Nachbehandlungskonzept für Beugesehnenverletzungen

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Klinik für Handchirurgie Bad Neustadt
Patientenaufkleber
Salzburger Leite 1
97616 Bad Neustadt/Saale
Krankengymnast :
Ergotherapeut :
Tel.: 09771/6511.....
Tel.: 09771/6511..
Operations-Datum : ...................
Tag d. Schienenversorgung: ...................
Nachbehandlungskonzept für Beugesehnenverletzungen
Das ist ein grundsätzliches Beugesehnen -Nachbehandlungskonzept,
das je nach Verletzung individuell nach ärztlicher Verordnung auf
jeden Patienten abgestimmt wird.
Bei der Behandlung bestehen zwei wesentliche Gefahren:
Sehnenverklebung und -ruptur
Verklebungen der Sehne, die im Zuge der Heilung auftreten,
können durch frühzeitige Bewegung gering gehalten werden.
Die Ruptur der Sehne(n) kann durch konsequente Entlastung
der Beugesehne(n) vermieden werden, indem man das Handgelenk
und die Grundgelenke passiv in Beugung hält.
Da die Sehnennaht bei Bewegung unter Spannung kommt,
muß die Bewegung je nach Konzept erfolgen.
Die Beweglichkeit des Mittelgelenkes, speziell die Streckung ist der
prognostisch wichtigste Faktor für das zu erwartende Ergebnis.
Die Erfahrung zeigt, daß die Rupturgefahr um so größer ist, je besser
die Beugung zu Beginn der aktiven Phase ist.
Es sind drei wesentliche Konzepte zu unterscheiden,
die gegebenenfalls auch kombiniert werden können:
1. Passive Mobilisation (nach Duran und Houser)
2. Passive Beugung - Aktive Streckung (Kleinert)
3. Kontrollierte aktive Beugung und Streckung (Mantero, Brunelli)



Allen drei Konzepten gemeinsam ist die Entlastung der Sehne durch eine
passive Beugung im Handgelenk und in den Grundgelenken der Finger .
Diese wird durch eine Schiene erreicht, die optimal angelegt werden muss
(Handrücken und Grundgelenke müssen anliegen,
der Hohlhandbügel fest verschlossen sein).
Konzept 1:
Die passive Mobilisation stellt bei uns einen grundsätzlichen Bestandteil der Nachbehandlung dar. Ausschließlich mit Konze pt 1
(passive Mobilisation) werden nur Patienten mit kombinierten Verletzungen ( z.B.Beugesehnennähten und Nervenrekonstruktionen)
behandelt. Bei der passiven Mobilisation werden die Fingergelenke und das Handgelenk einzeln mobilisiert. Hierbei muß die Sehne
durch gleichzeitige Beugung aller anderen Gelenke entlastet werden.(z.B. vorsichtige passive Streckung im Mittelgelenk, dabei
werden Handgelenk und Grundgelenke in maximaler Beugung gehalten; das Endgelenk darf dabei nicht in seiner möglichen Beugung
gehindert werden.)
Konzept 2:
Das Prinzip der Nachbehandlung nach Kleinert besteht darin, die Sehne durch aktive Streckung bei passiver Beugung gleiten zu
lassen. Die passive Beugung erfolgt durch einen Gummizügel, der distal am Fingernagel und proximal am Schienenende befestigt
wird. Der Patient übt grundsätzlich selbständig in der Schiene , aber außerhalb der Schiene nur mit Therapeut.
Üben in der Schiene: - 10 - 15mal pro Stunde aktives maximales Strecken von PIP und DIP
- langsames Nachlassen, so daß die Gummizügel die Finger in Beugung ziehen können.
Üben außerhalb der Schiene ( nur mit Therapeut):
- aktive Streckung von PIP und DIP, unter Beibehaltung der Entlastungsstellung im Handgelenk und den
Grundgelenken
- die Beugung der Finger erfolgt passiv durch den Therapeuten
Konzept 3:
Bei der kontrollierten aktiven Beugung und Streckung soll der Patient den Finger aktiv ohne Widerstand bewegen, was aufgrund einer
bestimmten Nahttechnik möglich ist. Diese Behandlung ist nur kooperativen Patienten mit Verletzungen im körperfernen Anteil des
Beugesehnenkanals vorbehalten.
Der Patient übt in der Schiene selbständig , aber außerhalb der Schiene nur mit Therapeut .
Innerhalb der Schiene:- die Behandlung erfolgt wie bei Konzept 2 beschrieben, mit dem Unterschied, daß die Finger aktiv ohne
Widerstand gebeugt werden dürfen.
Außerhalb der Schiene (mit Therapeut):- die Behandlung erfolgt wie bei Konzept 1 + 2 beschrieben, mit dem Unterschied
daß die Finger aktiv gebeugt werden dürfen
Die nicht betroffenen Finger dürfen aktiv gebeugt werden
 ja
 nein
Zeitlicher Ablauf
Tag 2 postoperativ:
Anfertigen der Schiene:
 Handgelenk (HG) in 3O° Beugung (bei Schnittverletzungen im Bereich des HG weniger)
 Grundgelenke in 6O° Beugung (bei Schnittverletzungen im Bereich des HG mehr)
 Summe der Beugung Hand- und Grundgelenke 9O°
 Die volle Streckung in Mittel- und Endgelenken muß in der Schiene möglich sein
 Der Patient bleibt 3 Tage post-op. oder bis zur vollen Streckbarkeit der Mittelgelenke
Bei der Schienenkontrolle zu beachten:

Korrekter Sitz in der Schiene, d. h. Hand- und Grundgelenke müssen in dem durch die Schiene vorgegebenen Winkel anliegen.
Der gut geschlossene Hohlhandbügel sorgt für den richtigen Halt
 Die Schiene sollte einmal täglich mit lauwarmen Wasser und Seife gründlich gereinigt werden
 Bei auftretenden Druckstellen und Schienendefekten bitte mit der Ergotherapie, Tel.09771/6511.. Kontakt
aufnehmen
 Nach 14 Tagen wird die Schiene in der Klinik für Handchirurgie Bad Neustadt kontrolliert und eventuell
neu angepasst.
Der Patient kommt in 14-tägigem Abstand (bis zur 10./12. Woche postop.) zur Kontrolluntersuchung in die ambulante Sprechstunde,
Krankengymnastik und Ergotherapie.
Tag 3-7:
Fortsetzen der Übungsbehandlung wie oben beschrieben.
Ziel: freie aktive und passive Streckung im Mittel- und Endgelenk
Tag 7 - 21 (2.+3. Woche):
Die Behandlung wird wie bereits begonnen fortgesetzt.
ACHTUNG:
Es besteht jetzt erhöhte Rupturgefahr!
Tag 21 - 28 (4. Woche):
In der krankengymnastischen Behandlung kann das HG jetzt schrittweise in Richtung Neutralstellung
gebracht werden, die Grundgelenke bleiben hierbei jedoch weiterhin passiv gebeugt.
Ziel: aktive Streckung von Mittel- und Endgelenk, auch bei Neutralstellung im HG.
Der Arzt entscheidet bei der Kontrolluntersuchung Ende der 4.Woche , ob die Schiene aufgerichtet oder entfernt wird und prüft , ob
die Sehnen ziehen. Ebenso legt er fest , ob der Patient mit der aktiven Beugung beginnen darf.
Tag 28 - 42 ( 5.und 6. Woche):
Konzept 2:
Fingergrundgelenke und Handgelenk dürfen zunehmend bis Neutralstellung gestreckt werden. Die
Mittelgelenksstreckung muß weiterhin kontrolliert und gegebenenfalls durch passive Mobilisation in Beugung
der Nachbargelenke erarbeitet werden.
Beginn mit vorsichtiger aktiver Beugung der betroffenen Finger ( Entscheidung des Arztes ).
Ziel: aktive Streckung aller Gelenke. Beginnende aktive Beugung.
ACHTUNG: Wenn der Patient am Tag 28 freie Beweglichkeit hat, sollte die Schiene nicht entfernt werden.
Die Schienenanordnung wird dann bis Tag 42 belassen
Tag 42-56 (7.-8.Woche):
Die Schiene und Gummizügel werden entfernt. Die aktive Beugung ohne Widerstand wird intensiv geübt. Die
oberflächlichen und tiefen Beugesehnen können getrennt trainiert werden.
Die Schiene wird evtl.noch für 2 Wochen nachts getragen ( ohne Gummizügel ).
Ziel: aktive freie Beugung, bei Erhalt des vollen passiven Bewegungsausmaßes der Gelenke.
Ab Tag 49 : ( Beginn 8. Woche)
Üben gegen leichten! Führungswiderstand erlaubt , leichter Einsatz der Hand möglich
Langsam steigernde Benutzung der Hand im täglichen Gebrauch, wie z.B. Kleidung anziehen ( aber noch keine schweren
Druckknöpfe! ) Besteck halten (aber noch kein zähes Fleisch schneiden! ), Glas anheben ( aber noch keinen Maßkrug! ) etc..
Ab Tag 58 : (Beginn 9. Woche )
Langsam zunehmende Belastung. Die volle Belastbarkeit der Sehnen gegen Widerstand ist ca. Ende der
12. postoperativen Woche erreicht.
Ziel: Voller Einsatz der Hand im täglichen Leben und der Arbeit.
Der Arzt entscheidet bei der Kontrolluntersuchung in der 10. Woche postop., ob ein stationärer Aufenthalt erforderlich oder eine
Wiederaufnahme der Arbeit nach 12 Wochen möglich ist.
Sollten Fragen zur Nachbehandlung bestehen, sind unsere Handtherapeuten Mo - Fr von 9.00 bis 16.00 erreichbar.
Stand September 2000
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