Heiner Ludwig - Odenwald Akademie

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Prof. Dr. Heiner Ludwig
Politischer Katholizismus und Judentum, z.B. Eugen Kogon
(oder: Vom politischen Katholizismus zu einer politischen Spiritualität.
Der Weg Eugen Kogons)
Meine Damen und Herren!
Wir befinden uns gerade mitten in der Woche der Brüderlichkeit, die in diesem Jahr unter
dem Motto steht „Redet Wahrheit“. Am vergangenen Sonntag haben die beiden hessischen
Fernsehjournalisten, bzw. eine Journalistin und ein Journalist des Hessischen Rundfunks,
Esther Schapira und Georg Hafner, die Buber-Rosenzweig-Medaille erhalten.
Eugen Kogon war auch Träger dieser Buber-Rosenzweig-Medaille, Er erhielt sie am Ende
seines Lebens, im Jahre1980. 1985 erhielt er den Preis der Internationalen Liga gegen
Rassismus und Antisemitismus. Eugen Kogon war von 1951 bis 1968 Professor an der
damaligen TH Darmstadt – für Politikwissenschaften. Ihm besonders ist im Übrigen die
Existenz des Instituts für Theologie und Sozialethik der TU Darmstadt zu verdanken, an dem
ich arbeite. Aber das ist nicht der Grund, an seiner Biografie entlang dieses spezifische
Verhältnis von Katholizismus und Judentum erarbeiten zu wollen. Eugen Kogon war früh
publizistisch erfolgreich und in diesen jungen Jahren geprägt von einer Spielart des
politischen Katholizismus, der ihn, wie er selber sagt, an den Abgrund geführt und ihn in
diesen Abgrund hat hineinschauen lassen. Am Morgen des Einmarschs der Nazis in Wien
wurde er verhaftet und er blieb es, zunächst in Wien und dann bis 1945 im
Konzentrationslager Buchenwald. Wenn Sie dorthin kommen und an der Bilderwand der
Häftlinge sein Bild sehen, wird ihnen dort erzählt, dass er kurz vor dem Einmarsch der
Amerikaner in einer Kiste herausgeschmuggelt wurde und dass er erfolgreich mitverhindern
konnte, dass es bei der Befreiung des KZ Buchenwald zu einem Blutbad hätte kommen
können. Unmittelbar nach der Befreiung hat er einen bis heute immer wieder neu aufgelegten
Bestseller geschrieben, „Der SS-Staat“ und ist damit schlagartig berühmt und weithin bekannt
geworden. Er war eine imponierende politische und moralische Persönlichkeit, ein tief
gläubiger Katholik bis zu seinem Tode und ein theologisch sehr reflektierter Intellektueller,
der eine erstaunliche Wende in seinem Denken, wenn man so will, eine fundamentale
Bekehrung vollzogen hat, deren Nachzeichnung uns später Geborenen helfen kann, zu
verstehen, welchen Herausforderungen und welchen Gefährdungen Menschen seiner Zeit –
vor allem er selber - ausgesetzt waren, welche sie zu meistern hatten und welche
Voraussetzungen und welches Erbe ihnen dabei geholfen hat oder welches Erbe viele –aber
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eben nicht ihn- nicht nur an den Rand sondern auch in die erwähnten Abgründe hinein
geführt hat.
Ich bin Sozialethiker oder Gesellschaftsethiker oder Vertreter einer theologischen politischen
Ethik. Ich bin also kein Historiker, kein Fachmann für Nationalsozialismus oder
Antisemitismus, kein Judaiker oder systematischer Theologe, der die Lehren der beiden
Religionen oder Religionstypen herausarbeiten oder vergleichen könnte. Das alles ist sehr
wichtig und notwendig, aber ich verstehe davon zu wenig. Was ich Ihnen anbieten kann und
will, ist, etwas genauer einzusteigen in das, was man den politischen und sozialen
Katholizismus nennt, seine Entstehung im deutschsprachigen Kontext des 19. und 20.
Jahrhunderts und dessen unterschiedliches Verhalten zu dem damals entstehenden und auf
alte Traditionen zurückgreifenden Antisemitismus, der dann zum Holocaust führte. Vielleicht
kann man, das ist meine Hoffnung, dieses schwierige Thema am Beispiel Eugen Kogons
anschaulich werden lassen und vielleicht, das hoffe ich ebenfalls, kann man so auch Eugen
Kogon gerecht und gerechter werden und an ihn erinnern. Denn er scheint vergessen.
Ein neues, im letzten Jahr erschienenes Buch mit dem Titel „Katholizismus und Judentum.
Gemeinsamkeiten und Verwerfungen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert“ beginnt im Vorwort
mit der Feststellung: „Sind nicht spätestens mit Daniel Goldhagen alle Fragen beantwortet?
Und selbst wenn man nicht so weit gehen will wie der amerikanische Schriftsteller, der alle
Katholiken pauschal als Antisemiten brandmarkt und die Katholische Kirche als die
„Judenfeindin“ schlechthin diffamiert, scheint die Sache doch klar zu sein: Das Verhältnis
zwischen Kirche und Synagoge, zwischen Katholizismus und Judentum ist im kollektiven
Bewusstsein vielfach negativ besetzt. Zumeist ist ausschließlich vom Versagen der Kirche im
Holocaust und namentlich vom Schweigen Papst Pius’ XII. zum millionenfachen Mord an
den Juden während der NS-Diktatur die Rede……Selbst wenn man die Fokussierung auf den
Zweiten Weltkrieg aufgibt, scheint das Verhältnis von Katholizismus und Judentum eher ein
Nichtverhältnis zu sein. Ritualmordvorwürfe, Pogrome, Getthoisierung, Bezichtigung der
Juden als Christusmörder, Brunnenvergifter, Hostienschänder, Wucherer und anderer
Verleumdungstopoi vermischt mit Elementen einer jüdisch-bolschewistisch-freimaurerischen
Weltverschwörungstheorie bestimmen das Bild“(S. 9). Soweit die Herausgeber dieses
Bandes, der die Referate einer Tagung verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen und
Disziplinen wiedergibt.
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Die erwähnte Tagung geht der Frage nach bzw. stellt fest oder resümiert: „…historisch
gesehen ist aber die Geschichte beider Religionen in Europa so eng verknüpft, im positiven
wie im negativen, dass sie ohne einander nicht sein konnten“(S.12). Dort, auf dieser Tagung
werden dann diese historischen Verknüpfungen, die Gemeinsamkeiten und Verwerfungen im
Einzelnen dargestellt, entfaltet, diskutiert und analysiert.
Der Begriff Katholizismus ist im Titel dieses Buches ganz weit gemeint. Hätte man statt
Katholizismus „Kirche und Judentum“ formuliert, wäre die Erwartung der Leser oder
zunächst der Hörer auf die Institution Kirche, auf das Amt in der Kirche, auf Papst und
Bischöfe, allenfalls noch auf die Theologie und deren Traditionen konzentriert worden. Mit
dem Begriff „Katholizismus“ erweitert man den Rahmen der Betrachtung auf die
gesellschaftlichen und politischen Vorraussetzungen und Auswirkungen, auf die
Mentalitätsgeschichte der Christenheit. Katholizismus ist also nicht identisch mit katholischer
Kirche, nicht mit Christentum oder Christenheit, schon gar nicht nur mit dem Amt in der
Kirche oder der „verfassten Kirche“.
Bei unserer Fragestellung ist „Katholizismus“ noch einmal enger gefasst oder spezifiziert.
Nur ein bestimmter Teil von ihm ist gemeint, eben der „politische Katholizismus“. Das ist ein
deutscher Begriff und unsere Fragestellung ist also nur zu entfalten mit einem kurzen
Durchgang durch eben diese Geschichte des politischen Katholizismus im deutschen
Sprachraum. Und entscheidend hierbei ist wiederum die Beobachtung, dass dieser politische
Katholizismus in einem Land wie Deutschland, in dem seit dem Wiener Kongress die
Katholiken –außer in Bayern- als Minderheit in protestantisch dominierten Teilstaaten lebten,
anders ist als in einem Land wie Österreich, in dem die Katholiken immer zahlenmäßig und
politisch dominierten. Eugen Kogon, den viele von Ihnen vielleicht noch kennen als eine
dominierende Gestalt der damaligen TH Darmstadt, als Politikprofessor, oder als Moderator
in der Gründungszeit des Politikmagazins Panorama, dieser Eugen Kogon war vor dem
Zweiten Weltkrieg in Wien leitender Redakteur einer ganz reaktionären katholischen
Zeitschrift mit dem Namen „Schönere Zukunft“, ein Rechtskatholik, wie er später sagen wird,
und wurde dann nach dem Zweiten Weltkrieg, zusammen mit Walter Dirks, Gründer und fast
40 Jahre lang Herausgeber der Frankfurter Hefte, einer, wie beide voller Selbstbewusstsein
sagen werden „linkskatholischen“ Zeitschrift. Man kann Eugen Kogon, den Katholiken und
politischen Menschen nur verstehen, wenn man diese Hintergründe kennt oder sich vertraut
macht und man kann an der Biografie Eugen Kogons begreifen, was politischer
Katholizismus meinte, seine Höhepunkte und Leistungen nachzeichnen, aber auch seine
Gefahren, seine Abgründe, wie er es nennen wird, und die Gründe dafür einsehen lernen,
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warum dieser politische Katholizismus und jeder politische Katholizismus historisch überholt
und theologisch und politisch unmöglich geworden ist – theologisch spätestens mit dem
Zweiten Vatikanischen Konzil.
Ähnlich vorsichtig und differenziert müsste man mit dem Begriff Judentum umgehen; auch
hier müsste man in einem Durchgang durch die Geschichte den Begriff Judentum genauer und
präziser zu fassen versuchen und für unsere Fragestellung zuspitzen. Ähnlich wie bei dem
Katholizismus stehen auch hier „die Staats- und Nationenbildungsprozesse der Moderne am
Ausgangspunkt der Betrachtungen…und die Beziehungen zwischen Katholizismus und
Judentum als Funktion von deren Verhältnis zu Staat und Nation“ sagt Stefan Wendehorst in
dem anfangs erwähnten Band (vgl. S. 140-161). Juden und Katholiken sei ja gemeinsam, dass
sie als Kollektive „nicht vollständig in den modernen Staaten und Nationen aufgehen…. Die
fehlende Deckungsgleichheit besitzt zwei Seiten. Aus der Binnenperspektive von Staat und
Nation ergibt sie sich aus der Eigenschaft von Juden und Katholiken als intermediärer
Gruppe, aus der Außenperspektive aus ihrer Zugehörigkeit zu staats- und
nationenübergreifenden Kollektiven.“. Stefan Wendehorst macht daher den Vorschlag, „die
Geschichte der Juden und des Katholizismus im 19. und 20. Jahrhundert auch als Geschichte
des Zusammenstoßes zweier Fälle von nicht mit Staat und Nation deckungsgleichen Formen
der Vergesellschaftung mit den Ansprüchen des souveränen Staates und der modernen Nation
zu untersuchen“. Das 19. Jahrhundert ist die große Zeit des neuen Entstehens von Staaten und
Nationen. Mit der Französischen Revolution war an die Stelle Gottes als letzte
Legitimationsinstanz für staatliche Macht die Göttin der Vernunft getreten. Die
Amerikanische Revolution hatte diese Stelle freigelassen und in Europa traten daher
philosophische Entwürfe, heute sagt man „Großerzählungen“ der theoretischen
Begründungen. Die Göttin der Vernunft bekam viele Namen; bald hieß sie auch Nation,
Klasse, Rasse usw. In diese Gemengenlage hinein gerieten bis zur politischen Alltagspraxis
die Religionen und die Kirchen, kämpften jeweils um die besseren Plätze und
Ausgangssituationen; und die waren jeweils unterschiedlich, religiös und national. Leider
sehe ich mich aus vielerlei Gründen nicht in der Lage, dem in Bezug auf das Judentum weiter
folgen zu können. Man müsste über Assimilation, Integration, Emanzipation, über alles was
mit Zionismus zusammenhängt und über vieles andere genauer reden und den Zusammenhang
mit unserem Thema analysieren. Mir leuchtet die Notwendigkeit, so vorgehen zu sollen
unmittelbar ein, aber leider verstehe ich davon zu wenig. Meine Fragestellung nach dem
Judentum bleibt also ganz herkömmlich bestimmt von der Frage, wie der politische
Katholizismus sich zu den staatsbürgerlichen Rechten der Juden im 19. und 20. Jahrhundert
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verhalten hat und wie sich das auswirkte auf sein Verhalten gegenüber den Juden und der
Judenverfolgung bis zum Ende dieses politischen Katholizismus in der Nazizeit, letztendlich
im Holocaust. Bezogen auf den Katholizismus will ich mich von der beschriebenen
Fragestellung etwas stärker leiten lassen, aber ich muss betonen, dass ich heute und hier ganz
bescheiden der Frage nachzugehen versuche, wie man am Beispiel der Biografie Eugen
Kogons Unterschiede, Brüche und Abgründe, Veränderungen und das Ende des politischen
Katholizismus begreifen und verständlich machen kann.
Welche historischen und politischen Prägungen, welche theoretischen Traditionen bestimmen
die Einstellungen und die Wandlungen dieses so aktiven politischen Lebens von Eugen
Kogon? Was bewirkt und ermöglicht die Veränderungen, wie er selber sagt, vom
Rechtskatholiken zum Linkskatholiken, vom Verfechter des undemokratischen Ständestaates
zum glühenden Verteidiger von Republik und Demokratie, vom Theoretiker der Einheit von
Glaube, Volk, Staat und Nation zum Vorkämpfer für Pluralismus, Demokratie und Einheit
Europas?
1. Was versteht man unter politischem Katholizismus?
Das 19. Jahrhundert ist, was unser Thema angeht, im wesentlichen geprägt von den
Versuchen, das zu bewältigen, was an seinem Beginn als epochaler Bruch steht:
Säkularisation und Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation - als Vollendung
oder Vollzug von Aufklärung und Französischer Revolution. Wenn man unter Säkularisation
die Überführung von ehemals kirchlichem Eigentum in jetzt staatliches Eigentum versteht,
kann man unter Säkularisierung die, wenn Sie so wollen, Überführung ehemals kirchlicher,
theologischer, religiöser Wertungen und Orientierungen in jetzt weltliche, eben säkulare
Verhaltens- und Orientierungsmuster verstehen. Zugespitzt auf unsere heutige Fragestellung
bezieht sich das vor allem auch auf die Legitimität staatlicher Herrschaft: Woher beziehen die
Lenker von Staaten ihre Macht, wenn nicht mehr von Gottes Gnaden? Wann ist sie und auf
welche Weise legitim? Oder auch nur legal? Die katholische Kirche, die lange Zeit diese
epochale Veränderungsprozesse einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollte und erst Recht
lange brauchte, darin einen Segen zu sehen, antwortete in Rom (und nicht nur als
Kirchenstaat) anders als die Katholiken, die in den neu sich bildenden kleindeutschen Staaten
protestantischer Dominanz und im zweiten Deutschen Reich die katholische Kirche
verteidigen, ihre Rechte sichern und den Katholiken als Staatsbürger gleichberechtigte
Chancen verschaffen wollten.
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Zu den epochalen Brüchen zu Beginn dieses Jahrhunderts gesellt sich ja bald ein weiterer mit
seinen fundamentalen Veränderungen: die Industrialisierung, die als industrielle Revolution
damals entsteht und deren Ende wir wohl in unseren Tagen erleben und dessen Folgen – also
des Endes der Industriegesellschaft- wir allmählich zu begreifen lernen. Damit gesellt sich im
Laufe der Zeit zum politischen der soziale Katholizismus, von dem der normale Katholik
allenfalls weiß, dass es aus Rom immer noch sogenannte Sozialenzykliken gibt und dass es
vor allem in Deutschland eine Katholische Arbeitervereinsbewegung und Christliche
Gewerkschaften gab (und gibt). Politischer und sozialer Katholizismus haben sich zum Teil
bitter bekämpft, sind aber nie voneinander losgekommen, in seinen besten Stunden hat der
soziale dominiert, aber vom politischen profitiert, und in seinen bittersten Stunden sank sein
Einfluß auf Null. Aber in Deutschland ist politischer Katholizismus nicht zu begreifen ohne
den sozialen. M.E. begreift man sehr wenig, wenn man beide zusammenwirft unter den
Begriff „Ultramontaner Katholizismus“ - wie fast durchweg in dem zu Beginn erwähnten
aktuellen Band über Katholizismus und Judentum. Ultramontanismus war in Preußen ein
böses Schimpfwort: Katholiken sind keine richtigen Staatsbürger, keine richtigen Deutsche.
Sie haben ihr Staatsoberhaupt ultra montes, jenseits der Alpen, also in Rom. ( Sie erinnern
sich vielleicht an die vergleichbare Erfahrung, dass Ignaz Bubis oft erzählte, wie immer
wieder wohlwollende Mitmenschen ihm zur Wahl oder zum Besuch des israelischen
Staatspräsidenten, eben als s e i n e m Staatspräsidenten gratulierten.) Diesem ultramontanen
Katholizismus stellt man dann einen liberalen gegenüber, den man in den sogenannten
Modernisten, in Kulturkatholiken etc. verkörpert sieht. Politischer Katholizismus in
Deutschland (also Zentrumspartei (mit BVP), Christliche Gewerkschaften und
Arbeitervereinsbewegung) war inhaltlich einerseits bestimmt durch die Traditionen einer alten
vorrevolutionären monarchistischen katholischen Staatsdoktrin und andererseits von einer
zunächst vorwiegend pastoralen Sorge um die katholischen Arbeiter als neuer Klasse oder
neuem Stand. Durch Kulturkampf und Sozialistengesetz entwickelte sich daraus
Katholizismus als sogenanntes „sozialmoralisches Milieu“ (parallel zum sozialmoralischen
Milieu „Sozialismus“). Das Katholische in dieser Gemengenlage war also einerseits das
bekannte Bollwerk gegen alles Moderne, andererseits war es gleichzeitig in sich selber auch
der Widerstand gegen dieses Bollwerkdenken. Nicht die gemeinsame Klassenlage oder
Schichtzugehörigkeit band – wie im sozialistischen Milieu – aneinander, sondern eine
bestimmte weltanschauliche Position, die sich durch diese angezeigte Konfliktlage allmählich
entscheidend und nachhaltig veränderte und damit auch den politischen Katholizismus
entscheidend, aber nicht endgültig veränderte: Es gab drei historische Lernprozesse. Einmal
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entdeckte die Kirche dadurch, dass sie sich um die Arbeiter im Prozeß zunehmender
Industrialisierung kümmerte, dass zwischen den Staat und den Einzelnen als Untertan die
Gesellschaft getreten war, ein Geflecht von Kommunikationen, Abhängigkeiten und
Gestaltungsnotwendigkeiten, die zu neuen Konflikten und Konfliktlösungen führten. Darauf
ließen sich diese Katholiken ein; sie waren gezwungen, sich darauf einzulassen, wollten sie
politisch erfolgreich sein. Ein entscheidender und konfliktreicher Lernprozeß darin war z.B.
die Auseinandersetzung innerhalb des Katholizismus um die Notwendigkeit von
Gewerkschaften und die Unabhängigkeit der Christlichen Gewerkschaften von klerikaler
Bevormundung. Hier ging es auch um neue Werte und Normen, veränderte
Verhaltensorientierungen usw. Zum zweiten konnte man die Gleichheit der Katholiken im
sich modernisierenden Staat nur behaupten und durchsetzen durch die Forderung nach der
Gleichheit aller, der gleichen Freiheit aller – eben auch der Juden und drittens lernte man und
musste lernen und einsehen, dass dies alles in einer Republik und in demokratischen
Strukturen besser zu verwirklichen war als in denen, aus denen man kam. Das führte dazu,
dass schon um 1900 mit dem Ausruf „Wir müssen heraus aus dem Turm“ die Entwicklung
von der Weltanschauungspartei zur Verfassungspartei verkündet wurde und dass die
katholische Zentrumspartei zusammen mit der Sozialdemokratie zu einer der staatstragenden
Parteien wurde und in der sogenannten Weimarer Koalition zwischen den beiden Weltkriegen
zu einem der Garanten der Republik.(z.B. war eine katholischer Priester, Heinrich Brauns, der
am längsten amtierende Minister in der Weimarer Republik, in vielen aufeinander folgenden
Kabinetten als Reichsarbeitsminister). Beide Parteien waren die einzigen, die nicht
antisemitisch wurden und die bis zuletzt in parlamentarischen Debatten und Anträgen das
unter Beweis stellten. Es ist dem legendären Zentrumsführer Ludwig Windhorst, dem
parlamentarischen Gegenspieler Bismarcks, zu verdanken, dass er die Zentrumspartei früh
und nachhaltig gegen den Antisemitismus einschwor – auch wenn sie sich damit manchen
Ärger mit manchen Bischöfen, katholischen Intellektuellen und Parteigenossen, vor allem
dem späteren „Papenflügel“ einhandelte. Im kaiserlichen Deutschland konnte der
Antisemitismus nur in den nichtkatholischen und nichtindustriellen Gebieten des Reiches
Erfolge erzielen.(vgl., Lill, in: Kirche und Synagoge, Bd.2, S. 385)
Der soziale Katholizismus blieb, besonders in der Weimarer Zeit, für den politischen
dominant, war aber für einen „sozialen Antisemitismus“ anfällig; der Antikapitalismus dieses
Sozialkatholizismus ließ oft unvermittelt die Juden als die Repräsentanten des Kapitalismus
erscheinen und als die Hauptakteure dieses ausbeuterischen System. In Deutschland aber
konnte im Unterschied zu Österreich lange Zeit dieser „soziale Antisemitismus“ doch
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domestiziert werden, u.a. dadurch, dass sich in der Frage des Antisemitismus der politische
Katholizismus, besonders die Zentrumsführung, hervortat und sich bis 1933 im wesentlichen
behaupten konnte, als Ergebnis eines Lernprozesses, der sich wegbewegte von der
neuscholastisch verkürzten traditionellen katholischen Staatslehre hin zu einem Verständnis
eines politischen Gemeinwesens das von Protestanten, Katholiken und Juden gemeinsam
getragen werden sollte. Seit dem Westfälischen Frieden sind Staaten nicht mehr dazu da, der
Wahrheit zum Siege zu verhelfen oder die Wahrheit zu verwirklichen sondern sie sind dazu
da, bei einem bleibend unterschiedlichen Verständnis von Wahrheit, im Zusammenleben
Frieden zu erhalten und zu befördern. Das war nicht nur für den Katholizismus ein langer
Lernprozess und er wurde allzu oft auch von Rom her und auch von deutschen Bischöfen
konterkariert. Eine eher lustige Geschichte kann dieses ernste Thema vielleicht
veranschaulichen. Auf dem Katholikentag in München 1922 hatte der überaus einflussreiche
Münchener Kardinal Faulhaber die Republik als Hochverrat und Meuterei bezeichnet,
während der Präsident dieses Katholikentages, der Kölner Oberbürgermeister Konrad
Adenauer, die ihm vorbehaltene Schlußansprache benutzte, um in höchsten Tönen ein Loblied
auf eben diese Republik zu singen. Auf dem Höhepunkt dieses Lobgesanges sieht er, dass
Kardinal Faulhaber aus Protest aufstand, um den Saal zu verlassen, was ein großer Skandal
gewesen wäre. Da tat Adenauer so, als sei seine Rede gerade zu Ende und er bat den schon
stehenden Kardinal um seinen abschließenden apostolischen Segen im Namen des Heiligen
Vaters, was dieser dann auch tat.
Also: im Kulturkampf der 70er Jahre des 19.Jhdts. war der Katholizismus als Block
zusammengewachsen aus der Not, sich wehren zu müssen und überleben zu wollen. Der
politische Katholizismus bzw. die Zentrumspartei musste und wollte –in vielen großen und
kleinen Konflikten- von der Weltanschauungspartei zur Verfassungspartei werden. Er mußte
politisch werden und sich von jeder Form des Klerikalismus freimachen. Als zu Ende der
zwanziger Jahre „das Katholische“ nicht mehr in der Lage war, die unterschiedlichen
Richtungen und politischen Strömungen, eben die unterschiedlichen Erfahrungen und
Einschätzungen unter dem Dach „des Katholischen“ zusammenzuhalten, kam es zu einer
Reklerikalisierung der Partei. 1928 kandidierten als Reichvorsitzende der Vorsitzende der
Christlichen Gewerkschaften, Adam Stegerwald, und der Vorsitzende der Katholischen
Arbeitervereine, Joseph Joos und gewählt wurde der Kleriker Kaas, Trierer
Kircherechtsprofessor, der dann als es ernst wurde, plötzlich untertauchte und als Vorbereiter
der Verhandlungen zum Reichskonkordat auf Seiten des Vatikans wieder auftauchte – so als
ob es das Ultramontanismusargument nie gegeben hätte.
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2. In Österreich lagen, wie schon angedeutet, andere historische Voraussetzungen vor. Dort ist
der typische Katholizismus des 19. und 20. Jahrhunderts in einer völlig anderen politischen
Konstellation entstanden. Wenn auch bis 1848 die Situation angesichts der
Auseinandersetzung mit Moderne, Aufklärung, Nationenwerdung usw. hätten verglichen
werden können, so war danach doch fast alles anders. Das Land war immer und blieb
mehrheitlich katholisch, Habsburg knüpfte unmittelbar an die Zeit von vor 1815 wieder an,
die Kirche sah sich mit ihren Augen einem Ansturm von Verfall und Neuheidentum und
Bedeutungslosigkeit gegenüber und die religiösen Erneuerungsbewegungen, etwa des Kreises
um Hofbauer, waren verknüpft und dominiert von Vertretern der politischen Romantik, wie
z.B. dem zum Katholizismus konvertierten Schlegel und dem auch in Deutschland mit seiner
Staatslehre sehr einflussreichen Adam Müller. Der Antisemitismus spielte sehr früh und sehr
einflussreich auch im entstehenden politischen Katholizismus und vor all dann in der
christlich-sozialen Partei eine große Rolle. Auch wenn von Rom und einigen Bischöfen
Einfluß genommen wurde, dass kein rassischer Antisemitismus erlaubt sei, so kamen der
soziale und der religiöse Antisemitismus (oder Antijudaismus) doch sehr oft mehr als nur in
die Nähe von rassischem Antisemitismus; manche religiöse Schriftsteller und einige
Theologen missachteten diese Grenzziehung völlig.
Der soziale Katholizismus (nicht nur in Österreich, sondern auch in Bayern und anderen
Teilen Süddeutschlands) war geprägt von der sogenannten Vogelsangschule. Deren
Antikapitalismus war zwar radikal und er radikalisierte sich sehr, aber er war eher ein
Vorkapitalismus. Er wehrte sich, durch die konkreten Probleme der Moderne
hindurchzugehen, sich auf sie einzulassen und sie zu bewältigen. Wenn der westdeutsche
Katholizismus, die Mönchengladbacher Schule als Gegenstück zur Vogelsangschule, sich
früh von der „Gesinnungsreform“ zur „Zuständereform“ entwickelt hatte, verblieben die
Vogelsanganhänger bei der Gesinnungsreform, in der Nähe dessen, was Max Weber später
„Gesinnungsethik“ nennen wird. Wenn man die rechte Gesinnung oder die richtige
Weltdeutung hat, wird sich die richtige Praxis eh einstellen. Papst Leo XIII. hatte sich mit der
ersten Sozialenzyklika der katholischen Kirche 1891 gegen die Vogelsang’sche Sicht der
Dinge entschieden und gelehrt, dass Kapitalismus als Wirtschaftsweise moralisch indifferent
sei, aber man müsse sich politisch davor hüten, dass daraus eine kapitalistische
Klassengesellschaft entstehe (auch hundert Jahre später schreibt Papst Johannes Paul II, dass
ein solcher Kapitalismus „nach wie vor völlig unannehmbar sei“). Die in Österreich
dominierende Form des Sozialkatholizismus hat sich auf diese entscheidende Position der
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päpstlichen Lehre nie eingelassen und der junge Eugen Kogon wird diese Abwehr mit vielen
anderen Ende der zwanziger Jahre weiter zuspitzen. Darüberhinaus war in der Mitte des 19.
Jahrhunderts zusammen mit der nach 1845 restituierten Habsburger Monarchie auch die
vorneuzeitliche und neuscholastisch zugespitzte katholische Staatsdoktrin theoretisch und
praktisch durchgesetzt und fand in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren des 20.
Jahrhunderts in der Idee des Ständestaates eine neuerliche vormoderne Zuspitzung. In Eugen
Kogon fand diese Idee einen ihrer glühendsten Verfechter und die Zeitschrift „Schönere
Zukunft“ bot ihm dafür von 1927 bis 1932 eine ideale Plattform.
3. Eugen Kogon war 1903 in München geboren (er starb am Heiligen Abend 1987), wuchs in
einer Pflegefamilie auf und dann in Internaten bei Benediktinern und Dominikanern (bei den
einen fühlte er sich überhaupt nicht wohl, bei den anderen dagegen sehr und gut ausgebildet).
Er studierte in München Volkswirtschaft und, soweit das damals schon möglich war,
Soziologie. Als junger Diplomvolkswirt ging er nach Italien um den Mussolini-Faschismus zu
studieren. Neben der Faszination schrieb er damals (1927) aber auch schon: „ Wenn hier
manch rühmenswertes vom italienischen Faschismus gesagt wird, so kann doch nicht oft und
scharf genug hervorgehoben werden, dass solches Lob mit Billigung der Gewaltmethoden
nichts zu tun hat, auch kein Wink sein soll für teutsche Landsknechte, nun möglich rasch zu
Pistole und Reitpeitsche zu greifen“ (Ges. Schriften, Bd. 8, S. 14). Er promoviert bei dem
damals bedeutendsten Vertreter der beschriebenen Denkrichtung, dem Haupt der sogenannten
Wiener „universalistischen Soziologenschule“ Othmar Spann. Über ihn schreibt er: „Der
Grundgedanke des Universalismus von Spann ist der uralte aristotelische Satz, wonach ‚das
Ganze vor dem Teil’ ist…Dieser Grundsatz… vom Organismus und seinen Teilganzen führt
einerseits zu der Erkenntnis, dass im staatlichen Leben Autorität und Bindung (nicht
Knebelung) höher stehen als Freiheit, die ja in der Anarchie, d.h. der Autoritäts- und
Bindungslosigkeit, nicht ihren Höhepunkt erreicht, wie es bei umgekehrter Rangstellung der
Fall sein müsste, sondern zerfällt, weil nur Bindung Freiheit überhaupt ermöglicht;
andererseits zu den ‚Baugesetzen des sozialen Lebens’, deren eines besagt, dass organisches,
fruchtbares Staatsleben nur über kleine Kulturgemeinschaften (Familie, Stand) möglich ist
(Stufenbau des sozialen Körpers), ein anderes aber, dass demokratische Abstimmung und
politische Autonomie nur unter relativ Gleichen, also im Stand, denkbar sind. Und für diese
Demokratie, nämlich die ständische, die sachlich möglichst weit reichende Selbstverwaltung
der Bürger innerhalb ihres Berufs- und Kulturkreises, tritt Spann aus wissenschaftlicher und
politischer Überzeugung lebhaftest ein“ (S.15) Weiter erläutert Kogon diese Idee: „Die
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Grundsätze aber…sagen, dass die Schöpfung rangmäßig gegliedert ist, dass jeder
Aufgabenbereich, vom obersten angefangen bis herab zum alleruntersten, seine eigene
Hoheits- und Machtbefugnis für den Träger der Aufgabe in sich birgt, die ihm von
niemandem genommen werden kann…Gestaffelte Autorität, Selbstverwaltung und
Föderalismus – uralte, wenngleich vergessene Grundformen der ständischen Ordnung, welche
nicht konstruiert und utopisch ist wie die Gebilde des Individualismus in all seinen manchmal
einander widerstreitenden Abarten, sondern der Natur des Seins und des Lebens selbst
entnommen. Wo wäre da eine Spur von Reaktion?“(ebd.)
89 Artikel schreibt Eugen Kogon unter seinem Namen in der „Schöneren Zukunft“, in deren
Redaktion er 1927 eintritt. Damit war er auch von München nach Wien übergesiedelt. Er
klagt zwar über den autoritären Stil des Hauptschriftleiters Joseph Eberle, dessen
Stellvertreter er bald wird, aber auch sein Ton verschärft sich, seine eigene Haltung wird
intolerant. Er wird zu dem, was er später einen „Rechtskatholiken“ nennt: „Von den
Möglichkeiten des Menschen hält der Rechtskatholik nicht allzu viel. Das Dogma von der
Erbsünde ist sein Lieblingsglaubenssatz. Er ist für autoritäre Führung und Betreuung. Ihm
zufolge muß man durch ‚Ordnungen’, die er für im wesentlichen ewig hält, das ‚richtige’
Leben der Menschen bestimmen. Der konservative Katholik preist daher –romantisch- das
Mittelalter unserer europäischen Zivilisation und hält im Grund, die moderne Entwicklung für
einen Abfall vom bleibend Angebrachten“. (S. 19)
Zwei Grundeinstellungen Eugen Kogons passten von Anfang an nicht so recht und schon gar
nicht selbstverständlich in sein universalistisches Weltbild: Kogon war zum Einen immer
pazifistisch eingestellt und blieb es sein Leben lang und er war zum Anderen von früher
Jugend an engagiert in der Arbeiterjugend (beides quer zu seiner eher bildungsbürgerlichen
und konservativen katholischen Umgebung) und später, nach 1932, also nach der Schöneren
Zukunft, engagierte er sich beruflich in den christlichen Gewerkschaften Österreichs. Dazu
kam drittens auffallenderweise ein für österreichische Verhältnisse fast völlig fehlender
Antisemitismus. Karl Prümm schreibt in seiner Dissertation über „Walter Dirks und Eugen
Kogon als katholische Publizisten der Weimarer Demokratie“ 1984: „Während die ‚Schönere
Zukunft’ opportunistisch ihre antisemitischen Angriffe steigerte, enthielt sich Kogon nach
1930 weitgehend jeder antisemitischen Äußerung. Ohnehin war die Attacke gegen ‚die
jüdischen Propagandazentralen’ und gegen die ‚jüdischen Warenhäuser’ eines der ganz
wenigen Beispiele, wo Kogon der in diesem Umfeld gewiß nicht geringen Versuchung
nachgab, seinen radikalen Antikapitalismus antisemitisch einzufärben. Die Einwände gegen
den Kapitalismus bleiben, bis auf diese Ausnahmen, auf der Ebene des Ökonomisch-Sozialen
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und des Moralisch-Ethischen. Nichts wäre leichter gewesen und hätte ihm gewiß den Applaus
des einflussreichen Chefredakteurs und vieler Leser eingebracht, hier unentwegt gegen das
jüdische Kapital und die jüdische Finanzaristokratie zu Felde zu ziehen und
‚Gegenmaßnahmen’ zu fordern. Kogon verweigerte, was gerade seine Mentoren bedenkenlos
vollzogen.“ (Prümm, S. 67)
Im September 1932 schied Kogon aus der Redaktion der Schöneren Zukunft aus und arbeitete
eine Zeit lang für die christlichen Gewerkschaften Österreichs. Dollfuß war an die Spitze der
österreichischen Regierung getreten und proklamierte im März 1933 den Ständestaat und
verbot die kommunistische, die nationalsozialistische und die sozialdemokratische Partei.
Dollfuß wurde am 24. Juli 1934 ermordet. Dieser Ständestaat – so urteilt Kogon später- „war
in einer entsetzlichen Gemengenlage zwischen bewaffneten Austromarxisten und bewaffneten
Nationalsozialisten“. Er „war nur eine notdürftige Plattform, um Bestand zu behalten. Wir
hatten aber keine andere. Die Situation war so vertrackt wie prekär: Mussolini allein schützte
damals Österreich. Er war es bekanntlich, der, als Dollfuß ermordet wurde, gegen einen
Überfall Hitlers mehrere Divisionen am Brenner aufmarschieren ließ.“(Bd. 8, 25f).
Die Jahre bis zu seiner Verhaftung sind unübersichtlich – wie könnte es auch anders sein. Von
Dollfuß war er öfter nach Deutschland geschickt worden, um zu prüfen, ob eine Verbindung
zu den „Papen-Katholiken“ hilfreich sein könnte. Mehrmals schreibt er damals Walter Dirks
nach Frankfurt, seinem späteren Freund und Mitherausgeber der Frankfurter Hefte, dass er
jetzt einsehe, dass dessen Richtung die richtigere sei. Er beteiligt sich eine kurze Zeit lang an
Versuchen, doch eine Verbindung mit den Nationalsozialisten einzugehen, was aber bei ihm,
trotz aller Not der Entscheidung, doch an unüberwindliche Grenzen stößt. Er selber
bezeichnet später das offizielle Morden in der Röhm-Affaire vom 30. Juni 1934 als die
endgültige Stunde der Wahrheit: „Der 30. Juni ist für mich also wirklich der entscheidende
Einschnitt, von dem es für mich sozusagen keinen ‚Pardon’ mehr gab. Konservative mussten
sehen, dass das Recht so nicht missbraucht werden durfte. Es durfte nicht zugelassen werden,
dass dieser Mann (Hitler) in der Geschichte herumfuhr und sozusagen einfach im Kreis
herumschoß und dann sagte, das war rechtens, als ob er die Inkorporation des Rechtes
gewesen wäre.“ (Bd. 8, 45)
Von da an, so urteilt sein Sohn Michael, erkannte Eugen Kogon im Spiegel des Nazitums
seine eigene Verstrickung in Einseitigkeit, Schwarzweißgesinnung, Verteufelungsneigung,
Übertreibung und Intoleranz und musste bald durch bittere Erfahrungen hindurch.
1954 schreibt er in den Frankfurter Heften, wie er 1938 in einem Wiener Gefängnis die
Misshandlung jüdischer Mithäftlinge und deren Kraft aus dem Glauben erlebte: „Sie steckten
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ihm den blutenden Schädel unter einen aufgedrehten Wasserhahn. ‚Auf!’, Hinlegen!’ ‚auf!’
‚Hinlegen!’… gegen neun oder zehn Uhr abends erscholl jener Ruf ‚Singen!’, und der erste
Kantor begann. Ich verstehe kein Wort Hebräisch, als sich aber die Töne aus dem uralten
Land der Verheißung erhoben, dieser kraftvolle, fremdartige, die Seele ganz mit Kind- und
Männlichkeit anfüllende Sang der Stämme des Heils, die unter den Sternen und durch die
Zeiten zum Tempel des einen Gottes zogen – eines so überaus strengen, eifersüchtigen, die
Zuchtrute nicht aus der Hand legenden, dann wieder von Erbarmen überfließenden, wahrhaft
liebenden Gottes im alten Bund, da wusste ich: dies waren Psalmen, und da ich selbst nur von
dreien oder vieren einige Zeilen auswendig wusste, so klammerte ich um die Gitterstäbe des
Fensters meine Hände, denn ich wollte sie nicht zu unser aller Vater aufheben, dem Vater der
Juden und der SS-Männer, damals, der die wunderbaren Melodien aus dem Munde seiner
Getreuen inmitten des ‚Auf!’ ‚Hinlegen!’ ‚Auf!’ ‚Hinlegen!’ vernahm und ja doch keinen
Engel sandte, wie er ihn tausendmal in der Geschichte des Heils nicht gesandt hat, das Grauen
zu beenden, denn die Zeit war nicht gekommen (‚Herr, Gott im Himmel, was hat es nur für
eine Bewandtnis mit der Notwendigkeit, zu warten, bis etwas an der Zeit sei!’), und so betete
ich, nicht wissend, warum und für wen und ganz außerhalb allen Verstandes, nur den
Stimmen folgend, die da vorangingen auf dem schrecklichen Weg in erst Spätbekannte.“
(Bd.8, S. 46 -47)
Wenn man resümiert und das im Vergleich zu Walter Dirks und der Rhein-Mainischen
Volkszeitung versucht, weil Dirks später nach 1945 zum Partner und Mitherausgeber der
Frankfurter Hefte wird, dann ist auch hier Karl Prümm zuzustimmen: „ Die Irrwege jener
‚katholischen Politik’, wie sie von der Schöneren Zukunft militant verfochten wurde, beginnen
bei der so harmlos erscheinenden Grundmaxime ‚religion d’abord’ (die Religion zuerst).
Damit war ein Katholizismus streng konservativer Prägung als triumphierende ‚Kulturidee’
inthronisiert, der alle Teilbereiche, die historischen Traditionen, die philosophischen und
ästhetischen Wertungen, und – was sich am fatalsten auswirkte – die politische Praxis in
direkter Linie zugeordnet waren. All die Verzerrungen und Einseitigkeiten, die sich in
Kogons früher Publizistik studieren lassen, die Bündnisse mit den radikalen Flügeln des
Konservativismus, mit der ‚nationalen Opposition’ und dem Austrofaschismus waren
unvermeidlich, solange das Primat einer statuarisch gesetzten Religiosität nicht in Zweifel
gezogen wurde. Walter Dirks’ gänzlich andere Orientierungen wurden erst möglich, weil er
sich der Elementarforderung ‚religion d’abord’ entschieden widersetzte. Dies ist der Punkt, an
dem sich Dirks und Kogon in ihrer Publizistik vor 1933 am schärfsten widersprechen.
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Nachdrücklich hebt Dirks das „Primat des Politischen“ hervor gegenüber den ‚allzu
unmittelbaren Ableitungen der Politik aus den überlieferten Beständen des
Katholizismus’.“(S….) Diese „Emanzipation der Politik vom Konfessionalismus“, wie
Prümm das nennt, hatte vor allem Ernst Michel eingeleitet. (Er war, zusammen mit Franz
Rosenzweig, Gründungsdirektor der Akademie der Arbeit, einer Einrichtung die bis heute an
der Universität Frankfurt, Gewerkschaftssekretäre ausbildet, seit 1921. In seinem berühmten
Buch „Politik aus dem Glauben“ hatte Michel Anfang der 20er Jahre gefordert, die
Katholiken sollten „endlich die profane Welt als legitim anerkennen und durch ein
substantielles Christentum innerhalb dieser Welt und nicht gegen sie zu wirken versuchen.
Dies wurde auch für Dirks zur Leitlinie, als er am Ende der 20er Jahre den politischen
Katholizismus in der zugespitzten Krisensituation neu zu definieren versuchte. Walter Dirks
wollte katholische Politik als überzeugendes „Bekenntnis des Glaubens“ konstituieren, der
bezogen sein sollte auf die ‚Nöte der Welt’, auf die Forderungen des Tages….“ Als drängende
Zukunftsaufgaben – schreibt er damals - „heben sich heute vor allem zwei heraus, der Umbau
der Wirtschafts- und Sozialordnung und die Organisation Europas. Hier liegen die beiden
Punkte, wo wir mit einer bloßen Bewältigung des Tages, mit Politik von Fall zu Fall, ebenso
wenig aber mit unmittelbaren Ableitungen von ererbten ethischen, kulturellen und politischen
Grundsätzen nicht durchkommen, wo von uns eine schöpferische Leistung, die Konzeption
eines Zukunftsbildes, einer richtungweisenden Zielvorstellung gefordert wird, wenn wir in
Erfüllung unserer geschichtlich geforderten politischen Leistung uns aus dem Dickicht der
Krisen einen Weg nach oben bahnen wollen“ (Prümm, 71)
Das verweist schon sehr auf das, was beide nach 1945 bewegt, Dirks und Kogon, die
Mitbegründer der CDU und die Autoren deren Frankfurter Leitsätze. Ihr Zeitschriftentitel
„Frankfurter Hefte“ bildet noch heute den zweiten Teil des Titels der SPD
Programmzeitschrift „Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte“. Für Eugen Kogon werden die
Erfahrungen im KZ entscheidend, wo er die Zusammenarbeit in der illegalen Opposition
gemeinsam mit politischen Gefangenen aller parteipolitischen und weltanschaulichen Couleur
lernen und schätzen wird. „Ich bin im Lager ein anderer geworden“ sagt er später, „Die Haft,
das Konzentrationslager, die Zusammenarbeit mit den anderen Gefangenen hat mein ganzes
politisches Denken verändert. Ich war von da an nicht mehr der Auffassung, dass es richtig
sei, gewisse Grundnormen von oben her sozusagen auf die Gesellschaft aufzuprägen und zu
verlangen, dass all diese Normen eingehalten werden, sondern umgekehrt: ich kam zu der
Erkenntnis, dass es von den gesellschaftlichen Kräften abhängt, was aus den Normen
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wird…so, dass ich also von da an praktisch auf Kooperation mit den gesellschaftlichen
Kräften ging, und das ist etwas ganz anderes als das autoritäre Denken des
Konservativismus….Du musst von deiner Gesinnung und deiner Herkunft aus beitragen zu
den Bedingungen der Humanität. Das ist das Entscheidende. Hinzu kam die Schlussfolgerung,
dass man die Bedingungen der Humanität sichern muß, bevor sich ein diktatorisches Regime
festsetzen kann. Denn kaum hat es sich festgesetzt, siegt seine Gewalt“(Bd.8, 58)
Er war, wie er selber sagt, ein Linkskatholik geworden, den er so beschrieb: „Ich bekenne
mich mit Vergnügen dazu! Der Linkskatholik ist ein Katholik, der den Fortschritt der
Menschen, also die Veränderung der Gesellschaft auf bessere Möglichkeiten, auf die
Entfaltung der Humanität hin anstrebt, und zwar aus christlicher Fraternitätsgesinnung… Der
Linkskatholik ergänzt daher das traditionell paternale Element im christlichen Weltverhalten
bewusst und betont durch das Fraternelle freiheitlichen Fortschritts, mit anderen Worten
durch das Streben nach Entfaltung personaler, verantwortlicher Selbstbestimmung… Er
schreibt niemandem zwingend vor, was er zu tun und zu lassen habe, sondern er versucht, es
plausibel zu machen, er argumentiert – auf eine Weise, die verstanden werden kann-, und er
arbeitet an der Verbesserung der ‚Bedingungen des Möglichen’ (so hat Immanuel Kant die
Freiheit definiert), das heißt, an den gesellschaftlich-geistigen Voraussetzungen, die es dem
Menschen erleichtern soll, sich richtig zu entscheiden. Das ist natürlich ein Abenteuer – wie
das ganze Leben in Freiheit und Verantwortung, wie auch unser jederzeit elementar
gefährdeter Wanderweg heim zum Vater-, es gibt da keine vorgegebenen weltlichen
Ordnungen, in denen man vertrauensvoll geborgen verharren könnte. Das weltliche
Allgemeinwohl ist heutzutage, im Stadium unserer beginnenden Erwachsenheit, eine Größe,
die immer von neuem gesucht und gefunden werden muß. Bleibende Prinzipien, die mit
Nutzen angewandt werden, gibt es sehr wohl, und da sind wir Linkskatholiken mit allen
anderen Katholiken in einem und demselben Boot der Verkündigung. Wir aber betonen die
Freiheit der Entscheidung des Menschen“ (Bd 8, 59)
Der politische Katholizismus ist mit dem Nationalsozialismus untergegangen und der Soziale
Katholizismus sei mittlerweile auch, so schon vor Jahrzehnten Oswald von Nell-Breunig,
eines sanften Todes gestorben. Das, was u.a. mit den Frankfurter Heften beginnt, folgt einem
anderen Konzept. Damit wäre ich am Ende meiner Betrachtungen angelangt und es drängt
sich die Frage auf, was ist nun mit dem Verhältnis zum Judentum bei Eugen Kogon? Ja, es ist
mehr als imponierend, dass er in den Abgrund einer eigenen Verstrickung in die NaziBarbarei nur hineingeschaut, aber nicht hineingeraten ist. Davor, so hatte ich gesagt, war er
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durch seinen reflektierten Glauben, der keinen rassischen Antisemitismus erlaubte, bewahrt,
dann durch seinen Pazifismus und sein Engagement für die Arbeiterjugend und die
Gewerkschaften. Er stand damit schon immer etwas außerhalb seines angestammten und
anerzogenen ganzheitlichen („universalistischen“ im Sinne der Soziologie Spanns)
katholischen Konservativismus und seines vormodernen, neuscholastisch-theologisch
bestimmten Menschen- und Gesellschaftsverständnisses. Aber fast alles andere in ihm hielt
ihn dort lange fest und wollte ihn tiefer hineinziehen und hielt ihn davon ab, schon früher dem
Frankfurter Katholizismus der RMV und seines späteren Weggefährten Walter Dirks
näherzukommen. Dort hatte sich unter der schützenden Hand des berühmten
Reichstagsabgeordneten, Röntgologen, Erfinder, Fabrikanten und tiefgläubigen Katholiken
jüdischer Herkunft, Friedrich Dessauer, ein kritischerer Geist und ein anderer Katholizismus
entwickelt. (Friedrich Dessauer studierte übrigens im 1. Weltkrieg ganz kurz an der TH
Darmstadt, musste dann nach dem plötzlichen Tod seines Vaters die Firma in Aschaffenburg
übernehmen; später studierte er in Frankfurt weiter).
Diese Fähigkeit, sich ganz früh gegen den herrschenden Trend und die Grundüberzeugungen
seiner Umgebung sich auf einigen wenigen Feldern mutig mit zeitgenössischen
Herausforderungen auseinanderzusetzen und alternative Positionen zu behaupten, habe ihn,
das war meine Vermutung und mein Versuch, davor bewahrt, den schlimmen Antisemitismus
der Schöneren Zukunft mitzumachen – was sicherlich nicht leicht war. Ich bin überhaupt der
Überzeugung, die ich hier nicht weiter entfalten kann, dass der Katholizismus und die
katholische Kirche durch ihr Engagement in der „Sozialen Frage“ (also der gesellschaftlichen
und politischen Eingliederung der neue entstandenen Arbeiterklasse oder des Arbeiterstandes)
überhaupt erst die Moderne oder die Modernisierungsprozesse intensiv erfahren und
allmählich erkannt hat und so vor vielen Formen eines schlimmeren Anti-Modernismus
bewahrt blieb.
Bei der Ausarbeitung habe ich nun –zu meiner Überraschung – gelernt, dass Eugen Kogon
selber Kind jüdischer Eltern war. Er selbst hat nie davon gesprochen, obwohl er es spätestens
seit seiner Heirat (1927) wissen musste. Er konnte auch nur durch ganz abenteuerliche Art
und Weise und in letzter Minute davor bewahrt werden, als Jude ins Vernichtungslager
Auschwitz verschickt zu werden. Seine Liquidierung wurde dann auf die Zeit nach dem Krieg
verschoben. Er sprach immer davon, dass seine Eltern früh ums Leben gekommen seien und
er deshalb in einer Pflegefamilie aufgewachsen sei. Auch in den 8 Bänden der gesammelten
Schriften wird er immer wieder so vorgestellt. Im Verlauf der Einleitung des 8. Bandes
erzählt dort sein ältester Sohn Michael, eher versteckt und fast erschrocken, dass Eugen
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Kogons Mutter Jüdin war. Der andere Herausgeber, Gottfried Erb, sagte mir am Telefon, dass
sie eine ledige jüdische Studentin war und dass auch der Vater, von dem man wenig weiß,
Jude war.
Das entkräftet nicht meine Ausgangsthese, ganz im Gegenteil. Intensiver zuspitzen, ja
verkörpern im buchstäblichen Sinne des Wortes, kann man gar nicht die für dieses Leben und
für diese Geschichte so kennzeichnende Problematik des Verhältnisses von Individuellem und
Politischem, von Konkretem und Allgemeinem, vom Teil und vom Ganzen – und eben auch
vom Jüdischen und vom Christlichen. Das kennzeichnet auch sein Verhalten nach 1945, seine
Einsicht, seine Kritik und seine politische Arbeit – seine politische Spiritualität. Darüber wäre
jetzt weiter zu reden. Lassen Sie mich – hier in der Synagoge - schließen mit einem jüdischen
Gebet aus einem Konzentrationslager, das Kogon 1947 als „jüdisches Vermächtnis“ in den
Frankfurter Heften veröffentlicht hat:
„Friede sei den Menschen, die bösen Willens sind, und eine Ende sei gesetzt aller Rache und
allem Reden von Strafe und Züchtigung… Aller Maßstäbe spotten die Gräueltaten; sie stehen
jenseits aller Grenzen menschlicher Fassungskraft, und der Blutzeugen sind gar zu viele…
Darum, o Gott, wäge nicht mit der Waage der Gerechtigkeit ihre Leiden, dass du sie ihren
Henkern zurechnest und von ihnen grauenvolle Rechenschaft forderst, sondern laß es anders
gelten. Schreibe vielmehr den Henkern und Angebern und Verrätern und allen schlechten
Menschen zugut und rechne ihnen an: all den Mut und die Seelenkraft der anderen, ihr
Sichbescheiden, ihre hochgesinnte Würde, ihr stilles Mühen bei alledem, die Hoffnung, die
sich nicht besiegt gab, und das tapfere Lächeln, das die Tränen versiegen ließ, und alle Liebe
und alle Opfer, all die heiße Liebe…, alle die durchpflügten, gequälten Herzen, die dennoch
stark und immer vertrauensvoll blieben, angesichts des Todes und im Tode, ja auch die
Stunden der tiefsten Schwäche… Alles das, o mein Gott, soll zählen vor Dir für eine
Vergebung der Schuld, als Lösegeld, zählen für eine Auferstehung der Gerechtigkeit – all das
Gute soll zählen und nicht das Böse. Und für die Erinnerung unserer Feinde sollen wir nicht
mehr ihre Opfer sein, nicht mehr ihr Alpdruck und Gespensterschreck, vielmehr ihre Hilfe,
dass sie von der Raserei ablassen… Nur das heischt man von ihnen, und dass wir, wenn nun
alles vorbei ist, als Menschen unter Menschen leben dürfen und wieder Friede werde auf
dieser armen Erde über den Menschen guten Willens, und dass Friede auch über die anderen
kommen“.
Eugen Kogon fügt 1947 hinzu und das mag andeuten, was „politische Spiritualität“ meinen
könnte: „Dieser Friede wird nur aus einer Politik der Gerechtigkeit kommen, die im Innersten
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nicht von Haß, sondern von Liebe bewegt wird. Es gehört Heroismus dazu, aber nur
Heroismus kann völliges Unheil überwinden“.
(Originaltitel: „Jüdisches Gebet aus einem KZ“ in: Frankfurter Hefte, Oktober 1947)
Verwendete Literatur:
Eugen Kogon, Die gesammelten Schriften, hrsg. von Michal Kogon und Gottfried Erb, Bände
1 – 8 , Weinheim 1995 bis 1999
Karl Prümm, Walter Dirks und Eugen Kogon als katholische Publizisten der Weimarer
Republik, Heidelberg 1984
Kirche und Synagoge. Handbuch zur Geschichte von Christen und Juden. Darstellung mit
Quellen, hrsg. von K.H.Rengstorf und S. von Kortzfleisch, Bd.2, München 1988
Herbert A. Strauss, Norbert Kampe (Hrsg.), Antisemitismus. Von der Judenfeindschaft zum
Holocaust, Bonn 1985
Heiner Ludwig, Wolfgang Schroeder (Hg.), Sozial- und Linkskatholizismus. Erinnerung,
Orientierung, Befreiung, Frankfurt 1990
Florian Schuller, Giuseppe Veltri, Hubert wolf(Hg.), Katholizismus und Judentum.
Gemeinsamkeiten und Verwerfungen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, Regensburg 2005
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