І Змістовий модуль - Херсонський державний унiверситет

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Міністерство освіти і науки України
Херсонський державний університет
Інститут іноземної філології
Кафедра німецької мови
С. М. Солдатова
Стилістика сучасної німецької мови.
Навчальний посібник для студентів денної, заочної та екстернатної форми
навчання
Затверджено
Вченою радою ХДУ
Протокол № 9 від 31.05.2010
Херсон 2010
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Стилістика сучасної німецької мови. Навчальний посібник для студентів
денної, заочної та екстернатної форми навчання
Укладач: Солдатова С. М. – кандидат філологічних наук, доцент,
професор кафедри німецької мови
Рецензенти: Демецька В. В. – доктор філологічних наук, професор
Ткаченко Л. Л. – кандидат філологічних наук, доцент
Обговорено на засіданні кафедри німецької мови
Протокол № 9 від 12.05.2010 р.
Розглянуто на засідання науково-методичної ради Інституту
іноземної філології
Протокол № 6 від 17.05.2010 р.
Схвалено науково-методичною радою ХДУ
Протокол № 4 від 12.05.2010 р.
Рекомендовано до друку Вченою радою ХДУ
Протокол № 9 від 31.05.2010 р.
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Передмова
Навчальний посібник зі стилістики сучасної німецької мови призначений
для студентів денної, заочної та екстернатної форм навчання вищих навчальних
закладів для спеціальності «Німецька мова та література».
Посібник охоплює фундаментальні поняття з курсу стилістики, містить
основну тематику лекцій зі скороченим викладом змісту та плани практичних
занять з рекомендованою літературою до них.
Мета
посібника
–
допомогти
студенту
розвинути
стилістичну
компетенцію, а практичні завдання сприятимуть глибшому засвоєнню
теоретичного матеріалу.
Посібник укладено згідно з вимогами програми зі стилістики німецької
мови та інтерпретації тексту.
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INHALT
Thema: Die wichtigsten Aspekte der deutschen Stilistik. Der deutsche
Wortbestand ………………………………………………………………5
Vorlesung № 1 Thema: Stilistik als Sprachwissenschaft……………………………5
Seminar № 1 Thema: Grundbegriffe der Stilistik…………………………………...7
Vorlesung № 2 Thema: Die Stilfärbung und ihre Abarten………………………...13
Seminar № 2 Thema: Die Stilfärbung……………………………………………..15
Vorlesung № 3 – 4 Thema: Der Wortbestand der deutschen Sprache aus stilistischer
Sicht………………………………………………………………………………….21
Seminar № 3 – 4 Thema: Die stilistische Charakteristik des Wortschatzes……….22
Thema: Die Mittel der Bildhaftigkeit im Deutschen. Die Grammatik in
stilistischer Betrachtung. Das Problem des Stils………………………..47
Vorlesung № 5 Thema: Mittel der Bildkraft……………………………………….47
Seminar № 5 Thema: Vergleich und seine stilistische Leistung…………………..50
Vorlesung № 6-8 Thema: Tropen und ihre Charakteristik…………………………77
Seminar № 6 Thema: Die Tropen …………………………………………………79
Vorlesung № 9-10 Thema: Die Abarten der Metaphern…………………………...89
Vorlesung № 11-12 Thema: Syntax aus stilistischer Sicht………………………...92
Seminar № 7 Thema: Expressive Syntax ……………………………………….....99
Vorlesung № 13 Thema: Satzarten nach der Zieleinstellung des Sprechenden…..108
Seminar № 8 Thema: Die Satzarten aus stilistischer Sicht ………………………111
Vorlesung № 14 Thema: Stilistische Syntax als Mittel der Ausdruckskraft……..116
Vorlesung № 15 Thema: Die funktionalen Stile der deutschen Sprache…………130
Seminar № 9 Thema: Zum Problem des Funktionalstils im Deutschen………….140
Literatur……………………………………………………………………...........141
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Thema: Die wichtigsten Aspekte der deutschen Stilistik. Der deutsche
Wortbestand
Лекційні модулі:
1.
Загальні аспекти стилістики.
2.
Стилістична забарвленість та її види.
3.
Стилістична характеристика словникового фонду мови.
Vorlesung № 1
Thema Stilistik als Sprachwissenschaft.
Stilistik (Stillehre) ist die Wissenschaft von der Verwendungsweise und
Ausdrucksgestaltung der Sprache in sämtlichen Kommunikationssituationen in
unterschiedlichen Kommunikationsakten.
Die
Stilistik
befasst
sich
in
erster
Linie
mit
den
funktionalen
Verwendungsweisen der Sprache, d.h. mit der komplexen Ausdrucksgestaltung, die
aus der gesellschaftlichen Spezifik der einzelnen größeren und kleineren
Kommunikationsbereiche erwächst.
Ausgangspunkt der Funktionalstilistik ist nicht Individualstil, sonder der sog.
Funktionalstil und seine Substile, die funktionale Gattungs- oder Genrestile im
System wie in den entsprechenden schriftlichen und mündlichen Texten
(Textsorten).
Stilistik
ist
die
Lehre
von
den
Beziehungen
zwischen
Mitteilungsabsicht des Senders und deren Wirkung auf den Empfänger.
Die Stilistik (Linguostilistik) obliegt es, die Verwendungsweisen der Sprache in
sämtlichen funktionalen Ausdruckssystemen unter dem paradigmatischen Aspekt zu
ergründen sowie unter dem syntagmatischen Aspekt in allen möglichen schriftlichen
und mündlichen Textsorten.
An
die
Grundsatzfragen
der
Stilistik
makrostilistischer Sicht herangehen werden.
kann
man
aus
mikro-
und
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Die Mikrostilistik befasst sich vornehmlich mit der stilistischen Charakteristik
sprachlicher Grundeinheiten und unterschiedlicher stilistischen Mittel (Stilistka)
sowie mit ihren Verwendungsmöglichkeiten im Kleinkontext oder erweiterten
Kontext (übersatzmässige Formen, Absätze, Absatzfolge).
Aufgabe der Mikrostilistik ist die stilistische Leistung der sprachlichen
Einheiten aller Ebenen zu erkennen und zu systematisieren.
Zur funktionalen Mikrostilistik rechnen wir die stilistische Lexikologie und
Phraseologie, stilistische Morphologie und Syntax, stilistische Wortbildung,
Phonostilistik.
Die Aufgabe der Makrostilistik ist die Erforschung des Stils als
Komplexerscheinung und Organisationsprinzip von Ganzheitsstrukturen.
Ihr Forschungsmaterial bilden grundsätzlich abgeschlossene sprachliche
Großeinheiten, wobei aber die Wechselbeziehung zwischen dem Ganzen und Teilen
stets beachtet werden muss.
Zu Makrostilistik zählen wir:
1). Die Funktionalstilistik als Beschreibung der einzelnen Stil- und
Substilsysteme;
2). Die funktionale Textstilistik , d.h. die Interpretation inhaltlich und formal
abgeschlossener Texte aus sämtlichen Sphären der Kommunikation unter dem
syntagmatischen Aspekt.
Stil ist ein historisch veränderliches, durch gesellschaftliche Determinanten
bedingtes Verwendungssystem der Sprache, objektiv verwirklicht durch eine
qualitativ und quantitativ geregelte Gesamtheit sprachlicher Mittel – mit anderen
Worten
–
realisiert
aufgrund
kodifizierter
Normen
für
die
einzelnen
Kommunikationsbereiche.
Unter
Sprachstil
ist
die
Gesamtheit
der
lexischen,
grammatischen,
phonetischen Ausdrucksmittel und Stilistika zu verstehen, die aus dem Arsenal der
Sprache
für
einen
bestimmten
funktionalen
Bereich
zu
bestimmen
Mitteilungszwecken ausgewählt, in ein System geordnet und kodifiziert werden.
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Beim funktionalen Redestil geht es um die dynamisch-syntagmatische
Ausformung der paradigmatischen Sprachstilgesetzmäßigkeiten in konkreten Texten,
und um Organisationsprinzipien monologischer und dialogischer Ganzheits- und
Teilstrukturen, künstlerischer und nichtkünstlerischer Kompositionsformen.
Seminar № 1
Thema: Grundbegriffe der Stilistik.
1. Stilistik als Lehrfach. Aufgabe der Stilistik.
2. Die wichtigsten Begriffe der Stilistik.
3. Das Problem der Stilklassifikation.
Literatur:
1. E. Riesel, E. Schendels Deutsche Stilistik. Moskau, 1980.
2. W. Fleischer Stilistik der deutschen Gegenwartssprache. München, 1993.
Praktische Aufgaben zum Seminar № 1
1. Sprachliche Kommunikation / Stilistik
In den folgenden Gruppen von Texten werden jeweils gleiche oder
ähnliche Sachverhalte sprachlich unterschiedlich dargestellt. Weisen Sie
Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Aufbau und in der sprachlichen
Gestaltung der vergleichbaren Texte nach, und erläutern Sie im Zusammenhang
damit sprachliche Erscheinungen, die Gegenstand der Stilistik sind:
(199)
a) Hier ist Rauchen verboten.
b) Hier ist glücklicherweise die schreckliche Raucherei verboten.
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c)
Hier hat wieder einmal jemand etwas dagegen, daß man sich ein Stäbchen
ansteckt.
d) Ich mache Sie höflichst darauf aufmerksam, daß hier nicht geraucht werden darf.
e) Lassen Sie gefälligst das Rauchen sein! (S.225)
(Fleischer, Zur funktionalstilistischen Differenzierung der deutschen Schriftsprache.
In: Sprachpflege 1969.)
(200)
a) Es wird uns nichts geschenkt, alles muß durch Arbeit geschaffen
werden.
b) Der Mensch muß arbeiten, um überhaupt existieren zu können.
c) Jeder Mensch muß fleißige Arbeit in seinem Leben verrichten, um ihm einen Sinn
zu geben.
d) Nur durch Fleiß, Arbeit und Ausdauer kann man sein eigenes und das Leben aller
Menschen verbessern und verschönen.
(Aus Schüleraufsätzen einer zehnten Klasse.)
(201)
a) Ich verstehe unter Freundschaft das nützliche und wertvolle
Zusammenwirken zweier Menschen in einer guten und festen Gemeinschaft. Eine
echte Freundschaft beruht auf Vertrauen, gegenseitiger Rücksichtnahme, auf
Achtung, Verständnis und Aufrichtigkeit. Beide Partner sollten das gleiche Ziel
anstreben und gemeinsame Interessen verfolgen.
b) Eine Freundschaft ist ein Verhältnis zwischen zwei oder mehr Menschen gleichen
oder unterschiedlichen Geschlechts. Im Unterschied zur Kameradschaft bringt man
gegenseitig Achtung und Vertrauen auf. Man muß den Partner verstehen können und
versuchen, ihm in seinen Angelegenheiten zu helfen.
c) Die Freundschaft zwischen zwei Menschen hat sich oft bewähren müssen. Wenn
sie auf gegenseitigem Vertrauen und Verständnis ruht, dann geht eine Freundschaft
auch in kritischen Situationen nicht auseinander. Verständnis und Vertrauen
zueinander stärken die Freundschaft und entwickeln auch den Charakter.
d)
Kameradschaft sollte man jedem in der Klasse entgegenbringen, dagegen
Freundschaft nur einem kleineren Kreis von Mitschülern. Als Voraussetzung für eine
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Freundschaft
sehe
ich
besondere
Sympathie
an
und
ein
besonderes
Vertrauensverhältnis.
e)
Freundschaft ist etwas anderes als Kameradschaft und Hilfsbereitschaft.
Kameradschaft heißt, daß alle sich in der Gruppe befindenden Mitglieder ein
bestimmtes Ziel haben und dieses gemeinsam anstreben. Die Freundschaft bedeutet
schon eine etwas engere Zuneigung, als sie bei der Kameradschaft vorhanden ist. In
der Schule gibt es gute und auch schwache Schüler; wenn die leistungsschwachen
Schüler von den besseren unterstützt werden, so nennt man das Hilfsbereitschaft.
(Aus Schüleraufsätzen einer neunten Klasse.)
2. Vergleichen Sie die folgenden zwei Fassungen eines Ausschnitts aus dem
Roman „Ole Bienkopp" von Erwin Strittmatter! Versuchen Sie festzustellen,
nach welchen Prinzipien der Autor die erste Fassung überarbeitet hat!
(202) Ole war ein Träumer. Keiner von jenen, die an den Ecken des Lebens sitzen
und warten. Er wollte seine Träume mit Taten in das Leben zwingen. Das ging
unterschiedlich aus. Die Welt, in die er hineingeboren wurde, hatte keinen Sinn für
die Träume kleiner Leute.
Als ihn seine Beine schon trugen, knüpfte sich der kastanienköpfige Junge eine
Schaukel aus Ziegenstricken. Er hängte sie an einen Kiefernast. Im tollsten Schwьnge
breitete er die Arme aus und suchte sich über die Baumkronen zu erheben. Er landete
mit blutendem Gesicht im Heidesand. Großes Geschrei um den zerschellten Traum.
Die Mutter: „Was ist?" „Ich bin beim Fliegen ausgerutscht." „Dummling, kein
Mensch kann fliegen!"
Ole breitete seine Arme aus. „Siehst du denn meine Schwingen nicht?" Die
Mutter sah die Schwingen nicht.
Die Schule war Ole ein dumpfer Lernkeller. Er zeichnete sich durch zu dünnes
Sitzfleisch aus. Die Schnurrbartenden des Lehrers hingen herunter wie die
Flügelfedern einer eingeregneten Henne. „Wo warst du gestern?" „Ich wartete am
Waldrand auf euch."
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„Soll die Schule zwischen Blaubeeren und Gestängel stattfinden?" „Ich
wünschte mir's so."
Der Lehrer gerbte Öles Sitzfleisch. Er tat es nicht mit der sonst üblichen
Eichenlohe, sondern mit Haselrinde, hinter der noch Holz saß. Verzeiht ihm die Unkenntnis! Es war ein ausgedienter preußischer Feldwebel.
Öles Heimatdorf Blumenau gehörte zwei Herren. In den Wolken über den
Wipfeln herrschte der Himmelsherr. In den Wäldern und auf den Feldern herrschte
Baron von Wedelstedt. Im Bereiche des Barons gehörten dem Himmelsherrn nur
zwei Häuser: Die Kirche und das Pfarrhaus. Er bewohnte sie mäßig. Dem Baron gehörten im Bereiche des Himmelsherrn ein ständiges Anrecht auf gute Witterung und
einige Waggonladungen Gottesfurcht, die er von dem Pfarrer in die Seelen seiner
Sassen streuen ließ. (S. 19f.)
(Erwin Strittmatter, Ole Bienkopp. In: Neue Deutsche Literatur, H. 8/1962.)
(203)
Ole war ein Träumer, aber keiner von jenen, die an den Ecken des Lebens
sitzen und auf Wunder warten. Er versuchte, seine Träume mit Taten in das Leben zu
zwingen. Das ging unterschiedlich aus.
Als ihn seine Beine schon trugen, knüpfte sich der kastanienköpfige Junge eine
Schaukel aus Ziegen stricken und hängte sie an einen Kiefernast. Im tollsten
Schwünge breitete er die Arme aus und suchte sich über die Baumkronen zu erheben.
Er landete mit blutendem Gesicht im Heidesand. Großes Geschrei um den
zerschellten Traum. Die Mutter: „Was ist?" „Ich bin beim Fliegen ausgerutscht."
„Dummling, kein Mensch kann fliegen!"
Ole breitete seine Arme aus. „Siehst du denn meine Schwingen nicht?" Die
Mutter sah die Schwingen nicht.
Die Schule war dem jungen Ole ein dumpfer Lernkeller. „Zu dünnes
Sitzfleisch!" sagte der Lehrer, und seine Schnurrbartenden hingen herunter wie die
Flügelfedern eines eingeregneten Hofhahns. „Wo warst du gestern?" „Ich wartete am
Waldrand auf euch."
„Soll
die
Schule
deinetwegen
stattfinden?" „Ja, Herr Küster."
zwischen
Blaubeeren
und
Gestängel
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Der Lehrer gerbte Öles Sitzfleisch. Er tat es nicht mit der beim Gerben üblichen
Eichenlohe, sondern mit Haselrinde, hinter der noch Holz saß. Verzeiht ihm die
Unkenntnis; er war ein ausgedienter preußischer Feldwebel. Öles Heimatdorf
Blumenau war damals der Besitz von zwei Herren. Über den Wipfeln der Wälder
herrschte der Himmelsherr. In den Wäldern und auf den Feldern herrschte Baron von
Wedelstedt. (S.31f.)
(Erwin Strittmatter, Ole Bienkopp.)
3. Vergleichen Sie die drei Fassungen des „Hansel und Gretel''-Märchens!
Welche Schlußfolgerungen über die Entwicklung des Stils der Grimmschen
Kinder- und Hausmärchen lassen sich aus dem Vergleich ziehen ?
(204)
Das Brüderchen und das Schwesterchen
Es war einmal ein armer Holzhacker, der wohnte vor einem großen Wald. Es
ging ihm gar jämmerlich, daß er kaum seine Frau und seine zwei Kinder ernähren
konnte. Einstmals hatte er auch kein Brot mehr und war in großer Angst; da sprach
seine Frau abends im Bett zu ihm: „Nimm die beiden Kinder morgen früh und führe
sie in den großen Wald, gib ihnen das noch übrige Brot und mach ihnen ein großes
Feuer an und darnach geh weg und laß sie allein." Der Mann wollte lang nicht, aber
die Frau ließ ihm keine Ruh, bis er endlich einwilligte. Aber die Kinder hatten alles
gehört, was die Mutter gesagt hatte. Das Schwesterchen fing an gar sehr zu weinen;
das Brüderchen sagte ihm, es solle still sein, und tröstete es. Dann stand er leise auf
und ging hinaus vor die Türe; da wars Mondenschein, und die weißen Kieselsteine
glänzten vor dem Haus. Der Knabe las sie sorgfältig auf und füllte sein Rocktäschlein
damit, soviel er nur hineinbringen konnte. Darauf ging er wieder zu seinem
Schwesterchen ins Bett und schlief ein. (Gekürzt)
(Grimms Kinder- und Hausmärchen. Oelenberger Manuskript.)
(205)
Hansel und Gretel
Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker, der hatte nichts zu
beißen und zu brechen und kaum das tägliche Brot für seine Frau und seine zwei
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Kinder, Hansel und Gretel. Einmal konnte er auch das nicht mehr schaffen und wußte
sich nicht zu helfen in seiner Not. Wie er abends vor Sorge sich im Bett herumwälzte,
da sagte seine Frau zu ihm: „Höre Mann, morgen früh nimm die beiden Kinder, gib
jedem noch ein Stückchen Brot, dann führ sie hinaus in den Wald, mitten inne, wo er
am dicksten ist, da mach ihnen ein Feuer an und dann geh weg und laß sie dort, wir
können sie nicht länger ernähren." „Nein, Frau", sagte der Mann, „das kann ich nicht
über mein Herz bringen, meine eigenen lieben Kinder zu den wilden Tieren zu
führen; die sie bald in dem Wald zerreißen würden." „Wenn du das nicht tust", sprach
die Frau, „so müssen wir alle miteinander Hungers sterben"; da ließ sie ihm keine
Ruhe, bis er ja sagte. Die zwei Kinder waren auch noch wach vor Hunger und hatten
alles gehört, was die Mutter zum Vater gesagt hatte. Gretel dachte, nun ist es um
mich geschehen, und fing erbärmlich an zu weinen. Hansel aber sprach: „Sei still,
Gretel, und gräm dich nicht, ich will uns helfen." Damit stand er auf, zog sein
Röcklein an, machte die Untertüre auf und schlich hinaus. Da schien der Mond hell,
und die weißen Kieselsteine glänzten wie lauter Batzen. Hansel bückte sich und
machte sich sein ganz Rocktäschlein voll davon, soviel nur hineinwollten, dann ging
er zurück ins Haus: „Tröste dich, Gretel, und schlaf nur ruhig", legte sich wieder ins
Bett und schlief ein.
(Grimms Kinder- und Hausmärchen. Erste Druckfassung.)
(206)
Hansel und Gretel
Vor einem großen Walde wohnte ein armer Holzhacker mit seiner Frau und
seinen zwei Kindern; das Bübchen hieß Hansel und das Mädchen Gretel. Er hatte
wenig zu beißen und zu brechen, und einmal, als große Teuerung ins Land kam,
konnte er auch das tägliche Brot nicht mehr schaffen. Wie er sich nun abends im
Bette Gedanken machte und sich vor Sorgen herumwälzte, seufzte er und sprach zu
seiner Frau: „Was soll aus uns werden? Wie können wir unsere armen Kinder
ernähren, da wir für uns selbst nichts mehr haben?" „Weiß du was, Mann", antwortete
die Frau, „wir wollen morgen in aller Frühe die Kinder hinaus in den Wald führen,
wo er am dicksten ist. Da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein
Stückchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie finden den
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Weg nicht wieder nach Haus, und wir sind sie los." „Nein, Frau", sagte der Mann,
„das tue ich nicht; wie sollt ich's übers Herz bringen, meine Kinder im Walde allein
zu lassen, die wilden Tiere würden bald kommen und sie zerreißen." „O du Narr",
sagte sie, „dann müssen wir alle viere Hungers sterben, du kannst nur die Bretter für
die Sörge hobeln", und ließ ihm keine Ruhe, bis er einwilligte. „Aber die armen
Kinder dauern mich doch", sagte der Mann. Die zwei Kinder hatten vor Hunger nicht
einschlafen können und hatten gehört, was die Stiefmutter zum Vater gesagt hatte.
Gretel weinte bittere Tränen und sprach zu Hansel: „Nun ist's um uns geschehen."
„Still, Gretel", sprach Hansel, „gräm dich nicht, ich will uns schon helfen." Und als
die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein Röcklein an, machte die
Untertüre auf und schlich sich hinaus. Da schien der Mond ganz helle, und die
weißen Kieselsteine, die vor dem Hause lagen, glänzten wie lauter Batzen. Hansel
bückte sich und steckte so viel in sein Rocktäschlein, als nur hinein wollten. Dann
ging er wieder zurück, sprach zu Gretel: „Sei getrost, liebes Schwesterchen, und
schlaf nur ruhig ein, Gott wird uns nicht verlassen", und legte sich wieder in sein
Bett. (Gekürzt)
(Grimms Kinder- und Haasmärchen. Ausgabe letzter Hand.)
Vorlesung № 2
Thema: Die Stilfärbung und ihre Abarten.
Stilzüge.
Mit
diesem
Terminus
bezeichnen
wir
innere
qualitative
Wesensmerkmale eines Funktionalsstils (Substils oder einer beliebigen Textsorte, die
zwangsläufig aus der gesellschaftlichen Spezifik eines konkreten Schreib- und
Sprechaktes entspringen und ebenso ein bestimmtes Mikrosystem von sprachlichen
Mitteln aller Ebenen zu ihrer Aktualisierung nach sich ziehen). Stilzüge bezeichnete
W. Winogradow als stilbildende und gleichzeitig stilnormende Ordnungsprinzipien in
bestimmten Textsorten bestimmter Kommunikationssphären.
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Unter Individualstil verstehen wir die individuelle Verwendung allgemeiner
und besonderer Gesetzmäßigkeiten in einem beliebigen Kommunikationsbereich. Je
nach der Spezifik des betreffenden Funktionalstils wird dabei der Eigenheit des
Sprechers / Schreibers mehr oder weniger Bewegungsfreiheit gelassen.
Die absolute stilistische Bedeutung (Synonym: Stilfärbung, Markierung,
Kolorierung) ist eine dem Sprachsystem innewohnende linguistische Erscheinung,
die die qualitative und quantitative Verwendung der sprachlichen Einheit im Kontext
vorausbedingt. Man unterscheidet drei Komponente der Stilfärbung:
A). die funktionale Komponente der Stilfärbung gibt die kommunikative
Sphäre an, in der eine bestimmte sprachliche Gegebenheit „beheimatet“ ist. Die
funktionale Stilfärbung bricht in einzelnen Sprachelementen durch: in bestimmten
Wörtern, Wendungen, Konstruktionen und Intonationsvarianten.
B). die normative Komponente der Stilfärbung lässt sich als eine Skala von
Ausdrucksschattierungen veranschaulichen, deren Nullpunkt die normalsprachliche
(einfachliterarische) Basis bildet, die Grundnorm für sämtliche funktionalen Stile der
schriftlichen und mündlichen Rede.
C).
die
expressive
Komponente
der
Stilfärbung
kann
unter
dem
paradigmatischen Aspekt nur als Opposition expressiv / nicht expressiv verstanden
werden.
Die stilistische Bedeutung einer sprachlichen Einheit in zusammenhängender
Rede besteht aus zwei heterogenen Faktoren:
A). aus der Stilfärbung des Wortes, der Wortfügung, des Affixes, der
morphologischen Form oder der syntaktischen Konstruktion im Kontext – daher:
Kontextstilfärbung;
B).
aus
stilistischen
Konnotationen,
die
teils
unmittelbar
aus
der
Kontextstilfärbung, teils aber aus der gesamten Information erwachsen.
Unter den stilistischen Konnotationen als zweitem Bestandteil der stilistischen
Bedeutung in zusammenhängender Rede versteht man die Gesamtheit von Gedanken,
Gefühlen, Stimmungen, Vorstellungen, die der Sender durch die sprachstilistische
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Gestaltung des ganzen Kontextes dem Empfänger verständlich macht oder machen
will – dies allerdings nicht explizit sondern implizit.
In der Fachliteratur bezeichnet man stilistische Konnotationen als Nebensinn,
Oberton, Unterton, Untertext.
Als Stilnormen im weiteren Sinn gelten die obligatorischen Gesetzmäßigkeiten
für die Auswahl und Organisation der stilistisch neutralen wie der stilistisch
markierten Sprachnormen in geschlossenen Ausdruckssystemen und Textsorten
sämtlicher kommunikativen Bereiche. Es handelt sich einerseits um die
Sprachstilnormen als systemhaft (paradigmatisch) kodifizierte Gesamtheit der
lexischen, grammatischen und phonetischen Ausdrucksmittel, die für dieses oder
jenes funktionale Stilsystem verbindlich sind. Anderseits sind die Redestilnormen
gemeint, die die komplexe Verwendung der Sprachstilnormen im Textganzen und
deren Teilstrukturen betreffen. Sie erschließen unter dem syntagmatischen Aspekt die
gesellschaftlichen Anwendungsnormen, gültig für die schriftliche und mündliche
Rede
monologischen
wie
dialogischen
Charakters,
für
unterschiedliche
Darstellungsarten (Bericht, Beschreibung, Erörterung, Kommentar u.a.), für
unterschiedliche funktionale Genres (Stil der Fabel; der Ballade; Stil der Privat- und
Amtsbriefe).
Seminar № 2
Thema: Die Stilfärbung.
1. Der Individualstil.
2. Die Arten der Stilfärbung.
3. Sprach- und Stilnormen.
Literatur:
1. E. Riesel, E. Schendels Deutsche Stilistik. Moskau, 1980.
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Praktische Aufgaben zum Seminar № 2
1. a) Suchen Sie in den Texten expressiv gefärbte Wörter und Wendungen;
bestimmen Sie deren literarische Qualität b) Ersetzen Sie die gefundenen
Wörter und Wendungen durch neutrale Äquivalente. Wie ändert sich dann die
emotionale Wirkung der Aussage?
1. 66 Angehörige der Volksmarine bergen in der großen LPG „Freundschaft" die
Kartoffeln. „Die Knollen von 33 Hektar kommen bereits auf unser Konto?, erzählt
Obermaat Karl-Heinz Borgwaldt.
„Auch der Regen kann uns nicht aufhalten. In den vergangenen Tagen — es
goß oft in Strömen – lagen wir wie Füchse auf der Lauer und nutzten jede Stunde
zwischen den Schauern zum Sammeln der Kartoffeln."
Was wir nach Feierabend machen? „Da geht's ins Kulturhaus", sagt Klaus
Jende. „Es wird Schach gespielt, ein Brief an Muttern geschrieben und auch eine
kühle Blonde gezischt." („Neues Deutschland")
2. Der Unteroffizier Verdy fuhr fort:
Das Gebäude der Abteilung hatte, als Gegenüber die katholische Kirche, und
sie machte uns wild durch ihr Gebimmel. Warum bimmelte sie? Weil so viele
Zivilisten die Gelegenheit benutzten zu sterben, Todes zu verbleichen, das Zeitliche
zu segnen, die himmlischen Heerscharen, zu vermehren und das irdische. Jammertal
mit den ewigen Jagdgründen zu vertauschen.
...Diese Bevölkerung aß, als gäbe es keine Verordnung von Ober-Ost, das
grüne Obst von den Bäumen... Unreife Äpfel, die sausen vielleicht durch die Därme...
Natürlich kriegte sie Ruhr und füllte die Sterberegister. (A. Zweig)
3.
„Weißt du was, Junge, morgen machst du einfach blau. Ist schließlich dein
Geburtstag.« (W. Bredel)
4. Wir haben Blut geschmeckt —
Und vor euch ausgespuckt.
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Denn eure Fratze;
Ist nicht Amerikas Gesicht!
Amerika hat prima Jungs.
Gewiß!
Die stehen mit uns
Ganz dicht! (M. Streubel)
5. „Los, gib her den Wisch", sagte ich. — „Welchen Wisch?" — „Na den, wo
ich unterschreiben soll, wegen Verpflichtung und so." (K. H.Jakobs)
2. Vergleichen Sie die folgenden; Beispiele. Wie ändert sich die Stilfärbung der
fettgedruckten Wörter und Wendungen in verschiedenen Kontexten?
1. a) Die Katze hielt eine Maus in den Krallen.
b) Amerikanische Imperialisten hielten vor der Revolution auf Kuba alle Reichtümer
des Landes in den Krallen.
2. a) Infolge des Brandes entstand ein großer Dachschaden.
b) Ein Gastwirt in der britischen Ortschaft Shepperton ließ sich für den Fall
versichern, daß der. sowjetische Erdsatellit beim Absturz sein Gast-haus beschädigen
sollte. Er sollte sich die Versicherungssumme schon jetzt auszahlen lassen: Wegen
Dachschaden.
3. a) Nachdem man gegessen oder vielmehr gespeist
hatte, ging man in einen erfreulich kleinen, zur Abwechslung in Silber-Orange
gehaltenen Salon... (H. A. Stoll) . .
b) Riesige Pumpaggregate speisen einen Frischluftkanal, der unterhalb der Fahrbahn
entlangläuft...
c) 50 Mann müssen noch gespeist werden.
4. д) Gib mir die Blumenschale!
b) Er goß über ihn die volle Schale seines Zornes aus.
5. д) Diese Apfelsine schält sich gut.
b) Ich habe mich aus den' Kleidern geschält.
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6. a) Ich habe mir eine Blase am Fuß gelaufen.
b) Das zieht bestimmt Blasen!
c) Es regnet Blasen auf den Pfützen.
d) Ihr seid mir ja eine schöne Blase!
7. a) Der Hund schnüffelte an der Ecke. b) Schnüffle nicht so!
8. a) Der Wind saust im Schornstein.
b) Die Schüssel sauste zu Boden.
c) Den Kinobesuch werde ich wohl sausen müssen.
9. a) Der Bär hauste in einer Höhle. b) Hier haust ihr also?
10. a) Die Steinzeitmenschen wohnten in Höhlen. b) Du begibst dich in die Höhle
des Löwen.
11. a) Die Wurzeln saugen die Feuchtigkeit aus dem
Boden. b) Ich habe mir diese Behauptung nicht aus dem Finger gesogen.
3. Bestimmen Sie die Stilfärbung der fettgedruckten Wörter. Welche Stilfärbung
können diese Wörter in einem anderen Kontext annehmen?
1. Die Säure hat ein Loch in den Stoff gefressen. 2. Das Pferd hat einen Eimervoll
Wasser gesoffen. 3. Sie nahm ihre Handtasche, schüttete den Inhalt auf die
Bettdecke, und wir angelten
den Rest des Geldes ... zwischen Zahnbürste,
Seifendose, Lippenstift und Medaillen heraus. (H. Böll). 4. Im Pferdestall lag eine
dicke Matte aus Sägespänen. Es duftete wie im Zirkus. Die Ziege Minna meckerte
dem neuen Stallgefährten ihr Willkommen zu. Pedro stand steif vor der Tür. (E. St
ritt matter) 5. Pedro beschnupperte die Erde und schnarchte. (E. Strittmatter)
4. Suchen Sie Wörter und Wendungen, die zu Stilschichten mit dem Vermerk:
„umgangssprachlich" „salopp-umgangssprachlich", „ derb" gehören.
b) Stellen Sie zu
diesen
lexischen
literarischen Qualität zusammen.
Einheiten
eine Opposition
nach der
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1. Troff richtete sich auf, nahm noch einmal einen Anlauf: „Ob ich persönlich den
Prozeß verliere oder gewinne — das ist mir total schnuppe! Aber total! Wenn nur
dabei die unsagbaren Schweinereien dieses Junkerpacks vor ganz Berlin, vor dem
ganzen Lande enthüllt werden!" (F. Erpenbeck) 2. Ein alter, vergilbter Herr, der
neben ihm [Troff] saß, kleiner Beamter wohl, sah ihn mißbilligend an: anstatt mit
ihm, dem Tischnachbar, wie es hier üblich war, ein wenig zu kannegießern, führte der
junge Dachs unverständliche Selbstgespräche. (F. Erpenbeck) 3. ...Pinneberg hat kein
Glück: der Student mit den Schmissen verlangt kurz und knapp einen blauen
Trenchcoat. Es schießt durch Pinnebergs Hirn: „Keiner am Lager. Der läßt sich nichts
aufschwatzen. Keßler wird grinsen, wenn ich 'ne Pleite schiebe..." (H. Fallada) 4. Sie
waren an diesem ersten Lehrtag — insgesamt vierzehn Sülle — unter Führung eines
Werkmeisters von Halle zu Halle gezogen und hatten sich mit der Werkanlage vertraut gemacht. (W. Bredel) 5. Die kleine Elfriede kam hinterhergetrippelt, rappelte
ihren Glückwunschgruß herunter und überreichte dem Bruder eine Tafel Schokolade.
„Oh, wie fein! Wo hast du die noch aufgetrieben? Die wollen wir man gleich
vermöbeln!" (W. Bredel) 6. ...Der Empfang der Mutter an der Tür: „Mein Gott, wo
stromerst du denn den lieben langen Sonntag herum?" „Fang du auch noch an, bin
gerade in der richtigen Stimmung." „Hu — uch, der Herr hat schon Stimmungen! So
was! Ist dir 'ne Laus über die Leber gelaufen?" (W. Bredel) 7. Herrgott, waren die
Alten sonderbar, was waren sie für Narren, sich das Leben selber so zu vermiesen
und zu erschweren. (W. Bredel) 8. „Red nicht solchen Unsinn.
Ludwig ist mein
Bruder." „Onkel Ludwig, ja… Aber die Dicke doch nicht, die dich früher so
gepiesackt hat.“ (W. Bredel)
5. Stellen Sie zu den folgenden lexischen Einheiten stilistische Oppositionen nach
der literarischen Qualität zusammen.
aufnehmen (photographieren); betrügen; stehlen; das Gesicht; ausgezeichnet;
durchhelfen; das Glück; der Hunger; die Kleidung; die Lüge; der Atlantische Ozean;
- 20
verraten; zurechtweisen; sterben; der Kopf; klug; dumm; weinen; der Adler; der
Frühling
6. Ersetzen Sie die folgenden analytischen Verbindungen durch ein Verb.
Vergleichen Sie die Stilfärbung der beiden Varianten.
zur Verlesung bringen; die Auszahlung vornehmen; etw. zur Anzeige bringen; eine
Behauptung aufstellen; eine Begründung abgeben; eine Bestätigung abgeben;
Feststellungen treffen; zur Vollendung bringen; zur Klarheit bringen; unter Beweis
stellen; in Angriff nehmen; in Augenschein nehmen; in Anwendung .bringen; in
Erwägung ziehen; in Zweifel stellen; zum Versand bringen; Vorkehrungen treffen;
etw. in Verwahrung halten; eine Vereinbarung treffen
- 21
Vorlesung № 3 – 4
Thema: Der Wortbestand der deutschen Sprache aus stilistischer Sicht
Stilistisch undifferenzierter Wortbestand – d.h. Wörter und Wendungen, die in
sämtlichen kommunikativen Bereichen und Situationen von allen deutschsprachigen
Gleicherweise verstanden und gebraucht werden.
Grundkriterium – Allgemeinverständlichkeit und Allgemeingebräuchlichkeit,
vollständige Neutralität, d.h. stilistisches Modell: n – n – n (in jeder beliebigen
funktionalen Sphäre verwendbar, normalsprachlich, Nullexpressivität).
Es handelt sich um den Grundstock des Wortschatzes, der die Basis jeglicher
Rede bildet, unabhängig von den gesellschaftlichen Determinanten, die die
Aussageweise einzelner Sprecher / Schreiber beeinflussen.
Der stilistisch undifferenzierte Wortbestand ist durch eine gewisse Buntheit
gekennzeichnet:
unterschiedliche
strukturelle
und
semantische
Typen,
unterschiedliche Wortarten, lexikologische und phraseologische Gruppen – sie alle
gehören dem Allgemeinwortschatz an
unter der Voraussetzung, dass sie dem
genannten Grundkriterium entsprechen.
Stilistisch differenzierter Wortbestand.
Grundkriterium: die sprachlichen Einheiten dieser Gruppe sind aus inner- und
außerlinguistischen
Gründen
nicht
allen
deutschsprachigen
gleicherweise
verständlich, werden nicht von allen gleicherweise gebraucht. Sie haben kein
einheitliches stilistisches Modell.
Hier lassen sich zwei Untergruppen voneinander absondern:
1). die stilistisch vollständig oder partiell kolorierte Lexik, d.h. Wörter und
Wendungen, deren absolute Stielfärbung im Sprachsystem schon den Gebrauchswert
in der Rede vorausbestimmt und dadurch gewisse Schranken der Verbreitung
errichtet;
- 22
2).
die
charakterologische
Lexik,
d.h.
Wörter
und
Wendungen
unterschiedlicher Stilfärbung, die nicht allen Sprachbenutzern gleicherweise bekannt
sind, da sie zeitliche, territoriale, berufliche, soziale und nationale Gegebenheiten
charakterisieren.
Die stilistische Leistung dieser Ausdrücke besteht in der Wiedergabe
unterschiedlicher Kolorite.
Unter Kolorit verstehen wir die für konkrete Ereignisse, Sachverhalte und
Situationen charakteristische Atmosphäre, die dank der sprachlichen Eigenart ihrer
Wiedergabe fühlbar wird.
Seminar № 3 - 4
Thema: Die stilistische Charakteristik des Wortschatzes.
1. Stilistisch undifferenzierter Wortbestand und seine Charakteristika.
2. Charakterologische Lexik:
Historismen und Archaismen.
Neologismen.
Termini, Berufslexik, Berufjargonismen.
Praktische Übungen:
1.
M. Brandes, L. Martina Praktikum für die Stilistik. Seite 19, Übungen 21
– 28; 30 – 31.
Praktische Aufgaben zum Seminar № 3-4
Stilistisch markierte Lexik
- 23
1. Die deutsche Sprache ist besonders reich heute an Angloamerikanismen. Man spricht heute über Denglisch. Beachten Sie bitte, die
angeführten Beispiele. Übersetzen Sie sie in die Muttersprache.
1. Auf unserem Non-Stop-Flug (ohne Zwischenlandung) erinnern wir uns
daran, wie wir uns auf diese Reise vorbereiten.
2. Vor der Abreise mussten sich die Schüler einiges von der OutdoorKleidung (Freizeitkleidung) kaufen. Sie gingen in den Internet-Shop (Kaufhaus).
Die meisten kauften sich Blüleans (blaue Hosen) oder Shorts (kurze Hosen), TShirts (pulloverartige Hemden) oder Sweatshirts (Sportpullover), Windbreakes
(Windjacken) und Basecaps (Sportkappen). Die Mädchen tragen gern Strech-Hosen
(dehnbare Hasen).
In der Abteilung Sportwear (Sportkleidung) kaufte sich jemand Kartingboots
(Feste Schuhe).
Um diese coolen (tollen) Klamotten einzupacken, brauchten alle Bags
(Sporttaschen).
Jetzt waren wir alle absolut in (modisch gekleidet).
3. Auch in Tübingen kauften wir oft im Shopping-Markt (Kaufhaus). Sofort
nach dem Unterricht konnten wir mal in die City (Altstadt) jumpen (gehen). Bei
Sale (Ausverkauf) kauften die Mädchen make-up (dekorative Kosmetik).
4. An einem Nachmittag fuhren wir mit Inter-Rail (Zug) nach Stuttgart. Am
Service Point (Informationsstand) fragten wir, wo der Ticket-Schalter (FahrkartenSchalter) ist. Wir mussten Bahn Cards (Fahrkarten) kaufen.
5. Mein Gastgeber wollte auch mitfahren, musste aber zuerst mit seiner Mutter
telefonieren und fragte nach dem Handy (Mobiltelefon) bei seinem Freund. Ich
wollte auch mal nach Moskau telefonieren, aber ich konnte auch von zu Hause
mailen (eine elektronische Post schicken) oder faxen (fernkopieren). Ich fragte auch,
was so ein City-bzw. German-Call (Deutschland-Anruf) kostet.
6. Im zug plauderten wir über Musik. Ich mag am liebsten Blues und Jazz.
Mein Freund – Punk und Techno. Und mein Gastgeber – Hard Rock (alles –
- 24
musikalische
Richtungen).
Er
organisiert
in
der
Schule
alle
Partys
(Tanzenveranstaltungen), ist DJ (Schallplattenvorführer) und spielt Keyboard
(elektronisches Tasteninstrument). Ich tanze auf Hiphop (Tanzmusik) tierisch gern.
7. In Stuttgart gingen wir in die Wilhelma. In diesem zoologischbotanischen
Garten konnten wir Wildlive (Leben von wilden Tieren) in Ruhe beobachten. Ich
machte ein Starportrait (wie ein Foto von einem berühmten Schauspieler) von einer
Giraffe und sah, wie die Mäusemutter ihre Babys (Kleinkinder) versorgt. Mein
Gastgeber hatte unter dem Wilhelma-Team (Mitarbeiter) einen Freund, der Manager
(Unternehmer) von Greenpeace (Umweltschutzorganisation) ist. Ab uns zu bekommt
er hier einen Ferienjob (Arbeit).
8. Bld waren wir müde und hungrig. „Ist`s Pizza-Time“ (es ist Zeit, Pizza zu
essen) sagte mein Gastgeber. „Bist du ein Fleischfan?“ (Magst du Fleisch?“ fragte
er mich.
Ich mag Fast Food (schnelles Essen) und esse Chips (beratene
Kartoffelscheiben) gern. Aber am liebsten esse ich Steaks (beratene Fleischscheiben)
mit Pommes frites (gebratene Kartoffeln) und mit Cocktailsosse (Mischung von
Soßen).
„Und ich sterbe für Hotdog (Brot mit Würstchen)“, sagte mein Freund. „Die
schnellen Snacks (kleiner Imbiss) an der Ecke sind das Beste. Fragten wir beim
Barkeeper (Mitarbeiter am Schanktisch), ob wir hier auch „Sprite“ (alkoholfreies
Getränk) bekommen“.
Aber in der Gaststätte entscheiden wir uns für Hot Wings (gebratene
Flügelstückchen).
9. Nun mussten wir entscheiden, was wir am Wochenende machen. „Vielleicht
in den Swimming-pool (Schwimmhalle) oder ins Kino? Jetzt läuft ein cooler
(moderner) Film „Zwei Girls (Mädchen) in Love (Liebe)“.
„Outdoor (draußen) können wir auch Streetball (eine Art Ballspiel; Street =
Strasse) spielen, skaten (auf dem Rollerbrett fahren) oder Mountainbike (Fahrrad
zum Fahren im Gebirge) fahren.“
- 25
„Aber wenn es regnet?“ – „Dann spielen wir Kicker (eine Art Tischfussball)
oder gehen ins Heighspeed (Hochgeschwindigkeit) – Internet-Cafe. Es gibt da einen
Chat-Raum (chat = Unterhaltung). Man kann da auch Kindersoftware sowie
Lernsoftware (Spiel- oder Lernmaterialien auf Kompaktschallplatten) leihen. Es gibt
da auch super Online-Multiplayer-Gaming (Computerspiele)“.
„Und am Abend gehen wir zum Musical (musikalische Komödie) der ABBAKomponisten
„Chess“ (Schachspiel), und die Eintrittskarten besorgen wir im
Vorverkauf per Ticket-Hotline (per Telefon).
10. Als wir aus Stuttgart zurück nach Hause kamen, gab uns meine Gastmutter
eine To-Do-Liste (was zu erledigen ist). Wir mussten Gorned Beef (fettärmere Sorte
von Wurst) und Persil Megaperls color (eine große Packung Waschmittel für bunte
Wäsche) kaufen. Wir wollten uns auch nach Pad Set (Schützenset) fürs Inline
Skating (Rollschuhfahren) umschauen.
Stilistische Aspekte markierter lexikalischer Einheiten
1.Nennen Sie Funktionen von Neologismen in Werken der schöngeistigen
Literatur!
2. Nennen Sie Funktionen von Neologismen in der Publizistik!
3.Nennen Sie Funktionen von Archaismen und Historismen in Werken der
schöngeistigen Literatur!
4. Nennen Sie Funktionen von territorial gekennzeichneten lexikalischen
Einheiten (Dialektismen und territorialen Dubletten) in verschiedenen
Funktionalstilen?
5.Bestimmen Sie die Rolle der chronologisch markierten Lexik. Wie kann im
Ukrainischen bzw. Deutschen der gleiche Effekt erreicht werden.
1. Audi du konntest vieler Weiber Stimmen sprechen, wenn du nur wolltest (R.
Schneider). 2... und die Gläubiger forderten Jahrzehnte, bis endlich der letzte Heller
beglichen war (R. Schneider). 3. Zerrissen und zerlumpt ist sein Gewand, der
Sonntagsanzug (R. Schneider). 4. Die Stimme frag noch dunkler: "Sprich, hast du
- 26
mich jemals liebgehabt (R. Schneider). 5. Und Elias schwur in der Stimme
Gottfrieds, schwur auf die Heiligen, die Apostel und auf die Seelen aller verstorbenen
Lamparter (R. Schneider). 6. Er erweckte eher den Eindruck eines vorzeitig
gealterten FDJ-Sekretars. (H. Königsdorf). 7. Ursprünglich hatte er Margarete selbst
besuchen wollen, aber die Termine der Planverteidigung wurden von del
Jahresberichterstattung abgelöst. (H. Königsdorf). 8. Der Alte, der nun wußte, daß der
Name Tatenbruch in den Kaderplanen des Generals stand bemaß von nun an die
Leistungen... strenger. (H. Königsdorf). 9. Єпіфаній дивився на торги: козаки
продавали невірним гармати й бунчуки за таляри; фальконети й парначі - за
дукати; гаківниці та литаври - за гривеники; пістолі й сурми - за п'ятаки; шаблі
й куріні значки - за тригрошовики, - i знову згадався Єпіфанієві похорон
Мазепи, коли він дивився на домовину, що гойдалася над козацькими головами,
i думав про Овідія, якого в давнину теж тут поховали за незнайомим
ниншіньому люду обрядом... (Р. Гваничук). 10. Люд зустрічав молоду
маркграфиню без захватів. (П. Загребельний).
6.
Bestimmen Sie die Rolle der territorial markierten Lexik. Wie kann im
Ukrainischen bzw. Deutschen der gleiche Effekt erreicht werden?
1. Alsbald beschloss die Natur mit den meisterlichsten Farben in die Bergbünten zu
fallen (R. Schneider). 2. Noch im Jännerschnee gingen die so Ermutigten daran, die
Mauern ihrer Höfe freizulegen (R. Schneider). 3. Es geschah nämlich, dass die
großmütigen Helfer heimliche Verzeichnisse angelegt hatten, worin jedes Klafter
Holz, jedes Pfund Anken, jeder Brotlaib, jedes Ei und jeder Schlucken Kirschwein
säuberlich aufgeschrieben stand (R. Schneider). 4. Er holte daher geschwind andere
aus seinem Mantelsack hervor, un ich musste einen ganz neuen, schonen Frack und
Weste anziehen (Eichendorf. Taugenichts). 5. Die Fächer der linken Seite sind
angefüllt mit Papier..., uralten Schrippen (H. Königsdorf).
6. У гуцульській стаї
А осьде маленька онучка - трирічна Анничка –
- 27
тихенько на подрях сидить у брудних чобіточках.
...Лишились би в нас, - це до мене, гляділи б маржину. (М. Павленко)
7.... метнулася з чудним тужливим смутком в душі через лic. скорше в долину аж опинилася дома (О. Кобилянська). 8. Один мій товарищ має там вуйка (О.
Кобилянська). 9. Його очі горіли захланністю (О. Кобилянська). 10. Отже, в чім
твоя грижа, коли тебе любить? (О. Кобилянська). 11. Коби хоч де побачитися,
наборзі до себе всміхнутися, легше стало б серцю (О. Кобилянська). 12. О-о, о,
о! -простогнала Тетяна, мов підстрелена, все ще клячачи (О. Кобилянська) 13.
Вернувши в свою хату, вдарилася Мавра п'ястуком в голову (0. Кобилянська).
7. Vergleichen Sie die Übersetzung mit dem Original. Wie wurde die
chronologisch markierte Lexik wiedergegeben? Ist es dem Übersetzer gelungen,
das Zeitkolorit zu schaffen?
Tränen des Vaterlandes
I
О Deutschland! Sagt, was habt aus Deutschland ihr gemacht?
Ein Deutschland stark und frei?! Ein Deutschland hoch in Ehren?!
Ein Deutschland, drin das Volk sein Hab und Gut kann mehren,
auf aller Wohlergehn ist jedermann bedacht?!
Erinnerst du dich noch des Rufs: "Deutschland erwacht!"?
Als wurden sie dich bald mit Gaben reich bescheren,
So nahmen sie dich ein, die heute dich verheeren.
Geschlagen bist du mehr denn je in einer Schlacht.
Dein Herz ist eingeschrumpft. Dein Denken ist missraten.
Dein Wort ward Lug und Trug. Was ist noch wahr und echt?!
Was Lüge noch verdeckt, entblößt sich in den Taten:
Die Peitsche hebt zum Schlag ein irrer Folterknecht,
Der Henker wischt das Blut von seines Beiles Schneide –
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О wieviel neues Leid zu all dem alten Leide!
II
Du mächtig deutscher Klang: Bachs Fugen und Kantaten!
Du zartes Himmelsblau, von Grünewald gemalt!
Du Hymne Holderlins, die feierlich uns strahlt!
O Farbe, Klang und Wort: geschändet und verraten!
Gelang es euch noch nicht, auch die Natur zu morden?!
Ziehn Neckar und der Rhein noch immer ihren Lauf?!
Du Spielplatz meiner Kindheit: wer spielt wohl heut darauf?
Schwarzwald und Bodensee, was ist aus euch geworden?
Das vierte Jahr bricht an. Um Deutschland zu beweinen,
Stehn uns der Tränen nicht genügend zu Gebot,
Da sich der Tränen Lauf in so viel Blut verliert.
Drum, Tränen, haltet still! Laßt uns den Haß vereinen,
Bis stark wir sind zu künden: "Zu Ende mit der Not!"
Dann: Farbe, Klang und Wort! Glänzt, dröhnt und jubiliert!
(Johannes R. Becher)
Сльози вітчизни
I
Німеччино! Сягла могуть твоя небес?
Велична ти, міцна? Щаслива в тебе доля?
І вільний відтепер народ твій ясночолий?
Чи справді стала ти країною чудес?
Ти пам'ятаєш клич: «німецький дух воскрес»?
Без сорому вони торочили про волю,
А скільки сліз завдали, скільки болю!
Ти стала жертвою їx путаних словес.
О, душу й розум твій страшна ганьба опала,
У пишній мові лиш підступність i обман!
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А що брехнею ти ще досі прикривала, Оголить нагаєм безжалісний тиран.
Кат витирае кров i омиває руки.
О, скільки болю знов до давньої розпуки!
II
Ти, звуків смолоскип - кантати й фуги Баха!
Ти, Грюневальда синь - нев'януча краса!
Ти, Гельдерліна гімн - врочистий, мов яса!
О слово, барва, звук - ви кинул на плаху!
Бо вже жорстокий кат знущається з природи:
Шварцвальд i Бодензее поглинула чума.
Дитинства любий край - тебе давно нема,
А Неккар, Рейн криваві котять води.
Четвертий рік оплакуєм вітчизну,
Немае більше сліз у висохлих очах,
Щоб змити ними мучеників кров.
Доволі плакати! На гнів обернем тризну!
Довірмося тепер лиш лезові меча!
Хай слово, барва, звук запломеніють знов!
(пер. Петра Рихла)
8. Bestimmen Sie die Funktionen der lexikalischen Einheiten mit sozialer
Kennzeichnung in folgenden Beispielen aus der Erzählung "Великий лох" von
Kapranovy und versuchen Sie, in der deutschen Übersetzung den gleichen
stilistischen Effekt zu schaffen.
1. Bін поважно оглянув компанію, потягнув повітря носом i сказав: Чую чос.
Щиро зізнаюсь, я не зрозуміла, що він має на увазі. Але за столом зрозуміли. 2.
Просто шпільовим називають гравця, інакше кажучи, шулера. 3. З учорашнього
дня я в зав'язці. 4. Я теж свого часу займався культурою. (...) Цілих два роки
- 30
бомбив фраєрів з філармонії. Тоді i став Шаляпіним. 5. - Ви сказали "шанс"? Це
що, шулерський прийом? - Шанс - це cnociб створення переваги у rpi. Це те, що
примушує богиню статистики повернутися обличчям до вас i дупою до лоха. А лох, я так розумію, це той, кого шулер обманює. - Лох, він же фраєр, він же
фуцин, він же сазан, він же пасажир... 6. - Ага... Вас послухати, так просто агнці
Божі виходять, а не шулери... А щодо агнців, то я вам скажу от що: кожен лох
хоче віддати rpoшi. Biн з цього кайфує, він спить i бачить себе обдуреним. 7....
Ви думаєте, я гірший за якогось бізнесюка чи політика, що про них yci пишуть?
8. Можу навіть примазати, що вони грають в шмен. 9. - "Примазати" - це
закластися? -Так. (...) А до речі. Пропоную мазу... Мажемо? 10. Привели якось
одну даму на катран. (...) Ой пробачте, катран - це місце, де грають у карти. 11.
Вони грають на номерах купюр. Це називається шмен. А цей четвертий,
залізничник, називається меблі. Він займає вільне місце. Щоб ніхто сторонній
не підсів. 12. Зараз буде кіпіш. Вони його вчисту укатали, придурки. 13. В
авторитеті у нас, люба моя, були не тi, хто забирав у фраєра останнє, a тi, хто
робив щось таке, що рештi слабо. - Наприклад? - Ну, наприклад, обкатав когось
відомого. 14. ... I головне, вci страшенно понтові. Уявітъ co6i - майбутнє
передбачають, лікують на відстані, біополе, телекінез, хрінокінез... I ці дешеві
понтярщики страшно йому не подобались. 15. Він організовує гру (...)
Підшукує упакованого карася, наймає виконавця, організує місце, підводки,
антураж. 16. Даве - це така домовленють, коли кожен гравець має право
подвоїти ставку. 17. Батя на принцип. Мовляв, коцана колода, i все... I правда,
не було ж домовленості, що сорочкою догори треба розкладати. Так що
виходить без кляуз. 18. Biн всю капусту щойно виграну від себе відсунув. 19.
Ми до міліції наче удвойом, а потім раз, а його нема... Це ж відомий шулерюга.
Шаляпін його хвамілія.
9. Bestimmen Sie die Funktionen der lexikalischen Einheiten mit sozialer
Kennzeichnung infolgenden Beispielen aus belletristischen Texten und
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versuchen Sie, in der deutschen bzw. ukrainischen Übersetzung den gleichen
stilistischen Effekt zu schaffen.
1. Але кіна ввечері не вийшло (Брати Капранови). 2. На касеті була порнуха
(Брати Капранови). 3. - Може, він не фізик, а шизик? (Брати Капранови). 4.
Напекло в гарячому авті (Брати Капранови). 5. Dann war er immer ungeheuer
sauer (U. Plenzdorf) 6. Trotzdem war das natürlich kein Grand, olle Flemeng die olle
Platte auf seinen ollen Zeh zu setzen (U. Plenzdorf). 7. Da setzte es bei mir aus (U.
Plenzdorf). 8. Kein Aas sagt ja auch Nivau statt Niveau (U. Plenzdorf) 9. Ich
brauchte knapp sechzig Minuten, um sie rumzukriegen (U. Plenzdorf). 10. Wenn ich
gewollt hätte, hätte ich hinhauen können (U. Plenzdorf). 11. Ich hatte Schiß gehabt,
mir meinen eigenen Film kaputtmachen zu lassen (U. Plenzdorf). 12. Ich dachte,
mich streift ein Bus. Ich hatte dich unterschätzt. Da war glatt Ironie dabei! (U.
Plenzdorf). 14. Diese Bude war noch ganz gut in Schuß (U. Plenzdorf).
Stilistische Aspekte der Fremdwörter
1.
Nennen Sie stilistische Funktionen von Fremdwörtern in belletristischen,
publizistischen und wissenschaftlichen Texten!
2. Erläutern Sie das Problem: Fremdwörter und Sprachkultur.
3. Bestimmen Sie die Funktionen der Fremdwörter in folgenden Beispielen aus
der schongeistigen Literatur.
1. I сама я коло них уже кілька слів англійських завчила... от я вам одне таке
слово скажу, що ви ніколи не здогадаєтесь. "Бук!" Думаете, що бук по-їхньому
так, як i по-нашому - бук, палиця, дубець, кийок. Е, Hi! "Бук" - по-їхньому то
значить "книжка". Правда, чудна мова? І ще знаю, як буде "чорний песик".
Знаете як? "Блек дог". Не "здох", а "дог", собачка, значить, песик чорний (М.
Білкун). 2. Абле іспаньол? - спитав я, беручи філіжанку (Брати Капранови). 3. I
не зважаючи на тітчину cмішкy... подав мені рам'я й, забравши від мене
нещасне corpus delicti, пішов зi мною (О. Кобилянська).
- 32
4.
Цілунки та вино. Й сержант веселий Герман,
гадає він про свій далекий фатерлянд.
(В. Сосюра)
5.
El camino
Сamino bianco
weißer Weg
zwischen Pinien Oleander
der nur mit der Feme prahlt
um dich im Dickicht zu verschlingen
Camono burrito
mit der Sonne auf dem Rücken
das zum Herzen Spaniens trabt
noch nach dem Erwachen träumt
Campos flüdtern mit Zypressen
und "que pasa?" fragt der Wind
(Brigitte Lange)
6. Aber wenn sie dich observieren?
(F. Ch. Delius)
4. Bestimmen Sie die Funktionen der Fremdwörter in folgenden Beispielen aus
der Presse. Wie kann in Deutsch bzw. Ukrainisch der gleiche stilistische Effekt
erzielt werden?
1. А сам "ель кавальер" (як улесливо його називають в Італії нічого не сказав
(ПІК 5/2004). 2. Г. Крючков назвав його "фюрєром" (ПІК 5/2004). 3.
Ньюзмейкери дуже старалися (ПІК 5/2004). 4. Вони ознайомилися з програмою
фесту (про Берлінале, ПІК 5/2004). 5. Андрій Макаревич піарить у Киеві свій
магазин підводного спорядження. Він заснував мережу магазинів для дайверйз"Батискаф"... А найбільш драйвове занурення було в Криму... Тут суперсучасне
оснащения для дайвінгу. А потім займеться виданням журналу для дайверів
- 33
(УМ 15.6.05). 6. Воно того варте - відчуваєш такий кайф! (УМ 15.6.05). 7. В
елітній клініці пластичної xipypriї він робив ліпосакцію - відкачку жиру (УМ
15.6.05). 8. Це вдалий бюджетний "бліцкриг" (УМ 14.1.04). 9. Цікаво, що
Дойчлянд- чи не єдина країна, яка має два фан-клуби (УМ 11.6.05). 10.
"Експлорейшн", або новий погляд на те, що потрібно робити в космосі
(Дзеркало тижня 21/2005). 11. Absurdistan (Überschrift eines Artikels über absurde
Behauptung des NRW-Kulturministers, FAZ 13.12.02). 12. Ein altes Bonmot aus
obrigkeitsstaatlichen Tagen sagt, die Deutschen losten, bevor sie eine Revolution
proben, erst einmal eine Bahnsteigkarte. 13. Mit penibler Aktenführung hatte Helmut
Kohl nichts am Hut (Spiegel).
5. Bestimmen Sie die Funktionen der Fremdwörter in folgenden Beispielen aus
der Werbung:
1. Die neue Kodak EasyShare DX6490 Digitale Zoomkamera
Kodak hat, was andere gerne hatten: die erste Kamera, die ein SchneiderKreuznach Variogon-Objektiv mit 10-fach optischem Zoom in absoluter Profiqualität
mit einem exclusiven, integrierten Kodak Farb- und Bildprozessor-Chip vereint, für
schärfste Details und satte, naturgetreue Farben. Dank 4.0 Megapixel, der
einstellbaren automatischen oder manuellen Steuerung und dem LCD-Display in
Übergroße erleben Sie nun jederzeit ungesehene Ergebnisse sogar unter schwierigen
fotografischen Bedingungen.
2. All American Breakfast
LOOK ME IN THE EYES, KLEINES, AND DANACH WE GO FRÜHSTÜCKEN.
3. Йес, він класно їздить на байку!
Кожен поведений на чомусь класному, i в кожній голові є драйвовий
мотор. Мажор - це два поршні, що розганяють твій драйв до максимальної
швидкості, подвійний апгрейд для твого натхнсння! Візьми, скуштуй мажор роби те, що любиш! Три топових смаки! (підручник Тимченко Є. П.).
- 34
6. Welches Wort passt besser? Argumentieren Sie Ihre Entscheidung, erklären
Sie den stilistischen Unterschied.
1. Kunst und Kultur sind in unseren Alltag zu intеgriеrеn einzubeziehen.
2.
Unterschiedlich
sind
die
Motivationen/Grunde/Ursachen
der einzelnen
OPEC-Länder für Preiserhöhungen.
3. Der Film erfüllt nur partiell/teilweise hohe Erwartungen.
4. Das sind tradierte/überlieferte Anschauungen.
5. Hier werden Änderungen/Modiflkationen vorgenommen.
6. Dingwörter/Substantive werden in Deutsch groß geschrieben.
7.
Wo sind die Fremdwörter fehl am Platz? Ersetzen Sie diese durch
entsprechende heimische Wörter und argumentieren Sie Ihre Entscheidungen.
Übersetzen Sie die Satze ins Ukrainische:
1. Der Himmel ist ganz transparent.
2.
Journalisten aus vielen Ländern und auch ganz unterschiedlicher politischer
Coleur waren auf dem Kongress präsent.
3. Dieses Wort ist im Wörterbuch als Lemma angeführt.
4. Das wird deutlich am Paradigma expliziert.
5. Es waren so viele Titel da, dass mir die Selektion schwer fiel.
6. Bei diesem Modell zeigen sich bestimmte Regularitäten.
7. Nun möchte ich mein CEvre vorstellen.
8. Man versuchte seine ehemaligen Anhänger zu desavouieren.
8. Woran erkennt man den parodistischen Charakter des folgenden Textes?
Versuchen Sie eine ähnliche Parodie deutsch zu schreiben. Machen Sie dann
daraus einen normalen Text (ukrainisch und deutsch).
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"Гадаєш, піпл буде без бонусу й пресингу толерувати інвазію офшорних
брендив у прайс-листах наших маркетiв на бігбордах?" -Зi смайлом на фейсі
проартикулював бой-френд імщжмейкер офіс-менеджерці за бізнес-ланчем з
бренді й чикен-київ у снек-барі фітнес-центру, коли диск-жокей міняв рімейк
синглу модерної хедлайнерки-суперстар на коктейль з хітів попси, мікс
гардроку, арт-готіку, репу -харитативний ексклюзив для фанів брейк-дансу й
рекреаційного секондхенду. "Що за слоган з постера? Не жени перманентно,
без тайм-ауту піарний фаст-фуд, як на брифінгу перед самітом чи на пабліситі
ток-шоу зi спікером! Ти ж не котрайтова топ-модель істеблішменту. Та й не
репрезентант формації аутсайдерів, не тінейджер-скінхед чи памперсний
байкер з пірсингом. Ти - креативний трейдер інновацій, промоутер маркетингу
й сайдингу, хай-фай модератор, тебе респектують фундатори холдингів,
спонсори перформенсів, монетарні боси, що мають кейси баксів на депозитах i
гігабайти в ноутбуках лояльних білих комірців! He пролонгуй нонсенсу
фрустрацій депресивним кілером iз мильного трилера. Наш месидж рецептору це глобальний виклик. Фокусуватися в дискурсі конвенційної трансляції та
мобільної перцепції на евентуальних лейбелах прагматичної екзистенції i
нефункційних субститутах ноу-хау хепіендової футуристики - аналог суїциду
на старті. Альтернатива - драйв у тренді. Концентруймося на тотальному
консенсусі щодо формату тренінгу просунутої генерації лідерів. Щоб мати з
гарантією реальний дипінг, треба зафондувати драстичний моніторинг i
релевантний
консалтинг
дистриб'юторів,
імплементувати
трансформації
менталітету через масмедіа i шоу-бізнес, поюзати для пiap-акцій кліпи, музикфести, шет-клаби, таблоїди, рейтингових спічрайтерів, блокбастерних сексбомб, дайджести віртуальних блоків, пакети теста для аплікантів на гранти".
"Bay, моя бізнес-леді, твій прес-реліз - супер для адмінсайту фірми! Але таймер
у xoлі демонструє фінал вікенду й акселерує інтенцію фінішувати з чізбургером
та біг-шейком. Подискутуймо адекватно на бізнес-панелі або в чаті он-лайну,
окей?" (приклади взяті з джерела № 9. див. список літератури).
- 36
Termini:
1. Beachten Sie, bitte, medizinische Termini:
Adenom, Apraxie, Allergie, dränieren, Endemie, Eosinophilie, Exzision, Kollaps,
Koma, letal, Myom, oral, Palpation, Perkussion, Pyämie, Strabismus, Syndrom,
toxisch, Tremor, Tumor, axillar, Appendizitis, Agonie, gut(bös)artig,
Amputation,
Ausschlag,
Belag,
Betäubung,
Bluthochdruck,
Bluttransfusion,
Darmverschlingung, Diabetes, Encephalitis, Epilepsie, Gallensteinleiden, Gastritis,
Gehirnerschütterung, Gelbsucht, Geschwulst, Geschwür, Hexenschuß, Immunität,
Leukämie, Meningitis, Metastasen, Schlaftherapie, Rachitis, Rheuma, Virus,
Vitamin.
2. Vergleichen Sie die Jargonismen mit den literarischen Wörtern:
2.1. Bio — Biologie, Eerdi — Erdkunde, Geeschi — Geschichte, Tri —
Trigonometrie, Präp — Präparationsstunde, Konfer — Konfirmandenunterricht (in
Westdeutschland), Litte— Literatur, Latte — Latein, Franz — Französisch, Matte
(Mathe) — Mathematik, Ratzel (ycrapeB.) — Ratzefummel (Radiergummi), Direx
— Direktor, Abbi — Reifeprüfung, Gewi — Gesellschaftswissenschaften;
2.2. Penne, Pennal, Kasten, Gefängnis, Kaff — Schule; Pauker — Lehrer; Wisch,
Lappen, Nummern, Quittung — Zeugnis; einhauen, einklauen, einkritzeln, einmalen,
einpinseln, hacken, gaxen — schreiben; abbohren, abhacken, abhauen, abholzen,
abklatschen, abklitschen, abklauen, abkloppen, abkratzen, abluchsen, abpumpen,
abwichsen, Kumpe machen, schnalzen, schinden, spannen — abschreiben;
Fuschzettel, Schmoch, Schmollzettel, Schnurzer, Schummelzettel, Spicker, Spelle —
von den Schüler gefertigte „Hilfsmittel"; abfahren, aufgeschmissen sein, buben
eingehen, senkrecht eingehen, eispipsen, eisklecksen, hineinfliegen, reinrasseln,
reinsausen, reinsegeln — nicht wissen; knurren, schwitzen, .brummen, spinnen,
nachexerzieren, Kränzchen haben — nachsitzen; backen bleiben, hängen, kleben und
hocken bleiben — sitzenbleiben; Brummer, Doppeltalter, Großvater, Hüter —
Sitzengebliebener;
durcheiern,
durchfliegen,
durchhauen,
durchkrachen,
durchplumpsen, durchrauschen, durchrasseln, vorbeigelingen — das Examen nicht
bestehen;
Schlußlicht
—
Klassenletzter;
Mangelkontakt
—
mangelhaftes
- 37
Auffassungsvermögen; Mattscheibe — Begriffsstutzigkeit; „Geflogen?" — „Nein,
gestiegen!" — „Durchgefallen?"—„Nein, bestanden."
3. Welche professionelle Jargonismen haben ihren Jargoncharakter verloren
und gehören jetzt zur speziellen Lexik:
a) Spieß (марашкa), Fisch (чужая буквa), Zwiebelfisch (буква другого шрифтa),
Fahne (гpaнки), Fliegenkopf (пepeвёрнутая буква), Leiche (пропуск слова),
Hochzeit (повторение слова);
6) Ehrenrunde (заход на второй круг при неудачной попытке приземлиться),
Flüstertüte (мегафон), Fliegermaus (малая авиабомба), Männchen (падение на
хвост), Franz (штурман), franzen (вести самолёт); an den Propellern hängen
(подъём самолёта свечкой);
B)
Wange (боковая маскировка лестницы на сцене); Schenkel (боковая висячая
кулиса); Szeniker (ХУДОЖНИК); Tineff (бутафория); Black-out (выключение света,
завершающее какую-нибудь сцену спектакля); Abstecher (спектакль в чужом
помещении), Kaltprobe (репетиция в телестудии, перед передачей), Lichtorgel
(пульт управления освещением);
r) der Favorit kann, für die großen Dreijährigen-Rennen „stehen"; über ein Pferd auf
der Rennbahn: das Pferd wäre „nicht da"; ein Pferd, ein „Außenseiter", obwohl es an
der Innenseite vorstößt; ein Pferd marschiert auf „Auf Wiedersehen"; ein Pferd wird
in „Ohne Fleiß kein Preis" geschlagen; ein Pferd gewinnt „Kopf schief"; ein Reiter
hat „die Hände voll"; „halbe Bahn", mit der ein Pferd gewinnt, ist auch meist wohl
kaum mehr als ein halbes Dutzend Längen.
4. Finden Sie bitte Archaismen. Bestimmen Sie bitte ihre stilistische Leistung:
1. Die Feudalherren ließen nur einen kleinen Teil ihrer Besitzungen von unfreien
Knechten und Mägden bewirtschaften. Die Feudalherren verlangten von den hörigen
Bauern Abgaben und Frondienste. Die meisten Feudalherrn besaßen mehrere
- 38
Fronhöfe. Diese konnten sie nicht selbst verwalten. Deshalb setzten sie Verwalter ein.
Die Verwalter wurden Meier genannt.
2.
Jeder hörige Bauer mußte aus 12 Scheffeln (=8,75 Liter) Roggen 24 Brote
backen. . . Als
Abgaben von den Erträgnissen ihrer Hufen (1 Hufe=30 Morgen)
mußten die hörigen Bauern 56 Denare bezahlen. Ein Denar hatte den Wert von 15
Roggenbroten zu 2 Pfund.
3. Nicht nur der Vasall war vom Lehnsherrn abhängig, sondern auch der Lehnsherr
von Vasallen, denn der Lehnsherr brauchte bei Kriegszügen die Hilfe seiner Vasallen.
. . . Die Kämpfe der Feudalherren untereinander nannte man Fehden.
4. Die Feudalherren nahmen gern das Amt eines Vogtes an, weil es sehr einträglich
war.
5. Die Helfer der Feudalherren, die ihnen Waffen- oder Verwaltungsdienste leisteten,
nannte man Ministerialien.
6. Die Reiter trugen eiserne Rüstungen, Helm und Schutzschild und kämpften zu
Pferd mit langen Lanzen gegeneinander. Diese schwerbewaffneten Reiter der
Feudalzeit wurden Ritter genannt. Ein Ritter war in der Schlacht den leichtbewaffneten Fußsoldaten überlegen.
7.
Der Rittergürtel war das Zeichen des Ritterstandes. Mit 21 Jahren erhielten die
jungen Knappen von einem Fürsten den Ritterschlag mit der flachen Seite des
Schwertes auf die Schulter. Dann wurde ihnen das Schwert mit einem ledernen
Gürtel umgehängt.
8. Die Turnierfähigkeit wurde von dem im Wappenwesen erfahrenen Herold geprüft.
9. Die Minnesänger waren ritterliche Dichter, die von Hof zu Hof zogen. . .
10. Im Jahre 1291 fiel der letzte Stützpunkt der Kreuzfahrer in Palästina, die Stadt
Akkon, in die Hände der Mohammedaner. Damit endeten die Kreuzzüge.
11.
Die Kaufleute hatten sich innerhalb
der Städte in
Verbänden
zusammengeschlossen, die man Gilden nannte.
12.
Die in den Zünften vereinigten, wirtschaftlich und militärisch erstarkten
Handwerker begannen, sich gegen die Patrizier zu empören.
- 39
13. Immer mehr bildete sich ein Gegensatz zwischen den Handwerksmeistern und
den Gesellen heraus.
14. In der Manufaktur des 15., 16. und 17. Jahrhunderts verwendete man noch keine
arbeitssparenden Maschinen, sondern jeder Arbeitsgang mußte mit der Hand und den
einfachen Werkzeugen ausgeführt werden. (Bce вышеперечисленные примеры
заимствованы из книги: Geschichte des deutschen Volkes, Berlin, 1952.)
5. Finden Sie bitte Archaismen. Was bezeichnen sie heute:
1. Es weinen Schwäger, Kind, Schnur, Neff und Enkelin (J. Günther). 2. Ein Ohm
und eine Muhme jetzt an Eltern Statt mir sind. (F. Stolberg) 3. Wo heiß ein Quell
entspringt, der Sieche heilt. (L. Unland) 4 . . . .wird sich der Bräutigam freuen mit
seiner Gespons. (Diefenbach-Wülcker) 5. Ein arm Geschlecht Schiffzieher nur und
Ferge. (F. Freiligrath) 6. Im Felde oder im tiefen Tann. (K- Simrock) 7. Felsenwände.
. ., welche unfern des Meerstrandes in die Höhe steilen. (J.W. Goethe) 8. Tausende
siehst du erwarten stehen, eines Schachers Sterben mit anzusehen. (F. Freiligrath) 9.
Nichts half ihr ach und weh, sie mußte fürbaß reiten. (G. Bürger) 10. Bei dem Bronn,
zu dem schon weiland Abram ließ die Herde führen. (J. W. Goethe) 11. Nun
schmückt er sich die schöne Gartenzinne, von wannen er der Sterne Wort vernahm.
(J. W. Goethe).
6. Finden Sie bitte Archaismen. Vergleichen sie mit den heutigen Wörtern. Was
Gemeinsames und Verschiedenes gibt es in ihrer Semantik, in der stilistischer
Färbung, in der Struktur:
1. Das Edle des Halbdurchsichtigen, dergilbichen Fleischfarbe sich nähernden Steins.
(J. W. Goethe). 2. Dies sagend ritt er trutziglich von dannen: Ich aber blieb. (F.
Schiller) 3. Wie entgleitet schnell der Fuß schiefem, glatten Boden? Wen betört nicht
Blick und Gruß, schmeichelhafter Odem? (J. W. Goethe) Ich trete sacht, ich halte
Puls und Oden. (J. W. Goethe) 4. Fähen läßt er einen Zwerg, den er bettelnd auf dem
Markt erblickte (A. Platen) 5. Ein Born der Üppigkeit und des Genusses. (F.
- 40
Freiligrath) Es war ein frischer Bronne dort in den Büschen kühl. (L. Uhland) 6. Ein
unbeugsamer Kämpe gegen Geistesknechtschaft. (H. Heine) 7. Daß die Kinder nicht
wissen, warum sie wollen, darin sind alle hochgelahrte Schul- und Hofmeister einig.
(J.W. Goethe) 8. Es wurde mir dazu, weil mir dabei ein Wort nicht von der Hand zu
weisen gelang und ich beim besten Willen, trotz aller Scheu, nicht immer darum
herum zu kommen wußte: das Wort Schmarutzertum. (Th. Mann).
***
1. Es hält wie Angst mich von ihr ferne. . . (H. Heine)
2. . . .und in der eignen Welt wirds mir zu enge. (H. Heine)
3. Es ist schon spät. Die Nacht ist helle, trübhell gefärbt vom feuchten Schnee.
Ankleiden muß ich mich nun schnelle und in Gesellschaft gehn. O weh! (H. Heine) 4.
Der Ritter Tannhäuser, er wandelt so rasch, die Füße, die wurden ihm wunde. (H.
Heine) 5. Doch weiter, weiter, sonder Rast, du darfst nicht stille stehen. (H. Heine) 6.
Daß wir einander gleiche sind. (Volkslied) 7. Und als die Uhr die zwölfe schlug.
(Spielmannssohn) 8. Um sechse des Morgens ward er gehenkt, um sieben ward er ins
Grab gesenkt; sie aber schon um'achte trank roten Wein und lachte. (H. Heine) 9. Da
steh ich im Zimmer, ein einsamer Tor, betrachte verlegen das Bette. (H. Heine) 10.
Ein ganz Geschlechte trägt den Fürsten hoch empor. ..(J.W. Goethe) 11. In der Ferne,
wo ich auch bin, blüht dir mein Herze (H. Heine) 12. Gekommen ist der Maie. . (H.
Heine) 13. Mein feins Lieb trägt ein schwarzes Kleid, darunter trägt sie groß
Herzensleid. (L. Uhland) 14. Aus dem Felsen springt murmelnd hervor ein lebendiger
Quell. (F. Schiller) 15. Ich soll von ungewisser Fahr mich schrecken lassen? (Ch.
Wieland) 16. In Fährden und in Nöten zeigt erst das Volk sich echt. (L. Uhland)
Darum schwör feierlich und ohn' alle Fährde. (J. W. Goethe) 17. Von Stunde zu
Stunde gewartet' er mit hoffender Seele der Wiederkehr. . . (F. Schiller) 18. Ein paar
regnichte Tage förderten mich leicht auf den Weg, aber auf Kosten meiner Stiefel. . .
(A. Chamisso) 19. Am Abend im Dämmer der Bäume. (L. Tieck) 20. Und endlich
gleich der graugedehnten Erde, die jetzund grün und weich sich dir entrollt. . . (G.
Hauptmann) 21. Nicht unser ist die Pedanterei, sondern der heiligen Hermandad. (Th.
Mann)
- 41
7. Finden Sie bitte die Fälle der alten Rektion. Beachten Sie bitte das:
1. Denkst du der Mutter und der Schwester? (H. Heine) 2. Oh, fiel' ich doch in den
Garten, wo die Blumen meiner harrten... (H. Heine) 3. Sorgsam brachte die Mutter
des klaren herrlichen Weines. (J.W. Goethe) 4. Ein jeder hat zu diesem Feste sein
liebes Liebchen mitgebracht und freut sich der blühenden Sommernacht. (H. Heine)
5. Ich fliehe die Lust, ich fliehe den Tanz, (id.) 6. Er brauchte seines Glücks. (J. Herder) 7. Ich genieße meines Reichtums. (Ch. Wieland.) 8. Fehdens und Turnierens
spielen. (L. Uhland) 9. Ich vergaß meines Verdrusses. (J. Musäus) 10. Es schenkte
der Böhme des perlenden Weins. (F. Schiller) 11. Da wurden erst die Söhne klug und
gruben nun jahrein, jahraus des Schatzes immer mehr heraus. (G. Bürger) 12. Er
spottet seiner selbst. (J. W. Goethe).
Ausdruckswerte der expressiven Phraseologie
1. Bestimmen Sie den morphologischen Bestand der angegebenen
Phraseologismen, betrachten Sie dabei, welchen Redeteilen die angeführten
Phraseologismen entsprechen.
Ägyptische Arbeit; ägyptische Finsternis; aus Schilda stammen; aussehen wie
der dumme Junge von Meißen; aus Schwarzburg sein; Tee nach China tragen; bis ein
Mühlstein über den Rhein schwimmt; das Land der unbegrenzten Möglichkeiten; Tee
nach China tragen; das dauert keine Leipziger Messe; bis alle Gewässer im Rhein
zusammen laufen; das sind mir / für mich bömische Dörfer; das Tor zur Welt;
trojanisches Pferd; Dass du auf dem Blocksberg wärest!
2. Erklären Sie die Entwicklungswege folgender Phraseologismen,
verfolgen Sie dabei ihren Bedeutungswandel.
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Den gordischen Knoten durchhauen / durchschlagen / zerhauen; den
Parnass besteigen; den Rubikon überschreiten; der Onkel aus Amerika; eher wird
der Rhein zu seiner Quelle fließen; ein barmherziger Samariter; eine babylonische
Sprachverwirrung; er ist in Rom gewesen und hat den Papst nicht gesehen; es
führen viele Wege nach Rom; hier ist nicht Kostnitz; Hier ist Rhodus, hier springe!
ich schlag dich, dass du die Gänse in Paris gackern hörst.
3.
Bilden
Sie
Situationen
mit
folgenden
phraseologischen
Wortverbindungen.
In den Fluss Lethe tauchen; ins Schlaraffenland gehören; leben wie (der
liebe Herr-)Gott in Frankreich; nach Bethanien gehen; Residenz der Musen; sein
Waterloo erleben; Sesam, öffne dich! sich in einem Eldorado befinden; Sodom und
Gomorrha; über den Jordan gehen; viel eher soll der Rhein über die Alpen fließen;
von Schönhausen sein; Wasser in den Rhein tragen; wenn der Main brennt; wenn
die Donau eintrocknet; wo die Hunde mit dem Schwanz bellen.
4. Suchen Sie in folgenden Sätzen die Phraseologismen aus und
bestimmen Sie, ihre syntaktische Rolle im Satz.
1.Lucius räusperte sich. Schon horchten ein paar Putzfrauen aus der
Dämmerung herüber. Aber Bäffchen drehte Putzfrau für Putzfrau... und stieß
jede... in den Rücken, daß die Putzfrauen, Frau für Frau, ins Ungewisse rutschten.
Zu jedem Stoß sagte er entweder beschwörend: das geht nicht an! oder er sagte,
seine Stoßkraft prahlerisch überschätzend: ab nach Kassel! (M.Walser, „Nach
Siegfrieds Tod“). 2. Latein und Griechisch waren ihm, wie man zu sagen pflegt,
böhmische Dörfer. (W.Hauff, „Der Affe als Mensch“). 3. Ganz gewiß, die
Demokraten glauben an die Posaunen, vor deren Stößen die Mauern Jerichos
einstürzten. (K.Marx, „Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte“). 4. Man
hatte vergessen, zu der Konferenz Dolmetscher hinzuzuziehen; die babylonische
- 43
Sprachverwirrung können Sie sich ja vorstellen. (Moderne deutsche Idiomatik). 5.
Daß dieser echte Barockengel nur tausend Mark kosten soll, wundert mich. Da ist
etwas faul im Staate Dänemark. (Moderne deutsche Idiomatik).
5. Schreiben Sie die Phraseologismen aus, bestimmen Sie ihre Bedeutung,
erklären Sie ihre Herkunft und führen Sie russische Äquivalente an.
1. Er könne sich nicht in die Betrachtung chinesischen Porzellans vertiefen,
während rings um ihn Maschinengewehre tickten. „Hier ist Rhodus, hier springen
Sie!“ forderte er. (L.Feuchtwanger, „Erfolg“). 2. Du wirst dich noch ins Zuchthaus
bringen und uns auch unglücklich machen... Ich habe keine Ruhe mehr...
Weihnachten steht vor der Tür,... und schließlich sitzt du dann schon hinter
schwedischen Gardinen. (H.J.Geyer, „Am Anfang stand das Ende“). 3. Gib ihnen nur
so viel Geld mit, wie sie ausgeben dürfen. Ich kenne meine Pappenheimer. Gib man
ihnen mehr, geben sie auch mehr aus! (Moderne deutsch Idiomatik). 4. Mein
Großvater war fünfzehn Jahre alt, als er seinen Vater verlor. Er war der Älteste von
sieben Geschwistern. Die Mutter konnte das Schuldgeld für den begabten Jungen
nicht mehr aufbringen. Statt das Gymnasium zu besuchen, mußte er ihr helfen, die
Geschwister zu ernähern, viele Jahre hindurch. Es war ein kaudinisches Joch, das
dem Knaben da auferlegt war – als er endlich, da alle versorgt waren, selber ans
Heiraten denken konnte, war er schon weit über die Dreißig hinaus. (Moderne
deutsche Idiomatik).
6. Schreiben Sie die stehenden Wortverbindungen aus, bestimmen Sie
ihre Art und finden Sie entsprechende ukrainische Äquivalente.
1. Mit dreitausend Mark im Monat kann man doch leben wie Gott in
Frankreich. (Moderne deutsche Idiomatik). 2. ...Die sehen schon Sodom und
Gomorha, wenn man nur sagt, man glaube an das Gute im Menschen. (M.Frisch,
„Biedermann und die Brandstifter“). 3. Hier passieren Niederlagen, aber die
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Leiber beginnen an die Wände ins Dunkel in die ägyptische Finsternis
zurückzufliehen. (B.Brecht). 4. Und sein Bruder Fritz wohnt irgendwo in
Buxtehude – ich weiß es nicht. (W. Friederich). 5. Jeder erwartet ein Geschenk
von mir oder will gar Geld. Ihr denkt wohl, ich bin der Onkel aus Amerika? ( W.
Friederich).
7. Übersetzen Sie die angeführten Sätze ins Ukrainische, schreiben Sie
die Phraseologismen aus, geben Sie, wo es möglich ist, entsprechende deutsche
Synonyme (Wörter oder freie syntaktische Wortverbindungen) an.
1. Ich kann nicht mit! Bei mir ist Holland in Not. Ich muß morgen einen
Artikel abliefern und hab noch gar nicht angefangen. (W. Friederich). 2. Und unser
Oberst! Der ist doch auch nicht der Mann dazu, sich irgendwen aufreden zu lassen.
Der kennt seine Pappenheimer. Und wenn er sich den Stechlin aussucht, dann weiß
er, warum. (Th.Fontane, „Der Stechlin“). 3. So hatten ihn die Gardinen seiner
Wohnung vor den schwedischen Gardinen bewahrt. (E.Weinert). 4. Jetzt noch mal
vor meinem Vater treten, nachdem ich mich erst so stolz von ihm abgewendet habe?
Diesen gang nach Kanossa bringe ich nicht fertig. (Moderne deutsche Idiomatik). 5.
Aber dann war ja alles ganz anders, dann war etwas faul im Staate Dänemark, dann
war er kein Verletzter, kein Gelähmter, kein Genesender. Dann war er einfach ein
fauler Kopf... (H.Fallada, „Wolf unter Wölfen“).
8. Suchen Sie in folgenden Sätzen die Phraseologismen aus und
bestimmen Sie, ihre syntaktische Rolle im Satz.
1. Ihnen Blumen bringen, hieße Eulen nach Athen tragen, Sie haben doch
selbst einen herrlichen Garten. Da müssen wir schon ein anderes Geschenk
bringen. (Moderne deutsche Idiomatik). 2. Es hieß „Italienische Nacht“:
Lampions, und was dazu gehört, besorgte Max. (K.J.Hirsch). 3. Wie man im
Himmel lebt, Madame, können Sie sich wohl vorstellen... Dort amüsiert man sich
- 45
ganz super ..., man lebt in lauter Lust und Plaisir, so recht wie Gott in Frankreich.
(H.Heine „Ideen. Das Buch Le Grand“). 4. Sie stellte sich mit dem Gesicht zum
Herd, murmelte etwas von Sünde und Schande, Sodom und Gomorrha, und ich
sagte: „Anna, mein Gott, denk doch dran, was die in Sodom und Gomorrha
wirklich gemacht haben“. (H.Böll, „Ansichten eines Clowns“).
9. Für welche reale Umstände passen die folgenden Phraseologismen.
Denken Sie sich einen größeren Kontext dazu.
1.Zieh noch schnell den Mantel an, nimm die Tasche und dann ab nach
Kassel! 2. Nur mit Mühe bekam er einen Platz auf dem Olymp. (G.Grass). 3. Du hast
ja auf keinem Gebiet eine Ahnung, man könnte annehmen, du kommst aus
Dummbach. 4. Die ganze Datenverarbeitung – das sind für mich spanische Dörfer. 5.
Unserem Schulmeister war nur das einzige primitive Lehrverfahren geläufig. Er
bleute uns etliche Weisheiten mit dem Nürnberger Trichter ein.
10. Bestimmen Sie die Stilfärbung der folgenden Phraseologismen.
1. Er läßt sich nichts vormachen, er sieht die Welt ohne Illusionen an, er kennt
seine Pappenheimer, er weiß, daß die meisten gewissenlos, lüstern und oberflächlich
sind. (E.Kreuder). 2. Na, nimm dir noch ein Stück Kuchen, aber dann ab nach
Kassel! Du störst mich hier in der Küche! 3. Ich kann dich nicht mehr riechen. Mach,
daß du nach Buxtehude kommst! 4. Er sitzt schon drei Monate hinter schwedischen
Gardinen. 5. Ich weiß nicht genau, wo er wohnt, irgendwo in Buxtehude.
11. Sagen Sie anders (führen Sie Periphrasen).
1.
Der Neue ist nicht aus Dummbach, ist fachlich sehr geschickt.
2.
Außer dieser Wohnung hat er noch ein Häuschen in Buxtehunde.
- 46
3.
Durch sein Rowdytum hat er es geschafft, daß er jetzt hinter
schwedischen Gardinen sitzt.
4.
Ich kenne meine Pappenheimer, ihr könnt mir nichts vortäuschen.
12.
Bilden
Sie
die
Situationen,
benutzen
Sie
dabei
folgende
Phraseologismen.
In der grossen Seestadt Leipzig; Lasst uns Lethe trinken! der Onkel aus
Amerika; den gordischen Knoten lösen; das sind mir / für mich bömische Dörfer; Tee
nach China tragen; aus Schwarzburg sein; aus / von Dummbach (Dummwitz /
Dummnau) sein; anno Leipzig einundleipzig; auf dem (hohen) Olymp sitzen; Ab
nach Kassel! alle Wohlgerüchte Arabiens.
13. Welche Assoziationen rufen die folgenden Phraseologismen herfor?
Ägyptische Arbeit; bis alle Gewässer im Rhein zusammen laufen; das dauert
keine Leipziger Messe; den Rubikon überschreiten; trojanisches Pferd; die Posaunen
/ die Mauern von Jericho; die schönen Tage in Aranjuez sind nun zu Ende; ein
barmherziger Samariter; eine babylonische Sprachverwirrung; eine italienische Nacht
feiern.
14. Nennen Sie Antonyme zu den folgenden Phraseologismen.
Es führen viele Wege nach Rom; etwas ist faul im Staate Dänemark; Bier
nach München tragen; hier ist nicht Kostnitz; Hier ist Rhodus, hier springe!; hinter
schwedischen Gardinen; ich kenne meine Pappenheimer; ich schlag dich, dass du die
Gänse in Paris gackern hörst; in Buxtehude, wo die Hunde mit dem Schwanz bellen;
ins Schlaraffenland gehören.
- 47
15. Nennen Sie Synonyme zu den folgenden Phraseologismen.
Leben wie (der liebe Herr-)Gott in Frankreich; man könnte nach Rom gehen
und wieder kommen; mit Spreewasser getauft sein; den Gang nach Kanossa tun /
antreten (müssen); nicht von / aus Dummsdorf sein; Rom wurde (auch) nicht an
einem Tage erbaut; sardonisches Lachen; sein Waterloo erleben; sich in einem
Eldorado befinden; Sodom und Gomorrha; von Niergendheim sein.
Thema: Die Mittel der Bildhaftigkeit im Deutschen. Die Grammatik in
stilistischer Betrachtung. Das Problem des Stils
Лекційні модулі:
1. Поняття образності. Порівняння: структура та стилістична функція.
2. Тропи та їх характеристика.
3. Граматичний устрій мови з точки зору стилістики.
4. Типи речень та їх стилістична функція.
5. Характеристика функціональних стилів у сучасній німецькій мові.
Vorlesung № 5
Thema: Mittel der Bildkraft.
Man unterscheidet 2 Komponenten der Bildkraft – Bildhaftigkeit und
Bildlichkeit.
Die Bildhaftigkeit erwächst aus der lexikalischen Struktur von Einzelwörtern
und Wendungen aufgrund direkter Bedeutung, oft
unterstützt durch die
Beschaffenheit der lautlichen Hülle. Diese erste Abart der Bildkraft ist an isolierten
Lexemen des Sprachsystems feststellbar.
- 48
Die
Bildlichkeit
entsteht
aufgrund
syntagmatisch
bedingter
Bedeutungsübertragung oder eines Begriffsaustausches, anders gesagt – sie ist
uneigentliche Rede, die erst im Sinnzusammenhang (Kontext und Situation)
eindeutig determiniert werden kann. Man findet sie sowohl in der Lexik, wie in der
Grammatik, wenngleich in unterschiedlichen Erscheinungsformen.
Das Schema der Komponenten der Bildkraft
Bildkraft (sprachliche Bilder)
III. Bildlichkeit
Tropen
aufgrund übertragener
(uneigentlicher)
Bedeutung oder des
Begriffsaustausches
Bildhaftigkeit
I. Wortwahl
aufgrund direkter
Bedeutung
II. Vergleiche
Bildhaft sind alle Wörter des Sprachsystems, die Gegenstände, Vorgänge und
Erscheinungen der wahrgenommenen Realität bei bloßer Nennung (außerhalb des
Kontextes) so lebendig und plastisch in unserem Bewusstsein reproduzieren, dass sie
Gesichts-, Gehörs-, Geruchs-, Geschmacks- und Tastenempfindungen hervorrufen.
Als bildhaft bezeichnen wir sie deshalb, weil sie durch die in ihrer lexischen Struktur
eingeschlossenen
semantischen
und
stilistischen
Bedeutungselemente
dem
- 49
Allgemeinbegriff klare Details verleihen und dadurch die konkrete Umrisse eines
Vorstellungsbildes zeichnen.
(z.B. Bengel anstatt „junger Bursche“; trippeln anstatt „mit kleinen Schritten
gehen“).
II. Vergleiche.
Dem Wesen und der paradigmatischen Wirkung nach unterscheidet man:
A). den Vergleich aufgrund direkter (eigentlicher) Bedeutung;
B). den Vergleich aufgrund metaphorischer, uneigentlicher Bedeutung, meist
hyperbolisch zugespitzt, emotional und subjektiv bewertend.
Der rational präzisierende Vergleich kann zweifellos zu den Mitteln der
Bildhaftigkeit eingereiht werden. So z.B. Mein Sohn ist so groß wie der Vater. (Hier
wird objektiv und wahrheitsgetreu festgestellt, dass der Mann und der Junge von
gleicher Grösse sind).
Die metaphorischen, hyperbolisch-emotionalen Vergleiche sind meist subjektiv
bewertend.
Z.B.
1. Du hast ja Nerven wie Stricke!
2. Der Himmel war gelb wie Messing und noch nicht verqualmt von Rauch
und Schornsteine. (E.M. Remarque).
Sein gelber Schopf glänzte wie die Haube eines Wiederkopfs. (E.M.
Remarque).
4. Nicht mehr zweistimmig schrill, sondern vierstimmig wie eine Orgel
klang der Gesang. (E.M. Remarque).
Nach der Häufigkeit und Verbreitung unterscheiden wir:
 individuelle (okkasionelle);
 gemeinsprachige (allmählich verblassende);
 verblasste Vergleiche.
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Seminar № 5
1. Die Bildlichkeit und Bildhaftigkeit.
2. Vergleich: das Wesen und Struktur.
3. Charakteristik der Vergleichsarten.
Praktische Übungen:
1. M. Brandes, L. Markina. Praktikum für die Stilistik. Seite 133-143.
Übungen 1-4.
Praktische Aufgaben zum Seminar № 5
1. Lesen Sie den Auszug. Bestimmen Sie, bitte, die Mittel, mit denen das
Bild geschaffen wurde.
Bild von Scarlett O’Hara („Vom Winde verweht“ M. Mitchell.)
„Allzu unvermittelt zeichneten sich in ihrem Gesicht die zarten Züge ihrer
Mutter, einer Aristokratin aus französischem Geblüt, neben den derben Linien ihres
urwüchsigen irischen Vaters ab. Dieses Antlitz mit dem spitzen Kinn und dem
starken Kiefer machte Stutzen. Zwischen den strahlen förmigen schwarzen Wimpern
prangte ein paar blaßgrüner Augen ohne eine Spur von Braun. Die äußeren Winkel
zogen sich ein klein wenig in die Höhe, und auch die dichten, schwarzen Brauen
darüber verliefenin einer scharf nach oben gezogenen schrägen Linie von jener
marmorweißen Haut …“
1.1 Mit welchen mitteln der Bildlichkeit ist eine besondere emotionale
Wirkung im folgenden Gedicht von G. Weerth verbunden?
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Pfingstlied
Sie herzten und sie küssten sich
Mit liebevoller Gebärde.
Der junge Herr Frühling wonniglich,
der besuchte die alte Frau Erde.
Er ist der guten, ehrlichen Frau
Mit eins an den Hals gesprungen.
Dass bis hinauf in den Himmel blau
Nur Lust und Jubel erklungen.
„Mein Sohn, es freut uns, dass du hier!
Lang währte des Winters Tosen.
Meine Felder brauchen die goldne Zier,
meine Gärten Lilien und Rosen.
Verstummt sind all meine Nachtigall’n
Seit ich dich verloren hatte;
Drum schmücke den Vögeln die grünen Hall’n
Und den Hirschen die blumige Matte.
Ich habe so oft an dich gedacht.
Wenn es stürmte wilder und wilder,
Doch sprich, was hast du mir mitgebracht
Für die lieblichen Menschenbilder?“
„Für die Menschenbilder?“ versetzte da
Der junge Herr Frühling stutzend –
In die Tasche griff er behend: „Voilà!
Revolutionen ein Dutzend“.
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2. Setzen Sie folgende Beispiele, schreiben Sie die Vergleiche heraus,
bestimmen Sie, bitte, ihre Struktur und Funktion.
1) Und wie ein gellendes Lachen oder wie eine unbegreiflich selige
Verheißung schlang sich das erste Motiv hindurch.
2) Es scholl wie Hörner, die zum Aufbruch riefen.
3) Einmal war es, als ob fern und leise mahnend die ersten Akkorde des
flehenden, zerknirschten Gebetes vernehmbar werden wollten.
4) Es war ein Motiv, das erste Motiv, das erklang! Und was nun begann, war
ein Fest, ein Triumph, eine zügellose Orgie ebendieser Figur.
5) Das erste Motiv wieder da, diese armselige Erfindung, diese dumme und
geheimnisvolle Figur, dieses süße, schmerzliche Hinsinken von einer Tonart in die
andere.
6) Sie sah wunderschön aus. Der Nebel war wie ein leichter Duft, der sie noch
strahlender machte.
7) Eine Schulter war hochgeschoben, sie glänzte von irgendeinem Sicht wie
matte Bronze, und ein schmaler Streifen Licht fiel auch auf ihren Arm.
8) Die Wipfel waren schimmernde, helle Segel.
9) Der Himmel war gelb wie Messing und noch nicht verqualmt vom Rauch
der Schonsteine. Hinter den Dächern der Fabrik leuchtete er sehr stark. Die Sonne
musste gleich aufgehen.
Sie kam jeden Morgen zwei Stunden zum Aufräumen in die Werkstatt, und
man konnte ruhig so viel Geld umherliegen lassen, wie man wollte, sie führte es nicht
an – aber hinter Schnaps war sie her wie die Ratio hintern Speck.
10) Das Wetter wurde warm und feucht und es regnete einige Tage lang. Dann
klärte es sich auf, die Sonne fing an zu bruten, und als ich am Freitagmorgen in die
Werkstatt kam, sah ich Mathilde Stoß auf dem Hof stehen, den Besen unter den Arm
geklemmert, mit einem Gesicht wie ein gerührtes Nilpferd.
Die alte Stoß hat eine Nase wie ein Windhund.
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Die Sonne durchleuchtete seine Ohren, dass sie aussahen wie rubinfarbene
Kirchenfenster.
11) Ihr Schnurrbart zuckte und ihre Augenlieder klapperten wie bei einem
alten Uhu.
Er trat so kräftig auf den Gashebel, dass der Auspuff zwitscherte wie ein Feld
voll Lerchen im Sommer.
Die Musik verzauberte den Raum. Sie war wie Südwind, wie eine warme
Nacht, wie ein gebauschtes Segel unser Sternen, ganz und gar unwirklich, diese
Musik zu „Hoffmanns Erzählungen“.
12) Es wurde träumerisch – so träumerisch, wie eben ein Gorilla werden kann“.
(Remarque)
13) Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen.
(Reimer Maria Rilke „Einsamkeit“)
14) Was uns die Stunden gütig schufen,
Zerrint es wie der Wellenschlag.
(H. Heine „Abschiedsgruß“)
15) Schleiche wie der Mondenglanz,
Wie ein Floh im Hochzeitskranz.
(Clemens Brentano)
16) Ach Hexen, du schwimmst wie ein Fisch
Kaum trau’ ich meinen Augen.
(Clemens Brentano)
3) Finden Sie einfache und erweiterte Vergleiche in der schöngeistigen
Literatur. Bestimmen Sie ihre Rolle im Text (самостійно).
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4) Lesen Sie folgende Textauszüge, finden Sie Vergleiche, bestimmen Sie
ihre Rolle in den angeführten Beispielen. Bestimmen Sie ihre Struktur.
1) Mit einem plötzlichen Ruck warf er das Messer hoch, er schraubte sich mit
einem propellerartigen Summen hinauf, während die blanke Schneide in einem
Bündel letzter Sonnenstrahlen wie ein Fisch flimmerte, schlug oben an, verlor seine
Schwingung, und sauste scharf und gerade auf Jupps Kopf hinunter.
(„Der Mann mit den Messern“ Heinrich Böll)
2) Draußen begann es leise zu dämmern und es floss wie eine sanfte graue
Milch ins Zimmer.
(„Der Mann mit den Messern“ Heinrich Böll)
3) „… Schon wie Engel, voll Walhallas Wounge,
schön vor allen Jünglingen war er,
Himmlisch mild sein Blick wie Maiensonne,
Rückgestrahlt vom blauen Spiegelmeer.“
(Schiller)
4) Er liegt auf der Lauer, wittert, hechelt wie ein Hund, der die Beute vor der
Nase hat“.
(Steiniger „Rausch“)
5) „Wie verunglückte Schimpansen seht ihr aus, ihr jungen Revoluzzer und ihr
alter verhinderten Casanovas!“
(Schiller)
6) „Er sieht so aus, als würde die Sonne am Morgen aus dem Meer steigen und
abends zurücksinken ins Meer“.
(Peter Bischel)
7) „ Alle miteinander waren es gesunde, temperamentvolle junge Tiere von
geschmeidiger Armut und übeschwert von Gedanken, die Burschen ebenso reizbar
wie die Pferde, die sie ritten …“
8) Die Welt mit ihrem Gram und Glücke
Will ich, ein Pilger, frohbereit
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Betreten nur wie eine Brücke
Zu Dir, Herr, übern Strom der Zeit.
(A. von Droste – Hülshoff „Der Knabe im Moor“)
9) Unaufhörlich trieb die junge Erde
Durch das siebenfache Licht des Himmels;
Flüchtig nur wie einer Wolke Schatten
Lag auf ihrem Angesicht die Nacht.
(M.L. Kaschnitz „Juni“)
5. Bilden Sie bestimmte Situationen, wo die angegebenen Vergleiche
besonders gut passen.
Vergleiche
weiß wie Schnee
faul wie eine Drohne
zittern wie Espenlaub
geputzt wie ein Pfingstocks
etw. verbreitet sich wie ein Lauffeuer →
die Flamme, die sich durch strichartig auf dem Boden
ausgestreutes Schießpulver geradlinig vorwärtsbewegte
dumm wie die Nacht
stolz wie eine Laus auf dem Teller
klar wie Kristall
klar wie Kloßbrühe, wie Schuhwichs, wie Zwetschenbruhe, wie Mehlsuppe
lügen wie ein Lügenmeister, wie eine Leichenrede, wie geschmiert, wie gedruckt,
wie im Buch, wie telegraphiert, wie Hünchhausen, wie der Wetterdienst
störrisch wie ein Esel
dastehen wie die Kuh vorm neuen Tor
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6. Lesen Sie die Poesie von H. Heine. Bestimmen Sie die Rolle des
Vergleichs in den Gedichten.
Vergleiche in der Poesie von H. Heine
Aus dem Sonettenkranz an A.W. von Schlegel
Im Reifrockputz, mit Blumen reich verzieret,
Schönpflästerchen auf den geschminkten Wangen,
Mit Schnabelschuhn, mit Stickerein behangen,
Mit Turmfrisur, und wespengleich geschnüret:
So war die Aftermuse ausstaffieret,
Als sie einst kam, dich liebend zu umfangen.
Du bist ihr aber aus dem Weg gegangen
Und irrtest fort, von dunklem Trieb geführet.
Da fandest du ein Schloss in aller Wildnis,
Und drinnen lag, wie’n holdes Marmorbildnis,
Die schönste Maid in Zauberschlag versunken.
Doch wich der Zauber bald bei deinem Gruße,
Aufwachte lächelnd Deutschlands echte Muse
Und sank in deine Arme liebestrunken.
* * *
Ich will meine Seele tauchen
In der Kelch der Linie hinein;
Die Linie soll klingelnd hauchen
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Ein Lied von der Liebsten mein.
Das Lied soll schauern und beben,
Wie der Kuß von ihrem Mund,
Den sie mir einst gegeben
In wunderbar süßer Stund’.
* * *
Du liebst mich nicht, du liebst mich nicht,
Das kümmert mich gar wenig;
Schau’ ich dir nur ins Angesicht,
So bin ich froh wie’n König.
Du hassest, hassest mich sogar,
So spricht dein rotes Mündchen;
Reich’ mir es nur zum Küssen dar,
So tröst ich mich, mein Kindchen.
* * *
Wie die Weltanschaumgeborene
Strahlt mein Lieb in Schönheitsglanz,
Denn sie ist das auserkorene
Bräutchen eines fremden Manns.
Herz, mein Herz, du vielgeduldiges,
Grolle nicht ob dem Verrat;
Trag es, trag es, und entschuldig’ es,
Was die holde Thrörin that.
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* * *
Die Erde war so lange geizig,
Da kam der Mai, und sie ward spendabel,
Und alles lacht und jauchzt und freut sich,
Ich aber bin nicht zu lachen kapabel.
Die Blumen sprießen, die Glöcklein schallen,
Die Vögel sprechen wie in der Fabel;
Mir aber will das Gespräch nicht gefallen,
Ich finde alles miserabel.
Das Menschenvolk mich ennuyieret,
Sogar der Freund, der sonst passabel; Das kommt, weil man Madame titulieret
Mein süßes Liebchen, so süß und aimabel.
* * *
Am fernen Horizonte
Erscheint, wie ein Nebelbild,
Die Stadt mit ihren Türmen,
In Abenddämmrung gehüllt.
Ein feuchter Windzug kräuselt
Die graue Wasserbahn;
Mit traurigem Takte rudert
Der Schiffer in meinem Kahn.
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Die Sonne hebt sich noch einmal
Leuchtend vom Boden empor
Und zeigt mir jene Stelle, Wo ich das Liebste verlor.
* * *
Ich stand in dunklen Träumen
Und starrte ihr Bildnis an,
Und das geliebte Antlitz
Heimlich zu leben begann.
Um ihre Lippen zog sich
Ein Lächeln wunderbar,
Und wie von Wehmutstränen
Erglänzte ihr Augenpaar.
Auch meine Tränen flossen
Mir von den Wangen herab –
Und ach, ich kann es nicht glauben,
dass ich dich verloren hab’!
* * *
Wie der Mond sich leuchtend dränget
Durch den dunkeln Wolkenflor,
Also taucht dunkeln Zeiten
Mir ein lichtes Bild hervor.
Saßen all’ auf dem Verdecke,
Fuhren stolz hinab den Rhein,
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Und die sommergrünen Ufer
Glühn im Abendsonnenschein.
Sinnend saß ich zu den Füßen
Einer Dame, schön und hold;
In ihr liebes, bleiches Antlitz
Spielt’ das rote Sonnengold.
Lauten klangen, Buben sangen,
Wunderbare Fröhlichkeit!
Und der Himmel wurde blauer,
Und die Seele wurde weit.
Märchenhaft vorüber zogen
Berg’ und Burgen, Wald und Au; Und das alles sah ich glänzen
In dem Aug’ der schönen Frau.
* * *
Du bist wie eine Blume,
So hold und schön und rein’;
Ich schau’ dich an, und Wehmut
Schleicht mir ins Herz hinein.
Mir ist, als ob ich die Hände
Aufs Haupt dir legen sollst’,
Belend, dass Gott dich erhalte
So rein und schön und hold.
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* * *
Wie dunkle Träume stehen,
Die Häuser in langer Reih’;
Tief eingehüllt im Mantel,
Schreite ich schweigend vorbei.
Der Turm der Kathedrale
Verkündet die zwölfte Stund’;
Mit ihren Reizen Küssen
Erwartet mich Liebchen jetzund.
Der Mond ist mein Begleiter,
Er leuchtet mir freundlich vor;
Da bin ich an ihrem Hause,
Und freudig ruf’ ich empor:
Ich danke dir, alter Vertrauter,
Dass du meinen Weg erhellt;
Jetzt will ich dich entlassen,
Jetzt leuchte der übrigen Welt!
Und findest du einen Verliebten,
Der einsam klagt sein Leid,
So tröst’ ihn, wie du mich selber
Getröstet in alter Zeit.
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* * *
Nacht liegt auf den fremden Wegen –
Krankes Herz und müde Glieder; Ach, da fließt wie stiller Segen,
Süßer Mond, dein Licht hernieder.
Süßer Mond, mit deinem Strahlen
Scheuchest du das nächt’ge Grauen;
Es zerrinnen meine Qualen,
Und die Augen übertauen.
* * *
Es klingt wie Liebestöne
Alles, was ich denk’ und fühl’.
Ach! Da hat der kleine schöne
Liebesgott die Hand in Spiel.
Der Maёstro im Theater
Meines Herzens ist er jetzt;
Was ich fühl’ und denke, hat er
Gleich schon in Musik gesetzt.
* * *
Auf dem Berge steht die Hütte,
Wo der alte Bergmann wohnt;
Dorten rauscht die grüne Tanne,
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Und erglänzt der goldne Mond.
In der Hütte steht ein Lehnstuhl,
Ausgeschnitzelt wunderlich;
Der darauf sitzt, der ist glücklich,
Und der Glückliche bin ich!
Auf dem Schemel sitzt die Kleine,
Stützt den Arm auf meinen Schoß;
Äuglein wie zwei blaue Sterne,
Mündlein wie die Purpurros’.
Und die lieben blauen Sterne
Schaun mich an so himmelgroß;
Und sie legt den Lilienfinger
Schalkhaft auf die Purpurros’.
Nein, es sieht uns nicht die Mutter,
Denn sie spinnt mit großem Fleiß,
Und der Vater spielt die Zither,
Und er singt die alte Weiß’.
Und die Kleine flüstert leise,
Leise, mit gedämpftem Laut;
Manches wichtige Geheimnis
Hat sie mir schon anvertraut:
Aber seit die Muhme tot ist,
Können wir ja nicht mehr gehen
Nach dem Schützenhof zu Goslar,
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Dorten ist es gar zu schön.
Hier dagegen ist es einsam,
Auf kalten Bergeshöh’,
Und des Winters sind wir gänzlich
Wie begraben in dem Schnee.
Und ich bin ein banges Mädchen,
Und ich fürcht’ mich wie ein Kind
Vor den bösen Bergesgeistern,
Die des Nachts geschäftig sind.
Plötzlich schweigt die Kleine,
Wie vom eignen erschreckt,
Und sie hat mit beiden Händchen
Ihre Äugelein bedeckt.
Lauter rauscht die Tanne draußen,
Und das Spinnrad schnurrt und brummt,
Und die Zither klingt dazwischen,
Und die alte Weise summt:
Fürcht’ dich nicht, du liebes Kindchen,
Vor der bösen Geister Nacht!
Tag und Nacht, du liebes Kindchen,
Halten Englein bei dir Wacht!
* * *
Die du bist so schön und rein,
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Wundervolles Madeleine,
Deinem Dienste ganz allein
Möcht’ ich wohl mein Leben wein.
Deine süßen Äugelein
Glänzen mild wie Mondesschein;
Helle Rosenlichter streun
Deine roten Wangelein.
Und aus deinem Mündchen klein
Blinkt’s hervor wie Perlenrein;
Doch den schönsten Edelstein
Hegt dein Busen schrein.
Fromme Minne mag es sein,
Was Minne mag es sein,
Als ich weiland schaute dein,
Wundervolles Madeleine!
* * *
Es fasst mich wieder der alte Mut,
Mir ist, als jagt’ ich zu Rosse,
Und jagte wieder mit liebender Glut
Nach meiner Liebsten Schlosse.
Es fasst mich wieder der alte Mut
Mir ist, als jagt’ ich zu Rosse,
Und jagte zum Streite mit hassender Wut,
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Schon harret der Kampfgenosse.
Ich jage geschwind wie der Wirbelwind,
Die Wälder und Felder fliegen!
Mein Kampfgenoss und mein schönes Kind,
Sie müssen beide erliegen.
* * *
Mir redet ein die Eitelkeit,
Dass du mich heimlich liebest;
Doch klügre Einsicht flüstert mir,
Dass du nur Großmut übest;
Dass du den Mann zu würd’gen strebst,
Den andre unterschätzen,
Dass du mir doppelt gültig bist,
Weil andre mich verletzen.
Du bist so hold, du bist so schön,
So tröstlich ist dein Kosen;
Die Worte klingen wie Musik
Und duften wie die Rosen.
Du bist mir wie ein hoher Stern,
Der mich vom Himmel grüßet
Und meine Erdennacht erhellt,
Und all mein Leid versüßet.
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* * *
Ich wandle unter Blumen
Und blühe selber mit;
Ich wandle wie im Träume,
Und schwanke bei jedem Schritt.
O, halt mich fest, Geliebte!
Vor Liebestrunkenheit
Fall’ ich dir sonst zu Füßen,
Und der Garten ist voller Leut’.
* * *
Wie des Mondes Abbild zittert
In den wilden Meereswogen,
Und er selber still und sicher
Wandelt an dem Himmelsbogen:
Also wandelst du, Geliebte,
Still und sicher, und es zittert
Nur dein Abbild mir im Herzen,
Weil mein eignes Herz erschüttert.
* * *
Das du mich liebst, das wußt’ ich,
Ich hatt’ es längst entdeckt;
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Doch als du mir’s gestanden,
Hat es mich tief erschreckt.
Ich stieg wohl auf die Berge
Und jubelte und sang;
Ich ging ans Meer und weinte
Beim Sonnenuntergand.
Mein Herz ist wie die Sonne
So flammend anzusehn,
Und in ein Meer von Liebe
Versinkt es groß und schön.
* * *
Mit schwarzen Segeln segelt mein Schiff
Wohl über das wilde Meer;
Du weißt, wie sehr ich traurig bin,
Und kränkst mich doch so schwer.
Dein Herz ist treulos wie der Wind
Und flattert hin und her;
Mit schwarzen Segeln segelt mein Schiff
Wohl über das wilde Meer.
VOLKSTÜMLICHKEIT DER SPRACHE
1. Beweisen Sie anhand der lexischen und grammatischen Analyse von Luthers
„Sendbrief vom Dolmetschen“ die Volkstümlichkeit seiner Sprache (natürliche
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Bildlichkeit, derbes Wort, sprichwörtlicher Ausdruck usw.) Wodurch wird die
Lebendigkeit und Leidenschaft seiner Sprache erreicht?
Sendbrief vom Dolmetschen
Gnad und Friede in Christo. Ehrbar, fürsichtiger lieber Herr und Freund! Ich
hab euer Schrift empfangen mit den zwo Questen oder Fragen, darin ihr meines
Berichts begehrt: Erstlich warum ich zum Römern am dritten Kapitel die Wort St.
Pauli: „Arbitramur hominem justificari ex fide absque operibus" also verdeutscht
habe: Wir halten, daß der Mensch gerecht werde ohn des Gesetzes Werk, allein durch
den Glauben. — Ich hab mich deß geflissen im Dolmetschen, daß ich rein und klar
Deutsch geben mцchte. Und ist uns wohl oft begegnet, daЯ wir vierzehn Tage, drei,
vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, habens dennoch zuweilen
nicht funden.
Im Hiob arbeiten wir also, M. Philips, Aurogallus und ich, daß wir in vier
Tagen zuweilen kaum drei Zeilen kunnten fertigen. Lieber, nu es verdeutscht und
bereit ist, kanns ein jeder lesen und meistern; läuft einer itzt mit den Augen durch
drei, vier Blätter und stößt nicht einmal an; wird aber nicht gewahr, welche Wacken
und Klötze da gelegen sind, da er itzt über hin gehet, wie über ein gehobelt Brett, da
wir haben müßt schwitzen und uns ängsten, ehe denn wir solche Wacken und Klötze
aus dem Wege räumeten, auf daß man künnte so fein daher gehen. Es ist gut pflügen,
wenn der Acker gereinigt ist; aber den Wald und die Stöcke ausrotten und den Acker
zurichten, da will Niemand an. Es ist bei der Welt kein Dank zu verdienen. Kann
doch Gott selbst mit der Sonnen, ja mit Himmel und Erden, noch mit seines eigen
Sohns Tod, keinen Dank verdienen; sie sei und bleibe Welt des Teufels Namen, weil
sie ja nicht anders will.
Also habe ich hie Rom. 3. fast wohl gewußt, daß im lateinischen und
griechischen Text das Wort sola nicht stehet. Wahr ists, diese vier Buchstaben SOLA
stehen nit drinnen, welche Buchstaben die Eselsköpfe ansehen, wie die Kühe ein neu
Tor. Sehen aber nicht, daß es gleichwohl die Meinung des Textes in sich hat, und wo
mans will klar und gewaltiglich verdeutschen, so gehöret es hinein. Denn ich habe
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Deutsch nicht Lateinisch noch Griechisch reden wollen, da ich Deutsch zu reden im
Dolmetschen fürgenommen hatte. Das ist aber die Art unser deutschen Sprache, wenn
sich eine Rede begiebt von zweien Dingen, der man eins bekennet und das ander
verneinet, so braucht man des Worts solum (allein) neben dem Wort nicht oder kein.
Als wenn man sagt: Der Bauer bringt allein Korn, und kein Geld. Item, ich hab wahrlich itzt nicht Geld sondern allein Korn. Ich hab allein gessen und noch nicht
getrunken. Hast du allein geschrieben und nit überlesen? Und dergleichen unzählige
Weise im täglichen Brauch.
In diesen Reden allen, obs gleich die lateinische oder griechische Sprach nicht
tut, so tuts doch die deutsche, und ist ihr Art, daß sie das Wort allein hinzusetzt, auf
daß das Wort nicht oder kein desto völliger und deutlicher sei. Denn wiewohl ich
auch sage: Der Bauer bringt Korn und kein Geld, so laut doch das Wort kein Geld
nicht so völlig und deutlich, als wenn ich sage: Der Bauer bringt allein Korn und kein
Geld; und hilft hie das Wort allein dem Wort kein so viel, daß es ein völlige deutsche
klare Rede wird. Denn man muß nicht die Buchstaben in der lateinischen Sprachen
fragen wie man soll deutsch reden, sondern man muß die Mutter im Hause, die
Kinder auf der Gassen, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und
denselbigen auf das Maul sehen, wie sie reden, und darnach dolmetschen; so
verstehen sie es denn und merken, daß man deutsch mit ihn redet.
Als wenn Christus spricht: Ex abundantia cordis os loquitur. Wenn ich den Eseln soll
folgen, die werden mir die Buchstaben fürlegen und also dolmetschen: Aus dem
Überfluß des Herzen redet der Mund. Sage mir, ist das Deutsch geredt? Welcher
Deutscher verstehet solchs? Was ist Überfluß des Herzen für ein Ding? Das kann
kein Deutscher sagen, er wollt denn sagen, es sei, daß einer allzu ein groß Herz habe
oder zu viel Herzens habe. Wiewohl das auch noch nicht recht ist. Denn Überfluß des
Herzen ist kein Deutsch; so wenig als das Deutsch ist: Überfluß des Hauses, Überfluß
des Kachelofens, Überfluß der Bank, sondern also redet die Mutter im Hause und der
gemeine Mann: Weß das Herz voll ist, deß gehet der Mund über. Das heißt gut
Deutsch geredt: deß ich mich geflissen und leider nicht allewege erreicht noch troffen
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habe. Denn die lateinischen Buchstaben hindern aus der Maßen sehr, gut Deutsch zu
reden ...
BILDHAFTIGKEIT DER SPRACHE
1. Mit welchen Mitteln wird der barocke Stil der Sonette von A. Gryphius
geschaffen (der blumige, überpathetische, mit „Zentnerworten" jonglirende
Stil)?
Mord! Zetter! Jammer! Angst! Kreuz! Marter! Wurme! Plagen! Pech! Folter!
Henker! Flamm! Stank! Geister! Kälte! Zagen!
Ach vergeh
Tief und Höh'!
Meer! Hügel! Berge! Fels! wer kann die Pein ertragen! Schluck Abgrund! ach
schluck ein, die nichts denn ewig klagen!
Je und eh!
Schreckliche Geister der dunklen Höhlen! ihr, die ihr martert und Marter
erduldet!
Kann denn der ewigen Ewigkeit Feuer nimmermehr büßen dies — was ihr
verschuldet?
O grausam Angst! stets sterben, sonder sterben.
Dies ist die Flamme der grimmigen Rache, die der erhitzte Zorn angeblasen!
Hier ist der Fluch der unendlichen Strafen; hier ist das immerdar wachsende Rasen;
O Mensch! verdirb, um hier nicht zu verderben!
O Feuer wahrer Lieb! O Brunn der guten Gaben!
O Meister aller Kunst! O höchste Heiligkeit!
O dreimal großer Gott! O Lust, die alles Leid
Vertreibt! O keusche Taub! O Furcht der Höllenraben!
Die, eh das wüste Meer mit Bergen rings umgraben,
Eh Luft und Erden ward, eh das gestirnte Kleid
Dem Himmel angelegt, vor Anbeginn der Zeit,
Die zwei, die ganz dir gleich, von sich gelassen haben!
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O Weisheit ohne Maß! O reiner Seelen Gast!
O teure Gnaden — quell! O Trost in herber Last!
O Regen, der in Angst mit Segen uns befeuchtet!
Ach laß ein Tropf lein nur von deinem Leben — tau
Erfrischen meinen Geist! Hilf, daß ich doch nur schau
Ein Fünklein deiner Glut! so bin ich ganz erleuchtet.
2. Mit welchen lexischen und grammatischen Mitteln wird die sentimentale
Wirkung im nachstehenden Auszug aus J. W. Goethes „Die Leiden des jungen
Werther" erreicht?
Ossian hat in meinem Herzen den Homer verdrängt. Welch eine Welt, in die
der Herrliche mich führt! Zu wandern über die Heide, umsaust vom Sturmwinde, der
in dampfenden Nebeln die Geister der Väter im dämmernden Lichte des Mondes
hinführt. Zu hören vom Gebirge her, im Gebrülle des Waldstroms, halb verwehtes
Ächzen der Geister aus ihren Höhlen, und die Wehklagen des zu Tode sich
jammernden Mädchens, um die vier moosbedeckten, grasbewachsenen Steine des
Edelgefallenen, ihres Geliebten. Wenn ich ihn dann finde, den wandelnden grauen
Barden, der auf der weiten Heide die Fußstapfen seiner Väter sucht, und ach! ihre
Grabsteine findet, und dann jammernd nach dem lieben Sterne des Abends hinblickt,
der sich ins rollende Meer verbirgt, und die Zeiten der Vergangenheit in des Helden
Seele lebendig werden, da noch der freundliche Strahl den Gefahren der Tapferen
leuchtete, und der Mond ihr bekränztes, sieg-rückkehrendes Schiff beschien! Wenn
ich den tiefen Kummer auf seiner Stirn lese, den letzten verlaßnen Herrlichen in aller
Ermattung dem Grabe zuwanken sehe, wie er immer neue schmerzlich glühende
Freuden in der kraftlosen Gegenwart der Schatten seiner Abgeschiedenen einsaugt,
und nach der kalten Erde, dem hohen wehenden Grase niedersieht, und ausruft: Der
Wanderer wird kommen, kommen, der mich kannte in meiner Schönheit, und fragen:
Wo ist der Sänger, Fingais trefflicher Sohn? Sein Fußtritt geht über mein Grab hin,
und er fragt vergebens nach mir auf der Erde.— O Freund! ich möchte gleich einem
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edeln Waffenträger das Schwert ziehen, meinen Fürsten von der zückenden Qual des
langsam absterbenden Lebens auf einmal befreien und dem befreiten Halbgott meine
Seele nachsenden...
3. Auf welchem Stilgriff beruht die Beschreibung der Natur in den untenstehenden Auszügen aus H. Heines „Die Harzreise". Vergleichen Sie diese
Naturbeschreibung mit der Beschreibung der Nacht von Novalis auf S. 138.
Allerliebst schössen die goldenen Sonnenlichter durch das dichte Tannengrün.
Eine natürliche Treppe bildeten die Baumwurzeln. Überall schwellende Moosbänke;
denn die Steine sind fußhoch von den schönsten Moosarten, wie mit hellgrünen
Sammetpolstern, bewachsen. Liebliche Kühle und träumerisches Quellengemurmel.
Hier und da sieht man, wie das Wasser unter den Steinen silberhell hinrieselt und die
nackten Baumwurzeln und Fasern bespült. Wenn man sich nach diesem Treiben
hinabbeugt, so belauscht man gleichsam die geheime Bildungsgeschichte der
Pflanzen und das ruhige Herzklopfen des Berges. An manchen Orten sprudelt das
Wasser aus den Steinen und Wurzeln stärker hervor und bildet kleine Kaskaden. Da
läßt sich gut sitzen. Es murmelt und rauscht so wunderbar, die Vögel singen
abgebrochene Sehnsuchtslaute, die Bäume flüstern wie mit tausend Mädchenzungen,
wie mit tausend Mädchenaugen schauen uns an die seltsamen Bergblumen, sie
strecken nach uns aus die wundersam breiten, drollig gezackten Blätter, spielend
flimmern hin und her die lustigen Sonnenstrahlen, die sinnigen Kräutlein erzählen
sich grüne Märchen, es ist alles wie verzaubert, es wird immer heimlicher und heimlicher, ein uralter Traum wird lebendig, die Geliebte erscheint— ach, daß sie so schnell
wieder verschwindet!
Es ist unbeschreibbar, mit welcher Fröhlichkeit, Naivität und Anmut die Ilse
sich hinunterstürzt über die abenteuerlich gebildeten Felsstücke, die sie in ihrem
Laufe findet, so daß das Wasser hier wild emporzischt oder schäumend überläuft,
dort aus allerlei Steinspalten, wie aus tollen Gießkannen, in reinen Bögen sich ergießt
und unten wieder über die kleinen Steine hintrippelt, wie ein munteres Mädchen. Ja,
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die Sage ist wahr, die Ilse ist eine Prinzessin, die lachend und blühend den Berg
hinabläuft. Wie blinkt im Sonnenschein ihr weißes Schaumgewand! Wie flattern im
Winde ihre silbernen Busenbänder! Wie funkeln und blitzen ihre Diamanten! Die
hohen Buchen stehen dabei gleich ernsten Vätern, die verstohlen lächelnd dem
Mutwillen des lieblichen Kindes zusehen; die weißen Birken bewegen sich tantenhaft
vergnügt und doch zugleich ängstlich über die gewagten Sprünge; der stolze
Eichbaum schaut drein wie ein verdrießlicher Oheim, der das schöne Wetter bezahlen
soll; die Vögelein in den Lüften jubeln ihren Beifall, die Blumen am Ufer flüstern
zärtlich: „Oh, nimm uns mit, nimm uns mit, lieb Schwesterchen!" — aber das lustige
Mädchen springt unaufhaltsam weiter, und plötzlich ergreift sie den träumenden
Dichter, und es strömt auf mich herab ein Blumenregen von klingenden Strahlen und
strahlenden Klängen, und die Sinne vergehen mir vor lauter Herrlichkeit, und ich
höre nur noch die flötensüße Stimme ...
4. a) Welche Stilmittel dienen zur Schaffung des ästhetisierenden Sprachsystems
im unten angeführten Auszug aus den „Hymnen an die Nacht" des reaktionären
Romantikers Novalis? Beachten Sie besonders die allegorische Personifizierung,
b)
Welche
grammatischen
Mittel
unterstreichen
den
geschraubten
Deklamationsrhythmus dieses Prosastücks?
Hymnen an die Nacht
Welcher Lebendige, Sinnbegabte, liebt nicht vor allen Wundererscheinungen
des verbreiteten Raums um ihn, das allerfreuliche Licht mit seinen Farben, seinen
Strahlen und Wogen, seiner milden Allgegenwart, als weckender Tag? Wie des
Lebens innerste Seele atmet es der rastlosen Gestirne Riesenwelt, und schwimmt
tanzend in seiner blauen Flut; atmet es der funkelnde, ewig ruhende Stein, die
sinnige, saugende Pflanze, und das wilde, brennende, vielgestaltete Tier; vor allen
aber der herrliche Fremdling mit den sinnvollen Augen, dem schwebenden Gange,
und den zartgeschlossenen, tonreichen Lippen. Wie ein König der irdischen Natur
ruft es jede Kraft zu zahllosen Verwandlungen, knüpft und löst unendliche
- 75
Bündnisse, hängt sein himmlisches Bild jedem irdischen Wesen um. Seine
Gegenwart allein offenbart die Wunderherrlichkeit der Reiche der Welt.
Abwärts wend' ich mich zu der heiligen, unaussprechlichen, geheimnisvollen
Nacht. Fernab liegt die Welt, in eine tiefe Gruft versenkt: wüst und einsam ist ihre
Stelle. In den Saiten der Brust weht tiefe Wehmut. In Tautropfen will ich
hinuntersinken, und mit der Asche mich vermischen.— Fernen der Erinnerung,
Wünsche der Jugend, der Kindheit Träume, des ganzen langen Lebens kurze Freuden
und vergebliche Hoffnungen kommen in grauen Kleidern, wie Abendnebel nach der
Sonne Untergang. In andern Räumen schlug die luftigen Gezelte das Licht auf. Sollte
es nie zu seinen Kindern wiederkommen, die mit der Unschuld Glauben seiner
harren?
Was quillt auf einmal so ahnungsvoll unterm Herzen, und verschluckt der
Wehmut weiche Luft? Hast auch du ein Gefallen an uns, dunkle Nacht? Was hältst du
unter deinem Mantel, das mir unsichtbar kräftig an die Seele geht? Köstlicher Balsam
träuft aus deiner Hand, aus dem Bündel Mohn. Die schweren Flügel des Gemüts
hebst du empor. Dunkel und unaussprechlich fühlen wir uns bewegt: ein ernstes Antlitz seh' ich, froh erschrocken, das sanft und andachtsvoll sich zu mir neigt, und unter
unendlich verschlungenen Locken der Mutter liebe Jugend zeigt. Wie arm und
kindisch dünkt mir das Licht nun! Wie erfreulich und gesegnet des Tages Abschied!
—Also nur darum, weil die Nacht dir abwendig macht die Dienenden, säetest du in
des Raumes Weiten die leuchtenden Kugeln, zu verkünden deine Allmacht, deine
Wiederkehr, in den Zeiten deiner Entfernung? Himmlischer, als jene blitzenden
Sterne, dünken uns die unendlichen Augen, die die Nacht in uns geöffnet. Weiter
sehen sie, als die blassesten jener zahllosen Heere; unbedürftig des Lichtes
durchschaun sie die Tiefen eines liebenden Gemütes, was einen höhern Raum mit
unsäglicher Wollust füllt. Preis der Weltkönigin, der hohen Verkündigerin heiliger
Welten, der Pflegerin seliger Liebe! Sie sendet mir dich, zarte Geliebte, liebliche
Sonne der Nacht. Nun wach' ich, denn ich bin Dein und Mein: du hast die Nacht mir
zum leben verkündet, mich zum Menschen gemacht. Zehre mit Geisterglut meinen
Leib, daß ich luftig mit dir inniger mich mische, und dann ewig die Brautnacht währt.
- 76
5. Mit welchen Mitteln der Bildhaftigkeit ist eine besondere emotionale Wirkung
im folgenden Gedicht von G. Weerth verbunden?
Pfingstlied
Sie herzten und sie küßten sich
Mit liebevoller Gebärde.
Der junge Herr Frühling wonniglich,
Der besuchte die alte Frau Erde.
Er ist der guten, ehrlichen Frau
Mit eins an den Hals gesprungen.
Daß bis hinauf in den Himmel blau
Nur Lust und Jubel erklungen.
„Mein Sohn, es freut uns, daß du hier!
Lang währte des Winters Tosen.
Meine Felder brauchen die goldne Zier,
Meine Gärten Lilien und Rosen.
Verstummt sind all meine Nachtigall'n
Seit ich dich verloren hatte;
Drum schmücke den Vögeln die grünen Hall'n
Und den Hirschen die blumige Matte.
Ich habe so oft an dich gedacht.
Wenn es stürmte wilder und wilder,
Doch sprich, was hast du mir mitgebracht
Für die lieblichen Menschenbilder?"
„Für die Menschenbilder?" versetzte da
Der junge Herr Frühling stutzend —
In die Tasche griff er behend: „Voila!
Revolutionen ein Dutzend."
- 77
Vorlesung № 6-8
Thema: Tropen und ihre Charakteristik.
Die Tropen sind Mittel des bildlichen Ausdrucks auf Grund übertragener
Wortbedeutung. Wieder treten zwei Wörter aus verschiedenen Begriffsbezirken
zueinander in Beziehung; aber diesmal werden sie nicht – wie beim Vergleich –
nebeneinandergestellt, sondern eins durch das andere ausgetauscht. Dabei entsteht
eine neue begriffliche Qualität.
Unter Tropus (griech.: „Wendung, Vertauschung des Ausdrucks“) versteht
man:
1. die Übertragung der Namensbezeichnung von einem Gegenstand auf einen
anderen, von einer Erscheinung auf eine andere unter der Voraussetzung, dass eine
äußere oder innere Ähnlichkeit (oft Ähnlichkeit der Funktion) diese Übertragung
rechtfertigt. In diesem Fall sprechen wir von der Metapher und ihren Abarten. Das
Gemeinsame zwischen Grund- Übertragungsbegriff wird, ebenso wie beim
Vergleich, „tertium comparationis“ genannt.
2. den Ersatz der Namensbezeichnung durch eine andere unter der
Voraussetzung, dass zwischen den zugehörigen Gegenständen oder Erscheinungen
ein logisches Abhängigkeitsverhältnis in Zeit, Raum, Stoff usw. besteht, irgendeine
kausale, qualitative oder quantitative Beziehung. In diesem Fall sprechen wir von der
Metonymie
in
ihren
zahlreichen
Erscheinungsformen.
Das
logische
Abhängigkeitsverhältnis, auf Grund dessen ein Wort durch ein anderes ersetzt werden
kann, könnte man als „Vertauschungsbasis“ bezeichnen.
1. Hauptmittel der bildlichen Ausdrucksweise ist die Metapher, eine
Erscheinung, die nicht als Einzelwort, sondern als kleines „Stück Text“
verstehen
ist.
Wie
groß
der
Sinnzusammenhang
sein
muß,
um
zu
die
Bedeutungsübertragung richtig zu erfassen, hängt vom Inhalt der Aussage und ihrer
sprachlichen Ausformung ab. Nach ihrer Genesis kann man zwei Arten der
Metaphern unterscheiden: a) solche, bei denen das Sem der bildlichen Übertragung
sich innerhalb einer lexischen Struktur befindet, und b) solche, bei denen aufgrund
- 78
emotionaler oder/und rationaler Vergleichsmöglichkeit ein gemeinsames Merkmal
verschiedener lexischer Strukturen semantisch modifiziert wird.
2. Der metaphorische Text ist durch eine gewisse Doppelbödigkeit
gekennzeichnet, insofern gleichzeitig zwei Assoziationslinien zusammenwirken, die
zu verschiedenen Denotaten führen, aber doch durch ein gemeinsames Merkmal
(seltener durch mehr als eines) zueinander in Verbindung stehen.
Zur Entstehung des zweiten metaphorischen Typs: Voraussetzung ist hier ein
konnotationsreiches tertium comparationis zwischen zwei verschiedenen lexischen
Strukturen. Zum richtigen Verständnis dieser konkreten Stilfigur müssen wir oft den
Großkontext ins Auge fassen.
3. Wie beim Vergleich, unterscheiden wir auch hier nach Häufigkeit und
Verbreitung individuelle, gemeinsprachliche und verblasste sowie nach ihrer
Struktur, knappe, erweiterte und ausgebaute (ausgeschlossene Metaphern).
4. Die Metapher kommt in allen funktionalen Stilen in stärkerer oder geringerer
Frequenz vor – gewiß mit manchen Unterschiedlichkeiten in ihren Wesen, der
strukturellen Beschaffenheit und vor allem in ihrer pragmatischen Funktion. Wenn
sie in der schönen Literatur ästhetische Wirkung, in der Publizistik hauptsächlich
Appell, in der Alltagsrede Eindringlichkeit, Humor und Spott hervorruft, so dient sie
in der Wissenschaft teils zur Benennung neuer Denotate, neuer Abstraktionen, aber
darüber hinaus auch zur Veranschaulichung und Verlebendigung der Darstellung,
zum leichteren Verständnis der Aussage.
5.
a) Unter Metapher verstehen wir die Namensübertragung von einem
Denotat auf ein anderes aufgrund eines gemeinsamen Merkmals (Vergleichsbasis,
beruhend
auf
dem
gleichen
lexischen
Sem).
Die
kontrastierenden
Bedeutungselemente des Grundbegriffs treten in den Hintergrund, können aber
gelegentlich implizit zum Durchbruch kommen.
b) Die Metaphorisierung führt als Ergebnis entweder zur Benennung bisher
noch unbenannter Denotate oder zur begrifflichen Präzisierung sowie zur
emotionalen Veranschaulichung bereits bestehender Bezeichnungen für konkrete
und abstrakte Gegebenheiten.
- 79
c) der „semantische Mehrwert“ der Metapher (Terminus von Fonagy) erwächst
aus dem Verhältnis des Wortes mit direkter Bedeutung zum Kontext; er beruht auf
dem Zusammenschwingen von Grund- und Übertragungsbegriff, auf einer gewissen
Zweischichtigkeit
des
Kommunikationsprozesses
(Doppelbödigkeit,
Unterschwelligkeit).
d) Bei jeder Metapher macht sich mehr oder weniger stark die semantische
Unverträglichkeit der lexischen Elemente (in direkter Bedeutung) sowie deren
ungewöhnliche
Valenz
bemerkbar.
Anstelle
der
erwarteten
Determination
(Vorhersehbarkeit der Aussage) kann Konterdetermination erfolgen, eine getäuschte
Erwartung, ein Überraschungseffekt, ein V-Effekt (Verfremdungseffekt).
e) Wir vertreten die Meinung, dass bei der kühnen Metapher das tertium
comparationis keinesfalls so weit in den Hintergrund treten darf, dass die Bildlichkeit
– zusammen mit der Bildhaftigkeit – fast oder völlig verbleicht. Auch wir sehen die
Metapher als Mittel der Spannung an, aber einer Spannung, bei der das
„metaphorische Rätsel“, trotz aller Widersprüchlichkeit der direkten Aussage, trotz
eingetretener Konterdetermination, dennoch gelöst wird. Als kühne Metaphern
bezeichnen wir originelle Bilder, die letztlich im Gesamtzusammenhang die
Mitteilungsabsicht des Senders aufdecken sollen. Selbst bei der kühnsten Metapher
darf es zu keiner Informationsstörung kommen. Das Gesagte schließt aber nicht aus,
dass immer noch genügend Raum für gedankliche, gefühls- und willensmäßige
Konnotationen bleibt.
Seminar № 6
1. Die Tropen als Mittel der Bildhaftigkeit.
2. Die Metaphern und ihre Funktion.
3. Die Metonymien und ihre Funktion.
Literatur:
1. E. Riesel „Deutsche Stilistik“. – M., 1975. – 314 S.
- 80
Praktische Aufgaben zum Seminar № 6
1. Lesen Sie folgende Beispiele, bestimmen Sie, bitte, die Metaphern und
Metonymien. Übersetzen Sie diese Beispiele in die Muttersprache.
„Ich sah sie vor mir, schön, jung, voll Erwartung, ein Schmetterling, verflogen
durch einen glücklichen Zufall in mein angebrauchtes, schäbiges Zimmer, in mein
belangloses, sinnloses Leben, bei mir und doch nicht bei mir - ein Atemzug nur; und
er konnte sich heben und wieder davonfliegen - schlecht mich, verdammt mich, ich
konnte es nicht, ich konnte nicht nein sagen, nicht sagen, dass ich nie dagewesen war,
jetzt nicht …“
„Der Nebel verwandelte alles, er hob es hoch und löste es los, das Hotel
gegenüber schwamm schon wie ein Ozeandampfer mit erleuchteten Kabinen über
dem schwarzen Spiegel des Asphalts, der graue Schatten der Kirche dahinter wurde
zu einem gespenstischen Segelschiff mit hohen Masten, die sich im grauroten Licht
verloren, und nun begannen auch die Schleppzüge der Häuser zu schwimmen, zu
treiben…“
„Wir versinken in Erinnerungen… Es war der Schnee der Erinnerungen.“ (E.
Strittmatter „Ole Bienkopp“)
„Die Zeit schien aufgehoben zu sein sie war nicht mehr ein Strom, der aus dem
Dunkel kam und ins Dunkel ging – sie war ein See in dem sich lautlos das Leben
spiegelte.“ (E.M. Remarque „Drei Kameraden“)
„Golden floß der Kognak, der Gin glänzte wie Aquamarin und der Rum war
das Leben selbst.“ (E.M. Remarque „Drei Kameraden“)
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„Er sah aus, als verlöre sich die Krone in der Dämmerung darüber – wie eine
riesige, gespreizte Hand, die in einer ungeheueren Sehnsucht nach dem Himmel
griff.“ (E.M. Remarque)
„Die Nacht stand groß und schweigend um das kleine Haus.“
„Uns schwoll das Herz“
„Der Nebel zog und zog. Die Kreuze der Grabsteine ragten blaß aus der
Schwarzen. Ich deckte meinen Mantel über uns. Die Stadt war versunken. Die Zeit
war gestorben…“
„Das ganze Dorf war auf den Beinen.“
„Ihr Name war in aller Munde.“
„Weit und breit war in diesem Augenblick kein Mensch zu sehen.“
„Von Millionen Stimmen wird’s getragen.“
„Wo hatte ich nur die ganze Zeit meine Augen gehabt? Hatte ich denn
geschlafen?“
„Da ich ein Kind war,
nicht wusste, wo aus noch ein,
kehrt’ ich mein verirrtes Auge
zur Sonne, als wenn drüber wär’
ein Ohr, zu hören meine Klage,
ein Herz, wie meins,
sich des Bedrängten zu erbarmen.“
(J.W. von Goethe „Prometheus“)
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2. Finden Sie in den angebotenen Beispielen die Personifikation.
Übersetzen Sie diese Beispiele in die Muttersprache.
„Aber die Nacht gab keine Antwort. Sie hatte die Arme auf das Fensterbrett
gelegt, ihre Schleppe flatterte über die Pächer und ihre Augen verströmten in den
kleinen armseligen Raum. Geh, du hast noch andere Nächte! Rief sie dem Wind zu.
Und der Wind machte sich auf und flog treulos der Sonne entgegen.“ (Aichinger)
„Wus erwartet ihn dort vorne, wo der Himmel die Erde berührt und in Glut
vergeht?“ (H. Wormbecher „Unser Hof“)
„Ein Fichtenbaum steht einsam
im Norden auf kahler Höh.
Ihn schläfert: mit weiser Decke
umhüllen ihn Eis und Schnee.
Er träumt von einer Palme,
du, fern im Morgenland,
einsam und schweigend trauert
auf brennender Felsenwand.“
(H. Heine „Ein Fichtenbaum steht einsam…“)
3. Welche stilistische Funktion erfüllt die Personifikation in den
angegebenen Beispielen.
1. „Hier liegt ein Eisbaum umgerissen,
Sein Wipfel tät die Wolken küssen,
Er liegt am Grund – warum?
Die Bauern hatten, hör ich reden,
- 83
Sein schönes Holz zum Baun vonnöten
Und rissen ihn deswegen um.“
(F. Schiller)
2. „An dem Himmel herauf mit leisen Schritten
Kommt die auftende Nacht; ihr folgt die süße Liebe.“
(F. Schiller)
3. „Liebe, Liebe lächelt nur
Aus dem Auge der Natur
Wie aus einem Spiegel!“
(F. Schiller)
4. „Und wüssten Sie, wie ohne jede Schaut
a) Gedichte wachsen, und aus welchem … Müll!“
b) An alle Glocken hell das Leben rührte…“
… Jedoch mein wildes Blut zu dir mich führte…“
c) Du ließest zu dir ein den dunklen Gast
Und bist mit ihm allein geblieben.“
d) Und froh sind nur die Tränen,
Die fließen und fließen, blind.“
e) Ein Faulbeerbaum schlich sich
Vorbei wie ein Traum.“
5. J.W. von Goethe „Willkommen und Abschied“
„Der Abend wiegte schon die Erde,
und an den Bergen hing die Nacht…
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.“
6. „Warum sind die Rosen so blaß,
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O sprich, mein Lieb, warum?
Warum sind denn im grünen Gras
Die blauen Veilchen so Stumm?
Warum singt denn mit so kläglichem Laut
Die Lerche in der Luft?
Warum steigt denn aus dem Balsamkraut
Hervor ein Leichenduft?“
7. G.E. Lessing
„ Vater der Tiere und Menschen“, so sprach das Pferd und nahte sich dem
Throne des Zeus, „man will, ich sei eines der schönsten Geschöpfe, womit du die
Welt geziert, und meine Eigenliebe heißt es mich glauben.“
4. Erklären Sie, bitte, die Anwendung der Synästhesien in den
angegebenen Beispielen. Übersetzen Sie diese Beispiele.
„Es reden und träumen die Menschen viel
von bessern küntigen Tagen,
nach einem glücklichen goldenen Ziel
sieht man sie rennen und jagen“
„Die Hoffnung führt ihn ins Leben ein,
sie umflattert den fröhlichen Knaben,
den Jüngling lockert ihr Zauberschein,
sie wird mit dem Greis nicht begraben;
denn beschließ er im Grabe den müden Lauf,
noch am Grabe pflanzt er – die Hoffnung auf.“
(Fr. Schiller „Hoffnung“)
- 85
„Jetzt war auch ihr Gesicht im Licht, das lief über die Schultern und die Brust,
gelb wie der Schein von Prange, blau Kreise flirrten hindurch, und dann stand
plötzlich ein warmes Rot hinter ihr wie eine Gloriole, glitt höher und wanderte
langsam über die Decke des Zimmers.“
„Deine süße Äugelein
Glänzen mild von Mondenschein.“
(H. Heine. Zu den „Liedern“)
5. Erklären Sie, bitte, das Wesen von Hyperbeln und Mejosis. Analysieren
Sie folgende Beispiele und suchen sie diese Mitteln in den Texten.
„Meinetwegen kann es ein ganzes Meer von Blumen sein.“ (Bernd Andte „Ab
morgen Erwachsen?“)
„Er hat zu dieser Frage nur zwei Worte gesprochen.“
„Er hat eine ganze Ewigkeit zu dieser Frage gesprochen.“
„jemand zu einem Butterbrot einladen“
„jemand totreden, mundtot machen“
„jemandem ein Loch in den Bauch reden“
„die Haare vom Kopf tragen“
„eine Nuß vom Baum schwatzen“
„dem Teufel ein Ohr abschwatzen“
„einen in den Sack reden und wieder hinaus“
6. Bilden Sie Beispiele mit den Hyperbeln. Welche Konnotation haben
diese Hyperbeln?
verheerend dumm
verheerend langweilig
- 86
schwer begeistert
haushoch überlegen
hundertprozentig richtig
vollinhaltlich einverstanden
etw. liebend gern(e) tun’ (vom Herzen gern, sehr gern)
z.B. Ich hätte ihm liebend gern meine Meinung gesagt, hab mich aber nicht
getraut.
Sie fährt liebend gerne in große Badeorte.
leichenblass
totenstill
grabeskalt
hundsmiserabelelend
mutterseelenallein
Bombenerfolg, -gedächtnis, -gelder, -geschäft, -hitze, -reklame, -rolle
bombenfest, -sicher
Bärenhitze, -kälte, -appetit, -hunger
Bullenhitze
arg teuer, fein teuer, furchtbar teuer, ganz hübsch (ganz schön) teuer; grässlich,
hübsch, irrsinnig, kolossal, phantastisch, saumäßig, schauderbar, schön, schweinisch,
sehr, überaus, übermäßig, unverschämt, verdammt, verflucht, verheerend, verteufelt
teuer
sie ist grässlich, irrsinnig, teuflisch schön
er ist herrlich frech
es war wahnsinnig interessant
Hundeswetter, Dreckwetter, Schweinewetter, Sauwetter (für schlechtes Wetter)
blitzschnell
blitzdumm
steinalt
Bieridee (Schnapsidee) - ein nässischer Einfall, ein guter Einfall
- 87
Bierruhe (große Unerschütterlichkeit) „Ich hätte ihm an den Hals springen
können. Und du! So eine Bierruhe!“
Eine Pfundssache oder Pfundsleistung – eine ganz große Angelegenheit
„Unser neuer Brigadier ist doch wirklich ein Pfundskerl!“
7. Erklären Sie das Wesen der Periphrase. Was ist der Zweck der
Periphrase in den nachstehenden Beispielen?
1. Sie dehnte sich und ging wieder mit ihren schönen Schritten durch Zimmer
(statt: Gang, Gangart)
2. Lenz dagegen war jetzt und Feuer und Flamme (metaphorische Periphrase)
3. Die blauen Frühlingsaugen
Schauen aus dem Gras hervor.
Das sind die lieben Veilchen,
Die ich zum Straus erkor.
(H. Heine)
4. Bester Beweis einer guten Erziehung ist die Pünktlichkeit (Lessing)
5. „… der Held des Sanges in deutscher Sprache und Zunge; aber der letzte
Meister des tönenden Leides, der Tonkunst holder Mund, der Erbe und Erweiterer
von Händel und Bachs, von Haydn und Mozarts unterblichen Ruhme… (Beethoven)
7.1. Lesen Sie, bitte, die folgenden Periphrasen. Verwenden Sie diese in
den Beispielen.
- Eierkiste, Benzindroschke, Benzinkutsche, Benzinesel – für ein Auto oder
Motorrad
- Drahtesel, Stahlroß – für das Fahrrad
- ein Lungenbrötchen oder Sargnagel - für eine Zigarette
- ein Zahnschlosser oder Maulschuster – für Zahnarzt
- der weiße Sport
- der weiße Tod
- der blaue Planet
- 88
- der schwarze Tod
- die schwarze Kunst
- die weiße Kohl
8. Das Epitheton und seine Rolle. Erklären Sie, bitte, seine stilistische
Funktion in den nachstehenden Beispielen.
1. „Schostakowitschs Musik zwingt zum Nachdenken; sie ist nicht selten
tragisch akzentuiert, stellt den kühnen und vorwärtsdrängenden, selbstbewussten und
kämpfenden, aber auch enttäuschten und leidenden Menschen in den Mittelpunkt,
wahrhaftig und ohne Konflikte zu scheuen.“ (Aus dem Lehrtext)
2. „Schon die Namen all der gefleckten, gescheckten, getupften, gesprenkelten,
gestreiften, gezackten oder ganz und gar nicht mehr zu beschreibenden Fische
schienen von Jack London und Joseph Conrad erfunden.“ (H. Kant, „Ein bißchen
Südsee“).
3. „Ihre schönen, blassen Hände, ohne Schmuck bis auf den schlichten
Ehering, nähten in den Schoßfalten eines schweren und dunklen Tuchrockes, und sie
trug eine silbergraue, anschließende Taille mit festem Stehkragen, die mit
hochaufliegenden Sammetarabesken über und über besetzt war.“ (Th. Mann,
„Tristan“)
4. „Das Gesicht war schmal und blaß, aber die großen Augen gaben ihm eine
fast leidenschaftliche Kraft.
Ich sah ihn genauer an. Er war ein schwerer, großer Mann mit dicken
Augenbrauen über einem roten Gesicht; etwas prahlerisch, etwas lärmend, und
wahrscheinlich gutmütig, wie Leute, die im Leben Erfolg haben.“
5. „Frisch atmet des Morgens lebendiger Hauch,
Purpurisch zucht durch düster Tannen Hitzen
Das Junge Licht und äugelt aus dem Strauch
In goldnen Flammen blitzen
Der Berg Wolkenspitzen;
Mit freudig melodisch gewirbeltem Lied
- 89
Begrüßen erwachende Lerchen die Sonne,
Die schon in lachender Wonne
Jugendlich schön in Auroras Umarmungen glüht.“
(F. Schiller „Der Flüchtling“)
9. Erklären Sie, bitte, die Art der Epitheta in den nachstehenden
Beispielen:
1. „Die Oberschule war die übliche preußische Backsteinburg mit
Milchglasscheiben in der unteren Hälfte der schmalen hohen Fenster, mit dunklen
Flusen und einem müssischen Hausmeister.“
2. „Das Mädchen war so sicher und selbstverständlich. Ich hätte gern ein
leichtes, spielerisches Gespräch geführt.“
3. „Galilei, mein alt und halbblind, experimentiert mit einem kleinen Holzball
auf einer gekrümmten Holzschiene, im Vorraum sitzt sein Mönch auf Wache…“ (B.
Brecht „Leben des Galileis“)
4. „So siehst du dich schon eine kleine Ewigkeit: grosser, runder Schädel mit
kurzem grauen Borsten, lila Äderchen an den Nasenflügeln, grossrosige Haut. Nur
die blaßroten Bäckchen waren seit der Kindheit geblieben.“
5. „Er verlief in einen schweren, dumpften Schlaf.“
Vorlesung № 9-10
Thema: Die Abarten der Metaphern.
Die Metapher hat drei Abarten:
1) Die Personifizierung (Personifikation, Verlebendigung) ist die Übertragung
menschlicher Eigenschaften, Merkmale und Handlungen auf tierische und pflanzliche
Organismen sowie auf Nichtlebewesen. Pragmatischer Effekt dieses Stilistikums ist
vornehmlich Bildkraft und Poetizität, aber auch Humor und Satire.
- 90
Denken wir nur an die zu geschlissenen Szenen ausgebaute Verlebendigung
der Natur in Heines „Harzreise“. Der Wald ist eine Familie von Lebewesen mit
menschlichen Eigenheiten: die Ilse, der lachende und blühende Gebirgsbach – die
weißen Birken als vergnügte und zugleich ängstliche Tanten des lieblichen Kindes –
die hohen Buchen gleich ernsten Vätern – der Berg mit ruhigem Herzklopfen. Die
Blumen flüstern zärtlich, die gelben Hirsche spazieren unter den Tannen, die Vögel
singen abgebrochene Sehnsuchtslaute.
Im selben Reisebild erzählt Heine von einer Uhr, die sehr rasch schlägt, fast
keifend gell. Er überträgt also die schrille, scheltende Stimme einer zänkischen Frau
auf den Glockenton. Stilistischer Ausdruckswert: Humor.
2) Von der Personifizierung im Dienst poetischer Verlebendigung und
humorvoller bis satirischer Beleuchtung führt der Weg – oft mit unscharfer
Abgrenzung – zur Allegorie.
Die Allegorie
könnte als besondere Form der Personifikation angesehen
werden. Hier handelt es um körperhafte Verbildlichung von Ideen und abstrakten
Begriffen, von Naturgeschehen und Naturgewalten (meist Verlebendigung in
Menschengestalt). Wie bei allen metaphorischen Abarten, gibt es auch hier
gemeinsprachliche und individuelle – einfache, erweiterte und ausgebaute Allegorien.
Im Unterschied zur bloßen Personifizierung neigt dieses Stilistikum zu lehrhaften
Tendenzen. Es bildet oft den gedanklichen Kern geschlossener Aussagen
(Textsorten), die den Leser zum Nachdenken über wichtige Fragen des Lebens
anregen (so etwa die mittelalterliche Allegorie der Frau Welt mit dem verführerisch
schönen Antlitz und dem von Geschwüren bedeckten Rücken).
3) Die größte Schwierigkeit bietet eine exakte Abgrenzung zwischen der
zweiten und dritten Abart der Metaphern, zwischen Allegorie und Symbol (Sinnbild).
Obwohl sich diese beiden Stilistika in konkreten Texten oft überschneiden, versuchen
wir doch, sie theoretisch auseinanderzuhalten: Als objektives Kriterium für die
Unterscheidung der zwei tatsächlich eng miteinander verbundenen Stilfiguren gilt ihr
Entstehungsweg. Wie schon gesagt, ist Ausgangspunkt der Allegorisierung ein
abstrakter Begriff oder eine verallgemeinerte Vorstellung, für die der Sender eine
- 91
Konkrete Einkleidung gesucht und gefunden hat. Die Idee, die durch die bildkräftige
Verlebendigung zum Ausdruck kommt, ist in der Regel unschwer aus dem Kontext
zu verstehen.
In individuellen Allegorien ist der Grundbegriff oft im Namen der gewählten
Figur enthalten. So finden sich im Personenverzeichnis eines österreichischen
Volksdramas aus dem 19. Jahrhundert (F. Raimund, „der Bauer als Millionär“) unter
anderen auch folgende Gestalten – der Morgen, der Abend, die Nacht, der Blödsinn,
die Trägheit und mehrere andere allegorische Personen. Diese Gestalten können in
den szenischen Anmerkungen auch genau beschrieben sein, wie etwa: Das Alter sätzt
in einem alten Hausrock …, den Kopf mit einer Pelzschlafhaube bedeckt, die Füße in
Polster gewickelt, auf dem Schoß einen schlafenden Mops und auf der Achsel eine
Eule.
Im Gegensatz zur Allegorie bildet den Ausgangspunkt zur Entstehung des
Symbols eine konkrete Wirklichkeitserscheinung, meist ein Gegenstand, eine
Pflanze, ein Tier, seltener ein Mensch; es können aber auch reale Vorgänge aus dem
Leben der Gesellschaft als Basis des Symbols benutzt werden. Die explizite
Mitteilung über das genannte reale Denotat ruft mehr oder weniger zwingend einen
zusätzlichen unterschwelligen Sinn hervor, der in manchen Fällen eindeutig, in
andern aber von unterschiedlichen Personen unterschiedlich aufgefasst werden kann.
Gemeinsprachlich, daher allgemeinverständlich und allgemeingebräuchlich,
sind beispielsweise Symbole, die durch Nennung konkreter Pflanzen impliziert
werden: die Lilie ist das Sinnbild für Sanftmut und Unschuld, das Veilchen für
Bescheidenheit, die Rose für Schönheit.
4)
Als
vierte
Abart
der
Metapher
sei
die
Synästhesie
(griech.
Zusammenempfindung) kurz besprochen. Darunter verstehen wir die Verschmelzung
verschiedener Sinnesempfindungen, wobei eine von ihnen übertragene Bedeutung
annimmt, z.B. seidene Stimme. Hier wird die Vorstellung durch Tast- und
Gehörsempfindung gebildet (Vergleichsbasis: Weichheit).
Metonymie ist die Semantische Gleichsetzung zweier Begriffe aufgrund einer
Merkmals-
und
Namensübertragung,
ein
Austausch
zweier
Begriffe
aus
- 92
unterschiedlichen Sinnbereichen aufgrund räumlicher, zeitlicher, stofflicher und
logischer Beziehungen.
Hoher Frequenz erfreut sich die Metonymie auf der Basis eines
Quantitätsverhältnisses, die sog. Synekdoche (griech. „Mitverstehen“). Diese
Spielart der uneigentlichen Rede erscheint in mehreren Variationen, aber stets
nominal ausgeformt. So wird anstelle des Ganzen ein wichtiger oder auffallender
Teilgenannt, was meist Bildkraft bewirkt. Diese Übertragungen – sie heißen Teil für
das Ganze (pars pro toto) – können gemeinsprachlich sein, im Alltagsstil stark
verbindet: Mein Fuß (anstatt: ich) betritt nicht mehr diese Schwelle. Die Menge zählte
tausend Köpfe. „Wieviel wird für das Picknick pro Kopf eingezählt?“
Eine besondere Gruppe der Stilfigur pars pro toto bilden die sog. Bahuvrihi.
Es sind Possesivkomposita, die das Ganze (gewöhnlich ein Lebewesen) durch einen
wesentlichen oder auffallenden Teil charakterisieren. Ihnen eignet in der Regel
Bildkraft und emotionale bzw. logische Expressivität. Hierher gehören metonymische
Zusammensetzungen mit adjektivischem Bestimmungswort, wie: Rotkäppchen,
Grünschnabel (junger „Allesbesserwisser“), Langohr (Esel oder Hase), Blauwal (bis
30 Meter langer, bläulicher Wal). Daneben aber auch Komposita, deren erste
Komponente ein Substantiv ist, wie etwa: Teerjacke (Seemann), Glatzkopf,
Eierschädel u. ä.
Wenn die Stilfigur Teil für das Ganze etwas Unwesentliches, Lächerliches
oder Herabsetzendes heraushebt, dient sie als Mittel von Spott und Satire: Die
Aktentasche eilte durch die Stadt. Nur im erweiterten Kontext kann determiniert
werden, ob hier die Aktentasche ironisch als wichtiges Kennzeichen eines Bürokraten
fungiert oder bloß als Büchermappe eines Studenten oder Schülers genannt wird.
Vorlesung № 11-12
Thema: Syntax aus stilistischer Sicht.
In der Syntax offenbaren sich die Stilunterschiede deutlicher als in der
Morphologie. Man findet hier auch zahlreiche Größen mit absoluter stilistischer
- 93
Bedeutung.
Der
Umfang
einer
sprachlichen
Form
steht
in
direktem
Proportionalverhältnis zu ihrer Kombinations- und Variationsfähigkeit. Ein
Satzbauplan bietet reichere Auswahl von Varianten als eine Wortgruppe, die
ihrerseits variabel als eine Wortform ist. Je mehr Varianten zulässig sind, desto freier
schöpft daraus die Stilistik.
Stilistische Aufgabe der Wortfolge
Der Wortfolge kommen einige Aufgaben zu: 1) die strukturbildende oder
die grammatische Gestaltung der Satzarten und Wortgruppen, b) die kommunikative
bei der Angabe der Thema – Rhema-Gliederung und c) die stilistische, die vor allem
die expressive Hervorhebung einzelner Satzteile sowie die Auslösung gewisser
Stileffekte bewirkt. Die letzten zwei sind voneinander nicht zu trennen und werden in
ihrem Zusammenwirken behandelt.
Die Wortfolge unterliegt gewissen Gesetzmäßigkeiten bei der Erfüllung ihrer
stilistischen Leistung.
Die erste Gesetzmäßigkeit: Die Anordnung der Elemente einer Mitteilung
wird von ihrem Mitteilungswert bestimmt. Als Ausgangspunkt der Mitteilung tritt das
Thema, die Basis, gewöhnlich in der Form des Satzsubjekts auf. Die übrigen
Elemente reihen sich ihrem kommunikativen Gewicht nach ein. „Der höchste Wert
tritt so weit ans Ende, wie es die festgewordene Satzform erlaubt.“
In der Satzfolge verwandelt sich das Rhema eines Satzes in das Thema des
darauf folgenden Satzes; aus der Endstellung rückt es in die Spitzenstellung, während
die Endstellung von einem neuen Rhema besetzt wird.
Die zweite stilistische Gesetzmäßigkeit besteht im Wechsel der Ein- und
Ausklammerung. Es sind zwei Parallelnormen, mit deren Hilfe ein Satz entweder als
eine geschlossene Ganzheit oder als eine Reihe von Satzabschnitten gestaltet wird.
Bei der Ausklammerung wird ein großer satzumfassender Spannungsbogen durch
einige kleinere Spannungsbögen ersetzt.
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Dadurch entsteht die Lockerung der Satzstruktur. Wie aufgelockert und frei
der Satzbau ist, zeigt folgendes Beispiel: Plötzlich keiner wusste so recht, wie es kam,
fingen beide an zu lachen, verrückt und albern und toll (Heiduczek, Abschied von
den Engeln). Dank der Ausklammerung wird dieser Satz in vier Abschnitte eingeteilt;
zugleich wird der letzte Teil hervorgehoben, da nach der Entspannung, durch das
Verb lachen ausgelöst, ein neuer Spannungsbogen einsetzt.
Die Absonderung ist ein weiterer Begriff als die Ausklammerung; sie erfolgt
auch in dem Falle, wenn die Rahmenkonstruktion fehlt. Die abgesonderten Satzteile
werden strukturell und intonatorisch von dem übrigen Satz abgehoben. Sie können
Vorderstellung, Nachstellung oder Zwischenstellung einnehmen: Unsicher von
Natur, ist er infolge des überraschenden Empfanges doppelt linkisch (Feuchtwanger,
Die Brüder Lautensack). Alle Männer, von Gang und Tisch gesprungen, stehen, starr
die Augen zur Tür (A. Zweig, Der Streit um den Sergeanten Grischa). Der letzte Satz
enthält zwei Absonderungen in Zwischen- und Nachstellung.
Diese Zerstückelung des Satzes verleiht der Aussage Lebhaftigkeit,
Ungezwungenheit der gesprochenen Rede, Dynamik; sie erleichtert das Verständnis.
Von der relativen Selbständigkeit der ausgeklammerten und abgesonderten
Gruppen zeugt die Möglichkeit, sie in Form von Sätzen zu isolieren: Heute nacht hat
man eingebrochen. In der Fabrik (Borchert, Preußens Gloria). Das Holz, sagte er, ich
muß ja das Holz haben. Für uns. Für morgen (Borchert, Das Holz für morgen).
Man nennt solch eine Zerstückelung der Sätze Isolierung (auch Parzellierung
oder absolute Absonderung), die isolierten Teile parzellierte Sätze. Sie verstärken
einzelne Teile der Aussage. Sie können auch eine andere Wirkung erzielen, z. B. bei
Feuchtwanger; Absonderungen aller Art kennzeichnen seinen Individualstil: Er
klammert ein Einzelwort aus, setzt das abgesonderte Glied zwischen die
Hauptsatzglieder Maurepas, höflich, sagte …, baut Ketten von isolierten Prädikaten
auf Er richtete sich hoch, sprang auf, lief hin und her. Lachte. Spielte mit. Die Rede
wirkt zerhackt, uneben, nervös.
Die Ausklammerung findet sich in allen Stilarten. Ihre Quelle ist die
Alltagsrede, die auf mündlichen Verkehr eingestellt ist. Der Ausklammerung liegt
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folgendes Prinzip zugrunde: Der Zeitwortrahmen darf nicht über Hörweite gehen,
d.h. man muß den Rahmenanfang noch im Ohr haben, wenn der Rahmenschluß
drankommt. Gewiß dürfen auch beim Schriftbild die Grenzen der Leitfähigkeit nicht
überschritten werden.
Man kann auch von einer nominalen Ausklammerung bzw. Auflockerung
sprechen, wenn das adjektivische Attribut aus dem Vorfeld des Substantivs, wo es
zwischen dem Geleitwort und dem Geleitwort und dem Kernwort eingeklammert ist,
ins Nachfeld versetzt wird: Ein herrlicher wunderbarer Regen, kalt, klar, stürze aus
dem schwarzen Himmel (Kellermann. Der 9. November). Ihre Stilwirkung betrifft
schon die dritte Gesetzmäßigkeit, die die Abweichungen von der normativen
Wortfolge in der Prosa betrifft und auf der Unvorhersagbarkeit beruht. Sie lautet
folgenderweise: „Je stärker die Neigung des entsprechenden Satzgliedes zu einer
bestimmten Stellung verletzt wird, desto stärker wird das verschobene Satzglied
hervorgehoben.“ Das stimmt auch mit dem Grad der grammatischen Verknüpfung
der Satzglieder überein. Die Prolepse (Neuansatz) besteht in der Wiederaufnahme
eines in Spitzenstellung stehenden, abgesonderten Substantivs durch ein Pronomen
oder Adverb: Die Nacht, das ist für dich die Ewigkeit (Kuba). Die Großmutter, sie
wußte so viele Märchen zu erzählen!
Aus der Alltagsrede stammend, ist die Prolepse eine Stilnorm in der
Volkspoesie: Mein Schatz, der ist auf Wanderschaft (Volkslied).
Die Prolepse verleiht der Rede Ungezwungenheit, emotionale Färbung, einen
gewissen Rhythmus.
Als Gegenstück zur Prolepse gilt der sog. Nachtrag. Darunter versteht man die
Absonderung eines Substantivs oder einer Wortgruppe in Schlußstellung, während
das Pronomen oder Adverb dem Substantiv vorangehen:
Oh, dass sie ewig grünen bliebe,
Die schöne Zeit der jungen Liebe (Schiller).
Der Anwendungsbereich des Nachtrags deckt sich mit dem der Prolepse.
Der Nachtrag im weitern Sinne des Wortes umfasst unterschiedliche Arten der
Trennung und Absonderung solcher Teile der Aussage, die unmittelbar zueinander
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gehören. Der abgesonderte Teil kann wieder aufgenommen werden: Stepanov, hinter
seinem Schreibtisch sitzend, die Hände vor sich ineinandergefaltet, den Körper
aufgerichtet, mit dem gleichen strahlenden Gesicht, mit dem er tags zuvor den
Tarator (eine Speise) angepriesen hatte, Stepanow sagte … (Heiduczek, Abschied
von den Engeln).
Die freie
Apposition wird von ihrem Bestimmungswort getrennt und
abgesondert: Man schleifte den Schutzhäftling gegen den Tanzplatz, den ersten
eingefangenen Flüchtling (Seghers, Das siebte Kreuz).
Sowohl Nachtrag als Prolepse sind Erscheinungsformen der syntaktischen
Auflockerung, sie erleichtern den Satzbau, indem sie ihn in kleinere Syntagmen
gliedern, zugleich heben sie die abgesonderten Teile hervor.
Beide Stilfiguren ermöglichen die Änderung der Satzstruktur. Bei der Prolepse
beginnt der Satz mit dem sog. Nominativ der Vorstellung, der das Thema der
Aussage angibt; nachher folgt die Aussage selbst in einer ganz andern
Satzkonstruktion: Schillers Sprache – es käme ihr eine eigene Betrachtung und
eingehende Studie zu (Th. Mann, Versuch über Schiller).
Auch bei dem Nachtrag kann die Kongruenz gestört werden: er wollte kämpfen
gegen den Schlaf, der ihn von neuem überwältigte, ein unguter Schlaf (Seghers, das
siebte Kreuz).
Parenthese (griech. Dazwischenschalten) oder Einschub. So nennt man
Schaltsätze, -gruppen, -wörter, die mitten in den Satz eingefügt werden, ohne
formelle Verbindungselemente mit dem übrigen Teil des Satzes. Sie werden
intonatorisch (auch graphisch) abgegrenzt. Die Parenthese kann expressiv oder
nichtexpressiv sein. Als sachlicher erläuternder Vermerk ohne emotionalen Beiklang
findet sie sich in allen Stilarten: … ihre ein wenig versonnene Art (sie trauerte
damals um ihre Mutter) … all das machte einen tiefen Eindruck auf ihn (Kellermann,
Der Tunnel).
Die Parenthese kann auch emotionalen Inhalt und demnach expressiven
Ausdruckswert haben. Sie enthält eine Bewertung: Die stolze Amalie, es war
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unglaublich, glaubte auch das Unglaubhafteste (Noll, Die Abenteuer des Werner
Holt).
Asyndeton und Polysendeton
Unter
dem
Asyndeton
(gr.
Das
Unverbundene)
versteht
man
die
konjunktionslose Anreihung mehrerer Wörter und Sätze, unter dem Polysyndeton (gr.
das Vielverbundene) die mehrfache Verwendung von Konjunktionen (gewöhnlich
ein und derselben Konjunktion). Beide Verbindungsmittel beziehen sich auf die
Beiordnung sowie die Unterordnung.
Beiordnung. Die Beiordnung betrachtet man als eine strukturell unwesentliche
Erscheinung, weil sie nicht zum Hauptgerüst, sondern zur Erweiterung des
Satzmodells gehört. Jede Beiordnung bildet eine offene Reihe, die fortgesetzt werden
kann. Im Gegensatz zu ihrer grammatischen Bedeutung ist ihre stilistische Leistung
überaus groß. Dazu einige typische Beispiele: Asyndetische Beiordnung: Gerüste
tauchen in die Flut, schwimmen, Stricke, Säcke verbinden sich, Taue gleiten ins
Wasser, strecken sich, ziehen, heben (Feuchtwanger, der Falsche
Nero).
Polysyndetische Beiordnung: Und es wallet und siedet und brauset und zischt
(Schiller, der Taucher). Beiden Verbindungsarten sind zwei Merkmale eigen:
Emotionalität und Dynamik. Sie unterscheiden sich dadurch, dass das Asyndeton
zum Ausdruck einer stoßweise vorrückenden Bewegung dient, das Polysyndeton
dagegen meist eine gleichmäßigrhythmische Bewegung widerspiegelt, da die
Konjunktionen die Verbindung befestigen, „zementieren“.
Bei dem Asyndeton verspürt man eine innere Hast, die den Sprechenden auf
die Bindeelemente verzichten lässt; an Stelle der Konjunktion tritt die Pause, die
Stimme bleibt im Hochton. So schildert Goethe den Dammbruch am Rhein:
Der Damm zerschmilzt, das Feld erbraust
Die Fluten wühlen, die Fläche saust (Johanna Sebus).
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Die polysyndetische Kettenbildung wird auch dann verwendet, wenn eine
ständige Wiederholung der Vorgänge geschildert wird oder wenn der Erzähler ruhig
dem Gang der Ereignisse nachgeht, z. B. in einem schlichten Kindermärchen oder in
einer Kindererzählung, was sogar „Und-dann-Stil“ heißt: Und dann gingen sie in den
Wald; und dann sahen sie eine alte Hütte, und dann klopften sie an …
Die polysyndetische Kettenbildung ist häufig in den Texten archaistischer
Prägung, z. B. in der Bibel, anzutreffen. Ein feierlicher, fast hymnischer Ton klingt in
den Worten Werthers, der vom beglückenden Gefühl der Allverbundenheit erfasst ist.
Durch das Asyndeton wird die Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit der
dargestellten Handlungen, Erscheinungen, Gegenstände untermalt, z. B. bei der
Beschreibung des Menschlichen Schicksals in knapper Form einer Aufzählung, wo
jeder Begriff
eine Lebensetappe symbolisiert oder eine verallgemeinernde
Bedeutung gewinnt: Unter dem Vordach des Bahnhofs wartete Josef, der
Dienstmann. Die rote Dienstmütze saß streng militärisch auf dem kahlen Haupt. Was
hatte Josefs Rücken gebeugt? Die Koffer der Reisenden, das Gepäck der Jahrzehnte,
ein halbes Jahrhundert Brot im Schweiß des Angesichts, Adams Fluch, Märsche in
Knobelbechern, die Knarre über der Schulter, das Koppel, der Sack mit den
Wurfgranaten, der schwere Helm, das schwere Töten (Koeppen, Tauben im Gras).
Der semantische Gipfel liegt in der letzten Wortfügung. Dank der asyndetischen
Verknüpfung gewinnt jede Wortgruppe relative Selbständigkeit und größeres
semantisches Gewicht.
Aber auch das Polysyndeton erreicht denselben Effekt; die wiederholte
Konjunktion betont den Abstand zwischen den aufgezählten Begriffen:
Vorbei sind die Kinderspiele,
Und alles rollt vorbei, Das Geld und die Welt und die Zeiten,
Und Glauben und Lieb` und Treu! (Heine).
- 99
Seminar № 7
1. Stilistische Syntax und ihre Aufgaben.
2. Die Prolepse, Nachtrag, Parenthese.
3. Die Arten der Satzverbindung.
Literatur:
2. E. Riesel „Deutsche Stilistik“. – M., 1975. – 314 S.
Praktische Aufgaben zum Seminar № 7
STILISTISCHE LEISTUNGEN DER WORTSTELLUNG
1. a) Erklären Sie alle Fälle der Verwendung der stilistischen Wortstellung im
nachstehenden Text.
b) Transformieren Sie diese Modelle in gewohnheitsmäßige grammatische
Modelle. Stellen Sie den Unterschied fest.
27. April 1936, 11,
Lieber Herr Arnold Zweig, Ihrer gedenke ich oft, und Ihre Briefe liegen vor
mir. Leider habe ich mehr zu tun, als ich eigentlich vertrage, und bin am Abend,
wenn ich Ihnen schreiben möchte, oft recht müde. Mit großer Freude habe ich gehört,
daß Sie sich, mit Ihren Freunden, meines Geburtstages erinnert haben. Weit fort, sehr
weit fort hat man jetzt eher Freunde als ganz nahe. Am entferntesten liegt das Dritte
Reich, eine sagenhafte Gegend; aber Sie werden es nicht glauben wollen, sogar
dorther erreichte mich ein Glückwunsch — sogar im Namen mehrerer tausend
Arbeiter. Das Papier hatte große Umwege gemacht; die Schrift war erst nach
besonderer Behandlung hervorgetreten. So wird gelebt, so verkehren Menschen.
Früher dachte ich, daß Stendhal vielleicht doch übertreibe im Mißtrauen gegen seine
Zeitgenossen, und daß er zu sehr vereinfache, wenn er jeden coguin nennt. Heute
weiß ich, daß beides richtig ist.
- 100
Andererseits habe ich, infolge näherer Einsicht, einen ganz veränderten Begriff
bekommen von der sittlichen Widerstandskraft der Deutschen: des wichtigsten Teiles
von ihnen, und der wird, ich will es glauben, auch Angriffskraft finden. Wie lange
soll denn dies unsägliche Regime sich noch erhalten können. Der Krieg wäre sein
sicheres Ende; aber gerade darum hoffe ich, daß sein innerer Feind schon vorher den
richtigen Zeitpunkt erfaßt, es zu stürzen. Auch wir hier bemühen uns, ich darf Sie
dessen versichern; und die entstehende Volksfront wäre ohne uns schwerlich so weit
gediehen. Drinnen aber sind schlechthin Helden: jetzt mache ich die Erfahrung und
neige mich, was wohltut und unverwartet kommt.— Auf fremde Hilfe werden wir
rechnen können, sobald wir uns selbst helfen: erst dann, und dann gewiß. Wenn wir
deutsch schreiben, müssen wir zur Einigkeit ermahnen und die Opfer preisen. In
anderen Sprachen ist es geboten, die Opposition als sehr stark und ihres Sieges sicher
darzustellen. Übrigens sind von ihrem Siege noch Andere überzeugt, ich meine die
Gewiegteren unter den Gangstern, z. B. Goebbels. Seine Reden verraten Angst,
indessen „mein Führer" traumwandelt.
Diese Dinge wollten Sie, glaube ich, von mir hören. Sonst schreiben wir unsere
Romane. Wenn nur die ganz großen Schmerzen erspart bleiben! Ihrer gedenkend
wünsche ich immer, daß Sie Besserung finden, sie womöglich schon gefunden haben
möchten. Jetzt muß ich auch wünschen, daß die Unruhen dort Ihnen weder
Unbequemlichkeit noch Kummer verursachen. Hat das Geld des Dritten Reiches
mitgewirkt? Für jede Niedertracht haben diese Elenden plötzlich Geld. Der Frühling
ist hier langsam, die cote d'azur nimmt an den grämlichen Zeiten teil. Vielleicht
nimmt aber einer den Regenhimmel für blau, wenn er das erste Mal herkommt und
womöglich erst dreißig ist. Ihre verehrte Gattin sollte von Frau Kroeger schon längst
einen Brief bekommen. Die Schreiberin ist durch vielfache Tätigkeit bisher
verhindert worden, aber sie grüßt herzlich. Ich füge meine Empfehlungen und Grüße
für Sie Beide hinzu.
Ihr H. Mann
- 101
2. In den nachstehenden Sätzen wird die stilistische Anfangs- und Endstellung
des Verbs illustriert.
a) Welchen stilistischen Effekt bewirkt diese Wortstellung (Verlebendigung der
Aussage,
Gemächlichkeit,
umgangssprachlicher Charakter,
Archaisieren,
Rhythmus, Reim usw.)?
b)
Transformieren Sie die gegebenen Modelle in gewohnheitsmäßige
grammatische Modelle. Inwiefern verändert sich dann die Stimmung?
1. Sah ein Knab ein Röslein stehn... (J. W. Goethe)
2. Saß ich früh auf einer Felsenspitze... (J. W. Goethe)
3. Kommt ein Wanderer und sagt... (J. Hebel)
4. Reitet einmal ein Mann an einem Wirtshaus vorbei... (J. Hebel)
5. Geht ein Klingen in den Lüften... (J. Eichendorff)
6. Klingt im Wind ein Wiegenlied... (T. Storni)
7. Auf tat sich das Licht... (J. W. Goethe)
8. Und sogleich die Elemente
Scheidend auseinanderfliehen. (J. W. Goethe)
9. Und keiner den Becher gewinnen will.
Und der König zum drittenmal wieder fraget... (F. Schiller)
10. Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund... (C. F. Meyer)
11. An dröhnen die Koppel und lassen nicht Zeit dem "erregten Metall, daß es
ausdröhne... (Th. Mann)
12. Entbehren sollst du? sollst entbehren! (J. W. Goethe)
13. Vergessen ganz mußt' ich den einen Sohn,
Wenn ich der Nähe mich des andern freute. (F. Schiller)
14. Einen säubern Feierwams er trägt,
Die Ruhe ihm neue Arbeit gebiert,
Kräftig sie auf den Füßen steht,
Grad, edel vor sich hin sie geht,
Unser Meister dies alles ersieht
- 102
In Hoffnungsfüll' ihr Busen steigt. (J. W. Goethe)
15. „Nicht wenig verwöhnt." Der Heimkehrer weist mit der Schulter auf mich.
„Sieh dir seine Arme an!" Großvater packt mich.
„Bei uns wird nicht geschmachtet."
„Verwöhnt ist er, mein ich."
„Ach was, verwöhnt! Soll er hungern bei fünfzig Morgen hinterm Pflug?"
„Hast kein dürres Heimchen vorfinden sollen", mischt sich die Großmutter ein. (E.
Strittmatter)
16. Am Fenster ich einsam stand... (J. Eichendorff)
17. Leise nur das Lüftchen sprach... (N. Lenau)
18. Das Herz mir im Leib entbrennte,
Da hab' ich mir heimlich gedacht:
Ach, wer da mitreisen könnte. (J. Eichendorff)
3. Versuchen Sie die angeführten Verse mit der üblichen Voranstellung "' des
Adjektivs zu sprechen. Inwiefern verändert sich dann der Stil?
1. Doch kenn' ich ihre Schwester,
Die ältere, gesetztere... (J. W. Goethe)
2. Wasser holen geht die reine,
Schöne Frau des Hohen Brahmen,
Des verehrten, fehlerlosen... (J. W. Goethe)
3. Alles geben die Götter, die unendlichen,
Ihren Lieblingen ganz,
Alle Freuden, die unendlichen,
Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz. (J. W. Goethe)
4. In Höhlen wächst, in süßen, reichen,
Der Honig sonnenklar. (Fr. Jünger)
5. Der schlanke Fuß, der leichte,
Der mir das Liebste trägt,
Ins Erdreich hat, ins feuchte,
Sein Bildnis es geprägt. (C. F. Meyer)
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4. Vergleichen sie zwei Typen von nachgestellten Attributen, bestimmen Sie
ihren Stilwert. Transformieren Sie die gegebenen Modelle in gewohnheitsmäßige
grammatische Modelle. Stellen Sie den Unterschied fest.
1. Kaiserkron' und Päonie rot,
Die müssen verzaubert sein... (J. Eichendorff)
2. Da wird ein Wohl im Weh, so süß und bang. (J. W. Goethe)
3. Frost! friere mir ins Herz hinein,
Tief in das heißbewegte, wilde! (N. Lenau)
4.' Der hat ein armes Mädel jung
Gar oft in Arm genommen (J. W. Goethe)
5. Röslein, Röslein, Röslein rot... (J. W. Goethe)
6. Im Dickicht rinnt ein Bächlein rot. (C. F. Meyer)
7. Da tritt herfür das Kätzlein klein
Nachlässig schlürft dein Zünglein rot... (R. Huch)
8. Seht den Felsenquell, Freudehell,
Wie ein Sternenblick. (J. W. Goethe)
9. Und Berge, wolkig himmelan, Begegnen unserm Lauf... (J. W. Goethe)
10. Der Himmel, blau und kinderrein, Worin die Wellen singen... (E. Mörike)
11. Dein Auge, gelb und wild,
Wie Adleraugen sind... (F. G. Jünger)
12. Die Musikanten spielten wohl fort, aber nur noch einzelne Gestalten wankten
auf und ab, demaskiert, nüchtern und übersatt. (J. Eichendorff)
13. ... stehen da die Standbilder deutscher Kaiser, räucherig schwarz und zum Teil
vergoldet... (H. Heine)
DIE SYNTAKTISCH-STILISTISCHEN VERBINDUNGSMÖGLICHKEITEN
1. a) Bestimmen Sie die lexischen und syntaktischen Verbindungsmittel
zwischen den Sätzen. Welche expressive Stilfärbung verleihen sie der Aussage?
b) Machen Sie ein stilistisches Experiment: ersetzen Sie lexische durch
- 104
syntaktische Verbindungsmittel und umgekehrt. Wie verändert sich dann der
Stil der Aussage?
1.
Schüchlin überquerte die Straße. Er betrachtete das Fenster mit zugepetzten
Augen und geblähten Nasenlöchern. Aus entgegengesetzter Richtung kamen der
junge Merz und Christian Kunkel. Kunkel redete heftig auf den Merz ein. Sie
erblickten die Leute, fragten und stellten sich dazu. (A. Seghers)
2. Plötzlich sprang er auf den Weg. Dann drehte er sich nochmal rum. »Vergiß die
Eimer nicht." Darauf entfernten sich seine Schritte über den Kai. (A. Seghers)
3.
Denn der Richtige saß schon oben auf dem Dach des Savoy hinter einem
Schornstein. Dieser Richtige war Belloni, im gewöhnlichen Leben Anton Meier,
aber wo war es hin, sein gewöhnliches Leben? Dieser Belloni, Artist, der Georg und
seinen Genossen bis zuletzt fremd blieb... Belloni selbst war es nicht entgangen, daß
er dem Georg fremd geblieben war. (A. Seghers)
4. Franz stand auf. Er steckte den Kopf so weit wie möglich aus dem kleinen Fenster.
Es war vollständig still. Zum ersten Mal spürte Franz keinen Frieden in dieser Stille
— nicht still war die Welt, sondern verstummt. (A. Seghers)
5. Jetzt war der Kopf des Vaters ganz nah, er war rund und komisch. Rund und blank
und lustig waren die Augen, die Mädchen kicherten. Aber mittendrin in den blanken,
lustigen Augen gab es Punkte, gar nicht lustig, die waren ganz spitz. (A. Seghers)
6.
Ich sah ihn an. Er sah mich an. Wir schwiegen. Die Fremden, keine Pilger,
redeten nach Babel Weise. Das Wasser rauschte Vergänglichkeit. Das war draußen.
Hier summten Fliegen. Fliegen summten hier. Schmutzige Fliegen. (W. Koeppen)
7. All das war früher in seinen Augen und Abschweifendes. Früher, das war das
Leben, in das er zurückwollte. Darum war er geflohen. Früher, so hieß das Land, das
hinter der Stadt begann. Früher, so hieß sein Dorf. (A. Seghers)
8. Johann hatte lieber magere hochbeinige Mädchen, braune oder weiße. Die da war
rund und rot... (A. Seghers)
9.
Algeier hatte nichts übrig für die Roten. Er hatte für niemand was übrig. Sie
hatten ihm bis jetzt nichts gebracht. Ihm brachte niemand was. (A. Seghers)
- 105
10. „Nu, da bin ich wieder daheim in dem Scheißladen, nu, da bin ich wieder. Und
sie haben den Krieg kaputtgemacht, unseren sauberen, anständigen Krieg haben sie
kaputtgemacht." (A. Seghers)
11. Franz war gerade in Griesheim in die Kantine gekommen. Er hatte gerade
erfahren, daß das Holzklötzchen verhaftet war. Und nun packt Anton sein
Handgelenk und sagt, was er weiß. (A. Seghers)
12. Doch eines Tages im Monat Mai
Kommen die drei Soldaten vorbei
Die sehen den großen Haufen von Stein
Und sagen: „Da gehen wir hinein."
Und traben hinauf die engen Stiegen
Die so laut schrein und sich gleich biegen
Und schauen hinein in die dunklen Löcher
Und sagen: „Hier wohnen, scheint's, lauter Verbrecher."
Und sehen viele Leute drin: Mann, Frau und Kind
Und daß wieder so viele in einem Zimmer sind.
Und werden gleich ganz wutentbrannt
Und stellen gleich die Leute an die Wand
Und schießen schrecklich auf sie ein
Und schießen alles tot und schrein:
„Wer so wohnt, groß oder klein,
Der will anscheinend erschossen sein." (B. Brecht)
2.
Bestimmen
Sie
die
stilistische
Funktion
der
asyndetischen
und
polysyndetischen Verbindung in den nachstehenden Sätzen.
1. Endlich waren die Zeltdächer ausgespannt, übereinander auf den Leisten blühten
rot und grün die Gewinne, die Schwänze der Karussellpferde starrten, die ersten
Takte setzten ein, die vor Glück verrückt und heiser klangen. (A. Seghers)
- 106
2.
Die Leute zuckten zusammen, putzten sich, kamen auch herunter, gierig auf
solche Happen von Freude, Kedennek kam auch herunter, er blieb hinter dem
Schießstand stehen, da hingen solche Happen, gelbe und rote Gewinne, Kedenneks
bleierne Brauen entriegelten sich. Er legte zum erstenmal lächelnd die Büchse an,
zielte, wer weiß, vielleicht würde um seinetwillen die hölzerne Mühle zu klappern
anfangen; er schoß — nichts klapperte, seine Brauen zogen sich wieder zusammen.
(A. Seghers)
3. Mir nichts, dir nichts konnte man so eine spitzige, glänzende Sache im Reif haben,
sie wurde unruhig, berührte zaghaft ihren Mann mit ihrem Ellenbogen, man konnte
drei oder sechs Reifen auf einmal haben, die hing man sich in den Arm, man brauchte
sie nur nacheinander zu nehmen und zu schnicken. Sie bettelte leise, Kedennek, der
wollte nicht oder hörte sie nicht, sie gingen vorbei, ihr Gesicht schrumpfte noch
winziger und gelber, ein dünner, zorniger, klagender Laut kam aus ihrer Kehle. (A.
Seghers)
4. Aber der Träger meinte, das Krankenhaus würde sie [die Decke] behalten, und das
Krankenhaus hatte genug Decken, und die Decke würde der Frau doch nicht wiedergegeben, und dem Jungen gehörte sie ebensowenig wie dem Krankenhaus, und das
hatte genug. Seine Frau würde die Decke schon sauber kriegen und für Decken gaben
sie heute eine Menge. (H. Böll)
5. Die beiden Träger waren ärgerlich, sie hatten vor einer Stunde schon ihren Dienst
angefangen und noch keine Zigarette Trinkgeld gemacht, und der eine von ihnen war
der Fahrer des Wagens, und Fahrer brauchen eigentlich nicht zu tragen. (H. Böll)
6. Charlotte stand am Fenster des langen Flurs, und sie wurde dauernd von hinten
gestoßen und beiseite gedrängt, und es wurde viel über sie geflucht, aber wir konnten
uns doch diese letzten Minuten, diese kostbarsten letzten gemeinsamen unseres
Lebens nicht durch Winkzeichen aus einem überfüllten Abteil heraus verständigen ...
(H. Böll)
7. Seňora... Als ich in deinem Alter war — das geht sehr schnell, Andri, du bist jetzt
zwanzig und kannst es nicht glauben: man trifft sich, man liebt, man trennt sich, das
Leben ist vorne, und wenn man in den Spiegel schaut, plötzlich ist es hinten, man
- 107
kommt sich nicht viel anders vor, aber plötzlich sind es andere, die jetzt zwanzig sind
... (M. Frisch)
8. Und der Haifisch, der hat Zähne Und die trägt er im Gesicht Und Macheath, der
hat ein Messer Doch das Messer sieht man nicht. (B. Brecht)
3. Nennen Sie die Mittel der syntaktischen Ordnung in den nachstehenden
Sätzen. Bestimmen Sie ihre stilistische Funktion.
1. Der König sprach's, der Page lief,
Der Knabe kam, der König rief... (J. W. Goethe)
2. Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern;
Was ihr nicht faßt, das fehlt euch ganz und gar;
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr;
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht;
Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht. (J. W. Goethe)
3. Was verkürzt mir die Zeit?
Tätigkeit! Was macht sie unerträglich lang?
Müßiggang! Was bringt in Schulden?
Harren und dulden!
Was macht gewinnen?
Nicht lange besinnen! Was bringt zu Ehren?
Sich mehren! (J. W. Goethe)
4. "Wenn ich meinen Freunden von ihm erzählte — ach, und sie belächelten meinen
zärtlichen Überschwang, ich weiß —, dann sagte ich: Er ist schön, der schönste
Junge, den ich kenne. Er ist klug, viel klüger als ich. Er hat sein Abitur mit
Auszeichnung gemacht. Er ist der beste in seiner Seminargruppe. Die Mädchen
laufen ihm nach. Er ist stark, ein gewandter Sportler. Er liest viel. Er geht oft ins
Konzert. Wir lieben uns. (B. Reimann)
5. Gewiß, Hütten waren hier am Wege, so ist die Welt, nicht zu erwarten gewesen;
entblößte Armut war an diesem Platz, so ist die Welt, nicht zu dulden gewesen;
Bettelmönche, die um Brot und um des Herrgottswillen blecherne Schüsseln
- 108
hinhalten, sind wohl ausgestorben, so ist die Welt; aber diese Neubauten, diese
Häuser, die von kluger Bodennutzung und gelungener Spekulation sprachen, waren
sie nicht allzudeutlich ein Triumph dieser Welt und ein spätes Siegesmal Simons des
Zauberers, der mit Petrus in dieser Stadt gerungen hatte? (W. Koeppen)
6. ...da erblickte ich plötzlich sie! Sie trug ihr blauseidenes Kleid und den rosaroten
Hut, und ihr Auge sah mich an so mild, so todbesiegend, so lebensschenkend...
(H. Heine)
7. Bald gras' ich am Neckar,
bald gras' ich am Rhein,
bald hab' ich ein Schätzchen,
bald bin ich allein. (Volksdichtung)
Vorlesung № 13
Thema: Satzarten nach der Zieleinstellung des Sprechenden.
Nach der Zieleinstellung des Sprechenden unterscheidet man:
Aussagesatz: der Sender dem Empfänger eine Information Vermittelt;
Fragesatz: der Sender die ihm fehlende Information von dem Empfänger erhalten
will, Aufforderungsatz: der Sender den Empfänger zu einer Tat anregen will. Den
Ausrufesatz schließen nicht alle Grammatiker in diese Reihe ein, man betrachtet ihn
eher als eine emotionale Abart der erwähnten Sätze, doch gibt es auch gewisse
Gründe, ihn als eine vierte Art den übrigen drei gleichzusetzen. Die von dem
Sprecher bezweckte Redeabsicht ist eine andere – Gefühlsäußerung über eine
Information: Wie herrlich leuchtet mir die Natur! (Goethe) oder ein emphatisch
ausgedrückter Wunsch: Hätte ich Flügel!, manchmal eine undifferenzierte, doch
immer emotionale Äußerung: Oh! Und ob! Unter dem stilistischen Aspekt ist der
Ausrufesatz äußerst wirksam.
- 109
Da die Aussagesätze stilistische Nullfärbung haben, die Aufforderungssätze im
Zusammenhang mit den Modi behandelt wurden, beschränken wir uns hier auf den
Stilwert der Ausrufe- und Fragesätze.
a) Der Ausrufesatz gestaltet sich in mannigfaltigen Satzbauplänen; bald
kleidet er sich in die Struktur eines Fragesatzes mit Spitzenstellung des Verbs oder
einem Fragewort: Bin ich glücklich! Wie alt sieht er aus!, bald nimmt er die Form
eines Nebensatzes an: Ob ich ihn kenne! Dass ich nicht lache! Wie er sich anstellt!,
bald fällt er strukturell mit einem Aussagesatz zusammen: Das nenne ich eine
Überraschung!
Zahlreich sind eingliedrige und elliptische Ausrufesätze: Hurra! Hilfe! Feuer! I
wo! Die Sprache verfügt auch über besondere nur den Ausrufesätzen einige Modelle,
die man eigentliche Ausrufesätze nennt: So ein Schwindel! Was für ein Mädchen!
Welche Freude!
Im Ausrufesatz steckt oft eine implizite Verneinung; z. B. bei einer
Wiederholung: „Verwöhnt ist er!; mein ich. „Ach was, verwöhnt!“ (Strittmatter,
Tinko).
Implizite Verneinung enthalten auch die Modelle: Er und ein Lügner! Er und
lügen! Der und geschickt! Die Wirkung entsteht aufgrund der Unvereinbarkeit der
Person (bzw., des Gegenstands) mit der ihr zugesprochenen Eigenschaft vom
Standpunkt des Sprechers aus.
Allen Satzbauplänen ist ein Zug gemein: eine spezifische Tonführung, die den
Ausrufesatz prägt und zu seinem Gehalt ein zusätzliches Sem hinzufügt – das
Bewertungssem.
Welche
Bewertung
realisiert
wird
–
Bewunderung
oder
Missbilligung, Freude, Zorn oder Ironie – hängt von der Situation, Lexik, Intonation
ab. Wesentlich ist, dass der Ausrufesatz den Sachverhalt immer mit innerer
Anteilnahme zum Ausdruck bringt, deshalb besteht er oft aus einer Interjektion oder
einem interjektionsartigen Wort (bzw. Wortgruppe) oder schließt sie in sich: O Erd!,
O Glück!, O Lust! (Goethe). Verflucht! Donnerwetter! Pfui!
In der Sachprosa und in der Wissenschaft werden Ausrufesätze vermieden. Ihre
Funktionsbereiche sind Alltagsrede, schöne Literatur, Appelle und Losungen. Für
- 110
Appelle und Losungen ist der Ausrufesatz eine natürliche Satzform: Die
Freundschaftsbande festigen! Die Liebe zum Buch wecken! Es lebe die Freiheit!
Die Erregtheit, Leidenschaftlichkeit, Ekstase drängen den Sprecher zum
Gebrauch der Ausrufesätze. Vgl. einen Absatz aus dem Einleitungsbrief von Werther,
wo in Übereinstimmung mit der sentimentalen Gefühlslexik die Ausrufesätze
dominieren: Wie froh bin ich, dass ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des
Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und
froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir`s … O was ist der Mensch, dass er über sich
klagen darf! (Goethe).
Der Ausrufesatz als eine affektive Satzform findet sich in der Lyrik oft von
einer Interjektion eingeleitet: Ach, meine Liebe selber zerfloss wie eitel Hauch!
(Heine). Die Anrede in Form eines Ausrufesatzes verhilft zur Personifizierung des
Leblosen:
Vollblühender Mond! In deinem Licht,
Wie fließendes Gold, erglänzt das Meer (Heine).
Die Sachprosa vermeidet den Ausruf. In den Stil der Wissenschaft dringt er
selten ein, nur im Fall, wenn Streit und Polemik einsetzt. So lässt die Überschrift
einer Abhandlung Stilkunde? Stilkunde! Sofort auf erregte Diskussionsstimmung des
Autors schließen. Auch in der Werbung verwendet man Ausrufesätze zur Steigerung
der Aussage: Wenn Sie eine kleine Freude machen wollen! (Zigarettenwerbung). Was
wäre der Tag ohne dich! (Bäckerwerbung).
b) Der Fragesatz enthält kein Bewertungssem; sein Hauptsem ist „Frage“. Er
verfügt über seine eigenen Satzbaupläne, die in Übereinstimmung mit der
entsprechenden Tonführung dieses Sem zum Ausdruck bringen. Außerdem besitzt er
als Hintergrundseme das Sem
„Aufforderung“ (Anstieß zu einer Reaktion:
Informations- oder Handlungserwartung) und das Sem „Mitteilung“. „Eine Frage
sucht eine Ergänzung zu einer Information oder die Stellungnahme (Annahme oder
Ablehnung) zu einer Information.“ „Die Entscheidungsfrage legt dem Partner eine
Information vor, um von ihm zu erfahren, ob er sie (so) gelten lässt …“
- 111
Unter Umständen erfolgt eine Umgruppierung von Semen, so dass ein
Hintergrundsem in dem Vordergrund rückt und ausschlaggebend wird. Dann
verwandelt sich eine echte (eigentliche) Frage in eine Aufforderungsfrage oder eine
rhetorische Frage.
Seminar № 8
1. Die stilistische Charakteristik der Satzarten.
2. Der Fragesatz: Typen und Stil. Charakteristik.
3. Die Funktion der Satzarten im Text.
Literatur:
1. Тимченко Є.П. Порівняльна стилістика німецької та української мов.
Навчальний посібник. – Вінниця: Нова Книга, 2006. – 240 с.
Praktische Aufgaben zum Seminar № 8
I. Bestimmen Sie, bitte, die Art der Verbindung der Sätze. Welche Mittel
dienen diesem Zweck.
1. „Hinter ihm lauert es wieder, das Verschwiegene, Verborgene, die feuchten
Tage des Grauens, die Öde, der Schmutz, die Fetzen verwesten Daseins, die verirrte
Kraftmeierei eines ziellos abschnurrenden Lebens – aber hier vor mir im Schatten,
bestürzend nahe, der leise Atem, die unfassbare Gegenwart. Wärme, klares Leben, ich musste es halten, ich musste es gewinnen…“ (E.M. Remarque, „Drei
Kameraden“)
2. „Nie werde ich dieses Gesicht vergessen – nie werde ich vergessen, wie es
sich schweigend erfüllte mit Zärtlichkeit und Zartheit, mit einer leuchtenden Stille,
als erblühe es – nie werde ich vergessen, wie ihre Lippen mir entgegenkamen, wie
ihre Augen sich den meinen näherten, wie sie dicht vor mir standen und mich
- 112
ansahen, tragend, ernst, groß und schimmernd – und wie sie sich dann langsam
schlossen, als ergäben sie sich…“ (E.M. Remarque, „Drei Kameraden“)
II. Stilübungen im Zusammenhang mit dem grammatischen Bau
1. Geben Sie stilistische Analyse der nachstehenden Sätze:
1. Inzwischen war das umstrittene Flugzeug näher gekommen. „Ein Russe! Ganz
eindeutig eine Ant-2 mit Kufen. Sicher von ’Mirny’„. 2. „Ich kenne sie nur
flüchtig, eigentlich nur vom Sehen.“ – „Ein sehr tapferes Mädchen. Ich schätze
sie sehr“, warf Weißing ein. „Ein gradliniger Charakter“, fügte er noch hinzu.
3. „Ihr Gehirn paßt in eine Kaffeetasse, Schlaf, verdammtes!“. 4. „Sauhund!
Verräter! Sanitärer! Sanitärer!“ 5. „Einen Augenblick!“ 6. „Noch einen
Schnaps vorher! Ein Bier.“ 7. Heute bettelt Mathias anhaltend: „Vati,
Geschichte!“ und Vati erzählt vom Häschen Langohr. 8. Rosses Stimme:
„Hühnchen! Frische Picklewooder Hühnchen! Kauft Hühnchen!“... Plume:
„Hierher. Hühnchen! Hierher, schönes Kind.“ Rose: „Ein Hühnchen, Sir?“
Kite: „Alles dem Captain zeigen!“... Stimme der Wirtin: „Du weißt ganz
genau,daß du nicht in die Zimmer der Offiziere darfst.“ Roses Stimme: „Ich
habe doch nur meine Hühner verkauft.“
Stimme der Wirtin“ „Hühnchen,
Hühnchen! Ich kenne diese Hühnchen!“ 9. „Sieh mir die Augen. Klare, schöne
Augen.“ 10. Die arme Mutter! Sie lebte in ihrem angenehm gelegenen Hause,
geschützt von allen, die sie kannten; ihre Spender slanden jetzt ansehnlich in
den Listen der öffentlichen Sammlungen.“
2. Bestimmen Sie den funktionalen Unterschied in folgenden Beispielen:
1. „Warum gehst du nicht mit?“ – „Kein Geld.“ 2. „Kein Aas! Wo mögen sie alle
stecken!“ 3. „Was will der von uns?“ – „Keine Ahnung.“ 4. „Hast du getrunken?“ –
„Kein Tröpfchen.“ 5. „Probieren Sie dieses Törtchen.“ – „Keine Süßigkeiten!“ 6.
„Ich habe doch keine Beweise.“ – „Keine Beweise?! Das spielte sich doch vor
Ihren Augen ab!“ 7. „Kein Alkohol! Nichts Gewürztes! Sonst steht es schlecht um
Ihre Niere, wieder schlecht.“ 8.“Darf ich mal ganz menschlich sein?“ – „Bitte,
keine Hemmungen“, wird sie ermuntert. 9. “Keine Bange.“
- 113
3. Machen Sie syntaktische Analyse der nachstehenden Sätze.
1.“Wenn ich es nicht bis acht schlaffe, ist es zu spät!... Diese Schande! Bring das
Ding her! Du hundsgemeiner Lump!“ 2. „O diese Männer!“ 3. „Ein ehrlicher Mann
sagt aus freien Stücken, wie es um ihn bestellt ist. Aber du – solche Niedertracht.
Für so gemein hätte ich dich nicht gehalten.“ 4. „So ein Schubiack, ein stinkiger
Geizkragen und das will ein Arbeiter sein!“ 5. Jeanne,mit übertriebenem Bedauern:
„Nein! Welch unersetzlicher Verlust für uns!“ 6. Sargnägelchen: „Arme Anna... sie
war eine Frau wie ein Sonntag.“ 7. „Dieser humorvolle, derbe, tapfere
Schauermann... ein Spitzel? Völliger Irrsinn.“ 8. „Schmidt ist ehrgeizig. Keine
schlechte Eigenschaft übrigens.“ 9. Da bemerkt sie den deutschen Offizier und
erkennt Klaus: „Ah, unser galanter Ritter!“ 10. „Ich habe erst vorige Woche einen
guten Mann wieder wegschicken müssen. Ganz gesunder Kerl noch.“ 11. „Ich sehe
es deinen Augen an.! – „Menschenkenner.“ 12. der Arbeiter blickte auf den Hut,
dann auf Emerich. Es sah aus, als hätte er die Sprache verloren. „Danke“, knurrte er
und stülpte sich den Hut auf den Kopf.
4. Bestimmen Sie das Syntaktische Verhältnis der Frage – Antwortsätze.
1.“Wie geht es rosa?“ –„Rheuma.“ 2. „Von welchem Frontabschnitt kommen Sie?“
– „Malaga.“ 3. „Wo hast du denn die (Mütze) her?“ – „Eingetauscht.“ 4.“Sind Sie
Mitglied der Nationalsozialistischen Partei?“ – „Ah, wocher denn! Mit den Leuten
will ich nichts zu tun haben.“ 5. „Nun, und weiter?“ –„Ich habe gesagt, daß Herr
Oskar den Molitor umgebracht hat.“ 6. „Sie waren in Begleitung?“ – „Mein
Bruder.“ 7. „Bist du denn vorbestraft?“ – „Dreimal.“ 8. „Aber wie kam Carlo denn
nach Oviedo?“ – „Er ist hingefahren.“ 9. „Sie haben einen Befehl?“ – „Leichtes
Handgepäck von Herrn Leutnant abholen!“ 10. „Der junge Mann ist wohl
arbeitslos?“ – „Kurzarbeit.“ 11. „Ist das deine (Handbremse)?“ – „Bloß gepumpt.“
12.“ Meinst du, er schmeißt uns `raus?“ – „Jede Wette.“ 13. „Sind Sie Herr Viktor
Keil?“ – „Zu dienen“, antwortete der Angesprochene gleichgültig. – „Kontinentaler
Anwalt?“ – „Gewesen.“ 14. „Wohnt er in einem Schloß?“ – „Gehabt! Gehabt!“ –
erwiderte er. 15. „Du hast wenig Hoffnung?“ – „Keine“. 16. „Krieg ich meine fünf
- 114
Mark?“ – „Zwei. Hier.“ 17. „Wollen Sie mir einen Gefallen tun?“ – „Jeden, Herr
Holden.“ 18. „Hast du keinen Hunger?“ – „Wenig.“ 19. „Ist Ihre Frau hier? „ – „zur
Kirche.“
5. Geben Sie syntaktische Analyze der Befehlssätze.
1. Böse zischte die Alte ihm zu: „Schweig du!“ 2. „Den soll Vater beschaffen; bleib
du jetzt bei mir!“ 3. „Stören Sie mich nicht mehr.“ 4. „Denken wir auch an unsere
Familien, Kollegen!“ 5. Alles herhören! 6. Jedermann tritt näher! 7. „dann wollen
wir unser Fest feiern!“ 8. „Mach, dass du `raus kommst!“ 9. „Na, terten die
Herrschaften näher!“ 10. „stell sich mal einer an die Tür!“ 11. „Sage mir keiner,
hier werde nicht etwas mitgeteilt!“ 12. „..., daß Zipora – geachtet sei ihr Name –
einem Manne wie mir nicht mehr die nötige Entspannung zu bieten hat.“ 13. „Rette
sich, wer kann! Man muß den Stiernacken übertrumpfen!“ 14. „Der Teufel hole
mich wenn dort nicht die Rinnlingen dahergefahren kommt.“ 15. „Gott helfe mir,
es ist mir nicht zuteil geworden!“ 16. „Man lache nicht!“ „Man stelle sich ihre
Bestürzung vor.“ 17. „Nur so viel sei gesagt, daß ich mit großer Genauigkeit... zu
Werke ging.“ 18. „Er gene nach und bescheide sich.“ 19. er dröhnt mit
Donnerstimme: „Wer hier keine Verrichtung hat, zurückgetreten!“ Bischof: „ Du
kennst mein Herz. Ach, daß ich die Menschen lieben könnte!“ 20. Samael
(aufschreiend): „...o daß ich dich herabreißen könnte und dich treten ins Antlitz!“.
6. Versuchen Sie die angeführten Verse mit der üblichen Voranstellung des
Adjektivs zu sprechen. Inwiefern verändert sich dann der Stil?
1. Doch kenn` ich ihre Schwester,
Die ältere, gesetztere... (J.W. Goethe)
2. Wasser holen geht die reine,
Schöne Frau des Hohen Brahmen,
des verehrten, fehlerlosen... (J.W.Goethe)
3. Alles geben die Götter, die unendlichen,
Ihren Lieblingen ganz,
- 115
Alle Freuden, die unendlichen, ganz (J.W.Goethe)
4. In Höhlen wächst, in süßen, reichen,
Der Honig sonnenklar. (Fr. Jünger)
5. Der schlanke Fuß, der leichte,
Der mir das Liebste trägt,
Ins erdreich hat, ins feuchte,
Sein Bildnis es geprägt.
(C.F.Meyer)
7. Nennen Sie Mittel der syntaktischen Auflockerung und bestimmen sie ihre
stilistische Wirkung.
1. Paul konnte sich noch erinnern, wie Heidlich im November achtzehn frisch aus
den Frontlazarett in escherscheim aufgetaucht war; hohläugig, auf zwei
Stöcken, gewillt, das Land zu verändern. Er, Paul, war um jene Zeit angelernt
worden. (A.Seghers)
2. Da droben auf jenem Berge,
da steht ein hohes Haus;
Da schauen wohl all frühmorgen
Drei schöne Jungfrauen heraus
Die eine, die heißt Susanne, die andere Annemarie,
Die dritte, die tu ich nicht nennen,
die sollte mein eigen sein. (Volkslied)
3. Wir Kleinen aber, die wir nicht so intimen Umgang pflegen können mit den
Großen der Vergangenheit, wovon wir nur selten die Spur und Nebelform
sehen, für uns ist es vom höchsten Werte wenn wir über einen Großen so viel
erfahren, daß es uns leicht wird, ihn ganz lebensklar in unserer Seele
aufzunehmen... (H.Heine)
4. Sie stiegen in dem engen Treppenhaus wie in einem halbdunklen Schacht
empor, zuversichtlich und ohne Aufenthalt. (Th. Mann)
- 116
8. Mit welchen grammatisch-stilistischen Mitteln wird in den nachstehenden
Beispielen die Kürze des Ausdrucks erreicht?
1. Der erste Bewerber trat ein groß, aufrecht, etwa fünfzigjährig, den hellen
überzieher über dem Arm, den Hut in der Hand. (D.Noll)
2. Müller unterhielt sich mit Doktor Hagen, saß behaglich im Sessel, den kalten
Zigarrenstummel zwischen den Fingern. (D.Noll)
3. Der Junge ließ sich betrachten, die Türklinke in der Hand. (A.Seghers)
4. Zwei Passagiere liefen ins Haus, kamen zurück, eine Frau zwischen sich.
(A.Seghers)
5. Holbein der Jüngere, Hans. Deutscher – Gebohren 1497/ 98 zu Augsburg,
gestorben 1543 zu London. Maler und Zeichner für den Holzschnitt. „Schüler
seines Vaters Hans Holblein des Älteren zu Augsburg. Tätig in Basel (seit
1515), einige Zeit zu Luzern 1518 vermutlich in Oberitalien, seit1526 in
London... (gemälde der Dresdener Galerie, Katalog)
Vorlesung № 14
Thema: Stilistische Syntax als Mittel der Ausdruckskraft
In der Syntax sind alle Elemente stilistisch markiert. Alle von ihnen haben eine
formelle Ausdruckskraft der Struktur. Gerade diese ausdrückliche Möglichkeit der
Struktur bildet die Gründe für Stilwert. Zum Unterschied von der Sprachgrammatik,
Syntax interessiert sich für die Mehrdeutigkeit der angegebenen stilistischen
Strukturen und für die möglichen Weisen ihres Gebrauchs. Es sei unterstrichen, dass
jeder Satz eine große Menge von ausdrücklichen Mitteln besitzt, besonders in den
Werken von Remarque.
Alle syntaktische Mittel teilt man in syntaktisch-ausdrückliche Mittel und
syntaktisch-ausdrückliche Handgriffe (SAH). Unter Sah versteht man:
- 117
1) normative Strukturen des Ausdruckskraft, die mit Hilfe des Kontextes erklärt
werden
(z.B. Das sind bei
Remarque der Typ
der Tonart, der
Nacherzählungsplan, der Typ der kompositionel-sprachlichen Gestaltung).
2) Syntaktische Strukturen, die einen bestimmten und manchmal einen abstrakten
Charakter haben. Diese Strukturen sind nicht nur für die Werke von Remarque
typisch. Viele Schriftsteller gebrauchen diese Handgriffe (wie, z.B. die Lange
der Sätze, die Wortfolge im Satz, semantische Typus der Satz) zum Ausdruck
ihrer Gedanken, ihres Gesichtskreises, ihrer Verhältnisse zu den handelnden
Personen.
3) Unter stilistische Strukturen versteht man ungewöhnliche Kombinationen,
Verbindungen, die Stellung der Strukturteile in den Rahmen eines Satzes und
in den Rahmen ganzes Textes.
Für die stilistische Syntax sind folgende Begriffe charakteristisch: der Umfang
der Sätze, die Verletzungen der Satzstruktur, die Inversion, die Veränderung der
Satzstruktur. Jeden diese Begriffe betrachtet man in diesem Kapitel ausführlich, weil
sie eine große Rolle in der syntaktische Analyse spielen und einen besonderen Platz
in den Werken von Remarque fanden.
1. Der Umfang der Sätze
Der Umfang der Sätze ist einen qualitativen Charakteristiken der syntaktischen
Ausdruckskraft. Er hängt von der Sprachart, vom Ziel des Gebrauchs und von der
Sphäre dieses Gebrauchs, auch von den individuellen Besonderheiten ab. Man
unterscheidet kurze Sätze, Mittelsätze und lange Sätze.
Es sei unterstriechen, dass es im Roman „Drei Kameraden“ alle diese
Satztypus gibt. Es gibt die ganzen Seiten, Kapitel, die in sich nur die kurzen Sätze
enthalten. Der Schriftsteller gebraucht sie als Hauptmittel zur Bildung der besonderen
gefühlsbetonten Sphären. Er will damit zeigen, was umgeben seinen Helden ist, wie
es auf ihre innere Welt und was ihre Taten bestimmt. Und, im Gegenteil, die ganze
Absätze können nur aus einem langen Satz bestehen, der aber eine wichtige
- 118
informationelle Funktion erfüllt. Man kann das anschaulicher anhand der Beispiele
aus dem Roman betrachten.
Der kurze Satz besteht gewöhnlich aus 3-5 einfachen Satzgliedern: Subjekt,
Prädikat, Objekt und manchmal Adverbialbestimmung. Dazu gehören auch
Satzgefüge und Satzfolge, die nur einen Nebensatz haben.
Z.B.: 1) „1919. Wieder zu Hause. Revolution. Hunger. Draußen immerfort
Maschinengewehrgekratter.
Soldaten
gegen
Soldaten.
Kameraden
gegen
Kameraden.“
(In diesem Beispiel zeigt der Autor nicht die Genauigkeit der Ereignisse,
sonder auch das Verhältnis zu ihnen. Wenn der Mensch sehr aufgeregt ist, kann er oft
seine Gedanken mit einem vollen Satz nicht äußert. Seine Rede besteht aus Wörtern,
die er sogar nicht verbindet. Das kann man anschaulich in dem ersten Beispiel sehen.)
2) „Licht. Unerträgliches, grelles Licht. Menschen. Der Arzt. Ich öffnete
langsam meine Hand. Pats Hand liegt herunter. Blut. Ein verzerrtes, erstrichtes
Gesicht. Qualvolle, starre Augen. Braunes, seidiges Haar.“
(In diesem Beispiel dienen die kurzen Sätzen, die manchmal aus einem Wort
bestehen, zum Schatten der photographischen Beschreibung, die die inneren
Stimmungen des Helden wiedergeben.)
Die Mittelsätze haben 4-7 Satzglieder und von 10 bis 25 Spracheinheiten. ES
sei unterstriechen, dass die Mittelsätze in der Literatur (auch in den Werken von
Remarque) vorzüglich sind. Sie sind genügend umfangreich, um alles Wichtiges in
sich einzuschießen. Dieser Satztyp lässt sich auch gut verstehen. Manchmal schließt
in sich dieser Satztyp verschiedene Präzisierungen (wie, z.B., Partizipgruppe,
Infitivgruppe, Atributgruppe, Adverbialgruppe) ein. Diese Sätze dienen als ein guter
Grund für die Mehrdeutigkeit der normalen syntaktischen Struktur, weil sie viele
Möglichkeiten haben, die Sätze zu erweitern, zu kombiniere, ohne Vergrößerung der
Lage zu gebrauchen. Man kann sagen, dass dank ihnen die Steriotipien aus der Rede
und besonders aus einem Literaturwerk verschwinden. Aber es sei auch betont, dass
diese Sätze nur eine informationelle Funktion und keine stilistische erfüllen.
- 119
Remarque äußert mit ihnen keine Besonderheiten der Rede, er beschreibt nur die
Ereignisse oder seine Helden.
Z.B.: 1) „Ferdinand ging heran, um die Staffelei etwas herumzurücken.“
2) „Ich blieb am Fenster stehen und sah mich um.“
3) „Endlich gelang es ihm, sich frei zu machen.“
Die langen Sätze. Für sie ist eine große Rolle die Zahl der Mitglieder,
der Nebensätze und überhaupt ist für sie eine erweiterte Struktur typisch. Es gibt
keine Regeln, die die Zahl der Mitglieder und der Nebensätze bestimmen. Das hängt
von dem Schriftstellershandgriff, von der Spezifik des Textes und von den
Kommunikationsbedingungen ab. Die langen Sätze sind immer bei Remarque
stilistisch-markiert. Sie sind immer auffallend und besonders unter den Umständen,
daß Remarque seinen Vorzug den kurzen und Mittelsätzen gab:
Z.B.: 1) „Der Mann am Steuer hatte inzwischen all seinen Hochmut
verloren; ärgerlich, die Lippen zusammengepresst, saß er vorbeugend da – das
Rennfieber hatte ihn gepackt, und plötzlich hing die Ehre seines Lebens davon ab, um
keinen Preis gegen den Klätter neben sich klein beizugeben.“
(Hier ist die Aufregung des Fahrers auffallend, deshalb ist seine Anstrengung mit
langen Satz geschrieben.)
2) “Da saßen sie rings um den Tisch, die Arbeiterinnen im Weinberge
Gottes, die Untrüglichen Menschenkennerinnen, die Soldaten der Liebe – Wally, die
Schöne, der man neulich bei einer nächtlichen Autofahrt den Weißtuchs gestohlen
hatte, - Lina mit dem Holzbein, die den plattfüßigen Alois liebte, obschon sie längst
eine eigene Wohnung hätte haben können und einen Freund, der sie aushielt; Margot mit den roten Backen, die immer in Dienstmädchentracht ging und damit
elegante Feier fing...“
(In diesem Beispiel enthält der Satz eine Erzählung. Der Schriftsteller
machte das absichtlich: er wollte zeigen, wie eng diese Leute durch die Ähnlichkeit
ihrer Schicksale, durch die Miseren des Lebens mit einander verbunden waren.)
- 120
2. Die Verletzung der Satzstruktur
Jeder Text ist eine bestimmte Struktur und für diese Struktur sind bestimmte,
syntaktische Verhältnisse typisch. Die Mehrheit der Sätze sind in der deutschen
Sprache die beendeten Aussagen. Solche Sätze haben eine strenge Wortfolge und
Gesetz, nach deren die Mitglieder der Sätze miteinander verbunden sind. Aber man
unterscheidet dabei viele Handgriffe der Satzstrukturverletzungen. Unter den Regeln,
die den deutschen Satz charakterisieren, treten diese Handgriffe in allen Werken
anschaulich ein. Man bezeichnet folgende Verletzungen der Satzstruktur: als
Anakoluth.
Das Anakoluth ist ein stilistischer Handgriff, der mit der Verletzung der
richtigen syntaktischen Verbindung zwischen Satzgliedern, die zueinander nach dem
Sinn aber nicht nach den grammatischen Regeln passen, verbunden ist. Das ist das
syntaktische Anakoluth. Man unterscheidet auch das semantische Anakoluth, das in
sich alle Arten der lexische Allogismen einschließt. Die Veränderung der Satzform
oder des Kasus im syntaktischen Anakoluth erklärt man oft als eine unabsichtige
Veränderung der Anfangsform der Aussage, als Verlust des Erzählungsfandes, oder
als Vergesslichkeit des Gesprächsanfanges. Sehr oft kann man solche Fälle in den
langen Sätzen treffen, wenn sie rhetorisch nicht vorbereitet sind. Auch im Gespräch
gibt es das Anakoluth, wenn das Gespräch gleichzeitig, ohne Vorbereitung, mit den
Gedanken entsteht – d.h. in allen Fällen, wenn der Mensch keine Aufmerksamkeit auf
seine Rede schenkt.
Z.B.: „Dieser Herr Beuer, den hätte ich am liebsten sofort in den
Orchesterraum geworden“.
Die Prolepse gehört zu solchen Verletzungen der Satzstruktur, bei deren der
Anfang des Satzes, den als Substantiv oder Adverb ohne Formveränderung vertreten
wird. Man gebraucht verschiedene Zeichnen (am öftesten die Kommaten). Um einen
Satzanfang zu zeigen. Aber obwohl die Prolepse ein auffallendes schöpferisches
Mittel ist, ist sie bei Remarque fast nicht gebräuchlich. Sie gehört zu seinen
Handriffen nicht. Aber es gibt die einzelnen Beispiele im Roman, die die Gefühle, die
Verhältnisse der Helden zu den Ereignissen wiedergeben.
- 121
Z.B.: „Ein anderer Ton, er wurde stärker und übertönte alles schließlich, wie
eine dumpfe Drohung: der Kanonendonner der Front.“
(In diesem Beispiel wurden die Gefühle von Robert beschrieben, als er an die
Front kam und nämlich wie er die Laute des Krieges empfang. Er hatte Angst vor
ihnen, weil sie immer nur Tod bedeuteten.)
Die Parenthese ist die einschaltende Konstruktion, die sich in einem Satz
befindet. Dabei ist von dem Satz unabhängig, obwohl sie in der Struktur dieses Satzes
ist. Für die Schaltkonstruktionen sind folgende Merkmale typisch: intonatorische und
graphische (Kommaten, Klammer, Striche) Absonderungen, freie Position zum Satz,
in dem sie sich befinden. Aber gewöhnlich sind diese Konstruktionen im Mittel des
Satzes, nach dem Wort, die sie bestimmen. Der Umfang der Sätze ist verschieden. Sie
können aus einigen Wörtern, Wortverbindungen, einfachen Sätzen, komplizierten
Sätzen bestehen. Das hängt davon ab, was der Autor unterstreichen will.
Parenthese ist einer der Lieblingshandgriffe von Remarque. Die Seiten seiner
Werke sind voll von Parenthesen.
Z.B.:
1) “Seine Landschaften, die Ausgezeichnet waren, kaufte kein Mensch“.
2) “Dort saß, wie fast immer, Valentin Hauser.“
3) “Jupp war unser einziger Angestellter, ein Junge von fünfzehn Jahren. Der
eine Art herlingsstelle bei uns hatte.“
Die Ursachen des Parenthesengebrauchs in den Werken von Remarque sind
folgende: das Sterben des Autors die aufgegebene Information oder Charakteristik zu
präzisieren, sein Versuch mit dem Leser zu sprechen und manchmal zu diskutieren,
die Gedanken des Lesers zu erwecken. Die Parenthesen sind seinen Werken als
Mittel von Humor und Satire:
Z.B.: „Ich war in einer schwierigen Lage; mit den Augen schoss ich wütende
Blicke auf Mutterkomplex vor mir, mit dem Munde versuchte ich freundliche Worte in
die Hörmuschel zu sprechen; - vom Scheitel bis zur Nase war ich Gewitter, von der
Nase bis zum Kinn eine sonnige Frühlingslandschaft; - es war mir ein Rätsel, dass
ich fertigbrachte, mich trotzdem zum nächsten Abend zu verabreden“.
- 122
Als genaue Charakteristik der Ereignisse und Person:
Z.B.:
1) “Lenz hatte, wenn er in guter Laune war, immer etwas so Hinreßendes,
dass man ihm schwer widerstehen konnte.“
2) “Sie sind angerufen worden,“ sagte Frida, das schielende Dienstmädchen
Frau Zalewskis, als ich mittags auf einen Sprung nach Hause kam.“
3) “Vom Korridor her wehte dabei, wie ein buntes Seidentuch, ein fetzen
Musik noch mit herein – Geigen, gedämpfte Bajos – „Wie hab ich nur leben können
ohne dich.“
Als Präzisierung der Erzählung:
Z.B.: 1)“Wunderbar war das beim Trinken – es brachte einen Rasch
zusammen – aber zwischen Abend und Morgen schaffte es auch wieder
Zwischenräume, als wäre es Jahre.“
2) “Vorn, neben der Theke, stand ein Klavier. Es war verstimmt, ein Paar
Saiten waren gesprungen, und von den Elfenbeintasten fehlten auch einige; aber ich
liebte den braven, ausgedienten Musikschmmel“.
3) “Meine Wirtin, Frau Zalevski, hatte mir erlaubt im Zimmer meinen
eigenen Kaffe zu kochen“.
Als Mittel der Verlangsamung der Erzählung:
Z.B.: „Ich höre die Vögel singen in den hohen Friedhofsbaumen – sie
sangen, wie kleine, silberne Pfeifen des lieben Gottes zu dem leisen, süßen Gebrumm
der melancholischen Drehorgeln vom Rummelplatz – ich wählte zwischen meinen
Paar Hemden und Strümpfen,als hätte ich zwanzig mal soviel, ich leerte heißend
meine Tasche aus; - Kleingeld, Messer, Schlüssel, Zigaretten – und dann der Zeter
von gestern, mit dem Namen des Mädchens und Telefonnummer.“
Als stilistischer Handgriff erfüllt die Parenthese nicht nur Funktionen der
Bildhaftigkeit, Ausdrücklichkeit und Anschaulichkeit, sondern auch eine stilistische
Funktion, die dem Schaffen der emotionalen Tonart dient. Das kann man sehr gut im
Roman „DK“ sehen, wo der Autor mit der Hilfe von Parenthesen nachdenkliche
Intonationen im Text baut.
- 123
Sehr nah den Parenthesen stehen im Deutschen die Appositionen,
Abgeschnittene Sätze, Nachtragskonstruktionen.
Die Apposition. Als Apposition können im Satz Substantive treten, die in der
Postposition zum bestimmten Wort in demselben Kasus oder, nach den Regeln der
modernen deutschen Sprache, im Nominativ stehen. Die Appositionen können auch
mit einigen Wörtern oder mit ganzen Sätzen erweitert sein. Remarque gebraucht
diesen Handgriff in seinen Werken, um bestimmte Wörter und ihre Bedeutung zu
unterstreichen. Das kann man aus Folgendem Beispiel sehen:
Z.B.: „Es war ein Glückfall, ein besonderer, großer Glückfall, dieses Mädchen zu
treffen.“
Abgeschnittene Sätze. Sie stehen in der Postposition zu den Adjektiven,
Adverbien, Partizipien, Infinitiven. Ihre Bedeutung nach stehen sie der Apposition
nah. Als Abart der Parenthese gibt es diesen Handgriff in Remarques Werken. Mit
der Hilfe der abgeschnittenen Sätze betont der Autor einige Wörter.
Z.B.: 1) “Am Ofen dehnte sich ein brauner Jagdhund. Manchmal bellte er im
Schlaf, leise, hoch und klagend.“
2) “Er war Ingenieur und Sachverständiger der Phönix-Autoversicherung,
ein wichtiger Mann, um Reparaturen zugewiesen zu bekommen.“
Die Nachtragskonstruktionen. Das sind Wörter, Wörterverbindungen,
Sätze, die nicht nach den Regeln der Wortfolge gebraucht sind, d.h. sie nehmen ihre
gewöhnlichen Stellen nicht. Die, in diesen Konstruktionen, erhaltende Information
verbindet sich mit der Information des Hauptsatzes durch das Sprechen oder das
Lesen. Dieser Typ der Konstruktionen spiegelt den natürlichen Gedankenprozess
sofort ohne eine lange Zeit darüber nachzudenken, was man sagen muss, wieder. Die
Nachtragskonstruktionen besitzen eine große Zahl von ausdrücklichen Mitteln.
Deshalb gehört dieser Handgriff zu den Lieblingshandgriffen von Remarque. Es läßt
sich nicht bestreiten, dass sich alle Werke dieses Schriftstellers gut lesen lassen. Das
gelang dem Autor durch die Verwendung vieler Handgriffe, Konstruktionen, die für
die Umgangssprache eigentlich sind. Das kann man aus folgenden Beispielen sehen:
- 124
Z.B.:
1) “Neben mir sprach das Mädchen; - es sprach leise und langsam mit dieser
dunklen erregenden etwas rauchen Stimme.“
2) “Der Mann wollte kostenlos ein neues Verdeck, für das die Versicherung
nicht haftbar war, in die Reparatur hineinschmuggeln.“
3. Die Veränderung der Satzstruktur
In der deutschen Sprache unterscheidet man die spezifischen Satzmodelle,
die den Bau deutsches Satzes bestimmen. Für die stilistische Syntax (SS) ist es
wichtig, wie sich diese Modelle verändern, anders gesagt SS betrachtet die
Veränderung der Satzmodelle und die Gewinnung von ihnen eines zusätzlichen
Potentials der Ausdruckskraft. Als Mittel dieses Handgriffs gilt: die Reduktion und
ihre 3 Abarten: die Aposiopese und Ellipse; auch die Isolierung.
Die Reduktion ist die Senkung eines Mitgliedes oder einiger notwendigen
Satzglieder. Der Abschnitt der syntaktischen Strukturen ist in der Altagsrede
besonders verbreitet. Solche Strukturen dienen als Hauptmittel der natürlichen
Ausdruckskraft. Remarque gebraucht diesen Handgriff sehr oft, weil in seinen
Werken verschiedenartige Gespräche (Dialoge, Polyloge) eine große Rolle spielen.
In der schriftlichen Rede sind solche Senkungen ansichtig bezeichnet. Mit
dem besonderen bearbeiteten Charakter treten sie als stilistische Handgriffe ein. In
der Antik wurden diese Handgriffe als Aposiopese (d.h. das Verschweigen) und
Ellipse genannt. In der modernen Sprachpraktik unterscheidet man noch eine Abart
der Reduktion – die Isolierung.
Die Aposiopese. Das ist ein plötzlicher Einbruch des Gedanken im Mittel der
Aussage
oder
eine
teilweise
Verschweigung
dieses
Gedanken.
Diese
Spracherscheinung wurde von verschiedenen Situationsumständen hervorrufen:
Vorsicht, Unlust das unangenehme Gespräch fortzusetzen u a.m. Die Ursachen für
den Einbruch dienen: die Aufregung des Sprechenden, wenn er von verschiedenen
Gefühlen ergriffen ist:
Z.B.: “Wo ist Gottfried?“ – fragte ich.
„In irgendeiner politischen Versammlung und – „
„Verrückt! Was will er denn da?“
- 125
oder die Unsicherung, Vermutung des Sprechenden:
Z.B.: “Probefahrt?“ – erwiderte er, als hätte ich Bahnhof gesagt.
„Ja, Probefahrt. Sie müssen doch sehen, was der Wagen leistet. Er liegt wie ein
Brett auf der Strasse. Wie auf Schienen. Und die Maschine zieht an, als wäre das
schwere Kabriolett eine Flaumfeder – „
„Ach, Probefahren – „ er machte eine wegwerfende Handbewegung,
„Probefahren zeigen nichts. Was am Wagen fehlt, merkt man immer erst
hinterher.“
Die Vorsicht beim Gedankenausdruck, um ein passendes Wort zu finden:
Z.B.:1) “Warum glauben Sie das?“
„Das sieht man doch so unsicher – „
Sie blickte mich rasch an. „Wir können es ja mal versuchen.“
2) “Herr Blumenthal,“ sagte ich, „sehen Sie sich den Wagen noch einmal an“„Nicht nötig“, unterbrach er mich, „ich habe ihn mir ja neulich genau
angesehen.“
Der Unterbruch eines Menschen mit den Aussagen seines Gesprächspartners:
Z.B.:1) “Weißt du – „begann Köster vorsichtig“.
„Wozu lange reden,“ – unterbrach ich ihn, “das ist ein Inserat für einen Kurort
oder eine Schönheitskreme, aber nicht für ein Automobil.
2) Barsig kniff ein Auge zu. „Die Herren wollten erst nicht recht. Aber
schließlich – „
„Ein volles Glas auf die Phönixversicherung!“ – sagte Lenz und schenkte
erneuert ein.
Die Ellipse. Im Gegenteil von der Aposiopese, wo man beliebigen Teil des
Satzes, unabhängig von ihrer Informationsschätzung auslassen kann, läßt man nur
unwichtige Teile und Glieder, die leicht im Kontext wiederaufgebaut werden. Die
Ellipse ist in der Umgangssprache verbreitet. In den Werken von Remarque
gebraucht man die Ellipse als Mittel der realistischen Widerspiegelung der
natürlichen Rede der handelnden Personen in Dialogen und auch als Mittel, das zu
- 126
Wiedergabe des inneren emotionalen Zustandes dient. In elliptischen Konstruktionen
können alle unwichtigen Teile und Satzglieder ausgelassen sein:
Z.B.:1) “Störe ich Sie?“ fragte er müde.
„Gar nicht,“ sagte ich. „Wollen Sie was trinken?“
„Lieber nicht. Nur etwas sitzen.“
2) “Wo ist Gottfried?“ fragt ich.
„In irgendeiner politischen Versammlung“
Die Isolierung (Parzelierung). In diesem Fall handelt es sich um eine
besondere Abart der Satzkonstruktionen. In solchen isolierten Sätzen bekommen
einige Satzglieder einen bestimmten Status, dabei wurden sie ausgeklammert oder
mit Kommaten und Punkten bezeichnet. Eine ansichtige Teilung einer syntaktischen
Struktur ist ein erweiterter Handgriff der expressiven Syntax. Man nennt diesen
Handgriff auch die Parzelation. Es sei unterstreichen, dass Remarque diesem
Handgriff seinen Vorzug gibt. Und dazu gibt es bestimmte Ursachen. Es läßt sich
nicht vergessen, dass komplizierte Konstruktionen für Remarque nicht typisch sind.
Deshalb erfüllt jeder Satzglied bei ihm eine besondere Funktion. Und solcher
Handgriff wie Isolierung wird bei ihm oft gebraucht. Die vom ganzen Satz isolierten
Satzteile oder Satzglieder bekommen eine große Bedeutung und ein zusätzliches
Gewicht. Ihr Charakter ist auffallend.
Z.B.1) “Ich sah nach der Uhr. Es war noch vor acht. Eine Viertelstunde zu früh.“
2) “Und dann gehen Sie heute nachmittag mit ihrer Frau doch mal raus aus dem
Bau her. Vielleicht ins Kino.“
Die Isolierung ist ein wichtiges Mittel zum Schaffen der Tonart, zur
Beschreibung der besonderen Situationsumstände, zur Charakteristik der Ereignisse
oder der handelnden Personen. Das kann man aus folgenden Beispielen sehen:
Z.B.:1) “Neben ihr Rettmeister Graf Orlow, russischer Emigrant, Eintänzer,
Kellner,
Filmkomparse,
Gigolo
mit
grauen
Schläfen.
Wunderbarer
Gitarrespieler.“
2) “Nächste Tür Frau Bender, Krankenschwester in einem Säuglingaheim...
Hatte eine bunte Katze. Das einzige.“
- 127
Die Isolierung bringt eine besondere lebensfrische überall: in die Rede der
Personen, in die Erzählung, weil für sie unabsichtige, natürliche Ausdrücke typisch
sind.
Z.B.:1) “Der Mond ist jetzt hell genug um ein Glas zu finden. Gottfried machte die
Illumination aus. Besonders den Ford.“
2) “Die Zeit der großen Menschen – und Männerträume war vorbei. Die
Betriebsamen triumphieren. Die Korruption. Das Elend.“
Die Expansion der syntaktischen Satzstruktur (ESS)
Man unterscheidet stilistisch 2 Abarten der Veränderung der Satzstruktur: die
Expansion – d.h. die Erweiterung der Struktur durch eine lineare Vergrößerung der
Strukturmitglieder, und die Expansion durch die Komplikation der Struktur, durch
die Einführung in die Subjekt-Prädikat Gruppe neue Satzglieder charakterisiert wird.
Zu dieser Abart der Expansion gehören die Aufzahlung, verschiedene Arten der
Wiederholung, emphatische Konstruktionen nach dem Typ „er war es, der..“ Alle
diese Abarten kann man in Remarque´s Werken treffen.
Die Aufzählung ist verbreitetes Ausdrucksmittel der stilistischen Syntax.
Das mittel entsteht als Schlussfolgerum beim Aufzählen der gleichen syntaktischer
Komponenten, die den verschiedenen Umfang haben, in den Rahmen der beendeten
Aussage. Die Aufzählung kann zweigliedrig, paarig, vielgliedrig, konjunktionlos, mit
einer Konjunktion oder mit vielen. Ausdrückliche Möglichkeiten der Aufzählung
sind mannigfaltig. Man verwendet sie als Mittel der sprachlichen Sparsamkeit im
Gespräch, als Mittel zum Unterstreichen von bedeutendsten Elemente, als
syntaktische Mittel der Einordnung der Rede usw. In dieser Hinsicht unterscheidet
man asyndetische (AV), syndetische (SV) und polysyndetische (PV) Verbindungen.
SV verbindet mit einer Konjunktion 2 Satzglieder, PV verbindet eine große Zahl der
Satzglieder mit den folgenden Konjunktionen – und, oder, aber, ferner. AV verbindet
Satzglieder konjunktionlos. Diese Arten der Satzverbindung vermuten die
Komponenten vom selben Typ, ihre syntaktische Selbständichkeit, ihre gleichen
- 128
Ebenen. Aber es sei betont, dass nicht alle von diesen Verbindungen für die Werke
von Remarque charakteristisch sind.
Z.B. AV ist das Mittel zum Schatten der ruhigen Aufzählung und der genauen
Beschreibung der Ereignisse, Situationen, Charaktere.
Z.B.:1) “Ich ging rasch noch einmal los und besorgte einen Strauß Blumen, eine
Ananas, eine Kinderknapper, eine Tafel Schokolade.“
2) “Sie hing voll von Reiseandenken, die er aus Südamerika mitgebracht hatte.
Bunte Bastmatten
an den Wänden, ein paar Masken, ein eingetrockneter
Menschenschädel, groteske Tontöpfe, Speere, als Hauptstück eine ganze
Sammlung von Photographien..“
Aber asyndetische Aufzählung der Verben bildet den Effekt der Hast, der Aufregung:
Z.B.:1) “Ich hätte sie am liebsten in ihrer Suppentopf gesteckt, beherrscht mich aber,
griff in die Tasche, drückte ihr eine Mark in die Hand und fragte versöhnlich:
„Hat die Dame nicht ihren Namen geneánnt.“
2) “Ich wunsch mich, ich wanderte im Zimmer umher, ich las die Zeitung, ich
brühte den Kaffe auf, ich stand am Fenster und sah zu, wie die Straße besprengt
wurde..“
3) “Die Worte stimmten nicht mehr, sie verschoben sich, sie drängten
hinüber in andere, buntere Gebiete.“
4) “Wenn sie dann mit einem Kavalier abends ankam, ließ sie ihn unter
irgendeinen Vorwand einen Augenblick draußen warten, ging rasch voran, schob den
Kinderwagen in den Verschlag, schloss die Tür und ließ den Kavalier eintreten.“
PV dient zum Schaffen der Gleichmäßigkeit, Ausgeglichenheit und
unterstreicht den ruhigen Charakter der Aufzählung. Aber PV ist von Remarque fast
nicht gebraucht, weil PV auch Effekt der Feierlichkeit bildet. Am öftesten gebraucht
der Schriftsteller die Kombination von AV und SV. Das Hauptmerkmal dieser
Kombination ist folgende: erste aufgezählte Glieder verbindet man konjunktionslos
und dem letzten Satzglied stehen die Konjunktionen.
Z.B.: 1) “Gottfried nahm mir die Zigarette aus der Hand, beroch sie und zündete sie
sich an.“
- 129
2) “Er zog eine Zeitung aus der Tasche, verglich die Hausnummer noch einmal
und schritt auf mich zu.“
Die Wiederholung. Eine andere Art der Verbreitung der syntaktischen
Struktur sind verschiedene Wiederholungen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, dass
sie sinnig oder emotional beliebige Teile der Aussage verstärken müssen. Die
Ausdruckskraft dieser Wiederholungen bestimmt ihre Struktur, ihren Platz im Satz.
Man unterscheidet folgende Arten der Wiederholung: die Anadyplose, die Anapher,
die Epipher, die einfache Kontaktwiederholung. Welche aus diesen Abarten für
Remarque typisch sind, kann man aus folgender Charakteristik sehen:
a. Die Anadyplose oder die Wiederaufnahme. Das ist die Wiederholung,
wenn das Endeelement am Anfang des nächsten Satzes steht. Die Ausdruckskraft
dieses Handgriffes ist sehr groß. Der Autor (Remarque) läßt den Leser den Satz oder
das Wort bemerken:
Z.B.:1) “Was man herankommen läßt, will man halten. Und halten kann man nichts.“
2) “Sie wollte eine Tasse Schokolade trinken. Die letzte leistete sie sich jeden
Sonntagmorgen hier.“
b. Die Anapher. Das ist die Wiederholung, wenn das Anfangselement in den
Sätzen, die einander folgen, steht. Dieser Handgriff hat dieselben Aufgabe in den
Werken von Remarque wie die Anadyplose.
Z.B.:1) “Draußen spülte sich gedämpft die Strasse mit den Raubvogelrufen des Autos
vorbei. Sie schrie herein, wenn jemand die Tür offnete. Sie schrie wie ein
keifendes, neidisches Weib“.
2) “Der Mond war über das Fabrikdach emporgestiegen. Er war immer heller
geworden und hing wie ein gelber Lampion in den Asten des Pfaumenbaumens.“
Für Remarque haben die Anapher viele Möglichkeiten: sie verstärken
logische Verbindung der Aussageteile, symbolisieren die Einheit der Rede und
können auch als Mittel zur Widerspiegelung der menschlichen Charaktere und auch
als Mittel zum Schaffen der besonderen Sphäre in der Erzählung auftrete.
c. Die Epipher. Das ist solche Abart der Wiederholung, wenn das
Endeelement in den Sätzen wiederholt, die einander folgen. Sehr oft gebraucht man
- 130
die Epipher als mittel von Humor und Satire, und als Mittel der Präzisierung der
Erzählung.
Z.B.: “Vor dem Haus lag außerdem ein alter Friedhof. Er war schon seit
langem stillgelegt. Er hatte Bäume wie ein Park, und wenn es nachts ruhig war,
konnte man meinen, man wohne auf dem Lande.“
d. Die einfache Kontaktwiederholung. In diesem Fall wiederholt man ein
und dasselbe Glied im Satz. Sehr wichtig ist die Kontaktposition des Gliedes im Satz.
Diese Art der Wiederholung ist für die emotionale Rede typisch.
Z.B.: „Ich sah auf dich und weinte nicht. Der Schmerz schlug meine Zähne
aneinander. Mein Blut floss ständig unter unbarmherzigen Streichen. Ich sah auf dich
und weinte nicht“. (F. Schiller).
Vorlesung № 15
Thema: Die funktionalen Stile der deutschen Sprache
In der deutschen Sprache der Gegenwart real existierenden funktionalen Stile
können hier nur in ihren Grundzügen beschrieben werden. Denn erstens ist eine
genaue Ausarbeitung dieser schwierigen Frage nach dem heutigen Entwicklungsstand
der Stilistik noch nicht möglich, und zweitens würde eine solche Ausführung den
Rahmen des vorliegenden Lehrbuchs sprengen. Daher begnügen wir uns damit, kurz
die Stilzüge anzugeben, die der funktionalen Spezifik (gesellschaftliche Funktion)
jedes einzelnen Stils entsprechen, und – etwas ausführlicher – die sprachlichen
Mittel, die diese Stilzüge realisieren.
Der Stil des öffentlichen Verkehrs
Grundfunktion dieses Stils ist die offizielle schriftliche und mündliche
Verständigung einerseits zwischen den Staatsämtern und Behörden untereinander und
anderseits zwischen öffentlichen Organisationen und dem Publikum. Es handelt sich
also um die sprachliche Fassung sämtlicher Amtsdokumente, Gesetze und
Vorschriften,
um
die
Gestaltung
der
Diplomaten-,
Gerichts-
und
- 131
Handelskorrespondenz sowie aller mündlichen Ansprachen bei offiziellen Anlässen.
Reden, die den Rahmen der sachlichen Mitteilung überschreiten, dürfen schon nicht
mehr in den Bereich der offiziellen Verständigungsweise gezählt werden. Der
Staatsmann auf diplomatischen Konferenzen, der Ankläger oder der Verteidiger bei
Gericht lassen sich vom Gegenstand ihrer Mitteilung hinreißen, sie drücken in
leidenschaftlich-bewegter Form ihre Ansicht aus. Derartige Reden gehören ihrer
gesamten linguistischen Charakteristik nach viel eher zum Ausdruckssystem der
mündlichen Publizistik. Ein gesunder Amtsstil ist durch folgende Wesenszüge
(Stilzüge) gekennzeichnet: Unpersönlichkeit und Sachlichkeit, gedrängte Kürze,
streng literarische Form, leichte Fassbarkeit.
Im Stil des öffentlichen Verkehrs ist eine bestimmte funktional gefärbte Lexik
mit eingeschlissen: teils sind es deutsche und fremdsprachige Termini, teils
nichtterminologische Klischees. Ihre spezifische Prägung äußert sich in einer
gewissen Steife und Förmlichkeit.
So bringt jeder Geschäftsbrief, jede Meldung, jedes Gesuch einleitend hinter
der funktional gefärbten Abkürzung betr. (betreffend, betreffs) stichwortartige
Angaben des Inhalts.
Betr.: Urlaubsgesuch wegen dringender Familienangelegenheiten.
Zum Abschluß eines Dokuments wird gewöhnlich die Zahl der Anlagen
genannt oder namentlich angeführt (Anlagen: Geburtszeugnis, Leumundszeugnis,
Reifezeugnis u. ä.).
Jedes Protokoll muss – bei bestimmter Architektonik – einen spezifischen
Wortschatz bringen wie etwa:
Protokoll über … - am … - um … - anwesend …
(z.B.): It. [laut] Anwesenheitsliste 35 Teilnehmer) – Leitung – Tagesordnung –
Beginn – Verhandlungsablauf – Beschluß – Unterschrift des Protokollanten
(Schriftführers) – f. d. R.
Pronominaladverbien wie hiermit, hiervon, hierfür – süddeutsch hiemit,
hievon, hiefür – sind Wahrzeichnen offiziellen Formulierungen.
- 132
Eine besonders wichtige Rolle im Stil des offiziellen Verkehrs spielen die
Wort- und Wortgruppenklischees sowie die Satzklischees. Vielleicht könnte man
auch von architektonischen Klischees sprechen, insofern die Gliederung der
offiziellen Dokumente (oft auch der offiziellen Ansprachen) nach einem bestimmten
Anordnungsschema genormt ist. All diese Klischees stehen im Zuge der
Entpersönlichung, insbesondere im Bereich der Amts- und Handelskorrespondenz.
Vgl. die Vordrucke für Geschäftsbriefe, Bankkontos, Zeugnisse verschiedener
Art u. ä.
Auch die Syntax im Stil des offiziellen Verkehrs muß dazu beitragen, die
Stilzüge dieser sprachlichen Verwendungsweise zu realisieren. Die der deutschen
Literatursprache zu Gebote stehenden syntaktischen Konstruktionen werden so
ausgewählt, dass sie – auf grammatischem Wege – den Eindruck des Unpersönlichen
und Offiziellen erwecken.
Als Mittel zur Erzielung sprachlicher Knappheit bedient sich der moderne
deutsche Amtsstil häufig der Ellipse: Bestellungen durch die Buchhandlung
erwünscht. Deutsche Handschrift erbeten.
Bemerkenswert ist die besonders in der Handelskorrespondenz übliche
unflektierte Vor- oder Nachstellung des Attributs: rein Wolle – echt Gold – Butter
extrafein – Einfamilienhaus zweistöckig.
Der Stil der Wissenschaft
Da Wissenschaft und Technik dazu berufen sind, mit Hilfe sachlichsystematischer Beweisführung die Erkenntnis der Wirklichkeit und ihrer Gesetze zu
vermitteln,
muss
die
gesamte
Ausdrucksgestaltung
auf
diesem
Gebiet
gesellschaftlicher Tätigkeit – alle lexischen, grammatischen und phonetischen Mittel,
in ein Ganzes vereinigt – unter dem Zeichen der Sachlichkeit und Logik, der Klarheit
und Fassbarkeit stehen. Erst auf dem Boden dieser Wesensmerkmale kann
Überzeugungskraft der Darstellung erwachsen.
- 133
Zunächst über den Wortschatz im Dienst der Sachlichkeit und Logik, der
Klarheit und Fasslichkeit. Die lexikalische Grundlage bildet die neutrale literarische
Lexik ohne expressive Färbung in Verbindung mit funktional-stilistischer Lexik, d.h.
mit deutscher oder fremdsprachiger Terminologie, mit Realienbezeichnungen und
nichterminologischen Klischees.
Im Gegensatz zu den zahlreich vertretenen Fachneologismen (die allmählich
in den ständigen Bestand der Nationalsprache eingehen), sind nichtterminologische
Neubildungen im wissenschaftlichen Stil seltener anzutreffen. Sie werden nur dann
verwendet, wenn mit ihrer Hilfe ein Gedanke klar und dabei sprachökonomisch zum
Ausdruck gebracht werden kann. Verhältnismäßig stark vertreten sind im modernen
wissenschaftlichen Stil die substantivierten Infinitivzusammenbindungen.
Charakteristisch f ü r den Stil der Wissenschaft ist der Einschluss von
Belegstellen aus anderen Werken. Hier handelt es sich um wichtiges Beweismaterial,
das die Ansichten des Schreibenden bekräftigt, oder auch um Aussprüche von
Fachgelegten, die der Autor als unrichtig oder strittig hinstellt.
Durch stark expressive Lexik kann die Objektivität einer akademischwissenschaftlichen Arbeit beeinträchtigt werden; die persönliche Einstellung zum
Gegenstand der Untersuchung muß vor allem aus dem sachlich dargelegten
Gedankenverlauf hervorgehen. Emotional gefärbte Wörter und Wendungen (Idiome,
Zwillingsformeln, verstärkende Zusammensetzungen u. ä.) haben nur dort
Berechtigung, wo sie an dieser oder jener Stelle für die Entwicklung der
Beweisführung unerlässlich sind.
Dialektismen, Argotismen, Vulgarismen widersprechen den Normen des
wissenschaftlichen Stils und bilden selbst im Rahmen polemischer Schriften seltene
Ausnahmen.
Einen festen Platz im wissenschaftlichen Stil haben sich die Mittel der
Bildlichkeit erobert; sie sind kein Schmuck der Rede, sondern ein Mittel der
Erkenntnis und besseren Einprägung. Zum größten Teil werden gemeinsprachliche
Tropen und Vergleiche verwendet, die ihre Bildkraft noch nicht eingebüßt haben, wie
etwa: die sibirische Taiga, eine gewaltige Vorratskammer der Natur.
- 134
Auch der grammatische Bau des wissenschaftlichen Stils muß der Forderung
nach
Logik,
Klarheit
und
leichter
Fassbarkeit
nachkommen.
Wenn
Passivkonstruktionen in der Alltagsrede gemieden werden, so gehören sie im
wissenschaftlichen Stil zu den unentbehrlichen Mitteln der objektiven, logischen
Darstellung.
Selbstverständlich herrscht der Aussagesatz vor – und damit die ruhige
Aussageintonation. Fragesätze sind ein charakteristisches Merkmal der Syntax im
wissenschaftlichen Stil. Einmal sind es rhetorische Fragen, die unmissverständlich als
getarnte Aussagesätze zu werten sind. So zeigt die deutsche Sprachwissenschaftlerin
Gertrud Pätsch an einer Stelle ihres Buchs „Grundfragen der Sprachtheorie“ die
Unhaltbarkeit der Naturlauttheorie und gibt dabei in folgenden Fragen ihre
ablehnende Meinung kund: Woher kommt es, dass unwillkürliche Äußerungen mit
einem Male einen verstehbaren, also gedanklichen, Inhalt haben? Und woher kommt
das plötzliche, neuartige Verstandenwerden?
Die
wissenschaftliche
Prosa
gebraucht
Parallelismus
und
Antithese,
Aufzählung und Wiederholung, also die gleichen Mittel, die in anderen Stilen als
lexische und grammatische Mittel der Emotionalität gelten, im Dienst der
Sachlichkeit, Logik und leichteren Fassbarkeit.
Im wissenschaftlichen Stil hat sich die Tradition herausgebildet, zur Wahrung
der Objektivität und der Bescheidenheit die Ich-Form auf allerlei Weise zu meiden.
Daher heißt es: Der Verfasser dieses Artikels ist der Meinung… - wie dem Verfasser
scheint… - wie es scheint u. ä.
Der Stil der Publizistik und der Presse
Der Stil der Publizistik und Presse ist an sich ein Stil der Propaganda und
Agitation. Die Bevölkerung soll über aktuelle Geschehnisse in der Politik, im
Gesellschaftsleben, in der Kunst, Literatur, Wissenschaft und Technik nicht bloß
unterrichtet, sondern auch nach einer bestimmten Richtung hin beeinflusst und
überzeugt werden. Hier interessiert uns natürlich in erster Linie der Stil der
Publizistik und Presse, deren Aufgabe darin besteht, die gesellschaftliche Wahrheit
aufzudecken.
- 135
Um seine Aufgabe erfolgreich durchzuführen, muß der publizistische Stil
sowohl sachliche als auch emotionale Überzeugungskraft besitzen. Daher in seiner
sprachlichen Ausdrucksgestaltung einerseits Einschluss von reichem Tatsachen- und
Beweismaterial, vermittelt durch aktuelle Realienbezeichnungen (Namen von
Zeitgenossen, Orts- und Zeitangaben, Titel von Organisationen, Ziffern, Daten, Zitate
u. ä.), deutsche und fremdsprachige Termini, Professionalismen, neue „Schlagwörter“
aller Art usw. Dazu noch mittel der rationalen Einwirkung auf grammatischem und
architektonischem Weg: reiche Verwendung von Parallelismus und Antithese, Frage
und Antwort sowie von verschiedensten Arten einprägender Wiederholung und
Aufzählung. All dies im Dienst der Systematik und leichteren Fassbarkeit.
Anderseits die sprachlichen Mittel der emotionalen Fühlungnahme mit dem
Publikum: Wahl eines anschaulich-expressiven Wortschatzes, emotional gefärbte
Phraseologie, zahlreiche Tropen und Vergleiche, Periphrasen, Epitheta, die
verschiedensten Mittel der Satire (darunter auch charakterologische Mittel der
Koloritzeichnung); emotionale Wortfolge, Ausrufe- und Frageintonation, Abbrüche
und Einschaltungen.
Je nach dem Genre der schriftlichen oder mündlichen Publizistik variiert auch
die
Verwendungsweise
der
innerhalb
dieses
Stiltyps
gegebenen
Ausdrucksmöglichkeiten. Reportage und Feuilleton müssen den literarischkünstlerischen Ansprüchen der schönen Literatur entsprechen (daher steht ihnen auch
der gesamte Apparat an Ausdrucksmitteln zur Verfügung, den die schöne Literatur
benützt); der einfache oder erweiterte Bericht, der Kommentar, die Chronik und
andere sachlich-offizielle Formen der Publizistik und Presse nähern sich dem Stil des
öffentlichen Verkehrs; der politische und der wissenschaftliche Artikel fügen sich
zum großen Teil den Gesetzmäßigkeiten des wissenschaftlichen Stils. So verschieden
die einzelnen Genres der literarischen und politischen Publizistik auch sein mögen,
sie
werden
dennoch
von
gemeinsamen
Stilzügen
und
gemeinsamen
Ausdruckstendenzen zusammengehalten (dies gilt natürlich nur für die fortschrittlich
eingestellte
Publizistik):
sie
dienen
als
Mittel
sachlichen
und
zugleich
- 136
leidenschaftlich emotionalen Kampfes gegen alles Überlebte und Rückständige, für
alles Neue und Aufbauförndernde.
Einen wichtigen Platz bei der intellektuellen Beweisführung nehmen die
Zitate aus den verschiedensten Qellen ein: Aussprüche bekannter Staatsmänner und
Gelehrter, Stellen aus Zeitungsartikeln oder Büchern. Bei dieser Rededarstellung
werden sowohl direkte Rede (mit oder ohne Einkleidung) als indirekte Rede
verwendet – natürlich mit anderer stilistischer Funktion als beim Sprachporträt in der
schönen Literatur. Besonders häufig sind Mischformen zwischen direkter und
indirekter Rede.
Auf grammatischem Gebiet verdienen besondere Erwähnung Wiederholung,
Aufzählung, Parallelismus und Antithese als Mittel eindringlicher Logik und
Systematik (sowohl innerhalb eines Satzes als insbesondere im erweiterten Kontext
und Großzusammenhang). Die größte Bedeutung kommt augenscheinlich der
Antithese zu. Da zahlreiche publizistische Arbeiten auf inhaltlichem Kontrast
aufgebaut sind (Darstellung gegensätzlicher Weltanschauungen, Meinungen,
Situationen usw.), müssen zur sprachlichen Realisierung lexische und syntaktische
Antithesen dienen – und dies meist zusammen mit anderen Verbindungsmitteln:
Wiederholung, Aufzählung, Parallelismus (unterstützt durch graphische Mittel).
Der Stil des Alltagsverkehrs
Die Hauptfunktion dieses Stils (kurz Alltagsstil genannt) besteht darin,
ungezwungen-intime Mitteilungen privater Natur oder sachliche, aber nicht offizielle
Feststellungen aus dem Alltags- und Arbeitsleben im mündlich-dialogischen Verkehr
an Gesprächspartner weiterzuleiten. Daneben tritt er aber auch
mündlich-
monologisch zutage: in einfachen Berichten und Erzählungen mit Alltagsthematik, in
Reden anlässlich verschiedener Vorkommnisse (bei Hochzeiten, Geburtsfeiern u. ä.).
Auf schriftlichem Weg findet der Alltagsstil in der Privatkorrespondenz und in
Tagebüchern Verwendung. Diesen Funktionen entsprechend, hat sich ein Stiltyp
herausgebildet, der durch bestimmte, nur ihm zugehörige Wesenszüge charakterisiert
wird.
- 137
Das Baumaterial für den Stil des Alltagsverkehrs bildet die Umgangssprache,
diese
zwischen
Literatursprache
und
territorialen
Dialekten
stehende
Erscheinungsform der Nationalsprache.
Je nach der Sprachsituation, je nachdem, welchem Gesellschaftskreis der
Sprecher angehört und welchen Bildungsgrad er besitzt, überwiegen im Alltagsstil
bald die literarsprachlichen, bald die mundartlichen Elemente. Ohne auf die soziale
Differenzierung in der Alltagsrede kleiner gesellschaftlichen Sonderschichten
einzugehen, soll hier der Alltagsstil der großen Massen, d.h. der werktätigen
Bevölkerung, besprochen werden.
Die inneren Merkmale des Alltagsstils ß seine Stilzüge sind vielmehr folgende:
1. Ungezwungene, lockere Gesamthaltung beim Sprechen,
2. Emotionalität und subjektive Bewertung der Aussage,
3. Konkretheit, Bildhaftigkeit, Schlichtheit und Dynamik,
4. Hang zu Humor, Spott und Satire,
5. Hang zur Umständlichkeit der Rede einerseits und zur kürze anderseits.
In der Sprachwirklichkeit fließen natürlich die genannten Merkmale
ineinander. Ein und dieselbe sprachliche Erscheinung kann gleichzeitig Emotionalität
und Bildhaftigkeit, gleichzeitig Spott und Ungezwungenheit enthalten. Die
linguistische Charakteristik des Alltagsstils, gegliedert nach den einzelnen
Wesenszügen, entspringt dem Wunsch nach klarerer Übersicht.
Die sprachliche Spezifik des Alltagsstils – historisch durchaus verständlich –
äußert sich auch in der sorglosen Verwendung von Dialektismen, Argotismen und
Vulgarismen. Ob man in Berlin die Zigarettenstummel Kippen nennt oder in Wien
Tschiks, ob der Berliner den Ausländer durch sein ham wa nich [haben wir nicht]
oder der Wiener durch sein ramatama [räumen tun wir] in erstaunen versetzt, auf
jeden Fall handelt es sich um mundartliche Freiheiten, die im Alltagsstil durchaus
berechtigt und gesetzmäßig sind.
Auch die gelegentliche Verwendung von Argotismen und Vulgarismen ist
bedingt durch die lockere Haltung des Sprechers im Alltagsverkehr.
- 138
Ohne Zweifel wird aber die lexisch-phraseologische Basis Alltagsstils durch
den Wortschatz literarisch-umgangssprachlicher Färbung (also durch literaturfähige,
stark expressive Wörter) gebildet; der Grad von Beimischung verschiedener
Elemente aus territorialen Dialekten und Jargons hängt von den konkreten
Umständen der Rede ab.
Auf phonetischem Gebiet äußert sich der auffalendste Zug des Alltagsstils –
seine lässige Ungezwungenheit – in den Aussprachenormen. Wörter und
Wortgruppen werden achtlos hingeworfen, manchmal nicht bis zu Ende gesprochen,
manchmal miteinander verschleift.
Besonders bemerkbar ist die Spezifik der lockeren Ungezwungenheit in den
grammatischen Normen des Alltagsstils. Noch mehr als über die Lässigkeit der
Aussprache und das häufige Sich-Versprechen staunt man über die große Zahl der
Parenthesen, der Konstruktionsänderungen und zahllosen Abbrüche mitten im Satz.
Auch ohne Ellipsen und Nennsätze wäre der Alltagsdialog undenkbar, z. B.: Bist
müde? – Ich ja. Und du? – Natürlich, sogar sehr. Aber trotzdem. Ich wird’ schon.
Im Alltagsstil haben alle Berichte, Erzählungen und Dialoge emotionalen und
zum
größten
Teil
bewertenden
Charakter,
selbst
wenn
es
sich
um
Tatsachenfeststellungen handelt. Ob man sich dabei einer literarischen oder
mundartlich
gef ä r b t en,
mit
Vulgarismen
und
Argotismen
vermengten
Umgangssprache bedient, ändert nichts an diesem Wesenszug des Alltagsstils.
Eine wichtige Rolle bei der Realisierung dieses Merkmals spielen die Epitheta.
Teils sind es hyperbolische Beiwörter: ein phänomenales Konzept, ein ganz
ausgemachter Lump; ein 150prozentiger Bürokrat, ein vorsintflutliches Instrument,
teils Epitheta mit verstärkenden Zusammensetzungen: goldrichtig, heilfroh,
schnurzegal [berlinisch, grob: völlig egal].
Hyperbeln treten auch in substantivischer Form auf: Vollidiot, Halbidiot (als
Schimpfwörter), Quadratesel, Neunmalkluger usw.
Emotionale
Einstellung
(gleichzeitig
auch
ein
Zug
der
lockeren
Ungezwungenheit) steckt in den zahlreichen Ausrufen, die in die Rede eingeschaltet
werden: Interjektionen, die bestimmte Gefühle ausdrücken: o weh! (Schmerz), etsch!
- 139
(Schadenfreude), substantivische Ausrufe – ach Käse!, etwa gleichbedeutend mit
dem Ausruf: Blödsinn!, verbale Fügungen – verdammich!, verflucht und zugenäht!
(Ausruf bei etwas Unangenehmem) u. ä.
Ein wichtiger Anteil an der Emotionalität des Alltagsstils kommt dem
grammatischen Bau zu. Ausrufe-, Heische- und Fragesätze, Aussagesätze mit
aufgelockerter syntaktischer Form bilden die Grundlage dazu. Eine sehr große Rolle
spielt die Wortfolge im Alltagsstil und, im besonderen, die Gliederung der Sätze in
kurze, sinngemäß und grammatisch abgeschlossene Syntagmen.
Auch Prolepse und Nachtrag stehen im Dienst der Emotionalität: sie bilden ein
auffallendes grammatisches Merkmal des Alltagsstils.
Emotionale Betonung in dem flektierten Attribut in Nachstellung eigen
(besonders im Süddeutschen). Der Mensch schimpft im Alltag: Schuft verdammter!
Heupferd blödes! Oder er schmeichelt: Kind süßes!
Der Wortschatz des Alltagsstils zeichnet sich durch auffallende Konkretheit,
Bildhaftigkeit, Dynamik und Schlichtheit aus. Anstatt eines blassen, allgemeinen
Ausdrucks gebraucht man farbige, dynamische Wendungen: in allen Ecken und
Enden (überall); jemand auf die Hühneraugen treten (beleidigen); der Witz hat einen
langen Bart (ist alt) u. ä.
Besonders häufig bedient sich der Alltagsstil der expressiven Phraseologie mit
familiärer und grober Stilfärbung. E. Strittmatter erzählt z. B., wie Tinko, der Held
des gleichnamigen Romans, sich so gierig über Bratkartoffeln und Eier stürzt, dass
die Großmutter besorgt ausruft: Du wirst die Platze anessen! [gewöhnlich: du wirst
platzen, zerspringen.]
Zuletzt über die widerspruchsvolle Tendenz des Alltagsstils einerseits zur
Umständlichkeit,
zum
behaglichen
Ausschweifen,
anderseits
zur
Kürze
(Sprachökonomie). Diese beiden einander entgegengesetzten Stilzüge gehen aber auf
eine gemeinsame Quelle zurück: auf die Ungezwungenheit und Lockerheit der
Alltagsrede.
Das Ausmalen, die Wortfülle, kommt in lexikalischen und grammatischen
Erscheinungen zum Vorschein, hauptsächlich in der Vorliebe zu Zwillingsformeln,
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Tautologien und Pleonasmen, zu Aufzählungen und Wiederholungen aller Art.
Besonders untersucht werden müssen die mannigfachen Erscheinungsformen der
Wiederholung im Dialog.
Der Hang zur Kürze äußert sich in der Verwendung verschiedenster
Wortabbreviaturen. Salopp-umgangssprachlich klingen Abkürzungen wie Schok oder
Schoko (Schokolade), Dok (Doktor). Typisch österreichisch ist die Abkürzung
Rekobrief (rekommandierter, d.h. eingeschriebener Brief).
All die Konstruktionen mit zusammengesetzten Modal- und Hilfsverben sind
durch Dynamik und Expressivität gekennzeichnet. Ursprünglich in literarischer Rede
unzulässig, haben sie heute meist literarisch-umgangssprachliche Stilfärbung
gewonnen; darüber hinaus werden sie aber völlig literarisch und fassen – eben wegen
ihrer wirksamen Knappheit – auch in anderen Verwendungsweisen der Sprache
festen Fuß.
Seminar № 9
1. Funktionale Stile im Deutschen: die Problem der Erforschung.
2. Die Charakteristik der Stile:
Der Stil des öffentlichen Verkehrs.
Der Stil der Wissenschaft.
Der Stil der Publizistik und Presse.
Der Stil des Alltagsverkehrs.
Literatur:
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Навчальний посібник. – Вінниця: Нова Книга, 2006. – 240 с.
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1983. – 271 с., 1999. – 320 с.
3. Девкин В. Д. Занимательная лексикология. – М.: Гуманит. изд. Центр
ВЛАДОС, 1998. – 312 с.
4. Девкин В. Д. Немецкая разговорная речь. Синтаксис и лексика. – М.:
Межд. отношения, 1979. – 254 с.
5. Девкин В. Д. Практикум по лексикологии немецкого языка. – М.:
Высшая школа, 1962. – 252 с.
6. Іваненко С. М., Карпусь А. К. Лінгвостилістична інтерпретація тексту. –
Київ: КДЛУ, 1998. – 175 с.
7. Розен Е. В. На пороге ХХІ века. Новые слова и словосочетания в
немецком языке. – М.: Менеджер, 200. – 192 с.
8. Стилістика української мови. / Л. І. Мацько. О. М. Сидоренко, О. М.
Мацька: за ред.. Л. І. Мацько. – К.: Вища школа, 2003. – 462 с.
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Вінниця: Нова книга, 2006. – 238 с.
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14. Fleischer W., Michel G., Starke G. Stilistik der deutschen
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16. Oguy O. D. Lexikologie der deutschen Sprache. – Winnyts´a: Nowa knyha,
2003. – 403 s.
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18. Riesel E. Stilistik der deutschen Sprache. – Moskau: Hochschule, 1963. –
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VEB Bibliographisches Institut, 1984. – 307 s.
23. Stepanova M. D., Cernyseva I. I. Lexikologie der deutschen
Gegenwartssprache. – M.: Vysschaja schkola, 1986. – 247 s.
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Навчальне видання
(німецькою мовою)
Солдатова Світлана Миколаївна
Стилістика сучасної німецької мови.
Навчальний посібник для студентів денної, заочної та екстернатної форми
навчання
Рецензенти: В. В. Демецька, Л. Л. Ткаченко
Відповідальний за випуск
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