Der 8-fache Pfad, Teile 3-5
09.08.
Puja (Buddhistische Andacht)
So 9.30 Uhr Eine zeremonielle Ver tiefung buddhistischer Lehrinhalte unter Leitung von Bernd Rink
21.-22.08. Buddhistische Meditation - Theorie, Einführung und Praxis
Fr 19.30 - Wochenendseminar mit dem Ehrw. Bhante Dhammananda
Sa 10-15 Uhr Weitere Information hier zu siehe Seite 34
28.8-30.8. Wo kommen Glück und Unglück her? - Wie muß der Geist beschaffen sein, um Glück zu erfahren?
Fr - So
Wochenendseminar mit Birgit Schweiberer
Das Thema des Wochenendes sind die 51 Geistesfaktoren nach dem höheren Abhidharma, die in der
Komposition von Glück und Unglück, Freiheit und Unfreiheit entscheidend wirken. Da das Thema eher
psychologischer als religiöser Natur ist, eignet es sich durchaus auch für interessier te Zuhörer, die keine
Buddhisten sind (und auch keine werden wollen!)
Veranstalter: Buddh. Gemeinschaft Chöling e.V. - Ort: Vietn. Buddh. Kloster Vien Giac,
Karlsruher Str. 6, 30519 Hannover - Informationen: Tel. 0511/8790210
Organisation: Jochen Dienemann (Tel: 0511-57 45 51), www.choeling.de
29.08.
Sa 16 Uhr
Teenachmittag (wie am 30.05.)
Soweit nicht anders angegeben finden alle Veranstaltungen im Buddhistischen Zentrum, Drostestr. 8,
statt. Zur Kostendeckung wird um einen Spendenbeitrag gebeten. Gäste sind stets willkommen.
Außerdem wird dort auf andere Veranstaltungen hingewiesen, die unser Interesse verdienen.
Haf tungsausschluß: Der Verein übernimmt keine Haf tung für eventuell auf tretende psychische und/oder physische
Schädigungen, die bei der Teilnahme an den Veranstaltungen auf treten könnten.
Das Zentrum ist in der Regel nur während der Veranstaltungen besetzt.
Außerdem: Sprechzeit jeden Freitag von 17 - 18.30 Uhr !
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Weitere regelmäßige Veranstaltungstermine: (Drostestr. 8)
Gesprächskreis Buddha-Lehre
jeden Dienstag ab 19.15 h - ca. 22.00 Uhr
Of fener Kreis, auch für Interessier te ohne Vorkenntnisse
Meditation (19.25 - 20.00 Uhr), anschließend, ab 20.00 Uhr: Lesung buddhistischer Texte; Gespräche
und Diskussion zur buddhistischen Praxis; Buddhismus in der Gegenwart; Einführung in die Meditation
nach vorheriger Absprache. Abschließend: Satipatthana-Meditation (Anapanasati – Atembetrachtung)
Zen Dôjô Shôbôgendô
Spirituelle Leitung: Zen-Meisterin Dagmar Dôkô Waskönig
Zazen Montag: 20.00 Uhr
Mittwoch: 20.00 Uhr – Jeden 1. Mittwoch im Monat, 19.00 Uhr: Einführung für Neue
Freitag: 19.00 Uhr (unregelmäßig nach Absprache)
Meditation und Lehre
mit Zen-Meisterin Dagmar Dôkô Waskönig
Jeden Montag, 10.00 Uhr
Bitte beim 1. Mal 20 min eher, sonst 10 min eher kommen.
Dieser Termin ist für alle geeignet, die morgens Zeit haben, z.B. Mütter und Rentner.
Vipassana Meditation
regelmäßiger Meditationstermin, zur Zeit jeden Donnerstag 18.00 bis ca. 20.00 Uhr.
Sitzen in Stille, Atembetrachtung, Gehmeditation, Er fahrungsaustausch.
Anfänger/innen sind willkommen, eine Einführung ist möglich.
In diesem Fall bitte vorher anmelden unter (0511) 348 07 76 (Franz Friczewski).
Meditation und Yoga
jeden Donnerstag 18.45 - ca. 21.15 Uhr.
Hatha-Yoga; Asanas, Atmung, entspannte Sammlung, Stille und Haltung des Yoga, Bhajans, Mantra-Japa
als Vorbereitung für die Meditation.Bitte entsprechende Kleidung und Übungsdecke mitbringen.
(Einführung jeden 1. Do. des Monats nach Absprache - Tel. 131 62 24, Uwe Kickstein)
Tibetisch - Buddhistischer Gesprächskreis
jeden letzten Montag im Monat um 15.00 Uhr mit Bernd Weber
Puja
Buddhistische Andacht jeweils sonntags zwischen 6. und 12. jeden Monats, 9.30 Uhr.
Eine zeremonielle Ver tiefung buddhistischer Lehrinhalte unter Leitung von Bernd Rink,
of fene Veranstaltung, ohne Vorkenntnisse - Tel.-Info: 05130/4569
Tee-Nachmittage mit Bücherausleihe und -rückgabe
jeden letzten Samstag im Monat, 16.00 Uhr - Zusätzliche Tref fen nach Vereinbarung (bitte anfragen).
AnsprechpartnerInnen:
Axel Rodeck
Uwe Kickstein
Dagmar Dôkô Waskönig (Zen-Buddhismus)
Bernd Weber (Tibetisch-Buddhistische Tradition)
Michael Schmidt
Bernd Rink
Dieter Stöhr
Rother Baumert
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Tel. 0511/67 37 48
Tel. 0511/131 62 24
Tel. 0511/86 48 71 / Email [email protected]
Tel. 0511/47 14 09 / Email [email protected]
Tel. 05722/8 17 25 / Email [email protected]
Tel. 05130/45 69 / Email [email protected]
Tel. 05532/1692 / Email [email protected]
Tel. 0511/40 66 88 / Email [email protected]
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