PM Ruling Class - English Theatre

Werbung
Pressemitteilung
Brits at their best: The Ruling Class von Peter Barnes
Das English Theatre Frankfurt eröffnet die Spielzeit 2013/14 mit einem Klassiker der
60er Jahre: „The Ruling Class“ von Peter Barnes, ein Stück in dem laut Regisseur
Ryan McBryde „Monthy Python auf Oscar Wilde trifft“. Es ist eine schwarze
Komödie, die mit scharfzüngigem Wortwitz die britische Aristokratie aufs Korn
nimmt und dabei ein tragisch komisches Bild der „Upper-Class“ zeichnet.
Kurzinhalt
Der 13. Graf von Gurney, die Inkarnation eines konservativen britischen
Aristokraten, hat sich beim Liebesspiel aus Versehen selbst erhängt. Zur
Beunruhigung der Grafenfamilie geht nun der Titel auf seinen Sohn Jack über, der
seit mehreren Jahren in psychiatrischer Behandlung ist. Denn Jack hält sich für die
Reinkarnation Gottes, genauer für den „God of Love“. Der konservativen Familie
gefällt sein freier Umgang mit Sexualität, Nächstenliebe und Religion gar nicht. Sie
halten Jack für einen Sozialisten und schmieden einen Plan, um ihn zu stürzen.
Während ein deutscher Doktor versucht den 14. Graf von Gurney zu heilen, will sein
Onkel Charles ihn mit seiner Geliebten vermählen. Jack soll einen würdigen
Nachfolger zeugen bevor man sich ihm „entledigen“ möchte. Als Sir Charles Jack
für verrückt erklären lassen will, ist der 14. Graf von Gurney plötzlich „geheilt“.
Doch er ist nicht wie erwartet...
Der bitterböse Sarkasmus ist das Herz des Stückes, welches nach über 50 Jahren
noch immer eine aktuelle Thematik behandelt. „The Ruling Class“ – Die oberen
10.000, wenn man so will, ist eine Gesellschaftskritik am konservativen Adel
Englands, im Speziellen dem „House of Lords“. Der wilde Mix aus Humor und
Horror, gespickt mit religiöser und sexueller Satire, wird bis ins Detail in McBrydes
Inszenierung sichtbar.
Hintergrund:
Mit seiner Komödie „The Ruling Class“ gelang Peter Barnes (1931-2004) der
Durchbruch als Theaterautor. Das Stück feierte seine Uraufführung am 6.
November 1968 in Nottingham, ab Februar 1969 wurde „The Ruling Class“ dann
auch in London gezeigt. Trotz der gespaltenen Kritik war es ein voller Erfolg. Der
Kritiker Harold Hobson beschreibt das Stück sogar als „Wendepunkt im Theater“. In
20 Jahren Theatererfahrung hätten ihn nur vier Stücke restlos begeistert – „The
Ruling Class“ sei eines davon gewesen.
Peter Barnes gewann für „The Ruling Class“ zwei Preise: den John Whiting
Playwrights Award und den Evening Standard Annual Drama Award.
Ab 1971 wurde die schwarze Komödie auch in New York gezeigt.
1972 verfilmte der Regisseur Peter Medak mit Peter O´Toole in der Hauptrolle das
Stück. O´Toole wurde sogleich in der Kategorie „bester Schauspieler“ für den Oscar
nominiert. Peter Barnes schrieb selbst das Drehbuch zum Film.
Die „Ruling Class
Die „Ruling Class“: Das ist eine kleine Minderheit am obersten Rand der
Gesellschaft. Der Adel ist eine „sozial exklusive Gruppe mit gesellschaftlichem
Vorrang“, die in der Regel innerfamiliär tradiert ist. Der Herrschaftsanspruch im
House of Lords gründet sich unter anderem auf Abstammung sowie eine
unterstellte göttliche Absicht.
Jack, der 14. Graf von Gurney, ist Teil dieser Elite. Zu Beginn des Stücks glaubt er,
Gott zu sein. Durch diese Annahme parodiert das Stück die Macht der gesamten
„Ruling Class“, die sich gerne selbst als „göttlich“ sieht.
Da ein Herrscher, der Nächstenliebe praktiziert und an das Gute im Menschen
glaubt, aber für die machthungrigen und habgierigen Verwandten unangemessen
für einen Machtposten scheint, wird Jack bei einer speziellen Psychotherapie
„umerzogen“.
Nun glaubt er, „Jack the Ripper“ zu sein und seine neuen brutalen Ansichten stoßen
bei der „Ruling Class“ auf Begeisterung.
Diese beiden Varianten, einerseits die Annahme „Jesus“ zu sein und andererseits
„Jack the Ripper“, spiegeln zwei mögliche Einstellungen der Regierung wider. Den
„Humanismus“ und die „Schreckensherrschaft“.
In seinem Stück nimmt Peter Barnes symbolisch die Macht der „Ruling Class“ unter
die Lupe. Kritisch, aber mit viel Humor.
Sprache/Theaterstil
Peter Barnes’ Sprachstil ist in jedem seiner Theaterstücke anders und jedem
individuellen Charakter angepasst. Er selbst bezeichnet seine Sprache als „eine
Sprache für Schauspieler“. Regisseur Ryan McBryde ist derselben Meinung und
vergleicht Barnes’ Stil mit Oscar Wildes Sprachraffinesse. Die stilisierte Sprache
beider Autoren enthält neben eigenen Wortschöpfungen viel modernen Witz.
Peter Barnes bedient sich häufig realer Ereignisse und verarbeitet diese in seinen
Stücken. Zum Beispiel war das Vorbild für die Debatte über die Wiedereinführung
der Prügelstrafe eine 1960 im House of Lords geführte Diskussion über das „capital
punishment“.
Ein weiteres Beispiel für seinen eklektischen Stil ist ein realer psychologischer Test,
bei dem drei Männer, die sich für Jesus hielten, miteinander konfrontiert wurden.
Dies nutzte Barnes als Idee für Jacks Konfrontation in der Psychotherapie mit dem
„anderen Jesus“. Der 1959 durchgeführte Test fand allerdings einen anderen
Ausgang als im Theaterstück. Das Jesus-Trio arrangierte sich mit der Situation
(jeder glaubte vom anderen er sei verrückt), anstatt dass sich - wie im Stück - ein
„Jesus“ als Alleiniger durchsetzte.
Doch Barnes bedient sich nicht nur realer Vorfälle. Auch klassische Literatur,
Musicals und Filme werden in seinen Stücken aufgegriffen. Er stellte beispielsweise
einen eigenen Soundtrack für „The Ruling Class“ aus damals aktuellen Songs
zusammen. Regisseur Ryan McBryde versetzt das Stück nun ins Jahr 2013 und
bedient sich zeitgenössisch populärer Musik.
Im Allgemeinen sind Barnes’ Theaterstücke anachronistisch angelegt. Mit
Ausnahme von zwei Stücken. „The Ruling Class“ spielt ursprünglich in der
Gegenwart, also 1968. Die Themen des Stückes seien laut Barnes aber zeitlos.
Klassenunterschiede habe es schon immer gegeben und auch Gewalt sei immer ein
Thema. McBryde findet das Stück ebenfalls äußerst universell, da es um reiche,
habgierige Menschen gehe, die es in jeder Gesellschaft und auch in der Gegenwart
gäbe. Deswegen lässt er „The Ruling Class“ auch im „Heute“ spielen.
Es war vor Allem das Gesamtkonzept aus Schauspiel, Musik und Gesellschaftskritik,
das McBryde so fasziniert hat. Deshalb war es seit Jahren sein Traum, dieses Stück
an einem Theater inszenieren zu dürfen.
Das Besondere an Barnes’ Theaterstil ist über all dies hinaus, dass es sich immer
um Stücke handelt, die das Theater als solches reflektieren. So lässt Barnes
beispielsweise seinen Hauptdarsteller an einer Stelle sagen: „Dann verlassen Sie
bitte die Bühne.“ Barnes’ Stil wird deshalb oft mit Bertolt Brechts
Theaterverständnis verglichen. Dessen Idee vom Theater beruht ebenfalls auf einer
Distanziertheit des Publikums und sogar der Schauspieler selbst gegenüber den
Rollen. Dies wird bei beiden Autoren, Barnes und Brecht, durch schnelle
Stimmungswechsel und starke Kontraste erzeugt. Ein Mitfühlen mit den
Charakteren fällt so schwer und der Fokus richtet sich vornehmlich auf die
Gesellschaftskritik. Diese starken Kontraste stellen des Weiteren die gespaltene
Welt dar, die Barnes, ebenso wie Brecht, durch Parteikritik und Satire zu verändern
versucht. „Klassenunterschiede wird man nur los, indem man sie angreift“, so
Barnes Meinung.
Das Besondere an Peter Barnes Theaterstil ist, dass all der Klamauk nicht bloßer
Zufall ist, sondern komplett durchdacht und mit Sinn ausgewählt ist. Der Autor
Bernard F. Dukore bezeichnet dies als Kunst.
Peter Barnes: „I cared about the abuses and vices I was attacking. So much so that I
was full of hate for them ... I was taking the ruling classes as a symbol of what I was
really attacking, which was something deeper than just blood sports."
Schauspieler:
Richard Ede (Jack „The 14th Earl of Gurney“, Lord):
Richard hat gerade die nationale UK Tour von „The Thirty-Nine Steps“ beendet, in
der er die Hauptrolle „Richard Hannay“ verkörperte. Zu seinen weiteren
Theatererfahrungen zählen unter anderem die Rollen „Cassio“ in „Othello“ und
„Tybalt“ in „Romeo und Julia“ (beides für die Welttournee von TNT/ADG) sowie
„Hook“ in Peter Pan, welches in Dubai und Thailand aufgeführt wurde. Auch im
Fernsehen war er in „Modern Manners“ auf BBC zu sehen.
Moray Treadwell (Tucker, First Lord):
Der international tätige Moray Treadwell hat bereits zwei Tourneen in Italien
absolviert, spielte in Wiens English Theatre und trat am Nationaltheater von
Mazedonien in Skopje auf. Letztes Jahr kehrte Moray nach mehr als einem Jahr
Arbeit mit dem Cirque du Soleil - bei dem er an „The Beatles Love Show“ in Las
Vegas teilnahm - zurück. Aber auch im Vereinigten Königreich stand Moray bereits
auf der Bühne. Fernsehen und Film zählen ebenfalls zu seinem Repertoire. In
„Downton Abbey“ und „Pirates of the Caribbean 2“ war er jeweils in einer
Nebenrolle zu sehen.
The Ruling Class
Eine schwarze Komödie von Peter Barnes
Premiere: Freitag, 06. September 2013, um 19:30 Uhr
Regie: Ryan McBryde
Bühnenbild/Kostüm: Georgia Lowe
Lichtdesign: Katharine Williams
Videodesign: Christian Muth
Schauspieler: Rachel Barrington (Grace), David Bowen (div.), Max Dowler
(Dinsdale), Richard Ede (Jack „The 14th Earl of Gurney“), Jeremy Gittins ( Sir
Charles), Andrew Piper (div.), Georgia Slowe (Lady Claire), Moray Treadwell (Tucker)
Spielzeit: 06. September 2013 – 19. Oktober 2013
Vorstellungen: Dienstag bis Samstag um 19.30 Uhr, Sonntag um 18.00 Uhr
Preise/Vollzahler: zwischen 25 und 37 Euro
Ermäßigung: zwischen 15 und 18 Euro
Kartenvorverkauf: Gallusanlage 7
Öffnungszeiten des Ticketschalters:
Montag: 12.00 bis 18.00 Uhr
Dienstag bis Freitag: 11.00 Uhr bis 18.30Uhr
Samstag: 15.00 bis 18.30 Uhr
Sonntag: 15.00 bis 17.00 Uhr
Tel.: 069 / 242 316 20
Fax: 069 / 242 316 45
E-Mail: [email protected]
Im Internet unter: www.english-theatre.de
Herunterladen