Dr. John C. Lechleiter

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Wettbewerb für die Gesundheit – eine internationale Perspektive
Dr. John C. Lechleiter
Chairman, President, and Chief Executive Officer
Eli Lilly and Company
Konferenz des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI)
7. Juli 2011, Berlin
Vielen Dank, Herr Schweer. Ich möchte auch dem BDI dafür danken, dass er mir
die Möglichkeit gegeben hat, auf diesem wichtigen Treffen der deutschen Industrie
zu sprechen.
Auch wenn Eli Lilly and Company seinen Sitz in den USA hat, ist unser
Unternehmen auch in Deutschland tief verwurzelt ... und hat großen Respekt vor
der langjährigen Vorreiterrolle Deutschlands für die Pharmaindustrie.
Deutschland ist für Lilly einer der wichtigsten Märkte weltweit. Letztes Jahr
feierten wir in Deutschland unser 50-jähriges Bestehen, und unsere Arbeit hier
umfasst alle Tätigkeitsbereiche unseres Unternehmens. Wir beschäftigen in
Deutschland fast 1.000 Mitarbeiter. Unsere Geschäfte für Deutschland werden von
unserem Hauptsitz in Bad Homburg geführt. Die Verpackung und der Vertrieb der
Lilly-Produkte in mehr als 90 Länder erfolgt von unserem Unternehmenssitz in
Gießen. Zurzeit führen wir mehr als 120 klinische Studien alleine in Deutschland
durch, an denen mehr als 14.000 Patienten beteiligt sind und in denen 26
potenzielle neue Arzneimittel getestet werden. Und Heidelberg ist Standort für die
internationale wissenschaftliche Entwicklung unserer Tochterfirma ImClone
Systems, die sich auf neue Krebstherapien spezialisiert. Ich freue mich sehr, dass
Dr. Bernhard Ehmer, Vorsitzender von ImClone, ein geschätzter Kollege und ein
hervorragender Vertreter aus dem Bereich der deutschen Wissenschaft heute
Abend anwesend sein kann.
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Anfang dieses Jahres haben Lilly und Boehringer Ingelheim, einer der wichtigsten
Vorreiter in der deutschen Pharmaindustrie, eine weitreichende globale
Vereinbarung über die Entwicklung und Vermarktung von mindestens vier
potenziellen Diabetestherapien getroffen. Wir hoffen auf eine langfristige
Zusammenarbeit, und ich möchte Dr. Andreas Barner für seine Einladung zu dieser
Konferenz danken.
Heute Abend möchte ich die Gesundheitsversorge aus einer internationalen
Perspektive betrachten – aus Sicht eines US-Unternehmens, das über eine
langjährige und erfolgreiche Erfahrung in Deutschland verfügt. Und nicht zuletzt
aus der Sicht eines Wissenschaftlers, der seine ganze berufliche Laufbahn der
Suche nach innovativen Arzneimitteln gewidmet hat, damit die Menschen „länger
gesünder leben”.
Deutschland stellt weltweit den drittgrößten Markt für einen Großteil der Branche
dar, auch für mein Unternehmen. Und nirgendwo sonst hat sich das Umfeld für
innovative Arzneimittel in den letzten 12 Monaten so gewandelt wie hier. Die
jüngsten Gesundheitsreformen setzen die Vorreiterrolle des Landes im Bereich der
pharmazeutischen Innovation aufs Spiel und bilden Barrieren, die die Patienten ...
und mit ihnen das Gesundheitssystem ... davon trennen, von der zukünftigen
medizinischen Entwicklung zu profitieren.
Gleichzeitig bietet Deutschland meiner Meinung nach gute Voraussetzungen für die
Pharmaindustrie, einen Durchbruch zu erreichen – sozusagen einen Neuanfang –,
um konstruktivere und kooperativere Beziehungen aufzubauen, die der Gesundheit
der Bevölkerung zugutekommen.
Den Rahmen meiner Ausführungen bildet das Thema dieser Konferenz:
Wettbewerb für die Gesundheit. Ich möchte darüber sprechen, wie der Wettbewerb
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die Gesundheitsdebatte bestimmt und wie Innovation die Bedeutung des
Wettbewerbs in der Gesundheitsversorgung verändern kann, und muss. Im
Anschluss werde ich meine Ausführungen auf die jüngsten Gesundheitsreformen
lenken ... und für einen konstruktiven Ansatz plädieren, diese Reformen zugunsten
der deutschen Patienten, des Gesundheitssystems und der Wirtschaft dieses
Landes anzuwenden.
Das Thema Wettbewerb bestimmt in der Tat die Gesundheitsdebatten auf der
ganzen Welt ... der Wettbewerb zwischen dem wachsenden Versorgungsbedarf der
alternden Bevölkerungen und begrenzten finanziellen Mitteln im öffentlichen und
privaten Sektor in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Dieser Kostendruck führt zu
einem Wettbewerb zwischen verschiedenen medizinischen Behandlungsformen um
eine Erstattung in den Gesundheitssystemen. Dazu kommt der Wettbewerb
zwischen den Ländern für mehr Wirtschaftswachstum und Investitionen, um
Arbeitsplätze, Einnahmen und Umsätze zu schaffen, die wiederum diese
Gesundheitsausgaben decken. Wie gut ein Land in diesen zwei Wettbewerbsfeldern
abschneidet, hat maßgeblichen Einfluss auf seine Fähigkeit, innovative
Unternehmen im Bereich der Biowissenschaften anzuziehen.
Genauer gesagt: Wettbewerb ist nicht nur sehr wichtig, er ist meistens sogar
unerlässlich. Der Wettbewerb zwischen forschenden Pharmaunternehmen hat in
der Vergangenheit zu besseren Arzneimitteln geführt. Auch wenn staatlich
geförderte Grundlagenforschung unerlässlich für Innovationen ist, haben Studien
in den USA gezeigt, dass die große Mehrheit der neuen Arzneimittel, die in den
letzten 25 Jahren zugelassen wurden, (mindestens 80–90 %) allein von der
Industrie entwickelt wurden.
Und diese neuen Arzneimittel haben viel bewirkt. Eine
wirtschaftswissenschaftliche Studie der Columbia University fand heraus, dass die
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Einführung neuer Arzneimittel – nur dieser eine Faktor – die Lebenserwartung in
den 1980er und 1990er Jahren in 52 Ländern um 40 % erhöhte.
Wettbewerb kann – und sollte – außerdem zur bestmöglichen Verteilung unserer
knappen Mittel für die Gesundheitsvorsorge und andere Bereiche führen. Wie
dieser Wettbewerb umgesetzt wird – die Spielregeln also – ist natürlich die große
Frage.
Sicher gibt es einen Ort, an dem Wettbewerb keinen Platz hat: im Wettbewerb
zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor. Wir ziehen am gleichen Strang für
ein besseres Gesundheitswesen. Wir haben einen gemeinsamen Feind – Krankheit,
Behinderung und vorzeitiger Tod. Und wir haben ein gemeinsames Interesse,
unseren Gesundheitssystemen zu ermöglichen, dass auch bei knappen Kassen mehr
Leute „länger gesünder leben” können – und das ist Innovation ... medizinischer
Fortschritt.
Ich sage das natürlich als Vorsitzender eines Unternehmens, das seine Zukunft auf
biopharmazeutische Innovation gesetzt hat – ohne Generika, Konsumgüter oder
Diversifizierung in andere Geschäftsbereiche.
Innovation hat die Macht, den Wettbewerb zu verändern, der die
Gesundheitsdebatte bestimmt. Ich möchte Ihnen zwei wichtige Gründe nennen,
warum Innovation eine Veränderung der Gesundheitsfürsorge ermöglicht – und
erfordert:

Zuerst müssen wir den Schwerpunkt in unserem Denken weg von Kosten hin
zu einem Verständnis von Wert verlagern.

Und zweitens können und sollten wir uns mehr denn je auf die Bedürfnisse
einzelner Patienten konzentrieren, anstatt die Gesundheitsversorgung als
Institution für die breite Bevölkerung anzusehen.
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Beginnen wir mit der ersten Veränderung: Mit der Notwendigkeit von einem Fokus
auf Kosten von Therapieoptionen abzurücken und zu einem holistischen
Verständnis des von ihnen geschaffenen Wertes zu kommen.
Leider bestimmen die konkreten Belastungen durch steigende Kosten die
Gesundheitsdebatte weltweit. Sich ausschließlich auf die Kosten von spezifischen
Therapien zu fokussieren ... und auf das Jahresbudget... kann den unbeabsichtigten
und kontraproduktiven Effekt haben, die Ausgaben der Gesundheitsvorsorge
langfristig zu erhöhen ... und dazu die Gesamtkosten für die Gesellschaft. Ich nenne
Ihnen zwei Beispiele:

Allein in Deutschland kostet die Krankheit Depression nach Angaben einer
großen unabhängigen Studie die Wirtschaft zwischen 15 und 22 Milliarden
Euro jährlich ... einschließlich 9 Milliarden Euro im Jahr für den Verlust
durch Ausfall von Arbeitszeit, die durch die Nicht-Behandlung der Krankheit
entsteht. Selbst die teuersten Behandlungskosten von Depression sind nur
ein kleiner Bruchteil der Kosten von Nicht-Behandlung ... oder ineffizienter
Behandlung. Richtlinien, die darauf ausgerichtet sind, den Preis oder die
Vielfalt von Behandlungsmethoden zu begrenzen, weisen in die falsche
Richtung ... und können sogar die tatsächlichen Behandlungskosten von
Depression steigern.

Allgemeiner gesagt: Laut einer Studie der OECD hat der Einsatz von
Arzneimitteln in den letzten 40 Jahren des 20. Jahrhunderts dazu geführt,
die Krankenhauseinweisungen für die zwölf schwersten Krankheiten um die
Hälfte zu reduzieren ... einschließlich psychische Erkrankungen und
Infektionskrankheiten. Da ein Krankenhausaufenthalt beinahe immer viel
teurer ist als eine medikamentöse Therapie, stellt der Einsatz von
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Arzneimitteln hier keinen Kostentreiber dar, sondern führt vielmehr zu
Kosteneinsparungen.
Neue Medikamente zur Minderung des menschlichen Leidens und wachsender
wirtschaftlicher Folgen der Alzheimer-Krankheit ... oder zahlreicher anderer
unerfüllter medizinischer Herausforderungen auf der ganzen Welt ... können einen
dramatischen, positiven Einfluss haben nicht nur auf die Lebensqualität des
Einzelnen, sondern auch auf die Leistungsfähigkeit unserer Gesundheitssysteme.
Sie tragen dazu bei, die Gesundheit der Bevölkerung zu verbessern und den
zunehmenden krankheitsbedingten Kosten entgegen zu wirken.
Wenn wir uns ausschließlich auf die Kosten konzentrieren, stehen die Interessen
von Wirtschaft und Politik tatsächlich im Gegensatz zueinander – ein
Nullsummenspiel. Wenn sich aber alle auf den Wert konzentrieren, haben wir ein
gemeinsames Interesse an Innovationen, die einen Wert schaffen, der beiden Seiten
zugutekommt.
Dies führt zu einer zweiten wichtigen Überlegung: Wie der Wert von Innovationen
bestimmt werden kann. Wenn wir das verstanden haben, ist es wichtig, zur zweiten
Veränderung in unserem Denken über die Gesundheitsvorsorge zu kommen, über
die ich vorher gesprochen habe: weg von der Messung der Qualität in Bezug auf
Durchschnittswerte aus großen Studienpopulationen hin zu bedeutsamen
Ergebnissen für den individuellen Patienten.
Tatsache ist, dass unsere beste Chance, die Gesundheitsversorgung für alle zu
verbessern … ja vielleicht sogar unsere einzige Chance … darin besteht, sich auf
individuelle Bedürfnisse und Ergebnisse zu konzentrieren.
Diese Verlagerung reflektiert den Fortschritt, den wir in der Wissenschaft sehen, in
Richtung maßgeschneiderte Therapien. Die Wissenschaft ermöglicht es in
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zunehmendem Maße, die Bedürfnisse von einzelnen Patienten oder bestimmten
Patientengruppen zu verstehen und auf sie zu reagieren – und zwar mit
Anwendung von Genomik, einem umfassenderen Verständnis von Krankheiten,
Diagnosehilfsmitteln, neuen klinischen Forschungsmethoden und anderen
Durchbrüchen.
Vom Standpunkt der Patienten und ihren Ärzten bietet eine maßgeschneiderte
Therapie ein größeres Maß an Zuversicht, dass diese wirksam und ohne schädliche
Nebenwirkungen durchgeführt werden kann. Unter wirtschaftlichen
Gesichtspunkten bedeutet das: Da wir in der Lage sind, Patienten zu identifizieren,
die tatsächlich von einer bestimmten Therapie profitieren werden, können
Kostenträger viel zuversichtlicher sein, dass sie den Nutzen bekommen, für den sie
bezahlen.
Kurz gesagt, ist dies genau die Art von Innovation, die unser Gesundheitssystem
braucht … genau der verbesserte Wert, den wir unbedingt liefern wollen. Wenn die
Gesundheitspolitik jedoch zentralisierte, auf große Gruppen bezogene
Entscheidungsfindungsprozesse darüber schafft, welche neuen Arzneimittel und
Therapien Ärzten und Patienten zur Verfügung stehen werden ... dann geht dieser
Wert verloren.
In den dreißig Jahren, in denen ich im pharmazeutischen Bereich tätig bin, habe
ich gelernt, dass medizinische Innovation selten dramatisch und revolutionär ist.
Fortschritte in der Forschung geschehen normalerweise in kleinen Schritten,
gemessen an den Patienten, denen sie zugutekommen oder den Nutzen, die diese
gewähren. Aber diese Fortschritte summieren sich.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Fortschritt, den wir in der Krebstherapie erreicht
haben. In der Krebstherapie sind stufenweise Innovationen immer noch an der
Tagesordnung, und Forscher suchen nach maßgeschneiderten
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Behandlungsmethoden, die das Leben von bestimmten Patienten-Untergruppen
verlängern können ... oft in Kombination mit bestehenden Therapien. Im Jahr 1975
lag die Fünf-Jahres-Überlebensrate für alle Krebsarten zusammen in den USA bei
50 % – nur einer von zwei Patienten. Heute liegt die Fünf-Jahres-Überlebensrate
bei nahezu 70 % – mehr als zwei von drei Patienten. Dieser gewaltige Fortschritt
war keineswegs „revolutionär”, sondern fand in kleinen Entwicklungsschritten
statt.
Diesen Wert anzuerkennen und zu belohnen ist entscheidend ... und das nicht nur
für die Patienten, die heute von neuen Therapien profitieren. Es ist auch
entscheidend für Unternehmen wie Lilly, um die Suche nach medizinischem
Fortschritt für die Zukunft weiter fortsetzen zu können.
Mit dieser internationalen Perspektive über Wettbewerb und Innovation in der
Gesundheitsvorsorge möchte ich meine letzten Gedanken besonders dem
Gesundheitswesen in Deutschland widmen.
Ich möchte noch einmal wiederholen, dass Politik und Wirtschaft im Kampf gegen
Krankheiten auf der gleichen Seite stehen. Wir kämpfen miteinander, nicht
gegeneinander. Wir müssen in einem von Offenheit und Vertrauen geprägten
Verhältnis zusammenarbeiten ... und unsere Industrie ist dafür verantwortlich,
dieses Vertrauen aufzubauen ... oder wieder aufzubauen.
Wie ich zu Beginn feststellte, herrscht in unserer Branche große Besorgnis über die
jüngsten Gesundheitsreformen in Deutschland. Die bisherige Erfahrung unseres
Unternehmens hat gezeigt, dass diese Sorgen nicht unbegründet sind.
Um ein Beispiel zu nennen: Letztes Jahr fror die deutsche Regierung die Preise für
bereits auf dem Markt befindliche Arzneimittel ein. Sie erhöhte außerdem die
Herstellerrabatte stark, die unsere Branche den Krankenkassen beim Verkauf
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unserer Produkte gewähren muss. Und dann führte die Regierung im Rahmen des
Gesetzes zur Neuordnung des Arzneimittelmarkts (AMNOG) komplexe neue
Regulierungsmechanismen ein, um den zukünftigen Nutzen neuer Arzneimittel auf
dem deutschen Markt zu bewerten ... und damit die zukünftigen Endpreise an das
Ergebnis dieser Bewertung zu binden.
In keinem anderen Land der Welt existieren vergleichbare Vorgaben wie die des
AMNOG. Dies kann gravierende Folgen haben: die Einführung von neuen
Arzneimitteln für Patienten kann verschoben oder abgebrochen werden ... die
Stärke Deutschlands im Bereich der pharmazeutischen Innovation ausgehöhlt ...
und damit einher geht der Verlust gutbezahlter Arbeitsplätze in Forschung und
Entwicklung.
Ich möchte betonen, dass wir uns dem Druck auf die Gesundheitsausgaben hier und
weltweit bewusst sind, und dass auch wir dem Ziel der Kostensenkung im
Gesundheitsbereich verpflichtet sind.
Es wäre sogar schwer, den Grundgedanken von AMNOG zu kritisieren: dass Preise
den zusätzlichen Nutzen eines neuen Produkts widerspiegeln sollten. Die
Bewertung des zusätzlichen Nutzens eines neuen Produkts steht im Einklang mit
der angemessenen Konzentration auf den Wert, die ich zuvor erläutert habe. Jedes
Unternehmen ... in jedem Bereich ... dass nicht den Wertbeitrag eines Produkts
bestimmt ... wird auf dem Markt nicht bestehen können.
Warum ist die biopharmazeutische Industrie dann so besorgt über die Folgen von
AMNOG auf die Innovation? Dafür gibt es zwei Gründe:
Erstens ist dies ganz einfach nicht das richtige Mittel, mit dem Wertbeiträge
bestimmt werden sollten. AMNOG gibt vor, den Wert ... den zusätzlichen Nutzen ...
auf eine vollkommen unnatürliche Art zu bestimmen, und zwar in dem Moment, in
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dem ein neues Arzneimittel auf den Markt gebracht wird ... bevor noch
Erfahrungen mit dem neuen Produkt unter realen Bedingungen vorliegen.
Und zweitens sind wir besorgt, dass das Verständnis von Innovation in der
deutschen Regelung dem wahren Wert der Arten von Innovation, die ich früher
beschrieben habe, nicht gerecht wird. Praktisch bedeutet das, dass dieser Ansatz
sich viel zu sehr auf die Senkung der kurzfristigen Kosten konzentriert, und dabei
unmögliche Standards für neue Behandlungsmethoden setzt, die selbst einige der
wirksamsten Arzneimittel in der Vergangenheit niemals erreicht haben würden.
Denken Sie an Zyprexa, ein Lilly-Produkt, das die dritte Therapie war, die in der
Klasse von atypischen Antipsychotika zugelassen wurde. Seit seiner Einführung
1996 wurde Zyprexa 31 Millionen Patienten in 80 Ländern verschrieben und ist
noch heute unser wichtigstes Produkt in Europa. Ich befürchte, dass wir Zyprexa
im derzeitigen Umfeld nicht auf den Markt hätten bringen können. Die frühe
Nutzenbewertung in Deutschland hätte Zyprexa als ein „Nachahmerprodukt” mit
geringem oder keinem „zusätzlichen Nutzen” im Vergleich zu bestehenden
Therapien gesehen. Das liegt daran, dass sein Nutzen erst in medizinischer Praxis
deutlich wurde ... von Patient zu Patient ... und nicht nur in den formellen Studien,
die sich vor allem auf die Wirksamkeit und Sicherheit konzentrierten.
Ein weiteres gutes Beispiel ist Diabetes: Auch hier wird der mit AMNOG verfolgte
Ansatz den Nutzen der Innovation für die steigende Zahl von Deutschen, die an
Diabetes erkranken, vorenthalten. Die Diabetesforschung verfolgt mittlerweile
gezielte Innovationen für Patienten in verschiedenen Krankheitsstadien und für die
verschiedenen Komplikationen der Krankheit. Für die Patienten bedeutet
Innovation auch eine verbesserte Ausstattung ... wie z. B. bessere Injektionsgeräte
und eine reduzierte Anzahl von Injektionen ... was es ihnen vereinfacht, die
ärztlichen Anordnungen zu befolgen.
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Diese Innovationen, die den Patienten Vorteile im Umgang mit Diabetes bieten,
wurden in den letzten Jahren in Deutschland besonders stark durch die
Entscheidungen des IQWIG und GBA getroffen. Man scheint der Industrie sagen zu
wollen: „Insulin ist ausreichend. Verfolgen Sie keine weiteren Innovationen in der
Diabetestherapie.” Patienten und Ärzte stimmen hiermit natürlich nicht überein ...
und der Anstieg von Diabeteserkrankungen weltweit sagt uns als Gesellschaft, dass
wir weitere Innovationen benötigen ... und nicht weniger.
Da AMNOG nun das bestehende Rahmenwerk zur Bewertung neuer Arzneimittel
ist, ist es meiner Meinung nach von höchster Bedeutung, Wege innerhalb dieses
Rahmens zu finden, die den Patienten ... und dem Gesundheitssystem ... erlauben,
von pharmazeutischer Innovation zu profitieren.
Ich schlage deshalb zunächst einmal vor, dass die frühe Nutzenbewertung nicht
dazu verwendet wird, den Wert eines neuen Arzneimittels so gering wie möglich
festzulegen, um Geld zu sparen ... sondern vielmehr dazu, eine umfassende
Bewertung über seinen möglichen Wert für die Patienten zu erhalten. Eine
Bewertung, die einem neuen Arzneimittel hilft, auf dem Markt zu bestehen, wäre
viel hilfreicher ... und würde langfristig mehr Kosten einsparen ... als eine
Bewertung, die nur nach Gründen sucht, ein neues Arzneimittel zu disqualifizieren.
Allgemeiner gesagt: Um die enormen Investitionen aufbringen zu können, die zur
Entwicklung neuer Arzneimittel nötig sind, ist für Unternehmen wie Lilly ein
vorhersehbares und verlässliches Genehmigungsverfahren unabdingbar, um
einschätzen zu können, ob diese neuen Arzneimittel zu den Patienten gelangen
werden oder nicht. Wir müssen wissen, ob unsere innovativen Arzneimittel die
Möglichkeit erhalten werden, im Gesundheitssystem in den Wettbewerb zu treten,
und auf Grundlage ihres tatsächlichen Werts erstattet zu werden.
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Wir sind in der Branche bereit, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um ein
klares, transparentes und praktikables Genehmigungsverfahren auszuarbeiten ...
und wir möchten im gleichen Maß mit den Gesundheitspolitikern
zusammenarbeiten, um gemeinsam ein Verfahren zu finden, das den Wert von
Innovation bestimmt. Wir unterstützen einen offenen, wissenschaftlichen
Fortschritt und eine Debatte über die Entwicklung neuer und innovativer
klinischer Endpunkte, Studien-Designs und Analyseverfahren ... die alle
wissenschaftlich gültigen Daten aus einem breiten Spektrum von Quellen und
Studien-Designs klinische Fragestellung einbezieht.
Natürlich würde dies ein außergewöhnliches Maß an Vertrauen zwischen der
Industrie und den Gesundheitsbehörden erfordern. Ich weiß, dass ich auch für
andere Kollegen in der biopharmazeutischen Industrie spreche, wenn ich sage, dass
wir uns einen kontinuierlichen, offenen und strukturierten Dialog mit der
deutschen Regierung und im Gesundheitssystem wünschen. Ein sehr gutes Beispiel
für diese Art von konstruktivem Dialog ist Australien, und wir sind dabei, ähnliche
Beziehungen mit anderen europäischen Ländern, wie z. B. Spanien, aufzubauen.
Das ist der Durchbruch, den ich zu Beginn meiner Ausführungen erwähnt habe:

eine konstruktive und kooperative Beziehung zwischen forschenden
Pharmaunternehmen und Entscheidungsträgern in Deutschland

eine Beziehung, die durch Vertrauen und der Kenntnis geprägt wird, dass
wir Verbündete mit einer gemeinsamen Verpflichtung für die Gesundheit der
Bevölkerung dieses Landes sind

eine Beziehung, die unser gemeinsames Interesse an Innovation
widerspiegelt und auf Deutschlands Vorreiterrolle in der
Arzneimittelforschung aufbaut.
Wenn wir zusammenarbeiten, können wir die Innovation dazu nutzen, den
wachsenden Bedürfnissen in der Gesundheitsversorgung trotz des steigenden
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Kostendrucks gerecht zu werden ... ein Umfeld zu schaffen, in dem sich
biopharmazeutische Innovation entfalten kann ... und Siege erringen für Menschen,
die auf uns zählen, um länger gesünder zu leben.
Vielen Dank.
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