doc - ChidS

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Hinweis:
Dieses Protokoll stammt von der Seite www.chids.de (Chemie in der Schule).
Dort können unterschiedliche Materialien für den Schulunterricht heruntergeladen werden,
unter anderem hunderte von Experimentalvorträgen so wie der vorliegende:
http://online-media.uni-marburg.de/chemie/chids/veranstaltungen/uebungen_experimentalvortrag.html
Ausarbeitung des
Experimentalvortrages:
„Glas“
Philipps-Universität Marburg
Fachbereich Chemie
Lehramtsausbildung
Referent: Felix von Lehmden
Gehalten am 25.01.2006
Inhalt
1. Einleitung
2. Kurze Geschichte des Glases
2.1
Natürlich vorkommendes Glas
2.2
Anfänge der Glasherstellung
2.3
Die Glasbläserpfeife
2.4
Glasherstellung im Mittelalter
2.5
Otto Schott und die Glasentwicklung
2.6
Industrialisierung
3. Was ist Glas? – Der glasartige Zustand
3.1
Der Glaszustand aus thermodynamischer Sicht
3.2
Nahordnung vs. Fernordnung
4. Anwendungsbeispiele
4.1
Glasherstellung im AST-Element
4.2
Spiegelherstellung
4.3
Thermisch gespanntes Glas
4.4
Elektrische Leitfähigkeit
4.5
Chemische Resistenz
5. Schulrelevanz
5.1
Einordnung in den Lehrplan
5.2
Fächerübergreifender Unterricht (FÜU)
6. Literatur
7. Anhang
1 Einleitung
Sollte man in Analogie zu Eisen-, Stein- oder Bronzezeit Anfangs- und Enddatum
einer fiktiven „Glaszeit“ angeben, so wäre dies äußerst problematisch. Aufgrund der
zentralen Bedeutung des Werkstoffes Glas seit den Anfängen der Menschheit bis in
das Zeitalter der Industriekulturen könnte man sogar geneigt sein, diese Epoche als
noch längst nicht abgeschlossen anzusehen.
2 Kurze Geschichte des Glases
2.1 Natürlich vorkommendes Glas
Als die Steinzeitmenschen zuerst Glas verwendeten, um Werkzeuge und Waffen für
die Jagd herzustellen, beherrschten sie noch nicht die Technik, das Glas auch zu
produzieren. Stattdessen bearbeiteten sie Obsidian mit Steinkeilen, um scharfe
Klingen und Spitzen zu fertigen. Chemisch besteht der Obsidian hauptsächlich aus
nicht-kristallinem Siliciumdioxid (ca. 70 Massen-%), sowie aus Kohlenstoff und den
Oxiden von Eisen, Aluminium und Calcium.
Pfeilspitzen aus Obsidian
Quelle: Uni Münster
Obsidian (Quelle: University of Texas)
Strukturell lässt sich der Obsidian in einer ersten Näherung als unterkühlte Schmelze
auffassen, in der zwar Nahordnung (z.B. gleiche Struktur in den SiO4-Tetraedern)
vorliegt, jedoch keine Fernordnung zwischen den einzelnen Bausteinen (siehe dazu
Kapitel 3).
2.2 Anfänge der Glasherstellung
Die Datierung des ersten vom Menschen hergestellten Glases lässt sich auf ca. 5000
v. Chr. eingrenzen. Es entstand dabei wahrscheinlich eher zufällig während des
Brennens von Ton in Oberägypten durch das Vorhandensein von kalkhaltigem Sand
und Soda ([1] S. 45f). Die z.T. farbigen Glasuren an Tonbehältern lassen sich heute
noch in Museen betrachten. Gezielt wurde Glas in Form grüner Glasperlen in der Zeit
um 3500 v. Chr. produziert und fand Verwendung in Form von Schmuck und
Knöpfen. Rohstoffe wie Sand, Soda, Kalk und Pottasche wurden angeschmolzen, zu
einem Pulver zerkleinert, z.T. mit Farbzusätzen versehen, geschmolzen und im
zähflüssigen Zustand bearbeitet. Die ersten Zentren der Glasherstellung waren
demnach Ägypten und Syrien, wo das Handelsvolk der Phönizier in größeren
Mengen Soda transportierten und wahrscheinlich ebenfalls durch Zufall Natron-KalkGlas schmolzen. Einer Überlieferung nach fanden die Seefahrer eines Tages keine
natürlichen Steine für ihre Feuerstelle und verwendeten daher Sodaklumpen vom
Schiff, die sie in den Sand legten. Später seien „Bäche einer Flüssigkeit“ aus der
Schlacke gelaufen, die jedoch sehr schnell abkühlte. In [2] (S. 16) wird jedoch auf die
Zweifelhaftigkeit dieser Darstellung hingewiesen, da in einem offenen Lagerfeuer
kaum Temperaturen über 600°C erzeugt werden können, die jedoch für die
Herstellung von Glas mit Siliciumdioxid (Smp. des Reinstoffes: 1732°C) als
Netzwerkbildner zwingend benötigt werden.
Das älteste überlieferte Rezept mit einer expliziten Anweisungen zur Glasherstellung
entstammt der Tontafelbibliothek des assyrischen Königs Ashurbanipal (668 – 626 v.
Chr.). Die Keilschrift lässt sich in etwa wie folgt übersetzen:
„Nimm 60 Teile Sand, 180 Teile Asche aus Meerespflanzen,
5 Teile Kreide – und Du erhältst Glas.“
Mit Siliciumdioxid (Sand), Natriumcarbonat (Asche) und Calciumcarbonat (Kreide)
sind bereits die bis zu unserem heutigen Gebrauchsglas eingesetzten wesentlichen
Glasgemengebestandteile genannt – und das vor über zweieinhalbtausend Jahren.
2.3 Die Glasbläserpfeife
Die Erfindung der Glasbläserpfeife durch die Syrer um 200 v.Chr. stellte eine
wesentliche Weiterentwicklung der Glasproduktion dar, da somit die Herstellung von
dünnwandigem Hohlglas ermöglicht wurde. Vorher hatte man Hohlgläser so
hergestellt, dass ein lehmiger Kern mit geschmolzenem Glas überzogen wurde. Die
Pfeife besteht prinzipiell aus einem Eisenrohr von 120 bis 150 cm Länge und ist an
einem Ende mit einer Verdickung und am anderen Ende mit einem hölzernen
Mundstück versehen. Beim Glasblasen entnimmt der Glasbläser dem Schmelzofen
einen heißen, zähen Glasklumpen, der frei oder in zusammenklappbare Hohlformen
aus Holz unter ständigem Drehen ausgeblasen und in die gewünschte Form
gebracht wird. Anschließend wird das heiße Werkstück von der Pfeife abgeschlagen
und gekühlt. Die Glasbläserpfeife wurde auch von den Römern zu Zeiten des Kaisers
Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) benutzt, um Kunstgegenstände und Gefäße
herzustellen. Auch heute noch ist die Pfeife eines der wichtigsten Utensilien des
Glasbläsers.
Glasbläser (Quelle: Firma Lamberts Glas AG)
Glasbläserpfeife (Quelle: Schott Glaslexikon S. 77)
2.4 Glasherstellung im Mittelalter
Nachdem die Weiterentwicklung der Glasherstellung in der Zeit des
Verfalls des römischen Reiches gewissermaßen stagnierte, kann
das Mittelalter zu einer weiteren Blütezeit der Glasmacherkunst
gezählt werden. Besonders die Herstellung von gefärbten und mit
Motiven versehenen Kirchenfenstern ist hier zu nennen. Neben der
Bewahrung der eigentlichen Fenster ist es den Kirchen und
Klöstern auch zu verdanken, dass viele Arbeitsanweisungen zur
Glasherstellung über die Jahrhunderte nicht verloren gingen. Zur
Herstellung der Kirchenfenster wurde Plattenglas zugeschnitten
und in Blei gefasst. Zur Färbung des Glases wurden
verschiedene Schwermetallsalze zugesetzt:
Kirchenfenster der Marburger Elisabethkirche
(Quelle: www.elisabethkirche-mr.de)
Metalloxid
Summenformel
Farbwirkung
Cobaltoxid
CoO
blau
Kupferoxid
CuO (Cu2O)
grün (rot)
Chromoxid
Cr2O3
grün
Manganoxid
MnO2
braun, violett, schwarz
Eisenoxid
Fe2O3
rot, rotbraun
Uranoxide
UO2 / U3O8
rot, gelb
Iridiumoxide
IrO2
"Iridiumschwarz"
Rutheniumoxid
RuO2
schwarz
Titanoxid
TiO2
gelb, braun
Technisch ist besonders die Entwicklung des Hafenofens anzuführen, die
Weiterentwicklung einer bereits von den Ägyptern um 1000 v. Chr. verwendeten
Konstruktion mit einer tönernen Pfanne über dem offenen Holzfeuer. Der Ofen ist
bezüglich der Form von außen vergleichbar mit einem aus Stein und Tonerde
gefertigten Bienenkorb und enthält drei Etagen, wobei die untere Etage Platz für das
Feuer bietet, während der Mittelraum Einschubvorrichtungen für die mit Glasmasse
gefüllten Tonpfannen enthält. Die obere Etage dient der Luftzufuhr zwecks
Abkühlung.
Im 14. Jhd. Wurden darüber hinaus die ersten geschliffenen Brillengläser gefertigt.
Das Zentrum der Glasherstellung im Mittelalter war Venedig, wo die Glashütten
schließlich auf die Insel Murano bei Venedig ausgelagert wurde, um ein Flüchten der
Arbeiter und damit die Preisgabe der geheimen Gemenge-Zusammensetzung zu
verhindern. Zusätzlich wurde der Verrat des Rezeptes zur Herstellung des
Veneziano-Glases mit dem Tode bestraft. Das technische Wissen aus der Zeit des
16. Jahrhunderts geht wesentlich auf die Schriften Georg Agricolas (1494-1555)
zurück, in dessen zwölftem Buch von „De re metallica“ (vgl. [2] S. 8f) sich detaillierte
Bilder und Beschreibungen von Hafenöfen und anderen Techniken finden lassen.
Die Bedeutung Agricolas und seiner Beschreibung des Hafenofens ist durch
Referenzen bis in das 18. Jahrhundert nicht zu unterschätzen. Im 17. Jahrhundert
lässt sich die erste Beschreibung zur Herstellung von Bleikristallglas durch Antonio
Neri (1576 – 1614) ebenfalls nach Venedig zurückverfolgen.
2.5 Otto Schott und die Glasentwicklung
Der bedeutende Glaschemiker Otto Schott (1851-1935, siehe
Abb.) und der Mitinhaber der Firma Carl Zeiss Ernst Abbe
(1840-1905) legten aus heutiger Sicht das Fundament für die
modernen
Glastechnologie.
Im
väterlichen
Kellerlabor
untersuchte Otto Schott den Einfluss zahlreicher Elemente auf
die Glasschmelze. Anlass für die Neuentwicklungen war der
Otto Schott (Quelle: Schott AG)
Umstand, dass Abbe für seine hochwertigen optischen
Instrumente geeignete Gläser brauchte. Sie sollten hinsichtlich Fehlerfreiheit und
Reinheit
höchsten
Anforderungen
gerecht
werden
und
gleichbleibende,
vorherbestimmbare optische Eigenschaften aufweisen.
Otto Schott gelang nach jahrelangen, zunächst enttäuschend verlaufenen Versuchen
mit der 93. Schmelzprobe ein optisches Glas von idealer Beschaffenheit und schaffte
damit den Durchbruch bei der Entwicklung neuer optischer Gläser. Eines der ersten
Produkte war ein lithiumhaltiges Thermometerglas, das sich unter Wärmeeinwirkung
selbst kaum ausdehnte und die Messgenauigkeit nicht beeinflusste. Weitere
neuartige Glasarten und Schmelzverfahren wurden ausgedacht und erprobt: Gegen
Hitze, Druck und
chemische Angriffe widerstandsfähige technische Gläser
(Borosilicatgläser), optische Gläser für Mikroskope und Fernrohre in kleinen und
großen Abmessungen, Gläser für lichtstarke Fotoobjektive. Im Laufe der Jahre gab
es kaum noch ein Gebiet der Industrie, das nicht mit Qualitätsgläsern aus Jena
versorgt wurde. Hitzebeständiges Glas zum Kochen und Backen zog in die privaten
Haushalte ein und machte „Jenaer Glas“ international bekannt.
2.6 Industrialisierung
Bei der Glasherstellung wurden durch die Industrialisierung im Wesentlichen
Verbesserungen drei Bereichen ermöglicht: Zunächst konnten Ausgangsstoffe wie
etwa Natriumcarbonat durch neue Herstellungsverfahren (1861: Solvay-Verfahren)
günstig in großem Maßstab produziert werden, was den Preis für Glas deutlich
senkte. Zweitens konnte der Produktionsmaßstab durch die Erfindung des
Wannenofens (1868 von Friedrich August Siemens) erhöht werden, indem der neue
kontinuierlich heizende Ofentyp den über Jahrhunderte verwendeten Hafenofen
ablöste. Letzterer hatte den großen Nachteil, dass nach der Entnahme der Schmelze
und Zugabe von neuem Gemenge erneut erhitzt werden musste, was den
Produktionskreislauf jeweils unterbrach. Drittens erlaubte die Vollautomatisierung
aller zur Herstellung notwendigen Arbeitsprozesse ab 1898 sowie die Erfindung des
Fourcault-Verfahrens (1905), welches ab 1914 industriell eingesetzt wurde, eine
weitere Steigerung der Produktivität. Wichtigste Voraussetzung dafür war die
Ziehdüse, ein auf dem flüssigen Glas schwimmender etwa 3 m langer Körper aus
feuerfestem Material mit einem Schlitz. Wird er etwas in die Glasmasse eingedrückt,
quillt das flüssige Glas aus dem Schlitz, wird vom Fangeisen aufgenommen und
angezogen. Das zunächst unregelmäßig dicke Band wir nach dem Anlaufen
gleichmäßig dick. Walzenpaare führen das erstarrte Glas etwa 7 m durch einen
Kühlschacht senkrecht nach oben. Am Ende des Schachts tritt es abgekühlt und
entspannt aus und kann zugeschnitten werden. In der Folgezeit wurden weitere
Verfahren auf Grundlage des Fourcault-Verfahrens entwickelt: So etwa das LibbeyOwens-Verfahren (1917), bei dem das Glas horizontal durch Führungsrollen gezogen
wird oder das Pittsburgh-Verfahren (1928), bei dem analog zum Fourcault-Verfahren
das Glas senkrecht aus der Schmelze gezogen wird, jedoch mit Hilfe eines
Leitkörpers aus Schamotte.
Zu den folgenreichsten Entwicklung in der Glasherstellung zählt jedoch zweifelsfrei
das Floatglasverfahrens, bei dem die Schmelze auf ein Bett flüssigen Metalls
gegossen und aufgezogen wird. Prinzipiell beruht das Verfahren auf dem Umstand,
dass sich bei zwei untereinander nicht mischbaren Flüssigkeiten die spezifisch
leichtere auf der spezifisch schwereren Flüssigkeit ausbreitet („floatet“). Unter
Einwirkung der Schwerkraft und der Oberflächenenergie bildet sich eine völlig
ebenen Grenzfläche aus. Als spezifisch schwere Flüssigkeit, die zum Ausgießen der
Glasschmelze geeignet ist, wird flüssiges Zinn verwendet (Schmelzpunkt: 232°C).
Die Glasschmelze fließt auf der Oberfläche des flüssigen Zinns aus und stabilisiert
sich hin zu einer Gleichgewichtsdicke, welche für Kalk-Natron-Glas bei ca. 7,5 mm
liegt (vgl. [3], S. 57). Diese Technik ermöglichte in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts die Glasherstellung in dem Maßstab, der es uns heute erlaubt, Glas in
nahezu allen Bereichen der Technik und der Lebenswelt einzusetzen. So werden
beispielsweise in einer Floatglasanlage täglich bis zu 800 t Kalk-Natronglas
hergestellt.
3 Was ist Glas? – Der glasartige Zustand
Betrachtet man Glas als Sammelbegriff für Materialien, so fällt darunter eine kaum
überschaubare Zahl von Stoffen verschiedenster Zusammensetzung, die sich in
glasartigem Zustand befinden. Die Fähigkeit zur Glasbildung besitzen verschiedene
chemische Stoffe, sogenannte Glasbildner, da sie Netzwerkstrukturen ausbilden. Zu
diesen zählen u.A. die Sauerstoffverbindungen von Silicium, Bor, Germanium,
Phosphor und Arsen. Lässt man sie nach dem Schmelzen erkalten, so erstarren sie
im wesentlichen ohne Kristallisation glasartig. Dieses Verhalten zeigen die
genannten Glasbildner auch bei Zumischung von Metalloxiden innerhalb bestimmter
vom System abhängiger Zusammensetzungsbereiche. Durch den Einbau solcher
glaswandelnder Komponenten entstehen veränderte Bindungsverhältnisse und
Gruppierungen in der Netzwerkstruktur, die entsprechende Änderungen der
physikalischen und chemischen Eigenschaften der Gläser zur Folge haben. Der
glasartige Zustand ist jedoch nicht auf Oxide beschränkt, da er z.B. auch bei rascher
Abkühlung von einigen Schwefel-, Fluor- und Selen-Verbindungen entsteht, bzw.
sogar bei bestimmten oxidfreien Metalllegierungen unter extremen Bedingungen.
Auch manche organische Flüssigkeit kann bei niedrigen Temperaturen in den
Glaszustand übergehen (z.B. Glycerin bei –90°C).
3.1 Der Glaszustand aus thermodynamischer Sicht
Die Frage, was Glas eigentlich ist, wird je nach Perspektive des Betrachters
unterschiedlich
beantwortet.
So
wird
ein
Techniker
unter Glas
wohl
ein
„anorganisches Schmelzprodukt, das erstarrt, ohne zu kristallisieren“ ([4] S.126),
verstehen, während SchülerInnen im Unterricht oft der Eindruck vermittelt wird, Glas
sei ein nichtkristalliner Festkörper oder eine sog. „unterkühlte Schmelze“. Dieser
letzte Aspekt knüpft dabei an die thermodynamische Betrachtungsweise des
Phänomens Glas an. Zur Erklärung ist es sinnvoll, von einer Schmelze bei hoher
Temperatur auszugehen und den Abkühlvorgang nachzuvollziehen: Eine Schmelze
befindet sich oberhalb der Liquidustemperatur im thermodynamischen Gleichgewicht.
Kühlt man nun ab, tritt bei Schmelzen, die nicht zur Glasbildung neigen,
Kristallisation ein, sobald der Schmelzpunkt erreicht ist. Das Volumen und die
Enthalpie des Systems nehmen sprunghaft ab. Bei weiterem Abkühlen nimmt das
Volumen des dann kristallinen Festkörpers weiter entsprechend dem thermischen
Ausdehnungskoeffizienten ab. Der kristalline Festkörper befindet sich unterhalb und
die Schmelze oberhalb des Schmelzpunktes im thermodynamischen Gleichgewicht.
Betrachtet man nun eine glasbildende Schmelze, so ist zunächst festzustellen, dass
sie sich bis zum Schmelzpunkt analog verhält (Volumenabnahme nach einem
Ausdehnungskoeffizienten). Beim Schmelzpunkt allerdings ist keine schnelle
Volumenabnahme
zu
beobachten,
sondern
das
Volumen
nimmt
weiterhin
kontinuierlich ab, d.h. es ist kein sog. „Volumensprung“ zu beobachten.
: Kristall
: Glas
Volumen-Temperatur-Diagramm glasartiger und kristalliner Stoffe
(Quelle: Schott Glaslexikon S. 26)
Bei weiterem Abkühlen wird ein Punkt, die sog. Transformationstemperatur T g
erreicht, unterhalb dem der Ausdehnungskoeffizient etwa dem des kristallinen
Festkörpers entspricht, d.h. die Kurve verläuft dann parallel zu der des Kristalls. Bei
der
Transformationstemperatur
strenggenommen
nicht
ändert
schlagartig,
sich
sondern
der
Ausdehnungskoeffizient
innerhalb
eines
gewissen
Temperaturintervalls. Die Transformationstemperatur T g ist zunächst auch keine
druckabhängige Materialkonstante wie die Schmelztemperatur, sondern hängt
ihrerseits von der Abkühlgeschwindigkeit ab. Bei höherer Abkühlgeschwindigkeit liegt
Tg höher, bei langsamerer Abkühlung nimmt T g niedrigere Werte an. Erst unterhalb
von Tg spricht man von festem Glas, oberhalb noch von einer Glasschmelze.
Die Distinktion zwischen glasbildenden und kristallbildenden Schmelzen ist insofern
gerechtfertigt,
da
sie
sich
hinsichtlich
ihres
Viskositäts-Temperatur-Verlaufs
wesentlich unterscheiden. Bei der Liquidustemperatur haben beispielsweise
glasbildende Silicatschmelzen eine Viskosität von ca. 10 8 Pa  s (siehe Tabelle). Wird
nun abgekühlt, steigt die Viskosität über viele Zehnerpotenzen, bis sie bei T g einen
Wert annimmt, der um viele Zehnerpotenzen höher liegt (genaue Werte sind
wiederum abhängig von der Abkühlgeschwindigkeit, s.o.).
Schmelze
TS (°C)
Viskosität (Pa·s)
H2O
0
0.2
Fe
1535
0.7
B2O3
450
106
SiO2
1723
108
Viskosität von Schmelzen am Schmelzpunkt
(Quelle: Naturwissenschaft im Unterricht Chemie / 7. Jahrg. 1996 / Nr. 35, S. 9)
Die thermodynamische Größe der Viskosität einer Schmelze ist eng mit der
Beweglichkeit der in ihr enthaltenen Baugruppen gekoppelt. So zeigt der Vergleich
der Viskositäten verschiedener Stoffe am Schmelzpunkt (siehe Tabelle), dass
Unterschiede bis zu einem Faktor von 105 bis zu 108 auftreten (vgl. [1] S. 9). Eine
Silicatschmelze ist daher zähflüssig, was eine Reorganisation der Baugruppen zur
Bildung der kristallinen Phase deutlich erschwert. Bei weiterer Abkühlung steigt die
Viskosität schließlich so stark, dass eine Umgruppierung kinetisch nahezu unmöglich
wird, obwohl gleichzeitig die thermodynamische Triebkraft für die Kristallisation steigt.
Es folgt daraus nicht, dass eine Glasschmelze prinzipiell nicht kristallisieren kann,
was ja bereits durch Anwendungen wie z. B. Keramik widerlegt wäre. Vielmehr ist zur
Kristallisation die Ausbildung von Kristallkeimen erforderlich. Während dieses
Keimbildungsvorganges bilden sich zunächst kristalline Bereiche von nur wenigen
Nanometern Größe, die dann in einem zweiten separierbaren Schritt, dem
Kristallwachstumsvorgang, in ihrer Größe zunehmen, bis als Endpunkt eine nahezu
vollständige Kristallisation der Schmelze erfolgt. Die Geschwindigkeit dieses
Vorganges ist am Schmelzpunkt null, steigt jedoch bei Abkühlung entsprechend der
thermodynamischen Triebkraft (Entropie) an, erreicht ein Maximum und sinkt
schließlich aufgrund der abnehmenden Viskosität wieder ab. Kühlt man nun eine
glasbildende
Schmelze
ab,
wird
Kristallwachstumsgeschwindigkeit
zunächst
durchlaufen.
der
Temperaturbereich
Kristalle
können
jedoch
hoher
nicht
wachsen, da keine Keime vorhanden sind und aufgrund der zu hohen Temperatur
auch nicht gebildet werden können. Bei weiterer Abkühlung bilden sich zwar Keime,
diese können wegen der bei diesen Temperaturen niedrigen Kristallwachstumsgeschwindigkeit nicht weiter an Größe zunehmen.
Schließlich folgt aus diesen Erörterungen, dass die Beantwortung der Frage, was
Glas sei, nicht allein durch den Verweis auf bestimmte Stoffklassen erfolgen kann.
Vielmehr soll betont werden, dass es im Prinzip möglich sein müsste, alle Schmelzen
in den amorphen Glaszustand zu überführen, wenn man nur schnell genug abkühlt.
Der theoretische Wert der Abkühlrate für einen „Draht“ von 10 -7 m Durchmesser aus
glasartig erstarrtem Silber liegt im Bereich von 1010 K/s (vgl. [1] S. 10). Da die
Wärmeenergie über Wärmeleitung aus dem Festkörper abgeführt werden muss, sind
die Wärmeleitfähigkeit und die Abmessung des Werkstoffes die begrenzenden
Größen. Daher können metallische Gläser im Gegensatz zu den silicatischen
Gläsern lediglich in Form von dünnen Folien und Drähten hergestellt werden.
Technisch kann dies nur über eine Abscheidungstechnik von Silberatomen auf kalten
metallischen Oberflächen realisiert werden.
3.2 Nahordnung vs. Fernordnung
Im
Unterschied
zu einem Glas besteht
ein
Kristall aus periodisch
sich
wiederholenden Struktureinheiten und entspricht einem Zustand maximaler Ordnung.
Diese bezieht sich daher nicht nur auf die unmittelbare Umgebung des jeweiligen
Atoms, sondern es ist bedingt durch den periodischen Aufbau auch eine
Fernordnung vorhanden. Im Glaszustand fehlt diese Fernordnung, obwohl die Atome
(z.B. Sauerstoff oder Silicium) die gleichen Koordinationszahlen wie im kristallinen
Zustand aufweisen. Sogar eine gewisse Ordnung mittlerer Reichweite in der
Größenordnung weniger Nanometer lässt sich im Glaszustand ausmachen, ein
streng periodischer Aufbau fehlt jedoch. Am Beispiel von Siliciumdioxid lässt sich der
Unterschied von Kristall- und Glaszustand besonders gut veranschaulichen, da für
sich genommen identische SiO4-Tetraeder lediglich bezüglich der Fernordnung
unterscheiden.
Kristallines und glasartiges Siliciumdioxid (Quelle: Uni Kiel)
Anhand der zweidimensionalen Abbildung erkennt man, dass die tetraedrische
Umgebung des Siliciums auch im Glas vorliegt, die in der Aufsicht erscheinenden
Ringstrukturen dagegen nicht immer aus sechs SiO4-Einheiten bestehen, sondern
unterschiedlich groß sind. Obwohl das in der Mitte dargestellte reine Quarzglas auch
in der Praxis erhebliche Bedeutung hat (UV-Absorption), sind die allermeisten der
industriell erschmolzenen Gläser Vielkomponentensysteme aus sieben bis zehn
verschiedenen Oxiden geschmolzen werden. Die einzelnen Oxide übernehmen
dabei unterschiedliche Funktionen in der Glasstruktur. Zunächst gibt es neben SiO 2
auch andere Oxide, die ein Glasnetzwerk aufbauen können, z.B. B2O3 (siehe
Versuch I) und P2O5 als häufigste und GeO2, As2O5, Sb2O5, BeF2, ZrF4, AlF3, As2S3,
GeS2 und As2Se3 als eher seltene sog. Netzwerkbildner (vgl. [5]).
Die sog. Netzwerkwandler wie Alkalimetalloxide, CaO, SrO und BaO erfüllen
dagegen
eine
ganz
andere
Funktion,
die
exemplarisch
durch
folgende
Reaktionsgleichung von Natriumoxid in einem silicatischen Netzwerk verdeutlicht
werden soll (R = verbrückende Sauerstoffe):
R  Si  O  Si  R  Na2O  R  Si  O  Na   Na  O   Si  R
Das
Natriumoxid
vermindert
dabei
die
dreidimensionale
Vernetzung
des
Silicatnetzwerkes durch die Bildung von sog. Trennstellensauerstoff mit ganzer
negativer Ladung, der von dem vollständig kovalent gebundenen brückenbildenden
Sauerstoffatomen zu unterscheiden ist. Der Einbau von Alkalimetallen oder anderen
Netzwerkwandlern ändert die chemischen und physikalischen Eigenschaften der
Schmelze und des festen Glases entscheidend. So sinkt beispielsweise die
Liquidustemperatur, die Viskosität und Tg durch den Zusatz dieser Stoffe. Während
die Herstellungstemperatur von Quarzglas über 2000°C liegt, können die heute am
häufigsten produzierten Kalknatronsilicatgläser bereits bei Temperaturen von 1450°C
hergestellt werden, was eine ganz erhebliche Erleichterung der Glasherstellung
bedeutet. Weitere in das Glas einbaubare Elemente bezeichnet man als sog.
Zwischenoxide, da sie je nach Art und Konzentration der weiteren Glaskomponenten
entweder die Netzwerkbildung unterstützen oder als Netzwerkwandler fungieren
können. Zu dieser Gruppe zählen u.A. MgO, Al2O3, TiO2, ZrO2 und PbO sowie
Übergangsmetall- und Seltenerdmetalloxide.
Im Anschluss an diese Grundlagen zur thermodynamischen Einordnung und zur
Struktur von Glas sollen nun einige Beispiele der Verwendung von Glas im Alltag und
in der Technik erörtert werden.
4 Anwendungsbeispiele
Glas in einfacher Form lässt sich heute praktisch überall auf der Welt produzieren.
Seine wichtigsten Rohstoffe und Heizenergie sind nahezu immer vorhanden, und die
erforderliche Technologie steht weltweit zur Verfügung. Es gibt kaum ein Kulturland
ohne Glasproduktion auf der Erde. Glas zur Verpackung von Lebensmitteln und
Getränken und als Gebrauchsgegenstand im Haushalt ist nicht selten auch der
Beginn der Industrialisierung der Entwicklungsländer.
Glas kann sich auf reiche
Rohstoffreserven stützen und steht im Begriff, andere, knapper gewordene
Materialien zu ersetzen.
Moderne
Technologie
erschließt
dem
Glas
beinahe
fortlaufend
neue
Anwendungsgebiete. Insbesondere in zukunftsorientierten Disziplinen deuten alle
Entwicklungstrends darauf hin, dass der Werkstoff Glas und die Glastechnologie
weiter eine wichtige Rolle spielen werden. Das Glasfaserkabel ist ein Beispiel für die
Kommunikationstechnik, die Laseranwendung ein Beispiel für die Medizin. Dabei
sind neue Glaswerkstoffe wie „glasige Metalle“ und andere Stoffe im Glaszustand
erst am Beginn ihrer technischen Karrieren. Leider lassen sich noch nicht alle neuen
Entwicklungen auf dem Gebiet der Glaschemie in schulgerechten Versuchen
darstellen. Daher werden im Folgenden eher traditionelle Anwendungen von Glas
diskutiert.
4.1 Glasherstellung im AST-Element
Das größte Problem bei der Herstellung von Gläsern an der Schule ist zweifelsfrei
die Erzeugung der zum Schmelzen von Salzen notwendigen hohen Temperaturen.
Aufwendige Apparaturen wie z.B. ein Muffelofen bedürfen einer mehrstündigen
Vorheizphase, was oftmals zu nicht überbrückbaren Problemen bei der Planung und
Durchführung einer Unterrichtseinheit zum Thema Glasherstellung führt. Seit 1998
bemüht sich Prof. Dr. Bader von der Universität Frankfurt am Main mit der Nutzung
von nicht klassischen Energiequellen in Schülerexperimenten (vgl. [6] S.41ff sowie
[7]). Zur Herstellung von Glas bietet sich hier besonders die Beheizung eines
Porzellantiegels mit Hilfe von Aktivkohle oder Graphitspray im Mikrowellenofen. Dazu
kann ein gewöhnlicher Haushaltsmikrowellenofen mit der Strahlungsfrequenz ν =
2,45 GHz verwendet werden (genaue Durchführung siehe Anhang). Im Handel sind
Mikrowellen bereits ab ca. 30 Euro zu erstehen. Das Prinzip der Beheizung des
Tiegels
beruht
auf
der
Anregung
von
delokalisierten
Elektronen
des
Aktivkohlenstoffes bzw. des Graphitsprays durch Strahlung im Mikrowellenbereich.
Damit entfällt sowohl die Anschaffung eines teueren Muffelofens als auch das
aufwendige Vorheizen. Bei guter Vorbereitung kann eine Borglasschmelze von
Schülerinnen und Schülern in nur sechs Minuten hergestellt werden, was sogar die
Konzipierung einer Experimentalreihe zur Evaluation des Einflusses verschiedener
Zusätze auf die Schmelze denkbar macht.
Zur Erklärung des Schmelzens ist es sinnvoll, den Prozess in mehrere Schritte zu
unterteilen:
Zunächst erfolgt die Kondensation der Orthoborsäure zu - bzw. -Metaborsäure
und weiter zur Polymerem Dibortrioxid. Dieses bildet ein Netzwerk aus amorph
verknüpften planaren BO3-Einheiten. Hier kann zur Veranschaulichung für die
SchülerInnen auch ein Modell zur Erklärung herangezogen werden.
1
ΔT,  H2O
2
1
H3BO3(s) 
 HBO2(s)  B2O3(l)
2
ΔT, H2O
Als nächster Teilschritt kann die thermische Zersetzung der im Borglasgemenge
vorhandenen Carbonate behandelt werden. Dieser Teilschritt kann indirekt auch
beobachtet werden, da während des Schmelzvorganges in der Mikrowelle deutlich
die durch das Kohlenstoffdioxid verursachte Blasenbildung sichtbar ist.
ΔT
Na 2CO3(s) 
2Na (solv )  CO2(g) " O2 "(solv )
Im dritten Teilschritt wird der Angriff der im vorherigen Schritt gebildeten
Trennstellensauerstoff-Anionen auf das Dibortrioxid-Netzwerk behandelt:
" O2 "(solv ) O2B  O  BO2(l) 
2BO3


(solv )
Weiterhin besteht die Möglichkeit, die Glasherstellung im Mikrowellenofen thematisch
an das Thema Farbigkeit von Salzen der Nebengruppenmetalle anzuknüpfen, da
dem Borglasgemenge eine Vielzahl von farbigen Salzen zugesetzt werden können
(siehe 2.4). Als Anwendungsbeispiel kann überdies das Glasrecycling herangezogen
werden, da bereits geringe Mengen von Eisen(II)-Kationen dem farblosen
Recyclingglas einen deutlichen Grünstich verleihen. Dieser Effekt wird in der Praxis
durch Trennung der Glassorten an verschiedenen Containern (Lebenswelt der
SchülerInnen) einerseits und den chemischen Zusatz von sog. Entfärbungsmitteln
wie z.B. Seleniten (siehe [8] S. 25) andererseits verhindert.
4.2 Spiegelherstellung
Traditionell wurden Spiegel stets durch manuelles Verreiben von Metalllegierungen
auf Glasplatten hergestellt. Bei dem wahrscheinlich im 15. Jahrhundert in Venedig
(vgl. [9] S. 24f) entwickelten Verfahren wurde eine fertig geschliffene und polierte
Flachglastafel mit einer reflektierenden Zinnamalgamschicht überzogen. Wichtigstes
Arbeitsmittel war der mit einer völlig ebenen Marmorplatte versehene Belegtisch, der
seitlich Abflussrinnen besaß und geneigt werden konnte. Auf einen solchen
Belegtisch (siehe Abbildung) wurden nun dünne Zinnfolien gelegt und ca. 3-5 mm
hoch mit metallischem Quecksilber übergossen. Durch mechanisches Verreiben des
flüssigen Quecksilbers bildete sich auf der Zinnoberfläche weiches, plastisches
Zinnamalgam, auf das vorsichtig und blasenfrei die sorgfältig vorbereiteten
Glasplatten
aufgeschoben
wurden.
Durch
Beschweren
der
Gläser
wurde
anschließend das Quecksilber, welches noch nicht zu Zinnamalgam reagiert hat,
abgepresst und durch Schrägstellen des Belegtisches in den Sammelrinnen
abgelassen.
Schließlich
musste
der
Amalgam-Spiegel
noch
aushärten.
Problematisch war bei diesem Prozess, dass die Arbeiter auch bei reinlichstem
Arbeiten unweigerlich erhebliche Mengen des toxische, leichtflüchtigen Quecksilbers
durch Einatmen oder durch Hautkontakt aufnehmen mussten. So zogen sie sich
schon
nach
wenigen
Jahren
eine
chronische,
oft
tödlich
verlaufende
Quecksilbervergiftung zu, die unter dem Namen „Merkurialismus“ als typische
Berufskrankheit der Spiegelarbeiter bekannt war.
Verspiegelung am Belegtisch (Quelle: Geschichte für alle e.V.)
Der technische Durchbruch gelang schließlich in der zweiten Hälfte des 19.
Jahrhunderts durch die Erfindung der nasschemischen Versilberung von Glas.
Grundlage war ein Artikel unter dem Titel „Über Versilberung und Vergoldung von
Glas“, der 1856 in den „Annalen der Chemie und Pharmazie“ veröffentlicht wurde.
Sein Autor war der Giessener Chemiker Justus von Liebig. Liebig hatte sich auf
Drängen von Johann Caspar Beeg dem Thema
„Verspiegelung“ zugewendet, da er als Techniker in
Fürth,
dem
Jahrhundert,
Spiegelzentrum
nach
Verspiegelung
einer
auf
Deutschlands
Möglichkeit
im
19.
suchte,
die
nasschemischem
Wege
durchzuführen, um die katastrophalen Arbeitsumstände
der Spiegelarbeiter zu verbessern. Beeg selbst dazu in
einem Brief an Liebig: „[...] denn wie Sie wohl wissen, ist
ja mein Zweck vorzüglich der, die Methode für
fabrikmäßige Anwendung – behufs der Verdrängung
des perfiden Quecksilbers – auszubeuten [...]“ [10]
Nach
diversen
Problemen
bezüglich
der
Reproduzierbarkeit der Verspiegelungsergebnisse sowie
der
Beständigkeit
zahlreichen
der
Experimenten
Reduktionsmitteln
Silberoberfläche
mit
(Weinsäure,
und
verschiedenen
Justus von Liebig (Quelle: Max Planck
Institue for the History of Science, Berlin)
Seignette-Salz,
Invertzucker, Michzucker, Acetaldehyd, Essigsäure, Eisen- und Kupfer-Salze,
Phosphorsäure, Kümmelöl), erfand Liebig 1858 ein Verfahren, die Rückseite eines
bereits versilberten Spiegels galvanisch mit einem schützenden Kupferüberzug zu
versehen und somit die Haltbarkeit der Silberspiegel deutlich zu erhöhen.
Im Schulversuch hat sich der Einsatz von Glucose im Basischen zur Erzeugung
eines gleichmäßigen Silberspiegels bewährt (siehe Anhang). Das alkalische Milieu
führt zunächst zur Bildung eines Niederschlages aus Silberoxid.
2Ag(aq)  2OH(aq) 
2AgOH(aq) 
Ag2O(s)  H2O(l)


Um den Niederschlag wieder zu lösen wird daher Ammoniak zugegeben, wobei sich
der Diaminsilber(I)-Komplex bildet:


Ag2O(s)  4NH3(aq)  H2O(l) 
2[Ag(NH
)
]

2OH
(aq)
3
2

Die Reaktion des Reduktionsmittels Glucose mit dem Diaminsilber(I)-Komplex
verläuft langsamer als mit hydratisierten Silber(I)-Kationen. Dieser Effekt ist
beabsichtigt, da ein zu schnelles Ausfallen von elementarem Silber zu einer
unebenen Oberfläche führen würde. Die Oxidation der Glucose zur Gluconsäure
verläuft schematisch nach folgender Reaktionsgleichung:
I
R  CHO(aq)  2OH

III
(aq)


R

C
OOH

H
O

2e
(aq)
2
(l)

Die Reduktion des Silbers im Diaminsilber(I)-Komplex zu elementarem Silber verläuft
nach folgender Reaktionsgleichung:
I
2[ Ag(NH3 )2 ]

(aq)

0
 2e 
2 Ag(s)  4NH3(aq)

Der getrocknete Silberspiegel wird durch Aufsprühen von Klarlack (im Baumarkt
erhältlich) vor Oxidation geschützt. Somit erhält man ein fertiges Werkstück, das die
Schülerinnen und Schüler auch mit nach Hause nehmen können.
4.3 Thermisch gespanntes Glas
Sicherheitsglas ist in der Lebenswelt der SchülerInnen in Form von Panzerglas und
Windschutzscheiben
vertreten.
Solche
großflächig
thermisch
vorgespannten
Glasscheiben lassen sich jedoch an der Schule nicht herstellen. Der Effekt des
Zerspringens in viele kleine Splitter bei Beschädigung der Oberfläche kann jedoch
demonstriert werden (Sicherheitsglas kann von Schrottplätzen bezogen werden).
Technisch werden hochfeste Sicherheitsgläser durch Schnellkühlung oder durch
Ionenaustausch zur Erzeugung von Eigenspannungen im Glas hergestellt. Dabei
wird die Oberfläche unter eine gleichmäßige Druckspannung gesetzt, was eine
entsprechende Zugspannung im Glasinneren zur Folge hat (vgl. [1] S. 16).
Beschädigte Windschutzscheibe
(Quelle: www.wetterklima.de)
Beschädigtes Panzerglas
(Quelle: RUAG Ammotec AG)
Um jedoch nicht auf die Herstellung von thermisch gespanntem Glas im Unterricht zu
verzichten, kann man auf die Geschichte der Glasherstellung zurückgreifen. Im 17.
Jahrhundert fielen
bei der Herstellung von Hohlglas kleine, tropfenförmige
Glasperlen in Bologna als Nebenprodukt an. Diese wurden 1642 „Bologneser
Tränen“ nach ihrem Entdeckungsort Bologna getauft. Schon damals wurde
beobachtet, dass die Tropfen einerseits eine außergewöhnliche Härte gegenüber
mechanischem Druck aufwiesen, jedoch schon bei kleinsten Kratzern an der
Oberfläche in viele kleine Scherben zersprangen. Dieser Glasstaub wurde im 17.
Jahrhundert zusammen mit Wasser als Medizin („Glaswasser“) verabreicht.
Bologneser Träne (Quelle: www.wundersamessammelsurium.de)
In der Schule können diese Tränen relativ einfach hergestellt (siehe Anhang) und auf
die angeführten Eigenschaften der großen Härte (ca. 5 kg/mm 2) und der labilen
Oberfläche geprüft werden. Dazu reicht ein Abkneifen mit der Zange kurz oberhalb
des thermisch gespannten Tropfens. Das Phänomen kann den Schülerinnen und
Schülern mit Hilfe der im Vergleich zu Metallen und kristallinen Stoffen schlechten
Wärmeleitfähigkeit amorpher Stoffen wie etwa Glas erklärt werden. Als Beispiel
können die Wärmeleitfähigkeiten verschiedener glasartiger und nichtglasartiger
Stoffe verglichen werden:
λ(Kalk-Natron-Glas)= 1.07
W·m-1·K-1
λ (Ag)
W·m-1·K-1
= 20000
Befindet sich ein geschmolzener Glastropfen in einem Medium, welches die Wärme
gut abführen kann (z.B. Wasser), so wird zunächst die Wärme in den äußeren
Bereichen der Schmelze abgeführt. Beim Abkühlen verringert sich das Volumen der
Schmelze und es kommt gegenüber den inneren noch heißen Bereichen zu
erheblichen Zugspannungen, da die inneren Bereiche durch die schlechte
Wärmeleitfähigkeit des Glases erst später abkühlen. Diese Zugspannungen führen
wiederum zu Druckspannungen an der Oberfläche der Glasträne. Schematisch ist
dies in folgendem Tropfenquerschnitt dargestellt:
Querschnitt einer Bologneser Träne (Quelle: www.wundersamessammelsurium.de)
Die Druckspannungen an der Oberfläche führen dazu, dass es bereits bei geringster
Beschädigung zu einer „Entladung“ dieser Spannungen kommt, was zur Implosion
der Träne führt.
4.4 Elektrische Leitfähigkeit
In der Hochspannungstechnik wird Glas aufgrund seiner schlechten elektrischen
Leitfähigkeit traditionell als Isolator eingesetzt (siehe Abbildung). Dass dies jedoch
nur für einen bestimmten Temperaturbereich und damit für den in 3.1 beschriebenen
thermodynamischen Zustand der „unterkühlten Schmelze“ zutrifft, lässt sich in einem
Schülerexperiment zeigen (siehe Anhang).
Isolatoren aus Glas (Quelle: BINAME AG)
Es soll dabei verdeutlicht werden, wie veränderte Versuchsbedingungen das
Ergebnis eines Experiments entscheidend verändern können, „die Relativität von
Versuchsergebnissen wird (auch) für Schüler deutlich“ ([2] S.34).
Die erhöhte elektrische Leitfähigkeit des Glases im T g-Bereich lässt sich für die
SchülerInnen auf die erhöhte Mobilität von Alkali-Kationen in der Schmelze
zurückführen. Es wäre daher wünschenswert, das Experiment als Vergleich mit
einem alkalifreien Glas (z.B. Quarzglas) durchzuführen. Dies wird jedoch in der
Praxis aufgrund der hohen Schmelztemperatur von Siliciumdioxid (1726°C) leider
kaum möglich sein.
Als Anknüpfungspunkt im Leistungskurs kann das Phänomen der Ionenwanderung in
amorphen Glasstrukturen näher erörtert werden. Verwendung findet Glas mit
kristallinen Silber(I)oxid- und Silber(I)iodid-Einschlüssen beispielsweise in der
Ceranfeld- und Festelektrolyt-Technik. Diese und weitere Anwendungen von
Hochleistungsgläsern und –keramiken sind genauer dargestellt in [11].
4.5 Chemische Resistenz
Zu den wenigen nasschemischen Versuchen, die in der Schule zum Thema „Glas“
durchgeführt werden können zählt das sog. „Fluoridätzen“. Dabei muss für die
SchülerInnen transparent werden, dass nicht etwa die Säurestärke von Flusssäure,
sondern vielmehr die Bildung von flüchtigem Siliciumtetrafluorid die treibende Kraft
der Reaktion ist.
Das anfangs zugegebene Calciumfluorid und die konzentrierte
Schwefelsäure repräsentieren dabei die beiden Phasen, die auch in professionellen
Ätzpasten von Künstlern zum Einsatz kommen (siehe Abbildung).
Glas-Ätzpaste
(Quelle: Ulfalux Glasfarben AG)
Fluoridgeätztes Glas
(Quelle: www.chemie-master.de)
Das Gleichgewicht der Reaktion von Flussspat mit konzentrierter Schwefelsäure wird
durch das Erhitzen im Sandbad nach rechts verschoben:
ΔT
CaF2(s)  H2SO4(aq) 
2HF(g)  CaSO4(aq)

Der entstandene flüchtige Fluorwasserstoff steigt auf und reagiert an der Oberfläche
des Objektträgers mit Siliciumdioxid zu flüchtigem Siliciumtetrafluorid und Wasser.
SiO2(s)  4HF(g) 
SiF4(g)  2H2O(l)

Diese Reaktion ist reversibel und bei der Rückreaktion entsteht kristallines
Siliciumdioxid, welches man bei längerer Versuchsdurchführung auch als feinen
Niederschlag auf dem Objektträger erkennen kann.
Im Schulversuch empfiehlt sich der Einsatz von Objektträgern, da aufgrund der
geringen Glasdicke die Ätzspuren besonders gut sichtbar sind und bereits nach drei
Minuten deutliche Resultate sichtbar sind. Aber auch künstlerische Gestaltungen sind
möglich, indem man eine Glasschale oder –platte vollständig mit Klebefolie bedeckt
und anschließend ein gewünschtes Muster mit Hilfe eines Messers in die Klebefolie
ritzt. Setzt man das Objekt nun der Ätzmischung aus, so werden nur die freien
Stellen auf dem Glas von Flusssäure angegriffen. Die SchülerInnen lernen so eine
Möglichkeit zur Herstellung von Mattglas kennen.
5 Schulrelevanz
Der große Vorteil des Unterrichtsgegenstandes „Glas“ besteht zweifelsfrei in dem
hohen Alltagsbezug der Thematik. Nahezu kein Bereich der Lebenswelt oder Technik
kann heute auf den Werkstoff Glas verzichten, so dass sich zahlreiche
Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der SchülerInnen finden lassen. Nachteilig ist
hingegen die geringe Zahl interessanter Experimente, so dass die Möglichkeit der
projektbezogenen
Zusammenarbeit
mit
anderen
Fächern
in
Form
von
fachübergreifendem Unterricht nicht außer Acht gelassen werden sollte (siehe 5.2).
5.1 Einordnung in den Lehrplan
Das Thema „Glas“ ist explizit im Lehrplan des Landes Hessen erst in den Richtlinien
der 13.2 unter dem Aspekt „Werkstoffe“ des Wahlthemenkomplexes „Angewandte
Chemie erwähnt und insofern nur fakultativ durchzuarbeiten. Allerdings bietet sich ein
kurzer Einschub zum Thema „Glaszustand“ bereits in der Mittelstufe an, da so die
Abgrenzung zum kristallinem Zustand von Stoffen erleichtert werden kann. Dies kann
beispielsweise im Rahmen des in der 10.1 zu behandelnden Oberthemas „Atombau,
Periodensystem und Ionenbindung“ erfolgen.
5.2 Fächerübergreifender Unterricht (FÜU)
Aus dem Anfangs genannten Grund der geringen Anzahl unterrichtstauglicher
Experimente zum Thema „Glas“ sollte die Zusammenarbeit mit anderen Fächern
besonders gesucht werden. Neben dem klassischen, der Chemie verwandten Fach
Physik (Gläser in der Optik und Leitfähigkeit von Gläsern), bieten sich hier auch
ansonsten eher nicht mit Chemie assoziierte Fächer wie Kunst oder Geschichte zur
Kooperation an. Farbige Gläser wie z.B. Kirchenfenster und Tiffany-Glas sowie das
in 4.5 erwähnte Fluoridätzen könnten im Bereich künstlerische Gestaltung
Anknüpfungspunkte zur Chemie bieten. In Geschichte lässt sich auf Grundlage der
eingangs kurz umrissenen historischen Aspekte der Thematik (siehe 2) der Weg des
Glases
vom
Gebrauchs-
und
Schmuckgegenstand
der
wohlhabenderen
Bevölkerungsschichten in der Antike und im Mittelalter zum omnipräsenten
Alltagsgegenstand
der
Modernen
zurückverfolgen.
Auch
eine
genauere
Untersuchung der Bedeutung von Massenfertigung für den Menschen während und
nach der Industrialisierung erscheint interessant und lässt sich problemlos an den
Unterrichtsgegenstand „Glas“ anbinden.
6 Literatur
[1] Naturwissenschaft im Unterricht Chemie / 7. Jahrg. 1996 / Nr. 35
[2] Praxis der Naturwissenschaften - Chemie / 46. Jahrg. 1997 / Nr. 1
[3] Pfaender, H., Schott Glaslexikon, MVG-Verlag 5. Aufl., Landsberg am Lech 1997
[4] Chemie in unserer Zeit / 32. Jahrg. 1998 / Nr. 3
[5] Scholze, H., Glas, Springer Verlag Berlin 1988
[6] Praxis der Naturwissenschaften - Chemie in der Schule / 51. Jahrg. 2002 / Nr. 2
[7] http://www.chemiedidaktik-frankfurt.de/NaT/ (27.02.2006 18:10)
[8] Naturwissenschaft im Unterricht Chemie / 4. Jahrg. / 1993 / Nr. 16
[9] Praxis der Naturwissenschaften - Chemie / 40. Jahrg. 1991 / Nr. 5
[10] Beeg, J.C. an Liebig, J. Fürth 21.10.1858, BSB München, Liebigiana II.B.
[11] http://www.keramverband.de/keramik/pdf/02/sem02_03.pdf (28.02.2006 15:06)
7 Anhang
Versuch I: Glasherstellung im AST-Element
Chemikalien:
Orthoborsäure HBO3(s)
Natriumcarbonat Na2CO3(s)
Calciumcarbonat CaCO3(s)
Siliciumdioxid SiO2(s)
Lithiumcarbonat Li2CO3(s)
Gekörnter Aktivkohlenstoff C(s)
Materialien:
Haushaltsmikrowelle (Strahlungsfrequenz  = 2,45 GHz), kleiner Blumentopf mit Untersatz
 = 8 cm (Baumarkt), feuerfester Mörtel (Baumarkt),
Becherglas (100 mL, hohe Form),
Frischhaltefolie, Porzellanschälchen (40 mL, niedrige Form), Tiegelzange, feuerfeste
Unterlage, Mörser mit Pistill, Vorratsflasche (500 mL, Breithals)
Aufbau:
Nachdem der kleine Blumentopf einige Stunden im Trockenschrank bei 120 °C getrocknet
wurde, wird er mit frisch angerührtem feuerfesten Mörtel zu ca. 2/3 gefüllt (Hinweise auf der
Mörtelpackung beachten). In den noch flüssigen Mörtel wird nun das mit Frischhaltefolie
umwickelte Becherglas (100 mL, hohe Form) gedrückt. Durch die Frischhaltefolie kann das
Becherglas nach Erstarren des Mörtels bequem wieder entfernt werden. Die entstandene
Vertiefung wird nun mit etwas gekörntem Aktivkohlenstoff gefüllt. Anschließend wird das
Porzellanschälchen auf dem Aktivkohlenstoff platziert, der Zwischenraum zwischen dem
Rand der Porzellanwand und dem Mörtel wird mit gekörnter Aktivkohle befüllt (siehe
Abbildung).
Um das Borglasgemenge herzustellen werden 10.0 g Siliciumdioxid, 106.0 g Orthoborsäure,
18.0 g Natriumcarbonat, 17.0 g Calcliumcarbonat und 42.0 g Lithiumcarbonat im Mörser
sorgfältig durchmischt und anschließend in die Vorratsflasche gefüllt. Diese Menge reicht für
ca. vier Ansätze im Porzellantiegel (40 mL). Daher empfiehlt es sich unter Umständen,
größere Mengen herzustellen, da sich das Gemenge auch problemlos über längere
Zeiträume lagern lässt.
Durchführung:
Zunächst wird der Porzellantiegel zu ca. 2/3 mit Borglasgemenge befüllt. Das AST-Element
wird anschließend mitsamt Untersetzer mittig in die Mikrowelle gestellt. Zuvor ist jedoch die
in den meisten Haushaltsmikrowelle vorhandene Drehscheibe zu entfernen. Danach wird die
Tür geschlossen und die Mikrowelle bei voller Leistung angeschaltet. Sollte das
Borglasgemenge innerhalb von etwa fünf Minuten noch nicht geschmolzen sein, ist es
notwendig, die Position des AST-Elementes in der Mikrowelle zu verändern, da es auf Grund
von Interferenzen im Inneren der Mikrowelle zu sog. „hot spots“ kommt, also zu Bereichen
höherer und niedrigerer Strahlungsintensität.1
Nach ungefähr fünf bis sechs Minuten wird die Mikrowelle ausgeschaltet und der
Porzellantiegel kann mit Hilfe der Tiegelzange aus dem AST-Element entfernt werden.
Anschließend wird die Schmelze auf einer feuerfesten Unterlage (z.B. Laborbank)
ausgegossen und abgekühlt.
Ergebnis:
Nach dem Einschalten der Mikrowelle entstehen kleinere Funken an den sichtbaren Rändern
des Aktivkohlenstoffes. Nach drei bis vier Minuten ist durch das Sichtfenster des
Mikrowellenofens ein weißer Feststoff sichtbar, der sich an der Oberfläche des Gemenges
im Porzellantiegel gebildet hat und auf die Entstehung von Kohlenstoffdioxid hinweist. Die
fertige Schmelze glüht orange und knackt hörbar beim Abkühlen auf der feuerfesten
Unterlage.
Literatur:
www.chemiedidaktik-frankfurt.de/NaT/PKS13/LansisHomepage/frames.html
(21.02.2006, 12:07 Uhr)
Lühken,A.; Bader,H.J.: "Herstellung von Glas und Email im Mikrowellenofen", PdN-Chi
21/51. Jg. 2002, S. 41 - 44
Die „hot spots“ lassen sich mit Hilfe von angefeuchtetem Thermopapier, das an der
Oberfläche einer auf die Mikrowelle zugeschnittenen Styroporplatte befestigt ist, ermitteln.
1
Versuch II: Verspiegelung von Fensterglas
Chemikalien:
Silbernitrat-Lösung (w = 0.1)
Glucose-Lösung (w = 0.025)
Kaliumhydroxid-Lösung (w = 0.018)
Kaliumhydroxid-Lösung (w = 0.1)
Ammoniak-Lösung (w = 0.25)
Aceton
Ammoniumsulfat
Entionisiertes Wasser
Klarlack (Sprühdose)
R: 34-40-53
R: --R: 34
R: 35
R: 34
R: 11-36-66-67
R: ---
S: 26-45-60-61
C, N
S: --S: 26-36/37/39-45
C
S: 26-36/37/39-45
C
S: 26-36/37/39-45-61 C, N
S: 9-16-26
F, Xi
S: ---
Materialien:
2 Kristallisierschalen, Glasplatte (herkömmliches Fensterglas), Klebefolie, 2 Messzylinder
(50 mL), Messzylinder (100 mL), Becherglas (250 mL), 1dunkele Glasflasche (1000 mL), 3
PE-Flaschen (1000 mL), Glasstab, Geschirrhandtuch, Fön, Spritzflasche, Handschuhe,
Spatel, Waage, Schere, Pipette
Aufbau:
Um eine gleichmäßige und gut haftende Silberschicht zu erhalten, muss die Glasplatte
zunächst in einer mit Kaliumhydroxid-Lösung (w = 0.1) gefüllten Kristallisierschale gelagert
werden. Dies reinigt die Glasplatte von etwaigen Fettrückständen und ätzt sie minimal an.
Nach etwa 2 Stunden wird die zu verspiegelnde Glasplatte von beiden Seiten erst mit
entionisiertem Wasser und danach mit Aceton gespült. Nach dem Abtrocknen mit dem
Geschirrhandtuch wird eine Seite so mit Klebefolie beklebt, dass letztere etwas über die
Ränder hinaussteht (ca. 1 cm) und somit an den Ecken zusammen geklebt werden kann. Die
so präparierte Glasplatte wird dann mit der beklebten Seite nach unten in eine leere
Kristallisierschale gelegt.
Zur Vorbereitung der Reaktionslösung werden zunächst 200 mL Silbernitrat-Lösung
tropfenweise mit Ammoniak-Lösung versetzt, bis sich der braun-schwarze Niederschlag von
Silberhydroxid gerade wieder aufgelöst hat. Die Lösung wird mit 3 g Ammoniumsulfat in die
dunkele Glasflasche (1000 mL) gefüllt und anschließend mit entionisiertem Wasser auf etwa
1 Liter aufgefüllt.
Durchführung:
In den Messzylindern werden 70 mL Silbernitrat-Lösung (w = 0.1), 35 mL Glucose-Lösung (w
= 0.025) und 35 mL Kaliumhydroxid-Lösung (w = 0.018) abgemessen und in folgender
Reihenfolge in einem Becherglas (250 mL) vermischt:
1. Glucose-Lösung (w = 0.025)
2. Kaliumhydroxid-Lösung (w = 0.018)
3. Silbernitrat-Lösung (w = 0.1)
Diese Mischung gießt man in die Kristallisierschale mit dem beklebten Fensterglas und
bewegt sie etwa eine Minute leicht hin und her. Es ist zu beobachten, dass sich die anfangs
braun-schwarz gefärbte Lösung nach hellgrau umfärbt und sowohl die Kristallisierschale als
auch die Glasplatte mit einer Silberschicht überzogen werden. Nach Ablauf der Reaktion
wird die Glasplatte an einer der Klebefolienecken aus dem Reaktionsgemisch gezogen und
die versilberte Seite gründlich mit Wasser abgespült. Dann wird die Klebefolie abgezogen
und die Silberschicht, ohne dass man sie berührt, mit dem Fön getrocknet und mit Klarlack
besprüht. Silberspuren, die sich möglicherweise auf der nicht versilberten Seite befinden,
können problemlos mit einem stumpfen Gegenstand abgeschabt werden.
Ergebnis:
Da die verspiegelte Glasoberfläche durch Klarlack vor Oxidation geschützt ist, erhält man auf
dem angegebenen Weg einen haltbaren Taschenspiegel.
Literatur:
http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/glas/index.html (21.02.2006 17:34 Uhr)
Praxis der Naturwissenschaften - Chemie / 40. Jahrg. 1991 / Nr. 5, S. 22ff
Versuch III: Thermisch gespanntes Glas
Chemikalien:
Glasrohre (kein Duran- oder anderes Borosilicatglas)
Wasser
Materialien:
Gebläsebrenner, Becherglas (1000 mL), Kneifzange, Handschuhe, pneumatische Wanne
(möglichst groß)
Durchführung:
Der Gebläsebrenner wird an die Strom- und Gasversorgung angeschlossen. Es ist darauf zu
achten, dass keine Menschen oder Gegenstände im Bereich der Flamme geraten. Man
befüllt weiterhin das Becherglas (1000 mL) mit Wasser und stellt es unter die Flamme des
Gebläsebrenners. Beim Schmelzen des Glasrohres sind Handschuhe zu tragen, da man
dem Glas nicht ansieht, ob es heiß oder kühl ist. Beim Anschmelzen wird zunächst das
Glasrohr unter ständigem Drehen zugeschmolzen und möglichst gleichmäßig erhitzt. Es
bildet sich schließlich ein Glastropfen, der durch die Schwerkraft angezogen in Richtung des
wasserbefüllten Becherglases fließt.
Man lässt den Tropfen in das kalte Wasser fallen,
wobei darauf zu achten ist, dass der Faden, der den Tropfen und das Glasrohr verbindet,
nicht abbricht. Ob die Herstellung der Träne („Bologneser Träne“) erfolgreich wahr, erkennt
man einerseits an einem lauten Knackgeräusch und andererseits an der Abwesenheit von
Rissen in der klaren Träne. Lufteinschlüsse hingegen behindern den Vorführeffekt nicht.
Ergebnis:
Die fertige klare Träne kann nun nach dem Abkühlen in die große pneumatische
Wanne (oder ein anderes durchsichtiges Schutzgefäß) halten und nah am Ende der
Träne mit Hilfe der Kneifzange das sog. „Schwänzchen“ abkneifen. Wenn die
Herstellung erfolgreich war, fliegen unter einem Knallgeräusch viele winzig kleine
Glassplitter an die Innenwand der pneumatischen Wanne. Der Glasstaub kann
anschließend durch Kippen der pneumatischen Wanne gesammelt und für
Demonstrationszwecke eingesetzt werden.
Literatur:
http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/glas/index.html (21.02.2006 19:23 Uhr)
Versuch IV: Elektrische Leitfähigkeit von Glas
Chemikalien:
Glasstab (Kalk-Natron-Glas)
Kupferdraht
Materialien:
Stromquelle, 3 Strippen, 2 Krokodilklemmen, Amperemeter, Stativmaterial, Bunsenbrenner,
Hebebühne, Schmirgelpapier
Durchführung / Ergebnis:
Der Glasstab ( = 0.5 cm) wird an beiden Enden mit Kupferdraht, an dem zuvor mit
Schmirgelpapier die Isolierung entfernt wurde, so umwickelt, dass zwischen beiden
Drahtenden ca. 2 cm des Glases unbedeckt bleiben. Anschließend wird der Glasstab mit
Hilfe von Stativmaterial horizontal so fixiert, dass der Bunsenbrenner mit Hebebühne noch
darunter passt. An die äußeren Enden der Kupferdrähte wird jeweils eine Krokodilklemme
angeklemmt, fixiert und an den Stromkreis mit dem Amperemeter angeschlossen. Vor
Versuchsbeginn sollte unbedingt überprüft werden, ob das Amperemeter bei geschlossenem
Stromkreis auch ausschlägt bzw. eine Stromstärke anzeigt.
Nun wird eine Wechselspannung von ca. 10 Volt angelegt und nachdem die gemessene
Stromstärke notiert wurde, entzündet man den Bunsenbrenner und reguliert mit der
Hebebühne so, dass sich das nicht mit Kupferdraht bedeckte Glasstück im Zentrum der
heißesten Stelle der rauschenden Bunsenbrennerflamme befindet. Erneut wird die
gemessene Stromstärke notiert. Sobald das Limit des Messbereichs am Amperemeter
erreicht ist oder sobald der Glasstab durchschmolzen ist, wird der Bunsenbrenner
ausgeschaltet. Anschließend kann man am Amperemeter eine schnelle Abnahme der
Stromstärke beim Abkühlen des Glasstabes beobachten.
Für Temperaturen unterhalb des Transformationsbereichs gilbt für die Abhängigkeit das
Gesetz von Rasch und Hinrichsen:
log   A 
B
T

= spezifischer elektrischer Volumenwiderstand
A, B
= glasspezifische Konstanten
T
= absolute Temperatur
Literatur:
Naturwissenschaft im Unterricht Chemie / 7. Jahrg. 1996 / Nr. 35, S. 16f
Versuch V: Chemische Resistenz von Glas
Chemikalien:
Calciumfluorid
Schwefelsäure (w = 0.95 - 0.97)
R: 35
S: 26-30-45
C
Materialien:
Objektträger, Bleitiegel, Porzellanschälchen mit Sandbad, Dreifuß, Drahtnetz, Feuerzeug,
Bunsenbrenner, Spritzflasche, Spatel, Tiegelzange, Pipette
Durchführung:
Alle Arbeiten sind aufgrund der Entstehung von Flusssäure unter dem Abzug durchzuführen.
Auf dem Dreifuß wird zunächst das Drahtnetz mit Sandbad und Bleitiegel platziert, so dass
der Bunsenbrenner unter den Dreifuß gestellt werden kann. Anschließend gibt man eine
Spatelspitze Calciumfluorid in den Bleitiegel und fügt eine Pipette konzentrierter
Schwefelsäure hinzu. Nun legt man schnell den Objektträger auf den Bleitiegel und erhitzt
das Porzellanschälchen. Nach ca. drei Minuten ist der Objektträger mit Hilfe der Tiegelzange
von dem Bleitiegel zu nehmen und gründlich mit entionisiertem Wasser abzuspülen.
Ergebnis:
Nach dem Erhitzen ist eine leichte Rauchentwicklung zu beobachten. Auf der Oberfläche des
abgespülten Objektträgers kann man eine deutliche Trübung an den Stellen sehen, die auch
eine fühlbare Aufrauung des Glases aufweisen.
Literatur:
http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/glas/index.html (22.02.2006 19:15)
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