Landtag von NÖ, VIII. Gesetzgebungsperiode I. Session 14. Sitzung am 16. Juni 1965 INHALT: 1. Eröffnung durch Präsident Weiss (Seite 321). 2. Abwesenheitsanzeigen (Seite 341). 3. Mitteilung des Einlaufes (Seite 341). 4. Verhandlung: Wahl des Landeshauptmannes (Seite 341). Angelobung des Landeshauptmannes (Seite 342), Rede des Landeshauptmannes Dipl.-Ing. Hartmann (Seite 342), Rede des Landeshauptmannstellvertreters Dr. Tschadek (Seite 352), Rede des Abg. Stangler (Seite 355). PRÄSIDENT WEISS (um 14 Uhr 33 Minuten): Ich eröffne die Sitzung. Das Protokoll der letzten Sitzung ist geschäftsordnungsmäßig aufgelegen; es ist unbeanstandet geblieben, demnach als genehmigt zu betrachten. Von der heutigen Sitzung haben sich die Abg. Laferl und Rohata entschuldigt. Herr Abg. Wilhelm Sigmund hat mit Schreiben vom 3. Juni 1965 um einen Unlaub in der Zeit vom 13. Juni bis 3. Juli angesucht. Ich habe ihm laut § 19 der Landtagsgeschäftsordnung diesen Urlaub erteilt und ersuche das Hohe Haus um Kenntnisnahme. Ich ersuche um Verlesung des Einlaufes. SCHRIFTFÜHRER (liest): Vorlage der Landesregierung, Abteilung II/l, betreffend den Gesetzentwurf, mit dem das Niederösterreichische Bezirksumlagegesetz 1959 neuerlich abgeändert wird. Vorlage der Landesregierung, Abteilung IV/l, betreffend Flughafen Wien Betriebsgesellschaft m. b. H.; Erhöhung des Stammkapitals und Übertragung des Treuhandvermögens sowie Bereitstellung der erforderlichen Mittel. Vorlage der Landesregierung, Abteilung VIl/1, betreffend Niederösterreichisches Blindenbeihilfengesetz, Abänderung. Vorlage der Landesregierung, Abteilung I/P, betreffend die neuerliche Abänderung und Ergänzung der Dienstpragmatik der Landesbeamten 1962 (DPL. - Novelle 1965). Vorlage der Landesregierung, Abteilung VII/l, betreffend das Niederösterreichische Karenzurlaubsgeldgesetz, Novellierung. Vorlage der Landesregierung, Abteilung II/l, betreffend den Gesetzentwurf, mit dem für die Gemeinden Niederösterreichs mit Ausnahme der Städte mit eigenem Statut eine neue Gemeindeordnung erlassen wird (Niederösterreichische Gemeindeordnung 1965). Vorlage der Landesregierung, Abteilung VIlI/1, betreffend Niederösterreichisches Schulgesetz, Gesetzentwurf. Vorlage der Landesregierung, Abteilung VIII/1, betreffend Niederösterreichisches Schulerhaltungsgesetz 1957, zweite Novelle, Gesetzentwurf. PRÄSIDENT WEISS (nach Zuweisung des Einlaufes an die zuständigen Ausschlüsse): Wir kommen zu Punkt 2 der Tagesordnung: Wahl des Landhauptmannes. Nach den Bestimmungen des Landesverfassungsgesetzes wird der Landeshauptmann vom Landtag in einem besonderen Wahlgange mit einfacher Mehrheit gewählt. Nach § 54 Abs. 3 der Geschäftsordnung des Landtages muß diese Wahl unter namentlicher Aufrufung der Abgeordneten mittels Stimmzettel vorgenommen werden. Der mir übermittelte Wahlvorschlag der Österreichischen Volkspartei lautet auf Herrn Dipl.-Ing. Eduard Hartmann. Ich bitte die Mitglieder des Landtages, den auf den Plätzen aufliegenden Stimmzettel bei Namensaufruf in die Urne zu legen. (Über Namensaufruf durch die Schriftführer Abgeordnete Brunner und Grünzweig legen die Abg. Anderl, Anzenberger, Bieder, Binder, Birner, Blabolil, Dr. Brezovszky, Brunner, Buchinger, Cipin, Czidlik, Diettrich, Fahrnberger, Fichtinger, Fraissl, Gerhartl, Graf, Grünzweig, Helm, Hirsch, Hubinger, Janzsa, Jirovetz, Kaiser, Keiblinger, Kienberger, Körner, Kosler, Ludwig, Marsch, Mondl, Niklas, Peyerl, Popp, Rabl, Reischer, Reiter, Rigl, Dipl.-Ing. Robl, Rohrböck, Rösch, Schlegl, Schneider Karl, Schneider Viktor, Schoiber, Simlinger, Stangler, Ungersböck, Wehrl, Weiss, Weissenböck, Wiesmayr und Wüger ihre Stimmzettel in die Urne. PRÄSIDENT WEISS: Die Stimmenabgabe ist geschlossen. Ich bitte die Herren Schriftführer um Feststellung des Wahlergebnisses und unterbreche zu diesem Zwecke die Sitzung auf 5 Minuten. (Unterbrechung der Sitzung um 14 Uhr 40 Minuten.) Nach Zählung der Stimmzettel und Wiederaufnahme der Sitzung um 14 Uhr 43 Minuten. Ich nehme die Sitzung wieder auf. Die Stimmenauzählung hatte folgendes Ergebnis: Abgegeben wunden 53 Stimmzettel, sämtliche gültig. Somit ist Herr Diplom-Ingenieur Eduard Hartmann mit 53 Stimmen zum Landeshauptmann van Niederösterreich gewählt. Bis zur Einholung des neugewählten Herrn Landeshauptmannes unterbreche ich die Sitzung auf kurze Zeit (Unterbrechung der Sitzung um 14 Uhr 44 Minuten.) (Nach Erscheinen des Herrn Landeshauptmannes, der vom ganzen Haus stürmisch begrüßt wird, um 14 Uhr 46 Minuten.) Ich nehme die Sitzung wieder auf. Sehr geehrter Herr Bundesminister! Der Landtag von Niederösterreich hat Sie in der soeben vor sich gegangenen Wahl mit 53 Stimmen, also einstimmig, zum Landeshauptmann von Niederösterreich gewählt. Ich frage Herrn Dipl.-Ing. Eduard Hartmann, ob er die auf ihn gefallen Wahl annimmt. Landeshauptmann Dipl.-Ing. HARTMANN: Ich danke für das Vertrauen und bin bereit, die Wahl anzunehmen. (Beifall im ganzen Hause.) PRÄSIDENT WEISS: Nach Artikel 31 des Landesverfassungsgesetzes für das Land Niederösterreich in der Fassung von 1930, Landesgesetzblatt Nr. 137, hat der Landeshauptmann vor Antritt seines Amtes vor dem Landtag das Gelöbnis zu leisten. (Die Anwesenden erheben sich von ihren Sitzen.) Geloben Sie, Herr Landeshauptmann, dass Sie die Verfassung und alle Gesetze des Landes getreu beobachten und Ihre Pflichten nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen werden? Landeshauptmann Dipl.-Ing. HARTMANN: Ich gelobe, daß ich die Verfassung und alle Gesetze des Landes getreu beobachten und meine Pflichten nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen werde. So wahr mir Gott helfe. (Die Anwesenden nehmen ihr Plätze wieder ein.) PRÄSIDENT WEISS: Ich erlaube mir, dem Herrn Landeshauptmann die Bestellungsurkunde mit einem herzlichen Glückwunsch zu überreichen. (Beifall im ganzen Hause.) PRÄSIDENT WEISS: Das Wort hat der Herr Landeshauptmann. Landeshauptmann Dipl.-Ing. HARTMANN: Hohes Haus! Verehrte Damen und Herren! Zunächst darf ich Ihnen, meine Damen und Herren Abgeordneten zum niederösterreichischen Landtag, für das einmütig bekundete Vertrauen danken, das Sie mir durch die soeben vollzogene Wahl zum Landeshauptmann entgegengebracht haben. Ich habe dieses hohe Amt nicht angestrebt, ich habe mich nicht darum beworben, sondern bin dem an mich ergangenen Ruf gefolgt. Gerne will ich mich bemühen, das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Dazu erbitte ich schon jetzt Ehre tatkräftige und kollegiale Mitwirkung und Zusammenarbeit. Denn nur so, davon bin ich überzeugt, können wir für die Bevölkerung Niederösterreichs, der unser gemeinsames Streben zu dienen hat, im Landtag, in der Landesregierung und in den Gemeinden erfolgreiche Arbeit leisten. Bevor wir an die gemeinsame Arbeit gehen, sei es mir gestattet, meines Vorgängers im Amte, des verstorbenen Landeshauptmannes Altkanzler Dipl.-Ing. Dr. Leopold Figl, zu gedenken. Wir haben die Studienjahre gemeinsam verbracht an der Hochschule für Bodenkultur. In guten und schlechten Zeiten waren wir in Freundschaft und Zusammenarbeit verbunden. Er war ein beispielgebender Österreicher. Sein ganzes Sinnen und Streben war auf die Freiheit Österreichs und auf den Wohlstand der Bevölkerung gerichtet. Gleich vielen anderen hatte auch er Leid und Verfolgung zu ertragen. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges arbeitete Leopold Figl für die wiedererstandene Republik als Mitglied des Kabinettsrates der provisorischen Staatsregierung, als Bundeskanzler, als Außenminister und als Präsident des Nationalrates. Sein erfolgreiches Wirken auf Bundesebene währte 17 Jahre. Der am 15. Mai 1955 unterfertigte Staatsvertrag trägt seine Unterschrift. Dies war zweifellos die Krönung seines Lebens. Ganz besonders nahe lag Leopold Figl stet sein Heimatland Niederösterreich. Für Niederösterreich setzte er sich als Nachfolger Johann Steinböcks mit aller Kraft bis zum letzten Atemzug ein. Ihm vor allem gilt mein aufrichtiger Dank. Als er am, 9. Mai starb, war uns allen klar, daß dieser große Idealist im öffentlichen Leben Österreich: eine Lücke zurückgelassen hat, eine Lücke die niemand gänzlich auszufüllen vermag Soweit es in meiner Kraft liegt, will ich mich ehrlich bemühen, im Geiste meiner Vorgänger für Niederösterreich zu arbeiten. Eingedenk der hohen Verpflichtung, die dem Landeshauptmann durch die Verfassung auferlegt ist, will ich mit Gottes Hilfe und mit besten Kräften, getreu dem Gesetz und Recht, ans Werk gehen. Nach dem Ableben des Landeshauptmannes Figl wurde vom Präsidenten des niederösterreichischen Landtages in Entsprechung der Landesverfassung Landeshauptmannstellvertreter Kommerzialrat Rudolf Hirsch mit der Weiterführung der Geschäfte des Landeshauptmannes betraut. Ich danke dem Herrn Landeshauptmannstellvertreter Hirsch für die korrekte Besorgung der in dieser Zeit zahlreich angefallenen Verpflichtungen. Ebenso danke ich dem Herrn Landeshauptmannstellvertreter Dr. Tschadek und allen Mitgliedern der niederösterreichisch4en Landesregierung für die Weiterführung der Geschäfte. In den zwanzig Jahren des Bestandes der Zweiten Republik ist auch in Niederösterreich ein großes Aufbauwerk erfolgreich geleistet worden. Diese Leistungen wiegen doppelt, weil sie durch zehn Jahre unter Verhältnissen geschaffen werden mußten, die in Niederösterreich besonders schwierig waren. Die schweren Wunden, die Kriegs- und Nachkriegszeit geschlagen haben, wurden weitgehend geheilt. Darüber hinaus sind viele Werke von bleibendem Bestand und dauerndem Nutzen geschaffen worden. Hieran haben der beispielgebende Fleiß der niederösterreichischen Bevölkerung aller Berufsschichten und die zwanzigjährige zielstrebige Arbeit der niederösterreichischen Landesregierung und des niederösterreichischen Landtages hervorragenden Anteil. Es gibt noch viel Arbeit zu leisten, der wir uns gemeinsam widmen wollen. Gesellschaft und Wirtschaft sind noch immer in einem gewaltigen Umstellungsprozeß begriffen, dessen Ende noch gar nicht abzusehen ist. Die fortschreitende Bildung größterer europäischer Wirtschaftsräume beschleunigt diesen Wandlungs- und Umstellungsprozeß. Zahlreiche selbständig und unselbständig Erwerbstätige, ja fast alle Bevölkerungskreise, werden hiervon betroffen. Ihnen zu helfen, sich der neuen Lage anzupassen, um ihre wirtschaftliche Existenz aufrechtzuerhalten und zu festigen, müssen wir gemeinsam bemüht sein. (Beifall)) Doch Erfolg oder Scheitern in dieser gigantischen Umstellung wird nicht erst in der Fabrik, im Gewerbebetrieb oder im Bauernhof entschieden. Die Entscheidung fällt schon in den niederösterreichischen Schulen; sie fällt in den Pflichtschulen genauso wie in den gewerblichen und bäuerlichen Berufsschulen, sie fällt in den höheren Schulen genauso wie an den Universitäten. Vor allem ist es notwendig, der charakterlichen und fachlichen Erziehung, der Bildung und Schulung der heranwachsenden Generation auch weiterhin größte Aufmerksamkeit zu schenken. Das geistige Kapital und das fachliche Können, das wir der Jugend auf den Lebensweg mitgeben, ist die unerlässliche Voraussetzung und die beste Investition für künftigen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Wohlstand unseres Volkes und Landes. Eine gut ausgebildete, charakterfeste und vaterlandstreue Jugend ist auch der sicherste Garant für die Erhaltung der Schwererrungenen Freiheit unseres Landes, der Garant für die weitere Festigung demokratischer Grundsätze im öffentlichen Leben und für die dauernde Bewahrung der Freiheit und Würde der Menschen. (Beifall im ganzen Hause.) Wir, die Älteren, müssen der Jugend stets mit gutem 'Beispiel vorangehen. Die junge Generation hat kein Verständnis für politischen Hader und Zank. Sie will - und das gilt selbstverständlich für alle Berufszweige - von Gesetzgebung und Verwaltung positive Arbeit sehen. Wenn wir, Landtag, Landesregierung und Landesverwaltung, gute Arbeit leisten, wozu wir ja verpflichtet sind, dann werden wir auch von der Jugend entsprechende Leistungen verlangen und erwarten können, und dann wird den Einrichtungen ,des öffentlichen Lebens auch jenes Maß an Verständnis und Autorität nicht versagt bleiben, das die politische Arbeit der Demokratie E r ein positives Wirken braucht; dann wird die verfassungsmäßig gewährleistete Demokratie immer wieder mit neuem Leben erfüllt und das Vertrauen der Bevölkerung in die politische Arbeit gefestigt werden. In hohem Maße brauchen wir dieses Vertrauen des Volkes in unsere Arbeit, soll die Arbeit Iden sich mehrenden Zeiterfordernissen gerecht werden. Wir dürfen nicht darauf vergessen, daß der ländliche und der kleinund mittelstädtische Lebens- und Arbeitsbereich in allen modernen Industriestaaten der Welt bedroht erscheint. Dieser Kreis läuft Gefahr, biologische und materielle Substanz zu verlieren. Niederösterreich ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Dies trifft - mehr oder weniger - für viele selbständige und unselbständige Berufe zu, für die Bauern, für die Dienstnehmer, für das Gewerbe, für das Handwerk und für die industriellen Mittelbetriebe. Sie alle sollen in die Wirtschaftsentwicklung so eingegliedert werden, daß ihnen ein zunehmend gerechter Anteil am steigenden Sozialprodukt gewährleistet wird. Auch wir Niederösterreicher wallen daher an allen jenen Maßnahmen regstes Interesse nehmen und an ihnen mitwinken, die von der Bundesregierung und den einschlägigen Bundesressorts und vom Parlament zur Steigerung des Wirtschaftswachstums vorbereitet werden. Es ist für Niederösterreich von größter Bedeutung, daß die allgemeine Wirtschaftsentwicklung weiter fortschreitet. Wir wollen aber nicht nur die bestehlenden Betriebe und Arbeitsplätze soweit wie möglich erhalten, sondern brauchen weitere Industrieansiedlungen und neue Arbeitsplätze. Dem Pendlerwesen, das eine der sozial schwierigsten Zeit Erscheinungen darstellt, soll hierdurch weiterer Einhalt geboten werden. Eine Analyse des Pendlerwesens hat ergeben, daß mehr als 200.000 Niederösterreicher ihren Arbeitsplatz nicht im Wohnort haben; mehr als 70.000 Arbeitskräfte aus unserem Lande arbeiten in anderen Bundesländern, so zum Beispiel vor allem in Wien und in Oberösterreich. Das Ziel: ,,Jedem Niederösterreicher einen Arbeitsplatz im eigenen Bundesland, und zar in oder in einer zumutbare Entfernung von seinem Wohnort", das schon Leopold Figl vor diesem Forum vertreten hat, werde auch ich mit Ihrer Hilfe, meine Damen und Herren, mit aller Energie weiterverfolgen. (Beifall im ganzen Hause.) Ich sehe nicht nur in der Schaffung neuer Arbeitsplätze einen wichtigen Beitrag zur Lösung des Pendlerwesens, sondern fauch in der Beschaffung des notwendigen Wohnraumes. Niederösterreich hat, obwohl die Mittel, die dafür zur Verfügung stehen, nur beschränkt sind, schon vor 16 Jahren eine eigene Landeswohnbauförderung eingerichtet und den anderen Bundesländern ein Beispiel gegeben. Alus der Erkenntnis, daß es unverantwortlich wäre, neue Hauser zu bauen, während alter, vorhandener Wohnraum verfällt, wurde in diesem Lande auch eine Aktion zur Sanierung des Althausbestandes eingeführt. Schließlich wurde 1954 die Wohnbauförderung auch auf die bäuerlichen Klein- und Mittelbetriebe ausgedehnt. Die Wohnverhältnisse bedürfen noch in vielen bäuerlichen Betrieben dringend einer zeitgemäßen Verbesserung. Diese erfolgreiche Aktion soll daher weitergeführt werden. Die Wohnbauförderungsmaßnahmen des Bundes bedürfen unseres Erachtens im Interesse der Wohnungssuchenden und im Interesse der Verwaltungsvereinfachung dringend einer Koordinierung. Wir Niederösterreicher sind mit jeder Lösung einverstanden, die es uns möglich macht, den Wohnungsbau zu intensivieren. Vor allem geht es uns auch darum, die Kredite, die zur Vergebung kommen, an die angestiegenen Baukosten anzugleichen und die Wartezeiten zu verkürzen. Die soziale Zielsetzung jeder Wohnbauförderung kann nur verwirklicht werden, wenn diese Förderungsmaßnahmen in erster Linie sozial Bedürftigen, kinderreichen Familien und jungen Ehepaaren zugute kommen. Die Änderung des Aufteilungsschlüssels in der Bundeswohnbauförderung 1954 brachte für Niederösterreich eine gewisse Erleichterung. Nach wie vor bleibt aber für uns Niederösterreicher die Angleichung des Aufteilungsschlüssels an den Bevölkerungsanteil eine offene Forderung. Wichtige Arbeiten können aber nicht aus reiner Intuition geschehen, sondern brauchen sachliche, handfeste Unterlagen. Wir wollen daher jene Fachleute zu Rate ziehen, die nach genauem Studium der Vielfalt der Verhältnisse die Grundlagen für die entsprechenden Schlüsse schaffen. Wichtige Planungen, vor allem wenn sie größere Projekte betreffen, bedürfen der Zusammenarbeit mit den Fachmännern der Raumforschung und der Landesplanung. Die Arbeit, die von den niederösterreichischen Landesplanern bisher geleistet wurde, hat internationales Niveau und wird allgemein anerkannt. Unsere Aufgabe ist es, die wertvollen Hinweise, die uns von den Fachleuten gegeben werden, als Praktiker zu prüfen und in der Praxis anzuwenden. Der Landtag wolle daher überlegen, ab und welche gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden sollen, die es ermöglichen, die Erkenntnisse der Raumplanung in der Praxis anzuwenden. Ein Landesplanungsgesetz steht seit längerem zur Debatte. Auch die Bauordnung als Grundlage jeder Bautätigkeit bedarf dringend einer Neufassung, da das alte Gesetz bereits im Jahre 1883 beschlossen wurde, also in einer Zeit, die Stahl und Beton als Baustoffe kaum kannte. Schon seit grauer Vorzeit ist es so, daß sich dort Siedlungen am besten entwickeln, wo die Verkehrsverhältnisse am günstigsten sind. Es ist beispielsweise kein Zufall, daß die Stadt Krems genau dort gegründet wurde, wo die uralte Eisenstraße den noch älteren Handelsweg der Donau kreuzt. Ähnliche Feststellungen lassen sich für fast alle größeren niederösterreichischen Siedlungen treffen. Die Bedeutung günstiger Verkehrsverbindungen für die Wirtschaftsentwicklung wurde in den vergangenen Jahrzehnten durch die sprunghafte Zunahme der Motorisierung besonders drastisch demonstrieren Unsere Straßen - ich denke da nicht nur an die Autobahnen, sondern genauso auch an unsere Bundes-, Landes- und Gemeindestraßen, ja selbst an die Güterwege, die einen Einschichthof an das Verkehrsnetz und damit an daß pulsierende Wirtschaftsleben anschließen - sind die Nervenstränge unserer Wirtschaft. Der Ausbau des Verkehrsnetzes muß daher in jedem modernen Land Vorrangstellung haben. Mein Vorgänger im Amt, Landeshauptmann Leopold Figl, hat wenige Monate vor seinem Tode in seiner Erklärung vor dem Landtag Für den Straßenbau zwei Maximen aufgestellt, für deren Verwirklichung auch ich mich mit Kräften einsetzen werde: Auf dem niederösterreichischen Bundesstraßennetz sollen bis Ende 1966 die Staub Freimachungsarbeiten möglichst abgeschlossen sein; und zweitem: jede niederösterreichische Gemeinde soll möglichst bald wenigstens auf einer staubfreien Zufahrt erreicht werden können. Allerdings halben uns im heurigen Jahr die gewaltigen Frostschäden und die durch Wasserfluten verursachten Verheerungen auf den Straßen unser Straßenbauprogramm etwas durcheinander gebracht. Wir wollen, Hohes Haus, alle Hindernisse, die den zügigen Verkehr lähmen, beseitigen. Ich meine damit nicht nur unübersichtliche Kurven und Straßenengen - oder die etwa noch nicht vorhandenen Donaubrücken, die den Norden und Süden des Landes besser zu verbinden hätten, ich meine damit auch die Barrikaden, die durch überholte Steuergesetze geschaffen wurden, die endlich fallen sollen. Wir Niederösterreicher verstehen es nicht ganz, wenn Hilfsmaßnahmen für die wirtschaftliche Not leidenden Grenzgebiete durch Abgaben, wie sie die Fernverkehrsförderungssteuer darstellt, wieder egalisiert werden. Solche Steuern sind auch keine Werbemittel, die Unternehmer, die neue Betriebe gründen wollen, anlocken könnten. Ich glaube, es erübrigt sich, die Bedeutung moderner Straßen für die Konkurrenzfähigkeit größerer Industriebetriebe näher zu erklären. Das Vorhandensein günstiger Verkehrswege ist daher, darüber gibt es keinen Zweifel, eine Voraussetzung für jede Neuansiedlung von Industriebetrieben und damit auch eine ebenso wichtige Voraussetzung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Es erscheint mir daher notwendig, jenen Straßenzügen im Ausbauprogramm den Vorzug zu geben, die Wirtschaftszentren erschließen. Für die wirtschaftliche Erstarkung unseres Landes kommt neben dem Straßenbau auch größte Bedeutung zu. Die niederösterreichischen Landesgesellschaften haben in dieser Hinsicht in den vergangenen Jahren sehr gute Arbeit geleistet. Es ist gelungen, den Bau von Kraftwerken zu beschleunigen und dadurch die Energiebasis erheblich zu verbessern. Das Erdgasgesetz unserer zweiten Landesgesellschaft versorgt die größeren Industriezentren im Süden, Westen und Osten unseres Landes mit zusätzlichen Energiereserven. Der Landtag hat. durch die großzügige Haftungsübernahme für Kredite, die zur Verbesserung der Energiebasis dienen, sein großes Interesse an diesen wichtigen Arbeiten bekundet. Aber unter Wirtschaftszentrum verstehe ich nicht nur die Ballung von Industriebetrieben. Wer die jährlichen Rechnungsabschlüsse des Bundes und das aufkommen an Auslandsdevisen prüft, wird erkennen, daß auch Fremdenverkehrsgebiete bedeutsame wirtschaftliche Schwerpunkte sein können. Das heißt natürlich nicht, daß man den Fremdenverkehr als eine Art Großindustrie betrachten soll. Dem Ausbau der Straßenzüge in den niederösterreichischen Fremdenverkehrsgebieten wurde schon in den vergangenen Jahren in Niederösterreich besonderes Augenmerk zugewendet. Ich möchte in diesem Zusammenhang etwa nur an die Wachaustraße, die Kamptalstraße, den Bau der Thayatalstraße oder an den Ausbau der wichtigsten Straßen durch die herrlichen Täler des niederösterreichischen Alpenvorlandes erinnern. Der Fremdenverkehr ist einer jener Wirtschaftszweige, in dem die Integration Europas schon am weitesten fortgeschritten ist. Für Iden Fremdenstrom gibt es keine Zollschranken, und die Paßformalitäten sind, wenigstens in der westlichen Welt, so weit reduziert, daß man kaum noch merkt, wenn man eine Staatsgrenze überschreitet. Niederösterreich stand bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges in der Fremdenverkehrsstatistik der österreichischen Bundesländer weit an der Spitze. Die tristen Besatzungsverhältnisse haben hier - wie auch auf manchen anderen Wirtschaftsgebieten einen bedauerlichen Rückschlag gebracht, den wir in mühevoller Arbeit Schritt für Schritt wieder ausgleichen müssen. Gerade deshalb kann unser Land auf das, was auf diesem Gebiet in den vergangenen Jahren erreicht wurde, stolz sein. Die herrliche Landschaft Niederösterreichs, die vom Hochgebirge bis zur pannonischen Ebene eine Vielfalt von Naturschönheiten aufweist, ist fürwahr ein Kapital, das wir auch in Zukunft vernünftig nützen wollen. Die politischen Verhältnisse in Europa haben es zwar mit sich gebracht, daß Niederösterreich seine einstigen Stammgäste aus dem Südosten und Osten des Kontinents verloren hat, doch können wir mit Freude feststellen, daß die Schönheit und vor allem die erholsame Ruhe Niederösterreichs immer mehr auch wieder Gäste aus dem Ausland beeindruckt. Mitten in unserem Bundesland liegt die Millionenstadt Wien. Km Zeitalter der Motorisierung, in der auch bei uns in Österreich auf jeden siebenten Staatbürger ein Fahrzeug kommt, ist es selbstverständlich, dass Niederösterreich in erster Linie das Ausflugsgebiet der Wiener ist. Wir können daher den Erfolg unserer Fremdenverkehrswirtschaft nicht ausschließlich nach den Nächtigungsziffern beurteilen. In diesem Zusammenhang scheint es mir notwendig, unser besonderes Augenmerk dem Ausbau unserer Gaststätten zu richtigen Heimstätten für die Besucher zuzuwenden. Eine besondere Frage der Fremdenverkehrswirtschaft ist ihre Saisonbedingtheit. Es ist daher wichtig, alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Saison möglichst zu strecken und den Ausbau jener Einrichtungen zu forcieren, die eine weite Saison für unseren Fremdenverkehr möglich ,machen. Die Leistungen, die Niederösterreich in den vergangenen Jahren in dieser Hinsicht gesetzt hat, finden allgemeine Anerkennung. Als Beispiel möchte ich nur die vielen schönen Sommerbäder erwähnen, die in einem Radius von 100 bis 120 Kilometern rund um Wien nach den modernsten. Grundsätzen gebaut wurden und die von den Wienern gerne aufgesucht werden. Es wurden aber dadurch keineswegs Konkurrenzunternehmen zu den städtischen Einrichtungen der Bundeshauptstadt geschaffen, sondern nur wertvolle Ergänzungen. Der Besuch unserer Sommerbäder läßt sich gut mit einem schönen Ausflug verbinden, wobei sich die Kraftfahrer das Ziel je nach Geschmack aussuchen gönnen. Auch im Bemühen um eine zweite Fremdenverkehrssaison sind in den vergangenen Jahren manche Fortschritte gemacht worden, die uns für die Zukunft den weiteren Weg weisen können. In ein bis zwei Stunden bequemer Autofahrt erreicht man von Wien aus niederösterreichische Wintersportorte, die über Sessellifte und Schleppliftanlagen verfügen; die also alles bieten, was auch verwöhnte Zeitgenossen von einem modernen Fremdenverkehrsort erwarten. Niederösterreich wird immer mehr und mehr - und zwar mit Recht - auch die Skischule für die Wiener. Zu den altrenommierten Wintersportorten sind im niederösterreichischen Alpenvorland und auch im Waldviertel Orte gekommen, die auch im Winterfremdenverkehr konkurrenzfähig sind. Besonders erfreulich ist es, daß in den vergangenen Jahren auch der Ausländerfremdenverkehr in Niederösterreich wieder beachtlich zugenommen hat. Es ist unsere Aufgabe, die Schönheit unseres Landes durch entsprechende Werbung auch im Ausland noch mehr bekannt zu machen. Wir wollen uns nicht darauf verlassen, daß der Ausländer selbst unser Land entdecken muß. Wir wollen ihm die Schönheiten unseres Landes in Bild und Wort aufzeigen und ihn herzlich in ein Land einladen, das dem Gast so viel zu bieten hat, nämlich neben einer einmaligen landschaftlichen Vielfalt kulturhistorische Werte von internationalem Rang und, was ich besonders betonen möchte, Ruhe rund Erholung. Zurzeit wird im internationalen Fremdenverkehr sehr oft das Wort vom Erholungsdorf gebracht. Wir Niederösterreicher haben noch Hunderte Orte, die sich durch ihre wunderschöne Umgebung und durch ihre Ruhe, durch reine Luft und reines Wasser dazu eignen, solche Erholungsdörfer zu werden. Ich werde mich daher bemühen, den Weg, den Niederösterreich in den vergangenen Jahren in der Fremdenverkehrsförderung mit so viel Erfolg gegangen ist, fortzusetzen. Ich möchte in diesem Zusammenhang etwa nur auf die große Kreditaktion im zum Ausbau der Fremdenverkehrswirtschaft verweisen. Gerade der Erfolg dieser Kreditaktion gibt mir Anlaß zu einer Feststellung, die auf ganz anderem Gebiete liegt. Um die billigen Kredite für unsere Fremdenverkehrswirtschaft zu ermöglichen, Hat auch die niederösterreichische Handelskammer sowie das Land einen Teil des Zinsendienstes übernommen. Eine enge Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Berufsinteressenvertretungen - also mit der Landwirtschaftskammer, mit der Handelskammer, mit der Arbeiterkammer usw. - erscheint mir besonders notwendig, da diese Institutionen jeweils für einen Teil der Bevölkerung ja das gleiche wollen, was wir im Lande für die Gesamtbevölkerung Niederösterreichs durchführen. Wenn wir unsere Möglichkeiten vernünftig koordinieren und im gegebenen Zeitpunkt zusammenfassen, so werden auch die Erfolge entsprechend größer sein. Ich danke daher schon am Anfang meiner Tätigkeit als Landeshauptmann den Kammern für ihre bisherige Arbeit und lade sie ein, auch in Zukunft in ihren Bereichen mitzuhelfen, aus jeder Situation das Beste für unser Bundesland Niederösterreich und dessen Bewohner herauszuholen. (Beifall im ganzen Hause.) Ich habe schon anfangs darauf hingewiesen, daß von dem allgemeinen Strukturwandel bei uns in Niederösterreich besonders die Landwirtschaft betroffen ist. Die nach wie vor sehr starke Abwanderung von Arbeitskräften von den Dörfern in die Städte ist eine Frage, die in ganz Europa die Fachleute beschäftigt. In einem Land, dessen Nachbarn sich im Norden und Osten fast hermetisch abgekapselt haben und in dessen Zentrum eine Millionenstadt liegt, die einen ungeheuren wirtschaftlichen Sog ausübt, fällt diese Frage besonders schwer ins Gewicht. Es ist unsere Aufgabe, alles zu unternehmen. um einen Substanzverlust zu verhindern, der sich wirtschaftlich und soziologisch sehr nachteilig auswirken könnte. Förderungsmaßnahmen für die Bauernschaft sind daher keineswegs eine Bevorzugung eines Standes, sondern eine Notwendigkeit im Interesse der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft. Die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre hat der modernen Technik auch die Tore der Bauernhöfe geöffnet. Mechanisierung, Rationalisierung und Produktivitätssteigerung haben dank dam Fortschrittsgeist der Bauernschaft einen hohen Stand erzielt. Doch ist noch nicht in allen Produktionszweigen und Betriebstypen die notwendige Europa Reife erreicht. Die Konkurrenzfähigkeit wird noch weiter zu festigen und zu heben sein, damit unsere Bauernschaft für den Wettbewerb gerüstet ist, der im künftigen größeren Europamarkt erhöhte Anforderungen an den einzelnen Wirtschafter stellen wird. Das gleiche wird übrigens für alle anderen mittelständischen Erwerbszweige, also insbesondere für die zahlreichen Gewerbebetriebe in unserem Lande, zutreffen. Niederösterreich verfügt über ein Netz von bäuerlichen Fachschulen, die einen ausgezeichneten Ruf genießen. Unser Heimatland war auch das erste Bundesland, das für den bäuerlichen Nachwuchs die Berufsschulpflicht gesetzlich festgelegt hat. So wie in den gewerblichen Berufszweigen wollen wir auch der bäuerlichen Jugend die beste Ausbildung ins Berufsleben und damit in einen harten, aber, wenn wir nicht resignieren, keineswegs aussichtslosen Konkurrenzkampf mitgeben. Im gewerblichen Berufsschulwesen hat sich die Unterbringung der Lehrlinge in Landesberufsschulen mit Internaten ausgezeichnet bewähnt. Wie Sie wissen, sind wir in Niederösterreich dabei, diese Organisationsform auch Für das bäuerliche Berufsschulwesen zu verwirklichen. Ich werde mich bemühen, diese Entwicklung nach besten Kräften zu fördern, weil sie die größten Lernerfolge garantiert. Hohes Haus! Die verheerenden Hochwasser der letzten Zeit haben uns wieder einmal drastisch vor Augen geführt, welche Bedeutung einem modernen Hochwasserschutz zukommt. In einem Land, durch das ein Strom wie die Donau fließt, ist es doppelt notwendig, solche Maßnahmen im Rahmen einer modernen Wasserwirtschaft zu planen und zu koordinieren. Ich möchte Sie eindringlich bitten: Tun wir alles, damit wir nicht erst durch Katastrophen an unsere Pflicht erinnert werden müssen. Vorbeugen ist auch in dieser Hinsicht besser und wesentlich billiger als heilen. Wir werden uns daher für die Zukunft Maßnahmen überlegen müssen, die den Ausbau aller erforderlichen Einrichtungen des Hochwasserschutzes zum Ziel haben. Es wird auch notwendig sein, für die Zukunft Grundlagen und Richtlinien auszuarbeiten, die im Katastrophenfall das schlagartige Einsetzen wirksamer Hilfsmaßnahmen garantieren. Nein, damit kein Irrtum entsteht, unter Hilfsmaßnahmen in diesem Zusammenhang verstehe ich nicht die notwendige sofortige Hilfeleistung, die ja dank der Opferbereitschaft unserer Feuerwehrmänner und der Einsatzfreudigkeit von Einheiten des Bundesheeres und unserer braven Gendarmeriebeamten immer gegeben war, sondern ich verstehe in diesem Zusammenhang auch möglichst raschle Maßnahmen zur Beseitigung der entstandenen Schäden. Jene Landsleute, die während der Überflutungen aus Ihren Wohnungen evakuiert werden mußten und deren Felder und Gärten überflutet wurden, können versichert sein, daß wir ihre Situation verstehen und zu jeder möglichen Hilfe bereit sind. In diesem Zusammenhang sei es mir gestattet, am Tage meiner Amtsübernahme den 60.000 freiwilligen Feuerwehrmännern, von denen Tausende in diesen Tagen im Kampf gegen das Hochwasser im Einsatz stehen, den Männern und Frauen des Roten Kreuzes, den Idealisten im Zivilschutz und anderer Hilfsorganisationen, die immer am Platze sind, wenn der Nächste in Not geraten ist, ein aufrichtiges Wort des Dankes und der Anerkennung zu sagen. (Beifall im ganzen Hause.) Die Männer in der Uniform der Feuerwehr und des Roten Kreuzes können sicher sein, dass sie immer mit meinem Verständnis und meiner Unterstützung bei ihren Anliegen rechnen können; sie können deshalb damit rechen, weil Sie und ich genau wissen, dass ihre Anliegen immer nur auf das Wohl der Allgemeinheit und auf die Hilfeleistung für den Nächsten ausgerichtet sind. Die vermehrte Anwendung von Maschinen in der Land- und Forstwirtschaft ist schon ein Rückgrat der Existenzsicherung und Konkurrenzfähigkeit geworden. Es ist daher unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, daß die modernen Maschinen in Feld rationell und zweckmäßig arbeiten können. Die weitere Durchführung der Kommassierung, die Aufschließung von Fluren und Wäldern durch entsprechende Güterwege, die Verbesserung des Kleinklimas durch Windschutzanlagen, der Anschluß von Einschichthöfen an das Verkehrsnetz und an die Stromversorgung sind in dieser Hinsicht genauso wichtig wie die großzügige Durchführung von Ent- und Bewässerungsarbeiten. Bei der Ent- und Bewässerung erscheint es mir notwendig, die Einzelprojekte entsprechend zu koordinieren und unter Umständen sogar den Schritt zur großräumigeren Lösung – wie etwa den Marchfeldkanal - zu wagen. Doch wären falle Förderungsmaßnahmen und Operationen, die ich angedeutet habe, nicht voll zielführend, würde es uns nicht gelingen, das Gefälle in der Lebenshaltung von der Stadt zum Dorf aufzubauen. Die Lebensbedingungen in den Dörfern sollen nicht schlechter sein als in unseren Städten. Das gilt hinsichtlich der Wohnverhältnisse genauso wie im Hinblick auf die kulturellen Möglichkeiten. Wasserleitungen und Kanalisationsanlagen Dürfen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch im kleinsten Dorf kein Luxus sein, sondern müssen als Selbstverständlichkeit anerkannt werden. Dort, wo die natürlichen Verhältnisse für die Durchführung eines Projektes für eine einzelne Gemeinde nicht gegeben sind, erscheint es mir noch mehr als bisher notwendig, in größeren Räumen zu planen. In dieser Hinsicht wurde von der dritten Landesgesellschaft, der NÖSIWAG, bereits gute Arbeit geleistet. Dadurch kommen tausende Landsleute in finanzschwachen Gemeinden zu den Annehmlichkeiten einer modernen Wasserversorgung und Kanalisation. So wird eine der Hauptaufgaben einer Landesgesellschaft, die Unterstützung des wirtschaftlich Schwächeren, um größeren Erfolg zu erreichen, verwirklicht. Leider erfordern, alle diese bisher aufgezählten Maßnahmen sehr viel Geld, das bedauerlicherweise nicht in jeder beliebigen und gewünschten Menge vorhanden ist. Es werden daher nicht alle Wünsche, und mögen sie noch so berechtigt sein, schon in kürzester Zeit erfüllbar sein. Umso mehr müssen wir uns bemühen, die dem Lande zukommenden Mittel so rationell und erfolgswirksam wie nur möglich zu verwenden. Unter dem erwähnten Gefälle zwischen Stadt und Dorf verstehe ich aber nicht nur materielle Dinge. Tun wir gemeinsam alles, um auch ein geistiges und kulturelles Gefälle zu vermeiden. Der begabte Bub im entlegensten Dorf soll genauso die Möglichkeit erhalten, seine Talente in höheren Schulen zur Entfaltung zu bringen wie ein Kind der Großstadt. (Beifall im ganzen Hause.) Ich komme in diesem Zusammenhang noch einmal kurz auf das Schulwesen in unserem Lande zu sprechen. Niederösterreich hat im Jahre 1949 mit der Gründung des ~Schulbaufonds ein Beispiel echten Aufbauwillens und nutzbringender Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden und dem Land erbracht. 287 neue Schulen wurden mit diesem Fonds bisher gebaut. Sehr viel bleibt noch zu tun offen, denn die neuen Schulgesetze, deren Bedeutung und Tragweite wahrscheinlich erst kommende Generationen richtig einschätzen werden, /bringen neue Verpflichtungen, die schwer sind, die aber im Interesse der Jugend getragen werden müssen; allerdings, das möchte ich betonen, nicht von den Ländern allein getragen werden können. Zusätzlicher Schulraum muß geschaffen werden, und die vorhandenen Schulen müssen mit dem für den vorgesehenen Spezialunterricht - ich denke da etwa an die Hauswirtschaft für Mädchen oder den Werkunterricht für Buben - erforderlichen Raum ausgestattet werden. Der Zeitpunkt, wo alle diese Wünsche erfüllt sein werden, liegt weit in der Zukunft. Ich halte es aber daher gerade aus dem Grund für notwendig, auch den Schulbaufonds auf diese langfristige Aufgabenstellung abzustimmen. (Beifall im ganzen Hause.) Der Schulbau hat mit dem Prestige einer Gemeinde nichts zu tun. Wir müssen uns genau überlegen, wo neue Schulen gebaut werden müssen. Dabei ist es notwendig, darauf Bedacht zu nehmen, daß Neubauten in einer Organisationsform errichtet werden, die den Zeiterfordernissen entspricht. Ich glaube, dass uns auch in dieser Hinsicht die Fachleute der Raumplanung und des Unterrichtswesens einiges zu sagen haben. Auch der Errichtung von modernen Wohnungen für unsere brave Lehrerschaft am Dienstort soll besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden. In den vergangenen Jahren wurden in unserem Lande mehrere höhere Schulen neu gebaut; einige wurden überhaupt neugegründet. Wir Niederösterreicher \reuen uns über diese Entwicklung, weil sie uns hilft, ein Ziel zu erreichen, das nicht nur im Interesse des Landes, sondern ganz Österreichs liegt. Wir können es uns nicht leisten, auch nur ein Talent ungehoben verkümmern zu lassen. Wir sehen in der bisherigen Entwicklung einen erfreulichen Auftakt Für die zukünftige Arbeit. Die Betreuung unserer Jugend vom vorschulpflichtigen Alter bis zum Abschluß der Berufsausbildung muß uns Herzensangelegenheit bleiben. Ich möchte in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung moderner Kindergärten besonders unterstreichen. Niederösterreich hat im Kindergartenwesen in unserem Staate Pionierarbeit geleistet. Wir stehen, was Anzahl und Ausstattung unserer Kindergärten betrifft, unter den Bundesländern auch heute noch an der Spitze. In einer Zeit, in der zehntausende Frauen berufstätig sind, in der wir uns die wirtschaftliche Entwicklung ohne die Mitarbeit der Frau gar nicht mehr vorstellen können, kommt den Kindergärten ganz besondere Bedeutung zu. Ich freue mich, daß auch in diesem Lande die Organisation von Erntekindergärten während der Arbeitsspitzen in der Landwirtschaft über das Erprobungsstadium hinaus gediehen ist. Nehmen wir unseren braven berufstätigen Frauen, gleichgültig, ob sie nun in einem Büro, in einer Fabrik oder auf den Feldern arbeiten, die Sorge ab, indem wir moderne Kindergärten schaffen, in denen die Erziehung des Elternhauses zwar nicht ersetzt werden kann, aber doch ergänzt werden soll. Die moderne Einrichtung der Dorfhelferinnen, die sich auch in anderen Bundesländern bereits bewährt hat, soll auch in unserem Lande dazu beitragen, den Bäuerinnen vor allem im Krankheitsfall hilfreich beizustehen. Die Sorge für unsere Jugend beginnt aber nicht erst im Kindergarten. Unsere Mutterberatungsstellen, vor allem die ambulanten Beratungsteams, haben längst auch in den kleinsten Dörfern ihre segensreiche Tätigkeit aufgenommen. Neben der hervorragenden Organisation unserer Kindergärten gilbt es in der Jugendbetreuung noch einige Vorhaben, die wir rasch realisieren wollen. Die Errichtung eines Zentralkinderheimes für das Land Niederösterreich soll eine organisatorische Lücke in der Jugendfürsorge schließen. Und der moderne Bau eines Internats für die Waldschule für körperbehinderte Kinder in Wiener Neustadt beweist, daß wir bemüht sind, auch jenen Jugendlichen, die ein unverdientes Schicksal hart angefaßt hat, ihren Anteil am Fortschritt unserer Zeit zu sichern. Unsere Sorge soll aber nicht nur der Jugend gelten. Auch jene Landsleute, die ihr ganzes Leben lang brav gearbeitet haben oder die von einem harten Schicksal mit einer Krankheit heimgesucht wurden, verdienen unsere Obsorge. Die Altersheime in Niederösterreich wurden in den vergangenen Jahren nach einem klug durchdachten Plan ausgebaut, so daß wir, wenn die Fürsorgeheime in Melk und Waidhofen an der Thaya fertig sein werden, mit Genugtuung behaupten können, auf diesem Wage moderner sozialer Betreuung erreicht zu haben, was geplant war. Ein besonderes Sorgenkind, nicht nur für die Landesverwaltung, sondern auch für unsere Gemeinden, vor allem für jene Städte, die über ein eigenes Krankenhaus verfügen, sind die Spitäler. Wie Sie wissen, steht die Spitalsfrage auch auf dem Verhandlungsprogramm der Bundesländer mit den Bundesdienststellen. Die Erhaltung eines Spitals kann eine Gemeinde an den Rand des finanziellen Ruins bringen. Es geht daher darum, Wege zu finden, die nicht nur die zeitgemäße Führung, sondern auch den modernen Ausbau unserer Spitäler garantieren. Die Erhaltung der Gesundheit der Bevölkerung ist für jede Gemeinschaft eine der höchsten Verpflichtungen. Es wäre daher gefährlich, würde über eine tragbare Lösung dieser wichtigen Frage all zulange gefeilscht. Wir haben ausgezeichnete Ärzte und ein Opferbereites Pflegepersonal; tun wir alles, damit wir auch ausgezeichnete, der modernem Zeit entsprechende Spitäler zur Verfügung haben. In unseren 'Schulen - schon in den Elementarschulen - wird darüber entschieden, ob Niederösterreich das kulturelle Ansehen, das in aller Welt genießt, auch in der Zukunft behaupten kann. In dieser Hinsicht haben wir eine Tradition zu wahren. Sie stellt die Basis für manchen Erfolg, aber auch eine schwerwiegende Verpflichtung dar. (Beifall im ganzen Hause.) Niederösterreich ist nicht nur landschaftlich, sondern auch kulturell ein Land der Vielfalt. Die Kunstschätze in unserem Lande sind nicht an einem Punkt konzentriert, sondern über das ganze Land verteilt. In den vergangenen Jahren wurde mit einem Erfolg, den niemand erwartet hatte, der Versuch unternommen, unseren Gästen aus dem In-und Ausland in großen Überschauen den kulturellen Reichtum dieses Landes vor Augen zu führen. Die Besucherzahlen der großen Kunstausstellungen des Landes haben auch die größten Pessimisten davon überzeugt, daß das Interesse für kulturelle Dinge in allen Bevölkerungsschichten auch im Zeitalter der Technik und der Automation lebendig ist. Es kommt offensichtlich nur darauf an, wie diese Werte an die Menschen herangebracht werden. Die niederösterreichischen Erfolge mit den großen Kunstausstellungen haben andere Bundesländer heuer ist es Oberösterreich mit der Ausstellung „Die Donauschule" in St. Florian und in Linz - zu ähnlichen Vorhaben angeregt. Ich freue mich, daß in unserem Lande auch für die Zukunft weitere Ausstellungen vorbereitet werden. So steht im kommenden Jahr die Ausstellung ,,Wiener Neustadt als Residenz" auf dem Programm; und für das Jahr 11968 ist eine große Renaissanceausstellung des Donauraumes in Vorbereitung. Ich werde diese Veranstaltungen selbstverständlich nach besten Kräften unterstützen. Die Planung der Renaissanceausstellung wirft eine andere, für das kulturelle Ansehen unseres Landes entscheidende Frage auf: die Frage des Denkmalschutzes. Wie Ihnen bekannt ist, besteht die Absicht, die Renaissanceausstellung in der Schallaburg bei Melk - nicht in einem der schönsten, sondern in dem schönsten Bauwerk der Renaissancezeit im Donauraum - durchzuführen. Wie dieses Juwel einer Epoche heute aussieht, davon sollten Sie sich gelegentlich überzeugen. Sie werden dann mit mir übereinstimmen, dass die Rettung der Schallaburg ein Akt der Selbstachtung nicht nur der Niederösterreicher, sondern aller Österreicher sein muß. (Beifall im ganzen Hause.) Ich bin überzeugt, daß wir, wenn wir die Restaurierung dieses wunderschönen Schlosses in Angriff nehmen, nicht allein stehen werden, sondern daß man uns nicht nur mit Ideen, sondern auch materiell dabei helfen wird. Unser Land kann auf dem kulturellen Gebiet nicht nur auf die großen Erfolge der Barockausstellung, der Biedermeieralusstellung, der Romanikanisstellung und anderer Großveranstaltungen hinweisen. Die vielen kleineren Museen und Gedenkstätten, die in allen Teilen des Landes, vor allem in den Ausfluggebieten im Strahlungsfeld von Wien, in den vergangenen Jahren nach den modernsten Gesichtspunkten der Museumskunde eingerichtet wurden, sind eine Bereicherung des kulturellen Lebens, sie sind wahre Attraktionen des niederösterreichischen Ausflugs- und Fremdenverkehrs. Die Besucherzahlen, die beispielsweise das Haydn-Haus, die Ausgrabungen in Carnuntum, das Barockmuseum in Heilligenkreuz Gutenbrunn oder unser Jagdmuseum in Marchegg - 'um nur einige Beispiele zu nennen - aufweisen, sind der beste Beweis dafür, daß auf diesem Gebiet der richtige Weg eingeschlagen, ja man könnte fast sagen, eine Pionierleistung gesetzt wurde. Die großen erfolgreichen Ausstellungen, aber auch die Errichtung kleinener lokaler Museen waren fast immer mit großzügigen Restaurierungsarbeiten an den Objekten, in denen die Ausstellungen durchgeführt wurden, verbunden. Die zuständigen Stellen des Bundes haben dabei immer großzügig geholfen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man von einer Zeit, in der zwangsläufig das Schwergewicht der Arbeit beim weiteren Wirtschaftswachstum liegen muß, sagen kann, sie hat auf die Kultur nicht vergessen. Unter Kultur verstehe ich aber nicht nur die Bewahrung der von den Ahnen übernommenen Schätze. Zum kulturellen Reichtum unseres Landes gehören nicht nur der Aggsbacher Flügelaltar oder das romanische Wasserschloß von Heidenreichstein und hunderte andere Burgen, Stifte und Schlösser, dazu gehören auch unsere Volkshochschulen, das Bildungs- und Heimatwerk, die konfessionellen und anderen Bildungswerke, die vielen hundert Musikschulen, Chorvereinigungen, Blasmusikkapellen und Trachtenvereine; also alle, die sich darum bemühen, daß kulturelle Betätigung in allen Bevölkerungsschichten lebendig bleibt; an ihrer Spitze die aktiv schaffenden Künstler, deren Wirken auch die entsprechende materielle Anerkennung finden soll. Die Kulturpreise des Landes, die nun auch für wissenschaftliche Spitzenleistungen verliehen werden, scheinen mir wohl geeignet, diese Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehört auch das Bemühen niederösterreichischer Städte, während der Sommermonate ausgezeichnetes Freilichttheater zu bieten; und hierher gehört auch die Tätigkeit unseres hervorragenden Tonkünstlerorchesters, das sich in den vergangenen Jahren in die erste Reihe der österreichischen Orchester hinaufgespielt hat. Wir erwarten, daß man dieser Arbeit nicht nur Beifall klatscht, sondern sie nach den Möglichkeiten und ihrem inneren Wert auch entsprechend materiell unterstützt. Niederösterreich will sich einen festen Platz im Reigen der österreichischen Festspiele erringen. Es ist klar, daß ein Land, das dem kulturellen Leben Österreichs so beachtliche Akzente gibt wie Niederösterreich, auch darauf bestehen muß, im Radio und Fernsehen jene Beachtung und organisatorische Berücksichtigung zu finden, die es auf Grund seiner Leistungen und seiner Bevölkerungszahl verdient. (Beifall im ganzen Hause.) Verehrte Damen und Herren! Hohes Haus! In den vergangenen Monaten war in den österreichischen Zeitungen viel über die Bemühungen der Bundesländer zu lesen, das Verhältnis zwischen Bund und Ländern auf eine neue Basis zu stellen. Es wurde dabei manches über die Notwendigkeit eines gesunden Föderalismus gesprochen. Sie werden auch in mir einen Vorkämpfer des Föderalismus finden, wenn Sie darunter eine vernünftige Koordinierung der Aufgaben mit dem Ziele sehen, für den einzelnen Staats- und Landesbürger das Optimale zu leisten. Wir Niederösterreicher haben allen Grund, auf die Eigenständigkeit unseres Bundeslandes stolz zu sein, denn es ist keine Übertreibung, wenn die Historiker das Land zwischen Leitha und Enns als das Herzstück und die Keimzelle des Staates bezeichnen. Diese Definition gilt in politischer Hinsicht genauso wie in kultureller. Daß !wir auf !diese historische Tatsache stolz sind, daß wir alles, was mit dieser Entwicklung zusammenhängt, lieben und pflegen, ist selbstverständlich. Wir sind daher zur Zusammenarbeit mit den anderen Bundesländern nicht nur bereit, wir nehmen für uns als da geografisch größte und historisch älteste österreichische Bundesland das selbstverständliche Recht in Anspruch, im Gespräch der Länder untereinander und mit dem Bund ein gewichtiges Wort mitzureden. (Beifall im ganzen Hause.) Die Zusammenarbeit der Bundesländer ist eine Notwendigkeit, die wir selbstverständlich bejahen. Die Ländervertreter haben erst kürzlich in Klagenfurt ihre Ansichten über einen neuen Finanzausgleich koordiniert und dem Finanzminister ihre Vorschläge unterbreitet. Auch der neue Finanzausgleich wird noch manchen verständlichen Sonderwunsch Nieder6sterreichs offenlassen. Zwischen 1945 und 1955 waren die Entwicklungsmöglichkeiten, durch die Besatzungsverhältnisse bedingt, in den einzelnen Bundesländern äußerst unterschiedlich. Niederösterreich hatte, wie schon so oft im Laufe der österreichischen Geschichte, auch damals für den Gesamtstaat ungeheure Opfer zu $ringen. Ein Blick auf die Steueraufkommen und Spareinlagen in den einzelnen Bundesländern zeigt, daß wir noch nicht gleichziehen konnten. Das besatzungsbedingte ,,Hinterbleiben" ging schneller als das schrittweise Aufholen. Wir wollen uns dadurch nicht entmutigen lassen und trotzdem alle Möglichkeiten wahrnehmen, damit dieses Land euch wirtschaftlich wieder wird, was es geographisch und historisch immer, auch zwischen 1945 und 1955, war: Das Kernland Österreichs. Wir arbeiten aber nicht nur mit den anderen Bundesländern zusammen, wir sind selbstverständlich auch nur Zusammenarbeit mit allen Dienststellen des Bundes bereit, weil wir genau wissen, daß Österreich als Bundesstaat nicht wie das alte Griechenland aus Stadtstaaten bestehen soll, die nur der gemeinsame Name bindet, sondern daß wir alle aufeinander angewiesen sind und dass vernünftige Zusammenarbeit ihre Frucht in größeren Erfolgen für die Allgemeinheit zeitigt. Ich habe im Laufe meiner Ausführungen zweimal betont, daß im Herzen Niederösterreichs die Millionenstadt Wien liegt, die seit etwas mehr als vierzig Jahren auch ein eigenes Bundesland ist. So wie der Hausvater, der in ein neues Heim einzieht, selbstverständlich seine Bereitschaft bekundet, dass er mit seinen Nachbarn in Freundschaft und, wo es notwendig ist, in Zusammenarbeit leben will, möchte ich heute von dieser Stelle aus unsere Nachbarn herzlich grüßen. Zwischen Nachbarhäusern und Nachbarländern gibt es selbstverständlich immer Probleme, die am besten gemeinsam besprochen und gemeinsam gelöst werden. Zwischen Wien und Niederösterreich sind noch einige Fragen offen, zu deren Lösung ich beitragen will. Ich bin der Meinung, dass es sich dabei um Angelegenheiten handelt, die mit Politik nichts zu tun haben, sondern die sachlich besprochen werden sollen. Das heißt aber nicht, daß ich etwa Politik und Sachlichkeit nicht für vereinbar halte. Ich bin bescheiden genug, um auch am heutigen Tag einzugestehen, daß die Hauptarbeit für Niederösterreich gar nicht hier im niederösterreichischen Landhaus geleistet wird; daß wir, Landesregierung und Landtag, mit allen unseren Bemühungen gar nicht richtig vorwärts kommen könnten, würden nicht draußen in den Bezirkshauptmannschaften ausgezeichnete Beamte ihren Dienst versehen und in den Gemeindestuben und Rathäusern viele Idealisten als Bürgermeister und Gemeinderäte für Niederösterreich arbeiten, die ihre Arbeitskraft selbstlos in den Dienst der Allgemeinheit gestellt haben. Die neue Gemeindeordnung, die bald in Kraft tritt, wird die Gemeindeautonomie stärken. Zur finanziellen Besserstellung unserer Gemeindeverwaltungen erscheint eine Verbesserung der Kommunalstruktur notwendig. In Niederösterreich wurde in den letzten Jahren in dieser Hinsicht ein Weg beschritten, der, selbstverständlich auf freiwilliger Basis, konsequent weitergegangen werden soll. Mein Gruß am heutigen Tag gilt daher den Frauen und Männern an der politischen Front in den Bezirken und Gemeinden. Das Bindeglied zwischen ihnen, nämlich den in den Bezirken und Gemeinden Tätigen, und uns, meine Damen und Herren, sind unsere Landesbediensteten. Ich will die Beamten und Angestellten des Landes Niederösterreich vom vortragenden Hofrat bis zum jüngsten Straßenwärter am heutigen Tage herzlich grüßen und sie bitten, so wie bisher ihre Pflicht zum Wohle der Bevölkerung zu erfüllen. Die Verwaltung eines Landes ist für das Volk da und nicht umgekehrt. Ich erwarte, daß alle Aufgaben, die an eine moderne Verwaltung herantreten, nach diesem Grundsatz wahrgenommen werden. Einer Koordinierung der Arbeit in den einzelnen Abteilungen soll daher unser besonderes Augenmerk gelten. Was eine Dienststelle erledigen kann, soll nicht ein halbes Dutzend bearbeiten. Dabei soll dies jene Dienststelle tun, die den geringsten Verwaltungsaufwand erfordert. Ich werde mich bemühen, auch in der Unterbringung der Dienststellen jenen Weg fortzusetzen, der in den vergangenen Jahren eingeschlagen wurde. Abteilungen, die ähnliche Agenden zu bearbeiten haben, sollten möglichst beisammen untergebracht sein, damit die Landsleute, die nach Wien kommen, um sich beim Amt der niederösterreichischen Landesregierung Rat zu holen, nicht wertvolle Zeit verlieren. Sollte es uns gelingen, in dieser Hinsicht weitere Fortschritte zu machen, so ergibt sich zwangsläufig daraus eine Verwaltungsvereinfachung, die wir alle wollen. Den Landesbeamten möchte ich versichern, daß ich eine Landesverwaltung am liebsten mit einer großen Familie vergleiche, in der jeder seine klar umrissenen Aufgaben zu erfüllen hat. Die Sorgen unserer Landesbeamten werden mich daher immer interessieren, und wo es nur geht, werde ich auf dem Boden des Rechts und der Demokratie für diese Anliegen auch eintreten. (Beifall im ganzen Hause.) Meine Damen und Herren Abgeordnete des niederösterreichischen Landtages! Ich habe Ihnen in großen Zügen aufgezeigt, wie ich zu den einzelnen Aufgaben der Landesverwaltung stehe und wie ich mir die weitere Arbeit vorstelle. Ich weiß, daß die Ziele, die wir alle gemeinsam verfolgen, auch nur in gemeinsamer Arbeit erreicht werden können. Vor kurzem haben wir das zwanzigjährige Bestehen der Zweiten Republik gefeiert. In diesen zwei Dezennien wurde in Österreich sehr viel erreicht. Die Erfolge waren aber nur möglich, weil uns in Österreich die schmerzliche und zugleich heilsame Lehre zuteil wurde, daß der Staat nur blühen kann, wenn alle Staatsbürger und damit auch die Parteien zur Zusammenarbeit bereit sind. Ich lade Sie ein, in den kommenden Jahren mit mir für Niederösterreich eine Politik im ursprünglichen Sinne des Wortes zu führen. Im antiken Griechenland, in dem ja die Staatsform der Demokratie begründet und ausgebildet wurde, bedeutete ,,Politik machen" auf den Staat bezogenes Handeln, soweit es bestimmten Regeln folgt. Ich bin bereit, mit Ihnen nach den Regeln des demokratischen Lebens zusammenzuarbeiten zum Wohle unseres Heimatlandes Niederösterreich, zum Wohle seiner fleißigen Bevölkerung und damit auch zur Ehre unseres Vaterlandes, der Republik Österreich. (Lebhafter, Langanhaltender Beifall im ganzen Hause) PRÄSIDENT WEISS: Zu Wort kommt Herr Landeshauptmannstellvertreter Doktor Tschadek Landeshauptmannstellvertreter Doktor TSCHADEK: Hohes Haus! Der Herr Landeshauptmann hat seine Rede mit einem Bekenntnis zur Demokratie und zur Zusammenarbeit geschlossen, das wir mit Befriedigung zur Kenntnis nehmen. Gestatten Sie, daß ich meine Ausführungen mit einem Bekenntnis zur Demokratie beginne. Ich bin der festen Überzeugung, daß alle guten Albsichten, die aus der Erklärung des Herrn Landeshauptmannes zu ersehen sind und an denen mitzuarbeiten wir uns gerne bereit erklären, nur dann realisierbar sein werden, wenn wirklich ein Geist echter Verständigung und echter demokratischer Gesinnung im niederösterreichischen Landhaus herrscht. Aus dieser unserer demokratischen Einstellung heraus hat die sozialistische Fraktion für den Herrn Landeshauptmann gestimmt. Für uns ist entscheidend, daß an die Spitze des Landes ein Politiker tritt, der seine demokratische Haltung und seine Verhandlungsbereitschaft bereits unter Beweis gestellt hat und der die Verpflichtung erkennt, ein Landeshauptmann aller Niederösterreicher und nicht nur ein Landeshauptmann einer politischen Partei zu sein. In der Überzeugung, daß der neu gewählte Herr Landeshauptmann diese Voraussetzungen mitbringt, haben wir ihm unser Vertrauen ausgesprochen, und er kann auf eine loyale Zusammenarbeit für die Interessen unserer Heimat und ihrer Bevölkerung zählen. Ein freies und offenes Bekenntnis zur Demokratie 'erscheint mir gerade in der heutigen Zeit besonders notwendig. Wir wissen, daß der Aufbau Österreichs ohne die Zusammenarbeit der großen politischen Parteien nicht möglich gewesen wäre, und wir freuen uns, daß es nicht wenige große Niederösterreicher waren, die in dieser Überzeugung am Aufbau des Staates mitgewirkt haben. Karl Renner, Julius Raab, Oskar Helmer und Leopold Figl waren die niederösterreichischen Repräsentanten dieser gemeinsamen Arbeit, und ihr Werk fortzusetzen ist Aufgabe der Landesregierung und des niederösterreichischen Landtages. Nicht ohne Besorgnis hören wir manchmal den Sand im Räderwerk der demokratischen Zusammenarbeit knirschen. Wir würden es begrüßen, wenn diese unerfreulichen Nebengeräusche der Demokratie aus dem Landhaus verbannt würden. Jede demokratische Zusammenarbeit setzt die Achtung vor der Überzeugung des anderen voraus, sie erfordert Toleranz und über die politischen Gegensätze hinaus einen guten menschlichen Kontakt, ohne den ein Zusammenwirken nicht möglich erscheint. Gerade die kleineren Gemeinschaften, die Gemeinden und die Bundesländer sind geeignet, solche echte demokratische Kontakte zu schaffen und zu sichern. Wenn wir die Demokratie in Österreich von unten aus aufbauen, von den Gemeinden über die Länder zum Bund, dann kann sich auch ein gesunder Föderalismus entwickeln, der für die Gestaltung der politischen Zukunft unserer Republik einen wertvollen Beitrag zu leisten vermag. Der Herr Landeshauptmann hat in seiner Erklärung darauf hingewiesen, daß die schweren Wunden, die Kriegs- und Nachkriegszeit geschlagen haben, weitgehend geheilt sind und darüber hinaus viele Werke von bleibendem Bestand und dauerndem Nutzen geschaffen worden sind. Ohne mich zu dieser Erklärung in Gegensatz zu setzen, möchte ich doch mit aller Deutlichkeit feststellen, daß viele Wunden des Krieges und vor allem Wunden der Besatzung noch immer vorhanden sind, und daß Niederösterreich daher ein Anrecht hat, dafür entschädigt zu werden, da es die schwersten Lasten des Krieges und die schwersten Lasten der Besatzung zu tragen ,hatte. Wenn wir nicht unberechtigte Sorgen über die Entwicklung der Wirtschaft in Niederösterreich haben, so ist dies auf das traurige Erbe der USIA-Betriebe und auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Marshal-Hilfe in Niederösterreich zehn Jahre zu spät und auch dann nur sehr mangelhaft wirksam geworden ist. Wir suchen keine Schuldigen, aber wir verlangen unser Recht. In einer Zeit, in der man so viel von Wiedergutmachung spricht, können wir mit gutem Grund die Forderung erheben: auch Wiedergutmachung für Niederösterreich. (Beifall im ganzen Hause.) Mit Besorgnis müssen wir feststellen, daß die Abwanderung aus unserem Bundesland noch nicht zu Ende ist und daß sich der allgemeine Wandel der wirtschaftlichen Struktur für Niederösterreich noch nicht positiv auswirkt. Wir unterstützen selbstverständlich jede Förderung zur Gründung neuer, gesunder Industriebetriebe, insbesondere in unserem Grenzland und im Waldviertel. Unsere Bemühungen wären aber erfolglos, wenn es nicht gelänge, die bestehenden Betriebe zu erhalten, zu modernisieren und konkurrenzfähig zu gestalten. Diese Aufgabe wird das Land allein nicht zu lösen vermögen. Wir rufen daher alle für Wirtschaftsfragen verantwortlichen Stellen auf, in engster Zusammenarbeit mit dem Land Niederösterreich eine rasche und dauernde Lösung dieser Probleme herbeizuführen. Wir denken an die Existenzsicherung für alle Niederösterreicher. Eine gesunde Entwicklung der Landwirtschaft und der gewerblichen Wirtschaft liegt uns ebenso am Herzen wie die Sicherung der Arbeitsplätze für unsere brave und fleißige Arbeiterschaft. Daß der Fremdenverkehr geeignet ist, alle Wirtschaftszweige zu befruchten, ist heute eine allgemeine Erkenntnis. Wir werten es daher positiv, daß die Frage des Fremdenverkehrs in der abgegebenen Erklärung einen breiten Raum einnimmt. Was uns wichtig erscheint, ist eine planmäßige Koordinierung aller Maßnahmen auf diesem Gebiet eine echte Zusammenarbeit der Fremdenverkehrsstellen mit dem Kulturreferat, da die Vergangenheit gezeigt hat, daß unsere Ausstellungen rund Museen ein wichtiger Beitrag für die Förderung des Fremdenverkehrs waren. Wir haben nicht weniger zu bieten als andere Bundesländer, die uns auf diesem Gebiet voraus sind. Sicher haben die Wiener Festwochen und die Salzburger Festspiele Weltruf erlangt und eine überragende Bedeutung für den Fremdenverkehr errungen. Es gilt zu beweisen, daß Niederösterreich, wenn auch nicht in so konzentrierter Form, an Kultur und Kunst nicht weniger zu bieten hat als andere Bundesländer. Die Dezentralisation unserer Festwochen in verschiedenen kulturell bedeutenden Orten des Landes und die Streuung unserer Museen in den verschiedenartigsten Landesteilen, die alle einen besonderen Charakter aufweisen, könnte gerade ein Anreiz sein, dieses Land wirklich zu suchen und das Kernland Österreichs, das die Ostgrenze der freien Welt darstellt, zu einem Reiseziel ausländischer Besucher zu machen. Vielleicht sind wir Niederösterreicher zu bescheiden. Erkennen wir unsere besondere Mission und bekennen wir uns stets stolz als Niederösterreicher, und wir werden schon dadurch eine Werbekraft auszustrahlen vermögen. Die Verantwortung für eine gesunde Entwicklung unserer Gemeinden stellt uns vor besondere Aufgaben. Die Gemeinden Niederösterreichs haben eine beachtenswerte Aufbauleistung erbracht und weit über ihre so genannten Pflichtaufgaben hinaus auf dem Gebiet der öffentlichen Wohlfahrt, des Wohnungsbaues, der Schul- und Kulturpolitik und dles Fremdenverkehrs mitgewirkt. Den Gemeinden die notwendigen finanziellen Mittel zu sichern und ihnen keine neuen Lasten aufzubürden, ohne füreine finanzielle Bedeckung zu sorgen, wird Aufgabe des Finanzausgleiches sein, und ich bin überzeugt, dass die Vertreter Niederösterreichs bei den Verhandlungen die Interessen der Gemeinden wahren werden. Die Gemeindeverfassungsnovelle stellt uns auch vor gesetzgeberische Aufgaben. Im Zusammenwirken mit Städtebund, Gemeindebund, den Gemeindverbänden Niederösterreichs und aller in Betracht kommenden Stellen hat sich das Gemeindereferat bemüht, eine Gesetzesvorlage auszuarbeiten, die heute dem Landtag zugeleitet wurde. Ich hoffe, daß die zuständigen Ausschüsse des Landtages dafür sorgen werden, daß dieses wichtige Gesetz bald dem Hohen Landtag zur Beschlußfassung vorgelegt werden kann. Das niederösterreichische Spitalsproblem ist sowohl ein Problem der Gemeinden als auch ein Problem eines notwendigen und gut organisierten Gesundheitsdienstes. Eine für die Spitalserhalter tragbare finanzielle Lösung zu suchen und zu finden ist dringendes Gebot. Die Erfordernisse für die Gesundheit unserer Bevölkerung, für Maßnahmen der Jugenderziehung und der Fürsorge sicherzustellen, war immer eine vornehme Aufgabe der Landespolitik und soll es auch in Zukunft im verstärkten Maße sein. Gesundheitsdienst und vor allem auch Jugendfürsorge kosten Geld, dafür aber ist die Gesundheit und eine gute Jugend ein unschätzbares Kapital für jedes Land und jedes Volk. Die Wechselwirkung von Schule und Jugend wurde mit Recht hervorgehoben. Ich pflichte der Auffassung voll 'bei, daß in der Demokratie die demokratischen Einrichtungen und ihre Repräsentanten der Jugend ein echtes und gutes Vorbild sein sollen. Nichts wäre verhängnisvoller, als wenn die Jugend vom politischen Geschehen nichts wissen wollte, d e m ahne Jugend von echter demokratischer Gesinnung gibt es keine fortschrittliche Demokratie. Begeben wir uns niemals in die Situation, die Goethe in Auerbachs Keller schildert, in der das Motto lautet: ,,Ein politisch Lied, ein garstig Lied", und in der das Völkchen den Teufel selbst dann nicht merkt, wenn er es am Kragen hätte. Daß die Ergebnisse der Schulenquete Grundlage der Schulpolitik in Niederösterreich sein sollen, ist neuerlich bekräftigt worden, und damit ist ein Beitrag geleistet, den besten Weg für die Ausbildung unserer Jugend zu beschreiten. Ebenso ist begrüßenswert, daß die Dringlichkeit der Wohnbauförderung betont wurde, und die Erkenntnis, daß eine gute und vernünftige Raumplanung durch gesetzliche Grundlagen gesichert werden soll. Niederösterreich sucht, wie der Herr Landeshauptmann mit Recht festgestellt hat, das gute Einvernehmen und die Freundschaft mit allen Bundesländern. Dies ist eine Voraussetzung dafür, daß unsere berechtigten Sonderwünsche, die sich aus der Geschichte der letzten 20 Jahre ergeben, erfolgreich vertreten werden können. Mit Genugtuung haben wir die freundliche Erklärung des Herrn Landeshauptmannes von Wien, Bruno Marek, über die Beziehung der Bundeshauptstadt und des Bundeslandes Wien zu Niederösterreich zur Kenntnis genommen und mit der gleichen Befriedigung die positive Antwort in der heute abgegebenen Erklärung. Die gemeinsamen Probleme, die noch ungelöst geblieben sind, erklären sich aus der langen gemeinsamen Geschichte von Wien und Niederösterreich und aus der geographischen Lage. Wir sind überzeugt, daß es gelingen wird, die Interessen beider Bundesländer so zu berücksichtigen, daß die Lösung der offenen Fragen zum Vorteile von Wien und Niederösterreich erfolgt. Es würde zu weit führen, zu allen Detailfragen der abgegebenen Erklärung gesondert Stellung zu nehmen. Nochmals auf die Wichtigkeit eines Straßenprogramms hinzuweisen oder auf die Notwendigkeit, einem guten Dienst für den Fall von Katastrophen sicherzustellen, hieße Eulen nach Athen tragen. Ebenso selbstverständlich scheint es, daß wir alle gemeinsam bemüht sein müssen, die Notlage zu lindern, die durch das verheerende Hochwasser entstanden ist, und daß wir uns einig sind im Dank an die vielen freiwilligen und unbedankten Helfer in den Tagen der schweren Heimsuchung unseres Heimatlandes. Für alles, was an Notwendigkeiten der Arbeit für Niederösterreich aufgezählt wurde, gilt der Satz: ,,Verba docent, exempla trahunt - Worte lehren, Taten überzeugen." Das niederösterreichische Volk erwartet von uns allen, wo immer wir stehlen, positive und konstruktive Arbeit für unser Heimatland. Lassen wir also den Worten die Taten folgen. Wenn wir alle als Niederösterreicher im Geist der Demokratie und im Bestreben, einen guten Ausgleich herbeizuführen, ans Werk gehen, dann wird die niederösterreichische Landesregierung unter dem Vorsitz des neuen Landeshauptmannes ihre Aufgaben erfüllen können. Dies ist unser Wunsch im Interesse unseres Heimatlandes und im Interesse der Republik Österreich. (Beifall im ganzen Hause.) PRÄSIDENT WEISS: Zu Wort gelangt Herr Abg. Stangler. Abg. STANGLER: Hoher Landtag! Als Sprecher der Österreichischen Volkspartei möchte ich mich nicht so sehr mit Einzelproblemen beschäftigen, sondern einige prinzipielle Feststellungen zur Erklärung des Herrn Landeshauptmannes treffen. Der nunmehr vom Landtag gewählte neue Landeshauptmann, Dipl.-Ing. Hartmann, hat in seiner Erklärung die wichtigsten Probleme, die Niederösterreich betreffen, aufgezeigt. Wir Abgeordnete dieses Hohen Hauses wurden schon zu wiederholten Malen mit diesen Problemen konfrontiert. Manches wurde in den vergangenen Jahren unter den Landeshauptleuten Steinböck und Figl erreicht, manche Probleme - geben wir uns keiner Illusion hin - sind offengeblieben, neue Probleme kommen Jahr für Jahr und Tag für Tag hinzu. Ich denke hierbei besonders an die furchtbaren Schäden der Hochwasserflut der letzten Wochen und Tage. Es wird unsere gemeinsame Aufgabe in diesem Hause sein, realistisch zu sehen, ernst zu beraten und zu versuchen, gemeinsame Wege zu finden, die zu einer Lösung der Probleme führen. Es ist bekannt - es wurde auch von meinem verehrten Vorredner darauf hingewiesen -, daß unser Bundesland Niederösterreich 20 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges und zehn Jahre, seitdem der letzte Besatzungssoldat Niederösterreich verlassen hat, eine Hypothek zu tragen hat, die es für ganz Österreich auf sich zu nehmen hatte. Es ist daher selbstverständlich, daß wir nicht betteln, sondern verlangen dürfen, dass alle Stellen einsehen, daß Niederösterreich für ganz Österreich große Opfer gebracht hat, und daß alle zur Mithilfe verpflichtet sind, um dem flächenmäßig größten Bundesland Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wir haben unsere Wünsche wiederholt klar formuliert. Ich erinnere an die Budgetberatungen in den letzten Jahren. Wir haben den Repräsentanten des Bundes und den Repräsentanten der anderen Bundesländer unsere Sorgen dargestellt. Leider haben die Verhandlungen nicht immer den gewünschten Erfolg gehabt. Das zeigt sich auch bei den laufenden Verhandlungen nm den schwierigen neuen Finanzausgleich. Leider ist man nicht überall bereit, niederösterreichische Schwierigkeiten richtig zu verstehen. Ich befinde mich hier in klarer Übereinstimmung mit meinem Vorredner. Wir erwarten das Verständnis des Bundes und der anderen Bundesländer für diese schwierige Situation Niederösterreichs. Es wird eine vordringliche Aufgabe des neuen Landeshauptmannes sein, die Angelegenheiten Niederösterreichs allerorts so sachlich zu vertreten, wie er dies auch als Minister getan hat. 'Er war ja im Staat - in allen Bundesländern - als Landwirtschaftsminister ob seiner Sachlichkeit bekannt geworden und geachtet worden. Unsere ehrlichen Bemühungen und unsere härteste politische Arbeit Würde aber ohne Fundament bleiben, wenn es nicht gelänge, die jungen Mitbürger Niederösterreichs zum Mitdenken, zur Kritik und zur Mitarbeit für das öffentliche Leiben zu gewinnen. Ich begrüße es namens meiner Fraktion, der Österreichischen Volkspartei, besonders, daß sich der Herr Landeshauptmann so präzise, klar und von solchem Optimismus erfüllt an die junge Generation dieses Landes gewandt bat, daß er den größten Wert darauf legt, daß die junge Generation im öffentlichen Leben mitarbeitet. Mein verehrter Vorredner hat ein Zitat aus Goethes ,,Faust" gebracht. Ich glaube, wir sollten dieses Zitat nie mißverstehen. Wenn es heißt: ,,Ein garstig Lied, pfui, ein politisch 'Lied, ein leidig Lied", wer spricht dieses Wort und wo wird es gesprochen? Er läßt diese Worte einen verbummelten, betrunkenen Studenten, der unter dem Tisch liegt, sprechen, also einer verkrachten Existenz, denn er als späterer Staatsminister von Weimar wußte sehr wohl um den echten Wert ,der Arbeit für das öffentliche Leben, und dies wollen wir als Appell an die junge Generation am heutigen Tag richten, daß sie bereit ist, sich nach dem alten klassischen Ziel für das Forum-Kommune einzusetzen. Es ist erfreulich, daß heute das Bekenntnis zur Demokratie mehr als einmal zum Ausdruck gebracht wurde. Der Herr Landeshauptmann hat seine Rede mit einem Hinweis auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ,,Politik" beschlossen. Ich möchte ergänzend auch ein Wort zur ,,Demokratie" sagen. Demokratie bedeutet Volksherrschaft, Demokratie bedeutet aber auch Mitarbeit aller, vom jüngsten bis zum ältesten Mitbürger Niederösterreichs. Arbeiten wir dafür, daß unsere Republik in diesem Sinne wirklich eine gelebte Demokratie ist und bleibt. Demokratie sieht die Mitarbeit aller vor, sie braucht das tolerante Gespräch, und ich möchte feststellen, daß es auch in schwierigen Zeiten, in einer Krisenzeit Österreichs zwischen den beiden Weltkriegen, dieses tolerante Gespräch am längsten in Niederösterreich gegeben hat. Demokratie kennt aber auch das Prinzip der Mehrheit; Mehrheit bedeutet aber besondere Verantwortung und Verpflichtung. Nach diesen Grundsätzen der besonderen Verantwortung und Verpflichtung sowie der Bereitschaft zu diesen toleranten Gesprächen möchte ich ein Bekenntnis namens der ÖVP zur sachlichen Zusammenarbeit ablegen. Diese Zusammenarbeit entspricht auch den Intentionen unserer Landesverfassung, die ein kollegiales Regierungsorgan vorsieht. Vor kurzem haben wir den 20. Jahrestag der Zweiten Republik gefeiert. 20 Jahre können sehr leicht dazu führen, daß man sich wohl zu den demokratischen Einrichtungen bekennt, oft aber vergißt, wie notwendig es ist, diesen Einrichtungen Inhalt zu geben. Die größte Gefahr besteht darin, daß Demokratie zu einer Frage der Taktik, einer Frage der Zweckmäßigkeit, der Phrase, zum Lippenbekenntnis wird. Dies würde und wird gerade von der jungen Generation eines Volkes schneller erkannt als manche glauben. Ich unterstreiche, was der Herr Landeshauptmann in seiner Rede gesagt hat und was auch von meinem Vorredner voll unterstrichen wurde. Die junge Generation erwartet auch von der Politik und von den Politikern Beispiel und Vorbild. Dies ist um so eher möglich, wenn wir uns in den Ausschüssen des Hohen Hauses und im Plenum bemühen, daß die Probleme sachlich und kritisch Behandelt, daß sie im Geiste der Sachlichkeit beraten werden. Für die ÖVP war es nach dem Tode Leopold Figls selbstverständlich, einen profilierten Politiker für die Spitzenfunktion dieses Landes zu designieren. Die Richtigkeit dieser Designierung beweist die einstimmige Wahl des neuen Landeshauptmannes am heutigen Tage. Die Eröffnungsrede, die Erklärung, die Herr Landeshauptmann Dlpl.-Ing. Hartmann in Übereinstimmung hier abgegeben hat, bewies größte Sachkenntnis. Diese Erklärung war auch getragen von Optimismus, und ich glaubbe, darauf kommt es immer wieder an, daß wir uns jenen Optimismus bewahren, der notwendig ist, um alle Schwierigkeiten des öffentlichen Lebens überwinden zu können. Diese Rede war aber auch getragen von einer Einladung an alle Mitbürger dieses Landes Niederösterreich, vor allem an die jungen Mitbürger. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß der Appell über diesen Saal hinaus im ganzen Lande Niederösterreich ein Echo findet. Dem Nachfolger Leopold Figls, dem neuen Landeshauptmann Dipl.-Ing. Hartmann, gilt in dieser Stunde unser aufrichtiger Wunsch, es möge ihm durch Gottes Sagen eine erfolgreiche Regierungstätigkeit beschieden sein, zum Wohle unseres Bundeslandes, aus dem so viele hervorragende Politiker der Republik hervorgegangen sind, zum Wohle unseres gemeinsamen Vaterlandes, der Republik Österreich, vor allem aber, das lassen Sie mich zum Schluß unterstreichen, zum Wohle unserer Mitbürger in Niederösterreich. (Beifall im ganzen Hause.) PRÄSIDENT WEISS: Somit ist die Tagesordnung der heutigen Sitzung erledigt. Es werden sogleich nach dem Plenum der Finanzausschuß, der Gemeinsame Finanz- und Verfassungsausschuß, der Fürsorgeausschuß, der Gemeinsame Kommunal- und Verfassungsausschuß sowie der Schulausschuß ihre Nominierungssitzungen im Herrensaal abhalten. Die nächste Sitzung wird im schriftlichen Wege einberufen werden. Die Sitzung ist geschlossen. (Schluß der Sitzung um 16 Uhr 17 Minuten.)