Dachverband der Bürgerinitiativen gegen die A 39

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AGRARHEUTE
30.04.2010
Agrarministerkonferenz einig
Die Ergebnisse von Plön
Plön - Bund und Länder wollen bei der Neuausrichtung der Agrarpolitik nach 2013 eine
einheitliche Linie verfolgen. Ein Überblick über die Ergebnisse der
Agrarministerkonferenz.
Schloss Plön
Auf der Agrarministerkonferenz haben sich Bund und Ländern darauf verständigt,
geschlossen für eine starke Gemeinsame Agrarpolitik nach 2013 einzutreten.
Dies sei eine wesentliche Voraussetzung, um den Interessen der deutschen Bauern bei der
anstehenden EU-Agrarreform in Brüssel Nachdruck zu verleihen, zeigt sich der Präsident des
Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, zufrieden.
Die Ergebnisse der Konferenz:
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Förderhöhe beibehalten
Die Konferenzteilnehmer einigten sich darauf, dass die Höhe der Zuschüsse auch nach
2013 erhalten bleiben soll.
Zwei-Säulen-Modell soll bleiben
Ferner plädierten sie für den Erhalt des Zwei-Säulen-Modells mit Direktzahlungen
und einer Förderung für Natur- und Umweltschutz und die wirtschaftliche
Entwicklung auf dem Land.
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Aigner in Plön: 'Wir haben eine gemeinsame Basis gefunden'
alle Videos
Modulation soll abgeschafft werden
Wenn es nach den Vorstellungen der deutschen Agrarminister geht, wird die
Modulation abgeschafft.
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Milchquotengebiete bleiben getrennt
Es wird in Deutschland auch weiterhin zwei getrennte Milchquotengebiete geben: Ost
und West.
Anbauregeln für die Gen-Kartoffel Amflora
Bis zur nächsten Anbausaison soll die Bundesregierung verbindliche Regeln für den
Anbau der Gen-Kartoffel Amflora erstellen.
Stärkere Marktorientierung und Unterstützung der Wettbewerbsfähigkeit
Die Landwirte sollen dabei unterstützt werden, sich wettbewerbsfähig aufzustellen
und eine stärkere Marktorientierung zu erlangen.
Schutz der biologischen Vielfalt sowie Wasser und Klima
Der Klimaschutz solle als "neue Herausforderung" der EU besonders gefördert
werden. Die Konferenz beschloss daher, Vorschläge zur Treibhausgasreduzierung in
der Landwirtschaft sowie zum Beispiel Möglichkeiten für einen Vertragsklimaschutz
zu erarbeiten. Außerdem sollen konkret Kohlenstoffspeicher erhalten werden,
insbesondere auf Moorböden. Sowie der Einsatz landwirtschaftlichen Reststoffe zur
Energieerzeugung und neue Techniken beim Ausbringen von Wirtschaftsdünger, um
neben dem Klima auch Böden, Gewässer und die Natur noch besser zu schützen.

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Nachhaltige Fischerei weiterentwickeln
Die AMK fordert eine Berücksichtigung der Interessen der handwerklichen
Küstenfischerei. Etwa durch eine konditionierte Wiederaufnahme der Förderung von
Neubauten für die regional und nachhaltig agierende Fischerei. Der Bund lehnt
allerdings eine Neubauförderung ab. Weitere Forderungen sind der Abbau von
Überkapazitäten der Fangflotten dort, wo sie tatsächlich bestehen, die Beibehaltung
bei der Verteilung der Fischfangrechte in Gestalt nationaler Quoten. Außerdem soll
schrittweise ein Verbot des Rückwurfs von Beifang eingeführt werden.
Verbesserung der Breitbandversorgung im ländlichen Raum
Um die Förderung durch die EU zu ermöglichen sollen durch das
Bundeslandwirtschaftsministerium die nationalen Rahmenregelungen schnell an die
europäischen Vorgaben angepasst und dann die Zustimmung der EU eingeholt
werden.
Im Vorfeld: Aigner hatte mit schwierigen Gesprächen gerechnet
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) rechnete mit schwierigen Gesprächen in
der EU über die Zukunft der Subventionen. Zum Auftakt des Treffens der Agrarminister hatte
sie ihre Länderkollegen zu Geschlossenheit aufgefordert. Die deutschen Bauern bekommen
mehr als 6 Milliarden Euro von der EU. Bisher ist offen, ob der Betrag nach 2014 gehalten
werden kann. "Es ist wichtig, dass wir geschlossen auftreten und unsere deutschen Interessen
in der EU klar zum Ausdruck bringen", erklärte Aigner. In Brüssel müsse Deutschland mit
einer Stimme sprechen.
Das waren die Ausgangspositionen:

Die Bundesregierung
Starke Subventionen sollen beibehalten werden
Die Bundesagrarministerin Ilse Aigner fordert auch für die neue Finanzperiode
"starke" Subventionen. Im Gegensatz zu Deutschland und Frankreich wollen Länder
wie Großbritannien, Schweden oder die Niederlande die Fördergelder aus Brüssel
eindampfen. mehr...

Schleswig-Holstein
Zusatzprämien für strengere Umweltauflagen einführen
Die schleswig-holsteinische Agrarministerin Juliane Rumpf (CDU), die auch
Vorsitzende der Ministerkonferenz ist, strebt ebenfalls eine geschlossene Linie
Deutschlands an. "Das wird der schwierigste Teil. Aber es wäre ein Durchbruch",
sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Wie Aigner will Schleswig-Holstein möglichst
hohe direkte Subventionen für die Bauern in Deutschland erhalten. "Ohne sie wären
die kleinen Betriebe sofort weg vom Fenster." Die EU-Subventionen bestehen unter
anderem aus direkten Beihilfen für die Agrarflächen und - von den Bundesländern
mitfinanzierte - Zahlungen für die Entwicklung ländlicher Regionen. Rumpf plädiert
dafür, Zusatzprämien einzuführen, wenn Landwirte strengere Umweltauflagen der EU
erfüllen müssen. Derzeit erhalten deutsche Bauern im Durchschnitt etwa 344 Euro
Hektarprämie, wobei es regionale Unterschiede gibt: Im Norden bekommen Landwirte
350 Euro, im Saarland und in Rheinland-Pfalz rund 300. mehr...

Bauernverband
10-Punkte-Positionspapier fasst die DBV-Vorstellungen zusammen<
Kurz und knapp, aber dennoch umfangreich, stellte der Deutsche Bauernverband seine
Vorstellungen anlässlich der Agrarministerkonferenz schon im Vorfeld zusammen.
Darin fordert er die Schaffung gleicher Wettbewerbsbedingungen in allen EULändern. Der DBV ist der Ansicht, dass Deutschland im Jahr 2003 die gravierendsten
Reformschritte umgesetzt habe, deshalb müsse wieder Gleichklang hergestellt werden.
Benötigt würde zudem das Zwei-Säulen-Modell mit einer weiterhin starken ersten
Säule. Ferner äußert sich der DBV u.a. zu den Themen Cross Compliance und
Umweltauflagen. mehr...

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
Mutigen Kurswechsel in der Agrarpolitik gefordert
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft - ein Zusammenschluss kleinerer
Höfe wünscht einen kompletten Kurswechsel in der Agrarpolitik. Der AbL-Sprecher
Janßen kritisiert: "Die Ausrichtung der Agrarpolitik auf Wachsen oder Weichen und
auf Förderung von industriellen Agrarstrukturen geht auf Kosten vieler bäuerlicher
Betriebe. Sie hat wenige Gewinner, die Millionen an Subventionen abkassieren, und
viele Verlierer, die um ihre Existenz kämpfen müssen." Ferner verlangt die AbL eine
Anbindung der Prämien an die Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte und die Stärkung
des Öko-Landbaus. Die AbL lehnt grüne Gentechnik genauso ab, wie Patente auf
Tiere und Pflanzen. mehr...

Bundesverband deutscher Milchviehhalter BDM
Manifest fordert eine flexible Mengensteuerung
Der BDM hat ebenfalls seine Forderungen zusammengefasst und ein Manifest dazu
veröffentlicht. Darin warnt er vor der Zerstörung von Milchviehbetrieben und fordert
eine flexible Mengensteuerung mehr...

BUND
Stärkere Förderung des Öko-Landbaus
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert mehr Förderung
des Öko-Landbaus. mehr...

Naturschutzbund (NABU)
Fördergelder an Umweltschutzmaßnahmen koppeln
Der Naturschutzbund (NABU) verlangte, dass Landwirte nur noch Fördergelder
bekommen, wenn sie etwas für Natur und Umwelt tun. mehr...
29.04.2010
Agrarministerkonferenz Plön
AbL fordert Kurswechsel in der Agrarpolitik
Plön - "Ihre Agrarpolitik geht auf unsere Kosten! Mut zum Umsteuern: Bäuerliche
Landwirtschaft! Faire Preise und Märkte! Ohne Gentechnik!" fordert die
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) von den Agrarministern.
Die Agrarminister von Bund und Ländern haben sich derzeit (28.-30. April) zu ihrer
Frühjahrskonferenz in Plön (Schleswig- Holstein) versammelt.
Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der AbL nützt die Gelegenheit, um die Ansichten und
Forderungen des AbL zu erläutern: "Die Ausrichtung der Agrarpolitik auf Wachsen oder
Weichen und auf Förderung von industriellen Agrarstrukturen geht auf Kosten vieler
bäuerlicher Betriebe. Sie hat wenige Gewinner, die Millionen an Subventionen abkassieren,
und viele Verlierer, die um ihre Existenz kämpfen müssen. Deshalb geht an einem deutlichen
Umsteuern kein Weg vorbei."
Gründe dafür gebe es laut Janßen genug: Über eine Milliarde Menschen hungern. Eine
solidarische Agrarpolitik mit den Ländern des Südens, Umwelt- und Klimaschutz,
tiergerechte Haltung, lebenswerte Arbeitsplätze und qualitätsorientierte
Lebensmittelerzeugung seien starke Argumente der Bauern und der Gesellschaft für eine
bäuerliche Landwirtschaft.
Prämien sollten an Arbeitskräfte gekoppelt werden
Janßen meint ein Umsteuern sei auf mehren Ebenen notwendig: Bei der anstehenden EUAgrarreform könne ein 'weiter so' nicht akzeptiert werden. Die einseitige Bevorteilung
durchrationalisierter flächenstarker, agrarindustrieller Betriebe müsse aufhören. Diese
Wettbewerbsverzerrung zu Lasten bäuerlicher Betriebe gelte es durch die Staffelung der
Prämien und ihre Anbindung an Arbeitskräfte zu beenden.
Milchmenge auf Ebene der Erzeuger bündeln
Die AbL erwartet bei der Auseinandersetzung um die viel zu niedrigen Milchpreise von den
Ministern, dass sie für faire Rahmenbedingungen sorgen, d.h. dass sie eine Bündelung der
Erzeugermengen auf Ebene der Milcherzeuger unterstützen. Diese hat das Bundeskartellamt
ausdrücklich befürwortet, damit die Bauern auf Augenhöhe in die Milchpreisverhandlungen
eingreifen können und eine bedarfsorientierte Erzeugung sowie eine flexible
Mengensteuerung möglich werden.
Auch Gentechnik und Patente werden kritisiert
Umsteuern sei auch in der Gentechnik und bei der Patentierung erforderlich. Die AbL fordert
die Agrarministerkonferenz auf, den Anbau von gentechnisch veränderten Kartoffeln zu
verbieten und verweist dabei auf die österreichische Bundesregierung am 1. April. Weder der
Lebensmittelhandel noch die Verbraucher, Bauern und die Stärkefabriken wollten
gentechnisch veränderte Risikoknollen. Zudem müssten die Agrarminister nicht nur mit
Worten, sondern mit Taten die zunehmende Patentierung von Pflanzen und Tieren, u.a. das
Patent auf konventionell gezüchteten Brokkoli und das Patent auf Milchkühe, durch
Verschärfung der gesetzlichen Regelungen stoppen.“ (pd)
RTN
Landwirte demonstrieren bei Agrarministerkonferenz in Plön
29. Apr. 2010 16:42
Plön (pwü/us)Zum Auftakt des Treffens der Agrarminister in Plön (Schleswig-Holstein)
demonstrierten Landwirte, Milchbauern, aber auch viele Vertreter von Tier-, Natur- und
Umweltschutzverbänden für ihre Interessen. Sie hatten ein buntes Spalier aufgebaut, um auf
ihre Probleme aufmerksam zu machen. Heute und Morgen treffen sich die LänderRessortchefs mit Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) in Plön. Dabei geht es um die
Agrarpolitik in der EU nach 2013. Wie Ilse Aigner will auch ihre schleswig-holsteinische
Amtskollegin Juliane Rumpf möglichst hohe direkte Subventionen für die Bauern erhalten.
Außerdem plädiert sie für Zusatzprämien, wenn Landwirte erhöhte Umweltauflagen der EU
erfüllen müssen.
Bisher ist offen, ob der Betrag nach 2014 gehalten werden kann. "Es ist wichtig, dass wir
geschlossen auftreten und unsere deutschen Interessen in der EU klar zum Ausdruck bringen",
erklärte Aigner. "Bei der Agrarministerkonferenz in Plön stecken wir die ersten Schritte für
einen noch weiten und schwierigen Weg ab." In Brüssel müsse Deutschland mit einer Stimme
sprechen.
rtn media ID: 16947
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Bauernprotest in Plön
Geplante Reform
Bauernproteste begleiten Agrarministertagung
29. April 2010 | 17:34 Uhr | Von dpa/pwü
Agrarminister von Bund und Ländern haben sich am Donnerstag in Plön zu ihrer
Frühjahrstagung getroffen.
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Landwirte, Milchbauern sowie Vertreter von Tier-, Natur- und Umweltschutzverbänden für
ihre Interessen.
Bis Freitag soll eine gemeinsame Linie für die Verhandlungen der nächsten großen EUAgrarreform suchen. Zum Auftakt des Treffens demonstrierten Landwirte, Milchbauern, aber
auch viele Vertreter von Tier-, Natur- und Umweltschutzverbänden für ihre Interessen. Sie
hatten ein buntes Spalier gebildet, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen.
Der Bauernverband Schleswig-Holstein überreichte den Ministern ein Forderungspapier. In
einem 10-Punkte-Katalog plädiert die Interessensvertretung unter anderem dafür, die EUAgrarpolitik von 2014 an wieder einheitlicher zu gestalten.
"Man ist da im Dialog"
Bei der zweitägigen Veranstaltung stehen unter anderem die europäische Milchmarktpolitik
und ein Beitrag der Landwirtschaft zum Klimaschutz auf der Tagesordnung. Am Donnerstag
gab es zunächst getrennte Vorbesprechungen der SPD- und CDU-geführten Länder. Zudem
wurde mit den Demonstranten gesprochen. "Man ist da im Dialog", sagte der Sprecher des
schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministerium Christian Seyfert.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) rechnet mit schwierigen Gesprächen in
der EU über die Zukunft der milliardenschweren Subventionen für Bauern. Zum Auftakt der
Konferenz forderte sie ihre Länderkollegen zu Geschlossenheit auf. Die deutschen Bauern
bekommen mehr als sechs Milliarden Euro von der EU. Bisher ist offen, ob der Betrag nach
2014 gehalten werden kann.
"Das wird der schwierigste Teil. Aber es wäre ein Durchbruch"
"Es ist wichtig, dass wir geschlossen auftreten und unsere deutschen Interessen in der EU klar
zum Ausdruck bringen", erklärte Aigner. "Bei der Agrarministerkonferenz in Plön stecken wir
die ersten Schritte für einen noch weiten und schwierigen Weg ab." Die Bundesregierung
fordert auch für die neue Finanzperiode "starke" Subventionen. Im Gegensatz zu Deutschland
und Frankreich wollen Länder wie Großbritannien, Schweden oder die Niederlande die
Fördergelder aus Brüssel eindampfen.
Die schleswig-holsteinische Agrarministerin Juliane Rumpf (CDU), die Vorsitzende der
Ministerkonferenz, strebt ebenfalls eine geschlossene Linie Deutschlands an. "Das wird der
schwierigste Teil. Aber es wäre ein Durchbruch", sagte sie. Wie Aigner will SchleswigHolstein möglichst hohe direkte Subventionen für die Bauern in Deutschland erhalten. "Ohne
sie wären die kleinen Betriebe sofort weg vom Fenster."
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft - ein Zusammenschluss kleinerer Höfe - forderten mehr Förderung
des Öko-Landbaus. Der Naturschutzbund (NABU) verlangte, dass Landwirte nur noch
Fördergelder bekommen, wenn sie etwas für Natur und Umwelt tun.
DPA
Geflügelhofgegner können Argumente vorbringen
Mittwoch, 28. April 2010, 17:45 Uhr
Wietze (dpa/lni) - Anlieger und Verbände können am kommenden Mittwoch ihre Bedenken
gegen den geplanten Geflügelschlachthof in Wietze (Kreis Celle) vorbringen. Dazu werde ein
Erörterungstermin in der Turnhalle in Wietze organisiert, teilte das Gewerbeaufsichtsamt in
Lüneburg am Mittwoch mit. Trotz Bürgerprotesten hat der Gemeinderat der Ansiedlung vor
kurzem zugestimmt. Die Geflügelhofgegner befürchten zum «Hühnerstall Deutschlands» zu
verkommen und protestieren gegen Massentierhaltung. Durch die Großschlachterei der
Emsland Frischgeflügel mit bis zu 400 Mastställen sollen 250 Arbeitsplätze entstehen.
NDR Fernsehen
Mittwoch, 28. April 2010 21:00 Uhr
Menschen und Schlagzeilen: Dicke Luft am "Hühner-Highway" Bürger gegen Geflügelfarmen
In Niedersachsen wehren sich Bürger gegen die expandierende Geflügelzuchtbranche.
Susanne Stichler spricht mit der neuen Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen, Astrid
Grotelüschen, über die Probleme.
Weitere Themen im Überblick:
- Kirche in der Krise: Immer mehr Austritte
- Abgrund Glücksspiel: Wie der Staat daran verdient
Studiogäste: Marc Füllbier, ein ehemaliger Spielsüchtiger; Ilona Füchtenschnieder,
Fachverband Glücksspielsucht
- Skurriler Klo-Streit: WC stört Stadtbild in Hannover
Dicke Luft am "Hühner-Highway": Bürger gegen Geflügelfarmen
In Niedersachsen wehren sich Bürger gegen die expandierende Geflügelzuchtbranche.
Nachdem das Emsland und die Region Cloppenburg/Vechta schon mit Mastställen überzogen
sind, droht im Osten des Landes Ähnliches. Entlang der A7 im Landkreis Celle haben Bürger
Angst vor dem so genannten "Hähnchen-Highway" - mehr als 400 neue Hähnchenmastställe
sollen dort rund um den geplanten Mega-Schlachthof in Wietze entstehen. Für die Menschen
in der Region eine entsetzliche Vorstellung - vielerorts haben sich Bürgerinitiativen
gegründet, die Befürchtungen reichen von Feinstaubbelastung über Gestank bis hin zu von
Gülle verunreinigtem Trinkwasser. Die Landesregierung unterstützt die Geflügelbarone mit
Subventionen und neuerdings auch mit einem juristischen Winkelzug, der sogar Wälder
"wegdefiniert" - nur um neue Ställe zu ermöglichen. "Menschen und Schlagzeilen" spricht mit
der neuen Landwirtschaftsministerin von Niedersachsen, Astrid Grotelüschen, über die
Probleme.
Volksstimme
6.4.2010
Ställe für über 30.000 Schweine bei Güsten geplant
Südöstlich von Güsten, an der Chaussee zwischen Osmarsleben und Plötzkau, planen
Investoren eine große Schweineanlage. Ställe für über 30.000 Schweine und 450.000
Legehennen sollen nach Plänen zweier Landwirtschaftsbetriebe aus Schackenthal und
Ilberstedt in den Gemarkungen von Güsten und Amesdorf gebaut werden. Dazu eine
Junghennenanlage für 150 000 Tiere in unmittelbarer Nachbarschaft auf Schackenthaler Seite.
Außerdem soll eine Biogasanlage entstehen, die Hühnerkot und Schweinegülle zu Energie
macht.
Die Schweineanlage ist für genau 21.312 Mastschweinplätze, 8.400 Ferkelplätze und 2.160
Sauenplätze an der Chaussee zwischen Osmarsleben und Plötzkau geplant. Für die Region
werden 40 bis 50 Arbeitsplätze erwartet.
Quelle: "Volksstimme"
Schwäbische Post
„Nein“ zur Anlage
Maststall für 39 900 Hähnchen überzeugt den Ausschuss nicht
Der Technische Ausschuss Abtsgmünd hat nochmals über den Antrag eines Landwirts aus
Steinreute beraten, der einen Maststall für 39 900 Hähnchen bauen möchte. Im Beisein von
Dr. Hans Börner, Leiter des Fachbereichs Landwirtschaft des Landratsamtes und zahlreichen
Bürgern, versagten jedoch erneut sieben Räte das bau- und immissionsrechtliche
Einvernehmen. Ein Ratsmitglied enthielt sich, zwei stimmten dafür.
Sabine Raab
Abtsgmünd. Als „prominentes Bauvorhaben“ bezeichnete Bürgermeister Georg Ruf den
geplanten Hähnchenmaststall angesichts des großen öffentlichen Interesses und meinte: „Wir
haben uns um ein zügiges Verfahren bemüht und es geschafft, dieses transparent zu machen
und die Bevölkerung mit einzubeziehen.“ Ruf wies nochmals darauf hin, dass es sich um ein
vereinfachtes Verfahren handle, für das keine Bürgerbeteiligung vorgesehen sei.
Seitens der Verwaltung sah er vier Entscheidungskriterien, die gegen den Maststall sprächen.
Da sei zum einen die nicht gesicherte Erschließung. Zwar nehme der Verkehr durch den
geplanten Maststall nachweislich nicht zu, doch seien sowohl der Unter- wie auch der
Oberbau der Fahrbahn laut Gutachten unzureichend. Man müsse allerdings „selbstkritisch und
wertneutral“ berücksichtigen, dass der Fahrweg durch die Kategorisierung als
„Gemeindeverbindungsstraße“ aus rechtlicher Sicht den Verkehr aufnehmen könne. Eine
Ablehnung des Bauvorhabens aufgrund mangelnder Erschließung sei also sicher nicht das
stärkste Argument.
Auch die Privilegierung des Vorhabens sei laut Baugesetz gegeben. Dies hätten auch die von
dem Landwirt und einigen Bürgern hinzugezogenen Anwälte so bestätigt. Allerdings, so
wandte Ruf ein, werde der Landschaftsraum auf dieser Hochfläche schon jetzt durch die
geplante Erweiterung des Gewerbegebiets Dettenried stark beeinträchtigt und würde durch
den geplanten Hähnchenmaststall noch weiter belastet. Auch bei der Frage des
Immissionsschutzes habe die Verwaltung Bedenken, dass man die Gesamtbelastung durch
den geplanten Stall und die zwei Biogasanlagen nicht im Griff haben werde. Zumal der
Landwirt noch keinen Nachweis darüber erbracht habe, wie der Hähnchenmist entsorgt
werden soll.
Für und Wider ausführlich diskutiert
Ausführlich wurde im Gremium das Für und Wider des Bauvorhabens diskutiert. Nach
Meinung von Horst Schmid hat der Landwirt einen Rechtsanspruch darauf, dass der Stall
genehmigt wird. Auch Ludwig Sauter brach eine Lanze für den Bauern.
Dieser müsse seinen Betrieb wirtschaftlich positionieren können, sonst sei dessen Existenz
gefährdet. Ute Schlipf dagegen wies auf eine weitere Verschärfung der „seit Jahren
bestehenden und bislang ungelösten“ Entwässerungsprobleme in diesem Gebiet hin und
bemängelte eine Vielzahl technischer Details des Bauvorhabens, die nicht hinreichend geklärt
seien.
Sie verlas eine ausführliche Stellungnahme und stellte dann im Namen der SPD-Fraktion den
Antrag, dass weitere Unterlagen und Gutachten vom Landratsamt eingefordert werden. Nach
kurzer Diskussion entschieden sich die Räte, über diesen Antrag abzustimmen. Es ergab sich
dabei jedoch eine Patt-Situation, deshalb gilt er als abgelehnt. „Wir werden ihn trotzdem
weiterleiten“, versprach Ruf.
Die Verwaltung werde dem Landratsamt empfehlen, bei einer Baugenehmigung eine
Lageverschiebung des Stalles mit aufzunehmen und auch die Entwässerung nochmals genau
zu überprüfen.
© Schwäbische Post 27.04.2010
Neue OZ online - 28.04.2010, 22:00 Uhr
Diesen Artikel finden Sie unter: http://www.neue-oz.de/information/noz_print/stadt_osnabrueck/28-nsuhaehnchenmast.html
Ressort / Ausgabe: Stadt Osnabrück
Veröffentlicht am: 27.04.2010
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Bad Iburg will Mastställe billigen
asr Bad Iburg.
„Die Gemeinde auf unsere Seite zu ziehen hat wohl nicht geklappt“, sagte Detlef
Ziegelscheck am Montagabend im Gasthaus Wiemann-Sander, und er zeigte sich – so
wie viele der 150 Anwesenden auch – enttäuscht. Der Anwohner der geplanten
Hähnchenmastställe hatte als Sprecher der Betroffenen zu einer Bürgerversammlung
eingeladen, in der Rechtsanwalt Henning Bahr deutlich machte, dass die Gemeinde die
meisten Instrumente in der Hand habe, die geplante Anlage zu verhindern.
84000 Masthähnchen sollen in der Anlage, die aus zwei Gebäuden von jeweils 200 Meter
Länge bestehen, untergebracht werden. Stehen soll sie in Ostenfelde, in unmittelbarer Nähe
des Modellflugplatzes. Ein Viertel der Tiere soll nach 33 Tagen geschlachtet und als
Grillhühnchen vermarktet werden. Die anderen werden nach 40 Tagen geschlachtet. Sieben
bis acht Ein- und Ausstall-Zyklen pro Jahr sind nach Aussage von Detlef Ziegelscheck
möglich.
Anwohner dagegen
Die Mehrheit der Anwohner ist offenbar gegen die Anlage. Sie befürchten Staub- und
Geruchsbelästigungen, erhöhten Lkw-Verkehr, Wertverluste ihrer Anwesen und einen
Imageschaden für den Kurort Bad Iburg. Sie fordern Schwarz oder Weiß. „Die Gemeinde
muss Farbe bekennen und sich entscheiden“, so Ziegelscheck weiter.
Rechtsanwalt Henning Bahr machte deutlich, dass die Gemeinde sehr wohl Werkzeuge habe,
den Bau der Ställe zu verhindern. Der Landkreis als Genehmigungsbehörde habe lediglich zu
prüfen, ob die immissionsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Ist das der Fall, darf der
Betreiber bauen. „Er hat einen Rechtsanspruch darauf, und der Landkreis hat keinen
Handlungsspielraum“, so Bahr.
Die Gemeinde habe den sehr wohl und könne einen Bebauungsplan aufstellen. „Sie kann ihre
kommunale Planungshoheit wahrnehmen und entscheiden, wo was gebaut werden darf und
wo nicht“, sagte Bahr. Die Gemeinde könnte noch bis zum Abschluss der Widerspruchs- oder
Klageverfahren in diesem Verfahren eine Veränderungssperre verhängen. „Damit wäre das
Genehmigungsverfahren tot“, so der Jurist. Die Stadt habe weiterhin die Möglichkeit, den
Flächennutzungsplan zu ändern. Auch dann wäre das Genehmigungsverfahren hinfällig.
Bürgermeister Drago Jurak machte deutlich, dass die Gemeinde gar nicht daran denkt,
dergleichen zu tun. Wenn alle Vorgaben eingehalten würden, werde die Stadt das
gemeindliche Einvernehmen erteilen. „Wir verhindern nichts, wenn wir nicht davon
überzeugt sind“, machte er deutlich, dass er in dem Bau zweier Hänchenmastställe derzeit
kein riesiges Problem sieht – weder für den Ort noch für die Nachbarn. Selbst wenn die
Gemeinde einen Bebauungsplan aufstellen würde und Vorranggebiete ausweisen müsste,
würden die Mastställe vermutlich genau dort, wo sie nun geplant sind, gebaut werden. „Das
ist einer der wenigen Standorte in Bad Iburg, wo so etwas überhaupt möglich ist“, sagte Jurak.
Das Vorhaben ganz zu verhindern, davon distanzierte sich Jurak deutlich. Immerhin gebe es
europäische Gesetze und auch Bundesgesetze, die solche Bauvorhaben im Außenbereich
privilegierten.
Für Sachlichkeit
Bürgermeister Franz-Josef Strauch war zur Versammlung gekommen, weil er in Sachen
Hähnchenmastställe ein erfahrener Politiker ist. In Glandorf sind inzwischen drei solcher
Anlagen gebaut worden. Strauch warb vor allem für Sachlichkeit und dafür, auch die
Grautöne wahrzunehmen. Man müsse eben auch die Landwirte verstehen, die mit neuen Ideen
ihr Überleben zu sichern versuchten. „Die Anwohner werden keinen großen Schaden
erleiden“, machte er deutlich, dass die Erfahrung gezeigt habe, dass sich auch mit
Mastanlagen dieser Art durchaus leben lasse.
Was den Bürgern nun noch bleibt, sind ihre eigenen Einwendungen. Bis zum 6. Mai sind die
Unterlagen des Genehmigungsverfahrens im Rathaus und beim Landkreis einzusehen. Bis
zum 21. Mai müssen Einwendungen beim Landkreis eingegangen sein. „Nur wer
Einwendungen gemacht hat, wird im Widerspruchsverfahren gehört“, forderte Bahr auf, diese
Möglichkeit wahrzunehmen. Am 10. Juni sollen die Einwendungen dann besprochen werden.
TAZ


28.04.2010
| 2 Kommentare
EU-Agrarsubventionen
Raus auf die Weide
Agrar- und Umweltverbände fordern den kompletten Umbau der Subventionspolitik. Doch
Schwarz-Gelb will die EU-Agrarpolitik im Wesentlichen unangetastet lassen. VON JOST
MAURIN
Die Großen sahnen ab, der Tierschutz bleibt auf der Strecke. Foto: Maurice – Lizenz: CC-BY
Das wäre wirklich eine radikale Reform der milliardenschweren EU-Subventionspolitik für
die Landwirtschaft: Die Bauern erhalten kein Geld mehr, nur weil sie Land bewirtschaften.
Stattdessen würde die Europäische Union nur noch Landwirte subventionieren, die ihren
Boden besonders umweltfreundlich nutzen. Wer viele Arbeitsplätze schafft, bekommt einen
Bonus.
Das forderten am Dienstag in Berlin fast alle großen Umwelt-, Tierschutz- und
Entwicklungsverbände Deutschlands – insgesamt 27 Organisationen. Damit wollen sie auf die
EU-Kommission einwirken, die derzeit eigene Vorschläge zur Reform der Agrarpolitik für
die Zeit nach 2013 erarbeitet.
Die EU zahlt Bauern und Firmen der Lebensmittelbranche jedes Jahr fast 60 Milliarden Euro.
Der Löwenanteil wird nach dem Prinzip "Wer viel hat, bekommt viel" verteilt: Für jeden
Hektar Land erhält ein Bauer in Deutschland etwa 340 Euro pro Jahr. Das Ergebnis: "80
Prozent aller Geldzahlungen gehen an 30 Prozent der Betriebe", konstatiert Thomas Dosch,
der Chef von Deutschlands größtem Ökobauernverband, Bioland.
Hoch rationalisierte Betriebe mit wenigen Beschäftigten kassieren laut Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft ebenso viel Subventionen wie Höfe mit gleich großer Fläche aber
mehr Arbeitsplätzen. "Auch die Milchkonzerne und die Zuckerkonzerne sahnen ab. Die
bekommen das Geld für die Bauern", schimpft der Chef des Bunds für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger.
Für Weiger ist die Landwirtschaftsreform "eine Schicksalsfrage". "Die Agrarpolitik wirkt in
alle Lebensbereiche hinein", meint er. Schließlich trage die Landwirtschaft zur Erosion der
Böden, mit ihren Düngern zur Verschmutzung des Trinkwassers und zur Zerstörung von
Landschaften bei, in denen sich die Menschen erholen könnten.
Die Bilanz der bisherigen EU-Agrarpolitik fällt seiner Meinung nach katastrophal aus: Der
Anteil der klimafreundlichen Wiesen und Weiden sei in den vergangenen fünf Jahren um 3
bis 4 Prozent zurückgegangen – vor allem zugunsten von Maisfeldern, die die vielen neuen
Biogasanlagen versorgen. Alle Feldvogelarten stehen laut Weiger mittlerweile auf der Liste
der vom Aussterben bedrohten Arten. Auch infolge der Landwirtschaft habe die EU ihr Ziel,
bis 2010 den Verlust weiterer Arten zu stoppen, weit verfehlt.
"Jegliche Zahlungen der EU sind an konkrete gesellschaftliche Leistungen zu binden",
verlangen die Verbände deshalb in einem gemeinsamen Papier zur Zukunft der Agrarpolitik.
Der Staat solle viel mehr als bisher Umweltmaßnahmen der Bauern finanzieren: zum Beispiel
das Einsparen klimaschädlicher Gase oder die Rinderhaltung auf der Weide – statt wie
heutzutage meist üblich im Stall. Großen Betrieben sollen die Zuschüsse gekürzt werden,
diese könnten aber pro Arbeitsplatz Rabatt bekommen.
Mehr Fördermittel sollten nach Vorstellung der Verbände auch in den Ökolandbau fließen,
der ohne chemisch-synthetische Pestizide und leicht lösliche Mineraldünger wirtschaftet.
Verzichten sollte die EU dagegen künftig auf Zuschüsse zu Investitionen etwa in
vollautomatisierte Riesenställe. Nicht nur aus Mitleid mit den Tieren, sondern auch weil sie
den Organisationen zufolge zur Überproduktion beitragen.
Das zu viel geschlachtete Fleisch entsorge die EU immer wieder als Billigexporte in
Entwicklungsländer, sagte Armin Paasch vom Entwicklungsverband Misereor. Stattdessen
müsse Brüssel die Zuschüsse für die Ausfuhr von Agrarprodukten sofort streichen. Auch
dafür solle sich Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner (CSU) bei den anstehenden
Verhandlungen auf EU-Ebene einsetzen.
Doch die Chancen dafür stehen schlecht. Ein Sprecher Aigners wies die Forderungen der
Aktivisten umgehend zurück. "Die Landwirte erbringen ja schon gesellschaftliche
Leistungen", sagte er der taz. Bauern würden die Zuschüsse gekürzt, wenn sie sich nicht an
die Umweltvorschriften – zum Beispiel bei der Düngung – hielten. Kritiker halten dieses
Sanktionssystem aber für ineffizient, die Gesetze für zu lasch.
Dennoch will die Bundesregierung die EU-Agrarpolitik im Wesentlichen unverändert lassen.
Für sie steht die "Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit" der Bauern auf dem Weltmarkt im
Vordergrund. In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich die beteiligten
Ministerien dagegen aus, Geld von den Pauschalzahlungen in Umweltmaßnahmen
umzuschichten. Auch dass dabei große Betriebe stärker belastet werden sollen, lehnt die
Regierung in Berlin ab. Die Exportsubventionen will die schwarz-gelbe Koalition nur
aufgeben, wenn das ein neues Welthandelsabkommen vorsieht. Doch das kann dauern.
AKTUELLES
Prämien im Netz
Wer im vergangenen Jahr wie viel Zahlungen aus EU-Agrarfonds bekommen hat, ist seit
Montag im Internet auf der Seite der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
abrufbar.
Insgesamt wurden 7,57 Mrd. € an Deutsche Empfänger gezahlt, wie die Süddeutsche Zeitung
berichtet. In Deutschland lag Bayern mit 1,49 Mrd. € vorn, gefolgt von Niedersachsen mit
1,15 Mrd. €. und Nordrhein-Westfalen mit 623 Mio. €.
Die großen Lebensmittelverarbeiter bekamen die höchsten Beträge – an der Spitze der
Nordmilch-Konzern mit 51 Mio. € und die Südzucker AG mit 42 Mio. €, so die Süddeutsche
Zeitung weiter.
www.agrar-fischerei-Zahlungen.de/Suche
Landwirtschaftliches Wochenblatt Westfalen-Lippe
21.4.2010
KOMMENTAR
Biogas: Lösung oder Irrweg?
Karl-Heinz Tölle
Die Entwicklung am Biogassektor ist beeindruckend. Wer über Land fährt, dem fällt auf, wie
die Biogasanlagen aus dem Boden sprießen. Vor zehn Jahren war Biogas in NRW noch ein
Randthema – im Jahr 2009 wurden schon 329 Anlagen gezählt. Schaut man sich die
Verteilung im Land an, dann fällt auf, dass besonders viele Anlagen in den
Veredlungshochburgen des westlichen Münsterlandes stehen. Genau dort, wo die Fläche
ohnehin schon äußerst knapp ist. Da verwundert es nicht, dass Pachtpreise, die zuvor schon
überhöht waren, in astronomische Höhen schießen. Der hoch geförderte Biogasbereich
entzieht der marktorientierten Veredlung die Flächen. Hier trifft Planwirtschaft auf
Marktwirtschaft.
Positiv ist, dass Biogas zusätzliche Wertschöpfung in die Landwirtschaft bringt. Es wurde ein
neuer Betriebszweig geschaffen.
Die Verwendung von Gülle in den Biogasanlagen führt dazu, dass bis dahin ungenutzte
Biomasse in der Gülle verwertet wird. Leider werden die wesentlichen Nährstoffe der Gülle
nicht entzogen, so bleibt der Flächendruck. Allerdings wird die Gülle aufgewertet: Sie wird
dünnflüssiger, soll weniger riechen und enthält mehr schneller pflanzenverfügbaren
Ammoniumstickstoff – kann also gezielter zur Düngung eingesetzt werden.
Nicht zuletzt hat Biogas eine volkswirtschaftliche Bedeutung hinsichtlich der Erreichung der
CO2-Ziele und ist deshalb politisch gewollt. Ein Aspekt, der nicht vergessen werden darf, ist
die Reduzierung der Abhängigkeit von den Erdgas und Erdöl liefernden Ländern.
Auch für die Veredlungsbetriebe gibt es positive Aspekte durch Biogas. Zum einen kann
Abwärme der Anlagen günstig zum Heizen im Stall genutzt werden. Zum anderen ist die
Gülle für die Biogasanlage auf dem eigenen Betrieb verfügbar.
Der größte Nachteil von Biogas ist die zusätzliche Konkurrenz um die Fläche. Dabei war
anfangs daran gedacht, nicht verwertbare Biomasse für die Vergärung zu nutzen – heute
nutzen wir wertvolle Futtermittel. Nicht nur die Schweine- und Geflügelbetriebe haben mit
den hohen Pachtpreisen zu kämpfen, denn sie müssen den Ackerbau auf den teuren Flächen
mit der Tierhaltung stützen. Für Milchviehhalter ist es schlichtweg unmöglich mitzuhalten.
Gerade sie sind es aber, die auf Flächen in Reichweite ihrer Betriebe angewiesen sind, um
beispielsweise Mais anzubauen.
Biogas in dieser Größenordnung ist ein deutsches Phänomen. Unsere Nachbarn und
Konkurrenten am Fleisch- und Milchmarkt sind davon weniger betroffen. Biogas führt zu
einer schlechteren Wettbewerbssituation für unsere Tierhaltungsbetriebe.
Ein weiterer negativer Aspekt ist der stark erweiterte Maisanbau. Hier besteht die Gefahr,
dass dieser in Monokultur angebaut wird und es zu pflanzenbaulichen Problemen kommt.
Nicht nur Naturschützer sehen diese Entwicklung vor dem Hintergrund des Erosions- und
Artenschutzes kritisch. Nicht zu vergessen ist die starke Vermehrung der Wildschweine.
Die Fronten zwischen der Veredlungsbranche und dem Biogassektor sind verhärtet. EinenVorwurf kann und darf man den Betreibern von Biogasanlagen nicht machen, denn sie
handeln aus ökonomischen Gründen auf Basis bäuerlichen Wirtschaftens. Es ist deren eigene
Entscheidung als Unternehmer, diesen Weg zu gehen. Wenn wir unternehmerische Freiheit
für die Bauern fordern, dürfen wir sie auch an dieser Stelle nicht verwehren – eine
Neiddiskussion bringt niemanden weiter.
Der Staat ist aufgerufen, schnell faire Rahmenbedingungen zu schaffen und die Förderung so
anzupassen, dass die Tierhaltung noch eine Chance hat. Die sehr starke Förderung in
Deutschland führt zu Marktverwerfungen gegenüber unseren Nachbarländern. Als die
Rohstoffpreise sprunghaft gestiegen sind, hat die Politik schnell reagiert und die
Einspeisevergütung angehoben. Darum kann und darf es nicht sein, dass man sich nun Zeit
lässt, um auf die Verschiebung zugunsten von Biogas zu reagieren. Der Anspruch an die
Politik liegt darin, die Förderung so zu gestalten, dass sie nicht einfach zu den Verpächtern
durchgereicht oder für teurere Technik ausgegeben wird.
Und noch ein Aspekt ist bedeutsam: Mehr und mehr Energieversorger mischen sich in das
Biogasgeschäft ein – ein bedenklicher Trend. Denn die Energiekonzerne haben ohnehin schon
eine riesige Marktmacht, da darf nicht auch noch der Biogassektor in ihre Hände fallen. Die
Politik ist gefordert, die Bauern zu schützen. Die Eckpfeiler der Förderung von Biogas
müssen auf landwirtschaftliche Betriebe zugeschnitten werden, damit die Wertschöpfung
beim Bauern bleibt.
Die Effektivität der Anlagen muss stimmen. Der technische Fortschritt wird die Energiebilanz
verbessern. Wichtig ist, dass die Abwärme genutzt wird. Neuanlagen dürften eigentlich nur
genehmigt werden, wenn die sinnvolle Nutzung der Wärme nachweisbar ist. Alternativ
könnte das Gas ins Netz eingespeist werden. Die Energiebilanz muss langfristig positiv sein,
ansonsten wird der Steuerzahler und Stromkunde den Sinn hinterfragen. Der zusätzliche
Flächenanspruch muss reduziert werden, das geht nur mit effizienten Anlagen. Die
Verwendung von „Fütterungsalternativen“ zum Mais wie Reststoffe, anders nicht nutzbare
Biomasse, Gülle usw. muss vorangetrieben werden
Biogas ist kein Irrweg, sondern kann eine Lösung sein, wenn die Effizienz stimmt, die Politik
reagiert und die Biogasanlagen in der Hand der Bauern bleiben.
Mansfeld-Südharz
Pfarrer nach Büttenrede angezeigt
Geistlicher soll Ortschef und Rat beleidigt haben.
VON FRANK SCHEDWILL, 23.04.10, 19:47h, aktualisiert 23.04.10, 20:38h
MITTELHAUSEN/MZ. Rainer Hofmann, der Pfarrer von Wolferstedt (Kreis MansfeldSüdharz), ist sich für keinen Spaß zu schade. Seit Jahren tritt er im Karneval als Büttenredner
auf. Dieses Jahr als Weihnachtsmann. Doch seine Rede am 20. Februar im Mittelhäuser
Ortsteil Einsdorf könnte für ihn jetzt Konsequenzen haben. Denn Mittelhausens
Ortsbürgermeister Bernd Matschulat (CDU) und der Ortschaftsrat fanden den Auftritt alles
andere als lustig: Sie haben den Geistlichen wegen übler Nachrede und Verleumdung
angezeigt.
Vermögen verprasst?
Bei der Faschingsfeier soll der Pfarrer, der auch SPD-Fraktionschef im Allstedter Stadtrat ist,
die Unwahrheit gesagt haben. In seiner fulminanten Rede behauptet Hoffmann, wie auf einem
Video zu sehen ist, der Ortsbürgermeister habe das Gemeindevermögen verprasst und
jemandem Gemeindeland zugeschanzt. Außerdem sollen die Investoren, die eine
Schweinemastanlage bauen wollen, dem Ortsbürgermeister zu einem Sitz im Stadtrat der
Einheitsgemeinde Allstedt verholfen haben. Matschulat ist dort seit der Kommunalwahl Chef
der CDU-Fraktion. Er weist die Anschuldigungen des Pfarrers zurück. "Die Vorwürfe sind
falsch. Es gibt eindeutige Ratsbeschlüsse." Hoffmann habe die Sachverhalte absichtlich so
dargestellt, um ihn und den Ortsrat in Misskredit zu bringen. Und da sich der Pfarrer nicht
entschuldigen wolle, seien die Anzeigen erstattet worden, so der Ortsbürgermeister. Die
Polizei will Hoffmann nun die Möglichkeit einräumen, sich dazu zu äußern. Dann werde das
Verfahren an die Staatsanwaltschaft abgegeben.
Schwebendes Verfahren
Hoffmann und die für sein Pfarramt zuständige Superintendentur in Bad Frankenhausen
wollen zu den Anzeigen nichts sagen. "Es ist ein schwebendes Verfahren", so Hoffmann.
Superintendent Roland Voigt äußert sich ähnlich. Er hält es aber nicht für ungewöhnlich, dass
ein Pfarrer als Büttenredner auftritt. In Süddeutschland sei das gang und gäbe. Matschulat
jedenfalls will auch auf dem Privatklageweg gegen den Pfarrer vorgehen: "So etwas gehört
sich nicht für einen Gottesmann. Es heißt in den zehn Geboten, du sollst nicht falsch Zeugnis
reden."
europaticker: BUND wünscht Astrid Grotelüschen viel Erfolg und
ein wachsames Auge für die Umwelt
Niedersachsen hat eine neue Landwirtschaftsministerin
Gestern wurde die neue niedersächsische Landwirtschaftsministerin, Astrid Grotelüschen
(CDU), im Landtag vereidigt. Der BUND Landesverband Niedersachsen e.V. nimmt dies
zum Anlass, der Ministerin alles Gute für diese verantwortungsvolle Position zu
wünschen. Der Umweltverband begrüßt, dass eine Politikerin dieses Ressort übernimmt,
die in der Landwirtschaft aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Berufserfahrung viele
Erfahrungen gemacht und viele Kenntnisse erworben hat.
Astrid Grotelüschen hat auf dem elterlichen Betrieb miterlebt, welche Anforderungen Brut
und Zucht von Geflügel stellt. Daher hofft der BUND Niedersachsen, dass die neue
Ministerin künftig auch dafür ein wachsames Auge haben wird, welche Probleme
Massentierhaltungsanlagen für die Menschen und die Umwelt in der Umgebung mit sich
bringen können.
Massentierhaltung
Der BUND wünscht sich von der neuen Ministerin, dass sie sich verstärkt – auch im Sinne
der Verbraucher – für eine umweltschonende und tiergerechte Landwirtschaft einsetzt.
Denn angesichts der schon jetzt bestehenden Belastung von Gewässern und Luft ist die
Ausdehnung der Massentierhaltung nicht tragbar. Die Gewässerqualität in Niedersachsen
ist zu 59 Prozent laut Wasserrahmenrichtlinie schlecht. Zudem sollen nach EU- und
Bundesvorgaben die Ammoniak-Emissionen bis 2010 deutlich gesenkt werden, doch der
Grenzwert (550 kt) wird auch in Niedersachsen nach wie vor deutlich überschritten (610
kt).
Außerdem sollte die Ministerin den Landwirten in Niedersachsen keine falschen
Hoffnungen machen, sie würden sich mit der Hühnchenmast mittel- und langfristig ein
zweites sicheres Standbein für ihr Einkommen schaffen. Denn neue Mastställe
produzieren vorwiegend für den Weltmarkt und unterliegen den ökonomischen Zwängen
zur ständigen Kostensenkung. Die Gewinnmargen in Deutschland seien schon heute so
klein, das sich die Produktion nur rechnet, weil Teile der Tiere mithilfe von
Exportsubventionen in fernen Ländern abgesetzt werden.
EU-Agrarpolitik
Niedersachsen hat als „Agrarland Nummer 1“ auf Bundes- und EU-Ebene ein gewichtiges
Wort bei der Neuorientierung der EU-Agrarpolitik mitzureden. Der BUND ermutigt daher
Frau Grotelüschen, die Agrarförderung ab 2013 besser einzusetzen als dies in der
Vergangenheit der Fall war. Alle neuen Förderprogramme für Niedersachsen müssen
verstärkt auch dem Klimaschutz, dem Gewässer- und Grundwasserschutz, dem Erhalt
der Biodiversität und dem Erhalt der vielfältigen Kulturlandschaft sowie der bäuerlichen
Landwirtschaft dienen¹.
Das Agrarinvestitionsförderprogramm des Landes (AFP) sollte vorwiegend darauf
ausgerichtet werden, Investitionen der Landwirte zu unterstützen, bestehende Betriebe
mit wirkungsvollen Filteranlagen nachzurüsten und neue Stallbauten auf dem höchsten
technischen Standard im Umwelt- und Tierschutz zu realisieren.
Der BUND Bundesverband hat aktuell zur EU-Agrarpolitik gemeinsam mit vielen anderen
Verbänden ein Positionspapier mit dem Titel „Für eine grundlegende Reform der EUAgrarpolitik“ erstellt. Es ist zu finden auf den Internetseiten des Bundesverbands
(www.bund.net) und unter folgendem Kurzlink: bit.ly/dkXZoj
Gentechnikfreie Regionen
Nicht nur die Verbraucher lehnen Gentechnik ab, sondern auch viele Bauern,
Lebensmittelverarbeiter und Händler. Der BUND erwartet von der neuen Ministerin, dass
sie diese Ablehnung ernst nimmt. Eine Koexistenz von gentechnisch veränderten
Produkten neben nicht veränderten Produkten funktioniert nicht auf Dauer. Daher setzt
sich der BUND für gentechnikfreie Regionen und ein gentechnikfreies Niedersachsen ein.
Biodiversität
Ministerin Grotelüschen nimmt ihr Amt im Internationalen Jahr der Biodiversität auf. Das
sollte Anlass genug für sie sein, gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit den Erhalt der
Artenvielfalt als ihren Arbeitsschwerpunkt zu setzen. Da insbesondere die intensive
Landwirtschaft für den Verlust vieler Arten verantwortlich ist, sollte die neue Ministerin in
die Offensive gehen und sich dafür einsetzen, 10 Prozent Vorrangflächen für den
Naturschutz umzusetzen.
Niedersächsische Wälder
Ministerin Grotelüschen übernimmt mit ihrem Amt auch die Verantwortung für die
Zukunft des Waldlandes Niedersachsen. Eine ebenso anspruchsvolle Aufgabe wie im
Bereich Landwirtschaft, denn auch hier gilt es, das Wirtschaften im Landeswald und auf
den privaten Flächen an die neuen Herausforderungen von NATURA 2000 und des
Klimawandels auszurichten.
Eine ihrer ersten Amtshandlungen sollte nach Auffassungen des BUND sein, den Erlass
ihres Hauses zu den „fiktiven Wäldern“ zurückzunehmen, der es einzig und allein
ermöglichen soll, mit einem Trick Stallbauten genehmigungsfähig zu machen, die nach
Bundesrecht nicht zulässig sind.
„Der BUND Niedersachsen möchte bei all diesen Themen konstruktiv mit der neuen
Landwirtschaftsministerin zusammenarbeiten“, sagt Stefan Ott, stellvertretender
Geschäftsführer des Landesverbands. „Wir werden ihr Vorgehen genau verfolgen und
kommentieren und stehen ihr jederzeit für fachliche Gespräche zur Verfügung. Am
heutigen Tag wünschen wir ihr zunächst einmal viel Erfolg für ihre Arbeit und damit
einhergehend auch alles Gute für unsere Umwelt.“
1) Der Begriff "bäuerlich" beschreibt dabei nicht die Betriebsgröße, sondern die Art und
Weise, wie auf den Höfen gewirtschaftet und gedacht wird: Ausrichtung am Erhalt des
Hofes und des qualifizierten, vielfältigen Arbeitsplatzes, Denken in Generationen,
Einbindung in Dorf und Region, Wirtschaften in verflochtenen und sich ergänzenden
möglichst hofnahen Kreisläufen, Verantwortung für Mensch, Natur und Tier.
Quelle/Autor: Europaticker
erschienen am: 2010-04-28
KREISZEITUNG
Bürgermeister Kellner verwies auf Zuständigkeit der Gewerbeaufsicht
Borsteler fühlen sich von gleich drei Betrieben übermäßig belästigt
021.04.10|
Achim - BORSTEL (la) · Klagen über gleich drei Betriebe gab es in der
Einwohnerfragestunde auf der Borsteler Ortsausschuss-Sitzung am Montagabend.
So wurde starke Geruchsbelästigung durch einen erweiterten landwirtschaftlichen SchweineMaststall am Alten Heerweg moniert. Er wolle sich als Berufskollege dazu nicht weiter
äußern, doch rieche es manchmal wirklich stark, räumte Ortsausschussvorsitzender Johann
Ditzfeld ein.
Ebenfalls als Quelle erheblicher Geruchsbelästigung wurde eine Bedachungsfirma im alten
Industriegebiet Achim Ost ausgemacht. Die Rolltore dort seien nicht immer geschlossen, und
wenn gelüftet werde, wirke sich das auf ganz Borstel unangenehm aus, beschwerte sich ein
Anwohner unter beifälligem Kopfnicken anderer.
Drittens wurde Unmut über den regen nächtlichen Fahrzeugverkehr zum und vom HähnchenGroßhandel am Borsteler Weg geäußert. An die vorgeschriebene Betriebszeit 7.30 bis 20 Uhr
halte sich dort offenbar niemand. Vielmehr herrsche fast rund um die Uhr unüberhörbar reges
Treiben. Dabei sei das Gelände ursprünglich nur zur Lagerung und zum Unterstellen von
Verkaufswagen gedacht gewesen.
nKahlschlag erhöht nAutobahnlärm
Darüber hinaus gibt es Probleme der Nachbarn mit einem laut bellenden Hund auf dem
Gelände. Das Tier sei nicht ungefährlich und habe schon eine Joggerin bedroht, wusste ein
Anwohner zu berichten.
In allen drei Fällen – nicht beim Hundegebell – verwies Bürgermeister Uwe Kellner auf die
Zuständigkeit des Gewerbeaufsichtsamtes beim Landkreis Verden. An diese Adresse sei die
Kritik in schriftlicher Form zu richten. Es werde dann geprüft, ob die Beschwerden berechtigt
sind, und die entsprechenden Firmen müssten im Falle des Falles für zusätzliche
Schutzvorkehrungen sorgen.
Kaum Einflussmöglichkeiten gibt es hingegen in einem anderen Fall. Martin Heine hatte
berichtet, dass der Lärm von den Autobahn her erheblich angestiegen sei, seitdem dort Büsche
und Bäume am Fahrbahnrand stark heruntergeschnitten wurden. Bis zu 60 Dezibel habe er in
seinem Schlafzimmer gemessen. Ob man denn nicht das Grün an der Autobahn wieder etwas
höher wachsen lassen könne?
Mischfutter-Hersteller
Erstmalig untersuchte die ISN die Strukturen der deutschen Schweinefutterproduktion im Jahr
2006. Seitdem nahm die Erzeugung von Schweinemischfutter bundesweit um 9,6% auf 8,92
Millionen Tonnen zu. Die Anzahl der produzierenden Betriebe sank nach Angaben des
BMELV zeitgleich um 8,6% auf 330 Unternehmen.
Es liegen zwei Jahre mit hohen Rohwarenpreisen hinter den Veredelungsbetrieben. Viele
Landwirte nutzten die Hochpreisphase und verkauften ihr Getreide anstatt es zu selbst zu
mischen. Dazu wurden in Nordwestdeutschland die Mastkapazitäten kräftig ausgebaut. Der
Strukturwandel bei den Schweinehaltungsbetrieben wirkt zusätzlich in Richtung
Mischfuttereinsatz: In größeren Betrieben bindet die eigene Futterherstellung häufig zu viel
Kapital und Arbeit, so dass sich ein kompletter Futterzukauf besser in die betriebliche
Organisation einfügt.
Wie konnten die Mischfutterunternehmen diese Trends für sich nutzen?
Die Top Ten der Futtermittelbranche steigerte in den letzten drei Jahren ihre Gesamttonnage
um 12,5% auf 11,5 Millionen Tonnen Mischfutter. So vereinen die zehn größten
Mischfutterhersteller einen Marktanteil von 55% auf sich. Betrachtet man die Top 25
erreichen sie bereits 70% Marktanteil. Verglichen mit anderen Branchen des Agribusiness
(Agrochemie, Schlachtbranche) ist der Konzentrationsgrad relativ niedrig, so dass in der
Mischfutterbranche noch ein intensiver Wettbewerb stattfindet. Dieser Wettbewerb in der
Branche ist einer der Standortfaktoren, die die Schweinehaltung im Nordwesten begünstigen.
Die Analyse der Futtermittelbranche, die auf Unternehmensangaben basiert, zeigt, dass die
Top Five im Jahr 2009 mehr als eine Million Tonnen Mischfutter (für alle Tierarten)
produzierten. Dazu gehören die Deutsche Tiernahrung Cremer in Düsseldorf (2,3 Mio. t), die
Agravis Raiffeisen AG in Münster (2,17 Mio. t), die Bröring Unternehmensgruppe in
Dinklage (1,3 Mio. t), die Mega Rechterfeld (1,1 Mio. t) sowie die For Farmers Gruppe aus
Lochem/NL (1,04 Mio. t).
Im Folgenden werden die Entwicklungen im Bereich Mischfutter für Schweine ausführlich
analysiert.
Die Produktion von Schweinefutter stieg seit 2006 deutschlandweit um 784.000 Tonnen auf
8,9 Millionen Tonnen. Allein die zehn größten Schweinefutterhersteller konnten ihre
Produktion um 440.000 Tonnen ausweiten.
Mit moderatem Wachstum im Bereich Schweinefutter konnten Agravis und Deutsche Cremer
Tiernahrung ihre vorderen Positionen aus dem Jahr 2006 behaupten. Die
Unternehmensgruppe Bröring kommt näher an den Erst- und Zweitplatzierten heran. Das
Unternehmen aus Dinklage konnte seine Menge an erzeugtem Schweinemischfutter in den
letzten drei Jahren um 25% auf 650.000 Tonnen steigern.
Die dänische Dansk Landbrugs Grovvarelskab (DLG) hat beim Viertplatzierten, der
Raiffeisen Hauptgenossenschaft Nord AG (HaGe) in Kiel, ihre Anteile von 70% auf 100%
erhöht. Mit 15.000 Tonnen mehr abgesetztem Schweinefutter konnte auch die HaGe Kiel
leicht wachsen. Die Hauptgenossenschaft ist weiter auf Expansionskurs und macht durch
Übernahmen auf sich aufmerksam (Roth Landhandel).
Die von der niederländischen Gruppe For Farmers übernommenen Bela-Mühlen, die auf Platz
5 rangieren, konnten ihre Schweinefutterproduktion um 4% steigern. Bela produziert in
Langförden bei Vechta, in Hamburg und Rees am Niederrhein. Das niederländische
Unternehmen ist außerdem vom Stammsitz Lochem aus am deutschen Markt aktiv.
Überdurchschnittlich stark gewachsen sind die GS Agri in Schneiderkrug und die Fleming &
Wendeln Gruppe in Garrel auf den Plätzen 6 und 7. Die Genossenschaft (inkl. LBG Garrel
und Landwehr) aus dem Oldenburger Münsterland konnte den Absatz von Schweinefutter um
fast 46% auf 350.000 Tonnen ausweiten. Ähnliches gilt für die Fleming & Wendeln Gruppe
(inkl. Leikra), die um 42% auf 315.000 Tonnen Schweinefutter zulegen konnten.
Auf den Plätzen 11-21 lassen sich einige Unternehmen als Schweinefutterspezialisten
ausmachen. Zu nennen sind hier die RWG Grafschaft Hoya (68% Anteil Schweinefutter), die
Strahmann GmbH & Co. KG (82%), die RWG Ankum (83%), Kohnen (inkl. Eirero) in Sögel
(85%) und Diekgerdes Landhandel (90%). Diese fünf Unternehmen konnten in den letzten
drei Jahren ihren Schweinefutterabsatz um 152.000 Tonnen steigern.
Es bleibt festzuhalten, dass jene Unternehmen, die in den nordwestdeutschen
Veredlungsregionen geschäftsansässig sind, ihren Absatz von Schweinefutter gut ausbauen
konnten. Die Investitionsfreudigkeit der nordwestdeutschen Schweinehalter in neue
Mastställe förderte die starke Entwicklung der dort niedergelassenen Mischfutterindustrie.
Vergleicht man die Zuwachsraten mit denen der nord- und ostdeutschen
Mischfutterproduzenten, so ist in diesen Regionen nur ein moderates Wachstum möglich
gewesen, bzw. die Entwicklung von Stagnation geprägt. Die süddeutschen Futterhersteller
mussten in den vergangenen Jahren sogar tendenziell mengenmäßige Verluste hinnehmen. So
verlor die RKW Süd ihren Platz in den Top Ten.
Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) rechnet für 2010 mit einer Konsolidierung auf
hohem Niveau bei der Herstellung von Schweinemischfutter. Die weitere Expansion der
Mastanlagen und die Exportorientierung der Branche sollen die Entwicklung stützen.
Quelle: "ISN-Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V."
24.04.2010
MÄRKISCHE ALLGEMEINE
KOMMENTAR: Christian Kranz
Landluft
Wer aus der Stadt aufs Land zieht – wegen der frischen Landluft und weil die Grundstücke
dort so schön billig sind – der muss sich auch mit den ländlichen Gepflogenheiten abfinden.
Städter können nicht erwarten, dass die, die schon immer auf dem Land gelebt haben, nun
ihre Tiere abschaffen oder samstags den Trecker nicht mehr anwerfen, bloß weil der Berliner
sein Mittagsschläfchen halten will. Tierhaltung und Ackerbau sind der Lebenserwerb der
Bauern. Städter stellen ja auch nicht den lärmenden Straßenverkehr ein, bloß weil er
Besuchern vom Land auf die Nerven geht.
Im Fall der geplanten Massentierhaltung könnte der Fall aber anders liegen: Sie schafft kaum
Arbeitsplätze im Dorf. Es ist legitim, dagegen zu sein – auch als Zugezogener.
AGRARHEUTE
27.04.2010
Erfindungsreicher Großkonzern
Monsanto will Patent auf Schinken und Schnitzel
Hamburg/Genf - Mit einem Patentanspruch auf Schinken und Schnitzel ist der
Biotechnik-Konzern Monsanto erneut in die Kritik geraten.
(Foto: agrarfoto.com)
Das US-Unternehmen will sich beim Weltpatentamt in Genf bestimmte Schweineprodukte als
Erfindung schützen lassen. Es geht um das Fleisch von Tieren, die mit gentechnisch
manipulierten Pflanzen gefüttert wurden.
Die Umweltorganisation Greenpeace und 300 weitere Verbände forderten am Dienstag in
einem internationalen Appell das Verbot von Patenten auf Pflanzen, Tiere und Lebensmittel.
Werden Landwirte und Verbraucher zur Kasse gebeten?
"Schinken und Schnitzel sind keine Erfindung", sagte Greenpeace-Berater Christoph Then.
Die Konzerne trieben ihre Patentansprüche über die gesamte Kette der LebensmittelErzeugung voran und missbrauchten damit das Patentrecht. Greenpeace sieht darin den
Versuch, Landwirte und Verbraucher zur Kasse zu bitten. In der Patentanmeldung
WO/2009/097403 schreibt Monsanto, dass die Verfütterung bestimmter genmanipulierter
Pflanzen zu einer höheren Konzentration ungesättigter Fettsäuren im Fleisch führe. Für
Menschen werde das Schweinefleisch dadurch gesünder.
Monsanto erregt immer wieder den Ärger von Umwelt- und Verbraucherschützern. In
Deutschland war der Anbau der Genmais-Sorte MON 810 im vergangenen Jahr von
Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) gestoppt worden. (dpa)
27.04.2010
Hähnchenerzeugung
Moderater Anstieg der weltweiten Produktion
Bonn - Das amerikanische Landwirtschaftsministerium rechnet für 2010 mit einer
Steigerung der Hähnchenproduktion um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Brasilien bleibt weiterhin wichtigste Exportnation.
(Foto: Mühlhausen/Landpixel.de)
Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) veröffentlchte im April aktuelle
Daten zum internationalen Hähnchenmarkt. Die Hähnchenproduktion in der Welt belief sich
nach USDA-Angaben 2009 auf 71,760 Millionen Tonnen, das waren nur 0,4 Prozent mehr als
2008. Damit hatte sich das Wachstum abgeflacht.
In den beiden vorherigen Jahren lagen die Zuwachsraten nach Berechnung
der MEG (Marktinfo Eier und Geflügel) noch zwischen fünf und sechs Prozent. Das geringere
Wachstum führen internationale Marktexperten auch auf die Wirtschaftskrise zurück. Für
2010 rechnet das USDA mit einer Produktionssteigerung von drei Prozent auf 73,923
Millionen Tonnen.
Deutlicher Produktionszuwachs in Brasilien
Etwa 55 Prozent der Welterzeugung an Hähnchen wird in den drei größten
Produktionsländern USA, China und Brasilien erzeugt. In den USA verfehlte man 2009 mit
15,935 Milliionen Tonnen das Vorjahresvolumen um 3,8 Prozent. 2010 wird die Erzeugung
voraussichtlich wieder wachsen (plus 1,8 Prouent) allerdings ohne das Ausgangsniveau zu
erreichen. Die brasilianische Erzeugung verfehlte 2009 mit einem Minus von 0,1 Prozent
knapp das Level von 2008. Der Zuwachs in 2010 dürfte dort mit 3,6 Prozent wieder deutlicher
ausfallen.
Expansionstendenzen in China ungebrochen
Hier gibt es offensichtlich immer noch Nachholbedarf bei der Versorgung der einheimischen
Bevölkerung. China bleibt Nettoimporteur am Hähnchenmarkt. 2009 standen Einfuhren von
401.000 Tonnen Ausfuhren von 291.000 Tonnen gegenüber. Ebenfalls auf Importe
angewiesen bleibt der russische Markt. Dennoch legte dort die Erzeugung in den vergangenen
Jahren kräftig zu. Wurden 2006 erst 1,180 Millionen Tonnen Hähnchenfleisch erzeugt, so
waren es 2009 bereits 1,772 Millionen Tonnen. Für 2010 wird eine Steigerung auf 1,975
Millionen Tonnen prognostiziert. 2009 importierte Russland dennoch zusätzlich
913.000 Tonnen Hähnchenfleisch.
Exportrückgang in USA erwartet
Wichtigste Exportnation war 2009 Brasilien mit 3,222 Millionen Tonnen, damit bewegte man
sich auf dem Niveau von 2008. 2010 wird der Export wohl moderat auf 3,350 Millionen
Tonnen wachsen. Zweitwichtigster Exporteur von Hähnchenfleisch ist die USA mit 3,100
Millionen Tonnen in 2009. Hier erwartet die USDA für 2010 allerdings einen deutlichen
Rückgang auf 2,642 Millionen Tonnen. (pd)
23.04.2010
Wochenmarktbericht Eier & Geflügel
Notierungen der MEG sorgen für Unmut
Eppingen - Man könnte meinen, die Eierpreise halten es mit den europäischen
Fluggesellschaften: Zuerst lag der Markt am Boden, gegen Mitte der Woche gingen die
Preise dann auf "Sichtflug".
(Foto: agrar-portal.com)
Eier:
Eierpreise weiter im Tiefflug
Obwohl die Osterferien bundesweit beendet sind, waren die Umsätze im LEH und auf den
Wochenmärkten deutschlandweit bescheiden. Einzig die Gewichtsklasse XL blieb vom
Kahlschlag verschont, egal welche Haltungsform. Alle anderen Preise kamen mächtig unter
Druck.
Wie bereits letzte Woche erwähnt, ist die aktuelle Marktentwicklung nichts ungewöhnliches.
Nach Ostern sind schon immer "zu viele" Eier am Markt, bis sich die Kanäle finden, an
welche die Eier dann ausgeliefert werden können, dauert es seine Zeit. Wahrscheinlich sind
alle Marktbeteiligten vom Geschehen des letzten halben Jahres zu sehr verwöhnt, aber
eigentlich war es logisch, dass die exorbitant hohen Preise der Vergangenheit ein jähes Ende
haben werden. Die Normalität ist wohl zurück gekehrt im Eierhandel beziehungsweise der
Eiererzeugung.
Notierungen entsprechen nicht dem reellen Marktgeschehen
Für erheblichen Unmut seitens der deutschen Erzeuger sorgt seit einigen Monaten die
Notierung der früheren ZMP, heute MEG Bodenhaltungspreisfeststellung. Zum Jahresende
2009/2010 und den Wochen danach waren auf dem freien Markt keine Bodenhaltungseier
unter 17 Cent zu bekommen (meist sogar noch teuerer!). Trotzdem notierte die MEG als
höchsten Preis der Gewichtsklasse L 14,55 Cent/Ei in der KW 09/2010.
Das Fass zum überlaufen brachte die MEG Notierung in der vergangenen Woche, als die LBodenhaltungseier gleich notierten wie die Käfigeier der Weser-Ems Notierung. Auf
Nachfrage meinerseits, wie denn die Notierung zustande kommt, erhielt ich leider nur
unbefriedigende Antworten. Nach meiner Anfrage notierte die MEG-Notierung diese Woche
komischerweise nur leicht schwächer im Vergleich zur Vorwoche – und das entspricht nicht
dem reellen Marktgeschehen.
Geflügel:
Steigende Umsätze mit Geflügelfleisch
Geflügelfleisch wird saisonal flott nachgefragt. Im Vordergrund des Interesses stehen frische
Geflügelteile. Im Rahmen der beginnenden Grill- und Spargelsaison wird insbesondere
Brustfleisch von Hähnchen und Puten lebhaft gefragt. Mit Blick auf das für das bevorstehende
Wochenende vorausgesagte sommerliche Wetter dürfte sich diese Tendenz kurzfristig noch
verstärken.
Am Hähnchenmarkt macht sich die zunehmende Nachfrage nun auch in steigenden Preisen
bemerkbar. Für frische Hähnchenteile zogen die Schlachtereiabgabepreise durchweg an. Auch
auf Erzeugerebene wurden höhere Preise vereinbart.
Am Putenmarkt fand die erhoffte Trendwende statt
Die Preistendenz ist auch hier nach oben gerichtet. Die Preise für gefrorene Ware tendieren
noch uneinheitlich. Grund ist unter anderem das Inkrafttreten der neuen Vermarktungsnormen
für Geflügelfleisch zum 1. Mai 2010. Danach dürfen frische Geflügelfleischerzeugnisse und
Geflügelfleischzubereitungen nur aus frischem Geflügelfleisch das zuvor nicht gefroren war,
hergestellt werden. Infolge dessen wird derzeit vermehrt gefrorenes Geflügelfleisch
angeboten, um die Lagerbestände abzubauen.
Georg Heitlinger
Eierproduzent aus dem baden-württembergischen Eppingen, 40.000 Legehennen, davon ca.
12.000 in Freilandhaltung, 28.000 in Bodenhaltung, ca. 90 ha Ackerbau, inkl. Packstelle,
analysiert ab sofort wöchentlich für agrarheute.com in Zusammenarbeit mit der EMA,
Bonn, die Marktentwicklung bei Eiern und Geflügelmast.
28.04.2010
Branchenübersicht
Beim Mischfutter funktioniert der Wettbewerb
München - Die Top Ten der Futtermittelbranche hat in den letzten drei Jahren ihre
Gesamttonnage um 12,5% auf 11,5 Millionen Tonnen Mischfutter gesteigert. Die zehn
größten Mischfutterhersteller vereinten einen Marktanteil von 55%.
(Foto: agrarfoto.com)
Betrachtet man die Top 25 erreichen sie bereits 70% Marktanteil. Verglichen mit anderen
Branchen des Agribusiness (Agrochemie, Schlachtbranche) ist der Konzentrationsgrad relativ
niedrig, so dass in der Mischfutterbranche noch ein intensiver Wettbewerb stattfinde, stellt die
ISN - Interessengemeinschaft Schweinehalter Deutschlands e.V. fest. Dieser Wettbewerb in
der Branche ist einer der Standortfaktoren, die die Schweinehaltung im Nordwesten
begünstigen. Die Analyse der Futtermittelbranche, die auf Unternehmensangaben basiert,
zeigt, dass die Top Five im Jahr 2009 mehr als eine Million Tonnen Mischfutter (für alle
Tierarten) produzierten. Dazu gehören die Deutsche Tiernahrung Cremer in Düsseldorf (2,3
Mio. t), die Agravis Raiffeisen AG in Münster (2,17 Mio. t), die Bröring
Unternehmensgruppe in Dinklage (1,3 Mio. t), die Mega Rechterfeld (1,1 Mio. t) sowie die
For Farmers Gruppe aus Lochem/NL (1,04 Mio. t).
Top Ten mischen mehr
Die Produktion von Schweinefutter stieg seit 2006 deutschlandweit um 784.000 Tonnen auf
8,9 Millionen Tonnen. Allein die zehn größten Schweinefutterhersteller konnten ihre
Produktion um 440.000 Tonnen ausweiten. Mit moderatem Wachstum im Bereich
Schweinefutter konnten Agravis und Deutsche Cremer Tiernahrung ihre vorderen Positionen
aus dem Jahr 2006 behaupten. Die Unternehmensgruppe Bröring kommt näher an den Erstund Zweitplatzierten heran. Das Unternehmen aus Dinklage konnte seine Menge an
erzeugtem Schweinemischfutter in den letzten drei Jahren um 25% auf 650.000 Tonnen
steigern. Die dänische Dansk Landbrugs Grovvarelskab (DLG) hat beim Viertplatzierten, der
Raiffeisen Hauptgenossenschaft Nord AG (HaGe) in Kiel, ihre Anteile von 70% auf 100%
erhöht. Mit 15.000 Tonnen mehr abgesetztem Schweinefutter konnte auch die HaGe Kiel
leicht wachsen. Die Hauptgenossenschaft ist weiter auf Expansionskurs und macht durch
Übernahmen auf sich aufmerksam (Roth Landhandel).(dlz agrarmagazin)
Starkes Wachstum auf den hinteren Plätzen
Die von der niederländischen Gruppe For Farmers übernommenen Bela-Mühlen, die auf Platz
5 rangieren, konnten ihre Schweinefutterproduktion um vier Prozent steigern. Bela produziert
in Langförden bei Vechta, in Hamburg und Rees am Niederrhein. Das niederländische
Unternehmen ist außerdem vom Stammsitz Lochem aus am deutschen Markt aktiv.
Überdurchschnittlich stark gewachsen sind die GS Agri in Schneiderkrug und die Fleming &
Wendeln Gruppe in Garrel auf den Plätzen 6 und 7. Die Genossenschaft (inkl. LBG Garrel
und Landwehr) aus dem Oldenburger Münsterland konnte den Absatz von Schweinefutter um
fast 46% auf 350.000 Tonnen ausweiten. Ähnliches gilt für die Fleming & Wendeln Gruppe
(inkl. Leikra), die um 42% auf 315.000 Tonnen Schweinefutter zulegen konnten.
Süddeutsche mit Verlusten
Vergleicht man die Zuwachsraten mit denen der nord- und ostdeutschen
Mischfutterproduzenten, so ist in diesen Regionen nur ein moderates Wachstum möglich
gewesen, bzw. die Entwicklung von Stagnation geprägt. Die süddeutschen Futterhersteller
mussten in den vergangenen Jahren sogar tendenziell mengenmäßige Verluste hinnehmen. So
verlor die RKW Süd ihren Platz in den Top Ten. Der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT)
rechnet für 2010 mit einer Konsolidierung auf hohem Niveau bei der Herstellung von
Schweinemischfutter. Die weitere Expansion der Mastanlagen und die Exportorientierung der
Branche sollen die Entwicklung stützen.
26.04.2010
Runder Tisch zur Bioenergie
Klöckner: EEG schnellstmöglich novellieren
Berlin - Das Erneuerbare-Energien-Gesetz muss nach Ansicht der Parlamentarischen
Staatssekretärin vom Bundeslandwirtschaftsministerium, Julia Klöckner, novelliert
werden.
(Foto: agrarfoto.com)
Bei Biogas sollten die Bedingungen der Direkteinspeisung in das Erdgasnetz verbessert
werden, und "die vorhandenen erneuerbaren Potenziale sind so effizient wie möglich zu
nutzen", erklärte Klöckner vergangene Woche in Berlin, wo sie einen Runden Tisch zur
Bioenergie leitete, bei dem das Thema Biogas im Vordergrund stand.
Vor allem bei der Bioenergie gebe es noch erhebliche Möglichkeiten zur
Effizienzverbesserung. Zudem müsse die Energie von morgen für die Energieverbraucher
bezahlbar bleiben. Die Staatssekretärin warnte außerdem vor einer Nutzungskonkurrenz
zwischen Lebensmitteln und Bioenergie. An den Runden Tisch soll sich im Mai ein weiteres
Treffen anschließen, bei dem das Thema Biokraftstoffe im Vordergrund steht.
Die Novelle des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz), in dem die Einspeisesätze für
Ökostrom geregelt sind, soll laut Koalitionsvertrag zum 1. Januar 2012 in Kraft treten. Bereits
in diesem Herbst wird ein Energiekonzept von Bundesumweltminister Norbert Röttgen
erwartet, in dem die erneuerbaren Energien und ihr Zusammenspiel mit anderen
Energiequellen eine wichtige Rolle spielen dürften. (AgE)
Proplanta ® | 26.04.2010
| Tier: Schwein
Patent auf Züchtung von Schweinen wurde zurückgezogen
Hamm/Berlin - AbL: Das ist ein großer Erfolg für die bäuerliche
Landwirtschaft!
„Die Versuche von multinationalen Konzernen und wissenschaftlichen
Einrichtungen, die vollständige Kontrolle über die Lebensmittelerzeugung
vom Acker und Stall des Bauern bis zum Teller des Verbrauchers mit
Hilfe von Patenten zu erlangen, haben mit der Widerrufung des
Schweinezuchtpatents seitens des Patentinhabers (eines USSchweinezuchtkonzerns) einen großen Dämpfer erhalten. Dies ist ein
schöner Tag für Bauern und Verbraucher und ein Erfolg für die bäuerliche
Landwirtschaft“, so Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V., die zusammen mit anderen Bauern-, Umwelt-,
Entwicklungs- und Verbraucherschutzorganisationen Einspruch gegen das
Schweinezuchtpatent erhoben hat. Janßen erklärte weiter:
„Ohne die starke und breite Aufklärungs- und Informationskampagne von vielen
patentkritischen Organisationen wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen. Die AbL bedankt
sich bei allen engagierten Bäuerinnen und Bauern. Besonderer Dank geht aber vor allem auch
an Greenpeace und an Kein Patent auf Leben! Diese beiden Organisationen haben in den
letzten Jahren unermüdlich und mit großer inhaltlicher Hintergrundarbeit die
Patentierungsoffensive auf Pflanzen und Tiere ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Die
Bundesregierung muss jetzt nach den Ausführungen zur Patentierung im Koalitionsvertrag
ihren Worten auch Taten folgen lassen und gegen die Patentierungspraxis politisch vorgehen.
Nicht abwarten, wie z.B. das laufende Patentverfahren bei Milchkühen oder das aktuell
anhängige Entscheidungsverfahren beim konventionell gezüchteten Brokkoli ausgehen,
sondern gesetzlich absichern, dass Patente auf Pflanzen und Tiere erst gar nicht erteilt
werden. Die Bund-Länder-Agrarministerkonferenz in der kommenden Woche kann dazu
schon einen deutlichen Beschluss fassen. Wir werden jedenfalls - ermutigt durch den Erfolg
beim Schweinezuchtpatent - in unserer Arbeit nicht nachlassen: Kein Patent auf Pflanzen und
Tiere!“ (AbL)
Staat in: home Pluimveehouderij Duitse boerenbond breekt lans voor plannen Emsland
pluimveehouderij
Duitse boerenbond breekt lans voor plannen Emsland
19 apr 2010 18:56
De boerenbond Landvolk in Nedersaksen neemt het op voor de
pluimveevleesintegratieplannen Emsland Frischgeflügel en diens zusterbedrijf Rothkötter.
De plannen voorzien in de werving van een groot aantal kuikenmesters in Oost-Nedersaksen,
wat tot een ware protestgolf van de burgerij en Landvolk-concurrent Arbeitsgemeinschaft
bäuerliche Landwirtschaft (AbL) heeft geleid.
Volgens Landvolk is de vrees van de protesterende boeren en burgers overtrokken. Tegenover
het parlement van Nedersaksen heeft Landvolk duidelijk gemaakt dat het naar verwachting
om 150 nieuwe vleeskuikenstallen zal gaan in een straal van 180 kilometer rond de beoogde
vestigingsplaats van de slachterij, Wietze bij Celle.
Landvolk meent tevens dat de overheid genoeg instrumenten heeft om de bouwplannen te
beheersen als het uit de hand dreigt te lopen. Verscherping van de door de burgers bepleite
regelgeving ziet de bond daarom niet zitten. Verder wijst Landvolk erop dat de vraag naar
vers pluimveevlees uit binnenlandse productie stijgt.
Bron: Agrarisch Dagblad auteur: Wim Verseput
DPA
Agrarministerin verteidigt sich gegen Kritik
Freitag, 30. April 2010, 08:56 Uhr
Astrid Grotelüschen (CDU) steht wegen ihrer Mastputen-Brüterei in der Kritik.
Foto: dpa
Hannover (dpa/lni) - Niedersachsens neue Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) hat
Vorwürfe wegen ihrer Mastputen-Brüterei zurückgewiesen. Sie sagte der Nachrichtenagentur
dpa in Hannover: «Die geltenden Tierschutzgesetze werden eingehalten.» Oberstes Ziel sei es,
«dass das Küken, das schlüpft, optimal startet und beim Landwirt gesund groß wird».
Tierschützer und auch die Grünen im Landtag kritisierten, die Ministerin stehe für eine
Massentierhaltung. Es gab Vorwürfe, die Tiere würden nicht artgerecht gehalten.
Märkische Allgemeine
26.04.2010
PROTEST: „Kein Schweinsberg in Rheinsberg“
Heinrichsdorfer Bürgerinitiative hat Kampagne gegen Mastanlage
gestartet
HEINRICHSDORF - Die Bürgerinitiative (BI) gegen die geplante Schweinemast in
Heinrichsdorf bei Rheinsberg hat ihre angekündigte Kampagne gestartet. Am Freitagabend
sind Mitglieder der BI mit einem Transparent vor die Ställe der Heinrichsdorfer
Ferkelproduktion gezogen. Die Aktivisten haben zudem Flugblätter verteilt, Banner
aufgehängt – unter anderem an den Ortseingängen von Heinrichsdorf und in der Köpernitzer
Kurve – und Autos mit ihrem Slogan „Kein Schweinsberg in Rheinsberg“ beklebt.
Die BI plant auch, in der Rheinsberger Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch sowie im
Haupt-, Bau- und Wirtschaftsausschuss aufzutreten und einen offenen Brief an alle
Stadtverordneten zu schreiben. Damit will sie ihren Protest deutlich machen und Stadt und
Anwohner aufrufen, Einwände gegen die Erweiterungspläne einzulegen. Noch bis zum 7. Mai
liegen die Pläne im Rheinsberger Bauamt aus, bis 20. Mai müssen die Einsprüche beim
Landesumweltamt eingegangen sein.
Nach den Plänen der Heinrichsdorfer Ferkelproduktion soll ein Stall stillgelegt werden. An
seiner Stelle sollen zwei neue Ställe entstehen, in denen bis zu 3552 Jungsauen Platz finden.
Außerdem will das Unternehmen einen Güllebehälter und vier Mischfuttersilos errichten. Im
Dezember soll die Anlage nach Vorstellung der Investoren in Betrieb gehen.
BI-Sprecher Leif Miller kündigte an, dass die Eigentümer von drei Grundstücken unmittelbar
neben der Anlage gegen die Erweiterungspläne vor Gericht ziehen wollen. Dabei geht es um
den sinkenden Wert der Grundstücke sowie um die Beeinträchtigung eines Waldstücks durch
die Anlage. Miller sagte, die BI plane außerdem, ein eigenes Gutachten in Auftrag zu geben.
Neben der Gefährdung seltener Rotbauchunken sollen darin die Auswirkungen auf das
Grundwasser untersucht werden. „Spannend ist, dass wir hier ein Ost-West-Gefälle des
Grundwasserspiegels zum Rhin hin haben“, sagte Miller. „Gülle wird also in den Rhin und
von dort in die Seenkette gelangen, da es sich um einen unbedeckten Grundwasserleiter
handelt.“ (nf/cas)
Braunschweiger Zeitung
Nachrichten / Salzgitter
Gemeinde erhebt keine Einwände gegen die Hähnchenmast bei
Alvesse
Die drei Vechelder Ratsfraktionen bewerten diese Form der Tierhaltung
unterschiedlich
Von Harald Meyer
VECHELDE. Einmütiges Votum im Vechelder Verwaltungsausschuss (VA): Die Gemeinde
erhebt keine Einwände gegen die bei Alvesse geplante Hähnchenmastanlage. In der
Bewertung solcher Mastanlagen geht die Meinung in der Gemeindepolitik aber auseinander.
Zunächst zum VA-Beschluss: Die Gemeinde kann in diesem Genehmigungsverfahren gegen
die Mastanlage mit bis zu 84 800 Hähnchen nur vorgehen, wenn sie durch dieses Vorhaben in
eigenen Rechten eingeschränkt wird, wenn sie beispielsweise im Bereich der Mastanlage ein
Wohnbaugebiet ausweisen wollte.
Das ist aber nicht der Fall, daher gibt es für die Gemeinde "keine rechtsstaatliche Möglichkeit,
gegen die geplante Anlage vorzugehen", wie sich Bürgermeister Hartmut Marotz ausdrückt.
Entsprechend wurde einstimmig eine Stellungnahme an den Landkreis als
Genehmigungsbehörde für die Hähnchenmast beschlossen (siehe Fakten).
Gleichwohl fällt die politische Bewertung der höchst umstrittenen Hähnchenmastanlage bei
Alvesse unter den drei Ratsfraktionen sehr unterschiedlich aus.
SPD-Fraktionschef Romec Manns :
"Hähnchenmastställe stellen eine Art der Tierhaltung dar, die weder wünschenswert ist, noch
weiter in dieser Form erlaubt sein sollte", unterstreicht Fraktionschef Romec Manns die
"einheitliche Auffassung der SPD-Gemeinderatsfraktion".
Die Genehmigungsverfahren und einschlägigen Grenzwerte für diese Anlagen seien "völlig
unzureichend und politisch inakzeptabel", ist Manns überzeugt. Der SPD-Mann fordert die
CDU/FDP-Bundesregierung auf, die Möglichkeiten zu verbessern, um solche
Hähnchenmastanlagen (privilegierte landwirtschaftliche Vorhaben) zu verhindern. "Doch der
Bund hat die Voraussetzungen zum Bau derartiger Anlagen sogar noch erleichtert", so Manns.
CDU-FraktionschefUwe Flamm:
"Wir als Fraktion stehen zu 100 Prozent zu der Landwirtschaft und zu
Hähnchenmastanlagen", stellt dagegen Uwe Flamm, Chef der CDU-Gemeinderatsfraktion,
klar: "Wir brauchen die Privilegierung der Landwirtschaft, und wir brauchen die
Landwirtschaft." Er könne zwar die "Sorgen und Nöte der Menschen verstehen", aber wer
Hähnchenmastanlagen verhindern wolle, könne das über seine Essgewohnheiten tun. Wenn es
keine Nachfrage mehr für dieses Fleisch gebe, werde es auch keine Hähnchenmastanlagen
mehr geben, glaubt Flamm. Doch Bio-Lebensmittel könne sich nicht jeder leisten. "Ich halte
die Haltung in Hähnchenmastanlagen für tiergerecht", sagt Flamm. Die Hähnchen seien
entsprechend gezüchtet worden. Im Übrigen seien die Auflagen für Mastbetriebe – "ein DinA4-Blatt Platz für ein Hähnchen" – von Medizinern festgelegt worden.
Silke Dupont (Grünen-Ratsmitglied) :
"Es sollte geprüft werden, ob die Privilegierung der Landwirtschaft in der jetzigen Form noch
zeitgemäß ist", wünscht sich Grünen-Ratsmitglied Silke Dupont. Aus ihrer Sicht sei die
Hähnchenmasttierhaltung "Tierquälerei", jedoch spricht sie sich dafür aus, "der
Landwirtschaft nicht vor den Kopf zu stoßen".
An die Essgewohnheiten der Menschen zu appellieren, reicht Silke Dupont nicht aus: "Solche
Appelle sind nur zusätzlich zu einer entsprechenden Gesetzgebung sinnvoll."
AGRARHEUTE
Donnerstag, 29.04.2010
USA hadern weiter mit EU-Handelsauflagen
BRÜSSEL/WASHINGTON. Die USA haben sich noch immer nicht damit abgefunden, dass
die EU-Mitgliedstaaten den Import von „Chlorhähnchen“ ablehnen. Das geht aus dem
diesjährigen Bericht des US-Handelsbeauftragten Ron Kirk zu sanitären und phytosanitären
Handelsbeschränkungen hervor, der am vergangenen Mittwoch veröffentlicht wurde. Darin
wird der Vorschlag der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2008, die Behandlung von
Geflügelschlachtkörpern mit verschiedenen, in den Vereinigten Staaten standardmäßig
eingesetzten antibakteriellen Substanzen unter Auflagen zu gestatten, als „hochgradig
handelsbeschränkend“, „nicht wissenschaftlich begründet“ und „fehlerbehaftet“ bezeichnet.
Die EU-Agrarminister lehnten den Entwurf im Dezember 2008 einstimmig ab - allerdings
nicht aufgrund der von Washington angeführten Kritikpunkte, sondern aus grundsätzlicher
Abneigung gegen die Aufweichung der EU-Hygienestandards, wonach Geflügelfleisch nur
mit Trinkwasser gereinigt werden darf. Im vergangenen November strengten die USA gegen
die EU in dieser Frage ein Streitschlichtungsverfahren vor der Welthandelsorganisation
(WTO) an, nachdem bilaterale Gespräche ergebnislos verlaufen waren.
Hürden für den Agrar- und Ernährungshandel identifiziert
Weitere Kritikpunkte der USA an den europäischen Verhältnissen umfassen gentechnisch
veränderte Organismen (GVO), Warnhinweise für Lebensmittelfarben, das Verbot des in der
Schweine- und Geflügelmast eingesetzten Wachstumshormons Ractopamin sowie
Hygienevorschriften für tierische Nebenprodukte und Mandeln. Gelobt wird dagegen der
Kompromiss, der im vergangenen Mai nach jahrelangem Streit für hormonbehandeltes
Rindfleisch gefunden wurde. Danach öffnet die EU ihren Markt mittelfristig für jährlich bis
zu 45 000 t US-Rindfleisch, das ohne den Einsatz von Wachstumshormonen erzeugt wurde.
In einem zweiten Bericht lenkt Washington das Augenmerk auf technische Handelsbarrieren.
Darin wird unter anderem die verpflichtende Kennzeichnung von GVO-Lebensmitteln gerügt.
Kirk erklärte, mit den Veröffentlichungen konzentriere man sich auf einige der größten
Hürden für amerikanische Farmer, Viehhalter, Hersteller und Dienstleister im Außenhandel.
Man werde alle zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen, um ausländische Märkte für
US-Waren zu öffnen.
Pläne für Schwellenwerte begrüßt
Hinsichtlich der EU-Politik zu GVO sieht man in Washington von dortiger Warte einen
Silberstreif am Horizont. In den vergangenen Monaten habe die EU mit der Zulassung einer
Reihe von lange verschleppten Anträgen Fortschritte gemacht, heißt es in dem Bericht.
Nichtsdestotrotz wird vermerkt, dass der EU-Ministerrat seit 1998 in keinem Fall mit
qualifizierter Mehrheit für die Zulassung eines GVO gestimmt habe, selbst dann, wenn die
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine positive Risikobewertung
abgegeben habe. Bekräftigt wird die Kritik am Anbauverbot des Monsanto-Maises MON810
in mehreren EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, Österreich und Frankreich. Die von
Brüssel angekündigte Politik, den Anbau einmal zugelassener GVO ins Ermessen der
Mitgliedstaaten zu stellen, wird in dem Papier nicht berücksichtigt. Allerdings erhofft sich
Washington Bewegung hinsichtlich der EU-Nulltoleranz gegenüber Spurenfunden von nicht
zugelassenen GVO in Futtermittellieferungen. Hier habe die Kommission die Entwicklung
eines Schwellenwerts in Aussicht gestellt. Die US-Regierung werde gegenüber der EU
weiterhin darauf drängen, das Problem möglicher Handelsunterbrechungen aufgrund der
zeitlichen Verzögerung von GVO-Zulassungen in Europa zu lösen.
Ractopaminverbot unbegründet
Hinsichtlich Ractopamin weist das Büro des US-Handelsbeauftragten auf das EUVermarktungsverbot für damit erzeugtes Schweinefleisch hin, „trotz wissenschaftlicher
Studien, die die Sicherheit von Ractopamin belegen“. US-Mastbetriebe müssten deshalb am
bürokratielastigen Programm „Schweinefleisch für die Europäische Union“ (PFEU)
teilnehmen, um nachzuweisen, dass ihre Tiere nicht mit Masthormon behandelt worden seien.
Daneben müssten Lieferungen mit Ziel EU in Kanada teuer getestet werden, um die
Abwesenheit von Ractopaminrückständen zu gewährleisten. Diese Anforderungen entbehrten
einer wissenschaftlichen Grundlage und stellten ein großes Hemmnis für den transatlantischen
Schweinefleischhandel dar. Nur eine kleine Anzahl amerikanischer Erzeuger exportiere in die
EU. In Bezug auf tierische Nebenprodukte moniert Washington unter anderem die EUVorschrift, dass Tierfett, das nicht zum menschlichen Verzehr bestimmt ist, trotzdem
lebensmittelrechtlichen Bestimmungen genügen muss. Auch hier wird die wissenschaftliche
Basis bezweifelt. Insgesamt seien von den EU-Regeln vor allem amerikanische Hersteller von
Heimtiernahrung, Talg, tierischen Proteinen und bestimmten Häuten betroffen. Die USA
räumen ein, dass die EU in einigen Punkten Entgegenkommen zeige, beispielsweise
hinsichtlich der notwendigen Hitzebehandlung von Talg, der nicht als Nahrungsmittel dient.
Dennoch blieben andere Beschränkungen hinsichtlich Heimtiernahrung und tierischen
Proteinen in Kraft. Man werde die Entwicklung sehr genau beobachten, heißt es.
Warnhinweise für Azofarben überflüssig
Ein Dorn im Auge sind den US-Handelsexperten darüber hinaus Warnhinweise für
synthetische Lebensmittelfarben, die im Verdacht stehen, die Hyperaktivität von Kindern zu
erhöhen. Auf Drängen des Europaparlaments müssen nämlich Lebensmittel mit den
Azofarbstoffen Tartrazin (E 102), Chinolingelb (E 104), Gelborange S (E 110), Azorubin (E
122), Cochenillerot A (E 124) und Allurarot (E 129) ab dem 20. Juli 2010 den Warnhinweis
„Kann sich nachteilig auf die Aktivität und Konzentration von Kindern auswirken“ tragen.
Eine solche Kennzeichnung werde weder in den Vereinigten Staaten verlangt, noch werde sie
von internationalen Standards nahegelegt, so Kirks Mitarbeiter. Selbst EFSA habe die
Ergebnisse der hinter diesem Verdacht stehenden Studie britischer Wissenschaftler
bezweifelt. Die USA seien nicht der Meinung, dass sich zugelassene Farbstoffe, die
Lebensmitteln im gesetzlichen Rahmen zugesetzt würden, nachteilig auf Kinder auswirkten.
Deshalb halte man einen Warnhinweis für unnötig. Washington rief die EU auf, die
Durchführungsbestimmungen für diese Vorschriften zu verzögern, um mehr Zeit für
Gespräche auf technischer Ebene zu erlauben. Man habe das Thema im März auch vor der
WTO angesprochen.
Auflagen für Mandelexporte verringern
Mit Blick auf US-Mandelexporte in die EU fordern die Vereinigten Staaten die Abschaffung
der seit 2007 bestehenden Pflicht, ausnahmslos jede Lieferung, die nicht unter einem
freiwilligen Kontrollprogramm zur Verringerung der Belastung mit Pilzgiften verarbeitet
wurde, auf das Vorhandensein von Aflatoxinen zu testen. Man stehe mit der US-Industrie in
Verbindung, um das Vertrauen in freiwillige Zertifizierungsprogramme zu stärken, heißt es.
Dadurch habe man zwar erreichen können, dass die EU die verpflichtende Überprüfung von 5
% der zertifizierten Lieferungen seit Anfang 2010 zugunsten einer stichprobenartigen
Kontrolle gelockert habe; die vollständige Untersuchung aller nicht zertifizierter Exporte
bleibe jedoch bestehen. Dabei habe es vor 2007 keine besonderen Testvorschriften für EUMandelimporte aus den USA gegeben.
US-Whiskey schneller fertig
In Bezug auf die technischen Standards bemängelt Washington beispielsweise EUVorschriften für Alkoholika. So bestehe in Europa eine Lagerungspflicht von mindestens drei
Jahren für Whiskey. Diese Schwelle sei auf die klimatischen Bedingungen in Schottland und
Irland zugeschnitten, „wo drei Jahre Lagerung vielleicht notwendig sind, um Scotch oder
irischen Whiskey herstellen zu können“. In Kentucky, Tennessee, Indiana und anderen USBundesstaaten brauche man dagegen weniger Zeit, um zum selben Ergebnis zu gelangen. Die
EU-Regeln haben nach Ansicht der USA auch Auswirkungen auf Drittmärkte. Israel habe
kürzlich die gleichen Lagerungsanforderungen wie die EU eingeführt, obwohl das Land gar
keinen Whiskey herstelle, und Kolumbien denke darüber nach. Bogota schlage außerdem vor,
Branntwein ausschließlich gemäß der Solera-Methode reifen zu lassen. Dieses System sei
jedoch in Europa entwickelt worden, heißt es. Bei der Solera-Methode, die vor allem zur
Reifung von Sherry eingesetzt wird, muss der Branntwein über ein kompliziertes Verfahren
mehrere Fässer durchlaufen. In den Vereinigten Staaten dagegen bleibt der Brandy zur
Reifung in der Regel in einem Fass. Washington befürchtet, durch die kolumbianischen Pläne
könnten US-Exporte behindert werden. AgE (16.04.2010)
http://www.mvregio.de/387696.html
Grüne legen Minister Backhaus zur Agrarministerkonferenz
Forderungskatalog vor
28.04.2010: Schwerin/MVregio Kritische Worte allein reichen nicht und
bewirken wenig. Aus diesem Grund haben BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN heute
Landwirtschaftsminister Backhaus in einem Brief
dazu aufgefordert,
die Agrarministerkonferenz in Plön zu nutzen, um Belange
für Mecklenburg-Vorpommern zur Sprache zu bringen.
"Bislang hat Herr Backhaus lediglich Kritik am Anbau der
genmanipulierten Kartoffel Amflora in MecklenburgVorpommern geübt. Wirksamer wäre es gewesen, hätte er
eine Bundesratsinitiative gestartet", kritisiert Jürgen Suhr, Landesvorsitzender der
Bündnisgrünen die Vorgehensweise des Ministers. "Der Einsatz von Agrogentechnik muss als
unsichere und nicht beherrschbare Technik in unserem Land gestoppt werden. MecklenburgVorpommern darf nicht zum gentechnischen Versuchslabor der Republik werden", führt Suhr
fort.
Die Grünen geben Minister Backhaus mit auf den Weg, dass die gesamte EU-Agrarpolitik
komplett neu ausgerichtet werden muss. "Wir brauchen eine Politik, die ökologische
Lenkungswirkung entfaltet und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für faire Preise schafft",
so Suhr.
In dem Forderungskatalog verlangen die Grünen außerdem ein nationales Pestizitprogramm
für den Artenschutz, Bauernhöfe mit tiergerechter Haltung statt Agrarfabriken, eine
flächengebundene Agrar- und Investitionsförderung sowie eine verbindliche
Tierschutzkennzeichnung.
MVregio Landesdienst mv/sn
Neue Deister-Zeitung
Springe
Maststall für 75 600 Hähnchen geplant
Springe/Boitzum (mari). Ein heimischer Landwirt will an der Straße zwischen Boitzum und
Wülfinghausen eine Hähnchen-Mastanlage für fast 80 000 Tiere bauen. Der Betrieb wäre
damit der mit Abstand größte in der Region Hannover. Die Stadt Springe sieht keine
Möglichkeit, den Plänen nicht zuzustimmen. „Alles andere wäre Willkür“, sagt Baudezernent
Hermann Aden.
Laut Antrag sollen in dem Stall bis zu 75 600 Hähnchen gehalten werden. Als Baugebiet ist
eine Fläche gegenüber des Steinbrinks vorgesehen, sie ist 1500 Meter von den nächsten
Häusern entfernt. Die Tiere sind für einen Riesenschlachthof in Wietze (Kreis Celle)
bestimmt. Mehr als 20 Bürgerinitiativen wehren sich gegen den Bau. Auch in Bad Münder
regt sich massiver Widerstand gegen einen geplanten Hähnchen-Maststall (39 900 Tiere) am
Ortsrand Eimbeckhausen. Sowohl Baudezernent Aden als auch der für Boitzum zuständige
Ortsbürgermeister Heinrich Freimann gehen dennoch davon aus, dass es gegen den Springer
Mastbetrieb keine gravierende Proteste geben wird.
Der entlegene Standort sei für das Vorhaben nahezu ideal. „So, wie die Anlage konzipiert ist,
riecht man schon in 300 Metern Entfernung kaum noch etwas“, erklärt Aden. Bei dem
Betreiber handelt es sich nach NDZ-Informationen um einen beliebten örtlichen Landwirt.
Der ehemalige Ortsbürgermeister hält derzeit 200 Hühner und hat angekündigt, demnächst zu
einer Bürger-Informationsveranstaltung in seine Scheune einzuladen. Ende Mai sollen die
Pläne im Ortsrat Holtensen-Boitzum-Wülfinghausen beraten werden.
Das Thema Mastfarmen sieht Aden „zwiespältig“. Als Wirtschaftsförderer könne er es
keinem Landwirt verübeln, seine Chance zu ergreifen. „Aber als Umweltdezernent bin ich
nicht wirklich glücklich darüber, wenn so viele Hähnchen auf engem Platz gehalten werden.“
Von dem geplanten Maststall geht seiner Einschätzung nach keine Gefahr für den Bürger aus.
Auch das Argument, die Anwohner müssten mit vermehrtem Dung-Geruch rechnen, zähle
nicht: Schon derzeit würden die Springer Bauern Hühnermist ausbringen. Der werde jetzt
allerdings aus Südoldenburg und den Niederlanden geholt.
Ob der Mastbetrieb genehmigt wird, entscheidet letztlich die Region Hannover. Die Stadt
Springe ist lediglich am Verfahren – einem sogenannten „großen Antrag nach dem
Bundesimmissionsschutzgesetz“ – beteiligt. Die Pläne sollen noch vor den Sommerferien
öffentlich ausgelegt werden.
Artikel vom 30.04.2010 - 00.00 Uhr
Märkische Oderzeitung
14.4.2010
Friki will Hähnchen-Produktion verdoppeln
Kolpin/Storkow (MOZ) Die Storkower Hähnchen GmbH, die Schlachterei der Friki
Geflügel GmbH, will bis 2012 seine Produktion verdoppeln. 200 000 Hähnchen sollen
dann an fünf Tagen die Wochen in zwei schichten täglich geschlachtet und verarbeitet
werden. Kolpin/Storkow (MOZ) Die Storkower Hähnchen GmbH, die Schlachterei der
Friki Geflügel GmbH, will bis 2012 die Produktion verdoppeln. Je 200 000 Hähnchen
sollen dann an fünf Tagen die Wochen in zwei Schichten täglich geschlachtet und
verarbeitet werden. Um das Ziel zu erreichen, will Friki in den Standort rund 10,8
Millionen Euro investieren. Schon in den Jahren 2003 bis 2006 war die Schlachterei für
14 Millionen Euro modernisiert und erweitert worden. Durch höhere Abwassermengen
muss auch der Abwasserzweckverband seine Kläranlage für 1,2 Millionen Euro
aufrüsten.
Von Stefan Lötsch
Hähnchenfleisch erfreut sich bei den deutschen wachsender Beliebtheit. "Wir haben jährliche
Wachstumsraten von sechs bis sieben Prozent", sagt Bernhard Lammers. Er muss es wissen,
ist Lammers doch Geschäftsführer für die beiden deutschen Tochterfirmen der
niederländischen Plykon Royale Gruppe. Dazu gehört auch die Storkower Hähnchen GmbH
Friki, die teilweise auch auf Kolpiner Gemarkung liegt. Momentan werden dort wischen 90
000 und 100 000 Hähnchen täglich geschlachtet. "Ende des Jahres sollen es 120 000 sein", so
Lammers. Damit ist aber das Betriebsziel noch nicht erreicht. "Das Endziel ist Ende 2012,
200 000 Hähnchen am Tag zu schlachten", sagt der Geschäftsführer.
Um auf diese Kapazitäten zu erreichen, soll am Kolpiner Standort bis 2012 kräftig investiert
werden. Laut Bernhard Lammers ist eine Summe von 10,8 Millionen Euro investiert werden.
"Wir haben Fördermittel beantragt, auf deren Bewilligung wir warten." Es gibt dazu auch
positive Signale. Unter anderem sollen neue Hallen . "Im nächsten Jahr wollen wir die
Schlachterei erweitern", nennt Lammers eine Funktion der neuen Halle. Auch der
Maschinenpark wird erweitert und erneuert. 2,5 bis 3 Millionen Euro sind für eine
Wärmerückgewinnungsanlage eingeplant.
Aber nicht nur Friki muss investieren. Auch die regionalen Mastbetriebe, vorwiegend in
Mecklenburg Vorpommern und Brandenburg müssen ihre Stallanlagen erweitern. Schließlich
steht auch der Wasser- und Abwasserzweckverband "Scharmützelsee- Storkow/ Mark" vor
einer großen Herausforderung. Denn mit der Verdoppelung der Produktion bei Friki ist auch
fast mit doppelt so viel Abwasser zu rechnen, dass in der verbandseigenen Kläranlage geklärt
wird. Um die dann 1000 Kubikmeter Friki-Abwasser klären zu können, muss der Verband für
rund 1,2 Millionen Euro bis Ende 2012 die Kläranlage nachrüsten. Bernhard Lammers sagt,
dass Friki selbst auf seinen Standort für 1,5 Millionen Euro Abwassertechnik installiert hat,
damit das Friki-Abwasser schon einmal so gereinigt ist, dass es dem Standard des häuslichen
Abwasser entspricht.
Die 10,8 Millionen Euro sind nicht die erste Großinvestition der Plykon Royale Gruppe in den
Brandenburger Standort. Schon zwischen 2003 und 2006 wurde die Produktion schon einmal
verdoppelt. "Wir haben schon im ersten Abschnitt 14 Millionen Euro investiert", so Lammers.
Insgesamt sind damit rund 25 Millionen Euro nach Kolpin bzw. Storkow geflossen.
Friki beschäftigt momentan 250 festangestellte Mitarbeiter. Bernhard Lammers geht davon
aus, dass es Ende 2012 um die 300 Mitarbeiter sein werden. Der Jahresumsatz des
Brandenburger Betriebsteils liegt derzeit bei rund 50 Millionen Euro. Geliefert wird an alle
großen Handelketten in ganz Deutschland. Am Storkower Standort gibt es aber auch einen
eigenen Werksverkauf.
Mit einer Jahresproduktion von 25 Millionen Hähnchen in Kolpin deckt Friki in Deutschland
einen Marktanteil von rund 10 Prozent ab.
Von Stefan Lötsch
Nordkurier - Strelitzer Zeitung
Artikel vom 20.04.24.0
Anlagengegner schließen sich zusammen
Protest. „Pro Landleben Brohmer Berge“ – so lautet der Name der neuen
Bürgerinitiative gegen die geplanten Hähnchenmastställe in Klein Daberkow.
Von Niels Seehase
Klein Daberkow. „Wir haben ein gemeinsames Anliegen, das wir gemeinsam vertreten
wollen.“ Mit diesen Worten warb Karsten Förster am Donnerstagabend in Rattey für die
Gründung einer Bürgerinitiative gegen die bei Klein Daberkow geplanten
Hähnchenmastanlagen. Am Ende mit Erfolg: Die meisten der rund 25 Anwesenden trugen
sich ein in die Liste des neuen Zusammenschlusses, der den Namen „Pro Landleben Brohmer
Berge“ tragen soll.
Förster, Besitzer des Ratteyer Schlosses, ist einer von vier Sprechern der neuen Initiative. Der
Jurist hatte zu Beginn des Treffens in Rattey eine erste Bilanz der Aktivitäten gegen die
Hähnchenmastpläne gezogen.
„Wir haben schon eine Menge erreicht“. Falls das Staatliche Amt für Umwelt und Natur
(StAUN) in Neubrandenburg den Anträgen der Investoren trotz der eingegangenen
Widersprüche stattgebe, bleibe der Weg vor das Amtsgericht, so Förster zu möglichen
nächsten Schritten. Dann gehe es darum, einstweiligen Rechtsschutz zu erwirken, um das
Verfahren erst einmal auf Eis zu legen.
Über weitere Möglichkeiten informierte Eckehard Niemann die Mastanlagengegner. Der
Vertreter des Netzwerkes „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ wies etwa darauf hin, dass die
Frage der Zuwegung zu den geplanten Ställen ein Ansatzpunkt sei. Auch die
Geruchsemissionsrichtlinie biete „einige sehr gute Angriffspunkte“.
Zu möglichen Folgen des Baus der Ställe in Klein Daberkow sagte er: „Wo eine Anlage
entsteht, enstehen mitunter viele.“ Schon jetzt seien eine Großbrüterei in Woldegk und ein
Mischfutterwerk in Strasburg geplant, hieß es dazu auf der Versammlung in Rattey.
Dort hatte Karsten Förster erklärt, dass über 300 Widersprüche gegen das Vorhaben beim
StAUN eingegangen seien. Friedrich Ernst-Wilfarth, Geschäftsführer der Kreckower Agrar
GmbH, die in Klein Daberkow einen der zwei Ställe für jeweils bis zu 200000 Hähnchen
bauen lassen will, wies diese Zahl zurück. „Das ist Polemik, das stimmt nicht“, sagte der
Landwirt aus Woldegk. Ihm lägen Einsprüche von 134 Personen vor.
Einige davon seien „sehr demagogisch“, für andere habe er durchaus Verständnis. Wilfarth
erneuerte sein Angebot, mit interessierten Einwohnern zu bereits bestehenden Mastanlagen zu
fahren. Was das Verfahren angeht, sei er „realistisch“. Er betonte noch einmal, dass es sich
bei dem Prozess um ein rechtstaatliches Verfahren handele.
29.04.2010
Bodenseekreis
Bäuerinnen zeigen ihre Stärke
Überlingen – „Business as usual – ein ‚Weiter so'“ ist kein Weg. Das ist für Maria
Heubuch, Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)
und Milchbäuerin aus Leutkirch, ebenso klar wie für die AbL-Landesvorsitzende
Anneliese Schmeh aus Überlingen.
Bild: Walter
Die beiden Bäuerinnen zeigten gemeinsam jene Entschlossenheit und Stärke, die auch der
Weltagrarbericht beschwört, wenn er unter anderem von einer „Feminisierung“ der
Landwirtschaft als Erfolgsfaktor für eine bessere Ernährung der Menschen rund um den
Globus spricht. Und die ist dringend erforderlich, obwohl mehr denn je Nahrungsmittel
produziert werden. Dennoch wächst gleichzeitig die Zahl der Hungernden, belegt der Bericht,
und Besserung ist nur mit strukturellen Veränderungen auf dem Agrarsektor möglich.
Eigentlich hätte Benedikt Haerlin den Vortrag halten sollen, der selbst als Vertreter
Deutschlands am Entstehungsprozess beteiligt war. „Er hat leider vor drei Tagen abgesagt“,
erklärte Anneliese Schmeh, die den Abend in Zusammenarbeit mit der Volksbank und dem
Bund veranstaltete. Doch die Botschaft des Berichts hätte Haerlin weder engagierter noch
glaubhafter transportieren können, als es Maria Heubuch tat. Mit Detailkenntnis und ohne
Eifer, aber mit überzeugenden Argumenten unterlegte sie die Analyse des Berichts und
verwies auf den alten Erfahrungsschatz bodenständiger Bauern. „Je höher der Traktor ist,
desto weiter ist der Boden weg“ ist dabei nur ein Bonmot, das Heubuch zitierte.
Dass die Aufgabe der Sortenvielfalt in der Landwirtschaft das Geschäft viel riskanter und
zudem geschmacklich eintöniger mache, ist als Faktum schon wesentlich stichhaltiger.
„Früher wurden viele verschiedene Sorten Reis angebaut“, erklärte Heubuch. Manche waren
mehr, manche weniger empfindlich gegen Trockenheit, entsprechend habe es nie einen
Totalausfall der Ernte gegeben. Es könne nicht sein, dass mit dem Preis von
Grundnahrungsmitteln an einer Börse spekuliert werde. „Eine Handvoll Leute entscheidet in
Kansas City darüber, in welchem Bereich der Preis für Hartweizen auf der ganzen Welt liegt“,
klagte Heubuch, „unabhängig von den Produktionsverhältnissen.“
An die Verantwortung des Verbrauchers appellierte Heubuch allerdings auch. „Wie kann es
denn sein, dass ein Kopfsalat für 20 Cent produziert, transportiert und vertrieben werden
kann?“ gab sie zu bedenken. Gleiches gelte für die Milch, sagte sie in der Diskussion.
Heubuch: „Der Markt muss auf dem Hof beginnen.“ Im Milchpreis müssen sich die
Erzeugerkosten niederschlagen. Es dürfe keine Rückwärtskalkulation von Handel und
Molkereien geben, denen die Bauern hilflos ausgeliefert seien. Hier gelte wie bei der
beschämenden globalen Bilanz: Ein „gibt's nicht“ darf es nicht geben. „Agriculture at a
Crossroads“ heißt der englische Originaltitel daher auch viel programmatischer:
„Landwirtschaft am Scheideweg.“
Proplanta ® | 16.04.2010
| Agrarpolitik: Deutschland
Bauern rufen Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte an
Berlin - Das Maß ist voll für die Familie Bienstein aus Martensdorf bei
Wismar. Seit über 4 Jahren wartet sie auf das Berufungsverfahren vor dem
Landgericht in Berlin.
Es geht um die wettbewerbsverzerrende Vergabepraxis
landwirtschaftlicher Flächen seitens der bundeseigenen BVVG
(Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH).
Jetzt hat die Familie Bienstein Beschwerde beim Europäischen
Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eingereicht, unterstützt durch Rechtsanwalt Dr.
Thorsten Purps aus Potsdam und durch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft
(AbL). Nach Auffassung der AbL handelt es sich um eine bewusste Verschleppung des
Verfahrens, die ganz offensichtlich im Interesse der Bundesregierung ist.
Hintergrund ist ein Hauptprüfungsverfahren der EU-Kommission gegen die Bundesrepublik
Deutschland mit der Aufforderung, wettbewerbswidrige Regelungen bei der Flächenvergabe
zu ändern. Die endgültige Einstellung des Hauptprüfungsverfahrens steht unter der
entscheidenden Bedingung, dass keine weiteren Klagen oder Beschwerden gegen die
Privatisierungspraxis der BVVG vorgebracht werden. Die AbL wirft der Bundesregierung
vor, zur Vermeidung eines Hauptprüfungsverfahrens die EU-Kommission über die
tatsächliche Situation getäuscht und zwei laufende Verfahren von AbL-Landwirten gegen die
BVVG verschwiegen zu haben. Für die AbL liegt der Verdacht nahe, dass politischer
Einfluss auf die Berliner Justiz genommen wurde, um das Verfahren der Familie Bienstein
nicht fortzuführen. In einem internen Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung,
Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) an das Bundesfinanzministerium (BMF),
zuständig für die BVVG, wird an das BMF appelliert, die BVVG unbedingt zu
Vergleichsverhandlungen anzuhalten. Andernfalls befürchtet das BMELV, dass bei weiteren
Klageverfahren ein grundsätzlich neues Aufrollen der Privatisierungstätigkeit auf Ebene der
europäischen Institutionen und „politische Turbulenzen drohen“, wie es in dem Schreiben
heißt, welches der AbL vorliegt.
Seit 1990 sind mehr als 90% der ehemals mehr als 1.1 Millionen Hektar landwirtschaftlicher
Nutzfläche der Treuhand/BVVG überwiegend an agrarindustrielle Betriebe verpachtet
worden. Durch die Bindung des Kaufs an die Verpachtung und die mittlerweile erfolgte
Pachtverlängerung auf 27(!) Jahre sind 80-90% der Betriebe, vor allem die mittleren und
kleineren bäuerlichen Betriebe, wie der Betrieb der Familie Bienstein, von der Verteilung
ausgeschlossen. Die AbL hofft, dass durch die Beschwerde beim EGMR die Berliner
Gerichte dazu veranlasst werden, eine rechtliche, der Sache angemessene Verfahrensweise
einzuleiten, um die Wettbewerbsverzerrungen in der ostdeutschen Landwirtschaft zu
beenden. (AbL)
Abkehr von "Wachsen oder Weichen"
29.04.10|
Weilheim-Schongau - Wohin steuert die Landwirtschaft? Dieser Frage ging Benedikt Haerlin,
Mitglied des Weltagrarrats der UNO, vor rund 180 Besuchern im Gasthaus „Strobl“ in
Oberhausen nach.
Den Weltagrarbericht hat Benedikt Haerlin (links) bei einer Versammlung in Oberhausen
vorgestellt. Foto: gro
Die vielleicht „revolutionärste“ Aussage des Weltagrarberichtes ist laut Benedikt Haerlin
nach dem Jahrzehnte langen agrarpolitischen Glaubenssatz „Wachsen oder Weichen“, dass es
bei der Überwindung von Hunger, Armut und Raubbau nicht darauf ankommt, durch neue
Technologien den Ertrag industrieller Anbaumethoden zu steigern, sondern darauf,
Kleinbäuerinnen (sie tragen die Hauptlast der Arbeit in den Entwicklungsländern) und ihre
Männer in die Lage zu versetzen, vor Ort zu produzieren, was dort zur Versorgung gebraucht
wird.
„Hunger und Überernährung“ sowie „Bäuerliche Landwirtschaft und Agrarindustrie“ - das
waren die Themen, über die Benedikt Haerlin auf Einladung neun verschiedener
Organisationen (AbL, BDM, Bioland, Bund Naturschutz, Umweltinitiative, Demeter, KLB,
VlF und Weilheim-Schongauer Land) in Oberhausen sprach. Nicht zu den Veranstaltern
gehörte der BBV.
„Wie können wir durch die Schaffung, Verbreitung und Nutzung von landwirtschaftlichem
Wissen, Forschung und Technologie Hunger und Armut verringern, ländliche Existenzen
verbessern und gerechte, ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltige Entwicklung
fördern?“ Gemeinsame Antworten auf diese Frage gaben mit dem Weltagrarbericht Vertreter
von Regierungen, Nicht-Regierungs-Organisationen, Verbrauchern, Bauern, Industrie,
wissenschaftlichen Institutionen und der Vereinten Nationen.
Benedikt Haerlin, einer der Mitautoren, informierte in Oberhausen über die Kernaussagen des
Berichts und über sich daraus ergebende Lösungsansätze. Zentrale Herausforderung ist die
Bekämpfung des Hungers in der Welt und die Erlangung der Ernährungssouveränität, für
jeden Menschen. Dabei spiele auch mehr öffentliche Forschung eine Rolle, bei der
Wissenschaftler nicht irgendeine Lösung anbieten, sondern gemeinsam mit dem Wissen von
Bäuerinnen und Bauern an einer problemorientierten Lösung arbeiten.
Haerlin formulierte Grundsätze, die nicht nur in den Ländern des Südens eingehalten werden
sollten, sondern durchaus weltweit angesagt sind: Es bedarf keiner größeren Betriebe, sondern
einer optimalen Anpassung der Betriebe; es kommt nicht darauf an immer schneller Neues auf
den Markt zu bringen, sondern rechtzeitig Bewährtes zu verbessern; statt Standardisierung ist
Vielfalt von Vorteil; statt sich immer mehr zentraler Kontrolle zu unterwerfen, ist einer
selbstorganisierten Evolution der Vorrang zu geben; auch perfekt muss nichts sein, sondern
wir brauchen wieder Mut aus Fehlern zu lernen; es ist nicht nötig mehr Mehrwert zu schaffen,
sondern mehr Nährwert zu erzeugen, was sich durch die Kultivierung wie sie in Gärten
stattfindet erreicht werden kann , anstatt auf Monokulturen zu setzen.
Zusammengefasst heißt das: Wir brauchen nicht mehr, sondern genug, wobei „genug“ sowohl
das Gegenteil von „zu viel“ als auch das Gegenteil von „zu wenig“ ist. Haerlin betonte auf die
Nachfrage einiger Zuhörer, was man denn selbst tun könne, dass jeder kleine Schritt, z.B.
regional, fair und ökologisch einzukaufen, helfe, dass aber auch politisches Engagement
gefragt sei, z.B. im Hinblick darauf, dass die für 2013 anstehende Agrarreform in der EU im
Sinne des Weltagrarberichts zu diskutieren sei.
3sat – NANO
2.3.2010
Bei Massentierhaltung können sich Krankheiten auf den Mensch übertragen
Epidemie auf dem Teller
Fleischkonsum wirkt auf Umwelt, Klima, Gesundheit
Der Verzehr von Fleisch wächst weltweit rasant. Die UN-Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation (FAO) warnte vor den Risiken.
Wie die FAO am 18. Februar 2010 mitteilte, betreffen diese Umwelt, Klima und Gesundheit.
In den Entwicklungsländern hat sich der Fleischkonsum zwischen 1980 und 2005 auf 30,9
Kilo pro Person im Jahr mehr als verdoppelt. In China vervierfachte sich der Verbrauch sogar
auf je 59,5 Kilo.
In den Industrieländern stieg der Fleischkonsum leicht. Ein Deutscher isst der UN-Statistik
zufolge 83,3 Kilogramm pro Jahr und liegt damit etwa im Durchschnitt der Industrienationen.
Das starke Wachstum der Viehwirtschaft wird FAO-Schätzungen zufolge in den nächsten
Jahrzehnten anhalten. Bis 2050 rechnet die UN-Organisation mit einer Verdoppelung der
jährlichen Fleischproduktion auf 463 Millionen Tonnen weltweit.
Der Bestand an Rindern wird sich demnach von 1,5 Milliarden Tieren auf 2,6 Milliarden
erhöhen, die Zahl der Schafe von 1,7 auf 2,7 Milliarden. Bereits jetzt würden weltweit 80
Prozent des Agrarlandes für Viehhaltung verwendet. Als Grund nennt die FAO
"marktverzerrende" Regelungen in einigen Ländern. FAO-Generaldirektor Jacques Diouf
beklagte ein "institutionelles Vakuum" bei der Regulierung der Viehwirtschaft. Er forderte
dringend mehr staatliche Kontrolle und internationale Regelwerke.
Epidemien drohen auf den Menschen überzugehen
Mehr tun, um Krankheiten zu verhüten, fordert die FAO
Die Viehhaltung schadet dem Klima durch den Ausstoß von Methan. Diouf verwies auch auf
den immensen Verbrauch an Land, Wasser und Wäldern. In die Verhütung von
Tierkrankheiten müsse mehr investiert werden. Sonst drohten Epidemien zunehmend auf
Menschen überzugreifen. Bis zu fünf Milliarden Menschen leiden laut FAO weiter unter
Eisenmangel. Fleisch ist eisenhaltig. Aber nur unter stärkerer Kontrolle könne das starke
Wachstum der Viehwirtschaft einen Beitrag zum Kampf gegen den Hunger leisten, heißt es in
dem jährlichen Bericht zur Lage von Ernährung und Landwirtschaft. Weltweit hungern mehr
als eine Milliarde Menschen. Übermäßiger Fleischkonsum wird aber für Übergewicht und
eine Reihe von Krankheiten bei Einwohnern in Industrienationen verantwortlich gemacht.
Die Fleischproduktion steuert laut FAO einen entscheidenden Teil zum Lebensunterhalt von
weltweit einer Milliarde Menschen bei, darunter viele Kleinbauern. Ohne Unterstützung
könnten kleine Bauern aber nicht gegen die Konkurrenz agro-industrieller Betriebe bestehen.
"Viehzucht muss eine Schlüsselrolle bei der Armutsbekämpfung spielen", betonte dennoch
FAO-Generaldirektor Diouf.
Wegen fehlender Regulierung droht das Wachstum der Fleischwirtschaft laut FAO auch zu
einer Umweltgefahr zu werden. So hätten neue Technologien zu einer wachsenden Kluft
zwischen hoch wettbewerbsfähiger Massentierproduktion und Kleinbauern geführt. Für arme
Landwirte erfülle die Nutztierhaltung jedoch neben der Ernährung vielfältige Funktionen,
etwa bei der Bearbeitung der Äcker und als Sicherheit für Krisenzeiten.
Durch eine zunehmend konzentrierte Nutztierhaltung in der Nähe von Großstädten und
wachsenden internationalen Handel mit Fleischprodukten breiten sich laut FAO vermehrt
Tierkrankheiten aus, die auf Menschen überspringen. Vor allem Kleinbauern müssten in
Vorsorgesysteme eingebunden werden. Zugleich sollten sie Hilfe beim Aufbau einer neuen
Existenz bekommen, wenn sie die Tierhaltung aufgeben wollten.
"Food, Inc." zeigt Folgen der Massentierhaltung
Der US-amerikanische Dokumentarfilm "Food, Inc." von Regisseur Robert Kenner, der 2010
für einen Oscar nominiert wurde, zeigt die Abgründe der industriellen
Lebensmittelproduktion. Er zeigt plastisch, wie wenige große Konzerne den weltweiten
Lebensmittelmarkt beherrschen. Profit ist dabei stets wichtiger als die Gesundheit der
Verbraucher und der Mitarbeiter. Die Protagonisten und Bestseller-Autoren Eric Schlosser
(Drehbuchautor von "Fast Food Nation") und Michael Pollan lassen in ihrem Film eine
Mutter zu Wort kommen, deren kleiner Sohn an einer Lebensmittelvergiftung starb,
hervorgerufen durch verseuchtes Fleisch.
"Er war völlig gesund und zwölf Tage später war er tot - und das, weil er einen Hamburger
gegessen hatte", sagt Barbara Kowalczyk. "Das ist doch unvorstellbar." Die Fleischlieferung,
von der er gegessen hatte, sei erst 16 Tage nach dem Tod zurückgerufen worden. Um schnell
und günstig möglichst viel Rindfleisch zu produzieren, habe man begonnen, "Kühe mit Mais
zu füttern, aber Kühe sind dafür gemacht, Gras zu fressen", so Kenner. Durch Fütterung mit
Mais kann sich im Magen der Kühe ein hoch-toxisches Bakterium entwickeln. Ein
Colibakterium, das man erst seit kurzer Zeit kennt.
Tage der Legebatterie sind in Europa gezählt
In der Europäischen Union bleibt es beim Verbot der herkömmlichen Legebatterien ab 2012.
Polen scheiterte am 22. Februar 2010 beim Agrarministertreffen in Brüssel mit einem
Vorstoß, die Frist für die Hühnerhaltung in kleinen Käfigen bis 2017 zu verlängern.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) begrüßte dies. Die Ministerin verwies
darauf, dass die traditionelle Käfighaltung in Deutschland bereits seit Januar 2010 untersagt
ist. In Legebatterien haben Hennen weniger als den Platz eines DIN-A4-Blattes. Die neuen
Regeln schreiben sogenannte ausgestaltete Käfige mit etwas mehr Fläche, Sitzstangen,
Legenestern und Einstreu vor. Österreich hatte die etwas großzügigeren Käfige bereits ein
Jahr zuvor eingeführt.
Polen begründete seinen Antrag zur Frist-Verlängerung in einem internen Papier mit den
"hohen Investitionen, die nötig sind, um den Standard in den ausgestalteten Käfigen zu
erreichen". Dazu hätten die polnischen Bauern wegen der Finanzkrise nicht die nötigen
Mittel. Neben Deutschland waren auch Österreich, Belgien, die Niederlande, Dänemark und
Finnland gegen den polnischen Vorschlag. Sie sahen darin eine Wettbewerbsverzerrung.
Polen war 2008 hinter den Niederlanden der zweitwichtigste ausländische Eieranbieter in
Deutschland.
Den Ausschlag gab die EU-Kommission, die einen neuen Gesetzesvorschlag zur
Fristverlängerung bis 2017 hätte vorlegen müssen. Der für Gesundheit zuständige Kommissar
John Dalli sagte, dies hätte einen "großen Schritt rückwärts für das Wohlbefinden der
Legehennen" bedeutet.
Landwirte kritisieren Trend zu Agrarfabriken
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft in Niedersachsen (AbL) hat im November
200 vor dem Trend zur gewerblichen Massentierhaltung gewarnt. Man brauche Bauernhöfe
mit artgerechter Haltung statt Agrarfabriken, sagte AbL-Sprecher Eckehard Niemann bei der
Herbsttagung der Arbeitsgemeinschaft. Schon jetzt gebe es bei Schweinen oder Hühnern
einen Überschuss. Es werde für den subventionierten Export produziert, durch den unter
anderem in der Dritten Welt Kleinbauern vom Markt gedrängt würden. Zusammen mit
Tierschützern und Bürgerinitiativen sei nun eine bundesweite Arbeitsgemeinschaft gegen
Tierfabriken gegründet worden.
Beim Hühnerfleisch stagniere der Verbrauch, doch die Produktion steige, sagte Niemann. Als
Beispiel nannte der den Kreis Emsland. Alleine hier gebe es derzeit 30 Millionen Plätze für
die Hähnchenmast, 10 Millionen weitere seien beantragt. "Da ist kein Platz mehr", sagte
Niemann und kritisierte den Bauernverband, der die Entwicklung unterstütze. Vertreter von
Bürgerinitiativen beklagten, dass Verbraucher zu wenig über die Problematik der industriellen
Massentierhaltung wüssten. Hier müsse es mehr Aufklärung geben.
Pyrmonter Nachrichten
Bad Münder
Vehementes Plädoyer gegen „Agrarfabriken“
Bad Münder (hzs). „Wollen wir in Zukunft eine naturverträgliche Landwirtschaft mit
traditionellen bäuerlichen Betrieben oder risikobehaftete industrielle Agrarfabriken mit
Qualzuchten?“ so die zentrale Frage der Diskussion, zu der die Bündnis90/Die Grünen in die
Rohmelbad-Gaststätte eingeladen hatten. Resonanz und Interesse waren groß, obgleich kaum
unterschiedliche Standpunkte aufeinander prallten: Betroffene Landwirte waren
ferngeblieben, und so oblag es allein dem münderschen Grünen-Chef Dr. Helmut Burdorf,
den Sachstand zu den Reizthemen „Hähnchen- und Schweinemast in Bad Münder“
zusammenzufassen.
Der „Notanker Veränderungssperre“ habe Zeit verschafft, um das Gespräch ebenso wie den
notwendigen Kompromiss zu suchen. Selbst ein geruchloser Stall, so Burdorf, sei dabei
jedoch nicht akzeptabel. Tierschutz, so die einhellige Meinung der Anwesenden, bleibe ein
„Knackpunkt“ und bei den Maststall-Planungen in Bad Münder nach wie vor ungelöst.
Stallgrößen, Mistentsorgung, Geruchsbelästigung, Vogelgrippe – Themen, die sehr engagiert
diskutiert wurden, ehe unter der Moderation der stellvertretenden Grünen-Landesvorsitzenden
Anja Piel Eckehard Niemann vom „Netzwerk Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ und der
Grünen-Landtagsabgeordnete Christian Meyer die lokale Problematik auf eine landes- und
bundesweite Ebene hoben. Ihre Feststellung: Es seien Agrarkonzerne wie Wiesenhof und
Rothkötter, die die Fäden der Landwirtschaftspolitik zögen. Schon jetzt drohe bei
stagnierendem Verbrauch eine Überproduktion. Doch infolge der „Versippung“ von
Landesregierung, Bauernverband und Großbetrieben würden der verhängnisvolle Weg der
Agrarkonzerne und der ihnen zuliefernden abhängigen Mastbetriebe massiv weiter beworben.
„Die Folge: Die Bauern sterben langsam“, so Niemann, der nachdrücklich vor Investitionen
ins System der Mastbetriebe warnte. In der vermeintlichen Sicherheit lauere, angeheizt von
Politik und Bauernverband, eine erbarmungslose Abhängigkeit, an deren Ende der Abstieg
des selbstständigen Landwirtes zum Bediensten einer industriellen Agrarfabrik stehe.
Auch Meyer warnte vor dem Verlust bäuerlicher Betriebe zulasten von Agrarfabriken. Die
suchten derzeit infolge von zunehmenden Bürgerprotesten verstärkt Standorte in Süd- und
Ostniedersachen. „Mit einer Stadt, die ihre Zukunft im Kur- und Gesundheitsbetrieb sieht, ist
das aber unvereinbar“, so Meyer zur Situation in Bad Münder. Den betroffenen Landwirten
müssten Alternativen aufgezeigt werden. Die erblickt Niemann beispielsweise darin, dass
„sich die Landwirte unersetzbar machen“, statt nicht absetzbarer Überproduktion „nicht
austauschbare Qualitätsprodukte“ erzeugten und außerdem „über eine Mengenreduzierung
endlich eine vernünftige Preispolitik“ realisierten.
Artikel vom 14.04.2010 - 09.01 Uhr
AGRA EUROPE
18/2010
DEUTSCHLAND/DÄNEMARK/NIEDERLANDE
Richtlinien für Schwanzkupieren bei Ferkeln angestrebt
PLÖN. Nach der Ferkelkastration rückt nun das Schwanzkupieren in den Blickpunkt des
Tierschutzes. Handlungsempfehlungen zum Kürzen der Schwänze bei Ferkeln sollten
gemeinsam mit interessierten europäischen Partnerländern, insbesondere den Niederlanden
und Dänemark entwickelt werden, forderte die Agrarministerkonferenz am vergangenen
Freitag in einem Beschluss. Jährlich werden mehrere Millionen Ferkel von Holland und
Dänemark nach Deutschland exportiert. Es handele es sich um ein europäisches Problem,
betonten die Agrarminister und sprachen sich dafür aus, ein Konzept und die
Handlungsempfehlungen für die Schweinehalter in enger Abstimmung von Wissenschaft,
Agrar- und Veterinärverwaltung zu erarbeiten. Für die Gespräche mit Holländern und Dänen
soll nun der Bund die Initiative ergreifen, damit eine gemischte Arbeitsgruppe solche
Leitlinien für die Landwirte entwickeln kann. AgE
Grotelüschen als niedersächsische Agrarministerin vereidigt
Ex-Bundestagsabgeordnete aus dem Oldenburgischen löst Ehlen ab - Ministerpräsident
Wulff: Ministerin für die bäuerlichen Kleinbetriebe und die mittelständische
Ernährungsbranche - Regierungschef kündigt Einschnitte im Landeshaushalt an - Ab 2017
will der CDU-Politiker ohne neue Schulden auskommen - Regierungserklärung im Landtag
HANNOVER. Niedersachsen hat eine neue Landwirtschaftsministerin. Astrid
G r o t e l ü s c h e n wurde am Dienstag vergangener Woche zusammen mit drei weiteren
neuen CDU-Kabinettsmitgliedern der Regierung von Ministerpräsident Christian W u l f f
im Landtag von Hannover vereidigt. Die 45-jährige Ernährungswissenschaftlerin war erst im
Herbst erstmals in den Bundestag eingezogen, als sie das Direktmandat für den Wahlkreis
Delmenhorst erobern konnte. Die gebürtige Rheinländerin, die in die Familie eines
Putenzuchtbetriebs aus Ahlhorn einheiratete, vertritt als Nachfolgerin von Hans-Heinrich
E h l e n nunmehr das Oldenburger Land im Kabinett. Wulff zeigte sich bei einer
Regierungserklärung am vergangenen Mittwoch im Landtag überzeugt, dass Grotelüschen die
Land- und Ernährungswirtschaft weiter voranbringen werde. „Sie wird Mentorin sowohl für
die bäuerlichen Kleinbetriebe als auch für die mittelständischen Ernährungsbetriebe sein“,
sagte Wulff vor dem Hintergrund von Kritik, die sich an Grotelüschens beruflichem
Engagement für die Putenbrüterei entzündet hatte. Mit Blick auf die künftige Richtung der
Landesregierung kündigte Wulff Haushaltskürzungen an. Trotz der bisherigen Anstrengungen
werde man um Einschnitte nicht herumkommen. Ohne neue Schulden will der
niedersächsische Ministerpräsident ab 2017 auskommen. Dies könne man nur mit einer
„extremen Kraftanstrengung“ schaffen.
„Agrarland Nummer eins“
Grotelüschen selbst kündigte mit Blick auf die ländliche Entwicklung als Prioritäten das
Landes-Raumordnungsprogramm und das Programm zur Förderung im ländlichen Raum
(Profil) an. Von 2007 bis 2013 stünden EU-Mittel in Höhe von insgesamt 975 Mio Euro für
Profil zur Verfügung. „Wir setzen uns dafür ein, dass diese Mittel bei der anstehenden
Diskussion um die Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik ebenso gesichert werden wie die
Direktzahlungen an unsere Landwirte“, betonte die neue Ministerin. Insgesamt flössen im
Bereich der Gemeinsamen Agrarpolitik von 2007 bis 2013 rund 7,4 Mrd Euro nach
Niedersachsen. Als Ziel gab sie aus, den Titel „Agrarland Nummer eins“ erfolgreich zu
verteidigen. Die niedersächsische Landwirtschaft liege bei den Verkaufserlösen wie bei der
Bruttowertschöpfung im Vergleich aller Bundesländer vorn.
SPD erwartet Umsteuern in Brüssel
Für die Opposition erklärte SPD-Fraktionschef Wolfgang J ü t t n e r mit Blick auf die
Brüsseler Verhandlungen zur EU-Agrarpolitik nach 2013, die bisherige Logik der
Direktzahlungen werde „so mit Sicherheit keinen Bestand haben“. Niedersachsen profitiere
von den Direktzahlungen zurzeit jedes Jahr mit mehr als 1 Mrd Euro. Die Direktzahlungen
würden heute dann geleistet, wenn Recht und Gesetz eingehalten werden. Die Zahlungen ab
2014 würden sich an Fragestellungen wie Qualität der biologischen Vielfalt, Tierschutz und
Nachhaltigkeit orientieren, meinte Jüttner. Diese ökologischen Kriterien würden die Kriterien
für Finanztransfers in der Landwirtschaftspolitik ab 2014 sein. Der SPD-Fraktionschef
kritisierte aufgrund dieser Erwartung den Beschluss des niedersächsischen Kabinetts vom
Januar 2010 zur EU-Agrarpolitik, wonach die bisherige Logik der Finanzierung
aufrechterhalten bleiben solle, wofür Niedersachsen in Brüssel kämpfen wolle. Dieser Kampf
sei nicht zu gewinnen, sagte Jüttner und plädierte für „nachhaltigere Landwirtschaft in
Niedersachsen“.
Wachstumschancen durch Bio oder Halal
Wulff sieht die Landwirtschaft als Branche „geprägt von stabilen mittelständischen Strukturen
mit innovativen und flexiblen kleinen und mittleren Unternehmen, aber auch
branchenprägenden Großunternehmen wie etwa Nordmilch, Nordzucker oder Deutsche
Frühstücksei“. Jeder fünfte Arbeitsplatz in Niedersachsen sei mit der Land- und
Ernährungswirtschaft verbunden. „Neue Marktchancen für niedersächsische Produkte
eröffnen sich vor allem auf den weltweit wachsenden Agrarmärkten, in der Erzeugung von
Energieträgern und nachwachsenden Rohstoffen sowie durch die Bedienung neuer
Marktsegmente wie Bio, Halal, Functional Food oder Convenience-Produkten“, sagte der
CDU-Politiker in seiner Regierungserklärung. Wachstum und Nachhaltigkeit in der
Nahrungsmittelproduktion blieben weltweit zentrale Herausforderungen. Davon könne
Niedersachsen profitieren. In den kommenden Jahren werde es darum gehen, wichtige
Themenfelder wie Ernährungswirtschaft, Bioenergie, Tierschutz oder Ökolandbau durch
Kompetenzzentren zu fördern und durch Fachbeiräte zu begleiten. „Wir werden gemeinsam
mit privaten Geldgebern Forschung und Entwicklung weiter ausbauen“, so der seit 2003
amtierende Regierungschef.
Erhalt von Infrastruktur auf dem Land als Aufgabe
Mit Veränderungen rechnet Wulff in den ländlichen Räumen, die er als „in hohem Maße
lebenswert“ bezeichnete, durch soziale Entwicklungen. Er sicherte zu, für den Erhalt
beziehungsweise die Schaffung gleichwertiger Lebensumstände zu sorgen. Dazu gehöre eine
gute Infrastruktur bei Verkehr und Versorgung, aber auch funktionierende Datenautobahnen
und erreichbare medizinische Versorgung. Hier werde es bei zurückgehender, älterer
Bevölkerung neuer Ideen bedürfen, Infrastruktur zu erhalten. In Niedersachsen zeige sich der
demographische Wandel in seiner ganzen Bandbreite. „Im Südosten haben wir die Region mit
der niedrigsten Geburtenrate in Deutschland mit überdurchschnittlich vielen älteren
Mitbürgern. Aber wir haben auch im Nordwesten Niedersachsens, rund um Cloppenburg und
Vechta, die Region mit der höchsten Geburtenhäufigkeit und einem niedrigen
Durchschnittsalter“, stellte Wulff fest.
Ausweisung von Überschwemmungsgebieten wichtig
Von besonderer Bedeutung sind laut Auffassung des Regierungschefs Hochwasser- und
Küstenschutz. Umweltminister Hans-Heinrich S a n d e r habe diese Themen ganz oben auf
die Tagesordnung gesetzt. „Wir müssen davon ausgehen, dass sowohl die länger andauernden
und intensiveren Winterniederschläge als auch die häufigeren Starkregen im Sommer neue
Anforderungen an den Hochwasserschutz stellen“, betonte der CDU-Mann aus Osnabrück. So
sei die zügige Ausweisung von Überschwemmungsgebieten eine wichtige Maßnahme für den
vorbeugenden Hochwasserschutz. Rund 1,2 Millionen Menschen an der niedersächsischen
Küste würden von einer mehr als 600 km langen Deichlinie vor Sturmfluten geschützt. In den
Klimaprojektionen zeichne sich bis zum Ende des Jahrhunderts im globalen Mittel ein
Meeresspiegelanstieg von 18 cm bis 59 cm ab. „Vorsorglich haben wir deshalb die Sollhöhen
für Küstenschutzanlagen um zusätzliche 50 cm angehoben“, erläuterte Wulff. Massive
Küstenbauwerke würden so ausgelegt, dass sie später bei Bedarf erhöht werden könnten.
Kritik von Tierschützern
Kritik an der Personalie Grotelüschen kam von der Arbeitsgemeinschaft für artgerechte
Nutztierhaltung. Auch wenn die Geflügelwirtschaft für Niedersachsen eine große Bedeutung
habe, gehöre eine exponierte Vertreterin der Geflügelindustrie nicht in die Landesregierung.
Die Arbeitsgemeinschaft erinnerte daran, dass dem Ministerium neben der Agrarpolitik auch
Verbraucherschutz und Tierschutz unterstehen. Von Grotelüschen könne aber keine
unabhängige Politik erwartet werden, weil sie maßgeblichen Einfluss innerhalb des
Firmenkomplexes der Familie habe. AgE
Hochleistungszucht vor noch stärkerer Globalisierung
Ein Zurück zu alten Formen der Tierzucht kann es nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft
für Züchtungskunde nicht geben - Den Weg der Innovation „beharrlich und
verantwortungsbewusst“ gehen - Stellungnahme zur Zukunft von Tierzucht und
Tierzuchtforschung in Deutschland
BONN. Mit einer noch stärker globalisierten Entwicklung in der Hochleistungszucht rechnet
die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ). Eine ausreichende genetische Vielfalt
stelle die Grundlage aller züchterischen Anpassungen von Populationen an neue Ziele und
Bedingungen dar, betont die DGfZ in ihrer soeben veröffentlichten „Stellungnahme zur
Zukunft von Tierzucht und Tierzuchtforschung in Deutschland“. Diese wurde gleichzeitig an
Bundeslandwirtschaftministerin Ilse A i g n e r , Staatssekretär Dr. Robert K l o o s sowie an
die zuständigen Länderminister und Agrarausschüsse verschickt. Die DGfZ weist darauf hin,
dass sich mit der Anwendung moderner Züchtungsverfahren die Zuchtpopulation vor allem in
der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich verändert habe. Hier sei es zu einer starken
Verbreitung von wenigen, besonders leistungsfähigen Rassen gekommen, wodurch lokale
Rassen häufig weitgehend verdrängt worden seien. Die heute bestehenden, verschiedenen
Anwendungsperspektiven können der DGfZ zufolge nur durch innovative Forschung und im
internationalen Verbund realisiert werden. Die Sicherstellung einer weltweit ausreichenden
und qualitativ hochwertigen Versorgung mit Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs könne nur
mit Hilfe einer kontinuierlichen, interdisziplinär gestalteten wissenschaftlichen Forschung und
einer raschen Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die züchterische Praxis
gelingen.
Patentierung erforderlich
Um den wachsenden Anforderungen an die Nutztiere züchterisch sowie im Management von
Haltung und Fütterung gerecht zu werden, seien innovative Forschung und die Ausbildung
hochqualifizierter Fachleute erforderlich, führt die DGfZ weiter aus. Die schnelle
Entwicklung molekulargenetischer Methoden erfordert nach ihrer Ansicht den Schutz
geistigen Eigentums und technischer Entwicklungstätigkeiten, zum Beispiel durch
Patentierung. Dabei dürfe die züchterische Arbeit jedoch nicht durch Patente der Tierzucht
eingeschränkt werden. Hier müssten Lösungen durch Patentgerichte, Politik und Verwaltung
gefunden werden, die den Schutz von Neuentwicklungen erlaubten und dabei die praktische
Tierzucht nicht behinderten. Ein Zurück zu alten Formen der Tierzucht könne es angesichts
der globalen Herausforderung der Menschheit nicht geben, unterstreicht die DGfZ.
Wissenschaft und Praxis der Tierzucht seien aufgerufen, den Weg der Innovation „beharrlich
und verantwortungsbewusst“ zu gehen.
Produkt jahrhundertelanger Zucht
Die DGfZ verweist auch darauf, dass die zahlreichen Formen und Ausprägungen der heutigen
landwirtschaftlichen Nutztiere ein Produkt der jahrhundertelangen züchterischen Bearbeitung
seien. Inzwischen sei die Sequenzierung und Annotierung der Genome landwirtschaftlicher
Nutztiere fortgeschritten, und es würden informative Genkarten vom Rind, Schwein,
Geflügel, Pferd, Hund und Biene vorliegen. Diese erlaubten sowohl die Analyse des Genoms
als auch ihre Multiplikation mittels gentechnologischer Verfahren. Mit den neuen
genomischen Kenntnissen sowie den Fortschritten im Bereich der modernen
Reproduktionsbiotechnologie könnten viele Begrenzungen der heutigen Zuchtarbeit
überwunden und damit neue Handlungsoptionen gewonnen werden, so die DGfZ. Ihr zufolge
ergeben sich unter anderem neue Möglichkeiten zur Prüfung und Bewertung genetischer
Vielfalt sowie zu deren Erweiterung in Nutztierpopulationen. Die modernen
biotechnologischen Verfahren, ständige Fortschritte in der Datenverarbeitung sowie die
Vereinfachungen im internationalen Austausch von genetischem Material könnten wirksam
Beiträge zur Erhaltung und zum Ausbau genetischer Vielfalt leisten. Die hierin liegenden
Chancen müssten durch international wettbewerbsfähige Forschung und deren Anwendung
für die deutsche Tierzucht genutzt werden.
Schritt in die „genomische Ära“
Auch bei den landwirtschaftlichen Nutztieren vollzieht sich nach Darstellung der DGfZ
derzeit der Schritt in die „genomische Ära“, so wie er bereits im humanen Bereich schon bei
den Labortieren gegangen worden sei. Durch geeignete Array-Verfahren lasse sich heute
bereits das vollständige Expressionsmuster für mRNA beziehungsweise Proteine von
einzelnen Organen beziehungsweise ganzen Organsystemen darstellen. Das sei die Basis für
neue Erkenntnisse über die Interaktion zwischen Genen und Genclustern. Die Kenntnisse
dieser molekularen Netzwerke würden zu einem deutlich verbesserten Verständnis von
Abläufen im Tier unter bestimmten Haltungsbedingungen führen. Voraussetzung sei eine
intensive interdisziplinär kooperative Forschung. Die deutsche Tierzucht müsse sich diesen
Herausforderungen offen und aufnahmebereit stellen, fordert die DGfZ.
Transgene Tiere kommen
Darüber hinaus macht die DGfZ unter anderem darauf aufmerksam, dass es schon heute
möglich sei, landwirtschaftliche Tiere mit zielgenauen genetischen Veränderungen zu
erzeugen, indem molekulargenetische Verfahren mit denen des somatischen Kerntransfers
verbunden würden. Verfahren, die bei der Maus bekannt seien und eine optimierte,
hochregulierbare Expression von genetischen Elementen erlaubten, würden zunehmend für
Großtiere adaptiert. Neben den bereits heute bekannten biomedizinischen Anwendungen
transgener Nutztiere wie „Gene Pharming“ und Xenotransplantation würden
landwirtschaftliche Anwendungsperspektiven entwickelt, mit denen zukünftigen
Anforderungen im Hinblick auf Effizienz, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit besser
als bisher begegnet werden könne. Transgene Nutztiere dienen laut DGfZ auch zunehmend
als Modell zur Erforschung wichtiger humaner Erkrankungen wie Mukoviszidose, Diabetes,
verschiedene Formen von Tumoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies betreffe sowohl
die Grundlagenforschung als auch die präklinische Erprobung. Auch für die Erprobung
stammzellbasierter Therapien zeichne sich ein zunehmender Bedarf für gentechnisch
veränderte Großtiere ab. Die Forschung sei aufgerufen, die neuen Tätigkeitsfelder rechtzeitig
zu erkennen und den wissenschaftlichen Nachwuchs daraufhin auszubilden, so die DGfZ.
AgE
Resistente Bakterien in der Nutztierhaltung häufig anzutreffen
BRÜSSEL/PARMA. Viele schädliche Bakterien, mit denen Nutztiere in Kontakt kommen,
sind in der EU gegen antimikrobielle Stoffe resistent, was zum Problem für die Behandlung
von Menschen werden könnte. Das geht aus einer Übersichtsstudie hervor, die von der
Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Zusammenarbeit mit der
Technischen Universität Dänemark für den Zeitraum 2004 bis 2007 erstellt wurde. Die
Proben wurden in Schweine-, Rinder- und Geflügelbeständen gesammelt beziehungsweise
aus Nahrungsmitteln isoliert. Resistenzen fand man laut EFSA im Allgemeinen bei Stämmen
von Salmonellen, Campylobacter, Escherichia coli und Enterokokken. Betroffen waren
Substanzen wie Ampicillin, Sulfonamid und Tetrazykline, Fluoroquinolone, Cephalosporine
und Makrolide. Insbesondere die Widerstandsfähigkeit gegen die letztgenannten Stoffgruppen
hält EFSA für bedenklich, da diese zu den besonders wichtigen antimikrobiellen Substanzen
in der Humanmedizin gezählt würden. In einigen Enterokokkenproben von Geflügel wurden
ferner Resistenzen gegen Vancomycin nachgewiesen, wenn auch auf niedrigem Niveau.
EFSA hält dies für ein Überbleibsel des früheren Einsatzes von Avoparcin. Der als
Leistungsförderer angewandte Wirkstoff wurde bereits 1997 verboten. EFSA sieht darin einen
Beleg, dass Resistenzgene auch nach dem Verschwinden eines kritischen Stoffs vom Markt
noch lange Zeit in den Bakterien verbleiben können. Insgesamt berichtet die Behörde von
großen Abweichungen in den Resistenzniveaus zwischen den Mitgliedstaaten. Diese
Beobachtungen könnten tatsächliche Unterschiede widerspiegeln, seien teilweise aber auch
auf verschiedenartige Kontroll- und Berichtssysteme zurückzuführen, im Falle von
Salmonellen auch auf die von Land zu Land andere Verteilung der einzelnen Serotypen.
Innerhalb der Mitgliedstaaten seien die Resistenzen über den Berichtszeitraum hinweg
größtenteils relativ stabil geblieben. AgE
Transparenz und Kooperation bestimmen Zukunft der Wertschöpfungskette
Schweinefleisch
Fundament des Vertrauens zum Verbraucher und zwischen den Produzenten Kundenwünsche müssen erkannt und auf allen beteiligten Stufen kommuniziert werden - Der
Schnittstelle Mäster und Schlachthof kommt eine besondere Bedeutung zu - Risikoorientierte
Schlachttier- und Fleischuntersuchung bietet teilweise noch ungenutztes Potential
GROSSENKNETEN. In Zukunft werden Transparenz und Kooperation entlang der gesamten
Wertschöpfungskette maßgeblich die Zukunftsfähigkeit der Schweinefleischerzeugung
bestimmen. Davon hat sich der Direktor für Landwirtschaft beim Fleischverarbeiter Vion,
Dr. Heinz S c h w e e r , auf einer Tagung überzeugt gezeigt, zu der das Niedersächsische
Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft (NieKE) zusammen mit der Universität Göttingen
nach Großenkneten eingeladen hatte. Transparenz stelle das Fundament für Vertrauen
zwischen den Produzenten entlang der Wertschöpfungskette dar, was letztlich wiederum die
Voraussetzung dafür sei, das Vertrauen der Verbraucher zu gewinnen. Schweer sieht für die
Zukunft vier „Megatrends“, mit denen sich die Branche auseinandersetzen muss, und zwar
Nachhaltigkeit, Gesundheit/Tierschutz, Genuss/Convenience sowie Regionalität.
Entscheidend sei es, Kundenwünsche zu erkennen und auf allen beteiligten Stufen zu
kommunizieren. Dazu gebe es bei Vion bereits unternehmensübergreifende Initiativen. Am
Standort Zeven laufe derzeit beispielsweise ein Pilotprojekt zur risikoorientierten
Fleischuntersuchung, das die enge Kooperation und Kommunikation mit den Mastbetrieben
einschließe, um so den Verbraucherschutz zu verbessern. Auch die Genussqualität der
Produkte betreffe die vorgelagerten Stufen, da die Fleischbeschaffenheit maßgeblich durch
die Genetik der Schweine bestimmt werde, erklärte Schweer. Ein aktuelles Züchtungsprojekt
befasse sich mit der Verbesserung von Fleischqualität bei gleichzeitiger Erhöhung der
Mastleistungen. Moderator Prof. Ludwig T h e u v s e n von der Universität Göttingen stellte
vorab den Forschungsverbund Agrar- und Ernährungswissenschaften Niedersachsen (FAEN)
vor, aus dessen Forschungsaktivitäten heraus die Tagung entstanden war. Theuvsen verwies
auf die Aktualität und Vielgestaltigkeit des Themas „Transparenz in Wertschöpfungsketten
der Fleischwirtschaft“ und kündigte weitere Forschungsaktivitäten seines Lehrstuhls auf
diesem Gebiet an.
Datenkombination bietet sinnvolle Entscheidungsgrundlage
Für Prof. Thomas B l a h a von der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover kommt der
Transparenz an der Schnittstelle Mäster und Schlachthof zur Verbesserung der Tiergesundheit
und Lebensmittelsicherheit eine besondere Bedeutung zu. Hier gebe es ein überwiegend noch
ungenutztes Potential der durch EU-Recht ermöglichten risikoorientierten Schlachttier- und
Fleischuntersuchung. Basis für dieses Verfahren seien die sogenannten
Lebensmittelketteninformationen, die auf der Stufe der Schweinemast dokumentiert würden,
also beispielsweise eingesetzte Arzneimittel, Analysen der Zoonose- und
Rückstandsüberwachung sowie die Ergebnisse früherer Schlachtkörperuntersuchungen. Diese
würden dem Schlachthof übermittelt. Ein funktionierender Informationsaustausch sei die
wichtigste Komponente der erforderlichen Transparenz und Prozessoptimierung in der
Schweinefleischerzeugung, weil der Tierbestand bis heute in der Kette die größte „black box“
darstelle, sagte Blaha. Nur die Kombination von Daten aus dem Bestand und vom Schlachthof
könne eine sinnvolle Entscheidungsgrundlage für eine funktionierende risikoorientierte
Schlachttier- und Fleischuntersuchung ergeben.
QS-Software-Plattform ein wichtiger Baustein
Dr. Alexander H i n r i c h s von der Qualität und Sicherheit GmbH (QS) gab einen
detaillierten Einblick in die stufenübergreifende Qualitätssicherung in der Systemkette Fleisch
und Fleischwaren. Wichtige Bausteine für Transparenz seien das Salmonellen- und
Futtermittelmonitoring sowie die QS-Software-Plattform. Letztere werde von den zahlreichen
Systempartnern, Auditoren, Laboren und landwirtschaftlichen Bündlern genutzt und stelle
damit ein funktionierendes Tool für Koordinationsaufgaben entlang der gesamten
Wertschöpfungskette dar. Mit Blick auf die Auslandsmärkte unterstrich Hinrichs die große
Bedeutung der Vernetzung internationaler Standards. Bereits heute könnten rund 16 000
ausländische Systempartner in das QS-System liefern. Zudem nehme sich QS intensiv den
aktuellen Themen Ferkelkastration, Gentechnik und Nachhaltigkeit an. Diese erforderten
Kommunikation und Vertrauen der einzelnen Partner untereinander. Handlungspotentiale für
die Zukunft sehe QS in der Verzahnung ihres eigenen Systems mit der amtlichen
Lebensmittelkontrolle.
Reibungsloser Informationsaustausch schafft Transparenz
Mark D e i m e l von der Universität Göttingen informierte über die aktuelle
Transparenzdebatte in der Fleischwirtschaft. Mit Blick auf die Öffentlichkeit und den
Verbraucher skizzierte er aktuelle Herausforderungen für die Unternehmen wie beispielsweise
die Kommunikation von Umwelt-, Tierschutz- oder Lebensmittelsicherheitsstandards. In
diesem Zusammenhang verwies er auf die Problematik einer möglichen ungleichen Kostenund Nutzenverteilung entlang der Wertschöpfungskette. Diese Themen seien derzeit mehr
denn je Bestandteile eines zunehmend kritischer werdenden Mediendiskurses. Es sei zu
beobachten, dass Transparenz nicht nur ein Verbraucherthema sei, sondern auch einen
zentralen Bestandteil der Kooperation zwischen Unternehmen der Wertschöpfungskette
darstelle, erklärte Deimel. Transparenz könne in Form eines reibungslosen
stufenübergreifenden Informationsaustausches vom landwirtschaftlichen Erzeuger bis zum
Handel eine schnellere Anpassung an neue Kundenwünsche im Inland und insbesondere auf
den Exportmärkten ermöglichen und somit die Marktorientierung der deutschen
Schweinefleischproduktion stärken.
Unabhängiges Prüf- und Testinstitut wählen
Aus der Sicht eines Markenartiklers der Fleischverarbeitung referierte der Inhaber und
Geschäftsführer der Rügenwalder Mühle in Bad Zwischenahn, Christian R a u f f u s , über
neue Anforderungen an die Kommunikation mit dem Verbraucher. Er stellte unter anderem
das sogenannte „clean labeling“ vor, mit dem die Hersteller dem Wunsch der Verbraucher
nach mehr Natürlichkeit entsprechen können, beispielsweise in Form des Verzichts auf
Zusatz- und Aromastoffe sowie synthetische Stoffe. Eine besonders vertrauenserhaltende
Maßnahme ist nach Ansicht von Rauffus die Wahl eines unabhängigen Prüf- und
Testinstitutes mit ganzheitlichem Qualitätsansatz und Qualitätssiegel. So könne man
glaubhaft das Motto „Drin ist, was drauf steht“ & „Drauf steht, was drin ist“ kommunizieren.
Rauffus beschrieb in seinem Beitrag neue Verbrauchertypen mit einem erweiterten
Qualitätsverständnis, beispielsweise hinsichtlich eines zunehmend „ethischeren Konsums“
mit den Forderungen nach Natürlichkeit, Regionalität oder Umweltverträglichkeit.
Transparenzinitiative
Das Gutfleisch-Transparenz-Programm stellte Matthias B i e r m a n n vom Fleischwerk
EDEKA Nord vor. Übergeordnetes Ziel zu Beginn der Transparenzinitiative sei die Schaffung
einer verbraucherorientierten Vermarktungspraxis via Internet gewesen, erklärte Biermann.
Mittels der Chargennummer des gekauften Produkts könne sich der Verbraucher auf der
Gutfleisch-Homepage über die gesamte Produktionskette eines Fleischproduktes informieren.
Das Programm bilde Transparenz auf allen Stufen der Produktionskette ab. Voraussetzung
und gleichsam Herausforderung sei der Aufbau einer einzigen Datenbank mit der
Zusammenführung von Informationen gewesen, wie zum Beispiel die Abstammungs-,
Gesundheits-, Prozess- und Qualitätsdaten der beteiligten Produktionsstufen. Nach Biermanns
Worten wurde mit dem System neben der Recherchemöglichkeiten für den Konsumenten
sowie einer möglichen Identifikation der Verbraucher mit dem tierhaltenden Landwirt auch
ein effektives Tool im Qualitäts- und Krisenmanagement der beteiligten Produktionsstufen
geschaffen. AgE
Verbände fordern Systemwechsel in der EU-Agrarpolitik
Zahlungen an die Erbringung gesellschaftlicher Leistungen binden - Zweite Säule zum Kern
der Förderpolitik ausbauen - Direktzahlungen nur noch für Übergangszeitraum fortführen und
an wirksame ökologische und sozio-ökonomische Kriterien knüpfen - Verpflichtende
nationale Kofinanzierung für sämtliche Fördermaßnahmen
BERLIN. Einen Systemwechsel in der europäischen Agrarpolitik fordern 27 Verbände aus
den Bereichen Umwelt, Landwirtschaft und Entwicklungspolitik in einem gemeinsamen
Positionspapier. Die Förderung müsse sich künftig am Leitbild einer „multifunktionalen,
bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft mit globaler Verantwortung“ orientieren, heißt es in
dem Papier, das in der vergangenen Woche in Berlin vorgestellt wurde. Ziel sei eine
Lebensmittelerzeugung, „die ökologisch intakte Kulturlandschaften prägt, Arbeitsplätze
schafft und Tierschutzanliegen ebenso ernst nimmt wie die globalen Entwicklungsfragen und
den Klimaschutz“. Jegliche Zahlungen der EU will die Verbändeplattform an die Erbringung
konkreter gesellschaftlicher Leistungen binden. Eine pauschale Honorierung wird abgelehnt.
Zum Kern der Förderpolitik soll die Zweite Säule ausgebaut werden. Die bisherigen
Direktzahlungen sollen in einem Übergangszeitraum mit „wirksamen ökologischen und sozioökonomischen Kriterien“ verknüpft werden. Dazu zählen eine Mindest-Fruchtfolge,
ökologische Vorrangflächen von 10 % der Betriebsfläche sowie eine größenabhängige
Staffelung der Zahlungen unter Berücksichtigung der Arbeitskräfte. Für sämtliche
Fördermaßnahmen wollen die Verbände eine verpflichtende nationale Kofinanzierung
einführen. Dabei seien solche Maßnahmen mit einem möglichst hohen EU-Anteil
auszustatten, „die auf besonders hohe Leistungen der Betriebe im Tier-, Umwelt- und
Naturschutz abzielen“, lautet eine Forderung in dem rund 30-seitigen Papier. Agrarpolitik
müsse insgesamt zu einer ländlichen Entwicklungspolitik fortentwickelt werden, die sich an
Nachhaltigkeitskriterien messen lasse.
Breite Debatte führen
Lutz R i b b e , Direktor von Euronatur und einer der Autoren des Papiers, bekräftigte
gegenüber Journalisten die Forderung, am derzeitigen EU-Agrarbudget festzuhalten.
Voraussetzung dafür sei jedoch eine „Neujustierung der Ausgabenpolitik“. Ribbe kritisierte
ebenso wie der Vorsitzende vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND),
Prof. Hubert W e i g e r , sowie Bioland-Präsident Thomas D o s
c
h die
Reformunwilligkeit der Bundesregierung, die lediglich auf ein „Weiter so“ in der EUAgrarpolitik setze. Die agrarpolitische Diskussion konzentriere sich auf die Suche nach
Argumenten, möglichst wenig am bestehenden System zu ändern. Eine eingehende
Zieldiskussion finde jedoch nicht statt. Positive Ansätze für eine zukunftsgerichtete
Agrarpolitik gebe es lediglich im vorliegenden SPD-Papier. Der Vorsitzende der
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Dr. Friedrich Wilhelm G r a e f e z u
B a r i n g d o r f , stellte die ungleiche Verteilung der EU-Gelder zwischen den Betrieben in
den Mittelpunkt der Kritik und forderte eine gesellschaftliche Auseinandersetzung über diese
Frage. Armin P a a s c h von Misereor kritisierte eine auf Produktions- und Exportsteigerung
ausgerichtete EU-Agrarpolitik und mahnte eine stärkere Rücksichtnahme auf die Belange der
bäuerlichen Landwirtschaft in Entwicklungsländern an.
vzbv und IG BAU fehlen
Zu den Unterzeichnern des Positionspapiers „Für eine grundlegende Reform der EUAgrarpolitik“, das im Internet unter http://bit.ly/dkXZoj zu finden ist, zählen neben der AbL
eine Reihe von ökologischen Anbauverbänden, ebenso der Bund Ökologische
Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), aber auch der Deutsche Verband für Landschaftspflege
(DVL). Vertreten sind zudem nahezu alle großen Umweltverbände, der Deutsche
Tierschutzbund sowie namhafte Entwicklungsorganisationen wie Misereor, der Evangelische
Entwicklungsdienst (EED) sowie Germanwatch. Nicht dabei sind mit der
Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der Verbraucherzentrale
Bundesverband (vzbv) zwei Organisationen, die bei ähnlichen Initiativen in der
Vergangenheit mit an Bord waren. Ribbe bedauerte insbesondere das Fehlen der vzbv.
Offenbar habe die Akzentuierung entwicklungspolitischer Fragestellungen in dem
Positionspapier den Verbraucherverband von einer Unterzeichnung abgehalten, so Ribbe, der
als zuständiger Berichterstatter im Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss (EWSA)
bereits an dessen Stellungnahme zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik beteiligt war.
Hausgemachte Probleme
Die Verbände sehen die Agrarpolitik vor einer Vielzahl von Herausforderungen zur Lösung
bestehender Probleme, die ihrer Auffassung nach zumindest teilweise von der bisherigen
Politik verursacht worden sind. Genannt werden unter anderem ein Rückgang an biologischer
Vielfalt und an Lebensräumen, Einträge von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln in
Böden, Oberflächengewässer, Grundwasser und Lebensmittel, ein Verlust von Arbeitsplätzen
in der europäischen Landwirtschaft oder auch das Fehlen von Tierschutz in der
Nutztierhaltung als verbindliches Ziel der Gemeinsamen Agrarpolitik. Weitere
Herausforderungen für die europäische Agrarpolitik bestünden in der Bekämpfung des
Hungers in der Welt, dem Klimawandel oder auch in der zunehmenden Konzentration von
Lebensmittelverarbeitung und -handel. Das Gegenmodell einer fortschreitenden
Industrialisierung der Landwirtschaft, wie sie unter den derzeitigen Bedingungen
unvermeidlich sei, besteht den Verbänden zufolge in einer multifunktionalen, bäuerlichökologischen Landwirtschaft, die jedoch nicht zu „Weltmarktbedingungen und -preisen“ zu
haben sei.
Märkte gestalten
Konkret wendet sich die Verbändeplattform gegen eine Liberalisierung der Agrarmärkte.
Stattdessen seien die Marktregeln so zu setzen, dass alle Glieder der Lebensmittelkette
„gleichgewichtig in einen fairen Interessenausgleich treten können“. Zur Wahrnehmung
seiner globalen Verantwortung müsse Europa jegliche Formen von Dumping abbauen und
armen Ländern zu ihrem Recht verhelfen, ihre eigene Land- und Lebensmittelwirtschaft zu
schützen. Die generelle Absage an pauschale Zahlungen zugunsten der Landwirtschaft
begründen die Verbände damit, dass davon in erster Linie einige stark rationalisierte Betriebe
profitierten. Daher müsse die Honorierung gesellschaftlich gewünschter Leistungen an die
Stelle pauschaler Zahlungen treten. Dazu seien zielspezifische Maßnahmen in den Bereichen
Agrarumwelt-, Vertragsnatur- oder Tierschutz stark auszubauen. Dem ökologischen Landbau
wollen die Verbände aufgrund vielfältiger Vorteile eine Sonderstellung einräumen und ihn
stärker fördern. Die Investitionsförderung soll auf Vorhaben begrenzt werden, mit denen
besondere Standards im Tier-, Natur- und Umweltschutz erreicht werden.
Strengere Auflagen für Direktzahlungen
Allenfalls für eine Übergangszeit wollen die Verbände an den Direktzahlungen festhalten. Sie
seien jedoch an wirksame ökologische und sozio-ökonomische Kriterien zu binden. Angeführt
werden eine Mindest-Fruchtfolge, bei der eine Frucht maximal 50 % der Ackerflächen
einnimmt und mindestens 20 % Leguminosen angebaut werden, ferner ökologische
Vorrangflächen auf wenigstens 10 % der Betriebsfläche, ein vollständiges Verbot des
Grünlandumbruchs in sensiblen Bereichen, eine ausgeglichene Hoftorbilanz für Stickstoff
sowie ein Verzicht auf den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen. Zur Einbeziehung
sozio-ökonomischer Kriterien wird eine größenabhängige Staffelung der Direktzahlungen bei
Berücksichtigung eines Arbeitskräftefaktors vorgeschlagen. Betriebe mit einem in Bezug auf
die Fläche hohen Angebot an Arbeitsplätzen dürften nicht gegenüber „durchrationalisierten
Betrieben mit geringer Arbeitskraftausstattung“ benachteiligt werden. AgE
Flächen in Veredlungsregionen zunehmend teurer
Die Preise für Acker- und Grünland werden in Niedersachsen immer weniger von der
Bodengüte und immer mehr vom Flächenbedarf in der Region bestimmt - In den Landkreisen
des Weser-Ems-Gebietes sind die durchschnittlichen Kaufpreise für Ackerland so hoch wie
nie zuvor - Landwirtschaftskammer nennt Zahlen für die verschiedenen Landesteile
HANNOVER. Die Preise von Acker- und Grünland in Niedersachsen werden immer weniger
von der Bodengüte und immer mehr vom Flächenbedarf in der Region bestimmt. Darauf hat
die Landwirtschaftskammer Niedersachsen vergangene Woche in einer Presseverlautbarung
hingewiesen. Als Beispiel dafür nennt sie das Weser-Ems-Gebiet: Hier führe die intensive
Tierhaltung zu einer starken Nachfrage, so dass für Ackerflächen mit geringer bis mittlerer
Bodengüte nach wie vor die höchsten Preise in Niedersachsen gezahlt würden, und zwar bei
weiter steigender Tendenz, erläuterte die Kammer. Dieser Aufwärtstrend sei bei den besten
niedersächsischen Böden im südöstlichen Landesteil nicht festzustellen. Hier verharrten die
Preise, allerdings auf hohem Niveau. Landesweit betrachtet tendiere der Bodenmarkt stabil
und habe sich seit 1996 kaum verändert. Nach der Kaufwertestatistik 2008 hat sich Ackerland
im Zeitraum 1996 bis 2007 nach Angaben der Kammer um durchschnittlich 4 000 Euro auf
24 000 Euro pro Hektar verteuert. Am deutlichsten seien die Steigerungen bezogen auf den
Hektar in den Veredlungszentren der Landkreise Emsland mit 7 000 Euro, Cloppenburg mit
5 700 Euro, Vechta mit 5 200 Euro und Osnabrück mit 3 800 Euro gewesen.
Vechta unangefochten Spitzenreiter
In den veredlungsstarken Landkreisen des Weser-Ems-Gebietes sind die durchschnittlichen
Kaufpreise für Ackerland der Landwirtschaftskammer zufolge so hoch wie nie zuvor.
Unangefochtener Preisführer sei der Landkreis Vechta, in dem das Preisniveau schon immer
am höchsten gewesen sei und aktuell bei durchschnittlich 34 000 Euro/ha liege. Selbst
Grünland koste dort mit 14 000 Euro/ha mehr als Ackerland in einigen anderen Regionen.
Noch teurer sei der Hektar Grünland in den Landkreisen Grafschaft Bentheim mit
19 500 Euro, Emsland mit 17 000 Euro, Osnabrück mit 16 000 Euro und Cloppenburg mit
15 000 Euro. Das andere Ende der Skala markiere die Region Lüneburg. Hier lägen die Preise
mit durchschnittlich 11 000 Euro/ha Acker- und 8 000 Euro/ha Grünland weit unterhalb des
Landesdurchschnitts. Daran habe sich in den letzten Jahren nur wenig verändert.
Schlusslichter innerhalb der Region seien die Landkreise Lüchow-Dannenberg und Lüneburg
mit nur 7 000 Euro bis 10 000 Euro pro Hektar Acker- und weniger als 7 000 Euro pro Hektar
Grünland. In den Landkreisen Stade und Verden würden für 1 ha Ackerland immerhin
14 000 Euro bis 15 000 Euro gezahlt und für 1 ha Grünland 8 500 Euro bis 9 500 Euro.
Bodengüte in vieharmen Regionen bestimmend
Höher als in der Region Lüneburg, aber noch unterhalb des Landesdurchschnitts liegt der
Landwirtschaftskammer zufolge das Kaufpreisniveau in der Region Braunschweig. In dieser
vieharmen Ackerbauregion stiegen die Bodenpreise mit der Güte des Bodens. Sie lägen in den
Landkreisen Wolfenbüttel und Peine, die mit guten Böden gesegnet seien, bei 21 000 Euro bis
23 000 Euro für den Hektar Ackerland und in Gifhorn mit seinen leichten Böden nur bei
knapp 10 000 Euro/ha. Grünland werde dort kaum nachgefragt und im Durchschnitt mit
7 000 Euro/ha gehandelt. Auch im ehemaligen Regierungsbezirk Hannover mache die
Bodengüte den Kaufpreis aus, stellte die Kammer fest. So liege der Landkreis Hildesheim mit
seinen hervorragenden Bördeböden bei Preisen von mehr als 26 000 Euro/ha für Ackerland
ganz oben und tendiere bei leichter Zunahme stabil. Abgefallen seien die Kaufpreise für
Ackerland in der Region Hannover. Sie lägen mit 20 000 Euro/ha um etwa 5 000 Euro
niedriger als im langjährigen Durchschnitt. Im Landkreis Diepholz, der eher mit der
Veredlungsregion Weser-Ems zu vergleichen sei, seien die Preise hingegen um 4 500 Euro
auf nunmehr 18 500 Euro pro Hektar Ackerland gestiegen. Die Grünlandpreise hätten nur in
Diepholz und Schaumburg zugelegt, in den übrigen Landkreisen abgenommen und lägen im
Mittel bei unverändert 9 000 Euro/ha. AgE
Relativ niedriger Konzentrationsgrad in der Mischfutterbranche
„Top Ten“ der Futtermittelbranche vereinten 2009 einen Marktanteil von 55 Prozent auf sich Intensiver Wettbewerb begünstigt die Schweinehaltung im Nordwesten Deutschlands Agravis Raiffeisen AG und Deutsche Cremer Tiernahrung Marktführer - Auswertung der
Strukturen der Schweinemischfutterproduktion durch die ISN
DAMME. Der Konzentrationsgrad der Mischfutterindustrie in Deutschland ist noch relativ
niedrig. Der daraus resultierende intensive Wettbewerb ist einer der Standortfaktoren, die die
Schweinehaltung im Nordwesten des Bundesgebietes begünstigen. Zu diesem Ergebnis
kommt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in einer aktuellen
Auswertung des deutschen Mischfuttermarktes. Seit der ersten Auswertung zum Jahr 2006
liegen laut ISN zwei Jahre mit hohen Rohwarenpreisen hinter den Veredlungsbetrieben. Viele
Landwirte hätten die Hochpreisphase genutzt und ihr Getreide verkauft anstatt es selbst zu
mischen. Auch seien in Nordwestdeutschland die Mastkapazitäten kräftig ausgebaut worden.
Der Strukturwandel in der Schweinehaltung habe zusätzlich in Richtung Mischfuttereinsatz
gewirkt, denn in größeren Betrieben binde die eigene Futterherstellung häufig zu viel Kapital
und Arbeit, so dass sich ein kompletter Futterzukauf besser in die betriebliche Organisation
einfüge, erläuterte die ISN. Laut ihren Angaben steigerten die „Top Ten“ der
Futtermittelbranche von 2006 bis 2009 ihre Gesamttonnage um 12,5 % auf 11,5 Mio t und
vereinten einen Marktanteil von 55 % auf sich. Die “Top Five“ hätten 2009 jeweils mehr als
1 Mio t Mischfutter produziert. Dazu gehörten die Deutsche Tiernahrung Cremer in
Düsseldorf mit 2,3 Mio t, die Agravis Raiffeisen AG in Münster mit 2,17 Mio t, die BröringUnternehmensgruppe in Dinklage mit 1,35 Mio t, die Mega Rechterfeld mit 1,1 Mio t und die
For-Farmers-Gruppe aus dem niederländischen Lochem mit 1,04 Mio t.
Spitze behauptet sich
Die Erzeugung von Schweinemischfutter wurde der ISN zufolge in den vergangenen drei
Jahren bundesweit um 784 000 t oder 9,6 % auf 8,92 Mio t gesteigert. Die Anzahl der
produzierenden Betriebe habe amtlichen Angaben zufolge um 8,6 % auf 330 Unternehmen
abgenommen. Allein die zehn größten Schweinefutterhersteller hätten ihre Produktion um
rund 440 000 t auf insgesamt 4,44 Mio t ausgeweitet. Mit moderatem Wachstum hätten
Agravis und Deutsche Cremer Tiernahrung ihre vorderen Positionen aus dem Jahr 2006 in
diesem Segment behaupten können. Sie hätten voriges Jahr 850 000 t und 750 000 t
Schweinefutter vermarktet. Die Unternehmensgruppe Bröring sei näher an den Erst- und
Zweitplatzierten herangekommen. Sie habe die Herstellung von Schweinemischfutter in den
vergangenen drei Jahren insgesamt um ein Viertel auf 650 000 t gesteigert. Die Raiffeisen
Hauptgenossenschaft Nord AG (HaGe), die sich mittlerweile zu 100 % in den Händen der
Dansk Landbrugs Grovvarelskab (DLG) befinde, habe den Absatz leicht ausgebaut, und zwar
auf 445 000 t. Die von der niederländischen Gruppe For Farmers übernommenen BelaMühlen, die auf den fünften Platz rangierten, konnten ihre Schweinefutterproduktion laut ISN
um 14 000 t auf 360 000 t steigern. Bela produziere in Langförden bei Vechta, in Hamburg
und Rees am Niederrhein. Das niederländische Unternehmen sei außerdem vom Stammsitz
Lochem aus am deutschen Markt aktiv, erläuterte die Interessengemeinschaft.
Mittelfeld holt auf
Überdurchschnittlich stark gewachsen sind laut ISN die GS agri mit Sitz in Schneiderkrug
und die Fleming & Wendeln-Gruppe in Garrel. In der Skala nehmen sie den sechsten und
siebten Rang ein. Die GS agri einschließlich der Landwirtschaftlichen Bezugsgenossenschaft
Garrel sowie Landwehr aus dem Oldenburger Münsterland habe den Absatz von
Schweinefutter im Berichtszeitraum um 110 000 t oder fast 46 % auf 350 000 t ausgeweitet.
Ähnliches gelte für die Fleming & Wendeln-Gruppe, die einschließlich der Leikra Leipziger
Kraftfuttermittel GmbH die Produktion um 94 000 t beziehungsweise 42 % auf 315 000 t
ausbaute. Es folgten bezogen auf den Ausstoß an Schweinemischfutter das Unternehmen
ATR Landhandel mit 300 000 t, die Rothkötter Kraftfutterwerke GmbH mit 225 000 t und die
Landwirtschaftliche Bezugsgenossenschaft Damme (LBD) mit 195 000 t. Auf den Plätzen elf
bis 21 ließen sich einige Unternehmen als Schweinefutterspezialisten ausmachen, führte die
ISN aus. Sie nennt die RWG Grafschaft Hoya mit einem Anteil von 68 % Schweinefutter an
der Gesamttonnage, die Strahmann GmbH & Co. KG mit 82 %, die RWG Ankum mit 83 %,
die Kohnen einschließlich Eirero in Sögel mit 85 % und Diekgerdes Landhandel mit 90 %.
Diese fünf Unternehmen hätten in der Berichtsperiode den Schweinefutterabsatz um 152 000 t
gesteigert.
Betriebe im Süden verlieren
Abschließend stellte die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands fest, dass
jene Unternehmen, die in den nordwestdeutschen Veredlungsregionen geschäftsansässig
seien, ihren Absatz von Schweinefutter hätten gut ausbauen können. Die
Investitionsfreudigkeit der nordwestdeutschen Schweinehalter in neue Mastställe habe die
starke Entwicklung der dort niedergelassenen Mischfutterindustrie gefördert. Vergleiche man
die Zuwachsraten mit denen der nord- und ostdeutschen Mischfutterproduzenten, sei in diesen
Regionen nur ein moderates Wachstum möglich gewesen, beziehungsweise die Entwicklung
sei von Stagnation geprägt. Die süddeutschen Futtermittelhersteller hätten in den vergangenen
Jahren sogar tendenziell mengenmäßig Verluste hinnehmen müssen, berichtete die ISN. So
habe die RKW Süd ihren Platz in den „Top Ten“ verloren. AgE
Top 10 der Mischfutterbetriebe in Deutschland 1)
(2006 und 2009, in 1 000 t)
Mischfutterabsatz insgesamt
2006
Deutsche Tiernahrung Cremer
Agravis Raiffeisen AG2)
Bröring
Mega Rechterfeld
For Farmers (NL), Bela-Mühle
HaGe Kiel
ATR Landhandel
GS agri3)
Rothkötter
Fleming & Wendeln
insgesamt
2009
2009:06
Absatz von Schweinemischfutter
2006
2009
2009:06
2 350
2 100
1 000
800
900
948
800
600
415
340
2 300
2 170
1 350
1 100
1 040
950
800
700
600
525
         50
+        70
+      350
+      300
+      140
+          2
±          0
+      100
+      185
+      185
730
840
520
0
346
430
300
240
187
221
750
850
650
0
360
445
300
350
225
315
+    20
+    10
+  130
+    14
+    15
  ±      0
+  110
+    38
+    94
10 253
11 535
+  1  282
3 814
4 245
+  431
1) Rang nach der Gesamttonnage an Mischfutter; 2) einschließlich Tochter; 3) einschließlich Landwehr
17/2010
Ostendorff wettert gegen ISN
BERLIN. Mit scharfer Kritik hat der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion von
Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich O s t e n d o r f f , die Interessengemeinschaft der
Schweinehalter Deutschlands (ISN) überzogen, die zur nordrhein-westfälischen Landtagswahl
am 9. Mai eine Wahlempfehlung für die CDU abgegeben hatte. „Wir Grünen werden bei
einer Regierungsbeteiligung nach der Landtagswahl im Mai die Förderung einer nachhaltigen,
tiergerechten, bäuerlichen Landwirtschaft wieder aufnehmen, die Minister Eckhard
U h l e n b e r g systematisch zusammengestrichen hat“, kündigte Ostendorff vergangene
Woche in einer Presseinformation an. Der Invasion der Massentierhalter in NordrheinWestfalen würden die Grünen hingegen Einhalt gebieten. Anstoß nahm Ostendorff
insbesondere an der Kritik der ISN an der ehemaligen nordrhein-westfälischen
Landwirtschaftsministerin Bärbel H ö h n , die sich für die Verankerung des Tierschutzes im
Grundgesetz und in der nordrhein-westfälischen Verfassung stark gemacht hatte. Wenn nun
ausgerechnet die ISN die nordrhein-westfälische Verfassung und das Grundgesetz in Frage
stelle, zeige sich, dass sie dem Tierschutz keine Bedeutung beimesse. Die ISN stehe allein für
die kleine Minderheit der Massentierhalter, meinte Ostendorff zu der Organisation aus
Damme, die rund 12 000 Mitglieder zählt und sich die Verbesserung der Wettbewerbskraft
der Schweinehalter auf die Fahnen geschrieben hat. In Turbulenzen ist die ISN vergangene
Woche durch die Trennung von ihrem langjährigen Geschäftsführer Detlef B r e u e r
geraten (vgl. KURZMELDUNGEN i.d.Ausg.). AgE
SPD kritisiert Untätigkeit Aigners bei Tierschutzproblemen in Schlachthöfen
Tierschutzbeauftragter Paula fordert sofortige Umsetzung der strengeren künftigen EUVorgaben - Einhaltung muss kontrolliert werden - Goldmann: Wirtschaft muss die Probleme
in den Griff bekommen - Diskussion im Ernährungsausschuss
BERLIN. Untätigkeit hat der Tierschutzbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Heinz
P a u l a , Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse A i g n e r im Zusammenhang mit den
bekanntgewordenen Tierschutzproblemen bei der Schweine- und Rinderschlachtung
vorgeworfen. Zwar bestätige die Ministerin, dass die betrieblichen Zustände in den
Schlachthöfen gegen Recht und Gesetz verstoßen; dennoch wolle sie nicht reagieren,
kritisierte Paula nach einer Diskussion der Thematik vergangene Woche im
Bundestagsernährungsausschuss. Aigner verweise stattdessen auf die EU-Verordnung zum
Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung, die bis 2013 umgesetzt werden müsse und die
strengere Vorschriften in Schlachthöfen vorsehe. Paula hält das für nicht ausreichend.
Vielmehr sei umgehendes Handeln gefordert. So müssten die verschärften Vorgaben der EU
sofort umgesetzt werden. Gleichzeitig seien die für Kontrollen zuständigen Länder zu
verpflichten, diese auch durchzuführen. Ausschussvorsitzender Hans-Michael G o l d m a n n
hält ebenfalls eine vorzeitige Anwendung künftiger Vorgaben für geboten, „wenn dies der
Sache dient“. Er nannte als Beispiel die Rinderschlachtung, bei der es durch eine
unzureichende Fixierung des Kopfes zu Problemen beim zielgenauen Bolzenschuss kommen
könne. Grünen-Agrarsprecher Friedrich O s t e n d o r f f warnte davor, die Probleme
beiseite zu schieben. Jeder, der die Situation vor Ort kenne, wisse, dass es noch erheblicher
Anstrengungen bedürfe, dem Tierschutz in Schlachtbetrieben gerecht zu werden.
Hochsensibles Thema
Paula sieht die Ursachen für Tierschutzverstöße bei der Schlachtung in den Entwicklungen in
Schlachthöfen. Der SPD-Politiker nannte „Massenschlachtungen von bis zu 1 500 Schweinen
in der Stunde aufgrund hoher Taktzahlen, ungenügende Qualifikation des Personals,
Arbeitsüberlastung - zu Lasten der Beschäftigten – sowie mangelnde beziehungsweise
schlecht durchgeführte Kontrollen“. Der Staat müsse seine Kontrollaufgaben wahrnehmen,
um die Defizite zu beseitigen. Goldmann appellierte an alle Beteiligten, die Probleme ernst zu
nehmen und mit Nachdruck an einer Lösung zu arbeiten. Der FDP-Politiker sieht in erster
Linie die Wirtschaft gefordert. Dies liege in ihrem ureigenen Interesse bei einem
„hochsensiblen Thema wie dem Töten von Tieren“. Keinen Zweifel ließ der FDP-Politiker an
der Zuständigkeit des Ernährungsausschusses für die aufgeworfenen Fragen: „Wir sind der
Tierschutzausschuss im Bundestag.“
Verstoß gegen die geltenden tierschutzrechtlichen Bestimmungen
Das Bundeslandwirtschaftsministerium bekräftigte im Ausschuss seine Auffassung, dass die
in den Medien berichteten Missstände in einzelnen deutschen Schlachthöfen inakzeptabel
seien und einen Verstoß gegen die geltenden tierschutzrechtlichen Bestimmungen darstellten.
Fehlerhafte Betäubungen seien aufgrund der damit für die Tiere verbundenen Leiden
unbedingt zu verhindern. Die Bestimmungen des Tierschutzes hierzu seien eindeutig: Nach §
4a des Tierschutzgesetzes dürfe ein warmblütiges Tier grundsätzlich nur geschlachtet werden,
wenn es vor Beginn des Blutentzuges betäubt worden sei. Weitere Voraussetzungen seien in
der Tierschutz-Schlachtverordnung geregelt. Die Entblutung habe zu erfolgen, solange das
Tier noch vollständig betäubt und damit empfindungs- und wahrnehmungsunfähig sei.
Weitere Schlachtarbeiten am Tier dürften erst begonnen werden, wenn keine Bewegungen des
Tieres mehr feststellbar seien. Gegen diese Bestimmungen sei offenbar verstoßen worden. Die
Einhaltung der geltenden Vorschriften obliegt dem Agrarressort zufolge in erster Linie den
jeweiligen Schlachthofbetreibern. Diese seien gefordert, ihre rechtlichen Pflichten umfassend
und verantwortlich wahrzunehmen. Tierschutz und Schlachthandwerk müssten hier Hand in
Hand gehen. AgE
Grüne wollen gewerbliche Tierhaltung von Privilegierung im Außenbereich
ausschließen
Ostendorff fordert Änderung des Baugesetzbuchs - Ausnahmeregelung für gewerbliche
Anlagen ersatzlos streichen - Privileg der Landwirtschaft im Außenbereich nicht insgesamt
aufs Spiel setzen - Politik muss auf massive Widerstände gegen den Bau von großen
Stallanlagen reagieren
BERLIN. Die Grünen wollen einer fortschreitenden Industrialisierung der Nutztierhaltung
Einhalt gebieten. Der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die
Grünen, Friedrich O s t e n d o r f f , forderte anlässlich eines Fachgesprächs seiner Fraktion
vergangene Woche in Berlin eine Änderung des Baugesetzbuchs. Ziel müsse es sein,
gewerbliche Tierhaltung künftig von der Privilegierung der Landwirtschaft im Außenbereich
auszuschließen. Ostendorff will dafür die bestehende Ausnahmeregelung für gewerbliche
Tierhaltungsanlagen, die in § 35 Absatz 4 des Baugesetzbuchs geregelt ist, ersatzlos streichen.
„Ohne einen solchen Schnitt laufen wir Gefahr, das Privileg der Landwirtschaft im
Außenbereich insgesamt zu gefährden“, sagte der Grünen-Politiker dem Presse- und
Informationsdienst AGRA-EUROPE. Ostendorff verwies auf massive Widerstände bei der
Bevölkerung, die der derzeitige Boom beim Bau von großen Tierhaltungsanlagen vor allem in
Nordwestdeutschland auslöse. Diese Widerstände könnten in eine generelle Ablehnung
landwirtschaftlicher Nutztierhaltung umschlagen. Die Politik müsse dem Rechnung tragen
und dürfe die Zukunft der bäuerlichen Landwirtschaft nicht aufs Spiel setzen, mahnte der
Abgeordnete. Er kündigte eine Gesetzesinitiative seiner Fraktion für eine entsprechende
Novellierung des Baugesetzbuchs an.
Erleichterungen bei der Genehmigung zurücknehmen
Darüber hinaus sieht Ostendorff die Notwendigkeit für weitere Maßnahmen zur Eindämmung
der „Massentierhaltung“. Beispielsweise müssten im Rahmen der
immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren die 2007 beschlossenen
Erleichterungen rückgängig gemacht werden. Damals seien die Stallgrößen, bei denen eine
Öffentlichkeitsbeteiligung über amtliche Bekanntmachungen und mit
Einspruchsmöglichkeiten der Bürger erfolgen muss, deutlich angehoben worden. Die
Investitionsförderung sollte dem Abgeordneten zufolge an strenge Mindeststandards
gebunden werden. Vorgeschlagen wird unter anderem eine Grenze von zwei
Großvieheinheiten pro Hektar (GVE/ha), um ein ausgewogenes Verhältnis von Tierzahl zu
Futterfläche zu erreichen. Darüber hinaus bedürfe es einer Verpflichtung, dass in
Tierhaltungsanlagen die beste verfügbare Filtertechnik verwendet und regelmäßig an den
neuesten Stand angepasst werden muss. Schließlich plädiert Ostendorff für die Einführung
einer europaweiten, verpflichtenden Tierschutzkennzeichnung für alle tierischen Lebensmittel
sowie für ein Verbot der Verbrauchertäuschung in der Werbung. AgE
Hähnchenfleischexport Brasiliens nahezu unverändert
WASHINGTON. Brasilien hat im Krisenjahr 2009 den Export von Hähnchenfleisch
zumindest mengenmäßig stabil halten können. Wie der US-Agrarattaché in Brasilia
berichtete, wurden nahezu unverändert zu 2008 rund 3,44 Mio t Hähnchenfleisch exportiert.
Allerdings sank der Wert der Ausfuhren um 16 % auf umgerechnet 3,9 Mrd Euro. Angesichts
der weltweit wieder besseren wirtschaftlichen Lage sowie der höheren Mais- und Sojaernte in
Brasilien setzt die Geflügelbranche des Landes nach Angaben des US-Agrarattachés auf eine
höhere Nachfrage im laufenden Jahr. Gerechnet wird mit einer Steigerung der
Hähnchenfleischerzeugung um 4 % auf 11,4 Mio t und einer Zunahme der Exportmenge um
den gleichen Prozentsatz. Zum wichtigsten Abnehmer für brasilianisches Hähnchenfleisch
entwickelte sich 2009 Saudi Arabien; das Königreich dehnte die Bezüge im Jahresvergleich
um fast ein Viertel auf gut 496 000 t aus. Es folgte Hongkong, dessen Importe um 3 % auf
428 000 t zulegten. In die Europäische Union wurden voriges Jahr knapp 312 000 t
brasilianisches Hähnchenfleisch geliefert; das waren gut 3 % weniger als 2008. Sehr stark
schränkte Japan seine Einfuhren ein, und zwar um 27 % auf 308 000 t. Wichtige Bezieher von
Hähnchenfleisch aus Brasilien waren 2009 außerdem die Vereinigten Arabischen Emirate mit
212 000 t, Kuwait mit 204 000 t, Venezuela mit 165 000 t, Südafrika mit 161 000 t und der
Irak mit 142 000 t. Russland reduzierte seine Bezüge um mehr als die Hälfte auf weniger als
73 000 t. Die Volksrepublik China nahm mit 24 000 t erstmals eine größere Menge ab. Eine
nur kleine Rolle im brasilianischen Geflügelexport spielt Putenfleisch, dessen Ausfuhren im
Vergleich zu 2008 um ein Fünftel auf etwa 64 000 t zurückgingen. Bedeutendster Abnehmer
war hier die EU, die ihre Einkäufe gegenüber 2008 allerdings um 21 % auf rund 96 000 t
drosselte. AgE
Legehennenhaltung in den Niederlanden und der EU auf Expansionskurs
BERLIN. Der Legehennenbestand in den Niederlanden wird im Verlauf dieses Jahres noch
deutlich wachsen. Darauf weisen laut Angaben der „Marktinfo Eier & Geflügel“ (MEG) die
von der niederländischen Wirtschaftsgruppe für Vieh, Fleisch und Eier (PVE) zur Verfügung
gestellten Daten über die Kükeneinstallungen hin, die inzwischen bis einschließlich Februar
vorliegen. Danach wurden in den ersten beiden Monaten dieses Jahres in den Niederlanden
insgesamt 5,68 Millionen Legeküken eingestallt, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
eine Steigerung um 4,8 % bedeutete. Bereits 2009 hatten die Kükeneinstallungen im
Nachbarland kräftig zugenommen, und zwar gegenüber 2008 um 8,1 % auf 34,67 Millionen
Tiere. Vor allem im zweiten Halbjahr hatten dabei die Zeichen auf Expansion gestanden: Von
Juli bis Dezember wurden 17,2 % mehr Legeküken eingestallt als ein Jahr vorher. Auf Basis
der Kükeneinstallungen schätzt die MEG den potentiellen Legehennenbestand in den
Niederlanden für Juli 2010 auf 36,91 Millionen Stück; das wären 2,48 Millionen Hennen
beziehungsweise 7,2 % mehr als zwölf Monate zuvor. Im Vergleich zum Juli 2008 beträgt das
Plus allerdings nur 976 000 Hennen oder 2,7 %, denn Mitte 2009 war der Bestand
vergleichsweise klein. Auch für die Europäische Union geht die MEG insgesamt von einer
Ausweitung der Legehennenbestände aus, wobei ihrer Berechnung des potentiellen
Legehennenbestandes in der Gemeinschaft allerdings aus vielen Ländern noch unsichere
Daten oder Schätzungen zugrunde liegen. Im Gebiet der EU-15 dürften im Juli 2010 der MEG
zufolge rund 252 Millionen Legehennen eingestallt sein; das wären 2,4 % mehr als im
gleichen Monat von 2009. In der Gruppe der ab 2004 zur EU gehörenden Länder wird der
Zuwachs voraussichtlich kräftiger ausfallen. Für die gesamte Gemeinschaft kalkuliert die
MEG mit einem Legehennenbestand von 320 Millionen Tieren im Juli, was einer Zunahme
um 5,9 % entsprechen würde. AgE
BTK fordert mehr amtliche Tierärzte für den Tierschutz
BONN. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um die Einhaltung von TierschutzBestimmungen in Schlachthöfen hat die Bundestierärztekammer (BTK) ihre Forderung nach
mehr Tierschutz beim Schlachten bekräftigt. Moderner Tierschutz erfordere zur Überwachung
der Vorgaben ausreichend amtliche Tierärzte. Seit Jahren sei die Anzahl amtlicher Tierärzte
nicht in ausreichendem Maße an die Betriebsentwickelung der Schlachthöfe angepasst
worden, kritisierte die BTK vergangene Woche in Bonn. Die tierschutzrelevanten Aufgaben
der Tierärzte in den großen Schlachthöfen würden immer vielfältiger. Die veränderte
Arbeitsweise vieler Schlachtbetriebe gefährde den Tierschutz. Rinder und Schweine würden
im Akkord geschlachtet. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit hätten viele Schlachthöfe die
Bandlaufgeschwindigkeit erhöht, bei Schweinen auf bis zu 1 500 Tiere pro Stunde. Zum
Betäuben der Tiere und für Kontrollen bleibe dem Personal dadurch nur ein minimaler
Zeitpuffer. „Akkord am lebenden Tier ist Tierquälerei“, so Dr. Karl F i k u a r t ,
Vorsitzender des BTK-Ausschusses für Tierschutz und langjähriger Amtstierarzt. Die Ämter
brauchten die Unterstützung der Politik. Verstärkte tierärztliche Kontrollen müssten bei der
Anlieferung, der Betäubung und beim eigentlichen Töten der Tiere durchgeführt werden. In
der Überwachung des Tierschutzes sei die unabhängige tierärztliche Fachkompetenz
unabdingbar, betonte Fikuart. Eine verstärkte alleinige Eigenkontrolle durch die Schlachthöfe,
wie sie von der Europäischen Union vorgesehen sei, stelle keine Lösung für die Tiere dar.
AgE
AgE 16/2010
Pläne für Europas größte Milchfarm in Mittelengland wackeln
Genehmigungsantrag in der Grafschaft Lincoln zurückgezogen - Aber die Investoren können
noch nachlegen - Mehr als 8 000 Kühe sollen zu dem Betrieb gehören - Einheiten von je 500
Tieren geplant
LONDON. In der Nähe der mittelenglischen Stadt Lincoln verschiebt sich der Zeitplan für
den Bau des größten Milchviehbetriebes Europas mit insgesamt 8 100 Kühen in Einheiten von
je 500 Tieren. Der Investor, die Nocton Dairies Ltd, zog laut Angaben des
Verwaltungsbezirks North Kesteven seinen Antrag auf Errichtung eines Milchviehbetriebes
am Standort Nocton Heath vergangene Woche zurück. Damit ist das Vorhaben aber noch
nicht ganz vom Tisch, denn der potentielle Investor will seinen ursprünglich Mitte Dezember
2009 eingereichten Antrag laut Angaben der Behörde nach Änderungen erneut einreichen.
Der zeitliche Rahmen hänge allein vom Antragsteller und dessen Vorgehen ab, erklärte der
Bezirk in der Grafschaft Lincolnshire am vergangenen Mittwoch. Der Investor Nocton
Dairies hatte ursprünglich eine Baugenehmigung für Anfang Mai 2010 angestrebt und wollte
die ersten Kühe schon Ende dieses Jahres melken. Daraus wird nun erst einmal nichts,
nachdem zahlreiche Anwohner, Gemeinden und Behörden - darunter die englische
Umweltagentur - sich in dem Genehmigungsverfahren zu Wort gemeldet hatten.
Skaleneffekte erhofft
Die geplante Rekordgröße des Betriebes hatte Nocton Dairies mit Skaleneffekten in einer
Region begründet, in der die Milchviehhaltung traditionell nicht stark verbreitet ist. So werde
man Dienstleistungen direkt vor Ort vorhalten und beispielsweise stets einen Veterinär im
Betrieb haben. Die Größe des Betriebes werde auch zu einem kleinen KohlenstoffFußabdruck der Milchproduktion führen. Geplant hatte Nocton Dairies auch eine
Biogasanlage mit einer Leistung von 2 MW. Nocton Dairies gehört einer Gruppe von
Landwirten unter Führung von Peter W i l l e s von Parkham Farms, der im Westen und
Norden Englands jeweils Betriebe mit rund 2 000 Kühen leitet. Der britische Bauernverband
(NFU) bedauerte in einer Reaktion den nun bekannt gewordenen Verlauf des Verfahrens in
North Kesteven. „Der Vorschlag für Nocton hätte Arbeitsplätze und Investitionen in der
Region geschaffen“, erklärte der NFU. Nach einem Jahrzehnt geringer Zuversicht und
mangelnder Investitionen habe es sich um einen einfallsreichen und positiven Vorstoß einer
Gruppe von Landwirten zu Investitionen in einen großen Spezialbetrieb gehandelt. AgE
Schon 25 Millionen Legehennenplätze mit dem Big-Dutchman-Typ Natura
VECHTA-CALVESLAGE. Der Stalleinrichter Big Dutchman ist zufrieden mit dem Verkauf
seiner Volieren vom Typ Natura. Anlässlich der vom 20. bis 22. April in Utrecht
stattfindenden Geflügelfachmesse VIV Europe gab das Unternehmen aus Vechta bekannt,
mittlerweile insgesamt 25 Millionen Legehennenplätze mit Volieren dieses Typs ausgestattet
zu haben. „Wir sind stolz, dass die Natura-Familie damit zum führenden System für die
Boden-, Freiland- oder Biohaltung geworden ist“, erklärte Geschäftsführer Bernd
K u h l e n c o r d anlässlich einer symbolischen Schlüsselübergabe im emsländischen Laar.
Dort wurden zwei moderne Stallneubauten für je 45 000 Tiere aufgebaut. Unweit der
niederländischen Grenze hat Roel v a n Z e t t e n , in Fachkreisen bekannter Unternehmer
aus Holland, seine neuen Ställe mit der Big-Dutchman-Voliere Natura Step ausstatten lassen.
Natura Step ist das jüngste Mitglied der Natura-Familie. Die Voliere für eine effiziente
Boden- und Freilandhaltung kann auch in Einzelreihen installiert werden. Ein gestufter
Aufbau der Anlage soll es den Tieren ermöglichen, zwischen den verschiedenen Ebenen zu
wechseln, ohne dabei das System zu verlassen. Somit sollen auch die integrierten Nester sehr
leicht erreichbar sein und weniger Bodeneier gelegt werden. AgE
KTG Agrar AG will weiter wachsen
Das börsennotierte Unternehmen bewirtschaftet mittlerweile mehr als 30 000 Hektar - Über
ein Drittel der Fläche für den Ökolandbau - Skaleneffekte beim Engagement in Litauen
genutzt - Eigentumsanteil der genutzten Flächen soll auf ein Fünftel steigen - Hohe
Bodenpreise als Faktor - Jahreszahlen 2009 kommen am 3. Mai
BERLIN. Die KTG Agrar AG will in den nächsten Jahren ihre Anbaufläche weiter
ausdehnen, wenn auch nicht mehr in dem rasanten Tempo der vergangenen Jahre. Das hat Dr.
Christian E b m e y e r aus dem Management des börsennotierten Unternehmens vergangene
Woche bei einer Veranstaltung des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten (VDAJ) in Berlin
deutlich gemacht. Als Marke für das Flächenwachstum nannte er einen Wert von 5 % bis
10 %. Zur Saison 2010 hat die KTG Agrar ihre Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um 13 %
auf 30 500 ha ausgedehnt. Wie Ebmeyer deutlich machte, bewirtschaftet das Unternehmen
heute allein rund 11 000 ha Ackerland für den Getreide-, Mais- und Rapsanbau gemäß der
EU-Bioverordnung. Weitere 4 000 ha seien aktuell in der Umstellung. In Litauen würden
mittlerweile 6 200 ha bewirtschaftet. Bei der Flächenerweiterung setze das Unternehmen
nicht nur auf Kauf und Eigenbewirtschaftung, sondern auch auf die Pacht ganzer Betriebe, die
mit bleibendem Personal für die KTG wirtschafteten.
Zwischenhandel ausschalten
Die Kernkompetenz des Unternehmens liege im Pflanzenbau an verschiedenen Standorten,
stellte Ebmeyer fest. Die Streuung auf unterschiedliche Standorte mindere das Ertragsrisiko,
und die Maschinen könnten der Vegetation folgend nacheinander eingesetzt werden. Zuletzt
würden Mähdrescher und Schlepper mit der Fähre von Saßnitz nach Litauen transportiert,
erläuterte Ebmeyer die Vorteile von Skaleneffekten bei dem international operierenden
Unternehmen. Durch einen Rahmenvertrag mit der Firma Fendt habe die KTG günstigere
Konditionen aushandeln können. Dies gelte auch bei den Abnehmern des Ernteguts. „Wir
wollen den Zwischenhandel ausschalten“, so Ebmeyer. Durch den direkten Verkauf an
Mühlen und Futtermischwerke könne eine höhere Wertschöpfung erzielt werden.
Eigentumsanteil in Litauen bei über 60 Prozent
Eine weitere Zukunftsstrategie der KTG Agrar ist die Erhöhung des Eigentumsanteils bei den
genutzten Flächen auf 20 %. In Deutschland liegt diese Quote den Angaben zufolge bei 7 %,
in Litauen bei 63 %. Dabei hat es das Unternehmen mit stark gestiegenen Bodenpreisen
sowohl in Westdeutschland als auch in den neuen Bundesländern und in Osteuropa zu tun.
Den Kaufpreis für Agrarflächen in Litauen im Jahr 2009 bezifferte Ebmeyer pro Hektar auf
rund 3 000 Euro, nach 800 Euro im Jahr 2004. In Ostdeutschland soll sich der Preis auf rund
8 000 Euro/ha verdoppelt haben; in Westdeutschland waren 25 000 Euro/ha zu entrichten,
nach 20 000 Euro fünf Jahre zuvor. Nicht ganz so dramatisch ist die Entwicklung bei den
Pachten. Hier wird für Litauen für 2009 ein Wert von 125 Euro/ha angegeben, nach
100 Euro/ha im Jahr 2004.
Hoher Gewinn erwirtschaftet
Ebmeyer sieht die KTG auf dem richtigen Weg. Eine wachsende Weltbevölkerung mit
verdienender Mittelschicht und eine steigende Nachfrage nach veredelten Produkten bei
knapper werdender Agrarfläche bereiteten großen Unternehmen die Zukunft. Im Jahr 2008
hatte das börsennotierte Unternehmen bei einem Umsatz von 26,4 Mio Euro ein
Konzernergebnis von 4,3 Mio Euro vorgelegt. Die Unternehmenszahlen für 2009 sollen am
3. Mai präsentiert werden. Der Börsenkurs hat sich seit einem Tiefstand Ende 2008 - als die
globale Finanzkrise auf ihrem Höhepunkt war - mehr als verdoppelt. Am vergangenen Freitag
lag der Kurs der KTG-Papiere in Frankfurt bei 16,20 Euro pro Aktie. Freude bereitet dem
Unternehmen auch der Megatrend Bio. Auf der BioFach 2010 hätten
Lebensmittelproduzenten bereits aus der neuen Ernte 6 000 t Biogetreide und Biokartoffeln
geordert, erläuterte Ebmeyer. Das seien 1 000 t mehr als im Vorjahr. Ein neues
Betätigungsfeld ist der internationale Getreidehandel. Die KTG Agrar hatte sich 2009 in
Saudi-Arabien akkreditiert und an Ausschreibungen für Getreideimporte beteiligt, wobei
55 000 t geliefert wurden.
Starkes Biogaswachstum geplant
Geld verdient die KTG Agrar auch mit der Bioenergie. So soll der 2006 begonnene Einstieg
in die Biogasproduktion forciert werden. Ausgegeben hat das Unternehmen die Zielmarke
einer installierten Kapazität von 20 Megawatt (MW). Derzeit verfügt die KTG Agrar über
11 MW in 13 Anlagen. Das viehlose Unternehmen verbringt die Gärreste zur
Aufrechterhaltung eines Stoffkreislaufs auf die Felder. Ebmeyer betonte, dass die KTG im
ländlichen Raum nur erfolgreich bleibe, wenn sie die gleichen Aufgaben übernehme wie die
kleinen Betriebe. Das beziehe sich nicht nur auf die Beschäftigung, sondern auch auf den
Naturschutz. Gewässerflächen in der Prignitz würden nach Auflagen des Naturschutzes
bewirtschaftet, und seit kurzem experimentiere die KTG mit Kurzumtriebsplantagen als
Strukturelementen in der Landschaft. AgE
IVU-Richtlinie sorgt weiter für Zündstoff
Kritik an möglichen Umweltauflagen bekräftigt - COPA/COGECA befürchten
Kostensteigerungen - Europaparlamentarier sollen in der Zweiten Lesung die Forderungen
des Berufsstandes berücksichtigen - Über neuen Bericht wird Ende April im
Umweltausschuss abgestimmt - Ausgangszustandsbericht verursacht hohe Kosten
BRÜSSEL. Die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen
Genossenschaften (COGECA) haben ihre Kritik an möglichen neuen Umweltauflagen für die
tierische Erzeugung bekräftigt. Mit Blick auf die im Europaparlament begonnene Zweite
Lesung zur Neufassung der europäischen Richtlinie für die immissionsschutzrechtliche
Prüfung zur Vermeidung von Umweltauswirkungen (IVU-Richtlinie) appellierten
COPA/COGECA an die Politiker, die Forderungen des Berufsstandes zu berücksichtigen. Ein
besonderer Dorn im Auge ist den Branchenvertretern eine Revisionsklausel, auf die sich EUMitgliedstaaten als Kompromiss zum Abschluss der Ersten Lesung geeinigt haben. Danach
soll die Europäische Kommission bis Ende 2012 prüfen, ob unter anderem zusätzliche
Kontrollen zur Düngerausbringung, für die intensive Rinderhaltung und nach
Produktionszweigen differenzierte Schwellenwerte für genehmigungspflichtige
Geflügelhaltungsanlagen nicht vielleicht doch nötig sind. Sowohl der Großteil der
Mitgliedstaaten als auch die Mehrheit des Parlaments sind bislang gegen solche
Verschärfungen. Der im Parlament zuständige FDP-Abgeordnete Holger K r a h m e r will
bislang nur einen Teil der Revisionsklausel streichen, nämlich hinsichtlich der
Düngerausbringung und der Rinderhaltung. Daneben soll eine Genehmigungspflicht für die
Gülleausbringung auf solchen Flächen erfolgen, die nicht der EU-Nitratrichtlinie unterworfen
sind. Das wäre für deutsche Landwirte kein Problem, da die Nitratrichtlinie bundesweit gilt,
wohl aber für andere Länder wie Großbritannien. Der von Krahmer betreute Bericht soll am
27. April im Umweltausschuss angenommen werden. Die entscheidende Plenumsabstimmung
ist bislang für den 6. Juli angesetzt.
Überlebensfähigkeit der Betriebe bedroht
Insgesamt befürchten Beobachter vor allem, dass die landwirtschaftlichen Belange im
Verhandlungstrubel dieser auf Industrieanlagen abzielenden Richtlinie unter die Räder
kommen könnten. „Wir waren von vornherein besorgt, dass der Land- und Gartenbau
überhaupt in den Umfang der IVU-Richtlinie einbezogen werden sollte“, betonte
COPA/COGECA-Generalsekretär Pekka P e s o n e n am Dienstag vergangener Woche in
Brüssel. Die Vorschriften seien ursprünglich zur Kontrolle der Emissionen von Kraftwerken
und großen Industrieanlagen gedacht gewesen. Verglichen mit diesen Sektoren stelle die
Landwirtschaft nur ein sehr geringes Risiko für die Umwelt dar. Die vom EU-Ministerrat
vorgeschlagene Revisionsklausel könnte dafür sorgen, dass noch viel mehr Betriebe der
Schweine-, Geflügel- und Rinderhaltung sowie des Gartenbaus betroffen würden. Das treibe
die Produktionskosten der Landwirte weiter nach oben und bedrohe damit ihre
Überlebensfähigkeit.
Emissionsmessung überflüssig
Den Berichtsentwurf von Krahmer begrüße man im Großen und Ganzen, so Pesonen.
Allerdings sei man besorgt wegen möglicher Emissionsgrenzwerte für IVU-Einrichtungen
und der Ausweitung bester Praktiken für die Gülleausbringung außerhalb der hinsichtlich
Nitratbelastung gefährdeten Gebiete. Die neu geplanten Anforderungen an die Messung von
Emissionen seien praktisch nicht erfüllbar. Das gelte vor allem für Stallbauten, die „frei
gelüftet“ seien und hohe Tierschutzstandards erfüllten. Eine Messung von Emissionen sei
nicht erforderlich, da durch die Festsetzung von Schwellenwerten für Tierplatzzahlen bereits
ein hoher Umweltstandard gewährleistet sei. Die Vorschläge würden in der vorliegenden
Form nicht nur die Kosten für die Landwirte, sondern auch für die nationalen Behörden
erhöhen. Mit besonderer Sorge erfüllt COPA die Vorgabe, Neu- und Umbauten von Ställen
nur mit sehr aufwendigen Verfahren zur Zustandsfeststellung von Boden und Gewässern
zuzulassen. Der zu erstellende Ausgangszustandsbericht sei für den Bauherrn mit hohen
Kosten verbunden, denen andererseits kein Mehrwert für die Umwelt entgegenstehe. Auch die
in sehr kurzen Zeitintervallen geforderten neuen Überwachungs- und Berichtspflichten
stellten das Gegenteil von Bürokratieabbau und Investitionsförderung dar, kritisierte COPA.
Der Deutsche Bauernverband (DBV) ergänzte in diesem Zusammenhang, das deutsche
Baurecht sehe bereits Rückbauverpflichtungen nach endgültiger Betriebseinstellung vor; ein
Bericht über den Ausgangszustand sei daher nicht erforderlich. AgE
Schwarz sieht deutsche Schweineproduzenten gut aufgestellt
Aber regionale Unterschiede - Schleswig-Holsteins Bauernpräsident hält die Grenzen des
Wachstums für noch nicht erreicht - Exportmärkte aufgebaut - Chancen vor allem in Russland
und den östlichen EU-Staaten - Europa muss über Zulassungen in der Grünen Gentechnik
schneller entscheiden - Kein konkreter Zeitplan für technische Lösung zur Nulltoleranz Landwirtschaft kann zum Klimaschutz beitragen - Tierschutzstandards vernünftig diskutieren
- Verlängerung der Übergangsfrist für die Sauengruppenhaltung ungewiss - Kein deutscher
Alleingang bei Tiertransporten
BRÜSSEL. Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner S c h w a r z ,
hält Vorwürfe, die deutsche Veredlungsbranche drücke den Schweinefleischpreis im EUAusland, für unberechtigt. Man habe hierzulande die Effizienz und die Wettbewerbsfähigkeit
der Schlachtbranche deutlich erhöht, erklärte Schwarz im Gespräch mit dem Presse- und
Informationsdienst AGRA-EUROPE vergangene Woche in Brüssel. Daneben seien mit Hilfe
der Bundesregierung Exportmärkte aufgebaut worden. Aufgrund des hohen
Selbstversorgungsgrades von 109 % habe man gar keine andere Wahl, als Ware auszuführen.
Dabei profitierten Holland und Dänemark von der deutschen Ferkelnachfrage. Der
Bauernpräsident hatte für den Deutschen Bauernverband (DBV) unmittelbar vor dem
Gespräch an Sitzungen der EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen
Genossenschaften (COGECA) sowie der Europäischen Kommission zum Thema
Schweinefleisch teilgenommen. Schwarz sieht die deutschen Erzeuger im europäischen
Vergleich gut aufgestellt. Mit Marktpreisen zwischen 1,30 Euro und 1,40 Euro je Kilogramm
Schlachtgewicht komme man zurecht. Das Wachstum in den Veredlungszentren sei noch
nicht erreicht, werde sich aber verstärkt auf den Ersatz oder Umbau alter Anlagen in moderne
Stallungen konzentrieren. Die aussichtsreichsten Absatzmärkte für deutsches Schweinefleisch
sieht Schwarz in den mittel- und osteuropäischen Staaten, vor allem Russland.
Nulltoleranzproblem schnell lösen
Beim Thema gentechnisch veränderte Organismen (GVO) unterstreicht Schwarz die
Notwendigkeit einer schnellen technischen Lösung des Nulltoleranzproblems. Er rief EUGesundheitskommissar John D a l l i auf, eine Vermischung von 0,1 % nicht zugelassener
GVO in Futtermittellieferungen zu gestatten. Gleichzeitig kritisierte er, dass die Kommission
mit einem konkreten Zeitplan hinterm Berg halte. Der Verbandspräsident sprach sich dafür
aus Lebensmittel, Futtermittel, aber auch alle anderen Produkte des täglichen Bedarfs,
einschließlich Kosmetika und anderer Waren auf GVO-Bestandteile hin zu kennzeichnen. Das
gegenüber dem Anbau von GV-Pflanzen unfreundliche gesellschaftliche Klima in
Deutschland wirkt sich nach Auffassung von Schwarz nachteilig auf mittelständische
Züchtungsbetriebe aus. Dadurch fördere man die Dominanz großer internationaler
Züchtungshäuser. Überlegungen, den GV-Anbau ins Ermessen der Mitgliedstaaten zu stellen,
könnte sich Schwarz noch anschließen. Er pocht jedoch im Gegenzug auf national einheitliche
Regeln, um eine weitere Regionalisierung der Anbaumöglichkeiten zu vermeiden. Das
Verfütterungsverbot von tierischem Eiweiß sollte seiner Meinung nach entfallen, wenn die
Vermischung mit Rinderfutter und das Risiko des Kannibalismus ausgeschlossen werden
können.
Tierschutz mit Augenmaß
Im Umweltschutzbereich warnt Schwarz vor überzogenen Anforderungen für den
Agrarsektor. Landwirtschaftliche Betriebe seien keine Industrieanlagen. Man müsse
versuchen, die Emissionen von klimaschädlichen Gasen niedrig zu halten, dürfe aber nicht
verkennen, dass der Landwirt Kreislaufwirtschaft betreibe. „Wir ernten Getreide, bringen es
ins Tier ein, entnehmen aus der Kette einen Nutzen für den Menschen und bringen die
Abfallstoffe wieder in den Boden ein“, so Schwarz. Im günstigsten Fall führe das zu einer
Humusmehrung im Boden, was zusätzliches CO2 binde. Beim Thema Tierschutz plädiert der
Schleswig-Holsteiner für Augenmaß. Bestimmte Schritte seien sinnvoll; man müsse aber
Bürokratie und Kosten so gering wie möglich halten, denn der Verbraucher sei nicht bereit,
mehr zu zahlen. Neue Standards müsse man in vorhandene Systeme integrieren. Als
Alternative zu einem neuen EU-Tierschutzlabel wirbt Schwarz für einen Ausbau des Systems
der Qualität und Sicherheit GmbH (QS). Einen Dämpfer versetzte er Hoffnungen, die
Kommission könne deutschen Betrieben bei der ab 2013 verpflichtenden Gruppenhaltung von
tragenden Sauen entgegenkommen. Man habe um eine Verlängerung der Übergangsfrist
gebeten; es gebe aber wenig Aussicht auf Erfolg. Beim Stichwort Tiertransporte ging Schwarz
mit der Bundesregierung hart ins Gericht. CDU/CSU und FDP hatten sich nämlich im
Koalitionsvertrag für eine weitere Begrenzung der Tiertransportzeiten ausgesprochen
(AGRA-EUROPE 45/09, DOKUMENTATION). Solche Aussagen bezeichnete der
Bauernpräsident als unverantwortlich. Man solle sich darauf beschränken, die bestehenden
europäischen Vorgaben einzuhalten, und auf deutscher Ebene nicht zusätzlich draufsatteln.
AGRA-EUROPE: Sehr geehrter Herr Schwarz, Sie kommen gerade aus Sitzungen der
COPA/COGECA-Arbeitsgruppe Schweinefleisch sowie dem Beratenden Ausschuss
Schweinefleisch der EU-Agrarkommission. Wie stellt sich die aktuelle Lage an den Märkten
für Schweine und Futtermittel dar?
Schwarz: Von COPA/COGECA haben wir gehört, dass sich das Preisniveau in Europa
auseinander entwickelt. In Deutschland haben wir seit längerem ein stabiles Preisniveau,
wobei wir allerdings sagen müssen: Unsere Bruttomargen sind nicht so hoch, dass wir
begeistert darüber sind. Im Vergleich zu unseren Nachbarn haben wir aber einen
auskömmlichen Schweinemarkt. Mit Preisen von 1,30 Euro bis 1,32 Euro je Kilogramm
Schlachtgewicht, zwischenzeitlich auch mal fast 1,40 Euro, kommen wir zurecht.
AGRA-EUROPE: Deutschland hat den Export von Schweinefleisch in den vergangenen
Jahren stark ausgebaut.
Aus anderen EU-Mitgliedstaaten kommen deshalb Vorwürfe der
Preisdrückerei - zu Recht?
Schwarz: Den Vorwurf haben wir bei COPA/COGECA auch gehört, aber das geht auf ein
Missverständnis zurück. In der deutschen Schlachtbranche hat sich in den vergangenen Jahren
viel getan. Mit der Effizienz wurde die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert. Daneben wurden mit
Unterstützung der Bundesregierung Exportmärkte aufgebaut. Ein Selbstversorgungsgrad von
durchschnittlich 109 % ist ja nicht ohne - das Fleisch muss raus. Ich gehe davon aus, dass es
auch in diesem Jahr noch einen Produktionszuwachs geben wird. Das ist nicht allein ein
deutsches Plus, denn wir kaufen Ferkel von Holland und Dänemark zu, die wir dann mästen,
schlachten und exportieren. Insofern kann man schon lange nicht mehr von einem begrenzten
deutschen Markt sprechen. Der Markt wächst und die Schweineerzeugung mit ihm,
grenzüberschreitend.
AGRA-EUROPE: Das Wachstum der Schweineproduktion in den großen EUMitgliedstaaten vollzieht sich traditionell in den ohnehin schon veredlungsstarken Regionen:
Beispiel Frankreich Bretagne - Deutschland Nordwesten. Gibt es dazu Alternativen - oder
anders gefragt - wo liegen die Grenzen des Wachstums in solchen Veredlungshochburgen?
Schwarz: Natürlich ist die Schweinedichte in den Veredlungszentren hoch, und von dort
hören wir auch, dass man sich über ein Ende des Wachstums Gedanken macht. Ich sehe nicht,
dass in den Hochburgen keine Ställe mehr gebaut werden. Das Wachstum wird sich sicherlich
verstärkt auf den Ersatz oder Umbau alter Anlagen in moderne Stallungen konzentrieren.
AGRA-EUROPE:
Wie bewerten Sie dabei die tendenziell wachsende
internationale Arbeitsteilung: Schweinemast in Deutschland, Ferkelerzeugung in Dänemark
und den Niederlanden?
Schwarz: Wir sprechen auf allen Ebenen von Europa, warum nicht auch auf diesem Gebiet?
Hinsichtlich Dänemark: Von dort kommen sowohl lebende Tiere als auch Fleisch nach
Deutschland herein, während andersherum die Grenzen zu sind. Falls wir weitere
Transportbeschränkungen bekommen, müssen wir intensiv über die vollständige Öffnung der
europäischen Grenzen nachdenken.
AGRA-EUROPE: Als Wachstumsmärkte für Schweinefleisch gelten Brasilien, Russland,
Indien, China und Entwicklungsländer. Wie stellen sich deutsche Anbieter darauf ein? Auf
der anderen Seite wächst die Bedeutung muslimischer Fleischkunden. Gerät Schwein dadurch
gegenüber Geflügel ins Hintertreffen?
Schwarz: Es geht eher darum, ob und wieviel Absatz wir auf unseren traditionellen Märkten
gegenüber Geflügel verlieren. Jeder Konsum hat eine Obergrenze, aber beim Fleisch ist diese
noch nicht erreicht - schon gar nicht in den mittel- und osteuropäischen Ländern. Insgesamt
halte ich Mittel- und Osteuropa als Absatzmarkt für vielversprechender als Ostasien. Wir
werden auch in Zukunft mehr Kühlwagen nach Moskau fahren als Kühlcontainer nach
Schanghai verschiffen. China wird seine Selbstversorgung eher sichern als Russland, das
nicht über das notwendige Kapital zur Umsetzung verfügt. Die östlichen EU-Staaten dürften
ihre Eigenproduktion ausbauen. Aber auch das braucht Zeit und vor allem Geld.
AGRA-EUROPE: Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Wankelmütigkeit
Russlands hinsichtlich der Importstandards?
Schwarz: Russland nutzt das Instrument der Handelsrestriktionen weidlich. Das können wir
beklagen, aber im Zweifel müssen wir uns dem beugen. Ich halte den Nordwesten der
heutigen EU und die mittel- und osteuropäischen Staaten für Gegenpole. Wir haben die
Produktion bereits hochgefahren, dort wird sie sich entwickeln. Das heißt, die neuen EUMitgliedstaaten werden weniger abnehmen, und wir müssen uns auf die Suche nach neuen
Kunden machen. Und da sehe ich weiterhin Russland.
AGRA-EUROPE: Die in Frankfurt ansässige Eurex bietet Terminkontrakte für
Schlachtschweine und Ferkel an. Beide Kontraktangebote werden jedoch nur relativ wenig
genutzt? Warum ist das so?
Schwarz: Das hat einerseits mit dem Handlungsspielraum zu tun, den der Landwirt will, und
andererseits mit der Finanzierung des Betriebs - beispielsweise im Vergleich zu unseren
dänischen Kollegen. Wenn unsere wachsenden Betriebe eine Eigenkapitaldecke von 65 % bis
70 % haben, dann brauchen sie Eurex nicht. Dänische Schweinehalter arbeiten mit 80 %
Fremdkapital. Dort wird schon die Hausbank eine Absicherung über Kontrakte nahelegen.
AGRA-EUROPE: Die Mischfutterhersteller warnten im vergangenen Herbst wegen des
Problems der schleppenden Zulassung neuer GVO in Europa vor Risikoaufschlägen von 20
Euro und mehr je Tonne Sojabohnen aus Übersee. Teilen Sie diese Bedenken?
Schwarz: Ich bin Verbraucher der Futtermittel, und ich sehe das Problem genauso. Auch der
Bauernverband stößt in dieses Horn. Unser Problem ist nicht die Zulassung beziehungsweise
das Gefahrenpotential der GVO an sich, denn die Europäische Behörde für
Lebensmittelsicherheit hat bisher in den meisten Fällen grünes Licht für eine Zulassung
gegeben. Das Problem ist die EU-Kommission, die größte Bedenken hat und Entscheidungen
verzögert. Wir brauchen in Europa schnellere Entscheidungen. Ich wünsche mir ein konkretes
Handeln in einem wesentlich kürzeren Zeithorizont.
AGRA-EUROPE: Nach wie vor wartet die Veredlungsbranche in Europa auf eine Abkehr
von der Nulltoleranz gegenüber hierzulande nicht zugelassenen GVO. Was wünschen Sie sich
von EU-Gesundheitskommissar John Dalli?
Schwarz: Dass er genauso schnell handelt wie bei Amflora. Was wir uns wünschen, ist eine
Grenze von 0,1 % zulässiger Vermischung als Einstieg. Dass wir irgendwann auch zu anderen
Lösungen kommen, ist nicht ausgeschlossen, aber im Moment nicht durchsetzbar. Denn wenn
der Verbraucher unsere Produkte nicht mehr abnimmt, hilft auch eine Zulassung nicht.
Trotzdem muss es ein praktikables System geben, und das wäre mit dieser 0,1-%-Regelung
gegeben. Leider hat die Kommission auch auf wiederholte Anfrage keine konkrete Aussage
zum Zeitplan gemacht.
AGRA-EUROPE: Soll sich diese „technische Lösung“ nur auf den Futtermittel- oder auch
auf den Lebensmittelbereich beziehen?
Schwarz: Bereits heute schreibt der Lieferant bei Futtermitteln auf den Lieferschein, dass
gentechnische Verunreinigungen oder Beimengungen nicht ausgeschlossen sind. Es wäre nur
konsequent, das in allen Bereichen zu machen. Ich stelle einmal eine provokante Forderung
auf: Kennzeichnen wir doch offensiv Lebensmittel und Futtermittel, aber auch alle anderen
Produkte des täglichen Bedarfs einschließlich Kosmetika und anderer Waren, auf GVOBestandteile hin. Alles andere ist scheinheilig.
AGRA-EUROPE: Wie sieht es mit dem Anbau von GV-Pflanzen aus? Resultiert aus dem
Verzicht in Deutschland bereits heute ein wirtschaftlicher Nachteil für die Nutztierhalter?
Wenn ja, wie hoch schätzen Sie diesen ein?
Schwarz: Es zeichnet sich ab, dass Züchtungshäuser ihre Tätigkeiten aus Deutschland
verlagern, um im Wettbewerb zu bleiben. Wir haben im Zuchtbereich noch eine
mittelständische Struktur. Man sollte sich genau überlegen, ob man mit einer strikten
Verweigerungshaltung die Dominanz großer internationaler Züchtungshäuser nicht geradezu
fördert.
AGRA-EUROPE: Die Kommission will noch vor der Sommerpause offiziell vorschlagen,
den Anbau europaweit zugelassener GVO ins Ermessen der Mitgliedstaaten zu stellen.
Sowohl gentechnikfreundliche Regierungen wie die der Niederlande als auch das skeptische
Österreich unterstützen diese Möglichkeit. Wie sieht man das aus Sicht der
Veredlungswirtschaft?
Schwarz: Ich würde mir wünschen, dass wir eine einheitliche europäische Linie bekommen.
Was ich ablehne, ist eine darüber hinausgehende Regionalisierung innerhalb Deutschlands,
wie wir es mit den Anbauabständen zum Teil heute schon haben.
AGRA-EUROPE: Also ja zu nationalen, aber nein zu regionalen Anbauverboten?
Schwarz: Im Zweifelsfall ja zu einer nationalen Regelung. Wir sind vom Verbraucher
abhängig. Wir können produzieren, so viel wie wir wollen - wenn es keiner abnimmt, wird es
schwierig.
AGRA-EUROPE: Tierische Eiweiße könnten Sojabohnen aus Übersee zumindest
teilweise ersetzen. Welche Erwartungen gegenüber dem Gesetzgeber haben Sie hinsichtlich
des bestehenden Verfütterungsverbots?
Schwarz: Beim Verfütterungsverbot haben wir uns aus einer nachvollziehbaren Situation
heraus Beschränkungen auferlegt. Mittlerweile hat sich der Stand der Wissenschaft geändert.
Warum sollen wir mit neuem Wissen nicht an das Verfütterungsverbot herangehen? Wir
wissen, dass es bei Wiederkäuern nicht eingesetzt werden darf. Dann gibt es Stimmen, die vor
einer Verfütterung innerhalb derselben Gattung warnen, um Kannibalismus auszuschließen.
Wenn dieses gewährleistet ist, warum sollte man sich dann hochwertiger Eiweißreserven
berauben? Das ist unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und der Kreislaufwirtschaft nicht
nachvollziehbar.
AGRA-EUROPE: Sehen Sie Anzeichen für eine Lockerung?
Schwarz: Das Thema wird immer wieder angesprochen. Auch wir tun es aktiv und suchen
dafür entsprechende Mehrheiten. Ich glaube zudem gar nicht einmal, dass wir über große
Mengen sprechen. Tierisches Eiweiß wird heute durch Sojaschrot plus künstliche
Aminosäuren ersetzt. Es ist und bleibt ein Spezialprodukt.
AGRA-EUROPE: COPA/COGECA haben vor neuen Belastungen für den Schweine- und
Geflügelsektor durch die anstehende Neufassung der IVU-Richtlinie gewarnt. War das auch
ein Thema in Ihrer Arbeitsgruppe?
Schwarz: Das ist ein ständiges Thema. Wenn wir von der Expansion der tierischen
Produktion sprechen, müssen wir uns auch darüber Gedanken machen. Wir dürfen
landwirtschaftliche Ställe aber nicht als Industrieanlagen sehen. Denn wir wollen aus
tierschutzrechtlichen Gründen offene Ställe haben, um die Tiere möglichst natürlich zu halten.
Wir sehen aber Handlungsbedarf in einzelnen Aspekten, beispielsweise beim Wegfall der
standardisierten Emissionsdaten.
AGRA-EUROPE: Wäre dies eher eine Benachteiligung des EU-Sektors insgesamt
gegenüber Drittlandsimporten oder sehen Sie auch spezifisch deutsche Probleme?
Schwarz: Das würde die Veredlungszentren insgesamt treffen: in Nordwesteuropa, in
Holland, in Westniedersachsen, in Dänemark.
AGRA-EUROPE: Es wird ja in letzter Zeit auch viel über den möglichen Beitrag der
Landwirtschaft zum Klimaschutz gesprochen. Welche Entwicklungen erwarten Sie hier?
Westfleisch hat ihren CO2-Fußabdruck auf 2,3 kg je CO2-Äquivalent beziffert.
Schwarz: Wer kann uns sagen, dass diese 2,3 kg genau richtig sind? Haben wir gültige
Standards, die so etwas messen? Ich plädiere für eine Standardisierung bei der Erfassung des
CO2-Fußabdrucks. Natürlich müssen wir versuchen, die Emissionen von klimaschädlichen
Gasen niedrig zu halten. Dabei ist aber auch zu beachten, dass wir Landwirte eine CO2Kreislaufwirtschaft betreiben: Wir ernten Getreide, bringen es ins Tier ein, entnehmen aus der
Kette einen Nutzen für den Menschen und bringen die Abfallstoffe wieder in den Boden ein.
Im günstigsten Fall betreiben wir eine Humusmehrung im Boden, die zusätzliches CO2
bindet. Und das machen wir schon seit Jahrhunderten so. Fazit: Die Landwirtschaft kann
einen positiven Dienst fürs Klima leisten und nebenbei Nahrungsmittel produzieren.
AGRA-EUROPE: Wie würden Sie die aktuelle Situation im Hinblick auf Tierschutz,
Tiertransporte und Kennzeichnung skizzieren, und welche Neuerungen sind hier für die Zeit
nach 2013 absehbar?
Schwarz: Es wird heute über das „Animal Welfare Project“ und eine damit verbundene
Tierschutzkennzeichnung gesprochen. Durch QS gibt es in Deutschland Standards in der
Schweinehaltung, beispielsweise Mindestanforderungen an Fläche, das Vorfinden gewisser
klimatischer Bedingungen, Spielzeug oder Wasser - wir können jede Menge Beispiele geben.
Das ist im Grunde „Animal Welfare“. Das QS-System könnte um ein oder zwei Punkte
erweitert werden, und man hätte genau das, was jetzt in der Diskussion ist. Ich sehe aber auch
die Gefahr, dass wir noch mehr Bürokratie bekommen, noch mehr Auflagen, noch mehr
Kosten. Und ich befürchte, dass wir durch eine EU-Kennzeichnung eine Teilung des Marktes
erhalten. Es wird suggeriert, dass es einem Tier ohne Animal-Welfare-Kennzeichnung nicht
gut geht oder dass es gequält wird - und das ist nicht der Fall. Ich wehre mich nicht gegen
sinnvolle Tierschutzmaßnahmen. Doch wir wissen auch, dass die Kosten regelmäßig beim
Produzenten hängen bleiben, denn der Verbraucher sieht das als Selbstverständlichkeit an.
Aber dann muss man eben die Kosten so günstig wie möglich halten. Neue Standards sollten
mit der Praxis diskutiert und in vorhandene Systeme integriert werden. Wir hatten übrigens
gehofft, bei der Kommission mit der Bitte Gehör zu finden, uns hinsichtlich der ab 2013
verpflichtenden Gruppenhaltung für tragende Sauen eine Verlängerung der Übergangsfrist zu
gewähren. Danach sieht es nach dem jüngsten Treffen leider nicht aus.
AGRA-EUROPE: Wie stehen Sie zum Thema Tiertransporte?
Schwarz: Bei Tiertransporten scheint im Moment - jedenfalls auf europäischer Ebene - kein
Handlungsbedarf zu sein. Für unverantwortlich halte ich aber, was die Bundesregierung in
den Koalitionsvertrag geschrieben hat. Warum will sie auf die europäischen Standards
draufsatteln? Wir haben in Deutschland Betriebe, die eine Fahrzeit von acht Stunden
schwerlich einhalten können, wenn sie einen wettbewerbsfähigen Schlachthof erreichen
wollen. Die durchschnittliche Transportentfernung zu Schlachthöfen beträgt in SchleswigHolstein 343 km. In Ostniedersachsen sind es 96 km und in Westniedersachsen 73 km. Wenn
Sie dann für einen Lkw 50 Stundenkilometer ansetzen, sind Sie aus Schleswig-Holstein
durchschnittlich sechs Stunden unterwegs. Hinzu kommen die Sammeltransporte. Und schon
haben Sie an der dänischen Grenze Probleme, Schweine an den Markt zu bringen. Ähnliches
trifft für Teile von Baden-Württemberg oder Bayern zu. Das ist eine Wettbewerbsverzerrung,
die wir uns in der Bundesrepublik wirklich nicht leisten sollten.
AGRA-EUROPE: Die Niederlande denken über eine nationale Verschärfung der Tierschutzund Umweltstandards in der Schweinehaltung nach. Erwarten Sie Auswirkungen auf
Deutschland?
Schwarz: Eine direkte Einwirkung auf die Bundesrepublik sehe ich im Moment nicht. Doch
ist diese Diskussion heute eine europäische; sie bleibt nicht auf den Nationalstaat begrenzt.
Die Niederlande sind immer ein Stückchen progressiver. Ich denke an die
Schweinekastration, die zuerst dort thematisiert wurde.
AGRA-EUROPE: Herr Schwarz, wir danken für dieses Gespräch. AgE
Tiertransportdebatte vertagt
Dalli will erst im zweiten Halbjahr 2011 einen Bericht vorlegen - Vor konkreten Vorschlägen
klaren Überblick gewinnen - Vor allem Umsetzung bestehender Vorschriften wichtig Schlussfolgerungen zum Aktionsplan Tierschutz noch in diesem Jahr - Tiergesundheitsregeln
sollen ab 2011 gestrafft werden - Entwurf über neue Schwerpunkte bei der Finanzierung für
2012 erwartet - Präventionsmaßnahmen sollen bevorzugt werden - Einzelverantwortung von
Tierhaltern und Unternehmern klären
BRÜSSEL/CAVAN. Der neue EU-Gesundheitskommissar John D a l l i nimmt in der
Debatte um strengere Auflagen für Tiertransporte den Fuß vom Gaspedal: Der Malteser
spricht mittlerweile nur noch von einem „Bericht“, der in der zweiten Jahreshälfte 2011
erscheinen soll. Seine Vorgängerin Androulla V a s s i l i o u hätte gern bereits im
vergangenen Jahr einen konkreten Legislativentwurf präsentiert, was aber am Widerstand
innerhalb der Europäischen Kommission scheiterte. Dalli erklärte am Montag vergangener
Woche auf einer Veranstaltung des Dubliner Landwirtschaftsministeriums in Cavan, Irland,
man wolle zuerst einen klaren Überblick über die derzeitige Lage gewinnen, bevor neue
Maßnahmen vorgeschlagen werden sollten. In dem Papier werde die Kommission unter
wissenschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten Argumente zusammentragen und
die Durchsetzung bestehender EU-Tiertransportregeln in den Mitgliedstaaten bewerten.
Gerade die Umsetzung der vorhandenen Vorschriften sei von äußerster Wichtigkeit, so Dalli.
Gleichzeitig stellte er klar, dass er im Tierschutzbereich die Erwartungen der Verbraucher
besonders berücksichtigen will. Die Tierwohlfahrt sei ein sensibles Thema, das bei den
Bürgern starke Emotionen hervorrufe.
EU-Markenzeichen Tierwohlfahrt
Dabei gehe es nicht nur um ethische Gesichtspunkte, so Dalli, sondern auch um breitere
gesellschaftliche Ziele, um die Verbesserung der Lebensqualität für Mensch und Tier. Im
weiteren Verlauf des Jahres werde die Kommission Schlussfolgerungen zum ersten EUAktionsplan Tierschutz über die Jahre 2006 bis 2010 vorstellen. Jetzt sei es an der Zeit, eine
neue Strategie auszuarbeiten, um die Tierschutzprioritäten für die kommenden fünf Jahre auf
ganzheitliche Weise abzustecken. Die Arbeiten dazu liefen bereits. Besonderes Augenmerk
richte man auf die Kosten der Bereitstellung hoher Tierschutzstandards. Dalli verwies erneut
auf die Kommissionspläne zur Einführung eines freiwilligen Tierschutzlabels auf
Nahrungsmitteln und die Schaffung eines Netzes von EU-Tierschutzreferenzzentren. Die
besondere Berücksichtigung der Tierwohlfahrt könne ein Markenzeichen für das Europäische
Modell werden und sowohl Verbrauchern als auch Erzeugern Vorteile bieten. Entscheidend
für innovative und transparente Politikmaßnahmen sei die Unterstützung durch die
Wissenschaft. Die habe sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt und zur
Vermehrung des Wissens über die Bedürfnisse der Tiere und geeignete landwirtschaftliche
Praktiken beigetragen. Solche Methoden sollten fortlaufend überprüft und angepasst werden.
Das Herangehen auf europäischer Ebene sei dabei besonders flexibel und dynamisch.
Kosten gerecht aufteilen
Zur Tiergesundheit kündigte Dalli ab dem kommenden Jahr Vorschläge für umfassende neue
Regeln an. Der Kommissar will die zur Verfügung stehenden Mittel künftig lieber für
Vorsorgemaßnahmen als für die Finanzierung von Verlusten geschehener Seuchenausbrüche
verwenden. Dabei müsse man darüber nachdenken, wie die Kosten für solche Programme
zwischen Landwirten, Mitgliedstaaten und EU-Institutionen gerecht aufgeteilt werden
könnten. Anfang 2012 soll deshalb ein Legislativentwurf für die Neuregelung der Ausgaben
im Veterinärbereich kommen. Angestrebt wird eine Verabschiedung noch vor dem Abschluss
der Diskussion über den Agrarhaushalt nach 2013. „Die Tiergesundheit ist ganz klar ein
Gebiet, auf dem der EU-Mehrwert immer wieder bewiesen wurde“, so Dalli. Man habe einen
vollständig harmonisierten Regelrahmen geschaffen, der einen EU-Binnenmarkt für lebende
Tiere und tierische Produkte garantiere. Trotzdem bekräftigte der Kommissar die
Notwendigkeit einer Straffung. Zurzeit gebe es rund 60 grundlegende Rechtsakte über
Handel, Seuchenkontrolle, Tieridentifizierung und Ähnliches. Mit den für nächstes Jahr
geplanten Vorschlägen werde die komplexe rechtliche Struktur deutlich vereinfacht.
Abgesehen von einer insgesamt flexibleren Ausgestaltung wolle man im Einzelnen auch die
Verantwortung von Tierhaltern und Unternehmern klären sowie die Krankheitsvorsorge und
die Biosicherheit auf dem Betrieb verbessern. Eine Herausforderung werde es sein, die
ambitionierten Ziele in Regeln zu gießen, ohne dabei unnötige Belastungen oder Hindernisse
zu schaffen.
Anpassung von Standards prüfen
Dalli versprach eine ganzheitliche Sicht auf Kosten und Nutzen. Er stellte in Aussicht,
gewisse EU-Standards, die die Vorgaben der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE)
übertreffen, an internationale Normen anzupassen. Man müsse dies sorgfältig prüfen; die EU
müsse einen höheren Schutz für Mensch und Tier aufrechterhalten, wo dies gerechtfertigt sei.
Darüber hinaus verteidigte Dalli das System der elektronischen Einzeltierkennzeichnung.
Eine Absage erteilte der Malteser dem Bestreben, den Handel von Tieren und tierischen
Produkten zwischen EU-Mitgliedstaaten einseitig zu beschränken. Innereuropäische
Handelsregeln sollten gleichermaßen in allen Mitgliedstaaten gelten. Mit Blick auf Irland
betonte Dalli, eine Insel sei angesichts des gewachsenen Güter- und Personenverkehrs und
dem damit gestiegenen Risiko des illegalen Handels heutzutage nicht länger gegen
grenzüberschreitende Krankheitserreger geschützt - so wie dies vielleicht einmal in der
Vergangenheit der Fall gewesen sei. AgE
EU/DEUTSCHLAND
Kritik an Cioloş wegen Aussagen zu Großbetrieben
Europaabgeordneter Jahr zeigt sich überrascht - Völlig unverständliches Unterfangen Sachsens Agrarminister Kupfer gegen neuerliche Kürzungen - Unmut auch bei DBV und
COPA/COGECA - Pesonen: Ausgleichszahlungen müssen unabhängig von der Größe des
landwirtschaftlichen Betriebes erfolgen - Kommission will keine Tabus
BRÜSSEL. Äußerungen von EU-Agrarkommissar Dr. Dacian C i o l o ş über eine mögliche
Obergrenze von Direktbeihilfen für Großbetriebe sind sowohl im Europaparlament als auch
bei Verbänden auf Kritik gestoßen. „Überrascht bin ich, da uns Herr Cioloş weder in der
jüngsten Ausschusssitzung am Montag noch in unserer Sitzung in Straßburg über diese Pläne
informiert hat“, erklärte der CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter J a h r am vergangenen
Donnerstag in Brüssel. Auch der Deutsche Bauernverband (DBV) und der EU-Ausschuss der
Bauernverbände (COPA) signalisierten Ablehnung. COPA machte über Generalsekretär
Pekka P e s o n e n deutlich, dass die EU-Ausgleichszahlungen in der Reform der
Gemeinsamen Agrarpolitik ab 2013 nicht von der Betriebsgröße abhängig gemacht werden
dürften. „Wenn Bauern für öffentliche Güter Leistungen erbringen, wie zum Beispiel die
Pflege der Kulturlandschaft, dann haben sie auch die Ausgleichszahlungen verdient unabhängig davon, wie groß der landwirtschaftliche Betrieb ist“, so Pesonen. Der Sprecher
von Cioloş bemühte sich gegenüber dem Presse- und Informationsdienst AGRA-EUROPE,
die Aussage des Kommissars (vgl. EU-NACHRICHTEN 1 i.d.Ausg.) zu relativieren: Cioloş
habe damit keinen besonderen Schwerpunkt setzen wollen. Man werde im Verlauf der
weiteren Gespräche noch über sehr viele Aspekte diskutieren, und dabei sei keine Frage oder
Kritik tabu.
Arbeitsplätze gefährdet
Jahr monierte, man versuche, die Diskussion über ein Vorhaben, das bereits vor zwei Jahren
endgültig abgelehnt worden sei, wiederzubeleben. „Ein völlig unverständliches Unterfangen“,
so der Sachse. Bei der Reform der Agrarpolitik gehe es nicht um Klein- oder Großbetriebe,
sondern um einen funktionierenden, vitalen und attraktiven ländlichen Raum. Das erreiche
man maßgeblich durch die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Besonders in
Ostdeutschland bildeten die sogenannten größeren Betriebe die entscheidende Grundlage für
Arbeitsplätze im ländlichen Raum. Betrachte man zudem die staatlichen Zuwendungen pro
versicherungspflichtigem Arbeitnehmer und nicht pro Hektar, erhielten kleinere Betriebe
mehr Direktzahlungen. „Die Diskussion um die Kappung von Direktzahlungen bringt rein gar
nichts, außer einer diffusen Neiddebatte zwischen den Landwirten“, so der
Europaabgeordnete. Eine pauschale Kürzung der Direktzahlungen auf der Grundlage der
Größe eines Betriebes gefährde schlicht eine Vielzahl von Arbeitsplätzen.
Kupfer gegen neue Kürzungen
Ähnlich äußerte sich Sachsens Landwirtschaftsminister Frank K u p f e r zu möglichen
Kürzungen landwirtschaftlicher Direktzahlungen in Abhängigkeit von der Betriebsgröße.
„Davon wären vor allem die Bauern in Ostdeutschland betroffen. Kürzungen bei den
Direktzahlungen, die vor allem große Betriebe treffen, würden zu Einkommensverlusten bei
unseren Landwirten führen und so Arbeitsplätze gefährden“, warnte Kupfer. Sein Ministerium
erinnerte daran, dass die EU-Kommission bereits in der laufenden Förderperiode entgegen
vorheriger Zusagen Kürzungen der Direktzahlungen für alle Betriebe pauschal um 5 %
AGRARPOLITIK
durchgesetzt habe. Rund 300 sächsische Betriebe mit einem bisherigen Anspruch auf mehr als
300 000 Euro pro Jahr hätten darüber hinaus zusätzliche Kürzungen verkraften müssen. „Die
Diskussion um große und kleine Betriebe ist das Ergebnis einer unerträglichen Neiddebatte“,
monierte Kupfer. Dabei sei die absolute Höhe der Direktzahlungen pro Betrieb das falsche
Maß. Große Unternehmen müssten pro Flächeneinheit die gleichen Leistungen für Umwelt
und Kulturlandschaft erbringen wie kleine Betriebe. Kürzungen nach Betriebsgröße seien
deshalb unsachgemäß. „Das Thema sollte mit den Sonderkürzungen von vor zwei Jahren
eigentlich endgültig vom Tisch sein. Mit Blick auf die Existenzfähigkeit unserer Betriebe
werde ich diese erneute Debatte nicht ohne Widerspruch hinnehmen“, so der Minister
abschließend. AgE
Ausländer nutzen Wirtschaftskrise für Landerwerb in Rumänien
BUKAREST. Ausländische Investoren haben die Wirtschaftskrise in Rumänien genutzt, um
Forst- und Landwirtschaftsflächen in dem Balkanland preiswert zu kaufen. Das berichtete der
Internetdienst zf.ro der Bukarester Finanzzeitung „Ziarul Financiar“. Es seien „mehr als
500 Mio Euro“ investiert worden. Ausländer besäßen je nach Bezugsgröße zwischen 3 % und
5 % der rumänischen Agrarfläche, so zf.ro. In jüngster Zeit seien von Ausländern vor allem
Forstflächen gekauft worden, insgesamt schätzungsweise rund 100 000 ha. Nach Recherchen
von zf.ro wurden dabei im Schnitt 3 000 Euro bis 5 000 Euro pro Hektar Forstfläche gezahlt.
Die Landkäufe von Ausländern würden in einer „sehr diskreten Art und Weise“ abgewickelt,
erklärte der Informationsdienst. Nur wenige Käufer würden Angaben über ihren Landbesitz in
Rumänien machen. Ausländer verfügten inzwischen über mehrere 100 000 ha Agrarland,
wofür sie „hunderte Millionen Euro“ gezahlt haben dürften. Zu den ausländischen Investoren
gehöre schon seit längerem die österreichische Holzindustrie-Unternehmensgruppe
Schweighofer. Neben Firmen aus Finnland und Schweden nennt zf.ro auch die Harvard
Universität in den USA, die über ihre Harvard Management Company 30 000 ha Wald in
Rumänien erworben haben soll, sowie die Porsche-Familie mit 8 000 ha. Erst kürzlich
berichtete die Bukarester Nachrichtenagentur ADZ, der deutsche Milliardär Dr. Bernhard
T e r m ü h l e n habe 2008 und 2009 im westrumänischen Verwaltungskreis Arad insgesamt
5 000 ha Ackerflächen gekauft. Termühlen plane weitere Investitionen. Der Milliardär
begründe seine agrarwirtschaftlichen Aktivitäten in Rumänien mit dem Argument, die
weltweit steigende Lebensmittelnachfrage sei ein „Trendthema“ und „Ackerland eine
Anlageklasse mit Zukunft“. AgE
NieKE-Steuerungsausschuss neu konstituiert
VECHTA. Das Niedersächsische Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft (NieKE) hat kurz
nach seinem Start als Landesinitiative seinen Steuerungsausschuss neu konstituiert. Wie das
Kompetenzzentrum in der vergangenen Woche weiter mitteilte, übernahm Gert S t u k e ,
Generalbevollmächtigter der Deutschen Frühstücksei GmbH in Neuenkirchen-Vörden,
Anfang dieses Monats in Vechta die Position des Ausschussvorsitzenden von Friedrich
R e c k m a n n , dem ehemaligen Geschäftsführer der Heidemark GmbH in Garrel. Zum
stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde Albert F o c k e , Landrat des Landkreises
Vechta. NieKE-Angaben zufolge begleitet und lenkt der Steuerungsausschuss die Arbeit der
Landesinitiative mit dem Ziel, die Land- und Ernährungswirtschaft Niedersachsens im
nationalen und internationalen Wettbewerb zu stärken und auszubauen. Die
Wirtschaftsunternehmen der gesamten Wertschöpfungskette sehen NieKE nach Einschätzung
von Stuke „in der entscheidenden Mittlerfunktion zwischen Wirtschaft und Wissenschaft“.
Zusammen mit dem Wissenschaftlichen Beirat des NieKE solle der Transfer zwischen
Wissenschaft und Wirtschaft weiter intensiviert werden. Darüber hinaus müsse von Seiten der
Wissenschaft rechtzeitig auf eventuelle Fehlentwicklungen hingewiesen werden, um die
Führungsposition der niedersächsischen Ernährungswirtschaft nicht zu gefährden, unterstrich
der Ausschussvorsitzende. Der NieKE-Steuerungsausschuss ist besetzt mit dem Sprecher des
wissenschaftlichen NieKE-Beirates sowie Vertretern der niedersächsischen Agrar- und
Ernährungswirtschaft, der Hochschule Vechta einschließlich des Institutes für
Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA), des Deutschen
Institutes für Lebensmitteltechnik (DIL) und der kommunalen Gebietskörperschaften sowie
des Landvolkes Niedersachsen und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. AgE
AbL sieht Wietzer Schlachthofprojekt schwanken
BIENENBÜTTEL. Das Schlachthofprojekt der Firma Rothkötter in Wietze bei Celle gerät
nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ins Schwanken.
Seitens der Landwirte sei von einem „eher verhaltenen Interesse“ an Verträgen mit dem
Unternehmen auszugehen, erklärte die Arbeitsgemeinschaft, die Mitglied des bundesweiten
Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ ist, in der vergangenen Woche. Außerdem seien
Stallprojekte bereits im Vorfeld oder im Verlauf der Antragstellung durch Proteste von
Bürgern verhindert worden. Der Konzern suche nun auch Vertragsmäster außerhalb des
zunächst angepeilten 100-Kilometer-Umkreises von Wietze, stellte die AbL fest und wertete
dies als Zeichen für Probleme bei der Gewinnung der vorerst geplanten 120 Vertragsmäster.
Die Firma Rothkötter will in Wietze zunächst insgesamt 40 Mio Euro in den Bau einer
Geflügelschlachterei investieren, die eine Schlachtkapazität von rund 200 000 Tieren pro Tag
haben soll. Bei entsprechender Marktlage soll die Anlage später ausgebaut werden. Gegen
den Schlachtbetrieb protestieren rund 20 Bürgerinitiativen und die im Netzwerk „Bauernhöfe
statt Agrarfabriken“ zusammengeschlossenen Organisationen (vgl. LÄNDERBERICHTE xx
i.d.Ausg.). AgE
„Wiki-Agrar-Lexikon“ im Internet gestartet
BERLIN/BONN. Eine schnelle und fundierte Klärung landwirtschaftlicher Fachbegriffe
verspricht das „Wiki-Agrar-Lexikon“, das der Verein Information-Medien-Agrar (IMA) und
die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) am vergangenen Freitag im
Internet unter www.agrilexikon.de freigeschaltet haben. Wie IMA und FNL zum Start der
Enzyklopädie weiter mitteilten, werden in mehr als 1 000 Einträgen alle wichtigen Begriffe
erläutert, die in der Landwirtschaft und ihrem Umfeld von Bedeutung sind. Damit ist das
Nachschlagewerk den Herausgebern zufolge das umfangreichste Agrarlexikon im
deutschsprachigen Raum. Hervorgegangen ist das kostenlose Angebot aus der Vereinigung
des FNL-Landwirtschaftslexikons und des IMA-Agrilexikons. Erstellt und betreut werden die
Inhalte von einem Redaktionsteam. AgE
Tierschutzprobleme bei der Schweineschlachtung sind lösbar
Kulmbacher Institutsleiter Troeger setzt auf ein gemeinsames Vorgehen von
Schlachtunternehmen, Ausrüstern und Wissenschaft - Pilotprojekt soll Praxisreife von
Verfahren zur automatisierten Kontrolle der Entblutung bringen - Ergebnisse können in einem
halben Jahr vorliegen - Zusätzliches Kontrollpersonal bringt nichts - Änderung der
Tierschutz-Schlachtverordnung nicht notwendig
KULMBACH. Für lösbar hält der Leiter des Kulmbacher Instituts für Sicherheit und Qualität
bei Fleisch vom Max-Rubner-Institut (MRI), Prof. Klaus T r o e g e r , die
Tierschutzprobleme bei der Schweineschlachtung. Voraussetzung dafür sei ein gemeinsames
Vorgehen von Schlachtunternehmen, Ausrüstern und Wissenschaft, sagte Troeger dem
Presse- und Informationsdienst AGRA-EUROPE. Der Wissenschaftler kündigte ein
Pilotprojekt zur automatisierten Kontrolle der Entblutung an. Nur eine weitgehende
Entblutung schließe das Risiko eines Wiedererwachens der betäubten Tiere aus. Die Kontrolle
des Entblutungserfolgs sei über Stichblutwaagen möglich, die in den Schlachtvorgang
integriert werden müssten. Prototypen für solche Waagen lägen vor; woran es fehle, seien
praktische Erfahrungen. „Wenn alle Beteiligten mitziehen, können die offenen Fragen in
einem halben Jahr gelöst sein“, so Troeger. Ziel müsse es sein, diese Wiegevorrichtungen in
absehbarer Zeit in den Schlachtunternehmen einzusetzen. Allerdings kämen auf die
Unternehmen erhebliche Investitionskosten zu, die voraussichtlich im sechsstelligen Bereich
lägen, räumte der Wissenschaftler ein. Keine Lösung stelle hingegen eine Änderung der
Tierschutz-Schlachtverordnung dar. Auch ein verstärkter Einsatz von Tierärzten zur Kontrolle
bringe nichts. Troeger: „Ohne eine automatisierte Einzeltierkontrolle bekommen wir das
Problem nicht in den Griff.“
Öffentliche Diskussion hilfreich
Der Institutsleiter begrüßte die breite Resonanz, die die Medienberichterstattung über die
Tierschutzdefizite bei der Schweineschlachtung in der Öffentlichkeit ausgelöst habe. Eine
Reihe von Schlachtunternehmen seien auf ihn zugekommen und hätten ihr Interesse an einer
Zusammenarbeit zur Beseitigung der Schwachstellen bekundet. Dies sei umso erfreulicher, so
Troeger, als er seit 17 Jahren an der Thematik arbeite und in einer Vielzahl von Publikationen,
Vorträgen und Gesprächen auf die Probleme hingewiesen habe. „Wenn die öffentliche
Diskussion jetzt dazu führt, dass die eklatanten Verstöße gegen die rechtlichen Bestimmungen
endlich aufhören, ist das nur positiv“, sagte der Wissenschaftler.
Flächendeckendes Problem
Troeger sprach von einem flächendeckenden Problem der industriellen Schweineschlachtung,
das nicht nur Großunternehmen, sondern auch mittelständische Betriebe betreffe. Laut
Tierschutz-Schlachtverordnung seien die Schlachttiere so zu betäuben, „dass sie schnell und
unter Vermeidung von Schmerzen in einen bis zum Tod anhaltenden Zustand der
Empfindungs- und Wahrnehmungslosigkeit versetzt werden“. Diese Vorschrift werde jedoch
schlichtweg ignoriert. Daran habe auch die vor einigen Jahren beschlossene Verlängerung der
Aufenthaltsdauer in CO2-Betäubungsanlagen auf 100 Sekunden nichts geändert.
Wissenschaftliche Untersuchungen der letzten Jahre hätten eindeutig gezeigt, dass im Mittel
der untersuchten Betriebe 1 % der Schlachtschweine, in Ausnahmefällen bis 14 %, noch
Reaktionen zeigen, wenn sie in die Brühanlage kämen. Seither könnte sich das Problem
weiter verschärft haben, weil die Zahl der Schweineschlachtungen in Deutschland insgesamt
und die Zahl der Schlachtungen pro Zeiteinheit in den Betrieben weiter zugenommen hätten.
Kontrolle der Entblutungsrate zwingend notwendig
Eindeutig sei der Zusammenhang zum Blutentzug. „Werden die Tiere nicht hinreichend
entblutet, kehren Empfindungs- und Wahrnehmungsvermögen zurück“, stellte Troeger fest.
Liege die Stichblutmenge, die innerhalb von zehn Sekunden nach der Tötung austritt, bei
unter 1,5 % des Lebendgewichts, besteht dem Wissenschaftler zufolge ein erhöhtes Risiko des
Wiedererwachens der Tiere auf der Nachentblutungsstrecke. Im Einzelfall hänge die
Entblutungsrate in hohem Maße von der Qualität der Stiche ab und sei damit stark
personenabhängig. Vor diesem Hintergrund gebe es keine andere Möglichkeit, als den
jeweiligen Entblutungsgrad am Einzeltier zu kontrollieren. „Aus Tierschutzgründen ist dies
zwingend erforderlich“, betonte Troeger. Dafür bedürfe es automatisierter Verfahren zur
Messung der Stichblutmenge. Prototypen dazu lägen vor. Nunmehr müssten sie zur
Praxisreife gebracht werden.
Neue EU-Vorgaben ab 2013
Nach den Worten des Institutsleiters ist eine tierschutzkonforme Schlachtung nicht nur
aufgrund der geltenden Rechtslage unerlässlich. Die Schlachtunternehmen seien insgesamt
gut beraten, diesem Thema eine größere Aufmerksamkeit einzuräumen. Troeger verwies auf
neue Bestimmungen der EU-Tierschutzverordnung. Danach sind die Unternehmen ab 2013
verpflichtet, ähnlich wie bei der Hygiene auch hinsichtlich des Tierschutzes das System
Kritischer Kontrollpunkte (HACCP) anzuwenden. Demzufolge müssten die Schlachtbetriebe
künftig von vornherein mögliche Schwachstellen identifizieren und Maßnahmen zu deren
Kontrolle und Beseitigung ergreifen. Dafür müssten Leitlinien zur tierschutzkonformen
Schlachtung entwickelt und angewendet werden. Troeger sieht darin eine spürbare
Verschärfung gegenüber der geltenden Rechtslage, auf die sich die Betriebe einstellen
müssten. AgE
Veredlungssicherungsfonds erwartet größere Herausforderungen
Als zwei Beispiele werden unter anderem der Ammoniak-Leitfaden und die Auswirkungen
der Wasserrahmenrichtlinie genannt - In den veredlungsdichten Regionen des Münsterlandes
werden genehmigungsfähige Bauplätze knapp - Landwirte blockieren sich mit ihren
Expansionsabsichten inzwischen auch gegenseitig
DAMME. Mit demnächst größeren Herausforderungen aufgrund rechtlicher
Rahmenbedingungen rechnet der Veredlungssicherungsfonds in Damme in eigener Sache wie
auch mit Blick auf die gesamte Veredlungswirtschaft. Der Ammoniak-Leitfaden oder auch
die Auswirkungen der Wasserrahmenrichtlinie seien da nur zwei Beispiele, stellte der Fonds
am Dienstag vergangener Woche in einer Presseverlautbarung fest. In den veredlungsdichten
Regionen des oldenburgischen und westfälischen Münsterlandes dürfte es in Zukunft
schwerfallen, überhaupt noch genehmigungsfähige Bauplätze zu finden. Da dürfe auch nicht
verschwiegen werden, dass sich Landwirte zum Teil mit ihren Expansionsabsichten im
Bereich von Schweinen, Milchvieh und Geflügel gegenseitig blockierten. Der Berufsstand
stehe vor großen Herausforderungen. Ein Schwerpunkt der zukünftigen Arbeit über alle
Sparten hinweg sei zusätzlich absehbar, nämlich die Auseinandersetzung mit den
Tierhaltungsgegnern aller Art, führte der Veredlungssicherungsfonds aus. Da sei einerseits ein
neues Netzwerk von Bürgerinitiativen und Interessenverbänden, die ihre Aktionen
zunehmend gemeinsam koordinierten und denen die positive Entwicklung der
Veredlungswirtschaft, speziell in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, ein Dorn im Auge
sei. Auf der anderen Seite müssten sich die Tierhalter zunehmend mit militanten
Tierschutzorganisationen auseinandersetzen, die auch vor Einbrüchen, Sachbeschädigung und
selbst Körperverletzung nicht zurückschreckten.
Immer militantere Aktionen gegen Tiernutzer
Unter dem Motto „Terror im Namen der Tiere“ gingen solche Organisationen immer
militanter gegen sogenannte „Tiernutzer“ vor, berichtete der Veredlungssicherungsfonds
weiter. Dafür gebe es in anderen EU-Ländern bereits verschiedene Beispiele. So sei in
Großbritannien die „Animal liberation front“, eine militante und radikale
Tierrechtsbewegung, aktiv. In den Niederlanden sei der Politiker Pim F o r t u y n von einem
radikalen Tierschützer ermordet worden, und in Österreich müssten sich derzeit 13
Tierrechtsaktivisten am Landgericht Wiener Neustadt wegen Beteiligung an einer kriminellen
Organisation, Sachbeschädigung, Sachentziehung und Tierquälerei verantworten. Der
Veredlungssicherungsfonds teilte in dem Zusammenhang mit, er habe jetzt beschlossen, einen
entsprechenden Rechtsstreit zu unterstützen, bei denen Täteraktivisten in einen
Tierhaltungsbetrieb eingebrochen seien. Es müsse darum gehen, diese Leute persönlich vor
Gericht zur Verantwortung zu ziehen. Nur so könne eine abschreckende Wirkung erzielt
werden.
Meinungswandel auch beim Berufsstand
Der Veredlungssicherungsfonds wies darauf hin, dass er seit seiner Gründung vor fast
14 Jahren eine Reihe von Auseinandersetzungen finanziell unterstützt, das heiße
Rechtsanwalts- und Gerichtskosten bezahlt habe. Erfreulicherweise hätten dann aber in vielen
sich anbahnenden Rechtsstreitigkeiten außergerichtliche Einigungen erzielt werden können.
Unübersehbar sei auch, dass unter den CDU-geführten Regierungen im Bund sowie in
Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen als Länder mit bedeutender Veredlungsproduktion
die Rahmenbedingungen zumindest rechtlich klarer geworden seien. Damit habe der zum Teil
erhebliche Investitionsstau aufgrund fehlender beziehungsweise zurückhaltender Bearbeitung
durch die Baugenehmigungsbehörden beseitigt werden können. Der anhaltende Bauboom im
Bereich der Veredlungswirtschaft sei dafür sicherlich ein untrügliches Indiz, erklärte der
Fonds. Aber auch innerhalb der Veredlungswirtschaft hätten sich über die Jahre die
Meinungen geändert. Habe vor Jahren noch ein Fall auf der Tagesordnung gestanden, wo ein
gewerblicher Veredlungsbetrieb Unterstützung darum erbeten habe, die Verwendung seiner
wirtschaftseigenen Dünger nicht offenlegen zu müssen, seien heute Berufsstand und auch
ganz wesentlich die Landwirte mit Veredlung der Ansicht, dass hier Landwirte und
gewerbliche Tierhalter gleich behandelt werden müssten. Beide Rechtsformen müssten
Nachweis über den Verbleib der Gülle geben. AgE
Ökumenischer Kirchentag mit breitem Themenspektrum zu Agrar- und Landfragen
HOHEBUCH. Beim Zweiten Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai in München
wird auch Fragen der Landwirtschaft und des ländlichen Raums in nationaler wie globaler
Dimension eine herausragende Bedeutung zukommen. Wie der Agrarbeauftragte der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Dr. Clemens D i r s c h e r l , als Mitglied der
Projektkommission vergangene Woche weiter mitteilte, werden zahlreiche Prominente aus
Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und Kirche zu Fachvorträgen und Podiumsdiskussionen
erwartet, darunter Bayerns Ministerpräsident Horst S e e h o f e r , Umweltminister
Dr. Markus S ö d e r und der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd
S o n n l e i t n e r . Innerhalb des Themenbereichs „Verantwortlich handeln - Christ sein in
der einen Welt“ stellten die Armutsbekämpfung, die Welternährungssicherung und der
Klimaschutz einen besonderen Schwerpunkt dar, so Dirscherl. Ein Sonderpodium diskutiere
das Thema „Grüne Gentechnik - Brot für die Welt oder Gefahr für die Umwelt?“. Die
Agrarhandelspolitik der EU werde Gegenstand einer Diskussion zum Thema „Mehr
Gerechtigkeit ist möglich“ sein. Zwei Veranstaltungen werden sich laut Dirscherl mit neuen
Wegen zu einem ökologischen Wohlstand im globalen Kontext angesichts der Klimakrise
befassen. Unter dem christlichen Leitmotto „Unser täglich Brot“ würden Zukunftswege der
Ernährungssicherung angesichts des Klimawandels diskutiert. Die nachhaltige
Landbewirtschaftung als Überlebensfrage der Menschheit stehe im Mittelpunkt einer
Podiumsveranstaltung. Die besondere Verantwortung für die Schöpfungsbewahrung
angesichts der Herausforderung, auch die Artenvielfalt zu erhalten, werde ebenfalls diskutiert.
Im Themenbereich „Miteinander leben - Christ sein in der offenen Gesellschaft“ richte das
Forum „Lebenswelt Land“ einen ganzen Tag den Blick auf die Lebensbedingungen und
Herausforderungen für die künftige Gestaltung der ländlichen Räume.
(www.oekt.de/programm) AgE
Landvolk sieht keinen weiteren Regelungsbedarf für Stallbauten
Steuerungsinstrumente sind ausreichend vorhanden - Häufige Instrumentalisierung für
sachfremde Anliegen - Anhörung im niedersächsischen Landtag aus Anlass eines geplanten
Geflügelschlachtbetriebes in Wietze - Landesbauernverband bezeichnet Kritik der
Schlachthofgegner als „unzutreffend“
HANNOVER. Bei der Genehmigung von Stallbauten gibt es nach Einschätzung des
Landvolks Niedersachsen für die Landesregierung keinen weiteren Regelungsbedarf. Die
bestehenden bauplanungsrechtlichen Instrumente für Landkreise und Kommunen müssten
nicht ausgeweitet werden, betonte der Landesbauernverband bei einer Anhörung vor dem
Agrarausschuss im niedersächsischen Landtag, die Mitte dieses Monats unter dem Titel
„Bäuerliche Landwirtschaft statt industrielle tierquälerische ‚Hähnchen-Highways’ in
Niedersachsen“ stand. Über sogenannte Baufenster oder eine die Landwirtschaft
beschränkende Positivplanung könnten Landkreise und Kommunen planerische Prioritäten
setzen. Auch die Beteiligungs-, Widerspruchs- und Klagemöglichkeiten zum Schutz von
Anwohnern und Umwelt seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgeweitet worden,
unterstrich der Landvolkverband. Diese würden aber leider nicht von betroffenen Einwendern
genutzt, sondern für sachfremde strukturpolitische und weltanschauliche Anliegen
instrumentalisiert. Anlass für die Anhörung, in deren Rahmen sich die Landtagsfraktion von
Bündnis 90/Die Grünen für mehr demokratische Beteiligungsrechte von Kommunen und
Bürgern in der Bauplanung einsetzte, war der geplante Geflügelschlachtbetrieb der Firma
Rothkötter in Wietze im Landkreis Celle. Gegen dessen Errichtung und die damit
verbundenen Stallbauabsichten von Landwirten protestieren derzeit mehr als 20
Bürgerinitiativen und die im Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“
zusammengeschlossenen Organisationen. Wesentliche Kritikpunkte sind potentielle Probleme
vor Ort, etwa die Verkehrsbelastung, sowie die nach Einschätzung der Baugegner nicht
artgerechte Tierhaltung in den Vertragsbetrieben, die zudem vor allem entlang der Autobahn
A7 gesucht würden. Das Landvolk Niedersachsen bezeichnete die Vorwürfe als nicht
zutreffend.
Ackerbauern sehen zusätzliche Chancen
Wie der Landesbauernverband unterstrich, verteilen sich die mit dem Schlachthofneubau
erwarteten 150 Stallbauten bei einem Einzugsbereich im Radius von 180 km immerhin auf
eine Fläche von 100 000 qkm. So hätten beispielsweise in der Region Braunschweig von
annähernd 4 000 Landwirten lediglich elf den Bau eines Hähnchenmaststalls beantragt.
Außerdem werde in spezialisierten Hähnchenmastbetrieben die artgerechte Tierhaltung über
die Masthühner-Richtlinie sowie die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
(TierSchNutzVO) gewährleistet, stellte der Landvolkverband fest. Landwirten in
Ackerbauregionen sähen zusätzliche Chancen in der Produktion von frischem, heimischem
Geflügelfleisch, das auf dem Markt in den zurückliegenden Jahren vermehrt nachgefragt
werde. Betriebswirtschaftlich positiv zu bewerten sei zudem, dass Ackerbauern in der
Geflügelhaltung betriebseigenes Getreide als Futter einsetzen und durch die Verwertung des
Hähnchenmistes Mineraldünger einsparen könnten. AgE
AgE 15/ 2010
Verburg will neue Tierschutzstandards abmildern
Initiative der Ministerin kurz vor den Wahlen - Parlamentsbeschluss fehlt noch - Platzangebot
für Mastschweine und Ferkel soll ab 2013 doch nicht so großzügig ausfallen wie bisher per
Gesetz festgelegt - Aber Bestandsschutz für bestehende Ställe soll es nicht geben
DEN HAAG. In den Niederlanden gibt es ernsthafte politische Bestrebungen, die ab 2013
geltenden Tierschutzstandards für Schweine, die deutlich über EU-Vorschriften hinausgehen,
doch abzumildern und damit näher an den Standards im Binnenmarkt zu orientieren. Das gilt
insbesondere für das Mastschweinen und Ferkeln zur Verfügung stehende Platzangebot. So
hat Landwirtschaftsministerin Gerda V e r b u r g Ende März angekündigt, dass sie für
Mastschweine nur noch einen Platzbedarf von 0,8 qm anstrebt, gegenüber 0,65 qm laut EURichtlinie und 0,75 qm in Deutschland. Die aktuelle niederländische Gesetzeslage sieht
hingegen einen Mindestwert von 1 qm vor. In Kombination mit weiteren ab 2013 greifenden
nationalen und EU-Tierschutz- und Umweltstandards könnte sich diese Anforderung laut
einer Schätzung von Wissenschaftlern der Universität Wageningen auf einen
Investitionsbedarf von 240 Euro pro Mastplatz summieren (AGRA-EUROPE 14/10,
LÄNDERBERICHTE 2). Neue Standards sind auch für Spaltenböden geplant. Hier strebt
Verburg nun an, sich an den Vorschriften in Dänemark zu orientieren.
Einflussreiche Tierschutzpartei
Eingelenkt hat die Ministerin zudem auch bei den Ferkelstandards, wo sie jetzt - abweichend
von den gegenwärtigen Planungen - nur noch 0,3 qm pro Tier und nicht mehr 0,4 qm für
notwendig hält. Allerdings will sie den neuen Standard von 0,8 qm für Mastschweine auch für
Stallbauten gelten lassen, die vor 1998 errichtet wurden. Die Niederlande blieben damit beim
Tierschutz in der europäischen Spitzengruppe, erklärte das Landwirtschaftsministerium in
Den Haag. Ob die bestehenden Standards tatsächlich aufgeweicht werden, ist aber unklar,
denn noch fehlt ein Parlamentsbeschluss, und Holland befindet sich in einer politischen Krise.
Nach dem Ende der Großen Koalition, die im Streit um den Afghanistan-Einsatz Ende
Februar zerbrach
, sind für den 9. Juni Neuwahlen angesetzt, bei denen laut
Meinungsumfragen starke Verluste für die großen Parteien zu erwarten sind und die
rechtsgerichtete „Partei für die Freiheit“ gute Aussichten auf starke Stimmgewinne hat. Ob
die christdemokratische Ministerin Verburg ihr Ressort behalten kann, ist daher ungewiss. Die
Christdemokraten stellen derzeit mit 41 Abgeordneten die stärkste Fraktion im
Abgeordnetenhaus mit seinen 150 Sitzen. Bisher ist im niederländischen Parlament auch die
Tierschutzpartei mit zwei Abgeordneten vertreten. Sie hat Einfluss auf die Regierungspolitik
ausgeübt, beispielsweise mit ihrer Initiative für einen fleischfreien Tag. Das Parlament hatte
Ende vergangenen Jahres eine entsprechende PR-Kampagne beschlossen. AgE
EU-Agrarpolitik soll Ernährungssicherung und faire Erzeugerpreise ins Zentrum
rücken
Niederländischer Fachverband für Ackerbau plädiert für Nahrungsmittelsouveränität - EU
muss Abhängigkeit von Eiweißfuttermittelimporten verringern - Flexible Beimischung von
Bioethanol aus Getreide verlangt - Pfad der Marktliberalisierung verlassen - Preise für viele
Produkte im Keller - Zeitgemäße Formen der Angebotssteuerung finden
BRÜSSEL. Der Niederländische Fachverband für Ackerbau (NAV) fordert einen EUSelbstversorgungsgrad mit Eiweißpflanzen in der Größenordnung von 70 % bis 80 % im Jahr
2025. Das geht aus einem NAV-Positionspapier zur Agrarpolitik nach 2013 hervor, das am
vergangenen Donnerstag veröffentlicht wurde. Auf dem Gebiet der EU-27 bestehe
ausreichend Platz zum Anbau von Eiweißpflanzen, so die Ackerbauern. Proteine seien für
Mensch und Tier essentiell, doch gerade hierbei sei die EU-Bevölkerung von Importen aus
den entlegensten Winkeln der Erde abhängig. Ein großer Teil dieser Einfuhren gelte jedoch
unter sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitsaspekten als fragwürdig. Auch den EUSelbstversorgungsgrad mit Bioethanol aus Getreide will der NAV erhöhen, gibt dafür
allerdings keine Prozentziele vor. Der Biosprit müsse fossilem Treibstoff auf flexible Weise
beigemischt werden können. Dadurch soll der EU-Getreidemarkt insgesamt stabilisiert
werden. Für alle Grundprodukte verlangt der NAV einen Außenschutz, der sich an den
gegenwärtigen Getreideimportzöllen orientiert. Daneben plädiert der Verband für das Prinzip
der Nahrungsmittelsouveränität: Jeder Kontinent beziehungsweise Handelsblock habe das
Recht auf eine eigenständige Versorgung mit Lebensmitteln. Deshalb müsse auch jeder Block
seine eigene Agrar- und Ernährungspolitik verfolgen dürfen. Im Zentrum der EU-Agrarpolitik
nach 2013 müssten Ernährungssicherung, Lebensmittelsicherheit und gerechte, also mehr als
kostendeckende Erzeugerpreise stehen.
Perspektive des Agrarsektors untergraben
Der NAV unterscheidet die „Straße der Liberalisierung“ vom Weg hin zu einer nachhaltigen
Produktion. Die gegenwärtige EU-Politik folge zu sehr dem Diktat der
Welthandelsorganisation (WTO). Als Nachteile eines freien Weltmarkts für Agrarprodukte
macht der Verband unter anderem die Spannung zwischen einer großen Anzahl von
Erzeugern und einer Handvoll Abnehmern aus, ferner ungenügende Markttransparenz, die
Anfälligkeit für Krankheiten und Seuchen sowie das Unvermögen einzelner Erzeuger,
Marktvorschriften einzuhalten. Die dramatischen Schwankungen insbesondere der
Nahrungsmittelpreise sorgten für Aufruhr in der Bevölkerung; damit würden der Fortbestand
der Nahrungsmittelproduktion und die langfristige Perspektive der Landwirtschaft
untergraben. Ferner verfehle man die Förderung der Eigenversorgung in den bedürftigen
Weltregionen und trage damit zum Verbleib des Hungerproblems bei. Da sich Erzeugerpreise
weit unterhalb der Kosten bewegten, könnten die Landwirte in der EU und anderswo nur
durch Beihilfen überleben.
Erzeugerorganisationen stärken
Die Europäische Kommission habe in den vergangenen fünf Jahren die Regulierung der
Agrarmärkte mehr und mehr zugunsten des anonymen Weltmarkts abgebaut, so der NAV. Es
sei höchste Zeit für eine Überprüfung dieses Kurses. Die Getreidepreise seien nach einer
kurzlebigen Spitze dramatisch gesunken. Stärkekartoffeln und andere Produkte wie
Verarbeitungsgemüse seien ebenfalls in den Sog der Abwärtsspirale geraten. Eine
Gemeinsame Agrarpolitik werde nach wie vor dringend gebraucht. Ackerbauprodukte und
andere Grundstoffe benötigten weiter eine gewisse Marktregulierung. Dazu müsse man neue
und zeitgemäße Formen der Angebotssteuerung finden. In diesem Zusammenhang fordert der
NAV eine Stärkung der Erzeuger innerhalb der Lebensmittelkette. Angeregt wird die
Änderung der Wettbewerbsregeln, insbesondere auch im für die Niederlande wichtigen Zweig
der Speise- und Chipskartoffelproduktion. Das Niveau der Erzeugerkooperation müsse dem
Konzentrationsgrad der Industrie und des Einzelhandels entsprechen. AgE
EUROPÄISCHE UNION
AGRARPOLITIK
Informelle Einigung zur EU-Tierversuchsrichtlinie erreicht
BRÜSSEL. Das Europäische Parlament und der EU-Ministerrat haben am vergangenen
Mittwoch einen abschließenden Kompromiss über die EU-Tierversuchsrichtlinie erzielt und
sich damit auf einen besseren Schutz von Labortieren verständigt. Unter der Leitung der
Berichterstatterin und CDU-Europaabgeordneten Elisabeth J e g g l e gelang es der
Verhandlungsdelegation des Europäischen Parlaments im sogenannten Trilogverfahren, eine
Einigung über bis dahin noch ausstehende technische Einzelheiten zu finden. Das Ergebnis
muss noch durch das Plenum des Hohen Hauses und den Ministerrat bestätigt werden. Jeggle
betonte im Anschluss an die Gespräche jedoch, die Delegation des Parlaments habe dem Text
über alle Fraktionsgrenzen hinweg zugestimmt. Im Plenum sei deshalb eine breite Mehrheit
noch vor dem Sommer zu erwarten. Kern der neuen Richtlinie sei die Vorschrift, Versuche
mit Tieren so weit wie möglich zu vermeiden und auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Wo
alternative Testmethoden ohne die Verwendung von Labortieren rechtlich anerkannt seien,
müssten diese angewandt werden. Ferner sehe die Richtlinie strenge Kontrollen vor. So sollen
die Behörden der EU-Mitgliedstaaten angemeldete und unangemeldete Prüfungen
durchführen. Generell müssten Labortiere durch entsprechend qualifiziertes Personal gepflegt
werden, das sich um die Tiere kümmere. Unter die Richtlinie fielen Tiere, die in der
Grundlagenforschung sowie für die medizinische Forschung eingesetzt würden. Nach
anderthalb Jahren intensiver Diskussionen sei es gelungen, den schwierigen Spagat zwischen
Tierschutz und Forschung zu finden, betonte Jeggle. Der Kompromiss berücksichtige die
Bedürfnisse der forschenden Unternehmen und Einrichtungen im Sinne der menschlichen
Würde und Gesundheit, stelle aber auch strenge tierschutzrechtliche Vorgaben in der
gesamten Europäischen Union sicher. Bei Einhaltung höchster Tierschutzstandards werde der
Forschungsstandort Europa damit auch in Zukunft seiner Vorreiterrolle gerecht werden
können. AgE
EUROPÄISCHE UNION
EU-Futtermittelindustrie erwartet eine weiter gedämpfte Nachfrage
Mischfuttererzeugung soll insgesamt auf Vorjahresniveau verharren - Situation im
Schweinebereich stabil - In der Rindviehhaltung zusätzlicher Abschwung befürchtet - Lage
FUTTERMITTEL
der Milcherzeuger bleibt angespannt - Lichtblick bei Geflügelfutter durch Anziehen der
Verbrauchernachfrage - Wechselkursänderungen dürften Sojaverbilligung begrenzen Produktion im vergangenen Jahr deutlich gesunken
BRÜSSEL. Der Europäische Dachverband der Futtermittelindustrie (FEFAC) blickt mit
gemischten Gefühlen in die Zukunft: Insgesamt soll das Mischfutteraufkommen 2010 auf dem
vergleichweise niedrigen Niveau des Vorjahres verbleiben. FEFAC geht sogar vom Risiko
einer weiteren Verringerung aus. Schätzungen des Verbandes zufolge dürfte die
Rinderfutterproduktion gegenüber 2009 um 1 % sinken. Andererseits soll sich die Situation
bei Schweinefuttermitteln stabilisieren, während die Geflügelfuttererzeugung sogar um 2 %
zunehmen könnte. Wie FEFAC am vergangenen Donnerstag weiter mitteilte, weisen die
laufenden Prognosen für das EU-Getreideaufkommen 2010 auf relativ niedrige Notierungen
für Ware aus neuer Ernte hin. Die Sojamehlpreise dagegen werden als stabil angesehen, denn
der erwartete Rückgang der Weltmarktpreise aufgrund von Rekordernten in Südamerika
dürfte von einem für EU-Importeure weniger günstigen Dollarwechselkurs ausgeglichen
werden. Die FEFAC-Experten machen als einen der Schlüsselfaktoren für die Entwicklung
des EU-Mischfuttermarkts 2010 die Fortsetzung der Schwierigkeiten im Milchsektor aus,
ungeachtet eines leichten Anstiegs der Erzeugerpreise. Gleichzeitig dürfte sich die
Abwärtsbewegung am Schweinemarkt zyklusbedingt dem Ende nähern, während man von
einer weiteren Belebung der Verbrauchernachfrage nach Geflügelfleischprodukten ausgeht.
Im vergangenen Jahr wurden EU-weit schätzungsweise 144 Mio t Mischfutter hergestellt,
4,5 % weniger als 2008.
Industrie bekommt Krisen zu spüren
Von diesem spürbaren Abschwung waren 2009 FEFAC zufolge alle Nutztiergruppen
betroffen. Die Erzeugung von Schweinefutter ging danach gegenüber dem Vorjahr um 6 %
zurück, die Rinderfutterproduktion sogar um 8 %. Der Geflügelbereich bekam die Flaute
nicht ganz so deutlich zu spüren: Hier wurde 1 % weniger Futter hergestellt als 2008. FEFAC
sieht dadurch frühere Schätzungen vom April 2009 bestätigt, in denen eine Verringerung der
Gesamtproduktion um 5 % prognostiziert worden war. Die Krise am Milchmarkt hat dazu
nach Ansicht der Futtermittelspezialisten maßgeblich beigetragen. Dadurch sei nämlich die
Nachfrage nach Kraftfutter massiv eingebrochen, besonders im dritten und vierten Quartal.
Gleichzeitig habe sich der Schweinemarkt weiter negativ entwickelt, forciert noch durch die
finanziellen Schwierigkeiten der Erzeuger. Die niedrigen Notierungen am Getreidemarkt
wiederum hätten Landwirten Anreize geboten, Getreide eher auf dem eigenen Betrieb zu
verwenden als zu verkaufen. Im Hintergrund sieht FEFAC dabei die Auswirkungen der
Finanz- und Wirtschaftskrise, die für eine Verringerung der Verbrauchernachfrage nach
tierischen Produkten gesorgt habe. AgE
Kroatische Investoren bauen Geflügelfabrik in der russischen Exklave Kaliningrad
KÖNIGSBERG. Investoren aus Kroatien wollen in der russischen Exklave Kaliningrad mit
einem gesamten Investitionsaufwand von 160 Mio Euro eine Geflügelfabrik errichten. Als
Standort des Projekts, mit dem im laufenden Jahr begonnen werden soll, nannte der
Kaliningrader Landwirtschaftsminister Andrej R o m a n o v die Stadt Gusev, ehemals
Gumbinnen. Wie der „Königsberger Express“ weiter berichtete, beläuft sich die geplante
Verarbeitungsleistung des Betriebes auf 50 000 t Geflügelfleisch im Jahr. In der russischen
Exklave bestehen zurzeit zwei Geflügelfabriken, und zwar in Kaliningrad, dem ehemaligen
Königsberg, und in Gurjewsk. AgE
Konzept zur Erfassung des Antibiotikaeinsatzes entwickelt
HANNOVER. Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo) hat ein Konzept zur
Erfassung des Antibiotikaeinsatzes in der Nutztierhaltung entwickelt, mit dem langfristig zur
Eindämmung von Resistenzen gegenüber dieser Gruppe von Arzneimitteln beigetragen
werden soll. Wie die Universität in der vergangenen Woche weiter mitteilte, ging es in der
Machbarkeitsstudie um die Fragen, welche Angaben sich für die Beurteilung der
Verbrauchsmengen eignen und ob ein solches Konzept überhaupt umgesetzt werden kann.
Dazu hätten die Forscher Aufzeichnungen von insgesamt 24 Tierarztpraxen in fünf
niedersächsischen Landkreisen und 66 landwirtschaftlichen Betrieben in Nordrhein-Westfalen
ein Jahr lang in einer zentralen Datenbank erfasst. Welche Wirkstoffe in welchen Mengen
verabreicht worden seien, habe man durch die Verknüpfung mit dem Veterinärmedizinischen
Informationsdienst für Arzneimittelanwendung, Toxikologie und Arzneimittelrecht
(VETIDATA) auf Grundlage der Angaben zu den eingesetzten Arzneimitteln ermittelt. Im
Anschluss sei das Konzept der Datenerfassung geprüft worden, erläuterten die Forscher.
Aufbauend auf der Studie, die im Auftrag des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR)
durchgeführt wurde, soll ein Monitoring zum Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung
entwickelt werden. Dieses wird der Hochschule zufolge weder die Einhaltung der
einschlägigen Leitlinien noch die Verabreichung verbotener Substanzen kontrollieren,
sondern ausschließlich die Nutzungshäufigkeit von verschiedenen Antibiotika erfassen. AgE
Der Tierschutz braucht leicht erhebbare und aussagekräftige Indikatoren
HANNOVER. Die bestehenden Indikatorsysteme zur Messung des Tierschutzniveaus in der
Landwirtschaft müssen zu leicht erhebbaren, aber hinreichend aussagekräftigen Indikatoren
weiterentwickelt und verdichtet werden. Darin waren sich die Teilnehmer des Fachgesprächs
einig, das das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) am
22. und 23. März in Hannover ausgerichtet hat. Stefan S c h u l z vom
Bundeslandwirtschaftsministerium unterstrich, derartige Indikatoren könnten sowohl als Basis
für die derzeit auf EU-Ebene diskutierte Tierschutzkennzeichnung dienen als auch eine
Bewertung der Wirkung von tierschutzbezogenen gesetzlichen Regelungen ermöglichen. Als
besonders belastbare Indikatoren beurteilten die Teilnehmer dem KTBL zufolge die
Transportentfernung zwischen dem Erzeuger- und dem Schlachtbetrieb sowie die Daten, die
durch Befunderhebungen am Tier im Bereich des Schlachthofs erhoben werden. Daneben
hätten die Experten den Sachkundenachweis von Landwirten, Tierbetreuern und Fahrern
begrüßt, ebenso wie einen Beleg über den Umfang und die Häufigkeit des
Antibiotikaeinsatzes auf den Betrieben, erläuterte das Kuratorium die Diskussionsergebnisse.
Kritisch angemerkt worden sei die vielfach mangelnde Verfügbarkeit und unzureichende
Erhebung solcher Informationen. Diesen fehlten bislang Repräsentativität und damit
Aussagekraft. Außerdem hätten die Teilnehmer die sinnvolle Verknüpfung und Auswertung
von bereits heute routinemäßig erfassten Daten, etwa aus der Fleischbeschau, gefordert.
Schließlich müssten auch für die Bereiche Haltung, Transport und Schlachtung allgemein
anerkannte Indikatoren entwickelt werden, die Auskunft über das Wohlbefinden der Tiere
gäben. AgE
Tierschutzdefizite bei der Schlachtung
MRI-Institutsleiter kritisiert Verstöße gegen Vorschriften der Tierschutz-Schlachtverordnung
- Entblutung und Betäubung werden nicht hinreichend kontrolliert - Erheblicher
Forschungsbedarf - Bleser: Tierschutzbestimmungen gelten auch in Schlachthöfen
BERLIN. Defizite bei der Einhaltung von Tierschutz-Bestimmungen in Schlachthöfen sind in
die öffentliche Diskussion geraten. Den Anlass bilden Medienberichte, denen zufolge ein
bestimmter Prozentsatz von Schlachttieren noch nicht ausgeblutet oder nicht hinreichend
betäubt ist, wenn sie gebrüht oder zerteilt werden. Der Leiter des Kulmbacher Instituts für
Sicherheit und Qualität bei Fleisch vom Max-Rubner-Institut (MRI), Prof. Klaus T r o e g e r
, spricht von Tierquälerei und massiven Verstößen gegen Vorschriften der TierschutzSchlachtverordnung, gemäß denen die Entblutung und Betäubung kontrolliert werden müssen.
Seinen Schätzungen zufolge ist etwa 1 % der Schlachtschweine am Ende der
Entblutungsstrecke noch nicht tot. Qualen bereite zudem vielfach die Betäubung vor der
Schlachtung mit Gas. Noch höher liege die Fehlerquote bei der Rindertötung per
Bolzenschuss. Troeger verweist auf erheblichen Forschungsbedarf in diesem Bereich. Besorgt
über die Angaben zeigte sich der agrarpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
Peter B l e s e r . In einer Presseverlautbarung kündigte Bleser an, den Problemen auf den
Grund zu gehen. Man werde von den zuständigen Behörden Informationen etwa zur
Entwicklung der Zahl der fehlerhaften Betäubungen einfordern. „Die Bestimmungen des
Tierschutzes sind eindeutig: Tiere dürfen nicht unnötig gequält werden“, betonte der CDUPolitiker. Der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) forderte eine deutliche
Aufstockung des tierärztlichen Personals in Schlachthöfen.
Problem verschärft sich
Nach bpt-Angaben finden gerade an den kritischen Punkten beim Entladen auf dem
Schlachthof und bei der Betäubung der Tiere vor der Schlachtung aus Personalmangel zu
wenig tierärztliche Kontrollen statt. Diese Problematik spitze sich künftig noch zu, wenn die
bisherige intensive Untersuchung des einzelnen Schlachtkörpers durch amtliche Tierärzte
durch eine „visuelle Fleischuntersuchung“, also durch Sichtkontrolle, ersetzt werde. Diese
Möglichkeit sehe das sogenannte EU-Hygienepaket ausdrücklich vor. Jüngste Überlegungen
in der EU ließen gar befürchten, dass auf Druck von Schlachthofbetreibern amtliche
Kontrollen gänzlich abgeschafft und durch betriebseigene Kontrollen ersetzt würden. „Diese
Entwicklung schadet nicht nur dem Verbraucherschutz, sie schadet vor allem auch dem
Tierschutz“, warnte bpt-Präsident Dr. Hans-Joachim G ö t z . Die Einhaltung von
Tierschutzstandards in den Schlachthöfen könne von niemand anderem als den dort tätigen
Tierärzten gewährleistet werden. Um die Tierschutzmissstände in deutschen Schlachthöfen
kurzfristig zu beheben, bedarf es aus Sicht des bpt der verstärkten Kontrolle von Entladung
und Betäubung der Tiere durch amtliche Tierärzte sowie des verpflichtenden Einsatzes
zertifizierter Betäubungsanlagen. „Es kann jedenfalls nicht sein“, so Götz, „dass der
Tierschutz in den Schlachthöfen wirtschaftlichen Interessen zum Opfer fällt“. Weniger Stress
für die Tiere bei Entladung und Betäubung wäre seiner Ansicht nach mit wenig Aufwand
machbar.
Gegen voreilige Schlüsse
Bleser warnte indes vor voreiligen Schlussfolgerungen. So sei es zu einfach, einen
Zusammenhang zwischen der zunehmenden Konzentration im Schlachthofsektor und
vermeintlich steigenden Zahlen von Fehlbetäubungen zu konstruieren. Hochmoderne, große
Schlachthöfe seien durchaus in der Lage, die Tiere gemäß den gesetzlichen Bestimmungen zu
töten, zu schlachten und zu zerlegen. Allerdings müsse dies auch von den zuständigen Stellen
kontrolliert werden. Die tierschutzgerechte Schlachtung liegt nach Auffassung des
Abgeordneten auch im eigenen Interesse der Unternehmen: „Tiere, die nicht ordnungsgemäß
behandelt werden, liefern auch eine schlechtere Produktqualität.“ Bleser wies zudem auf die
Verantwortung des Verbrauchers hin: Er könne mit mehr Bewusstsein im Hinblick auf den
Preis und die Qualität von Lebensmitteln einen Beitrag für mehr Tierschutz bei der
Schlachtung leisten. AgE
DEUTSCHLAND
UMWELTSCHUTZ
Born kritisiert VDI-Richtlinienentwurf zu Bioaerosolen
Empfehlungen überflüssig und fachlich nicht hinreichend begründet - Kenntnisstand bislang
sehr gering - Fehlende wissenschaftliche Grundlage lässt Vorgaben für Veredlungsregionen
nicht zu - Landwirte an strenge gesetzliche Vorschriften gebunden - Mit der Richtlinie keine
Agrarstrukturpolitik betreiben
BERLIN. Kritisch zum Entwurf einer Richtlinie des Vereins Deutscher Ingenieure
(VDI) zu Bioaerosolen hat sich der Deutsche Bauernverband (DBV) geäußert. Dessen
Generalsekretär Dr. Helmut B o r n hält die darin vorgesehenen Empfehlungen für
überflüssig und fachlich nicht hinreichend begründet. Die Vorlage mache deutlich, dass der
Kenntnisstand über biogene Partikel in der Luft gering sei und es bisher nicht gelungen sei,
allgemeingültige Grenzwerte oder Schwellenwerte abzuleiten, erklärte der DBVGeneralsekretär. Angesichts einer fehlenden wissenschaftlichen Grundlage seien
Empfehlungen für Abstände von Stallanlagen zur Wohnbebauung ebenso wenig haltbar wie
Vorgaben für Emissionsminderungsmaßnahmen. Wenn diese dennoch angestrebt würden,
entstehe der Eindruck, „dass mit der Richtlinie Agrarstrukturpolitik betrieben werden soll“.
Die Landwirte in Deutschland hielten mit den geltenden Vorgaben des BundesImmissionsschutzrechts und der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft)
bereits sehr weitreichende und strenge Vorgaben zum Schutz der Allgemeinheit ein, so der
Generalsekretär in einer Stellungnahme. Darüber hinaus würden hierzulande bei deutlich
mehr landwirtschaftlichen Stallbauten Prüfungen zur Umweltverträglichkeit und zum
Immissionsschutz durchgeführt, als es im europäischen Recht vorgesehen sei. Born
bezeichnet es daher als nicht akzeptabel, „die TA Luft und das Bundes-Immissionsschutzrecht
noch weiter und vor allem ohne demokratische Legitimierung am Gesetzgeber vorbei zu
verschärfen“. Seiner Auffassung nach sollte der VDI-Richtlinienentwurf insgesamt aufgrund
unüberwindbarer Mängel bezüglich der Datengrundlage, der Risikobewertung, der UrsacheWirkungs-Beziehung und der Abstandswerte verworfen werden.
Studien weisen auf erhöhte Gesundheitsrisiken
Als Bioaerosole werden alle luftgetragenen Partikel biologischer Herkunft wie Bestandteile
von Tieren und Pflanzen oder Mikroorganismen und Viren bezeichnet. Die VDI-Richtlinie
befasst sich schwerpunktmäßig mit der Wirkung mikrobieller Luftverunreinigungen auf den
Menschen. In der Einleitung weisen die Autoren darauf hin, dass die Messung von Partikeln
und gasförmigen chemischen Verbindungen in der Außenluft seit vielen Jahren vorgenommen
werde und umfassend geregelt sei, demgegenüber die Messung von Bioaerosolen und
mikrobiellen Verunreinigungen erst in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen habe.
Gesetzliche Vorgaben zur Begrenzung mikrobieller Emissionen seien bislang nur allgemein
formuliert. Erste Normungsaktivitäten gebe es jedoch im Arbeitsschutz. Ziel müsse es sein,
die Freisetzungen von Bioaerosolen „qualitativ und quantitativ wissenschaftlich ausreichend
basiert zu erfassen“ und die damit verbundenen Risiken in einem angemessenen Maß zu
begrenzen. Dazu werden in dem Richtlinienentwurf zunächst die bisherigen Kenntnisse über
die gesundheitlichen Auswirkungen der Bioaerosole zusammengefasst. Beispielsweise sei in
der Landwirtschaft bereits seit längerem ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten
spezifischer Erkrankungen bei Beschäftigten durch bestimmte Mikroorganismen in der Luft
bekannt. Zitiert werden Ergebnisse einer niedersächsischen Lungenstudie, denen zufolge
junge Erwachsene in Regionen mit einer hohen Veredlungsdichte von mehr als zwölf Ställen
im Umkreis von 500 m Einschränkungen der Lungenfunktionsparameter aufgewiesen hätten.
Gesundheitliche Beeinträchtigungen seien ferner in einer hessischen Studie in der
Nachbarschaft von Bioabfallkompostierungsanlagen festgestellt worden.
Veredlungsregionen im Fokus
Laut Richtlinienentwurf ist in Regionen mit flächendeckender landwirtschaftlicher
Intensivtierhaltung von einer erhöhten Freisetzung von Bioaerosolen auszugehen. Genannt
wird als Beispiel das westliche Niedersachsen. Allerdings räumen die Autoren ein, dass diese
besondere Situation noch einer „intensiven umweltmedizinischen Bewertung“ bedürfe. Dies
gelte insbesondere hinsichtlich der Erweiterung oder Neuansiedlung von Betrieben. Eine
mögliche erhöhte Bioaerosol-Konzentration sollte dem Entwurf zufolge anhand der
Abweichung von der jeweils ortsüblichen Hintergrundkonzentration bestimmt werden. Eine
solche Erhöhung sei als umwelthygienisch unerwünscht zu bezeichnen, ohne dass damit
jedoch eine Aussage zu einem Gesundheitsrisiko verbunden sei. Eine Verringerung erhöhter
Bioaerosol-Konzentrationen in relevanten Gebieten diene daher dem Schutz und der Vorsorge
vor vermeidbaren Belastungen. VDI-Richtlinien haben grundsätzlich den Charakter von
Empfehlungen. Rechtliche Bedeutung erlangen sie durch die Aufnahme in Gesetze,
Verordnungen und Erlasse. Dann ersparen sie dem Staat eigene rechtliche Detailregelungen.
AgE
Auch dem Mangel an Nutztierärzten Rechnung tragen
BERLIN. Vor dem Hintergrund des Vorstoßes von Bundesgesundheitsminister Dr. Philipp
R ö s l e r für eine „Landarztquote“ hat der Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt)
sich für eine entsprechende Regelung auch bei den Nutztierärzten ausgesprochen. „Wir
wünschen uns, dass die für uns Tierärzte zuständige Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse
A i g n e r schnell ähnliche Maßnahmen ergreift, um den sich abzeichnenden Mangel an
Nutztierärzten abzuwenden“, erklärte bpt-Präsident Dr. Hans-Joachim G ö t z vergangene
Woche in Frankfurt. Der bpt schlage vor, dass angehende Tiermedizinstudenten, die bereit
seien, nach dem Studium eine Tätigkeit in der Nutztierpraxis aufzunehmen, im Rahmen einer
Vorabquote bevorzugt einen Studienplatz zugewiesen bekämen. Wie groß diese Vorabquote
sein sollte und nach welchen Kriterien die Auswahl der Kandidaten stattfinde, müsse
diskutiert werden, so Götz. Der bpt-Präsident wies darauf hin, dass die fünf tiermedizinischen
Fakultäten in Deutschland leider nur unzureichenden Gebrauch von sinnvollen
Auswahlgesprächen machten. Gleichzeitig klagten immer mehr Nutztierpraxen in
Deutschland, die sich hauptsächlich um die Behandlung von Rindern, Schweinen und
Geflügel kümmerten, dass sie freie Stellen nicht besetzen könnten. Mittelfristig entstünden
damit ernsthafte Probleme bei der tierärztlichen Versorgung landwirtschaftlicher Betriebe mit
allen unerwünschten Konsequenzen für die Tiere, den Menschen und die
Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft. Gerade immer größer werdende Tierbestände
erforderten eine umso intensivere tierärztliche Betreuung, für die man ausreichend
ausgebildete Nutztierpraktiker brauche, betonte Götz. Er geht davon aus, dass die tierärztliche
Versorgung der landwirtschaftlichen Nutztiere ein ganz wichtiges Thema der
Landwirtschaftspolitik in den kommenden Jahren werde. „Wir hoffen deshalb sehr, dass sich
die Politik dieser sich abzeichnenden Entwicklung annimmt, denn bis ein neues
Auswahlverfahren greift, vergehen mindestens noch einmal sieben bis zehn Jahre“, mahnte
der bpt-Präsident. AgE
„Deutsches Geflügel: Nachhaltig gut!“ unter den wirksamsten Anzeigen
BERLIN. Das Anzeigenmotiv der kürzlich gestarteten Informationskampagne „Deutsches
Geflügel: Nachhaltig gut!“ hat Platz drei im aktuellen Anzeigentest des
Marktanalyseunternehmens IMAS belegt, der regelmäßig im Auftrag des Fachmagazins
„W&V - Werben & Verkaufen“ für die Kommunikations- und Medienbranche durchgeführt
wird. Wie die Informationsgemeinschaft Deutsches Geflügel (IDEG) vergangene Woche dazu
weiter berichtete, wurde mit Hilfe des standardisierten „PsychoMeter“-Tests ermittelt, dass
diese Anzeige aus dem Bereich der Ernährungswirtschaft im Ranking der zehn wirksamsten
Anzeigenmotive hinter zwei Anzeigen der Reisebranche im Monat März ganz weit vorn liegt.
Berücksichtige man alle bislang bewerteten Anzeigen seit Anfang 2010, belege ihre Anzeige
Platz sechs und dies, obwohl die Kampagne erst im März gestartet sei, hob die IDEG hervor.
Die Anzeigenstrecke im Rahmen der Informationskampagne „Deutsches Geflügel: Nachhaltig
gut!“ sei wesentlicher Bestandteil der gemeinsamen Branchenkommunikation pro deutsches
Geflügelfleisch, erläuterte IDEG-Geschäftsführer Dr. Thomas J a n n i n g . Dass die
Anzeigenkreation im Test berücksichtigt und so gut bewertet worden sei, „freut uns sehr und
bestärkt uns darin, dass Branchenkommunikation wirksam ist“, so Janning weiter. Kreiert
worden seien das Anzeigenmotiv sowie der dazugehörige Internetauftritt www.deutschesgefluegel.de von der Jeschenko MedienAgentur Köln GmbH. AgE
Maïsadour und Terrena bündeln ihre Geflügelsparte
Französische Genossenschaftsgruppen melden Joint Venture in Südwestfrankreich Gemeinschaftsunternehmen „Fermiers du Sud-Ouest“ unter der Ägide von Maïsadour stärkt
Handelsmarke „Gastronome“ von Terrena
PARIS. Die französischen Genossenschaftsgruppen Maïsadour und Terrena wollen bei
Geflügel künftig gemeinsam in Südwestfrankreich expandieren. Im Rahmen eines Joint
Venture haben beide Unternehmen vorige Woche eine Zusammenlegung ihrer jeweiligen
Geflügelaktivitäten in das neue gemeinsame Unternehmen „Fermiers du Sud-Ouest“ (FSO)
gemeldet, an dem Maïsadour mit 51 % und Terrena mit 49 % beteiligt sind. Das
Gemeinschaftsunternehmen wird nach Angaben der beiden Partner mit rund
760 Beschäftigten jährlich 29 Millionen Stück Geflügel vermarkten, darunter 17 Millionen
Tiere mit Gütesiegel. Die Verschmelzung der Geflügelaktivitäten von Maïsadour und Terrena
habe zugleich den Vorteil, die jeweiligen regionalen Genossenschaften beider Partner in das
Joint Venture einzubinden. Terrena werde durch die Zusammenlegung künftig über ein
landesweites Vertriebsnetz seiner bekannten Referenzmarke Gastronome verfügen. Generell
wird davon ausgegangen, dass die Geflügelmäster im Südwesten, dem Schwerpunkt der
französischen Geflügelerzeugung, künftig in der Lage sein werden, verstärkt zu reinvestieren
und vor allem auf zukunftsträchtige Marktlücken wie Biogeflügel, Gütezeichengeflügel oder
auch klassische Produkte zu setzen.
Kennzahlen
Wie anlässlich der Gründung des neuen Gemeinschaftsunternehmens Fermiers du Sud-Ouest
berichtet wurde, weist die Genossenschaftsgruppe Maïsadour für das vergangene Jahr einen
Umsatz von 1,0 Mrd Euro und ein Betriebsergebnis von 11,3 Mio Euro aus. Hinter der
Gruppe stehen 8 000 Landwirte in der südwestfranzösischen Region Aquitaine sowie 3 263
Beschäftigte. Die Genossenschaftsgruppe Terrena ist vorwiegend in den westfranzösischen
Regionen Pays de la Loire, Poitou-Charentes und Bretagne tätig. Mit rund 25 000
Genossenschaftsmitgliedern und 11 264 Beschäftigten erzielte Terrena 2009 einen Umsatz
von 3,5 Mrd Euro. Firmensitz ist Ancenis im Departement Loire Atlantique. Zu den
bekanntesten Handelsmarken von Terrena gehören Paysan Breton, Douce France,
Gastronome, Tendre et Plus und Festival. AgE
Bauernverbandspräsident Werner Schwarz feierte seinen 50. Geburtstag
KIEL. Am vergangenen Samstag hat der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein,
Werner S c h w a r z , sein 50. Lebensjahr vollendet. Im Namen des Berufsstandes gratulierte
Vizepräsident Peter L ü s c h o w mit den Worten: „Menschen wie Werner Schwarz werden
in der Landwirtschaft gebraucht. Er führt die Landwirtschaft in die Zukunft, mit klaren und
mutigen Aussagen zu einer Marktorientierung, der das Attribut sozial nicht fehlt.“ Schwarz ist
seit Anfang Januar 2008 Präsident des nördlichsten deutschen Bauernverbandes. Er wurde aus
der Position des Vorsitzenden vom Kreisbauernverband Stormarn in das Amt gewählt. Heute
vertritt Schwarz die Interessen des heimischen Berufsstandes im Deutschen Bauernverband
(DBV) sowie als Vertreter des DBV in der Arbeitsgruppe Schweinefleisch des EUAusschusses der Bauernverbände (COPA) und im Beratenden Ausschuss Schweinefleisch der
EU-Kommission. Betrieblich setzt Schwarz seine Schwerpunkte auf den Marktfruchtbau und
die Schweinezucht mit Jungsauenvermehrung. AgE
DEUTSCHLAND/WELT
Weltmarkt für deutsche Schweinefleischproduzenten immer wichtiger
Vor allem die wachsende Nachfrage in den Entwicklungsländern bietet Chancen - Prof.
Windhorst: Marktorientierte Schweinehalter bleiben wettbewerbsfähig - Wachstum in
Veredlungszentren stößt aber an Grenzen - Seuchenrisiko durch Import und Export lebender
Schweine - Schlachtbranche steht vor weiterer Konsolidierung
GROSSENKNETEN. Die Schweinefleischproduktion in Deutschland wird nach
Überzeugung von Prof. Hans-Wilhelm W i n d h o r s t in Zukunft noch stärker vom
Weltmarkt beeinflusst. Die EU-Länder blieben für Deutschland wichtige Exportländer; die
Wachstumsmärkte seien aber Russland und Ostasien, erklärte der Wissenschaftler vom
Institut für Strukturforschung und Planung in agrarischen Intensivgebieten (ISPA) der
Hochschule Vechta am vergangenen Mittwoch bei der Regionaltagung des Deutschen
Verbandes Tiernahrung (DVT) in Großenkneten. Angesichts eines Selbstversorgungsgrades
von 110 % steige die Abhängigkeit vom volatilen globalen Schweinefleischmarkt. Um im
VIEH/FLEISCH
internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müsse Deutschland die
Weltmarktführerschaft bei Produktqualität und -sicherheit anstreben. Dazu müssten integrierte
Produktionssysteme ausgebaut werden, forderte Windhorst. Das Siegel der Qualität und
Sicherheit GmbH (QS) sei dabei nur ein erster Schritt. Notwendig sei zudem der Aufbau
großer Fleischzentren, die über eine eigene Rohstoffbasis verfügten.
Zeitbombe
Das schnelle Wachstum der vergangenen Jahre berge aber auch Risiken, gab der Experte zu
bedenken. In den vergangenen Jahren habe die Schweineerzeugung in Deutschland vor allem
in den Regionen zugelegt, in denen die Veredlung traditionell eine große Rolle spiele. In
einigen Landkreisen stoße das Wachstum nun an Grenzen. So gebe es in den
niedersächsischen Kreisen Vechta und Cloppenburg kaum noch Platz für neue Stallanlagen.
„Dort können wir nicht mehr wachsen, und dort sollten wir vielleicht auch nicht mehr
wachsen“, empfahl der Wissenschaftler. Einen generellen Baustopp für neue Ställe lehnte
Windhorst aber entschieden ab. Stattdessen sollte überlegt werden, den Bau großer
Stallanlagen an die Stilllegung älterer Ställe zu koppeln. Ein Problem sei, dass Investitionen
in große Stallanlagen außerhalb der bestehenden Veredlungszentren wegen Vorbehalten aus
der Bevölkerung kaum möglich seien. Durch den schnell steigenden internationalen Handel
mit lebenden Schweinen steige im Übrigen auch das Seuchenrisiko. Im vergangenen Jahr
seien 16 Millionen Schweine, vor allem Ferkel, eingeführt und 3 Millionen Schweine
exportiert worden. Hier ticke eine Zeitbombe, warnte Windhorst. Problematisch sei in diesem
Zusammenhang auch, dass aus Dänemark große ungeimpfte Ferkelpartien nach Deutschland
geliefert würden.
Konzentration in der Schlachtbranche setzt sich fort
Die marktorientierten Schweinehalter in den Hochburgen der Veredlungswirtschaft sind nach
Überzeugung Windhorsts in ihrer Größen- und Kostenstruktur international
wettbewerbsfähig. Im nordwestlichen Niedersachsen seien Betriebe entstanden, die 25 000
und mehr Stallplätze kontrollierten, und in der Sauenhaltung werde in Ställe mit 100 bis 1 200
Sauen investiert. In der Schlachtbranche rechnet Windhorst mit einer weiteren Konzentration.
„Die Konsolidierung hat gerade erst angefangen“, ist sich der Experte sicher. Im Bereich der
Schlachtung und Vermarktung seien Größenordnungen notwendig, die auf den
Drittlandsmärkten bestehen könnten. In zehn Jahren werde es in Europa nur noch fünf bis
sechs große Konzerne geben. Außerhalb der EU dürften vor allem die Entwicklungsländer als
Absatzmärkte an Bedeutung gewinnen. Die Märkte der Zukunft seien Länder, in denen die
Bevölkerung und die Kaufkraft stiegen. Der globale Schweinefleischmarkt werde künftig vor
allem von den Exportregionen USA und Kanada, Brasilien, der Europäischen Union sowie
von den Importländern Japan, Russland, China, Mexiko und Südkorea bestimmt.
Steigende Produktion in China und Brasilien
Die weltweite Produktion von Schweinefleisch werde in den kommenden acht Jahren um fast
ein Fünftel auf 119,9 Mio t steigen, prognostizierte Windhorst. Mit dem größten Wachstum
rechne die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in
Russland mit einem Plus von 79,9 % im Vergleich zu 2008, in Brasilien mit 37 % und in
China mit 23,9 %. Hinter der Prognose für Russland müsse man aber ein großes Fragezeichen
setzen, denn dort fehlten das Know-how, die Genetik und die Futtermittelindustrie, schränkte
Windhorst ein. Für die EU-27 werde bis 2018 ein Zuwachs von 5,5 % vorhergesagt, und für
die USA sehe die OECD ein Plus von 6,5 %. Leicht sinken werde die
Schweinefleischerzeugung in Kanada mit 1 %. China werde 2018 wahrscheinlich rund 46 %
der Weltproduktion stellen und auf umfangreiche Futtermittelexporte angewiesen sein. In den
Entwicklungsländern würden dann rund drei Viertel des Schweinefleisches produziert. Neben
China und Brasilien gewinne auch Vietnam an Bedeutung. Mit 2,6 Mio t sei das
südostasiatische Land 2008 zum sechstgrößten Schweinefleischproduzenten aufgestiegen und
habe dabei Länder wie Russland, Frankreich, Kanada und Polen überholt. „Vietnam ist
ungeheuer effektiv und hat die Wachstumsmärkte in China und Südkorea im Fokus“,
berichtete der Wissenschaftler.
Bedeutung von Geflügelfleisch wächst
Im Vergleich zum Geflügelfleisch werde Schweinefleisch allerdings an Bedeutung verlieren,
führte der Marktexperte weiter aus. 2018 werde Geflügel mit 120,3 Mio t das Schwein als
wichtigsten Fleischlieferanten ablösen, so seine Vorhersage. Gegenüber 2008 hätte die
Geflügelfleischproduktion dann um 28,3 % zugenommen. Rindfleisch werde dagegen weiter
Marktanteile verlieren, trotz eines Produktionszuwachses von 13 % auf 74,2 Mio t. Gründe
für den Erfolg des Geflügelfleisches seien die bessere Futterverwertung, die niedrigeren
Produktionskosten und die weltweite Akzeptanz, denn aus religiösen Gründen bestünden für
Schweinefleisch in vielen Teilen der Welt keine Absatzmöglichkeiten. AgE
RUSSLAND/USA
Moskau: US-Beamte erschweren Wiederaufnahme des Handels mit Geflügelfleisch
MOSKAU. Der russische Föderale Verbraucherschutzdienst hat noch immer keine Antwort
Washingtons auf seine Vorschläge mit Bedingungen zur Fortsetzung des
Geflügelfleischhandels erhalten. Wie Behördenchef und Hauptamtshygienearzt Gennadij
O n i s c h t s c h e n k o vor der Presse in Moskau erläuterte, soll ein Kompromiss die
Wiederaufnahme von Einfuhren des US-Geflügelfleischs ermöglichen. Diese sind nach dem
Inkrafttreten verschärfter russischer Normen für die Behandlung von Hähnchenkörpern mit
Chlorlösung seit Anfang 2010 deutlich eingeschränkt worden. Im März hatte Onischtschenko
erklärt, die Unterhändler stünden schon kurz vor einem Ergebnis. Nach seiner Darstellung
hatten direkte Gespräche mit den Lieferanten ergeben, dass diese bereit wären, auf eine
Chlorbehandlung der für den russischen Markt bestimmten Ware zu verzichten; allerdings
stünden die US-Beamten einer schnellen Lösung des Problems im Wege. Unterdessen hat
Landwirtschaftsministerin Jelena S k r y n n i k vorgeschlagen, das diesjährige russische
Tarifkontingent für die Geflügelfleischimporte um weitere 170 000 t zu reduzieren. Die
heimischen Erzeuger hätten bestätigt, dass sie ihre Produktion entsprechend ausweiten
könnten, erklärte Skrynnik in einem Fernsehinterview. Das Kontingent wurde für 2010 schon
um 172 000 t gegenüber dem Vorjahr auf 780 000 t verringert. Im kommenden Jahr soll es
sich dann auf 600 000 t und 2012 auf nur noch 550 000 t belaufen. Die USA waren bislang
der Hauptlieferant von Geflügelfleisch nach Russland. AgE
AgE 14 / 2010
Brasilianischer Fleischmulti Marfrig mit Umsatzsprung
Nach Übernahmen setzte der Konzern aus São Paulo umgerechnet mehr als 4 Milliarden Euro
um - Nettogewinn auf 278 Millionen Euro beziffert - Öffnung des argentinischen
Exportmarktes half - Hohe Auslastung der Werke in Europa - Moy-Park-Übernahme wirkt
sich aus
SAO PAULO. Der brasilianische Fleischkonzern Marfrig hat im vergangenen Jahr seinen
Umsatz mehr als verdoppelt und ist in die Gewinnzone zurückgekehrt. Wie der Konzern aus
AGRARHANDEL
São Paulo am vergangenen Mittwoch bekanntgab, stieg sein Umsatz 2009 gegenüber dem
Vorjahr um 51,7 % auf 10,3 Mrd Real (4,2 Mrd Euro). Der Nettogewinn betrug
679,1 Mio Real (278,4 Mio Euro). Damit schreibt das Unternehmen wieder schwarze Zahlen,
nachdem es 2008 noch einen Verlust von 35,5 Mio Real (14,56 Mio Euro) gemacht hatte. Das
jüngste Wachstum von Marfrig stützt sich auf große Übernahmen. Gekauft wurde unter
anderem der Lebensmittelverarbeiter Seara in Brasilien, der Marfrigs Position auf dem
Schweine- und Geflügelfleischmarkt festigte. Das Unternehmen ist auf dem heimischen
Markt ebenso aktiv wie im Export auf den Weltmärkten. Auf dem Rindfleischmarkt weitete
Marfrig seine Aktivitäten durch die Übernahme von 13 Schlachthöfen aus, was die
Schlachtkapazität des Unternehmens auf 22 350 Rinder pro Tag in Brasilien und 30 150 Stück
weltweit erhöhte. Zudem war Marfrig um eine stärkere vertikale Integration bemüht, indem es
in Uruguay einen Mehrheitsanteil an der Gruppe Zenda erwarb, die in der Lederproduktion
für die Möbel-, Auto- und Luftfahrtindustrie aktiv ist. Insgesamt setzte Marfrig im
vergangenen Jahr 2,19 Mio t Fleisch ab, davon 628 000 t im Export. Dies bedeutete sowohl
auf dem brasilianischen wie auch auf den Auslandsmärkten eine Steigerung um jeweils knapp
die Hälfte.
Von argentinischer Erholung profitiert
Profitieren konnte Marfrig im vergangenen Jahr unter anderem von der Erholung des
argentinischen Rindfleischmarktes, für den die Regierung Exportbeschränkungen lockerte. So
konnte auch wieder der britische und deutsche Markt stärker mit hochwertigen Teilen aus der
sogenannten „Hilton-Quote“, ein zollermäßigtes Exportkontingent der Europäischen Union,
angesteuert werden. Insgesamt weitete Marfrig seine Rindfleischexporte aus Argentinien
gegenüber 2008 um 41,3 % auf 58 517 t aus. Auf dem argentinischen Markt selbst setzte das
brasilianische Unternehmen 262 329 t Rindfleisch ab. Insgesamt beziffert Marfrig die
Auslastung seiner Schlachtkapazität für 2009 in Brasilien auf 50 % beim Rindfleisch sowie
85 % beim Geflügel- und Schweinefleisch. Die Schlachtstätten des Konzerns in Europa waren
nach Unternehmensangaben zu 95 % ausgelastet. In der „Alten Welt“ verkaufte Marfrig laut
eigenen Angaben insgesamt 382 100 t Fleisch, davon 361 400 t Geflügelfleisch, was
gegenüber 2008 fast eine Vervierfachung bedeutete. Dies kam laut Unternehmensangaben vor
allem durch den Beitrag der Moy-Park-Gruppe zustande, die Marfrig Mitte 2008 vom USKonzern OSI übernommen hatte (AGRA-EUROPE 27/09, KURZMELDUNGEN 30). Moy Park ist vor
allem stark in Nordirland. AgE
Umrechnungskurs: 1 Brasilianischer Real = 0,410 Euro
DEUTSCHLAND
VETERINÄRFRAGEN
BVD-Bekämpfung: Die Übergangsfrist läuft ab
Im nächsten Jahr beginnt das Mammutprojekt - Zahl der Beprobungen auf 4,8 Millionen pro
Jahr veranschlagt - Virusnachweise bei 1 Prozent bis 1,5 Prozent erwartet - Änderungen an
der Verordnung beim ADR-Jahreskongress gefordert - Verbesserungen bei der
Kälbervermarktung als ein Ziel - Schmerzgrenze bei den Kosten für die Betriebe
BERLIN. Die neuen, zum Jahresbeginn 2011 greifenden Vorschriften zur Bekämpfung der
Schleimhautkrankheit Bovine Virus Diarrhoe (BVD/MD) stellen erhebliche logistische
Anforderungen an rinderhaltende Betriebe und an die Veterinärbranche. Das ist bei der
Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter (ADR) in Berlin deutlich
geworden, wo Dr. Gerhard W i t t k o w s k i vom Tiergesundheitsdienst Bayern ein
„Mengengerüst“ für den Kampf gegen diese Viruserkrankung vorstellte. Laut diesen
Schätzungen müssen jährlich auf den insgesamt 180 000 rinderhaltenden Betrieben
4,8 Millionen Beprobungen durchgeführt werden. Den Anteil der BVD-Virusnachweise
erwartet Wittkowski bei 1 % bis 1,5 %, wodurch sich die Notwendigkeit von
Folgebeprobungen bei 130 bis 200 Kälbern pro Tag ergibt. Laut diesen Schätzungen werden
50 bis 150 Virus-Dauerausscheider täglich entfernt. „Deutschland hat die Chance, mit dem
Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT) und dem Ohrstanzenverfahren
ein tierfreundliches, modernes Bekämpfungsverfahren durchzuführen“, sagte Wittkowski vor
dem Hintergrund der Möglichkeit, beim Setzen der Ohrmarke auch die Probe für den BVDTest nehmen zu können. Der Teufel stecke allerdings im Detail.
Zeitgewinn durch geforderte Änderungen
So sieht der Tiergesundheitsexperte aus Bayern noch offene Fragen an den Gesetzgeber im
Hinblick auf die Ende 2008 vom Bundesrat angenommene Verordnung, die die BVDBekämpfung ab kommendem Jahr regelt. Wittkowski regte an, die Verbringung von Rindern
ab der Einstellung des BVD-unverdächtigen Befundes im HIT und dem generellen Zugang
zum BVD-Status von Einzeltieren zu ermöglichen, um einen Zeitgewinn von mindestens zwei
Tagen in der Kälbervermarktung und damit einhergehend eine Vereinfachung im Handel zu
erzielen. Veränderungen seien unverzüglich notwendig, sagte Wittkowski an die Adresse des
Bundeslandwirtschaftsministeriums. Um in der Startphase der neuen Untersuchungspflichten
etwas Druck aus dem Verfahren zu nehmen, kann er sich als Kompromiss vorstellen, für
Mastkälber die BVD-Untersuchungen erst in den Mastbetrieben durchzuführen und damit
Behinderungen im Kälberhandel zu vermeiden. Im Übrigen erwartet Wittkowski, dass durch
die Vielzahl an Proben ein „erheblicher Druck auf die Labors“ entstehen wird. Er forderte, die
BVD-Bekämpfung müsse zur Wertschöpfung in der Rinderhaltung beitragen. Eine Belastung
von 5 Euro bis 6 Euro pro Tier hält er vor diesem Hintergrund für noch vertretbar. Die
Krankheitskosten pro Abkalbung bezifferte er auf knapp 7 Euro bis 20 Euro. Wittkowski
betonte auch, dass es sich bei BVD nicht um eine Zoonose und damit nicht um ein Problem
der Lebensmittelsicherheit handle. AgE
Eierverbrauch in Deutschland weiter gestiegen
„Marktinfo Eier & Geflügel“ errechnet für 2009 gegenüber dem Vorjahr einen Zuwachs um 3
auf 211 Eier pro Kopf der Bevölkerung - Vom Tiefstand Mitte des Jahrzehnts erholt Großhandelspreise geklettert - Doch der Handel deckt sich langfristig ein - MEG sieht
Selbstversorgungsgrad bei knapp 59 Prozent - Steigende Produktion nach der Umstellung auf
neue Haltungssysteme erwartet
BERLIN. Der Appetit der Deutschen auf Eier ist weiter gestiegen. Wie die „Marktinfo
Eier & Geflügel“ (MEG) vergangene Woche mitteilte, stieg der durchschnittliche Pro-KopfKonsum der Bundesbürger 2009 gegenüber dem Vorjahr um drei Stück auf 211 Eier. Damit
hat sich der Verbrauch seit dem Jahr 2005, als ein Tiefstand von 205 Eiern registriert worden
war, deutlich erholt. Nach wie vor weit entfernt ist man aber von den Spitzenwerten der
siebziger Jahre, als die Deutschen im Schnitt fast 300 Eier pro Jahr verspeisten. Die jüngste
Verbrauchssteigerung spielte sich vor dem Hintergrund steigender Preise auf
Großhandelsebene ab. Die Verbraucherpreise für Eier aus Bodenhaltung blieben von diesen
Entwicklungen aber weitgehend verschont, da der Handel meist langfristige Lieferkontrakte
abschließt, die eine Laufzeit von sechs Monaten oder gar einem Jahr haben. Wer aber Eier am
freien Markt verkaufen konnte, machte damit einen guten Schnitt. Packstellen, die hingegen
Ware zukaufen mussten, um ihre Kontrakte zu bedienen, mussten tief in die Tasche greifen.
Starker Importanstieg
Begleitet von der Umstellung der Haltungsformen aufgrund des seit Jahresanfang geltenden
Verbots der klassischen Käfige sank laut MEG-Angaben 2009 die Eiererzeugung in
Deutschland um 11,6 % auf 11,26 Milliarden Stück. Überproportional fiel die
Konsumeiererzeugung, und zwar um 13,1 % auf 10,28 Milliarden. Gegen den Trend stieg die
Bruteiererzeugung um 8,8 % auf 977 Millionen. Die MEG rechnet damit, dass die deutsche
Eierproduktion in diesem Jahr wieder zulegt, insbesondere im zweiten Halbjahr. Durch die
rückläufige Produktion wuchs der Importbedarf deutlich. Insgesamt beliefen sich die
Einfuhren an Konsumeiern 2009 auf 9,47 Milliarden Stück, das waren 21,5 % mehr als ein
Jahr zuvor. Der auf die Konsumeiererzeugung bezogene Selbstversorgungsgrad fiel um rund
10 Prozentpunkte auf 58,8 %. Im Jahr 2000 hatte dieser Wert noch bei 75 % gelegen. In ihre
Berechnungen hat die MEG - anders als das Statistische Bundesamt - voraussichtliche
Nachmeldungen bereits einbezogen. So geht das Statistische Bundesamt für 2009 auf Basis
vorläufiger Erhebungen lediglich von deutschen Importen im Umfang von 7,0 Milliarden
Eiern im Wert von 540,7 Mio Euro aus. Der Menge nach legten die Importe gemäß den
Berechnungen der Wiesbadener Experten um 16,5 % zu, wertmäßig wurde ein Plus von
28,3 % registriert. Aus Deutschland ausgeführt wurden demnach 1,6 Milliarden Eier und
somit 9,1% weniger als 2008. Der Wert dieser Ausfuhren belief sich den Statistikern zufolge
auf 112,4 Mio Euro, was einem Rückgang von 1,6 % gegenüber dem Vorjahr entsprach. AgE
NIEDERLANDE
TIERPRODUKTION
Ab 2013 strengere Tierschutz- und Umweltstandards für Hollands Schweinehalter
Mit den Vorschriften zu Platzbedarf, Ammoniakemissionen und Spaltenböden macht der
Staat in drei Jahren ernst - EU-Vorgaben werden dann deutlich übererfüllt - Investitionsbedarf
auf insgesamt 240 Euro pro Mastschwein beziffert
WAGENINGEN. In den Niederlanden ist beim Inkrafttreten neuer Tierschutz- und
Umweltstandards Anfang 2013 mit einer starken Abstockung des Mastschweinebestandes zu
rechnen. Das geht aus einer Ende März veröffentlichten Studie der Universität Wageningen
hervor. Laut dieser Untersuchung haben nur 34 % der schweinehaltenden Betriebe das
Potential, in alle notwendigen Modernisierungsmaßnahmen zu investieren. Lediglich 68 %
des Mastschweinebestandes und 40 % der derzeitigen Sauenzahlen könnten auf den dann
noch bis zu 3 000 Betrieben mit guten Zukunftsaussichten gehalten werden. Hintergrund für
dieses Szenario bildet die in drei Jahren bevorstehende Erhöhung des Platzbedarfs für
Mastschweine in den Niederlanden auf 1 qm, gegenüber 0,65 qm laut EU-Richtlinie und
0,75 qm in Deutschland. Neue Vorschriften stehen den holländischen Schweinehaltern auch
bei den Ammoniakemissionen und der Breite der Spaltenböden ins Haus, und zwar nicht nur
für Neubauten, sondern auch für bestehende Ställe. Zudem müssen Jungsauen ab 2013 in
Gruppen gehalten werden. Bei neuen Stallbauten beziffern die Wissenschaftler aus
Wageningen die Zusatzkosten durch die erhöhten Platzanforderungen bei Mastschweinen auf
zusätzlich 120 Euro pro Platz. Für die Begrenzung der Ammoniakemissionen sowie für
Umbauten bei den Spaltenböden werden laut den Berechnungen der Forscher 60 Euro fällig,
so dass sich die Gesamtinvestitionen im Schnitt auf rund 240 Euro je Mastplatz summieren
sollen.
Mast- und Zuchtvorschriften im geschlossenen System
Einer verschärften Situation sehen sich Betriebsinhaber gegenüber, die im geschlossenen
System arbeiten und damit auf strengere Anforderungen sowohl in der Zucht wie auch in der
Mast reagieren müssen. Der Studie zufolge haben immerhin 60 % der Sauenhalter bereits in
die Gruppenhaltung der Jungsauen investiert. Knapp ein Viertel der Schweinehalter soll sich
finanziell in der Eindämmung der Ammoniakemissionen engagiert haben. Die neuen
Platzvorschriften für Mastschweine haben laut den Erkenntnissen der Wissenschaftler aber
erst wenige Landwirte berücksichtigt. Gerade hier droht allerdings massiver
Investitionsbedarf, es sei denn, die Schweinehalter entscheiden sich, in den bestehenden
Ställen weniger Tiere zu halten. Derzeit gibt es in den Niederlanden rund 8 000
schweinehaltende Betriebe, von denen rund die Hälfte voll auf diesen Produktionszweig
spezialisiert ist. Im geschlossenen System arbeiten der Studie zufolge etwa 1 000 Betriebe,
während sich 1 800 auf die Mast und 1 250 auf die Ferkelproduktion spezialisiert haben.
Recht trübe Aussichten
Um mehr als die Hälfte reduziert werden könnte der Investitionsbedarf laut der Studie, wenn
die Tiere auf den bestehenden Farmen in größeren Gruppen gehalten werden. Gleichzeitig
müssten aber Einkommenseinbußen hingenommen werden. Trotzdem könnte dies für einige
Betriebe eine Alternative sein. Dieses Szenario wurde in die Berechnungen zur
Branchenentwicklung nicht einbezogen, die daher zu pessimistisch ausgefallen sein könnten.
Selbst zu bedenken geben dies die Forscher aus Wageningen: „Die Erfahrung zeigt, dass die
Schweinehalter sehr kreativ sind und großes Talent haben, sich auf veränderte
Rahmenbedingungen einzustellen.“ Trotzdem gehen die Wissenschaftler durch die neuen
Vorschriften, die Ende der neunziger Jahre beziehungsweise 2004 beschlossen wurden,
insgesamt von einem beschleunigten Strukturwandel aus. Gerade für Umbauten seien die
Investitionen relativ hoch und wegen der verhältnismäßig niedrigen Markterlöse in den
vergangenen Jahren für viele Betriebe kaum zu stemmen. Die investitionswilligen Landwirte
müssen sich laut der Studie auf ein erheblich niedrigeres Einkommen einstellen. AgE
Ukraine steigert Export und senkt Import von Geflügelfleisch
KIEW. Die Ukraine hat im Januar und Februar dieses Jahres insgesamt rund 14 200 t
Geflügelfleisch importiert; das war fast die Hälfte weniger als in den beiden
Vorjahresmonaten, wenn auch die Einfuhren im Februar 2010 mit mehr als 9 300 t um 90 %
höher ausfielen als im Januar. Dieser deutliche Anstieg im Monatsvergleich ist laut
Darstellung des ukrainischen Informationsdienstes LigaBusinessInform auf die seit Anfang
2010 bestehenden Einschränkungen für die Lieferungen von US-Hähnchenfleisch nach
Russland zurückzuführen, aber auch auf die Einführung eines vorläufigen AntidumpingImportzolls auf Geflügelfleisch in China. Der Anteil von aus den USA bezogener Ware an
den gesamten Geflügelfleischimporten der Ukraine, der im Januar bei nur 25 % lag, wurde
dadurch im Februar auf 56 % mehr als verdoppelt. Andererseits ist in der Ukraine derzeit eine
Tendenz zur Steigerung der Geflügelfleischausfuhren zu verzeichnen. So hat das Land 2009
insgesamt 43 000 t Geflügelfleisch ausgeführt und damit das Vorjahresniveau um 130 %
überschritten. In diesem Jahr hat sich der Exportzuwachs bislang fortgesetzt. Laut Angaben
der Ukrainischen Agrarkonföderation hatten die Landwirte des Landes 2009 insgesamt rund
713 000 t Geflügelfleisch produziert; gegenüber 2008 war dies eine Steigerung um 13 %. In
den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres legte die Erzeugung im Jahresvergleich um
weitere 13 % auf 121 300 t zu. AgE
DEUTSCHLAND/EU
Spendenaufruf für ein Klageverfahren gegen die elektronische Tierkennzeichnung
KASSEL. Der Hessische Verband für Schafzucht und -haltung (HVSZH) hat zu Spenden für
die Durchführung des Klageverfahrens aufgerufen, in dem sich die Vereinigung Deutscher
Landesschafzuchtverbände (VDL) gegen die auf EU-Ebene verankerte elektronische
Tierkennzeichnung wehren will. Ziel der Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH)
ist die Rückkehr zur Bestandskennzeichnung sowie eine Gleichbehandlung gegenüber den
VIEH/FLEISCH
Schweine- und Rinderhaltern (AGRA-EUROPE 12/10; LÄNDERBERICHTE 26).
Angesichts von Gerichtskosten in Höhe von insgesamt etwa 35 000 Euro sind laut HVSZH
und VDL auch die nicht organisierten Schaf- und Ziegenhalter zur Unterstützung aufgerufen.
VDL-Geschäftsführer Dr. Stefan V ö l l betonte: „Wenn wir das Klageverfahren nicht in den
nächsten Monaten fristgerecht in Gang setzen, werden die angesprochenen bürokratischen
Erschwernisse auf lange Zeit unverrückbar festgeschrieben.“ Die Landesschafzuchtverbände
hätten Konten für zweckgebundene Spenden eingerichtet. AgE
Kiew will mehr Agrarprodukte in die EU exportieren
KIEW. Die Ukraine dringt auf eine breitere Öffnung des europäischen Markts für ihre
Agrarprodukte. In diesem Punkt werde Kiew bei den Verhandlungen über die Schaffung einer
Freihandelszone mit der Europäischen Union hart bleiben, kündigte der neue
Landwirtschaftsminister Nikolai P r i s t j a s h n j u k am Dienstag vergangener Woche vor
Journalisten an. Laut Darstellung des Ministers betrifft das Engagement der Ukraine
insbesondere Produkte wie Getreide einschließlich Futterware sowie Geflügelfleisch, Eier und
Eipulver. Pristjashnjuk sprach sich dafür aus, die EU-Quote für die Einfuhr von ukrainischem
Getreide zu erhöhen. Im Gegenzug werde sein Land weiterhin bereit sein, uneingeschränkte
Importe von Seefisch aus der EU zuzulassen. Außerdem wolle man mit der
Welthandelsorganisation (WTO) über eine Verlängerung der Übergangsfristen für die
Liberalisierung des Handels mit ausgewählten landwirtschaftlichen Erzeugnissen verhandeln,
teilte der Ressortchef mit. Insbesondere bei Fleisch- und Milchprodukten müsse es eine
längere Anpassungszeit geben. Die Ukraine ist seit Mai 2008 Mitglied der WTO.
Pristjashnjuk plant ferner, die Zahl von Grenzübergangsstellen zu verringern, über die der
Import von rohem Fleisch und Fisch in die Ukraine erfolgen soll. Die Einfuhren von Fleisch
aus anderen Kontinenten sollten dagegen ausschließlich über die Seehäfen laufen. Dadurch
würden die Möglichkeiten für illegale Importe von minderwertigen Produkten eingeschränkt,
so der Minister. Wenn Fleisch aus den USA oder Brasilien über Polen oder Ungarn in die
Ukraine gelange, deute dies gewöhnlich auf Schmuggelgeschäfte hin. AgE
DEUTSCHLAND
Immer weniger Eier aus deutscher Erzeugung
FRIEDRICHSDORF. Auf die sinkende Eierproduktion in Deutschland hat der Präsident des
Hessischen Bauernverbandes (HBV), Friedhelm S c h n e i d e r , vergangene Woche
hingewiesen. In 2009 seien nur noch 58,5 % aller in der Bundesrepublik angebotenen
Konsumeier aus heimischer Erzeugung gekommen, erklärte Schneider in einer
Presseinformation. Im Jahr 2005 habe der Anteil der Inlandserzeugung noch bei 70,6 %
gelegen. Der HBV-Präsident begründete diesen Rückgang mit dem zum 1. Januar 2010 in
Deutschland in Kraft getretenen Verbot der Legebatterien. Außerdem sei die Produktion von
Konsumeiern in den letzten Jahren in Deutschland kontinuierlich gesunken, und zwar von
12,6 Milliarden Stück im Jahr 2003 auf 10,3 Milliarden Eier in 2009. Im Gegenzug habe die
Zunahme alternativer Haltungsformen wie Boden- und Freilandhaltung den
Produktionsrückgang nicht auffangen können. Deshalb seien vermehrt Importeier in die
Ladenregale gelangt. Schneider empfahl den Verbrauchern, beim Eiereinkauf auf die
Herkunftskennzeichnung „DE“ für Deutschland zu achten. Die ersten beiden Ziffern der
danach folgenden Betriebsnummer kennzeichneten das Bundesland, die Zahlen 06 stünden für
EIER
Hessen. Mit dieser bewussten Kaufentscheidung unterstützten die Verbraucher die hessischen
Eierproduzenten und trügen dazu bei, dass sie sich auch in Zukunft mit frischen, heimischen
Eiern aus nachvollziehbarer Herkunft versorgen könnten. Nach Angaben des Hessischen
Statistischen Landesamtes (HSL) wurden 2008 in Hessen von 1,219 Millionen Legehennen
rund 342,164 Millionen Eier produziert. Im Jahr darauf hielten die hessischen Betriebe nur
noch 943 935 Legehennen, die insgesamt 253,328 Millionen Eier legten. Im Dezember 2009
wurden laut HSL noch 28 % der Legehennen in Käfigen gehalten, allerdings in ausgestalteten
Volieren mit Kleingruppenhaltung, Einstreu und Sitzstange. Rund 59 % seien auf
Bodenhaltung und 13 % auf Freilandhaltung beziehungsweise ökologische Erzeugung
entfallen. AgE
Tagung zur Transparenz in schweinefleischerzeugenden Ketten
VECHTA. Unter dem Titel „Transparenz in schweinefleischerzeugenden Ketten - Neue
Herausforderungen durch Verbraucher und Exportmärkte“ laden das Niedersächsische
Kompetenzzentrum Ernährungswirtschaft (NieKE) und die Hochschule Göttingen am
21. April zu einer Tagung nach Großenkneten ein. Wie das NieKE in der vergangenen Woche
weiter mitteilte, wird Mark D e i m e l von der Universität Göttingen einen Überblick über
die Herausforderungen und Lösungsansätze geben, mit denen sich die Fleischwirtschaft beim
Thema Transparenz auseinandersetzt. Prof. Thomas B l a h a von der Stiftung Tierärztliche
Hochschule Hannover (TiHo) plant, die „Lebensmittelketteninformation“ als Fundament für
Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit zu beleuchten. Daneben stehen Vorträge zu
Sichtweisen, Initiativen und Erfahrungen der Industrie und des Handels in Bezug auf
transparenzfördernde Maßnahmen auf dem Programm. Christian R a u f f u s vom
Fleischverarbeiter Rügenwalder Mühle wird auf die Anforderungen an die Kommunikation
mit den Konsumenten eingehen. Dr. Heinz S c h w e e r von der VION GmbH stellt die
Ansprüche an die Transparenz in der Produktionskette in den Mittelpunkt seines Beitrags.
Matthias B i e r m a n n vom Fleischwerk EDEKA Nord richtet den Fokus auf die
Initiativen, mit dem das Handelsunternehmen die Informationen in der Wertschöpfungskette
Fleisch erweitern will. Dr. Alexander H i n r i c h s von der Qualität und Sicherheit GmbH
(QS) wird schließlich erörtern, wie die Transparenz in der Fleischerzeugung mit Hilfe des
QS-Systems verbessert werden kann. (www.ernaehrungswirtschaft.de) AgE
Grüne kritisieren zögerliche Position Aigners zur Kaninchenhaltung
BERLIN. Als „zögerlich und vage“ haben die Grünen die Position von
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse A i g n e r zur Kaninchenhaltung kritisiert. Das
Prüfversprechen der Ministerin und ihre Ankündigung, in dieser Wahlperiode die TierschutzNutztierhaltungsverordnung zu ergänzen, reichten nicht aus, so die Agrarpolitiker der
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Ulrike H ö f k e n und Friedrich
O s t e n d o r f f , vergangene Woche in einer gemeinsamen Presseverlautbarung. Sie
beklagten erneut das Fehlen gesetzlicher Vorschriften zu Haltung, Transport und Schlachtung
von Kaninchen. „Wir fordern solche verbindlichen Vorgaben seit langem gegen die
Blockadehaltung der anderen Parteien ein“, erklärten die Abgeordneten. Ihrer Auffassung
nach haben sich Ansätze wie eine freiwillige Selbstverpflichtung der Betriebe für eine
tiergerechte Haltung in der Vergangenheit als „wirkungsloser Etikettenschwindel“ erwiesen.
Es sei höchste Zeit, durch klare Tierschutzstandards tiergerechte Alternativen wie die
Gruppenhaltung am Boden und Freilandhaltung zu fördern und gegen die unfaire Konkurrenz
auf Kosten der Tiere vorzugehen. AgE
Sonnleitner: Käfigverbot zwingt viele Legehennenhalter zur Betriebsaufgabe
BERLIN. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd
S o n n l e i t n e r , hat die Auswirkung des seit Anfang des Jahres geltenden
Käfigverbots für die Hühnerhaltung in Deutschland beklagt: „Mit dem Käfigverbot in
Deutschland haben wir mehr als 15 % der Tierbestände verloren. Viele bäuerliche
Betriebe haben ihre Hühnerhaltung aufgegeben“, denn die notwendigen
Umstellungen seien mit hohen Investitionen verbunden, die kleine Betriebe oft nicht
schultern könnten, sagte Sonnleitner der „Rheinischen Post“. Auch eine Umstellung
auf Boden- oder Freilandhaltung reduziere die Anzahl der gehaltenen Hennen.
Derzeit werde in Deutschland nur noch gut die Hälfte der Eier selbst produziert,
stellte Sonnleitner fest und zeigte damit die dramatische Entwicklung auf. Der Rest
müsse importiert werden. „Ich empfehle jedem Verbraucher, Eier mit deutscher
Herkunft nachzufragen. Für die Zukunft hoffe ich, dass die deutsche Produktion sich
bis zum EU-weiten Verbot der Käfighaltung 2012 wieder erholt und vielleicht wieder
ausgeweitet wird, da ansonsten immer mehr Eier aus Übersee mit deutlich
niedrigeren Tierschutzstandards auf dem Tisch unserer Verbraucher landen“, so
Sonnleitner. Auf die Frage, welche Haltung artgerecht sei, machte der DBV-Präsident
deutlich, dass dies alle Methoden seien, die in Deutschland erlaubt sind: Öko-,
Freiland- und Bodenhaltung sowie auch die Kleingruppe. Die klassische
Käfighaltung, die in Deutschland seit Anfang des Jahres verboten ist, sei dagegen als
nicht artgerecht einzustufen. Die Kleingruppe mit pro Huhn 50 % mehr Fläche als bei
der Käfighaltung, mit Nest-, Scharr- und Sitzbereich, sei es aber sehr wohl. AgE
AgE 13/2010
COPA/COGECA unterstreichen Bedeutung von Fleisch als Eiweißquelle
BRÜSSEL. Die EU-Ausschüsse der Bauernverbände (COPA) und ländlichen
Genossenschaften (COGECA) haben den Nährwert von Fleisch hervorgehoben.
COPA/COGECA-Generalsekretär Pekka P e s o n e n bezeichnete Fleisch als extrem
wertvolle Quelle im Hinblick auf Eiweiß, Energie, Mineralstoffe und Vitamine. „Mit Blick
auf sich häufende Hinweise auf schlechte Ernährungsweisen ist es wichtiger denn je, die
Vorteile des Fleischverzehrs herauszustellen, um den Verbrauchern zu einem gesünderen und
längeren Leben zu verhelfen“, erklärte Pesonen in Brüssel. Die tierische Erzeugung müsse
überall in der EU erhalten bleiben. Schließlich müsse Schätzungen der Ernährungs- und
Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zufolge die weltweite
Nahrungsmittelproduktion bis zum Jahr 2050 mehr als verdoppelt werden, um dem erwarteten
Nachfragewachstum zu begegnen. Ferner wirke die Tierhaltung der Abwanderung der
Bevölkerung aus den ländlichen Gebieten der EU entgegen. Sie trage zum Erhalt der
Landschaft bei und fördere die Beschäftigung im ländlichen Raum. Darüber hinaus biete die
Tierhaltung Produktionsmöglichkeiten für Regionen, in denen ein Großteil der
landwirtschaftlichen Nutzfläche nicht für den Acker- oder Gemüsebau geeignet sei. AgE
Cobb Germany bietet zwei Masthähnchenseminare an
REGENSTAUF. Nach dem Seminar im November 2008 in Glandorf plant die Cobb Germany
Avimex GmbH jetzt zwei Seminare in diesem Jahr. Das Geflügelzuchtunternehmen betonte
dazu vergangene Woche, die immer größere Popularität des Cobb-500-Masthähnchens habe
es veranlasst, einen Schwerpunkt dieser Seminare auf den Austausch von Erfahrungen aus der
Praxis und auf die Diskussion spezifischer Managementfragen zu legen. Um die Anreise für
die Teilnehmer zu erleichtern, finde ein Seminar im Haus Düsse in Bad Sassendorf bei
Paderborn am 29. Juni und eines im Landgasthaus Sattelhof in Neutz-Lettewitz bei Halle am
30. Juni statt. Die Veranstaltungen beginnen laut Cobb Germany jeweils um 10:30 Uhr und
enden, unterbrochen von einem gemeinsamen Mittagessen, gegen 16:00 Uhr. Optional
bestehe eine Buchungsmöglichkeit zur Übernachtung in beiden Häusern unter dem Stichwort
„Cobb Mastseminar“. Im Rahmen des Seminars wird Wim D e k k e r s als technischer
Berater die Entwicklungen in der Geflügelzucht in Bezug auf die Masthähnchenrasse
Cobb 500 darstellen. Tierarzt Dr. Matthias T o d t e wird das Management zur Verbesserung
der Verdauungsphysiologie erläutern und Mastberater Hagen M ü l l e r Praxiserfahrungen
über die optimale Fütterung der Cobb-500-Hähnchen diskutieren. Außerdem werden die
technischen Berater Saeid N a j a t i , Ron M e i j e r h o f und Martijn G r u y t e r s
Modelle zur optimalen Klimagestaltung in Hähnchenställen erläutern und darüber berichten,
wie ein effizienter Start der Hähnchenmast gewährleistet werden kann. Cobb-GermanyDirektor James T r u s c o t t wird zu Beginn des Seminars das Unternehmen mit seinen
Aktivitäten vorstellen und zum Abschluss gemeinsam mit Najati die Erkenntnisse diskutieren
und zusammenfassen. Anmeldungen zu den Seminaren sind bis spätestens zum 1. Juni 2010
an [email protected] oder Telefax 09402/930750 möglich, und zwar unter Angabe des
Veranstaltungsdatums, des Veranstaltungsortes und der Anzahl der Teilnehmer. AgE
Deutscher Geflügelmarkt auch 2009 gewachsen
BONN. Der deutsche Geflügelmarkt ist im vergangenen Jahr ungeachtet der Wirtschaftskrise
weiter gewachsen. Wie die „Marktinfo Eier & Geflügel“ (MEG) am Montag vergangener
Woche berichtete, leitet sich aus der von ihr und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und
Ernährung (BLE) abgestimmten Versorgungsbilanz für 2009 ein durchschnittlicher Pro-KopfVerbrauch von 18,6 kg Geflügelfleisch ab; das waren 300 g mehr als im Jahr zuvor.
Ursprünglich war für 2008 von einem höheren Verbrauch als 18,3 kg ausgegangen worden;
die nun vorliegenden endgültigen Außenhandelsdaten des Statistischen Bundesamtes zeigen
laut MEG allerdings, dass damals deutlich mehr Geflügelfleisch exportiert wurde als zunächst
geschätzt. Die Bruttoeigenerzeugung an Geflügel erreichte 2009 in Deutschland mit
1,424 Mio t zum dritten Mal in Folge ein Rekordergebnis; das Niveau des Vorjahres wurde
um 2,1 % übertroffen. Maßgeblich für die Zuwächse auf der Nachfrage- und der Anbieterseite
war die Entwicklung des Hähnchenmarktes. Der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch an
Hähnchenfleisch einschließlich Suppenhühner stieg um 500 g auf 11,3 kg. Der
Selbstversorgungsgrad, der das Verhältnis von Bruttoeigenerzeugung zum Verbrauch
wiedergibt, lag bei 105,3 %, womit im zweiten Jahr in Folge die Marke von 100 %
überschritten wurde. Die deutsche Bruttoeigenerzeugung von Hähnchenfleisch einschließlich
Hühner wurde im Jahresvergleich um 4,4 % auf 975 000 t ausgeweitet. Die betreffende
Nettoproduktion wuchs um 5,0 % auf 802 000 t. Laut den Berechnungen der MEG, die aus
der offiziellen vorläufigen Bilanz zu „Hühnerfleisch insgesamt“ die Versorgungsbilanz
„Jungmasthühner“ ableitete, erhöhte sich 2009 die Nettoerzeugung von Hähnchenfleisch um
5,9 % auf 754 000 t. Die Importe von Hähnchenfleisch legten um 6,8 % auf 555 500 t zu.
Deutlicher stiegen hier die Exporte, und zwar um 10,2 % auf 431 900 t. Daraus errechnete
sich ein Anstieg des Inlandsverbrauchs um 4,5 %; der einzelne Bundesbürger konsumierte im
Schnitt 10,7 kg Hähnchenfleisch. AgE
Bundeslandwirtschaftsministerium will Kaninchenhaltung regeln
Verordnung soll in dieser Legislaturperiode beschlossen werden - Forschungsvorhaben der
Universität Gießen bildet Grundlage - Konkrete Vorschriften für Gruppengrößen, die
Besatzdichten sowie die Ausgestaltung und die Ausstattung der Käfige angestrebt - Druck aus
der Opposition und von den Ländern
BERLIN. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will zügig einen Verordnungsentwurf mit
Vorgaben zur Haltung von Mastkaninchen vorlegen. Das hat eine Sprecherin des Ressorts
vergangene Woche angekündigt. Zwar wollte sie sich nicht zu einem konkreten Zeitplan
äußern; in jedem Fall werde es jedoch in dieser Legislaturperiode eine entsprechende
Regelung geben. Die Grundlage dafür bilde ein inzwischen abgeschlossenes
Forschungsvorhaben des Instituts für Tierzucht und Haustiergenetik der Universität Gießen
im Auftrag der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). In dem
Verordnungsentwurf werde es unter anderem um konkrete Vorschriften für Gruppengrößen,
die Besatzdichten sowie die Ausgestaltung und die Ausstattung der Käfige gehen, heißt es im
Agrarressort. Unterdessen kochte die Diskussion nach Medienberichten erneut hoch. Zuletzt
bekräftigten die Grünen-Politiker Ulrike H ö f k e n und Friedrich O s t e n d o r f f ihre
Forderung nach klaren gesetzlichen Grundlagen, besseren Kontrollen und einer konsequenten
Durchsetzung des Tierschutzgesetzes in der Kaninchenhaltung. Gleichzeitig warfen sie der
Bundesregierung Untätigkeit vor. Ähnlich äußerte sich der SPD-Tierschutzbeauftragte Heinz
P a u l a . Er rief die Bundesregierung auf, die Anforderungen an die Zucht und Haltung von
Kaninchen zu konkretisieren. Die Tiere müssten gemäß ihren arteigenen Bedürfnissen
gehalten werden. Dazu sei eine Überarbeitung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung
erforderlich.
Länder machen Druck
Auch aus den Ländern mehren sich die Forderungen nach einer Regelung zur
Kaninchenhaltung. In dieser Weise meldeten sich die rheinland-pfälzische SPDVerbraucherschutzministerin Margit C o n r a d und der baden-württembergische CDULandwirtschaftsminister Rudolf K ö b e r l e zu Wort. Der Bundesrat hatte bereits vor rund
einem Jahr deutliche Kritik an den Haltungsbedingungen bei Kaninchen geübt und die
Bundesregierung aufgefordert, die tierschutzrechtlichen Anforderungen an die Zucht und
Haltung von Kaninchen zu Erwerbszwecken zu konkretisieren. Ziel müsse es sein, dass die
Tiere gemäß ihren arteigenen Bedürfnissen gehalten werden könnten und Tierhaltern sowie
Überwachungsbehörden klare Vorgaben für die Beurteilung der Haltungen zur Verfügung
stünden, so die Position der Länderkammer. Die Bundesregierung müsse handeln, wenn es
keine Regelung auf EU-Ebene gebe.
EU-weit einheitliche Vorschriften gefordert
Europaweit einheitliche Haltungsbedingungen für Kaninchen verlangten unterdessen die
FDP-Europaabgeordneten Britta R e i m e r s und Nadja H i r s c h . Wie die beiden
Politikerinnen in Brüssel mitteilten, haben sie eine entsprechende Parlamentarische Anfrage
an die Europäische Kommission geschickt. Für die Kaninchenhaltung gebe es im Gegensatz
zur Haltung von Schweinen, Kälbern und Legehennen keine EU-Regeln, erklärte Reimers, die
agrarpolitische Sprecherin der FDP im Hohen Haus. In den EU-Mitgliedstaaten seien die
Tierschutzanforderungen für die Haltung von Mast- und Zuchtkaninchen teilweise sehr
unterschiedlich. Auch international gebe es noch keine verbindlichen Vorgaben zu
Besatzdichte, Gruppengröße und Mindestfläche je Tier. Das könne zu
Wettbewerbsverzerrungen führen, da höherer Tierschutz höhere Kosten verursache. Die
Tierschutzexpertin Hirsch ergänzte, aufgrund des Fehlens gemeinsamer Tierschutzstandards
sei die Haltung von Mast- und Zuchtkaninchen in Europa in einigen Fällen mit der Situation
von Legehennen in Käfigbatterien vergleichbar. Derart gehaltene Kaninchen seien in
Drahtgitterkäfigen eingesperrt und litten teilweise unter Schmerzen, Verletzungen und
Verhaltensstörungen. In der Regel bekämen diese Tiere weder ausreichend Bewegung noch
genügend Tageslicht, Sozialkontakte zu Artgenossen oder rohfaserreiche Nahrung. „Solche
Haltungspraktiken können wir nicht länger akzeptieren“, so Hirsch. Die Kommission solle
Stellung beziehen, ob sie einen Vorschlag zur gewerblichen Kaninchenhaltung in den EUMitgliedstaaten vorlegen werde und wie sie die Käfighaltung von Kaninchen im Hinblick auf
den Tierschutz bewerte. AgE
Bundesrat will bessere Kontrolle bei der überbetrieblichen Verwertung von
Wirtschaftsdünger
Länderkammer beschließt Entwurf einer Verbringungsverordnung - Informationspflichten für
Abgeber, Transporteure und Aufnehmer von Wirtschaftsdünger - Keine Mehrheit für
bayerischen Antrag auf Herausnahme von aufnehmenden Betrieben aus der
Aufzeichnungspflicht - Aigner will eigenen Verordnungsentwurf vorlegen - Bürokratrie für
landwirtschaftliche Betriebe minimieren
BERLIN. Der Bundesrat drängt auf eine Erhöhung der Transparenz und eine
Verbesserung der Kontrollmöglichkeiten bei der überbetrieblichen Verwertung von
Wirtschaftsdünger. Mit deutlicher Mehrheit beschloss die Länderkammer am
vergangenen Freitag den Entwurf einer Verordnung über das Inverkehrbringen und
Befördern von Wirtschaftsdünger. Ziel sind einheitliche Dokumentationsanforderungen
für den Verbleib von Wirtschaftsdüngern für Betriebe mit und ohne Fläche. Die Vorlage
sieht drei neue Informationspflichten für Betriebe vor, die Wirtschaftsdünger
abgeben, befördern und übernehmen. Keine Mehrheit fanden Anträge Bayerns, die
Anforderungen zu reduzieren und aufnehmende Betriebe, die bereits durch die
Düngeverordnung zu einer jährlichen Nährstoffbilanz verpflichtet sind, von
zusätzlichen Aufzeichnungsverpflichtungen auszunehmen.
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse A i g n e r muss nun entscheiden, wie sie mit
dem Bundesratsentwurf verfährt und ob sie die Verordnung in Kraft setzt. Offenbar
will das Ressort aber eine eigene Verordnung vorlegen. Das kündigte eine
Sprecherin an. Darin werde man Anforderungen an die Erfassung der gewerblichen
Verbringung von Wirtschaftsdünger festlegen. Gleichzeitig werde das Ministerium
dafür Sorge tragen, dass der bürokratische Aufwand für die landwirtschaftlichen
Betriebe auf das „unbedingt notwendige Maß“ beschränkt werde, so die Sprecherin
nach dem Beschluss der Länderkammer.
DBV enttäuscht
Der Deutsche Bauernverband (DBV) zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung des
Bundesrats. Der DBV hatte im Vorfeld deutlich gemacht, dass er die Regelung nur unter der
Voraussetzung für sinnvoll erachtet, dass die Betriebe, die bereits im Zusammenhang mit den
notwendigen Aufzeichnungen nach der Düngeverordnung belegen, ob sie Wirtschaftsdünger
aufnehmen oder abgeben, keine zusätzlichen Dokumentationspflichten und Auflagen erfüllen
müssten. Im Gegensatz dazu hätten die Länder jedoch einen sehr weitreichenden Entwurf
verabschiedet. Leider seien Änderungen zur Vermeidung dieser drohenden Doppelbürokratie
für landwirtschaftliche Betriebe im Bundesratsplenum gescheitert, bedauerte der DBV. Jetzt
sei Ministerin Aigner gefordert, entweder Doppelbürokratie mit zusätzlichen oder schärferen
Dokumentationspflichten zu verhindern oder die Verordnung nicht in Kraft zu setzen.
Bagatellgrenzen
Die im Bundesratsentwurf vorgesehene Aufzeichnungspflicht gilt für Abgeber, Beförderer
und Empfänger von Wirtschaftsdüngern. Soweit die geforderten Angaben etwa zur Menge
oder den Gehalten an Stickstoff und Phosphat aus bereits vorliegenden Unterlagen ersichtlich
sind, sollen keine gesonderten Aufzeichnungen geführt werden müssen. Der Meldepflicht
sollen Empfänger unterliegen, die Wirtschaftsdünger von außerhalb des Landes erhalten.
Schließlich sieht der Verordnungsentwurf eine einmalige Mitteilungspflicht für das erstmalige
gewerbsmäßige Inverkehrbringen von Wirtschaftsdünger nach Inkrafttreten der Verordnung
vor. Der Entwurf nennt zugleich eine Reihe von Bagatellgrenzen. Beispielsweise sollen die
Regelungen erst ab einer Grenze von 200 t Frischmasse greifen, die im Kalenderjahr in
Verkehr gebracht, befördert oder aufgenommen wird. Betriebsinhaber mit mehreren Betrieben
innerhalb eines Umkreises von 50 km sollen grundsätzlich ausgenommen bleiben. Nicht
erfasst werden sollen zudem Betriebe, die nicht zur Aufstellung eines Nährstoffvergleichs laut
Düngeverordnung verpflichtet sind und deren insgesamt im Betrieb angefallene oder
aufgenommene Menge an Wirtschaftsdünger 500 kg Stickstoff im Jahr nicht übersteigt. Auch
die Abgabe von Wirtschaftsdünger in Verpackungen von unter 50 kg etwa an Bau- und
Gartenmärkte soll nicht aufzeichnungspflichtig sein.
Schritt in die richtige Richtung
Der agrarpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Friedrich
O s t e n d o r f f , begrüßte die Initiative des Bundesrates. Damit werde endlich eine
Möglichkeit geschaffen, um den unkontrollierten Importen von Gülle und Gärsubstraten aus
den Niederlanden Einhalt zu gebieten, erklärte der Grünen-Politiker. Insbesondere in
grenznahen Gebieten Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens habe die Nitratbelastung des
Grundwassers stark zugenommen. Sowohl Wasserwerke als auch der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (BUND) wiesen seit Jahren auf den Zusammenhang zu den
unkontrollierten Importen von Gülle und Gärsubstraten aus den Niederlanden hin. Nach
Ansicht von Ostendorff geht der Entwurf des Bundesrates in die richtige Richtung, reicht
jedoch noch nicht aus. Die nachträgliche Meldung der auf den Feldern ausgebrachten Mengen
mache den Behörden ein rechtzeitiges Einschreiten unmöglich. Daher sei eine Vorabmeldung
notwendig. Insbesondere die Landesregierungen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen
seien aufgefordert, umgehend weitergehende Regelungen zu schaffen. Ministerin Aigner
müsse der Umwelt höhere Priorität einräumen als den Interessen der Gülleimporteure und die
Rechtsverordnung entsprechend erlassen. AgE
DEUTSCHLAND/EU
Grünen-Antrag zur EU-Tierversuchsrichtlinie gescheitert
BERLIN. Die Europäische Tierversuchsrichtlinie muss nicht auf Drängen des Bundestages im
Sinne eines besseren Tierschutzes überarbeitet werden. Ein entsprechender Antrag der
Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen scheiterte vergangene Woche im
Ernährungsausschuss. Für die Vorlage, in der unter anderem die Beteiligung einer
Ethikkommission bei Versuchen mit lebenden Tieren gefordert wird, stimmte neben den
Antragstellern auch die Fraktion Die Linke. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und FDP
stimmten gegen den Antrag; die SPD enthielt sich. Die Grünen begründeten ihren Antrag
damit, dass die geplante Richtlinie in der jetzt vorliegenden Fassung weit hinter dem ersten,
verheißungsvollen Entwurf der Richtlinie zurückbleibe. Versuche mit lebenden Tieren
müssten grundsätzlich von einer Ethikkommission geprüft werden, sagte eine Sprecherin der
Grünenfraktion. Da die Richtlinie dies nicht vorsehe, „sind wir überzeugt, dass da
nachgebessert werden muss“, hieß es bei den Grünen. Außerdem beklagte die Fraktion, die
Richtlinie in der jetzigen Form verbiete es Ländern, nationale, höhere Standards umzusetzen,
als sie in der Richtlinie vorgeschrieben sind. Diese verbotene Abweichung nach oben sei
„demokratietheoretisch nicht vertretbar“. AgE
Beiträge der deutschen Land- und Forstwirtschaft zu einem aktiven Klimaschutz
von Dr. Gerd M ü l l e r , MdB1)
Vorbemerkung
Deutschland ist international Vorreiter im Klimaschutz. Gegenüber dem Basisjahr 1990
wurden 2008 die Treibhausgasemissionen (THG-Emissionen) um 22,2 % reduziert. Damit
wurden die deutschen Klimaschutzziele erreicht. Sie betragen nach dem Kyoto-Protokoll
minus 8 % und der EU-Lastenteilung minus 21 %, und zwar jeweils im Durchschnitt der Jahre
2008 bis 2012 im Vergleich zu 1990. Demgegenüber liegen die Emissionen von 11 EUMitgliedstaaten noch über deren Klimaschutzzielen.
Land- und Forstwirtschaft in Sonderrolle
Land- und Forstwirtschaft nehmen im Rahmen des Klimaschutzes aus mehreren Gründen eine
Sonderrolle ein. Die Landwirtschaft produziert Nahrungsmittel, die im Gegensatz zu vielen
anderen Dingen des täglichen Gebrauchs lebensnotwendig sind, auch wenn das heute
bisweilen in Vergessenheit geraten ist. Soweit sich die Konsumgewohnheiten in Deutschland
und vielen anderen Industrie- und Schwellenländern nicht deutlich ändern, ist eine
Produktionseinschränkung zur Minderung von Treibhausgasen keine Lösung. Damit würde
die Produktion nur in andere Länder verlagert, denn das verfügbare Angebot an
Nahrungsmitteln muss bis 2050 um rund 70 % steigen, um die rund 1 Milliarde Menschen, die
heute noch an Hunger leiden, und die auf 9 Milliarden Menschen anwachsende
Weltbevölkerung ausreichend und gesund zu ernähren. Land- und Forstwirtschaft sind von
den negativen Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen, denn sie produzieren in
und mit der Natur. Wassermangel, Hochwasser, die Zunahme extremer Wetterereignisse wie
Trockenheit, Hochwasser und Stürme führen zu hohen Ernte- und Einkommensverlusten bis
hin zur Existenzbedrohung. Hinzu kommt der Verlust genetischer Ressourcen mit negativen
1)
Parlamentarischer Staatssekretär vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz
TIERSCHUTZ
Folgen für die Züchtung. Land- und Forstwirtschaft sind der einzige Wirtschaftssektor, der im
Rahmen seiner Produktion das Treibhausgas CO2 in ganz erheblichem Umfang speichert,
beispielsweise im Wald, aber auch im Getreide und anderen Nutzpflanzen. Durch höhere
Erträge und die möglichst langlebige Speicherung des Kohlenstoffs etwa in Holzprodukten
oder im Ackerboden lässt sich dieser Effekt noch steigern. Zudem besteht ein großes Potential,
die Nettoemissionen über die Substitution fossiler Rohstoffe für die energetische und stoffliche
Nutzung durch nachwachsende Rohstoffe zu verringern.
Andererseits ist zu bedenken, dass die Möglichkeiten der Landwirtschaft zur
Emissionsminderung beschränkt sind, da ein großer Teil der Emissionen auf natürliche
Vorgänge zurückzuführen ist. Dies gilt beispielsweise für Methanemissionen bei der
Verdauung der Wiederkäuer. Milchkühe mit Nachzucht haben den größten Anteil an den
landwirtschaftlichen THG-Emissionen. In der Landwirtschaft sind daher im Gegensatz zur
Industrie Emissionsminderungen über den technischen Fortschritt nur begrenzt möglich. Im
Bereich Forstwirtschaft ist die Waldfläche der begrenzende Faktor, da die deutschen Wälder
nachhaltig bewirtschaftet werden mit der Folge, dass langfristig gesehen, so viel Holz
entnommen wird, wie nachwächst.
Klimabilanz der deutschen Landwirtschaft
An den gesamten deutschen Treibhausgasemissionen haben die Treibhausgasemissionen aus
der Landwirtschaft mit 66,2 Mio t CO2-Äquivalenten einen Anteil von rund 6,9 %. Nach dem
Nationalen Inventarbericht zum deutschen Treibhausgasinventar (NIR) sind dies die Methanund Lachgasemissionen aus der Tierhaltung und der Düngung. Rechnet man zur
Landwirtschaft weitere Bereiche hinzu, die nach der Berichterstattung anderen Kapiteln
zuzuordnen sind, wie etwa die CO2-Emissionen aus drainierten Moorböden, die sich auf rund
38 Mio t im Jahr belaufen, die Düngemittelproduktion und den Treibstoffverbrauch der
Maschinen, so muss man fairer Weise bei der Landwirtschaft auch die CO2-Äquivalente je
Jahr abziehen, die durch Anbau und Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und den damit
verbundenen Ersatz fossiler Energieträger eingespart werden. Das sind rund 15 Mio t,
zusammen mit der Forstwirtschaft sogar rund 45 Mio t pro Jahr, die nach der Berichterstattung
im Energiekapitel angerechnet werden.
Ähnliches gilt für den Vergleich der Landwirtschaft mit anderen Sektoren. So basiert etwa die
Behauptung, die Landwirtschaft verursache so viel Treibhausgasemissionen wie der gesamte
Straßenverkehr, auf Vergleichen, bei denen einerseits die Landwirtschaft weiter als nach NIR
definiert wird, andererseits die Emissionen, die mit Straßenbau und -unterhalt wie
Asphaltwerke oder dem Betrieb des Tankstellennetzes verbunden sind, nicht dem
Straßenverkehr angelastet werden. Die Erhöhung der THG-Emissionen der Landwirtschaft im
NIR 2010 gegenüber der Berichterstattung im NIR 2009 ist im Wesentlichen auf methodische
Veränderungen zurückzuführen. Das betrifft unter anderem die Erhöhung der N2O-Emissionen
aus Böden um 31 % bis 36 % durch Verwendung der Leitlinien des Weltklimarats (IPCC
Guidelines) von 1996 statt von 2006 aufgrund einer Forderung des internationalen Review
Teams, ferner die Einführung eines neuen „Milchkuhmodells“ mit besserer Berücksichtigung
der Fütterung.
Methanemissionen
Die Methanemissionen der deutschen Landwirtschaft werden ganz überwiegend durch die
Rinderhaltung verursacht. Sie sind von 1990, als sie bei rund 32,57 Mio t lagen, um rund
7,29 Mio t auf 25,28 Mio t im Jahr 2008 gesunken. Das entspricht einem Rückgang um
22,4 %. Die Hauptursache liegt darin, dass der Rinderbestand in Deutschland seit 1990 um
rund 35 % zurückgegangen ist. Besonders stark hat sich dabei die Wiedervereinigung
ausgewirkt. Verbunden damit war nahezu eine Halbierung der Fleischerzeugung von 2,3 Mio
t Schlachtgewicht auf 1,21 Mio t. Dagegen konnte die Milchproduktion bei rund 28 Mio t
gehalten werden. Möglich war dies nur durch eine deutliche Steigerung der Milchleistung je
Kuh, denn der Milchkuhbestand ist im Zeitraum 1990 bis 2008 um rund ein Drittel von
6,4 Millionen auf 4,2 Millionen Tiere zurückgegangen. Dies belegt, dass die
Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft ein geeignetes Mittel ist, Treibhausgase
einzusparen.
Lachgasemissionen
Die Lachgasemissionen der deutschen Landwirtschaft haben sich von 45,48 Mio t im Jahr
1990 um 4,53 Mio t auf 40,95 Mio t in 2008 reduziert. Der Rückgang beträgt damit rund 10 %.
Dazu beigetragen hat eine deutliche Rückführung des Stickstoffüberschusses in der
Landwirtschaft, und zwar um rund 20 % im Zeitraum 1990 bis 2006.
Nachwachsende Rohstoffe
Mit Anbau und Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in der Land- und Forstwirtschaft
und dem damit verbundenen Ersatz fossiler Energieträger werden in Deutschland jährlich
etwa 45 Mio t CO2 vermieden. Diese Menge, die zusammen mit der Forstwirtschaft
bereitgestellt wird, entspricht zwei Dritteln der gesamten THG-Emissionen der
Landwirtschaft. Allein im Jahr 2007 wurden in Deutschland rund 2 Mio ha zum Anbau
nachwachsender Rohstoffe als Ersatz für fossile Rohstoffe genutzt. Im Einzelnen wurden auf
273 600 ha Industriepflanzen zur stofflichen Nutzung und auf rund 1,8 Mio ha
Energiepflanzen angebaut. Der Anteil der biogenen Energieträger an allen erneuerbaren
Energien liegt damit bei rund 60 %, was die Bedeutung dieses Sektors für den Ausbau der
erneuerbaren Energien unterstreicht. Nach den politischen Vorgaben des EU-Ministerrats
sollen im Jahr 2020 in der EU aus Klimaschutzgründen 20 % des Endenergieverbrauchs aus
erneuerbaren Energiequellen stammen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die Bioenergienutzung
unverzichtbar.
Forstwirtschaft
Aufforstung, Entwaldung und Waldbewirtschaftung werden auf die deutsche
Treibhausgasbilanz angerechnet. Deutschlands Wälder speichern 1,2 Mrd t Kohlenstoff in der
ober- und unterirdischen Biomasse, bei 330 Vorratsfestmetern pro Hektar. Damit verfügt
Deutschland mit seinen 11 Mio ha Wald, die nachhaltig bewirtschaftet werden, über die
höchsten Holzvorräte Europas. Jedes Jahr werden zusätzlich 17 Mio t CO2 aus der Atmosphäre
gebunden. Dies ist die Netto-Speicherleistung, da die Holzmengen, die im Wald
eingeschlagen werden, bereits abgezogen sind. Pro Jahr wachsen ungefähr 11,1 cbm/ha Holz
nach, 10,4 cbm/ha scheiden durch Nutzung aus. Die Gesamtbilanz aus Holzvorrat,
Holzzuwachs und Abgang seit der zweiten Bundeswaldinventur im Jahr 2002 zeigt, dass 10 %
mehr Holz zugewachsen als ausgeschieden sind und der Holzvorrat um 2 % zugenommen hat.
Konkrete Beispiele zur Minderung der Treibhausgasemissionen
Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Erhebliche Kraftstoffeinsparungen lassen sich durch effiziente Bearbeitungs- und
Bestandspflegemaßnahmen, Optimierung des Reifendrucks, kurze Wege und eine
kraftstoffsparsame Fahrweise erreichen.
Besseres Stickstoffmanagement
Die Optimierung des Stickstoffmanagements durch eine besser an die Standortbedingungen
und Ertragserwartungen angepasste Düngung sowie eine verbesserte Ausbringungstechnik
beispielsweise über Schleppschläuche spart Kosten und trägt zur Verminderung der
Lachgasemissionen bei. Die Reduzierung der Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung leistet
als indirekte Maßnahme ebenfalls einen Beitrag, die Lachgasemissionen zu vermindern. In
Deutschland wurden die Ammoniakemissionen seit 1990 deutlich gesenkt. Maßnahmen wie
die unverzügliche Einarbeitung des Wirtschaftsdüngers oder der Einbau von Filteranlagen bei
Großviehhaltungen zeigen Wirkung. Ab 2010 ist nach der sogenannten NEC-Richtlinie der
EU, die nationale Emissionshöchstmengen unter anderem für Schwefeldioxyd, Stickoxyde
und Ammoniak festsetzt, eine jährliche Obergrenze von 550 000 t Ammoniak einzuhalten.
Erreicht wird dies in erster Linie durch Emissionsminderungsmaßnahmen in den Ställen wie
den Einbau von Ammoniakfiltern bei großen Tierhaltungsanlagen und die Abdeckung von
Güllegruben sowie eine emissionsarme Ausbringung von Gülle und deren unverzügliche
Einarbeitung. Die Beschreibung des Standes der „besten verfügbaren Technik“ (BVT) in der
europäischen Richtlinie zur Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung
(IVU-Richtlinie), die zur Zeit novelliert wird, im Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG)
und in der Technischen Anleitung Luft (TA-Luft) sowie die derzeit anstehende
Fortschreibung dieses Standes im Rahmen der Überarbeitung der BVT-Merkblätter auf EUEbene leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Hiezu gehört auch die Anwendung
fortschrittlichster Fütterungsmethoden wie die Phasenfütterung.
Vermeidung von Grünlandumbruch
In Deutschland gibt es rund 4,9 Mio ha Dauergrünland, das insgesamt 13 % der Landesfläche
bedeckt. Milchkuhhaltung und Weidenutzung als Futterressource sowie die regelmäßige
Pflege sind für den Erhalt des Gründlandes essentiell. Durch die Cross-ComplianceRegelungen wurde das Umbrechen von Grünland erheblich beschränkt. Mit dem
Sonderprogramm Landwirtschaft wird 2010 und 2011 ein starker Beitrag zur Erhaltung des
Grünlandes geleistet.
Schutz der Kohlenstoffspeicher in Böden
Durch pfluglose Bodenbearbeitung, Direktsaat, den Anbau mehrjähriger Kulturen,
Zwischenfrüchte und Leguminosen sowie weite Fruchtfolgen kann Kohlenstoff im Boden
besser gespeichert werden. Die CO2-Emissionen und -Senken bei Böden werden in
Deutschland bislang nicht auf die Treibhausgasbilanz angerechnet, insbesondere weil die
Datenlage und Kontrolle der Höhe der Speicherung schwierig zu erstellen und unzuverlässig
ist. Notwendig ist zudem eine integrierte Vorgehensweise im Pflanzenbau, damit der Vorteil
der C-Speicherung nicht durch gegenläufige Effekte wie die Erhöhung von Infektionsrisiken,
einen höheren Bestandpflegeaufwand sowie geringere Deckungsbeiträge aufgewogen wird.
Beratung und Investitionsförderung
Die Förderung der Energieberatung für landwirtschaftliche Betriebe wurde 2008 in die
Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" (GAK)
aufgenommen. Für das Bundesprogramm zur energetischen Sanierung von Gewächshäusern
werden gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium 28 Mio Euro für die nächsten vier
Jahre bereitgestellt. Die Mittel dienen unter anderem der besseren Wärmedämmung.
Ökolandbau
Beim ökologischen Landbau fallen bezogen auf die Fläche weniger Treibhausgasemissionen
an als in der konventionellen Landwirtschaft. Bezogen auf die erzeugte Menge sind die
Ergebnisse hingegen nicht so eindeutig. So schneiden konventionell wirtschaftende Betriebe
mit integriertem Anbau hier nicht schlechter ab, als ökologisch wirtschaftende Betriebe. Dabei
handelt es sich um strukturell mit den Ökolandbaubetrieben vergleichbare konventionelle
Betriebe. In jedem Fall verhält sich ein Verbraucher, der Produkte mit Biosiegel kauft,
klimagerecht. Dies gilt vor allem dann, wenn die Erzeugnisse aus der Region stammen. Die
Herkunft und Saisonalität der Produkte ist allerdings oft klimarelevanter als der Unterschied
„ökologisch versus konventionell“.
Nachhaltige Forstwirtschaft
In Deutschland wird Forstwirtschaft nachhaltig betrieben. Hierzu gibt es eine Reihe aktueller
Beispiele wie die Anpassung der Wälder an den Klimawandel, die Verminderung des Risikos
von Waldverlusten durch Stabilisierung der Waldbestände, die Auswahl standort- und
klimaangepasster sowie zuwachsstarker Baumarten, Sicherungsmaßnahmen durch Erhalt und
Renaturierung von Waldmooren, die Aufforstung von Brachflächen sowie die Mobilisierung
ungenutzter Rohholzpotentiale.
Eine wichtige Rolle spielt die
Speicherung von Kohlenstoff in Holzprodukten:
Deutschland hat sich innerhalb der EU erfolgreich für die Anerkennung der Speicherleistung
von Holzprodukten für den Klimaschutz eingesetzt. Diesen Ansatz gilt es, auf internationaler
Ebene durchzusetzen. Durch den Kauf von Holzprodukten und Brennholz aus nachhaltiger
Waldwirtschaft kann auch der Verbraucher einen Beitrag zum Schutz des Klimas der Erde
leisten. Dazu zählen die Intensivierung der stofflichen und energetischen Holznutzung, die
verstärkte Speicherung von Kohlenstoff in langlebigen Holzprodukten, absatzfördernde
Maßnahmen von Holzprodukten im stofflichen Bereich, um im Produktionsprozess wesentlich
energieaufwendigere Baustoffe wie Stahl, Beton und Stein durch Holz zu ersetzen. Die
Substitution von fossilen Brennstoffen wird durch die energetische Nutzung von Holz
erreicht, mit der 30 Mio t CO2 je Jahr eingespart werden.
Agrarforschung
Mit der Einrichtung des Instituts für Agrarrelevante Klimaforschung
im Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut (vTI) im Jahr 2008 und dem aktuellen
Forschungsplan 2008 hat das Bundeslandwirtschaftsministerium die Ressortforschung auf
mehr Klimaschutz ausgerichtet. Im Julius-Kühn-Institut (JKI) ist das Institut für Pflanzenbau
und Bodenkunde für den Klimabereich zuständig. Der Klimawandel wurde als neues
Hauptziel in den Forschungsplan des Bundeslandwirtschaftsministeriums aufgenommen.
Durch die beiden Senatsarbeitsgruppen „Klimaschutz“ und „Anpassung an den Klimawandel“
wurde die Forschung in diesen wichtigen Bereichen im November 2009 noch einmal
gebündelt.
Ernährung
Ich wende mich gegen die einseitige Forderung, den Konsum von Fleischprodukten aus
Klimaschutzgründen zu reduzieren. Notwendig ist stattdessen eine gesunde und ausgewogene
Ernährung, zu der auch der Konsum von Milch- und Fleischprodukten gehört, so wie er zum
Beispiel von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlen wird. Die Nationale
Verzehrstudie II (NVS II) zeigt, dass große Teile der deutschen Bevölkerung, darunter
insbesondere Frauen, nicht zu viel Fleisch essen. Vor allem die Rindfleischproduktion ist
gegenüber einer fleischlosen Kost mit erhöhten Treibhausgasemissionen verbunden, da bei
der Verdauung der Wiederkäuer Methan entsteht, das 21-fach klimawirksamer ist als CO2. Die
Produktion von Rindfleisch ist jedoch eng mit der Milchproduktion verbunden, da die Kuh
einmal im Jahr kalben muss, um Milch zu erzeugen und die Hälfte der Kälber männlich ist.
Landwirtschaftlich ist die Milch- und damit auch die Rind- und Kalbsfleischproduktion zur
Erhaltung von Wiesen und Weiden unverzichtbar. Beide dienen insoweit auch dem
Umweltschutz. AgE
Erfolgreiche Delegationsreise nach Brasilien
HANNOVER. Die einwöchige Delegationsreise nach Südbrasilien, die vom
niedersächsischen Landwirtschaftsministerium und der Oldenburgischen Industrie- und
Handelskammer (IHK) organisiert worden war, hat nach Einschätzung von Staatssekretär
Friedrich-Otto R i p k e die Erwartungen „bei weitem übertroffen“. Die brasilianischen
Politiker, zum Beispiel Landwirtschaftsminister João Carlos M a c h a d o , hätten großes
Interesse an einer Zusammenarbeit mit Niedersachsen gezeigt, betonte Ripke am vergangenen
Mittwoch, vier Tage nach seiner Rückkehr. Außerdem seien die mitreisenden deutschen
Wirtschaftsvertreter sehr zufrieden mit ihren Kooperationsgesprächen gewesen. Ein
thematischer Schwerpunkt der Reise habe auf der Biogas-Produktion gelegen. Aufgrund des
großen Interesses der Brasilianer an der Technik habe man vereinbart, in Rio Grande do Sul
ein Biogas-Symposium unter niedersächsischer Federführung möglichst noch in diesem Jahr
zu veranstalten. „Hier bietet sich für Niedersachsen und Brasilien eine Win-Win-Situation,
denn aufgrund der hohen Biomasseproduktion unter den subtropischen und tropischen
Verhältnissen südlich des Äquators lässt sich unsere Technologie hervorragend nutzen und
einsetzen", stellte der Staatssekretär fest. Im Hinblick auf die für Niedersachsen wichtigen
Soja-Importe habe man nach Lösungsansätzen auch für den Import von gentechnikfreiem
Soja gesucht. Trotz des dominierenden Anbaus von Gen-Soja in Südbrasilien seien
Möglichkeiten vorhanden, aus der Region gentechnisch unveränderte Soja in ausreichendem
Umfang zu beziehen, hob Ripke hervor. Von brasilianischer Seite sei außerdem der Wunsch
geäußert worden, ein Tauschgeschäft „Soja gegen Landtechnik“ vorzunehmen. Diese schon
mit China praktizierte Geschäftspraxis werde das Ressort in den kommenden Wochen auf
seine Vorteile hin prüfen und mit Handels- und Landtechnikunternehmen besprechen. AgE
Praktikertag „Freilandhaltung von Schweinen in England“
BAD KREUZNACH. Über die ökologische Freilandhaltung von Schweinen in England
informiert ein Praktikertag des Anbauverbandes Bioland, der am 15. und 16. Juni 2010 in
Bishopstone stattfindet. Bei der Veranstaltung, die im Rahmen des vom
Bundeslandwirtschaftsministerium initiierten Bundesprogramms Ökologischer Landbau
gefördert wird, soll den Teilnehmern ein Einblick in die vertikale Schweinefleischproduktion
„vom Acker bis zur Theke“ gewährt werden. Nach einer Einführung in die aktuelle
ökologische Schweinehaltung in England stehen am ersten Tag Besuche von Schweinefarmen
auf dem Programm, die mit einer Zusammenkunft britischer, deutscher und österreichischer
Schweineerzeuger enden. Für den zweiten Tag ist zunächst die Besichtigung der Schlachterei
und Verarbeitungsstätte von Eastbrook Farm und - eventuell - auch der biologischdynamischen Schweinehaltung Laver Stoke Park Farm vorgesehen. Daran schließt sich der
Besuch eines Supermarktes mit einem breiten Ökosortiment an, dem eine
Abschlussdiskussion mit Evaluierung durch die Teilnehmer folgt. Die Anreise muss bereits
am Abend des 14. Juni 2010 erfolgen; an den Ankunftsflughäfen werden Kleinbusse gemietet.
AgE
Kommission rechnet mit leichtem Rückgang der EU-Geflügelfleischerzeugung
BRÜSSEL. Die Geflügelfleischerzeugung in der Europäischen Union dürfte im laufenden
Jahr nicht ganz das Niveau von 2009 erreichen. Gemäß einer aktuellen Bilanz-Prognose der
EU-Kommission wird die Bruttoeigenerzeugung an Geflügelfleisch in der EU-27 im
Jahresvergleich um 0,6 % auf 11,61 Mio t zurückgehen. Für das Jahr 2009 wird dabei ein
Anstieg der Produktion um 0,7 % auf 11,68 Mio t ausgewiesen. Etwas stärkere
Verschiebungen werden für den Außenhandel erwartet: So sollen die Geflügelfleischimporte
in die Gemeinschaft 2010 im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 % auf 850 000 t Schlachtgewicht
(SG) steigen, der Export der EU aber um 3,8 % auf 900 000 t SG abnehmen. Im Jahr 2007
war allerdings sogar etwas mehr Geflügelfleisch importiert als exportiert worden; mit
829 000 t hatten die Ausfuhren damals die Einfuhrmenge um 18 000 t übertroffen. Den
Binnenverbrauch an Geflügelfleisch prognostiziert die Kommission für das laufende Jahr auf
11,55 Mio t; das wären 0,2 % weniger als 2009. Pro Kopf rechnet die Brüsseler Behörde mit
einer Abnahme des durchschnittlichen Geflügelfleischkonsums um 0,5 % auf 23,15 kg. Der
Selbstversorgungsgrad würde diesen Vorhersagen zufolge wieder leicht sinken, nämlich von
100,9 % auf 100,5 %. AgE
AgE 12 / 2010
Wiesenhof kann Wachstumskurs fortsetzen
Umsatz der PHW-Gruppe überschreitet im Geschäftsjahr 2008/09 die Schwelle von
2 Milliarden Euro - Schwankende Rohstoffpreise sorgen für starke Turbulenzen - Segment
Wiesenhof legt um 7,5 Prozent zu - Ein Viertel der Produktion ins Ausland - Fußball-WM
soll den Ansatz weiter ankurbeln
HAMBURG. Mit einem deutlichen Umsatzplus in der Gruppe und bei der Marke Wiesenhof
hat die PHW-Gruppe das Geschäftsjahr 2008/09 abgeschlossen. Wie der
Vorstandsvorsitzende Peter W e s j o h a n n vergangene Woche mitteilte, stieg der
Gesamtumsatz der PHW-Gruppe um 100 Mio Euro beziehungsweise 5 % auf 2,03 Mrd Euro.
Maßgeblicher Wachstumstreiber war wiederum das Kerngeschäftsfeld Wiesenhof mit einem
Umsatzplus von 7,5 %. Der Trend zu Geflügelfleisch war nach Angaben von Wesjohann
ungebrochen. Davon habe Wiesenhof als Markenartikel in besonderem Maße profitiert. Auch
die immer beliebteren Convenience- und Geflügelwurst-Produkte hätten zum Wachstum
beigetragen. Dem Vorstandsvorsitzenden zufolge hat die globale Wirtschafts- und Finanzkrise
das Geschäftsjahr 2008/09 der Unternehmensgruppe nachhaltig beeinflusst. Daraus
resultierende schwankende Rohstoffpreise hätten - je nach Geschäftsfeld - für starke bis
besonders starke Turbulenzen gesorgt. Noch bis Herbst 2008 hätten sich beispielsweise die
für das Geschäftsfeld Wiesenhof maßgeblichen Futtermittelpreise auf Rekordniveau bewegt.
Erst ab Ende 2008 habe dann eine weltweit geringere Nachfrage nach Getreide für eine
Entspannung auf den Märkten gesorgt. Wiesenhof konnte laut Wesjohann insbesondere vom
kräftigen Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs bei Geflügelfleisch profitieren, der im Jahr 2008
in Deutschland um 1 kg auf 18,8 kg gestiegen ist. Gegenüber dem vorangegangenen
Geschäftsjahr sei der Absatz daher um 7,7 % auf insgesamt 455 000 t Geflügelfleisch
gewachsen.
Kapazitätserhöhungen bei den Brütereien
Im Geschäftsjahr 2008/09 konnte Wiesenhof 25 % seiner Geflügelfleischprodukte im Ausland
absetzten, so Wesjohann weiter. Aufgrund der erhöhten Nachfrage nach Geflügelfleisch
sowohl bei frischen als auch tiefgekühlten Produkten und bei Convenience- und
Geflügelwurst-Spezialitäten baute dieser Geschäftsbereich seine Produktpalette weiter aus
und stärkte damit die Marktposition als Vollsortimenter. Entsprechend legte Wiesenhof beim
Umsatz um 7,5 % auf 1,19 Mrd Euro zu. Der vorgelagerte Bereich Geflügelvermehrung - er
umfasst in Deutschland befindliche Elterntierfarmen, Aufzuchtbetriebe und Brütereien -
konnte den Umsatz sogar 43,4 % auf 156,3 Mio Euro steigern. Dieser Zuwachs resultierte vor
allem aus deutlichen Kapazitätserhöhungen bei den Brütereien und einer Ausweitung des
Geschäftsfeldes um eine Beteiligung an einer Putenbrüterei. Das Segment Tierernährung und
-gesundheit verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr ebenfalls ein leichtes Wachstum. Der
Umsatz erhöhte sich hier um 2,9 % auf 556,1 Mio Euro; davon entfielen 330 Mio Euro auf die
MEGA Tierernährung. Deren Umsatz lag allerdings 7,5 % unter dem Vorjahreswert, was auf
einen starken Rückgang der Rohstoffpreise zurückzuführen ist. In Deutschland ist MEGA der
führende Geflügel-Mischfutterhersteller. An fünf Standorten werden über 1,1 Mio t
gentechnikfreies Mischfutter produziert. Die Lohmann Animal Health verbesserte ihren
Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 11,6 % auf 194,5 Mio Euro, maßgeblich getrieben durch
eine positive Entwicklung bei Futteradditiven und Veterinärpharmazeutika. Das Geschäft mit
Impfstoffen lag bei Lohmann Animal Health auf Vorjahresniveau. Eine besondere Innovation
in 2008 war die schnelle Entwicklung eines Impfstoffes gegen Vogelgrippe, der sich
momentan in der Zulassungsphase befindet.
Positiver Ausblick
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die PHW-Gruppe Investitionen in Höhe von 95,3 Mio
Euro getätigt; ein Jahr zuvor lag diese Zahl bei 77,4 Mio Euro. Allein auf Wiesenhof entfielen
61,1 Mio Euro, die unter anderem in die Modernisierung der Verarbeitungsbetriebe in Lohne
und Bogen sowie in den ersten Bauabschnitt der neuen Putenschlachterei in Wildeshausen
flossen. Diese Investitionen dienen dem Unternehmen zufolge weiteren
Qualitätsverbesserungen sowie einem hohen Tierschutz und Hygienestatus. Aufgrund der
anhaltend guten Nachfrage nach Geflügelfleisch rechnet die PHW-Gruppe im laufenden
Geschäftsjahr mit einem weiteren Wachstum auf Basis einer zufriedenstellenden
Geschäftsentwicklung. Für Wiesenhof werden weitere positive Impulse von der FußballWeltmeisterschaft erwartet, die mitten in die Grillsaison fällt. Auch aktuelle politische
Rahmenbedingungen begünstigen die Perspektiven, so die Unternehmensgruppe. Der EUAgrarrat hatte im Oktober 2009 beschlossen, die Vermarktungsnormen für Geflügelfleisch zu
ändern. Danach dürfen ab Mai 2010 Geflügelfleischzubereitungen dem Verbraucher nur dann
als frisch - das heißt im Temperaturbereich von minus 2 °C bis plus 4 °C - angeboten werden,
wenn das enthaltene Geflügelfleisch zu keiner Zeit gefroren war. Durch die Änderung der
Vermarktungsnormen erhält der Verbraucher Sicherheit, dass tatsächlich auch nur frisches
Fleisch für marinierte und gewürzte Geflügelzubereitungen angeboten wird.
Produktbezogener CO2-Fußabdruck ermittelt
Als erstes Unternehmen der Geflügelbranche hat die PHW-Gruppe unterdessen für ihre
Marke Wiesenhof die bei der Herstellung von Hähnchenfleisch anfallenden TreibhausgasEmissionen ermittelt und zertifizieren lassen. Dieser produktbezogene CO2-Fußabdruck auch als Product Carbon Footprint (PCF) bezeichnet - stellt die von einem Produkt direkt und
indirekt verursachten Emissionen von Treibhausgasen dar. Das Ergebnis bei Wiesenhof: Die
Herstellung von 1 kg Hähnchenfleisch verursacht etwa 3,2 kg äquivalente TreibhausgasEmissionen. Diese Emissionen fallen auf den Stufen Futtermittel, Elterntierhaltung,
Brütereien, Aufzuchtfarmen und Verarbeitungsbetriebe inklusive der Logistik bis zum
Handelskunden an. Den höchsten Anteil an den ermittelten Emissionen haben die
Aufzuchtfarmen mit 48,3 %; dahinter folgen die Futtermühlen mit 32,9 % und die
Schlachtereien mit 13,9 %. Den geringsten Anteil an den Emissionen haben die Brütereien
und die Elterntierhaltung. Laut Angaben der PHW-Gruppe beruht die Ermittlung des CO2Fußabdrucks bei Wiesenhof bewusst auf sehr konservativen Annahmen. Zudem wurde die
Eigenenergie-Erzeugung bei Wiesenhof aus Photovoltaik-Anlagen, der Biospritproduktion
und einer Biogasanlage in dieser Bilanz nicht gegengerechnet. AgE
Demeter erläutert seine Richtlinien zur Geflügelhaltung
DARMSTADT. Der Anbauverband Demeter hat anlässlich des bevorstehenden Osterfestes
seine Richtlinien erläutert, nach denen in seinen Mitgliedsbetrieben Geflügel gehalten wird.
Demeter-Geflügel bekomme ausschließlich Biofutter mit 70 % biodynamischem Anteil,
erklärte der Verband in der vergangenen Woche. Was die Haltung angehe, seien maximal
4,44 Legehennen pro qm Bewegungsfläche zugelassen. Außerdem seien mindestens 4 qm
Auslauf für jedes Tier vorgeschrieben. Darüber hinaus müsse ein täglicher Zugang zum
Außenklimabereich gewährleistet sein, betonte der Verband. Pro Gebäude dürften maximal
3 000 Legehennen gehalten werden. Ferner sei das Coupieren und Touchieren der Schnäbel
untersagt. Nach weiteren Richtlinienverschärfungen müssten nun grundsätzlich DemeterKücken oder -Junghennen eingestallt werden, ansonsten werde eine Lenkungsabgabe kassiert,
stellte Demeter fest. Jüngste Forschungen zur Epigenetik unterstrichen die Bedeutung des
Umfeldes auf die Entwicklung bester Erbanlagen. Umso wichtiger seien die intensiven
Bemühungen des Verbandes zum Aufbau einer biodynamischen Brüterei, der DemeterJunghennen-Aufzucht und der züchterischen Entwicklung einer Zweinutzungsrasse. Wie der
Verband ergänzte, bietet er für das Osterfest einen Menüvorschlag samt Rezeptservice mit
Einkaufsliste an. Alle Zutaten für das Menü stammten von biologisch-dynamisch
bewirtschafteten Demeter-Betrieben. (www.demeter.de) AgE
Geflügelfleisch in vielen europäischen Staaten weiter mit Krankheitserregern belastet
Rund drei Viertel der Hähnchen von Campylobakter befallen - Lage in Deutschland etwas
besser als im EU-Vergleich - Estland und Finnland sind Musterländer - Salmonellenfunde
europaweit bei durchschnittlich 16 Prozent - Auch hier erreicht die Bundesrepublik ein
Ergebnis unter dem Durchschnitt - EFSA-Bericht erschienen
PARMA. In Europa sind zahlreiche Schlachthähnchen mit dem Krankheitserreger
Campylobakter belastet. Wie aus einer Untersuchung der Europäischen Behörde für
Lebensmittelsicherheit (EFSA) für das Jahr 2008 hervorgeht, kam das Bakterium in
Stichproben von 26 EU-Mitgliedstaaten, der Schweiz und Norwegens vor. Griechenland
lieferte keine Daten. Innerhalb der Gemeinschaft wurden im Kot von gut 71 % der getesteten
Hühnerladungen und auf mehr als drei Viertel der einzelnen Schlachtkörper Campylobakter
nachgewiesen. Die Bundesrepublik schnitt dabei besser als der Durchschnitt ab: Hierzulande
waren knapp 49 % der Lieferungen beziehungsweise annähernd 61 % der Tiere betroffen.
Besonders niedrig war das Vokommen in Estland; dort wurde das Bakterium in lediglich 2 %
der Partien und auf weniger als 5 % der geschlachteten Hühner gefunden. Ähnlich gute Werte
erreicht nur noch Finnland. Am anderen Ende der Skala rangiert Luxemburg, wo ausnahmslos
alle Proben belastet waren. Bei den entdeckten Unterarten handelte es sich größtenteils um C.
jejuni und C. coli. Tendenziell wurden in den Mitgliedstaaten, in denen Campylobacter häufig
vorkam, auch besonders hohe Verschmutzungsgrade ermittelt. Während EU-weit auf
annähernd der Hälfte der Schlachtkörper weniger als 10 Campylobakter pro Gramm (cfu/g)
gefunden wurden, war gut ein Fünftel mit mehr als 1000 cfu/g befallen. Besser stellt sich die
Situation bei Salmonellen dar: Mit diesem Darmbakterium waren 2008 EU-weit 16,2 % der
Broiler belastet. Das ist eine Verbesserung gegenüber dem vorangegangenen Vergleich aus
2005/06: Damals hatten noch 23,7 % der Broilerbestände Salmonellen aufgewiesen. Wegen
möglicher Änderungen in der Stichprobenzusammensetzung warnte EFSA allerdings davor,
die Werte unmittelbar zu vergleichen.
Ungarn fällt aus dem Rahmen
Von einer Ausnahme abgesehen reichte die Spanne der Salmonellenfunde 2008 von 0 % in
Dänemark, Estland, Finnland und Luxemburg bis zu 26,6 % in Bulgarien. Für den Ausreißer
ist Ungarn verantwortlich: Dort wurden auf 85,6 % der Schlachtkörper Salmonellen
festgestellt. Allerdings handelte es sich dabei hauptsächlich um Salmonella Infantis, das laut
EFSA ebenso wie S. Kentucky nur in wenigen Fällen mit Gesundheitsproblemen des
Menschen in Zusammenhang gebracht wird. Für Humanerkrankungen werden vorrangig
Salmonella Enteritidis sowie Salmonella Typhimurium verantwortlich gemacht. Auf diese
beiden Unterarten entfielen EU-weit 13,6 % beziehungsweise 4,4 % der Salmonellenfunde in
Masthähnchen. In Deutschland waren 14,5 % der Tiere mit Salmonellen belastet. EFSA
betonte anlässlich der Veröffentlichung der Zahlen, dass Hähnchenfleisch als wichtige
Ursache für Bakterieninfektionen beim Menschen betrachtet wird. Zur Verringerung eines
Ansteckungsrisikos empfiehlt die Behörde den vorsichtigen Umgang mit rohem Fleisch, das
gründliche Durcherhitzen und strenge Küchenhygiene. Die Europäische Kommission strebt
die Verringerung der Salmonellenbelastung an. Eine Verordnung aus dem Jahr 2007 sieht vor,
dass das Vorkommen von S. Enteritidis und S. Typhimurium in Masthähnchenbeständen bis
Ende 2011 auf höchstens 1 % verringert werden soll. Die Behörde begrüßte den EFSABericht als weiteren Schritt auf dem Weg zum besseren Verständnis des Salmonellenproblems
in der EU. AgE
DEUTSCHLAND/EU
VERANSTALTUNGEN
FEFAC-Kongress vom 9. bis 11. Juni in Hamburg
BERLIN. Unter dem Motto „Nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit für die Tierhaltung und die
Futtermittelindustrie in Europa“ findet vom 9. bis 11. Juni in Hamburg der diesjährige
Kongress des Europäischen Verbandes der Futtermittelindustrie (FEFAC) statt. Zu den
Rednern am 10. Juni gehören unter anderem Direktor Herman V e r s t e i j l e n aus der
Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission, Klaus S c h u m a c h e r vom
Handelshaus Toepfer International sowie der Präsident des Deutschen Bauernverbandes
(DBV), Gerd S o n n l e i t n e r . Sie werden sich zu den wirtschaftlichen Aussichten im
Agrarsektor äußern. Im weiteren Tagesverlauf werden Redner aus Spanien und den
Vereinigten Staaten ebenso erwartet wie Fachleute aus der Veredlungsbranche und der
Ernährungsindustrie. Ein Schwerpunkt wird sich mit dem Thema Nachhaltigkeit und
Umweltanforderungen der Marktpartner befassen. Dabei soll es um die
Treibhausgasemissionen aus der Milchproduktion ebenso gehen wie um Klimawandel und
Fleischnachfrage. Am 11. Juni werden in Hamburg politische Rahmenbedingungen und
unternehmerische Strategien thematisiert. Dann haben sich unter anderem der Präsident des
Europäischen Verbandes der Lebensmittelindustrie (CIAA), Jesus Serafin P é r e z , der
Vorstandsvorsitzende von Nutreco, Wout D e k k e r , sowie der EU-Kommissar für
Verbraucherschutz , John D a l l i , angesagt (www.fefaccongress2010.eu) AgE
DEUTSCHLAND
Top 3 der Schlachtschweinebranche steigern Marktanteil auf 52,4 Prozent
Knapp drei Viertel aller Schweine kommen bei den zehn größten Betrieben an die Haken Tönnies wuchs stärker als der Durchschnitt - ISN: Vion und Westfleisch abgehängt - Auch
mittlere Schlachtunternehmen steigerten ihre Schlachtzahlen 2009 teilweise
überdurchschnittlich
FLEISCH
DAMME. In der deutschen Schlachtschweinebranche hat die Konzentration weiter
zugenommen. Das lag im vergangenen Jahr vor allem an einer weiteren Expansion der Firma
Tönnies mit ihrem Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück. Laut einer am vergangenen Mittwoch
von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) vorgelegten
Schätzung steigerte Tönnies 2009 seine Schweineschlachtungen gegenüber dem Vorjahr um
10 % auf 13,2 Millionen, was einem Marktanteil von 23,5 % entsprach. Der deutschniederländische Konzern Vion, der im Bundesgebiet die Nummer eins bei
Rinderschlachtungen ist, legte bei den Schweineschlachtungen mit einem Plus von 1,3 % auf
geschätzte 10 Millionen nur leicht zu und lag hier bei einem Marktanteil von 17,8 %. In
ähnlicher Größenordnung wuchs die Westfleisch, die es auf 6,22 Millionen geschlachtete
Schweine brachte. Diese drei Unternehmen erhöhten die Schlachtzahlen somit im
Jahresvergleich um rund 1,4 Millionen auf 29,42 Millionen Schweine, was einem Marktanteil
von 52,4 % entsprach.
Expansion durch Übernahme bei Vogler
Die Top 10 der deutschen Schlachtunternehmen erhöhten laut der bereits zum sechsten Mal
durchgeführten ISN-Erhebung ihren Marktanteil 2009 gegenüber dem Vorjahr um 3,2
Prozentpunkte auf nunmehr 73,2 %. D&S aus Essen/Oldenburg baute seinen vierten Platz mit
einem Plus von 150 000 Schweinen beziehungsweise 4,5 % weiter aus. Damit wuchs dieses
Unternehmen erneut überdurchschnittlich und bewegt sich mit 6,1 % Marktanteil deutlich vor
dem fünftplatzierten Vogler. Allerdings konnte der ISN zufolge auch Vogler seine
Marktposition spürbar stärken und die Zahl der Schweineschlachtungen im Vergleich zum
Vorjahr um 15,6 % steigern. Im Jahr 2009 schlachtete der Firmenverbund Vogler 1,7
Millionen Schweine, was einem Marktanteil von 3,0 % entsprach. Durch die Übernahme des
ehemaligen Vosding Schlachthofs in Bremen im November 2009, der zwischenzeitlich zum
Düringer Fleischkontor gehörte, werde ein Anstieg auf 2,5 Millionen geschlachtete Schweine
im laufenden Jahr angestrebt. Die Müller-Gruppe aus dem süddeutschen Birkenfeld fiel in der
aktuellen Auswertung aus den „Top Ten“ heraus. Dies werde sich 2010 wieder ändern, so die
ISN, weil dann der „Einmaleffekt des Bremer Schlachthofs“ beim Unternehmen Düringer
nicht mehr zum Tragen komme. Die Müller-Gruppe sei auch im Jahr 2009 weiter
überdurchschnittlich gewachsen und habe bei den Schweineschlachtungen ein Plus von
12,5 % erreicht. Insgesamt waren laut Angaben des Statistischen Bundesamtes im
vergangenen Jahr in Deutschland 56,2 Millionen Schweine geschlachtet worden; das waren
2,7 % mehr als ein Jahr zuvor. AgE
Top 10 der deutschen Schweineschlachtbetriebe
(2008 und 2009)
Schweineschlachtungen
Marktanteil
in Millionen
in v.H.
Tönnies, Rheda-Wiedenbrück
Vion (NFZ, Moksel & Südfleisch, Best)
Westleisch (inkl. Barfuss), Münster
D&S, Essen/Oldenburg
Vogler, Luckau
Böseler Goldschmaus, Garrel
Düringer Fleischkontor, Loxstedt
Tummel. Schöppingen
BMR Schlachthof, Garrel
Gausepohl Dissen
2008
2009
2009
12,00
9,87
6,16
3,30
1,47
1,26
0,85
1,30
1,06
1,20
13,20
10,00
6,22
3,45
1,70
1,39
1,34
1,31
1,26
1,25
23,5
17,8
11,1
6,1
3,0
2,5
2,4
2,3
2,2
2,2
2009:08
in v.H.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
10,0
1,3
1,0
4,5
15,6
10,3
57,6
0,8
18,9
4,2
insgesamt Top 10 1)
38,50
41,10
73,2
+
6,8
insgesamt Deutschland
54,70
56,20
100,0
+
2,7
1) 2010 teilweise andere Unternehmen erfasst als 2009
Tierproduktion in Kanada weiter in Bedrängnis
Fortgesetzte Abstockung im Schweinesektor - Zuchtbestand um 4,3 Prozent gesunken Regierung will helfen und Märkte öffnen - Freihandelsabkommen mit Europäischer Union,
Indien und Südkorea werden weiter verhandelt - Ziel der Wahlfreiheit für die Ackerbauern bei
der Getreidevermarktung betont
OTTAWA. Kanadas Regierung will den in Bedrängnis geratenen Tierhaltern im Land weiter
helfen. Das hat Generalgouverneurin Michaelle J e a n Anfang März in der Thronrede
angekündigt, die sie als Vertreterin des Staatsoberhauptes, der Königin von England,
traditionell verkündet, die jedoch von Premierminister Stephen H a r p e r gestaltet wurde.
Angekündigt wird in der Thronrede nicht nur Unterstützung für die Tierproduktion, auch der
Marktzugang für landwirtschaftliche Produkte auf Drittlandsmärkten soll weit oben auf der
Tagesordnung stehen. Hintergrund ist die Krise in der Schweinefleischbranche Nordamerikas,
die es im vergangenen Jahr mit Überkapazitäten ebenso zu tun hatte wie mit einem
Nachfragerückgang durch Sorgen der Verbraucher rund um das neue Grippevirus H1N1.
Hinzu kam eine neue Ursprungsbezeichnung für Fleisch in den USA, die der eng
verflochtenen nordamerikanischen Branche zu schaffen machte. So hat die kanadische
Veredlungswirtschaft einen starken Bestandsabbau hinter sich. Zum Stichtag am 1. Januar
2010 wurden landesweit nur noch 11,63 Millionen Schlachtschweine gezählt, das waren
4,5 % weniger als ein Jahr zuvor und 15,8 % weniger als am 1. Januar 2008. Besonders stark
sanken die Bestände in der Provinz Ontario mit einem Minus von 7,6 % gegenüber dem
Vorjahr und einem Rückgang von 21,5 % im Vergleich zum Stand von Anfang 2008. Die
Zuchttierbestände verringerten sich laut Angaben der Statistikbehörde des Landes zum
1. Januar 2010 gegenüber dem Vorjahresniveau um 4,3 %. Die Sauenbestände lagen mit 1,3
Millionen Tieren auf einem zuletzt im Jahr 2000 registrierten Niveau. Angesichts der
Marktkrise hat die Regierung bereits reagiert und ein Bürgschaftsprogramm für
finanzschwache Betriebe aufgelegt, das aber nur noch bis Ende dieses Monats läuft.
Verteidigung des Angebotsmanagements auf dem Milchmarkt
Zu den Bemühungen um verbesserten Marktzugang des Agrarsektors gehören für die
kanadische Regierung eine Fortsetzung der Verhandlungen mit der Europäischen Union,
Indien und Südkorea über Freihandelsabkommen. Mit der EU hatten diese Verhandlungen
Mitte vergangenen Jahres begonnen. Beide Handelsblöcke verfolgen dabei im Agrarbereich
teilweise defensive Interessen. So sind die EU und Kanada im Getreide- und
Schweinefleischbereich gleichermaßen exportorientiert, bei der Milch aber auf einen
fortgesetzten Außenschutz bedacht. Ähnlich wie in der Europäischen Union gibt es in Kanada
eine Milchquote. Diese ist jedoch in zwei Unterquoten gesplittet und ist damit anders
ausgestaltet als auf dem europäischen Binnenmarkt. In der Thronrede erklärte
Generalgouverneurin Jean, die Regierung werde ein „Angebotsmanagement“ auf den
Geflügelfleisch- und Milchmärkten „weiterhin verteidigen“. Auf Liberalisierung ist die
Regierung hingegen im Getreidesektor bedacht, wo das Kanadische Weizenamt (CWB), das
die Vermarktung in den Prairie-Provinzen im Westen des Landes übernimmt, weiterhin eine
starke Stellung innehat. Hier pocht die Regierung auf Wahlfreiheit der Landwirte bei der
Vermarktung. Neue Märkte will die kanadische Regierung für die Forstwirtschaft des Landes
erschließen. Gleichzeitig wird in der Thronrede betont, das mit den Vereinigten Staaten
geschlossene Holzabkommen werde respektiert. Reformiert werden soll Kanadas „veraltetes“
System des Fischereinmanagements. Dazu soll es einen neuen Gesetzesvorschlag geben.
Zugesagte Steuererleichterungen angemahnt
Im Vorfeld der Thronrede hatte der kanadische Bauernverband (CFA) auf die Bedeutung der
Agrar- und Ernährungsindustrie für die Wirtschaft des Landes hingewiesen. Diese trage im
landesweiten Durchschnitt 8,1 % zum Bruttoinlandsprodukt bei. Über den wenige Tage nach
der Thronrede vorgelegten Haushaltsentwurf der Regierung zeigte sich der CFA enttäuscht.
Unerwähnt bleibe die im Wahlkampf versprochene Reduzierung des Dieselsteuersatzes um
0,02 can$/l (1,43 Cent), die schon im letzten Budgetentwurf angekündigt, aber nicht
umgesetzt worden sei. Gehofft habe man im Haushalt auf verstärkte Investitionen in den
Agrar- und Ernährungssektor, der in der Thronrede schließlich als Branche anerkannt worden
sei, die die Grundlage für Kanadas Wohlstand lege und Tausende von Gemeinden unterstütze,
erklärte CFA-Präsident Laurent P e l l e r i n . Versprochen habe man sich auch Hilfen für die
Junglandwirte. Trotz dieses offenbar vergeblichen Wartens ist der CFA zuversichtlich,
zumindest für die Tierhalter zusätzliche Hilfen zu erreichen. Pellerin zeigte sich optimistisch,
dass die Regierung bis zum Start der nächsten Agrarprogramme Flexibilität zeige und man
zusammen an einer Wiedererstarkung des landwirtschaftlichen Sektors arbeiten könne. Im
Haushalt gebe es für die Landwirtschaft nicht viel Neues, resümierte der CFA. AgE
Umrechnungskurs: 1 can$ = 0,7163 Euro
Großes Interesse an Investitionszuschüssen für nachhaltige Tierproduktion
DEN HAAG. Das Förderprogramm des niederländischen Landwirtschaftsministeriums für
Investitionen in eine nachhaltige Tierproduktion ist erneut auf sehr großes Interesse gestoßen.
Wie das Haager Agrarressort am Montag vergangener Woche mitteilte, gingen Anträge für
insgesamt fast 63 Mio Euro ein. Verfügbar sind aber nur gut 11 Mio Euro, die von der
Europäischen Union gezahlt werden. Bei der großen Mehrheit der Antragsteller handelt es
sich um Milchviehhalter; ihre beantragte Fördersumme beläuft sich allein auf 41 Mio Euro.
Es folgen die Geflügelzüchter mit 10 Mio Euro und die Schweinehalter mit 5,3 Mio Euro.
Dieses Jahr konnten die Landwirte nicht nur Zuschüsse für Investitionen zur Steigerung des
Tierwohls beantragen, sondern auch für Investitionsvorhaben im Umweltschutz und im
Bereich der Tiergesundheit sowie zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Im Sommer
öffnet das Landwirtschaftsministerium das Förderprogramm erneut; es läuft dann als rein
nationales Programm. Im Januar 2011 wird es wieder mit EU-Mitteln nach Artikel 68
durchgeführt. AgE
Ziegenhöfe starten in die diesjährige Milchproduktion
HANNOVER. Die niedersächsischen Ziegenhöfe starten derzeit mit dem Ablammen der
Muttertiere in die diesjährige Milchproduktion. Darauf hat das Landvolk Niedersachsen
vergangene Woche in seinem Pressedienst hingewiesen. Mit einer Leistung von 2 l bis 4 l am
Tag sei die Milchmenge einer Ziege quantitativ nicht mit der einer Milchkuh zu vergleichen.
Qualitativ habe es die Ziegenmilch „jedoch in sich“, betonte der Landesbauernverband. Die
durchschnittlich 3,4 % Eiweiß und 4,2 % Fett lägen zwar nur geringfügig über den Werten der
Kuhmilch. Außerdem seien die Fettkügelchen aber kleiner und die Proteine hätten eine
feinflockigere Gerinnung, weshalb Ziegenmilch und Ziegenmilchprodukte leichter verdaulich
seien als Kuhmilch. Der Landesverband Niedersächsischer Ziegenzüchter unterstrich: „Wir
wollen die Zucht und die Ziegenprodukte publik machen.“ Viele Menschen hätten
Vorbehalte, da sie einen strengen Ziegengeschmack in der Milch befürchteten. Dank der
sorgfältigen Melkarbeit bleibe aber nur der natürliche, aromatische Geschmack der
Ziegenmilch über. In Niedersachsen sei das Angebot an Ziegenmilchprodukten sehr vielfältig,
da es keine Molkerei in dem Bundesland gebe, die die Milch verarbeite. Dadurch entstünden
Käse, Joghurt, Quark und Co. in den hofeigenen Käseküchen nach individuellen Rezepten
und mit viel Handwerkskunst. Im Landesverband Niedersächsischer Ziegenzüchter sind 160
Züchter organisiert. Insgesamt waren im vergangenen Jahr bei der Tierseuchenkasse
Niedersachsen 5 520 Halter von Milch- oder Fleischziegenrassen mit zusammen 26 191
Tieren gemeldet. AgE
Genossenschaften als Stabilitätsfaktor in der Krise
DRV: Unternehmen gehen gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervor - Großes Vertrauen bei
Mitgliedern und Kunden - Umsatzrückgang von gut 13 Prozent - Niedrige Rohstoffpreise,
schwache Konjunktur und geringe Investitionsbereitschaft der Landwirte machen den
Raiffeisengenossenschaften zu schaffen - Unsicherheiten über die künftige Entwicklung
BERLIN. Die Genossenschaften haben sich nach Einschätzung des Deutschen
Raiffeisenverbandes (DRV) im Krisenjahr 2009 gut behauptet. Das „Geschäftsmodell
Genossenschaft“ habe sich als Stabilitätsfaktor in der Agrarwirtschaft ebenso wie im
Bankensektor erwiesen und gehe insgesamt gestärkt aus der Wirtschaftskrise hervor, sagte
DRV-Präsident Manfred N ü s s e l bei der Bilanzpressekonferenz am vergangenen
Mittwoch in Berlin. Es sei festzustellen, dass die Kunden und Mitglieder den
Genossenschaften weiter vertrauten und auf deren „solide, mitgliederorientierte und
verantwortungsbewusste Arbeit“ setzten. Nüssel räumte ein, dass auch die
genossenschaftlichen Unternehmen im Vorjahr mit einem Minus von 13,6 % deutliche
Umsatzrückgänge hätten hinnehmen müssen. Wie bei der Wirtschaft insgesamt seien die
Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise auch im genossenschaftlichen Sektor spürbar
gewesen. Der DRV-Präsident verwies auf drastisch sinkende Rohstoffpreise, eine schwache
Konjunktur sowie eine geringe Investitionsbereitschaft der Landwirte. Mit einem addierten
Gesamtumsatz von 37,5 Mrd Euro knüpften die Genossenschaften nach dem Boomjahr 2008
nunmehr aber wieder an die Bilanz von 2007 an. Die wirtschaftlichen Perspektiven der 2 675
Raiffeisen-Genossenschaften für das laufende Jahr beurteilt der DRV-Präsident trotz
deutlicher Anzeichen einer Konjunkturbelebung jedoch zurückhaltend. Nüssel sieht die
Unternehmensform Genossenschaft vor einer Renaissance. Indiz dafür sei ein „wahrer
Gründungsboom“ von Genossenschaften in neuen Geschäftsfeldern wie der Bioenergie.
Exportorientierung unverzichtbar
Nach wie vor sei die wirtschaftliche Entwicklung von großen Unsicherheiten geprägt, gab der
DRV-Präsident zu bedenken. Außer Frage steht für ihn indes die Bedeutung des Exports für
die Unternehmen der Agrarwirtschaft. Die aktuellen Exporterfolge bei Schweinefleisch seien
ein Beispiel, „was da möglich ist“. In der Milchwirtschaft bedürfe es „Leuchttürmen“, die
kontinuierlich auf wachsenden Weltmärkten präsent seien. Mit einer Fusion von Nordmilch
und Humana, die Nüssel für 2011 erwartet, werde ein wichtiger Schritt getan. Weitere
müssten allerdings folgen. Der genossenschaftliche Sektor nehme dabei eine Vorreiterrolle
ein. Mit Blick auf die anstehende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik warnte der DRV-
Präsident vor einer Verteilungsdiskussion zu Lasten der Agrargenossenschaften. Bei der
Gewährung flächenbezogener Direktzahlungen müsse jeder Hektar gleich bedacht werden.
Für eine größenabhängige Staffelung gebe es keine Rechtfertigung. Nüssel rief dazu auf, die
bisherigen Weichenstellungen in diese Richtung zu korrigieren und die mit dem
Gesundheitscheck beschlossene progressive Modulation aufzuheben. Für unverzichtbar
erachtet der DRV-Präsident die Beibehaltung eines Sicherheitsnetzes in liberalisierten
Agrarmärkten.
Gesunkene Nachfrage nach Betriebsmitteln und Landtechnik
Ausschlaggebend für das zweistellige Umsatzminus der Raiffeisen-Genossenschaften war im
vergangenen Jahr vor allem die Sparte Warenwirtschaft. Diese Unternehmen setzten laut
DRV-Angaben 17,7 Mrd Euro um; das war fast ein Fünftel weniger als im Rekordjahr 2008.
Ihr Anteil am Gesamtumsatz des Raiffeisen-Verbundes sank auf rund 47 %. Als Gründe für
den Einbruch führt der Verband neben konjunkturellen Sondereffekten die anhaltende
Preisvolatilität an den Rohstoff- und Devisenmärkten an. Die angespannte Ertragslage in der
Landwirtschaft war ursächlich für den rückläufigen Absatz in der Agrartechnik sowie bei
Betriebsmitteln wie Pflanzenschutz-, Düngemittel und Saatgut. Auch im Mischfutterbereich
sorgte eine verhaltene Nachfrage vor allem der Rinder- und Milchviehhalter nach DRVAngaben für unbefriedigende Ergebnisse. Die Vermarktung von Getreide und Ölsaaten war
nach der sehr guten Ernte durch große Mengen und niedrige Preise gekennzeichnet. Steigende
Lagerbestände auch in traditionellen Importländern ließen die Preise in den Keller gehen.
Insgesamt konnten sich die Preise laut DRV kaum vom Interventionspreisniveau lösen. Eine
positive Entwicklung verzeichneten die Warengenossenschaften lediglich beim Absatz von
Mineralölen und Brennstoffen sowie im Baugeschäft.
Molkereien stehen zu genossenschaftlichem Förderauftrag
Als „turbulent und schwierig“ charakterisiert der DRV das letzte Jahr für die 281
genossenschaftlichen Unternehmen der Milchwirtschaft, darunter 59 milchverarbeitende. Die
Genossenschaften in dieser Sparte verzeichneten einen preisbedingten Umsatzrückgang von
17 % auf rund 9 Mrd Euro. Die Milchauszahlungspreise lagen im bundesdeutschen Mittel bei
24,5 Cent/kg und damit um rund 9 Cent unter dem Vorjahresergebnis. Nüssel warnte in
diesem Zusammenhang vor falschen Erwartungen hinsichtlich der künftigen
Marktorganisation. Eine stärkere Bündelung des Angebots über Erzeugergemeinschaften und
deren Ausdehnung sei wünschenswert, scheitere aber oft an der praktischen Umsetzung. Für
die genossenschaftlichen Molkereien seien Verlässlichkeit und Kontinuität auch künftig
entscheidende Kriterien für die Gestaltung der Beziehungen zu ihren Mitgliedern. Vor diesem
Hintergrund sprach sich der DRV-Präsident gegen eine Reduzierung der zweijährigen
Kündigungsfrist aus. Für ihn stehe außer Frage, dass der genossenschaftliche Förderauftrag
bestehen bleibe. Zurückhaltend äußerte sich Nüssel zu einer Preisabsicherung bei Milch über
Warenterminbörsen. Hier gebe es handfeste Probleme bei der Realisierung. Am
erfolgversprechendsten seien hingegen Verbesserungen in der Zusammenarbeit entlang der
Wertschöpfungskette und insbesondere in der Molkereistruktur. Neben Leuchttürmen mit
klarer Orientierung auf internationale Märkte werde es auch in Zukunft kleinere Unternehmen
und erfolgreiche Akteure auf regionalen Märkten geben. Die Perspektiven der
Milchwirtschaft für 2010 beurteilt der DRV-Präsident vorsichtig optimistisch. Zuversichtlich
stimmten die mit dem Handel getätigten Abschlüsse mit vergleichsweise festen Preisen und
ein zu erwartender spürbarer Anstieg der Nachfrage auf den internationalen Märkten.
Erfolgsgeschichte Schweinefleischexport
Zufriedenstellend verlief das Jahr 2009 für die 108 Unternehmen der genossenschaftlichen
Vieh- und Fleischwirtschaft, die nach DRV-Angaben ihre Marktposition ausbauen konnten.
Mit 4,8 Mrd Euro war der Umsatz gegenüber dem Vorjahr stabil. Einen deutlichen Zuwachs
verzeichnete die Schweinefleischerzeugung, die um 3 % auf 5,28 Mio t anstieg. Die
Schlachtungen nahmen um knapp 3 % zu. Bei leicht rückläufigem Inlandsverbrauch wuchs
der Export, und zwar vor allem in osteuropäische Länder und nach Russland. Auch für 2010
rechnet der Raiffeisenverband mit einem steigenden Ausfuhrbedarf. Nüssel betonte, dass
Deutschland inzwischen hinter China und den USA auf Platz drei in der weltweiten
Schweinefleischerzeugung rangiere und bei den Ausfuhren eine Spitzenposition einnehme.
Dies zeige, dass der Export für die Entwicklung eines Sektors entscheidende Impulse setzen
könne. Diesen Weg sollte die deutsche Agrarwirtschaft nach den Worten Nüssels mit
politischer Flankierung unbeirrt fortführen.
Obst- und Gemüsebranche mit Umsatzplus
Ein Umsatzplus von 8 % auf 2,7 Mrd Euro vermelden die 100 Unternehmen der
genossenschaftlichen Obst-, Gemüse- und Gartenbauwirtschaft. Der DRV führt das
Wachstum in erster Linie auf Beteiligungen und Geschäftsübernahmen nichtgenossenschaftlicher Wettbewerber sowie neue Auslandsaktivitäten zurück. Bei Obst stand
der Markt nach DRV-Darstellung aufgrund einer überdurchschnittlichen Ernte bei vielen
Arten unter erheblichem Mengendruck. Ein ähnliches Bild zeigte sich im Gemüsebereich.
Auch hier sind die Akteure einem erheblichen Marktdruck ausgesetzt, verursacht durch einen
„gnadenlosen Preiskampf“ im Lebensmitteleinzelhandel. Laut DRV wurden 2009 zahlreiche
Obst- und Gemüseprodukte unter Einstandspreis und damit unter den Erzeugungskosten
verkauft. Um der Nachfragemacht des Lebensmitteleinzelhandels zu begegnen, hält der
Verband eine Erhöhung der Anbieterkonzentration für unerlässlich. Voraussetzung dafür
seien grenzübergreifende und verlässliche Wettbewerbsregeln für anerkannte
Erzeugerorganisationen mit Obst- und Gemüsevermarktung. Insgesamt stabil blieb das
Geschäft der 216 Winzergenossenschaften mit einem Umsatz von rund 800 Mio Euro. Die
Winzergenossenschaften würden künftig ihre Kräfte weiter bündeln, kündigte der DRV an.
Weitere Fusionen und Kooperationen seien zu erwarten. AgE
Umsatzstruktur der Genossenschaften naach Sparten
(2008 und 2009; in Mrd Euro)
2008
2009
2009:08
Mrd Euro
Anteil
in v.H.
Mrd Euro
Anteil
in v.H.
in v.H.
21,8
10,8
50,2
24,9
17,7
9,0
47,2
24,0
-  18,8
-  16,7
Vieh- und
Fleischwirtschaft
Obst, Gemüse,
Gartenbau
Weinwirtschaft
Agrargenossenschaften
4,8
11,1
4,8
12,8
±    0,0
2,5
5,8
2,7
7,2
+    8,0
0,8
2,0
1,8
4,6
0,8
1,8
2,1
4,8
±    0,0
-  10,0
Sonstige
0,7
1,6
0,7
1,9
±    0,0
43,4
100,0
37,5
100,0
-  13,6
Warenwirtschaft
Milchwirtschaft
Insgesamt
Lebensmittelskandale beeinflussen das Verbraucherverhalten
Reaktionen bei mehr als jedem zweiten Konsumenten - In Zukunft werden Vorfälle
zunehmend beachtet und Regulierungen stärker unterstützt - Entwicklung asketischer Züge
im Umgang mit dem Angebot - Untersuchung des rheingold institutes im Auftrag von BVE
und HDE
KÖLN. Lebensmittelskandale können das Einkaufsverhalten der Konsumenten beeinflussen,
auch wenn sich viele Verbraucher nach wie vor unbeeindruckt zeigen. Das ist das Ergebnis
der aktuellen Studie „Verändern Lebensmittelskandale das Verbraucherverhalten?“, die das
rheingold institut im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie
(BVE) und des Handelsverbandes Deutschland (HDE) durchgeführt hat (AGRA-EUROPE
11/10, LÄNDERBERICHTE 6). In Interviews habe knapp die Hälfte der Verbraucher ihr
Vertrauen in Lebensmittel bekräftigt, betonte das Institut. Dennoch hätten etwa 60 % der
Befragten angegeben, ihr Einkaufsverhalten aufgrund von Lebensmittelskandalen zumeist
vorübergehend zu ändern. Für die Zukunft erwarteten die meisten Konsumenten eine
Zunahme von Skandalen, wobei von einer Beeinflussung durch die Berichterstattung über
Vorfälle im Lebensmittelbereich auszugehen sei. Wie die Forscher ferner hervorhoben,
differenzieren Verbraucher nur selten. Häufig würden Lebensmittelskandale zum Beispiel im
Kontext mit der Vogel- oder Schweinegrippe und sogar der Finanz- und Bankenkrise
diskutiert. Die Studie zeige außerdem eine Bereitschaft, Regulierungen und „Normierungen“
zu unterstützen, die die „vermeintlichen Fehlentwicklungen“ einzuschränken versprächen.
Darüber hinaus werde meist eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber Medienbeiträgen
eingenommen, die über die Lebensmittelproduktion berichteten.
Tugend braucht Skandale
Institutsangaben zufolge entwickelt ein Teil der Verbraucher vor diesem Hintergrund „mehr
oder weniger starke asketische, tendenziell lustfeindliche Züge im Umgang mit
Lebensmitteln“, etwa was den Fleisch-, Fett- oder Zuckerkonsum betrifft. Die psychologische
Erklärung dieses Trends, der in Zukunft an Bedeutung gewinnen werde, liege im Empfinden
vieler Befragter, dass das gesellschaftliche Miteinander in den vergangenen Jahren „aus den
Fugen geraten“ und Verhaltensweisen wie Habgier und Verantwortungslosigkeit häufiger
geworden seien. „Paradoxerweise braucht gerade diese Bewegung zur mehr Tugend
Skandale, um die eigene Relevanz zu bestätigen“, unterstrich das rheingold institut. Daher
entstehe eine grundsätzliche Disposition, „an Skandale zu glauben“. In der Folge werde die
Neigung, Lebensmittelskandale zu beachten, eher zunehmen. Auch der Hang von
Organisationen und Medien, „Skandale zu finden und aufzudecken“, werde sich eher noch
verstärken. Die Aktivitäten des Handels und der Ernährungsindustrie könnten hier als
Gegengewicht punkten und das Vertrauen der Konsumenten weiter stärken. AgE
ZDS analysiert Herausforderungen der deutschen Schweinefleischbranche
BONN. Über aktuelle Herausforderungen in der deutschen Schweinefleischbranche informiert
eine Fachtagung, die der Zentralverband der Deutschen Schweineproduktion (ZDS) am
12. Mai in Lübeck veranstaltet. Nach Angaben des ZDS werden in der Bundesrepublik trotz
knapper Margen in der Schweinehaltung und interessanter Alternativen in der
Energiewirtschaft neue Ställe gebaut, insbesondere für die Mast. Zudem seien die
Schlachtungen in den letzten zehn Jahren jährlich um rund 1 Million auf mehr als
55 Millionen gestiegen. Gleichzeitig habe sich Deutschland innerhalb kurzer Zeit zum
Nettoexporteur entwickelt, mit Absatzmärkten in aller Welt, insbesondere in Europa und
Asien. Dies zeuge von einer enormen Leistungsfähigkeit des Wirtschaftssektors. Das belege
auch der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch, der sich bei nahezu konstantem
Verbrauch innerhalb von 20 Jahren von knapp 80 % auf etwa 110 % erhöht habe. Laut ZDS
hat die Attraktivität des deutschen Marktes mittlerweile auch Ausstrahlung auf Anbieter aus
Dänemark und den Niederlanden. Daneben sei ein Trend zur regionalen Herkunft zu
erkennen. Der Kosten- und Erfolgsdruck sowie zunehmende Anforderungen des Umwelt- und
Tierschutzes führten zu neuen Herausforderungen und beschleunigten so den Strukturwandel.
Daraus resultiere eine Entwicklung zu bäuerlichen Kleinunternehmen mit FremdArbeitskräften und neuen Managementanforderungen. Diese Dynamik ziehe eine
Verschärfung des interregionalen europäischen Wettbewerbs nach sich, der gravierende
Auswirkungen auf alle Stufen der Produktionskette - von der Züchtung bis zur Schlachtung zur Folge habe. Auf der Fachtagung wolle man insbesondere den Bestimmungsfaktoren für
diese Entwicklung nachgehen. AgE
Moskau zielt auf eine Minimierung der Fleischimporte
Laut dem Ziel der nationalen „ernährungspolitischen Doktrin“ soll Russland sich in vier bis
fünf Jahren zu 85 Prozent selbst versorgen können - Außerdem soll die Fleischproduktion des
Landes mit staatlicher Hilfe modernisiert werden - Neue Verarbeitungsbetriebe sollen ihren
Marktanteil deutlich steigern
MOSKAU. Russland soll in vier bis fünf Jahren das in einer nationalen
„ernährungspolitischen Doktrin“ verankerte Ziel erreichen, sich mit Fleisch zu mindestens 85
% selbst zu versorgen; zugleich soll mit dem Export einiger Sorten wie Geflügelfleisch
angefangen werden. Das hat Landwirtschaftsministerin Jelena S k r y n n i k bei einer in der
Teilrepublik Tatarstan veranstalteten zentralen Branchenberatung bekräftigt. Neben dem
Ausbau solle mit staatlicher Unterstützung auch eine umfassende Modernisierung der
Fleischproduktion erzielt werden. Skrynnik erwartet, dass in zwei Jahren die Anteile der 2006
bis 2012 in Betrieb genommenen beziehungsweise auf den neuesten technischen Stand
gebrachten Produktionsanlagen an der Gesamterzeugung von Geflügelfleisch 62 % sowie von
Schweinefleisch 40 % und von Rindfleisch 36 % betragen. Die Entwicklung solle durch die
schon bis 2012 festgesetzte jährliche Reduzierung der Tarifkontingente für die Fleischimporte
begleitet werden. Für das laufende Jahr prognostizierte die Ressortchefin eine Aufstockung
des heimischen Fleischaufkommens um weitere 6 % auf insgesamt 10,5 Mio t
Lebendgewicht. Hierzu sollten unter anderen staatliche Hilfsmaßnahmen wie eine
Verbilligung der Investitionskredite beitragen. Mit derartigen Beihilfen sollten - wie schon im
vergangenen Jahr - landesweit 124 Produktionsanlagen errichtet beziehungsweise
modernisiert werden. Die im Föderationshaushalt allein hierfür vorgesehenen Finanzmittel
beliefen sich auf 4,8 Mrd Rbl (119,5 Mio Euro). Ab 2010 wolle das Ministerium nun auch die
Errichtung der Anlagen für die Erstverarbeitung von Fleisch auf diese Weise fördern.
Kehren US-Hähnchen doch zurück?
Im vergangenen Jahr beliefen sich allein die föderalen Beihilfen für die tierische Erzeugung
Russlands nach Skrynniks Angaben auf 57,8 Mrd Rbl (1,4 Mrd Euro). Dabei sei die
heimische Fleischproduktion um 620 000 t beziehungsweise um 6,6 % gegenüber 2008
aufgestockt worden. Den deutlichsten Zuwachs habe mit 14,6 % die Erzeugung von
Geflügelfleisch aufgewiesen. Außerdem steigerten die Schweinehalter ihren Ausstoß um 8,6
%, während bei Rindfleisch ein eher unbedeutender Produktionsrückgang und bei den übrigen
Fleischsorten eine Stagnation zu verzeichnen gewesen sei. Unterdessen gab der Leiter des
Moskauer Föderalen Verbraucherschutzdienstes und Hauptamtshygienearzt Russlands,
Gennadij O n i s c h t s c h e n k o , zu verstehen, dass die seit Anfang 2010 auf Eis gelegten
Geflügelfleischimporte aus den USA demnächst fortgesetzt werden könnten. Entgegen
anderslautenden Presseberichten sei bei der zweiten Verhandlungsrunde mit hochrangigen
Vertretern des US-Landwirtschaftsministeriums Anfang März doch ein Fortschritt erzielt
worden, erklärte der Beamte vor Journalisten in Moskau. Über die konkreten Ergebnisse
hätten beide Seiten jedoch Stillschweigen vereinbart. Die Einfuhren von US-Geflügelfleisch
nach Russland sind Anfang 2010 nach dem Inkrafttreten einer Verschärfung der Normen für
die Behandlung von Hähnchenkörpern mit Chlorlösung praktisch unterbrochen worden. AgE
Umrechnungskurs: 1 Rbl = 0,0249 Euro
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