Seminarprogramm und Dokumente bis Nr. 9 (S.49)

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1
JOHANNES GUTENBERG - UNIVERSITÄT MAINZ
FACHBEREICH SPORTPROF. DR. MED. H.-V. ULMER
SPORTPHYSIOLOGISCHE ABTEILUNG
: 06131/39-23583 (25415)
Fax: 06131/39-23525
Email: [email protected]
http://www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/
Skript für das Medizinische Seminar (Sportphysiologie) im Wintersemester 2003/04
Rahmenthema: Atmung, Kreislauf, Wärmehaushalt
Projekt: Sportphysiologische Experimente mit einfachen Mitteln (E = Experiment,
R = Referat, V = maximale Vortragsdauer)
28.10.03
4.11.03
11.11.03
18.11.03
25.11.03
2.12.03
Vorbesprechung: Eingangsvoraussetzungen, Spielregeln, Platzund Themenvergabe, Nachrücker, Sprechstunde, Verbindlichkeit
des Aushangs, Internetseiten der Abteilung, Bibliotheksbenutzung,
Zitieren aus dem Internet, Umgang mit vorangegangenen Versuchsplänen, Bedeutung der Vorversuche, zur Lesbarkeit von Projektionen – Leseprobe, Protokolle und Datenschutz, Tischvorlagen
(Auflagenhöhe, Verteilmodus), Hallenreservierung,
Nachgeholter Versuchsbericht vom SS 03: Ganzkörperschwingungen nach schwerer körperlicher Arbeit
Fortsetzung der Vorbesprechung: Restliche Themenvergabe, Statistische Anforderungen, Hinweise zu Sorgfaltspflicht und Risiko bei
Experimenten mit Menschen, Deklaration von Helsinki. Zum Wissenschaftlichen Arbeiten einschließlich Diskussionskultur in der
Wissenschaft sowie im Seminar. KR-Effekte. Bei Experimenten am
Menschen: Standardisierung, Instruktion, Motivation. Anlass von
Streuungen (methodische und zufallsbedingte Fehler versus echte
Variabilität).
1. Messung des Atemzugvolumens, einschließlich der Vitalkapazität (E)
2. Umfangsänderungen von Bauch und Thorax während systematisch abgestufter Atmungstiefe (E)
Berichte zu den Versuchen vom 4.11.03 (V=10 min)
3. Atemminutenvolumen, Atemzugvolumen und Atmungsfrequenz
nach körperlicher Arbeit unterschiedlicher Intensität (E)
4. Maximale Atemanhaltezeit und Atmungsregulation (E)
Berichte zu den Versuchen vom 11.11.03 (V=10 min)
5. Vortrag: Zum Aufbau von Versuchsberichten und zum wissenschaftlichen Arbeiten (V = 15 min)
6. 1. Experiment nach Wahl: Atmungsregulation bei vergrößertem
Totraum (E)
Bericht zum Versuch vom 18.11.03 (V=10 min)
7. Vortrag: Redetechnik und Vortragskunst (R, V=15 min)
8. Einübungsversuch zu Pulsfrequenz- und Blutdruck-Messung (E)
Bericht zum Versuch vom 25.11.03 (V=10 min)
9. Kreislaufregulation während und nach körperlicher Arbeit (E)
10. Kreislaufregulation bei Lagewechsel (E)
ULMER, H.-V.
RICHTER, N.
ULMER, H.-V.
LEIBFRIED, K.
GRESCHEK, G.
SCHECHTER, M.
BURKHARDT, T.
SCHENK, N.
RICHTER, M.
AHLERS, D.
DASCHMANN, N.
THIES, R.
BORINSKI, A.
2
9.12.03
16.12.03
Berichte zu den Versuchen vom 2.12.03 (V=10 min)
11. Kreislaufregulation als Ausdruck der Beanspruchung bei körperlicher Arbeit – Belastung und Beanspruchung (R, V=15 min)
12 2. Experiment nach Wahl: Experimente mit der BORG-Skala
(E)
Bericht zum Versuch vom 9.12.03 (V=10 min)
13. 3. Experiment nach Wahl: Herzfrequenz- und Blutdruckentwicklung bei Pressatmung.(E)
14. Kreislauf- und Atmungsregulation bei vergrößertem Totraum (E)
DIETZE, H.
LUBOJANSKI, J.
FLECKENSTEIN,
T.
BERZ, A.
WEIHNACHTSPAUSE
6.1.04
13.1.04
20.1.04
27.1.04
3.2.04
10.2.04
17.2.04
Berichte zu den Versuchen vom 16.12.04 (V=10 min)
Vorstellung zweier Empfindlichkeitsskalen für klimatische Behaglichkeit
15. 4. Experiment nach Wahl: Maximales Atemzugvolumen bei gestörter Atmungsmechanik (E)
Bericht zum Versuch vom 6.1.04 (V=10 min)
16. Thermische Behaglichkeit bei unterschiedlicher Bekleidung und
unter-schiedlicher Raumtemperatur (E)
17. Thermische Behaglichkeit nach körperlicher Arbeit (E)
Berichte zu den Versuchen vom 13.1.04 (V=10 min.)
18. Thermische Behaglichkeit beim Aufenthalt in der Sauna (E)
19. Thermische Behaglichkeit beim Aufenthalt im Schwimmbad (E)
Berichte zu den Versuchen vom 20.1.04 (V=10 min)
20. 5. Experiment nach Wahl der Versuchsleiterin zum Rahmenthema: Thermische Behaglichkeit im Schwimmbad (Luft)
ohne und mit vorherigem Duschen (E)
21. 6. Experiment nach Wahl der Versuchsleiterin: Thermische Behaglichkeit bei längerem, passiven Aufenthalt im Wasser (12
min, 28° C) (E)
Berichte zu den Versuchen vom 27.1.04 (V=10 min)
22. Kreislaufregulation während psychischer Aktivität (V=10 min)
23. 7. Experiment nach Wahl des Versuchsleiters zum Rahmenthema: Verhalten von Pulsfrequenz, Lippenfarbe und
Atmungsfrequenz bei 10minütiger Rückatmung (vergrößerter
Totraum) (E)
Bericht zum Versuch vom 3.2.04 und 20.1.04 (BREILER), (V=10
min)
Verteilung der Evaluationszettel ("Top, Flop, sonstige Bemerkungen")
24. Schriftliche Prüfung übungshalber
25. Ergebnis der schriftlichen Prüfung (V=15 min), Vortrag mit Diskussion.
26. Auswertung der Evaluationszettel, Leitung der Abschlussdiskussion, Seminarkritik
Schlussbetrachtungen
ULMER, H.-V.
SCHEFFLER, P.
KREDEL, J.
MIELISCH, H.
BREILER, C.
DIEFENBACH, A.
KOBLER, S.
SIEGL, D.
FARNUNG, A.
HÄHNEL, D.
s. Nr. 26
WINKLER, S.
BECK, H.
GÜNTHER, C.
ULMER, H.-V.
Homepage der Sportphysiologischen Abteilung:
http://www.uni-mainz.de/FB/Sport/Physio/[email protected] (H.-V. ULMER, Mainz)
3
Johannes- Gutenberg- Universität Mainz
Seminar: Sportphysiologie – „Experimente mit einfachen Mitteln“ WS 03/04
Seminarleitung: Prof. Dr. H.- V. Ulmer
Leibfried, Kathrin ([email protected]), Datum 4.11.2003
1. Messung des Atemzugvolumens (AZV) und der Vitalkapazität (VK)
– Versuchsplan
1. Versuchsziel
Messung des Atemzugvolumens, einschließlich der Vitalkapazität mit Hilfe von Spirometern.
2. Versuchsplanung
2.1. Organisation
Die Probanden (14) werden in zwei Gruppen mit jeweils 7 Teilnehmern aufgeteilt, diese unterteilen
sich dann nochmals in 3er und einer 4er Gruppe. Es gibt zwei verschiedene Tests (A und B). Eine
Gruppe führt ca. 15 Minuten den Test A durch, in der gleichen Zeit absolviert die andere Gruppe
den Test B. Nach Ablauf der Zeit wird gewechselt. Benötigt wird pro Test:
- 1 Protokollant (P)
- 1 Versuchsperson (VP)
- 1 Person, die das Ergebnis abließt
- eventuell 1 Peron, die zusätzlich kontrolliert, ob das Ergebnis richtig abgelesen wurde.
In der jeweiligen Testgruppe wird die Position VP, P usw. nach jeder Messung durchgewechselt.
2.2. Material:
- eine mit Wasser gefüllte Zinkwanne zum eintauchen des Messbehälters
- ein Messbehälter mit Skalierung (Spirometer)
- ein Plastikschlauch (ca. 1m)
3. Versuchsdurchführung
3.1. Erfassung der persönlichen Daten
Jede Versuchsperson bekommt vor dem Versuch ein Versuchsprotokoll. Hier werden auch die
Versuchsergebnisse eingetragen.
3.2. Messung des Atemzugvolumens (AZV)
Die Wasserwanne und den Messbehälter vollständig mit Wasser füllen. Den gefüllten Messbehälter mit der Hand verschließen und mit der Öffnung nach unten auf den Grund der Wanne stellen
(möglichst ohne Wasserverlust). Danach die Luft aus dem Schlauch unter Wasser entweichen lassen und ein Ende in die Messbecheröffnung schieben, das andere Schlauchende mit dem Daumen verschließen.
Die Versuchsperson führt das Schlauchende an den Mund und atmet nach normaler Atmung aus
und verschließt danach sofort die Schlauchöffnung mit dem Daumen. Der Protokollant notiert die
verdrängte Wassermenge. Wiederholung des Versuchs.
3.3. Messung der Vitalkapazität (VK):
Verlauf siehe 3.2., die VP nimmt hier eine aufrechte Stehposition ein und hält sich die Nase zu.
Nun wird maximal in den Schlauch ein- und ausgeatmet. Der P notiert die Daten. Wiederholung
des Versuchs.
4. Versuchsprotokoll
AZV (L)
VK (L)
NAME:
1. Messung
GESCHLECHT:
GRÖßE:
cm,
GEWICHT:
kg
2. Messung
Abweichungen vom Versuchsplan und besondere Vorkommnisse bitte auf der Rückseite notieren
4
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referent: Kathrin Leibfried, Datum: 11.11.2003
E-Mail: [email protected]
1. Messung des Atemzugvolumens einschließlich der Vitalkapazität
– Versuchsbericht
Versuchsbericht und Ergebnisse
1. Allgemeine Grundlagen
„Ein Spirometer ist ein gasdichter Raum, aus dem Gas eingeatmet und Gas ausgeatmet werden
kann. Verbindet man die Atemwege eines Probanden mit dem Spirometer, so kann man die Veränderung seines Lungenvolumens (...) aufzeichnen.“1 Es gibt verschiedene Atemvolumina:
Atemzugvolumen, VT = ein- und ausgeatmetes Volumen
exspiratorisches Reservevolumen, ERV = das Volumen, welches nach normaler Ausatmung
(Atemruhelage) noch ausgeatmet werden kann
inspiratorisches Reservevolumen, IRV = das Volumen, das nach normaler Einatmung noch zusätzlich eingeatmet werden kann
Vitalkapazität VC = maximales Atemzugvolumen (IRV + VT + ERV)2
Inspirationskapazität = Volumen, das nach normaler Exspiration maximal eingeatmet werden
kann
Residualvolumen = Volumen, das nach maximaler Exspiration noch in der Lunge zurückbleibt
Funktionelle Residualkapazität = Volumen das nach normaler Exspiration noch in der Lunge
enthalten ist
Totalkapazität = Volumen, das nach maximaler Inspiration in der Lunge enthalten ist
Von größerer Bedeutung sind neben dem Atemzugvolumen nur noch die Vitalkapazität und die
funktionelle Residualkapazität.3
In unserem Fall reicht die Betrachtung von AZV und VK aus. Bei Atemruhelage beträgt das Atemzugvolumen (AZV) bei normaler Atmung ca. 0,5 l.4 Die Werte der Vitalkapazität (VK) liegen bei
Männern, die zwischen 20 und 30 Jahren sind, bei 5,1 l und bei Frauen im selben Alter bei 4,4 l.5
2. Zur Versuchsdurchführung
An dem Versuch das AZV und die VK zu messen nahmen am 4.11.2003 insgesamt 27 Versuchspersonen teil. Davon waren 16 männlich und 11 weiblich. 19 Probanden haben ihr AZV und VK an
einem Wasser-Spirometer und 8 an einem Trocken-Spirometer gemessen. Beide Spirometerversuche wurden von 3 Personen durchgeführt. Das Ziel war die Messung des Atemzugvolumens
einschließlich der Vitalkapazität mit Hilfe von Spirometern.
In dieser Arbeit soll ein geschlechtsspezifischer Unterschied zwischen den erlangten Werten der
verschiedenen Spirometer (nass, bzw. trocken) herausgestellt werden. Von einer Person sind keine Ergebnisse vorhanden.
Wie an den beiden Diagrammen ersichtlich, liegen die Mittelwerte von Männern über denen von
Frauen und zwar sowohl bei dem AZV als auch bei der VK. Eine weitere Erkenntnis ist, dass bei
dem Nass-Spirometer-Versuch eine Steigerung bei dem AZV erfolgt ist. Diese Entwicklung scheint
geschlechtstunabhängig zu sein. Bei den Frauen ist im 1. Versuch ein Mittelwert von 2,0 l ermittelt
worden und im 2. Versuch ein Mittelwert von 2,5 l. Bei den Männern ist diese Erhöhung ein bisschen niedriger ausgefallen, nämlich von 2,4 l im ersten Versuch auf 2,6 l im zweiten Versuch. Bei
den Nass-Spirometer-Versuchen kann man erkennen, dass die Werte nicht mit der Angabe aus
der Literatur übereinstimmen.
1
SCHEID, P.: Atmung, S. 223
ebd., S. 223
3
THEWS, G.: Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen, S. 270-271
4
SILBERNAGL, S.: Taschenatlas Physiologie, S. 85
5
SCHMIDT, R.-F./THEWS, G./LANG, F.: Physiologie des Menschen, S. 570, Abb.: 25-8
2
5
Ergebnisse der Nass-Spirometer-Versuche
Mittelwerte der 1. und 2. Messung Nass
3,0
2,6
2,5
2,5
2,4
2,0
AZV (l)
2,0
1. Messung Frauen
1,5
2. Messung Frauen
1. Messung Männer
1,0
2. Messung Männer
0,5
0,0
Mittelwerte der 1. und 2. Messung VK Nass
5,0
4,7
4,6
4,5
4,0
VK (l)
3,5
3,0
2,5
2,0
3,1
3,1
1. Messung Frauen
2. Messung Frauen
1. Messung Männer
2. Messung Männer
1,5
1,0
0,5
0,0
Bei der Messung der Mittelwerte bei VK nass ist eine divergierende Entwicklung bei Frauen und
Männern zu beobachten. Während bei den Frauen eine geringe Steigerung von 3,1 l auf 3,1 l zu
beobachten ist, kommt es bei den Männern zu einer leichten Verringerung von 4,7 l im ersten
Durchgang auf 4,6 l im zweiten Durchgang.
Die absoluten Tendenzen von den Nassversuchen lassen sich auch bei den Trockenversuchen
beobachten, d.h. das Volumen der Frauen ist geringer als das ihrer männlichen Mitstudenten.
Auch die Tatsache, dass sich die Mittelwerte zwischen den beiden AZV-Versuchen unabhängig
6
Ergebnisse der Trocken-Spirometer-Versuche
Mittelwerte der 1. und 2. Messung AZV Trocken
3,0
2,7
2,7
2,5
AZV (l)
2,0
1,9
2,1
1. Messung
Frauen
2. Messung
Frauen
1. Messung
Männer
2. Messung
Männer
1,5
1,0
0,5
0,0
Mittelwerte der 1. und 2. Messung VK Trocken
6,0
5,0
5,0
4,9
1. Messung Frauen
VK (l)
4,0
3,0
3,6
3,5
2. Messung Frauen
1. Messung Männer
2. Messung Männer
2,0
1,0
0,0
vom Geschlecht des Probanden erhöhen, kann man hier erkennen. Beim Trockenversuch ist bei
den Frauen eine Steigerung von 1,9 l des AZV im ersten Versuch auf 2,1 l festzustellen und analog
bei den Männern eine Zunahme von 2,7 l AZV auf 2,7 l. Die Mittelwerte der VK nehmen bei beiden
Geschlechtern ab. Ist bei den weiblichen Testpersonen eine Senkung von 3,6 l auf 3,5 l der VK zu
verzeichnen, so ist die Reduktion bei den männlichen Probanden von 5 l auf 4,9 l des VK. Die Genauigkeit der Spirometer ist, wie man an den ermittelten Werten sehen kann, recht hoch. Probleme
gab es bei den unterschiedlichen Handhabungen der Spirometer. Abschließend kann man sagen,
dass ein Versuch mit einfachen Mitteln nicht nur Tendenzen aufgezeigt werden können, sondern
Werte, wie sie in der Literatur genannt sind erreicht werden können.
Literaturangaben:
MUTSCHLER, E./VAUPEL, P./THEWS, G. Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie des Menschen, 5. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart 1999
SCHEID, P.; Atmung. In: KLINKE. R./SILBERNAGL, S.(Hrsg.): Lehrbuch der Physiologie, 4. korrigierte Auflage, Stuttgart, New York 2001
SILBERNAGL, S.: Taschenatlas Physiologie, 4. überarbeitete Auflage, Stuttgart – New York 1988
THEWS, G.: Lungenatmung. In: SCHMIDT, R.-F./THEWS, G./LANG, F.: Physiologie des Menschen, 26. vollständig überarbeitete Auflage, Springer – Verlag Berlin, Heidelberg, New York 1995
7
Johannes Gutenberg- Universität Mainz, Fachbereich Sport
Seminar: „Sportphysiologie- Experimente mit einfachen Mitteln“
Seminarleiter: Prof. Dr. med. H.-V. Ulmer, Versuchsdatum: 03.11.2003
Referentin: Kerstin Greschek
2. Umfangsänderungen von Bauch und Thorax in Ruhe, bei maximaler Inspiration und bei maximaler Exspiration – Versuchsplan
1. Versuchsziel
Veranschaulichung der Bauch- und Brustatmung als Teil der Atmungsmechanik.
2. Versuchsplanung
 Organisation:
Die Studenten bilden Vierergruppen bestehend aus einer Versuchsperson (VP), einer Person, die für die Protokollierung der Daten verantwortlich ist und zwei Assistenten,
die für die Messungen verantwortlich sind.
Dabei misst Assistent (a) den Bauchumfang und Assistent (b) den Thoraxumfang.
Nach Beendigung der Messungen werden die Positionen gewechselt, bis am Ende jede Person
einmal VP war.
 Geräte:
 pro Gruppe zwei Maßbänder
 pro Person ein Versuchsprotokoll und ausrechend Schreibmaterial
3. Versuchsdurchführung
 an jeder VP werden jeweils 8 Messungen durchgeführt, d.h. Thorax- und
Bauchumfangmessung bei normaler Ein- und Ausatmung, sowie bei max. Inspiration
und max. Expiration.
 die Messungen werden im aufrechten Stehen durchgeführt
 der Bauch muss bei der Messung frei sein!!
 Messung des Thoraxumfangs: männliche VP: eine Handbreit unter der Brustwarze
weibliche VP: unterhalb des Brustansatzes
 Messung der Bauchumfangs: mit der Oberkante des Maßbandes am unteren Ende des
Bauchnabels.
 Messung bei Ruheatmung:
normales Ein- und Ausatmen, am Übergangsmoment
kurz den Atem anhalten.
 Messung bei Maximalatmung: maximale Ein- und Ausatmung, dabei wird kurz die Luft
angehalten.
 Die jeweiligen Ergebnisse werden in die dafür vorgesehene Tabelle eingetragen. Die
Reihenfolge der Messungen entspricht der untenstehenden Tabelle.
4. Versuchsprotokoll
Name:
Größe:
Gemessene
Werte in cm
Thoraxumfang
Bauchumfang
Bemerkung:
Ruheinspiration
Geschlecht:
Gewicht:
Ruhe-Exspiration Max. Exspiration Max. Inspiration
Abweichungen vom Versuchsplan und besondere Vorkommnisse bitte auf der Rückseite notieren
8
Johannes Gutenberg- Universität Mainz, Fachbereich Sport
Seminar: „Experimente mit einfachen Mitteln”, Semester: WS 2002/ 2003
Seminarleiter: Prof. Dr. med. H.- V. Ulmer, Vortragsdatum: 11.11.03
Referentin: Kerstin Greschek ([email protected])
2. Umfangsänderungen von Bauch und Thorax in Ruhe und bei maximaler
Ein- und Ausatmung – Versuchbericht
1 Versuchsziel
Ziel des Experimentes ist die Veranschaulichung der Bauch- und Thoraxatmung als Teil der
Atmungsmechanik.
2 Sachstand
2.1
Anatomische Grundlagen:
2.1.1 Atmungsarten
Brustatmung/Thoraxatmung: die Zwischenrippenmuskeln heben und senken den Brustkorb
(Thorax)
 Bauchatmung/Abdominale Atmung: das Zwerchfell kontrahiert sich bei der Einatmung und
entspannt sich bei der Ausatmung.
> Diese Bewegung wird an der vorderen Bauchwand sichtbar.
Je nachdem, ob die Atmung hauptsächlich durch Heben der Rippen oder durch Senken des
Zwerchfells erfolgt, spricht man von thorakaler- oder von abdominaler Atmung.
Beide Arten treten immer gemeinsam auf und somit ist die Definition der Atmungsart nur
über die hauptsächlich genutzte Atemmuskulatur zu definieren.

2.1.2 Atmungsmuskeln
Zwerchfell: wichtigster Atemmuskel. Es schließt den Thoraxraum kuppelförmig, in horizontale
Richtung nach unten gegen die Bauchhöhle ab. Bei der Einatmung kommt es zu einer
Kontraktion des Zwerchfells, aufgrund dessen sich der Thoraxraum vergrößert (Kuppeln
flachen ab). Bei Ausatmung erschlafft das Zwerchfell und der Thoraxraum verkleinert sich
wieder.
Innere Zwischenrippenmuskeln: auch Exspirationsmuskeln, da sie für die Senkung der
Rippen und somit für die Thoraxverkleinerung verantwortlich sind.
Äußere Zwischenrippenmuskeln: auch Inspirationsmuskeln, da sie für die Hebung der Rippen
und somit für die Thoraxvergrößerung verantwortlich sind.
Atemhilfsmuskeln: unterstützen die regulären Atmungsmuskeln, überwiegend bei erhöhtem
Atmungsbedarf, z.B. Atemnot.
2.1.3 Atmungsphasen
In der Einatmungsphase (Inspirationsphase) wird der Thoraxinnenraum durch die
Zwerchfellkontraktion und Hebung des Brustkorbes durch die äußeren Zwischenrippenmuskeln
erweitert → aktiver Vorgang.
Exspiration: In der Ausatmungsphase (Exspirationsphase) wird der Thoraxinnenraum durch
Entspannung des Zwerchfells und Senkung des Brustkorbes verkleinert → passiver Vorgang.
Inspiration:
2.2 Erwartungen
Im Allgemeinen ist zu erwarten, dass eine Differenz im Umfang von Bauch und Thorax bei Inspiration und Exspiration besteht. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Umfänge von Thorax und
Bauch bei Inspiration größer als bei Exspiration sind. Außerdem sollten die Differenzen (D) während der Maximalatmung größer sein als bei der Ruheatmung.
3 Messmethodik
Der Versuch wurde gemäß dem Versuchsplan vom 04.11.03 an 28 Probanden, davon an 16 Männern und 12 Frauen, durchgeführt. Parallel zu diesem Versuch nahmen die Probanden noch an ei-
9
nem Experiment zur Bestimmung des Atemzugvolumens teil (Versuchsthema Nr. 1). Die Datensätze waren alle komplett.
4 Ergebnisse
Die Werte des am 04.11.03 ausgeteilten Datenblattes wurden in einer Tabelle zusammengefasst
und die Differenzwerte sowie die Mittelwerte der Differenzen gebildet. Dabei bildet Tabelle 1 die
Versuchsergebnisse der Probanden und die Tabelle 2 die der Probandinnen ab (Anhang, S. 4).
In Tabelle 3 findet die Gegenüberstellung der Mittelwerte sowie der Gesamtmittelwerte statt.
A) Ruheatmung
Die Mittelwertsdifferenzen des Thoraxumfanges sind sowohl bei den Männern als auch bei den
Frauen größer als die Mittelwertsdifferenzen des Bauchumfangs (vgl. Tabelle 1, 2 u. 3).
Bei Bauchumfang besteht eine sehr geringe Differenz zwischen Inspiration und Exspiration.
B) Maximalatmung
Die Mittelwertsdifferenzen des Thoraxumfanges bei der Maximalatmung liegen bei beiden Geschlechtern mit 6,5 cm bei den Männern und 7,7 cm bei den Frauen eindeutig höher als die Mittelwertsdifferenz des Bauchumfangs bei der Maximalatmung (0,1 cm bei den Männern und – 1,2 cm
bei den Frauen). Außerdem wies eine Probandin (Nr. 23) bei der Differenz des Bauchumfangs bei
maximaler Atmung mit – 8,5 einen auffallend hohen Negativwert auf.
C) Vergleich der Thoraxumfangsänderung bei Ruhe- und Maximalatmung
Die Veränderung des Thoraxumfanges ist bei Ruheatmung erheblich geringer als die Umfangsänderung des Brustkorbes bei maximaler Atmung (siehe Tabellen 1, 2 und 3).
D) Vergleich der Bauchumfangsänderung bei Ruhe- und bei Maximalatmung
Im Allgemeinen lässt sich feststellen, dass sowohl bei der Ruhe- als auch bei der Maximalatmung
bei beiden Geschlechtern eine sehr geringe Umfangsdifferenz zwischen Inspiration und Exspiration zu erkennen ist. Dabei ist auffällig, dass die mittlere Differenz bei der Ruheatmung größer ist
als die bei der Maximalatmung. Eine weitere Auffälligkeit ist die bereits in B) angesprochene negative Mittelwertsdifferenz der Frauen.
5 Diskussion
5.1 Diskussion
Da in den Erwartungen formuliert wurde, dass die Umfänge von Thorax und Bauch bei Inspiration
größer sein sollten als bei Exspiration, wurden demnach positive Werte erwartet. Somit verdeutlicht die negative Mittelwertsdifferenz bei der abdominalen Maximalatmung, dass der Bauchumfang bei maximaler Exspiration größer ist, als bei maximaler Inspiration. Dieser negative Wert
kommt daher, weil 8 von 12 Probandinnen größere Bauchumfänge bei der maximalen Exspiration
aufweisen, als bei maximaler Inspiration. Auch 7 von 16 Männern zeigen negative Differenzwerte
auf (siehe Abb. 2). Jedoch bleibt hier die Mittelwertsdifferenz mit einem Wert von 0,1 cm nur knapp
im positiven Bereich.
Aufgrund der Versuchsergebnisse kann man erkennen, dass in beiden Fällen der Atmung eine
thorakale der abdominalen Atmung vorgezogen wurde. Vor allem anhand der Werte der Maximalatmung ist ersichtlich, dass hier überwiegend Brust- bzw. Thoraxatmung durchgeführt wurde (vgl.
Abb. 1). Auch bei der Ruheatmung ist eine verstärkte thorakale Atmung zu erkennen. Die Differenz
zur Bauchatmung ist allerdings nicht so deutlich.
Die Mittelwertsunterschiede zwischen Männern und Frauen sind auf anatomische Unterschiede,
wie Statur und Körpergröße zurückzuführen.
Große Unterschiede im Umfang konnte man bei beiden Atemarten im Brustkorbbereich erkennen,
wohingegen der Bauchumfang kaum auffällige Veränderungen aufwies.
Die Umfangsänderungen bei Thorax und Bauch in der Ruheatmung sind gering, demgegenüber
unterscheiden sich die Umfangsänderungen bei der Maximalatmung in ihrem Ausmaß erheblich.
10
5.2 Methodenkritik
Die Tabelle aus dem Versuchsplan, in die die Probanden ihre Werte eintragen sollten, sorgte bei
einigen Studenten für Irritationen. Es wurde angenommen, dass bei der Maximalatmung erst der
Wert der Inspiration eingetragen werden sollte und danach der der Expiration. Jedoch war die Tabelle umgekehrt angeordnet, sodass es möglich wäre, dass einige Daten vertauscht wurden und
dies Einfluss auf das Ergebnis haben könnte.
6 Fazit
Es ist eine nicht zu erwartende Mittelwertsdifferenz bei der abdominalen Maximalatmung der Frauen aufgetreten. Warum letztendlich ein anderes Ergebnis als das in den Erwartungen formulierte
aufgetaucht ist, konnte nicht ausgemacht werden. Diese Frage soll in der anschließenden Diskussion mit den Studierenden erörtert werden. Anhand der Versuchsergebnisse konnte das Versuchsziel, nämlich die Veranschaulichung der Bauch- und Thoraxatmung als Teil der Atmungsmechanik sehr gut nachvollzogen werden.
7
Nachweis der verwendeten Literatur
1) FRÖHLICH, S.: Versuchsbericht: Umfangsänderung von Brustkorb und Bauch während
Ruheatmung und Maximalatmung. Zum Seminar: Sportphysiologische Experimente mit
einfachen Mitteln - Atmung, Kreislauf, Wärmehaushalt WS 01/02. Mainz, 2001.
2) TITTEL, K.: Beschreibende und funktionelle Anatomie des Menschen 13. Auflage. München/
Jena 2000.
3) VLACH, C.: Versuchsbericht: Endfassung des Versuchberichts zum Experiment Nr.5:
Umfangsänderung von Bauch und Thorax während Ruhe- und Maximalatmung. Zum
Seminar: Sportphysiologische Experimente mit einfachen Mitteln - Atmung, Kreislauf,
Wärmehaushalt WS 02/03, Mainz, 2002.
4) VLACH, C.: Atmungsmechanik im Praktikumsversuch: Thorax- und Bauchumfang mit Bezug
zu thorakaler und abdominaler Atmung, online verfügbar unter:
http://www.unimainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/354AtmungPrakt03.pdf (06.02.2003).
5) WIRSCHINGER, H.: Versuchsbericht: Umfangsänderung von Bauch- und Thoraxumfang
während Ruhe- und Maximalatmung. Zum Seminar: Sportphysiologische Experimente mit
einfachen Mitteln- Atmung, Kreislauf, Wärmehaushalt WS 02/03. Mainz, 2002
Zugehörige Tabellen und Abbildungen auf den nachfolgenden Seiten
11
Für die Tabellen 1, 2 und 3 gilt die nachfolgende Legende, alle Werte sind in cm angegeben. (Die uneinheitlichen
Nachkommastellen innerhalb der Spalten liegen in der Verantwortung der Seminarteilnehmerin, Kommentar des Seminarleiters)
VP= Versuchsperson
D= Differenz: Inspiration - Exspiration
G= Geschlecht
m= männlich
M= Mittelwert
w= weiblich
Tabelle. 1: Versuchsergebnisse der Probanden, D= Differenz “ ein – aus“
VP
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
M
s
G
m
m
m
m
m
m
m
m
m
m
m
m
m
m
m
m
Thoraxumfang (cm)
Ruheatmung
Maximalatmung
ein
aus
D
ein
aus
D
1
94
93
99
96
88,5
87
1,5
94
85
86,5
87
-0,5
90
84
82,5
79
3,5
86,3
77
100,5
96
4,5
103,5
95,5
86
82,5
3,5
91,5
82
84,5
81
3,5
86
79
107
105
2
110
105
99,8
98
1,8
103
97
91,5
89
2,5
94,7
94,7
88,9
88,1
0,8
93,2
88,1
86,4
85,6
0,8
91,6
82,4
94
93,5
0,5
96,5
91
83
81
2
85,5
77
94,5
93,5
1
97
91
93
90
3
95
88
91,3
89,3
2,0
94,8
87,7
± 6,9
± 6,4 ± 1,4
± 6,7
± 5,5
Bauchumfang (cm)
Ruheatmung
ein
aus
D
3
98,5
98,7
9
84,5
83,7
6
80
80
9,3
80,5
79,5
8
96
95
9,5
84
83
7
80
78
5
107
106
6
92
92,5
0
92,3
91,5
5,1
85,8
85,7
9,2
80,6
79,5
5,5
88
87,1
8,5
73
75,2
6
92
92,4
7
82
82
6,5
87,3
86,9
± 2,6 ± 8,6
± 9,0
Maximalatmung
ein
aus
D
-0,2
99,5
96,4
3,1
0,8
81
80
1
0
2
78,5
76,5
1
78
79
-1
2,5
1
97
94,5
1
79,5
85
-5,5
2
78
78
0
1
106
106
0
-0,5
90,8
91,4
-0,6
0,8
93,7
89,8
3,9
0,1
85,7
84,5
1,2
1,1
77,9
77,3
0,6
0,9
87,2
88,4
-1,2
-2,2
74,5
76,5
-2
-0,4
90
92,5
-2,5
0
80,5
81
-0,5
0,4
86,1
86,1
0,1
± 1,0
± 9,2
± 8,4
± 2,3
Tab. 2: Versuchsergebnisse der Probandinnen, D= Differenz “ein – aus”, Ausreißerwert von Probandin 23, nach Berechnung der Mittelwertsdifferenz und der dazugehörigen Standardabweichung ergaben sich folgende Vergleichswerte: -0,5 ± 1,6.
VP
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
M
s
G
W
W
W
W
W
W
W
W
W
W
W
W
Thoraxumfang (cm)
Bauchumfang (cm)
Ruheatmung
Maximalatmung
Ruheatmung
Maximalatmung
ein
aus
D
ein
aus
D
ein
aus
D
ein
aus
D
80
76
4
84
73,5
10,5
78
77
1
76
78
-2
80
76
4
82
73
9
83
81
2
83
84
-1
-1
77
74,5
2,5
79
71
8
79
77,5
1,5
76
77
75
72
3
76
71
5
80
79
1
85
83
2
76
73
3
80
72
8
82
82
0
80
82
-2
2
-2
-1
74
72
76
71
5
79
81
79
80
1,6
77,1
75,5
82,4
75
7,4
77
79,5
-2,5
71,5
80
-8,5
77,5
73
4,5
79
72,5
6,5
78
79
-1
76
79
-3
0
2,5
81
77
4
82
74
8
77
77
78
75,5
0
0,5
81
79
2
86,5
75,5
11
86
86
85,5
85
0,5
-0,5
68
67
1
71,3
63,8
7,5
70,5
70
68,5
69
0,5
0
77
74
3
78
71
7
78
77,5
77
77
77,0
74,1
2,9
79,7
72,0
7,7
79,0
78,9
0,1
78,0
79,1
-1,2
± 3,6 ± 3,1
± 1,1 ± 4,1
± 3,0
± 1,8
± 3,8 ± 3,9
± 1,0
± 5,1
± 4,3
± 2,8
Tab. 3: Gegenüberstellung der Mittelwerte und Differenzen aus den Tab. 1 und 2, sowie der Gesamtmittelwerte und Gesamtdifferenzen der 28 Probanden.
Thoraxumfang (cm)
Ruheatmung
Ein
Aus
D
Maximalatmung
Ein
Aus
D
94, 8
Männlich(n=16)
91,3
Weiblich (n=12)
Gesamt (n=28)
Bauchumfang (cm)
Ruheatmung
Ein
Aus
D
Maximalatmung
Ein
Aus
D
77
84,2
89,3
74,1
81,7
2
87,7
6,5
87,3
72
79,9
7,7
7,1
79
83,2
79,7
2,9
2,5
87,3
86,9
78,9
82,9
6,4
0,1
3,3
86,1
78
82,1
79,1
82,6
0,1
-1,2
0,6
12
13
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Fachbereich Sport
Seminar: Sportphysiologie - Experimente mit einfachen Mitteln
Seminarleitung: Prof. Dr. med. H.-V. Ulmer, Versuchsleiter: Marc Schechter,
[email protected], Datum: 11.11.2003
3. Atemminutenvolumen, Atemzugvolumen und Atmungsfrequenz nach körperlicher Arbeit unterschiedlicher Intensität – Versuchsplan
Versuchsziel: Feststellung der Thoraxumfangänderung und der Atemfrequenz vor und nach körperlicher Arbeit unterschiedlicher Intensität
Versuchsplan
Organisation: Das Experiment wird im Foyer des Hauptgebäudes des FB Sports an der Treppe
durchgeführt. Jede Versuchsgruppe besteht aus vier Personen.
Gruppe: 1 Proband
Material:
Stoppuhr
1 Protokollant/Zeitnehmer
Stift
1 Person zur Messung des Thoraxumfangs Maßband
1 Person zur Messung der Atemfrequenz
Pro Proband ein Versuchsprotokoll
Versuchsdurchführung
Alle Messungen werden im aufrechtem Sitzen auf einem Stuhl durchgeführt.
1. Messung im Ruhezustand (insgesamt 2 min.):
Alle 30 Sekunden werden Atemfrequenz und Thoraxumfang gemessen. Die Messung der
Atemfrequenz erfolgt durch Auflegen je einer Hand auf Bauch und Brust. Der Thoraxumfang
wird bei männlichen Probanden unter dem M. pectoralis major, bei weiblichen Probanden direkt unter der Brust gemessen.
2. Erste Belastungsphase:
Der Proband läuft 2 Minuten lang die Treppen (20/18 Stufen) auf und ab mit mittlerer Intensität
(Richtwert: jeweils max. 15 Sekunden).
3. Messung nach mittlerer Belastung (insgesamt 3 min.):
Unmittelbar nach der Belastung erfolgt erneut eine Messung von Atemfrequenz und Thoraxumfang im Rhythmus von 30 Sekunden.
4. Zweite Belastungsphase:
Der Proband läuft nun 2 Minuten lang die Treppen (20/18 Stufen) auf und ab mit hoher Intensität (Richtwert: jeweils max. 10 Sekunden).
5. Messung nach hoher Belastung (insgesamt 5 min.):
Die Messung erfolgt wie nach der ersten Belastungsphase, aber jetzt insgesamt 5 Minuten.
Versuchsprotokoll
Name, Vorname:
Gewicht ( in kg):
Alter:
Zeit (in s)
Messung im
Ruhezustand
Messung nach
1. Belastung
Messung nach
2. Belastung
Größe (in cm):
30
Anzahl der Atemzüge
Umfangsänderung als
Differenz
Anzahl der Atemzüge
Umfangsänderung als
Differenz
Anzahl der Atemzüge
Umfangsänderung als
Differenz
60
90
120
150
180
210
240
300
14
Sportphysiologisches Seminar - Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/4, Fachbereich Sport, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Seminarleitung: Prof. Dr. med. H.-V. Ulmer, Referent: Marc Schechter,
Datum: 18.11.2003, Versuch vom 11.11.2003, E-Mail: [email protected]
3. Atemminutenvolumen, Atemzugvolumen und Atemfrequenz nach körperlicher Arbeit unterschiedlicher Intensität – Versuchsbericht
1. Versuchsziel
Ziel des Experimentes ist es, die Auswirkung von körperlicher Arbeit unterschiedlicher Intensität
auf Thoraxumfang, Atemfrequenz und Atemminutenvolumen zu untersuchen.
2. Sachstand
2.1.
Begriffsklärung (Marées, S. 224 f)
 Atemfrequenz: Zahl der Atemzüge in einem bestimmten Intervall, meist eine Minute
 Atemzugvolumen: Lungenvolumen, das bei normaler Atmung ein- und ausgeatmet wird
 Atemminutenvolumen: Volumen, das innerhalb einer Minute ein- und ausgeatmet wird, also
das Produkt aus Atemfrequenz (pro Minute) und Atemzugvolumen.
2.2.
Atemregulation
Die Regulation der Atmung erfolgt im Atemzentrum im verlängerten Mark, der Medulla oblongata.
Die Faktoren, die diese Regulation bestimmen, sind (nach Marées, S. 232 f):
 Sauerstoffpartialdruck des Blutes
 Kohlendioxidpartialdruck des Blutes
 Wasserstoffionenkonzentration
 Rückmeldung aus der arbeitenden Muskulatur
 Kortikale Mitinnervation
Bei körperlicher Arbeit kommt es nun durch ein Zusammenwirken dieser Faktoren zu einer Steigerung der Ventilation, also des Atemzugvolumens und der Atemfrequenz und damit des Atemminutenvolumens (Marées, S. 234).
2.3.
Erwartungen
Bei Inspiration vergrößert sich der Thoraxinnenraum, bei Exspiration verkleinert er sich. Daraus
kann man folgern, dass sich auch der Thoraxumfang bei Inspiration und Exspiration ändert. Bei
zunehmender körperlicher Arbeit steigt das Atemzugvolumen, zudem wird verstärkt auf Brustatmung umgestellt (Marées, S. 236). Somit wird erwartet, dass sich auch die Änderung des Thoraxumfangs nach körperlicher Arbeit vergrößert. Zudem soll diese Änderung hier als Maß für die
Vergrößerung des Lungenvolumens und damit als Äquivalent für das Atemzugvolumen genommen
werden.
Es wird also erwartet, dass sich durch die körperliche Arbeit die Atemfrequenz, der Thoraxumfang
und damit das Atemzugvolumen (Äquivalent) erhöhen.
Im Folgenden soll der Einfachheit halber nur noch von Atemzug-, Atemzeit- und Atemminutenvolumen die Rede sein, ohne explizit zu erwähnen, dass es sich um Äquivalente handelt.
3. Methodik
Am Versuch am 11.11.2003 nahmen insgesamt 11 Probanden teil, ein Versuchsprotokoll war nicht
auswertbar, so dass letztlich je fünf weibliche und männliche Probanden in der Auswertung erfasst
sind. Der Versuch verlief gemäß Versuchsplan.
4. Ergebnisse
Die einzelnen Ergebnisse der Probanden sind in den Tabellen im angehängten Datenblatt dargestellt. Tabelle 1 stellt die Atemfrequenzen der Probanden zu den verschiedenen Messzeitpunkten
dar, Tabelle 2 die Differenzen den Thoraxumfanges bei Ein- und Ausatmung zu den Messpunkten.
Aus den Atemfrequenzen und den Differenzen wurden durch Multiplikation Atemzeitvolumina errechnet. Hierbei ist zu beachten, dass die Messungen in Intervallen von 30 s erfolgten, so dass
15
sich erst durch die Addition der Werte zweier Messzeitpunkte ein Atemminutenvolumen ergibt, was
lediglich bei den Mittelwerten zu den einzelnen Zeitpunkten geschehen ist. Die Ergebnisse sind in
Tabelle 3 dargestellt.
Für alle Messzeitpunkte wurden Mittelwerte für die verschiedenen Werte gebildet, auf eine Trennung nach Geschlechtern wurde verzichtet, ebenso auf die Bildung von intraindividuellen Mittelwerten.
4.1.
Atemfrequenzen
Die Atemfrequenzen lagen bei Ruhe zwischen fünf und zwölf Atemzügen im Intervall von 30 s.
Nach der 1. Arbeitsphase von mittlerer Intensität stiegen die Atemfrequenzen auf 8 bis 23 Atemzüge im 1. Messintervall von 30 s. Zum Ende der Mess- und Ruhephase von insgesamt 120 s sank
die Atemfrequenz wieder, bei den Probanden 3, 5, 6 und 8 sogar unter den Ruhewert. Nach der 2.
Arbeitsphase von hoher Intensität stieg die Atemfrequenz bei allen Teilnehmern, außer bei den
Probanden 2 und 4, wieder an, meist auch über den Wert der 1. Messung nach der 1. Arbeitsphase.
Nach der Mess- und Ruhephase von diesmal insgesamt 4 min. erreichten die Probanden 3, 7, 8, 9
und 10 wieder ihren Ruhewert.
Abbildung 1 zeigt nun die Mittelwerte für die Atemfrequenz zu den verschiedenen Messzeitpunkten. Es zeigt sich, dass sich die Zahl der Atemzüge nach den Arbeitsphasen steigert, nach der
zweiten, intensiveren Phase noch mehr als nach der ersten. Mit der Zeit nähern sich die Werte
wieder den Ruhewerten, erreichen diese aber nicht ganz, bleiben aber nach der 1. Arbeitsphase
bei 90 s, nach der 2.Arbeitsphase bei 150 s auf leicht erhöhtem Niveau konstant.
Anzahl der
Atemzüge
Atemfrequenz
Mittelwerte in
Ruhe
Mittelwerte nach
1. Arbeitsphase
Mittelwerte nach
2. Arbeitsphase
16
14
12
10
8
6
1
2
3
4
5
6
7
8
Zeitintervalle (30 s)
Abbildung 1: Mittelwerte der Atemfrequenzen zu den verschiedenen Messzeitpunkten
4.2.
Thoraxumfangsänderung
Im Ruhezustand lagen die Differenzen des Thoraxumfanges zwischen 0,3 und 2 cm, nach der 1.
Arbeitsphase stiegen die Wert auf 1 bis 5 cm, um dann bis zum Beginn der 2. Arbeitsphase wieder
auf 0,2 bis 2 cm abzusinken. Die Ruhewerte wurden von allen Probanden außer 2 und 6 wieder
erreicht oder sogar unterschritten. Nach der zweiten Arbeitsphase lagen die Werte der 1. Messung
bei 1 bis 7 cm und damit bei allen Probanden außer 2, 7 und 9 über den Werten nach der 1. Arbeitsphase. Die Ruhewerte erreichten die Probanden meist schon vor Ablauf der Ruhephase, lediglich die Probanden 8 und 10 hatten noch höhere Differenzen als im Ruhezustand.
In Abbildung 2 sind nun die Mittelwerte der Differenzen der Thoraxumfänge aufgetragen. Auch hier
liegen die Werte nach der 2. Arbeitsphase bei der ersten Messung über denen der 1. Arbeitsphase, sowie diese wiederum über denen der Ruhemessung. Nach 90 s haben sich die Werte nach
den beiden Arbeitsphasen einander angenähert, nach 120 s liegen sie fast wieder auf den Ruhewerten.
16
Umfangsänderung
in cm
Thoraxumfangsänderung
4
Mittelwerte in
Ruhe
Mittelwerte nach
1. Arbeitsphase
Mittelwerte nach
2. Arbeitsphase
3
2
1
0
1
2
3
4
5
6
7
8
Zeitintervalle (30 s)
Abbildung 2: Mittelwerte der Thoraxumfangsänderungen zu den verschiedenen Messzeitpunkten
4.3.
Atemzeitvolumina und prozentuale Veränderungen
Die Atemzeitvolumina für ein Zeitintervall von 30 s lagen in den Ruhemessungen zwischen 2.7 und
16. Nach der 1. Arbeitsphase stiegen sie auf 10 bis 42,5 und damit bei allen über die Ruhewerte.
Am Ende der Messphase waren sie bei allen Probanden bis auf Nummer 4 und 9 auf die Ruhewerte abgesunken, teilweise sogar darunter. Nach der 2, Arbeitsphase wurden Werte von 10 bis 70
gemessen, alle Probanden außer 2 und 7 lagen damit sowohl über ihren Ruhewerten als auch
über den Werten nach der 1. Arbeitsphase. Bis auf die Probanden 4, 5, 8 und 10 erreichten alle
Probanden auch wieder zumindest annähernd die Ruhewerte innerhalb des gesamten Messzeitraumes von 240 s.
Die Mittelwerte der Atemzeitvolumina zu den verschiedenen Messzeitpunkten sind in Abbildung 3
abgetragen. Es ergibt sich das gleiche Bild wie in den Abbildungen 1 und 2. In Abbildung 4 sind die
prozentualen Änderungen der Mittelwerte von Atemfrequenz, Thoraxumfangsänderung und
Atemzeitvolumen durch die beiden Arbeitsphasen dargestellt. Dabei steigert sich das
Atemzeitvolumen auf 600% des Ruhewertes, während sich Atemfrequenz und
Thoraxumfangsänderung nur auf ca. 200%, bzw. 300% steigern.
Prozentuale Änderungen
Atemzeitvolumen
Atemzeitvolumen (Äquivalent)
50
40
Mittelwerte in
Ruhe
30
Mittelwerte nach
1.Arbeitsphase
20
Mittelwerte nach
2.Arbeitsphase
10
0
700%
600%
500%
400%
300%
200%
100%
0%
Messung in
Ruhe
Messung nach
1. Arbeitsphase
Messung nach
2. Arbeitsphase
1
1
2
3
4
5
6
7
8
Zeitintervalle (30 s)
Abbildung 3: Atemzeitvolumen (Äquivalente)
2
3
1 - Atemfrequenz 2 - Thoraxumfang
3 - Atemzeitvolumina
Abbildung 4: Prozentuale Änderungen der
Mittelwerte
5. Diskussion
5.1.
Allgemeine Diskussion
In den Abbildungen zeigt sich eindeutig, dass sich die Mittelwerte von Atemfrequenz, Differenzen
und daraus resultierend des Atemminutenvolumens durch körperliche Arbeit erhöhen, und zwar in
Abhängigkeit von der Intensität dieser körperlichen Arbeit. Dabei zeigt sich, dass die Erhöhung der
Atemfrequenz länger anhält als die Vergrößerung des Thoraxumfanges. Im Mittelwert werden die
Ruhewerte im gesamten Messzeitraum nicht mehr erreicht, und auch ein konstantes Niveau wird
bei der Atemfrequenz ungefähr ein Zeitintervall später erreicht als bei der Thoraxumfangsänderung.
17
Die Probanden 2 und 7 zeigten bei Atemfrequenz und Thoraxumfang, sowie Proband 9 nur beim
Thoraxumfang nach der 2. Arbeitsphase geringere Werte als nach der 1. Arbeitsphase. Mögliche
Erklärung hierfür können zum einen die Ausdauerfähigkeiten der Probanden (Beispiel Proband 2)
sein und zum anderen ein Abfallen der Leistung zum Ende der 2. Arbeitsphase sein.
5.2.
Methodenkritik
Ein Problem bildet die Messung des Thoraxumfanges. Da die Werte oft im Bereich von nur 0,5 bis
1 cm liegen, ist der Einfluss der Störfaktoren doch erheblich. Diese Störfaktoren sind vor allem die
Kleidung und die Heftigkeit der Atmung nach der körperlichen Arbeit. Hierdurch kann es leicht zu
Ungenauigkeiten beim Ablesen der Werte kommen, da auch das Messinstrument (Maßband) nicht
so genau ist.
Die Einschätzung der Probanden über die zu leistende Arbeit ist doch sehr subjektiv, es kann
leicht dazu kommen, dass der Proband die Aufgabe des Treppensteigens unter- oder überschätzt.
Ebenfalls stellt die Motivation der Teilnehmer ein Problem dar, da es sich um eine anstrengende
Tätigkeit handelt. In Anbetracht des Teilnehmerkreises dieses Versuchs (motivierte, sportliche
Seminarteilnehmer) erscheint dieses Problem hier nicht relevant.
Ein weiteres Problem stellt der Einfluss der 1. Arbeitsphase auf die 2. Arbeitsphase dar. Die
Messwerte haben sich zwar zu Beginn dieser 2. Arbeitsphase zwar den Ruhewerten angenähert,
diese aber nicht ganz erreicht, so dass doch von einem gewissen Einfluss auszugehen ist. Wie
groß dieser Einfluss ist, wäre ein mögliches Thema für weitere Experimente.
Der Unterschied der Geschosshöhen der beiden Versuchsstrecken scheint keinen Einfluss auf die
Ergebnisse gehabt zu haben, da alle Teilnehmer ähnliche Ergebnisse aufweisen und auch die
Ausreißer an beiden Stationen zu finden waren.
6. Fazit
Insgesamt kann man sagen, dass das Versuchsziel erreicht wurde. Ein Einfluss von körperlicher
Arbeit auf Atemfrequenz und Thoraxumfang konnte festgestellt werden. Es ist davon auszugehen,
dass die Werte von der Intensität der körperlichen Arbeit abhängen.
Es konnten Unterschiede in der Anpassung festgestellt werden. Die Erhöhung der Atemfrequenz
ist langanhaltender als die Veränderung der Thoraxumfangsdifferenz.
7. Literaturverzeichnis
MARÈES, H. de: SPORTPHYSIOLOGIE, 9., vollst. überarb. und erweit. Aufl., Bearb.: Hermann
Heck; Ulrich Bartmus, Köln 2002
Datenblatt:
Tabelle 1: Atemfrequenzen zu den einzelne Messzeitpunkten
VP Geschlecht Alter Größe Gewicht Messung in Ruhe Messung nach 1. Arbeitsphase
Zeit (in s)
30
60
30
60
90
120
1
m
26 182
76
7
6
10
9
7
8
2
m
22 180
69
9
10
15
10
9
10
3
m
24 178
71
8
8
10
8
7
7
4
m
24 168
53
11
12
23
22
19
19
5
m
29 180
74
6
6
9
6
6
6
6
w
23 179
70
9
8
13
11
8
6
7
w
24 162
53
9
10
12
11
10
9
8
w
o.a. o.a.
o.a.
7
5
8
7
4
5
9
w
24 168
64
10
10
14
15
13
13
10
w
23 170
60
7
8
8,5
9
9
8,5
Mittelwert
8,3
8,3
12,3 10,8
9,2
9,2
Messung nach 2.Arbeitsphase
30 60
90 120 150 180 210 240
18 15
14
12 10 10 10 10
10 10
10
11 9 11 9
11
14 10
8
8
7
7
8
7
19 15
13
14 15 16 14 15
15 11
9
10 7
8
8
9
22 17
17
13 13 12 13 11
12 11
11
10 9
9 10
9
14
9
7
7
4
5
4
4
16 16
14
14 13 14 14 10
10
9
10
9
9
8
9
8
15,0 12,3 11,3 10,8 9,6 10,0 9,9 9,4
18
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referent: Tom Burkhardt, Datum: 18.11.2003
E-Mail: [email protected]
4. Thema: Maximale Atemanhaltezeit und Atmungsregulation
– Versuchsbericht
1. Versuchsziel
Ziel des am 11.11.2003 durchgeführten Versuchs war es, die maximalen Atemanhaltezeiten bei
max. Inspiration und max. Expiration festzustellen. Des Weiteren sollte durch diesen Versuch ermittelt werden inwieweit sich Hyperventilation auf diese auswirkt.
Tabelle 2: Thoraxumfangsänderungen zu den einzelne Messzeitpunkten
VP
Messung in Ruhe Messung nach 1. Arbeitsphase
Zeit (in s)
30
60
30
60
90
120
1
1
1
1,5
0,5
1
0,5
2
0,5
0,5
1,5
2
1
1
3
1
1
1
1
0,4
0,2
4
0,5
0,5
1,5
1
0,7
0,6
5
1
1
3
2
1,5
1
6
0,5
0,5
1,5
1
1,8
1,6
7
0,3
0,5
1,8
1,5
1
0,5
8
1
1
3
1,5
5
2
9
1
1
2,1
1,4
1
0,8
10
2
2
5
3,5
2,3
2
Mittelwert
0,9
0,9
2,2
1,5
1,6
1,0
Tabelle 3: Atemzeitvolumina zu den einzelne Messzeitpunkten
VP
Messung in Ruhe Messung nach 1. Arbeitsphase
s
30
60
30
60
90
120
1
7
6
15
4,5
7
4
2
4,5
5
22,5
20
9
10
3
8
8
10
8
2,8
1,4
4
5,5
6
34,5
22
13,3
11,4
5
6
6
27
12
9
6
6
4,5
4
19,5
11
14,4
9,6
7
2,7
5
21,6
16,5
10
4,5
8
7
5
24
10,5
20
10
9
10
10
29,4
21
13
10,4
10
14
16
42,5
31,5
20,7
17
MW
6,9
7,1
24,6
15,7
11,9
8,4
AMV(MW)
14,0
40,3
20,4
Messung nach 2.Arbeitsphase
30
60
90 120 150
2
1
0,4 0,7 0,5
1
1
0,5 0,5
0
1,3 0,8 0,7 0,6 0,5
3,5 2,5 1,5 0,8
1
4
2,5
2
1,5 1,5
2,5 1,5 1,3 0,8
1
1,5
1
1
0,5 0,5
4
4
3
3
3
2
2,2 1,2 0,6 0,8
7
5
4
3
3
2,9 2,2 1,6 1,2 1,2
180
0,4
0,5
0,5
1
1
0,9
0,5
2
0,5
3
1,0
Messung nach 2.Arbeitsphase
30
60
90
120 150 180
36
15
5,6
8,4
5
4
10
10
5
5,5
0
5,5
18,2
8
5,6
4,8
3,5
3,5
66,5 37,5 19,5 11,2 15
16
60 27,5 18
15 10,5
8
55 25,5 22,1 10,4 13 10,8
18
11
11
5
4,5
4,5
56
36
21
21
12
10
32 35,2 16,8 8,4 10,4
7
70
45
40
27
27
24
42,2 25,1 16,5 11,7 10,1 9,3
67,2
28,1
19,4
210
0,8
0,5
0,6
0,5
1
0,6
0,5
2
1
2
1,0
210
8
4,5
4,8
7
8
7,8
5
8
14
18
8,5
Tabelle 4: Prozentuale Veränderungen von Atemfrequenz, Thoraxumfangsdifferenz umd Atemzeitvolumen nach Arbeit
Atemfrequenz
Thoraxumfang.
Atemzeitvolumen
Mittelwerte
absolut prozentual absolut prozentual absolut prozentual
Messung in Ruhe
8,3
100% 0,9
100%
6,9
100%
Messung nach 1. Arbeitsphase
12,3
148% 2,2
244% 24,6
355%
Messung nach 2. Arbeitsphase
15,0
181% 2,9
322% 42,2
610%
240
0,5
0,5
1,2
0,6
1
0,5
0,5
2
0,8
3
1,1
240
5
5,5
8,4
9
9
5,5
4,5
8
8
24
8,7
17,2
19
2. Sachstand
Atmung: Die Atmung hat die Aufgabe den Körper mit Sauerstoff zu versorgen und das bei den
Stoffwechselvorgängen entstandene Kohlendioxid zu entfernen.
Atmungsregulation: Das Atmungszentrum liegt im verlängerten Rückenmark des ZNS (Medulla oblongata).
Der Atemantrieb wird beeinflusst durch:
1. Chemorezeptoren im arteriellen System (Halsschlagader und Aorta). Diese messen hauptsächlich den O2-Partialdruck. Der Atemreiz wird durch Sauerstoffmangel ausgelöst.
2. Chemorezeptoren im Gehirn, die den CO2- Partialdruck und den ph-Wert (Säuregrad) messen. Wird ein bestimmter Grenzwert erreicht, wird der Atemreiz ausgelöst.
3. Atemreiz bei Kälte (über die Kälterezeptoren der Haut)
4. Muskelrezeptoren, welche die Stoffwechselaktivität im Muskel messen und dem ZNS ggf.
gesteigerte Aktivität signalisieren.
5. Dehnungsrezeptoren in der Lunge regeln den rhythmischen Ablauf der Atmung.
Der wichtigste chem. Atemreiz ist der CO2-Partialdruck. Dieser liegt normalerweise bei ca. 40
mmHg, ab ca. 46 mmHg setzt ein unwillkürlicher Atemreiz ein und unter 23 mmHg wird der Atemreiz gehemmt.
Anhalten des Atems: Beim Atemanhalten läuft die innere Atmung (Gewebsatmung) weiter. Der
Sauerstoffgehalt sinkt mit der Zeit immer mehr ab, damit auch der O2-Partialdruck. Als Folge davon steigt der CO2-Gehalt an. Da sowohl Sauerstoffmangel, als auch Kohlendioxidüberschuss erregend auf das Atemzentrum wirken, wird das Atemanhalten durch den Atemreiz abgebrochen und
die Atmung setzt wieder ein.
Hyperventilation: Einatmung, die über die Stoffwechselbedürfnisse hinausgeht. Durch vermehrtes
abatmen von CO2 wird der CO2-Gehalt im Blut so weit herabgesetzt (auf bis zu 23 mmHg), dass
der Atemreiz erst deutlich später einsetzt. Aufgrund der hohen Sättigungswerte des Blutes mit O 2
(95-98 %) ist eine Mehraufnahme nicht möglich.
Atemanhaltezeit: Zeit, die der Atemreiz willkürlich unterdrückt werden kann. Die AAZ eines gesunden „Durchschnittsmenschen“ liegt nach HOLLMANN bei ca. 45-60 Sekunden. 6
3. Erwartungen
Im Allgemeinen ist zu erwarten, dass die Atemanhaltezeiten nach Inspiration, aufgrund der größeren Luftmenge in den Lungen, größer sein dürften als nach Expiration und dass sich die Hyperventilation verlängernd auf beide Atemanhaltezeiten auswirken würde.
4. Methodik
Der Versuch wurde am 11.11.2003 gemäß dem Versuchsplan mit 28 Probanden, davon 16 Frauen
und 12 Männern durchgeführt. Alle Versuchspersonen konnten alle 4 Teilversuche durchführen, so
dass 28 komplette Datensätze vorliegen.
6
HOLLMANN, W.; HETTINGER, T.: Sportmedizin: Grundlagen für Arbeit, Training und Präventivmedizin, 488
20
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
VP(m)
Max
.Inspira
tion
Max.
ExpiraHV
tion+
Max.
InspiraHV
tion+
Max.
Expiration
Tab.2
AAZ in s der männlichen Versuchspersonen
Max.
Inspiration
Max.
ExpiraHV
tion+
Max.
InspiraHV
tion+
Max.
Expiration
VP (w)
5. Ergebnisse:
Tab.1
AAZ in s der weiblichen Versuchspersonen
31
74
42
35
61
36
50
40
51
49
83
50
51
60
55
64
25
23
20
26
48
34
21
26
32
23
29
31
21
29
26
27
28 +
M + s 52 + 14 7
Max. 83
48
Min.
31
20
40
63
43
45
83
58
95
49
86
77
141
75
73
46
83
62
70 +
26
141
40
32
38
30
30
52
48
37
22
38
45
98
46
31
20
32
34
31 +
18
98
20
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
M+s
Max.
Min.
43
60
71
48
44
98
71
75
81
70
72
75
67 +
16
98
43
20
36
36
30
20
37
30
33
42
30
32
48
33 +
8
48
20
75
90
123
65
100
123
82
150
153
90
104
65
76
+30
153
65
30
54
50
31
29
62
38
84
84
37
37
65
38 +
20
84
29
Bemerkungen: Unter dem Punkt Bemerkungen wurde folgendes eingetragen.
- Nach Hyperventilation: Schwindelgefühl, Hustenreiz
- Roter Kopf
- Verschnupft, bzw. Erkältet
Die Möglichkeit für Bemerkungen wurde vermehrt von den Frauen wahrgenommen.
6. Auswertung der Ergebnisse:
- Die AAZ der männlichen Probanden waren in allen 4 Teilversuchen länger als die der Frauen.
- Die AAZ nach Inspiration waren deutlich länger, als nach Expiration. Dies war auch nach Hyperventilation der Fall.
- Die AAZ konnten durch Hyperventilation bei fast allen Probanden verlängert werden. Bei 4 von
den 28 Probanden war dies nicht der Fall. Dies ist zum Teil damit zu erklären, dass 2 dieser 4 bei
Bemerkungen Schnupfen und Erkältung angegeben haben.
- Die Staffelung der AAZ folgten bei den Frauen, wie auch bei den Männer folgendem Muster:
max. Inspiration nach Hyperventilation > max. Inspiration > max. Expiration nach Hyperventilation
> max. Expiration.
- Verhältnisse der AAZ nach :
1. Expiration verglichen mit Inspiration: 1: 1,9 (VPw) bzw. 1: 2 (VPm)
2. Expiration nach HV mit Inspiration nach HV: 1: 2,3 (VPw) bzw. 1: 2 (VPm)
3. Expiration ohne HV verglichen mit Expiration mit HV: 1: 1,1 bzw. 1: 1,2 (VPm)
4. Inspiration ohne HV verglichen mit Inspiration mit HV: 1: 1,3 bzw. 1: 1,1 (VPm)
7. Diskussion:
Die durchgeführten Versuche haben gezeigt, dass die AAZ nach Inspiration länger ist als nach Expiration. Dies ist darauf zurückzuführen, dass durch die größere Luftmenge (inspiratorisches Re-
21
servevolumen: 2,5 Liter2) in den Lungen längere Zeit ein Gasaustausch (O2 wird abgegeben, CO2
wird aufgenommen) stattfinden kann. Ferner wurde gezeigt, dass Hyperventilation die AAZ verlängert. Der Grund dafür ist, dass bei Hyperventilation vermehrt CO 2 abgegeben wird, wodurch der
Atemreiz länger unterdrückt werden kann, da der CO2-Partialdruck die Einatemschwelle erst nach
längerer Zeit als sonst üblich erreicht.
8. Methodenkritik:
Während der Versuchsdurchführung ist folgendes Problem aufgetreten. Einer der Probanden hielt
den Atem nicht bis zum Einsetzten des Atemreizes an, sondern entließ die Luft allmählich. Durch
das allmähliche Ausatmen der Luft wird der Druck von der Lunge genommen, was zu einer längeren AAZ führte, als wenn man die Luft bis zum einsetzen des Atemreizes anhält. Aufgrund dessen
wurden die Teilversuche des betreffenden Probanden wiederholt. Die anderen Probanden wurden
daraufhin auf die korrekte Durchführung hingewiesen. Es stellte sich heraus, dass die restlichen
Probanden die Teilversuche richtig durchgeführt hatten.
Ein weiterer Punkt, der verbessert werden kann liegt bei den Stoppuhren. Für einheitliche Voraussetzungen ist darauf zu achten, dass nur Handstoppuhren verwendet werden, da bei den größeren
Tischstopuhren die AAZ gut abzulesen ist, was sich motivierend auf das Atemanhalten der Probanden und dementsprechend auf die AAZ auswirken kann.
9. Fazit
Der Versuch war mit einfachen Mitteln gut durchzuführen und es konnten komplette Datensätze
ermittelt werden. Im Allgemeinen wurden die Erwartungen bis auf ein paar Ausnahmen erfüllt, d.h.
es wurde gezeigt, dass die AAZ nach Inspiration länger sind als nach Expiration und dass sich Hyperventilation verlängernd auf die AAZ auswirkt.
10. Literatur
DE MARÉES, H.: Sportphysiologie, 9., vollständige überarbeitete Auflage, Köln: Sport und Buch
Strauss, 2002
KÖNECKE, T.: Versuchsbericht: Maximale Atemanhaltezeit und Atmungsregulation. Zum Seminar:
Experimente mit einfachen Mitteln, WS 01/02, Mainz 2001.
METH, E.: Versuchsbericht: Atemanhaltezeit und Atmungsregulation. Zum Seminar: Experimente
mit einfachen Mitteln, WS 02/03, Mainz 2002.
TITTEL, K.: Beschreibende und funktionelle Anatomie des Menschen, 13. Auflage. München/Jena
2000
Anhang zum Thema maximale Atemanhaltezeit und Atmungsregulation:
1. Männliche Versuchspersonen
Abb. 1: Vergleich der AAZ nach max. Inspiration und max. Expiration
AAZ in s
AAZ nach max. Inspiration / AAZ nach max.
Expiration
120
100
80
60
40
20
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11 12
Probanden
max.Inspiration
2
max.Expiration
DE MARÉES, H.: Sportphysiologie, 9., vollständige überarbeitete Auflage, Köln: Sport und Buch Strauss, 2002
22
AAZ nach max. Inspiration / AAZ nach HV + max.
Inspiration
AAZ in s
200
150
100
50
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10 11 12
Probanden
max.Inspiration
HV + max. Inspiration
Abb. 2: Vergleich der AAZ nach max. Inspiration und nach Hyperventilation max. Inspiration
2. Weibliche Versuchspersonen
AAZ nach max.Inspiration / AAZ nach max.Expiration
AAZ in s
100
80
60
40
20
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16
Probanden
max.Inspiration
max.Expiration
Abb. 3: Vergleich der AAZ nach max. Inspiration und max. Expiration
AAZ nach max.Inspiration / AAZ nach HV +
max.Inspiration
AAZ in s
150
100
50
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9 10 11 12 13 14 15 16
Probanden
max.Inspiration
HV + max.Inspiration
Abb. 4: Vergleich der AAZ nach max. Inspiration und nach Hyperventilation max. Inspiration
23
Johannes Gutenberg Universität Mainz Fachbereich Sport, Seminar:
„Sportphysiologie – Experimente mit einfachen Mitteln“
Seminarleiter: Prof. Dr. med. Hans-Volkhart Ulmer, Referent: Nils Schenk,
Vortragsdatum: 18.11.2003, e-mail: [email protected]
5. Zum Aufbau von Versuchsberichten und zum wissenschaftlichen Arbeiten
– Vortrag
 Definition: Was ist wissenschaftliches Arbeiten?
Wissenschaft macht Aussagen, diese sollten auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft Neues
aussagen und dabei den Kriterien der Wissenschaftsgemeinde entsprechen (u. a. Validität, Reliabilität, Objektivität, Überprüfbarkeit). Wissenschaftliche Aussagen sollte nicht trivial sein,
sondern sie sollten relevant sein, d.h. Fragen von Interesse behandeln. Sie haben dabei allerdings keinen Anspruch immer gültig/wahr zu sein, sondern sind immer als vorläufig anzusehen.
Eine wissenschaftliche Aussage ist also immer nur so lange aktuell und richtig, bis sie erfolgreich und glaubhaft (d.h. den Kriterien der Wissenschaftsgemeinde entsprechend) widerlegt
wurde. Da sie überprüfbar sein müssen, auch wenn sie dabei eventuell widerlegt werden,
müssen wissenschaftliche Aussagen darlegen, auf welchen Prämissen sie beruhen und unter
welchen Bedingungen sie gelten.

Verschiedene Typen von wissenschaftlichen Arbeiten
1.
Seminararbeit: Vorbereitung und Übung für Diplomarbeit. Meist werden Semesterarbeiten am
Semesteranfang ausgegeben und die Abgabe zum Semesterende verlangt. Eine solche Arbeit hat eine Umfang von ca. 20 DIN A4 Seiten und eine Arbeitsaufwand von etwa 4 Wochen
bzw. 160 Stunden Arbeit. Diese Angaben sind Durchschnittswerte, je nach Universität, Fachbereich und Professor können diese Werte schwanken. Spezialformen der Seminararbeit sind
Hausarbeiten, Thesenpapiere, Protokolle, Praktikumsberichte.
2.
Examensarbeiten: Sie sind der Abschluss des Studiums (z.B. Magisterarbeit, Diplomarbeit).
Die formalen Anforderungen denen sie genügen müssen sind höher. Formale Verfehlungen
(z.B. Plagiat) können auch noch Jahren zum Verlust des akademischen Titels und einer strafrechtlichen Verfolgung führen. In einer Diplomarbeit beispielsweise soll ein vorgegebenes
Fachthema mit wissenschaftlichen Methoden selbständig bearbeitet und dann ein Lösungsansatz entwickelt werden. Diese Arbeit soll die Berufsbefähigung in der Praxis nachweisen
(Betriebe, Verwaltungen, Unternehmen, Ämter). Es steht also die Praxisrelevanz vor Vorgehensweise, Ergebnis und theoretischem Ansatz. Zeitrahmen sind 3, 6 oder 12 Monate, Umfang ca. 70-150 DIN A4 Seiten.
3.
Dissertation (Doktorarbeit, Promotionsarbeit): Dient zur Erlangung des Doktortitels im jeweiligen Fachgebiet. Dieser Abschluss ist die Qualifikation zum selbständigen wissenschaftlichen
Arbeiten im jeweiligen Fachgebiet. Der Schwerpunkt einer solchen Arbeit liegt hierbei auf der
wissenschaftlichen Diskussion, bei der theoretische, methodisch fundierte und weitreichende
Lösungsansätze herausgearbeitet werden sollen. Dissertationen können nur von Universitäten vergeben werden, sie haben das alleinige Promotionsrecht (zumindest in Deutschland).
Dauer ist etwa 1-5 Jahre, Umfang von ca. 100-400 DIN A4 Seiten.
4.
Habilitation: Promovierte Wissenschaftlicher können ein Habilitationsverfahren anstreben, um
die universitäre Lehrbefähigung für ein Fachgebiet zugesprochen zu bekommen (lat. venia
legendi). Das erfolgreiche Absolvieren der Habilitation bedeutet die Möglichkeit, eine Universitätsprofessur zu übernehmen. Die Habilitationsschrift ist der Nachweis zur Befähigung, im jeweiligen Fachgebiet substantielle und umfassende wissenschaftliche Ergebnisse selbständig
zu erzielen und auch lehren zu dürfen. Das Habilitationsverfahren dauert viele Jahre.
24

Gliederungsschema einer empirischen wissenschaftlichen Arbeit:

Gliederungsschema von Versuchsberichten

Die Aufgliederung einer wissenschaftlichen Arbeit

Die drei Kernphasen der wissenschaftlichen Arbeit:
Einleitung, Abhandlung und Zusammenfassung

Wichtige Hinweise: Auch im Internet sind nützliche Ratschläge zu finden.
Bitte beachtet die Seiten auf Prof. Ulmer´s Homepage.
1. Ulmer, H.-V.: Formalia sind kein Selbstzweck, Stand: 24.4.20003
www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/FormaliaKEINSelbstzweck03.pdf
2. Messing, M./Preuß, H.: Hinweise für Studierende, Stand: Januar 2002
www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/HinweiseStudierende03.pdf
3. Ulmer, H.-V.: Zum Aufbau der Tischvorlagen, Stand: 24.4.20003
www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/tischvor01.pdf
4. Ulmer, H.-V.: Typische Mängel der bisherigen Tischvorlagen, Stand: Juni 2000
www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/maengl00.pdf
5. Bleuel, J.: Zitieren von Quellen im bzw. aus dem Internet, Stand: November 1999
www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/zitnet99.pdf
6. Vlach, C. (modifiziert von Ulmer, H.-V.): Handhabung und Nachweis von Websites, Stand:
23.1.2003
www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/InetquellBibVLACH03.pdf
7. Ulmer, H.-V.: Merkblatt zum medizinischen Seminar (Sportphysiologie), Stand: Februar 2000
www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/mblatt99.pdf
8. Fachbereichsrat des FB Sport: Regeln guter wissenschaftlicher Praxis der Johannes GutenbergUniversität Mainz, Stand: 23.7.2002
www.uni-mainz.de/FB/Sport/physio/pdffiles/RgWPra02.pdf
Literatur
Disterer, G.: Studienarbeiten schreiben, Springer Verlag, Berlin Heidelberg 1998, 2003
Hager, W.: Versuchsdurchführung und Versuchsbericht, Hogrefe Verlag, Göttingen Bern Toronto
Seattle 1991 und 2001
Peterßen, W. H.: Wissenschaftliche (s) Arbeiten, Oldenbourg Verlag, München 1999
Wydra, G.: Wissenschaftliches Arbeiten im Sportstudium: Manuskript und Vortrag, Meyer & Meyer
Verlag, Aachen 2003
Messing, M./Preuß, H.: Hinweise für Studierende, Mainz 2002, Zugriff am 16.11.2003 unter:
www.uni-mainz.de/F/Sport/physio/pdffiles/
Anlage: 5 Folien
Nachtrag zum Vortrag Nr. 5 von N. Schenk (Seminar Experimente mit einfachen Mitteln,
WS 2003/04): Nachfolgende Seiten.
25
Folie Nr. 1 zum Vortrag von Nils Schenk am 18.11.2003: Vortrag zum Aufbau von Versuchsberichten und wissenschaftlichen Arbeiten“
(Seminar: Sportphysiologie – Experimente mit einfachen Mitteln“ bei Prof. Dr. H.-V. Ulmer im WS
2003/2004)
Gliederungsschema einer empirischen wissenschaftlichen Arbeit:
1. Einleitung
2. Theoretische Aufarbeitung des Problemfeldes
3. Darstellung der empirischen Untersuchung
Fragestellung und Arbeitshypothesen
Untersuchungsmethodik
Personenstichprobe
Variablenstichprobe
Treatmentstichprobe
Ablauf der Untersuchung
Statistische Hypothesen
Statistik
4. Ergebnisse
5. Diskussion
6. Zusammenfassung und Ausblick
7. Literaturverzeichnis
Quelle: Wissenschaftliches Arbeiten im Sportstudium, Georg Wydra, S. 39
Folie Nr. 2 zum Vortrag von Nils Schenk am 18.11.2003: Vortrag zum Aufbau von
Versuchsberichten und wissenschaftlichen Arbeiten“
(Seminar: Sportphysiologie – Experimente mit einfachen Mitteln“ bei Prof. Dr. H.-V. Ulmer im WS
2003/2004)
Gliederungsschema von Versuchsberichten:
0. Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (Problemstellung)
2. Theoretischer und empirischer Hintergrund
3. Methode
4. Ergebnisse
5. Diskussion
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis
8. .Anhang
Quelle: Versuchsdurchführung und Versuchsbericht, W. Hager, S. 39, modifiziert von Nils Schenk
26
Folie Nr. 3 zum Vortrag von Nils Schenk am 18.11.2003: Vortrag zum Aufbau
von Versuchsberichten und wissenschaftlichen Arbeiten“
(Seminar: Sportphysiologie – Experimente mit einfachen Mitteln“ bei Prof. Dr. H.-V. Ulmer im WS
2003/2004)
Die Aufgliederung einer wissenschaftlichen Arbeit:
 Titelblatt
 Inhaltsverzeichnis
 Vorwort
 Einleitung
 Abhandlung
 Zusammenfassung
 Technischer Teil
 Anmerkungen
 Literaturverzeichnis
 Anlagen/Anhang
 Erklärung/Versicherung
Quelle: Wissenschaftliche (s) Arbeiten, W. H. Peterßen, S. 107
Folie Nr. 4 zum Vortrag von Nils Schenk am 18.11.2003: Vortrag zum Aufbau
von Versuchsberichten und wissenschaftlichen Arbeiten“
(Seminar: Sportphysiologie – Experimente mit einfachen Mitteln“ bei Prof. Dr. H.-V. Ulmer im WS
2003/2004)
Die drei Kernphasen der wissenschaftlichen Arbeit:
Einleitung:
- Einordnung des Themas in die aktuelle Diskussion
- Abgrenzung, Zuspitzung usw. des Themas
- Bearbeitungsweise darlegen und begründen
- Aufbereitung des Themas, so dass es „bearbeitbar“ wird:
o entweder: Übersetzung/Umformung in eine (Haupt)-Frage  Aufgliederung der
Frage in (beantwortbare) Teil-Fragen
o oder: Übersetzung/Umformung in eine (Haupt)-These  Aufgliederung der These
in (argumentierbare) Teil-Thesen
Abhandlung:
 entweder: 2.1. Teilfrage 1 . . . 2.n Teil-Frage n  Erörterung und Beantwortung der
Teil-Fragen mit Hilfe des Materials
 oder: 2.1 Teil-These 1 . . . 2.n Teil- Thesen mit Hilfe des Materials
Zusammenfassung:
 entweder: Zusammenfassung der einzelnen (Teil)-Antworten zur Beantwortung der
Hauptfrage
 oder: Zusammenfassung der Argumentationsergebnisse der (Einzel-) Thesen zur
Bestätigung/Widerlegung der Hauptthese
 Gegebenenfalls: Ausblick auf Folge-Aktivitäten, sichtbar gewordene Notwendigkeiten u. Ä.
Quelle: Wissenschaftliche (s) Arbeiten, W. H. Peterßen, S. 108
27
Folie Nr. 5 zum Vortrag von Nils Schenk am 18.11.2003: Vortrag zum Aufbau
von Versuchsberichten und wissenschaftlichen Arbeiten“
(Seminar: Sportphysiologie – Experimente mit einfachen Mitteln“ bei Prof. Dr. H.-V. Ulmer im WS
2003/2004)
Typen von wissenschaftlichen Arbeiten
Habilitation
Dissertation
Examensarbeit
Seminararbeit
Quelle: Studienarbeiten schreiben, Georg Disterer, Seite 48, modifiziert von Prof. Dr. H.-V. Ulmer
und Nils Schenk
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referentin: Manuela Richter, Datum: 18.11.2003
E-Mail: [email protected]
6. Atmungsregulation bei vergrößertem Totraum – Versuchsplan
Versuchsziel: Es soll mit Hilfe der Bestimmung von Thoraxumfang, Bauchumfang und Atemfrequenz festgestellt werden, ob und wenn ja, inwiefern sich die Atmung bei vergrößertem Totraum verändert.
Organisation: 6 Gruppen zu je fünf Personen
1 Proband
1 Protokollant und Zeitnehmer
1 Assistent zur Messung der Atemfrequenz
1 Assistent zur Messung des Thoraxumfanges
1 Assistent zur Messung des Bauchumfanges
!Positionswechsel nach Beendigung der Messungen!
Materialien:
pro Gruppe 1 Stoppuhr, 2 Maßbänder und 1 Rohr zur Vergrößerung des Totraumes mit Mundstück (Volumen ca. 800ml oder ca. 1200ml), des Weiteren die Versuchsprotokolle und Schreibmaterialien.
28
Versuchsdurchführung
1. Messung (ohne Vergrößerung des Totraumes)
Der Proband steht aufrecht und hält sich mit einer Hand die Nase zu, so dass er gezwungen ist,
ausschließlich durch den Mund zu atmen. Über eine Zeitdauer von 2 Minuten werden im 30Sekunden-Abstand die Anzahl der Atemzüge sowie der Umfang von Thorax und Bauch bei ‚normaler’ Ein- und Ausatmung im Versuchsprotokoll festgehalten.
 Messung der Atemfrequenz durch einen Assistenten, welcher zur Hilfe die flache Hand auf
den Bauch auflegt
 Messung des Thoraxumfanges mit einem Maßband; bei männlichen Probanden eine
Handbreite unter der Brustwarze; bei weiblichen Probanden unterhalb des Brustansatze
(Empfehlung: auf dem Rücken ablesen)
 Messung des Bauchumfanges mit einem Maßband in Höhe des Bauchnabels
2. Messung (mit Vergrößerung des Totraumes)
Alle Versuchsbedingungen und Messdurchführungen verhalten sich wie bei der ersten Messung,
jedoch atmet der Proband nun über eine Zeitdauer von 5 Minuten über reine Mundatmung durch
ein Plastikrohr.
Versuchsprotokoll
Name: ______________________
Geschlecht:  männlich
 weiblich
Alter: ______ Jahre
Größe: ______ cm
Gewicht: ______ kg
Rohr zur Vergrößerung des Totraumes:  lang
1. Messung
0’30’’
Atemzüge
(Anzahl / 30’’)
Thoraxumfang bei Einatmung
(in cm)
Thoraxumfang bei Ausatmung
(in cm)
Bauchumfang bei Einatmung
(in cm)
Bauchumfang bei Ausatmung
(in cm)
1’
1’30’’
2’
 kurz
29
2. Messung
0’30’’
1’
1’30’’
2’
2’30’’
3’
3’30’’
4’
4’30’’
5’
Atemzüge
(Anzahl / 30’’)
Thoraxumfang bei Einatmung
(in cm)
Thoraxumfang bei Ausatmung
(in cm)
Bauchumfang bei Einatmung
(in cm)
Bauchumfang bei Ausatmung
(in cm)
Abweichungen vom Versuchsplan sowie besondere Vorkommnisse bitte hier notieren!
––––––––––––––––––––––––––––Ende des Versuchplans–––––––––––––––––––––––––––
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referentin: Manuela Richter, Datum: 18.11.2003
E-Mail: [email protected]
6. Atmungsregulation bei vergrößertem Totraum –Datenblatt
Tab. 1 bis 4: Meßergebnisse zum Experiment vom 18.11.2003
Tab. 1: Umfangsdifferenz* mit einer Totraumvergrößerung von 800ml [cm]
Kontrollversuch
Versuch mit Totraumvergrößerung
00:30
01:00
01:30
02:00
Ø ind.
00:30
01:00
01:30
02:00
02:30
03:00
03:30
04:00
04:30
05:00
Ø
ind.
P7 (m)
P8 (m)
P10 (w)
P11 (w)
P12 (w)
0,5
1,0
5,1
2,0
1,0
0,5
1,5
3,0
2,0
1,0
0,5
1,2
1,4
2,0
1,0
2,7
1,3
3,0
2,0
0,5
1,1
1,3
3,1
2,0
0,9
0,7
2,0
5,0
1,5
2,0
0,8
2,7
6,0
1,5
2,0
0,9
3,2
5,5
2,0
1,0
0,9
2,6
4,5
3,5
0,5
0,9
2,2
6,5
3,5
0,0
0,2
2,3
5,5
3,4
0,5
0,9
3,3
6,5
3,8
0,5
0,6
2,8
5,0
3,1
-0,5
1,0
2,8
6,0
4,2
1,0
0,9
2,9
7,5
2,5
0,5
0,8
2,7
5,8
2,9
0,8
Ø
s
Minimum
Maximum
1,9
1,9
0,5
5,1
1,6
1,0
0,5
3,0
1,2
0,5
0,5
2,0
1,9
1,0
0,5
3,0
1,0
2,2
1,6
0,7
5,0
2,6
2,0
0,8
6,0
2,5
1,9
0,9
5,5
2,4
1,7
0,5
4,5
2,6
2,5
0,0
6,5
2,4
2,2
0,2
5,5
3,0
2,4
0,5
6,5
2,2
2,2
-0,5
5,0
3,0
2,1
1,0
6,0
2,9
2,8
0,5
7,5
2,6
Zeit [min]
Tab.
2: Umfangsdifferenz mit einer Totraumvergrößerung von 1200ml [cm]
Kontrollversuch
Versuch mit Totraumvergrößerung
00:30
01:00
01:30
02:00
Ø ind.
00:30
01:00
01:30
02:00
02:30
03:00
03:30
04:00
04:30
05:00
Ø
ind.
P1 (m)
P2 (m)
P3 (w)
P4 (w)
P5 (w)
P6 (w)
1,9
1,0
1,5
2,0
5,5
0,0
0,8
0,9
1,0
1,5
4,5
0,5
1,2
0,9
1,0
2,0
2,0
0,0
1,1
1,4
1,5
1,5
4,5
0,5
1,3
1,1
1,3
1,8
4,1
0,3
1,2
1,5
2,0
2,5
3,0
1,0
1,2
1,1
2,0
5,0
4,6
1,0
2,3
1,6
2,5
4,0
4,5
1,5
0,4
1,2
2,0
4,0
3,5
2,0
1,1
1,0
3,5
6,0
5,0
-0,5
1,0
1,5
4,0
6,0
5,0
1,5
1,1
1,1
4,0
6,0
3,5
2,0
0,3
1,2
4,0
5,0
3,0
2,0
0,4
1,3
4,0
5,5
3,5
2,0
1,0
1,2
3,5
5,0
4,0
2,5
1,0
1,3
3,2
4,9
4,0
1,5
Ø
s
Minimum
Maximum
2,0
1,9
0,0
5,5
1,5
1,5
0,5
4,5
1,2
0,8
0,0
2,0
1,8
1,4
0,5
4,5
1,6
1,9
0,8
1,0
3,0
2,5
1,8
1,0
5,0
2,7
1,2
1,5
4,5
2,2
1,4
0,4
4,0
2,7
2,5
-0,5
6,0
3,2
2,1
1,0
6,0
3,0
1,9
1,1
6,0
2,6
1,8
0,3
5,0
2,8
1,9
0,4
5,5
2,9
1,6
1,0
5,0
2,6
Zeit [min]
30
Tab. 3: Atemfrequenz mit einer Totraumvergrößerung von 800ml
Kontrollversuch
Versuch mit Totraumvergrößerung
00:30
01:00
01:30
02:00
Ø ind.
00:30
01:00
01:30
02:00
02:30
03:00
03:30
04:00
04:30
05:00
Ø
ind.
P7 (m)
P8 (m)
P10 (w)
P11 (w)
P12 (w)
11
10
9
8
8
9
11
7
8
7
9
9
5
8
8
9
8
5
8
8
9,5
9,5
6,5
8,0
7,8
9
8
6
7
6
7
8
7
7
6
11
8
4
7
6
10
7
5
6
5
10
8
5
6
5
9
8
6
5
5
9
8
6
5
6
9
7
7
5
5
10
7
5
5
5
10
7
6
6
6
9,4
7,6
5,7
5,9
5,5
Ø
s
Minimum
Maximum
9,2
1,3
8
11
8,4
1,7
7
11
7,8
1,6
5
9
7,6
1,5
5
9
8,3
7,2
1,3
6
9
7,0
0,7
6
8
7,2
2,6
4
11
6,6
2,1
5
10
6,8
2,2
5
10
6,6
1,8
5
9
6,8
1,6
5
9
6,6
1,7
5
9
6,4
2,2
5
10
7,0
1,7
6
10
6,8
Zeit [min]
Tab. 4: Atemfrequenz mit einer Totraumvergrößerung von 1200ml
Kontrollversuch
Zeit [min]
P1 (m)
P2 (m)
P3 (w)
P4 (w)
P5 (w)
P6 (w)
Ø
s
Minimum
Maximum
Versuch mit Totraumvergößerung
00:30
01:00
01:30
02:00
Ø ind.
00:30
01:00
01:30
02:00
02:30
03:00
03:30
04:00
04:30
05:00
Ø
ind.
6
5
8
7
4
7
5
4
9
8
4
8
4
4
8
8
4
8
4
4
8
8
3
8
4,8
4,3
8,3
7,8
3,8
7,8
5
4
7
7
4
8
5
4
8
9
5
9
6
4
7
8
5
9
5
3
8
7
6
9
5
3
9
9
5
8
5
4
8
8
6
10
5
3
7
7
4
13
5
3
7
6
5
11
5
3
8
7
5
11
6
3
7
6
5
11
5,2
3,4
7,6
7,4
5,0
9,9
6,2
1,5
4
8
6,3
2,3
4
9
6,0
2,2
4
8
5,8
2,4
3
8
6,1
5,8
1,7
4
8
6,7
2,3
4
9
6,5
1,9
4
9
6,3
2,2
3
9
6,5
2,5
3
9
6,8
2,2
4
10
6,5
3,6
3
13
6,2
2,7
3
11
6,5
2,8
3
11
6,3
2,7
3
11
6,4
* Umfangsdifferenz = (Thorax Ausatmung - Thorax Einatmung) + (Bauch Ausatmung - Bauch Einatmung)
Kontrollversuch
Versuch mit Totraumvergrößerung
Äquivalent [cm/min]
50
40
30
20
10
0
Probanden mit Tot raumvergrößerung von
00:30
01:00
01:30
02:00
00:30
01:00
01:30
02:00
02:30
03:00
03:30
04:00
04:30
05:00
21,5
16,9
13,5
17,2
21,2
34,5
35,2
29,5
38,3
45,3
39,6
33,4
38,6
37,2
34,2
26,0
18,5
27,9
29,9
36,7
31,0
29,3
32,0
29,1
38,2
29,2
34,2
36,9
1200ml
Probanden mit Tot raumvergrößerung von
800ml
Zeit [m in]
Abb. 1: Verlauf der Mittelwerte der Äquivalente für das AMV* bei unterschiedlich großem Totraum
Mittelwert der Äquivalente
[cm/min]
31
40
35,3
32,7
30
21,5
20
10
0
ohne Totraumvergrößerung
Totraumvergrößerung (800ml)
Totraumvergrößerung (1200ml)
Mittelwertsdifferenz der
Äquivalente [cm/min]
Abb. 2. Mittelwerte der Äquivalente für das AMV ohne, mit 800ml und mit 1200ml Totraumvergrößerung
46
50
40
27,4
30
27,4
21,8
16,8
20
9,3
10
0,9
-0,1
0
-10
-1,6
-4,8
P1(m) / P12 (w)
-4,6
P2 (m) / P7 (m)
P5 (w) / P11(w)
P3 (w) / P8 (m)
P6 (w) / P10 (w)
P4 (w)
Proband
Differenz [1200ml - Kontrollw ert]
Differenz [800ml - Kontrollw ert]
Abb. 3: Abgestufter Vergleich der Differenzen der Mittelwerte der Äquivalente für das AMV bei unterschiedlich großem Totraum
* Äquivalent = (Thoraxumfangsdifferenz [cm] + Bauchumfangsdifferenz [cm]) * 2 Atemfrequenz
[1/30s]
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referentin: Manuela Richter,
Datum: 02.12.2003, E-Mail: [email protected]
6. Atmungsregulation bei vergrößertem Totraum – Versuchsbericht
1. Versuchsziel
Es ist Ziel des Experiments zu ermitteln, ob eine künstliche Vergrößerung des Totraumes zu einer
Steigerung des Atemminutenvolumens führt.
2. Sachstand der Literatur
Die Totraumventilation ist die Differenz zwischen Gesamtventilation und alveolärer Ventilation. Unter Ventilation versteht man die Belüftung der Lunge, also die Ein- und Ausatmung von Luft, gemessen als Atemminutenvolumen. Die alveoläre Ventilation ist der Anteil der Gesamtventilation,
der in den Lungenbläschen (Alveolen) zum Gasaustausch kommt (WEINECK, 2000, 207).
Als Totraum wird in der Literatur einheitlich der Raum definiert, in welchem kein messbarer
Gasaustausch stattfindet. „Der anatomische Totraum umfasst die Atemwege bis zur BronchiolenAlveolen-Grenze“ (MAREES, 1996, 203), was Mund-/Nasen-, Rachen-, Larynx-, Tracheal- und
32
Bronchialraum beinhaltet. Als funktionellen Totraum bezeichnet MAREES „…alle Räume, in denen
kein Gasaustausch stattfindet, also auch nicht durchblutete, aber belüftete Alveolen“(ebd.).
Nach WIEMANN ergibt sich für das Atemzugvolumen von 0,5 Liter (Ruhewert) mit Hilfe der Bohrschen Formel ein funktioneller Totraum von 0,15 Liter für den durchschnittlichen Erwachsenen
(WIEMANN, 2003, 137). Dies heißt, dass in Ruhe nur 0,35 Liter zum Gasaustausch bis in die Alveolen gelangen.
ISRAEL sagt der Totraum habe einen wesentlichen Einfluss auf die eingeatmete Luft: Anwärmung,
Anfeuchtung und Reinigung (ISRAEL, 1999, 202). MAREES stellt jedoch auch Nachteile des Totraumes heraus: „Am Ende der Exspiration im Totraum liegen gebliebene Luft gelangt bei der folgenden Inspiration zuerst in den Alveolarraum. Erst dann folgt Frischluft nach, die zur Erhöhung
des alveolären O2-Partialdruckes führt“ (MAREES, 1996, 203).
Steigt der CO2-Partialdruck an oder nimmt der O2-Partialdruck ab, so wird dadurch über Chemorezeptoren das Atemzentrum in der Medulla oblongata aktiviert. Durch die Erhöhung des CO2Partialdruckes steigt im Allgemeinen auch die Wasserstoffionen-Konzentration (gleichbedeutend
mit einem Abfall des ph-Wertes), was wiederum eine direkte zusätzliche Beeinflussung auf das
Atemzentrum mit sich führt (MAREES, 1996, 210).
3. Erwartungen
Wird der Totraum künstlich vergrößert, gelangt bei konstantem Atemzugvolumen und konstanter
Atemfrequenz ein geringerer Anteil an Frischluft (in Ruhe weniger als 150 ml) zum Gasaustausch
in die Alveolen. Dementsprechend ist zu erwarten, dass der CO2-Partialdruck in den Alveolen zunimmt und der O2-Partialdruck abnimmt. Dies führt wiederum zu einer eingeschränkten Diffusion
von Sauerstoff aus den Alveolen ins Blut und von Kohlendioxid aus dem Blut in die Alveolen. Über
einen Anstieg des CO2-Partialdrucks und einer damit einhergehenden Zunahme der Wasserstoffionen-Konzentration und einem Abfall des O2-Partialdrucks sollte es dann zu einer Stimulation des
Atemzentrums und somit zu einer Steigerung des Atemminutenvolumens, etwa um das Volumen,
das als Totraum zusätzlich vorgegeben wurde, kommen.
4. Methodik (siehe auch Versuchsplan vom 18.11.2003)
Der Totraum wurde künstlich durch ein vorgeschaltetes Mundstück (mit einem Volumen von etwa
800 ml und 1200 ml) erzeugt.
Die Tendenzen von Veränderungen des Atemminutenvolumens [l/min] werden mit Hilfe eines
Äquivalents aufgezeigt. Dieses Äquivalent [cm/min] ergibt sich aus dem Produkt der Umfangsdifferenz [cm] (= Differenz aus Thoraxumfang + Differenz aus Bauchumfang) und der mit dem Faktor 2 multiplizierten Atemfrequenz [1/30s].
Die Probanden wurden in zwei Zielgruppen unterteilt, eine der Zielgruppen arbeitete mit einer
künstlichen Totraumvergrößerung von etwa 800 ml, die andere von etwa 1200 ml. Beide Gruppen
führten zuvor einen Kontrollversuch (Versuch bei normaler Atmung, also ohne Totraumvergrößerung) durch.
Um eine eventuelle Beeinflussung der Atmung durch Nervosität und Vorstartsituation weitgehend
auszuschalten, werden als Bezugswerte für die Kontrollversuche die der dritten Messperiode (gemessen wurde alle 30 s) verwendet. In den Versuchen mit Totraumvergrößerung werden aus selbigem Grund die Werte der letzten Messperiode genutzt.
Um Differenzen zwischen den Versuchen mit Totraumvergrößerung und deren Kontrollversuchen
zu untermauern, werden diese auf statistische Signifikanz mit dem t-Test für gepaarte Stichproben
geprüft.
5. Ergebnisse (siehe auch Datenblatt vom 25.11.2003)
Am Versuch haben 12 Probanden teilgenommen. Davon konnte ein Versuchsprotokoll zur Auswertung nicht herangezogen werden. Somit verblieben für die Zielgruppe mit einer Totraumvergrößerung von 800 ml 5 Probanden, für die Zielgruppe mit einer Totraumvergrößerung von 1200 ml
6 Probanden.
Tabelle 1 bis 4 sind dem Datenblatt vom 25.11.2003 zu entnehmen. Festgehalten wurden hier ermittelte Werte der einzelnen Probanden bezüglich Umfangsdifferenzen und Atemfrequenzen. Abzulesen sind ebenso intra- und interindividuelle Mittelwerte sowie die Standardabweichungen und
Extremwerte für die einzelnen Messzeitpunkte.
33
Die Äquivalente des Atemminutenvolumens fallen im Kontrollversuch bei beiden Zielgruppen über
die ersten 3 Messperioden deutlich ab, nach der vierten Messperiode steigen sie wiederum leicht
an (siehe Abbildung 1 im Datenblatt).
In den Versuchen mit Totraumvergrößerung steigen die Äquivalente des Atemminutenvolumens
bei beiden Zielgruppen während der ersten beiden Messperioden an, anschließend pegeln sich die
Werte relativ konstant zwischen 30 und 40 cm/min ein. Für die Zielgruppe mit einer Totraumvergrößerung von 1200 ml ist nach 3 Minuten jedoch ein leicht erhöhter Wert von 45,3 cm/min zu verzeichnen (siehe Abbildung 1 im Datenblatt).
Tab. 1: Bezugswerte für das Äquivalent des Atemminutenvolumens ohne vorgeschaltetem Totraum (nach dritter Messperiode) und mit vorgeschaltetem Totraum (nach letzter Messperiode)
Bezugswert ohne Bezugswert mit vorvorgeschaltetem
geschaltetem
Totraum [cm/min] Totraum [cm/min]
Relative Zunahme
[%]
18,5
36,9
1 : 2,0
+ 99
13,5
37,2
1 : 2,8
+ 176
Die absoluten Differenzen zwischen
den Bezugswerten aus den Versuchen
mit Totraumvergrößerung und den davor durchgeführten Kontrollversuchen
liegen bei der Zielgruppe mit einer
Totraumvergrößerung von 800 ml bei
18,4 cm/min und bei der Zielgruppe mit
einer Totraumvergrößerung von
1200 ml bei 23,7 cm/min. In der erstgenannten Gruppe lag somit eine Zunahme von 99 % des Äquivalents des
Atemminutenvolumens vor, bei der
Zweitgenannten eine Zunahme von
176 % (siehe Abbildung 1).
176
200
Differenz [%]
Versuch mit 800 ml
Totraumvergrößerung
Versuch mit 1200 ml
Totraumvergrößerung
Relation
150
99
100
50
0
800ml
1200ml
Abb. 1: Relative Differenzen des Äquivalents des Atemminutenvolumens zwischen den Bezugswerten aus den Versuchen mit Totraumvergrößerung und dem
davor durchgeführten Kontrollversuch (siehe Tabelle 1)
Statistische Berechnungen ergaben, dass es bei einer Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % eine signifikante Zunahme des Äquivalents des Atemminutenvolumens bei einer Totraumvergrößerung
von 1200 ml gibt. Bezüglich der Zunahme des Äquivalents des Atemminutenvolumens bei einer
Totraumvergrößerung von 800 ml hingegen sind nur entsprechende Tendenzen zu erkennen.
6. Diskussion
Grundsätzlich ist festzustellen, dass sich die Erwartungen, welche auf den Kenntnissen der Literatur aufbauten, bestätigt haben.
Das Atemminutenvolumen ist bei künstlich vergrößertem Totraum gestiegen. Tendenziell steigt
das Äquivalent des Atemminutenvolumens proportional zur Zunahme des Totraumes. Bei einer
künstlichen Vergrößerung des Totraumes gegenüber Ruhebedingungen (150 ml) auf das 6-fache
(950 ml) bzw. 9-fache (1350 ml) scheint der Anstieg der Äquivalente des Atemminutenvolumens
um 99 % bzw. 176 % relativ gering. Dies kann auf ein gegenüber Ruhebedingungen erhöhtes
Atemminutenvolumen im Kontrollversuch (Atemstimulation durch Aufregung) zurückzuführen sein.
Setzt man zum Beispiel ein aufregungsbedingtes Atemzugvolumen von 1 l an, dann würde sich
das Verhältnis der alveolären Ventilation zur Totraumventilation mit 6-fach vergrößertem Totraum
von 1 : 2,7 bei Ruhebedingungen auf 1: 1,1 bzw. mit 9-fach vergrößertem Totraum von 1 : 3,9 auf
1 : 1,6 verringern. Somit erscheinen die Ergebnisse plausibel.
Fragwürdig erscheint ebenfalls, dass bei 2 von 11 Probanden bei einer individuellen Differenzberechnung der Bezugswerte aus dem Versuch mit Totraumvergrößerung und Kontrollversuch ne-
34
gative Vorzeichen aufweisen. Zu erklären wäre das jedoch durch anfängliche Aufregung, die erst
im Verlauf des Testversuchs überwunden werden konnte.
Die relativ große Streuung der Messwerte spricht für große interindividuelle Unterschiede und/oder
eine noch recht große Ungenauigkeit der Messmethode. Solche Messungenauigkeiten können einerseits bei der Bestimmung der Umfänge, andererseits aber auch bei der Bestimmung der Anzahl
der Atemzüge pro Messzyklus auftreten, was eventuell durch eine Verlängerung der Zyklen eingegrenzt werden könnte.
Auch konnte man anhand der Werte der Kontrollversuche in Abbildung 1 im Datenblatt erkennen,
dass mit einem Stichprobenumfang von 5 und 6 Probanden Stichprobeneffekte auftraten, was von
einer zu kleinen Stichprobe zeugt.
Um die Bezugswerte der Kontrollversuche eindeutiger bestimmen zu können, wäre es für einen
Wiederholungsversuch ratsam, eine zeitliche Angleichung an die Versuche mit Totraumvergrößerung zu beachten, denn somit könnten eventuelle Schwankungen durch Aufregung stärker unterbunden werden.
7. Fazit
Zusammenfassend kann man sagen, dass die Vergrößerung des Totraumes zu einem Anstieg des
Äquivalenzwertes geführt hat, welcher mit der Zunahme des Atemminutenvolumens gleichzusetzen ist. Das Versuchsziel wurde also erreicht.
Literatur
ISRAEL, S.: Atemsystem. In: BADTKE, G. (Hrsg.): Lehrbuch der Sportmedizin. 4., neubearbeitete
Auflage. J.A.Barth, Heidelberg; Leipzig. 1999
MAREES, H. de: Sportphysiologie. 8., korrigierte Auflage. Sport und Buch Strauß, Köln. 1996
WEINECK, J.: Sportbiologie. 7., überarbeitete und erweiterte Auflage. Spitta Verlag, Balingen.
2000
WIEMANN, M.: Atmung. In: STEINHAUSEN, M./ GULBINS, E. (Hrsg.): Medizinische Physiologie.
5., vollständig überarbeitete Auflage. ecomed verlagsgesellschaft AG & Co. KG, Landsberg. 2003
Hiermit versichere ich, dass ich die vorgelegte Seminararbeit selbstständig angefertigt und alle benutzten Quellen und Hilfsmittel angegeben habe.
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referent: Denise Ahlers, Datum: 25.11.03
E-Mail: [email protected]
7. Redetechnik und Vortragskunst – Vortrag
In dir muss brennen, was du in anderen entzünden möchtest
Augustinus
1. Einleitung
Welcher Teilnehmer medizinischer Kongresse hat nicht schon einmal den Redner erlebt, der auf
die Bühne zum Pult stolpert, zunächst das Mikrofon anhustet und beklopft, den Signalknopf zur Diaprojektion sucht, den Laserpointer eine Zeitlang ausprobiert und sich bei allem scherzhaft entschuldigt, dass gerade er als Wissenschaftler technisch so unbegabt sei? Der Vortrag beginnt mit
den Worten: „Das erste Dia, bitte!“ Es wird dunkel, und der Redner kehrt von nun an dem Publikum
den Rücken zu. Ein völlig überladenes, viel zu buntes, ungeputztes, aber englischsprachiges Dia
erscheint, zahllose ähnliche folgen. Der Redner bedauert ausgiebig, dass er leider aufgrund der
Kürze der Zeit die Komplexität der im Dia dargestellten Sachverhalte nicht angemessen entfalten
könne. Auch sei es schade, dass man vermutlich in der letzten Reihe den Text nicht entziffern
35
könne. Unkontrolliert, aber unaufhörlich rast dabei der Laserpointer über die Projektionsfläche. Die
Zeit wird maßlos überzogen. Der Vorsitzende ist verzweifelt. Erst als trotz eines Versuches kein
weiteres Dia mehr erscheint, wird der Vortrag beendet. Die Lichter gehen an. Die Zuhörer erwachen. Es ist vorbei. Schlechte Vorträge sind schlimm! Sie schaden der Sache, die nicht vermittelt
wird. Sie schaden dem Veranstalter, der einen interessanten Kongress versprochen hat. Sie schaden dem Vortragenden, der sich blamiert. Sie schaden den Zuhörern, die oft unter erheblichem
zeitlichen und finanziellen Aufwand am Kongress teilgenommen haben. Voraussetzung für einen
guten Vortrag ist, dass man einen guten Vortrag halten will (VOLKENANDT, M. 1998, A-2081/B1763/C-1659).
2. Hauptteil
I. Was ist Rhetorik?
Rhetorik wurde bereits in der Antike gelehrt, daher der griechische Ursprung des Wortes, das sich
mit Redekunst oder mit Sprechtechnik übersetzen lässt. Rhetorik bezeichnet einerseits die Fähigkeit, öffentlich zu sprechen. Wer es versteht, einen Vortrag informativ, verständlich und interessant zu gestalten, in einer Diskussion den eigenen Standpunkt überzeugend zu vertreten oder
in einer Rede das Denken und Handeln der Zuhörer in seinem Sinne zu beeinflussen, der verfügt
über diese Fähigkeit. Andererseits bezeichnet Rhetorik die theoretische Wissenschaft, die Reden
untersucht und aus der Analyse auch Regeln und Anregungen für die Ausarbeitung von Reden
gewinnt (SCHULE DER RHETORIK 2003).
„Einfach reden, aber kompliziert denken – nicht umgekehrt.“
Franz-Josef Strauß
II. Die goldenen Regeln der Redekunst
SCHEERER erläutert in seinem Buch „Reden müsste man können“ einige Regeln der Redekunst,
die dazu beitragen können, dem eigenen Vortrag den perfekten Schliff zu liefern. „Sprechen ist an
sich keine Kunst, sondern die Kunst besteht darin, die Person, mit oder zu denen wir sprechen,
zum Zuhören zu bringen (SCHEERER 1994, 109). Das Sprechen ist somit wichtiger als das Gesprochene d.h. die Wirkung des Vortrages wird durch die Formulierung bestimmt. Zumal das Thema fest steht und einzig an der Art bzw. der Form, wie der Inhalt vorgetragen wird, gestaltet werden kann. Weiter behauptet SCHEERER, dass das Sprechen geplant werden kann, durch die folgenden fünf Planungsschritte.
1. Bestandsaufnahme – also die Bestandsaufnahme des bestehenden, des augenblicklichen
Zustands.
2. Schwachpunkte – Welche Schwächen werden beim Sprechen an sich selbst entdeckt.
3. Ziele – Eigene Schwachpunkte verbessern.
4. Reihenfolge – Immer nur ein Ziel anstreben, nicht mehrere gleichzeitig.
5. Maßnahmen – Maßnahmen die ergriffen werden, um die angestrebten Ziele zu erreichen.
Als weitere goldene Regel wird die Veränderung genannt, die zur Gewohnheit gemacht werden
soll. Ablaufende Programme im Unterbewusstsein müssen durch neue Programme ersetzt werden, bis diese automatisiert bzw. zur Gewohnheit geworden sind. Z.B. soll das alte Programm
„Leise sprechen“ durch das neue Programm „Lauter sprechen“ gelöscht werden.
THIELE (1997/1998, 25 ff) fasst stattdessen die wichtigsten Ansatzpunkte und Techniken zur
überzeugenden Argumentation in seinem Buch „Rhetorik: Sicher auftreten – überzeugend argumentieren“ in neun Bausteine zusammen. Der erste Baustein geht auf die Entwicklung des
Selbstvertrauens und die Reduzierung der Redehemmung ein. Dann werden die Faktoren
menschlicher Überzeugungskraft angesprochen, wie z.B. das äußere Erscheinungsbild, Fachkompetenz, Begeisterung und Überzeugung von sich selbst, Sympathiewert, Vertrauen und
Glaubwürdigkeit etc. In Punkt 3 bis 9 werden konkrete Techniken und Regeln zur positiven Selbstdarstellung und zur Kunst des Argumentierens behandelt.
III. Redevorbereitung
1. Ideensammlung: Sammlung wesentlicher Gedanken, vor allem der wichtigsten Aspekte
und Argumente.
36
2. Gliederung: bewusste Anordnung einzelner Redeteile. Diese Gliederung orientiert sich sowohl an der Sache, als auch an den Zuhörern.
3. Sprachgestaltung: Das Ausformulieren der Rede, schriftlich, mündlich oder in Gedanken.
Der Redner sollte in Wortwahl, Satzbau und Stil nach der angemessenen Ausdrucksweise
suchen.
4. Merkphase: Meist stützt sich der Redner auf eine Textvorlage oder einzelne Stichworte.
Gut einprägen sollte man sich aber Anrede und Einleitung, einzelne Höhepunkte und den
Schlusssatz.
5. Probesprechen: Hier werden Lautstärke, Betonung und Pausentechnik, sowie Gestik, Mimik und Haltung geübt und natürlich eine Zeitkontrolle durchgeführt.
Präsentation
Wenn es darum geht wesentliche Aussagen in schriftlicher Form festzuhalten.
1. Tafel/White Board: Um Anregungen aus dem Publikum unmittelbar aufzugreifen.
2. Flipchart: Um Anschriebe vorzustrukturieren oder dauerhaft zu präsentieren.
3. Pinwand: Um Ideen vor den Augen der Zuhörer zu ordnen oder zu gewichten.
4. Tageslichtprojektor: Um größere Textmengen mit geringem Aufwand zu visualisieren.
5. computergestützte Präsentation: Um möglichst in kleinen Schritten zu visualisieren oder um
multimedial zu präsentieren.
IV. Aufbau der freien Rede
In dem Buch „eine Anleitung für Rede, Gespräch, Verhandlung und Diskussion“ von BAUER 1993
wird im 4. Kapitel (28 ff) die Vorbereitung und der Aufbau der freien Rede angesprochen. Nach der
Festlegung des Themas und einer sachlich, kurzen und zugkräftigen Ausformulierung, sollte der
Redner mit der Stoffsammlung beginnen (Lexika, Duden, Wissenschaftliche Werke, Zeitschriften
etc.). Daraufhin wird eine Gliederung der Rede in drei Teile unternommen, die in der historischen
Rhetorik eingeführt wurde und noch heute in vollem Umfang gültig ist.
1. Einleitung
2. Hauptteil
3. Schluss
Hier wird der erste Kontakt mit dem Publikum hergestellt und das Grundthema angedeutet bzw.
aufgerissen. Die Aufmerksamkeit des Zuhörers sollte in der Einleitung geweckt werden um seine
Konzentrationsfähigkeit für den Sachteil zu erhöhen. Folgende Mittel können dazu dienlich sein.
Aktualität: Aktuelle Ereignisse aus Politik, Kultur oder Gesellschaft sind Themen der Einleitung.
Persönliches Erlebnis: Eigene Erfahrungen zu dem Vortragsthema können zu Begin eingebracht
werden.
Anekdoten: Kleine Geschichten, so genannte „Stories“ lockern die Atmosphäre und bieten eine
entspannte Basis.
Zitat: Ausgesuchte Kernsätze eines Dichters, Schriftstellers, Politikers oder Wissenschaftlers erleichtern den Übergang zum Hauptteil einer Rede.
Geschichtlicher Rückblick: In der Einleitung sollte nach Möglichkeit auf die Historie verzichtet werden, außer sie wird durch Sachgründe erforderlich gemacht.
Zur Gliederung des Hauptteils empfiehlt BAUER (1993, 30) ebenfalls das Prinzip der Dreiteilung,
wobei das Hauptthema in drei große Untergruppen aufgeteilt und durch römische Zahlen gekennzeichnet werden sollte. Diese Untergruppen sind wiederum aufzugliedern und mit Ziffern (1, 2, 3
usw.) zu bezeichnen. Je nach Thema und Situation werden Sachaussagen mit Hilfe folgender Anschauungsmaterialien verdeutlicht. Tafelbild, Zahlen, Statistiken, Bildmaterial, Wandkarte, Lichtbild, Stummfilm, Tonfilm, Tonband, Tonkassette und Schallplatte.
Nach dem Sprichwort „In der Kürze liegt die Würze“ sollte sich der Schluss richten. Eine kurze
Zusammenfassung, am Besten mit Punkten oder Thesen, einen Ausblick in die Zukunft und ein
Appell um die Hörer zur Aktivität aufzufordern, sollten im Schlussteil vorhanden sein.
V. Die Angst vor dem Reden
Zu diesem Thema befinden sich in den meisten Rhetorikbüchern sehr umfangreiche Kapitel, zumal
das Problem der Redehemmung und Redeangst verbreiteter ist, als vermutet. BAUER (1993, 39 ff)
geht in seinem Buch mit praktischen Hilfen zur rednerischen Sicherheit voran. Seiner Meinung
37
nach ist ein ausreichender Wortschatz, der die sprachliche Ausdrucksfähigkeit beflügelt, einer der
wichtigsten Punkt auf der Rangskala. Dem folgen ein umfangreiches Wissen, das zu mehr Sicherheit beiträgt, gute Vorbereitung, die das Selbstbewusstsein stärkt, die richtige Anlage des Stichwortzettels und die Kenntnis rhetorischer Methoden, die den fachlichen Bereich ausfüllen. Im psychologischen Bereich werden Punkte wie, Harmonie von Körper und Geist, Entspannung, autogenes Training und Atemübungen genannt. „Eine der Hauptursachen rednerischer Hemmung ist
Angst. Die Wurzel der Angst ist vor allem Unsicherheit, die man deshalb zu beseitigen versuchen
sollte“ (BAUER 1993, 39).
PABST-WEINSCHENK (1995) setzt in ihrem Buch „Reden im Studium“ ganz auf die Kraft der
richtigen Atmung. „Wer ruhig atmet, kann besser reden“ (106). Um die Anspannung vor einer
Rede nicht zu stark werden zu lassen, sollte zunächst gut geatmet werden. „Wichtig ist dabei, dass
man mit dem Zwerchfell die Lunge ausdehnt, und nicht oben die Muskeln des Schultergürtels bewegt“ (107). Ebenfalls wird auch in Ihrem Buch auf den positiven Effekt der Meditation und des autogenes Training hingewiesen.
Im Kapitel „Lampenfieber – die Angst des Redners vorm Reden“ ebenfalls aus dem Buch von
SCHEERER (1994), wird ganz besonders angesprochen, aus welchem Grund Angst beim Reden
überhaupt existiert. „Weil Sie Angst haben. Angst sich zu blamieren“ (95). Er nennt nachfolgend
einige Punkte, wobei die Möglichkeit zur Blamage durchaus überschaubar wird.
1. Vermeidbare Risiken: ungenügende Vorbereitung, falsche Vorbereitung, technische Mängel.
2. unvermeidbare Risiken: Zwischenrufe, Fragen, Unruhe, herausgehende Zuhörer, stecken
bleiben.
Die Überwindung von Redehemmung, Redeangst und Redescheu ist somit erlernbar, vorausgesetzt man befindet sich in ständiger Übung durch rednerische Tätigkeit, um ein gesundes Selbstvertrauen zu erlangen. „Beim learning by doing entwickelt man durch die Rückmeldung und konstruktive Kritik allmählich eine realistische Selbsteinschätzung. Dabei ist es wichtig, positiv zu denken, sich positiv zu verstärken und keiner Vermeidungsstrategie zu folgen“ (PABSTWEINSCHENK 1995, 118).
3. Schluss:
Die Rhetorik beschäftigt sich besonders mit der Frage, wie ein Redegegenstand am überzeugendsten präsentiert werden kann. Der sprachliche Ausdruck, die stimmliche und gestische Ausführung, die persönliche Präsenz und die Interaktion mit dem Publikum sind Mittel, die eigene
Überzeugung von einem Redegegenstand zu vermitteln. Mitunter wird das Redeziel nahezu besser durch die Art des Vortrags erreicht als durch seinen Inhalt.
Literatur
BAUER, G.: Rhetorik – Eine Anleitung für die Rede, Gespräch, Verhandlung und Diskussion. 2.
durchgesehene Auflage. Ludwigshafen (Rhein): Kiel, 1993.
PABST-WEINSCHENK, M.: Reden im Studium: Ein Trainingsprogramm. Frankfurt am Main, Cornelson Scriptor, 1995.
SCHEERER, H.: Reden müsste man können: Selbstbewußt auftreten, Persönlichkeit einsetzten,
Zuhörer begeistern. 3. Aufl. , 7.-10. Tausend. - Bremen: GABAL, 1994.
THIELE, A.: Rhetorik. Sicher auftreten – überzeugend argumentieren. Falken Verlag, Wiesbaden,
1997/1998.
VOLKENANDT, M.: Medizinische Fachvorträge: Glanz und Elend der Vortragskunst. Deutsches
Ärzteblatt 95,1998, A-2081 / B-1763 / C-1659.
SCHULE DER RHETORIK: Was ist Rhetorik? http://www.schule-derrhetorik.de/wasistrhetorik.html, Stand 11.11.2003.
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Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referent: Nadine Daschmann, Datum: 25.11.2003
E-Mail: [email protected]
8. Einübungsversuche zur Pulsfrequenz- und Blutdruckmessung
– Versuchsplan
1.Versuchsziel
Erlernen und Vergleichen verschiedener Methoden zur Blutdruckund Pulsfrequenzmessung
2.Versuchsplan:
2.1 Ort:
Arbeitsräume des Fachbereichs Sport
2.2Organisation: Bildung von 5 Gruppen à 6 Personen
2.3 pro Gruppe:
1 Proband (an dem die Messung durchgeführt wird), 1 Proband (der
die Messung durchführt), 1 Assistent (der die Messung überprüft), 1
Zeitnehmer (für die Pulsfrequenzmessung), 1 Assistent (der die Zeitmessung überprüft), 1 Protokollant
2.4 Material:
1 Blutdruckmessgerät, 1 Stethoskop, 1 Stoppuhr, 1 elektronisches
Blut- druck- und Pulsfrequenzmessgerät
3. Versuchsdurchführung
Die Messungen werden in äußerster Ruhe und im Sitzen durchgeführt. Alle acht Messungen
(vier verschiedene Messungen mit jeweils einer Wiederholung) werden hintereinander an
derselben Person ausgeführt. Die Aufgaben werden gewechselt, sodass jeder jede Tätigkeit
ausgeübt hat.
3.1 Blutdruckmessung
a) Manuelle Messung mit Hilfe des Riva-Rocci-Korotkoff-Messgerätes: Die Blutdruckmessung erfolgt an dem in Herzhöhe gelagerten Oberarm des sitzenden Probanden.
Die Manschette wird etwa zweifingerbreit oberhalb der Ellenbeuge angelegt. Das Stethoskop legt man unterhalb der Manschette in der Ellenbeuge auf. Mit dem so genannten Pumpball wird bei geschlossenem Ventil der Druck in der Manschette auf etwa 180-200 mmHg aufgepumpt. Der Manschettendruck wir nun langsam reduziert
(etwa 2-3 mmHg/s), indem das Ventil mit Daumen und Zeigefinger vorsichtig geöffnet
wird. Währenddessen observiert man mit Hilfe des Stethoskops die Arterie. Bei Erreichen des systolischen Blutdrucks wird ein dumpfes Geräusch hörbar. Bei diesem ersten Ton wird der systolischen Wert abgelesen. Das Geräusch wird immer schwächer
und verschwindet ganz, nun wird der diastolische Wert abgelesen und in das Versuchsprotokoll eingetragen.
b) Elektronische Messung mit Hilfe des Blutdruck- und Pulsfrequenzmessgerätes: Alle
Gegenstände wie Schmuck werden vom linken Handgelenk entfernt, sodass die Manschette darüber gezogen und mit dem Klettverschluss befestigt werden kann. Der Abstand zwischen der Manschette und der Hand soll ca. 1 cm betragen. Nun wird der
Arm auf den Tisch gelegt. Die Handfläche zeigt nach oben. Die Manschette soll in etwa auf Höhe des Herzens zum Liegen kommen.
39
3.2 Pulsfrequenzmessung
a) Manuelle Messung: Der Radialpuls wird auf der Innenseite des Unterarmes in Verlängerung des Daumens mit Zeige-, Mittel- und Ringfinger ertastet. Die Schläge werden
15 Sekunden lang gezählt und dieser Wert in die Tabelle eingetragen.
b) Elektronische Messung mit Hilfe des Blutdruck- und Pulsfrequenzmessgerätes: Die
Messung erfolgt wie die elektronische Messung mit Hilfe des Blutdruck- und Pulsfrequenzmessgerätes. Der Pulswert erscheint in der Anzeige des Gerätes direkt nach
dem Blutdruckwert.
4. Versuchsprotokoll:
Name:
Geschlecht:
Größe:
Gewicht:
Blutdruckmessung a) Manuelle Messung mit Hilfe
(mmHg)
Riva-Rocci-Korotkow- Messgerätes
Systolischer
Diastolischer
Wert
Wert
b) Elektrische Messung mit Hilfe des
Blutdruck- und PulsfrequenzMessgerätes
Systolischer
Diastolischer Wert
Wert
1. Durchgang
2. Durchgang
a) Manuelle Messung
Pulsfrequenzmessung
b) Elektronische Messung mit
Hilfe des Blutdruck- und Pulsfrequenzmessgerätes
1. Durchgang
2. Durchgang
––––––––––––––––––––––––––––––Ende des Versuchsplans––––––––––––––––––––––––––––
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referentin: Nadine Daschmann, Datum: 16.12.2003
E-Mail: [email protected]
8. Einübungsversuche zur Pulsfrequenz- und Blutdruckmessung
– Versuchsbericht
Versuchsziel: Erlernen und Vergleichen verschiedener Methoden zur Blutdruck- und
Pulsfrequenzmessung
Sachstand:
Blutdruck: Unter Blutdruck versteht man den Druck in den Arterien des Körperkreislaufes,
welcher auf die Gefäßwände ausgeübt wird. Er wird als zwei durch einen Schrägstrich getrennte Zahlenwerte angegeben. Der höhere Wert ist der systolische Wert, der niedrigere
Wert der diastolische Wert. Der normale systolische Blutdruck beträgt nach de MAREES
(1996, S. 270) in Körperruhe und in sitzender Position 120 mmHg und der diastolische
Blutdruck 80 mmHg. Die Einheit dieser Werte ist Millimeter Quecksilber (mmHg).
Messverfahren zur Blutdruckmessung: de MAREES (1996, S. 272) unterscheidet zwei
Prinzipien der Blutdruckmessung: Zum einen die direkte (blutige Blutdruckmessung) und
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zum Anderen die indirekte (unblutige Blutdruckmessung). Nach CAMPBELL (2000, S.
908) wird bei der direkten Blutdruckmessung mit einem Manometer verbundene Kanüle in
das Gefäß eingestochen. Diese Methode, welche exakte Messwerte liefert, bleibt jedoch
einem Arzt vorbehalten. Deswegen wendet man häufig die indirekte Messung nach RivaRocci-Korotkoff an. Bei diesem Messverfahren misst man mit einer aufgeblasenen Manschette den in einer Arterie herrschenden Blutdruck wie folgt: Die Manschette, die um den
Oberarm gelegt wird, wird solange aufgeblasen, bis die Arterie ganz abgedrückt ist. So ist
der Arm unterhalb der Manschette nicht mehr durchblutet. Das Stethoskop legt man oberhalb der Arteria brachialis in der Ellenbeuge auf und achtet auf die pulsierenden Geräusche. Bei geschlossener Arterie ist unterhalb der Manschette kein Puls festzustellen.
Wenn nun das Ventil des Pumpballs langsam geöffnet wird (2- 3 mmHg/s) und es zur Entlüftung der Manschette kommt, beginnt das Blut wieder in den Unterarm zu fließen. Das
Geräusch, das nun über das Stethoskop hörbar ist – auch Korotkoff-Geräusch genannt –
ist jetzt das pulsierende Blut unterhalb der Manschette. Bei Erreichen des systolischen
Blutdrucks wird ein erstes dumpfes Geräusch hörbar und ist dann auf der Messskala abzulesen. In dem Moment, wenn das Geräusch schwächer wird und verschwindet, liest
man den diastolischen Wert ab. Nun kann das Blut frei durch die Arterien fließen.
Hypertonie und Hypotonie: Es ist wichtig, regelmäßig seinen Blutdruck zu kontrollieren,
denn ein extrem erhöhter Blutdruck kann für die Entstehung arteriosklerotischer Folgekrankheiten, wie z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen u.a. verantwortlich sein
(MARKWORTH 2001, S. 152). Steigt der systolische Blutdruckwert über 160 mmHg
und/oder der diastolische Blutdruckwert über 95 mmHg, herrscht nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Bluthochdruck (Hypertonie) vor (KUSCHINSKY 1994, S.
351). Es sollte dann ein Arzt aufgesucht werden. Bei niedrigerem Blutdruck (Hypotonie)
liegt der Blutdruckwert unter 110/70 mmHg. Dies ist jedoch fast immer ungefährlich
(MARKWORTH 2001, S. 151).
Puls: Der tastbare Puls beruht auf rhythmisches Dehnen der Arterien aufgrund der Blutdruckerhöhung bei jedem Herzschlag. Ein gesunder Mensch hat im Durchschnitt eine
Herzfrequenz von etwa 70 /Minute (CAMPBELL 2000, S. 904).
Messverfahren zur Pulsfrequenzmessung: Die Pulsfrequenz lässt sich zum Beispiel an der
Handgelenkinnenseite (an der Arteria radialis) messen. die Schläge werden 15 Sekunden
lang gezählt, sie sind vier zu multiplizieren, um den Wert pro Minute zu erhalten.
Erwartung:
Nun stellt sich die Frage, inwiefern das Versuchziel vom 25.11.2003 erreicht wurde, da
nach vorangegangenen Seminarberichten es möglich sein müsste, nach einmaliger Einübung, leidlich richtige Werte zu messen.
Methodik:
Der Versuch verlief gemäß dem Versuchsplan vom 25.11.2003. Die Probanden hatten
zwei verschiedene Blutdruckmessungen und Pulsfrequenzmessungen durchgeführt. Es
traten bei den Blutdruckmessungen keine weiteren Vorkommnisse auf, wobei einige Probanden bei der manuellen Pulsfrequenzmessung den Endwert auf die Minute hochrechneten und so in die Tabelle eintrugen.
Ergebnisse (siehe Datenblatt vom 02.12.2003):
Es nahmen an den Einübungsversuchen zur Pulsfrequenz- und Blutdruckmessung insgesamt 23 Probanden teil, wobei von 3 Probanden das Versuchsprotokoll lückenhaft ausgefüllt wurde und deren Werte nicht in die Auswertung mit eingingen. Bei den 11 Frauen und
9 Männern wurden 12 Messwerte gemessen, davon 8 Werte zum Blutdruck und 4 Werte
zur Pulsfrequenz. Es wurden 240 Messwerte eingetragen, das entspricht einer Messerfolgsquote von 87 %.
41
Blutdruckmessung beider Messmethoden:
Nach der Riva-Rocci-Korotkoff-Messung, vom 1. und 2. Durchgang (Tabelle 1), liegen die
Mittelwerte bei 119 mmHg und 118 mmHg systolisch und bei 74 mmHg und 76 mmHg diastolisch. Die Mittelwerte der elektronischen Messung, vom 1. und 2. Durchgang (Tabelle
1), liegen bei 124 mmHg und 120 mmHg systolisch und bei 79 mmHg und 77 mmHg diastolisch. Die Standardabweichungen liegen bei der Riva-Rocci-Korotkoff-Messung im Bereich von 9 und 13, die der elektronischen Messung bei 9 und 14. Der systolische
Minimalwert liegt bei 90 mmHg und der Maximalwert bei 151 mmHg. Bei den diastolischen
Werten liegt der Minimalwert bei 60 mmHg und der Maximalwert bei 104 mmHg. Der Unterschied der Werte zwischen der Riva-Rocci-Korotkoff- Messung des 1. und 2. Durchgangs liegt bei 1 mmHg systolisch und 2 mmHg diastolisch. Bei der elektrischen Messung
liegt der Unterschied der Werte bei 4 mmHg systolisch und 2 mmHg diastolisch.
Beim Vergleich der beiden Messmethoden liegt der Minimalwert bei 118 mmHg und der
Maximalwert bei 124 mmHg systolisch. Das ergibt einen Unterschied von 6 mmHg. Bei
den diastolischen Messergebnissen liegt der niedrigste Wert bei 76mmHg und der höchste
Wert bei 79 mmHg. Das ergibt einen Unterschied von 3mmHg.
Die folgende Tabelle 3 enthält als Nachtrag zum Datenblatt die fehlenden Blutdruckwerte
der 3 Probanden, welche den Versuchsplan lückenhaft ausgefüllt hatten.
Tab. 3: Ergebnisse der Blutdruckmessung (mmHg) n = 3, w = weiblich, m = männlich, - = fehlende Werte
Proband
Riva-Rocci-KorotkoffMessung
(Geschlecht) 1. Durchgang
systolisch
diastolisch
Riva-Rocci-KorotkoffMessung
2. Durchgang
systolisch diastolisch
Elektronische Messung
Elektronische Messung
1. Durchgang
systolisch diastolisch
2. Durchgang
systolisch
diastolisch
1(w)
2(w)
3(m)
115
136
124
-
141
119
-
125
70
70
73
76
-
87
73
-
Pulsfrequenzmessung beider Messmethoden:
Es ergibt sich ein Unterschied (in Tabelle 2 und Abbildung 3) bei der manuellen Messung
des 1. und 2. Durchgang von 1 /Minute. Die Standardabweichung liegt zwischen 8 und
9. Die Mittelwerte der zweiten Messung, mit Hilfe des elektronischen Pulsfrequenz- und
Blutdruckmessgerätes, unterscheiden sich ebenfalls um einen Schlag pro Minute. Hier
liegt die Standardabweichung bei  9 und  10. Der zweite Durchgang der manuellen
Messung und der zweite Durchgang der elektronischen Messung zeigen keinen Unterschied im Mittelwert auf und liegen bei 65 /Minute. Jedoch weist der erste Durchgang der
manuellen Messung, nämlich 66 /Minute, zur elektronischen Messung des ersten Durchgangs, nämlich 64 /Minute, einen Unterschied von 2 /Minute auf.
Die folgenden Tabellen 4 und 5 sind ein Nachtrag zum Datenblatt.
Tab. 4: Ergebnisse der Pulsfrequenzmessung (/Minute) n = 3, w = weiblich, m = männlich, - = fehlende Werte
Proband
Manuelle Messung
(Geschlecht) (Radialis, Handmessung)
1. Durchgang
2. Durchgang
1(w)
88
72
2(w)
74
3(m)
64
64
Elektronische Messung
1. Durchgang
72
67
2. Durchgang
59
-
Die Tabelle 4 enthält die fehlenden Werte der 3 Probanden die den Versuchsplan lückenhaft ausgefüllt hatten und welche nicht in Tabelle 2 zu sehen sind.
42
Betrachtet man die Abweichung der Mittelwerte in Prozent in Tabelle 5, so liegt der Mittelwert bei der manuellen Messung bei 7 % und der Mittelwert bei der elektronischen Messung bei 5,5 %. Die Differenz der beiden Werte beträgt 1,5 %.
Tab. 5: Abweichung der Pulsfrequenzwerte in %, n= 20, w= weiblich, m= männlich, M= Mittelwert, rel. Vb.=
relative Variationsbreite, 1./2. = Durchgang der Messungen, mM= manuelle Messung, e.M.= elektronische
Messung
Proband
1
2
3
(Geschlecht) (w) (w) (w)
4
(w)
Rel. Vb.
in %
1./2. mM
Rel.. Vb.
in %
1./2. e.M.
16,2 5,0
5,3
0
0
4,3
1,6
12,3 5,9
5
6
(w) (w)
2,7
7
(w)
8
9
10 11
(w) (w) (w) (w)
12
(m)
21,0 15,0 0
5,5
5,9
0
1,7
1,4
0
35,7 8,6
7,1
0
13
(m)
13,0 5,9
14 15
(m) (m)
7,7
12,3 3,2
16 17 18
(m) (m) (m)
19 20 M in %
(m) (m)
13,3 1,5
7,1
11,7 5,5
0
7,0
4,9
0
4,4
2,0
5,5
0
2,7
Diskussion:
Aus den Ergebnissen kann man schließen, dass alle Probanden die verschiedenen Methoden der Blutdruckmessung größtenteils richtig angewendet und gelernt haben, da die
Abweichungen der Mittelwerte sehr gering sind und sich um den von der Literatur vorgegebenen Normalwert in etwa streuen, wobei es bei einem Probanden auffällig hohe Werte
des systolischen und diastolischen Blutdrucks gab. Dieser wäre auch als kontrollbedürftig
zu bezeichnen, wenn nach mehrmaligen Messungen über einen längeren Zeitraum diese
erhöhten Werte beobachtet werden können. Bei Verdacht eines Bluthochdrucks sind immer wiederholte Messungen nötig. Die hier in der Tabelle 1 markierten Werte geben keine
Auskunft auf die Krankheitsbilder Hypertonie/Hypotonie. Sie zeigen nur die Abweichung
des Normalwerts. Die Werte, die unter dem von der Literatur vorgegebenen Normalwert
fallen, sind kein Grund zur Beunruhigung. Diese können auf Grund von psychischen und
physischen Belastungen, Infektionskrankheiten u.a. beeinflusst werden Jedoch kann auch
die Messungenauigkeit, z.B. beim Erhören des Korotkoff-Geräuschs, bei der Versuchsdurchführung für einen niedrigen bzw. erhöhten Wert führen. Nach MARKWORTH (1996,
S.151) unterliegt der Blutdruck Schwankungen, die die verschiedensten Ursachen haben
können.
Auch die Pulsfrequenzmessung wurde von den Probanden erfolgreich durchgeführt und
größtenteils richtig angewendet. Da hier die Mittelwerte in der Nähe von dem in der Literatur vorgegebenen Wert, etwa 70 /Minute, liegen und es sich bei den Probanden um eine
homogene Gruppe von Sportlern handelt, ist die Abweichung unserer Werte aus Tabelle 2
so gering, dass sie keine größere Bedeutung haben. Wenn sich der Wert unter 60 /Minute
befindet, kann eine Erklärung sein, dass einige Probanden sehr gut im Ausdauerbereich
trainiert sind. Die Werte aus Tabelle 3 und 4 sind nicht in die Berechnung der Mittelwerte
eingegangen, sie geben einen Eindruck des lückenhaft ausgefüllten Versuchsplanes. Die
fehlenden Werte der 3 Probanden können z.B. den Hintergrund haben, dass die Probanden zu wenig Zeit bei der Versuchsdurchführung hatten. Betrachtet man sich die Abweichung der Mittelwerte als Maß der Reliabilität im Retest-Versuchsplan, so ist die Differenz
der beiden Mittelwerte in Tabelle 5 nur 1,5 %. Diese geringe Differenz spricht für eine hohe Zuverlässigkeit in Bezug auf die Durchführung beider Messmethoden.
43
Fazit:
Alle Probanden haben die hier aufgeführten Methoden zur Pulsfrequenz- und Blutdruckmessung kennengelernt und größtenteils richtig angewendet. Jetzt kann bei weiteren Versuchen auf diese Messmethoden zurückgegriffen werden.
Die Angaben für die erhöhten und niedrigen Blutdruckwerte sind keine Diagnose, sondern
verdeutlichen den überschrittenen oder unterschrittenen Normalwert.
Hinweis des Seminarleiters: Zur Bedeutung der Armposition siehe Zusatzaufgabe von
K HEINTZENBERG, S. 143 ff.
Literaturverzeichnis:
CAMPBELL, N. A.: Biologie. Hrsg.: Markl, J., Spektrum Akademischer Verlag GmbH Heidelberg, Berlin, Oxford. 2. korrigierter Nachdruck 2000. KUSCHINSKY, W.: Herz- Kreislauf- Funktion. In: DEETJEN, P. , SPECKMANN, E.- J.: Physiologie. Urban und Schwarzenberg, München, Wien, Baltimore 1994. MAREES, H. de: Sportphysiologie. Verlag
Sport und Buch Strauß, Köln 1996. MARKWORTH, P.: Sportmedizin. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei
Hamburg, 15. Auflage, Februar 2001
Hiermit versichere ich, dass ich die vorgelegte Seminararbeit selbstständig angefertigt und
alle benutzten Quellen und Hilfsmittel angegeben habe.
44
45
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referentin: Ramona Thies, Datum: 09.12.2003
E-Mail: [email protected]
9. Kreislaufregulation vor und nach körperlicher Arbeit – Datenblatt
Messergebnisse zum Experiment vom 02.12.2003
Tabelle 1 : Pulsfrequenz, Blutdruck und deren Mittelwerte vor körperlicher Arbeit; # siehe Abb. 3 und 4; Pf hochgerechnet pro Minute
VP1 (w)
§VP2
(w)
VP3 (w)
VP4 (w)
§VP5
(w)
VP6 (w)
VP7 (m)
VP8 (m)
§ VP9
(m)
VP10 (m)
VP11 (m)
§VP12
(m)
MW
PF0,5
60
66
64
60
86
68
72
66
63
42
66
70
65
PF1
64
68
66
58
80
68
72
68
60
54
64
68
66
PF1,5
63
70
66
60
80
64
74
68
56
46
64
70
65
PF2
60
72
66
50
86
60
74
72
60
58
66
72
66
BD1
156/105
115/80
126/80
130/86
123/91
170/123#
137/85
140/84
133/82
135/62
141/85
137/89
137/88
BD2
151/93
115/76
125/80
122/81
125/85
139/86
131/85
134/81
142/88
141/74
144/84
126/85
133/83
BD2
151/93
115/76
125/80
122/81
125/85
139/86
131/85
134/81
142/88
141/74
144/84
126/85
133/83
§VP12
(m)
MW
Tabelle 2 : Pulsfrequenz, Blutdruck und deren Mittelwerte nach körperlicher Arbeit; # siehe Abb. 3 und 4; Pf s. o.
VP1 (w)
§VP2
(w)
VP3 (w)
VP4 (w)
§VP5
(w)
VP6 (w)
VP7 (m)
VP8 (m)
§ VP9
(m)
VP10 (m)
VP11 (m)
PF0,5
106
156
130
130
80
138
136
116
104
137
120
92
120
PF1
88
158
90
94
90
82
130
64
120
77
78
132
100
PF1,5
92
142
68
78
60
76
110
68
88
44
66
120
84
PF2
86
134
60
72
52
76
98
68
88
46
70
108
80
PF2,5
100
128
66
74
56
70
100
68
84
34
70
104
80
PF3
82
94
66
66
56
70
98
72
72
48
56
98
73
PF3,5
88
82
70
66
72
76
84
76
68
40
58
94
73
PF4
92
82
72
74
64
82
76
72
64
44
68
92
74
PF4,5
94
74
72
80
52
76
92
76
60
34
68
90
72
PF5
98
72
72
68
40
76
92
76
56
30
60
90
69
BD1
178/93
136/83
136/82
161/102
154/100
169/82
128/101
178/83
175/82
175/72
175/75
137/82
158/86
BD2
144/82
133/78
136/88
148/94
153/101
156/85
161/97
165/82
169/77
153/71
153/73
126/85
148/84
BD3
148/82
124/79
124/79
129/83
131/80
147/68
158/93
152/78
158/76
149/72
134/74
152/88
142/79
BD4
138/89
116/76
119/80
139/76
129/77
140/71
144/91
150/82
147/75
150/82
134/74
151/88
138/80
BD5
151/79
118/72
119/80
110/73
127/73
130/70
149/88
137/78
144/72
149/72
124/75
133/75
132/76
während
nach Arbeit
vor
Arbeit
150
mmHg
Pulsfrequenz (/min)
vor
100
50
0
0,5
1,5
2,5
3,5
4,5
5,5
6,5
7,5
8,5
Meßreihe in Minuten
Abb. 1: Pulsfrequenz vor/nach körperlicher Arbeit
nach (Mittelwerte), n = 12
während
nach Arbeit
160
150
140
130
120
110
100
1
2
3
4
5
6
7
8
Meßreihe in Minuten
Abb. 2: Systolischer Blutdruck vor/körperlicher
Arbeit (Mittelwerte), n = 12
9
46
vor
während
nach Arbeit
120
Pulsfrequenz (/min)
100
80
60
40
20
0
vor Arbeit
0,5
1
1,5
2
2,5
62
64
63
63
3
3,5
4
4,5
5
114 88
nach Arbeit
5,5
6
6,5
7
7,5
8
8,5
9
75
72
73
70
70
73
74
72
Meßreihe in Minuten
Abb. 3: Pulsfrequenz vor / nach körperlicher Arbeit (neue Mittelwerte), n = 8, ohne Vp. 2, 5, 9, 12 in
Tab 1+2;zum Vergleich zu n = 12 in Abb.1 Pulsfrequenz hochgerechnet pro Minute
mmHg
vor
170
160
150
140
130
120
110
100
vor Arbeit
nach Arbeit
während
1
2
138
136
3
4
nach Arbeit
5
6
7
8
9
163
152
142
139
134
Meßreihe in Minuten
Abb. 4: Systolischer Blutdruck vor / nach körperlicher Arbeit (neue Mittelwerte), s. Abb. 3 zum
Vergleich zu n = 12 in Abb.; n = 8
47
Sportphysiologisches Seminar: Experimente mit einfachen Mitteln
WS 2003/2004, Fachbereich Sport, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Leitung: Prof. Dr. H.-V. Ulmer, Referentin: Ramona Thies, Datum: 09.12.2003,
E-Mail: [email protected]
9. Kreislaufregulation vor und nach körperlicher Arbeit
– Versuchsbericht
1. Zielsetzung: Der am 02.12.2003 durchgeführte Versuch soll Veränderungen von Blutdruck
und Herzfrequenz vor und nach körperlicher Arbeit feststellen.
2. Sachstand
Zunächst einige Definitionen:
Belastung: Vorgegebene Anforderungen oder Aufgaben (hier: Treppenlaufen), die von äußeren Bedingungen, nicht aber vom betroffenen Individuum abhängt (4, S. 672).
Leistung: Arbeit pro Zeiteinheit (4, S. 672)
Beanspruchung: Individuelle Reaktion des Organismus beim Erbringen einer Leistung. Erkennbar an Veränderungen verschiedener Indikatoren (z. B. Pulsfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffaufnahme) und Wirkungsgrad (4, S. 673).
Arbeit: Widerstand entlang eines Weges (4, S. 673).
Durch die Kreislaufregulation wird, sowohl in Ruhe, als auch bei körperlicher Arbeit die Sicherung
einer Mindestdurchblutung aller Organe gewährleistet. Dabei unterliegen u. a. die Herzaktion und
der Blutdruck einer optimalen Regelung (2, S. 176). – Mit Beginn der körperlichen Arbeit steigt sofort der Stoffwechsel um ein vielfaches seines Ruhewertes an; es wird eine größere Sauerstoffmenge angeliefert und es nimmt die Menge Blut, die pro Zeiteinheit durch die Muskulatur fließt,
(Durchblutung) zu. Die Erhöhung der Durchblutungszunahme erfolgt hauptsächlich durch Abnahme des peripheren Widerstandes in den Blutgefäßen bei zunächst gleich bleibendem diastolischen Druck. Dabei erfolgt die Regulation des peripheren Gefäßwiderstandes über drei Mechanismen:
1. Vasokonstriktorentonus → Gefäßverengung, Gefäßerweiterung
2. Cholinerges sympathisches System → Gefäßerweiterung
3. lokal-chemische Regulation → Gefäßerweiterung
Muskelrezeptoren geben Auskunft über den Zustand des arbeitenden Muskels, diese Information
wird an die medulla oblongata (verlängertes Mark, Übergang vom RM zum Gehirn und Sitz des
Kreislaufzentrums) weitergeleitet. Nun wird über Fasern des vegetativen Nervensystems die
Herzfrequenz und somit das HMV erhöht, was mit einer Steigerung des Blutdrucks einhergeht (1,
S. 152). Das HMV kann von 5 l/min beim ruhenden Menschen auf 20 l/min beim Untrainierten
bzw. 30 l/min beim Ausdauertrainierten gesteigert werden (3, S. 140). Der Blutdruck erhöht sich
dabei durch eine gleichzeitige Vasokonstriktion (Verengung) mit Ausnahme der arbeitenden Muskulatur selbst sowie des Herz- und Gehirnkreislaufs (3, S. 147). Dieser Anstieg betrifft jedoch
vorwiegend den systolischen Blutdruck. Der diastolische Blutdruck steigt an, wenn der statische
Anteil der Arbeit höher ist (3, S. 142). Durch Erhöhung des Herzminutenvolumens, d.h. von Pulsfrequenz und Schlagvolumen, kommt es zu einer angemessenen Kreislaufregulation.– Bei schwerer Arbeit mit konstanter Leistung steigt aus energetischer Sicht die Pulsfrequenz bis zu einem individuellen unterschiedlichen Höchstwert an (4, S. 677). es kommt zu einem Ermüdungsanstieg
bis die Arbeit wegen Erschöpfung abgebrochen werden muss (3, S. 144). Danach sinkt die Pulsfrequenz in zwei unterschiedlichen Phasen ab: zuerst schnell in Form einer Exponentialfunktion,
danach läuft sie langsam aus und erreicht aber nicht vor 5 Minuten ihren Ausgangswert (3, S.
146). Bei nichtermüdender Arbeit erreicht die Pulsfrequenz einen steady state und kehrt innerhalb
von 5 Minuten auf den Ausgangswert zurück (4, S. 677). Nach Kenntnis des Sachstands war zu
erwarten:
 Intra- sowie interindividuelle Schwankungen der Pulsfrequenz und des Blutdrucks
 Erhöhte Pulsfrequenz und systolischer Blutdruck nach körperlicher Arbeit
48

Absinken des Blutdrucks und der Pulsfrequenz nach körperlicher Arbeit bis etwa zum
Ausgangswert.
49
3. Methodik
Gemäß der Durchführung des Versuchsplans vom 02.12.03 gab es 4 Vierer- und 2 Fünfergruppen. Der Versuch konnte jeweils von 2 Versuchspersonen pro Gruppe durchgeführt werden. Somit lagen insgesamt 12 Datensätze zur Verfügung, darunter 6 Datensätze von Frauen und 6 von
Männern. Es wurden elektronische Handmanschettenmessgeräte nach der oszillometrischen Methode benutzt.
4. Ergebnisse
Siehe auch Datenblatt vom 02.12.03. Die Mittelwerte der Pulfrequenz lagen vor körperlicher Arbeit in einem Bereich zwischen 65 und 66 / min (s. Tabelle 1). Nach körperlicher dynamischer Arbeit lag der Mittelwert der Pulsfrequenz bei 120 und sank dann exponential bis auf 69 / min ab (s.
Tabelle 2).
Betrachtet man die Rohwerte der Tabelle 1, so lassen sich intra- als auch interindividuelle Unterschiede feststellen. Bei VP 10 beträgt die Pulsfrequenz in Pf 0,5 42 / min, bei Pf 2 58/min, einem
Unterschied von 16 / min. Auffallend ist auch der interindividuelle Unterschied von 44 / min bei VP
5 im Zeitpunkt Pf 0,5 in Höhe von 86 / min und VP 10 im Zeitpunkt Pf 0,5 in Höhe von 42 / min.
Die intraindividuellen Unterschiede des systolischen Blutdrucks vor körperlicher Arbeit zeigten
sich bis auf VP 6 in Bd 1 mit 170 mmHg und in Bd 2 mit 139 mmHg mit kleinen Abweichungen als
konstant. Es liegen jedoch interindividuelle Unterschiede des systolischen und diastolischen Blutdrucks vor. Bei den Versuchspersonen 2,5,9 und 12 sind die Werte nach körperlicher Arbeit bei Pf
1 höher als bei Pf 0,5. Aus diesem Grund wurden neue Mittelwerte errechnet, ohne die Werte der
aufgeführten Versuchspersonen und in Abbildung 3 und 4 dargestellt. Es sind jedoch keine größeren Unterschiede zu den Mittelwerten in Abbildung 1 und 2 zu erkennen.
Nach körperlicher Arbeit ist der exponential verlaufende Pulsfrequenzabfall (s. Abb. 1) am deutlichsten in der ersten Minute zu erkennen. Die Pulsfrequenz und der systolische Blutdruck sinken
nach körperlicher Arbeit ab, der diastolische Blutdruck verändert sich fast nicht.
Vor
während
nach Arbeit
90
mmHg
80
70
60
50
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Meßreihe in Minuten
Abb. 5: Diastolischer Blutdruck vor / nach zweiminütiger körperlicher Arbeit (Mittelwerte); n = 12
5. Diskussion
5.1 Erwartungen und Auswertung
Nach Kenntnis des Sachstands war anzunehmen, dass während der Arbeitsphase ein Anstieg
der Pulsfrequenz und des systolischen Blutdrucks stattfindet. In den Abbildungen 1 bis 4 ist der
Anstieg deutlich zu erkennen. Es war zu erwarten, dass sich der diastolische Blutdruck kaum verändert, dies ist in Abbildung 5 zu sehen. Der erste Wert nach körperlicher Arbeit liegt nahezu am
Ausgangswert vor körperlicher Arbeit.
Trotz der kurzen Erholungszeit nach körperlicher Arbeit kann man in Abbildung 1 bis 4 ein nahezu
vollständiges Absinken der Pulsfrequenz und des systolischen Blutdrucks bis zum Ausgangswert
in der Erholungsphase erkennen, woraus geschlossen werden kann, dass leichte Arbeit durchge-
50
führt wurde. Betrachtet man den Blutdruck von VP 6 bei Bd1 vor körperlicher Arbeit von 170/123
mmHg und bei Bd1 nach körperlicher Arbeit von 169/82 mmHg, d.h. der Blutdruck wäre vor körperlicher Arbeit höher als nach körperlicher Arbeit, deshalb kann man davon ausgehen, dass dieser Messwert auf Grund eines Messfehlers bei Bd1 vor körperlicher Arbeit entstand.
Anhand der Messergebnisse kann nachgewiesen werden, dass durch dynamische Arbeit eine Erhöhung von Pulsfrequenz und systolischem Blutdruck stattfindet. Die Rohwerte zeigen intra- und
interindividuelle Schwankungen auf. Dies ist wie in der Literatur beschrieben auf die unterschiedliche Beanspruchung des einzelnen zurückzuführen. Auch der Anstieg von systolischem Blutdruck und relativ gleich bleibender Werte von diastolischem Blutdruck nach körperlicher Arbeit
sind gegeben. Eine Erklärung für die niedrigen Werte könnte sein, dass während der körperlichen
Arbeit eine Erholung möglich war aufgrund niedriger Intensität.
5. 2. Fazit für das Experiment:
Das Ziel des durchgeführten Versuchs war, die Veränderungen von Blutdruck und Herzfrequenz
vor und nach körperlicher Arbeit, festzustellen. Die Messergebnisse decken sich mit den Erwartungen nach Kenntnis des Sachstands. Das Ziel wurde erreicht und somit eignet sich dieses Experiment, um die Kreislaufregulation vor und nach körperlicher Arbeit dar- und festzustellen.
6. Literatur:
1. KIRSCH, K.: Leistungsphysiologie. In: KLINKE, R. / SILBERNAGL, S. (Hrsg.): Lehrbuch der
Physiologie. 2. neu gestaltete und überarbeitete Auflage. Georg Thieme Stuttgart, Köln 1996
2. SILBERNAGL, S. / DESPOPULUS, A.: Taschenatlas der Physiologie. 4. überarbeitete Auflage.
Georg Thieme Stuttgart, New York 1991
3. STEGEMANN, J.: Leistungsphysiologie. Physiologische Grundlagen der Arbeit und des Sports. 4.
überarbeitete Auflage. Georg Thieme Stuttgart, New York 1991
4. ULMER, H.-V.: Arbeits- und Sportphysiologie. In: SCHMIDT, R.F. / THEWS, G. (Hrsg.): Physiologie des Menschen. Springer Berlin, Heidelberg, New York 1997
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