Beschreibung der Expertengespräche von Tina Wittmeier

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Beschreibung der Expertengespräche von Tina Wittmeier
ExpertInneninterviews – Tina Wittmeier
Um mehr über das Selbstverständnis der PädagogInnen sowie über den
Wissenstransfer innerhalb der Einrichtungen zu erfahren, wurden mit den
Einrichtungen,
die
innerhalb
der
Projektlaufzeit
Praktika
durchführten,
ExpertInneninterviews durchgeführt, Insgesamt sind drei Interviews mit vier
Personen dokumentiert.
1. Zusammenfassung der Antworten
S. 1
2. Interview mit Steffi Rohling, Geschäftsführung VHS-Verband Rheinland-Pfalz
S. 6
3. Interview mit Katja Rickert, HPF Abt. Allgemeinbildung, Arbeit & Leben
S. 13
4. Interview mit Michael Grunewald & Rudi Imhof
S. 19
1. Zusammenfassung der Antworten auf die Fragenkomplexe
Berufsbeschreibung und Werdegang
Alle Interviewten beschreiben ihre Arbeit als die eines Erwachsenenbildners. Die
Berufe der interviewten Personen sind dennoch recht unterschiedlich. So gab es
Interviews
mit
Jugendbildungsreferenten,
einer
Abteilungsleiterin,
einer
Verbandsdirektorin und einer Bildungsreferentin. Auch werden in der pädagogischen
Arbeit verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Dennoch gibt es immer ein verbindendes
Element: es geht um die Ermöglichung von Bildungsprozessen.
Weitere Arbeitsschwerpunkte lagen in der Planung, Organisation, Durchführung und
Evaluation von Bildungsveranstaltungen, die sich vornehmlich an Erwachsene
richten. Dabei gibt es keine klare Grenze, ab welchem Alter Personen teilnehmen
können: auch Jugendliche gehören bei allen Einrichtungen zur Zielgruppe. Je nach
Stelle unterscheidet sich die Gewichtung der einzelnen Aufgaben. So lag der Fokus
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bei einer Stelle mehr im inhaltlichen, finanziellen, rechtlichen Bereich und in der
Beratung von Partnereinrichtungen.
Ebenso unterschiedlich wie die Beschreibungen der einzelnen Arbeitsfelder sind
auch die Werdegänge der interviewten Personen. Dabei reicht die Bandbreite von
der Ausbildung nach dem Hauptschulabschluss mit späterem Abitur auf dem zweiten
Bildungsweg und anschließendem Studium bis zu recht geradlinigen Berufswegen.
Auffallend ist jedoch, dass keine der interviewten Personen lediglich eine
Qualifikation aufweist. Vielmehr haben alle mehrere Ausbildungsschwerpunkte,
mehrere Zusatzqualifikationen oder Studienabschlüsse. Von diesen meist recht
unterschiedlichen beruflichen Herkünften profitieren die meisten auch heute noch in
ihrer pädagogischen Arbeit.
Die Besetzung ihrer heutigen Stelle sehen die Interviewten als eine Mischung aus
Planung und Zufall. So haben sich manche schon recht früh für den Beruf des
Erwachsenenpädagogen
entschieden,
sind
aber
eher
per
Zufall
zu
ihrer
Spezialisierung gekommen. Oder sie waren in völlig anderen Bereichen tätig, bevor
sie sich dann ihren heutigen Berufsweg eingeschlagen haben.
Voraussetzungen für die Arbeit in der jeweiligen Institution
Je nach Institution variiert die Gewichtung des Fachwissens, das neue Mitarbeitende
mitbringen müssen. Dabei reicht die Bandbreite von „Fachwissen ist von Vorteil“ bis
hin zu „Fachwissen bzw. fachliche Verbundenheit ist ein absolutes Muss“. Bei allen
Beteiligten wurde dies ergänzt durch fachübergreifende Kompetenzen, wie die
Bereitschaft, sich auch auf Themen einzulassen, die nicht dem eigenen Schwerpunkt
entsprechen.
Neben diesen wurden auch spezielle pädagogische Kompetenzen gefordert. Hier
nannten alle Beteiligten als Voraussetzung, dass man sich auf die Teilnehmenden
und unterschiedliche Zielgruppen einlassen und auf diese eingehen können muss.
Einzelnennungen erhielten Reflexionskompetenz, Sensibilität für Gruppenarbeit,
Methoden- und Moderationskompetenz.
Darüber hinaus wurden auch Voraussetzungen genannt, die nicht spezifisch für die
Pädagogik
sind.
Dazu
gehören
betriebswirtschaftliche
und
interkulturelle
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Kompetenzen, Interesse, Verlässlichkeit, Umgang mit dem PC; Teamfähigkeit oder
Mobilität.
Einen Spezialfall stellt die Forderung nach einem christlichen oder zumindest
humanistischen Menschenbild dar. Dies ist der „Firmenphilosophie“ geschuldet und
variiert daher von Einrichtung zu Einrichtung.
Welche Kompetenzen wurden bereits im Studium erlernt, und welche mussten
zusätzlich angeeignet werden?
Diese Frage scheint schwierig zu beantworten zu sein. Meist konnte nicht genau
differenziert werden, woher man welche Kompetenzen besitzt.
Im Studium der Pädagogik wurden vor allem Grundkompetenzen erlernt, auf die
dann im Berufsleben aufgebaut werden konnte. Dabei unterscheiden sich die
Studienorte deutlich voneinander. Je nach Schwerpunkt und Angebot der
Hochschule wurden Grundlagen in Konfliktmanagement, Kommunikationsfähigkeit,
Kooperationsfähigkeit,
Organisationskompetenzen,
Moderationstechniken,
Zeitmanagement, Projektmanagement oder Beratungskompetenzen theoretisch
erlernt. Die praktische Anwendung fand dann meist erst im späteren Berufsleben
statt, wo diese Kompetenzen dann erweitert und vertieft werden konnten.
Desweiteren hatten manche Interviewpartner durch die Hochschule die Möglichkeit,
während des Studiums Zusatzqualifikationen zu erwerben, die ihnen dann sowohl im
Studium als auch in der späteren beruflichen Tätigkeit geholfen haben.
Ausnahmen bilden im pädagogischen Bereich diejenigen, die ein bestimmtes Fach
studiert haben, und nun in diesem Feld arbeiten. Diese haben vornehmlich
Fachwissen aus ihrem Studium mitgenommen und sich die pädagogischen
Kompetenzen über Zusatzqualifikationen und Weiterbildungen erworben.
Professionalität
Alle Interviewten empfinden sich in ihrer Arbeit als professionell, jedoch mit sehr
unterschiedlichen Argumenten. Dies hängt weitestgehend von der jeweiligen
Arbeitsaufgabe ab.
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So wurde Professionalität unter anderem als Fähigkeit, systemisch zu denken und
eine pädagogische Haltung zu haben, beschrieben. Eine weitere Definition war, dass
die Arbeit ernst genommen wird, man bereit zur kontinuierlichen Weiterentwicklung
und in ein größeres Netzwerk eingebunden ist. Oder auch: seine Arbeit zu können
und
die
dafür
notwendigen
Fähigkeiten
zu
besitzen.
Desweiteren
wurde
Professionalität beschrieben als Fähigkeit, an alles mit einem ganzheitlichen Blick
heranzugehen. Weitere genannte Elemente von Professionalität waren gelungene
Organisation des Arbeitsalltags, Zuverlässigkeit, Auftreten, Methodenvielfalt, auf
Rahmenbedingungen
angemessen
reagieren
können
und
Themen
zielgruppengerecht aufzuarbeiten.
Weitergabe der eigenen Kompetenzen
In allen Einrichtungen wird sowohl mit neuen Mitarbeitenden als auch mit
PraktikantInnen großen Wert auf Gespräche gelegt, die Möglichkeit zur Information
und Reflexion geben. Diese finden zum Teil regelmäßig, aber auch nach Bedarf statt.
Bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Praktika gibt es immer zwei Komponenten:
zum einen wird geschaut, welche Aufgaben in der Einrichtung anstehen, zum
anderen aber auch, welche Kompetenzen und Interessen die/der PraktikantIn
mitbringt. Darauf aufbauend werden dann die konkreten Aufgaben ausgearbeitet.
Hierbei achten alle Einrichtungen darauf, dass zumindest ein Teil der Aufgaben, z.B.
im Rahmen eines eigenen kleinen Projektes, möglichst selbstständig erledigt wird.
Dabei
werden
die
PraktikantInnen
jedoch
nicht
allein
gelassen;
die
PraxisanleiterInnen stehen für Fragen zur Verfügung und geben Tipps, nützliche
Informationen (bspw. über Abläufe) oder Erklärungen. Voraussetzung für die
selbstständige Arbeit ist u.a. die transparente Gestaltung von Abläufen und
Zuständigkeiten. Dies soll den PraktikantInnen ermöglichen, eigene Erfahrungen zu
sammeln, aber auch beispielhaft bestimmte Abläufe oder Inhalte kennen zu lernen,
damit diese dann später auf andere Bereiche übertragen werden können. Dieses
Konzept wird zum Teil auch bei neuen Mitarbeitenden eingesetzt, um deren
Erfahrungsschatz zu erweitern.
Wichtig war ebenfalls in allen Einrichtungen, dass die/der PraktikantIn Einblicke in die
alltägliche Arbeit der betreuenden Person sowie einen „Gesamtblick“ der Institution
bekommt.
Zu
diesem
Zweck
begleiten
die
PraktikantInnen
die
5
PraktikumsanleiterInnen
zu
verschiedenen
Terminen,
Sitzungen
oder
MitarbeiterInnenrunden. Letzteres auch deshalb, damit beide Parteien – PraktikantIn
und Mitarbeitende – sich gegenseitig kennen lernen und eine Einbindung in das
Team vorgenommen wird. Auch bei neuen Mitarbeitenden gibt es diese
„Begleitelemente“, bei denen die „neuen“ bspw. die Möglichkeit haben, neue
Methoden zu erlernen.
Zum Teil wird den PraktikantInnen auch die Möglichkeit geboten, ihre an der
Universität theoretisch erlernten Inhalte sowie Interessen und Hobbies in die
Gestaltung der Praktika einzubringen, indem sie bspw. eine eigene Veranstaltung
konzipieren und durchführen oder versuchen, diese Themen zielgruppengerecht
aufzuarbeiten.
Unterstützung durch die Institution
Zunächst einmal lässt sich sagen, dass in allen Einrichtungen, aus denen Personen
befragt wurden, die Weitergabe von Wissen und Kompetenzen unterstützt wird.
Zumeist geschieht das in eher passiver Weise, indem die Mitarbeitenden die
Möglichkeit haben, sich für neue Mitarbeitende oder PraktikantInnen Zeit zu nehmen.
Darüber hinaus unterstützen häufig die KollegInnen die betreuende Person in ihren
Vorhaben oder stellen sich als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung.
Die PraktikantInnen haben zum Teil auch die Möglichkeit, andere Mitarbeitende in
ihrem beruflichen Alltag oder in ihren Veranstaltungen zu begleiten, so dass sie
einen besseren Einblick in die gesamte Arbeit der Institution oder andere
Arbeitsbereiche bekommen. Wichtig ist in diesen Einrichtungen, dass das gesamte
Team hinter der Entscheidung für eine/n Praktikant/in steht.
Auch bei neuen Mitarbeitenden wird es als wichtig angesehen, dass diese die
Möglichkeit haben, sich mit der/dem „alten“ Mitarbeitenden auszutauschen, bevor
diese geht. Dafür gibt es in einer Einrichtung eine Überlappungszeit, in der
systematische Gespräche mit beiden Mitarbeitenden sowie der Leitung stattfinden,
um die Einarbeitung optimal zu gestalten. Darüber hinaus wird großen Wert auf
möglichst schnelle und gute Integration – fachlich und persönlich – der/der neuen
Mitarbeitenden gelegt.
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Beitrag der neuen KollegInnen/PraktikantInnen zum Wissenstransfer
Eine wichtige Voraussetzung für den Wissenstransfer sehen alle Beteiligten in der
Neugierde und Offenheit von Seiten der neuen KollegInnen bzw. PraktikantInnen.
Darüber hinaus erwarten sie, dass diese sich aktiv einbringen und ihre Gedanken
und Erfahrungen mitteilen. Dazu gehört auch der Außenblick, den diese nur relativ
kurz nach ihrem Einstieg in die Einrichtung besitzen. Um diesen einbringen zu
können, ist außerdem noch Kritikfähigkeit und ein gewisses Selbstbewusstsein
vonnöten. Zudem wurde die Passung von neuer/m KollegIn bzw. PraktikantIn und
der interviewten Person genannt.
Gewünscht werden von fast allen Interviewten Informationen über Lehrinhalte und
Schwerpunkte der Universität. Auch über theoretische Inhalte und neue Methoden
informiert zu werden, wurde hier genannt. Weitere Wünsche an PraktikantInnen
waren zum einen Impulse für die Netzwerkarbeit und die Herstellung von Kontakten,
praktische Erfahrungen und die Rückmeldung über Wünsche, Ziele und Motivation
hinsichtlich des Studiums.
Zudem wurde erwähnt, dass es schön wäre, wenn die Studierenden von Seiten der
Universität auf das System vorbereitet würden, damit diese sich etwas darunter
vorstellen können, wenn sie in das Praktikum kommen.
Was würden Sie den Studierenden mitgeben, damit diese sich auf die
Ausübung
des
erwachsenenpädagogischen
Berufs
optimal
vorbereiten
können?
Alle Interviewten raten den Studierenden dazu, so viele Praxiserfahrungen wie
möglich zu sammeln. Dabei ist es unerheblich, ob diese im Rahmen von Praktika,
Nebenjobs oder Ehrenamt gesammelt werden. Wichtig ist dies auch für
Bewerbungen, da spätere Arbeitgeber (darunter auch die Einrichtungen der
InterviewpartnerInnen) großen Wert auf praktische Erfahrungen und Engagement –
auch schon während des Studiums – legen.
Zudem sollen die Studierenden sich über die eigenen Interessen und Schwerpunkte
klar werden. Nur so können diese schauen, wo sie sich und ihre Fähigkeiten
einbringen und erweitern können. Wenn diese klar sind, wird den Studierenden
geraten, sich dahingehend zu spezialisieren und somit einen Zusatznutzen für
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spätere Arbeitgeber (z.B. hinsichtlich Methodenkompetenz oder Fachwissen)
generieren, aber auch über eine Engführung hinaus zu kommen, indem man sich
nicht nur auf ein Gebiet beschränkt.
Die PraxisvertreterInnen raten außerdem den Studierenden, großen Wert auf
Vernetzung zu legen, da diese den späteren Berufseinstieg deutlich erleichtern kann.
Diesbezüglich wurden persönliche Kontakte aufbauen und pflegen, aber auch die
Mitgliedschaft in einem Verband erwähnt.
Genannt wurden auch Auslandserfahrungen, in denen die Studierenden ihre Sprachund kulturelle Kompetenz erweitern und den späteren Arbeitgebern aufzeigen
können, dass sie flexibel sind und sich auf Neues einstellen können.
Zudem wurde genannt, dass die Studierenden darauf achten sollten, wie viele und
vor allem welche Daten sie im Internet veröffentlichen, da spätere Arbeitgeber diese
evtl. überprüfen.
Außerdem wird den Studierenden geraten, selbstbewusst mit dem eigenen Wissen
und Können umzugehen, da Pädagogen sehr gut ausgebildet sind.
2. Expertinneninterview – Steffi Rohling
Evaluation der Einrichtungen im Rahmen des Projektes „Theorie-PraxisTransfer“ – VVHS Steffi Rohling
Teil A: Fragen nach dem Selbstverständnis, der eigenen Professionalität und
dem Werdegang
1. Wie würden Sie Ihren derzeitigen Beruf beschreiben? Was hat er mit
Erwachsenenbildung zu tun?
Ich bin Verbandsdirektorin des Verbandes der Volkshochschulen von RheinlandPfalz. Meinen Beruf würde ich folgendermaßen beschreiben: Ich bewege mich auf
drei Ebenen. Zum einen habe ich eine inhaltliche Aufgabe, zum anderen habe ich
finanzielle Aufgaben und zum dritten habe ich Aufgaben, die Rechtsfragen betreffen.
Meine Arbeit ist die eines Erwachsenenbildners, sie hat ausschließlich mit
Erwachsenenbildung zu tun. Ich arbeite inhaltlich in den Bereichen der
Erwachsenenbildung, beschäftige mich mit den Rahmenbedingungen der
Erwachsenenbildung, muss auf alle Fragen, die mir die Mitgliedseinrichtungen
unseres Verbandes stellen, die ja in der Erwachsenenbildung arbeiten, antworten
können, ich muss konzeptionell und systematisch arbeiten.
2. Wie sind Sie zu Ihrem derzeitigen Beruf gekommen? Erzählen Sie von Ihrem
Werdegang.
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Ich bin von Haus aus Erziehungswissenschaftlerin und habe Erwachsenenbildung im
Schwerpunkt studiert. Von daher gab es schon von Anfang an eine Ausrichtung in
dieses Feld. Ich habe mich schon in meinen Praktika sehr stark im Bereich der
öffentlichen Weiterbildung aufgehalten. Mein erstes Praktikum absolvierte ich bspw.
in einer Kreisvolkshochschule. Ich habe auch lange beim Deutschen Institut für
Erwachsenenbildung (DIE) gearbeitet: das war mein erster Einstieg, um auch einen
Überblick zu bekommen, in einer Institution, die nicht nur lokal bzw. kommunal
arbeitet, sondern bundesweit agiert. Dort habe ich einen Einblick bekommen in
Strukturen, Anbieter, Politik etc. bundesweit. Ich habe dann aber auch einen Exkurs
in die Wirtschaft gemacht, habe ein halbes Jahr bei Daimler Chrysler im Rahmen
eines Praktikums gearbeitet, um den Unterschied kennen zu lernen. Danach habe
ich mich relativ bewusst für den öffentlich geförderten Weiterbildungsbereich
entschieden.
Ich habe dann im Bereich der Schulabschlusskurse bei einem freien Träger einen
Hauptschulabschlusskurs sozialpädagogisch geleitet und begleitet und bin nach
meinem Studium im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium im Bereich der
allgemeinen Weiterbildung tätig geworden, habe dies dann fünf Jahre lang gemacht.
Das war für mich auch ein „Kalteinstieg“, ich wusste nicht, was da so richtig auf mich
zukommt. Aber das Ministerium hat mir einen sehr guten Einblick dahinein geben,
wie Weiterbildung, Finanzierung, politische Systeme funktionieren und was
Weiterbildung mit Politik zu tun hat. Ich glaube, dass eine solche Institution einem
eine sehr gute Möglichkeit bietet, in einem bestimmten Feld Generalist zu werden.
Darüber hinaus hatte ich dort auch die Möglichkeit, viele verschiedene Institutionen
kennen zu lernen.
Danach habe ich intern in ein anderes Referat gewechselt, was dann gar nichts mehr
mit der Weiterbildungsstruktur der allgemeinen Träger zu tun hatte, nämlich in den
Bereich der frühkindlichen Förderung. Ich habe dort zwei Jahre lang ein
Fortbildungssystem für Erzieherinnen mitaufgebaut. Dort habe ich allerdings
gemerkt, dass mein Herz für die Erwachsenenbildung schlägt und ich gerne wieder
zurück in die allgemeine Weiterbildung möchte. Manchmal geschehen solche Zufälle
im Leben, es lässt sich nicht alles systematisch planen. So war diese Stelle im
Verband ausgeschrieben, um die ich mich dann beworben habe. Ein Berufsweg ist
somit eine Mischung aus der eigenen Entwicklung, den eigenen Zielen und
Vorstellungen einerseits und vielen Zufällen andererseits. Ich hätte theoretisch auch
ganz woanders landen können.
Nebenbei habe ich noch zwei Zusatzausbildungen gemacht. Das kann ich sehr
empfehlen, da es mir sehr viel gebracht hat in meiner beruflichen Entwicklung. Ich
habe eine gruppendynamische Zusatzausbildung und eine Zusatzausbildung in der
systemischen Beratung absolviert. Bei solchen Themen lernt man viel für sich, auch
und vor allem Schlüsselkompetenzen, die man später sehr gut gebrauchen kann,
wenn man bspw. eine Leitungsfunktion hat.
Ein weiterer wichtiger Part meiner Berufsbiografie ist, dass ich eineinhalb Jahre im
Ausland war, ein Jahr vor und ein halbes Jahr nach meinem Studium. Auch das hat
mir geholfen, einen Weitblick zu bekommen und meine Sprachkompetenzen zu
erweitern. Das war noch mal ein wichtiger Schritt, sich einfach etwas zu trauen, sich
mit anderen Ländern und Kulturen auseinanderzusetzen.
Ich finde, meine Berufsbiografie ist für eine Absolventin bzw. einen Absolventen der
Erwachsenenbildung ganz normal. Wir sind alle Generalisten, zugleich aber auch
Spezialisten. Wir kennen uns sehr gut im Weiterbildungsbereich aus, der aber so
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vielfältig ist, so dass wir wiederum in bestimmten Bereichen Spezialisten sind. Für
Außenstehende bin ich vielleicht der Weiterbildungsspezialist, aber in der
Weiterbildung bin ich eher die Generalistin.
Durch meine Einblicke in die verschiedenen Bereiche kann ich mich nun gut in diese
hineinversetzen, bspw. durch meine Arbeit bei den Schulabschlusskursen weiß ich
nun sehr konkret, was die Arbeit bedeutet, und kann dies dann auch in den Bereich
einbringen, in dem wir auch hier in unserem Haus arbeiten. Daher finde ich es
wichtig, eigene praktische Erfahrungen zu sammeln, da einem diese Bereiche dann
stärker ans Herz wachsen und man sich besser hineinversetzen kann. Natürlich geht
das nicht in allen Bereichen, aber dafür arbeitet man dann ja auch in einer Institution
mit unterschiedlichen Zuständigkeiten und Themenschwerpunkten.
3. Welche speziellen Voraussetzungen muss man mitbringen, um in Ihrer Institution
arbeiten zu können?
Grundsätzlich gilt für die Erwachsenenbildung, dass man zwei wesentliche
Kompetenzen braucht: man braucht einen Inhalt, ein Fachwissen, aber auch das
systemische, politisch-strategische Denken. Wenn wir jemanden neu einstellen, dann
bringt die-/derjenige meist eine dieser Kompetenzen mit. Dann muss man schauen,
in wie weit die Person Kompetenzen im anderen Bereich hat oder sie sich aneignen
kann. Eine weitere Kernkompetenz ist die Reflexionskompetenz. Gerade in unserem
Beruf ist sie wichtig, da man es immer mit verschiedenen Systemen zu tun hat. Man
muss sich nicht nur in das Gegenüber hineinversetzen können, sondern dadurch,
dass wir selbst Multiplikatoren sind und es mit Multiplikatoren zu tun haben, muss
man immer die gesamte Kette mitdenken: was macht die Einrichtung damit, die sich
wiederum mit den Teilnehmenden beschäftigt. Die Kernkompetenzen liegen also in
den beiden Bereichen: fachlich und überfachlich.
4. Welche Kompetenzen haben Sie aus Ihrer Ausbildung bereits mitgebracht und
welche mussten Sie sich zusätzlich aneignen? Wodurch haben Sie diese erlernt?
In der Ausbildung wird für viele Dinge ein Grundstein gelegt. Dadurch dass man sich
selbst den roten Faden suchen muss, muss man lernen, Dinge, aber auch sich selbst
zu organisieren. Die Seminare waren so ausgelegt, dass sie einen hohen reflexiven
Anteil hatten, dass sie einen dahingehend unterstützt haben, eine pädagogische
Haltung zu entwickeln. Im Studium wurde auch sehr stark gefördert und gefordert,
sich in andere hineinversetzen zu können, Dinge zu hinterfragen, sich mit
Zielgruppen auseinanderzusetzen, oder auch Konzepte zu entwickeln. Diese
Kompetenzen halte ich auch für absolut notwendig, um später in unserem Beruf
erfolgreich arbeiten zu können. Im Studium hat man zwar noch nicht viele praktische
Erfahrungen, aber man setzt sich mit Themen wie Konfliktmanagement,
Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit auseinander.
Im Beruf ist das dann auch ein lebenslanges Training, man hat die Möglichkeit, sich
auch wieder mit diesen Kernkompetenzen zu professionalisieren. Die Kompetenzen,
die im fachlichen Bereich liegen, habe ich in der Arbeit erworben, wie rechtliche und
finanzielle Fragestellungen, Verstehen des politischen Systems, Fragen wie „wie
funktioniert ein Haushalt“ oder auch „wie funktioniert eigentlich Landesfinanzierung“.
Hierbei ist es vor allem wichtig, das System zu verstehen.
5. Würden Sie sich als "professionell" hinsichtlich Ihres derzeitig ausgeübten
Berufes beschreiben? Warum / Warum nicht?
Auf jeden Fall würde ich mich als professionell beschreiben. Wenn ich nicht
professionell in meinem Feld arbeiten würde, könnte ich meinen Job nicht machen.
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Ich bin professionell, weil ich die bereits beschriebenen, für meine Arbeit
notwendigen Dinge kann. Wichtig ist dabei vor allem, systemisch Denken zu können
und eine pädagogische Haltung zu haben.
Teil B: Fragen nach der Institution und dem Wissenstransfer innerhalb dieser
6. Wie können Sie selbst die Ihnen wichtigen Kompetenzen an jüngere KollegInnen
weitergeben?
Aktuell habe ich beispielsweise einen Mitarbeiter, der noch relativ neu ist, der von
dem Fach ist, für das er eingestellt wurde. Hier ist mein Bestreben, ihn sukzessive zu
sensibilisieren, in welchem System er sich befindet. Die fachlichen Kompetenzen
sind vorhanden, die Netzwerke, in welchen wir arbeiten, die Kooperationspartner, die
wir haben, das politische System, in dem wir uns befinden, muss er kennen lernen.
Mir ist es wichtig, diesen eingangs erwähnten Dreiklang zwischen inhaltlichen,
finanziellen und rechtlichen Fragestellungen auch an die Mitarbeitenden oder auch
PraktikantInnen weiterzugeben. Vielleicht ist es auch hier das Ganzheitliche, das
man immer auch den Blick auf die verschiedenen Bereiche haben muss. Das
versuche ich weiterzugeben.
Im Rahmen des Praktikums werden hierzu Gespräche geführt: so gibt es
Nachbereitungsgespräche, in denen bspw. Veranstaltungen analysiert werden.
Ergänzend dazu gibt es Erklärungen, wenn etwas unklar geblieben ist. Eigentlich
wird alles beispielhaft erarbeitet: als „Trockenübung“ wird ein Haushalt detailliert
angeschaut oder ein Gesetz und das dann reflektiert und ausgewertet. Mit neuen
Mitarbeitenden ist das Ganze etwas „krasser“: diese werden sozusagen ins kalte
Wasser geworfen. Aber das Prinzip ist dasselbe. Ich glaube auch, dass das eine
Frage der Routine oder des Trainings ist. Wenn man die Sachen einmal
exemplarisch bearbeitet und das Prinzip verstanden hat, kann man diese
Erkenntnisse und Erfahrungen auf andere Bereiche anwenden oder ähnliche
Gegebenheiten übertragen. So wird man dann auch zum Profi auf seinem Gebiet.
7. Werden Sie dabei von Ihrer Institution unterstützt?
Ich bin selbst für die Rahmenbedingungen verantwortlich, die wir hier haben. Aber
eine der Rahmenbedingungen ist auch, dass ich weiß, dass so etwas von unserem
Vorstand grundsätzlich unterstützt wird.
Was wir gemacht haben, ist, dass wir das Thema im Kreis der Pädagogischen
Mitarbeiter/innen besprochen haben. Dabei haben wir abgesprochen, dass jede/r mit
unserer Praktikantin ein Setting ausmacht, sie zu Terminen mitnimmt, damit sie auch
die Möglichkeit hat, in verschiedene Bereiche hineinzuschauen. So hat sie einen
konkreten Einblick in die unterschiedlichsten Bereiche. Es ist dadurch systematisiert,
dass wir gemeinsam im Gespräch sind, wie wir sie einbinden.
Von unserer Seite gibt es ein Angebot, was die Praktikantin/der Praktikant alles
wahrnehmen kann, von Seiten der Praktikantin/des Praktikanten muss dann aber
auch die Entscheidung kommen, was sie/er mitnehmen möchte und was nicht.
Wenn feststeht, dass wir wieder eine Praktikantin/einen Praktikanten haben, teile ich
dies allen mit, aber auch wie ich mir den Umgang vorstelle, dass jede/r auf sie/ihn
zugeht, etwas mit ihr/ihm ausmacht, und gleichzeitig wird mitgeteilt, dass dies dann
auch Thema unserer nächsten Besprechung ist. Wir haben zwei
Besprechungsformen: zum einen die Besprechung mit allen Pädagogischen
Mitarbeiter/innen, zum anderen die Gesamtmitarbeiterbesprechung. Das Praktikum
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wird dann in beiden Runden besprochen, zum Teil auch in Anwesenheit der
Praktikantin/des Praktikanten. Bei Bedarf wird das Praktikum erneut auf die
Themenliste der Runden gesetzt.
Die Mitarbeitenden klären größere Aufgaben für die Praktikantin/den Praktikanten
zunächst mit mir ab, bevor sie auf die Praktikantin/den Praktikanten zugehen. In
diesem Sinne ist das Praktikum bei uns institutionalisiert und auch transparent
gestaltet.
Bei der Einführung von neuen Mitarbeitenden versuchen wir, immer eine
Überlappungszeit zwischen der „alten“ und der neuen Person zu haben. Bisher ist
uns das immer gelungen. In dieser Zeit werden auch mit mir systematische
Gespräche geführt, um die Einarbeitung der neuen Person optimal zu gestalten. In
den Gesprächs- und Mitarbeiterrunden ist dann auch Raum für die/den Neue/n. Ich
selbst unterstütze die Mitarbeitenden dabei. Mir ist das sehr wichtig, da wir hier elf
Personen sind, die miteinander arbeiten, da kommt es auf jede/n einzelne/n an. Ich
habe ein hohes Interesse daran, dass eine neue Person schnell und gut integriert
wird, und das nicht nur fachlich sondern auch persönlich, da logischerweise
Personen, die sich wohler fühlen, auch besser arbeiten. Gerade zu Anfang führe ich
daher auch mit der neuen Person Gespräche darüber, wie es ihr/ihm geht, wie sie/er
angekommen ist, wie es dieser Person bei uns geht.
8. Was sollen die neuen KollegInnen von ihrer Seite aus zum Wissenstransfer
beitragen?
Anfänglich hat man noch den Blick von außen auf die Einrichtung. Es dauert nicht
lange, bis dieser verloren geht. Gerade daher ist die Anfangszeit sehr interessant, da
dort Fragen gestellt werden, wie z.B. warum man das so macht und nicht anders.
Wenn man als Leitung klug ist, nimmt man diese Fragen sehr ernst. Meist steht
hinter diesen Fragen eine Berechtigung. Bei unserem neuen Mitarbeiter konnten wir
bspw. eine Frage im Rahmen unseres Fortbildungsangebotes nicht plausibel
beantworten, so dass wir als Folge dann etwas verändert haben. Für die Institution
bietet dieses Hinterfragen auch immer eine Chance, wenn man es versteht, sie als
solche zu nutzen. Man muss damit selbstbewusst umgehen können.
Somit erwarte ich mir von neuen KollegInnen Neugier, Offenheit, aber auch
Kritikfähigkeit und dass sie ihren Blick von außen einbringen.
Bei der Auswahl einer Praktikantin/eines Praktikanten ist es wichtig, dass der
Mensch zu der Institution passt und dass man „einen Draht zueinander“ hat. Das ist
zunächst ein sehr menschlicher Zugang. Ein Praktikum ist immer ein Lernfeld,
weshalb aus meiner Sicht keine zu hohen Erwartungen gestellt werden sollten Schön
wäre es, wenn die Person bereits praktische Erfahrungen sammeln konnte. Ich
schaue mir den Lebenslauf auch dahingehend an, ob die Person engagiert ist, also
ob sie Nebenjobs hat oder bereits ein Praktikum absolviert hat. Dann ist noch wichtig,
wie die Person im Erstgespräch auftritt, zeigt sie Interesse oder Neugier? Hier wird
vor
allem
auf
Schlüsselqualifikationen
geschaut,
wie
Offenheit,
Kommunikationsfähigkeit oder auch Verbindlichkeit. Ich muss auch sagen, dass ich
nicht jede/n nehmen würde. Wenn ich das Gefühl habe, dass das nicht geht, oder die
Person sich nicht engagiert, würde ich auch sagen, dass das nicht funktioniert.
Für ein Praktikum kommen für uns in der Regel Studierende im Hauptstudium in
Frage. Damit ist dann eine Haupt-Voraussetzung erfüllt, nämlich dass die/der
Studierende bereits etwas mit Erwachsenenbildung zu tun hatte, etwas darüber
gehört und sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Das an der Universität
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erworbene Wissen kann dann bspw. im Rahmen eines kleinen Projektes eingebracht
werden, von dem beide Seiten profitieren, und auf das die Studierenden dann
vielleicht in ihrer Diplomarbeit zurückgreifen können.
Von Seiten der Universität ist es natürlich schön, wenn diese auf ein solches System
vorbereitet, damit die Studierenden sich etwas darunter vorstellen können. Das ist
natürlich kein Ausschlusskriterium. Von unserer Seite ist mir eher wichtig, dass wir
von uns aus etwas mitgeben können.
Teil C: Ausblick, Anregungen, Vorschläge
9. Was würden Sie den Studierenden von heute mitgeben, damit diese sich auf die
Ausübung des erwachsenenpädagogischen Berufs optimal vorbereiten können?
Ich finde es wichtig, dass die Studierenden mehr machen als nur ihr Pflichtpraktikum.
Das Diplom ist sozusagen die Eintrittskarte, wenn wir jemanden einstellen, aber wir
klopfen einen Lebenslauf auch dahingehend ab, was für Institutionen darauf stehen.
Deshalb ist es immer gut, wenn zwei, drei Praktika gemacht wurden, oder nebenher
gearbeitet wurde. Dabei ist es auch egal, ob die Sachen etwas miteinander zu tun
haben. Man macht sich selbst ein Bild davon, ob jemand interessiert, engagiert war
oder sich für etwas eingesetzt hat.
Zudem kann ich sehr empfehlen, ins Ausland zu gehen. Man zeigt damit auch, dass
man flexibel ist, dass man sich auf etwas Neues einstellen kann, offen für so etwas
ist, dass man sich sprachliche Kompetenzen angeeignet hat.
Außerdem
bin
ich
Mitglied
im
BV-Päd.,
dem
Berufsverband
der
Erziehungswissenschaftlerinnen und Erziehungswissenschaftler e. V., und kann das
den Studierenden nur empfehlen. Der Jahresbeitrag beträgt für Studierende 35 €. Ich
kann nur empfehlen, hier Mitglied zu werden, da es eine wirklich gute Form der
Vernetzung ist. Der BV-Päd. macht Jahrestagungen, bietet Beratung an, eine
Praktikums-Börse und vieles mehr.
Vernetzung ist auch ein wichtiges Thema, also auch Kontakt zu halten zu den
Praktikumsstellen. Irgendwann ist man mit dem Studium fertig und sucht einen Job.
Wir wissen alle, dass Kaltbewerbungen schwierig sind. Daher ist es umso wichtiger
zu wissen, wen man fragen kann.
Außerdem würde ich den Studierenden raten, sehr selbstbewusst mit dem, was sie
gelernt haben, in die Berufswelt zu gehen. Wir als Pädagogen sind sehr gut
ausgebildet.
10. Haben Sie weitere Anregungen oder Vorschläge hinsichtlich des
Wissenstransfers?
Mir haben die Lernräume viel Spaß gemacht und sie haben mir auch viel gebracht,
auch für uns als Institution, einfach auch vor dem Hintergrund, sich noch einmal der
Rolle bewusst zu werden, dass es auch unsere Aufgabe ist, an die nächste
Generation Wissen weiter zu geben. Durch das Projekt ist das dann ziemlich
plastisch geworden. In den Lernräumen wurde deutlich, dass die Diskussionen
immer sehr intensiv und sehr interessant waren. Daher würde ich mich dafür
aussprechen, dies beizubehalten.
Vorsichtig wäre ich bei Fragen, die in die ganze Runde gestellt werden, da man
damit dann evtl. auch hierarchische Verhältnisse berührt. Dann wird es schwierig,
offen zu reden.
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Insgesamt fand ich es immer klasse, auch für das Thema einmal einen Raum zu
haben, zu reflektieren. Ich glaube, dass das eine Aufgabe ist, die die Universität
mittel- und langfristig managen muss. Ich finde es grandios, dass die ELAG das
zusammen mit der Universität angestoßen hat, dass die ELAG sich hierbei so
engagiert hat. Dafür sind wir Landesorganisationen der ELAG auch zu Dank
verpflichtet, da es auch eine Arbeit ist, von der alle profitieren. Aber mittel- und
langfristig ist es eine Aufgabe der Universität, das Netzwerk zu halten und
systematisch in diese Richtung weiter zu arbeiten. Ich habe so etwas in meinem
Studium in Marburg erlebt, wo die VertreterInnen der Institutionen immer wieder an
die Universität kamen und sich und die Einrichtungen vorgestellt haben. Somit waren
die Einrichtungen unter den Studierenden bekannt. Die VertreterInnen hatten
regelmäßigen Kontakt zur Universität und wurden in gewissen Zyklen angeschrieben
und eingeladen, sich im Rahmen der Institutionenanalyse vorzustellen. So wurde das
von Seiten der Universität sehr systematisch gepflegt. Zudem gab es eine Person,
die nicht nur für den Kontakt zuständig war, sondern auch im Hauptstudium Besuche
in den Einrichtungen organisierte. Diese Frau war auch für die Beratung zum
Praktikum zuständig, wenn jemand Fragen oder Probleme hatte. Zudem vernetzte
sie die Studierenden untereinander, damit diese sich über Praxiserfahrungen
austauschen konnten. So etwas wäre natürlich für alle Universitäten wünschenswert.
3. Expertinneninterview – Katja Rickert
Evaluation der Einrichtungen im Rahmen des Projektes „Theorie-PraxisTransfer“ – Arbeit & Leben Katja Rickert
Teil A: Fragen nach dem Selbstverständnis, der eigenen Professionalität und
dem Werdegang
1. Wie würden Sie Ihren derzeitigen Beruf beschreiben?
Was hat er mit Erwachsenenbildung zu tun?
Ich bin Abteilungsleiterin der Abteilung Bildung und damit zuständig für alle
Bildungsangebote, die Arbeit & Leben offen ausschreibt und in Kooperation
durchführt. Diese Angebote stehen allen thematisch Interessierten zur Verfügung
und werden teilweise in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie
Gewerkschaften, Schulen, Verbänden oder Interessensgruppen durchgeführt. Wir
sind für die außerschulische politische Bildung zuständig, und damit auch für die
Organisation, Planung, Durchführung und inhaltliche Entwicklung von Seminaren, die
in diesem außerschulischen politischen Bereich national und international stattfinden.
Das beginnt bei der Akquise von Fördergeldern auf Bundes- oder Landesebene für
die jeweiligen inhaltlichen Seminare, geht über die Konzeptentwicklung bis hin zu
den Abrechnungsmodalitäten oder die Betreuung von ReferentInnen, wenn man
selbst nicht das Seminar durchführt.
Unsere Zielgruppe besteht aus den Personen, die sich persönlich politisch, oder
fachlich weiterbilden möchten. Dabei nutzen wir als Arbeit & Leben die Möglichkeit
der Bildungsfreistellung. Unsere Angebote stehen nicht nur Erwachsenen im
arbeitsfähigen Alter offen: je nach Veranstaltung sprechen wir auch spezielle
Zielgruppen wie Jugendliche oder Personen im Ruhestand an.
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Die Abteilung Bildung, in der ich arbeite, ist relativ klein. Sie besteht aus einer
Seminarverwaltung, einer pädagogischen Mitarbeiterin, und kontinuierlich
PraktikantInnen. Daher ist man als Abteilungsleiterin bei vielen Dingen auch im Detail
involviert,
auch
wenn
man
sonst
mit
ganz
vielen
anderen
Gesamtorganisationsentwicklungsmaßnahmen vertraut und in diese eingebunden ist.
Die detaillierte Einbindung in alle Phasen, von der Planung bis zur Durchführung, ist
meiner Ansicht nach auch wichtig, da man selbst nach Möglichkeit auch weiterhin
Seminare durchführen sollte, um nah bei der Zielgruppe zu sein und die direkten
Auswirkungen der eigenen Planung sehen zu können. Wobei ich auch sagen muss,
dass für den Teil der Durchführung als Hauptamtliche leider recht wenig Raum
vorhanden ist, da man doch recht häufig in administrative Aufgaben verwickelt ist. In
Prozentzahlen ausgedrückt machen daher die organisatorischen Aufgaben etwa
70% meiner Arbeit aus, also die Planung und Organisation einer Veranstaltung sowie
die Kommunikation mit den ReferentInnen bezüglich des Aufbaus, des Inhalts oder
auch den Methoden und der Philosophie von Arbeit & Leben, die in den Seminaren
vertreten werden soll.
Ein Schwerpunkt von Arbeit & Leben sind die offenen Seminare. Wir bieten aber
auch viele Seminare in Kooperation an. Dazu müssen diese Kooperationen erst
einmal aufgebaut und im Anschluss gepflegt werden. Hierfür sind natürlich auch viele
Gespräche nötig, die dann auch zu meinen Aufgaben zählen.
In meiner Rolle und Funktion als Abteilungsleiterin bin ich außerdem in die
Gesamtentwicklung
von
Arbeit
&
Leben
auf
Organisationsund
Personalentwicklungsebene involviert.
2. Wie sind Sie zu Ihrem derzeitigen Beruf gekommen?
Erzählen Sie von Ihrem Werdegang.
Nach meinem Fachabitur war ich ein Jahr in den USA als Au-Pair. Danach habe ich
zunächst zwei Semester Bauingenieurwesen an der Fachhochschule studiert. Mir
wurde dann aber klar, dass ich etwas mit Menschen machen möchte. Ich habe dann
Diplom-Sozialpädagogik studiert und habe in dieser Zeit ein weiteres
Auslandspraktikum in den USA absolviert. Während meines Studiums war mir bereits
bewusst, dass ich später mit Menschen arbeiten möchte, die ein gewisses Interesse
und Motivation haben, in ihrem Leben etwas zu verändern und dieses zu gestalten.
Mir wurde deutlich, dass ich nicht nur in einer Beratungsstelle arbeiten möchte, die
Menschen aufgrund eines bestimmten Drucks von anderen Institutionen, wie
vielleicht dem Jugendamt, aufsuchen, sondern ich will mit Menschen arbeiten, die
eine gewisse Eigenmotivation mitbringen. Somit stand ich vor der Wahl: entweder
konzentriere ich mich auf Coaching, auf Trainings, auf Seminare oder ich gehe in die
Personal- und Organisationsentwicklung, da in diesen Bereichen, wenn es um
berufliche oder persönliche Weiterbildung geht, ein höheres Engagement vorhanden
ist. Dementsprechend habe ich dann mein Studium aufgebaut und Schwerpunkte
gezielt in der Erwachsenenbildung gesetzt. Ich habe mir überlegt, was ich später für
diesen Bereich der Weiterbildung benötige, welches Handwerkszeug ich mir zulegen
muss, um in diesem Bereich arbeiten zu können. Ich habe dann während meines
Studiums eine Trainerausbildung über knapp drei Jahre absolviert, um mir Know-how
in den Bereichen Methoden und Moderation zu erlangen, und um zu lernen, wie ich
Menschen dabei unterstützen kann, sich persönlich weiterzuentwickeln. Zudem
hatten wir die Möglichkeit, eine Ausbildung als MediatorIn zu machen, die ich dann
wahrgenommen habe. Ein weiterer persönlicher Schwerpunkt von mir ist die Natur,
da ich finde, dass diese den perfekten Spielraum für Entwicklung bietet. Daher habe
ich beschlossen, in den Outdoor-Bereich zu gehen und damit meine beiden
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Schwerpunkte zu verknüpfen. Dieser bedeutet Arbeiten mit möglichst
handlungsorientierten Methoden, die nah an der Gruppe sind. Die Natur bietet
gerade in der Arbeit mit Gruppen oder Teams die Möglichkeit, die Menschen recht
schnell an ihre Grenzen zu bringen. Dadurch ist man sehr schnell weg von der
Außendarstellung hin zu den Emotionen, welche Weiterentwicklung bedeuten.
Vor meiner Arbeit bei Arbeit & Leben war ich in der Prävention für Jugendliche
beschäftigt. Ich habe beim Jugendamt gearbeitet und hatte dort mit Jugendlichen zu
tun, die entweder in ihrer Gemeinde Jugendvertreter waren oder als Jugendleiter
gearbeitet haben, und die sich im Bereich des Ehrenamts weiterbilden wollten, um
dann in dem entsprechenden Gebiet arbeiten zu können bzw. gezielte
Präventionsangebote für Schulen im Bereich Sport, Ernährung, Essverhalten oder
Mediation anbieten zu können. Diese Tätigkeiten zwischen selbst Seminare
anzubieten und durchzuführen sowie neue inhaltliche Konzepte zu entwickeln, hat
mein Repertoire deutlich erweitert.
Parallel dazu habe ich über 10 Jahre in der Au-Pair Beratung und Betreuung für die
USA gearbeitet. Hier habe ich hauptsächlich junge Frauen in ihrem
Entscheidungsprozess und in der Erstellung der Bewerbungsunterlagen unterstützt.
Weiterhin hatte ich schon einige Lehraufträge an der Hochschule Fulda im Bereich
„Gruppendynamik, Indoor- und Outdoor Kompetenz für Sozialpädagogen/innen“.
Dass ich dann zu Arbeit & Leben gekommen bin, war mehr oder weniger Zufall. Ich
habe die Stellenanzeige gelesen und mich hat schon allein die Bezeichnung „Arbeit
& Leben“ angesprochen. Für mich ist arbeiten leben, ich muss mich mit meiner Arbeit
identifizieren können, sie muss mich motivieren können, sie muss mir Spaß machen
und natürlich auch zur Existenzsicherung beitragen. Aber den Schwerpunkt würde
ich auf die Herausforderung legen, und dass man für sich diesen persönlichen
Gewinn hat. Hier hat Arbeit & Leben viel zu bieten, auch hinsichtlich der Mischung,
mit der man hier konfrontiert wird.
Ich bin nicht als Abteilungsleiterin eingestiegen. Das hat sich dann nach einem
halben Jahr ergeben. Die Strukturen, die vorher da waren, waren meiner Auffassung
nach nicht so klar und deutlich. Wir haben alle auf einer Teamebene gearbeitet, ohne
die Bestimmung einer Person, die dann Entscheidungen treffen kann. Das heißt, die
Person, die entscheiden konnte, war die Geschäftsführerin von Arbeit & Leben, was
es dann natürlich schwer gemacht hat, wenn in einer Teamsitzung etwas zu
entscheiden war. Damals befand sich Arbeit & Leben in einer Phase der strukturellen
Veränderung, in deren Verlauf dann zwei Abteilungsleitungsstellen geschaffen
wurden, da die Problematik auch in anderen Bereichen deutlich geworden war.
Ursprünglich eingestiegen bin ich als Jugendbildungsreferentin, war aber auch für
den
Bereich
Erwachsenenbildung
zuständig.
Durch
den
internen
Veränderungsprozess bin ich dann zur Abteilungsleiterin geworden.
3. Welche speziellen Voraussetzungen muss man
mitbringen, um in Ihrer Institution arbeiten zu können?
Wichtig ist die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterentwicklung. Da wir im Bereich
der Weiterbildung arbeiten, werden natürlich auch Bewerbungen nach diesem
Kriterium durchforstet. Dabei ist es dann egal, ob die Weiterbildungen innerhalb der
Organisation gemacht werden, oder ob man sich persönlich weiterbildet. Wichtig ist
vor allem das Interesse an der permanenten eigenen Weiterbildung.
Außerdem finde ich wichtig, eine Sensibilität für die Gruppendynamik zu haben und
das Wissen, wie Gruppen funktionieren. Das kann man nur dadurch lernen, in dem
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man viel mit Gruppen arbeitet. Diesen Erfahrungsschatz kann man dann in die
Planung einbringen, bspw. wie man ein Seminar methodisch-didaktisch oder auch
inhaltlich aufbaut. Dafür benötigt man zusätzlich auch Methoden- und
Moderationskompetenz. Diese lernen die Studierenden selten im Studium, weshalb
es wichtig ist, sich diese auf einem anderen Weg anzueignen.
Zudem sind betriebswirtschaftliche Kompetenzen immer von Vorteil. Wir werden
nicht nur mit inhaltlicher Entwicklung konfrontiert, sondern wir müssen auch
Kalkulationen erstellen, Mittel akquirieren und diese sinnvoll einsetzen.
Um im Bereich Bildung arbeiten zu können, muss die Person, die die Bildungsreisen
plant und organisiert natürlich auch ein gewisses Interesse an anderen Ländern und
Kulturen sowie Reisefreudigkeit mitbringen. Man kann nichts organisieren, an dem
man dann selbst kein Interesse hat.
Da wir viel mit Menschen mit Migrationshintergrund arbeiten, ist interkulturelle
Kompetenz natürlich auch von Vorteil, sei es die Sprachkompetenz oder dass man
weiß, dass die Person einige Zeit im Ausland verbracht hat. Dies braucht man
verstärkt im Neustadtprojekt oder auch in den arbeitsmarktpolitischen Projekten.
Als Selbstverständlichkeit erachte ich den Umgang mit allen gängigen
Computerprogrammen, wie z.B. Powerpoint oder Excel. Ich finde, das muss man als
HochschulabsolventIn können.
Wichtig ist vor allem die Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit Neuem. Nicht nur
bezüglich organisatorischer Abläufe, sondern auch auf inhaltlicher Ebene. Gerade
wenn man sich im Bereich der Erwachsenen-/Weiterbildung bewegt, muss man sich
immer wieder darüber im Klaren sein, dass man Menschen begeistern und
motivieren will, und dazu bereit sein, sich dafür immer weiterzubilden. Das Interesse
und die Offenheit für Neues muss jeder selbst mitbringen und diese sind vor allem
dann wichtig, wenn man mit bestimmten Zielgruppen zu tun hat, z.B. im
außerschulischen Bereich, wo dann vielleicht in der Schule schlecht Erfahrungen
gemacht wurden, weil es nur Frontalunterricht gab, und man sich dann selbst sagen
kann, dass man es anders machen möchte.
4. Welche Kompetenzen haben Sie aus Ihrer Ausbildung
bereits mitgebracht und welche mussten Sie sich
zusätzlich aneignen? Wodurch haben Sie diese erlernt?
Ich finde es sehr schwierig, hier zu differenzieren. Wir haben im Studium viele
Beratungskompetenzen erwerben können, da hier ein Schwerpunkt gelegt wurde.
Meine Mediatorenausbildung während des Studiums hat mir z.B. für die Arbeit im
Jugendamt sehr geholfen. Zudem hatten wir im Studium die Möglichkeit, den
Übungsleiterschein im Sportbereich zu machen. Das fand ich auch sehr hilfreich, da
ich hier viel über Methodik und Didaktik lernen konnte. Es hängt aber auch immer viel
vom Zufall ab, was man im Studium lernt, da dies keine Pflichtfächer waren und man
es mitnehmen konnte oder auch nicht. Im weiteren hatte ich die Möglichkeiten
unterschiedliche Methoden der sozialen Arbeit kennen zu lernen. Einige wende ich
heute noch immer in Seminaren an, wie zum Beispiel das kreative Schreiben oder
verschiedene künstlerische Aspekte.
Aus meiner Trainerausbildung konnte ich vieles hinsichtlich Teamdynamik
mitnehmen, vor allem eben sehr situationsbezogen, prozessorientiert und flexibel
während einer Veranstaltung auf die Teilnehmenden eingehen zu können. Ich finde,
dass ist auch eine Grundhaltung, die man erwirbt. Wie man mit Teilnehmenden
umgeht und wie man auf ihre Bedürfnisse eingeht und reagiert hängt auch viel von
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den eigenen Normen und Werten ab. Über diese Grundhaltung muss man sich auch
klar werden, wie man an die Arbeit mit Menschen herangeht, da davon natürlich die
eigene Arbeitsweise abhängt.
Andere Bereiche des Studiums, wie z.B. Geschichte der Erwachsenenbildung, haben
nun nicht so eine enorme Auswirkung auf meinen beruflichen Alltag. Ich finde diese
aber auch wichtig, da sie das Fundament der Arbeit bilden.
5. Würden Sie sich als "professionell" hinsichtlich Ihres
derzeitig ausgeübten Berufes beschreiben? Warum /
Warum nicht?
Ja, ich würde mich definitiv als professionell beschreiben. Ich gehe immer mit einem
ganzheitlichen Blick an alles heran.
Es stellt sich natürlich die Frage, was unter professionell verstanden wird. Wenn es
darum geht, wie man seinen Arbeitsalltag organisiert, würde ich mich als
professionell beschreiben, sei es bei der Strukturierung von Arbeitsabläufen, der
Weiterentwicklung von Konzepten oder der inhaltlichen Weiterbildung.
Für mich ist eine weitere Komponente der Professionalität auch Zuverlässigkeit,
bspw. Antragsfristen und Termine einzuhalten. Dann gehört dazu, gegenüber
Kooperationspartnern professionell aufzutreten. Alles Dinge, die nicht nur
PädagogInnen betreffen, sondern alle Berufsgruppen, wenn es darum geht, wie
jemand seinen beruflichen Alltag bewältigt.
Professionell finde ich auch die Bereitschaft, sich ständig selbst weiterzuentwickeln,
auch immer wieder zu schauen, was es an neuen Themenfeldern gibt, die einen
interessieren, und wie man diese in den Berufsalltag vernetzen und integrieren kann.
Das Hochschulstudium ist die Eintrittskarte für eine bestimmte tarifliche
Eingruppierung. Bei allem anderen ist man selbst permanent gefordert, um weder
persönlich noch beruflich stehen zu bleiben.
Teil B: Fragen nach der Institution und dem Wissenstransfer innerhalb dieser
6. Wie können Sie selbst die Ihnen wichtigen Kompetenzen
an jüngere KollegInnen weitergeben?
Generell bin ich ein Fan des situativen Führens. Dabei muss man immer schauen,
mit wem hat man es als Person zu tun, und parallel dazu, welche Aufgabe diese
Person erledigen soll. Und je nachdem kann ich dann sehen, wie die Unterstützung
von meiner Seite aussehen muss. Das Konzept des situativen Führens bietet zudem
die Chance, PraktikantInnen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, nämlich zu
schauen, wo die Personen jetzt stehen, was sie aktuell können, welche neuen
Impulse im Praktikum bekommen wurden, und was diese Person dann daraus
macht, wie sie ihr weiteres Studium gestaltet und ihre Schwerpunkte setzt.
Daher kann ich auch nicht generell sagen, dass wir mit unseren PraktikantInnen
immer dasselbe machen, sondern es kommt immer auf mein Gegenüber an, was die
Person mitbringt und was sie noch an gezielter Förderung und Unterstützung braucht
und ihr dann ein entsprechendes Feedback zu geben. Daher setzen wir uns am
Anfang zusammen und schauen, was die Person mitbringt, welche Ziele sie hat und
wie sie diese bei Arbeit & Leben umsetzen kann. Bei jeder Aufgabe gibt es dann eine
Rückmeldung, wie die Person diese empfunden hat, so dass es zu einem
permanenten Prozess des Feedbacks kommt.
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Ich lege jeder/m, die/der bei uns ein Praktikum macht, aber noch nicht so viel mit
Gruppen zu tun hatte, nahe, sich darüber klar zu werden, was die eigenen
inhaltlichen Vorlieben sind, wo die eigenen Stärken und Schwächen sowie
Interessen liegen, mit welchen Menschen man sich zutraut zu arbeiten, und sich
dann evtl. eine Arbeit auf Honorarbasis zu suchen, wo man das dann weiter
ausbauen kann. Ich finde es unheimlich wichtig, dass, wenn ich später im Bereich
Erwachsenenbildung arbeiten möchte, ich auch Erfahrungen mit Menschen in
Gruppenprozessen habe, um eine Sensibilität dafür zu bekommen.
7. Werden Sie dabei von Ihrer Institution unterstützt?
Während des Praktikums haben die PraktikantInnen die Möglichkeit, überall mit
dabei zu sein. Wenn während des Praktikums interessante Seminare laufen, haben
die PraktikantInnen die Möglichkeit, an diesen zu partizipieren, entweder als
Teilnehmende/r, als stille/r BeobachterIn oder als Co-TrainerIn, um Erfahrungen zu
sammeln. Die jeweilige Rolle ist dann natürlich an die Voraussetzungen und
Interessen gekoppelt, die eine Person mitbringt.
Die Geschäftsführerin von Arbeit & Leben ist für Praktika immer offen und unterstützt
einem dann auch in den Vorhaben, die man umsetzen möchte. Arbeit & Leben sieht
PraktikantInnen als Bereicherung. Zwar investieren wir in ein Praktikum immer auch
Zeit, aber wir bekommen auch sehr viel zurück. Zum Teil ergeben sich auch neue
Kooperationspartner oder neue Netzwerke durch die nebenberuflichen Tätigkeiten
der PraktikantInnen.
Ein Praktikum kann für die jeweiligen Personen dann auch eine Einstiegsmöglichkeit
bei Arbeit & Leben sein. Daher finde ich es auch immer wichtig, zu den
PraktikantInnen auch weiterhin Kontakt zu halten.
8. Was sollen die neuen KollegInnen von ihrer Seite aus
zum Wissenstransfer beitragen?
Ich wünsche mir, dass die PraktikantInnen Impulse für die Netzwerkarbeit mitbringen.
Wenn die Person z.B. Kontakte zum Allgemeinen Studierendenausschuss hat oder
sich anderweitig engagiert, kann man überlegen, für diese Zielgruppe ein
spezifisches Weiterbildungsangebot zu erstellen. Das hilft uns natürlich hinsichtlich
der Bedarfsermittlung und Akquise von Teilnehmenden.
Wichtig finde ich, dass die PraktikantInnen sich aktiv einbringen. Wenn Sie bereits
Erfahrungen gesammelt haben, können Sie diese auch mit in unseren beruflichen
Alltag einfließen lassen. Dazu gehört natürlich auch ein gewisses Selbstbewusstsein,
diese Erfahrungen dann auch mitzuteilen.
Mich interessiert auch, was die Studierenden derzeit an der Universität machen, was
derzeit gelehrt wird. Auch, welchen Stellenwert die Themen haben, mit denen wir in
unserer Arbeit konfrontiert werden, wie Diversity Management, Gender
Mainstreaming oder die Sinus-Milieus. Hier ist mir der Dialog wichtig, in dem man
dann über solche Sachen sprechen kann. Ich denke, die Atmosphäre, die hier
vorherrscht, gibt einem auch viel Raum für solche Gespräche und dafür, sich
einzubringen.
Teil C: Ausblick, Anregungen, Vorschläge
9. Was würden Sie den Studierenden von heute mitgeben,
damit diese sich auf die Ausübung des
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erwachsenenpädagogischen Berufs optimal vorbereiten
können?
Es wäre für jede/n sinnvoll zu schauen, wo die eigenen Schwerpunkte oder auch
Interessen liegen, und wie man dann vielleicht einen Weg findet, diese zu verknüpfen
und umzusetzen. Dazu kann man dann schauen, welche Organisationen diese
Umsetzung ermöglichen könnten.
Zudem schauen wir auch immer bei Bewerbungen, was die-/derjenige schon
während des Studiums gemacht hat. Daher wäre es sinnvoll, sich auch andere
Kompetenzen nebenher anzueignen, evtl. durch einen Nebenjob oder Praktika.
Wichtig sind Praxiserfahrungen auch, um Netzwerke zu knüpfen auf die man dann
auch später zurückgreifen kann. Daher würde ich raten, mehr Praktika zu machen,
als gefordert werden.
10. Haben Sie weitere Anregungen oder Vorschläge
hinsichtlich des Wissenstransfers?
In der Dokumentation zum letzten [Anm.d.R.: dem zweiten] Lernraum wurden
Methoden veröffentlicht, die ich sehr spannend fand. Leider bleibt in meinem
beruflichen Alltag wenig Zeit, so etwas umzusetzen. Es würde mich aber sehr
interessieren, in wie weit das vielleicht bei anderen geschehen ist.
4. Experteninterview – Michael Grunewald & Rudi Imhof
Evaluation der Einrichtungen im Rahmen des Projektes „Theorie-PraxisTransfer“ – ZGV Michael Grunewald (G) & Rudi Imhof (I)
Teil A: Fragen nach dem Selbstverständnis, der eigenen Professionalität
und dem Werdegang
1. Wie würden Sie Ihren derzeitigen Beruf beschreiben? Was hat er mit
Erwachsenenbildung zu tun?
G: Als Jugendbildungsreferenten besteht unsere Aufgabe darin, Jugendliche,
junge Erwachsene oder Erwachsene dahingehend weiterzubilden, dass sie sich in
dieser Gesellschaft auf der politischen Ebene besser bewegen können. Das kann
sowohl methodisch als auch inhaltlich sein.
I: Jugendbildungsreferent heißt in unserem Fall, dass wir uns vornehmlich an
junge Erwachsene bis im Alter von ca. 20 Jahren wenden. Wir haben aber als
weitere Zielgruppe auch Multiplikatoren. In diesem Fall richtet sich das Angebot
dann erst einmal an Erwachsene.
Zu dieser politischen Aufgabe würde ich noch hinzufügen, dass es für uns ganz
wichtig ist, die Jugendlichen „da abzuholen, wo sie stehen“, ihre Biografie mit
aufzunehmen und auch mit ihnen gemeinsam zu schauen, wie sie an
gesellschaftlichen, betrieblichen Prozessen partizipieren können.
G: Die Arbeit mit den Multiplikatoren ist dann auch die Schnittmenge zur
Erwachsenenbildung. Mit Jugendlichen muss anders gearbeitet werden als mit
Erwachsenen.
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I: Hinzu kommt, dass sich die Arbeit mit Multiplikatoren an eine interessierte
Fachöffentlichkeit wendet, also auch an Menschen, die schon eine gewisse
Ahnung vom Thema haben. In unserer Jugendarbeit haben wir aber natürlich
einen großen Schwerpunkt auf den Jugendlichen, die nicht in diesem
Bildungsprozess all zu weit oben angesiedelt sind, also auch auf Jugendlichen mit
Lernschwächen.
Ich denke, es gibt auch zwischen der Erwachsenenbildung und der
außerschulischen Jugendbildung keine klare Grenze, wie bspw. bis 26 darf man
mitmachen, ab 27 aber nicht mehr. Das gibt es höchstens bei einigen
Förderrichtlinien.
2. Wie sind Sie zu Ihrem derzeitigen Beruf gekommen? Erzählen Sie
von Ihrem Werdegang.
I: Ich habe nach neun Jahren Hauptschule auf einer kaufmännischen
Berufsvorschule meine mittlere Reife gemacht. Danach war für mich die Lust an
der Schule erst einmal erschöpft. Ich habe dann eine Ausbildung als
Industriekaufmann absolviert. Auch hier war mir recht schnell klar, dass ich in
diesem Beruf nicht alt werden wollte. Dann habe ich die Fachoberschule
Wirtschaft gemacht, mit dem Ziel, Betriebswirtschaft zu studieren, und habe
dann direkt zwischen der schriftlichen und der mündlichen Prüfung an einem
internationalen Jugendbegegnungsseminar in der damaligen Tschechoslowakei
teilgenommen. Dort habe ich mich mit dem Leiter sehr gut verstanden und habe
ihn dann gefragt, was er eigentlich beruflich macht. Nach einigem hin und her
wurde klar, dass er Jugendbildungsreferent der Industriejugend der
evangelischen Kirche ist. Ich sah das dann als vernünftige Alternative zur
Betriebswirtschaft und habe dann Sozialpädagogik in Darmstadt studiert. Davor
war ich bereits ehrenamtlich in der Jugendarbeit tätig, habe nach meinem
Abschluss fünf Jahre lang im Dekanat Wiesbaden als Dekanatsjugendwart, wie
das damals hieß, gearbeitet. Heute würde man dazu auch Referent sagen. In
dieser Zeit bestand meine Arbeit schon je zur Hälfte aus Jugend- und
Bildungsarbeit. Nach fünf Jahren merkte ich, dass es eine ewige Spirale ist:
Konfirmanden abholen, mit ihnen drei Jahre arbeiten, und wenn man ihnen dann
eigene Aufgaben überlassen könnte, waren sie weg und die nächsten
Konfirmanden kamen. Dann habe ich noch mal Geschichte, Politik und Pädagogik
in Frankfurt studiert und den Abschluss als Diplom-Pädagoge im Fachbereich
außerschulische Jugendbildung und Erwachsenenbildung gemacht. Direkt nach
dem Studium habe ich dann im Vorläufer des jetzigen Zentrums als
Jugendbildungsreferent angefangen.
G: Ich habe auch einen ähnlichen Werdegang. Nach der Realschule hatte ich
keinerlei Interesse an einem weiteren Schulbesuch. Meine Schulmüdigkeit hat
mich dann dazu gebracht, dass ich eine Ausbildung als Betriebsschlosser bei
einer großen Autofirma gemacht habe. Ich habe nach meiner Ausbildung dann
dort noch zehn Jahre gearbeitet, aber gleichzeitig angefangen, Seminare der
außerschulischen politischen Jugendbildung zu machen, erst für die IG Metall,
dann für die Volkshochschulen in Frankfurt und Berlin, für verschiedene
Einzelgewerkschaften und den DGB und später für die evangelische Kirche. Das
hat dazu geführt, dass ich mit meinem Schlosserjob nicht alt werden würde. Ich
habe dann eine „Hochschule“ der Gewerkschaften, der Akademie der Arbeit in
Frankfurt,
besucht,
wusste
aber
auch
danach,
dass
ich
kein
Gewerkschaftssekretär werden wollte, und habe mich dann entschieden, noch
einmal ein gesellschaftswissenschaftliches Studium dranzuhängen. Aufgrund des
noch fehlenden Abiturs konnte ich das dann noch nicht, sondern musste zunächst
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mein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachholen. Danach habe ich in
Frankfurt an der Universität Soziologie studiert, was ich dann mit einem Diplom
abgeschlossen habe. Schon während meines Studiums bin ich in die Arbeit mit
Jugendlichen eingestiegen, in einem offenen Treff — das was man in der
klassischen Sozialpädagogik macht — und habe gleichzeitig noch Seminare der
außerschulischen Jugendbildung und Erwachsenenbildung gemacht. Als dann hier
eine Stelle frei wurde, habe ich mir gesagt, dass ich mir das vorstellen könnte
und habe dann hier angefangen.
I: Ich denke, wenn man es aus unserer Warte betrachtet, sind unsere
Lebensläufe eher typisch. Der zweite Bildungsweg war ein relativ typischer
Bildungsgang. Heute wäre es eher atypisch.
G: Ich glaube auch, dass der zweite Bildungsweg eher ein typischer Fall bei den
Menschen 50+ ist. Bei meinen jüngeren KollegInnen ist mir niemand bekannt,
der einen solchen Weg eingeschlagen hat. Die meisten haben das dann auf dem
so genannten Königsweg erreicht, also auf dem ersten Bildungsweg.
Ich glaube, das Zeitalter der Jugendarbeit aus der Arbeiterbewegung heraus ist
vorbei, da es nicht mehr diese Jugendbewegung gibt, zumindest nicht in der
Breite und als gesellschaftspolitisches Thema.
I: Das ist ein Grund. Ein weiterer Grund ist, dass heute viel mehr Menschen eines
Jahrganges direkt Abitur machen und studieren.
3. Welche speziellen Voraussetzungen muss man mitbringen, um in
Ihrer Institution arbeiten zu können?
G: Durchhaltevermögen würde ich sagen. Die evangelische Kirche als Institution,
die auch finanzielle Krisen zu meistern hat, ist auch geprägt von Finanzdebatten.
Und diese bedeuten für uns, dass wir uns möglicherweise jedes Jahr wieder neu
fragen müssen, ob es uns nächstes Jahr noch gibt, ob es unsere Förderkriterien,
nach denen unsere Arbeit bewertet und gefördert wird, noch existieren. Wir sind
beide in einem Bereich tätig, der auch aus dem Kinder- und Jugendplan des
Bundes mitfinanziert wird. Da weiß man auch nie genau, ob diese weiterhin
bestehen. Ansonsten muss man gut mit Menschen umgehen können. Das ist
meiner Meinung nach eine zentrale Voraussetzung in der Arbeit mit Menschen,
also auch der Bildungsarbeit. Man muss immer schauen, dass man diejenigen,
die ja in der Regel freiwillig an diesem Bildungsprozess teilnehmen, so beteiligt,
dass sie auch diesen Schritt mitgehen können.
I:. Eine weitere Voraussetzung ist, kein Experte in dem Sinne zu sein, dass man
nur eine Richtung hat. Man muss die Bereitschaft haben, auch fachübergreifend
arbeiten zu können. Hier im Zentrum ist das besonders ausgeprägt und das
macht mir auch Spaß. In der dezentralen Arbeitsstruktur früher war das nicht so
einfach. Die Kooperation mit KollegInnen, die gemeinsame Verantwortung,
Verlässlichkeit und Teamfähigkeit; das sind Dinge, die man hier braucht. Dazu
sollte man sich wenigstens einigermaßen in der Struktur der evangelischen
Kirche und ihrer Sitten und Bräuche auskennen und loyal sein.
G: Ganz wichtig ist natürlich auch noch, dass das eigene Menschenbild auf der
Basis des christlichen oder zumindest humanistischen Menschenbildes beruht,
sonst könnten wir hier gar nicht arbeiten.
I: Zudem stehen wir hier in einem besonderen Spannungsbogen. Auf der einen
Seite sind wir keine Beauftragten der Kirche, wir treten nicht repräsentativ im
Auftrag der Kirche auf. Im Gegenteil: Von unseren Klienten werden wir gefragt,
warum Kirche eigentlich so etwas macht. Wenn ich bspw. mit einer
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Hauptschulklasse unterwegs bin, von der ca. 80% Muslime sind, kommt schon
auch die Frage, warum die evangelische Kirche etwas macht, wo sie dann
teilnehmen können und was das mit Kirche zu tun hat. Dann sehe ich es schon
als unsere Aufgabe, ihnen ein humanistisch-christliches Weltbild vorzustellen und
auch die soziale gesellschaftliche Verantwortung der Kirche nach außen deutlich
zu machen, auch wenn es dann keine Mitglieder der Kirche sind.
4. Welche Kompetenzen haben Sie aus Ihrer Ausbildung bereits
mitgebracht und welche mussten Sie sich zusätzlich aneignen?
Wodurch haben Sie diese erlernt?
G: Ich würde sagen, dass ich in der Ausbildung bestimmte grundlegende
Kompetenzen erlernt habe, wie Moderationstechniken oder wie man einen
Vortrag hält. Was ich in der Ausbildung nicht gelernt habe, ist wie man das dann
nachher praktisch macht, also Zeitmanagement, Projektmanagement oder wie
man Kooperationen herstellt. Es war wichtig, zu lernen, dass man Kooperationen
herstellen muss, aber wie man das macht, war nicht Teil der Ausbildung.
Gelernt habe ich diese Dinge dann durch praktische Erfahrungen. Wir sind auch
beide in einen bundesweiten Kreis von (Jugend-) Bildungsreferenten
eingebunden, in dem wir uns jedes Jahr zur Reflexion unserer Arbeit treffen. So
hat man auch immer wieder die Möglichkeit einer „Tätigkeitssupervision“, wo wir
uns mit KollegInnen austauschen und dabei lernen können. Wir haben keinen
Beruf, in dem man nach dem Studium alles hat, was man dafür benötigt,
sondern wie man praktisch handelt oder wie das in der Praxis aussieht, lernt man
in der Regel erst nach dem Studium.
I: Ich sehe das ähnlich, würde das aber für mich noch weiter führen. Ich kann
das nicht genau differenzieren, was nun genau in der Ausbildung gelernt wurde
und was später. Das fing an mit der Berufsausbildung und meiner dortigen
Tätigkeit als politische Jugendvertretung im Betrieb. Dort wurden ganz
bestimmte Fertigkeiten gefordert und vermittelt, die mir dann in der „nächsten
Phase“ der Ausbildung an der Fachhochschule zugute kamen. Dort würde ich die
Stärken eher im Kennenlernen von Methoden, von didaktischen Überlegungen
und Einüben von Kommunikationsprozessen sehen. Das ist etwas, was ich später
an der Universität vermisst habe. An der Universität ging es eher darum,
möglichst schnell bzw. gut ein Referat vorzutragen oder eine Hausarbeit zu
schreiben. Es lässt sich nicht genau differenzieren, was nun genau wo gelernt
wurde. Ich denke vielmehr, es ist ein Prozess, der seit vierzig Jahren läuft.
G: Ich denke, dass ist etwas besonderes an der Erwachsenenbildung. Es ist ein
Beruf, in dem man mit Menschen zu tun hat. Die Kommunikation mit Menschen
in Bildungsprozessen ist etwas, was man theoretisch nicht lernen kann. Man
kann ganz viele Anhaltspunkte bekommen, wie Methodik oder Gesprächsführung,
aber wie man in den realen Kontakt mit realen Menschen, die zu so einer
Veranstaltung kommen, tritt, kann man im Studium nicht lernen. Man kann viele
theoretische Grundlagen schaffen, aber die praktischen Erfahrungen lassen sich
im Studium nicht vermitteln. In anderen Studiengängen kann man mehr
theoretisch arbeiten. Da ist dann der Anteil des in der Ausbildung erworbenen
Wissens höher als in der Erwachsenenbildung.
I: Dazu kommt, dass wir natürlich grob vorgegebene Ziele in unserer Arbeit
haben, aber es kann natürlich auch vorkommen, dass eine gut geplante,
einwöchige Veranstaltung nach eineinhalb Tagen total kippt oder dass plötzlich
etwas anderes im Fokus steht. Dann muss man sich plötzlich innerhalb einer
Bildungsveranstaltung umorientieren. Wir haben ja keinen Lehrplan, den wir
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erfüllen müssen. Wir haben auch keine Abstufungen oder Benotungen, die wir
vornehmen müssen. Die Arbeit mit Leuten mit einem Thema in der vorhandenen
gegebenen Zeit, das ist, was unseren Beruf ausmacht.
5. Würden Sie sich als "professionell" hinsichtlich Ihres derzeitig
ausgeübten Berufes beschreiben? Warum / Warum nicht?
I: Ich würde mich eher als Generalist mit einigen Schwerpunkten bezeichnen, in
denen ich vielleicht einen guten Kenntnisstand habe, mir Kenntnisse erworben
und erarbeitet habe und in denen ich auch in der Lage bin, diese weiterzugeben.
Aber in jedem Segment meiner Arbeit gibt es Leute, die das besser können oder
die das anders machen würden. Aber diese machen dann vielleicht sonst nicht
mehr viel anderes.
Da ist natürlich die Frage, was eigentlich professionell ist. Als professionell würde
ich uns schon sehen, da wir die Aufgabe, die wir haben, auch wirklich ernst
nehmen,
an
kontinuierlichen
Weiterbildungsprozessen
teilnehmen
und
eingebunden sind in ein größeres Netzwerk.
G: Ich würde mich immer als Profi bezeichnen. Professionell heißt bei uns nicht,
dass man viel Fachwissen über ein Thema hat. Unsere Arbeit besteht darin,
Bildungsprozesse zu initiieren, zu steuern, die Teilnehmenden miteinzubeziehen,
zu schauen, dass diese dabei bleiben und aus dem Prozess gestärkt
hervorgehen. Das ist unsere Profession, das können wir. Das heißt nicht, dass
das immer gelingt, aber professionell heißt eben, auch damit dann umgehen zu
können.
Wenn jemand auf uns zukommt, und gerne eine Veranstaltung zu einem
bestimmten Thema machen möchte, müssen wir schauen, in welcher Umgebung
machen wir das, was für ein Ziel soll es haben, wie macht man das und dann
auch die Methodik entwickeln. Von daher sind wir Profis, was die
Methodenvielfalt angeht. Wir können Bildungsprozesse initiieren, steuern und
unterstützen, darin sind wir professionell.
Teil B: Fragen nach der Institution und dem Wissenstransfer innerhalb
dieser
6. Wie können Sie selbst die Ihnen wichtigen Kompetenzen an jüngere
KollegInnen weitergeben?
G: Wichtig ist es, verschiedene Abläufe zu visualisieren und transparent zu
gestalten, damit die PraktikantInnen diese verstehen können. Bei der
Veranstaltungsplanung ist z.B. wichtig, dass man dem Veranstaltungshaus sechs
Wochen vorher Bescheid gibt, wie viele Teilnehmende kommen, da man ab
diesem Zeitpunkt zahlen muss. Das wissen viele Studierende nicht. Diese
Informationen muss man dann zur Verfügung stellen.
Viel von diesem Wissen gewinnt man auch erst durch Erfahrung. Wir versuchen,
den PraktikantInnen eigene Erfahrungen zu ermöglichen. Man lernt z.B. viel auch
daraus, dass Veranstaltungen eben nicht funktionieren.
I: Ich sehe das ähnlich. Zu Beginn habe ich aber auch viele Informationen und
Tipps durch Gespräche mit erfahrenen KollegInnen bekommen. Deshalb sind
diese natürlich auch wichtig.
G: Wir beteiligen die PraktikantInnen auch an unserer alltäglichen Arbeit und
geben ihnen Einblicke und Möglichkeiten zur Reflexion. Zum anderen beteiligen
wir sie durch eigene Projekte, in denen sie möglichst selbstständig eigene
24
Erfahrungen sammeln können. Es ist dann auch nicht schlimm, wenn dabei etwas
schief geht.
I: Wir bieten den PraktikantInnen auch die Möglichkeit, die Arbeitsweisen und
-felder der anderen KollegInnen kennen zu lernen, da diese natürlich höchst
unterschiedlich sind. Das ist auch einer der Vorteile hier im Haus, das wir
mehrere KollegInnen vor Ort haben und die Bandbreite relativ groß ist.
Im Bezug auf jüngere KollegInnen findet eine vielleicht gewünschte Fluktuation
hier momentan nicht statt. Daher bezieht sich der Austausch im Haus vor allem
auf PraktikantInnen. Den Austausch mit jüngeren KollegInnen haben wir dann
innerhalb der regionalen oder bundesweiten Netzwerke. Das geschieht dann über
Gespräche, oder dass man gemeinsam eine Veranstaltung plant und organisiert.
7. Werden Sie dabei von Ihrer Institution unterstützt?
G: Im Moment haben wir durch die Personalplanung selten die Möglichkeit, auf
neue Mitarbeitende zu treffen. Das sind dann doch eher die PraktikantInnen, mit
denen wir es zu tun bekommen. Aber immer mal wieder bekommen wir auch
neue KollegInnen. Das hängt aber nicht von uns ab, da wir für die
Personalplanung nicht zuständig sind.
I: Die neuen KollegInnen sind dann aber Fachleute für ihr Thema, wo wir dann
auch etwa ein halbes Jahr brauchen, bis man feststellen kann, was man
zusammen machen kann und was nicht. Und nach einem halben Jahr zu sagen,
die Person ist eigentlich ganz nett, der kann ich jetzt etwas beibringen, das ist
dann schon ein bisschen spät. Das ist dann schon eher ein gegenseitiges
Abklopfen. Aber Berufsanfänger hatten wir hier schon länger nicht mehr.
Im Bezug auf den Austausch ist das in der heutigen Struktur deutlich einfacher
geworden. Früher waren die Leute eher Einzelkämpfer, die weit verteilt saßen
und sich nicht unbedingt einig waren. Unter einem Dach ist dann doch deutlich
einfacher, miteinander zu kooperieren und voneinander zu lernen.
Im gesamten Raum der Kirche ist das schon schwieriger. Da herrscht manchmal
viel zu viel Konkurrenzdenken zwischen den Gemeinden, das dann den
Austausch oder Kooperationen eher verhindert.
8. Was sollen die neuen KollegInnen von ihrer Seite aus zum
Wissenstransfer beitragen?
G: Diejenigen, die an einem Transferprozess teilnehmen, müssen natürlich auch
offen dafür sein. Daher gehört Offenheit, auch gegenüber neuen Informationen,
als wichtiger Bestandteil dazu. Dann gehört zum professionellen Alltag, dass man
sich auch um Sachen kümmert, die einem nicht so sehr liegen.
I: Ich würde mir Informationen darüber wünschen, was derzeit an der Universität
passiert, welche Inhalte gelehrt werden, auf was Wert gelegt wird, inwieweit
auch die Erwartungen der Studierenden eine Rolle spielen. Auch eine
Rückmeldung darüber, warum sie studieren, was sie studieren, was sie sich
davon versprechen, welche Motivation sie haben.
G: Mich interessieren ebenfalls die Lehrinhalte an der Universität, bspw. was wird
über die verschiedenen Lernarten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
gelehrt. Die Schwierigkeit besteht darin, dass diese dann eventuell nicht
Bestandteile des individuellen Studiums sind, da die Studierenden sich das
aussuchen können. Daher ist das auch keine Erwartung von meiner Seite,
sondern es wäre schön, wenn darüber Auskunft gegeben werden könnte.
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Teil C: Ausblick, Anregungen, Vorschläge
9. Was würden Sie den Studierenden von heute mitgeben, damit diese
sich auf die Ausübung des erwachsenenpädagogischen Berufs
optimal vorbereiten können?
I: Ich würde ihnen empfehlen — und diese Möglichkeit hat man an der
Universität — über eine Engführung hinauszukommen, sich nicht zu sehr auf ein
Gebiet zu spezialisieren. Ich plädiere nicht wieder für den Generalismus, aber die
Bandbreite sollte etwas größer sein.
G: Da ich nicht genau weiß, was sie derzeit machen, sind Empfehlungen etwas
schwierig. Das Studium heute ist viel strukturierter und verschulter, als es noch
zu meiner Zeit war, dadurch ist diese Bandbreite auch ein Stück weit verringert.
I: Ich würde den Studierenden von heute noch empfehlen, dass sie, sobald die
Möglichkeit dazu besteht, sich in Praxisfeldern umsehen. Das muss dann nicht in
der Form eines Praktikums über acht oder zehn Wochen sein, sondern das kann
auch erst einmal eine Mitarbeit in einem Projekt sein, ehrenamtlich oder
zunächst mit einem etwas geringeren Honorar. Das bringt zum einen zusätzliche
Kenntnisse und ist zum anderen bei Bewerbungsschreiben immer hilfreich. Meine
Empfehlung ist daher, möglichst viele Praxiserfahrungen zu sammeln.
G: Und nicht so viele Daten im StudiVZ veröffentlichen. Diese werden nämlich
auch von späteren eventuellen Arbeitgebern überprüft.
10.Haben Sie weitere Anregungen oder Vorschläge hinsichtlich des
Wissenstransfers?
G: Ich würde mir mehr Informationen darüber wünschen, was gelehrt wird, also
auch, welche Schwerpunkte gesetzt werden. Die Themen unterliegen natürlich
einem Wandel der Zeit, so dass es interessant wäre, was aktuell ein Thema ist.
I: Bei den einzelnen PraktikantInnen gibt es natürlich immer eine individuelle
Selektierung. Daher würde ich mir auch eine etwas breitere Übersicht wünschen
über das, was an der Universität passiert, was die Studierenden machen, wie die
Anforderungen sind, in welche Richtung das geht.
G: Heutzutage haben Universitäten ja auch ein Profil, vielleicht hat ja das Institut
auch ein solches, das dann vorgestellt werden kann.
I: Meine bisherigen Erfahrungen mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
waren nicht so gut. Wir wollen weiterhin Praktikumsplätze anbieten, aber das
schien niemanden zu interessieren. Wir würden uns wünschen, auch weiterhin
PraktikantInnen zu haben. Wir haben einige Projekte, auch hier im Haus, in
denen PraktikantInnen mitarbeiten könnten. Von daher wünschen wir uns auch
etwas mehr Engagement von Seiten der Universität.
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