Bescheinigung über die praktische Ausbildung im Rahmen der

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ANLEITUNGS- UND NACHWEISHEFT
Berufsfachschule für
Rettungsassistenten
Rettungsassistentenausbildung – Praktika im 1. Ausbildungsjahr Praktika (RW / KH)
Fallbericht
Station/Rettungswache: ASB Nürnberg
Anleiter/in: Michael Grunow
Polytrauma nach Balkonsturz
Notfallmeldung
Am 16.12.2003 um 20:55 Uhr geht in der RLST ein Notruf wegen eines Balkonsturzes ein.
Die Person verlor das Gleichgewicht und stürzte aus dem zweiten Stock. Nun liegt der Mann
reglos am Boden, meldet der Anrufer.
Alarmierung
Um 20:57 Uhr gibt die Rettungsleitstelle die Notfallmeldung weiter an die Polizei, das NEF
(Notarzt Einsatz Fahrzeug) und an eine freie und naheliegende Rettungsdienstbesatzung (1
RA, 1RS, 1 SDH). Der Notarzt und der RTW fahren mit Sonderrechten zum Unfallort. Beide
treffen gleichzeitig wenige Minuten, nach der Alarmierung, am Unfallort ein. Anwohner
stehen als Anweiser an der Straße und zeigen den Weg zu dem Gestürzten.
Erstbefund
Der Mann liegt reglos am Boden. Bewohner des Hauses berichten was sie über das
Unfallgeschehen wissen. Der Notarzt spricht den Patienten an, dieser hat die Augen
geschlossen und zeigt keine verbale oder motorische Reaktion. Durch eine Pupillenkontrolle
stellt der Arzt eine nicht vorhandene Lichtreaktion feststellen. Die Pupillenweite ist rechts
mittel, links eng, das kann auf eine Intrakranielle Blutung hinweisen. Ein Puls ist nicht mehr
tastbar, die Atmung ist eine Schnappatmung. Aus seinem rechten Ohr und dem Mund fließt
Blut. Deutlich zu erkennen sind Fehlstellungen des Beckens und der Beine.
Leitsymptome
Anisokorie (Pupillendifferenz), kein Puls, Schnappatmung
Erstmaßnahmen
Der Arzt stellt einen Herz Kreislauf stillstand fest, daraufhin intubiert er den Patienten. Der Grund
weshalb eine
Intubation vorgenommen wird, ist das Freihalten und Sichern der Atemwege
während der Beatmung d.h. dass diese Methode der Beatmung als Aspirationsschutz (Schutz vor
Einatmung fremder Stoffe oder Mageninhalt) dient. Bei diesem Vorgehen führt der Arzt einen
Beatmungsschlauch durch die Stimmritze in die Luftröhre. Nach der Intubation führt die SDH eine
Herzdruckmassage durch und die RS klebt ein dreier EKG. Wenige Minuten nach Beginn der
Herzdruckmasage ist wieder ein Sinusrhythmus am EKG zu erkennen. Damit ist die Reanimation
beendet. Nun übernimmt die SDH die intubierte Beutel-Masken-Beatmung in einer Frequenz von
ca. 10-12/min. Der Sauerstoff ist an das Sauerstoffreservoir des Ambu®- Beutels angeschlossen
damit der Patient mit 100% O2 beatmet werden kann. Währenddessen kümmern sich die
Rettungssanitäterin um das Aufziehen der Medikamente und der RA um das Vorbereiten der Trage,
Vakuummatratze und der Schaufeltrage.
Erweiterte Diagnostik
Zur Verabreichung von Medikamenten, zur Blutabnahme und zum Anschließen von Infusionen, legt
der Arzt in der rechten und linken Armbeuge einen intravenösen Zugang (Größe 18 G). An die
rechte Venenverweilkanüle schließt der RS eine 500ml HAES- steril® 10% Infusion an. Zur
umgehenden Schmerzlinderung spritzt der Arzt über den Dreiwegehahn, der mit der Braunüle
verbunden ist 0,1mg Fentanyl®. Dies ist ein Medikament das zur Gruppe der Analgetika gehört.
Norcuron® bewirkt eine Muskelrelaxion, wegen der intubierten Beatmung gibt der Notarzt ihm 6mg
davon.
Arbeitsdiagnose
Intrakranielle Blutungen, SHT (Schädel-Hirn-Trauma) Beckenfraktur, schwere Verletzungen der
Wirbelsäule.
68621859 © 2000/09 Berufsfachschule für Rettungsassistenten ASB LV Bayern
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Weiterer Verlauf
Zur Stabilisierung der HWS legt der RA ein Stifneck® an. Unter andauernder Beatmung, wird der
Mann mit Hilfe der Schaufeltrage auf die Vakuummatratze gelagert, die bereits auf der Trage liegt.
Die Vakuummatratze ist zur Lagerung und zum Transport traumatisierter Patienten. Durch
Evakuierung (entfernen) von Luft aus der Matratze und nachfolgender Komprimierung der sich in
der Matratze befindlichen Schaumstoffkugeln wird eine optimale Anformung der Matratze an den
Pat. erreicht. Das Ziel der Vakuummatratze ist ein schonender Transport, was bei bestimmten
Verletzungen sehr wichtig ist. Zur Sicherung des Patienten, gurtet die SDH diesen an. nach einer
ausreichenden Fixierung fährt die Rettungsdienstmannschaft und der Notarzt ihn mit der Trage
zum RTW. Im Rettungswagen schließt der RA ihn an den Oxylogen an und stellt das AV
(Atemvolumen), die AF (Atemfrequenz), den Beatmungsdruck und No Air Mix ein.
Anschließend misst die SDH den RR der inzwischen einen Wert von 110/80mmHg erreicht hat
und schließt ihn zur Kontrolle des SpO2 Wertes an das Pulsoxymeter an.
Transport
Weitere Maßnamen erfolgen zunächst nicht und so wird der Patient in Begleitung des Notarztes
mit Sonderrechten ins Klinikum gefahren.
Zum Narkotisieren verabreicht der Notarzt während der Fahrt 4mg. Dormicum®. Der
Wirkungseintritt dauert 2-3 min. und die Wirkung hält 12-30 min. an. Dieses Medikament gibt man
zur Sedierung, Narkoseeinleitung bzw. Aufrechterhaltung, bei kleineren Eingriffen oder
Krampfanfällen. Dormicum® hat eine muskelrelaxierende Wirkung, darum wird es in diesen
Gebieten eingesetzt.
Die Vitalwerte werden erneut gemessen, diese sind gleichbleibend, der Kreislauf ist stabil.
Es treten keine Komplikationen auf. In der Klinik findet eine kurze Übergabe statt, in welcher der
NA ein Notarzteinsatzprotokoll übergibt. Anschließend kommt der Patient sofort auf eine andere
Liege und wird gleich weiter behandelt.
Epikrise
Die Rettungsleitstelle wird alarmiert wegen eines Balkonsturzes aus dem zweiten Stock. Der
Patient liegt beim Eintreffen des Notarztes und des RTWs reglos am Boden. Nach der
Überprüfung der Vigilanz stellt der NA einen Herzstillstand und eine Schnappatmung fest.
Daraufhin intubiert er ihn und der Mann wird reanimiert.
Zur Überwachung des Herzens legt die RS ein EKG (Elektrokardiogramm). Nach kurzer Zeit der
Herzdruckmassage ist wieder ein Sinusrhythmus erkennbar. Medikamente wie Fentanyl®,
Norcuron® und eine HAES- steril® Infusion werden durch die inzwischen gelegten Verweilkanülen
gegeben bzw. angeschlossen. Unter ständiger Beatmung lagern ihn die anderen Rettungskräfte
mit Hilfe der Schaufeltrage auf die Vakuummatratze, die bereits vorbereitet auf der Trage liegt. Im
RTW misst die SDH den Blutdruck und schließt ihn an den Pulsoxymeter an. Weitere Maßnamen
ergreift der NA nicht und so folgt eine Anfahrt in Begleitung des Arztes mit Sonderrechten ins
naheliegende Klinikum. Während der Fahrt bekommt der Patient zusätzlich Dormicum®
verabreicht. Der Transport verläuft ohne Komplikationen. Nach einer kurzen Übergabe auf der
chirurgischen Station in der Klinik, übergibt der Rettungsdienst den Verletzten den
Krankenschwestern und dem Arzt.
Roßtal den 30.12.2003
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