Bei Durchfall Antibiotika sparsam einsetzen

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Neue DGVS Leitlinie zu Magen-Darm-Infekten
Bei Durchfall Antibiotika sparsam einsetzen
Berlin, Juni 2015 – Auslöser plötzlicher Durchfallerkrankungen sind oft Bakterien. Dennoch ist ein
Einsatz von Antibiotika gründlich abzuwägen, mahnt die Deutsche Gesellschaft für
Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Wie eine neue Leitlinie der
DGVS hervorhebt, sollten Antibiotika nur in bestimmten Fällen, etwa bei Infektionen mit Shigellen
oder auch Salmonellen, zum Einsatz kommen. Die Experten betonen, dass Antibiotika häufig auch
Ursache schwerer Durchfallerkrankungen sind: In den letzten Jahren verzeichnen vor allem
Krankenhäuser einen starken Anstieg von teils schweren, manchmal lebensbedrohlichen
Clostridium difficile-Infektionen. Besonders ältere Patienten seien hierdurch gefährdet, so die
Experten der Fachgesellschaft.
In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 65 Millionen akuter Magen-Darm-Erkrankungen bei
Erwachsenen. Dies ergab eine Umfrage des Robert-Koch-Instituts. Nur ein Drittel der Erkrankten
sucht deshalb einen Arzt auf. Doch auch bei diesen sollten sich Mediziner mit der Verschreibung von
Antibiotika zurückhalten, empfiehlt die neue Leitlinie „Gastrointestinale Infektionen und Morbus
Whipple“ der DGVS: „Selbst bei Kenntnis des Erregers ist eine Antibiotikabehandlung häufig nicht
sinnvoll, da sie die Dauer der Erkrankung kaum verkürzt“, erläutert Professor Dr. med. Andreas
Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena und einer der
beiden Leitlinienkoordinatoren der DGVS. Durchschnittlich dauere eine Durchfallerkrankung drei bis
vier Tage und verschwände dann von selbst.
Sowohl bei Infektionen mit Bakterien wie Campylobacter, als auch bei Erkrankungen durch Yersinien
und Escherichia coli empfehlen die Autoren der Leitlinie, in der Regel auf Antibiotika zu verzichten.
Selbst bei EHEC-Bakterien, die 2011 in Norddeutschland eine Epidemie ausgelöst hatten, ist laut der
Experten nicht sicher, dass Antibiotika den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen, betont Professor
Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinische Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikum HamburgEppendorf, der gemeinsam mit Stallmach die Leitlinie koordiniert hat. Bei Shigellen, die häufig
schwere Erkrankungen auslösen, sollten die Ärzte hingegen Antibiotika verschreiben. Professor
Lohse: „Allerdings sind Shigellen oft gegen Antibiotika resistent, sodass eine Resistenztestung
erfolgen sollte.“ Auch bei Salmonellen und in Ausnahmefällen bei Reisedurchfällen könne eine
Antibiose sinnvoll sein, erklärt Lohse, insbesondere bei einer „Bakteriämie“, also dem Vorhandensein
von Bakterien im Blut. Durchfallerkrankungen seien keineswegs immer harmlos, betont Lohse.
Gerade ältere oder immungeschwächte Patienten könne eine Gastroenteritis stark schwächen.
Manchmal verlaufe ein Infekt sogar tödlich, so der Experte. Patienten mit blutigen Durchfällen,
einem schweren Krankheitsbild, Fieber über 38,5 Grad Celsius oder starkem Flüssigkeitsmangel
sollten sich immer bei einem Arzt vorstellen.
Auch für die Betreuung im Krankenhaus gibt die Leitlinie klare Empfehlungen: Eine rationale
Diagnostik und begründete Therapie ist demnach genauso wichtig wie das Einhalten der
Hygienevorschriften. „Den damit verbundenen Bedarf an Personal und räumlichen Voraussetzungen
wie zum Beispiel Isolationseinheiten gibt es leider nicht umsonst“, sagt Andreas Stallmach. Gerade in
der Klinik verschärfe wiederum der häufige Einsatz von Antibiotika die Problematik: Zerstören diese
die gesunde „Darmflora“ kann sich der Erreger Clostridium difficile ausbreiten und schwere
Durchfallsymptome hervorrufen. „Wichtig ist, dass Antibiotika in allen Fächern der Medizin – sowohl
im ambulanten als auch im stationären Bereich – stets mit Bedacht eingesetzt werden“, so Stallmach.
Bei weniger gravierenden Magen-Darm-Infekten helfen normalerweise einfache Mittel um die
Symptome zu lindern: So kann der Arzt den Patienten Medikamente mit dem Wirkstoff Loperamid
verschreiben, die den Darm beruhigen. Zum Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts empfiehlt die Leitlinie
eine Salz- und Glukosetrinklösung, die in Apotheken erhältlich ist. Fruchtsäfte, Leitungswasser oder
Cola seien dagegen ungeeignete Hausmittel, so die Experten.
Die Leitlinie gibt erstmals auch Empfehlungen für den Morbus Whipple, einer seltenen
Darminfektion, die mit Gelenkbeschwerden und einer langfristigen Gewichtsabnahme einhergeht.
Interessierte können das Dokument auf der Internetseite www.dgvs.de kostenfrei herunterladen.
Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet.
Heute vereint sie mehr als 5.000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem
Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet
Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein
besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die
Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.
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