Die Geschichte des Punks am Beispiel der Band Die Toten Hosen

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Der Punk
Erklärt an den Bands
„Sex Pistols“
und
„Die Toten Hosen“
Inhaltsverzeichnis
1-2
3-5
6-8
9-22
Warum habe ich mich für dieses Thema entschieden?
Die Entstehung des Punks – die „Sex Pistols“
Die Vorgeschichte und Anfänge der Band „Die Toten Hosen“
Die Geschichte von 1982 – 2004
23-32
Die Bandmitglieder
- Andreas “Campino“ Frege
- Andreas “Andi“ Meurer
- Michael Andreas “Breiti” Breitkopf
- George Andreas Christian “Kuddel” von Holst
- Trini Trimpop
- Wolfgang Michael “Wölli” Rohde
- Vom Ritchie
33-34
Die Politische Meinung der Toten Hosen erklärt an dem Lied
- Sascha… ein aufrechter Deutscher
35-36
Das gesellschaftliche Engagement der Toten Hosen
- Fortuna
- Pro Asyl
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38-39
Alte Helden und andere Idole
Der „wahre“ Heino
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41
42
Besondere Auftrittsorte
- Der Rosenmontagszug 1996 in Düsseldorf
- Magical Mystery Tour
- Last Minute – Tour
43-45
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Discographie
Quellennachweiß
Claudia Franziska Walter
Klasse 10 b
4/2004
Warum habe ich mich für dieses Thema entschieden?
Das erste Lied, was ich von den Toten Hosen kennen gelernt habe, hieß „Eisgekühlter
Bommerlunder“. Allein weil meine große Schwester und mein Vater die Hosen sehr
gut finden und oft hören, kam ich seitdem immer wieder mit ihrer Musik in Kontakt.
Trotzdem mochte ich sie nicht so besonders. Hier und da war mal ein Lied, aber
wirklich richtig gut, fand ich sie nicht. Als dann mein Vater die „Reich und Sexy 2“
CD und DVD zum Geburtstag bekam, bemerkte ich erst richtig, wie viel ich von ihnen
kenne und vor allem wie gut ihre Musik ist.
Ich finde es sehr interessant, wie gut man die Entwicklung von vor über 20 Jahren bis
jetzt verfolgen kann. In ihrer Vorband „ZK“ konnte keiner richtig sein Instrument
beherrschen. Aber dadurch, dass sie sich, auch bei nur kleinen Erfolgen, nicht haben
unterkriegen lassen, sind sie heutzutage eine der berühmtesten und meiner Meinung
nach besten Bands Deutschlands.
Obwohl sie bis jetzt drei Schlagzeuger hatten, hat sich ihr Sound nicht großartig
verändert. Wenn man sich ein Konzert anguckt, ob im Fernsehen oder real, merkt man,
dass die Bühne ihr Leben ist, und dass es ihnen auch richtig Spaß macht. Ich finde es
gut, dass zu den Hosen-Konzerten keine Skins dürfen. So kann man Konflikten aus
dem Weg gehen. Die Skins finden das natürlich überhaupt nicht gut. Vor ein paar
Jahren wollten bei einem Gig Skins, die ausgesperrt waren, sich an den „Hosen“
rächen. Sie forderten dann alle auf, sich mit irgendwas zu bewaffnen und anzugreifen.
Als dann die Skins im Saal waren und plötzlich die doppelte Menge Punks vor ihnen
stand, packte sie die Panik und sie ergriffen die Flucht.
Was ich auch sehr bei den „Hosen“ bewundere, ist, dass sie immer ihre Meinung sagen
und vertreten. Das macht ja heutzutage kaum einer mehr, weil er sich der heutigen Zeit
anpassen möchte. Viele andere Bands oder Künstler singen immer nur über Partys,
aber beschäftigen sich nicht mit ernsthaften Themen, wie zum Beispiel Politik. Die
„Hosen“ können sehr ernste Lieder machen, aber auch Witzige. Sie singen Englisch
und Deutsch. Manche Texte finde ich sehr spannend, andere eindrucksvoll und lustig.
Als ich zum ersten Mal das Lied „Nur zu Besuch“ gehört habe, fand ich das Lied sehr
traurig, obwohl ich zunächst nicht den Sinn verstand. Als ich mich dann näher mit dem
Text befasst hatte, fand ich heraus, dass es in dem Lied um Campinos verstorbene
Mutter geht. Dass ist für mich ein gutes Beispiel, woran man erkennen kann, dass
Campi sehr gute Liedtexte schreibt. Ich finde es bewundernswert, dass er seit über
20 Jahren wirklich sinnvolle und auch lustige Texte schreiben kann. Allerdings sind
manche Texte auch sehr provokant. Das ist gerade das Interessante. Provokante Texte
sind ein wichtiges Merkmal von den „Hosen“.
Was ich auch sehr Klasse finde, ist das sich die „Hosen“ bei Organisationen wie der
Menschenrechtsorganisation „Pro Asyl“ oder bei der Tierschutzorganisation „PETA“
beteiligen. Hier haben sie sich 2002 nackt ablichten lassen, für die Kampagne „Lieber
Nackt, als im Pelz“.
Seit dem ich die Hosen höre, habe ich mich auch mit Punk beschäftigt. Den Punk als
Musikrichtung finde ich sehr cool, weil er richtig „reinkracht“ und es da nicht ständig
Vorschriften gibt, sondern man so spielen kann, wie man will, egal ob man es kann
oder nicht. Früher war es zumindest so, dass keiner richtig sein Instrument
beherrschte. So wie die Urväter des Punk, die „Sex Pistols“.
1
Dem gegenüber würde ich die Musik der toten Hosen heutzutage aber als ausgereift
und intelligent bezeichnen.
Aus diesen Gründen habe ich als Thema für meine Jahresarbeit gewählt:
Der Punk
Erklärt an den Bands „Sex Pistols“ und „Die Toten Hosen“
2
Die Entstehung des Punks – Die Sex Pistols
1976 wurde die englische Queen mit dem Lied „God save the Queen“ von den
„Sex Pistols“ der Lächerlichkeit preisgegeben. Das Lied mischte nicht nur die feine
britische Gesellschaft, sonder auch die britische Musikszene auf. Das passte u. a. dem
Produzenten und Komponisten Giorgio Moroder gar nicht, der gerade einen neuen
Star, die amerikanische Sängerin Donna Summer heraus brachte, aber nicht jeder Lust
hatte, sich im Schlabber-Takt der Disco Queen und ihren Anhängern zu bewegen.
Ganz im Gegenteil: Es entstand eine neue Musik, der „Punk“. Von da an schepperte es
Furcht erregend aus den Übungskellern in London. Noch bevor jemand die Anhänger
dieser Musik beschimpfen konnte, nannten sie sich selbst „Punks“, das auf Deutsch
soviel heißt wie Abfall, Müll, Dreck, Abschaum. Diese Punks hatten die Nase voll von
den Versprechungen der britischen Regierung, weil sie täglich sehen konnten, was
daraus wurde: Die Arbeitslosigkeit wuchs immer mehr, vor allem unter den
Jugendlichen war sie besonders hoch.
Wie zu der Zeit in allen Branchen, sah es auch in der Musikbranche nicht anders aus:
Sie wurde von Rock ’n’ Roll, Disco und ein paar amerikanischen Plattenfirmen
beherrscht, die seit Jahren langweilige oder schlechte Bands produzieren, die aber eine
sichere Geldquelle für die Vinylindustrie darstellen. Die Musikagenten hörten sich die
neuen musikalischen Talente gar nicht erst an, andere Stile, neue Einflüsse wurden im
Keim erstickt. Das, was die meisten Musiker unter den Punks damals in den Clubs der
britischen Hauptstadt produzierten, war eine seltsame Mischung aus weitgehend
ungezügeltem Zorn und handwerklichem Unvermögen. Sie waren aber trotzdem eher
stolz darauf, Amateure zu sein, als sich von dieser Bezeichnung beleidigen zu lassen.
Für sie wurde die Musik als Möglichkeit gesehen, ihre Gefühle auszudrücken.
Aber der ursprüngliche Punk existierte nur 9 Monate, danach spaltet er sich in viele
Untergruppen auf. Diese 9 Monate, die Anfänge des Punks, waren ein Riesenspaß.
Endlich konnte man alles, was bisher wichtig war, über den Haufen werfen. Man
konnte zugeben, dass einem alles egal war. Die neuen Punkbands gaben sich verrückte
und ausgefallene Namen wie Nippel Erectors (Brustwarzenaufsteller), The Snivelling
Shits (Shit-Schnupfer) oder Raped (Vergewaltigt). Diese brachten eine Single namens
„Pretty Pink Paedophiles” (hübscher rosa Kinderschänder) raus. Mit den „Sex Pistols“
waren auch die „Ramones“, Richard Hell und Johnny Thunders die ersten
Punklegenden.
Die „Sex Pistols“ hassten die Queen. Sie waren niederträchtig, heroinsüchtig und
musikalisch gesehen total schlecht. Aber trotzdem waren sie die Urväter des Punks.
Sie mieteten sich kleine Säle, zahlten mit ungedeckten Schecks, machten heftig
Reklame, verkauften Eintrittskarten und verschwanden dann von der Bildfläche. Aber
jeder stellte sich die Frage: „Wer sind die „Sex Pistols“ eigentlich?“
Am 8.10.1976 unterschrieben sie ihren ersten Plattenvertrag bei der EMI. Bei ihrem
ersten Fernseh-Live-Interview, hatten sie noch nie eine Bühne von oben gesehen. Der
Interviewer machte dann eine dumme Bemerkung über die Freundin des
Schlagzeugers Steve Jones, und schon war der Skandal perfekt. Das muss das
allererste Mal gewesen sein, dass jemand im Fernsehen „Fick dich ins Knie, du alter
Bock“ gesagt hatte. Vor Wut zertrümmerte ein Fernsehzuschauer seinen Fernseher.
Der Fernseher war kaputt und die „Sex Pistols“ berühmt.
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Ohne dass sie je eine Platte gemacht hatten, machte die englische Zeitung „SUN“ ihre
Musik runter. Als erstes bestand die Band aus Glen Matlock (Bassist), John „Johnny
Rotten“ Lydon (Gesang), Paul Cook (Gitarre) und Steve Jones (Schlagzeug). Glen
Matlock wurde 1977 durch John Simon „Sid Vicious“ Ritchie ausgewechselt. Doch es
war am Anfang gar nicht leicht, irgendeine Musik zu machen.
Voller Hoffnung endlich mal die „Pistols“ zu sehen, stürmten die Fans immer noch in
leere Hallen. Doch dann beschloss der Manager Malcolm McLaren am 1.12.1976 sie
dann doch auf das Publikum loszulassen. Der erste Auftritt dauert 5 Minuten, danach
waren alle betrunken und Steve Jones noch gar nicht aufgetaucht.
Kein Konzert von ihnen dauerte länger als 10 Minuten, denn entweder hatten sie keine
Lust mehr oder sie waren betrunken. Ihre allererste Single „Anarchy in the UK“ hatte
riesigen Erfolg und verkaufte sich gut. Nachdem dann bei fast jedem Konzert der
„Pistols“ ein Zuschauer heraus getragen werden musste und auch kräftig geprügelt
wurde, wobei die band selbst mitmischte, wurden sie von ihrer derzeitigen
Plattenfirma „EMI“ gekündigt. Was zuerst kein Problem war, da Pistols-Manager
Malcolm McLaren wenig später eine neue Plattenfirma „A&M“ gefunden hatte. Als
öffentlich gemacht wurde, dass die „Pistols“ nun bei dieser Plattenfirma unter Vertrag
seien, waren alle anderen, die bei diesem Label unter Vertrag genommen waren, strikt
dagegen und somit trennte sich die Firma wieder von den „Pistols“. Sie wechselten
schließlich zu „Virgin“. Da brachten sie „God save the Queen“ heraus. Diese Scheibe
verkaufte sich vorzüglich. Ihr erstes Album „Nevermind the Bollocks Here’s the Sex
Pistols“ wurde auch bei „Virgin“ heraus gebracht und obwohl manche Plattenläden
sich weigerten sie zu verkaufen, verkaufte auch sie sich sehr gut. Trotzdem hielt die
Plattenfirma ihre Begeisterung in Grenzen und im Januar 1977 wurden die „Pistols“
schließlich auch dort rausgeworfen. 1978 drehten sie den Film: „Der große Rock ’n’
Roll-Schwindel“. Dieser zeigte ziemlich deutlich, dass es ihnen von Anfang an darum
ging, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Sie setzten nach einer geheimen Tour an, Amerika zu stürmen. In Memphis/USA
hatten sie ihren letzten gemeinsamen Auftritt. Bei diesen zertrümmerte Sid seinen Bass
auf den Kopf eines Zuschauers. Er verschwand am nächsten Tag. Johnny Rotten
wurde rausgeschmissen. Die übrig gebliebenen zwei, Paul Cook und Steve Jones,
gingen nach Brasilien, um den berühmten englischen Posträuber Ronald Biggs zu
treffen. Bei ein paar Auftritten ersetzte Biggs Rotten und Sid Vicious wurde durch
einen älteren Mann ersetzt, der in einer SS-Uniform auftrat. „Public Image Limited“
wurde dann von Johnny Rotten gegründet, die sich auf demselben Niveau wie die
„Pistols“ bewegten. Sid ging dann nach New York und verlobte sich mit der
Striptänzerin Nancy Spungen, die er eines Nachts in einem Hotel erschlug, als er im
Drogenrausch war. Daraufhin kam er in den Knast und wurde gegen Kaution wieder
entlassen. Am 2. Februar 1979 starb er an einer Überdosis Heroin.
1996 versuchten sie ein Comeback und gaben mit ihrem ursprünglichen Bassisten
Glen Matlock eine kleine Tour, die sie sich hätten sparen können. Die Konzerte waren
nämlich so gut, dass die Tomaten und das Bier nur so flogen.
Zum 50. Thronjubiläum der Queen mussten sie sich natürlich auch wieder zu Wort
melden: Sie brachten die 25 Jahre zuvor erschienene Skandalsingle „God Save The
Queen“ erneut heraus. Sie landete auch diesmal in den Top 10 der UK-Charts. Zu
diesem Anlass brachten sie auch gleich das Album „Jubilee“ und ein 3-Box-Set
heraus, wo unter anderem vorher noch nie veröffentlichte „Pistols“ Fotos dabei waren.
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Ihren Namen bekamen sie von ihrem Manager, der den Namen auf einen T-Shirt las,
dass er in seinen Laden verkaufte.
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Die Vorgeschichte und die Anfänge der toten Hosen
„ZK“ (Zentralkomitee für hemmungslosen Pogogenuss) ist die Vorband von den
„Toten Hosen“. Eigentlich hieß sie „ZK Stadtmitte“, aber die Stadtmagazine kürzten
sie nach kurzer Zeit bei Konzertankündigungen auf „ZK“ ab.
Zunächst hatten sie noch keinen Namen und verstanden nicht viel davon, Musik selbst
zu machen. Im „Rock on“ hatte Campino nach einer Band gesucht und Ingo und Isi,
hatten nach einen Sänger gesucht. Nachdem beide ihre Nummer bei dem Plattenladen
hinterlassen hatten und sie miteinander telefonieren, verabredeten sie sich für den
nächsten Tag im Plattenladen. Damit waren sie ein Gitarrist (Ingo), ein Bassist (Isi)
und ein Sänger (Campino).
Sie probten im Keller vom „Ratinger Hof“, wo auch die „Mittagspause“ probte. Im
Keller von der Band „Male“, einer Band der ersten Stunde im „Hof“, durften sie auch
gelegentlich üben. Später zogen sie um, in einen Keller vom „Kleinkittelbacher
Kleingärtnerverein“. Der heißt übrigens wirklich so.
Bis Claus „Fabsi“ Fabian kam, hatten sie weder eine Begleitung zur ihrer Musik, noch
irgendeinen Plan. Fabsi kam zum Probenraum, da er vorher von seiner Schwester
erfahren hatte, dass der Freund ihrer Freundin eine Band hat und einen Schlagzeuger
sucht. Im Probenraum saßen Isi, Dieter, Ingo, Campino und Andi. Fabsi beherrschte
das Schlagzeugspielen nur mäßig, besorgte sich aber trotzdem ein Schlagzeug, obwohl
er eigentlich die Bass-Gitarre haben wollte. Claus Ritter von „Male“ hat ihm die
Grundbegriffe beigebracht, aber den ersten Auftritt von „ZK“ dann doch lieber selbst
gespielt. Fabsi stieg dann beim Sauhatz-Festival im „Okie-Dokie“ mit ein.
Er war zwar ein paar Jahre älter als die Anderen, hatte aber noch weniger Ahnung von
der Musik als sie. Von da an ging es erst richtig los. Sie hatten auf einmal alles, was
richtige Stars auch hatten. Doch bei dem ersten Auftritt konnte Fabsi immer noch kein
Schlagzeug spielen und Campi nicht singen. Er sollte eigentlich gefeuert werden,
bekam aber noch eine Verlängerung fürs nächste Konzert. Nach diesem miserablen
Auftritt ging John, der ältere Bruder von Campi, mit ihnen Kaffe trinken und nahm sie
schonungslos Auseinander.
Andi war irgendwie der beste Freund von Campi und sollte eigentlich auch in die
Band einsteigen, doch er ging dann ein Jahr als Austauschschüler nach Amerika.
Für kurze Zeit hatten sie eine Gitarristin, sie schmissen sie jedoch schnell wieder raus.
Sie sollte sich im „Ratinger Hof“ um die Bühnen-Deko kümmern, weil sie vor den
„Fehlfarben“ spielen wollten. Beim Auftritt waren dann plötzlich überall Blümchen
auf der Bühne und sie trug ein Micky-Maus T-Shirt mit Knoten drin. Sie wollte auch
nie mit ihnen wegfahren, wenn sie ihre Tage hatte und somit setzten sie immer den
Gitarristen von den „Bazookas“ ein. Dieser sprach mit Kuddel, als er nicht mehr
mitspielen konnte und „ZK“ daher einen Gitarristen suchte. Kuddel spielte bei ihnen
vor und obwohl er nicht mehr wusste als, das Kabel in die Box zu tun und die
Lautstärke auf volle Pulle zu stellen, wurde er von ihnen genommen.
Campi wollte nie den Helden markieren, deswegen ist er immer in ganz normaler
Kleidung zum Auftritt gegangen und hat sich nicht irgendwie aufgestylt. Er blieb auch
oft vor der Bühne stehen, weil er auf der gleichen Ebene wie die Zuschauer sein
wollte. Natürlich hat ihn da keiner richtig wahrgenommen. Sein Bruder John nahm ihn
dann wieder mal in die Mangel und erklärte ihm, dass das so nicht geht, weil die Leute
eine Show sehen wollen und nicht sehen wollen, wie er wirklich ist.
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Das war hart für Campi, denn er musste feststellen, dass du nicht du selbst sein kannst,
wenn man auf einer Bühne steht. Man ist ein Teil einer Inszenierung. Er wäre nie eine
„Hose“ geworden, wenn ihm die anderen nicht noch eine Chance gegeben hätten.
Manchmal packte Campi auch seine Trompete aus oder gab dem Publikum eine
Zaubervorstellung. Vor den Auftritten trank er auch schon mal ein paar Flaschen Bier,
damit er seine Nervosität nicht mehr spürte. Er ist auch immer vor der Show ins
Publikum gegangen, um ein Feeling für die Halle und die Leute zu kriegen.
Bei einen Konzert kippten sie zum Beispiel auch mal einen Müllsack mit 1000 Chips
ins Publikum. Einer davon sollte rot sein, wer den findet, sollte den Hauptpreis
bekommen.
Sie gaben auch Punkkonzerte für Kinder, bei denen Leute über 18 nur mit Begleitung
eines Kindes rein kamen. Sie ließen sich mit Torten bewerfen und spielten die Reise
nach Jerusalem. Alles war ein ziemliches Chaos, aber wenn die richtigen Leute dabei
waren, wurde der Abend richtig cool. Aber fast bei jeden zweiten Abend war das
Publikum nicht so drauf wie sie und der Abend wurde nicht wirklich ein Erfolg.
Sie hatten in den drei Jahren Bandgeschichte öfter in Berlin, Bremen und Hannover
gespielt als in Düsseldorf. Campi hatte auch mal bei einem Gig in Erding vorher die
Seite 177 aus dem Telefonbuch rausgerissen und den Rest ins Publikum geschmissen.
Er sagte dann an, dass der, der die Seite 177 finden würde, 3 Bier bekommen würde.
Da haben sich tatsächlich Hunderte von Punks um das blöde Telefonbuch geprügelt.
Campi wollte sogar damals in Köln in eine Steppschule gehen, damit er auf der Bühne
mit Anzug und Hut steppen konnte. Deshalb wurde er ab dann nicht nur Campino,
sondern „Der große Campino“ genannt.
Dadurch, dass Campi vor den Auftritten jede Menge Flaschen Bier trank, sah er auch
immer dementsprechend fertig aus. Wenn er dann in irgendeiner Ecke saß und die
Fans in bedauerten und er sie nach einem Fünfer fragte, haben sie nicht schlecht
gestaunt, wenn sie ihn dann später auf der Bühne sahen.
Die erste LP nahmen sie auf einem Vierspur-Toaster auf. Konzerte gab es auch
meistens nur am Wochenende, weil alle außer Fabsi noch zur Schule gingen. Nach den
Konzerten übernachten sie immer bei wildfremden Leuten, die auch nach der
Übernachtung nicht mehr ihre Freunde sein wollten.
Doch Campi hatte irgendwann keine Lust mehr die Sache mit „dem Großen Campino“
und dem Zauberkasten zu machen. Und auch nicht zu singen und vorne den Deppen zu
machen. Er war meisten nur noch total angetrunken auf der Bühne. Bei einen Konzert
in Würzburg sind sie mal mit der Bühne eingekracht. Campi ist dabei auf seine
Trompete getreten und hat sie dabei so entstellt, dass er einen Heulkrampf bekam.
Das war für ihn das Zeichen, es besser sein zu lassen. Es musste nur eine
Abschiedstournee von „ZK“ her. Sie fand im Herbst und Winter 1981/82 statt. Es
wurde auch eine Live LP „Leichen pflastern ihren Weg“ raus gebracht, wo ein
Zusammenschnitt von übelsten Kassettenaufnahmen zu finden war. Sie ging durch
verschiedene Häuser und trafen überall nicht nur Fans, sondern auch alte Bekannte, die
sie irgendwo mal kennen gelernt hatten. Es war die allererste richtige Tournee ihres
Lebens. Auch wenn das Geld manchmal noch nicht mal für die nächste Tankfüllung
reichte.
Ihr Abschiedskonzert spielten sie im „Okie Dokie“ in Neuss. Sie nahmen so viel Geld
ein, dass sich zumindest das Minus in ihrer Kasse etwas verringerte. Während der
Tour begleitete sie Trini, der bei „KFC“ gesungen hatte und auch etwas Schlagzeug
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spielen konnte, um die Tour zu dokumentieren. Er war auch der Älteste, aber noch
verrückter als sie alle zusammen. Trini, Andi, Campi und Kuddel waren dann bei der
neuen Band ab 1982 dabei. Jochen Hülder wurde ihr Tourmanager. (Jochen hat 1978
bereits sein erstes Konzert organisiert. Er kam mit „ZK“ zusammen, als Fabsi ihn
anrief und fragte, ob er für ein Konzert von „Abwärts“ im „Haus Blumenthal“ noch
eine Vorband gebrauchen könnte. Später haben Fabsi und Campi ihn dann gefragt, ob
er die Abschiedstournee organisieren wollte.)
Damit waren erst mal die ersten Wurzeln der „Hosen“ gesetzt. Obwohl die Vier
eigentlich eine riesige Big Band gründen wollten, kam doch alles ganz anders.
Es gab dann noch einen Walter November, der damals der dritte Gitarrist war. Doch er
beherrschte sein Instrument überhaupt nicht. Also stand er eigentlich nur so zur Zierde
da, und wenn das Kabel dann doch mal aus dem Verstärker flog, stöpselte es auch
keiner mehr ein. Walter wusste dass und hatte Angst, dass er erwischt wird. Doch er
stieg dann aus, als er zu den Zeugen Jehovas ging.
Von da machte Breiti den Part, den Walter eigentlich machen sollte. Trini hatte Breiti
auf dem Video des Abschiedskonzerts als Fan gesehen, der alle Lieder mitgrölte. Er
war zufällig ein Freund aus Campis Klasse. Breiti wurde in den Proberaum, der
eigentlich Trinis Pseudo-Loft war, einem Fabrikanbau im Hof, zum Vorspielen
eingeladen.
Bevor sie auf ihre erste Tour fuhren, waren Campi und Breiti auf Klassenfahrt in
Glasgow. Campi war mit ihm auf einem Zimmer und machte sich die ganze Zeit einen
schönen Tag. Doch Breiti ackerte die ganze Zeit, um die Akkorde ihrer ersten Stücke
zu lernen. Am Ende hatte er zwar nichts von Glasgow gesehen, hatte aber alle Stücke
des frühen Hosen-Programms drauf und konnte mit auf Tour gehen.
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Die Bandgeschichte von 1982- 2004
Den Namen „die Toten Hosen“ hatten sie sich deshalb ausgesucht, damit die Gäste
nicht ihr Geld zurück verlangen konnten, wenn das Konzert mal nicht so gut war. Sie
gründeten ebenfalls den „Club der Toten Hosen“, wo jeder eintreten konnte. Der
einzige Haken war: Man musste ein Passfoto abgeben und die Hosengröße angeben.
Es wurde dann eine verschlissene Hose zurück geschickt und ein „Pass“ mit
vertauschten Bildern. Mit diesen „Pass“ kam man dann umsonst in die Konzerte rein.
Doch der Club wollte nicht „wachsen“, deswegen war er bald kein Thema mehr.
Die ersten Singles „Wir sind bereit“, Reisefieber“ und „Niemandsland“ entstanden
1982 mit viel Tempo, klangen aber nicht „so toll“. „Wir sind bereit / Jürgen Engler
gibt `ne Party“ war mit 5000 Exemplaren im März 1982 erschienen. Ein Monat später
wurde mit 5000 „Reisefieber“ Exemplaren nachgelegt. Ziel von ihnen war, die Charts
mit Hosen-Lieder „voll zustopfen“. Die beiden Singles wurden zwischen Soundcheck
und Auftritt in Solingen in „Rudas Tonstudio“ aufgenommen, wo alles etwas lockerer
„abging“ und man nicht „cash zahlen“ musste. Die Hosen sahen auf dem Cover von
„Wir sind bereit“ eigentlich aus wie immer, dass einzige was fehlte waren ihre Köpfe.
Auf der Rückseite hatte das Cover von „Reisefieber“ eins der ersten Live-Fotos und
auf der Vorderseite ein Foto von einer Fotosession am Mettmanner Bahnhof. Das
Video zu „Reisefieber“ war ihr aller erstes Video überhaupt. Aber sie waren sich gar
nicht bewusst, wie wichtig ein Video für die Karriere ist. Sie dachten, es wird
vielleicht einmal gespielt und dann nie wieder, wenn überhaupt. Deshalb ist es auch
nicht so ganz professionell, denn sie haben vor und während dem Dreh mächtig
getrunken.
Das erste Konzert fand im „Schlachthof“ in Bremen statt. Dabei wurden sie als „Die
Toten Hasen“ angekündigt. Aber es hingen natürlich nicht tausende Plakate aus,
sondern die meisten Fans kamen deswegen, weil sie gehört hatten, dass die „ZK“
Nachfolge Band spielen würde.
Die ersten Musikmagazine rissen sich nicht unbedingt darum, sie in ihrem Magazin
aufzunehmen. Denn eigentlich war 1982 der Punk längst ausgestorben, und wer sich
noch damit befasste, war einfach nur ein Depp. Die „Spex“ schrieb einmal über sie:
„Keinerlei Sex-Appeal haben dagegen die Toten Hosen. Dafür erfreuen sie mit plump
romantischen, verkorkstem Pop und hochnotpeinlichen Texten über selige
Pennerkönige und Nordsee-Selbstmörder… Wertvoll und jugendfrei.“ (Zitat: Band
Biografie „Bis zum Bittern Ende…“) Diese Kritik machte ihnen sehr zu schaffen, aber
nicht wegen des Inhaltes, sonder wegen der Länge. Sie wollten auf hunderten von
Zeilen „Nieder gemacht“ werden und nicht nur auf mickrigen neun.
Für sie war es eigentlich genau die richtige Zeit, mit dem Punk weiter zu machen,
denn 1982 bewegte sich noch jeder zur Discomusik.
Als sie in diesem Jahr ihre erste Tour starteten, waren sie eigentlich schon längst
pleite. Und trotzdem ritten sie sich immer mehr in den Schlamassel rein, denn bei
Konzerten gingen dann auch schon mal Mikrofone oder Boxen kaputt. Wenn sie sich
dann Anlagenteile von anderen Bands leihen mussten, gingen die meisten auch noch
zu „Bruch“.
In Erding wurden sie mal über Nacht im Büro eines Jugendzentrums eingeschlossen,
weil alle Angst hatten, dass sie was klauen könnten und dann abhauen würden. Doch
am nächsten Tag wurden sie vergessen und mussten sich aus den 3. Stock abseilen.
9
Aber eigentlich war die Tour eher stressig als angenehm. Sie mussten immer mit
mehren Pkws fahren, denn sie hatten keinen Bandbus. Von Roadies ganz zu
schweigen. Und Gagen gab es auch nicht, zumindest nicht richtig festgelegt. Mal
kriegten sie 50 Mark, mal zwei Flaschen Whiskey oder auch mal gar nichts. Und die
Tour hatte ihnen ihm Endeffekt noch nicht mal eine kleine „Berühmtheit“ gebracht.
Keiner wollte bei ihnen in der erste Reihe stehen. Durch kleine Showeinlagen, wie
einen Hosentausch während des Gigs oder durch einen Salto rückwärts von Campi,
wurde bei manchen Gigs dann doch das Publikum etwas wärmer. Bei einem Auftritt
setzten sich die Zuschauer einfach auf ihre Stühle und fanden es auch nicht schlimm,
als die „Hosen“ auch im Sitzen weiter spielten. Aber zum Abschluss der Tour wurde
es dann doch noch richtig gut. Sie organisierten mit ihren Fans einen Tag im „ShuttelService“. Das Ganze hat man sich so vorzustellen: Um Fünf Uhr Nachmittags wurde
auf den Oberkasseler Rheinwiesen Fußball gespielt. Dann wurde unter einer Brücke
live gespielt, weil keiner sie in ihrem „Laden“ haben wollte. Und ab Mitternacht ging
es im „Jochen-Shuttle“, das ein Neunsitzer von Mercedes war, zum „Aratta“ nach
Moers, wo sie noch mal spielten und als zusätzliches Erlebnis noch Isis Band
„Panhandle“ dabei hatten. In der Nacht musste Jochen mehrmals durch die Gegend
fahren, um alle „Opfer“ nach Hause zu bringen.
Dann wurde es Zeit für „Bommerlunder“. Die Single nahmen sie zusammen mir dem
inzwischen an Aids verstorbenen Schauspieler Kurt Raab auf. Die Idee für das Cover
dieser Single sollte ihnen in einen Feriendorf im Sauerland kommen. Immer wenn sie
eine Idee brauchten und ihnen keine einfiel, fuhren sie zusammen weg, tranken und
tobten, aber Einflüsse bekamen sie nicht. In diesem Feriendorf waren sie drei Tage,
aßen die ganze Zeit Kuddels Spaghettis und hockten über ein paar Kästen Bier. Doch
sie wurden eher betrunken, als dass sie eine Lösung für das Problem fanden. Und erst
als sie auf dem Weg nach Düsseldorf waren, hatte einer die Idee dem Cover richtige
„Flachmänner mit Bommerlunder“ zuzulegen.
Die Werbeagentur von „Bommerlunder“ schickte ihnen tatsächlich tausend Stück, die
sie dann in Heimarbeit auf Trinis „Fabrik-Etage“ verpackten. Die Schnapsbrennerei
allerdings stoppte das Ganze, weil sie das im Gegensatz zu der Werbeagentur
überhaupt nicht gut fand. Die „Hosen“ fand es aber einfach nur toll so einen
„Schwachsinn wirklich durch zuziehen“.
Die Platte verkaufte sich sehr gut, aber plötzlich kamen sich auch „Säufer“ vor, wie
Brüder des Punks. Das hätten sie dann trotz der gut verkauften Platten lieber
verhindert. Aber ohne diesen „BAP-artigen Sozialarbeiterton, wo die Warnung vor den
Folgen gleich mit eingebaut ist.“ (Zitat: Bandbiografie „Bis zum bitteren Ende…“)
Aber dann wollten sie doch nicht als Moralapostel dastehen. Es war zu dieser Zeit
sowieso ein bisschen riskant zu sagen, dass man „ab und zu“ trinkt. Darauf folgten
auch später das „Altbierlied“ und „Bis zum bittern Ende“.
Im Sommer 1983 spielten sie ihre erste LP ein. Sie hatten zwar bis jetzt schon ein paar
Singles raus gebracht und mit der Letzten „Bommerlunder / Opel-Gang“ auch ein
bisschen Zeit gewonnen, aber Geld hatten sie noch nicht richtig verdient. Sie
schraubten erst zwei, drei Tage an den Nummern für die LP rum, als ihnen das Geld
ausging. In dem Tonstudio musste man nämlich sofort bezahlen, vor allem den
Produzenten Jon Caffery, der auch bei der Pistols-Platte „God save the Queen“
mitgemischt hatte und 300 DM am Tag kostete, wenn er dann mal da war.
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Es wurde ein ewiges ein und aus. Die Jungs mussten sogar einmal ohne Campi zu
einem Gig nach Bremen fahren, weil Campi noch den Gesang für „Willi muss ins
Heim“ im Studio abliefern musste und sie trotzdem das Geld für den Gig verdienen
wollten.
Doch wäre ihnen Elton John nicht zu Hilfe gekommen, wäre die LP „Opel-Gang“
vielleicht nie so geworden, wie sie ist. Elton John kam nämlich diesen Herbst nach
Deutschland und er wollte jede Menge Präsenz vor seinen Gigs haben. Also
plakatierten Andi, Campi und ein paar Andere von der Plakatierfirma ganz Düsseldorf
mit Plakaten zu. Dafür bekamen sie 2000 DM und die setzten sie wieder im Tonstudio
in Bochum ein.
Die LP wurde dann wieder nach Trini-Logik, in hoher und kostengünstiger
Startauflage gepresst, nämlich 20.000 Stück. Trinis Strategie war es auch, die Bänder
im Presswerk der EMI zu vervielfältigen. Denn er meinte „wenn die sehen würden,
wieviel wir davon verkaufen, würden sie mal bei uns einsteigen.“ (Zitat:
Bandbiografie „Bis zum bittern Ende…“) Das klappe dann später auch auf etwas
anderer Art.
Trini und Jochen schickten jede möglichen Infomaterialien, Bilder und Bänder an alle
Firmen, wo sie die Adresse herkriegen konnten. Doch sie bekamen nur jede Menge
Post, wo die Firmen ihnen erklärten, warum Sie sie nicht nehmen würden. „Sehr
geehrter Herr Trimpop, vielen Dank für o. a. Kassette. Wir haben uns das Produkt
gründlich angehört, können uns zu einer Übernahme jedoch nicht entschließen.
Anliegend senden wir Ihnen das uns überlassene Material zurück. Mit freundlichen
Grüßen Phonogram GmbH, Pop International, Louis Spillmann“ (27.07.1982)
„Lieber Jochen, nach eingehender Prüfung des vorliegenden Single-Materials und
nach Besuch des Konzertes in der Markthalle muss ich Dir leider mitteilen, dass wir
von einer Übernahme der TOTEN HOSEN – Produkte absehen möchten. Unserer
Meinung nach ist die Gruppe mit Ihrer Musik und dem angesprochenen Publikum bei
einem kleinen, alternativen Label besser aufgehoben als bei uns. Ich bedanke mich
nochmals für Dein Interesse und verbleibe mit freundlichen Grüßen, Dieter
Hägermann, Teldec Schallplatten GmbH“ (11.4.1983) (Zitat: Bandbiografie „Bis zum
bittern Ende…“
Also „lief so gut wie gar nix gut“. Dann kam Manfred Schmidt, der früher bei einer
WDR Vorabend-Show namens „WWF-Club“ mitgemacht hatte und jetzt bei der EMI
als Berater arbeitete und ganz wild darauf war neue „Acts“ zu entdecken. Er wollte sie
unbedingt kennen lernen und sorgte auch dafür, dass Walter Pütz, der schon ziemlich
angesehen bei der EMI war, dabei war. Und am 01.07.1983 unterschrieben sie ihren
Vertrag und bekam schon mal 20.000 Mark „Tour-Support“. Für jedenfalls eine kurze
Zeit waren alle glücklich.
Die EMI musste als erstes feststellen, dass sie auch nicht mehr als die „Hosen“ von
den Singles „Reisefieber“ und „Bommerlunder“ verkauften und als zweites mussten
sie feststellen, dass auch eine Investition von 50000 Mark ihnen nicht half. Dieses
Geld sollten sie für das Bommerlunder-Video ausgeben, wobei dann ein Video raus
kam, dass kein öffentlich rechtlicher Sender ausstrahlen wollte. In dem Video hat auch
die damals noch unbekannte Marianne Segebrecht mitgespielt. Die Kirche, wo das
Video gedrehte wurde, musste neu geweiht werden, weil während des Drehs Alkohol
benutzt wurde. Aber eigentlich hatten sie nur gewonnen, denn sie hatten einen fähigen
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Regisseur kennen gelernt und mit Kurt Raab einen „neuen, nicht ganz unkomplizierten
Freund“ dazu gewonnen.
Selbst die Spex-Redaktion fand auf einmal, dass die „Opel-Gang“ „DIE Deutsche
Platte“ ist, „an der man nichts aussetzten kann. Weder zu peinlich, noch intellektuell,
noch Kunst, noch verbissener Ernst. Sie hat, was viele deutsche Platten nicht haben:
Humor. Keinen aufgesetzten, überspannten, albernen. Sondern schlauen. Wer bringt
SOLCHE Melodien hierzulande zustande? Kaum jemand, denn niemand klaut so
perfekt wie die Toten Hosen…“ (Zitat Bandbiografie: Bis zum Bitteren Ende…)
Trotzdem waren manche enttäuscht, dass die Platte nicht so geworden ist, wie sie es
sich von einer „Chaos-Punk-Band“ vorstellten.
Nachdem sie das Album aufgenommen hatten, machten sie wieder eine Tour, diesmal
durch Italien. Wieder zu Hause spielten die „Hosen“ am Düsseldorfer Rheinufer und
über hundert, zum Teil weit angereiste Fans, fuhren sogar in derselben Nacht noch mit
den „Hosen“ zu einem zweiten Konzert in Moers.
Im Winter 83/ 84 brachten sie noch die Weihnachtssingle „Schöne Bescherung /
Willi`s weiße Weihnacht“ heraus. Aber auch diese war zu „schnell, um zu sterben und
zu langsam, um zu überleben“.
Zum Abschluss des Jahres nahmen sie mit dem New Yorker Rapper „Fab Five
Freddy“ die wohl erste „Punk-meets-Rap“-Platte aller Zeiten der Musikgeschichte auf:
"Hip Hop Bommi Bop", ist die Fortführung des „Bommerlunders“, war aber
hoffnungslos der Zeit voraus.
1984 lief alles „wie geschmiert“. Es gab nur ein paar Probleme mit den Terminen, da
Breiti und Campi ihren Ersatzdienst im „Düsseldorfer Landeskrankenhaus für
psychisch Kranke“ ableisten mussten. Im Februar wurden die „Hosen“ vom GoetheInstitut eingeladen, in Paris mal ein bisschen deutsche Kultur zu verbreiten.
Im März spielten sie im „Conny-Plank-Studio“ mit Kurt Raab den „Kriminaltango“
ein. Das war nicht ganz so einfach. Wenn sie Pause machen wollten, wollte Kurt Raab
weiter machen und wenn sie weiter machen wollten, wollte er Pause machen.
Trotzdem war er ein eingefleischter Hosen-Fan, bis Kurt Raab an dem HIV-Virus
erkrankte und Jahre später daran starb. Um die „Hosen“ live zu sehen, ließ er keine
Gelegenheit aus. Als er einmal gerade in München gelandet war, ging er auf ein
Konzert und als „Kriminaltango“ ertönte, wollte er auf die Bühne stürmen um
mitzusingen, doch die Ordner hielten ihn für einen wild gewordenen Fan.
Die EMI musste als drittes feststellen, dass in den drei Minuten vom BommerlunderVideo ein blonder Kerl aufgetaucht war, der so aussah wie der erfolgreiche
Schlagerstar Heino. Das war „Der wahre Heino“. „Der wahre Heino“ war ein Grund,
warum sich die „Hosen“ von der „EMI“ trennten, aber nicht der einzige. Hauptgrund
war eine Spesenabrechnung, die nach den Aufnahmen mit dem BBC-Moderator John
Peel für die Radio-Session bei der Firma eingereicht wurde. Denn die „Hosen“
mussten für diese Aufnahmen nach London reisen, aber auf Kosten der „EMI“. Dazu
kamen noch die Kosten der zahlreichen Taxifahrten, die sie machten mussten, weil sie
in einem „Hotelbunker“ am Stadtrand untergebracht waren und sie jeden Tag nach
London fahren mussten. Das Taxi fahren machte ihnen dann auch noch so viel Spaß,
dass sie sich nur noch mit dem Taxi fortbewegten. Und wäre das nicht genug gewesen,
musste natürlich jeder sein eigenes Taxi haben. Und natürlich hat die „EMI“ die Taxi-
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Fahrten nicht freiwillig gezahlt, sonder nur, weil einer der „Hosen“ an die „AccountNummer“ von der Firma heran kam.
Schließlich wechselten sie zu „Virgin“, wo auch früher die „Sex Pistols“ unter Vertrag
waren. Aber eigentlich war die „Virgin“ eher in England bekannt und in Deutschland
war sie ziemlich klein.
Ihre allererste LP, die sie bei „Virgin“ veröffentlichten, war, „Unter Falscher Flagge“
und wurde von der alten Plattenfirma „EMI“ sofort gestoppt, weil das Logo von der
„EMI“, ein Hund, der in ein Grammophon horcht, auf der Flagge eines Piratenschiffs
als Skelett dargestellt war. Für das Cover der LP haben sich die „Hosen“ bei ca. minus
15 Grad ablichten lassen. Das Cover wird schließlich verändert. Diese Platte wurde
mit dem alten Cover im „Musik Express“ als die Platte des Monats gekürt: „Etwas
mehr Pop und weniger Punk und die Jungs hätten den Anflug wahrer Größe“ (Zitat:
„Punkrock made in Germany“ von Andrea Müller) Und selbst bei der „Spex“ kam ihre
Kritik endlich auf 63 Zeilen.
Das Video zur gleichnamigen Single wurde für eine WDR-Sendung im gleichen Still
wie das Cover der LP gemacht. Fünf Piraten auf einem Schiff, mit wenig Kleidung,
weil Kuddel damals dachte, dass „ein echter Pirat nicht mehr als ein Unterhemd und
eine Hose tragen dürfte, auch wenn es noch so kalt ist.“ (Zitat Bandbiografie: Bis zum
bittern Ende…) Das Video wurde ausgestrahlt und dann vom WDR wieder
„eingezogen“. Das neue Jahr 1985 fing also sehr gut an.
Da auch dieses Jahr die Bandkasse nicht gerade „überlief“, nahmen die „Hosen“ das
Angebot von dem Filmemacher Wolfgang Büld, der auch das Bommerlunder-Video
gemacht hatte, an und spielten bei seinen nächsten Film „Formel-Eins-Film“ mit. Die
Idee des Films war, einen halb-ironischen Spielfilm über die „Formel 1“ – Sendung zu
machen, wo über die „Teenager-Industrie schwer abgeulkt“ wurde. Sie kassierten
dafür 50000 DM ein. Aber im Endeffekt wurde nicht die „Teenager-Industrie verulkt“,
sonder ein ganz braver „Streifen“ gemacht. Und die ihnen versprochen anderen Bands,
die mit spielten sollten, spielten auch nicht mit.
Aber dafür ging es beim Set richtig „chaotisch“ zu, denn irgendjemand hatte immer
das Gefühl, seine Rolle oder Arbeit, die er machte, käme zu kurz. Für die „Hosen“ war
das alles eher amüsant. Sie standen nämlich daneben und haben sich das Ganze
angeschaut. Bei der Premierenfeier wurden ihnen aber erst der ganze „Schlamassel“
bewusst. Passend zum Film brachten die „Hosen“ die Mini-LP „Battle of the Bands“
raus.
Bei der damaligen „Unter Falscher Flagge“ – Tour, die im Mai 85 anfing, gab es bei
28 von 38 Konzerten Stress. Entweder gab es eine Schlägerei oder sie durften erst gar
nicht spielen. Aber dass machte sie populär, denn egal wo sie auftraten, wurden sie
immer erkannt.
Im September schlug ihr Weg wieder nach Ungarn und Polen für zehn Tage und neun
Gigs. Da am Grenzübergang außer Faust, dem Busfahrer, keiner rüber kam, gingen sie
in einen Friseurladen und ließen sich ihre bunten Haare grau färben. Sie sahen zwar
ungewöhnlich aus, kamen aber rüber.
Im Oktober gab Trini sein letztes Konzert und verlies danach die Band. An diesem
letzten Konzert im „Kölner Stollwerk“ ging es allen schlecht. Aber Trini blieb ihnen
für ein paar weitere Jahre erhalten, da er zum Management der Band überging.
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Zu dieser Zeit wurde auch vor Gericht verhandelt, ob „der wahren Heino“ noch seinen
Namen behalten durfte. Doch trotz des Einsatzes der „Hosen“, denn sie erschienen mit
blonden Perücken und schwarzer Sonnenbrille, wurde er zu ca. 15.000 DM Geldstrafe
verurteilt.
Am fünften Januar 1986 kam Wölli zu den „Hosen“. Er spielte vorher bei den
„Suurbiers“, eine Punk-Kapelle aus Berlin. Er sollte nur „ausprobiert“ werden. Als er
aber am ersten Abend in eine „Sauferei“ verwickelt wurde und morgens mit Campi auf
dem Klo war und beide „reihern“ mussten, war er schon bereits Mitglied, ohne es
gewusst zu haben.
Wölli erfuhr durch Campis Schwester Beate, dass die Band einen Schlagzeuger suchte.
Dabei kannte Wölli Campis Schwester Beate schon seid dem Campi elf Jahre war.
Damals war Wölli schon ganz von ihm begeistert. Dadurch, dass er älter war, als die
anderen, konnte er die Stelle des Schlagerzeugers gut besetzten, denn älter waren auch
Trini und früher der „ZK“-Schlagzeuger Fabsi.
Mit dem neuen Schlagzeuger an Bord nahmen sie ihr drittes Album auf. Aber dieses
Album war schwer zu „errichten“. Sie hatten mal wieder kaum Geld und auch keine
Ideen. Obwohl sie diesmal sogar richtige Demoaufnahmen hatten, hatten sie im
Endeffekt all ihre Demos kaputt gemacht und raus kam nur „wohlgefällige,
ordentliche, glatte Pop-Kacke“ (Zitat Bandbiografie: Bis zum bitteren Ende…).
Schließlich waren mit dem „Wort zum Sonntag“ und „Freitag der 13“ zumindest 2
Highlights auf der Platte. Diese Platte wurde schließlich „Damenwahl“ getauft.
Bei der dazugehörigen Tour zum Album wurden sie von dem Kondomhersteller
„Fromms“ gesponsert. Einer ihrer Tour-Stopps wurde Helgoland. Das Konzert musste
zwar wegen einer polizeilichen Verfügung abgesagt werden, aber die Hosen machten
kurzer Hand ein Fußballspiel zusammen mit den Fans daraus. Sie hatten ungefähr dreibis vierhundert Anhänger dabei, unter Aufsicht von mehr als zweihundert Polizisten.
Die „Damenwahl“ kam im Herbst `86 heraus. Diese Platte bekam auch viele gute
Kritiken.
Im Berliner „Tempodrom“ spielten sie mit neunzehn weiteren Punkbands auf der
großen Abschiedsveranstaltung von dem „wahren Heino“. Alle Bands spielten ohne
Gage, denn das ganze Geld sollte dem „wahren Heino“ gehören, der die
Gerichtskosten von ca. 15.000 Mark bezahlen musste.
Das Anti-WAA-Festival in Burglengenfeld war ein weiteres Highlight des Jahres.
„Die Toten Hosen“ hatten hier über 100.000 Zuschauer.
Nun spielten sie in einer „höheren Liga“ und in größeren Hallen, zwar noch nicht die
Westfalenhalle in Dortmund, aber schon in der „Zeche“ in Bochum. Aber ihre kleinen
Auftrittsorte vermissten sie schon und deshalb machten sie ihre „Magical Mystery
Tour“. Jeder, der wollte, konnte ihnen einen Ort nennen, wo sie vielleicht auftraten.
Dafür mussten die „Gastgeber“ ihnen einen Schlafplatz, Verpflegung und die
Fahrkosten erstatten.
Im März ’87 bekam Campi durch Zufall eine neue Idee, für eine neue Platte: Er hatte
bei der Fahrt zur Probe den Schlager „Itsy Bitsy Teenie Weenie Honolulu-StrandBikini“ vom „Club-Honolulu“ gehört. Die Idee war, solche Schlager im Punkstill zu
covern. Dafür benannten sie sich in „Die Roten Rosen“ um.
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Die Produktionskosten für zehn Tage betrugen 5000 Mark. Hits wie „½ stark“, „Im
Wagen vor mir“, Alle Mädchen wollten Küssen“, „Die Sauerkraut-Polka“ „Wenn du
mal alleine bist“ waren auf der Platte.
Nicht nur die Songs wurden gecovert, sondern auch das Cover von der „Never mind
the Bollocks“ – LP von den „Pistols“. Raus kam „Never mind The Hosen – here’s die
Roten Rosen“. Aber sie hatten noch nicht mit dem Virgin-Chef Udo Lange gerechnet.
Denn als er die Bänder von Jochen bekommen hatte, fand er, dass die Bänder sich wie
Demobänder anhörten und weigerte sich, das als „Hosen“ – Album raus zubringen.
Nach einer Krisensitzung auf Mallorca beschlossen sie, die LP als eine Art
Zwischenproduktion zu produzieren. Doch sie wurde die bis dahin erfolgreichste
Platte. Sie stieg von 0 auf 27 in den Charts ein. Dadurch ließen sie das erste Mal für
ein Album bundesweit plakatieren.
Auch die Radiosender fanden die „Schlager in Punkversion“ richtig gut.
Des Weiteren wurde in diesem Jahr ihre erste Live-Platte „Bis zum bitteren Ende“
veröffentlicht. Zusammengefasst von der 87er-Tour "Ein bunter Abend für eine
schwarze Republik".
Dieses Jahr spielten sie natürlich auch wieder auf Festivals. In Garching bei München
und im tschechischen Pilsen spielten sie auf einem Festival zugunsten des Olof-PalmeMarsches für ein atomwaffenfreies Europa. Dieses Festival wurde von der „Deutschen
Friedensgesellschaft / Vereinigte Kriegsgegner“ organisiert. Aber was so toll klag, war
ein Desaster. Der örtliche Veranstalter bei Garching bei München veranstaltete ein
riesiges Chaos. Der „Typ“, der dafür zuständig war, dass die Bands ihre Reisekosten
bekamen, schnappte sich sämtliche Tageseinnahmen und verschwand.
Im Sommer fanden die große Open-Air-Auftritte statt, wo man sich beweisen musste,
ob man es auch schafft, Leute dazu bringen, ihnen trotz Hitze, Durst, Currywurst,
Kumpels, Mädels, Fummeln und Reden zu zuhören. Aber die „Hosen“ wurden bald
Meister darin.
Dann „kam Alex“. Er war der aggressive Anführer der „Bratschniks“ aus dem
Anthony Burgess Klassiker „Clockwork Orange“. Zehn Jahre später hatte Stanley
Kubrick die Story zu einem genialen Film verarbeitet.
Der Regisseur Bernd Schadewald hatte Campino schon in dem Film „die Verlierer“
eingesetzt und alle fünf in einem Hamburger „Tatort“ mitspielen lassen. Und
schließlich fragte er die „Hosen“ ob sie auch in dem Bühnenstück von „Clockwork
Orange“ mitspielen wollten. Es gab erst einige Diskussionen, ob sie wirklich auf das
Angebot eingehen sollten, da aber für sie das Buch und der Film „Kult“ waren, sagten
sie zu.
Insgesamt ein halbes Jahr standen sie auf der Bühne des Bonner Schauspielhauses. Zu
der Aufführung brachten sie das Album „Ein kleines bisschen Horrorschau“ raus, wo 6
Lieder aus dem Stück und 6 weitere Lieder darauf waren. Obwohl sie sich lange
überlegt hatten, ob sie das Album überhaupt heraus bringen sollten. Da sie nicht von
seinen Erfolg überzeugt waren. Aber natürlich kam wieder alles anders: „Ein kleines
bisschen Horrorshow“ wurde mit Platin ausgezeichnet und „Hier kommt Alex“ wurde
ein richtiger Hit.
Am Ende dieses Jahres hatten sie auch die Belohnung ihrer Mühe, denn sie hatten
endlich mal ein Plus auf ihrem Konto.
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Nach ihren Auftritten im Bonner Spielhaus hatten sie wenige Wochen später zwei
Gigs in Litauen.
Ein krönender Abschluss des Jahres waren die zwei Weihnachtsgigs zuhause in
Düsseldorf. Etwa alle zwei Jahre spielen die „Hosen“ ein oder zwei Weihnachtsgigs in
ihrer Heimat.
Zwischen März und Mai 1989 tourten sie wieder. Für Andi war diese Tour der
„Durchbruch“. Bei dieser Tour gab es die „Fortuna-Mark“, wo von jeder Karte eine
Mark dem Fußballverein Fortuna-Düsseldorf gespendet wurde. Immerhin sind dabei
200.000 DM zusammen gekommen.
Wie bei jeder Tour, gab es auch bei dieser Tour Fans, die vor der Halle standen und
enttäuscht waren, keine Karte mehr bekommen zu haben. Da wussten sich die „Hosen“
natürlich zu helfen und gaben für die „Übriggebliebenen“ ein extra Konzert mit drei,
vier Stücken auf den Motorhauben und Dächern, der vor der Halle stehenden Autos.
Sie spielten aber nicht nur in den Hallen und davor, sondern auch im Tourbus vor dem
Gig und danach.
Am Datum des Mauerfalls waren die „Hosen“ gerade in Frankreich. Als sie erfuhren,
dass die Mauer gefallen war, wussten sie sofort, was sie machen wollten: Sie mussten
nach Berlin! Sie wollten aber nicht da hin, um „Hurra“ zu schreien, sondern um sich
das einfach anzusehen, denn für sie war es unglaublich, „als ob Marsmenschen auf
dem Brandenburgertor gelandet wären“.
Danach gingen sie ins Studio um ihr siebtes Album „Kreuzzug ins Glück“ zu
produzieren. Obwohl sie erst Panik hatten, ob sie überhaupt eine CD mit 12, 13
Liedern zusammen kriegen würden, würde es am Ende eine Doppel-LP.
Bevor die LP dann Nummer eins wurde, machte die Band im Frühjahr 1990 noch eine
Fahrradtour durch die neuen Bundesländer. Immer stets dabei war der Bandbus mit
den Instrumenten für „spontan“ Gigs.
Kurz darauf spielten sie als Vorband für die „Rolling Stones“ im Müngersdorfer
Stadion in Köln. Doch sie selbst sahen die „Rolling Stones“ eher selten, denn deren
Mitarbeiter regelten alles mit den „Hosen“.
Es folgte ein Abstecher nach Italien zur Fußball-WM, von der die „Hosen“ täglich in
der „TAZ“ und für diverse Radiosender berichteten.
Dann ging es zum "New Music Seminar“ nach New York und danach machten sie ihre
„Kreuzzug ins Glück“ – Tour durch die bundesdeutschen Hallen. Bei der
„Horrorshow“ – Tour gab es ja schon größere Hallen, aber diesmal traten sie in den
ganz großen Hallen auf.
Der vorletzte Auftritt wurde eine Katastrophe, da sie 48 Stunden vor dem Konzert nur
gefeiert hatten. Als dann am Konzert Campi auf die Bühne gehen wollte, fiel er hin
und Wölli konnte seine Schlagzeugsticks nicht festhalten, so dass Faust und Elmar
versuchten, ihm die Sticks mit Klebeband an die Hände zu kleben, aber es nützte
nichts. Nach zwanzig Minuten mussten sie das Konzert abbrechen. Aber schließlich
konnten sie sich bis zum zweiten Konzert erholen. Doch ein halbes Jahr später
versagten sie wieder in der Schweiz.
Am Ende der Tour waren alle richtig erschöpft. Aber vom Aufhören konnte noch nicht
die Rede sein, denn sie nahmen ihre nächste LP „Learning English – Lesson one“ auf.
Für dieses Album holten sie sich zahlreiche alte Helden von früher ins Boot.
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Die Idee entstand als sie sich in London mit ein paar alten Freunden trafen. Sie wollten
mit all den „Punkrock-Legenden“ ihre besten Songs aufzunehmen und auf ein Album
packen. Mit von der Partie war auch Johnny Thunders. Das wurde seine letzte
Aufnahme, denn kurz darauf starb er. Dass war ihm bei den Aufnahmen schon
anzusehen. Die „Hosen“ haben bei jedem Künstler mitgefilmt, außer bei ihm, weil sie
ihn stark zeigen wollten und nicht schwach. Sie wollten die Aufnahmen dann auch
abbrechen, aber als sie von einem Freund hörten, dass Johnny sich richtig auf die
Aufnahmen gefreut hatte, machten sie doch die letzten Aufnahmen mit ihm.
Schließlich erschien das Album am 11.11.1991. Es wurde auch in Japan, Australien
und USA veröffentlicht.
Dann kam die Zeit, wo sich ihre Einnahme von Drogen drastisch vermehrte. Sie waren
auf Tour und erlebten so viel, dass sie es nicht durch Ausruhen oder Entspannen
ausgleichen konnten. Und so griffen sie zu harten Drogen.
Als sie gerade auf ihrer „Learning English“ – Tour waren, kam es zum großen Knall.
Abends hatten sie ihr letztes Konzert der Tour auf einem Festival im schweizerischen
Frauenfeld gespielt, das ziemlich miserabel war. Ihre Vorband hatte ein so großes
Feuerwerk gemacht, dass das ganze Publikum dachte, es wäre schon das Ende des
Festivals gewesen.
Am Morgen darauf redeten sie endlich über ihren Drogenverbrauch, nachdem Campi
am Abend vorher gesagt hatte, dass er nicht mehr mit voll gedröhnten Leuten auf Tour
gehen wollte.
An diesen Morgen packte jeder mit seinem persönlichen Verbrauch aus. Was dabei
raus kam, war vorsichtig ausgedrückt: katastrophal. Sie verbrauchten damals so viel,
dass sie es manchmal gar nicht bezahlen konnten und dann acht- bis zwölftausend
Mark nachzahlen mussten.
Dabei waren bei den Anfangszeiten des Punks Drogen, außer Alkohol, eine Todsünde.
Diese Situation war ähnlich wie 1988/89, als Campino einen Stimmbandanriss hatte.
Auch dieses Mal sah es nach einem möglichen Ende der „Hosen“ aus.
Sie mieteten sich zusammen ein Häuschen am Essener Baldeneysee. Jeder legte seinen
derzeitigen Zustand dar und man sprach sich aus und überlegte, wie es weitergehen
sollte. Dabei wurde allen klar, dass sie mit der Band noch nicht aufhören wollten. Sie
wollten versuchen das Koks und das Speed wegzulassen. Natürlich haben sie nicht
ganz damit aufgehört. Zumindest bei Feiern oder ähnlichem hat der eine oder andere
noch Mal was genommen.
Im September 1992 reisten sie das erste Mal nach Buenos Aires, um dort ein paar
Konzerte zu geben. Sie glauben erst nicht daran, da sie an die Konzerte auf
ungewöhnliche Art gekommen waren. Sie hatten von Michael Reichel, einem
langjährigen Hosen-Fan, ein Fax bekommen, ob sie nicht Lust hätten in Buenos Aires
zu spielen und vielleicht auch noch woanders. Sie hatten noch nicht einmal daran
geglaubt, dass irgendjemand da unten ist, der ihre Musik hören wollte. Als sie aber in
Buenos Aires ankamen, wussten alle Bescheid. Überall hingen Plakate und in allen
möglichen Zeitungen waren sie abgebildet. In manchen sogar mit Postern.
Am zweiten Abend stellten sich ca. zwanzig Skins vor die Bühne, so dass man die
Gäste der Diskothek nicht mehr sehen konnte. Breiti machte dann eine Ansage, dass
sie solche Leute dort nicht gebrauchen könnten und erst als vor der Disco jede Menge
Polizei-Mannschaftswagen standen, zogen die Skins ab.
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Als sie wieder zurück in Deutschland waren, mussten sie feststellen, dass in diesem
Land Ausländer diskriminiert wurden und mittlerweile zu den untersten Kategorien
zählten. Die „Hosen“ gaben eine Antwort darauf, mit der Single „Sascha… ein
aufrechter Deutscher“ die im Dezember 1992 erschien. Das Geld, das bei dem Verkauf
heraus kam, spendeten die „Hosen“ dem „Düsseldorfer Appell gegen
Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“. Die erfolglosen und ebenso lächerlichen
Versuche der Republikaner, das Stück verbieten zu lassen, förderte den Verkauf der
Platte erst Recht und am Ende spielte die Single über eine halbe Million Mark ein.
Außerdem spielten sie auch im Bonner „Hofgarten“ vor 200.000 Demonstranten und
auf der Messe in Frankfurt.
Nachdem drei Jahre nach dem letzten „richtigen“ Studioalbum vergangen waren,
mussten sie sich 1993 wieder in den Probenraum begeben. Das neue Album sollte
„Kauf mich!“ heißen. Für dieses Album kriegten sie 200.000 Vorbestellungen.
Für die Single „Wünsch dir was“ flogen sie nach New York zu dem Regisseur Hans
Nelemann. Sie drehten in Brighton Beach, rings um den Vergnügungspark Coney
Island. Der Dreh dauerte drei Tage. Sie mussten ca. zwanzig Mal über die alte
Achterbahn fahren. Im Video sind auch so genannte „Special Talents“ zu sehen, die in
Coney Island in einer „Freakshow“ auftraten.
Die eigentliche Fassung des Videos sahen nur die „Hosen“, weil es MTV zu brutal
war. Es wurde 4 Mal erneuert, bis es endlich gespielt werden durfte. Als gerade „Kauf
mich!“ veröffentlicht wurde, dachten sie über neue Konzerte nach. Sie hatten über die
ganze Palette hindurch alles gemacht, von Magical-Mystery-Shows vor vier Leuten,
über kleine Clubs, bis hin zu Stadionshows vor 60.000 Leuten, zum Beispiel im
Vorprogramm von U2.
Kurz darauf brachten sie ihr erstes Best-of-Album: „Reich & Sexy“ heraus. Auf dem
Album waren 20 Songs aus neun Alben und unzähligen Singles um den später
hinzugewonnen Fans und Freunden einen Eindruck über die bisherigen Werke zu
beschaffen. Die Idee für das Album hatten sie schon bevor sie „Kauf mich!“ heraus
brachten.
1994 brachten sie die Best-of-Platte auch in English raus. Bei „Love, Peace and
Money“ gab es einige Probleme mit dem Übersetzen der deutschen Texte ins
Englische. In diesem Jahr waren somit gleich drei Platten in den Charts vertreten.
Vor insgesamt 200.000 Menschen fand die „Reich & Sexy“-Tour mit 24 ausverkauften
Konzerten statt. Im Anschluss tourten sie durch ganz Europa, Südamerika, USA und
Japan.
Höhepunkt war aber der Auftritt in Istanbul, bei dem 3.000 jugendliche Fans dabei
waren. Sie spielten, nach der Türkei, auch in Skandinavien. Am Ende des Jahres
wirkten die Hosen außerdem unter der Regie von Hanns-Christian Müller in der
300. Folge des „Tatortes“ auf der ARD mit.
1995 gründeten sie dann ihre eigene Firma, mit der Hilfe von Jürgen Otterbein. Da sie
bei „Virgin“ sowieso alles selber machten und ihr Vertrag nicht verlängert wurde,
hielten sie es für angebracht, sich endlich selbstständig zu machen. Sie kriegten drei
große Angebote, von denen ganz klar das von Otterbein das Beste war. Obwohl es ein
Risiko war, eine eigene Firma zu leiten.
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Wenn ihr nächstes Album Erfolg gehabt hätte, hätten sie mehr Geld bekommen, aber
wenn es gefloppt hätte, hätten sie reichlich draufzahlen müssen. Die Plattenfirma
bekam den Namen „Jochens kleine Plattenfirma“ (JKP).
Die Band wollte ein neues Album produzieren, aber dabei nicht ganz vom Erdboden
verschwinden. Damit dies nicht passierte, hatten sie u. a. eine eigene Radiosendung
auf dem Berliner Kanal „Radio Fritz“.
Dann lieferten sie im Sommer zusammen mit einer Auswahl der „Düsseldorfer EG“
ein Eishockeyspiel ab. Doch das verlor die Band mit 10:11 gegen die „Leningrad
Cowboys“, die zusammen mit Spielern der finnischen Nationalmannschaft spielten,
und das trotz wochenlangen Trainings mit dem DEG-Spieler Uli Hiemer.
Bei dem Konzert, das den Protest gegen die Einlagerung von Atommüll in Gorleben
unterstützte, spielten sie mit.
Es wurde die CD „Stop Chirac“ heraus gebracht, die gegen die Atomversuche der
französischen Regierung gerichtet war, inklusive dem Hosen-Titel „Tour Pour Sauver
L'Amour“ (Alles nur aus Liebe). In der Maxi-CD-Box „Musik war ihr Hobby“
brachten sie ihre ersten sieben Singles noch mal heraus. Außerdem veröffentlichten sie
auch von ihrem neuen Album die erste Single „Nichts bleibt für die Ewigkeit“.
Ihr Weihnachtskonzert absolvierten sie in der Düsseldorfer Justizvollzugsanstalt
„Ulmer Höh“. Ein Fan wollte unbedingt ein Ticket für das Konzert haben, was aber
natürlich nur für die Insassen der Justizvollzugsanstalt war. Damit er als Insasse an
dem Konzert teilnehmen konnte, stieß er einen Stein in ein Geschäft in Monheim bei
Düsseldorf und blieb vor dem Geschäft stehen, bis die Polizei kam. Was er nur nicht
berechnet hatte, war, dass er auch in eine andere Justizvollzugsanstalt kommen könnte
und genau das passierte: Er wurde nämlich nicht in die Justizvollzugsanstalt „Ulmer
Höh“ gebracht, sondern in die Justizvollzugsanstalt Köln.
Anfang des Jahres 1996 veröffentlichten sie das Album „Opium fürs Volk“. Große
Themen des Albums waren die Kirche, Kindesmisshandlung und Drogen. Der größte
Hit und die erfolgreiches Single überhaupt wurde „10 kleine Jägermeister“.
Zum Karneval nahmen sie unter dem Motto: „Wir begraben den guten Geschmack“
am Düsseldorfer Rosenmontagszug teil.
In Buenos Aires wurden die „Hosen“ und Iggy Pop, von den „Ramones“ zu ihrem
Abschiedskonzert eingeladen. Die Fans versetzten die argentinische Hauptstadt
tagelang in einen Ausnahmezustand.
Ihre „Ewig – währt – am – Längsten“ Tour wurde auch ein voller Erfolg. Jeden
Abend boten die „Hosen“ ihren Fans eine zweieinhalbstündige Party mit Tausenden
von Leuten, die mitsangen, mitfeierten und mit ihnen Spaß hatten.
Im Sommer erschien "Im Auftrag des Herrn", ihr zweites Live-Album in 14 Jahren
Bandgeschichte, mit den Highlights der zu Hälfte beendeten Tour, die im Herbst
fortgesetzte wurde.
1997 absolvierten die „Hosen“ ihr 1000 Konzert, zu dem 60.000 Fans und tolle
Special-Acts kamen, wie zum Beispiel „Bad Religion“, „Goldfinger“ und die
„Leningrad Cowboys“, doch das Konzert wurde nicht das schönste, sondern das
schlimmste Erlebnis ihrer Bandgeschichte. Im Gedränge vor der Bühne starb während
des Konzerts ein junges Mädchen aus den Niederlanden. Auf Anraten der Polizei und
der Feuerwehr, die befürchteten, dass bei einem vorzeitigen Abbruch des Konzerts ein
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größeres Chaos entstehen könnte, mussten die Fünf ihre Show bis zum Ende spielen.
Danach sagten die „Hosen“ alle weitern Gigs des Jahres ab.
Im Herbst erschien die Bandautobiographie „Bis zum bitteren Ende“ noch einmal als
Taschenbuchausgabe, erweitert um einen Epilog. Campino erklärte dazu: „Es war uns
wichtig, das Buch jetzt nicht vor den Ereignissen dieses Jahres enden zu lassen,
sondern es um unsere Sicht der Dinge und um einen Dank an alle, die uns in dieser
Zeit unterstützt haben, zu ergänzen.“ (Zitat: Bandhomepage www.dietotenhosen.de)
1998 wurde die Band gefragt, ob sie nicht auf der Warped-Festival-Tour mitspielen
wollten. Sie sagten zu, um herauszufinden, ob sie nach dem Zwischenfall beim 1000
Konzert wieder unverkrampft spielen konnten.
In Neuseeland, Australien, Asien und auf Hawaii traten sie bei 14 Konzerten
zusammen mit Bands wie „Pennywise“ und den „Mighty Mighty Bosstones“ auf.
Sie brachten die Single „Puched again“ heraus, wovon sie auch einen Videoclip
produzierten, der prügelnde Polizisten auf der ganzen Welt zeigte. Außerdem gaben
sie beim erneuten Protest gegen den Castor-Transport ein Konzert an der Bahnstrecke,
dass sie trotz leichter Verletzungen letztendlich unbeschadet überstanden.
Für die anstehenden „Magical-Mystery“ Konzerte benannten sie sich in die
„Rheinpiraten aus Düsseldorf“ um.
Als sie wieder in den Probenraum gingen, produzierten sie das nächste „Roten Rosen“
– Album „Wir warten auf’s Christkind“. Auf diesem Album sind Klassiker wie
„Still, Still“ oder „Ihr Kinderlein kommet“ in Punkversion. Darauf folgte eine noch
viel schönere Weihnachtstour und am Ende des Jahres waren alle reif für Urlaub.
Den Urlaub absolvierten sie 1999 indem sie mit Motorrädern durch Indien fuhren.
Wieder zurück, fingen sie an Songs zu schreiben, da mal wieder drei Jahre seid dem
„Opium fürs Volk“ – Album ins Land gestrichen waren.
Sie bekamen das Angebot für den Film „You Are Dead“ den Titelsong zu schreiben.
Da ihnen der Film sehr gut gefiel, sagten sie zu und veröffentlichten den Song auf dem
Soundtrack.
Am Ende des Jahres brachten sie das Album „Unsterblich“ heraus. Die Songs
entstanden teilweise in Zusammenarbeit mit Funny van Dannen. Sie stellten ihre erste
Single „Schön sein“ für zwei Tage kostenlos zum Download ins Internet. Die Hosen –
Homepage wurde von mehr als 100.000 Fans aus 73 Ländern, darunter die USA,
Australien, Argentinien und die Kokos-Inseln, an geklickt.
Schon seit der letzten Tour litt Wölli an einem Bandscheibenvorfall und nahm sich
eine Auszeit. Er blieb ein vollwertiges Mitglied der Band, wurde aber durch seinen
langjährigen Schlagzeugroadie „Vom Ritchie“ ersetzt.
2000 machten sie nach der zweiten Singleauskopplung aus dem gleichnamigen Album
„Unsterblich“, zusammen mit Freunden, Fans und Verlosungsgewinnern die „4-Tage 4-Länder“ Tour durch Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Tagsüber
waren sie auf der Piste und Abends machten sie ihre Konzerte in lokalen Clubs. Mit
von der Partie war auch T.V. Smith.
Doch bevor sie auf die Tour gingen, spielten sie noch die Single Version von „Bayern“
ein. Bei „Bayern“ drehte sich natürlich alles um den Fußball. Der passende Videoclip
zur Single wurde zusammen mit dem Regisseur Peter Thorwarth, direkt vor der
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eigenen Haustür gedreht. Der Drehort war die Platzanlage des Heimatvereins
„Alemannia 08“ in Düsseldorf-Flingern. Dabei waren wieder jede Menge Fans und
Freunde. Natürlich spielten sie auch mit und gegen die Fans.
„Warum werde ich nicht satt?“ wurde die vierte Auskopplung des Albums
„Unsterblich“. Das Video wurde von Wim Wenders, einem ihrer Lieblingsregisseure,
gedreht.
Dieses Jahr machten sie auch wieder Magical-Mystery Gigs unter dem Namen „Essen
auf Rädern“. Während dieser Gigs spielten sie auch mal wieder nach längerer Zeit mit
den „Ärzten“ zusammen.
Im März dieses Jahres machten die „Hosen“ ihrer nächste Südamerika-Tour mit
Konzerten in Paraguay und Uruguay. Bei einem Konzert in Argentinien stürzte
plötzlich die Bühnenkonstruktion unter ihnen zusammen. Für diesen Tag war zwar das
Konzert „gelaufen“, aber am nächsten Tag holten sie das Konzert mit neuer,
ausgeborgter Bühnenkonstruktion einfach nach.
Es sollte in diesem Jahr noch die „Unsterblich“ Tour folgen, die auch sehr gut anfing,
doch als Campino am Pfingstsonntag bei „Rock am Ring“ auf die Bühne sprang, zog
er sich einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Daraufhin wurde die gesamte Tour
abgesagt.
2001 nahmen sie zusammen mit ihrem langjährigen Freund T.V. Smith ein Best-ofAlbum seiner gesamten musikalischen Laufbahn auf. Sie spielten als BackgroundBand die CD „Useless-The Very Best Of T.V. Smith” ein.
Als Campino dann nach seinen Kreuzbandriss wieder vollständig einsetzbar war,
spielten sie auch wieder live in Deutschland. Sie spielten in kleinen Clubs in Ungarn,
Tschechien und Polen und mal wieder eines ihrer „Wohnzimmerkonzerte“ bei einem
Fan. Des Weiteren ergriffen sie die Chance, als „AC/DC“ eine Vorband für ihre
Deutschland-Tour suchte.
Außerdem mussten sie wieder einmal ihrem Lieblingsverein „Fortuna“ helfen, da er
drohte in die 4 Liga abzusteigen. Die „Hosen“ engagierten sich als Trikotsponsor und
konnten damit ihren Verein in der Regionalliga halten.
Um die Aufnahmen ihres nächsten Albums „Auswärtsspiel“ einzuspielen, begaben sie
sich nach Spanien. Ende November erschien vorab die erste Single des Albums „Was
zählt“.
Im Januar 2002 erschien dann das Album. Es war ihr 16. Album und stieg in den
Charts von 0 auf 1 ein.
Im Februar erschien die zweite Auskopplung aus dem Album „Kein Alkohol (ist auch
keine Lösung)“.
Das Musikmagazin „Rolling Stone“ brachte die „Hosen“ und ihr Label „JKP“ auf die
Titelseite mit dem Titel: „Im Headquarter der Toten Hosen“.
Zur Karnevalszeit starteten sie ihre Auswärtsspiel-Tour mit zwei tollen Konzerten in
Düsseldorf. Das Frühjahr verbrachten sie in Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Während sie fleißig tourten erschien im April „Steh auf, wenn du am Boden bist“ und
im Juli folgte die nächste Auskopplung „Nur zu Besuch“.
Im Sommer spielten sie neben Festivals in Finnland, Ungarn und Polen noch die
„Last-Minute“ Tour. Die vier Orte der Tour waren die Zugspitze, Rottweil, Helgoland
und Sylt.
21
Im September folgte ihre legendäre Grillparty auf der Loreley für Fans und Freunde,
ein Wochenende lang. Dabei waren alle Bands, die sie in diesem Jahr auf Tour
begleitet hatten.
Dieses Jahr bestehen „die Toten Hosen“ ganze zwanzig Jahre. Da war es mal wieder
Zeit, eine neue „Best-of“ Platte „Reich und Sexy 2 - die fettesten Jahre“ zu
veröffentlichen. Mit ihren größten Hits der letzten 10 Jahre waren auch 4 neue Songs
darauf, von den „Frauen dieser Welt“ im Oktober ausgekoppelt wurde.
Vom Düsseldorfer Fotokünstler Andreas Gursky und dessen Frau Nina Pohl ließen
sich die „Hosen“ für das Cover zusammen mit über 80 Fotomodels nackt ablichten.
Zu der „Best-of“ Platte brachten sie die gleichnamige DVD, mit den tollsten Videos
der Bandgeschichte, heraus. Dazu gaben die „Hosen“ zu jedem der 28 Videos einen
Kommentar ab.
Außerdem veröffentlichen sie den Bildband „Ewig währt am längsten – DTH in Farbe
und schwarz-weiß“.
Im November des Jahres spielten sie wieder in ihrer zweiten Heimat Buenos Aires. Bis
zum Ende des Jahres setzten sie dann ihre „Auswärtsspiel“ Tour in Deutschland und in
der Schweiz fort.
Durch das viele Touren sollen am Ende des Jahres insgesamt eine halbe Million
Zuschauer die „Hosen“ live gesehen haben. Damit deutet alles darauf hin, dass diese
Tour die erfolgreichste Tour der Bandgeschichte war.
Die ersten Monate des Jahres 2003 nahmen sich die „Hosen“ Zeit, um sich nach dem
erfolgreichen verstrichen letzten Jahr mal „auszuruhen“. Ihre beiden Alben, die sie im
letzten Jahr veröffentlich hatten, bekamen beide Platin.
Im Frühjahr schauten sie aber wieder in den „Probenraum“ hinein, um für das
kommende Album neue Songs zu schreiben.
Im Oktober spielten sie zwei „schweißtreibende“ Gigs in Leipzig und gingen dann für
drei Auftritte nach Buenos Aires. Als erstes spielten sie ihr erstes
„Wohnzimmerkonzert“ auf Südamerikanischen Boden. Zum zweiten spielten sie noch
ein Konzert im traditionsreichen „Luna Park“ und zum Abschluss auf dem „QuilmesRock-Festival“.
Als sie wieder zu Hause waren, wollte die Band unbedingt wieder ins Studio, um das
aufzunehmen, was sie gerade „auf dem Kasten hatten“. Daraus wurden die 4 Songs der
aktuellen EP, die im Februar 2004 unter dem Namen „Friss oder Stirb“ erschien.
22
Die Bandmitglieder: Andreas „Campino“ Frege
Seid einer Bonbonschlacht hat er den Spitznamen „Campino“. In der Band ist er für
den Gesang zuständig. Er ist am 22.06.1962 in Düsseldorf geboren und hat 5
Geschwister, wobei er einen Bruder nicht kennen gelernt hat, da er vor seiner Zeit
gestorben ist.
Seine Mutter stand eines Tages mit einem Merkblatt von der Musikhochschule mit 7
Instrumenten vor ihm und forderte ihn auf, sich eins auszusuchen, was er lernen sollte.
Er suchte sich die Trompete aus und somit machte er 4 lange Jahre eine klassische
Trompetenausbildung. Obwohl er eigentlich nicht richtig mit der Trompete etwas
anfangen konnte, schlug er sich die 4 Jahre durch, damit er seine Mutter nicht
enttäuschte. Denn sein eigentlicher „Berufswunsch“ war Fußballer.
Was ihm aber der Musikunterricht beigebracht hatte, war Noten lesen, was er immer
noch konnte, als er in seiner ersten Band war.
Sein zwölf Jahre älterer Bruder John hatte ihn schon recht früh mit der neuesten Musik
aus der weltweiten Musikkultur versorgt. John war so was wie ein Streitschlichter,
denn er vermittelte immer zwischen den „Kleinen“ und dem Vater. Von John kriegte
Campi sein erstes Mikro geschenkt. Er nahm ihn auch zu Campis aller erstem
Punkkonzert mit 14 Jahren im Sommer 1976 mit.
Campi war gerade bei der Familie seiner Mutter in England, als sein Bruder John zu
Besuch kam und ihn mit nach London nahm, in einen Schuppen namens „Rock
Garden“ zum Konzert von „Count Bishops“. Campi war am Ende des Konzerts der
Meinung, dass er der einzige „Coole“ in dem Laden gewesen wäre, dabei war er, wie
sein Bruder sagte, der einzige Idiot in dem Laden gewesen.
Da war für ihn klar, dass er etwas ändern musste. Am nächsten Tag ging er in die
Plattenläden und holte sich die neue Platte von den „Bishops“. Doch seine Mutter fand
es nicht so gut, dass ihr Sohn jetzt diese Musik hörte. Sie verstand die Texte ja als
Engländerin alle recht gut und hatte Angst, dass das ihn „kaputtmachen“ würde. Später
ging sie sogar zu den Konzerten der „Hosen“.
Ein paar Häuser weiter wohnte ein Freund von Campi, Andreas, besser bekannt als
„Andi“. In dem Haus durfte er von Andis Eltern aus nicht mehr rein, nachdem er und
Andi sich nicht nur die Schuhe, sondern auch die Haare gefärbt hatten. Als die beiden
zum X.-Male nach England gefahren sind, haben sie das meiste Geld für Tickets von
Zügen und Konzerten ausgeben. Somit sahen sie auch das Abschiedskonzert von
„Sham 69“.
Als er mit 15 schon aufgeben hatte, in seinem Beruf was mit Musik zu machen,
machte sein Bruder John ihm wieder mal Mut und sagte ihm, er sollte sich auch andere
suchen, die Musik machen möchten. Dann ging er ins „Rock on“ und verbreitete, dass
er Sänger wäre und eine Band suchen würde. Sein Glück war, dass am vorigen Tag
zwei Jungs da gewesen waren, die eine Band suchten und auch ihre Telefonnummer da
gelassen hatten. Darauf ließ er auch seine Nummer da und kurz danach klingelte es bei
ihm. Damit machte seine Karriere ihren Lauf. Es entstand die Band „ZK“. Fabsi, ein
Mitglied von „ZK“ beschreibt Campi als 15 Jährigen in einen Interview so: „Campi
hatte schon damals einen bestimmten Weg und kam immer mit neuen Ideen um die
Ecke, bei denen wir uns immer gefragt haben: „Wo hat der die jetzt wieder her?“. Er
hat auf seinem langen Schulweg von Mettmann nach Düsseldorf immer schon eine
tierische Zettelwirtschaft veranstaltet. Der kam nach der Schule zur Probe, entleerte
23
seine Tasche – und der ganze Proberaum war ausgelegt mit Zetteln. Da standen dann
Ideen und Texte drauf.“ (Zitat: Interview auf www.dietotenhosen.de, August ’03)
Die Hosen waren 1988 gerade auf ihrer Monster-Tour und hatten abends noch einen
Auftritt gehabt, als Campino am nächsten Tag von Kiki, dem Tourmanager, in eine
HNO-Klink in Hannover geschickt wurde, weil er Probleme beim Singen hatte. Es
stellte sich heraus, dass er einen Stimmbandanriss hatte. Er lag acht Tage in der Klink.
Von nun an sollte er mit Kochsalzlösung gurgeln. Es ging ihm aber auch körperlich
nicht so gut. Während seinem Aufenthalt in der Klink, fällt jedes weitere Konzert aus.
Für das Album „Opium fürs Volk“ ist er zum Texte schreiben in ein Kloster gegangen.
Das Kloster kennt er, seid dem er vor Jahren um Mitternacht aus Spaß an einer Messe
mitgemacht hatte. Er ging dort hin, um sich über die Leute lustig zu machen, aber es
wurde ein langes und gutes Gespräch daraus und schließlich war er der Letzte der
ging. Er verstand sich so gut mit dem Priester, dass er ihm angeboten hat, dass er
immer ins Kloster kommen kann, wenn er mal Ruhe braucht. Bei einer Jugendmesse
hielt er, wenn auch etwas unfreiwillig, eine Predigt.
Heute hat er einen Sohn, Lenn Julian, mit seiner Freundin Karina Krafzek.
24
Andreas „Andi“ Meurer
Er spielt in der Band den Bass. Geboren ist er am 24.07.1962 in Essen. Er ist gelernter
Fotograf. Als solcher ist er bei „ZK“ auch erstmals aufgefallen. Sein Vater kam
überhaupt nicht damit zu Recht, als sein Sohn eines Tages mit gefärbten Haaren nach
Hause kam. Sein Vater arbeitete bei Springers „Welt“. Da war für etwas „Anderes“
und „Schrilles“ kein Platz. Doch heute ist er stolz auf seinen Sohn und das, was er
macht.
Campi hat Andi „auf den Geschmack gebracht“, denn Andis Lieblingsmusik war
Punkrock, seid dem Campi die allererste Platte von „The Damned“ und den „Pistols“
mitgebracht hatte.
Andi ist mit „ZK“ immer mitgereist und hat reichlich Fotos dabei gemacht. Schließlich
wurde er als „Roadie“ bei „ZK“ „eingestellt“, doch gerade da ist er für ein Jahr nach
Amerika als Austauschschüler auf die „Wilson High Scholl“ gegangen. Er wurde in
Amerika eher als Außenseiter behandelt, weil er nicht wie die anderen Kids auf Soul,
Surfen und Baseball stand, sonder auf Punk. Er war auch der einzige, der immer Bus
fahren musste, weil er keinen Führerschein in den USA machen durfte. Wenn er dann
mal jemanden gefragt hat, welche Linie zum Strand fährt, wurde er nur blöd
angeschaut. Er war auch der einzige der mit Ringen unter den Augen in die Stunde
kam, weil er sich wahrscheinlich einen Abend vorher, ein Konzert angesehen hat.
Aber auch zu Hause in Mettmann wurde er als Außenseiter behandelt.
Andi spielte mit Campi in der Mettmanner Schüler – B – Mannschaft Hockey.
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Michael Andreas „Breiti“ Breitkopf
Seinen Spitzname kommt daher, weil es bei den „Toten Hosen“ 4 Andrease gibt. In
der Band spielt er die Rechtshändergitarre. Er ist am 06.02.1964 in Düsseldorf geboren
und wollte eigentlich kein „Rockstar“ werden, sondern lieber Fußballer. Aber bevor er
auf Fußball kam, hat er sich in Judo, Basketball und Leichtathletik versucht.
Ihn interessierte aber auch das Gitarrespielen. Er bekam seine erste Gitarre von seinen
Eltern geschenkt, als er mit einer Entzündung in der Achillessehne zu Hause bleiben
musste. Seine ersten Gitarrengriffe lernte er von Ulrich Kleemann, der fünf Jahre älter
war als er.
Er lernte Campino kennen, als er in dessen Klasse kam, nachdem er sitzen geblieben
war. Campi war auch derjenige, der den Punkrock aus England zu ihnen in die achte
Klasse brachte.
Breiti sagt selbst von sich, dass er in der Schulzeit eher zurückhaltend war.
Als Breiti 18 wurde, bekam er von Campi den entscheidenden Anruf. Campi hatte ihm
von einer neuen Band und einem Probenraum erzählt. Campi ist auf ihn gekommen,
weil er ein Konzert von „ZK“ gesehen hatte, wo Breiti ihm Bild war und laut die
Lieder mitgrölte. Die beiden fuhren danach gemeinsam auf Klassenfahrt, wo Breiti
nichts von der Stadt sah, aber das ganze derzeitige Programm gelernt hatte.
Ein paar Jahre, nachdem die Band „richtig lief“ spielte er mit Trini einige Jahre für die
dritte Mannschaft von Alemannia 08.
Sein Lieblingsland ist Brasilien und er würde auch mal gerne in Rio de Janeiro leben.
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George Andreas Christian „Kuddel“ von Holst
Kuddel spielt in der Band die Linkshändergitarre und wurde am 11.06.1964 in
Münster geboren. Er ist einer der wenigen aus der Band, der nicht so ein
„Fußballfreak“ ist, sondern eher auf Handball steht und früher selbst gespielt hat.
Als sie ihre zweite LP einspielten, hat er auch mal den Bass oder das Schlagzeug
gespielt. Aber das ist ihm „gar nicht so wichtig“, sondern eher das die Band zusammen
hält.
Das Schlagzeug und die Gitarre waren die ersten Instrumente, die er spielen konnte.
Seine ersten Sessions spielte er im Keller einer Klassenkameradin. Früher ging er zum
Gymnasium, brach aber die Schule ab.
Er spielte immer auf dem Schlagzeug, wenn eines in der Nähe war. Das wurde ihm
nach kurzer Zeit aber zu kompliziert, da das Schlagzeug nicht bei ihm zu Hause stand.
Deshalb „sprang“ er auf die Gitarre um, weil die immer zu Hause griffbereit sein
konnte. Doch er hatte am Anfang eine komische Art die Gitarre zu spielen: Er legte sie
auf den Tisch und spielte sie wie eine Zither. Aber schon nach kurzer Zeit wusste er
warum: er war Linkshänder und spielte auf einer Rechtshändergitarre. Das wurde ihm
zum Verhängnis, denn es gab natürlich in jeden Laden eine Rechtshändergitarre aber
keine Linkshändergitarre. Deshalb musste er seine Gitarren extra anfertigen lassen.
Das war aber kein Hindernis um die Grundlagen zum Spielen zu lernen.
Seiner ersten E-Gitarre „begegnete“ er in Montreal in einen Schaufernster. Er bekam
sie schließlich und lies sie umsaiten. Wenig später bekam er den dazugehörigen
Verstärker und einen wichtigen Anruf.
Er hatte den Linkshändergitarrist von „Bazookas“, der bei „ZK“ immer mal einsprang,
an der Strippe, weil „ZK“ einen neuen Gitaristen suchte. Er spielte vor und wurde
sofort bei „ZK“ „aufgenommen“.
Als er noch zur Schule ging und mit „ZK“ auf „Reisen war“, wurde er von Andi in
Englisch, von Campi in Geschichte und von Jochens Frau in Deutsch „unterrichtet“.
Doch kurz drauf kam der Zeitpunkt, wo er die Schule schmiss. Obwohl seine Eltern
davon nicht begeistert waren, hatte sie die Aufregung bald vergessen, denn sein Bruder
hatte sich erst nach Amsterdam und dann nach New York abgesetzt. Und das machte
seinen Eltern mehr zu schaffen, als der Schulschmiss von Kuddel.
Als sich nach 3 Jahren Bandgeschichte „ZK“ trennte, hatte er schon längst ein neues
„Projekt am Laufen“. Erst arbeitete er in einen Supermarkt, merkte aber schon nach
einem Tag, dass er sein „Geld für die Brötchen“ lieber durch die Musik verdienen
wollte.
Seine neue Band bestand mehr aus Träumen als aus der Realität. Neben dieser neuen
Band hatte er mit Campino, bald nach der Gründung der „Toten Hosen“ schon drei
Stücke: „ Frühstückskorn“, Bis zum bitteren Ende“ und „Der kleine Häwelmann“
geschrieben.
Für sie alle war es am wichtigsten Musik zu machen. Auch wenn sie mehr „rein
steckten“ als „raus kriegten“. Oder um es genau zu sagen, machten sie bis 1985
fünfunddreißigtausend DM Schulden.
Sie hatten auch einen Vertrag mit Ralf Siegel für 5 Jahre. Danach warfen sie eine
Münze, um zu entscheiden, wer die Rechte an welchen Liedern bekam. Dadurch
verloren sie auch das Recht an „Hier kommt Alex“.
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Ein einziges Mal hat er es verflucht, mit den Jungs „unterwegs“ gewesen zu sein: Er
kam nach Hause und seine Frau Susi lag zusammengebrochen auf der Treppe, weil sie
eine Bauchhöhlen-Schwangerschaft hatte. Der Arzt sagte, wenn Kuddel nur eine
Stunde später gekommen wäre und sie kein anderer gefunden hätte, wäre sie
gestorben.
Früher war ihm so ziemlich alles egal. Im Nachhinein aber sind ihm manche Dinge
schon ein bisschen peinlich. Besonders die Zeit seiner Spielsucht und Drogenexzesse.
Sein Sohn Timmi brachte eine Art „Struktur“ in den Alltag von ihm und seiner Frau.
Vorher kannte er das nicht, denn sein ganzes Geld brachte er in die Spielhallen rund
um den Hauptbahnhof und spielte solange bis das Geld alle war. Aber wenn er gewann
machte es ihn nur noch trauriger, denn er wollte verlieren. Dieser Punkt war für ihn die
Erkenntnis, dass er spielsüchtig war. Erst als Susi ihm einen Automat in die Wohnung
stellte, war es schlagartig vorbei.
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Trini Trimpop
1951 ist er geboren. Aufgewachsen ist er in Kierspe. Anfang der 70iger war er häufig
in Düsseldorf, weil ein Freund dort an der Kunstakademie studierte.
1976 ist er mit 25 Jahren in Düsseldorf geblieben. Zuvor hatte er angefangen, BWL zu
studieren. Doch dieses Studium dauerte insgesamt nur vier Tage, da er schnell
herausfand, dass es ihn nicht interessierte.
Da Trini schon immer eine soziale Ader hatte, hat er von 1972 bis 1976
Sozialpädagogik in Siegen studiert.
Den ersten Film drehte er auf einer Super 8 Kamera und hieß „Blitzkrieg Bop“. 1983
drehte er den Film „Decoder“ mit Klaus Meack, der sogar heute noch manchmal in
kleinen Kinos gezeigt wird.
Doch dann kam die Musik und sein Film spielte sich nicht mehr auf der Leinwand ab,
sondern im wahren Leben. Eine seiner Lieblingsbands waren die „Kursaal Flyers“.
Doch als dann plötzlich in London der Punk-Rock losging, hat er sich direkt die Haare
geschnitten. Zuhause hatte er genügend Zeit, laut Musik zu hören. Zu der Zeit lernte er
gerade Saxophon und trat damit sogar auch auf. Doch als es dann mit dem Punk-Rock
losging, passte das nicht mehr. Bei der Abschiedstournee von „ZK“ hat er noch einmal
Saxophon gespielt.
Als er den Film „Humanes Töten“ gerade abgedreht hatte, fragte ihn Jochen, der die
Abschiedstour von ZK organisierte, ob er diese Tournee mit einer Videokamera
dokumentieren wollte. Er hat so Campino, Andi und Kuddel kennen gelernt. Das war
aber nicht seine Welt. Er kannte sie und sie kannten ihn, aber musikalisch hat er sie
damals nicht ernst genommen. Das hatte für ihn nichts mit Punk-Rock zu tun. Er hat
damals beim „KFC“ gespielt, die eine harte Band war, die sogar im „Ratinger Hof“
Hausverbot hatte. Als „ZK“ dann einen Auftritt hatten und in dem Raum, wo sie
hinterher musizieren sollten, Fußball spielten, hat er sich sehr viel Spaß für die Tour
versprochen.
Im November 1981, rief Campino dann bei ihm an und fragte, ob er nicht Lust hätte
eine Band mit ihm zu gründen. Andi musste dabei sein, Kuddel, weil er was spielen
konnte, Walter, weil er ein guter Typ war, und eben Trini. Meist haben sie sich
irgendwo auf eine Treppe gesetzt und angefangen ihre Texte zu schreiben. „Opel
Gang“ sollte erst von einem Ford handeln, doch als sich nichts Gescheites darauf
reimen lies, wurde es halt ein Opel.
Aus persönlichen Gründen stieg er 1985 aus der Band aus. Auch aus Liebe wollte er
schon aussteigen, als er sich verliebt hatte. Doch auch die Liebe hält nicht ewig. Er
wusste damals aber noch nicht, was er nach dem Ausstieg machen würde. Schließlich
ist er 1986 als „Trainer“ zur Band zurückgekehrt. Den Managerposten teilte er sich mit
Jochen. 1992 hat er aber wieder seinen Managerposten abgeben. Ihm gefiel das ganze
„Drumherum“ nicht mehr. Er wurde für fünf Jahre Moderator von „Keynote“ Weil er
aber die Interviews anders führte, als die „normalen“ Moderatoren, durfte die Show
nicht mehr auf Sendung bleiben. Er ist das erste Mal nach Trinidad geflogen, als Andi
ihm eine Kassette mit Soca-Musik aus der Karibik mitgebracht hatte. Er flog dort hin,
um die Rechte für einen Sampler einzukaufen, den „Virgin“ heraus gebracht hatte. Es
kamen zwei Platten mit Machel Montano hinzu und 1999 noch ein zweiter Sampler.
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Wolfgang Michael „Wölli“ Rohde
Am 09.01.1950 wurde er in Kiel geboren. Er hat noch zwei Geschwister. Seid dem
fünften Januar 1986 ist er eine „Hose“. Vorher wohnte er in Berlin und kam nach
Düsseldorf und ohne es zu wissen, war er schon in der Band aufgenommen worden.
Wölli kam durch Campis Schwester Beate an die Familie Frege und natürlich auch an
Campi. Damals war Campi 11 Jahre alt. Durch Beate hatte Wölli auch erfahren, dass
Campi einen neuen Drummer sucht.
Als er schon Mitte zwanzig war, fing er an, selber Musik zu machen. Das erste
Instrument war eine Gitarre. Er griff aber bald zu eher rhythmischen Instrumenten, wie
Bongos um. Er gründete mit drei anderen die Band „Barrita“. Mit dieser „Band“ hatte
er ein paar Gigs, die meist aber nicht länger als Stunde gingen.
Als 1977 der Punk nach Deutschland kam landete er bei einer Jazz-Rock Band. Da
aber der Schlagzeuger sein Handwerk nicht ganz beherrschte, klemmte er sich bald
selbst hinter das Schlagzeug und wusste sofort, dass es das sein sollte, aber nicht in
dieser Band.
Er kaufte sein erstes Schlagzeug und stellte es in den Keller seiner damaligen
Wohnung. Er und ein Freund versuchten sich an den Drums. An die Wände nagelten
sie Matratzen und bauten sogar eine neue Tür ein. Als sie die Tür einbauten, standen
ein paar Minuten später Polizisten vor der Tür, weil der Keller direkt unter einem
Juwelierladen war und der Inhaber dachte, dass sie einbrechen wollten.
Über Campis Schwester Beate lernte er auch ihren Bruder John kennen. John nahm
Wölli mit zu seinem allerersten Punk-Konzert. Doch ganz gefiel es ihm Anfangs nicht.
Ihn überkam eine Art Panik, als die ersten Akkorde losgingen und alle Kids wild
anfingen Pogo zu tanzen. Aber die Musik, die er wahrnahm, war das was er schon
immer machen wollte. Einfach nur Spielen, aber nicht perfekt. Damit er dann diese
Musik auch machen konnte, kam ihm Campi zur Hilfe.
Oder besser gesagt, Campi und Kuddel. Die riefen ihn eines Tages an und fragten ihn,
ob er nicht bei einen Termin, den sie hatten, nämlich „Sauflieder“ zu covern oder neu
zu erfinden, zusammen mit „Die Ärzte“, „die Suurbiers“, „Deutsche Trinkerjugend“,
mit zu kommen. Sie nannten sich „die Tangobrüder“ für dieses Projekt. Doch auf der
Eröffnungsparty fehlten Campi und Kuddel. Also spielte er aushilfsweise bei den
„Suurbiers“.
Er kriegt am Schlagzeug 1999 durch „Vom Richtie“ Unterstützung, da er seid der Tour
davor, einen Bandscheibenvorfall hatte. Mittlerweile ist Wölli ausgestiegen. Sein
letztes Album war „Unsterblich“, was auch gleichzeitig das erste Album von „Vom“
war.
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Vom Ritchie
Er wurde am 06.08.1964 in Billericay geboren und spielt als Schlagzeuger für „die
Toten Hosen“, „The Boys“ und „T.V. Smith“. Aber er springt auch ein, wenn jemand
anders ihn möchte.
1976 sah er eine Doku auf Thames Television, wo die „Sex Pistols“ von Janet StreetPorter interviewt wurden. Als er dann noch live Aufnahmen von Konzerten sah, war er
hin und weg. Damit fing er an, sich für den Punk zu interessieren.
Gegenüber von ihm wohnte sein Freund Paul Smith, der später in einer Band namens
„The Earaids“ spielte, mit dem er die ganzen Platten hörte, da er selbst kein Geld dafür
hatte. Seine Mutter wäre aber auch dagegen gewesen, wie sie später deutlich zeigte,
denn sie machte seine gekauften Platten kaputt, riss seine Poster von den Wänden und
zerriss seine T-Shirts.
Seine allererste Platte, die ihm damals so richtig gefallen hat, war „Moving targets“
von „Penetration“. Diese Band lernte er über Paul kennen.
Damals wohnte er in Essex, wo man ziemlich von der Außenwelt abgeschnitten war.
Viele Punks gab es damals auch nicht in der Stadt.
Er bezeichnet sich selbst als „kleine Rotznase“. Aber nicht nur er fand das, sondern
vor allem seine Mutter, die ihm den Namen „Scruff“ gab. Seine Freunde nannten ihn
folgerichtig „Scruffy“. Da passte es einfach zu ihm, Punk zu werden.
Er fuhr immer mal nach London auf Konzerte, im „Marquee“ oder „Electric
Ballroom“. Aber seine Eltern wussten natürlich nichts davon. Dabei hatte er auch mal
Probleme in die Clubs herein zukommen. Im „Marquee“ wurde er auch mal
herausgeschmissen. Er ist dann durch den Hintereingang wieder herein kommen. Der
Türsteher war einer, den man gut mit ein bisschen Geld bestechen konnte. Den kennt
er heute noch und später war er Roadie bei „Doctor & The Medics“.
Zwischen den Jahren 1978 und 1980 gab es auch immer wieder mal Raufereien auf
Konzerten. Aber am schlimmsten waren da die Security, die angefangen haben Leute
einfach so aus Spaß zusammen zu schlagen. Was ihn aber immer sehr beunruhigte war
das wachsende Skinhead-Problem.
Er hat ein Jahr lang in London für eine Versicherung gearbeitet, weil seine Mutter ihn
dazu genötigt hatte. Als er die Schule fertig hatte, ist er erstmal aufs College gegangen,
auch wenn er dazu keine Lust hatte. Dadurch hatte er zumindest Zeit auf Tour zu
gehen. Er hat ein Diplom in Wirtschaftswissenschaft bekommen, doch ein Job in
dieser Richtung war das Letzte, worauf er Lust hatte. Zur der Zeit wohnte er noch zu
Hause, hatte nicht so viel Geld für eine eigene Wohnung, und so fügte er sich dem
Drängen seiner Mutter. Das hielt er ein Jahr durch, und dann ging er zu „Doctor & The
Medics“, die es schon ca. ein Jahr gab. Das war ungefähr 1982.
Ein Hit der Band war „Spirit in the Sky“, der ursprünglich von Norman Greenbaum
war. Aber dieser Hit macht ihren Ruf kaputt und somit verloren sie auch ihre PunkFans und immer mehr Teenies fanden sie gut. Doch als das Lied nicht mehr in den
Charts war, war ihr Ruf ruiniert.
Die späten 80er und frühen 90er waren eine schreckliche Zeit für ihn, da er sein Haus
in England aufgeben musste, weil er die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Zum
großen Überfluss machten ihm da auch noch seine Eltern Vorwürfe.
Er spielte in der einen oder anderen Band wie den „Cry Babys“, er machte in Paris
eine Platte mit „Stiv Bators“, er spielte bei „The last of the Teenage Idols“, einer Band
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die „Glamrock“ spielte, er spielte zusammen mit Glen Matlock, John Plain und Casino
Steel von den „Boys“.
Das erste Mal hörte er von den „Hosen“ in der Englischen Show „Old Grey Whistle
Test“, wo er mit der Band „Doctor & The Medics“ war. Sie spielten da das erste Mal
ein Video von den „Hosen“ im englischen Fernsehen.
1990 lebte er auch mal in New York. Heute ist er verheiratet und hat ein Kind. Sein
Haus steht im Norden Düsseldorfs. Dadurch, dass der alte Schlagzeuger Wölli aus
gesundheitlichen Gründen aus der Band gehen musste, ist er für ihn eingesprungen. Er
versteht sich aber gut mit Wölli.
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Die politische Meinung der Toten Hosen erklärt an dem
Lied:
Sascha... ein aufrechter Deutscher
Der Sascha, der ist arbeitslos,
was macht er ohne Arbeit bloß?
Er schneidet sich die Haare ab
und pinkelt auf ein Judengrab.
Zigeunerschnitzel, das schmeckt gut,
auf Sintis hat er eine Wut,
er isst so gern Chevapcici,
Kroaten mochte er noch nie.
Der Sascha, der ist Deutscher,
und deutsch sein, das ist schwer.
Und so deutsch wie der Sascha,
wird Abdul nimmer mehr.
Er kennt sogar das Alphabet,
weiß, wo der Führerbunker steht.
Nein, dieser Mann, das ist kein Depp,
der Sascha ist ein deutscher REP.
Er ist politisch informiert
und weiß, dass jeder Fremde stört,
und auch sein treuer Schäferhund
bellt jetzt nicht ohne Grund.
Denn der Sascha, der ist Deutscher,
und deutsch sein, das ist schwer.
Und so deutsch wie der Sascha,
ist man nicht nebenher.
Jetzt lässt er die Sau erst raus
und geht zum Asylantenhaus,
dort schmeißt er eine Scheibe ein,
denn jeder Neger ist ein Schwein.
Dann zündet er die Bude an,
ein jeder tut halt, was er kann.
Beim Thema "Deutsche Gründlichkeit",
da weiß er voll Bescheid.
Ja der Sascha, der ist Deutscher,
und Deutsch sein, das ist schwer.
Wer so deutsch wie der Sascha ist,
der ist sonst gar nichts mehr. Vor gut 50 Jahren
hat's schon einer probiert.
Die Sache ging daneben,
Sascha hat's nicht kapiert.
Sobald man den Titel des Liedes hört, denkt man, dass es ein Lied von einer rechten
Band ist. Doch hört man sich das Lied bis zum Schluss an, hört man an den Zeilen:
„Vor gut 50 Jahren hat's schon einer probiert. Die Sache ging daneben, Sascha hat's
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nicht kapiert“, somit ist klar, dass es ein Lied von der Gegenfraktion ist. Es ist nicht
für, sondern gegen Rechtsradikalismus.
Es wurde das erst Mal im Dezember 1992 bei dem „Heute die, morgen du“ – Konzert
gegen Fremdenhass gespielt. Cirka einen Monat später bekamen sie für das Lied eine
Anzeige wegen Beleidigung und Volksverhetzung.
1992 erscheint die Single. 1993 kommt das dazu gehörige Album „Kauf mich!“.
Single und Album hatten großen Erfolg. Die Single kam sogar in die Top ten.
Bei dem Verkauf kamen 1.000.000 Mark zusammen die dem „ Düsseldorfer Appell
gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus“ gespendet wurden.
Der Vorstand der Düsseldorfer Republikaner versuchten den Text verbieten zu lassen.
Doch ohne Erfolg. Der Staatsanwalt ließ erst gar keine Klage erheben, mit der
Begründung, dass der Song zur Deeskalation der Gewalt beitragen würde und die
Republikaner müssten sich den Zusammenhang mit Depp und Rep. gefallen lassen.
Die „Hosen“ bekamen zahlreiche Drohbriefe von Rechtsradikalen und auch die
Sender, bei denen sie eingeladen waren, wurden bedroht. „In einigen Fällen ging es so
weit, dass wir Angst hatten, sie würden uns wieder ausladen“ sagte Breiti. (Zitat:
Punkrock made in Germany von Andrea Müller)
Den Text haben sie in verschieden Zeitungen abdrucken lassen. Campi war stolz drauf,
dass der Text so gut durchgelesen und verstanden wurde. Aber er war damals nicht
bereit den Text zu ändern. Einige Zeitungen stellten den Text nicht aus und einige
Radiosender spielten „Sascha“ eher selten, da der Text auch missverstanden werden
konnte.
Die „Hosen“ haben schon oft mit dem Thema Rechtsradikalismus und ihren
Anhängern zu tun gehabt. Das ist ein Grund warum auf Konzerten keine Skins dürfen.
Obwohl auch Punks immer wieder faschistische Symbole zeigen, unterscheidet sich
die politische Grundidee von den Punks völlig von der der Skins.
Heute werden die Skins von rechtsradikalen Gruppen unterstützt, so dass sich somit
ein unüberschaubares Netz über ganz Deutschland spannt. Gegen Leute, die sagen,
dass der ganze „Rechtsterror“ in der Bundesrepublik nicht so schlimm sei, wehren sich
die „Hosen“. Auf die Multi-Kulti-Gesellschaft zählen die „Hosen“, denn die hat
Deutschland verändert.
1991/92 bewegten einige rechtsextreme Terroranschläge gegen Ausländer ganz
Deutschland. Deshalb griffen die „Hosen“ bei verschiedenen Antifa-Veranstaltungen
ins Geschehen ein. Den „Hosen“ wurde auch von einigen Medien vorgeworfen, es sei
nur eine Strategie, weil früher die „Hosen“ für Chaos und Spaß standen. Von der
„TAZ“ wird ihnen vorgeworfen, sie würden den Punk „Weizsäckerisieren“. Damit
waren die „Hosen“ den Medien nicht mehr radikal genug.
34
Das gesellschaftliche Engagement der Toten Hosen:
Fortuna
„Fortuna Düsseldorf“ ist der Lieblingsverein der „Hosen“. 1992 mussten sie bangen,
dass „ihre Fortuna“ nicht in die dritte Liga abrutscht. Derzeit war sie Schlusslicht mit 6
Punkten Rückstand auf Platz 17 der zweiten Liga. Dabei war sie mal in der ersten
Liga.
Die „Hosen“ beklagten nicht nur die Situation als Edelfans, sonder taten auch was für
eine bessere Zukunft des Vereins: Ihr Tournee 1989 stellten sie unter das Motto
„Rettet die Fortuna“ und nahmen eine Mark pro verkauftes Konzertticket, um das
zusammen gekommene Geld von 200.000 DM der Fortuna zur Verfügung zu stellen.
Damit sah es erst mal besser aus für die Fortuna.
Mit dem Geld konnten sie den afrikanischen Ausnahmestürmer Anthony Baffoe, der
vorher bei Stuttgart gespielt hatte, engagieren. Doch nach nicht allzu langer Zeit stellte
der gute Fang die Fortuna wieder in den Schatten. Schließlich wechselte er in einen
französischen Verein. Fortuna war zwar kurz in die erste Liga gestoßen, stieg aber sehr
bald wieder ab.
Der spätere Geschäftsführer der Fortuna, Paul Jäger, „weiß noch ganz genau, wie
damals gewitzelt wurde, die Toten Hosen hätten mit ihrem Geld das linke Bein von
Anthony Baffoe gekauft“ (Zitat: Für immer Punk von Kai Jessen)
Die „Hosen“ haben Ehrenkarten für jedes Heimspiel des Vereins. Die Fortuna hat
noch guten Kontakt zu ihnen und möchte, dass sie irgendwann mal in dem Stadion
auftreten.
Aber trotzdem blieben die „Hosen“ ihren Verein treu. Und nicht nur sie, sondern auch
Berti Vogts steht zu Fortuna.
1990 gingen sie für die Berliner Tageszeitung nach Italien, um von dort aus vom
Siegeszug der deutschen Mannschaft zu berichten, die damals Weltmeister wurde.
Aber nicht nur Sport zu gucken ist ihnen wichtig, sondern auch der aktive Sport, der fit
hält.
35
PRO ASYL
Die Menschenrechtsorganisation „PRO ASYL“ wurde 1986 gegründet, um sich für die
Rechte der Flüchtlinge wirkungsvoll einzusetzen. „PRO ASYL“ wurde bundesweit
bekannt im öffentlichen Kampf gegen den Ausländerhass und während der Diskussion
um den Erhalt des Artikels 16. Doch der Artikel 16 wurde 1993 geändert und für sie
wurde wichtig mit Gutachten und Dokumentationen von Einzelfällen zu arbeiten, um
Flüchtlinge zu schützen.
„PRO ASYL“ beschäftigt sich mit dem Schicksal von Flüchtlingen, die bei uns Schutz
vor Vertreibung, Folter und Tod suchen. In den laufenden Jahren haben sie immer
mehr mit der Öffentlichkeit gearbeitet und das hat zu beachtlichen Erfolgen geführt.
Es wurde zum Beispiel eine Rechtsberatung für Asylsuchende am Frankfurter
Flughafen durchgesetzt.
„PRO ASYL“ hat 12.000 Personen gefunden, die durch ihre Fördermitgliedschaft den
Einsatz für Flüchtlinge unterstützen. Es haben sich in allen Bundesländern
Flüchtlingsräte gebildet, die dort vor Ort für die Rechte von verfolgten Menschen aktiv
sind. „PRO ASYL“ arbeitet mit „ECRE“, dem Europäischen Flüchtlingsrat in Brüssel,
europaweit zusammen. Die Organisation wird nur von Mitgliedsbeiträgen und
Spenden finanziert.
Breiti ist die „Hose“ die sich seit ein paar Jahren mit dieser Organisation befasst.
Von dem größten Teil der Politiker und der Presse wird ignoriert, dass die Folgen der
Einschränkung des Asyl-Rechtes für die Betroffenen dramatisch ist.
Oft genug steht hinter vielen so genannten rechtsstaatlichen Regelungen für die
Anerkennung von Flüchtlingen ein einziges Ziel, nämlich die Abschreckung.
Abschiebehaft ist eine der niederträchtigsten Maßnahmen, die bei Flüchtlingen
ergriffen wird. Bis zu 18 Monaten lang kann ein Flüchtling, ohne das er eine Straftat
begangen hat, in Abschiebehaft genommen werden. Es reicht schon der Verdacht, dass
er sich ihrer Abschiebung entziehen könnte. Das führt dazu, dass sich viele von diesen
Flüchtlingen das Leben nehmen, weil sie auch Angst haben, dass sie in ihrem Land
gefoltert und verfolgt werden. PRO ASYL geht mit den Mitteln des Rechtshilfefonds
und politisch gegen die wahllos angewandte Abschiebehaft vor. So gelang es alleine in
einer einzigen Haftanstalt, in 5 von 13 Fällen Menschen frei zu bekommen.
Das Flughafenverfahren ist auch sehr erniedrigend für die Flüchtlinge. Sie werden
abgefangen und einem so genannten „Schnellverfahren“ unterzogen. Dieses
„Schnellverfahren“ endet in den allermeisten Fällen mit der Ablehnung des
Asylantrags. PRO ASYL setzt sich gegen dieses Verfahren ein. Die Situation
derjenigen, die sich nach einer Ablehnung noch monatelang im Transit aufhalten
müssen, weil Ihre Abschiebung nicht durchführbar ist, ist ein weiterer Schwerpunkt.
Es engagieren sich Rechtsanwälte mit Unterstützung aus dem Rechtshilfefonds dafür,
dass der unerträgliche Daueraufenthalt im Transit beendet wird.
Flüchtlinge können von Grenzschutzbeamten sofort wieder abgeschoben werden, die
über einen so genannten sicheren „Drittstaat“ nach Deutschland gelangen. Dies findet
ohne individuelle Überprüfung des Einzelfalles statt. Das wird auch
Kettenabschiebung genannt. Sie sind der Gefahr ausgesetzt, am Ende wieder dort
anzukommen, von wo sie geflohen sind.
36
Alte Helden und andere Idole
1991 wird für die „Hosen“ ein Traum war: Für ihr „Learning English-Lesson one“ –
Album hohlen sie sich 16 ihrer größten Idole ins Studio: Joey Ramone von den
„Ramones“, Knox von „The Vibrators“, Nick Cash von „999“, Captain Sensible von
„The Damned“, TV Smith von „The Adverts“, „The Flys“, „Eddie & The Hot Rods“,
Gene October von „Chelsea“, „The Radio Stars“, Charlie Harper von den „UK Subs“,
„Sham 69“, Wreckless Eric, Dick Manitoba von den „Dictators“ und Ronald Biggs.
Aber nicht jeder dieser Künstler konnte ins Studio der „Hosen“ kommen, sondern die
Hosen mussten auch zu den Künstlern. Mit Ronald Biggs nahmen sie den Hit
„Carnival in Rio“ auf. Für die Aufnahmen sind sie zu ihm nach Brasilien geflogen.
Das passende Video zu „Carnival in Rio“ drehten sie in Rio de Janero. Doch sie
mussten sich dort eine neue Filmausrüstung besorgen, da ihre eigene beim Zoll
beschlagnahmt wurde und sie die Ausrüstung nur durch viel Geld wieder bekommen
hätten. Ronald Biggs feierte sein Geburtstag während die „Hosen“ bei ihm waren.
Diese Geburtstagparty wird für die „Hosen“ zu einen der größten Ereignisse.
Auch mit Johnny Thunders von den „Heartbreakers“ nahmen sie ein letztes Mal das
Stück „Born to loose“ auf. Drei Tage nach den Aufnahmen starb die Punklegende.
Aber Johnny Thunders war schon längst Drogen abhängig geworden, was man ihm
auch ansah, und hatte auch bei den Aufnahmen schon große Probleme sich bis zum
Ende zu konzentrieren. Bei „Burn to loose“ hatte jeder Musiker eine Textzeile
übernommen.
Campinos Mutter Jenny und Geoff Haslan (Ex-Velvet-Manager) geben zwischen den
Songs einen Englischsprachkurs.
Die Hosen produzierten früher für die „Lurkers“ und die „Boys“ LPs. Deren
Frontmänner haben dafür bei „Hosen“ LPs oder Konzerten mitgewirkt. Aber das
wurde nie an die „große Glocke gehängt“.
Durch den guten Draht zu den „Lurkers“ und den „Boys“ kam alles erst ins Rollen.
Jeder, der davon hörte und den sie fragten, war sofort Feuer und Flamme. Manche
riefen auch ihre Freunde und Freundesfreunde an. Zum Schlussbild trafen jede Menge
Alt-Punks im Londoner „Church“ - Studio zusammen.
Die meisten der „Legenden“ halten sich in der heutigen Zeit mit Gelegenheitsjobs über
Wasser, doch wenn sie wieder in das Mikrofon schreien, sind sie wie früher. Aber
natürlich gab es auch „Legenden“, die keine Zeit hatten. So zum Beispiel Johnny
Rotten.
Obwohl kein großer Erfolg von der Platte erwartet wurde, war sie so erfolgreich, dass
sie in Frankreich, England und Skandinavien auf Tour gingen.
Ein Jahr darauf gingen die „Hosen“ auf USA – Tour mit den „Ramones“.
37
Der „wahre“ Heino
Norbert Hähnel verwandelte sich das erste Mal in den „wahren Heino“ auf einem
Punkfestival in Berlin Kreuzberg. Er hatte sich die Haare weißblond gefärbt und die
legendäre Sonnenbrille aufgesetzt. Genau bei diesem Festival spielten auch die
„Hosen“, die ihn so toll fanden, dass sie ihn direkt als ihren Frontsänger engagierten.
Dann gingen sie zusammen auf Deutschlandtour, wo abends zwischen 600 bis 700
„punkfreundliche“ Jugendliche dabei waren. An diesen Abenden hörte man sich die
Punkversionen von „blau blüht der Enzian“ oder „Karambo Karacho“ an. Doch die
EMI findet das gar nicht so toll, denn sie hat auch Heinz-Georg Kramm alias „Heino“
unter Vertrag.
Das der „wahre Heino“ in kleinem Umfeld wie Punkbars und Hinterhöfe seine
Nummer „abzog“, fand die EMI ja nicht ganz so schlimm. Aber vor seinen Auftritten
erzählte er immer diese Geschichte, die von seiner Wandlung vom deutschen
Schlagersänger zum Punk handelte: „Im schwarzen Armenviertel von Johannesburg /
Südafrika habe er eine „Negerkapelle“ kennen gelernt und wolle mit ihr eine LP
aufnehmen, als Wiedergutmachung dafür, dass er sich so oft habe von weißen
Rassisten feiern lassen. Seine Plattenfirma EMI habe ihm jedoch dieses Vorhaben
verboten, ergänzt Manager Raff Blendax (der des echten Heino heißt Ralf Bendix), da
es ihr nicht ins Konzept passe. Heino sei über diesen Vorfall und die Beschneidung
seiner persönlichen, künstlerischen Freiheit so verärgert gewesen, dass er der EMI
fristlos gekündigt und sich nach Berlin-Kreuzberg abgesetzt habe.“ (Zitat: Punkrock
made in Germany von Andrea Müller)
Die Reaktion, auf diese Geschichte, von der Plattenfirma EMI sah folgendermaßen
aus: Der echte Heino und die EMI schalteten ein Anwalt ein, der dem „wahren Heino“
verbot, unter diesem Namen weiter Musik zu machen. „Wenn er es nicht machen
würde, droht ihm eine Strafe von 500.000 DM“. Er ignorierte aber den
Gerichtsbeschluss und sang weiter unter diesem Namen. Seine Geschichte vom
„Schlagersänger zum Punk“ erzählte er ebenfalls weiter. Bei jeden Konzert hangen sie
am Eingang den Gerichtsbeschluss mit der vollständigen Adresse des echten Heinos
aus, wo die Fans ja mal hingehen könnten, um ihm „eins richtig auf die Nuss zu
geben“, wie der „wahre Heino“ seinen Fans riet.
Natürlich wollte der „wahre Heino“ alias Norbert Hähnel, seinen Namen nicht
kampflos aufgeben.
Die Plattenfirma sagte, solange sich die Geschichte um den „wahren Heino“ nur im
üblichen Umfeld abgespielt hatte, seien es ihnen ja egal gewesen. Aber das er jetzt in
Talkshows auftrat und auf Plakaten „die Toten Hosen und Heino“ stand, wodurch
sogar Leute in die falschen Konzerte gingen, ginge zu weit.
Heinz-Georg Kramm verlor kurz nach dem Hosen-Skandal seinen Vertrag, mit der
offiziellen Begründung, dass er sich der Lächerlichkeit preisgeben hätte und der
Plattenverkauf nachgegeben hätte.
Der „wahre Heino“ verlor den Prozess, bei dem alle seine Anhänger mit weiß blonder
Perücke und Schwarzer Sonnenbrille „aufgekreuzt“ waren, gegen den echten Heino.
Er muss 20 Tage ins Gefängnis oder 15.000 DM in bar plus die Gerichtskosten zahlen.
Das Geld hatte er natürlich nicht und ging lieber in das Gefängnis, lies sich aber vorher
noch richtig verabschieden.
38
Das Abschiedskonzert vom „wahren Heino“ fand im Berliner „Tempodrom“ unter
dem Motto: „ Lieber ein Ende ohne Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“ statt.
Dieses Konzert ging ganze 12 Stunden, wo die ganze Punkszene im Bier- und
Pogorausch „abfeierte“. Nicht nur die „Hosen“ spielen auf diesem Konzert, um sich
von ihrem „wahren Heino“ zu verabschieden, sondern auch die alten Todfeinde von
den „Hosen“, „die Ärzte“. Sogar „ZK“ ließen sie für dieses Konzert auferstehen. Mit
diesem Konzert wurden nicht nur die Prozesskosten abgedeckt, sondern Norbert
konnte seine Berliner Kneipe „Scheißladen“ renovieren.
Nach 20 Tagen wird er wieder aus dem Gefängnis gelassen und wird von Freunden
mit weiß blonden Perücken und Sonnenbrillen im Leichenwagen abgeholt. Er fand
sein Urteil ungerecht.
Jahre nach seinem Verbot unter dem Namen „der wahre Heino“ Musik zu machen, trat
er noch mal kurz ins Rampenlicht: Er bewirtschaftete als Hauptberuf den Szene-Treff
„Enzian“ in Berlin-Kreuzberg, gründete gemeinsam mit Bela B. von den „Ärzten“ die
Kneipe KPDRZ (Kreuzberger Patriotische Demokraten Realistisches Zentrum) und
kandidierte für die Wahl des Bürgermeisteramts in Berlin, natürlich ohne Erfolg.
39
Besondere Auftrittsorte: Rosenmontagszug 1996
In diesem Jahr ist der Düsseldorfer Rosenmontagszug nicht wie immer, denn die
„Hosen“ sind diesmal unter dem Thema: „Wir begraben den guten Geschmack!“ mit
von der Partie. Dafür verkleiden sie sich als Frauen. Campino trägt blaue Schleifchen
im blondem Haar und türkisblauen Lidschatten, passend zu den rosafarbenen Ohrclips.
Wenn er mal seinen Nerzmantel öffnet, kommt darunter eine rosarote Strickjacke und
ein perlenbestickter Minirock zum Vorschein. Der rot-weiße Fortuna-Schal gibt dem
Outfit noch den letzten Schliff. Andis Haare sind blau-schwarz gelockt. Er trägt ein
hell gemustertes Kostüm. Breiti ist in einen hellen Ledermantel mit dicker Fellschärpe
gewickelt und hat eine hell leuchtende Nelke im Haar. Besonders geschmackvoll hat
es Kuddel mit einer rosafarbenen Federboa über dem rot karierten Jackett getroffen
und dazu eine wasserstoffblonde Perücke. Wölli trägt zur Betonung seines schwarzen
Wuschelkopfs einen engen, grellgrünen Body.
Sie haben eine zwölf Meter lange fahrende Bühne und ihre Anlage ist so laut, das
sogar teilweise die ganze Straße vibriert und die Wagen vor und hinter ihnen übertönt
werden. Der Wagen ist mit Totenköpfen und Phantasiegeschöpfen aller Art
geschmückt.
Damit keiner unter die Räder kommt, haben sie 20 Bodyguards um den Wagen
„gestellt“. Denn natürlich fällt auch schon mal einer der 2.000 mitgrölenden Fans hin.
Es haben sich auch Polizisten unters Volk gemischt.
Die Fans kamen von weit her, wie z.B. aus Zürich, vom Bodensee oder aus München.
Die „Hosen“ schmissen T-Shirts von ihrem Wagen, die natürlich jeder der Fans
ergattern wollte. Des Weiteren werden Müsliriegel, 10.000 Dollar-Noten der
Hells-Bank oder auch mal Schlagzeugsticks ins Partyvolk geschmissen. Nach dem
Zug verschwinden sie schnell und hastig. Die Fans sind enttäuscht, weil sie eine große
Feier erwartet hatten. Die meisten Fans rufen: „Ohne Hosen geh’n wir nicht nach
Hause“, während ein Polizist durchs Mikrofon versucht den Fans klar zu machen, dass
die „Hosen“ schon längst zu Hause sind. Doch ein Pärchen aus Wesel lässt sich nicht
abwimmeln und geht ins Gebäude um sich selbst zu überzeugen. Das einzige was sie
finden ist ein Plakat mit der Aufschrift „Opium fürs Volk“ von dem damals neu
veröffentlichen Album. Sie zertraten das Plakat wütend und für sie war die Band erst
mal gestorben. Genau wie die anderen traurigen Fans gehen sie nach Hause. Alle
hatten sich erhofft, dass es wie in alten Zeiten auch nach dem Zug „richtig ab geht“.
40
Magical – Mystery Tour
Bei dieser Tour reisen die „Hosen“ zu Fans nach Hause oder an eher ungewöhnliche
Orte für ein Konzert, wo gegen Verpflegung, eine Unterkunft und Fahrtkosten gespielt
wird.
Seid dem sie den allerersten Auftritt in dieser Tour gespielt haben, wird bei ihnen
immer wieder angefragt, ob sie nicht auf einem Geburtstag oder ähnlichem Spielen
wollen. Diese Tour wurde ins Leben gerufen, da sie die kleineren Auftrittsorte
vermissten.
Sie spielten auf einer Almhütte in Österreich vor 4 Gästen. Davon waren 2 Fans und 2
eher ungewollte Gäste, die am nächsten Morgen wieder früh raus mussten.
Ebenfalls spielten sie im Klosterinternat in Altötting. Während dem eineinhalb
Stunden Auftritt nehmen die Schwestern und der Direktor einen großen
Sicherheitsabstand und genießen es lieber von dort.
Ohne es zu wissen landen sie im Wohnzimmer des damaligen niedersächsischen
Ministerpräsidenten. Bei dem Namen „Albrecht“ dachten sie sich nichts und auch
nicht, als dieser auch noch in Hannover wohnte. Erst als sie ihren Wagen vor dem
Haus mit Pförtnerhäuschen und jede Menge Kameras parkten, merkten sie es. Für
„Hosen Verhältnisse“ lief als recht „normal“ ab. Außer das ein paar Sammelteller
kaputt gingen, der Fußboden mit Bier „tanzfest“ gemacht wurde und noch ein paar
„Kleinigkeiten“, war nichts passiert. Der Sohn Barthold versuchte die „Hosen“ dann
mit 500 DM los zu werden, doch vergeblich. Am nächsten Morgen wurden sie vom
Ministerpräsident von Niedersachsen angeschrieen, sein Haus zu verlassen und nie
mehr ein Fuß auf sein Grundstück zu setzten.
Sie spielten auch im Wohnzimmer eines Hosen-Fans in Zürich, wo sie den Fußboden
10 cm tief in den Putz des Stockwerkes darunter getrieben hatten, obwohl sie vorher
Stützbalken angebracht hatten.
Auf einer Hochzeitsfeier waren sie eher unerwünscht, da sie sozusagen das Geschenk
eines Fans waren. Die „Hosen“ schickten jemanden raus zur Telefonzelle, um die
Polizei wegen Ruhestörung zu rufen, damit ein bisschen Pep in die Feier kam, doch
vergebens.
Ein Tag später spielten sie in der Alsterdorfer Anstalt in Hamburg. Dies war wiederum
ein Treffer. Nach dem Gig unterhielten sie sich noch mit den Patienten.
Sie sind auch nach Zermatt gefahren, wo sie spielten und als Gegenleistung im Hotel
der Eltern eines Fans eine Woche wohnen durften.
41
Last Minute – Tour
2002 spielen die „Hosen“ „wo sie noch nie waren, wo sie immer schon mal spielen
wollten und wo man sie nicht haben wollte.“ (Bravo)
Als erstes spielten sie auf der Zugspitze. Campino löst dort oben in der Kälte
Bergalarm aus, weil er eine rote Signalrakete auf dem vereisten Gipfel entzündet.
Danach gibt er vor 400 Fans Vollgas. Die Luft ist da oben so dünn, dass einem jedes
Bier doppelt vorkommt. Während des Konzertes bricht die Decke zusammen. Alle
sind fertig, als sie unten wieder ankommen.
Ihr zweites Ziel ist Rottweil. Das Ziel hat sich Campino gewünscht. Er hat auf dem
Album „Auswärtsspiel“ einem Mädchen, das er in Rottweil kennen gelernt hat, das
Lied „Das Mädchen aus Rottweil“ gewidmet und will in Rottweil spielen, um sie
vielleicht nach 16 Jahren wieder zusehen. Es gilt daher striktes Verbot für Männer.
Das Konzert ist ausschließlich für Frauen. Also versuchen auch Männer, verkleidet als
Frauen, herein zu kommen. 600 Girls schreien: „Auszieh’n!“ und Campino lässt
tatsächlich die Hüllen fallen, bis auf eine Socke. Die anderen machen weiter im
Leopardenslip. Ein kleiner Rollentausch findet auch statt: Campi versucht sich an den
Drums und Vom versucht sich am Mikro. Tatsächlich: Das gesuchte Mädchen meldet
sich Backstage.
Auf Sylt rocken sie ganze 12 Stunden lang, denn nach der Show feiern die „Hosen“
mit den 5.000 Fans am Strand weiter.
400 der Fans, die noch gerade stehen können und keine Gelegenheit hatten, von der
Insel weg zukommen, fahren mit den „Hosen“ noch weiter nach Helgoland, wo sie vor
17 Jahren Auftrittsverbot hatten. Diesmal wurden sie vom Bürgermeister persönlich in
die Halle gefahren, wo sie vor 700 Fans feierten. Das Konzert wurde eine der
wildesten Shows der „Hosen“.
42
Discographie: Alle Alben und alle Singles
1982 Single:
„Wir sind bereit“
„Reisefieber“
1983 Album:
„Opelgang“
1983 Single:
„Hip Hop Bommi Bop“
„Bommerlunder”
„Schöne Bescherung”
1984 Album:
„Unter falscher Flagge“
1984 Single:
„Liebesspieler + John Peel Sasion“
„Kriminaltango mit Kurt Raab“
1985 Mini – LP:
„The Battle of the Bands”
1985 Single:
„Faust in der Tasche”
1986 Album:
„Damenwahl“
1986 Single:
„Altbierlied“
1987 Album:
„Never mind the Hosen here’s die Roten Rosen”
„Bis zum bitteren Ende – Die Toten Hosen live”
1987 Single:
„Im Wagen vor mir“
„Alle Mädchen wollen küssen“
1988 Album:
„Ein kleines bisschen Horrorshow“
1988 Single:
„Hier kommt Alex“
1989 Single:
„1000 gute Gründe“
1990 Album:
„125 Jahre Die Toten Hosen – Auf dem Kreuzzug ins Glück“
1990 Single:
„Alles wird gut“
„Azzurro“
„All die ganzen Jahre“
1991 Album:
„Learning English – Lesson one”
1991 Mini – LP:
„The Nightmare Continues”
43
1991 Single:
„Carnival in Rio (Punk was)”
„Baby, Baby”
1992 Single:
„Whole wide world”
„Mehr davon (Toursingle: Limited Edition 700 Stück)”
„Sascha… ein aufrechter Deutscher”
1993 Album:
„Kauf mich!”
„Reich und Sexy“
1993 Single:
„Wünsch dir was“
„Alles aus Liebe“
1994 Album:
„Love, Peace and Money (Japanische Version)“
1994 5-Track E.P.: “Put your money where your mouth is (U.K. only)“
1994 Single:
„Sexual”
1995 Single:
„Tou pour sauver l’amour (Franz. Promotion - Single)”
„Nichts bleibt für die Ewigkeit”
1995 Singlebox:
„Musik war ihr Hobby“
1996 Album:
„Opium fürs Volk“
„Im Auftrag des Herrn“
1996 Single:
„Paradies“
„10 kleine Jägermeister“
„Bonnie und Clyde“
1997 Single:
„Alles aus Liebe – Live“
1998 Album:
„Wir warten aufs Christkind“
1998 Single:
„Weihnachtsmann vom Dach“
„Pushed again“
„Soul Therapy“
1999 Album:
„Your are Dead – Soundtrack“
„Crash Landing”
„Unsterblich”
1999 Single:
„Auld Lang Syne”
„Schön sein“
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2000 Single:
„Unsterblich“
„Warum werde ich nicht satt?“
„Bayern“
2001 Single:
„Was zählt“
2002 Album:
„Auswärtsspiel“
„Reich und Sexy 2“
2002 Single:
„Steh auf, wenn du am Boden bist“
„Kein Alkohol, ist auch keine Lösung“
„Nur zur Besuch“
„Frauen dieser Welt“
2004 Mini – LP:
„Friss oder Stirb“
45
Quellennachweiß
Bücher:
Bis zum bitteren Ende… Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Die Toten Hosen - Punkrock made in Germany, von Andrea Müller
Verlag: Econ
Die Toten Hosen - Für immer Punk, von Kai Jessen
Verlag: Heyne Bücher
Websites:
www.dietotenhosen.de
www.dthhome.de und andere
Fernsehen:
Campino und der liebe Gott – NDR 3
Spiegel TV – XXP TV
CD:
Reich und Sexy, von den „Toten Hosen“
Reich und Sexy 2 - die fettesten Jahre, von den „Toten Hosen“
DVD:
Reich und Sexy 2 - die fettesten Jahre, von den „Toten Hosen“
Zeitschrift:
Bravo
Und natürlich aus eigenen Wissen
Hiermit erkläre ich, dass ich mit Hilfe der oben genannten Quellen die Arbeit selbst
verfasst habe.
Claudia Franziska Walter
Klasse 10 b
April 2004
46
Herunterladen
Random flashcards
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