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HAUSARBEIT WALSER

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IES en Lenguas Vivas Juan Ramón Fernández
Traductorado en Alemán
Fach: Deutsche Gegenwartsliteratur
Dozentin: Swantje Mikara
Studentin: Vanesa Haunold
November 2019
Hausarbeit
Martin Walser, Tod eines Kritikers
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
S. 3
Zum Buch
S. 4
Der Inhalt
S. 4
Das Genre und die Untergattung
S. 4
Der Literaturbetrieb: Ein Königreich?
S. 5
Zeugen
S. 6
Tod einer Würde
S. 8
Fazit
S. 9
Literaturverzeichnis
S. 10
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Einleitung
Zu den anerkanntesten Schriftstellern des 20. Jahrhundert gehört Martin Walser (Wasserburg,
1927). Das Schreiben begleitet ihn seit dem Alter von 12 und heute mit 92 Jahren schreibt er
immer noch. Da er sein ganzes Leben der Literatur gewidmet hat, haben seine Interessen
sowohl als auch seine Untersuchungen in vielen Themenbereichen stattgefunden. Für seine
Recherche und somit veröffentlichten Werke in Bezug auf die Einheit Deutschlands hat er
den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen. Mit dieser Thematik befasste sich
Walser für mehr als 50 Jahren, den Preis bekam er im Jahr 1998.
Nachdem er viele Jahre sein Schreiben der deutschen Republik widmete, entschloss Walser
sich, Bücher über Themen zu schreiben, die auf sein persönliches Leben trafen. Eines dieser
Themen ist der Literaturbetrieb. Als bejahrter Autor kennt er sich sehr gut mit dem aus, wie
der Buchhandel und das Verlagswesen mit der Literatur umgeht. Walser hat sein ganzes
Leben neben Autoren, Verleger und Medien die das Geschäft des Literarischen ausmachen
verbracht. Man könnte sagen, er hat einen sehr guten Überblick auf dem Betrieb, der die
deutsche Literatur kontrolliert. Doch ihm stört diese Art von Kontrolle, die über das Leben
der Autoren und deren Bücher bestimmt. Von all den Erfahrungen die er im deutschen
Betrieb lebte, möchte er nicht schweigen. Und Walser hat sich immer über kontroverse
Themen geäußert. Diese Etappe seines Lebens, wo endlich ganz persönlich geprägte Texte
von ihm erscheinen, brachte mehrere Debatten. Martin Walser hat sich diesbezüglich ende
der 90er Jahren auf die Literaturkritik konzentriert und inwiefern sie die Autor*innen
beeinflusst.
Eines der wichtigsten kritischen Auge für neu erscheinende Literatur trägt seit 1988 die
Literatursendung “Das Literarische Quartett”, welche heute noch im Fernsehen schaubar ist.
Es wird über allerlei Werke von Autor*innen aus ganz Deutschland der Gegenwartsliteratur
gesprochen. Die Sendung wurde seit ihrer Gründung von Marcel Reich-Ranicki (1920-2013)
moderiert. Bevor er die Leitung begann, war er schon ein bekannter Literaturkritiker der
Gruppe 47 und ein prominenter Redakteur in den Zeitungen Die Zeit und Die Frankfurter
Allgemeine. Nach einigen Jahren Sendung wurde er dann auch schon durch seine
Berühmtheit in Deutschland zum „besten Literaturkritiker Deutschlands“ . Manchmal
erblickte ein Buch erst dann die Welt, wenn Reich-Ranicki es im Literarischen Quartett mit
seinen Kollegen besprach. Diese Art Vergöttlichung, das ganze Literarische durch einen
Menschen zu betrachten, beunruhigt Martin Walser. Er entschied sich also im Jahr 2002 ein
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unerwartetes Buch zu veröffentlichen, wessen ein Skandal im Literaturbetrieb löste. In
seinem bekannten Schlüsselroman Tod eines Kritikers nimmt Walser den ganzen
Literaturbetrieb inklusive den Kritiker Reich-Ranicki auf den Arm.
Zum Buch
Der Inhalt
Ich-Erzähler Michael Landolf ist Schriftsteller. Aber nicht so einer wie sein Freund Hans
Lach, der berühmte, der sich in den Medien zeigende. Doch als dieser wegen Mordverdacht
verhaftet wird, muss Landolf in die von ihm gegenübergestellte Welt seines Freundes
eindringen. Was hat aber Lach getan? Als das letzte Buch des prominenten Schreibers vom
famosen Literaturkritiker André Ehrl-König verrissen wurde, tauchte Hans Lach auf der
After-Sendung Party auf. Auf diesem monatlichen Fest kamen nur Autoren, deren Bücher
nicht verrissen wurden sowie prominente Politiker und die bedeutendsten Feuilletonisten und
Redakteure. Hans Lach beschimpft Ehrl-König und wird von der Party rausgeschmissen. Am
nächsten Morgen steht das Auto vom berühmten wenn nicht einzigen Kritiker noch vor der
Villa, wo die Party stattgefunden hatte. Von ihm fehlte jede Spur. Noch dazu liegt auf dem
Auto sein gelber Cashmere-Pullover, befleckt mit Blut. Die Polizei (und eigentliche fast alle)
beschuldigten Hans Lach; er war der letzte der den Kritiker beschimpft hatte und wurde
wegen Mordverdacht verhaftet wird. Im Buch geht es um die Beweissuche Landolfs, Lachs
Unschuld zu demonstrieren. Er interviewt jeden Menschen der den deutschen Kritiker kennt
oder kannte und fällt in den Wahn des Literaturbetriebs, wo Masken herunterfallen, sich
Geheimnisse lüften und Literatur-Verschwörungstheorien vorkommen.
Das Genre und die Untergattung
Tod eines Kritikers ist ein Schlüsselroman und ist in der erlebten Rede geschrieben. Ein
solcher Roman basiert auf echten Ereignissen. In diesem Fall handeln diese vom wahren
Leben Martin Walser´s. Die Merkmale gleichen den typischen Prosatext in der Romanform.
Die Handlungen von Tod eines Kritikers wurden in einer detektivmäßigen Weise
geschrieben; es geht auch darum, ein Geheimnis zu lüften (was ist mir André Ehrl-König
passiert?). Die Untergattung basiert also durch das Entschlüsseln von Sachverhalte und
Charaktere (es ist jedoch keine Voraussetzung, das Buch als ein Schlüsselroman zu lesen,
um es zu geniessen). Alle Persönlichkeiten, die in diesem Buch Vorname und Nachname
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tragen, entsprechen (oder entsprachen) einem wahren Menschen in der Realität. Die Figur,
auf der meist gedeutet und attackiert wird,, ist Marcel Reich-Ranicki als André Ehrl-König.
Der Literaturbetrieb: Ein Königreich?
Das ganze Szenario in Tod eines Kritikers welches der Ich-Erzähler betreten muss, um die
Unschuld seines Freundes zu beweisen ist die “Literaturschickeria”. Im ganzen Roman
möchte gezeigt werden, wo und wie die Fäden des deutschen literarischen Lebens gezogen
werden und die Gegenwartsliteratur und deren Schreiber geführt und bestimmt werden.
Martin Walser versucht dieses Leben so facettenreich wie möglich zu gestalten, so kommt
immer wieder eine anders aufgebaute Darstellung dieser kritisierten Welt im Buch vor. Im
ersten Kapitel spult der Erzähler mehrmals eine Kassette mit einer Aufnahme von André
Ehrl-Königs Literatursendung „Sprechstunde“. Dies ist vielleicht ein Teil der meist
ausführlichsten Absätze im Buch, die ein Stück dieser dargestellten Literaturwelt beschreibt:
“[...] Ehrl-König kommt in einem scharf begrenzten Lichtschacht am Rand der Sitzreihen herein,
betritt über drei Stufen die Bühne, hinter ihm seine TV-Assistentin Beatrice, von der der Professor
sagt, sie heiße in Wirklichkeit Inge. Beatrice wartet, bis er über zwei weitere Stufen zu seinem Sessel
steigt. Der ist schön imitiertes Empire, helles Holz, man soll an Marmor denken, goldene Rillen und
Blätter, Zeus-Symbole (Adler und Blitz), die vier Füße, auslaufend in Löwentatzen, die auf vier 21
Büchersockeln stehen. Vielleicht Attrappen. Auf jeden Fall sinken die Löwentatzen ein bißchen in die
ledernen Buchdeckel ein. Die Buchrücken sind so beleuchtet, daß man lesen kann, worauf Ehrl-König
thront: FAUST, EFFI BRIEST, ZAUBERBERG, BERLIN ALEXANDERPLATZ. [...]” (Walser,
2002, S. 20 f)
Martin Walser angelt seine Leserschaft mit einer besonderen Weise die Dingwelt zu
gestalten. Sein Netz ist Übertriebenheit, und er spart nicht an grenzenlose Beschreibungen. Es
geht ihm ja auch darum, die Aufmerksamkeit in Bezug auf den Literaturbetrieb zu wecken,
welches die Durchschnittsleser nicht kennen. Von dieser entnommenen Stelle kann man
mehrere Merkmale sehen. Der Eintritt des Kritikers in seine Show ist kolossal, göttlich. Er
setzt sich auf einen Sessel, der mehr oder weniger einen Thron gleicht. Wieso muss der
Kritiker auf einem Thron sitzen? Und wieso tut er das auch noch auf Meisterwerke?
Vielleicht, weil er der beste Literaturkritiker Deutschlands ist, kann er sich das erlauben. Die
Vergöttlichung des Kritikers schildert Walser wie „Zeus-Symbole“. Mit kleinen jedoch fiesen
Merkmalen skizziert Walser, wie „die
Löwentatzen ein bißchen in die ledernden
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Buchdeckel“ einsinken. Ist das eine zärtere Art zu äußern, dass der Kritiker dick ist? Oder ist
das eine Metapher für seine imposante Beharrlichkeit in der deutschen Literatur?
Ein Literaturkönig des deutschen Literatur-Königreichs der gnadenlos bestimmt, welche
Bücher am Leben bleiben und welche nicht. Dieser eiskalte Bücher-Verriss rechtfertigt
Walser durch die Figur André Ehrl-König selbst. Am Abend auf der Party wo Hans Lach den
Kritiker konfrontierte und bald darauf weggeschleppt wurde, wie im Mittelalter die
unerwünschten Gäste auf einem königlichen Fest, wird geschrieben:
“[André Ehrl-König] beschwerte sich über die Undankbarkeit der Scheriftsteller. Nachgewiesen sei,
daß auch Bücher, die er verreiße, sofort zwanzigtausendmal verkauft würden. Gut, die er pereise,
seien sofort einhunderttausendmal verkauft, aber zwanzigtausend von einem schlechten Buch, dafür
könne doch jeder Autor dankbar sein. Solange Ehrl-König über mich spericht, gibt es mich, habe
einer gesagt [...]” (Walser, 2002, S. 30)
Der Kritiker verfügt über eine (starke) Kontrollierbarkeit bezüglich diejenigen Bücher, die er
beurteilt. Im Buch scheint einem/er Autor/in egal zu sein, ob deren Würde komplett
vernichtet wird (wie die von Hans Lach). Das wichtige ist, man wird vom Literaturpapst
wahrgenommen wird. “Wer auf SEINER LISTE steht, der existiert”, sagt dann auch eine
Stimme im Buch. Es klingt nach einer Todesliste.
Zeugen
Jede Demaskierung vom Kritiker wird enthüllt, indem der Ich-Erzähler mit einem Bekannten
von EK ins Gespräch kommt. Es stellt sich am Ende heraus, dass der Erzähler Michael
Landolf derselbe Hans Lach ist. Das weiß man aber bis zu den letzten Seiten des Buches
nicht. Hans Lach, derjenige der den eigentlichen Zorn gegen EK zeigen sollte, beurteilt EK
im Buch nie (deswegen schweigt Hans Lach als Landolf ihn im zweiten Kapitel bei der
Polizei besucht), und das ist auch die fantastische Idee Walsers einen “erfundenen” Charakter
ins Spiel zu setzen: Da sich dann herausstellt, dass dieser nur eine Funktion als AußenBetrachter (sowie auch ein Ermittler) erfüllt, gibt es vom beschuldigten und
mordverdächtigen Hans Lach keinen einzigen “Ich-gegen-dich” in Bezug auf EK. Mit
anderen Worten, im Roman wird EK nur durch Dritte oder durch den “fiktiven” Ich-Erzähler
beurteilt. Dieser wichtige Schreibstil, den Walser benutzt, ist nicht umsonst. Er inszeniert
eine gewisse Distanz zu einer Persönlichkeit auf die er (harte) Kritik üben möchte, denn die
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Idee liegt am Kritisieren im selben Schlüsselroman selbst, nicht nur durch den
Schlüsselroman.
Einer dieser Charaktere der mit Landolf spricht, präsentiert sich im Buch als “fast”
befreundet mit den mordverdächtigen Hans Lach und ist auch ein vom Kritiker-König
komplett vernichteter Schriftsteller. Sein Name ist Bernt Streiff und nannte André Ehrl-König
einen “Totengräber der deutschen Literatur”. Bei einem Telefongespräch zwischen Landolf
und ihm äußert er sich über das Verschwinden des Kritikers. Er liest dem Erzähler sein
“vorläufiger Nachruf” vor. Ein Teil sagt folgendes:
“[...] Ich finde, ich sei feige, wenn ich nicht sage, daß mich dieser Tod nicht traurig macht. Das
Gemeine ist, daß dieser Tod unsereinen zwingt, sich zu verhalten. Die gewöhnliche Trauer, das
übliche Bedauern, das schnelle Zurück zur Tagesordnung —, dieser Tod, der Tod dieser Figur, läßt
das nicht zu. Es ist, als ob dieser jetzt Tote uns zwingen wolle, zu seinem Tod Ja zu sagen oder Nein
zu sagen. Der Entwederodermann! Und ich war immer ein Gegner seines Ja oder Nein. Immer! Von
Natur aus. Aus Erfahrung und aus Bedürfnis. Und behalte dies bei. Das spüre ich. Auch jetzt im
Todesfall lasse ich mich nicht von Herrn E-K zwingen, mich auf ein Ja oder Nein einengen zu lassen,
sondern ich juble geradezu hinaus, daß ich zu seinem Tod ganz genau so laut Ja rufe wie Nein.
Genauso laut Nein wie Ja! Ich singe mein Sowohlalsauch.” (Walser, 2002, S. 57)
Der Literaturpapst ist so mächtig, dass auch wenn er nicht mehr am Leben ist (das weiß man
auf dieser Stelle aber noch nicht), immer noch präsent ist; seine Macht zumindest. EK’s
Machtausübung folgt das Entweder-Oder-Kriterium. Bücher sind entweder die Besten oder
die Schlechtesten, Autor*innen entweder die Begabtesten oder die Untalentiertesten.
“Zwischentöne sind eher unerwünscht”, schreibt Bories vom Berg in einer Rezension über
Tod eines Kritikers. Er sagt auch, dass sich das Publikum einen solchen Extremismus
wünscht. Die Leute erwarten entweder einen “gnadenlosen Verriss” oder ein “euphorisches
Hochloben”, sagt von Berg. Und genau so zeigt das zitierte Telefongespräch, wie Walser
durch den verrissenen Bernt ein Gegner des “Ja oder Nein” ist: Er ist kein Söldner gegenüber
seinen Kollegen. Er würde nie seine schreibenden Freund*innen einem Zustand zuordnen,
wo si es „schaffen können“ oder nicht. Denn die Ja-oder-Nein-Kultur ist banal und beleidigt
die Literatur, die nicht dazu da ist, ein unterhaltungswütiges Publikum zu stillen sondern eine
Kulturgemeinschaft zu bereichern.
Es gibt einen weiteren Charakter, der sich im Buch gegen EK stellt (während dieser noch
verschwunden bleibt). Rainer Heiner Henkel, ehemaliger Autor, EK’s „Souffleur“, seine
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rechte Hand. Die Ironie liegt daran, dass EK an die Spitze durch RHH gekommen ist. Durch
eine Person die der Kritiker selbst als „Autor der fünf erfolglosesten Lyrikbücher der
Literaturgeschichte“ bezeichnete. Auf welche andere Weise hätte Walser eine Satire
vollfertigen können, wenn nicht mit ein wenig Ironie?
Tod einer Würde
Auch wenn Walser im Buch die Beziehung zur Wirklichkeit mit Humor oder Ironie darstellt,
kann man bei einer zweiten und genaueren Lektüre von Tod eines Kritikers bemerken dass
Walsers Schlüsselroman auch ein satirisches Manifest zur deutschen Gegenwartsliteratur
gegen die Literatur als System ist. André Ehrl-König, seine Anhänger und das ganze System
welches diese Akteure unterstützten, sind Betrüger. Walser will bewusst machen, dass sich
die deutsche Literatur auf einer boshaften Weise beschränken und manipulieren lässt. Wieso
spricht man eigentlich von “guter” oder “schlechter” Literatur? Für den süddeutschen
Schriftsteller ist bedauernd, dass sie im Wirbel der Macht und des Geldes gefangen ist. Es
gibt ein Charakter im Buch, der dieses Phänomen am besten beschreibt. Als Hans Lach in
einem Psychiatriezentrum bleiben muss und der Ich-Erzähler ihn dort besucht, kennt er Mani
Mani lernen; “Lach hält Mani für einen Dichter, redet nur noch vom großen Dichter Mani”.
Denn Mani Mani war ein Schriftsteller, der es im Wirbel nicht geschafft und sich nicht an die
Regeln des deutschen literarischen Königreichs nicht anpassen konnte; außerdem noch
ungerecht in einem Irrenhaus gelandet. So Mani Mani:
“[...] Als ich Heine las, schoß es mir durch den Kopf: Heine war ein großartiger Lyriker. Ich glaube zu
wissen, daß ich zweiundachtzig Jahre alt werde. Würde ich fünfundachtzig, könnte ich neben Heine
bestehen. Aber so alt werde ich nicht. Also komme ich gleich nach Heine. Ich will gar nicht
weltberühmt werden. Vielleicht ist das ein Zeichen dafür, daß ich es doch noch werde. Ich denke
schon seit langer Zeit sehr schlecht von mir.”. (Walser, 2002, S. 99)
Walser verleiht Mani Mani die Stimme, um zu erinnern, dass Literatur, wo immer sie auch
endet, im Herzen eines leidenschaftlichen Dichters ihren Ursprung hat. Walser’s Philosophie
zeigt sich durch diese Figur. Leider bringt er sich am Ende um, ein Teil der warmherzigen
Literatur stirbt mit ihm. Doch Mani Mani stellt im Roman eine Existenz dar, die nicht vom
Betrieb korrumpiert wurde. So der Erzähler über Mani Mani’s Tod:
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“Der Dichter ist tot. Es lebe die Literatur. Das unselige Gemenge. Die sarkastische Sause. Der
gnostische Garaus. Die polyglotte Party. Der globale Gusto. Der fröhliche Flächenbrand.” (Walser,
2002, S. 142)
Die wahre Literatur ist eine bunte und facettenreiche Welt: sarkastisch, lustig, real. Der Tod
des “erfolglosen” Dichters wrikt wie eine Botschaft von Walser an die Welt, dass die
Literatur lebt und sie muss gerettet werden. Mani Mani’s Stimme wird im Buch so
eingeführt: “Damit bin ich praktisch bei Mani, den Sie jetzt, bitte, zur Kenntnis nehmen
wollen.”. Es ist auch eine Bitte Walser’s an die Lesenden: Nehmt die wahren Dichter ernst.
Fazit
Als Schlüsselroman hatte das Buch schließlich eine sehr starke Wirkung auf die Realität. Alle
dargestellten Personen fühlten sich betroffen. Die wichtigste ist zwar André Ehrl-König als
Marcel Reich-Ranicki. "Walser hat noch nie so ein erbärmliches Buch geschrieben", sagte
dieser im Februar 2002, ein paar Monate nach der Veröffentlichung des Buches. Auch alle
anderen Charaktere wie der Verleger (Ludwig Pilgrim), seine Frau (Julia Pelz), zwei
Autoren-Geschwister (in der Wirklichkeit ist es ein Autoren-Ehepaar), die Frau vom Kritiker,
usw. werden im Roman ganz detailliert dargestellt, wie sie eigentlich “sind”. Martin Walser
spricht ja auch über seine Arbeitskollegen. Es sind öffentliche Personen die eine bestimmte
(politische) Stellung nehmen von denen sich Walser bedient um seinen ausführlichen Roman
zu schreiben. Die Satire soll auf das Ganze deuten: auf dem Betrieb; auf dem, der an der
Spitze steht und auf die, die mitmachen und abhängig sind. Der am Anfang des Buches
verblüffter Ich-Erzähler und alle anderen Charaktere stellen den Literaturbetrieb bloß,
vielleicht besser als Walser selbst in einem Gespräch machen könnte.
Die Debatte um das Buch war riesieg. Manche nannten das Buch „antisemitisch“ (weil
Ranicki Jude war) oder „literarische Rache“ (weil Ranicki Walsers Werke zerrissen hat),
andere ein bisschen zu weit vielleicht wie die Schriftstellerin Gertrud Seehaus sieht Tod eines
Kritikers als ein „Männerschlachtfeld“. Das Buch sorgte also für viel Medienskandal. Mit
dem verschlüsselten Roman gelingt es dem Autor auch sich vor allen Kritiken oder Vorwürfe
zu schützen. Vielleicht wollte Walser nur den Literaturbetrieb auf den Kopf stellen.
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Literaturverzeichnis

Albath, Maike: „Tod eines Kritikers“, unter: https://www.deutschlandfunk.de/todeines-kritikers.700.de.html?dram:article_id=80548

Kursko, Jan: „Der Tod des Kritikers“, unter:
https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2013/oktober/der-tod-des-kritikers

Vom Berg, Bories: „Zwischentöne sind eher unerwünscht“, unter:
https://www.literaturzeitschrift.de/book-review/tod-eines-kritikers/

Walser, Martin. Tod eines Kritikers: Roman. 1. Aufl, Suhrkamp, 2002.
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