1. ------IND- 2014 0427 UK- DE- ------ 20140929 --- --- IMPACT Titel: Standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen Folgenabschätzung (FA) FA-Nr.: 3080 Datum: 17.6.2014 Phase: Konsultation Leitendes Ministerium oder leitende Behörde: Ministerium für Gesundheit Interventionsquelle: Inland Sonstige Ministerien oder Behörden: Art der Maßnahme: Sekundäre Gesetzgebung Kontakt für Anfragen: DH Tobacco Programme Zusammenfassung: Intervention und Optionen RPC-Stellungnahme: GELB Kosten der bevorzugten (oder wahrscheinlicheren) Option Im Nettogegenwart Nettokosten für Gesamtnettogegenw Anwendungsbereich Die Maßnahme wird swert für Unternehmen pro Jahr artswert der „One In, One eingestuft als (EANCB zu den Preisen von 2009) Unternehmen Out“-Regel? £27.7 bn £332m £-31m (Nettogewinn) Ja Keinerlei Nettokosten Welches Problem wird behandelt? Warum ist ein Eingreifen der Regierung notwendig? Der Tabakkonsum stellt im gesamten Vereinigten Königreich weiterhin eine der wichtigsten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit dar und ist die häufigste Ursache für einen frühzeitigen Tod im Vereinigten Königreich. Der Raucheranteil hat sich zwar in den letzten Jahrzehnten verringert, aber in den vergangenen Jahren hat sich der Rückgang verlangsamt. Die Regierung ist weiterhin besorgt wegen der Zahl junger Menschen, die mit dem Rauchen beginnen, den Schwierigkeiten von erwachsenen Rauchern, mit dem Rauchen aufzuhören und den Folgen für die Gesundheit Anderer, die Passivrauch ausgesetzt sind. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass eine standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen die Attraktivität von Tabakerzeugnissen reduzieren, die Wirksamkeit von Gesundheitswarnungen auf Tabakpackungen erhöhen und die Möglichkeit beschränken kann, dass die Verpackung der Tabakerzeugnisse die Verbraucher über die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens in die Irre führt. Sie könnte außerdem deutlicher ins Bewusstsein rücken, welchen Beitrag das Rauchen zur Aufrechterhaltung sozioökonomischer Unterschiede im Gesundheitszustand leistet. Welche Ziele werden mit der Maßnahme verfolgt, und welches sind die gewünschten Auswirkungen? Die Ziele einer standardisierten Verpackung von Tabakerzeugnissen sind die Verbesserung der öffentlichen Gesundheit, indem junge Menschen davon abgehalten werden, mit dem Rauchen zu beginnen, Raucher beim Aufhören zu unterstützen und ehemaligen Rauchern zu helfen, nicht wieder mit dem Rauchen zu beginnen. Werden diese Ziele erreicht, wird dadurch die Gesundheit derjenigen Personen verbessert, die niemals mit dem Rauchen anfangen, und derjenigen, die erfolgreich mit dem Rauchen aufhören. Außerdem sind weitere Vorteile möglich, wie die Verringerung der Unterschiede im Gesundheitszustand und weniger Passivrauchen, das der Gesundheit von Kindern besonders schadet. 1 Welche Maßnahmenoptionen wurden berücksichtigt, einschließlich Regulierungsalternativen? Bitte bevorzugte Option begründen (nähere Einzelheiten im Abschnitt „Nachweisbasis“) Option 1: Verpflichtende Gesetzesänderungen, die das Vereinigte Königreich an die bis 2016 umzusetzende europäische Tabakrichtlinie angleichen. (Hierbei handelt es sich im Grunde um eine Option „keine Maßnahme“.) Option 2: Über die europäische Tabakrichtlinie 2016 hinausgehend Verpflichtung zu einer standardisierten Verpackung für Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen. Gemäß dem im Konsultationsdokument beschriebenen Ansatz würde dies die Standardisierung der Verpackungsfarbe und -form sowie das Entfernen jeglicher Markenmerkmale (Branding) mit Ausnahme des Markennamens sowie ein standardisiertes Schriftbild bedeuten. Gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungen wie Gesundheitswarnungen und Steuermarken würden beibehalten, ebenso wie Kennzeichnungen zur Authentifizierung, um den Handel mit illegalen Tabakerzeugnissen einzudämmen. Option 3: Aufschub der Entscheidung, bis Erkenntnisse aus den Erfahrungen mit einer neutralen Verpackung in Australien vorliegen. Option 2 wird angesichts des möglichen wesentlichen gesundheitlichen Nutzens bevorzugt. Ein Aufschub würde dauerhafte Nachteile für eine große Zahl Jugendlicher und Personen bedeuten, die das Rauchen aufgeben möchten. Wird die Maßnahme überprüft? Ja. Gegebenenfalls Angabe des Überprüfungstermins: 5 Jahre nach Beginn der Maßnahme Geht die Umsetzung über die EU-Mindestanforderungen k. A. hinaus? Sind diese Unternehmen betroffen? Falls Kleinstunternehmen < 20 Kleinunternehmen Mittelständische Großunternehmen Kleinstunternehmen nicht Unternehmen Ja Ja befreit sind, Grund im Ja Ja Ja Abschnitt „Nachweisbasis“ darlegen. Gehandelt: Nicht gehandelt: Um welchen Betrag verändert sich das CO2-Äquivalent der Treibhausgasemissionen? (Mio. Tonnen CO2-Äquivalent) Ich habe die Folgenabschätzung gelesen und bin aufgrund der vorliegenden Erkenntnisse davon überzeugt, dass sie einer angemessenen Darstellung der Kosten, des Nutzens und der Folgen der bevorzugten Optionen entspricht. Unterzeichnet vom zuständigen Minister: Datum: 2 Juni 2014 Zusammenfassung: Analyse und Erkenntnisse Maßnahmenoption 1 Beschreibung: VOLLSTÄNDIGE WIRTSCHAFTLICHE BEWERTUNG Preisbasis 2014 GW-Basis 2014 KOSTEN (Mio. GBP) Zeitraum Jahre 10 Nettonutzen (Gegenwartswert (GW)) (Mio. GBP) Gering: 0 Hoch: 0 Gesamtübergang (Konstanter Preis) Jahre Beste Schätzung: 0 Jahresdurchschnitt Gesamtkosten (ausgenommen Übergang) (konstanter Preis) (Gegenwartswert) Niedrig 0 0 0 Hoch 0 0 0 Beste Schätzung 0 0 0 Beschreibung und Größenordnung der monetisierten Hauptkosten nach „betroffenen Hauptgruppen“ Hierbei handelt es sich im Grunde um eine Option „keine Maßnahme“, weshalb diese als 0 definiert werden Sonstige nicht monetisierte Hauptkosten nach „betroffenen Hauptgruppen“ Diese werden als 0 definiert NUTZEN (Mio. GBP) Gesamtübergang (Konstanter Preis) Jahre Jahresdurchschnitt Gesamtnutzen (ausgenommen Übergang) (konstanter Preis) (Gegenwartswert) Niedrig Optional Optional Optional Hoch Optional Optional Optional 0 0 0 Beste Schätzung Beschreibung und Größenordnung des monetisierten Hauptnutzens nach „betroffenen Hauptgruppen“ Diese werden als 0 definiert Sonstiger nicht monetisierter Nutzen nach „betroffenen Hauptgruppen“ Diese werden als 0 definiert Schlüsselannahmen/Empfindlichkeiten/Risiken Diskontsatz (%) Diese werden als 0 definiert UNTERNEHMENSBEWERTUNG (Option 1) 3 Direkte Auswirkungen auf Unternehmen (auf das Jahr umgerechnet) Mio. GBP: Kosten: 0 Nutzen: 0 Netto: Im Die Maßnahme wird Anwendungsbereich eingestuft als der „One In, One Out“-Regel? 0 4 Zusammenfassung: Analyse und Erkenntnisse Maßnahmenoption 2 Beschreibung: VOLLSTÄNDIGE WIRTSCHAFTLICHE BEWERTUNG Preisbasis Jahr 2014 GW-Basis Jahr 2004 KOSTEN (Mio. GBP) Zeitraum Jahre 10 Nettonutzen (Gegenwartswert (GW)) Gering: - Hoch: - Gesamtübergang (Konstanter Preis) Jahre Beste Schätzung: 24,7 Mrd. GBP 27 700 GBP Jahresdurchschnitt Gesamtkosten (ausgenommen Übergang) (konstanter Preis) (Gegenwartswert) Niedrig - - - Hoch - - - 176 Mio. – 2,4 Mrd. GBP 181 Mio. GBP Beschreibung und Größenordnung der monetisierten Hauptkosten nach „betroffenen Hauptgruppen“ Beste Schätzung Die Bewertung ist hinsichtlich der Auswirkungen auf Unternehmen und das Rauchverhalten auf 10 Jahre beschränkt (gesundheitliche Verbesserungen im weiteren Lebensverlauf und Steueraufwendungen werden auf das Jahr der Verhaltensänderung abgezinst). In die erwarteten Kosten sind die quantifizierten Verluste für die Staatskasse (2,3 Mrd. GBP) eingerechnet, von denen ein Großteil über die Lebensdauer der Personen gerechnet wird, die das Rauchen aufgeben. Die Übergangskosten für Tabak und Tabakverpackungen für die Hersteller, Großund Einzelhändler werden auf 176 Mio. – 181 Mio. GBP geschätzt (einschließlich 166 Mio. GBP Markenwert). Sonstige nicht monetisierte Hauptkosten nach „betroffenen Hauptgruppen“ Verschlechterte Wettbewerbsfähigkeit der Tabakunternehmen durch Produktdifferenzierung mittels einer unterschiedlichen Verpackung. Mögliche Verluste aufgrund einer möglichen Zunahme des Konsums illegaler Produkte oder von Produkten, die legal außerhalb des Vereinigten Königreichs erworben werden. Verlust der Konsumentenrente in Verbindung mit reduziertem Branding. NUTZEN (Mio. GBP) Gesamtübergang (Konstanter Preis) Jahre Jahresdurchschnitt Gesamtnutzen (ausgenommen Übergang) (konstanter Preis) (Gegenwartswert) Niedrig - - Optional Hoch - - Optional Beste Schätzung - - 27,2 Mrd. GBP Beschreibung und Größenordnung des monetisierten Hauptnutzens nach „betroffenen Hauptgruppen“ Der erwartete Nutzen ist der gesundheitliche Nutzen, der sich aus der reduzierten Zahl neuer Raucher (4,4 Mrd. GBP) und der höheren Zahl derer, die das Rauchen aufgeben (21,5 Mrd. GBP) ergibt, sowie eine Produktivitätssteigerung dadurch, dass weniger Mitarbeiter rauchen (0,8 Mrd. GBP). Es wird eine um 1,5 Sekunden pro Transaktion verkürzte Transaktionszeit erwartet, was mit 0,069 Mrd. GBP bewertet wird (umgerechnet auf 10 Jahre). Die Einsparungen bei den Fertigungskosten werden auf 0,3 Mrd. GBP geschätzt (umgerechnet auf 10 Jahre). Sonstiger nicht monetisierter Nutzen nach „betroffenen Hauptgruppen“ Ein zusätzlicher Nutzen ist die mögliche Verschärfung des Preiswettbewerbs unter den Tabakunternehmen sowie eine mögliche Beschleunigung der Produktinnovationen, um andere Wege zur Produktdifferenzierung zu nutzen. Diese stellen eher wirtschaftliche Vorteile als einen Nutzen für die öffentliche Gesundheit dar und könnten die Erzielung eines Nutzens für die öffentliche Gesundheit sogar gefährden, sofern die Tabakpreise nicht weiterhin hoch gehalten werden (beispielsweise durch eine Anpassung der Tabaksteuer). Eine standardisierte Verpackung könnte Vorteile hinsichtlich einer verringerten Erkrankungsrate und Sterblichkeit aufgrund von Passivrauchen in Privathäusern und Autos bieten. Den kommunalen Behörden, Gaststätten und anderen Veranstaltungsorten würden weniger Müllbeseitigungskosten entstehen, weil weniger Zigarettenstummel weggeworfen würden. Schlüsselannahmen/Empfindlichkeiten/Risiken Diskontsatz (%) 5 1½/3½ Annahmen: Verluste von geringerem Wert bei der Konsumentenrente aus Branding. Risiken: Es besteht die Gefahr von negativen Auswirkungen einer standardisierten Verpackung in dem Marktsegment, für das im Vereinigten Königreich keine Steuern bezahlt werden, da grenzüberschreitende Einkäufe und/oder ein illegaler Tabakmarkt gefördert werden könnten. Tritt dies ein, würde dies die Verluste für die Staatskasse erhöhen und die Gesundheitsvorteile abschwächen. Diskontsatz: 1½ % für gesundheitliche Auswirkungen, angegeben in Lebensjahren und 3½ % für monetisierte Auswirkungen. UNTERNEHMENSBEWERTUNG (Option 2) Direkte Auswirkungen auf Unternehmen (auf das Jahr umgerechnet) Mio. GBP: Kosten: - Nutzen: - Netto: 31 Mio. GBP (Nettogewinn) 6 Im Die Maßnahme wird Anwendungsbereich eingestuft als der „One In, One Out“-Regel? Ja Keinerlei Nettokosten Nachweisbasis (für Zusammenfassungsbögen) Welches Problem wird behandelt? Warum ist ein Eingreifen der Regierung notwendig? 1. Der Tabakkonsum stellt im gesamten Vereinigten Königreich weiterhin eine der wichtigsten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit dar und ist die häufigste Ursache für einen frühzeitigen Tod im Vereinigten Königreich. Der Raucheranteil ist zwar in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen, aber in den vergangenen Jahren hat sich der Rückgang verlangsamt. Die Regierung ist weiterhin besorgt wegen der Zahl junger Menschen, die mit dem Rauchen beginnen, den Schwierigkeiten von erwachsenen Rauchern, mit dem Rauchen aufzuhören, der hohen Rückfallzahlen bei Rauchern, die versucht haben aufzuhören und der Folgen für die Gesundheit Dritter, die Passivrauch ausgesetzt sind. Der Tabakkonsum ist außerdem ein wichtiger Verursacher von Unterschieden im Gesundheitszustand. 2. Die Regierung hat eine Maßnahme zum Verbot von Tabakwerbung eingeleitet.1 Seit vielen Jahren werden bereits Maßnahmen zur Beendigung von Tabakwerbung ergriffen. Der Tobacco Advertising and Promotion Act 2002 (TAPA) verbietet Tabakwerbung. Der Health Act 2009 verbot die Präsentation von Tabak in England (in großen Geschäften ab 2012 und bei allen anderen Tabakverkäufern ab 2015). Ein Bericht von Cancer Research UK zu neutralen Verpackungen zeigte, dass die Tabakverpackung für die Hersteller mehrere Funktionen erfüllt. Sie dient zur Werbung für das Produkt, unter Verwendung derselben Strategien, die auch andere Hersteller von Konsumgütern anwenden, insbesondere innovative Verpackungen, Designverpackungen und Sparpackungen. Die Verpackung gilt bei den Tabakunternehmen als wichtiges Marketinginstrument, wie aus ihren eigenen internen Dokumenten und den Pressevertriebsdokumenten hervorgeht. Die Verpackung hat eine größere Reichweite als die Werbung, sie ist die direkteste Verbindung zwischen dem Unternehmen und dem Verbraucher.2 Tabakverpackung und -Branding stellt heute ein entscheidendes Element in der Tabakvermarktung und -bewerbung im Vereinigten Königreich dar. 3. Die Einführung einer standardisierten Verpackung3 stellt für das Gesundheitsministerium in England und die dezentralen Verwaltungen in Schottland, Wales und Nordirland eine optionale Maßnahme im Rahmen ihrer weitergehenden Strategien zur Eindämmung des Tabakgebrauchs zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit durch verringerten Tabakkonsum dar. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass eine standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen die Ziele der Regierung im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit unterstützen würde, indem sie die Attraktivität von Zigaretten, Packungen und Marken verringert, Gesundheitswarnungen deutlicher hervortreten lässt, eine genauere Wahrnehmung der Gefahren und Stärke des Erzeugnisses ermöglicht und auf das Rauchen bezogene Einstellungen, Überzeugungen, Absichten und Verhaltensweisen verändert. 4. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums im Vereinigten Königreich zielen darauf ab, dass weniger Jugendliche mit dem Rauchen beginnen sowie darauf, Raucher, die aufhören möchten, zu ermutigen und zu unterstützen. Es wird erwartet, dass eine standardisierte Verpackung beide Ziele positiv beeinflussen wird. 5. Der Raucheranteil ist heute unter Männern und Frauen etwa gleich groß. Etwa zwei Drittel der Raucher geben an, vor dem Alter von 18 Jahren mit dem regelmäßigen Rauchen begonnen zu haben. 2009 veröffentlichte das Public Health Research Consortium (PHRC) eine Studie zum Thema Rauchen unter Jugendlichen in England. Die Studie ergab, dass die Aufnahme des Rauchens auf eine Funktion aus Einzelfaktoren (z. B. Selbstbild), sozialen und gemeinschaftlichen Faktoren (z. B. familiäre Situation) und Gesellschaftsfaktoren (z. B. Tabakmarketing) zurückzuführen ist.4 Moodie et al. (2008) fassten die 1 HM Government (2011). Healthy Lives, Healthy People: A tobacco control plan for England [Gesund leben, gesunde Menschen: Ein Tabakkontrollprogramm für England]. DH, London. 2 Cancer Research UK (2012). The packaging of tobacco products [DIE VERPACKUNG VON TABAKERZEUGNISSEN]. Centre for Tobacco Control Research, gefördert von Cancer Research UK, der Universität Stirling und der Open University, Stirling. 3 Standardisierte Verpackungen werden auch als neutrale Verpackungen bezeichnet. Da die Verpackungen nicht wirklich neutral sein werden (beispielsweise müssten darauf farbige bildliche Warnungen abgebildet sein), betrachten wir den Begriff „standardisierte Verpackung“ als zutreffender. 4 Public Health Research Consortium [Konsortium für Forschungen zur öffentlichen Gesundheit] (2009). A Review of Young People and Smoking in England. PHRC, York. 7 verschiedenen Untersuchungen zu Tabakwerbung und Aufnahme des Rauchens unter Jugendlichen zusammen und stellten Folgendes fest: Forschungen, sowohl in Form von Querschnittsforschung, Zukunftsforschung als auch von Langzeituntersuchungen und systematischen Untersuchungen, zeigen übereinstimmend, dass Tabakwerbung und -vermarktung die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Jugendliche mit dem Rauchen beginnen. Die kumulativen Erkenntnisse weisen darauf hin, dass eine Dosis-/Wirkungsbeziehung besteht, wobei das Risiko mit zunehmender Aussetzung gegenüber Werbung und Vermarktung steigt, sogar unter Bereinigung bekannter ursächlicher Faktoren wie geringem sozioökonomischem Status, rauchenden Eltern und Freunden... Weiterhin wissen wir, dass aufgrund der Tabakvermarktung der Anteil jugendlicher Raucher auch nach TAPA (2008) weiterhin steigt. 5 6. Besonders besorgniserregend sind die Auswirkungen von Tabakverpackungen auf Jugendliche, die eventuell noch nicht fähig sind, sachkundige Entscheidungen oder Entscheidungen hinsichtlich als erwachsen eingestufter Lebensstil-Verhaltensweisen zu treffen. Kinder, die in einem Haus aufwachsen, in dem die Erwachsenen regelmäßig rauchen, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit selbst Raucher und beginnen früher mit dem Rauchen, wodurch das Rauchen immer wieder an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird.6 Ein 15-jähriger, der bei einem rauchenden Elternteil aufwächst, wird mit 80 Prozent größerer Wahrscheinlichkeit selbst zum Raucher als ein Altersgenosse in einem Haushalt von Nichtrauchern.7 In England leben etwa ein Drittel der Kinder unter 16 Jahren mit einem Raucher zusammen.8 7. Die Auswirkungen des Tabakmarketing (einschließlich Branding) könnten ein Schlüsselfaktor dafür sein, dass Jugendliche mit dem Rauchen beginnen. Die British Medical Association (Britische Ärztevereinigung) konstatiert: Jugendliche werden stark beeinflusst durch ihre Wahrnehmung dessen, was normal und attraktiv ist. Dies wiederum wird durch die verschiedenen Verhaltensweisen zugeschriebenen Botschaften und Symbolik beeinflusst. Somit setzen sich bestimmte Trends, Musikrichtungen und Formen der Erholung mit der Zeit mehr oder weniger stark durch. Das Rauchverhalten von Jugendlichen wird durch dieselben Kräfte beeinflusst, jedoch scheint in diesem Fall die damit verknüpfte Symbolik, zumindest bei manchen Jugendlichen, durchweg positiv zu bleiben. Diese Vorstellung, „immer cool“ sein zu können, ist jedoch in der Realität falsch: Das Rauchen ist im Vereinigten Königreich die häufigste Ursache für gesundheitliche Probleme und frühzeitigen Tod. Positive Bilder des Rauchens stammen aus drei überlappenden Quellen: Erstens sind sie Teil des sozialen Umfelds: Jugendliche sehen Andere – Eltern, Freunde und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens – rauchen, was die Gewohnheit normal erscheinen lässt. In Großbritannien gibt es immer noch 10 Millionen Menschen mit Vorbildfunktion, die rauchen. Die Hinterlassenschaften des Rauchens dienen ebenfalls als Erinnerung für die anscheinende Normalität der Verhaltensweise. Zweitens wird das Rauchen regelmäßig in Unterhaltungsmedien dargestellt. Rauchszenen sind in Filmen, Fernsehserien und Magazinen weit verbreitet und können die Einstellung und Verhaltensweisen von Jugendlichen beeinflussen. Andere Medienformen wie das Internet sind in dieser Hinsicht zunehmend ebenfalls eine Quelle der Besorgnis. Drittens sind Jugendliche den positiven Bildern von Rauchern durch das Marketing der Tabakindustrie ausgesetzt. Das Verbot der Tabakwerbung im Vereinigten Königreich hat die traditionelleren Marketingformen (z. B. Werbeplakate) stark eingeschränkt, jedoch bieten die allgegenwärtige Präsenz, immer ausgefeiltere Verkaufsdisplays, attraktive Verpackungen und eine plastische Markenbildsprache weiterhin wesentliche Vermarktungsmöglichkeiten, die Jugendliche beeinflussen. 9 5 6 7 Moodie, C. et al. (2008). „Tobacco marketing awareness on youth smoking susceptibility and perceived prevalence before and after an advertising ban“ im European Journal of Public Health. 2008, 18(5). Buller, D., Borland, R., Woodall, W., Hall, J., Burris-Woodall, P. und Voeks, J. (2003). „Understanding factors that influence smoking uptake“ in Tobacco Control. 12 (Anlage 4), S. iv16-iv25. Loureiro, M., Sanz-de-Galdeano, A. und Vuri, D. (2010). „Smoking Habits: Like Father, Like Son, Like Mother, Like Daughter?“ in Oxford Bulletin of Economics and Statistics. 72(6), S. 717-743. 8 Office for National Statistics [Nationales Statistikamt] (2011). General Lifestyle Survey 2009: Smoking and drinking among adults, 2009. ONS, Newport. 9 British Medical Association [Britische Ärztevereinigung] (BMA, 2008). Forever cool: The influence of smoking imagery on young people. BMA, London. 8 8. Forschungen zeigen, dass eine standardisierte Verpackung helfen würde, soziale Normen im Hinblick auf den Konsum von Tabakerzeugnissen zu verändern und den Menschen helfen könnte zu verstehen, dass der Tabakkonsum ein hohes Suchtpotential birgt und die Gesundheit nachhaltig schädigen kann. Laut einem Artikel im Bulletin der Weltgesundheitsorganisation hat „die Tabakindustrie jahrzehntelang die Verpackung als Mittel genutzt, positive Assoziationen gegenüber ihrem Produkt zu wecken.“10 9. Zwar wird in England seit dem Höchststand Mitte des 20. Jahrhunderts immer weniger geraucht, aber in bestimmten Gruppen ist der Raucheranteil heute überdurchschnittlich hoch, was bedeutet, dass sich das Rauchen zu einer der wichtigsten Ursachen für Unterschiede im Gesundheitszustand in England entwickelt hat. Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Ungleichheit ist heute daran zu erkennen, wer raucht. Rauchen ist bei den einkommensschwächsten Bevölkerungsgruppen am häufigsten und bei den einkommensstärksten Gruppen am seltensten anzutreffen. 2010 war der Anteil der Raucher unter Menschen mit Routine- und körperlichen Arbeiten mehr als doppelt so hoch wie bei Managern und anderen höheren Berufsgruppen. In bestimmten ethnischen und sozialen Gruppen ist der Raucheranteil besonders hoch. Der Raucheranteil ist bei Personen mit psychischen Gesundheitsproblemen deutlich höher als in der allgemeinen Bevölkerung. 10. Der Unterschied beim Raucheranteil in den verschiedenen sozialen Gruppen verschärft sich im Laufe des Erwachsenenlebens, da Menschen aus wohlhabenderen Gruppen aus verschiedenen Gründen leichter mit dem Rauchen aufhören können. Eine unterschiedliche Motivation trägt nicht zum unterschiedlichen Raucheranteil in den verschiedenen sozialen Gruppen bei, da der Wunsch aufzuhören allgemein gleich stark ist. Wahrscheinlich gibt es mehrere Gründe, warum Personen mit weniger wohlhabendem Hintergrund weniger Erfolg haben, mit dem Rauchen aufzuhören, darunter der Grad der Abhängigkeit und die sozial verstärkende Wirkung des Rauchens in der Gruppe und Gemeinschaften, in denen viel geraucht wird.11 11. Das Rauchen ist die Hauptursache für unterschiedliche Krankheits- und Sterblichkeitszahlen zwischen Arm und Reich. Im 2010 veröffentlichten Whitepaper „Healthy Lives, Healthy People“ gab die britische Regierung an, dass eines ihrer Ziele in der Verbesserung der Lebenserwartung der Bevölkerung bei guter Gesundheit besteht, wobei die Gesundheit der Ärmsten am schnellsten verbessert werden soll. In der unabhängigen Untersuchung von Unterschieden im Gesundheitszustand in England „Fair Society, Healthy Lives“ wurden Vorschläge für „die effektivsten evidenzbasierten Strategien für die Verringerung gesundheitlicher Ungleichheiten in England“ unterbreitet und es wurde folgende Empfehlung ausgesprochen: Die Eindämmung des Tabakkonsums ist von zentraler Bedeutung für die Bekämpfung von Unterschieden im Gesundheitszustand, da das Rauchen für ungefähr die Hälfte des Unterschieds bei der Lebenserwartung zwischen den niedrigsten und höchsten Einkommensgruppen verantwortlich ist. Mit dem Rauchen in Verbindung stehende Todesfälle sind zwei bis drei Mal häufiger in Gruppen mit niedrigem Einkommen anzutreffen als in wohlhabenderen sozialen Gruppen.12 12. In England und Wales ist mindestens die Hälfte des erhöhten Sterberisikos bei ungelernten Arbeitern im Vergleich zu Fachkräften auf das Rauchen zurückzuführen. Ähnliche Auswirkungen des Rauchens auf Unterschiede im Gesundheitszustand wurden auch in den USA, Kanada und Polen festgestellt.13 In einer über 28 Jahre in Schottland laufenden Kohortenstudie wurden die Auswirkungen des Rauchens auf die Lebenserwartung unterschiedlicher Gesellschaftsschichten untersucht. Man fand heraus, dass die Unterschiede bei der Lebenserwartung von Rauchern und lebenslangen Nichtrauchern 10 Fong, G., Hammond, D. und Hitchman, S. (2009). „The impact of pictures on the effectiveness of tobacco warnings“ in Bulletin of the World Health Organization. 2009, 87:640-643. 11 Gesundheitsministerium (2008). Consultation on the future of tobacco control. Gesundheitsministerium, London. 12 Marmot, M. et al. (2010). Fair Society, Healthy Lives: Strategic review of health inequalities in England post-2010. Marmot Review Secretariat, London. 13 Jha, P., Peto, R., Zatonski, W., Boreham, J., Jarvis, M. und Lopez, A. (2006). „Social inequalities in male mortality, and in male mortality from smoking: Indirect estimation from national death rates in England and Wales, Poland, and North America“, in The Lancet. 368, S. 367–370. 9 deutlich größer ausfielen als die Unterschiede zwischen Rauchern in unterschiedlichen sozialen Schichten.14 13. Die Gesamtbehandlungskosten für durch Passivrauchen verursachte Krankheiten im Kindesalter im Vereinigten Königreich wurden auf 23,3 Millionen GBP pro Jahr geschätzt.15 Es ist zu erwarten, dass diese Kosten proportional zur Reduzierung des Anteils rauchender Eltern sinken würden, der aus einer Maßnahme mit standardisierten Tabakverpackungen resultieren könnte. Allerdings wurden, wie bei früheren FA zu Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums, ansonsten keine Auswirkungen auf die staatlichen Gesundheitskosten für die Behandlung von Krankheiten im Zusammenhang mit dem Rauchen in die Untersuchung einbezogen. Zwar wurde in neueren Untersuchungen behauptet, dass das Aufgeben des Rauchens über die gesamte Lebensdauer gesehen zu geringeren anfallenden Gesundheitskosten führen könnte, jedoch muss die notwendige Modellierung der Kostenauswirkungen einer verlängerten Lebenserwartung noch weiter ausgearbeitet werden.16 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen aus der Folgenabschätzung einer standardisierten Tabakverpackung 14. Es gibt umfassende Erkenntnisse im Hinblick auf die Faktoren, warum Jugendliche mit dem Rauchen beginnen, sowie die Faktoren, die verhindern, dass Raucher nicht mit dem Rauchen aufhören können, obwohl sie es wollen, und die zu Rückfällen bei ehemaligen Rauchern führen. Diese Erkenntnisse weisen stark darauf hin, dass die Einführung einer standardisierten Verpackung („die Intervention“) sowohl den Anteil neuer jugendlicher Raucher verringern als auch ein unterstützendes Umfeld für Menschen bieten könnte, die mit dem Rauchen aufhören möchten. Bei aktuellen Forschungen wurden speziell die Auswirkungen der Tabakverpackung und von Branding (einschließlich einer standardisierten Verpackung) auf das Selbstbild der Raucher und auf die Wahrscheinlichkeit, mit dem Rauchen aufzuhören, untersucht. Dabei hat sich bestätigt, dass die Einführung einer standardisierten Verpackung wesentliche Verbesserungen für die öffentliche Gesundheit bedeuten könnte. 15. Eine Quantifizierung des wahrscheinlichen Umfangs der Auswirkungen auf den Anteil neuer und aktueller Raucher ist in Ermangelung direkt vergleichbarer Präzedenzfälle nur schwer möglich. Jedoch geben Erfahrungen mit anderen Interventionen zur Eindämmung des Tabakkonsums im Vereinigten Königreich und im Ausland, speziell jene zu Tabakwerbung, -Verkaufsförderung und -Marketing, Einblicke, welche Auswirkungen von der Einführung einer standardisierter Verpackungen zu erwarten wären. Die Forscher, die sich auf die Eindämmung des Tabakkonsums spezialisiert haben, verfügen über die nötigen Informationen und Erfahrungen, um vorhandene politische Erfahrungen in die Studien zur Tabakverpackung einbinden zu können. Das Gesundheitsministerium hat eine unabhängige wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, um Expertenwissen von verschiedenen internationalen Experten für die Tabakkontrolle zu den wahrscheinlichen Auswirkungen einer standardisierten Verpackung einzuholen. Diese Experten stimmen überein (basierend auf dem Mittel der gemeldeten Ansichten), dass die Intervention nach zwei Jahren voraussichtlich folgende Auswirkungen haben würde: eine Verringerung des Anteils der 11- bis 15-Jährigen, die bereits geraucht haben, um drei Prozentpunkte (gegenüber einem Ausgangswert von 27 % zum Zeitpunkt der Studie); und eine Verringerung des Raucheranteils unter Erwachsenen um einen Prozentpunkt (gegenüber einem Ausgangswert von 21 % zum Zeitpunkt der Studie), da mehr Menschen es schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören. 14 Gruer, L., Hart, C., Gordon, D. und Watt, G. (2009). „Effect of tobacco smoking on survival of men and women by social position: A 28 year cohort study“ in British Medical Journal. 339, S. 643. 15 Royal College of Physicians (2010). Passive Smoking and Children. [Passivrauchen bei Kindern] Royal College of Physicians, London. 16 Godfrey C, Ali S, Parrott S, Pickett K (2011). Economic model of adult smoking related costs and consequences for England [Wirtschaftsmodell der Kosten für Rauchen bei Erwachsenen und der Folgen für England] Universität York, York. 10 16. Basierend auf der Folgenabschätzung zur Tabakrichtlinie24 geht man davon aus, dass sich etwa ein Zehntel dieser Zunahme plausibel durch die Tabakrichtlinie ohne standardisierte Verpackungen erzielen lassen könnte. Der Rest der Zunahme geht nach unserer zentralen Schätzung auf eine inkrementelle Zunahme durch die standardisierte Verpackung zurück. 17. Wird die Intervention nach dem Umsetzungsdatum der Maßnahme zehn Jahre fortgesetzt (der Standardzeitraum für die Beurteilung einer Richtlinie), würden diese Veränderungen im Rauchverhalten einen immensen gesundheitlichen Nutzen nach sich ziehen, der geschätzt in insgesamt mehr als 400.000 Lebensjahre ungerechnet werden kann. Dieser gesundheitliche Nutzen kann (auf der Grundlage von Umfragen zur Bereitschaft der Bürger, für die Milderung von Gesundheitsrisiken zu bezahlen) nach der Standardmethode des Gesundheitsministeriums auf 26 Mrd. GBP beziffert werden. 18. Als weitere Vorteile werden unter anderem Produktivitätssteigerungen in Höhe von 0,8 Mrd. GBP, Einsparungen bei den Produktionskosten in Höhe von 0,3 Mrd. GBP und eine Senkung der Transaktionskosten im Einzelhandel von 0,069 Mrd. GBP prognostiziert. Der (schätzbare) Bruttogewinn einer standardisierten Verpackung vor Berücksichtigung der Kosten oder unquantifizierten Auswirkungen wird mit 27,2 Mrd. GBP veranschlagt. 19. Die Intervention ist mit quantifizierten Kosten verbunden, die wie folgt zentral geschätzt werden (auf zehn Jahre gerechnet): 10–15 Mio. GBP Kosten für die Verpackungshersteller; 166 Mio. GBP Verlust an Markenwert für Tabakhersteller und Einzelhändler; 2,3 Mrd. GBP Verlust für die Staatskasse. (Zusätzliche Verluste in Höhe eines Richtwerts von etwa 2 Mrd. GBP aufgrund einer Steigerung der Zigarettenkäufe, auf die keine VK-Steuern bezahlt werden, wird in folgenden FA näher untersucht, diese werden in der vorliegenden Schätzung des negativen Vorhersagewerts (NVW) jedoch nicht berücksichtigt.) 20. Zu berücksichtigen sind drei möglicherweise bedeutende, aber unquantifizierte Kosten, die aus dieser Intervention entstehen könnten: eine verringerte Konsumentenrente, ein Anstieg der legalen Einfuhr legaler Markentabakprodukte aus anderen Ländern der Europäischen Union sowie ein steigender Konsum illegaler Tabakerzeugnisse. 21. In Bezug auf diese Intervention stellt die Konsumentenrente den Verlust der Fähigkeit weiterhin rauchender Personen dar, den immateriellen Nutzen zu erzielen, der mit dem Rauchen einer bestimmten Marke verbunden wird und den nur die Verpackung dieser Marke in der derzeitigen Form vermitteln kann. 22. In Bezug auf das Branding ist nur schwer zu beurteilen, wie viele der etwa neun Millionen Menschen, die voraussichtlich weiterhin rauchen werden, die Abwesenheit dieses speziellen Mittels der Selbstentfaltung als Verlust empfinden würden und diesen Verlust quantifizieren könnten. Personal Branding könnte durch den Kauf anderer Markenartikel ersetzt werden. Weiterhin gibt es Anzeichen dafür, dass ein solches Branding mit einem vorteilhaften externen Effekt verbunden ist105: Das mit Premiummarken assoziierte positive Branding inspiriert Beschämung und Feindseligkeit bei Anderen, die sich ein solches Self-Branding nicht leisten können. Aus diesen Gründen haben wir nicht versucht, diese Verluste zu quantifizieren.17 23. Der mit dem Verpackungsdesign verbundene Verlust ist weniger einfach zu ersetzen – obwohl er nur Personen betreffen würde, die diese Verpackungen kaufen. 24. Wer weiterhin raucht, könnte außerdem das Gefühl bekommen, dass seine Freiheit eingeschränkt wird. Aus gesellschaftlicher Sicht bestehen jedoch Gründe, die Bedeutung dieses Freiheitsverlustes zu ignorieren. Wenn Personen Markenverpackungen von Zigaretten mit sich tragen und zur Schau stellen, könnte dies Andere – einschließlich Kinder – ermutigen, mit dem Rauchen zu beginnen, oder es ihnen erschweren, damit aufzuhören. Tabakverpackung und -Branding stellen Werbemaßnahmen dar und helfen, soziale Normen rund um das Rauchen zu schaffen. Die Freiheit, Markentabak zu konsumieren, 17 Hierbei ist anzumerken, dass der aus Branding entstehende gesundheitsbezogene externe Effekt, der das Rauchen ermutigt, hier nicht erwähnt wird, da er in dieser Folgenabschätzung bereits erfasst (und quantifiziert) wird. 11 stellt somit Kosten für Andere dar, und eine Gesellschaft sollte einer Freiheit, die Anderen Schaden zufügt, wohl keinen besonderen Wert beimessen. 25. Es besteht die Gefahr, dass die Intervention Raucher, die Markentabak wünschen, dazu ermutigen könnte, diesen an Orten zu beschaffen, wo er noch erhältlich ist. Reisende aus der EU dürfen laut britischen Zollbestimmungen (im Herkunftsland, aber nicht im Vereinigten Königreich) versteuerte Tabakerzeugnisse zum eigenen Gebrauch in unbegrenzter Menge einführen. Dies wird als „grenzüberschreitende Einkäufe“ bezeichnet. Jede deutliche Erhöhung der grenzüberschreitenden Einkäufe würde die Wirksamkeit der Intervention in zweierlei Hinsicht schmälern: Einige Raucher, die ansonsten aufhören würden, werden weiterhin rauchen, weil sie Zigaretten in Markenverpackungen importieren können, was die Wirksamkeit der Maßnahme schmälert – und diese Markenverpackungen werden weiterhin in Privathaushalten und an anderen Orten vorhanden sein und Andere zum Rauchen ermutigen; Einige Raucher, die ansonsten in der Folge Zigaretten in standardisierten Verpackungen rauchen würden, werden Zigaretten aus der EU für ihren eigenen Gebrauch im VK importieren und somit EUSteuern, aber keine VK-Steuern bezahlen – was die Kosten für die Intervention erhöht. 26. Außerdem besteht die Gefahr, dass eine standardisierte Verpackung Nachfrage und Angebot von illegalen Tabakerzeugnissen (wie gefälschtem Tabak, billigen so genannten „Illicit Whites“ oder legal in der EU gekauften und illegal im VK weiterverkauften Erzeugnissen) erhöhen könnte. Jede Zunahme des illegalen Marktanteils hätte negative Auswirkungen auf die Einnahmen der legalen Hersteller und Verkäufer von Tabakerzeugnissen sowie für die Staatskasse. Jede Zunahme des illegalen Zigarettenmarktes um einen Prozentpunkt bedeutet für die Staatskasse jährliche Mindereinnahmen von etwa 120 Mio. GBP.18 Ferner würde dadurch die Wirksamkeit der Intervention herabgesetzt. Es könnten jedoch Abhilfemaßnahmen ergriffen werden, falls die Intervention eine Zunahme des illegalen Tabakmarktes zur Folge hätte. 27. Einige der beteiligten Parteien sahen die Gefahr eines Anstiegs des illegalen Marktes, jedoch liegen uns keine ausreichenden Erkenntnisse vor, die eine Quantifizierung dieser Risiken ermöglichen würden, ungeachtet ihrer möglichen Signifikanz. Diese Risiken werden in einem eigenen Abschnitt am Ende dieser FA eingehender behandelt. 28. Trotz dieser Kosten und Risiken lohnt es sich, die Intervention nun einzuleiten. Wir halten die Kosten einer verzögerten Entscheidung darüber, ob die Intervention (FA Option 3) umgesetzt werden soll, im Hinblick auf die öffentliche Gesundheit für zu hoch, speziell unter Berücksichtigung der folgenden Erwägungen: Der mögliche gesundheitliche Nutzen ist wesentlich und überwiegt deutlich gegenüber den quantifizierten Kosten; Die Verzögerung dieses Nutzens würde sich jedes Jahr negativ auf die Lebenserwartung einer großen Zahl von Kindern sowie von Rauchern auswirken, die aufhören möchten; Bei Einführung einer standardisierten Verpackung könnte durch eine Überwachung des Umfangs der Auswirkungen, wie der Auswirkungen grenzüberschreitender Einkäufe oder des Umfangs des illegalen Marktes, festgestellt werden, wo Abhilfemaßnahmen erforderlich sind; Die durch diese Überwachung ermittelten Informationen sind wahrscheinlich relevanter für den Maßnahmenkontext im Vereinigten Königreich als die Erfahrungen aus anderen Ländern, die die Intervention umgesetzt haben (wie beispielsweise Australien); Wir können bei der Festlegung der Details möglicher Gesetze und der Umsetzung der Intervention bereits von den Erfahrungen aus Australien profitieren. Maßnahmenkontext 29. Das Vereinigte Königreich ist eine Vertragspartei des Rahmenübereinkommens der Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung des Tabakgebrauchs (FCTC). Das FCTC ist das weltweit erste Gesundheitsabkommen, das alle Vertragsparteien dazu verpflichtet, „die Verbreitung des Tabakkonsums und des Passivrauchens stetig und wesentlich zu vermindern“ und umfassende 18 In der Veröffentlichung der Dienststelle der britischen Regierung HMRC zur Steuerlücke wird geschätzt, dass ein Anteil des illegalen Zigarettenmarktes von 9 % einen Verlust von 1100 Mio. GBP an Steuern und Abgaben verursacht. 12 Strategien zur Eindämmung des Tabakgebrauchs umzusetzen. Seit das Vereinigte Königreich dem Übereinkommen 2004 beitrat, nimmt die Regierung ihre daraus erwachsenden Verpflichtungen sehr ernst. Es wurden Richtlinien erstellt, um die Parteien bei der Erfüllung ihrer Verpflichtungen gemäß dem FCTC zu unterstützen. Diese Richtlinien sind zwar nicht bindend, aber die Parteien sind übereingekommen, dass sie ihre konsolidierte Ansicht über ein wünschenswertes Mittel zur Erfüllung ihrer FCTC-Verpflichtungen darstellen. In der Richtlinie zu Artikel 11 des FCTC19 wird vorgeschlagen: 30. Die Parteien sollten erwägen, Maßnahmen einzuführen zur Einschränkung oder zum Verbot der Verwendung von Logos, Farben, Markenbildern oder Werbeinformationen auf der Verpackung außer Markennamen und Produktnamen in standardisierter Farbe und Schriftart (Einheitsverpackung). Dies kann die Wahrnehmbarkeit und Wirksamkeit von Gesundheitswarnungen und -botschaften erhöhen, verhindern, dass die Verpackung von ihnen ablenkt und Packungsdesignmethoden der Branche neutralisieren, die eventuell manche Produkte harmloser erscheinen lassen als andere. In der Richtlinie zu Artikel 13 des FCTC20 wird empfohlen: 31. Verpackung und Produktdesign sind wichtige Elemente für Werbung und Verkaufsförderung. Die Parteien sollten erwägen, die Anforderungen für Einheitsverpackungen einzusetzen, um die Auswirkungen von Werbung und Verkaufsförderung über die Verpackung zu verhindern. Die Verpackung, einzelne Zigaretten oder andere Tabakerzeugnisse sollten keine Werbung oder Verkaufsförderung einschließlich Designmerkmalen tragen, die die Produkte attraktiv machen. 32. 2007 schlug die EU-Kommission in ihrer Konsultation zur Überarbeitung der Tabakrichtlinie eine standardisierte Tabakverpackung als mögliche politische Option vor. Darin heiß es: „Um die Fälle der Aufnahme des Rauchens zu verringern und die Verbraucher in der EU in allen Mitgliedstaaten gleichermaßen zu schützen, könnte als eine Möglichkeit zur Minderung der Attraktivität der in Frage kommenden Erzeugnisse die Einführung einer generischen (schwarzweißen) genormten Verpackung für alle Tabakerzeugnisse in Betracht gezogen werden“.21 33. Im März 2011 veröffentlichte die Regierung Healthy Lives, Healthy People: A Tobacco Control Plan for England22, worin die Regierung ihre umfassende, evidenzbasierte Strategie zur Eindämmung des Tabakgebrauchs in England darlegte. Darin verpflichtet sie sich (in den Absätzen 3.6 und 3.7) zu untersuchen, ob Erkenntnisse vorliegen, nach denen eine neutrale Tabakverpackung einen zusätzlichen Nutzen für die öffentliche Gesundheit haben würde, zusätzlich zu den bestehenden, bereits umgesetzten Initiativen zur Bekämpfung des Tabakkonsums, wozu auch das Gesetz gehört, das die offene Präsentation von Tabakerzeugnissen in Geschäften in Zukunft verbietet. 34. Im März 2014 nahm der Rat nach der formellen Genehmigung des Europäischen Parlaments im Februar 2014 offiziell die überarbeitete Tabakrichtlinie an.23 Die meisten neuen Regeln gelten ab der ersten Jahreshälfte 2016, nach einem zweijährigen Übergangszeitraum für die Mitgliedstaaten, zu denen das Vereinigte Königreich gehört. Die Tabakrichtlinie behandelt die Herstellung, Produktion und Aufmachung von Tabakerzeugnissen in der EU. In dieser FA wird davon ausgegangen, dass die Tabakrichtlinie einen Rückgang des Tabakkonsums von 2,15 % im Laufe von fünf Jahren zur Folge hat. Dieser Wert wurde aus der FA zur Tabakrichtlinie entnommen.24 Zwar weisen einige Anforderungen der 19 Artikel 11 des FCTC bezieht sich auf die Verpackung und Kennzeichnung von Tabakerzeugnissen. 20 Artikel 13 des FCTC bezieht sich auf Tabakwerbung, Verkaufsförderung und Sponsoring. 21 Europäische Kommission (2007). Bericht der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat. sowie den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss Zweiter Bericht über die Anwendung der Richtlinie über Tabakerzeugnisse. Brüssel: Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Luxemburg. 22 HM Government (2011). Healthy Lives, Healthy People: A tobacco control plan for England [Gesund leben, gesunde Menschen: Ein Tabakkontrollprogramm für England]: Gesundheitsministerium, London. 23 Der Text der Tabakrichtlinie ist verfügbar unter: http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2009_2014/documents/envi/dv/envi20140122_tobacco_agreed_text_/envi20 140122_tobacco_agreed_text_en.pdf 24 Abrufbar unter: http://ec.europa.eu/health/tobacco/docs/com_2012_788_ia_en.pdf 13 Tabakrichtlinie Ähnlichkeiten mit den vorgeschriebenen Regelungen für eine standardisierte Verpackung auf, allerdings erlaubt die Tabakrichtlinie weiterhin Logos, Farben und Markenbilder auf der Verpackung. Zu einer detaillierteren Übersicht der Anforderungen der Tabakrichtlinie siehe Anhang E. 35. Da Tabak im Einzelhandelsumfeld in großen Geschäften (und Ende 2015 auch in kleinen Geschäften) nicht mehr offen präsentiert werden darf, und als Folge der Annahme der überarbeiteten Tabakrichtlinie könnte die Einführung einer standardisierten Tabakverpackung die Werbung für Tabakerzeugnisse weiter verringern. Angesichts des Endes der Präsentation von Tabakerzeugnissen könnte die Tabakindustrie versuchen, mehr in die Verkaufsförderung des Tabaks über die Verpackung zu investieren. 36. In einem Bericht über die weltweite Tabakepidemie argumentiert die Weltgesundheitsorganisation, dass die Verbraucher von Tabakerzeugnissen ein „grundlegendes Recht auf wahrheitsgetreue Informationen über die Gefahren des Rauchens haben. Eine Grundvoraussetzung für die Verringerung des Tabakkonsums ist es, dass jeder über die gesundheitlichen Folgen, das Suchtpotential und die Gefahr einer Behinderung und eines frühen Todes durch Tabakkonsum und Passivrauchen informiert ist.“25 Untersuchungen haben gezeigt, dass Gesundheitswarnungen auf Tabakverpackungen zu den direktesten und prominentesten Mitteln für die Kommunikation mit Rauchern zählen.26 Gesundheitswarnungen haben eine große Reichweite und Häufigkeit der Exposition bei Rauchern. Ein Raucher, der täglich 20 Päckchen Zigaretten raucht, kann diesen Warnungen mehr als 7000 Mal pro Jahr ausgesetzt sein. 37. Da die Konsultation im gesamten Vereinigten Königreich durchgeführt wurde, werden in dieser FA Kosten und Nutzen standardisierter Verpackungen für das VK berücksichtigt, obwohl einige der hier genannten veranschaulichenden Daten sich nur auf England beziehen. Die dezentralen Verwaltungen haben zugestimmt, dass die grundlegenden Befugnisse im „Children and Families Act“ für sie verabschiedet werden können, was bedeutet, dass die Bestimmungen für das gesamte Vereinigte Königreich gelten würden, jedoch ihre Zustimmung erforderlich sein würde, damit eine Richtlinie in jedem Land Gültigkeit hat. Zusammenfassung der Ergebnisse der Konsultation 38. Die „Consultation on standardised packaging of tobacco products“ wurde zwischen dem 16. April und 10. August 2012 abgehalten. Die Konsultation umfasste eine FA aus der Konsultationsphase mit zwölf Fragen, die speziell Ansichten zur FA erfragten und die Befragten aufforderten, Daten und Erkenntnisse zu liefern, die zur weiteren Information und Unterstützung der FA dienen könnten (siehe Anhang C). Die FA stützt sich auf Informationen aus Fragebögen. 39. Das Gesundheitsministerium hat einen zusammenfassenden Bericht der Konsultation veröffentlicht.27 Auswirkungen auf verschiedene Gruppen des Gleichstellungsgesetzes 40. Die Konsultation umfasste eine Anfangsbewertung der möglichen Auswirkungen standardisierter Verpackungen von Tabakerzeugnissen auf die Aufgaben der Regierung gemäß dem Equality Act (Gleichstellungsgesetz) 2010. In einer Frage wurde nach den Ansichten und Erkenntnissen gefragt, ob eine verpflichtende standardisierte Verpackung zur Verringerung der Unterschiede im Gesundheitszustand beitragen oder die Regierung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen würde. 25 Weltgesundheitsorganisation (2011). WHO report on the global tobacco epidemic. Warning about the dangers of tobacco. [Bericht der WHO über die weltweite Tabakepidemie. Warnung vor den Gefahren des Tabaks] WHO, Genf. 26 Hammond D. (2011). „Health warning messages on tobacco products: a review“ [Gesundheitswarnungen auf Tabakerzeugnissen: eine Überprüfung] in Tobacco Control 20:327-337. 27 Gesundheitsministerium (2013). Consultation on standardised packaging of tobacco products: summary report. [Konsultation über eine standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen: Zusammenfassender Bericht]. London: Ministerium für Gesundheit. Abrufbar unter: https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/212074/Summary_of_responses_to_con sultation_-_standardised_packaging_tobacco.pdf 14 Eine Gleichstellungsanalyse wurde aktualisiert, unter Berücksichtigung der Rückmeldungen der Konsultation sowie der Pflicht des Kabinettsministers, Ungleichheiten im Hinblick auf Leistungen des Gesundheitswesens zu verringern (laut Abschnitt 1 C des im April 2013 in Kraft getretenen National Health Service Act 2006). 41. Die aktualisierte Gleichstellungsanalyse kam zu dem Schluss, dass, obwohl bestimmte Gesellschaftsgruppen anders betroffen sein könnten als andere und für Personen mit einer Seh- oder Leseschwäche mögliche negative Auswirkungen identifiziert wurden, eine Politik der standardisierten Verpackung von Zigaretten und Feinschnitttabak keine wesentlichen negativen Auswirkungen im Hinblick auf bestimmte Gleichstellungsaspekte haben würde. Die Richtlinie sollte jedoch, falls das politische Ziel, Jugendliche davon abzuhalten, mit dem Rauchen zu beginnen und das Aufhören zu erleichtern, erfüllt wird, einen Beitrag zur Gleichstellung leisten und helfen, Unterschiede im Gesundheitszustand sozioökonomischer Bevölkerungsgruppen zu verringern, weil die Auswirkungen in denjenigen Gruppen größer ausfallen, in denen am meisten geraucht wird. 42. Kinder, die in einem Haus aufwachsen, in dem die Erwachsenen regelmäßig rauchen, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit selbst Raucher und beginnen früher mit dem Rauchen, wodurch das Rauchen immer wieder an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird.28 Raucher in den Gruppen der Routine- und körperlichen Arbeiter beginnen früher zu rauchen als in anderen Gruppen. 2006 hatten 40 % der Raucher in der Gruppe der Routine- und körperlichen Arbeiter bis zum Alter von 16 Jahren mit dem Rauchen begonnen, unter Managern und anderen Berufsgruppen waren es nur 31 %.29 Diese Ergebnisse könnten zum Teil erklären, warum im Jahr 2010 13 % der Manager und anderen höheren Berufsgruppen rauchten, aber 27 % der Routine- und körperlichen Arbeiter. Wenn die Auslage von Markenverpackungen die Aufnahme des Rauchens zu Hause auslöst und die Verbindung zwischen dem Rauchen der Eltern und der Aufnahme des Rauchens erklärt, könnte eine standardisierten Verpackung dazu beitragen, die Unterschiede bei der Akkulturation des Rauchens in den verschiedenen sozioökonomischen Bevölkerungsgruppen zu überwinden. 43. Der Anteil der Raucher in anderen Bevölkerungsgruppen wie Lesben, Schwulen und Bisexuellen30 ist hoch; unter Schwulen soll der Raucheranteil doppelt so hoch sein wie in der allgemeinen Bevölkerung.31 Rauchen unter Menschen mit geistiger Behinderung ist „ein enormes Problem, das weithin ignoriert wird“.32 In bestimmten ethnischen Gruppen ist das Rauchen weiter verbreitet, insbesondere unter Männern aus Bangladesh und Pakistan sowie irischen Männern und Frauen.33 44. Zwar rauchen untere sozioökonomische Gruppen mit größerer Wahrscheinlichkeit billigere Zigaretten (und binden sich damit weniger an eine Marke), jedoch liefern die aktuellen Untersuchungen keine Hinweise, ob Branding bei den verschiedenen sozioökonomischen Gruppen unterschiedliche Auswirkungen hat. 28 Buller D, Borland R, Woodall W, Hall J, Burris-Woodall P, Voeks J (2003). „Understanding factors that influence smoking uptake“ [Erforschung der Faktoren, die zu einer Aufnahme des Rauchens führen]. Tobacco Control 12 (Zusatz 4):iv16-iv25. 29 DH (2008). Consultation on the future of tobacco control [Konsultation über die Zukunft der Tabakkontrolle]. London: Ministerium für Gesundheit 30 Covey L. Weissman J, Lo D, Duan N (2009). „A comparison of abstinence outcomes among gay/bisexual and heterosexual male smokers in an intensive, non-tailored smoking cessation study“ [Ein Vergleich der Ergebnisse einer Abstinenz unter schwulen/bisexuellen und heterosexuellen männlichen Rauchern aus einer intensiven, allgemeinen Studie zur Raucherentwöhnung]. Nicotine and Tobacco Research 11:1374-1377. 31 Harding R, Bensley J, Corrigan N (2004). „Targeting smoking cessation to high prevalence communities: outcomes from a pilot intervention for gay men“ [Gezielte Raucherentwöhnung in Gemeinschaften mit hoher Prävalenz: Ergebnisse aus einer Pilot-Intervention für Schwule]. BMC Public Health 4:43. 32 Williams J, Ziedonis D (2004). „Addressing tobacco among individuals with a mental illness or addiction“ [Bekämpfung des Tabakproblems bei Personen mit geistiger Behinderung oder Süchtigen]. Addictive Behaviours 29:1067-1083. 33 Information Centre (2004). Health Survey for England 2004: health of ethnic minorities [Gesundheitsuntersuchung für England 2004: Gesundheit und ethnische Minderheiten]. Leeds: The Information Centre. 15 Erkenntnisse zu den möglichen Auswirkungen einer standardisierten Verpackung von Tabakerzeugnissen 45. Die gesundheitlichen Vorteile in dieser FA wurden auf der Grundlage eines zusätzlichen Nutzens beurteilt, der sich wahrscheinlich zusätzlich zu den aktuell und zum Zeitpunkt der Einführung einer standardisierten Verpackung bestehenden Maßnahmen zur Bekämpfung des Tabakkonsums einstellen wird. Hierzu zählen der Nutzen des kürzlich in England erlassenen Gesetzes zum Verbot des Tabakverkaufs über Zigarettenautomaten, die Beendigung der offenen Auslage von Tabakerzeugnissen in Geschäften bis Ende 2015 und der durch die überarbeitete Tabakrichtlinie entstehende Nutzen. 46. Das Gesundheitsministerium und die dezentralen Verwaltungen haben jeweils Tabakeindämmungspläne angenommen.34 Die Annahme von Vorschriften zu standardisierten Verpackungen wäre ein Element dieser weitergehenden Strategie zur Verringerung der Raucherraten. Die Vorschriften zur Standardverpackung sollen die öffentliche Gesundheit verbessern, indem: Menschen davon abgeschreckt werden, Tabakerzeugnisse zu gebrauchen Menschen dazu ermutigt werden, den Gebrauch von Tabakerzeugnissen aufzugeben Menschen, die den Gebrauch von Tabakerzeugnissen aufgegeben haben oder versuchen dies zu tun, dabei unterstützt werden, diese nicht wieder zu gebrauchen der Reiz oder die Attraktivität von Tabakerzeugnissen reduziert wird das Potenzial der Elemente der Verpackung von Tabakerzeugnissen, außer den Gesundheitswarnungen, von der Wirksamkeit dieser Warnungen abzulenken, geschmälert wird die Möglichkeit beschränkt wird, dass die Verpackung der Tabakerzeugnisse die Verbraucher über die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens in die Irre führt die Möglichkeit beschränkt wird, dass die Verpackung der Tabakerzeugnisse für eine falsche Wahrnehmung im Hinblick auf die Art derartiger Erzeugnisse sorgt auf die Einstellungen, Überzeugungen, Absichten und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit der Einschränkung des Gebrauchs von Tabakerzeugnissen eingewirkt wird soziale Normen im Zusammenhang mit dem Tabakgebrauch zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens neu gestaltet werden. 47. Eine standardisierte Verpackung wird zur Erreichung dieser Ziele beitragen, indem sie auf den Erfolg des Tobacco Advertising and Promotion Act 2002 aufbaut und die Möglichkeiten zur Werbung und Verkaufsförderung von Tabakerzeugnissen weiter einschränkt. 48. Bei Erfolg würde diese Politik die Gesundheit aller Personen verbessern, die niemals mit dem Rauchen anfangen, und derjenigen, die erfolgreich mit dem Rauchen aufhören. Ein zusätzlicher Nutzen wäre die gleichzeitige Reduzierung des Passivrauchens mit der Reduzierung des Rauchens insgesamt. Da Rauchen eine Hauptursache für Unterschiede im Gesundheitszustand ist, kann eine standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen dazu beitragen, diese Unterschiede zu verringern. 49. Die Verpackung hat zwar eine praktische Funktion, ist aber heute wichtiges Element in der allgemeinen Marketingstrategie. Die Verpackung von Tabakerzeugnissen ist ein entscheidendes Werbemittel, das zur Schaffung des Markenbewusstseins beiträgt, die Attraktivität einer Marke steigert und eine positive Einstellung zum Rauchen fördert.35 Die Bedeutung der Verpackung als Teil der Werbemaßnahmen ist in der Marketingliteratur anerkannt. Die Verpackung „fungiert als eigenständige Werbemaßnahme“.36 Laut Underwood and Ozanne (1998) ist „die Produktverpackung das Herzblut einer 34 35 36 Schottland: Creating a Tobacco Free Generation: A Tobacco Control Strategy for Scotland [Schaffung einer tabakfreien Generation: Eine Strategie zur Eindämmung des Tabakkonsums für Schottland] (2013); Nordirland: TenYear Tobacco Control Strategy for Northern Ireland [Zehn-Jahres Strategie zur Eindämmung des Tabakkonsums für Nordirland] (2012); Wales: Tobacco Control Action Plan for Wales [Aktionsplan zur Bekämpfung des Tabakkonsums für Wales] (2012); England: Healthy Lives, Healthy People: A tobacco control plan for England, (2011). Gallopel-Morvan K, Moodie C, Hammond D, Eker F, Beguinot E, Martinet Y (2012). Consumer perceptions of cigarette pack design in France: a comparison of regular, limited edition and plain packaging. [Verbraucherwahrnehmung des Designs von Zigarettenverpackungen in Frankreich: Ein Vergleich zwischen regulärer, „Limited Edition“ und neutraler Verpackung]. Tobacco Control 21:502-506. Palmer, A. (2000). „The product“ [Das Produkt] in Palmer A (Hrsg.) Principles of Marketing [Prinzipien des Marketing]. Oxford University Press, London. 16 Firma“ oder der „stille Verkäufer, der Kunden anspricht“.37 Dokumente der Tabakunternehmen zeigen den Stellenwert der Verpackung für die Branche. In einem 1989 für den Tabakhersteller Philip Morris erstellten Bericht wurde festgestellt, dass „die Wahrnehmung der Verbraucher auf Verpackungsdesign, Preis und Nutzungsgewohnheiten basiert – nicht auf durch die Werbung geschaffene Bilder“.38 Die Tabakverpackung dient weiterhin als „Aushängeschild“ für das Produkt. 50. Laut Cancer Research UK gilt die Verpackung als effektives Marketingmedium, das durch Besitz und Verwendung dazu beiträgt, die Kundenbeziehung zu stärken. Innovative, Designverpackungen und Sparpackungen werden eingesetzt, um das Produkt zu bewerben, Produkte gegenüber Konkurrenzprodukten abzugrenzen, Markenwerte zu vermitteln und bestimmte Verbrauchergruppen anzusprechen. Diese Verpackungsstrategien beeinflussen zusammen mit den visuellen und strukturellen Aspekten des Verpackungsdesigns wie Farbe, Größe und Form die Verbraucherwahrnehmung sowie das Einkaufs- und Nutzungsverhalten. Dies verleiht der Verpackung einen hohen Stellenwert sowohl beim als nach dem Kauf.39 51. Cancer Research UK weist außerdem darauf hin, dass es die Verpackungsstrategien den Vermarktern ermöglichen, Marken auf Zielgruppen von Konsumenten abzustimmen. Das Verpackungsdesign wird mit Markenwerten assoziiert, was sich auf die Kaufabsicht auswirkt, insbesondere, wenn die Markenwerte persönlichen Werten entsprechen. Da persönliche Werte aus der Zugehörigkeit zu Kultur- und Bezugsgruppen entstehen, wird sorgfältig darauf geachtet, welche Werte der Zielgruppe wichtig sind. Dokumente der Tabakindustrie zeigen eine deutliche Differenzierung im Hinblick auf Gruppen wie Jugendliche und untere soziale Schichten. Die Werte dieser Gruppen werden überwacht, um die Verpackungsstrategien an eventuelle Änderungen anpassen zu können. So werden beispielsweise in Zeiten wirtschaftlichen Drucks verstärkt Sparpackungen angeboten. Eine Überprüfung von Dokumenten der Tabakindustrie von Wakefield (2002) ergab folgenden Zusammenhang zwischen Verpackung, Branding und Jugendlichen: Die Dokumente zeigen wiederholt, dass die Tabakunternehmen sich bewusst sind, dass die Wahl der Tabaksorte relativ früh im Leben eines Rauchers getroffen wird und dass die Verpackung wichtiger Bestandteil bei der attraktiven Positionierung von Marken für Jugendliche ist. So wurde beispielsweise in einem Dokument von Liggett und Myers festgestellt: ‘16-21—the formative years; smoking starts and brand preferences are developed.’ [„16–21: Die prägenden Jahre; Beginn des Rauchens, Entwicklung von Markenvorlieben.“] 40 52. Laut der Kampagne „Action on Smoking and Health“ hat der Tobacco Advertising and Promotion Act, der Tabakwerbung und viele Formen der Verkaufsförderung verbietet, offene verkaufsfördernde Maßnahmen erfolgreich beseitigt und als Konsequenz dazu geführt, dass die Tabakvermarktung weniger in das Bewusstsein der Jugendlichen dringt. Jedoch fördert Branding weiterhin das Rauchen unter Jugendlichen, und die Kenntnis von Verpackungen und neues Verpackungsdesign sind wichtige Elemente dieser aktuellen Marketingbemühungen. Seit der Einführung der Verordnung hat die Tabakindustrie ihre Investitionen in das Verpackungsdesign verstärkt, um die Markenbildsprache zu vermitteln und die Umsätze zu erhöhen. Untersuchungen belegen, dass diese Strategie erfolgreich war: Zwischen 2002 und 2006 stieg der Anteil der Jugendlichen, die ein neues Verpackungsdesign kennen, von 11 Prozent 2002 auf 18 Prozent 2006.41 37 Underwood, R. und Ozanne, J. (1998). „Is your package an effective communicator? A normative framework for increasing the communicative competence of packaging“ [Kommuniziert Ihre Verpackung effektiv? Ein normativer Rahmen zur Verbesserung der kommunikativen Kompetenz von Verpackungen] in Journal of Marketing Communication. 4(4), S. 207–220. 38 Kelly Weedon Shute Advertising (1989). Cigarette Marketing - A New Perspective [Zigarettenmarketing – Eine neue Perspektive]. Online verfügbar unter: http://legacy.library.ucsf.edu/tid/lti49e00. 39 Cancer Research UK (2012). The packaging of tobacco products [DIE VERPACKUNG VON TABAKERZEUGNISSEN]. Centre for Tobacco Control Research, gefördert von Cancer Research UK, der Universität Stirling und der Open University, Stirling. 40 41 Wakefield, M. (2002). „The cigarette pack as image: New evidence from tobacco industry documents“ [Die Zigarettenverpackung als Image: Neue Erkenntnisse aus Dokumenten der Tabakindustrie] in Tobacco Control. 11, Anlage I, S. i73-i80. Action on Smoking and Health [Maßnahmen zu Rauchen und Gesundheit] (2012). ASH Briefing: Plain Packaging [ASH-Briefing: Neutrale Verpackung]. ASH, London. Online verfügbar unter: http://ash.org.uk/files/documents/ASH_699.pdf. 17 53. In England gehen wir davon aus, dass das per Gesetz beschlossene Ende der offenen Präsentation von Tabakwaren in Läden und die überarbeitete Tabakrichtlinie dazu beitragen werden, den mittel- bis langfristigen Abwärtstrend bei der Prävalenz des Rauchens in der erwachsenen Bevölkerung unterstützen werden. Abbildung 1 zeigt den Trend bei der Prävalenz des Rauchens unter Erwachsenen (Menschen im Alter von 16 Jahren und älter, die angeben, aktuell zu rauchen). Abbildung 2 zeigt den Trend beim Anteil der Jugendlichen (Alter 11–15) in England, die regelmäßig rauchen (mindestens eine Zigarette pro Woche). 54. Um der Politik Informationen und die Ergebnisse der Konsultation zu liefern, hat das Gesundheitsministerium eine systematische Untersuchung der Erkenntnisse in Bezug auf eine standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen in Auftrag gegeben.42 Die Untersuchung wurde unterstützt durch das Public Health Research Consortium (PHRC)42. Dies wird im Folgenden als „Evidenzüberblick“ bezeichnet. Sir Cyril Chantler bezeichnet den Evidenzüberblick in seinem Bericht als „Stirling Review“.58 55. Erste Erkenntnisse zu den Auswirkungen einer standardisierten Verpackung auf die Einstellung zum Rauchen und den Wunsch aufzuhören unter australischen Rauchern wurden bereits von Wakefield et al. (2013)43 in einer Umfrage unter 388 Teilnehmern, die Zigaretten aus einer standardisierten Verpackung und 148, die aus einer Markenverpackung rauchten, gezogen. Diejenigen, die aus Standardverpackungen rauchten, maßen dem Aufhören konsistent eine deutlich höhere Priorität zu und ein deutlich höherer Anteil in dieser Gruppe hatte in der zurückliegenden Woche mindestens einmal ans Aufhören gedacht (36,8 % gegenüber 21,8 %). Das Odds Radio dieser Maßnahme war in der nicht bereinigten Analyse und in beiden nach Kovariablen bereinigten Modellen statistisch signifikant. Jedoch gab es keinen signifikanten Unterschied beim Anteil derer, die ernsthaft erwogen, in den nächsten sechs Monaten aufzuhören. Nähere Einzelheiten zu dieser Untersuchung sind in einer Überarbeitung des Evidenzüberblicks zu finden.44 Ergebnisse aus dem Evidenzüberblick Rechtsmittel 56. Die im PHRC-Evidenzüberblick zitierten Untersuchungen zeigen, dass eine standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen die Attraktivität der Tabakerzeugnisse sowohl für Erwachsene als auch für Kinder im Vergleich zu Markenverpackungen verringert. So kann beispielsweise Tabak in standardisierten Verpackungen als von minderer Qualität angesehen werden. Die Entfernung von Branding-Elementen wie Logos, Farben und Schriftbildern, die mit einer bestimmten Marke identifiziert werden, erschwert wahrscheinlich die Verknüpfung der Verpackung mit einer Markenidentität, was die Bindung eines Rauchers an eine bestimmte Marke schwächen könnte. Die Möglichkeit der Hersteller, häufige Änderungen an Farben, Logos und Schriftbildern vorzunehmen, ermöglicht eine Auffrischung und Modernisierung von Tabakmarken, was häufig regelmäßig geschieht. Die Hersteller profitieren von einer Auffrischung von Verpackungen, wie durch den Umsatzanstieg von Lambert & Butler in Höhe von 42 Die systematische Untersuchung wurde vom Public Health Research Consortium (PHRC) unterstützt, einem Netz von Wissenschaftlern, das vom Policy Research Programme (Politikforschungsprogramm) des Gesundheitsministeriums finanziert wird. Die Leitungsteams der Untersuchung stammten von der Universität Stirling, der Universität Nottingham und dem Institute for Education, London. Die Untersuchung wurde gemäß dem Research Governance Framework (Forschungskontrollsystem) des Gesundheitsministeriums durch Fachleute geprüft. Der PHRC-Bericht spiegelt die Arbeit und Ansichten der Verfasser wider, die nicht unbedingt mit denen des Gesundheitsministeriums übereinstimmen. Moodie, C. et al. (2012). Plain Tobacco Packaging: A systematic review [Einheitsverpackungen für Tabak: Eine systematische Untersuchung]. Public Health Research Consortium. Online verfügbar unter: http://phrc.lshtm.ac.uk/project_2011-2016_006.html 43 Wakefield M A, Hayes L, Durkin S, Borland R (2013). Introduction effects of the Australian plain packaging policy on adult smokers: a cross-sectional study [Auswirkungen der Einführung der australischen Richtlinie über eine neutrale Verpackung auf erwachsene Raucher: Eine Querschnittsstudie]. BMJ Open 3:e003175. 44 Moodie C, Angus K, Stead M und Bauld L (2013). Plain tobacco packaging Research: an update [Einheitsverpackungen für Tabak: neueste Entwicklungen]. Stirling: Centre for Tobacco Control Research, Institute for Social Marketing, University of Stirling [Zentrum für Forschungen zur Tabakkontrolle, Institut für Social Marketing, Universität Stirling] 18 60 Mio. GBP nach der Einführung einer neuen „Celebration“-Sonderverpackung im November 2004 im Vereinigten Königreich verdeutlicht wird.45 57. Eine Markentabakverpackung kann zur Schaffung einer Raucheridentität führen, bei der bestimmte Marken Persönlichkeitsattribute wie „cool“ und „beliebt“ projizieren. Dokumente der Tabakindustrie belegen die Bedeutung der Schaffung eines vorteilhaften Markenimages, in einem wurde konstatiert: „In der Zigarettenkategorie ist das Markenimage alles. Die Zigarettenmarke, die jemand raucht, ist seine Identität. Zigaretten teilen Anderen mit, wer man als Person ist“42. 58. Standardisierte Verpackungen von Tabakerzeugnissen hingegen werden bei der Projektion von Persönlichkeitsattributen durchgängig als weniger attraktiv bewertet. Standardisierte Verpackungen von Tabakerzeugnissen können die Bindung der Raucher an Marken schwächen, weshalb sie mit einer weniger wünschenswerten Raucheridentität verbunden werden. Eine Umfrage zur Wahrnehmung von Rauchern, bei der schrittweise immer mehr Branding entfernt wurde, zeigte, dass die einfachsten Verpackungen weniger ausgereifte und weniger beliebte Attribute projizierten.46 Zigaretten in standardisierten Verpackungen wurden als weniger trendig und stylish empfunden und ihre Konsumenten als weniger gesellig und kontaktfreudig als die Raucher von Zigaretten aus der OriginalMarkenverpackung. Abbildung 1: Raucherprävalenz unter Erwachsenen, England (%) Quelle: General Lifestyle Survey / Opinions and Lifestyle Survey [Umfrage zu Meinungen und Lifestyle] 45 Good G (2006). Global Brand Director, Imperial tobacco group plc. Präsentation auf der UBS Tobacco Conference, 1. Dezember 2006. Abrufbar unter: http://www.imperial-tobacco.com/files/financial/presentation/011206/ubs_transcript.pdf 46 Wakefield M, Germain D, Durkin SJ (2008). How does increasingly plainer packaging influence adult smokers’ perceptions about brand image? An experimental study. [Wie beeinflusst eine immer einfacher werdende Verpackung bei erwachsenen Rauchern die Wahrnehmung des Marken-Images? Eine experimentelle Untersuchung.] Tobacco Control, 17: 416-21 19 Abbildung 2: Anteil der regelmäßig rauchenden Schüler (Alter 11–15), England (%) 14 Jahre 15 Jahre Gesamt 11–15 Jahre Quelle: Smoking, drinking and drug use among young people in 2012 [Rauchen, Trinken und Drogenkonsum unter Jugendlichen 2012]. 59. In einer Umfrage in Schottland wurden die Teilnehmer gebeten, jeweils zwei Wochen lang ihre eigenen und standardisierte Verpackungen zu verwenden, um die Reaktionen der Raucher auf standardisierte und Markenverpackungen in der Praxis zu untersuchen. Von 140 Rauchern zwischen 18 und 35 Jahren, die sich für die Untersuchung anmeldeten, beendeten 48 die komplette Untersuchung wie vorgesehen. Bei Verwendung von standardisierten Verpackungen fühlten sich die Teilnehmer schlechter beim Rauchen. Sie empfanden unter anderem weniger Genuss und Befriedigung und fühlten deutlich mehr Verlegenheit und Scham.47 Die Teilnehmer gaben an, dass sie die Verpackung mit größerer Wahrscheinlichkeit außer Sicht aufbewahrten, verdeckten, weniger im Beisein Anderer rauchten, ans Aufhören dachten und den Wunsch hatten, aufzuhören. Beim vierten Messpunkt gaben 44 % der Befragten an, mit der „Kerrods“-Verpackung (dem fiktiven Markennamen der standardisierten Verpackung) weniger im Beisein Anderer zu rauchen, mit der eigenen Verpackung waren es 7 % (p<0,001). Gleichzeitig gab ein höherer Anteil der Teilnehmer mit der standardisierten Verpackung an, über das Aufhören nachzudenken als bei den Teilnehmern mit eigener Markenverpackung (52 % bzw. 28 %, p<0,01), und ein höherer Anteil an Personen mit standardisierter Verpackung gab an, aufhören zu wollen, als mit eigener Markenverpackung (37 % bzw. 26 %, p<0,05). Die Teilnehmer gaben außerdem an, dass sie mit größerer Wahrscheinlichkeit auf Zigaretten mit standardisierter Verpackung verzichten würden als mit ihrer eigenen Markenverpackung (30 % bzw. 9 %, p<0,05). Eine andere Umfrage ergab, dass Raucher, die mehr Motivation zum Aufhören haben, standardisierte Verpackungen als größte Motivation für das Aufhören ansahen.48 60. Der Evidenzüberblick enthielt relativ wenige Untersuchungen, in denen die Attraktivität von Tabakverpackungen auf Kinder und Erwachsene verglichen wurde. In diesen jedoch wurde gezeigt, dass jüngere Teilnehmer stärker von einer standardisierten Verpackung von Tabakerzeugnissen beeinflusst wurden als Erwachsene. In einer kanadischen Untersuchung wurde festgestellt, dass rauchende und nicht rauchende Jugendliche standardisierte Verpackungen von Tabakerzeugnissen bei verschiedenen Attraktivitätskriterien (hässlich/attraktiv, langweilig/spannend, altmodisch/modern, 47 Moodie C, Hastings GB, Mackintosh AM, Ford A (2011). Young adult smokers’ perceptions of plain packaging: A pilot naturalistic study [Wahrnehmung junger erwachsener Raucher einer neutralen Verpackung: Eine naturalistische Pilotstudie]. Tobacco control, 20: 367-373 in Moodie C, Stead M, Bauld L, McNeill A, Angus K, Hinds K, Kwan I, Thomas J, Hastings G (2012). Plain Tobacco Packaging: A systematic review. Stirling: Universität Stirling. 48 Gallopel-Morvan K, Moodie C, Hammond D, Eker F, Beguinot E, Martinet Y (2011). Consumer understanding of cigarette emission labelling [Konsumentenverständnis der Emissionskennzeichnung von Zigaretten]. European Journal of Public Health, 21: 373-375 in Moodie C, Stead M, Bauld L, McNeill A, Angus K, Hinds K, Kwan I, Thomas J, Hastings G (2012). Plain Tobacco Packaging: A systematic review. Stirling: Universität Stirling. 20 schrecklich/hübsch, langweilig/farbenfroh, nerdig/cool) mit größerer Wahrscheinlichkeit negativ bewerteten als Markenverpackungen.49 Eine Untersuchung in Neuseeland ergab, dass rauchende und nicht rauchende junge Erwachsene einer neutralen Verpackung mit 25-fach größerer Wahrscheinlichkeit als einer Markenverpackung die schlechteste Bewertung gaben (geringste Wahrscheinlichkeit, sie mit einem neuen Freundeskreis zu teilen).50 61. Junge Erwachsene denken bei Verwendung von standardisierten Verpackungen von Tabakerzeugnissen mit größerer Wahrscheinlichkeit ans Aufhören oder möchten immer häufiger aufhören, je mehr Branding entfernt wird. Es hat sich herausgestellt, dass standardisierte Verpackungen von Tabakerzeugnissen bei Jugendliche, die sich durch das Rauchen eine Identität schaffen möchten, eine schwache Symbolkraft haben.51 Donovan (1993) fand heraus, dass rauchende und nicht rauchende Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren standardisierte Verpackungen von Tabakerzeugnissen als deutlich weniger attraktiv bewerteten als Raucher und Nichtraucher zwischen 18 und 29 Jahren.52 Eine Untersuchung unter 16- bis 19-jährigen Mädchen im Vereinigten Königreich ergab, dass standardisierte Verpackungen von Tabakerzeugnissen von Frauen deutlich weniger attraktiv bewertet werden als auf Frauen abgestimmte Markenverpackungen.53 Gesundheitswarnungen 62. Aus dem Evidenzüberblick lässt sich folgern, dass Gesundheitswarnungen stärker hervortreten, je weniger Branding die Verpackung von Tabakerzeugnissen enthält und je standardisierter sie ist, sodass den Warnungen auf standardisierten Verpackungen mit größerer Wahrscheinlichkeit Aufmerksamkeit geschenkt wird. Außerdem lässt die deutlichere Sichtbarkeit der Gesundheitswarnungen auf standardisierten Verpackungen die Warnungen ernsthafter und glaubwürdiger erscheinen. Da Raucher (und Andere) jeden Tag Zigarettenpackungen so oft ansehen, leisten Gesundheitswarnungen einen wichtigen Beitrag zur Vermittlung der hohen gesundheitlichen Risiken des Rauchens, was durch eine standardisierte Verpackung noch verstärkt werden könnte. 63. Eine Untersuchung in Kanada ergab, dass sich 22 % der Befragten an die Gesundheitswarnung „Smoking can kill you“ [Rauchen kann tödlich sein] an der Seite einer Markenzigarettenpackung erinnern konnten, bei standardisierten Verpackungen waren es 56 % (p<0,001).54 In einer zweiten nordamerikanischen Studie an Schulen in Chicago und Ontario gaben 51 % der Schüler in Ontario an, dass die Gesundheitswarnung auf standardisierten Verpackungen leichter zu sehen ist, auf einer normalen Verpackung 29 %. Die übrigen 20 % sahen keinen Unterschied.55 49 Centre for Health Promotion [Zentrum für Gesundheitsförderung] (1993). Effects of plain packaging on the image of tobacco products among youth [Auswirkungen einer neutralen Verpackung auf das Image von Tabakerzeugnissen unter Jugendlichen]. University of Toronto: Centre for Health Promotion. 50 Hoek J, Gendall P, Louviere J (2009). Tobacco Branding and Plain Packaging: The New Frontier in Tobacco Control? [Tabak-Branding und neutrale Verpackungen: Die neue Front bei der Bekämpfung des Tabakkonsums?] In Moore B, Paappalardo J, Wilkie W (Eds.), Proceedings of the American Marketing Association Marketing and Public Policy Conference, Washington DC, 28.–30. Mai. 51 Comite National Contre Tabagisme [Nationales Kommitee gegen Nikotinsucht] (2008). „Comment mettre en oeuvre les dispositions de la CCLAT pour parvenir à une „dénormalisation“ de la consommation de tabac?“ Evaluation de l’impact du paquet de cigarettes neutre: Résultats d’une étude qualitative menée sur 34 personnes [Auswertung der Auswirkungen einer neutralen Zigarettenverpackung: Ergebnisse einer qualitativen Untersuchung unter 34 Personen]. Bericht für das Institute National du Cancer [Nationale Krebsinstitut]. Paris: CNCT. 52 Donovan R (1993). Smokers’ and non-smokers’ reactions to standard packaging of cigarettes [Reaktion von Rauchern und Nichtrauchern auf standardisierte Zigarettenverpackungen] Perth, Australien: University of Western Australia. 53 Hammond D, Daniel S, (2011). Untersuchung zu neutralen Verpackungen im Vereinigten Königreich unter jungen Frauen. Eingereicht beim Journal of Adolescent Health. 54 Goldberg ME, Leifield J, Kindra G, Madill-Marshall J, Lefebvre J, Martohardjona N, Vrendenberg H (1995). When Packages Can’t Speak: Possible impacts of plain packaging of tobacco products. Erstellt für Health Canada. Toronto, Canada in Moodie C, Stead M, Bauld L, McNeill A, Angus K, Hinds K, Kwan I, Thomas J, Hastings G (2012). Plain tobacco packaging: a systematic review. Stirling: Universität Stirling. 55 Rootman I, Flay BR, Northrup D, Foster MK, Burton D, Ferrence R, Raphael D, Single E (1995). A study on youth smoking: Plain packaging, health warnings, event marketing and price reductions. Toronto, Ontario, Kanada: University of Toronto, University of Illinois at Chicago, York University, Ontario Tobacco Research Unit, Addiction Research Foundation in Moodie C, Stead M, Bauld L, McNeill A, Angus K, Hinds K, Kwan I, Thomas J, Hastings G (2012). Plain tobacco packaging: a systematic review. Stirling: Universität Stirling. 21 64. In einer belgischen Studie wurde die Motivation von Jugendlichen bei der Auswahl von Zigarettenverpackungen untersucht. Die Teilnehmer, zu denen tägliche und Gelegenheitsraucher zählten, gaben an, dass die Warnungen auf der standardisierten Verpackung deutlicher hervortraten als auf der Markenverpackung.56 Die Studie kam zu dem Schluss, dass die Sichtbarkeit und Wahrnehmung der Ernsthaftigkeit der Warnungen bei standardisierten Verpackungen größer war als bei Markenverpackungen. Ebenso scheint die Erinnerung an die Warnung länger anzuhalten, weil die standardisierte Verpackung weniger ablenkt und dem Raucher weniger Anreize für das weitere Rauchen liefert. Wahrgenommene Qualität 65. Beim Evidenzüberblick stellte sich heraus, dass die Wahrnehmung der Raucher zur Qualität des Tabaks durch Branding beeinflusst werden kann. In einer Umfrage unter Erwachsenen und Jugendlichen im Vereinigten Königreich wurden standardisierte weiße und Markenverpackungen verglichen. Sie ergab, dass bei Verwendung standardisierter weißer Verpackungen weniger Unterschiede beim Geschmackseindruck (weicher Geschmack) alternativer Markenvarianten angegeben wurden als bei Verwendung von Markenverpackungen. Beim Vergleich standardisierter brauner Verpackungen mit herkömmlichen Markenverpackungen assoziierten deutlich weniger Erwachsene die standardisierte Verpackung mit einem weichen Geschmack. Als Beispiele dienten Mayfair King Size (9 % bzw. 18 %, p<0,001) und Lambert & Butler King Size (11 % bzw. 20 %, p<0,001). Ebenso attestierten deutlich weniger jugendliche Raucher der standardisierten Mayfair-Verpackung einen weicheren Geschmack (13 % bzw. 20 %, p=0,01) oder der standardisierten Packung von Lambert & Butler (12 % bzw. 26 %, p<0,001) als bei den entsprechenden Markenverpackungen.57 Wichtigste Erkenntnisse aus dem Evidenzüberblick Der Evidenzüberblick42 ergab folgende grundlegende Erkenntnisse: 66. Attraktivität von Zigaretten, Verpackungen und Marken: Alle Studien ergaben, dass neutrale Packungen sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern als weniger attraktiv bewertet wurden als äquivalente Markenpackungen. Neutrale Packungen wurden als von schlechterer Qualität, schlechterem Geschmack und billiger wahrgenommen als äquivalente Markenpackungen. Positive Eindrücke zur Identität und Persönlichkeitsattributen der Raucher, die mit bestimmten Marken assoziiert werden, wurden bei einer neutralen Verpackung abgeschwächt oder verschwanden ganz. Nichtraucher und Jugendliche reagierten negativer auf neutrale Packungen als Raucher und ältere Menschen. Prominenz von Gesundheitswarnungen: Insgesamt weisen die Studien darauf hin, dass eine neutrale Verpackung tendenziell dazu führt, dass Gesundheitswarnungen besser im Gedächtnis bleiben, dass ihnen mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird und dass sie als ernsthafter und glaubwürdiger empfunden werden. Die Ergebnisse scheinen nach Typ, Größe und Position der verwendeten Gesundheitswarnung abgeschwächt zu werden. 56 van Hal G, Arts M, Vriesacker B, Fraeyman J, Roos S (2011). Tobacco plain packaging: perceptions of Flemish teenagers. Unveröffentlichtes Manuskript in Moodie C, Stead M, Bauld L, McNeill A, Angus K, Hinds K, Kwan I, Thomas J, Hastings G (2012). Plain tobacco packaging: a systematic review. Stirling: Universität Stirling. 57 Hammond D, Dockrell M, Arnott D, Lee A, McNeill A (2009). Cigarette pack design and perceptions of risk among UK adults and youth. European Journal of Public Health 19: 631-637. 22 Nur in einer Studie wurden Unterschiede zwischen den Untergruppen untersucht und nachgewiesen, dass Nichtraucher und Gelegenheitsraucher Warnungen auf neutralen Packungen mehr Aufmerksamkeit schenken als tägliche Raucher. Wahrnehmung von Schädlichkeit und Stärke des Produkts: Eine neutrale Verpackung kann Fehlannahmen zur relativen Schädlichkeit unterschiedlicher Marken reduzieren. Die Farben der Packungen beeinflussen die Wahrnehmung von Schädlichkeit und Stärke des Produkts. Generell werden neutrale Packungen in einer dunkleren Farbe wie beispielsweise braun als schädlicher empfunden als Markenpackungen, in helleren Farben wie z. B. weiß jedoch werden sie als weniger schädlich empfunden als Markenpackungen. Zigaretten in roten Packungen werden als stärker empfunden als in hellfarbigen Packungen. Deskriptoren wie „Gold“ oder „Smooth“ (mild) auf neutralen Packungen können die Verbraucher auf neutralen ebenso wie auf Markenpackungen in die Irre führen. Allgemein neigen Raucher eher zu Fehlannahmen zur Schädlichkeit der Packungen als Nichtraucher, sowohl bei Marken- als auch bei neutralen Packungen. Auf das Rauchen bezogene Einstellungen, Überzeugungen, Absichten und Verhaltensweisen: Neutrale Packungen scheinen die negativen Gefühle gegenüber dem Rauchen zu verstärken. Von neutralen Packungen wird in der Regel angenommen, dass sie wahrscheinlich eine abschreckende Wirkung auf Jugendliche haben, mit dem Rauchen zu beginnen, und ebenso wahrscheinlich Raucher ermutigen könnten, ihren Verbrauch zu reduzieren oder ganz aufzuhören, obwohl einige Studien besagten, dass sie wahrscheinlich wenig Auswirkungen haben würden. Nichtraucher, Gelegenheitsraucher und Jugendliche gehen mit größerer Wahrscheinlichkeit davon aus, dass neutrale Packungen vom Rauchen abschrecken oder es reduzieren würden. Unabhängige Überprüfung der Erkenntnisse zu einer Wirkung standardisierter Verpackungen von Tabakerzeugnissen auf die öffentliche Gesundheit (Chantler Report) 67. Die britische Regierung bat Sir Cyril Chantler um Ratschläge, ob die Einführung standardisierter Verpackungen wahrscheinlich Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben wird und wie diese Auswirkungen aussehen könnten, speziell im Hinblick auf die Gesundheit von Kindern. Bei dieser Überprüfung berücksichtigte der frühere Arzt drei Kernfragen und zog folgende Schlussfolgerungen: Ist es wahrscheinlich, dass eine standardisierte Verpackung den Tabakkonsum verringern wird? Sir Cyril untersuchte die Erkenntnisse aus dem „Stirling Review“ und gab eine eigene unabhängige Beurteilung in Auftrag, um die Aussagekraft des Stirling Review zu überprüfen. Er stimmte den Ergebnissen des Stirling Review zu, dass eine standardisierte Verpackung nachweislich die Attraktivität von Verpackung und Produkt verringert. Er hält es für wahrscheinlich, dass eine standardisierte Verpackung dazu führt, dass Raucher und potenzielle Raucher eine negativere Einstellung gegenüber dem Rauchen entwickeln, empfängliche Kinder und jugendliche Raucher bestimmte Marken weniger wahrscheinlich mit Gleichaltrigen assoziieren, denen sie nacheifern möchten, und dass Gesundheitswarnungen glaubwürdiger sind, wenn sie nicht mit einer attraktiven Verpackung kombiniert sind. Dieser Attraktivitätsverlust wird wahrscheinlich, nach einer gewissen Zeit, geänderte Verhaltensweisen und dadurch einen geringeren Tabakkonsum zur Folge haben. Insgesamt erwartet er, dass standardisierte Verpackungen im Laufe der Zeit zu einer Reduzierung der Raucherzahlen führen werden. 23 Fördern Markenverpackungen den Tabakkonsum, speziell indem sie Kinder ermutigen, mit dem Rauchen zu beginnen? Es gibt sehr deutliche Hinweise dafür, dass Kinder, die Werbung oder Verkaufsförderung von Tabakerzeugnissen ausgesetzt sind, in der Folge mit größerer Wahrscheinlichkeit mit dem Rauchen beginnen. Markenzigaretten sind Produkte mit „Erkennungswert“, sind häufig in Auslagen zu sehen und fungieren daher als „stiller Verkäufer“. Die Tabakindustrie argumentiert, dass alle ihre Marketingaktivitäten, einschließlich der Verpackung, ausschließlich auf die Bewegung erwachsener Raucher zum Markenwechsel und keinesfalls auf Kinder oder Noch-Nichtraucher abzielen würden. Sir Cyril konnte allerdings keine überzeugenden Nachweise dafür finden, wie diese Trennung in der Praxis stattfinden sollte. Seiner Ansicht nach können Kinder und Nichtraucher nicht davor bewahrt werden, Tabakverpackungen zu sehen, und sobald sie ihnen ausgesetzt sind, sind sie ihrer Attraktivität ausgesetzt, ob diese auf sie abzielt oder nicht. Vor dem Hintergrund dieser und anderer Betrachtungen ist er der Überzeugung, dass Markenverpackungen zu einem höheren Tabakkonsum beitragen. Ist es wahrscheinlich, dass eine standardisierte Verpackung den Tabakkonsum steigern wird, indem der Preis durch Standardisierung des Marktes für Tabakerzeugnisse sinkt oder indem der Konsum billiger illegaler Erzeugnisse steigt? Sir Cyril ist von dieser Argumentation nicht überzeugt. Er hält die Gefahr fallender Preise für gering, doch sollte dies tatsächlich geschehen und den Zielen einer standardisierten Verpackung entgegenlaufen, könnte dies durch Besteuerung ausgeglichen werden. Er merkt an, dass in Australien seit der Einführung standardisierter Verpackungen die Preise über die Steuererhöhungen hinaus weiter gestiegen sind. Er konnte keine überzeugenden Nachweise dafür finden, dass standardisierte Verpackungen den illegalen Markt stärken würden. Das Hautelement beim Wachstum des illegalen Marktes scheint der Preis zu sein. Er merkt an, dass der Umfang des illegalen Marktes nicht durch fehlende Nachfrage, sondern durch die Beschränkung des Angebots durch Grenzkontrollen begrenzt wird. Wäre dies nicht der Fall, wäre seiner Überzeugung nach der illegale Markt in den vergangenen 14 Jahren gewachsen, da die Tabaksteuern real gestiegen sind. Stattdessen ist der illegale Markt im Vereinigten Königreich etwa auf die Hälfte geschrumpft. Die Maßnahmen der HMRC zur Bekämpfung des illegalen Handels waren also offenbar sehr wirkungsvoll. Es scheint Sir Cyril, dass die Lösung für illegalen Konsum in einer effizienten Durchsetzung der Gesetze liegt, und die britischen Strafvollzugsbehörden haben bereits nachgewiesen, dass eine effiziente Durchsetzung und angemessene Sanktionen den Anteil illegaler Produkte niedrig halten können. Bei seinen Schlussfolgerungen berücksichtigte er veröffentlichte Studien, traf sich mit Vertretern der Tabakindustrie und Experten für die Bekämpfung des Tabakkonsums und gab eine unabhängige Analyse des Stirling Review in Auftrag.58 Er merkt an, dass die unabhängige akademische Überprüfung des Stirling Review die Qualität der Arbeit und insbesondere die Konsistenz der Ergebnisse (Absatz 4.18) bestätigt. Schlussfolgerungen Schlussfolgerungen zur Rolle von Markenverpackungen 68. Sir Cyril zieht im Hinblick auf die Rolle von Markenverpackungen folgende Schlussfolgerungen: „Meiner Meinung nach weist der Großteil der Erkenntnisse darauf hin, dass die Attraktivität von Markenverpackungen einer der Faktoren ist, der Kinder und Jugendliche ermutigt, mit Tabak zu experimentieren und das Rauchen zur Gewohnheit werden zu lassen. Wie der Sprecher von British American Tobacco Australia bei unserem Treffen bestätigte, stellen Markenverpackungen für ebenso wie für andere Hersteller von Konsumgütern ein Marketingwerkzeug dar. Dies wird durch zahlreiche interne Dokumente der Tabakindustrie bestätigt. Die Tabakindustrie gibt zwar an, dass Markenverpackungen lediglich das Ziel verfolgen, einen Markenwechsel zu ermutigen, doch sie können nicht erklären, wie dadurch ausschließlich Wechselwillige von einer Marke zur anderen angesprochen, aber keine Nichtraucher ermutigt werden sollten, mit dem Rauchen zu beginnen, oder der Gesamtkonsum gesteigert wird. Außerdem konnten sie nicht erklären, warum, da sich doch Werbung und Verkaufsförderung als Mittel zur Steigerung des Tabakkonsums erwiesen haben, das entsprechende Marketingwerkzeug der Markenverpackung (die vom Anwalt von Japan Tobacco International der australischen Regierung gegenüber als ihre mobile „Reklametafel“ bezeichnet wurde) eine derart andere Wirkung haben sollte.“ 58 http://www.kcl.ac.uk/health/PressRelease3April2014.pdf 24 Schlussfolgerung zu den Auswirkungen einer standardisierten Verpackung 69. Sir Cyril schlussfolgert zu den Auswirkungen standardisierter Verpackungen: „Nachdem ich die Ergebnisse des Stirling Review und des nachfolgenden Research Update sowie die darauf bezogenen detaillierten kritischen Abhandlungen überprüft habe, halte ich die Erkenntnisbasis für die vorgeschlagenen „Zwischenergebnisse“ für methodisch fundiert und, da daraus keine Größe des allgemeinen Effekts berechnet werden kann, die Einschätzung der wahrscheinlichen Auswirkungen für zutreffend. Zusammengenommen liefern die Studien und darauf basierenden Untersuchungen Hinweise mit einem hohen Grad an Konsistenz über mehr als 50 Studien unterschiedlichen Aufbaus in unterschiedlichen Ländern hinweg gesehen. Diese Schlussfolgerung wird durch die vorgebrachten Kritiken, von denen sich viele auf notwendige Einschränkungen beim Studiendesign beziehen, nicht wesentlich eingeschränkt. Dies wurde durch die von mir in Auftrag gegebene unabhängige Analyse bestätigt.“ 70. „Ich bin der Ansicht, dass es auf der Grundlage der von mir eingesehenen Erkenntnisse wahrscheinlich ist, dass Standardverpackungen dazu führen werden, dass Raucher und potentielle Raucher dem Rauchen negativere Gefühle entgegenbringen werden. Sie werden weniger darin getäuscht werden, zu glauben, dass manche Marken gesünder sind als andere und deswegen Gesundheitswarnungen für diese weniger gelten. Empfängliche Kinder und junge erwachsene Raucher werden bestimmte Marken weniger wahrscheinlich mit Vorbildern assoziieren, denen sie nacheifern wollen. Gesundheitswarnungen werden glaubwürdiger, einprägsamer und wirksamer sein, wenn sie nicht verwirrenderweise auf attraktiven Markenverpackungen erscheinen. Dies wird wiederum wahrscheinlich zu Verhaltensänderungen führen, so dass Raucher ihre Zigarettenpackungen verstecken und dadurch ihre Rolle bei der Erzeugung einer übertriebenen Sicht des Rauchens als soziale Norm verringern. Dies kann die Ansicht stützen, nach der Rauchen weniger „normal“ erscheint und es deswegen für Kinder weniger attraktiv ist, mit dem Rauchen anzufangen, um bei Gleichaltrigen ‚dazuzugehören‘.“ Maßnahmenoptionen Option 1: Verpflichtung zu Gesetzesänderungen, damit das Vereinigte Königreich 2016 die europäische Tabakrichtlinie erfüllt (d.h. keine weiteren Maßnahmen über die gesetzliche Verpflichtung des VK hinaus) 71. Option 1: Diese stellt die Basis für die Bewertung einer standardisierten Verpackung von Tabakerzeugnissen dar. Sie umfasst alle derzeit bestehenden und erwarteten Maßnahmen zur Bekämpfung des Tabakkonsums, einschließlich des Gesetzes zum Verbot der offenen Präsentation von Tabakerzeugnissen und der bis 2016 umzusetzenden überarbeiteten Tabakrichtlinie. Per Definition fallen bei dieser Option in dieser FA keine Kosten und Vorteile an. 72. Die Wirkung einer standardisierten Verpackung auf das Rauchverhalten wurde vor dem Hintergrund des prognostizierten Erfolgs bestehender und erwarteter Maßnahmen untersucht, sowohl im Hinblick auf das Aufhören von Erwachsenen (oder ausbleibende Rückfälle von ehemaligen Rauchern) als auch auf die Verhinderung, dass Jugendliche mit dem Rauchen beginnen. In beiden Fällen wurde die unten beschriebene, vom Expertenrat erwartete Wirkung standardisierter Verpackungen als zusätzliche Wirkung zum Ende der Tabakpräsentation in Geschäften gesehen. 73. Die volle Wirkung des Endes der Tabakpräsentation in Geschäften in England wird auf eine Senkung des Anteils der 11- bis 15-Jährigen, die jemals geraucht haben, von 25 % zum Zeitpunkt des Präsentationsverbots 2011 (laut der Untersuchung des NHS Information Centre „Smoking, Drinking and Drug Use Among Young People in England 2011“) auf ca. 21 % geschätzt.59 Von der Umsetzung der revidierten Tabakrichtlinie wird eine Senkung dieser Raucherzahlen um einen Faktor von 2,15 % über einen Zeitraum von 5 Jahren erwartet. Diese voraussichtlichen Raucherzahlen nehmen wir als Basis für die Beurteilung standardisierter Verpackungen. 73b. Die neue europäische Tabakrichtlinie tritt im Mai 2016 in Kraft. Sie enthält folgende zusätzliche Anforderungen: 59 Sie basiert auf aktualisierten Schätzungen des Anteils derer, die jemals geraucht haben und regelmäßig rauchen, verglichen mit der FA für das Ende von Tabakauslagen. 25 Verbindliche „kombinierte“ Gesundheitswarnungen mit Bild und Text, die 65 % der Vorder- und Rückseite der Zigarettenpackungen bedecken und an der Oberkante der Verpackung ausgerichtet sein müssen. Auf 50 % der Seiten der Packungen müssen neue Gesundheits-Warntexte angebracht sein (z. B. „Rauchen ist tödlich – hören Sie jetzt auf“; „Tabakrauch enthält über 70 krebserregende Substanzen“), während aktuell nur die Höchstgehalte von Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid angegeben werden müssen. Es wird Mindestabmessungen für die Gesundheitswarnungen geben, und „Slim“-Zigarettenpackungen im Lippenstift-Design, die häufig auf junge Frauen abziehen sollen, werden verboten. Um die Sichtbarkeit der Gesundheitswarnungen zu erhöhen, müssen die Zigarettenpackungen quaderförmig sein und mindestens 20 Zigaretten enthalten. Auf den Packungen dürfen keine werbewirksamen oder irreführenden Merkmale oder Elemente angebracht sein. Dazu zählen beispielsweise Hinweise auf Lifestyle-Vorteile, Vorhandensein oder Abwesenheit von Geschmack oder Aromen (z. B. „frei von Zusatzstoffen“), Sonderangebote oder Behauptungen, dass ein bestimmtes Produkt weniger schädlich ist als ein anderes. Ähnliche Regelungen werden für die Verpackungen von Tabak zum Selbstdrehen (Drehtabak) gelten, die auf der Vorder- und Rückseite ebenfalls zu 65 % mit kombinierten Gesundheitswarnungen bedeckt sein und die zusätzlichen Warntexte enthalten müssen. Tabakerzeugnisse zum Selbstdrehen können in quaderförmigen oder zylindrischen Formen oder in Form eines Beutels verkauft werden, jede Packung muss mindestens 30 g Tabak enthalten. Weitere Details zur Tabakrichtlinie werden in Anhang E besprochen. 74. Die gesundheitlichen Vorteile bei Erwachsenen aufgrund des Endes der Tabakpräsentation basieren auf einer erwarteten gestiegenen Anzahl der Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören, und der Rückfälle um 3 % jährlich, was eine Verringerung der Prävalenz um 0,04 Prozentpunkte jährlich bedeutet. Es wird erwartet, dass die Umsetzung der überarbeiteten Tabakrichtlinie die Raucherzahlen im Verlauf von 5 Jahren um den Faktor 2,15 % verringern wird, was mit der Folgenabschätzung der Tabakrichtlinie übereinstimmt. Option 2: Zusätzlich zur europäischen Tabakrichtlinie 2016 Verpflichtung zu einer standardisierten Verpackung 75. Option 2: Verpflichtung zu einer standardisierten Verpackung von Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen sowie möglicherweise anderer spezieller Tabakerzeugnisse wie Zigarren und Pfeifentabak.60 Dies würde die Standardisierung der Verpackungsfarbe, -größe und -form sowie das Entfernen von jeglichem Branding von allen Außen- und Innenverpackungen umfassen, mit Ausnahme eines Marken- und Variantennamens, der in einem standardisierten Format auf der Packung erscheint. Gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnungen wie Gesundheitswarnungen und Steuermarken würden beibehalten. 76. Die Richtlinien für die Vertragsparteien zur Umsetzung von Artikel 13 des FCTC sehen bezüglich einer standardisierten Verpackung von Tabakerzeugnissen Folgendes vor: Die Wirkung der Werbung und Verkaufsförderung auf der Verpackung kann dadurch unterbunden werden, dass eine einfache Verpackung vorgeschrieben wird: schwarz und weiß, oder zwei andere Kontrastfarben, je nach Vorschrift der nationalen Behörden; Abbildung von nichts außer dem Markennamen, einem Produkt- oder Herstellernamen, Kontaktdaten und der Produktmenge in der Verpackung ohne Logos oder sonstige Merkmale außer den gesundheitsrelevanten Warnhinweisen, Steuermarken und anderen von der Regierung vorgeschriebenen Informationen oder Markierungen; vorgeschriebene Schriftart und -größe; genormte Form, Größe und Materialien. Es sollten keine Werbe- 60 Spezielle Tabakerzeugnisse wie Zigarren und Pfeifentabak machen nur einen sehr geringen Anteil am in England konsumierten Tabak aus; nur 0,6 % der Bevölkerung über 16 Jahre rauchen regelmäßig Zigarren (General Household Survey, 2011). Daher wird die Möglichkeit dieses Zusatzes in dieser FA nicht weiter besprochen. 26 oder verkaufsfördernden Elemente innerhalb der Verpackung oder außen angebracht werden. Dies gilt auch für einzelne Zigaretten oder Tabakerzeugnisse.61 77. Entsprechend den FCTC-Richtlinien wurde folgende Strategie für eine standardisierte Verpackung als Information zur Konsultation erarbeitet: Alle Innen- und Außenverpackungen müssen (eine) vorgeschriebene Farbe(n) haben (Details noch von der Regierung festzulegen); Alle Texte auf der Packung, einschließlich Markennamen, müssen in standardisierter Farbe und Schriftbild erscheinen (genaue Angaben wie die maximale Schriftgröße noch von der Regierung festzulegen); An der Außen- und Innenseite der Verpackung sowie auf den einzelnen Tabakerzeugnissen selbst dürfen kein Branding, keine Werbung oder verkaufsfördernde Elemente angebracht sein. In diesem Zusammenhang bezeichnet „Branding“ auch Logos, Farben und andere Merkmale, die mit einer Tabakmarke assoziiert werden; Die Packungen müssen eine Standardform haben und falls möglich aus bestimmten Materialien bestehen (Details noch von der Regierung festzulegen); Auf den Packungen dürfen nur die folgenden Informationen oder Kennzeichnungen angebracht sein (Details noch von der Regierung festzulegen): o ein Markenname; o ein Produktname; o die in der Packung enthaltene Produktmenge; o der Name und die Kontaktinformationen des Herstellers; o ein Barcode für Verkauf und Bestandskontrolle; o jeweils vorgeschriebene Gesundheitswarnungen;62 o jeweils vorgeschriebene Informationen über den Gehalt an Teer, Nikotin und Kohlenmonoxid;63 o jeweils vorgeschriebene steuerliche Kennzeichnungen64 sowie o Mit bloßem Auge nicht sichtbare Markierungen zur Bekämpfung des illegalen Handels von Tabakerzeugnissen oder andere Merkmale zur Verhinderung von Betrug (Details noch von der Regierung festzulegen). Eventuelle Umverpackungen der Packung müssen transparent und farblos sein und dürfen keinerlei Markierungen enthalten. 78. Die oben dargelegte Strategie für eine standardisierte Verpackung schreibt keine bestimmte Farbe für die Verpackung vor, jedoch würde eine verpflichtende Standardfarbe in den Richtlinien 61 Aus Artikel 13 (Tabakwerbung, Förderung des Tabakverkaufs und Tabaksponsoring) des Rahmenübereinkommens der Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung des Tabakgebrauchs. Die Richtlinien zur Umsetzung des FCTC sind im Internet verfügbar unter: www.who.int/fctc. 62 Warnungen in Text und Bild, wie in der Verordnung über Tabakerzeugnisse (Herstellung, Aufmachung und Verkauf) (Sicherheit) 2002 und der Verordnung über Tabakerzeugnisse (Herstellung, Aufmachung und Verkauf) (Sicherheit) (Änderung) 2007 festgelegt. 63 Festgelegt in der Verordnung über Tabakerzeugnisse (Herstellung, Aufmachung und Verkauf) (Sicherheit) 2002. 64 Festgelegt im Tobacco Products Duty Act [Gesetz über die Besteuerung von Tabakerzeugnissen] 1979, der Verordnung über Tabakerzeugnisse von 2001 und HMRC-Bekanntmachung 476 vom Februar 2011. 27 vorgeschrieben. Die in der systematischen Überprüfung der Erkenntnisse genannten Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit von standardisierten Verpackungen durch die gewählte Farbe beeinflusst werden könnte. Dabei wurden hellere Farben wie weiß oder hellblau von den Teilnehmern einiger Studien mit geringerer Schädlichkeit assoziiert als dunklere Farben wie dunkelgrau oder braun. 79. Die Möglichkeit der Hersteller von Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen, die Verpflichtung zu standardisierten Verpackungen durch Herstellung anderer Erzeugnisse mit Tabak-Branding zu umgehen, wie durch Zigarettenetuis oder Cover für die Packungen, ist bereits als Form der Verkaufsförderung verboten. 80. Zur Verdeutlichung: Die Konsultation zu standardisierten Verpackungen 2014 wird Verordnungsentwürfe zu den vorgeschlagenen Anforderungen an standardisierte Verpackungen umfassen, falls diese eingeführt werden sollten. In den Verordnungsentwürfen werden keine Anforderungen an die Größe oder Länge der Zigaretten oder die Größe der Zigarettenpackungen festgelegt. Option 3: Aufschieben der Entscheidung, bis Erkenntnisse aus den Erfahrungen in Australien gesammelt wurden 81. Es wird anerkannt, dass dafür plädiert werden könnte, die Entscheidung zu standardisierten Verpackungen aufzuschieben, bis Erkenntnisse aus Australien und anderen Jurisdiktionen vorliegen, in denen eine standardisierte Verpackung eingeführt wird. Bei jeder Aufschiebung müssten die Schwierigkeiten berücksichtigt werden, die Auswirkungen der standardisierten Verpackungen von anderen Maßnahmen zur öffentlichen Gesundheit in diesen Jurisdiktionen zu entflechten (beispielsweise war die Einführung standardisierter Verpackungen in Australien im Rahmen der umfassenden Strategie zur Eindämmung des Tabakkonsums mit Steuererhöhungen und neuen Medienkampagnen verbunden), ebenso wie die Zeitverzögerung bei der Identifizierung der Auswirkungen. Bei dieser Option würden Kosten und Vorteile erst verzögert eintreten, doch die zusätzlich gesammelten Erkenntnisse würden relevante Informationen für die zu treffende Entscheidung liefern. Der tatsächliche Nutzen eines Aufschubs der Entscheidung ist abhängig von der Art der Erkenntnisse, die wahrscheinlich aus internationalen Erfahrungen gezogen werden könnten, sowie von den Gesundheitskosten, falls nichts getan wird. Zwar kristallieren sich bereits erste Erkenntnisse zu den Ausgabezeiten heraus, doch andere Auswirkungen müssen über einen längeren Zeitraum beobachtet werden. Dieses Thema wird im Chantler Review besprochen: „Eine Studie des Australian Institute of Health and Welfare [Institut für Gesundheit und Sozialwesen] wird voraussichtlich im Oktober 2014 Ergebnisse zum Raucheranteil insgesamt liefern, Schätzungen für den Raucheranteil unter Jugendlichen werden für August 2015 in der Untersuchung „Australian School Students Alcohol and Drug“ [Alkohol und Drogen unter australischen Schülern] erwartet. Auch dann wird es schwierig sein, die Auswirkungen einer neutralen Verpackung von anderen treibenden Faktoren für das Rauchen auseinanderzudividieren.“ Kategorisierung des Nutzens und der Kosten 82. Im Folgenden sind die wichtigsten Kategorien aufgeführt, nach denen die Auswirkungen einer standardisierten Verpackung untersucht werden (wobei unter (i) – (iv) die Kosten und unter (a) – (h) die Vorteile aufgeführt sind). Bei Erfolg dieser Politik könnte sich folgender Nutzen ergeben: (a) gesundheitlicher Nutzen als Folge weniger neuer Raucher; und/oder (b) gesundheitlicher Nutzen als Folge davon, dass mehr Menschen das Rauchen aufgeben; (c) weniger durch Passivrauchen verursachte Krankheiten bei Erwachsenen und Kindern, einschließlich vermeidbare Behandlungskosten; (d) weniger Unterschiede im Gesundheitszustand; (e) erhöhte Produktivität am Arbeitsplatz; (f) sauberere Straßen; (g) finanzielle Vorteile für die ehemaligen Raucher. 83. Folgende Hauptkostenkategorien sind zu berücksichtigen: (i) die Kosten für Hersteller und Verteiler, einschließlich geringere Gewinne aufgrund eines verringerten Markenwerts sowie andere Übergangskosten für die Umverteilung von Ressourcen, um andere Waren und Dienstleistungen bereitstellen zu können; 28 (ii) Kosten für die Staatskasse durch den Wegfall von Tabaksteuern, die aus einem reduzierten Tabakkonsum resultiert; (iii) mögliche Verluste für die Staatskasse, Tabakunternehmen und Einzelhandelsgeschäfte aufgrund von: - einer Zunahme grenzüberschreitender Einkäufe - eines Wachstums des illegalen Marktes - markenbezogenes Down-Trading. 84. Mögliche Folge des mit standardisierten Verpackungen von Tabakerzeugnissen verbundenen Verlustes an Markenwert: (h) Kosteneinsparungen für Unternehmen, verbunden mit dem Wegfall der Branding-Möglichkeiten, sowie für Einzelhändler wegen der vereinfachten Auswahl einer Marke aus einer Auslage. Weiterhin möglich ist: (iv) ein Verlust der Konsumentenrente in Verbindung mit reduziertem Branding. 85. Folgende Unternehmenstypen könnten von standardisierten Verpackungen betroffen sein: Tabakhersteller, deren Marke entwertet wird und die ihr aktuelles, markenbezogenes Geschäftsmodell im Vereinigten Königreich ändern müssten; Kleine Einzelhändler, die geringere Margen sowie Umsatzverluste durch größere Ketten und illegale Händler zu erwarten hätten; Die Karton- und Verpackungsindustrie, die umfangreich investiert hat, um die Bedürfnisse der Tabakindustrie zu erfüllen, einschließlich der regulatorischen Auflagen der Regierung; Lieferanten von Komponenten (wie Filter, Papier, Farben, Zutaten etc.); Designer und Entwickler kreativer Verpackungen sowie 86. Maschinenhersteller in der EU (die Maschinen zur Verpackung von Tabakerzeugnissen entwickeln und herstellen). Die Auswirkungen auf diese Unternehmen fallen in drei Kategorien: Auswirkungen durch geringere Endnachfrage nach Tabak und entsprechende geringere Nachfrage nach Eingaben für den Fertigungsprozess. Geringere Profite aufgrund gesunkener Nachfrage werden durch erhöhte Profite bei Waren und Dienstleistungen ausgeglichen, die anstelle von Tabak gekauft werden. Jedoch gestatten wir eine einmalige Reduzierung des Markenwertes aufgrund des Wechsels von teureren zu günstigeren Marken und (bei der Berechnung des kritischen Werts für die Steigerung des illegalen Marktanteils, bei dem keinerlei Nettonutzen erzeugt würde) dadurch, dass der Tabakkonsum vom legalen zum illegalen Handel umgeleitet wird. (Einnahmen aus dem illegalen Handel werden nicht gegen den Nutzen gegengerechnet.) Übergangskosten bei allen Unternehmensgruppen in Form von Ausrüstungsgütern und sonstigen Inputs für die erforderliche Anpassung von einer Umgebung von Markenverpackungen hin zu einer Umgebung mit standardisierten Verpackungen. Ausrüstungsabschreibungen könnten teilweise durch Gelegenheiten zur Umschichtung ausgeglichen werden. Längerfristige Implikationen für die Kosten der Tabakherstellung mit standardisierten Verpackungen. Nach dem ersten Übergangszeitraum werden die Fertigungskosten mit standardisierten Verpackungen wahrscheinlich niedriger sein als bei der aktuellen Herstellung von Markenverpackungen. 87. In einem späteren Abschnitt werden diese Vorteile und Kosten einzeln besprochen und abgeschätzt sowie die Nettoauswirkungen abgeleitet. Fertigungs- und Verteilerkosten (i) und Kosteneinsparungen (h) Übergangskosten 29 88. Von standardisierten Verpackungen lässt sich vor allem eine Verringerung der Attraktivität hochpreisiger Zigarettenmarken erwarten. Wir erwarten zwar, dass unter den Rauchern eine RestMarkentreue bleiben wird, doch geben die Tabakunternehmen an, dass die Raucher mit der Zeit auf kostengünstigere Marken umsteigen könnten. Deshalb erwarten wir einen schnelleren Absatzrückgang bei hochpreisigen als bei niedrigpreisigen Marken, wegen der höheren Wahrscheinlichkeit, dass Raucher hochpreisiger Marken mit dem Rauchen aufhören und diejenigen, die weiterhin rauchen, von hoch- zu niedrigpreisigen Marken wechseln. Wir gehen davon aus, dass nach der Einführung standardisierter Verpackungen doppelt so viele Konsumenten zwischen den beiden teuersten und billigsten Marken wechseln bzw. die billigere Marke wählen werden als vor der Einführung der standardisierten Verpackungen. Profite der Tabakindustrie und der Einzelhändler 89. Auswirkungen auf die Rentabilität der Hersteller werden mit der Zeit abgeschwächt, wenn die Investoren ihr Kapital zwischen den Anlagemöglichkeiten umschichten. Bei sinkenden Einnahmen (beispielsweise bei geringeren Einnahmen aus Tabak durch den gesunkenen Raucheranteil oder weil Kunden zu billigeren Marken wechseln) und zu erwartenden geringeren Gewinnen wird Kapital in andere Bereiche umgeschichtet. Die Auswirkungen auf den Unternehmensertrag lassen sich daher am besten als einmalige Verringerung des Wertes der in den Branchen mit sinkenden Umsätzen eingesetzten Aktiva beschreiben. Für die Tabakunternehmen kann dies dazu führen, dass der Raucheranteil sinkt oder dass Raucher von höherpreisigen zu kostengünstigeren Zigaretten wechseln (Trading Down). In beiden Fällen entstehen multinationalen Unternehmen, die zahlreiche Aktionäre im Ausland haben, Verluste. Geringere Profite aufgrund einer gesunkenen Nachfrage werden durch erhöhte Profite bei Waren und Dienstleistungen ausgeglichen, die anstelle von Tabak gekauft werden. Im Folgenden werden die Verringerungen der Profite quantifiziert, die auf die Reduzierung des Markenwertes aufgrund von gesteigertem Trading Down und einen gesunkenen Raucheranteil zurückzuführen sind. 90. Unter der Annahme, dass die Herstellungskosten aller Zigarettenpackungen praktisch identisch sind, beträgt die Differenz der Gewinne bei einer 20er-Packung zwischen einer der teuersten beiden Marken und einer der beiden billigsten Marken etwa 0,65 GBP. Wir gehen davon aus, dass der zusätzliche Gewinn bei den hochpreisigen Marken im Gegensatz zu den Billigmarken zwischen Hersteller und Einzelhändler aufgeteilt wird. Der Anteil des Herstellers ist der verbleibende Rest nach Abzug des Anteils des Einzelhändlers, der auf Belegen aus dem Einzelhandel zur Marge des Einzelhändlers für Zigaretten unterschiedlicher Preispunkte basiert. Wir gehen davon aus, dass die Aktionäre im Vereinigten Königreich 10 % der Gewinne multinationaler Tabakunternehmen erhalten, während 100 % des Anteils der Einzelhändler im Vereinigten Königreich verbleibt. Wir haben implizit angenommen, dass im Einzelhandel für Premium-/mittelpreisige Packungen im Gegensatz zu Economy/Billigpackungen keine zusätzlichen Gewinne anfallen. Basierend auf diesen Annahmen wird der Gewinnrückgang für die Aktionäre der Tabakunternehmen im Vereinigten Königreich über den zehnjährigen Zeithorizont der FA gerechnet auf 44 Mio. GBP und der Gewinnrückgang für die Einzelhändler auf 122 Mio. GBP geschätzt. Wir behandeln diese kombinierten Auswirkungen als einmaligen Wertverlust für Tabakhersteller und Einzelhändler durch eine standardisierte Verpackung, im Basisfall in Höhe von 166 Mio. GBP. 91. Außerdem haben wir die anfänglichen Gewinnausfälle aufgrund einer Verringerung des Wertes von Premiummarken wegen der völligen Aufgabe des Rauchens quantifiziert. Dieser Verlust wird anfangs auf 39 Mio. GBP geschätzt, gerechnet über 10 Jahre. Da es sich um eine erste Schätzung handelt, schließen wir diese nicht in unsere aktuellen NVW-Berechnungen ein, werden dies jedoch in der nächsten FA tun. Auswirkungen auf die Kosten der Verpackungsherstellung 92. Die Verpflichtung, Tabakerzeugnisse mit einer standardisierten Verpackung zu versehen, könnte für die Hersteller in der Tabakindustrie als Ganzes gesehen anfängliche ressourcenbezogene Kosten verursachen, um die Auflagen zu erfüllen. Speziell die Verpackungshersteller (die bedruckte „Blank“Verpackungen für die Herstellung der fertigen Zigarettenpackungen herstellen) und Tabakhersteller könnten feststellen, dass die bestehenden Ausrüstungsgüter mit der Herstellung standardisierter Verpackungen nicht kompatibel oder ineffizient sind. In der FA 2007 zur Einführung von bildlichen 30 Warnungen auf Tabakpackungen65 wurden Einrichtungskosten zwischen 3,4 Mio. GBP und 4,1 Mio. GBP für das Vereinigte Königreich geschätzt. 93. Eine Studie von Rand Europe schätzte 2010 die Verwaltungskosten der Einführung einer verpflichtenden generischen Verpackung in 27 EU-Ländern auf zwischen 32,5 Mio. und 125,4 Mio. EUR, die gleichen Kosten wie für verpflichtende bildliche Warnungen.66 Da die Verpackungsunternehmen ihre Tiefdruckmaschinen um zusätzliche Einheiten ergänzt haben, um die bildlichen Warnungen herstellen zu können, ist diese Schätzung der Kosten einer verpflichtenden Möglichkeit zur Herstellung standardisierter Verpackungen wahrscheinlich zu hoch gegriffen. Mit dem Tiefdruckverfahren bräuchte sich ein Verpackungsunternehmen lediglich den/die erforderlichen Druckzylinder für das Drucken der standardisierten Farben und Markendetails zusätzlich zur bildlichen Warnung zu besorgen. Die Auswirkungen einer standardisierten Verpackung auf die Effizienz der vorhandenen Ausrüstung sind für die Verpackungshersteller wahrscheinlich eine wichtigere Frage. 94. Aktuell werden rund 90 % der Zigarettenpackungen im Vereinigten Königreich auf Tiefdruckmaschinen gedruckt, eine neue Neun-Farben-Presse kostet etwa 8 Mio. EUR. Ein Großteil dieser Ausrüstung, mit einer Nutzungsdauer von etwa 20 Jahren, ist relativ neu, da sie gerade erst installiert wurde, um die von den Tabakherstellern in den letzten drei bis fünf Jahren eingeführten neuen Designfunktionen der Verpackungen herstellen zu können. Schätzungsweise 200 Mio. EUR wurden in den letzten zehn Jahren europaweit in Tabakverpackungsausrüstung investiert, davon 10 % im Vereinigten Königreich. Bei standardisierten Verpackungen könnten die Zigarettenpackungen auf OffsetMaschinen gedruckt werden, die neu etwa 2 Mio. GBP kosten (gebraucht 0,5 Mio. GBP), was den Wettbewerb verschärft und Druck auf die Kosten in Richtung des unteren Endes der aktuellen Verpackungskosten (10–50 EUR pro 1000 Rohlinge) ausübt. Da die Tabakunternehmen ihre Marken meist regelmäßig neu gestalten, würde die Einführung standardisierter Verpackungen die Kosten eines Marken-Redesigns vermeiden, was für die Unternehmen zusätzliche Einsparungen bedeuten würde. 95. Die European Carton Makers Association ECMA schätzt, dass bei Einführung einer standardisierten Verpackung 60 % der Tiefdruckbetriebe im Vereinigten Königreich ihren Betrieb einstellen würden. Ein grober Schätzwert des Wertes des möglicherweise betroffenen Grundkapitals kann aus einem Referenzpunkt von Investitionen in Höhe von 20 Mio. EUR, verteilt über die letzten zehn Jahre, abgeleitet werden. Ausgehend von einer Nutzungsdauer von rund 20 Jahren hätte diese Ausrüstung einen aktuellen Buchwert von etwa 10 Mio. GBP. Einige dieser Investitionen wurden getätigt, um bestehende Maschinen zu ersetzen, doch geht man davon aus, dass diese zu einem bestehenden Grundkapital mit einem illustrativen aktuellen Wert von 10 Mio. GBP hinzugefügt wurden, ergäbe dies Maschinen im Gesamtwert von rund 20 Mio. GBP. Sind 50–60 % davon bereits abgeschrieben (entsprechend der ECMA-Schätzung), könnten Maschinen im Wert von 10 bis 15 Mio. GBP abgeschrieben werden (Schätzungen auf 5 Mio. GBP gerundet), falls sie nicht für den Exportmarkt weiterverwendet werden können. Dies entspricht im Wesentlichen den sieben Pressen, die aktuell in Betrieb sind, mit einem durchschnittlichen Buchwert von jeweils rund 4 Mio. GBP (von denen 50–60 % überflüssig werden würden), die geschätzt etwa 5 Jahre alt sind. Das ist mehr als die bereits erwähnte Schätzung auf der Grundlage der Rand-Studie, obwohl wir erneut darauf hinweisen, dass die Auswirkungen einer Einführung standardisierter Verpackungen im Vereinigten Königreich sich auf den Wert multinationaler Verpackungsunternehmen teilweise auch in anderen Ländern als dem Vereinigten Königreich auswirken würden. Nach der Umstellung auf eine Umgebung der standardisierten Verpackungen, wie später in dieser FA besprochen, würden sich für die Unternehmen Kosteneinsparungen ergeben. Die Hersteller von Tabakverpackungen haben angegeben, dass standardisierte Packungen deutlich billiger in der Herstellung wären. Wir haben unsere Schätzung dieser Einsparungen auf das Tiefdruckverfahren gestützt, mit dem standardisierte Verpackungen schneller und mit weniger Bedarf an Rohmaterialien gefertigt werden könnten, wobei ein Wechsel zu kostengünstigeren Offsetlithographiemaschinen und verschärfter Wettbewerb ebenfalls zur Senkung der Kosten beitragen sollten. 65 Verfügbar auf der Website des britischen Gesundheitsministeriums: http://www.dh.gov.uk/prod_consum_dh/groups/dh_digitalassets/@dh/@en/documents/digitalasset/dh_077963.pdf 66 Tiessen J, Hunt P, Celia C, Fazekas M, de Vries H, Staetsky L, Diepeveen S, Rabinovich L, Ridsdale H, Ling T (2010). Assessing the impacts of revising the Tobacco Products Directive: study to support a DG SANCO Impact Assessment [Beurteilung der Auswirkungen der Überarbeitung der Tabakrichtlinie: Unterstützende Studie zu einer DG SANCO Folgenabschätzung]. Cambridge: RAND Europe. 31 96. Imperial Tobacco verfügt über mehrere Maschinen, die speziell für die Herstellung des Glide TecDesigns entwickelt wurden, welches 2011 auf dem Markt eingeführt wurde. Neben der Belieferung des britischen Marktes ist ein großer Anteil der Erzeugnisse dieser Maschinen für den Exportmarkt bestimmt (über 20 Märkte), womit die Auswirkungen eines nur im Vereinigten Königreich geltenden standardisierten Verpackungssystems begrenzt wäre. Das Glide Tec-Design wird wahrscheinlich nicht den Anforderungen der Tabakrichtlinie entsprechen, weshalb alle anfallenden Kosten für standardisierte Verpackungen bereits in unserem Basisfall angefallen wären, womit keine Mehrkosten anfallen würden. Tabakrichtlinie 97. Wie in Anhang E beschrieben, wird die überarbeitete Tabakrichtlinie Änderungen bei Zigarettenverpackungen und Tabak zum Selbstdrehen vorschreiben, wie beispielsweise zur Anzeige größerer Warnungen, die Mindestabmessungen der Packungen werden von den erforderlichen Abmessungen der Gesundheitswarnungen abgeleitet. Angesichts dieser Auflagen ist es wahrscheinlich, dass die von den Verpackungsherstellern eingesetzten Maschinen neu konfiguriert werden müssen, um Verpackungen gemäß der Tabakrichtlinie herstellen zu können. So werden beispielsweise beim Tiefdruckverfahren wahrscheinlich neue Druckplatten benötigt werden, um die neuen Packungen mit größeren Warnhinweisen drucken zu können. 98. Wenn von den Herstellern erwartet wird, die Einrichtungskosten für die Neukonfigurierung der Ausrüstung entsprechend der Tabakrichtlinie zu tragen, könnten die darüber hinausgehenden Mehrkosten einer standardisierten Verpackung gegen Null tendieren. Falls die Verpflichtung zu standardisierten Verpackungen Ausgaben für neue Maschinen zur Folge haben und diese Ausgaben denen im Rahmen der Tabakrichtlinie entsprechen, entstehen unter Option 2 keine Mehrkosten gegenüber Option 1. 98b. Falls die Auswirkungen standardisierter Verpackungen auf den Tabakkonsum sich besonders schnell einstellen sollten, könnten den Mitarbeitern in der Tabak- und/oder Verpackungsindustrie zusätzliche Übergangskosten entstehen. Ein Beispiel hierfür wären die Kosten für die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz. Jedoch ist damit zu rechnen, dass der Übergangszeitraum sich über einen ausreichend langen Zeitraum erstreckt, dass die daraus resultierende Mitarbeiterfluktuation von der Gesamtwirtschaft aufgefangen werden kann. Es wird nicht erwartet, dass diese die Mitarbeiterfluktuation nach dem üblichen Zyklus übersteigen wird. Diese Annahme wurde auch oben in Absatz 86 zugrunde gelegt. Entsorgungskosten 99. Es besteht die Möglichkeit, dass bereits versteuerte Markenpackungen während der Übergangszeit zu standardisierten Verpackungen entsorgt werden könnten. Bezug nehmend auf Australien stellte der Chantler Review fest: „Die Einzelhändler schickten in der ersten Hälfte 2013 eine große Menge Tabak in Markenpackungen aus ihren Beständen zurück, die in der Folge zerstört wurden, anstatt geraucht zu werden.“ Dies wird von den Details des kommenden Gesetzes im Hinblick auf einen eventuellen Zeitraum für den Durchverkauf abhängen. 99b. In den Richtlinienentwürfen wird ein 12-monatiger Durchverkaufszeitraum für vor Mai 2016 hergestellte Tabakerzeugnisse vorgeschlagen. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass nach diesem Durchverkaufszeitraum größere Mengen nicht konformer Tabakvorräte übrig sein würden. Derselbe Durchverkaufszeitraum wurde bei der Einführung verpflichtender bildlicher Gesundheitswarnungen im Vereinigten Königreich 2008 gewährt. Dem britischen Gesundheitsministerium wurden am Ende dieses 12-monatigen Zeitraums keine größeren Mengen nicht konformer Tabakvorräte gemeldet. Tabakerzeugnisse mit bildlichen Warnungen waren innerhalb eines Monats nach Inkrafttreten des Gesetzes im Handel erhältlich. Außerdem sind wir uns bewusst, dass aufgrund des hohen Preises kleine Geschäfte wohl kaum größere Tabakvorräte auf Lager halten und in der Regel ihre Vorräte zügig verkaufen und auffüllen. Deshalb haben wir hierfür keine Quantifizierung aufgeführt, jedoch könnten wir dies in späteren Versionen dieser FA versuchen. Andauernde Kosten 32 100. In einem Bericht von Europe Economics (2008)67 wird argumentiert, dass nach einem Übergangszeitraum, in dem Kosten für den Wechsel zur Herstellung standardisierter Verpackungen anfallen, keine Branding-Kosten mehr anfallen und die „Kosten für die Zigarettenhersteller im Endeffekt eher fallen“ sollten. In diesem Kontext merken wir an, dass eine standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen im Vereinigten Königreich zwar einen anderen Verpackungsstil als in den meisten anderen Ländern erfordern würde, doch dass es bereits Abweichungen zwischen den Stilen von Markenverpackungen in den verschiedenen EU-Ländern gibt, nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen vorgeschriebenen Gesundheitswarnungen und Packungsgrößen in verschiedenen Mitgliedstaaten. In der Studie von Rand Europe wurde argumentiert, dass der laufende Verwaltungsaufwand der Einführung einer neutralen oder generischen Verpackung wegen der geringeren Fertigungskosten einer standardisierten Verpackung „wahrscheinlich negativ“ sein wird, obwohl diese Auswirkung nicht quantifiziert wird. Aus Reaktionen auf die Konsultation lässt sich schließen, dass eine neutrale Verpackung die Kosten für die Lieferanten von gefälschtem Tabak verringern würde und wahrscheinlich auf die Kosten der legalen Produktion ähnliche Auswirkungen haben wird. Verpackungshersteller haben in Konsultationen ebenfalls angegeben, dass standardisierte Verpackungen Kostensenkungen bedeuten würden. Die Einsparungen in Höhe von einem Penny bei den Produktionskosten eines Zigarettenpackungsrohlings stimmen weitgehend mit den bereits früher genannten Kosten überein. Außerdem sind Kosteneinsparungen bei der Fertigstellung des Endprodukts wahrscheinlich. Für unsere Schätzung der Kosteneinsparung bei der Herstellung einer standardisierten anstelle einer Markenverpackung nehmen wir den Mittelwert des genannten Spektrums zwischen 1 und 3 Pence (2 Pence), die für die möglichen Einsparungen bei den Produktionskosten einer gefälschten Packung gegenüber standardisierten Verpackungen geschätzt wurden.68 Dies ergibt bei den aktuellen Mengen Einsparungen von rund 30 Mio. GBP pro Jahr. Die gesamten Einsparungen über einen Zeitraum von zehn Jahren nach dem Datum des Inkrafttretens des Gesetzes gerechnet werden auf 304 Mio. GBP geschätzt. 101. Insgesamt werden die einmaligen Kosten für die Verpackungsunternehmen im Hinblick auf redundante Maschinen auf 10 Mio. bis 15 Mio. GBP geschätzt. Die entgangenen Einnahmen aufgrund von Trading Down werden sich im Vereinigten Königreich voraussichtlich auf einen einmaligen Substanzverlust von 166 Mio. GBP belaufen. Geringere Fertigungskosten von standardisierten Verpackungen ergeben über einen zehnjährigen Zeitraum Kosteneinsparungen in Höhe von 304 Mio. GBP. Zur weiteren Ausarbeitung dieser FA würden wir Anmerkungen zu den Schätzwerten in diesem Abschnitt sowie in Bezug auf die Tabakrichtlinie begrüßen. Senkung der Transaktionskosten im Einzelhandel 102. Laut der FA zum Gesetz zur Präsentation von Tabakerzeugnissen gibt es im Vereinigten Königreich 66.710 Geschäfte, die Tabak verkaufen (8.151 große und 58.559 kleine). Zu den auf Tabakwaren spezialisierten Einzelhändlern (wie im TAPA definiert) gehören in England etwa 50 kleine Geschäfte.69 103. Wenn die Auswahl und Ausgabe einer standardisierten Verpackung von Tabakerzeugnissen länger dauert als bei einer Markenverpackung, würden den Einzelhändlern Kosten entstehen. Ob diese Kosten wesentlich sind, wurde über Konsultationen und über jüngere empirische Forschungen untersucht. Auswirkungen auf die Ausgabezeit würden sich auch auf die Freizeit der Konsumenten auswirken. Ebenso würden Vorteile entstehen, wenn die Auswahl und Ausgabe einer standardisierten Verpackung von Tabakerzeugnissen schneller ginge. 104. In wenigen Studien wurde die Ausgabeszeit einer standardisierten Verpackung direkt mit einer herkömmlichen Markenverpackung verglichen. Eine allerdings nicht direkt auf einen typischen Einzelhändler anwendbare Simulationsstudie mit Teilnehmern, die die Zigarettenpackungen nicht kannten, lässt vermuten, dass die Bedienpersonen die Packungen schnell auseinanderhalten können 67 Europe Economics (2008). Economic analysis of a display ban and/or a plain packs requirement in the UK [Wirtschaftsanalyse eines Verbots von Auslagen und/oder verpflichtenden neutralen Verpackungen im Vereinigten Königreich]. London: Europe Economics. 68 Joossens L (2012). Smuggling the tobacco industry and plain packs [Schmuggel, die Tabakindustrie und neutrale Verpackungen]. London: Cancer Research UK. 69 Für auf Tabakwaren spezialisierte Einzelhändler gibt es besondere Bestimmungen im Hinblick auf Werbung und Verkaufsförderung (einschließlich der Präsentation), sofern sie der gesetzlichen Definition entsprechen. 33 und eine standardisierte Verpackung in etwa derselben Zeit oder sogar schneller als Markenverpackungen ausgeben könnten.70 In der Studie wurde festgestellt, dass die durchschnittliche Transaktion bei standardisierten Verpackungen geringfügig kürzer dauerte als bei Markenpackungen (2,92 vs. 3,17 s; p=0,040). Bei der Auswahl standardisierter Verpackungen machten 17,3 % der Teilnehmer einen Fehler, im Gegensatz zu 40,4 % bei der Auswahl von Markenverpackungen. 105. Aufgrund des Designs dieses Simulationsexperiments sollten die Ergebnisse nur mit Vorsicht auf die reale Situation des Tabakeinzelhandels übertragen werden. Hier ist lediglich zu beobachten, dass die Kenntnis der geforderten Aufgabe die ursprüngliche Verlängerung der Ausgabezeit schnell auszugleichen schien. In der Praxis gibt es Möglichkeiten, die Auswirkungen des Wegfalls optischer Anhaltspunkte von den Verpackungen auszugleichen, wie beispielsweise durch Sortieren in alphabetischer Reihenfolge. 106. Zur Untersuchung der Auswirkungen standardisierter Verpackungen auf die Ausgabezeiten im Einzelhandel gab die Rural Shops Alliance (RSA) eine Studie in Auftrag (finanziert von British American Tobacco), in der die Ausgabezeiten in vier Gemischtwarenläden in England während einer Woche mit herkömmlichen Verpackungen und einer Woche mit standardisierten Verpackungen verglichen wurden.71 In jedem Laden waren zur Erfassung der Kundentransaktionen während der beiden siebentägigen Zeiträume Überwachungskameras installiert. Die übliche Ladenumgebung wurde in der ersten Woche erfasst, die Umgebung mit standardisierten Verpackungen in der zweiten Woche. Die standardisierten Verpackungen wurden simuliert, indem alle Zigarettenpackungen in der Auslage mit Hüllen versehen wurden. Alle Zigarettentransaktionen wurden erfasst und von geschulten Videobearbeitern analysiert, worauf eine Reihe von Metriken zu jeder Transaktion erstellt wurde. Für jeden Kauf wurden verschiedene Phasen identifiziert, von der Ankunft des Kunden an der Theke, dem Fragen nach einem Tabakerzeugnis, der Entnahme des Produkts aus dem Regal durch den Mitarbeiter und dem Legen auf die Theke bis zur Bezahlung des Kunden oder der Erfassung eines Transaktionsfehlers, was eine neue Transaktion auslöst. Insgesamt wurden rund 23 887 Transaktionen protokolliert, von denen 3851 mit Tabakerzeugnissen in Verbindung standen. In der Studie wurde festgestellt, dass die Auswahlzeit und Gesamttransaktionszeit in der Kontrollwoche auf 11 bzw. 30 Sekunden geschätzt wurden, bei standardisierten Verpackungen jedoch auf 28 bzw. 58 Sekunden. Basierend auf diesen Ergebnissen schätzte die RSA die jährlichen Gesamtkosten für die Gemischtwarenläden (die 50 % des Tabakmarktes ausmachen) im Vereinigten Königreich auf 37 Mio. GBP. 107. Das Gesundheitsministerium erhielt eine Kritik zu dieser Studie72, worin angemerkt wurde, dass ihre Designmerkmale die Generalisierbarkeit der Ergebnisse über den Rahmen der Studie hinaus erschweren, mit der Schlussfolgerung, dass Tabaktransaktionen unter folgenden Bedingungen länger dauern würden als in realen Situationen: Die Zigarettenpackungen sind von unüblichen, neutralen Hüllen verdeckt; Die Hüllen sind sowohl für den Einzelhändler als auch für die Kunden neu; Einzelhändler und Kunden ist bewusst, dass sie an einer Studie teilnehmen; (Wahrscheinlich das wichtigste Argument:) Die Zigarettenpackungen sind nicht in alphabetischer Reihenfolge sortiert. 108. Die Kritik bescheinigte den Studien von Carter et al. (2011) sowie RSA Schwächen und zog echte Daten aus Australien beiden Fällen vor. Seit Durchführung dieser Studien wurden derartige echte Daten verfügbar. In einer Studie73 wurden im Dezember 2012, nach der Einführung standardisierter 70 Carter O B J, Mills B W, Phan T, Jonathon R Bremner (2011). Measuring the effect of cigarette plain packaging on transaction times and selection errors in a simulation experiment. Tobacco Control doi:10.1136/tobaccocontrol-2011050087 in Moodie C, Stead M, Bauld L, McNeill A, Angus K, Hinds K, Kwan I, Thomas J, Hastings G (2012). Plain tobacco packaging: a systematic review. Stirling: Universität Stirling. 71 Visuality (2012). The effects of standardised tobacco packaging on retail service in the UK. Weymouth: Rural Shops Alliance. 72 Owen Carter, persönliche Mitteilung. 73 Wakefield M, Bayly M, Scollo M (2013). Product retrieval times in small tobacco retail outlets before and after the Australian plain packaging policy: real world study [Produktzugriffszeiten in kleinen Tabakverkaufsstellen vor und nach dem australischen Gesetz zu neutralen Verpackungen: realitätsbezogene Studie]. Tobacco Control 0:1-7. 34 Verpackungen, die Zugriffszeiten an mehr als 300 Verkaufsstellen in Sydney, Melbourne, Adelaide und Perth mit den beiden Basismonaten Juni und September 2012 verglichen. Es wurde festgestellt, dass die Zugriffszeit im Dezember (12,43 Sekunden) deutlich höher lag als im September (9,84 Sekunden), aber sich nicht deutlich vom Juni (10,91 Sekunden) unterschied. Die Zugriffszeiten passten sich nach Einführung der standardisierten Verpackungen schnell an und fielen von 16,03 Sekunden zwischen dem 3. und 5. Dezember auf 8,15 Sekunden zwischen dem 8. und 12. Dezember, was sich nicht deutlich von den beiden Basismonaten unterschied. Die Ergebnisse dieser Untersuchung ähneln denen einer Studie von Carter et al. (2013)74 an 100 Gemischtwarenläden, Zeitungsläden, Tankstellen und Supermärkten in Perth einen Monat vor und nach der Einführung der standardisierten Verpackungen in Australien. In der als Brief an das BMJ veröffentlichten Studie wurde festgestellt, dass sich die durchschnittlichen Transaktionszeiten zwischen Oktober 2012 und Januar 2013 von 8,94 Sekunden auf 7,39 Sekunden verkürzten, was einer deutlichen Reduzierung entspricht. Wir schließen darauf, dass eine Auswirkung auf die Kosten bezüglich der Einzelhandelszeiten wahrscheinlich zeitlich begrenzt sein wird und nach der ersten Einführung standardisierter Verpackungen in der Folge sogar negativ sein könnte. 109. Wir rechnen als Ergebnis standardisierter Verpackungen mit Kosteneinsparungen für die Einzelhändler und Kunden und gehen von einer Zeitersparnis von 1,5 Sekunden pro Transaktion aus. Hierbei wurden alle oben genannten Informationen berücksichtigt. Ähnliche Schlussfolgerungen wurden auch im Brief an das BMJ gezogen, der sich auf echte Daten über einen relativ langen Zeitraum stützte. Die Einsparungen für die Einzelhändler basieren auf dem Stundensatz für „sales assistants and retail cashiers“ (Verkaufshilfen und Kassierer im Einzelhandel) aus der 2012 Annual Survey of Hours and Earnings, erhöht um 30 % für Betriebskosten und mithilfe des BIP-Deflators an die Preise von 2013 angepasst. Die Anzahl der Transaktionen basierte auf der geschätzten Zahl verkaufter Packungen und den Ergebnissen aus der Studie der RSA/Visuality von durchschnittlich 1,5 Packungen pro Transaktion. Bei den Kosteneinsparungen für die Kunden wurde der vom Verkehrsministerium geschätzte Wert der Freizeit75 zugrunde gelegt, ebenfalls auf die Preise von 2013 angepasst. So ergaben sich kombinierte Einsparungen von 9 Mio. GBP jährlich oder 69 Mio. GBP über 10 Jahre gerechnet. Wir würden Meinungen zu diesen Schätzwerten für die Konsultation begrüßen. Im Dokument des Gesundheitsministeriums 2012 heißt es:76 110. „Übereinstimmend mit den Zugeständnissen an die Werbung in Abschnitt 4 des Tobacco Advertising and Promotion Act 2002 glauben wir nicht, dass verpflichtende standardisierte Verpackungen im Rahmen der Geschäftstätigkeit erforderlich wären, nur im Rahmen des Tabakhandels. Das bedeutet, dass Markennamen, Farben und Logos weiterhin offen im Tabakhandel verwendet werden dürften. Tabakerzeugnisse, die zum öffentlichen Verkauf angeboten werden oder die für die Öffentlichkeit sichtbar sein könnten, müssten jedoch die Anforderungen [eines Gesetzes über standardisierte Verpackungen] erfüllen.“ 111. Somit erwarten wir keine drastischen Veränderungen bei Kauf und Lagerverwaltung von Groß- und Einzelhändlern. Kleinere Einzelhändler 112. Der Local Shop Report 2013 des Einzelhandelsverbands Association of Convenience Stores weist darauf hin, dass 21,1 % der Umsätze Tabak betreffen.77 Da dies ein Durchschnittswert ist, wird der Anteil der Tabakverkäufe in einigen Läden natürlich geringer ausfallen als in anderen. Reaktionen auf die Konsultation zufolge könnten Tabakverkäufe bis zu 30 % des Umsatzes eines Gemischtwarenladens ausmachen, obwohl nach Einzelangaben die Gewinnmargen beim Verkauf von Tabak relativ gering sein könnten. Die Planung eines geänderten Bedarfs könnte für kleine Einzelhändler schwieriger sein als für 74 Carter O, Welch M, Mills B, Phan T, Chang P (2013). Plain packaging for cigarettes improves retail transaction times [Neutrale Zigarettenverpackungen verkürzen die Transaktionszeiten im Einzelhandel]. BMJ 346:f1063. 75 Verkehrsministerium (2013). Values of time and vehicle operating costs. London: Verkehrsministerium. 76 https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/170568/dh_133575.pdf 77 The Local Shop Report 2013, ein Bericht der Association of Convenience Stores. Verfügbar unter: http://www.acs.org.uk/filemanager/root/site_assets/research/local_shop_report_2013/local_shop_report_final_web_.pd f 35 größere Supermärkte und Handelsketten. Jedoch wirken sich bereits viele Trends negativ auf kleine Einzelhändler wie Süßwaren-/Tabak-/Zeitschriftenkiosks aus. Dazu zählen Verkäufe über das Internet, Konjunkturzyklen, die Entstehung von immer mehr großen Supermärkten, Stadtplanungsstrategien, der demografische Wandel, der langfristige Rückgang des Rauchens, langfristige Veränderungen bei der Nachfrage nach gedruckten Zeitungen und Trends, die sich auf die Umsätze von Kiosks auswirken. Deshalb müssen kleine Händler wie beispielsweise Zeitschriftenkiosks ihre zukünftige Geschäftsstrategie bereits jetzt planen, wenn sie in dieser veränderlichen Welt bestehen wollen, wobei sie eine Diversifizierung erwägen und überlegen müssen, wie sie mit allen Trends und Schocks umgehen sollen, denen sie wahrscheinlich ausgesetzt sein werden. Wir nehmen an, dass standardisierte Verpackungen keine nennenswerten zusätzlichen Vorbereitungen für die Zukunft erfordern werden. Wir haben die möglichen Auswirkungen auf Klein- und Kleinstunternehmen im Abschnitt „Klein- und Kleinstunternehmen“ weiter unten in dieser FA zusammengefasst. Allgemeiner Beschäftigungsstand 113. Es wurde auch eine Beurteilung durchgeführt, wie weit sich geringere Raucherzahlen auf den Beschäftigungsstand auswirken würden. In einem Bericht der Universität York78 wurden die Ausgabenmuster von Rauchern und ehemaligen Rauchern untersucht. Man kam zu dem Schluss, dass ehemalige Raucher mehr für Freizeit und Unterhaltung ausgeben, weshalb im Endeffekt die Beschäftigungszahlen steigen würden. Ihre Ergebnisse weisen darauf hin, dass „Strategien zur Reduzierung auf das Rauchen zurückführbarer Krankheiten auch der Wirtschaft nutzen könnten, indem sie mehr Arbeitsplätze schaffen...[und]...es ist ein Glück und beruhigend zu beobachten, dass gesundheitsbezogene Regierungsmaßnahmen auch der Beschäftigung zugute kommen.“ (Buck, Godfrey, Raw & Sutton, 1995) Kosten für die Staatskasse (iii) 114. 115. Es gibt mehrere Mechanismen, durch die der Staatskasse durch Verlust von Tabaksteuern Kosten entstehen. Diese sind: geringerer Konsum; illegale Käufe; grenzüberschreitende Verkäufe; Trading Down von höherpreisigen zu kostengünstigeren Marken; Mehrwertsteuer, von der ein Teil über Ausgaben für andere Waren und Dienstleistungen ausgeglichen wird; Preissenkungen – Wenn standardisierte Verpackungen dazu führen, dass die Tabakhersteller ihre Preise senken, fällt je gekaufte Packung ein Verlust an Tabaksteuern aufgrund der verbilligten Zigaretten an. Sir Cyril Chantler gab in seinem Bericht an: „Meiner Meinung nach ist die Gefahr gering, dass derartige Auswirkungen die Ziele einer Politik der standardisierten Verpackungen unterminieren, und dass die Auswirkungen einfach über die Besteuerung ausgeglichen werden könnten, falls sie trotzdem eintreten sollten.“ Zu den entgangenen Zigarettenverkäufen durch einen geringeren Raucheranteil mutmaßen wir, dass der Konsum höherpreisiger Marken (Premium und mittelpreisige) mehr zurückgehen wird als bei kostengünstigeren Marken (Economy und Billigzigaretten). Die hierdurch verursachte relative Verschiebung in Richtung der unteren Preissegmente ist ein Bestandteil des fortgesetzten Wechsels von den höherpreisigen zu den günstigeren Segmenten. Im Basisfall gehen wir davon aus, dass die Verringerung der Prävalenz aufgrund standardisierter Verpackungen bei den höherpreisigen Marken doppelt so stark ausfallen wird als im Mittel aller Marken. Ebenso für den Basisfall gehen wir davon aus, dass der Anteil des Trading Down von höherpreisigen zu kostengünstigeren Marken bei standardisierten Verpackungen doppelt so groß ausfallen wird wie der Anteil des Trading Down im Trend. Tabelle 1 enthält eine Veranschaulichung der von uns vermuteten Auswirkungen auf das Rauchverhalten und Trading Down durch eine standardisierte Verpackung (weitere Details siehe Anhang D). Bei diesen Annahmen wurden die erwarteten Auswirkungen der Tabakrichtlinie berücksichtigt. Tabelle 1: Veranschaulichung der Annahmen der FA zum Tabakmarkt 78 https://www.york.ac.uk/media/che/documents/papers/occasionalpapers/CHE%20Occasional%20Paper%2023.pdf 36 Marktanteil – aktueller Trend zu Trading Down (einschließlich standardisierte Verpackungen) Jahr 2016 2017 2025 Prävalenz (%) – ohne standardisierte Verpackungen 19,66 19,54 18,96 Prävalenz (%) – mit standardisierten Verpackungen 19,32 18,85 18,27 Marktvolumen bei standardisierten Verpackungen (Millionen Packungen) 1.962 1.914 1.856 Premium / mittelpreisig 28,3 % 25,8 % 15,1 % Economy / Billig 71,7 % 74,2 % 84,9 % Marktanteil – verdoppelter Trend zu Trading Down (einschließlich standardisierte Verpackungen) Premium / mittelpreisig 26,4 % 22,4 % 7,3 % Economy / Billig 73,6 % 77,6 % 92,7 % 116. Für das veränderte Konsumverhalten setzen wir mögliche lebenslange Auswirkungen auf die Steuereinnahmen an, was den Folgen für die Gesundheit entspricht. Die Schätzungen zu Steuerausfällen wurden seit der FA zum Gesetz zur Abschaffung der offenen Präsentation von Tabak in Geschäften aktualisiert. Nun wird dieselbe Methodologie verwendet wie für den gesundheitlichen Nutzen (siehe Anhang A). Jeder zusätzliche Erwachsene, der das Rauchen aufgibt, bedeutet über die Lebensdauer gesehen Steuerausfällen in Höhe von 4000 GBP. Jeder Jugendliche, der nicht mehr mit dem Rauchen beginnt, bedeutet über die Lebensdauer gesehen Ausfälle von etwa 11 000 GBP. Die über die gesamte Lebensdauer gerechneten Steuer- und Mehrwertsteuerverluste werden für einen zehnjährigen Zeithorizont auf 2,1 Mrd. GBP geschätzt, berücksichtigt wurden dabei Sterbefälle und die Wahrscheinlichkeit, dass die Personen, die das Rauchen wegen der standardisierten Verpackungen aufgaben, auch zu einem späteren Zeitpunkt aufgehört hätten. Die Ausfälle an Steuern und Mehrwertsteuern werden bis zum Jahr 2025 auf 181 Mio. GBP geschätzt (zehn Jahre ab dem erwarteten Inkrafttreten der Richtlinie). Diese Zahl berücksichtigt nicht die möglichen Änderungen im illegalen Markt und bei grenzüberschreitenden Einkäufen, die nach dieser FA in der Konsultationsphase untersucht werden. 117. Die oben genannten Steuer- und Mehrwertsteuerausfälle dienen zur Illustration des Nettogegenwartswerts. Sie werden wahrscheinlich deutlich von Auswirkungen für die Staatskasse abweichen, die schließlich in die öffentlichen Finanzen einfließen. Diese müssten vom Office for Budget Responsibility (OBR, Abteilung für Budgetverantwortung des Finanzministeriums) genehmigt werden, falls die Richtlinie erlassen werden sollte. Die Unterschiede sind teilweise auf Fragen zurückzuführen, die sich nicht für eine Berücksichtigung in dieser Folgenabschätzung eignen, zum Beispiel der Verzicht auf eine Abzinsung, verschiedene relevante Zeitrahmen etc. Außerdem werden verschiedene Verhaltensantworten berücksichtigt, die sowohl für die öffentlichen Finanzen als auch für die Folgenabschätzung relevant sind. In den jeweiligen Verhaltensantworten spielen erhebliche Ermessenselemente eine Rolle, zu denen sich das OBR eine eigene Meinung bilden wird. Außerdem werden sich im Laufe der Zeit weitere Erkenntnisse ergeben, die sich auf die relevanten Schätzungen auswirken könnten. Daher erwarten wir, dass die am Ende in die öffentlichen Finanzen einfließenden Zahlen nach Ermessen des OBR und anhand zukünftiger Erkenntnisse deutlich davon abweichen werden. 118. Die Zahlen unseres Basisfalls berücksichtigen keine möglichen Verluste bei einem Anstieg des illegalen Handels und/oder grenzüberschreitender Einkäufe. Daher könnten die Einnahmenverluste für die Staatskasse höher ausfallen. Später werden wir eine erläuternde Einschätzung liefern, dass sich dies für Zigaretten über 10 Jahre gerechnet in der Größenordnung von 2 Mrd. GBP belaufen könnte. Diese Einschätzung dient jedoch lediglich zur Veranschaulichung und ist aufgrund der großen Unsicherheiten nicht in der allgemeinen NVW-Berechnung enthalten. Ebenso könnte der gesundheitliche Nutzen aufgrund eines allgemeinen Rückgangs des Tabakkonsums entsprechend geringer ausfallen (wie in der Analyse der kritischen Werte besprochen). Darüber hinaus wird sich wahrscheinlich auch das Verhalten der Verbraucher auf die Einnahmen aus der Tabaksteuer auswirken, da es zu Trading Down innerhalb des Zigarettenmarktes oder weiterem Trading Down zu Tabak zum Selbstdrehen kommen könnte. Dies würde zusätzlich zum aktuell stattfindenden Trading Down anfallen. Schließlich wird, wenn standardisierte Verpackungen dazu führen, dass die Tabakhersteller ihre Preise senken, je gekaufter Packung ein Verlust an Tabaksteuern von den verbilligten Zigaretten anfallen. Sir Cyril Chantler gab in seinem Bericht an: „Meiner Meinung nach ist die Gefahr gering, dass derartige 37 Auswirkungen die Ziele einer Politik der standardisierten Verpackungen unterminieren, und dass die Auswirkungen einfach über die Besteuerung ausgeglichen werden könnten, falls sie trotzdem eintreten sollten.“ 119. In früheren FA haben wir jegliche Auswirkungen auf die Mehrwertsteuereinnahmen ausgeschlossen, basierend auf der Annahme, dass diese Verluste durch entsprechende Gewinne in anderen Teilen der Wirtschaft ausgeglichen werden dürften. Hier berücksichtigen wir die Differenz zwischen der Mehrwertsteuer auf Tabak (20 %) und dem durchschnittlichen Mehrwertsteuersatz in der Wirtschaft (ca. 13,2 %) und erhalten einen zusätzlichen Posten für entgangene Mehrwertsteuer (etwa 870 GBP für jeden Jugendlichen, der nicht mehr mit dem Rauchen beginnt, und etwa 310 GBP für jeden Erwachsenen, der mit dem Rauchen aufhört). Diese Schätzungen entgangener Einnahmen sind Richtwerte, die keine zukünftigen Änderungen bei Steuersätzen, geänderte Marktanteile unterschiedlicher Marken, geändertes Rauch- oder Kaufverhalten berücksichtigen. 120. Da eine standardisierte Verpackung die Attraktivität gefälschter und/oder illegaler Erzeugnisse erhöhen könnte (darunter illegale Produkte, die noch mit Markenelementen versehen sind), könnte die Richtlinie zu einem elastischeren versteuerten Markt (verstärkte Verhaltensreaktion aus zukünftige Steueränderungen) führen, falls die Industrie ihre Preisstrategie nicht ändert. Wenn zum Beispiel eine Steuererhöhung als Preiserhöhung weitergereicht wird, ist es wahrscheinlich, dass der Konsum versteuerter Zigaretten unter diesem Szenario deutlicher zurückgehen wird als in einer Umgebung vor Einführung standardisierter Verpackungen. Das liegt daran, dass in einer Umgebung mit neutralen Verpackungen die Produktdifferenzierung zwischen versteuerten und illegalen oder gefälschten Erzeugnissen minimiert (oder zumindest reduziert) wird. Ein elastischerer Markt versteuerter Zigaretten hat umfangreichere Auswirkungen. Zwar könnte eine erhöhte Preiselastizität die Effektivität von Steueränderungen als Mittel zur Einschränkung des Tabakkonsums erhöhen, doch nur, wenn die verringerte Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Verpackungen durch verstärkten Maßnahmen zur Eindämmung illegaler Importe ausgeglichen wird, werden diese verstärkten Maßnahmen zusätzliche Ressourcen und Finanzierung erfordern, die nicht mutgemaßt oder garantiert werden können. Rückgang der Tabaksteuern aufgrund von Trading Down 121. Zum Wechsel zwischen Marken führen wir eine Illustration der Auswirkungen eines zusätzlichen Wechsels doppelter Größenordnung wie im historischen Trend dar (d.h. der Trend zu Trading Down ist bei standardisierten Verpackungen doppelt so ausgeprägt). Die Trends beim Markenanteil sind in Anhang D näher besprochen. 122. Bis 2025 soll sich die Anzahl der Packungen im Premium- und Mittelpreissegment auf etwa die Hälfte der zu erwartenden Zahlen nach dem historischen Trend verringern. Wir haben Wechsel zwischen herkömmlichem Tabak und Tabak zum Selbstdrehen79 nicht weiter berücksichtigt, ein Trend, der in den letzten 15 Jahren in England zu beobachten war (siehe Illustration in Abbildung 3). Eine Beschleunigung oder Verlangsamung dieses Trends hätte aufgrund der unterschiedlichen Steuersätze (geringerer Steuersatz für Tabak zum Selbstdrehen) Einfluss auf die Steuereinnahmen, ebenso wie die höhere Wahrscheinlichkeit, dass durch illegalen Tabak zum Selbstdrehen Steuern vollständig umgangen würden. Der Wechsel zwischen Tabakmarken zum Selbstdrehen ist jedoch weniger relevant für die Steuereinnahmen, da die Steuern auf Tabak zum Selbstdrehen nach Gewicht erhoben werden (obwohl durch die geringere Mehrwertsteuer ein relativ sehr geringer Verlust eintreten könnte, der zum Großteil jedoch in anderen Teilen der Wirtschaft ausgeglichen werden könnte, wie oben beschrieben). 79 Möglicherweise gehen wir auf die Argumentation hinter dieser Annahme in späteren Versionen dieser FA näher ein. 38 Abbildung 3: Art der von Erwachsenen gerauchten Zigaretten, England (%) Hauptsächlich mit Filter Hauptsächlich ohne Filter Hauptsächlich handgerollt Quelle: Informationszentrum für Gesundheits- und Sozialfürsorge 123. Zur Abschätzung der Steuerausfälle durch Trading Down ist in Tabelle 2 ein Steuervergleich für ein erläuterndes Beispiel für Trading Down vom Premium-/mittelpreisigen Segment zum Economy/Billigzigarettensegment aufgeführt. Wir haben die Durchschnittspreise für diese beiden allgemeinen Gruppierungen auf der Grundlage der nach der Konsultation gelieferten Preise nach Marktsegment (angepasst an das Budget 2014) und den in Anhang D dargestellten Marktanteilen geschätzt. Der Unterschied bei den Steuern für eine Packung Zigaretten im Premium-/mittelpreisigen Segment und im Economy-/Billigsegment ist mit 0,16 GBP relativ gering. Dies entspricht einem Verlust an Mehrwertsteuern, die nicht an anderer Stelle in der Wirtschaft zurückgewonnen werden können, von etwa 0,05 GBP. Tabelle 2: Steuervergleich zwischen Marksegmenten Preis Wertzoll Spezifische Steuern Steuern gesamt Mehrwertsteuer Preis ohne Steuern und Mehrwertsteuern Premium + mittelpreisig 8,15 1,34 3,68 5,03 1,36 Economy+ Billig 7,18 1,18 3,68 4,87 1,20 1,76 1,12 Illegale und grenzüberschreitende Einkäufe 124. Im Chantler Review wurden die illegalen Produktkategorien wie folgt festgelegt: Schmuggelware: Legal von den großen Tabakunternehmen hergestellt. In das Vereinigte Königreich entweder aus anderen Ländern geschmuggelt (in denen sie versteuert wurden, doch deren Schmuggel ins Vereinigte Königreich sich wegen der dortigen höheren Steuern trotzdem lohnt). Typische Beispiele hierfür wären im Vereinigten Königreich französische Zigaretten in französischen Verpackungen. 39 „Illicit Whites“: Legal von häufig in Schwellenländern angesiedelten Unternehmen hergestellt in der Absicht, sie illegal über ein Schmugglernetz in andere Länder auszuführen. Die Marken sind meist Nachahmungen von Marken, wobei das Erscheinungsbild bekannter legaler Marken kopiert wird. Bekannte Marken von „Illicit Whites“ sind „Manchester“ und „Jin Ling“. Fälschungen: Illegal hergestellte Kopien bekannter existierender Marken. Häufig sehr hochwertige Kopien der Verpackung, die sich aber von legaler Duty-Free-Ware durch das Fehlen identifizierbarer Produktions-/Sicherheitskennzeichnungen unterscheiden. Die Produktqualität ist oft minderwertig. 125. Reisende aus der EU dürfen laut den britischen Zollbestimmungen versteuerte (jedoch nicht im Vereinigten Königreich) Tabakerzeugnisse, die sie ein einem anderen EU-Land gekauft haben, zum eigenen Gebrauch in unbegrenzter Menge ins Vereinigte Königreich einführen. Diese Rechtspraxis wird als „grenzüberschreitende Einkäufe“ bezeichnet. Jüngste Trends beim Anteil illegaler und grenzüberschreitender Einkäufe 126. Laut Daten der HMRC hat sich die Größe des illegalen Marktes für Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen seit 2000 ständig verringert, mit Ausnahme eines kürzlichen Anstiegs. Dies ist auf den Erfolg der Strategie der Regierung in Bezug auf illegalen Tabak zurückzuführen, die anhaltende Investitionen in die Durchsetzungsmaßnahmen umfasste. Zwar wurden Compliance-Maßnahmen ergriffen, um die allgemeinen Risiken illegaler Tabakerzeugnisse abzumildern, doch das HMRC ist der Überzeugung, dass eine standardisierte Verpackung die aktuellen Risiken, mit denen sich das Vereinigte Königreich aktuell aufgrund von Tabakbetrug konfrontiert sieht, wahrscheinlich verstärken und diversifizieren wird, obwohl keine direkten Informationen oder Hinweise vorliegen, die eine Abschätzung einer eventuellen Vergrößerung des illegalen Marktes ermöglichen würden. Weiterhin kann eine Ausweitung der grenzüberschreitenden Käufe nicht ausgeglichen werden, sofern sie Reisende aus der EU betrifft, die legal unbegrenzte Mengen an versteuerten (jedoch nicht im Vereinigten Königreich) Tabakerzeugnissen zum eigenen Gebrauch einführen. Eine mögliche Ausweitung des illegalen Marktes könnte, abgesehen von den negativen Auswirkungen auf die Steuereinnahmen, den möglichen Einfluss einer zukünftigen Besteuerungspolitik für Tabak verringern. Die möglichen Auswirkungen auf den nicht versteuerten Markt im Vereinigten Königreich bleiben unbekannt und unquantifiziert. Würde sich der illegale Markt deutlich vergrößern, könnte dies die Kosten der Maßnahme standardisierter Verpackungen drastisch erhöhen. 127. In der Arbeit von Pechey et al. (Anhang B) wurden Experten zu ihrer Einschätzung zur Anzahl der Raucher befragt, nicht zur Anzahl der Raucher, die im Vereinigten Königreich versteuerten Tabak rauchen. Daher gehen wir davon aus, dass die Experten eine gewisse Abschwächung der Verringerung des Raucheranteils aufgrund der Verfügbarkeit illegaler und durch grenzüberschreitende Einkäufe verfügbarer ausländischer Tabakerzeugnisse berücksichtigt haben. Somit erwarten wir keine Ausweitung des illegalen Marktes oder der grenzüberschreitenden Käufe durch Raucher, die andernfalls aufgehört hätten, dies aber nun nicht tun. Wäre dies doch der Fall, gäbe es entsprechend große Auswirkungen auf die prognostizierten gesundheitlichen Vorteile, was im Abschnitt zu den kritischen Werten genauer untersucht wird. 128. Jede Erhöhung des Marktanteils des illegalen Handels und jeder Wechsel von standardisierten Verpackungen von Tabakerzeugnissen hin zu aus anderen Ländern bezogenen Markenverpackungen hätte Ausfälle bei den Verbrauchsteuern und Mehrwertsteuern zur Folge. Es liegen Schätzungen zu den Auswirkungen einer Vergrößerung des durch den illegalen Handel abgedeckten Marktanteils auf die Steuereinnahmen vor, jedoch nicht zu den Auswirkungen standardisierter Verpackungen von Tabakerzeugnissen auf diesen Anteil. Die möglichen Auswirkungen auf den komplexen und dynamischen Charakter des illegalen Handels mit geschmuggeltem und gefälschtem Tabak sowie einen Wechsel des legalen Handels hin zu im Ausland gekauften Markenpackungen lässt sich nur schwer abschätzen. 129. Nach den Daten zur Steuerlücke 2013 betrugen die Steuer- und Mehrwertsteuerausfälle durch einen illegalen Marktanteil von 9 % im Zeitraum 2012/13 bei Tabak zum Selbstdrehen 1100 Mio. GBP.80 Bei Tabak zum Selbstdrehen betrugen die Steuer- und Mehrwertsteuerausfälle durch einen illegalen Marktanteil von 36 % 900 Mio. GBP. Bei der Konsultation wurden mögliche Risiken einer Vergrößerung 80 https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/249543/ 131009_Publication_of_Tobacco_Tax_Gap_estimates_2012-13.pdf 40 des illegalen Marktes bei der Einführung standardisierter Verpackungen von Tabakerzeugnissen identifiziert. Zwar hat die Konsultation keine Grundlage zur Quantifizierung einer Veränderung (Vergrößerung oder Verringerung) der Steuerlücke geliefert, doch müssen die möglichen Auswirkungen berücksichtigt werden, falls diese eintreten sollte. Jedoch ist festzuhalten, dass die von Sir Cryril Chantler geleitete unabhängige Überprüfung zu dem Schluss kam: „Das Argument der Tabakindustrie überzeugt mich nicht, dass standardisierte Verpackungen den illegalen Markt, speziell bei gefälschten Zigaretten, vergrößern würden. Es gibt keine Nachweise dafür, dass eine standardisierte Verpackung einfacher zu fälschen wäre, und tatsächlich wurden in Australien bisher kaum irgendwelche gefälschten standardisierten Verpackungen gefunden.“ 130. Die Tabakrichtlinie enthält Maßnahmen gegen den illegalen Tabakhandel, wie ein EU-weites System zur Rück- und Nachverfolgung der legalen Lieferkette sowie sichtbare und unsichtbare Sicherheitsmerkmale (z. B. Hologramme), die die Durchsetzung des Gesetzes unterstützen und Behörden und Verbrauchern die Erkennung illegaler Erzeugnisse erleichtern (Anhang E). Diese Maßnahmen könnten helfen, dieses Risiko im Vergleich zu einer Welt ohne Tabakrichtlinie zu verringern. 131. Tabelle 8 zeigt, dass grenzüberschreitende Einkäufe von Zigaretten sich in den vergangenen Jahren verringert und auf etwa 3 % eingependelt haben. Der Hauptgrund hierfür ist ein starker Rückgang der Reisen von britischen Bürgern in die EU und der verschlechterte Wechselkurs zwischen Pfund und Euro. Bei Normalisierung dieser externen Faktoren wäre jedoch zu erwarten, dass der Anteil der grenzüberschreitenden Einkäufe im Tabakmarkt im Vereinigten Königreich wieder auf den Stand vor 2008 ansteigt. Tatsächlich zeigen Untersuchungen der Tabakindustrie eine Vergrößerung des Anteils nicht im Vereinigten Königreich versteuerter Zigaretten für 2012, was durch ONS-Daten gestützt wird, die für Ende 2012 eine Zunahme der Reisenden aus dem Vereinigten Königreich und einen günstigeren Wechselkurs zeigten. Der Anteil grenzüberschreitender Einkäufe könnte weiter steigen, wenn im Vereinigten Königreich, nicht jedoch in anderen EU-Ländern standardisierte Verpackungen eingeführt würden, mit dem zusätzlichen Anreiz, dass Tabak in Markenverpackungen zu günstigeren Preisen erhältlich wäre. Zwar könnten Versuche, in anderen Ländern gekauften Tabak zu verkaufen, durch die Strafverfolgungsbehörden aufgedeckt werden, doch legale grenzüberschreitende Einkäufe könnten einen Teil des Nutzens standardisierter Verpackungen für die erwachsene Bevölkerung abschwächen und Mindereinnahmen für die Staatskasse verursachen. Dieselben Verluste wie bei einer Vergrößerung des illegalen Marktanteils würden auch bei einer Erhöhung des Anteils grenzüberschreitender Einkäufe anfallen. Basierend auf Daten zur Steuerlücke 2013 wären für jeden Prozentpunkt einer Vergrößerung der Steuerlücke Einnahmenverluste von rund 120 Mio. GBP bei Zigaretten und 25 Mio. GBP pro Jahr81 bei Tabak zum Selbstdrehen zu erwarten. Jede Veränderung bei den grenzüberschreitenden Einkäufen würde die oben angeführten illustrativen Zahlen vergrößern. Dieses Risiko ist besonders groß, da eine Steigerung der grenzüberschreitenden Einkäufe nicht verhindert werden kann, sofern diese zum persönlichen Gebrauch erfolgen. Tabelle 8: Komponenten des Tabakmarktes im Vereinigten Königreich Zigaretten Im Vereinigten Königreich versteuerter Konsum Illegaler Markt Grenzüberschreitende Einkäufe Tabak zum Selbstdrehen Im Vereinigten Königreich versteuerter Konsum Illegaler Markt Grenzüberschreitende Einkäufe 2000/01 72 % 2001/02 72 % 2002/03 74 % 2003/04 72 % 2004/05 76 % 2005/06 78 % 2006/07 79 % 2007/08 82 % 2008/09 83 % 2009/10 86 % 2010/11 88 % 2011/12 90 % 2012/13 88 % 22 % 6% 21 % 7% 18 % 9% 20 % 9% 17 % 6% 15 % 7% 15 % 6% 12 % 6% 12 % 5% 11 % 3% 9% 3% 7% 3% 9% 3% 27 % 28 % 28 % 31 % 30 % 33 % 36 % 42 % 41 % 50 % 55 % 58 % 57 % 61 % 12 % 56 % 16 % 55 % 16 % 54 % 15 % 62 % 8% 59 % 8% 55 % 9% 49 % 9% 50 % 8% 42 % 8% 38 % 7% 35 % 6% 36 % 6 Quelle: Daten zur Steuerlücke wie oben genannt und Korrespondenz mit dem HMRC Gründe, warum bei diesen beiden Aktivitäten nach einer standardisierten Verpackung eine Steigerung gegenüber dem Trend zu erwarten ist 132. Es wurde geltend gemacht, dass eine standardisierte Verpackung von Tabakerzeugnissen leichter und billiger zu kopieren wäre, sodass das Angebot von gefälschten Tabakerzeugnissen steigen würde. Dem ist zu entgegnen, dass standardisierte Verpackungen von Tabakerzeugnissen trotzdem farbige 81 Daten aus Korrespondenz mit dem HMRC 41 bildliche Warnungen sowie Kennzeichnungen zur Authentifizierung enthalten müssten. Außerdem ist offensichtlich, dass die Fälscher bereits heute die auf dem Markt im Vereinigten Königreich erhältlichen Tabakverpackungen kopieren sowie andere Arten komplexer Waren genau nachbilden können. Außerdem gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die legalen Tabakhersteller nicht ebenfalls von niedrigeren Herstellungskosten profitieren würden. Aus Sicht der Hersteller von Fälschungen und „Illicit Whites“ sind die Herstellungskosten ausreichend niedrig, dass eine weitere Senkung für sie nur wenig zusätzlichen Anreiz bedeutet. Schätzungsweise kann ein Päckchen Jin Ling (eine Marke von „Illicit Whites“, die ausschließlich für den illegalen Markt hergestellt wird) für 0,16 EUR hergestellt werden und Jin Ling könnte eine Gewinnmarge von bis zu 900 % aufweisen.82 Jedoch könnte eine standardisierte Verpackung neuen Anbietern von Fälschungen den Markteintritt erleichtern, was zu einer Zunahme des Angebots gefälschter Zigaretten führen könnte. Ein weiterer zum Handel mit Fälschungen angeführter Vorteil ist, dass die Verbraucher echte standardisierte Verpackungen schwerer von Fälschungen unterscheiden könnten, obwohl ebenfalls bemerkt wurde, dass eine gefälschte Packung für die Hälfte des Preises einer legalen Packung verkauft wird, was möglicherweise (für Verbraucher und Anbieter) einen wichtigeren Hinweis für den Rechtsstatus einer Packung liefert. 133. Es wurde argumentiert, dass Raucher in einer Umgebung mit standardisierten Verpackungen wahrscheinlich gezielt nach Markenprodukten suchen würden. Wenn dies der Fall wäre, könnte der Anteil grenzüberschreitender Einkäufe weiter steigen, wenn im Vereinigten Königreich, nicht jedoch in anderen EU-Ländern standardisierte Verpackungen eingeführt würden, mit dem zusätzlichen Anreiz, dass Tabak in Markenverpackungen in attraktiveren Packungen erhältlich wäre. Ebenso wurde argumentiert, dass der Verkauf von Fälschungen und „Illicit Whites“ ebenso ansteigen könnte wie der von Markenverpackungen. Abschwächende Faktoren 134. Damit sich der illegale Tabakmarkt vergrößern kann, müssten ein gesteigertes Angebot und gesteigerte Nachfrage nach diesen Erzeugnissen vorliegen. Bei der Nachfrage sind die Nachweise erneut zu spekulativ, um in dieser FA berücksichtigt werden zu können. Da wir noch keine unmittelbar relevanten Informationen oder Nachweise gesehen haben, können wir nicht zuverlässig quantifizieren, wie sich die Nachfrage nach illegalen Tabakerzeugnissen bei der Einführung von standardisierten Verpackungen im Vereinigten Königreich verschieben könnte. Es wurde angeführt, dass die Raucher in einer Umgebung mit standardisierten Verpackungen möglicherweise gezielt nach Markenprodukten suchen könnten, egal ob es sich um gefälschte Markenpackungen, „Illicit Whites“ oder Schmuggelware handelt, wobei der Preis der entscheidende Faktor sein könnte. Tatsächlich wurden in Rückmeldungen auf die Konsultation aus der Tabakindustrie die durch die hohen Steuern verursachten hohen Tabakpreise im Vereinigten Königreich als motivierender Faktor für den illegalen Handel angeführt. Dies spricht dafür, dass jeder Abwärtsdruck auf die Preise standardisierter Verpackungen einen abschwächenden Faktor für die Gefahr eines Anstiegs des illegalen Handels darstellen könnte. Ein elastischerer Markt versteuerter Zigaretten könnte lediglich zu einer Verschiebung hin zu illegalen oder gefälschten Produkten führen, was den erwarteten Nutzen der Aufgabe des Rauchens einschränken würde. Dieses Risiko kann durch verbesserte Durchsetzungsmaßnahmen zur Verringerung von Angebot und Nachfrage von illegalem Tabak begrenzt werden. Schlussfolgerung 135. Wir kommen zu dem Schluss, dass es wahrscheinlich zu einer Vergrößerung des Segments kommen wird, für das im Vereinigten Königreich keine Steuern gezahlt werden, doch wir haben keine Möglichkeit, diese zu quantifizieren. Mangels einer quantifizierten Schätzung der Auswirkungen des Marktes nicht im Vereinigten Königreich versteuerter Waren gehen wir im Grundsatz davon aus, dass es zu einer (unquantifizierten) Ausweitung dieses Marktes kommen könnte. Daher stellen wir später in der FA eine Sensitivitätsanalyse anhand der kritischen Werte an. Zukünftige Überlegungen 136. Wir sind uns bewusst, dass die Berücksichtigung einer (unquantifizierten) Ausweitung des Segments der nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Waren in dieser FA nicht ideal ist. Eine 82 JTI (2010). Konsultation von DG SANCO zur möglichen Überarbeitung der Tabakrichtlinie 2001/37/EG: Vollständige Antwort von JTI. Weybridge: Japan Tobacco International. 42 Alternative wäre eine Annahme auf der Grundlage der verfügbaren Informationen, im Wissen, dass diese Annahmen unsicher sind, sowie die entsprechende Untersuchung anhand der kritischen Werte. Falls möglich, werden wir diesen Ansatz in zukünftigen FA verfolgen. Dieser Ansatz würde 3 Annahmen zum Tabakmarkt erforderlich machen. Zu Illustrationszwecken werden die Annahmen im Folgenden für Zigaretten durchgespielt, die den Großteil des Tabakmarktes ausmachen. Diese Analyse wird zu gegebener Zeit für Tabak zum Selbstdrehen wiederholt. 137. Zunächst eine Annahme zu den Auswirkungen auf den illegalen Zigarettenmarkt: Die Tabakkonsumenten können in zwei Gruppen eingeteilt werden: diejenigen, die aktuell am illegalen Markt teilnehmen und diejenigen, die dies nicht tun. Beide Gruppen treffen ihre Entscheidung zum Konsum illegaler Waren anhand der aktuellen Merkmale (z. B. Preis) des britischen Tabakmarktes. Davon ausgehend, dass außer denen zur standardisierten Verpackung alle Variablen unverändert bleiben, könnte dies einen zusätzlichen Anreiz für beide Gruppen bieten, mehr illegalen Tabak zu konsumieren. Jedoch kann das Angebot illegaler Erzeugnisse trotz gestiegener Nachfrage begrenzt werden, vor allem im Vergleich zu ähnlichen Bewegungen in legalen Produktmärkten. Daher halten wir es nicht für unangemessen, von geringen positiven Auswirkungen im Wert von etwa 0–1 Prozentpunkt auszugehen. Diese Annahme wird in dieser Konsultations-FA lediglich zu Illustrationszwecken aufgeführt, sie kann sich unter Berücksichtigung einer Überprüfung der Nachweise sowie Rückmeldungen auf die Konsultation ändern. Diese Annahme stimmt mit dem Chantler Report überein, in dem Sir Cyril Chantler dies wie folgt berücksichtigte: „5.6 Die Tabakhersteller zitieren den von der Branche finanzierten KPMG-Bericht zu illegalem Tabak in Australien, laut dem nachgewiesen sei, dass seit der Einführung der neutralen Verpackungen ein starker Anstieg des illegalen Handels zu verzeichnen gewesen sei. Ich habe diesen Bericht sowie eine Kritik geprüft. Außerdem hat sich mein Team mit KPMG getroffen, um ihre Methoden zu verstehen. Hierbei muss ich anmerken, dass die australischen Behörden, sowohl das Gesundheitsministerium als auch die Zollbehörde, offenbar zutiefst davon überzeugt sind, dass die KPMG-Methodologie fehlerhaft ist. Diese Behörden weisen auf offizielle Zolldaten hin, die keine deutlichen Auswirkungen der Einführung neutraler Verpackungen auf den illegalen Tabakmarkt zeigen, was durch Analysen des Cancer Council Victoria (Krebsrates von Victoria) (basierend auf Daten des National Drug Strategy Household Survey (Nationale Haushaltserhebung zu Drogenstrategien)) bestätigt wurde, demzufolge in Australien nur 10–20 % der von KPMG angegebenen Menge illegalen Tabaks im Umlauf sind. Aufgrund der stark abweichenden Schätzungen habe ich kein Vertrauen zu KPMGs Beurteilung des Umfangs – oder der Veränderung – des illegalen Marktes in Australien.“ 138. Und er schließt: „Das Argument der Tabakindustrie überzeugt mich nicht, dass standardisierte Verpackungen den illegalen Markt, speziell bei gefälschten Zigaretten, ausweiten würden.“ 139. Die zweite Annahme betrifft den Anteil derer, die eigentlich aufgehört hätten, aber sich dem Segment der nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Erzeugnisse zuwenden. Die plausibelste Annahme dürfte die bereits in der Arbeit von Pechey et al. (Anhang B) genannte sein, in der Experten zu ihrer Einschätzung zur Anzahl der Raucher befragt wurden, nicht zur Anzahl der Raucher, die im Vereinigten Königreich versteuerten Tabak rauchen. Zugegebenermaßen sind die Werte aus der Arbeit von Pechey et al. unsicher, was im Abschnitt zur Sensitivitätsanalyse berücksichtigt wird. 140. Die dritte Annahme betrifft die Auswirkungen auf grenzüberschreitende Zigarettenkäufe: Hier merken wir an, dass dieser Wert in den letzten 13 Jahren zwischen 3 und 9 % schwankte, sodass die Abweichung sich lediglich innerhalb von 6 Prozentpunkten bewegt. Der Wert von Interesse ist nicht die Größe der Änderung, sondern welche Veränderungen durch eine standardisierte Verpackung ausgelöst werden könnten. Die Anzahl der Reisen britischer Bürger in die EU und der Wechselkurs zwischen Pfund und Euro gelten als die wichtigsten Faktoren für diese Veränderung. Im Vergleich dazu werden Raucher, die nach Markenpackungen suchen, vermutlich weniger ins Gewicht fallen. Eine plausible Annahme wäre eine Veränderung zwischen 0 und 2 Prozentpunkten. Wir halten diese Annahme für realistisch. Ähnlich wie beim illegalen Markt können die Tabakkonsumenten in zwei Gruppen eingeteilt werden: diejenigen, die aktuell Waren aus dem Ausland konsumieren und diejenigen, die dies nicht tun. Beide Gruppen treffen ihre Entscheidung über den Konsum von Waren aus dem Ausland anhand der aktuellen Merkmale (z. B. Preis) des britischen Tabakmarktes. Davon ausgehend, dass außer denen bezüglich der standardisierten Verpackungen alle Variablen unverändert bleiben, könnte dies einen zusätzlichen Anreiz für beide Gruppen bieten, mehr Tabak aus dem Ausland zu konsumieren. Da dieser Markt jedoch legal ist, kann das Angebot wohl kaum in dem Maße begrenzt werden wie beim illegalen Handel. Daher gehen wir von geringfügig größeren möglichen Auswirkungen aus. Diese Annahme wird 43 in dieser Konsultations-FA lediglich zu Illustrationszwecken aufgeführt, sie kann sich unter Berücksichtigung einer Überprüfung der Nachweise sowie Rückmeldungen auf die Konsultation ändern. 141. Da im aktuellen Markt 88 % der Zigaretten im Vereinigten Königreich versteuert sind (Tabelle 8), ergibt sich aus einer geschätzten Steigerung des grenzüberschreitenden Handels um 0–2 Prozentpunkte sowie einem geschätzten Anstieg des illegalen Handels um 0–1 Prozentpunkt ein Gesamtanstieg von 0–3 Prozentpunkte. Dies entspricht einem Wechsel von 2 % vom Markt der im Vereinigten Königreich versteuerten zum Markt der nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Waren. 142. Schätzungen zu den Auswirkungen auf Zigaretten unter diesen Annahmen ergeben eine Verringerung des NVW um etwa 2 Mrd. GBP (über 10 Jahre gerechnet). Diese Zahl wird sich noch ändern, wenn alle Tabakerzeugnisse berücksichtigt werden. Dieser Wert bedeutet eine relativ starke Steigerung der Kosten für die Maßnahme. Jedoch ist er im Vergleich zum Nutzen der Maßnahme gering, wie auch beim Vergleich zwischen dem angenommenen Wechsel von 2 % zu den 20 %, die laut der Analyse der kritischen Werte erforderlich wären, klar wird. Dies entspricht einer Differenz von einer Größenordnung. Diese Annahme wurde bei dieser Konsultations-FA lediglich zu Illustrationszwecken aufgeführt. Sie bezieht sich nur auf Zigaretten und nicht auf Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen. Sie kann sich unter Berücksichtigung einer Überprüfung der Nachweise sowie Rückmeldungen auf die Konsultation ändern. . Gesundheitlicher Nutzen durch einen selteneren Einstieg (a) und eine verbesserte Ausstiegsquote (b) 143. Der Evidenzüberblick83 hat gezeigt, dass es übereinstimmende wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, welche die Empfehlungen der FCTC-Umsetzungsleitlinien bezüglich der Wirksamkeit von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse bei der Senkung der Raucherquote als ein Element einer umfassenden Strategie zur Eindämmung des Tabakkonsums unterstützen. Die Erkenntnisse des systematischen Überblicks legen nahe, dass zu den Mechanismen, welche Einheitsverpackungen zu einem wirksamen Mittel zur Eindämmung des Tabakkonsums machen können, unter anderem eine verringerte Attraktivität der Verpackung und des Produkts, stärker hervorstechende gesundheitsbezogene Warnhinweise und weniger Unklarheiten und falsche Vorstellungen bezüglich der Schädlichkeit und der Stärke von Zigaretten gehören. Beispielsweise gibt es Hinweise darauf, dass Forschungsergebnisse zum Zusammenhang zwischen der Farbe der Verpackung und dem Geschmack (siehe den Abschnitt „Wahrnehmung der Qualität“ des Evidenzüberblicks) in der Praxis bestätigt wurden. Beim Cancer Council Australia gingen Berichte darüber ein, dass einige Raucher vermuteten, der Geschmack des Tabaks in den Einheitsverpackungen sei nachteilig verändert worden.84 144. Trotz der Beschränkungen der Studien, die im Evidenzüberblick berücksichtigt wurden, kamen die Autoren zu dem folgenden Schluss: Es besteht eine Konsistenz der Studienergebnisse hinsichtlich der potenziellen Auswirkungen von Einheitsverpackungen. Diese Konsistenz der wissenschaftlichen Erkenntnisse bietet Vertrauen in die beobachteten potenziellen Auswirkungen von Einheitsverpackungen. Im Fall einer Einführung kann anhand der vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse davon ausgegangen werden, dass Einheitsverpackungen eine zusätzliche Maßnahme zur Bekämpfung des Tabakkonsums darstellen, die potenziell zur Reduzierung der aktuellen und zukünftigen durch Tabakkonsum verursachen Schäden beitragen kann. 145. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse dazu, ob und in welchem Maße die Einführung von Einheitsverpackungen Einfluss auf Konsummuster haben würde, sind zwangsläufig indirekter Natur, da eine solche Maßnahme erst in einem einzigen Land eingeführt wurde; das australische Tobacco Plain Packaging Act 2011 (Gesetz über Einheitsverpackungen für Tabakwaren) wurde erst im Dezember 2012 in ganz Australien umgesetzt. Der vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegebene systematische Überblick über die Forschungsliteratur liefert wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf 83 Moodie, C., Stead, M., Bauld, L., McNeill, A., Angus, K., Hinds, K., Kwan, I., Thomas, J. und Hastings, G. (2012). Plain Tobacco Packaging Research. Public Health Research Consortium, University of Stirling, Stirling. 84 http://www.cancer.org.au/news/media-releases/tobacco-in-plain-packs-tastes-worse.html. 44 das Rauchverhalten. Diesen Überblick hat das Gesundheitsministerium jedoch durch Informationen aus Konsultationen ergänzt. Es wird außerdem Forschungsergebnisse berücksichtigen, die zu einem späteren Zeitpunkt verfügbar sind. 146. Eine quantifizierte Schätzung der Auswirkungen von Einheitsverpackungen auf das Rauchverhalten wurde auf Grundlage der Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Policy Research Unit (PRU) on Behaviour and Health (Forschungsstelle für Verhalten und Gesundheitspolitik) an der University of Cambridge (Pechey et al., 2013) aufgestellt.85 Die Forschungsstelle erhält Forschungsgelder des gesundheitspolitischen Forschungsprogramms des Gesundheitsministeriums. Im Rahmen des Programms wurden drei Gruppen international angesehener Fachleute zur Eindämmung des Tabakkonsums um ihre Einschätzungen gebeten. Jeder Gruppe gehörten je rund zehn Experten aus Australasien, dem Vereinigten Königreich bzw. Nordamerika an. Die Teilnehmer erhielten die Ergebnisse des systematischen Evidenzüberblicks von Moodie et al. (2012) und wurden gebeten, anzugeben, welche Auswirkungen Einheitsverpackungen ihrer Meinung nach wahrscheinlich auf die Raucherprävalenz unter Erwachsenen und die Anzahl von Kindern, die das Rauchen ausprobieren, haben würden. Zweck dieser Studie war es, in Anbetracht des Mangels an Belegen zu den Auswirkungen von Einheitsverpackungen auf das Rauchverhalten das Erstellen dieser Folgenabschätzung zu unterstützen und als Informationsbasis für breitere politische Maßnahmen zu dienen. Eine Zusammenfassung der verwendeten Methoden und der Ergebnisse findet sich in Anhang B. (a) Wert eines selteneren Einstiegs in das Rauchen 147. Wir bewerten den gesundheitlichen Nutzen für jede Person, die das Rauchen aufgibt oder gar nicht erst damit anfängt, genauso wie in den Folgenabschätzungen zur Gesetzgebung über die Einstellung des Tabakverkaufs an Automaten und zur Gesetzgebung über das Entfernen von Tabakauslagen in Geschäften. Für jeden Jugendlichen, der nicht mit dem Rauchen anfängt, ergibt sich ein lebenslanger Nutzen in Form einer um 1,3 Jahre verlängerten Lebenserwartung, die sich mit ca. 78 000 GBP (60 000 GBP86 pro Jahr) bewerten lässt. Weitere Einzelheiten zu den Berechnungen des gesundheitlichen Nutzens finden sich in Anhang A. 148. Laut der Studie von Pechey et.al. (2013) beträgt der geschätzte Mittelwert der wahrscheinlichsten Veränderung des Prozentsatzes der Kinder, die das Rauchen innerhalb von zwei Jahren nach der Einführung standardisierter Verpackungen ausprobieren, (bei gleichbleibenden anderen Faktoren) einen Rückgang um drei Prozentpunkte. Alle Befragten hielten einen Rückgang des Prozentsatzes der Kinder, die das Rauchen ausprobieren, für das wahrscheinlichste Ergebnis. Es ist anzumerken, dass Uneinigkeit bezüglich der Größenordnung dieses Rückgangs herrschte, wobei als niedrigster Wert keinerlei Veränderung und als höchster Wert ein Rückgang um 6,1 % genannt wurden. 149. Die Schätzungen wurden ursprünglich auf Grundlage einer Basis von 27 % der 11-15-Jährigen aufgestellt, die laut der Umfrage zum Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum unter Jugendlichen in England aus dem Jahr 2010 „schon einmal geraucht“ haben. Die entsprechende Umfrage aus dem Jahr 2011 (dem Jahr vor der Einführung des Auslageverbots) kam zu dem Ergebnis, dass der Anteil der 1115-Jährigen, die schon einmal geraucht hatten, bei 25 % lag. Wenn die Richtlinie für Tabakerzeugnisse und die Einheitsverpackungen in Kraft treten (2016), gehen wir davon aus, dass der Anteil jener, die schon einmal geraucht haben, als Ergebnis des Auslageverbots auf ca. 21 % gesunken sein wird. Zu diesem Ergebnis sind wir gekommen, indem wir die in der Folgenabschätzung zum Verbot von Tabakauslagen in Verkaufsstellen genannten Daten zur Wirksamkeitsprognose für diese Maßnahme auf eine Basis von 25 % angewandt haben. Wendet man denselben prozentualen Rückgang auf den Anteil der 15-Jährigen an, die als regelmäßige Raucher eingestuft werden, erhält man einen Rückgang der Raucherprävalenz unter 15-Jährigen von 10,7 % auf 9 %. 85 Pechey R, Spiegelhalter D, Marteau T M (2013). Impact of plain packaging of tobacco products on smoking in adults and children: an elicitation of international experts’ estimates. BMC Public Health 13:18-24. 86 Das Gesundheitsministerium bewertet ein qualitätskorrigiertes Lebensjahr mit 60 000 GBP. Wenn Schätzungen für qualitätskorrigierte Lebensjahre nicht verfügbar sind und dies angemessen ist, wird dieser Wert für Lebensjahre verwendet. Dies stimmt mit ähnlichen Wertermittlungen von Maßnahmen zur Minderung der Mortalität oder Morbidität durch andere Ministerien überein, die auf Studien dazu beruhen, wie viel Geld Bürger im Durchschnitt bereit sind auszugeben, um ihr eigenes Mortalitätsrisiko zu mindern oder ihre eigenen Gesundheitsergebnisse zu verbessern. 45 150. Wir beziehen die Auswirkungen der Tabakrichtlinie ein, um das kontrafaktische Szenario abschließend zu bewerten. Wir gehen davon aus, dass die Richtlinie für Tabakerzeugnisse den Tabakkonsum in Übereinstimmung mit dem Rückgang der Raucherprävalenz, von der in der Folgenabschätzung zur Richtlinie für Tabakerzeugnisse ausgegangen wird, im Laufe von fünf Jahren um 2,15 % senken wird (genauere Angaben finden sich in Anhang E). Wir gehen davon aus, dass sich dieser Rückgang regelmäßig über die fünf Jahre nach der Einführung der Richtlinie für Tabakerzeugnisse verteilt. Nach fünf Jahren wird angenommen, dass die Prävalenz konstant bleibt. Die Basisprävalenz regelmäßiger Raucher in der Altersgruppe der 15-Jährigen liegt fünf Jahre nach Einführung der Richtlinie für Tabakerzeugnisse bei knapp unter 9 %. 151. Auf Grundlage der Ergebnisse der Studie von Pechey et.al. (2013) verwenden wir einen Rückgang der Prävalenz um 3 von 27, oder ca. 11 %, um die Auswirkungen von Einheitsverpackungen darzustellen. Dabei werden bestehende Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums vorausgesetzt. Wie in Anhang E beschrieben, wird die Richtlinie für Tabakerzeugnisse Maßnahmen enthalten, die sich mit einigen Elementen der Einheitsverpackung überschneiden. Wir gehen von einem Rückgang um 11 % aus und berücksichtigen anschließend die gemeinsamen Auswirkungen der Einheitsverpackung und der Richtlinie für Tabakerzeugnisse (1,25 %), um eine Doppelzählung zu vermeiden. Das bedeutet einen Netto-Rückgang um ca. 9,9 % in Bezug auf die in Option 1 verwendete Basis. Wird ein solcher Rückgang der Prävalenz regelmäßiger Raucher in der Altersgruppe der 15Jährigen von 9 % auf knapp 8 % in jeder folgenden Kohorte von Jugendlichen ebenfalls erreicht, ergeben sich für jede Kohorte 6 600 Raucher weniger, und zwar über den Nutzen im Zusammenhang mit dem Auslageverbot und der Richtlinie für Tabakerzeugnisse hinaus. 152. Ein Rückgang der Raucherquote unter Jugendlichen in dieser Größenordnung würde einen lebenslangen Nutzen von rund 520 Mio. GBP pro Jahr erzielen, wenn dieser Rückgang des Prozentsatzes der Jugendlichen, die regelmäßig rauchen, unmittelbar umgesetzt würde. Da die Expertenumfrage nach der Veränderung der Prävalenz zwei Jahre nach Einführung der Einheitsverpackungen fragte, schreiben wir den vollen Nutzen dem zweiten und den darauffolgenden Jahren zu, während die Hälfte dieses Nutzens dem ersten Jahr zugeschrieben wird. Wir haben den Zeithorizont auf zehn Jahre nach der erwarteten Einführung von Einheitsverpackungen beschränkt. Der Gegenwartswert des gesundheitlichen Nutzens wird mit ca. 4,4 Mrd. GBP beziffert. Eine Verlängerung des Zeithorizonts würde zu einem Anstieg der Anzahl der Kohorten von Jugendlichen führen, für die wir einen Nutzen verzeichnen. (b) Wert einer verbesserten Ausstiegsquote 153. Für jeden zusätzlichen erwachsenen Raucher, der mit dem Rauchen aufhört, ergibt sich ein Lebenszeitgewinn von 1,02 Jahren, der mit ca. 61 000 GBP bewertet wird. Der geschätzte Mittelwert der wahrscheinlichsten Raucherprävalenz in Pechey et al. (2013) ergab einen Rückgang um einen Prozentpunkt zwei Jahre nach Einführung von Einheitsverpackungen, wobei die niedrigste Schätzung von keinerlei Veränderungen ausging und die höchste Schätzung von einem Rückgang um 2,25 Prozentpunkte. Diese Veränderungen bezogen sich in der Umfrage auf eine Basis von 21 %. Diese Zahl liegt über der jüngsten Schätzung der Prävalenz von 19,9 % des General Lifestyle Survey/Opinions and Lifestyle Survey. Wir passen diese Basis um einen Rückgang der Prävalenzrate um 0,04 Prozentpunkte aufgrund des Auslageverbots an, um ein Profil der erwarteten Prävalenz bis zum Jahr 2025 zu erstellen (wobei die Tabakrichtlinie nicht berücksichtigt wird). Den Rückgang der Prävalenz durch das Auslageverbot ist der Folgenabschätzung zur Abschaffung von Tabakauslagen entnommen. Dadurch erhält man als Ausgangspunkt eine Basisprävalenz von ca. 19,8 % im Jahr 2016. 154. Auch hier beziehen wir wieder die Auswirkungen der Richtlinie für Tabakerzeugnisse ein, um das kontrafaktische Szenario abschließend zu bewerten. Wir gehen davon aus, dass die Richtlinie für Tabakerzeugnisse den Tabakkonsum in Übereinstimmung mit der Folgenabschätzung zur Richtlinie für Tabakerzeugnisse im Laufe von fünf Jahren um 2,15 % senken wird (genauere Angaben finden sich in Anhang E). Wir gehen davon aus, dass sich dieser Rückgang regelmäßig über die fünf Jahre nach der Einführung der Richtlinie für Tabakerzeugnisse verteilen wird. Dadurch ergibt sich eine Basisprävalenz von ca. 19,7 % im Jahr 2016. Ausgehend von dieser neuen Tabakrichtlinien-Basis und auch hier wieder unter Berücksichtigung der sich überschneidenden Elemente der Tabakrichtlinie und der Einheitsverpackung ergibt sich ein Rückgang der Prävalenz um ca. 0,69 Prozentpunkte aufgrund der Einheitsverpackung. Wendet man diesen Rückgang auf die Bevölkerung des Vereinigten Königreichs ab 16 Jahren im Jahr 2016 an, ergeben sich für zwei Jahre jeweils rund 180 000 Personen mehr, die mit dem Rauchen aufhören. Dadurch ergeben sich für jedes dieser beiden Jahre ca. 11 Mrd. GBP an 46 lebenslangem gesundheitlichem Nutzen. Ein weiterer Rückgang der Raucherquote über diese zwei Jahre hinaus wird nicht berücksichtigt. Weder die Vorteile eines verringerten Einstiegs in das Rauchen noch jene einer höheren Ausstiegsquote berücksichtigen eine Verbesserung der Lebensqualität von Nichtrauchern im Gegensatz zu Rauchern. Verringerte Erkrankungen von Kindern und Erwachsenen durch Passivrauchen und vermeidbare Behandlungskosten (c) 155. Ein zusätzlicher Nutzen von Einheitsverpackungen wäre es, dass man durch gesunkene Raucherquoten seltener Passivrauchen ausgesetzt wäre. Passivrauchen ist für jeden schädlich, aber Kinder sind besonders anfällig für Erkrankungen, die durch Passivrauchen verursacht werden. Ein Bericht des Ärzteverbands Royal College of Physicians stellt Verbindungen zwischen dem Passivrauchen und einer Reihe von Ursachen für Morbidität bei Säuglingen und Kleinkindern her. Der Bericht beziffert die Kosten für die Primärversorgung und Krankenhauseinweisungen, die mit durch Passivrauchen verursachten Erkrankungen bei Kindern in Verbindung stehen, im Vereinigten Königreich auf 23,3 Mio. GBP pro Jahr87. Hinzu kommen die Auswirkungen des Passivrauchens auf die Morbidität und Mortalität von Erwachsenen. Wir gehen davon aus, dass diese Kosten prozentual zum Rückgang der Raucherprävalenz bei Erwachsenen, der durch eine Maßnahme wie der Einheitsverpackungen erreicht werden könnte, sinken würden. 156. Die Auswirkungen eines Rückgangs des Rauchens auf die Nutzung von Gesundheitsleistungen wurde in einer Studie von Sims et al. (2010)88 veranschaulicht, der im Jahr nach der Einführung des gesetzlichen Rauchverbots an öffentlichen Orten in England einen statistisch signifikanten Rückgang von Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinfarkten um 2,4 % feststellte. Ein signifikanter Rückgang wurde für Männer und Frauen im Alter von über 60 Jahren und Männer, jedoch nicht Frauen, unter 60 Jahren festgestellt. Wie auch in früheren Folgenabschätzungen wurden Auswirkungen auf die Kosten für die NHS für die Behandlung von Patienten mit Krankheiten, die mit dem Rauchen im Zusammenhang stehen, nicht berücksichtigt, obwohl es Hinweise auf die unmittelbaren Auswirkungen des Rauchverbots an öffentlichen Orten auf die Anzahl der Krankenhauseinlieferungen gibt. Jüngste Erkenntnisse legen außerdem nahe, dass das Aufgeben des Rauchens im Vergleich zum fortgesetzten Rauchen zu einem Rückgang der Kosten über die gesamte Lebenszeit hinweg führt. Eine Modellierung hat eine Schätzung ergeben, nach der Kosteneinsparungen von ca. 162 Mio. GBP über die gesamte Lebenszeit hinweg erreicht werden könnten, wenn 1 % der derzeit rauchenden Bevölkerung über im Alter über 35 Jahren mit dem Rauchen aufhören würde.16 Das Modell ist jedoch zu spekulativ, um als verlässliche Basis zu dienen, da es Vermutungen zu den Kosten für alternative Todesursachen jener Personen anstellt, deren Lebenszeit sich durch eine verringerte Raucherquote verlängern würde. Auswirkungen auf die Kosten für die Gesundheitsversorgung wurden in dieser Folgenabschätzung deshalb ausgeklammert. Reduzierung der Ungleichheit im Gesundheitsbereich (d) 157. Auch wenn wir stärkere Auswirkungen von Einheitsverpackungen auf die Raucherprävalenz von Rauchern teurer Marken als auf Raucher billiger Marken erwarten, wird sich die Ungleichheit in Gruppen mit niedrigerem Einkommen vermutlich verringern, da sich die Lücke zwischen Personen, die mit dem Rauchen aufhören, und Nichtrauchern mit niedrigem Einkommen verkleinert. Der gesundheitliche Nutzen in Gruppen mit geringem Einkommen wird vermutlich wichtiger sein als der entsprechende Nutzen in Gruppen mit höherem Einkommen, da sich in letzterer Gruppe weniger Raucher befinden (wobei jedoch mehr dieser Raucher mit hoher Wahrscheinlichkeit eine teure Marke rauchen). Verbesserte Produktivität am Arbeitsplatz (e) 158. In Bezug auf die wirtschaftliche Produktivität hat der Think Tank Policy Exchange die Kosten der Produktivitätseinbußen durch Raucherpausen (2,9 Mrd. GBP) und Krankentagen im Zusammenhang mit Tabakkonsum (2,5 Mrd. GBP) im Vereinigten Königreich geschätzt89, während eine ergänzende Analyse 87 Royal College of Physicians (2010). Passive smoking and children. London: Royal College of Physicians. 88 Sims M, Maxwell R, Bauld L, Gilmore A (2010), Short-term impact of smoke free legislation in England: retrospective analysis of hospital admissions for myocardial infarction. BMJ 340:c2161. 89 Nash R, Featherstone H (2010). Cough up: balancing tobacco income and costs in society. London: Policy Exchange. 47 im Rahmen einer Beurteilung von arbeitsplatzbasierten Maßnahmen zur Aufgabe des Rauchens durch NICE einen potenziellen Produktivitätsgewinn pro behandeltem Mitarbeiter von 6 000 GBP schätzt (wobei Kosten von Raucherpausen mitberücksichtigt werden).90 Die Hauptanalyse, die für die Beurteilung durchgeführt wurde, ging basierend auf einem durchschnittlichen Stundenlohnsatz gemäß der ASHE (Jährliche Befragung zu Arbeitsstunden und Einkommen) 2005 bei Nichtvorhandensein von Maßnahmen zur Aufgabe des Rauchens von Produktivitätseinbußen über die gesamte Lebenszeit in Höhe von 3 458 GBP pro Person aus91. Erhöht man diese Zahl entsprechend dem Anstieg des Stundenlohns zwischen ASHE 2005 und der jüngsten vorläufigen Umfrage ASHE 2013, erhält man einen Produktivitätsgewinn von 4 200 GBP pro erwachsenem Arbeitnehmer, der mit dem Rauchen aufhört. Nach Anpassung an den Anteil der beschäftigten Raucher von 58 % (dem Instrumentarium für die Rentabilitätsrechnung von Anti-Raucher-Maßnahmen von NICE entnommen), ergibt sich ein Produktivitätsgewinn pro Erwachsenem, der mit dem Rauchen aufhört, von 2 400 GBP über die gesamte Lebenszeit hinweg. Sauberere Straßen (f) 159. Schätzungen zufolge gaben die Kommunen in England im Jahr 2007 342 Mio. GBP92 für die Beseitigung von Zigarettenstummeln auf den Straßen aus. Durch den Rückgang der Raucherprävalenz als Folge der Einheitsverpackung gehen wir deshalb von Einsparungen (die hier nicht beziffert werden) für Kommunen und Unternehmen im Zusammenhang mit der Beseitigung von Zigarettenstummeln auf den Straßen und auf dem Gelände von Unternehmen aus. (iv) Konsumentenrente 160. Wenn eine erstrebenswerte Eigenschaft eines Produkts entfernt wird, würde man dies in der Regel als einen Verlust der „Konsumentenrente“93 für den Verbraucher bezeichnen. Bei suchterregenden Produkten ist die Anwendung dieser Theorie im Prinzip und in der Praxis jedoch schwieriger. 161. Der herkömmliche Ansatz der Kosten-Nutzen-Analyse basiert auf einem rationalen Verhalten des Verbrauchers. Wenn Raucher rational den Nutzen, den das Rauchen ihnen bringt (sowie die Vermeidung schmerzhafter Entzugserscheinungen) gegen die Schädigung ihrer Gesundheit abwägen würden, könnte man argumentieren, dass ihr derzeitiger Konsum das Ergebnis dieser Abwägung ist. Alles, was ihren derzeitigen Genuss durch das Rauchen einschränkt, würde diese Balance deshalb zugunsten der Gesundheit beeinflussen und dazu führen, dass sie rational einen geringeren Konsum wählen. Dieser Argumentation zufolge wäre ein geringerer Konsum somit das Ergebnis des Verlusts an Genuss, den man aus dem Rauchen zieht. Wenn dies der Fall wäre, dann wäre dies ein Hinweis darauf, dass der Verlust des Brandings als Verlust eines Teils des Genusses am Rauchen empfunden wird. Bei suchterregenden Waren ist diese Theorie des rationalen Abwägens jedoch nicht der einzige mögliche Erklärungsansatz. 162. So stellte der Chantler-Bericht fest: „Bei der Nikotinsucht sind mehrere Prozesse beteiligt, wobei es Hinweise darauf gibt, dass Jugendliche schon bald nach der ersten Zigarette einen Autonomieverlust empfinden. Keiner dieser Prozesse setzt ein reflektierendes Bewusstsein voraus; vielmehr verursacht das Vorhandensein von Stimuli, die mit der vorherigen Aufnahme von Nikotin in Verbindung gebracht werden, einen starken Drang zum Rauchen, der immer stärker wird, wenn sich öfter Gelegenheiten zum Rauchen bieten, insbesondere in den Jahren nach dem Schulbesuch. Obwohl zwei Drittel der derzeitigen Raucher angeben, dass sie mit dem Rauchen aufhören möchten, ist die Aufgabe des Rauchens extrem schwierig, und die meisten Raucher unternehmen mehrere Versuche, bevor es ihnen gelingt. Obgleich die Anzahl der Kinder, die mit dem Rauchen beginnen, seit den 1990er Jahren sinkt, 90 Flack S, Taylor M, Trueman P (2007). Cost impact analysis of workplace-based interventions for smoking cessation: sensitivity analysis of time lost due to smoking. Supplementary report. York: York Health Economics Consortium. 91 Flack S, Taylor M, Trueman P (2007). Cost-effectiveness of interventions for smoking cessation: Final report. York: York Health Economics Consortium. 92 Keep Britain Tidy: Reducing Smoking Related Litter, a guide for businesses. http://www.nerwai.org.uk/uploaded/file/Smoking%2520Related%2520Litter_615.pdf 93 Die Konsumentenrente wird in der Regel als Differenz des Preises, den der Verbraucher zu zahlen bereit gewesen wäre, zum tatsächlichen Preis definiert. 48 fangen immer noch rund 207 000 Kinder im Alter zwischen 11 und 15 Jahren jedes Jahr im Vereinigten Königreich mit dem Rauchen an.“ 163. Bei suchterregenden Waren wie Tabak kann das Branding als Auslösereiz wirken, der das Verlangen nach der Ware auslöst. Unter diesen Umständen hilft man den Süchtigen durch das Entfernen des Auslösereizes dabei, ihre wahren Präferenzen umzusetzen. Eine alternative Herangehensweise an die Kosten-Nutzen-Analyse könnte dies berücksichtigen. In diesem Fall würde ein Rückgang des Konsums durch Einheitsverpackungen als Hinweis darauf gewertet, dass die Raucher zu einem Konsumverhalten übergegangen sind, der ihren wahren Präferenzen eher entspricht. Das frühere Nachfrageniveau würde somit nicht als Anzeichen der wahren Präferenz gesehen, sondern als Anzeichen von Sucht. Dieses frühere Konsumniveau könnte deshalb als Kosten ohne entsprechenden Nutzen betrachtet werden. 164. Der Chantler-Bericht merkt auch an: „Das Ziel einer Einheitsverpackung ist es, die visuelle Identität und die Anziehungskraft von Tabakverpackungen als Werbung für das Produkt zu verringern. Es gibt starke Belege dafür, dass die Einwirkung der Werbung und Verkaufsförderung von Tabakerzeugnissen die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Kinder zu Rauchern werden. Dokumente der Tabakindustrie zeigen, dass Tabakverpackungen vor dem Hintergrund der Marktforschung seit Jahrzehnten entsprechend den Vorlieben der Zielgruppen gestaltet werden. Markenzigaretten sind Produkte mit „Erkennungswert“, werden häufig ausgestellt und fungieren daher als „stiller Verkäufer“. Tabakverpackungen scheinen als Kommunikationsmittel für Markenimages in Ländern wie Australien und dem Vereinigten Königreich, in denen umfassende Verbote für Werbung und Verkaufsförderung herrschen, besonders wichtig zu sein. Es ist vielsagend, dass Japan Tobacco International auf die Entscheidung der Einführung von einheitlichen Tabakverpackungen in Australien reagierte, indem sie versuchten, die australische Regierung wegen Übernahme ihrer mobilen „Werbefläche“ zu verklagen. 165. Ein anderer Zweck des Brandings ist es, „Premiumprodukte“ von gewöhnlichen Produkten abzuheben. Premiumzigaretten werden durch Einheitsverpackungen nicht verboten. Der für alle sichtbare Konsum eines Premiumprodukts wird jedoch verhindert. Dies würde wiederum einen Verlust der Konsumentenrente für Verbraucher darstellen, die sichtbar ein Premiumprodukt konsumieren möchten. Gleichzeitig könnte es jedoch ein Vorteil für jene sein, die ihren eigenen Konsum durch den sichtbaren Konsum von Premiumprodukten durch andere als weniger genussreich empfinden oder sich dadurch minderwertig fühlen. 166. Unter diesen Umständen ist eine Messung der Konsumentenrente somit extrem komplex. Geht man von einer „rationalen Entscheidung“ aus, räumen wir ein, dass Personen, die das Rauchen aufgeben oder den Genuss des Brandings verlieren, einen gewissen Teil der Konsumentenrente einbüßen. Viele, die das Rauchen aufgeben möchten, werden vor allem in der ersten Zeit an Entzugserscheinungen leiden, auch wenn diese sich bei vielen nach kurzer Zeit legen. Man kann jedoch auch die Ansicht vertreten, dass die Befreiung von einer Sucht die Konsumentenrente erhöht, anstatt sie zu verringern, und dass Branding neben positiven auch negative externe Auswirkungen haben kann. Eine ausführlichere Erörterung zu den Auswirkungen der Abschaffung des Brandings auf die Konsumentenrente findet sich in Anhang F. Finanzielle Vorteile für ehemalige Raucher (g) 167. Man könnte sagen, dass sich für Leute, die mit dem Rauchen aufhören wollten und deren unerfüllte Präferenz, das Rauchen aufzugeben, nun umgesetzt wurde, neben dem gesundheitlichen Nutzen noch ein weiterer Nutzen ergibt: Ihnen wurde geholfen, ihre zweitrangige Präferenz umzusetzen (ihre Präferenz, sich gegen den Kauf von Zigaretten zu entscheiden). Sie verstehen nun, dass das Branding Fehlinformationen vermittelt hat, die sie dazu verlockt haben, ihre Sucht aufrechtzuerhalten. Auf Grundlage von Suchtmodellen mit unbeständigen Präferenzen, beispielsweise den Modellen von Gruber und Kőszegi (2008)94 und Weimer et al. (2009)95, kann mit guten Gründen von einem Nutzen für diese Personen ausgegangen werden, der ihren Minderausgaben für Tabak entspricht. Auf Basis unserer Annahmen zu Preis und Konsum beläuft sich eine 10-Jahres-Schätzung des Kapitalwertes 94 Gruber J, Kőszegi B (2008). A modern economic view of tobacco taxation. Paris: International Union against Tuberculosis and Lung Disease. 95 Weimer D L, Vining A R, Thomas R K (2009). Cost-benefit analysis involving addictive goods: contingent valuation to estimate willingness-to-pay for smoking cessation. Health Economics 18:181-202. 49 (NPV) dieser Minderausgaben auf rund 3 Mrd. GBP. In dieser Folgenabschätzung wird dieser potenzielle Nutzen nicht berücksichtigt, da die im Zusammenhang mit Verbraucherpräferenzen vorausgesetzten Hypothesen zurzeit noch relativ neu und unkonventionell sind. 168. Auch wenn Raucher sich freiwillig und aus freien Stücken dafür entscheiden, das Rauchen aufzugeben, gibt es auch Gründe dafür, potenzielle Entzugserscheinungen, die Ex-Raucher erleiden, zu berücksichtigen. Da wir den finanziellen Nutzen für Ex-Raucher nicht einbeziehen, berücksichtigen wir in unserer Kapitalwertrechnung auch nicht die Kosten, die einzelnen Rauchern beim Aufhören entstehen. One in two out-Rechnung (OITO) 169. Die Auswirkungen, die wir als relevant für OITO bewerten, sind: den Einzelhändlern entstehende Kosten, Kosten für Hersteller im Zusammenhang mit Umstellungen der Produktionsprozesse. 170. Wenn Einheitsverpackungen voraussichtlich zu höheren Kosten für Einzelhändler führen würden, wäre dies für die OITO-Rechnung ein „IN“. Gewinneinbußen von Tabakunternehmen und anderen Unternehmen in der Lieferkette aufgrund eines verringerten Konsums von Zigaretten oder des Wechsels zu billigeren Produkten (Downtrading) sind eine indirekte Auswirkung (wie in der Gesetzgebung für die Abschaffung von Tabakauslagen festgelegt) und fallen nicht in den Rahmen der OITO-Rechnung. Ebenso wenig fallen Gewinneinbußen für den britischen Staat durch ein verstärktes Downtrading in den Rahmen der OITO-Rechnung. Verpackungsfirmen und Tabakherstellern würden durch die Umstellung auf Einheitsverpackungen Kosten entstehen. Einige dieser Kosten würden aufgrund der Anforderungen der Tabakrichtlinie auch im Rahmen von Option 1 entstehen. Wir gehen davon aus, dass die langfristigen Kosteneinsparungen diese Kosten insgesamt überwiegen werden. 171. Eine Senkung der Produktionskosten um nur einem Penny pro Packung wird eine kurzfristige Kostenlast vermutlich bereits innerhalb eines Jahres übertreffen. Einzelhändlern entstehende Kosten in Form eines erhöhten Zeitaufwands beim Bedienen der Kunden sind voraussichtlich zu vernachlässigen, da es sich hierbei um eine kurzfristige Auswirkung (eine Frage von Wochen) handelt. Danach ist davon auszugehen, dass Einzelhändler eine Verkürzung der Transaktionszeiten feststellen werden. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass die Auswirkungen auf Unternehmen nach einer notwendigen Zeit für die Umstellung auf Einheitsverpackungen positiv sind. In der OITO-Rechnung für diese Maßnahme gibt es deshalb kein „OUT“. Übersicht über die Folgen 172. Unsere quantifizierten Schätzungen des lebenslangen gesundheitlichen Nutzens basieren auf den bereits präsentierten Informationen zum lebenslangen Nutzen für jeden Jugendlichen, der nicht mit dem Rauchen anfängt, oder für jeden Erwachsenen, der mit dem Rauchen aufhört, multipliziert mit der gesunkenen Anzahl der Jugendlichen, die zu regelmäßigen Rauchern werden, und der gestiegenen Anzahl der Erwachsenen, die unseren Erwartungen nach durch die Einheitsverpackung mit dem Rauchen aufhören. Wir geben Kosten und Nutzen über einen Zeitraum von zehn Jahren ab Einführung der Maßnahme an, wobei der gesundheitliche Nutzen mit 1,5 % pro Jahr und andere Kosten- und Nutzenströme mit 3,5 % pro Jahr diskontiert werden. Für das Bezugsszenario gehen wir von einer Einführung im Jahr 2016 und von Auswirkungen ab dem Jahr 2016 aus. Wir unterscheiden zwischen Auswirkungen durch Veränderungen des Rauchverhaltens, die in Form von lebenslangen Auswirkungen ausgedrückt werden (auf ein einzelnes Jahr diskontiert), und Auswirkungen in Bezug auf den Tabakmarkt insgesamt (insbesondere Folgen im Zusammenhang mit Downtrading), die sich auf das Jahr beziehen, in dem sie auftreten. Lebenslange Auswirkungen werden in den Tabellen 3 und 4 für Jugendliche bzw. für Erwachsene angegeben. Tabelle 5 zeigt die lebenslangen Auswirkungen insgesamt. Tabelle 6 präsentiert die Auswirkungen innerhalb eines Jahres basierend auf den Annahmen des Bezugsszenarios bezüglich des Downtradings; Tabelle 7 wiederum zeigt die Ergebnisse der Sensitivitätsanalyse zum Ausmaß des Downtradings. Tabelle 3: Lebenslange Auswirkungen – Jugendliche Prävalenz (%) 2016 8,5 % Lebensjahre (Anzahl) Gesundheit (Mio. GBP) 4 179 251 50 Verbrauch- u. MwSt. (Mio. GBP) 38 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 8,0 % 8,0 % 8,0 % 7,9 % 7,9 % 7,9 % 7,9 % 7,9 % 7,9 % Gesamt (Mio. GBP) 8 235 8 113 7 993 7 875 7 759 7 644 7 531 7 420 7 310 74 061 494 487 480 473 466 459 452 445 439 4 444 - 73 70 68 66 64 61 59 57 55 612 Tabelle 4: Lebenslange Auswirkungen – Erwachsene Prävalenz (%) 2016 2017 2018 2019 2020 2021 19,3 % 18,8 % Lebensjahre (Anzahl) Gesundheit (Mio. GBP) 180 884 178 211 10 853 10 693 Verbrauch- u. MwSt. (Mio. GBP) 756 730 - 2022 - 2023 - 2024 - 2025 Gesamt (Mio. GBP) 359 096 21 546 - 1 486 Produktivität (Mio. GBP) 416 402 818 Tabelle 5: Lebenslange Auswirkungen – insgesamt 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 173. Lebensjahre (Anzahl) 185 064 186 446 8 113 7 993 7 875 7 759 7 644 7 531 7 420 7 310 Gesamt (Mio. GBP) Gesundheit (Mio. GBP) 11 104 11 187 487 480 473 466 459 452 445 439 25 989 Verbrauch- u. MwSt. (Mio. GBP) 793 803 70 68 66 64 61 59 57 55 2 098 Produktivität (Mio. GBP) 416 402 818 Gesamt (Mio. GBP) 10 726 10 786 416 412 407 402 397 393 388 383 24 709 Der lebenslange Nettonutzen beträgt in dem in Tabelle 5 dargestellten Zeitraum von zehn Jahren ca. 25 Milliarden GBP. Wenn es keine Auswirkungen auf das Rauchverhalten gäbe, würden alle Zahlen in den Tabellen 3, 4 und 5 sich auf Null belaufen. Wenn Einheitsverpackungen eingeführt würden, sollten ihre Auswirkungen auf die Raucherprävalenz und auf Veränderungen im Rauchverhalten ausgewertet werden. Tabelle 6 zeigt die Auswirkungen innerhalb eines Jahres in Bezug auf die Veränderungen im Markt insgesamt und Tabelle 7 präsentiert eine Sensitivitätsanalyse, die davon ausgeht, dass Raucher von Zigaretten der mittleren oder der Premiumpreisklasse komplett und sofort zu Marken der Niedrig- oder Ultra-Niedrigpreisklasse wechseln. Tabelle 6 – Auswirkungen innerhalb eines Jahres (Mio. GBP): Annahmen des Bezugsszenarios zum Downtrading Substanzwertverlust Produktionskosteneinsparungen (Mio. GBP) Entgangene Einnahmen aus Verbrauchu. MwSt. (Mio. GBP) 51 Hersteller (Mio. GBP) Einzelhändler (Mio. GBP) Transaktionskosten im Einzelhandel 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Gesamt 37 35 33 32 31 29 28 27 26 25 304 - 8 12 16 19 20 21 22 22 21 20 181 - 44 - - 44 122 122 8 8 7 7 7 7 6 6 6 6 69 Tabelle 7 – Auswirkungen innerhalb eines Jahres (Mio. GBP): Sofortige Zunahme des Wechsels um 100 % Substanzwertverlust 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Gesamt Produktionskosteneinsparungen (Mio. GBP) 37 35 33 32 31 29 28 27 26 25 304 Entgangene Einnahmen aus Verbrauchu. MwSt. (Mio. GBP) 108 93 83 75 67 60 54 49 44 40 674 Hersteller (Mio. GBP) -164 Einzelhändler (Mio. GBP) -455 - - 164 455 Transaktionskosten im Einzelhandel 8 8 7 7 7 7 6 6 6 6 69 174. Ausgehend von den Annahmen des Bezugsszenarios zum Downtrading ergeben die Auswirkungen innerhalb eines Jahres einen Nettonutzen von 25 Mio. GBP. Die Einsparungen bei den Produktionskosten sinken, da die Gesamtzahl der verkauften Packungen abnimmt. Die Verluste für die Staatskasse werden größer, da der Abstand zwischen der prognostizierten Anzahl an Zigarettenpackungen der mittleren oder Premiumpreisklasse mit und ohne Einheitsverpackung mit der Zeit immer größer wird. Dieser Abstand stabilisiert sich bei einem zunehmenden Zeithorizont jedoch. Unter der Annahme eines 100-prozentigen Anstiegs des Wechsels von Premium- zu Niedrigpreispackungen ergibt sich über einen Zeitraum von zehn Jahren ein Nettoverlust von ca. 920 Mio. GBP. Die einmaligen Kosten für Verpackungshersteller in Bezug auf eine eventuelle Redundanz von Investitionsgütern wird mit einer geringeren Summe in der Größenordnung von 1015 Mio. GBP beziffert. Die wichtigste Folge ist in der Analyse der lebenslange gesundheitliche Nutzen. Wenn sich ein lebenslanger gesundheitlicher Nutzen von der Größenordnung erreichen ließe, welche die Expertengruppe prognostiziert, würde der Nutzen die Kosten bei Weitem überwiegen. Neue theoretische Ansätze zur Analyse von Suchtverhalten legen nahe, dass geringere Ausgaben für Zigaretten ebenfalls als Nutzen für Raucher, die das Rauchen aufgeben, gesehen werden können. Der monetisierte Netto-Gesamtnutzen vermitteln einen Eindruck davon, wie groß der Verlust an Konsumentenrente/Bürgerrechten für Raucher, die weiterhin teure Marken rauchen, sein müsste, um den Nutzen der Maßnahme zu übertreffen. 175. Ob ein Aufschub der Entscheidung über Einheitsverpackungen Sinn macht, bis mehr Erkenntnisse aus den in Australien gemachten Erfahrungen vorliegen, hängt davon ab, in wie weit sich diese Erkenntnisse auf das Vereinigte Königreich übertragen ließen und wie schnell sie erhoben, analysiert und veröffentlicht werden könnten. Während es bereits erste Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf den Einzelhandel gibt, wird es wohl länger dauern, bis Erkenntnisse zu den Auswirkungen auf Preise und Marktanteile vorliegen. Bis es Erkenntnisse zur Raucherprävalenz gibt, können mehrere Jahre vergehen. In Australien gewonnene Erkenntnisse sind nützlich, aber in Anbetracht der Tatsache, dass die australischen Behörden neben der Einheitsverpackung zahlreiche weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums eingeführt haben, wird es weiterhin offene Fragen geben. Die Erfahrungen in Australien werden kaum aussagekräftig für die Auswirkungen von Einheitsverpackungen auf den grenzüberschreitenden Verkehr von Tabak im Vereinigten Königreich sein. Es mag zwar Vorteile haben, auf weitere Erkenntnisse aus Australien zu warten, aber die durch Einheitsverpackungen 52 entstehenden Kosten lassen sich (mit Ausnahme der Abschreibung von Anlagen) leicht rückgängig machen. 53 Übersicht der Auswirkungen – Kosten und Nutzen Interessenvertreter Raucher & ExRaucher A B Auswirkungen In den EANCB berücksichtigt? Direkt oder indirekt? Im NPV berücksichtigt? Quantifizierter Gegenwartswert Folgenabschätzung Ref. (Abs.) Gesundheitliche Vorteile und geringere Ungleichheit im Gesundheitsbereich durch weniger Rauchen Verlust von Konsumentenrente Wenn Markentabak bevorzugt wird X Keine Folgen für Unternehmen Gesundheitsvorteile in Lebensjahren gemessen und anhand der Zahlungsbereitschaft monetisiert 26 Mrd. GBP 147-154 X Keine Folgen für Unternehmen (Folgen für Unternehmen sind unten aufgeführt) X In der Regel berücksichtigt, wird jedoch gegen folgende Punkte aufgewogen; Branding führt auch zu negativen externen Effekten Tabak ist suchterregend; sein Konsum spiegelt also nicht wahre Präferenzen wider Ein niedrigeres Konsumniveau spiegelt Präferenzen besser wider X Keine Folgen für Unternehmen (Folgen für Unternehmen sind unten aufgeführt) X Indirekt. Abhängig von einem veränderten Verhalten der Raucher Gemessene zeitliche Auswirkungen, als Freizeit bewertet 26 Mio. GBP 102-109 Vorteile von weniger Rauchen: kürzere Pausen und weniger Krankschreibungen; als vermiedener Ausfall von Arbeitszeit bewertet Prinzipiell in Lebensjahren messbar wird in der Folgenabschätzung nur qualitativ besprochen Prinzipiell ja - wird in der Folgenabschätzung nur qualitativ besprochen Wert der Zeit von Einzelhändlern 820 Mio. GB P 158 43 Mio. GBP 102-109 NPV des verminderten Gewinnstroms – nur den Auswirkungen eines verminderten Wertes von Premiummarken zuzuschreiben (Downtrading / weniger Raucher von (122 Mio. GB P) 86, 89-91 Geld sparen und finanziellen Nutzen erhalten Wenn potenzielle Ex-Raucher den Tabakkonsum reduzieren C Für einige hat das Aufgeben einen negativen Nutzen Entzugserscheinungen Benötigte Zeit zum Kauf von Tabak in Einheitsverpackungen Unternehmen, die Raucher beschäftigen D Weniger Rauchen/Raucher am Arbeitsplatz steigert die Produktivität des Unternehmens Raucher & Nichtraucher E Gesundheitliche Vorteile durch weniger Passivrauchen X Keine Folgen für Unternehmen F Weniger Abfall durch Verpackungen, weniger Umweltschäden usw. X Indirekt Abhängig von einem veränderten Verhalten Direkt. Durch Forschungsstudie gemessen und als Zeitkosten der Einzelhändler bewertet X Indirekt Abhängig von einem veränderten Verhalten der Raucher Tabakeinzelhändl er & Großhändler =C Benötigte Zeit zum Verkauf von Tabak in Einheitsverpackungen G Verminderte Gewinne: Verminderte Menge an verkauftem Tabak Downtrading [Steuerliche Auswirkungen – siehe Q 54 160-168, Anhang F 155 159 unten] Hersteller, Einzelhändler & Großhändler anderer Waren und Dienstleistungen H Hersteller von Tabak/Zigaretten & ihre Aktionäre I Druckereien von Tabakverpackung en & ihre Aktionäre Steigende Gewinne: Ex-Raucher geben mehr Geld z. B. für Freizeit und Unterhaltung aus [Steuerliche Auswirkungen – siehe Q unten] Verminderter Gewinnstrom: Verminderte Menge an verkauftem Tabak Downtrading Der Wert des immateriellen Vermögenswertes einer Premiummarke könnte gemindert werden – für das Vereinigte Königreich. [Steuerliche Auswirkungen – siehe Q unten] J Verminderte Kosten für Wettbewerbsbranding K Einige Tiefdruckmaschinen werden überflüssig L Der Druck wird möglicherweise von Tiefdruck auf billigere Offset- Premiumzigaretten) X Indirekt Abhängig von einem veränderten Verhalten der Raucher X Indirekt Abhängig von einem veränderten Verhalten der Raucher Direkt. Eingesparte Ausgaben für die Gestaltung und Umsetzung regelmäßiger Änderungen des Brandings und bei den Produktionskosten für Einheitsverpackungen. Direkt. Der Wert von Tiefdruckmaschinen, die derzeit in Gebrauch sind, wird vorzeitig abgeschrieben X Indirekte Auswirkungen. Falls Umstellung auf billigeren Druck – 55 Der verminderte Gewinn durch einen allgemeinen Rückgang des Tabakkonsums ist vermutlich ungefähr gleich H (d. h. H = G+I), die Nettoauswirkungen sind deshalb gleich Null. NPV der erhöhten Gewinnströme 86 Vermutlich ungefähr gleich den gesamten Gewinneinbußen durch verminderten Tabakkonsum in G plus I Verlust des immateriellen Vermögenswertes einer Premiummarke, wird nur teilweise durch die Steigerung des relativen Wertes anderer Marken ausgewogen. Als NPV der Nettogewinneinbußen messbar – nur den Auswirkungen eines verminderten Wertes von Premiummarken zuzuschreiben (Downtrading / weniger Raucher von Premiumzigaretten) Verminderte Gewinne durch einen allgemeinen Rückgang des Tabakkonsums sind zusammen mit G vermutlich ungefähr gleich H. Nur Auswirkungen auf britische Aktionäre berücksichtigt. Produktionskosteneinsparungen im NPV berücksichtigt. Es kann auch nicht mehr durch Markenverpackungen Wettbewerb betrieben werden, wodurch Kosten eingespart werden (44 Mio. GBP ) 86 89-91 300 Mio. GB P 100-101 NPV des Substanzwertverlusts (1015 Mio. GBP) 92-96 Nicht quantifiziert. 92-96 Lithografie umgestellt. M Hersteller von Druckmaschinen und Druckplatten & ihre Aktionäre NHS / Gesundheitsvers orgung N O P HMRC & Steuerzahler Q R Rekonfiguration von Maschinen (z. B. Platten) um Anforderungen an neue Verpackungen zu erfüllen. Eventuell rückläufiger Absatz von Tiefdruckmaschinen, aber gestiegener Absatz von OffsetLithografie-Druckmaschinen Weniger Notaufnahmefälle, stationäre und ambulante Patienten, Besuche beim Hausarzt, Medikamente usw. Veränderungen bei der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen aufgrund einer längeren Lebenserwartung & einer erhöhten Lebensqualität Veränderungen des Steueraufkommens Weniger (Verbrauch)Steuern aufgrund von: o Rückläufigem Tabakverkauf o Downtrading o Mehr legalen Importen o Falls der Anteil illegalen Tabaks zunimmt Mehr Steuereinnahmen durch andere Waren und Dienstleistungen Nettoreduzierung des Steueraufkommens insgesamt Andere Steuerzahler zahlen mehr, um die Nettoreduzierung des Steueraufkommens auszugleichen. abhängig von einer solchen Veränderung. Auch Auswirkungen auf Gewinne sind unsicher. 97-98 X. Keine zusätzlichen Kosten über die Anforderungen der Tabakrichtlinie hinaus. X Indirekt Falls Umstellung auf billigeren Druck – abhängig von einer solchen Veränderung X Indirekt Abhängig von einem veränderten Verhalten der Raucher X Keine Folgen für Unternehmen X Keine Folgen für Unternehmen X Keine Folgen für Unternehmen 56 Nicht berücksichtigt. Aufgrund der Tabakrichtlinie voraussichtlich Null bzw. gering. Nettoeffekt vermutlich geringfügig Einsparungen bei den Ausgaben der NHS sind nicht berücksichtigt. Langfristige Auswirkungen werden qualitativ besprochen Gesundheitlicher Nutzen wird unter A berücksichtigt. Die dadurch entstehenden Kosten sollten deshalb prinzipiell ebenfalls berücksichtigt werden - langfristige Auswirkungen werden qualitativ behandelt Steuereinnahmen, die wegfallen und nicht durch den Konsum anderer Waren zurückgewonnen werden, sind als Kosten im NPV berücksichtigt. Verlust für andere Steuerzahler, die mehr zahlen müssen (Summe in GBP = Q) 13, 156 156 (2,3 Mrd. GB P) 114-120 114-120 Risiken 176. Die beiden zentralen Risiken, die mir der Einführung von Einheitsverpackungen einhergehen, sind ein eventuelles Wachstum des illegalen Marktes und eine potenzielle Zunahme des grenzüberschreitenden Einkaufs. Beide Risiken könnten größere Auswirkungen auf die Strategie der Regierung zur Eindämmung des Tabakkonsums haben. Methode der kritischen Werte 177. Anstatt eine zentrale Schätzung der Auswirkungen von Standardverpackungen auf das Segment des Marktes, für das keine britischen Verbrauchsteuern gezahlt wurden, (d. h. der illegale Markt und der grenzüberschreitende Absatz) abzugeben, haben wir eine Analyse der kritischen Werte durchgeführt, die ermittelt, wie groß das Wachstum dieses Marktanteils sein muss, um einen NPV von Null für diese Maßnahme zu erreichen (weitere Informationen hierzu finden sich in Anhang G). Wir modellieren zwei mögliche Ursachen für das Wachstum des Marktes für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren. Raucher, die trotz Einheitsverpackung weiter rauchen, weichen auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren aus. Raucher, die sonst mit dem Rauchen aufhören würden, weichen auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren aus. 178. Wir gehen davon aus, dass ein bestimmter Prozentsatz von Rauchern, die auch bei Einheitsverpackungen weiter rauchen, vom Markt für im Vereinigten Königreich versteuerte Waren auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren, ausweichen wird. Dadurch sinken die Steuereinnahmen für die britische Staatskasse, die Gewinne von Herstellern und die Gewinne von Einzelhändlern96, wodurch der NPV der Maßnahme abnimmt. 179. Wir gehen davon aus, dass derselbe Anteil an Rauchern, der in unserem Bezugsszenario das Rauchen aufgegeben hätte, erstens nicht mehr das Rauchen aufgibt und zweitens auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren ausweicht. Dadurch werden der gesundheitliche Nutzen und der Nutzen für die Produktivität am Arbeitsplatz für diese Personen reduziert, wodurch der NPV der Maßnahme abnimmt. 180. Dieser Anteil wird erhöht, bis er 20 % erreicht; an diesem Punkt stellen wir fest, dass der NPV der Maßnahme auf Null reduziert wurde. Es lässt sich also schlussfolgern, dass 20 % des Marktes für im Vereinigten Königreich versteuerte Waren zum Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren wechseln müssten und 20 % der Raucher, die sonst mit dem Rauchen aufgehört hätten, auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren ausweichen müssten, damit sich kein positiver NPV für diese Maßnahme ergibt. 181. Der Marktanteil von nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Zigaretten beläuft sich momentan auf ca. 12 %. Wenn 20 % des Marktes für im Vereinigten Königreich versteuerte Zigaretten auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Zigaretten wechseln würden, würden nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Zigaretten einen Anteil von 30 % des Zigarettenmarktes insgesamt ausmachen. Das Risiko, das Raucher von im Vereinigten Königreich versteuertem Drehtabak auf nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Drehtabak ausweichen, wird hier nicht quantifiziert, wird möglicherweise jedoch in zukünftige Folgenabschätzungen einfließen. Strategie zur Überwachung des Risikos 182. Eine Überwachung des Risikos eines zunehmenden illegalen und grenzüberschreitenden Absatzes muss Informationsquellen wie den Empty Packs Survey (Leerschachtel-Erhebung) und von HMRC erhobene Daten berücksichtigen, die das Ausmaß des grenzüberschreitenden Absatzes und des Marktes für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren auf Grundlage des International Passenger Survey (Internationale Passagier-Erhebung) und kommerziell verfügbarer Daten über 96 Einsparungen bei Produktionskosten und Einsparungen durch eine verkürzte Transaktionszeit sind ebenfalls betroffen, aber die Rechnung wird durch diese Veränderungen nicht beeinflusst. 57 Zigarettenlieferungen an Fähren schätzen. Der illegale Markt wird geschätzt als Summe des angegebenen Konsums auf Basis des General Lifestyle Survey und des nicht angegebenen Konsums auf Basis des Health Survey for England, abzüglich des Konsums im Vereinigten Königreich versteuerten Tabaks (auf Basis der HMRC-Zollabfertigung), des grenzüberschreitenden Absatzes und des abgabenfreien Absatzes. Optionen zur Risikominderung 183. In Bezug auf Überlegungen zur Minderung des Risikos eines wachsenden illegalen Marktes kam Chantler zu dem Schluss: „dass eine wirksame Rechtsdurchsetzung die Lösung des Problems eines illegalen Marktes ist. Die britischen Vollzugsbehörden haben bereits unter Beweis gestellt, dass eine wirksame Rechtsdurchsetzung und angemessene Sanktionen den illegalen Handel auf einem niedrigen Niveau halten können, auch in einem Hoheitsgebiet mit relativ hohen Steuern.“ 184. Das Risiko eines wachsenden illegalen Marktes kann möglicherweise durch verstärkte Kontrollen und strengere Vorschriften gemindert werden. In Australien wurden der Schmuggel, die Beförderung und der Besitz von geschmuggelten Tabakerzeugnissen kurz vor Inkrafttreten der Einheitsverpackung unter Strafe gestellt. Die Bekämpfung des grenzüberschreitenden Absatzes ist schwieriger, aber im Zusammenhang mit der Überarbeitung der Richtlinie für Tabakerzeugnisse wurde ein gemeinsames Vorgehen der EU zum grenzüberschreitenden Fernabsatz (über das Internet) in Erwägung gezogen. 185. Um einer eventuellen Zunahme des illegalen Handels entgegenzusteuern, wären zusätzliche Ressourcen nötig, die dafür eingesetzt würden, die Nachfrage zu senken und die Lieferung illegaler Tabakerzeugnisse zu unterbinden. Dies würde höhere Kosten verursachen, und es ist nicht garantiert und kann nicht vorausgesetzt werden, dass zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Sensitivitätsanalyse 186. Die Analyse legt nahe, dass der NPV der Einheitsverpackungsmaßnahme sehr positiv ist. Alle Messungen und Annahmen enthalten jedoch immer Unsicherheiten, weshalb wir die Sensitivität dieser Ergebnisse in Bezug auf bestimmte Schlüsselvariablen betrachten. Der größte Nutzen dieser Strategie ist der gesundheitliche Nutzen sowie der finanzielle Nutzen für Personen, die mit dem Rauchen aufhören oder gar nicht erst damit anfangen. Die einzigen Kosten, die sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen, sind die Kosten für die Staatskasse aufgrund verlorener Einnahmen aus (Verbrauch-)Steuern von Personen, die das Rauchen aufgeben oder nicht damit anfangen. Die Schlüsselvariablen, welche die Größenordnung dieser Kosten und Nutzen bestimmen, sind die Anzahl der Personen, die mit dem Rauchen aufhören bzw. nicht damit anfangen. Bei diesen Schlüsselvariablen beziehen wir uns im Wesentlichen auf die Forschung von Pechey et. al., wie oben und in Anhang B beschrieben. 187. Pechey ermittelte einen geschätzten Gesamtmedianwert von -1 % für die Gesamtveränderung der Raucherprävalenz unter Erwachsenen zwei Jahre nach Einführung der Einheitsverpackung (die Expertenschätzungen reichten von -3 % bis 0 %). Der geschätzte Gesamtmedianwert für die Gesamtveränderung der Raucherprävalenz unter Kindern, die das Rauchen ausprobieren, zwei Jahre nach Einführung der Einheitsverpackung lag bei -3 % (die Expertenschätzungen reichten von -7,1 % bis -0,4 %). Wir veranschaulichen die Sensitivität in Bezug auf diese Schlüsselvariablen deshalb durch eine Betrachtung der ungefähren Auswirkungen auf den NPV in zwei unterschiedlichen Szenarien. Im ersten Szenario wird davon ausgegangen, dass Einheitsverpackungen keine Auswirkungen auf die Raucherprävalenz unter Erwachsenen und Jugendlichen haben. Im zweiten Szenario werden die Auswirkungen von Einheitsverpackungen auf die Raucherprävalenz unter Erwachsenen und Jugendlichen durch den Faktor 3 (gegenüber dem Bezugsszenario) verstärkt. Beide Szenarien sind Annäherungen an die Enden des Spektrums der oben genannten Expertenschätzungen. 188. Bei dem Szenario, bei dem keinerlei Auswirkungen vorausgesetzt werden, gehen wir ganz klar davon aus, dass die geringen Auswirkungen von Einheitsverpackungen nicht zu weniger Erwachsenen, die das Rauchen aufgeben, oder weniger jugendlichen Rauchern führen. Bei dem Szenario, bei dem wir die Auswirkungen um den Faktor 3 verstärken, schätzen wir, dass ca. 550 000 Erwachsene durch Einheitsverpackungen mit dem Rauchen aufhören und rund 20 000 Kinder weniger zu Rauchern werden. Dem gegenüber steht unser Basismodell, bei dem wir davon ausgehen, dass 183 300 Erwachsene mehr durch Einheitsverpackungen mit dem Rauchen aufhören und 6 600 Kinder weniger zu Rauchern werden. 58 189. Bei dem Szenario ohne Auswirkungen würden Kosten und Nutzen beinahe 0 betragen. Übrig blieben allein der Markenwertverlust, die Steuereinbußen für die Staatskasse aufgrund von Downtrading und eventuelle Verluste für Verpackungshersteller durch ggf. überflüssig werdende Maschinen. Wir berücksichtigen auch die geschätzten Kosten, die durch den Wechsel von 2 % des Marktes für im Vereinigten Königreich versteuerte Waren zum Markt für grenzübergreifende Absätze entstehen (ca. 2 Mrd. GBP an Steuereinnahmen, wie oben angegeben). Als Nutzen blieben verkürzte Transaktionszeiten und Einsparungen bei den Herstellungskosten. Der Wert dieser verbleibenden Kosten und Nutzen würde in etwa den oben genannten Schätzungen entsprechen, sodass der NPV um ca. 2 Mrd. GBP sinken würde. 190. Wenn die Anzahl der Personen, die mit dem Rauchen aufhören oder nicht damit anfangen, sich (gegenüber unserer Bezugsanalyse) um den Faktor 3 erhöhen würde, dann würden alle größten Kosten und Nutzen wie beispielsweise der gesundheitliche Nutzen ebenfalls um den Faktor 3 steigen. Kosten und Nutzen, die nicht um den Faktor 3 steigen würden (jene, die im vorherigen Abschnitt besprochen wurden), liegen in einer anderen Größenordnung und haben somit bei einem solchen Szenario recht geringe Auswirkungen auf den NPV. In einer solchen Situation würde der NPV deshalb um den Faktor 3 auf ca. 74 Mrd. GBP steigen. Zieht man die Auswirkungen von nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Zigaretten in Höhe von 2 Mrd. GBP ab (wie im ersten Szenario), so beträgt der NPV geschätzte 72 Mrd. GBP. 191. Diese Sensitivitätsanalyse der Schlüsselvariablen wird an anderer Stelle in dieser Folgenabschätzung durch einige weniger zentrale Variablen ergänzt. In einem Szenario wird von einem Downtrading von 100 % ausgegangen; hierbei würde der geschätzte Basis-NPV um ca. 900 Mio. GBP sinken. In Bezug auf die Auswirkungen des grenzüberschreitenden Absatzes und des illegalen Handels wurde die Methode der kritischen Werte angewandt, die zeigt, dass sich auch diese Auswirkungen in Milliardenhöhe bewegen würden, vorausgesetzt dass ein erheblicher Teil des aktuellen Marktes auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren abwandern würde. Darüber hinaus legt ein vorläufiges Beispiel, das davon ausgeht, dass 2 % der zuvor im Vereinigten Königreich versteuerten Waren nicht mehr versteuert werden, Auswirkungen von ca. 2 Mrd. GBP für Zigaretten nahe (darauf wird in späteren Folgenabschätzungen näher eingegangen). Spezielle Prüfungen der Auswirkungen Abschätzung der Folgen für Klein- und Kleinstunternehmen 192. Diese Folgenabschätzung hat Auswirkungen auf Unternehmen in allen Abschnitten berücksichtigt. Der Abschnitt mit der Überschrift „Kategorisierung von Kosten und Nutzen“ gibt einen Überblick über diese potenziellen Auswirkungen. 193. In Bezug auf Klein- und Kleinstunternehmen geht die Folgenabschätzung auf die folgenden Auswirkungen ein: 194. Transaktionskosten im Einzelhandel Konsum von Tabakerzeugnissen Konsum anderer Waren und Dienstleistungen Verbesserte Produktivität am Arbeitsplatz Transaktionskosten im Einzelhandel werden weiter oben im Abschnitt „Senkung der Transaktionskosten im Einzelhandel“ näher besprochen. Einzelhändlern entstehende Kosten in Form eines erhöhten Zeitaufwands beim Bedienen der Kunden sind voraussichtlich zu vernachlässigen, da es sich hierbei um eine kurzfristige Auswirkung (eine Frage von Wochen) handelt. Danach ist davon auszugehen, dass Einzelhändler eine Verkürzung der Transaktionszeiten feststellen werden. Die Gesamteinsparungen für Einzelhändler und Kunden wurden auf 69 Mio. GBP, diskontiert über zehn Jahre, geschätzt, wobei mehr als 60 % dieser Einsparungen voraussichtlich auf den Einzelhandel entfallen. Der erwartete Nutzen für Klein- und Kleinstunternehmen macht einen Teil dieser Schätzung aus. Da diese Einsparungen voraussichtlich als direkte Folge der Einheitsverpackung auftreten werden, werden sie quantifiziert und sind für die Berechnung der Nettokosten für Unternehmen pro Jahr (EANCB) relevant. 59 195. Klein- und Kleinstunternehmen werden voraussichtlich Kosten in Form von sinkenden Gewinnen aus dem Tabakverkauf entstehen. Es ist zu erwarten, dass der geschätzte Rückgang der Raucherprävalenz zu einem Rückgang des Tabakkonsums insgesamt führen wird. Dies kann zweierlei Auswirkungen auf Klein- und Kleinstunternehmen haben: zum einen durch den Rückgang der Gesamtmenge des Absatzes von Zigaretten und Drehtabak und zum anderen durch das Downtrading von lukrativeren, teureren Marken zu weniger lukrativen, billigeren Marken. 196. Während Klein- und Kleinstunternehmen durch den Rückgang ihres Tabakumsatzes vermutlich verminderte Gewinne machen werden, wird davon ausgegangen, dass Kunden ihr Einkommen für andere Wirtschaftswaren und Dienstleistungen ausgeben werden. Da Klein- und Kleinstunternehmen ein Teil der Wirtschaft sind, werden rückläufige Tabakumsätze möglicherweise durch den Konsum anderer ihrer Waren ausgeglichen. 197. Die oben genannten Folgen für Klein- und Kleinstunternehmen in Bezug auf dem Umsatz an Tabakerzeugnissen und anderen Waren werden in dieser Folgenabschätzung teilweise quantifiziert. Diese Auswirkungen gelten als indirekte Folgen der Einheitsverpackung, da sie voraussetzen, dass Verbraucher ihr Verhalten und ihre Ausgabenstrukturen ändern. Sie fallen daher nicht unter die EANCBund OITO-Rechnungen. 198. Diese Folgenabschätzung verweist auf den Produktivitätszuwachs aufgrund des Rückgangs des Rauchens. Dieser wurde über die gesamte Lebenszeit der Erwachsenen, die das Rauchen aufgeben, auf ca. 820 Mio. GBP beziffert. Als Arbeitgeber werden Klein- und Kleinstunternehmen voraussichtlich an diesem Nutzen teilhaben. Da dieser Nutzen als indirekte Folge von Einheitsverpackungen klassifiziert werden kann, wird er in den EANCB-Rechnungen nicht berücksichtigt. 199. Im Unterabschnitt „Kleinere Einzelhändler“ haben wir versucht, die Auswirkungen von Einheitsverpackungen auf kleinere Einzelhändler mit anderen Herausforderungen, vor die Einzelhändler gestellt werden, in Zusammenhang zu setzen. Stellungnahmen zur ersten Konsultation weisen darauf hin, dass Tabakerzeugnisse ggf. bis zu 30 % des Umsatzes eines Gemischtwarenladens ausmachen, auch wenn die Gewinnspanne beim Verkauf von Tabakerzeugnissen relativ niedrig ist. Um sich in einem sich wandelnden Umfeld (Online-Shopping, Wirtschaftszyklen, große Supermärkte und demografischer Wandel) behaupten zu können, müssen kleinere Einzelhändler wie Zeitschriftenkioske schon heute ihre zukünftigen Unternehmensstrategien planen, eine Diversifizierung in Erwägung ziehen und darüber nachdenken, wie sie mit den Trends und Erschütterungen, von denen sie vermutlich betroffen sein werden, umgehen wollen. 200. Möglicherweise werden weitere Stellungnahmen zu Konsultationen Hinweise auf Maßnahmen liefen, die dabei helfen können, potenzielle Kosten für Klein- und Kleinstunternehmen zu mindern, und weitere Erkenntnisse bringen, die bei allen hier genannten Auswirkungen zu berücksichtigen sind. Abschätzung der Auswirkungen auf die Gleichstellung 201. Eine aktuelle Umfrage zeigte in Bezug auf die ethnische Herkunft oder das Bildungsniveau keinerlei Unterschiede bei der Bewertung der Anziehungskraft von Einheitsverpackungen und Markenverpackungen.97 Es wird davon ausgegangen, dass Einheitsverpackungen auf alle soziodemografischen Gruppen gleichermaßen ansprechend wirken. Wenn Markenverpackungen dazu beitragen, das Rauchen in den unteren sozioökonomischen Gruppen zu fördern, sollten Einheitsverpackungen sich positiv auf die Ungleichheit im Gesundheitsbereich in Bezug auf das Rauchen auswirken. 202. Zwar finden sowohl Frauen als auch Männer Einheitsverpackungen weniger ansprechend, aber Frauen haben eine besonders negative Einstellung zu Einheitsverpackungen von Tabakerzeugnissen. Gallopel-Morvan et al. (2011) stellten fest, dass Frauen Einheitsverpackungen von Tabakerzeugnissen 97 Bansal-Travers M, Hammond D, Smith P, Cummings KM (2011). The impact of cigarette pack design, descriptors and warning labels on risk perceptions. American Journal of Preventive Medicine, 40: 674-682 in Moodie C, Stead M, Bauld L, McNeill A, Angus K, Hinds K, Kwan I, Thomas J, Hastings G (2012). Plain tobacco packaging: a systematic review. Stirling: University of Stirling. 60 häufiger als „abstoßend“ bewerteten als Männer.98 Bansal-Travers et al. (2011) konnten jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Bewertungen durch Frauen und Männer feststellen (n=397). Abschätzung der Auswirkungen auf den Wettbewerb 203. Einheitsverpackungen von Tabakerzeugnissen werden den Wettbewerb durch eine eingeschränkte Produktdifferenzierung einschränken. Der Wettbewerb in Bezug auf Preise wird dadurch jedoch voraussichtlich gestärkt, was durch eine Verbesserung der Effizienz des Herstellungsprozesses durch Unternehmen möglicherweise zu Prozessinnovationen führt. Einheitsverpackungen von Tabakerzeugnissen können zu Produktinnovationen führen, wenn Zigarettenhersteller neue Wege finden, ihre Produkte zu differenzieren. Die Maßnahme könnte auch auf dem größeren Markt für Nikotinerzeugnisse, die von den Einheitsverpackungen betroffen sind, innovationsfördernd wirken, beispielsweise bei E-Zigaretten. Abschätzung der Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit 204. Es wird nicht davon ausgegangen, dass sich eine Umstellung auf Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse auf die Nachhaltigkeit von Tabakverpackungen auswirkt. Abschätzung der Auswirkungen auf die Umwelt 205. Es wird nicht davon ausgegangen, dass sich eine Umstellung auf Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse auf die Umwelteinwirkungen von Tabakverpackungen auswirkt. Sollte es Auswirkungen geben, sind diese vermutlich auf den Rückgang des Tabakkonsums, einen Rückgang der Anzahl von Tabakerzeugnissen und die damit verbundene niedrigere Anzahl an hergestellten und entsorgten Verpackungen zurückzuführen. 98 Gallopel-Morvan K, Moodie C, Hammond D, Eker F, Beguinot E, Martinet Y (2011). Consumer understanding of cigarette emission labelling. European Journal of Public Health,21: 373-375 in Moodie C, Stead M, Bauld L, McNeill A, Angus K, Hinds K, Kwan I, Thomas J, Hastings G (2012). Plain tobacco packaging: a systematic review. Stirling: University of Stirling. 61 Anhang A: Technische Informationen 206. Dieser Anhang beschreibt die Methode und die Datenquellen, mit denen folgende Schätzwerte zustande kamen: (a) Die abgezinste Anzahl gewonnener Lebensjahre für jeden Jugendlichen, der nicht mit dem Rauchen anfängt. (b) Die abgezinste Anzahl gewonnener Lebensjahre für einen zufällig ausgewählten Erwachsenen, der heute das Rauchen aufgibt. Diese Zahl ist niedriger, da eine gewisse Schädigung bereits durch das bisherige Rauchen entstanden sein kann. (c) Die abgezinste Summe an entgangenen Einnahmen aus Verbrauch- und MwSt. für jeden Jugendlichen, der nicht mit dem Rauchen anfängt, und für jeden Erwachsenen, der das Rauchen aufgibt. Schätzung und Monetisierung des gesundheitlichen Nutzens im Zusammenhang mit einer verringerten Anzahl von Kindern, die mit dem Rauchen anfangen, und einer erhöhten Ausstiegsquote unter Erwachsenen 207. Zur Umrechnung der vorstehenden Zahlen in einen monetären Wert wird ein Standardwert von 60 000 GBP pro Lebensjahr angewandt. Beide Schätzwerte berücksichtigen die Tatsache, dass viele Raucher im Laufe ihres Lebens das Rauchen aufgeben. Dadurch wird die voraussichtliche Anzahl verlorener Lebensjahre durch Aufnahme des Rauchens überhaupt gemindert und die erwartete Anzahl der Lebensjahre, die durch die Aufgabe des Rauchens heute gewonnen wird, verringert sich. 208. Das Gesundheitsministerium bewertet ein qualitätskorrigiertes Lebensjahr mit 60 000 GBP. Wenn Schätzungen für qualitätskorrigierte Lebensjahre nicht verfügbar sind und dies angemessen ist, wird dieser Wert für Lebensjahre verwendet. Dies stimmt mit ähnlichen Bewertungen von Maßnahmen zur Minderung der Mortalität oder Morbidität durch andere Ministerien überein, die auf Studien dazu beruhen, wie viel Geld Bürger im Durchschnitt bereit sind auszugeben, um ihr eigenes Mortalitätsrisiko zu mindern oder ihre eigenen Gesundheitsergebnisse zu verbessern 209. Die verwendeten Zahlen stammen aus folgenden Hauptquellen: (a) Die Ursprungsdaten des Opinions and Lifestyle Survey (OLS, 2012) dienen zur Identifizierung der Altersverteilung von Rauchern und des Verhältnisses zwischen dem Alter und dem Anteil von Rauchern, die das Rauchen aufgegeben haben. (b) Doll, Peto, Boreham und Sutherland (2004), „Mortality in relation to smoking: 50 years' observations on male British doctors“ (BMJ 2004;328;1519) berichten über die Auswirkungen des Rauchens auf die Mortalität, unterteilt nach dem Alter bei Aufgabe des Rauchens (sofern zutreffend). (c) Lebenserwartungstabellen des Office for National Statistics (ONS), Vereinigtes Königreich, 2010–2012, geben Aufschluss über Berechnungen zur Mortalität der Bevölkerung und werden verwendet, um die Ergebnisse der Ärztestudie in gewonnene Lebensjahre umzuwandeln. (d) Dem Integrated Household Survey (IHS 2012) werden die Raucherprävalenzen für Personen ab 18 Jahren entnommen. 210. Die in beiden Schätzungen gleichen Methoden sind nachstehend aufgeführt: Identifizierung eines Schätzwertes für den Anteil der Raucher, die das Rauchen aufgegeben haben, nach den einzelnen Lebensjahren. Wir verwenden Daten des OLS (2012), die Auskunft über die Anzahl der Personen nach Lebensjahren geben, die nie geraucht haben(Niemals Raucher), die zurzeit rauchen und die Ex-Raucher sind. Diese Querschnittsdaten verwenden wir, um für eine Kohorte von Jugendlichen, von denen einige zu Rauchern werden und andere nie mit dem Rauchen anfangen, eine Schätzung der Ausstiegsquote im Laufe der Zeit zu ermitteln. Wenn Raucher im Laufe der Zeit das Rauchen aufgeben, sinkt der Anteil der derzeitigen Raucher in der Gruppe der Personen, die überhaupt schon einmal geraucht haben (Raucher überhaupt). Dieser Anteil nimmt mit zunehmendem Alter recht stetig und konstant ab. Es wurde von einer linearen Beziehung zwischen dem Alter und dem Anteil der 62 derzeitigen Raucher an der Gruppe der Raucher überhaupt ausgegangen; die Ergebnisse besagen, dass 15 % der „Raucher überhaupt“ bereits mit 16 Jahren aufgehört haben und dass danach in jedem Lebensjahr bis zum Alter von 98 Jahren 1,1 % der Raucher das Rauchen aufgeben. Dies entspricht in etwa einer Ausstiegsquote von 2,5 % der derzeitigen Raucher pro Jahr. Diese Prozentzahl wird in der Fachliteratur als Basis-Ausstiegsquote verwendet. Wir können deshalb für jedes Lebensjahr einen Schätzwert für den Anteil der Raucher, die in diesem Alter das Rauchen aufgegeben haben, ermitteln. Das ist deshalb wichtig, weil die Mortalität von Ex-Rauchern stark von dem Alter abhängt, in dem sie das Rauchen aufgegeben haben. - Identifizierung von Mortalitätsdaten (nach Lebensjahr) für Nichtraucher und für vier Rauchergruppen (definiert nach dem Alter, in dem das Rauchen aufgegeben wird). Die Mortalitätsdaten stammen aus der Studie von Doll, Peto, Boreham und Sutherland (2004, Tabelle 5), in der die Anzahl der Todesfälle pro 1 000 Personen im Alter von 34-44, 45-54, 55-64, 65-74 und 75-84 Jahren aufgeführt sind. (Diese werden nachstehend als die fünf Altersgruppen bezeichnet.) Diese Daten werden in jeder Altersgruppe für die lebenslangen Nichtraucher dargestellt sowie für Raucher, die zwischen 35 und 44 Jahren das Rauchen aufgaben, Raucher, die zwischen 45 und 54 Jahren das Rauchen aufgaben, Raucher, die zwischen 55 und 64 Jahren das Rauchen aufgaben, Raucher, die über das 65. Lebensjahr hinaus weiterrauchen Diese Rauchergruppen werden in allen Berechnungen verwendet und als „Altersgruppen bei Aufgabe des Rauchens“ bezeichnet (neben einer Gruppe „Alter unter 35“). Die Daten werden in relative Risiken umgewandelt, indem die Anzahl der Todesfälle auf 1 000 Personen in jeder dieser vier Gruppen durch die äquivalente Anzahl von Todesfällen (d. h. die Anzahl der Todesfälle in der gleichen Altersgruppe) für die lebenslangen Nichtraucher dividiert wird. Danach werden anhand der nachstehenden Formeln die Mortalitätsraten in jedem Lebensjahr (von 0 bis 100) für Raucher bzw. Nichtraucher berechnet: o o o Mortalität von Rauchern im Alter x = M * ( r / ( pr + 1 - p ) ) Mortalität von Nichtrauchern im Alter x = M * ( 1 / ( pr + 1 - p ) ) Darin ist M die Mortalitätsschätzung aus den ONS-Lebenserwartungstabellen für das Alter x, r ist das relative Risiko im Alter x und p ist die Prävalenz (als Anteil angegeben) im Alter x. Die vorstehenden Formeln werden für jedes Lebensjahr, jedes Geschlecht und jede der vier Rauchergruppen berechnet, da die relativen Risiken je nach der Altersgruppe, in der das Rauchen aufgegeben wurde, unterschiedlich sind und die Mortalität der Bevölkerung sich nach Geschlecht unterscheidet. Identifizierung der Anzahl verlorener Lebensjahre (nach Lebensjahr) für jede Kombination aus Geschlecht und den vier Rauchergruppen. Für jede Kombination aus Altersgruppe bei Aufgabe des Rauchens und Geschlecht werden zwei Lebenserwartungstabellen nach der Methode von Chiang (1984) berechnet. Eine der beiden Lebenserwartungstabellen beginnt mit den Mortalitätszahlen für Raucher und die andere mit den Mortalitätszahlen für Nichtraucher (beide für jedes Lebensjahr und nach den vorstehenden Berechnungen). Jede Lebenserwartungstabelle modelliert eine Geburtskohorte von 100 000 Kindern; eine Spalte gibt speziell die Gesamtzahl der von der Kohorte gelebten Lebensjahre für jedes Lebensalter an. Für jedes Lebensalter wird die in dieser Spalte angegebene Differenz zwischen den beiden Lebenserwartungstabellen berechnet und durch 100 000 geteilt, um den Wert in die erwartete Anzahl verlorener Lebensjahre pro Kopf (für dieses Alter) umzurechnen. Die Summe dieser Werte in jedem Lebensalter (von 0 bis 100) ist gleich der Anzahl der verlorenen Lebensjahre für die besondere Kombination aus der Altersgruppe bei Aufgabe des Rauchens und dem Geschlecht. So ergibt sich aus dem Vergleich der Lebenserwartungstabellen für Männer und der Altersgruppe von 35 bis 44 Jahren bei Aufgabe des Rauchens eine Schätzung der Überlebenserfahrung im Verlauf der Lebenszeit von Männern, die in jungen Jahren mit dem Rauchen anfangen, im Alter zwischen 35 und 44 Jahren das Rauchen jedoch aufgeben, im Vergleich zu lebenslangen Nichtrauchern desselben Jahrgangs. Abzinsung der Anzahl der verlorenen Lebensjahre gemäß der Berechnung im vorigen Schritt. Da die verlorenen Lebensjahre in zukünftigen Lebensjahren der Kohorte eintreten, sind sie entsprechend abzuzinsen. Die verwendeten Abzinssätze sind die Sätze aus dem Grünbuch minus 2 %. 63 Mit den „minus 2 %“ wird die Tatsache berücksichtigt, dass der monetäre Wert pro Lebensjahr (der später angewandt wird) voraussichtlich im gleichen Maße wachsen wird wie das reale Wirtschaftswachstum. Die Zahl von 2 % hierfür ist den Annahmen für die soziale Zeitpräferenzrate entnommen, die den Abzinssätzen im Grünbuch zugrunde liegen. Für einen kurz- bis mittelfristigen Zeitraum werden Lebensjahre mit 1,5 % pro Jahr (3,5 % abzüglich 2 %) abgezinst; dieser Prozentsatz sinkt jedoch bei gewonnenen Lebensjahren, die mehr als 30 Jahre in der Zukunft auftreten. Die Summe der abgezinsten Anzahl verlorener Lebensjahre in jedem einzelnen Lebensalter ist gleich der abgezinsten Anzahl verlorener Lebensjahre für die besondere Kombination aus der Altersgruppe bei Aufgabe des Rauchens und dem Geschlecht. 211. Die Endergebnisse dieser Berechnungen sind in Tabelle A1 dargestellt. Die ermittelte Beziehung zwischen dem Alter und dem Anteil der Raucher überhaupt, die zurzeit rauchen, dient zur Berechnung der Anteile in der zweiten Spalte. Die dritte Spalte zeigt, dass die Nachteile durch das Rauchen in Form einer verkürzten Lebenserwartung umso größer sind, je länger eine Person geraucht hat. Für Raucher, die das Rauchen vor dem 35. Lebensjahr aufgeben, entspricht die Lebenserwartung der von lebenslangen Nichtrauchern (das relative Risiko beträgt 1), da die Studie von Doll et al. (2004) keine Ergebnisse für ein Alter von unter 35 Jahren bei Aufgabe des Rauchens angibt. Ebenso wenig gibt sie Ergebnisse für ein Alter von über 64 Jahren bei Aufgabe des Rauchens oder für ein chronologisches Alter von über 84 Jahren an; bei der letzten Altersgruppe geht man davon aus, dass die Mortalität jener von Personen entspricht, die weiterhin rauchen. Bei Personen mit einem chronologischen Alter ab 85 Jahren geht man davon aus, dass das Mortalitätsrisiko für Raucher ebenso hoch ist wie für Nichtraucher, d. h. das relative Risiko liegt bei 1. Tabelle A1: Altersverteilung bei Aufgabe des Rauchens und Änderung der gelebten Lebensjahre nach Altersgruppe Altersgruppe bei Aufgabe des Rauchens Unter 35 35 bis 44 45 bis 54 55 bis 64 65 oder älter Anteil der Raucher in dieser Gruppe 35,0 % 10,7 % 10,7 % 10,7 % 32,98 % Änderung der gelebten Lebensjahre (diskontiert), Männer 0,00 -0,78 -2,61 -3,33 -4,40 Änderung der gelebten Lebensjahre (diskontiert), Frauen 0,00 -0,64 -2,28 -2,96 -4,08 212. Der Nutzen (in abgezinsten Lebensjahren) für jeden Jugendlichen, der nicht mit dem Rauchen anfängt, wird wie folgt berechnet: (a) Für männliche Raucher unter 35 Jahren wird die Anzahl der durch die Aufgabe des Rauchens gewonnenen Lebensjahre in jeder zukünftigen Altersgruppe mit dem Anteil der Raucher, die das Rauchen in dieser Altersgruppe aufgeben, multipliziert. Die Summe dieser gewichteten gewonnenen Lebensjahre stellt unsere Schätzung der Anzahl der gewonnenen Lebensjahre für junge Männer dar. (b) Ein ähnlicher gewichteter Durchschnitt wird für junge Frauen berechnet. (c) Die sich daraus ergebenden Schätzungen für Männer und Frauen werden dann auf 65 % bzw. 61 % des für sie ermittelten Wertes heruntergerechnet. Damit wird berücksichtigt, dass der durchschnittliche Arzt aus der Ärztestudie 18 Zigaretten pro Tag rauchte, während die gegenwärtigen Durchschnittswerte für Männer und Frauen darunter liegen: bei 11,7 bzw. 10,9 Zigaretten pro Tag (OLS 2012). Derzeitige Raucher dürften daher weniger geschädigt werden. Die korrigierten Lebensjahre für alle Altersgruppen werden in Tabelle A2 angegeben. Tabelle A2: Änderung der gelebten Lebensjahre (korrigiert) nach Altersgruppe bei Aufgabe des Rauchens Altersgruppe bei Aufgabe des Rauchens Änderung der gelebten Lebensjahre (diskontiert), Männer Änderung der gelebten Lebensjahre (diskontiert), Frauen 64 Unter 35 35 bis 44 45 bis 54 55 bis 64 65 oder älter (d) 213. 0,00 -0,51 -1,69 -2,16 -2,86 0,00 -0,39 -1,38 -1,79 -2,47 Ein einfacher Mittelwert der korrigierten Schätzungen wird als Anzahl gewonnener Lebensjahre für junge Männer und Frauen zusammen genommen; dieser Mittelwert wird anschließend mit 60 000 GBP pro Lebensjahr monetisiert. Daher gilt: Nutzen für jedes Kind, das nicht mit dem Rauchen anfängt: (a) (b) (c) Männer: 1,41 Lebensjahre, d. h. 84 411 GBP Frauen: 1,19 Lebensjahre, d. h. 71 509 GBP Durchschnitt: 1,30 Lebensjahre, d. h. 77 960 GBP (1,30 * 60 000 GBP) 214. Der Nutzen (in abgezinsten Lebensjahren) für einen zufällig ausgewählten Erwachsenen, der das Rauchen aufgibt, wird wie folgt berechnet: (a) Die oben genannten Altersgruppen erwachsener Raucher werden auch hier wieder verwendet: Raucher im Alter von (i) unter 35, (ii) 35-44, (iii) 45-54, (iv) 55-64 und (v) über 65. Dann wird der Anteil der Raucher, die in den einzelnen Altersgruppen bei Aufgabe des Rauchens aufhören, berücksichtigt, angesichts der Tatsache, dass der Raucher bereits eine der vorgenannten Altersgruppen (i) bis (v) erreicht hat. Ein Beispiel: 10,7 % der Raucher hören in der Altersgruppe von 55-64 Jahren auf, während 32,9 % zu lebenslangen Rauchern werden. Für eine Person, die bereits der Altersgruppe von 55-64 Jahren angehört, muss gelten, dass (10,7 % / (10,7 % + 32,9 %) = 25 % der Altersgruppe von 55-64 Jahren aufhören, während die übrigen 75 % nach dem 65. Lebensjahr weiterrauchen. (b) Für jede Altersgruppe von Rauchern wird der Anteil der Raucher, die in den einzelnen Altersgruppen bei Aufgabe des Rauchens aufhören (wie vorstehend berechnet), mit dem Lebenserwartungsgewinn multipliziert, der mit jeder Altersgruppe bei Aufgabe des Rauchens verbunden ist. Für jede aktuelle Altersgruppe von Rauchern werden die gewonnenen Lebensjahre durch den (umgekehrten) Wert in der obigen Tabelle angegeben, wobei diese Werte um den Unterschied der Intensität des Rauchens zwischen Rauchern heute und jenen in der Ärztestudie korrigiert wurden. Mit zunehmender Nähe zu den höheren Altersgruppen gehen immer weniger Altersgruppen bei Aufgabe des Rauchens in die Berechnung ein (da Raucher z. B. das Rauchen nicht zwischen 35 und 44 Jahren aufgeben können, wenn sie bereits zwischen 45 und 54 Jahren alt sind). Bei dieser Berechnung ergibt sich die voraussichtliche Anzahl gewonnener Lebensjahre unter Berücksichtigung der Tatsache, dass der Raucher zu einem zukünftigen Zeitpunkt möglicherweise aufhört. Die ermittelten Werte für die höheren Altersgruppen sind deshalb höher, weil diese mit größerer Wahrscheinlichkeit lebenslange Raucher werden. (c) Für jede Altersgruppe zeigt Tabelle A2 die Anzahl der Lebensjahre an, die in jedem Falle (im Vergleich zu lebenslangen Nichtrauchern) verloren wären, wenn der Raucher in seinem derzeitigen Alter aufhören würde. Diese Zahl ist für die höheren Altersgruppen größer, weil bereits eine größere Schädigung entstanden ist. Für jede Altersgruppe werden diese Werte von den unter dem vorigen Spiegelstrich berechneten Zahlen subtrahiert. Daraus ergibt sich die Anzahl der Lebensjahre, die zurückgewonnen werden könnten, wenn der Raucher in seinem derzeitigen Alter aufhören würde. Die Endergebnisse für Männer sind in Tabelle A3 dargestellt. Tabelle A3: Anzahl der Lebensjahre, die durch Aufgabe des Rauchens zurückgewonnen werden könnten (Männer) Alter des Rauchers Altersgruppe bei Aufgabe des Rauchens Unter 35 35 bis 44 45 bis 54 55 bis 64 65 oder älter Unter 35 0,00 -0,05 -0,18 -0,23 -0,94 65 35 bis 44 45 bis 54 55 bis 64 Älter als 65 -0,08 -0,28 -0,36 -1,45 -0,33 -0,43 -1,73 -0,53 -2,16 -2,86 Erwartete Veränderung der Anzahl der gelebten Lebensjahre angesichts der Wahrscheinlichkeit einer zukünftigen Aufgabe des Rauchens Erwartete Veränderung, wenn der Raucher im derzeitigen Alter aufhört Gewonnene Lebensjahre, wenn der Raucher im derzeitigen Alter aufhört % der Raucher in der jeweiligen Altersgruppe (d) 215. -1,41 -2,17 -2,49 -2,69 -2,86 0,00 -0,51 -1,69 -2,16 -2,86 1,41 1,66 0,80 0,52 0,00 38,70 % 20,13 % 18,04 % 12,06 % 11,07 % Die OLS (2012)-Daten über die Altersverteilung von Rauchern dient zur Gewichtung der Anzahl der Lebensjahre, die in jeder Altersgruppe gewonnen werden könnten. Daraus ergibt sich eine endgültige Schätzung der Anzahl der Lebensjahre, die gewonnen werden könnten, wenn ein zufällig ausgewählter Raucher heute aufhören würde. Daher gilt: Nutzen für jeden Erwachsenen, der sich zur Aufgabe des Rauchens entschließt: (a) (b) (c) Männer: 1,09 Lebensjahre, d. h. 65 131 GBP Frauen: 0,95 Lebensjahre, d. h. 56 866 GBP Durchschnitt 1,02 Lebensjahre, d. h. 60 998 GBP (1,09 * 60 000 GBP) 216. Die folgenden Faktoren können die oben präsentierte zentrale Nutzenschätzung nach unten (Faktoren a-e) oder nach oben (Faktor f) beeinflussen. (a) Sie berücksichtigen nicht die verbesserte Lebensqualität, die sich durch die Aufgabe des Rauchens einstellt. Raucher, die mit dem Rauchen aufhören, können beispielsweise Erkrankungen vermeiden, die ihre Lebensqualität verringern und ihre Lebenserwartung verkürzen (wie etwa eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung). (b) Es wird davon ausgegangen, dass durch das Rauchen im Alter von über 84 Jahren keine Schädigung eintritt. Vermutlich besteht eine gewisse Schädigung (die den gemessenen Nutzen erhöhen würde, wenn sie mitgerechnet würde), aber es fehlen genaue Daten. In jedem Fall sind die Ergebnisse für diese Annahme nicht besonders sensitiv, da die Kohorte in diesem Alter relativ klein geworden ist. Selbst bei der Annahme, dass das relative Risiko für 84-Jährige auch für Personen im Alter von 84 und darüber gilt, erhöht sich der diskontierte Nutzen für ein 'Kind, das nicht mit dem Rauchen anfängt', nur um weniger als 5 %. (c) Es wird davon ausgegangen, dass durch das Rauchen im Alter von unter 35 Jahren keine Schädigung eintritt. Auch hier ergibt sich vermutlich ein Nutzen, wenn in diesem Alter nicht geraucht wird, aber es fehlen genaue Daten. (d) Es wird angenommen, dass sich durch das Aufgeben des Rauchens nach dem 65. Lebensjahr kein gesundheitlicher Nutzen ergibt. Hier wird ebenfalls vermutlich ein geringer Nutzen entstehen, aber es fehlen genaue Daten. (e) Bei den Schätzungen ist nicht berücksichtigt, dass die sich ergebende geringere Raucherprävalenz die Nachfrage nach Rauchentwöhnungswaren und -dienstleistungen senken würde. Die eingesparten wirtschaftlichen Ressourcen könnten für andere Zwecke verwendet werden. (f) In der Studie von Doll, Peto, Boreham und Sutherland (2004) werden keine ausdrücklichen Berichtigungen um Verzerrungsfaktoren vorgenommen (allerdings ist eine Kontrolle auf Schichtzugehörigkeit enthalten, da die verwendete Stichprobe nur aus Ärzten besteht). Ein Beispiel: Wenn Raucher außerdem tendenziell stärker trinken, könnten dadurch die Auswirkungen des Rauchens auf die Mortalität überhöht dargestellt werden. In einer ähnlichen Kohortenstudie (in den Niederlanden) werden jedoch Berichtigungen um eine lange Liste von Verzerrungsfaktoren vorgenommen, darunter sozioökonomischer Status, Alkoholkonsum und Body Mass Index. Die Verfasser kommen zu dem Schluss, dass eine Berichtigung um Verzerrungsfaktoren die geschätzte Anzahl der durch das Rauchen verlorenen (nicht abgezinsten) Lebensjahre um ein halbes Jahr herabsetzt. Angesichts der Tatsache, dass der geschätzte Verlust an Lebenserwartung bei Rauchern (einschließlich der Berichtigung um 66 potenzielle Verzerrungsfaktoren) nach wie vor sieben Jahre beträgt, ist dies eine recht geringe Auswirkung. Da die in diesem Anhang angegebenen Schätzungen diskontiert sind und die Möglichkeit einer zukünftigen Aufgabe des Rauchens einbeziehen, würde eine Herabsetzung durch Berücksichtigung von Verzerrungsfaktoren erheblich weniger als ein halbes Lebensjahr ausmachen. 217. Sonstige Beschränkungen der Schätzung: (a) Es wird angenommen, dass die Auswirkungen des Rauchens auf die Mortalität für Männer und Frauen gleichermaßen gelten. Die Studie von Doll, Peto, Boreham und Sutherland (2004) bezieht sich nur auf männliche Ärzte. (b) Es wird angenommen, dass die durchschnittliche Anzahl der im Laufe des Lebens pro Tag gerauchten Zigaretten im linearen Verhältnis zur Anzahl der verlorenen Lebensjahre steht. Das Verhältnis wird in der Praxis vermutlich nicht genau linear sein. Entgangene Steuereinnahmen 218. Unter Verwendung von Preisdaten, die uns von einem Zigarettenhersteller zur Verfügung gestellt wurden, erstellen wir eine Schätzung der spezifischen Steuern und Ad-valorem-Verbrauchsteuern, die in jedem Marktsegment auf eine Packung von 20 Zigaretten erhoben werden, auf Grundlage der Steuersätze des Jahres 2014. Es werden die Segmente Premiumpreisklasse, mittlere Preisklasse, Niedrigpreisklasse und Ultra-Niedrigpreisklasse festgelegt. Die Schätzungen sind in Tabelle A4 aufgeführt. Tabelle A4: Annahmen bezüglich Preisen und Steuern Prognoseinformationen für 2014 Premium Mittlere Niedrigpr preisklas Preisklas eisklasse se se Preis Ad-valoremVerbrauchsteuer n Spezifische Verbrauchsteuer n Verbrauchsteuer n insgesamt: 8,46 7,75 7,51 1,40 1,28 1,24 UltraNiedrigp reisklass e 6,97 1,15 3,68 3,68 3,68 3,68 5,08 4,96 4,92 4,83 219. Die voraussichtlich für ein Jahr zu zahlenden abgezinsten Steuereinnahmen werden für jedes Alter eines Rauchers mithilfe der Lebenserwartungstabelle für Raucher, der geschätzten Anzahl der zurzeit durchschnittlich pro Tag gerauchten Zigaretten, der in Tabelle A4 aufgeführten Steuerdaten und eines Abzinsungssatzes von 3,5 % geschätzt. Indem man diese Schätzungen für alle weiter oben in diesem Anhang definierten Altersgruppen summiert und mit der Wahrscheinlichkeit, dass Raucher in dieser Altersgruppe das Rauchen aufgeben, gewichtet, erhält man eine Schätzung der zu erwartenden Höhe der Steuern, die Raucher in den jeweiligen Altersgruppen zahlen. 220. Um den Steuerausfall zu schätzen, summiert man zunächst die im obigen Abschnitt berechneten zu erwartenden Einnahmen für jede Altersgruppe. Anschließend wird die Summe der Steuern abgezogen, die Raucher aufgrund ihres Alters bei Aufgabe des Rauchens bereits gezahlt hätten. Übrig bleibt der Betrag des zu erwartenden Steuerausfalls. Dieser erwartete Steuerausfall nach Altersgruppen wird abschließend mit dem Anteil der Raucher, die zurzeit den einzelnen Altersgruppen angehören (auf Basis der OLS 2012-Daten), gewichtet. 221. Diese Schätzung wird für jedes Marktsegment berechnet. Die Ergebnisse sind in Tabelle A5 aufgeführt. Durchschnittliche entgangene Einnahmen aus Verbrauchsteuern werden berechnet, indem man die entgangenen Einnahmen eines Marktsegments über die gesamte Lebensdauer mit dessen (von einem Zigarettenhersteller zur Verfügung gestellten) Marktanteil gewichtet. 67 Tabelle A5. Abgezinste entgangene Einnahmen aus Verbrauchsteuern über die gesamte Lebensdauer hinweg für jeden Erwachsenen, der mit dem Rauchen aufhört, und jedes Kind, das nicht mit dem Rauchen anfängt, für jedes Marktsegment. Abgezinste entgangene Einnahmen aus Verbrauchsteuern über die gesamte Lebensdauer hinweg für jeden Erwachsenen, der mit dem Rauchen aufhört, in GBP Abgezinste entgangene Einnahmen aus Verbrauchsteuern über die gesamte Lebensdauer hinweg für jedes Kind, das nicht mit dem Rauchen anfängt, in GBP Premiumpreisklasse Mittlere Preisklasse Niedrigpreisklasse UltraNiedrigpreisklasse + Sonstiges 4 227 4 130 4 097 4 022 Premiumpreisklasse Mittlere Preisklasse Niedrigpreisklasse UltraNiedrigpreisklasse + Sonstiges 11 680 11 411 11 320 11 114 222. Die Mehrwertsteuer wird am Ende hinzugefügt, indem die Differenz des erwarteten Mehrwertsteuerausfalls durch den Rückgang des Tabakkonsums und der Mehrwertsteuereinnahmen aus Ausgaben für andere Waren und Dienstleistungen geschätzt wird. Wir gehen von einem durchschnittlichen MwSt.-Satz der Wirtschaft von 13,2 % gegenüber einem Steuersatz von 20 % für Tabakwaren aus. Wir gehen insgesamt von entgangenen Einnahmen aus Verbrauch- und Mehrwertsteuer in Höhe von 12 200 GBP für jeden Jugendlichen, der nicht mit dem Rauchen anfängt, und 4 400 GBP für jeden Erwachsenen, der das Rauchen aufgibt, aus. Hierbei handelt es sich um abgezinste Werte für die gesamte Lebenszeit einer Person. 223. Bei diesen Annahmen wird vorausgesetzt, dass sich Steuerausfälle für jeden Erwachsenen, der das Rauchen aufgibt, und jedes Kind, das nicht mit dem Rauchen anfängt, über Zigarettensteuersätze darstellen lassen, und dass Raucher von Drehtabak (die eine nicht unerhebliche Minderheit auf dem Markt darstellen) ähnliche Steuerausfälle verursachen. Auf diese Annahme wird in späteren Versionen dieser Folgenabschätzung möglicherweise näher eingegangen. 68 Anhang B: Einholung subjektiver Beurteilungen der Auswirkungen von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse auf das Rauchen Allgemeines Ziel 224. Pechey et al. (2013)85 holten Beurteilungen von Fachleuten zu den wahrscheinlichen Auswirkungen der Einführung von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse auf (i) die Anzahl von Rauchern und/oder (ii) die Anzahl von Kindern, die das Rauchen ausprobieren, ein. Zentrale Forschungsfragen 225. Welche Auswirkungen der Einführung von Einheitsverpackungen halten Fachleute in den folgenden Bereichen für wahrscheinlich: (i) die Anzahl der Raucher und (ii) die Anzahl der Kinder, die das Rauchen ausprobieren? 226. Wie begründen Fachleute ihre Beurteilung? Hintergrund 227. Die australische Regierung hat ein Gesetz eingeführt, das den Verkauf aller Tabakerzeugnisse in Einheitsverpackungen vorschreibt, und die Regierung des Vereinigten Königreichs hat eine Konsultation zu einer eventuellen Einführung einer solchen Maßnahme durchgeführt. Eine der größten Schwierigkeiten bei der Bewertung einer solchen Maßnahme ist jedoch der Mangel an quantifizierbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den wahrscheinlichen Auswirkungen von Einheitsverpackungen, da Australien das erste Land ist, das diese Maßnahme eingeführt hat (und das erst im Dezember 2012). Eine Möglichkeit, mit diesen Beschränkungen umzugehen, besteht darin, von verschiedenen Fachleuten auf diesem Gebiet subjektive Beurteilungen zu den wahrscheinlichen Auswirkungen von Einheitsverpackungen einzuholen. 228. Das Einholen der Beurteilungen von Fachleuten ermöglicht es uns, eine Wahrscheinlichkeitsverteilung aufzustellen, die das Wissen aller Fachleute und Ungewissheiten bezüglich des Themas widerspiegelt. Nach dem Einholen der Beurteilungen können diese einzelnen Verteilungen zu einer Verteilung vereint werden, welche die Annahmen einer Gruppe von Fachleuten zusammenfasst. Dieses Verfahren muss mit Vorsicht behandelt werden, da die menschliche Beurteilung Verzerrungen unterliegen kann (z. B. Verfügbarkeit, Repräsentativität und/oder Verankerungsheuristik). Diesen kann man jedoch beim Einholen der Beurteilungen vorbeugen. Mit eingeholten Beurteilungen durch Fachleute wurde bereits in verschiedensten Bereichen gearbeitet, unter anderem bei der Quantifizierung des Vulkanausbruchsrisikos, dem Nutzen ambulanter Behandlungen bei schweren Depressionen und den Überlebenschancen nach Magenoperationen. Methode 229. In Übereinstimmung mit bewährten Methoden für dieses Verfahren wurden Fachleute ausgewählt und instruiert, sodass sie wussten, warum Beurteilungen eingeholt wurden, und das Verfahren der Erhebung verstanden. Beim Erhebungsverfahren wurden Zusammenfassungen der Verteilungen der Fachleute sowie eine entsprechende Wahrscheinlichkeitsverteilung für diese Werte eingeholt. Die einzelnen Schritte werden im Folgenden beschrieben. Auswahl und Rekrutierung 230. Die Fachleute wurden aus drei Gruppen international angesehener Experten zur Eindämmung des Tabakkonsums aus Australasien, dem Vereinigten Königreich bzw. Nordamerika ausgewählt. 15 Fachleute aus jeder Region wurden zur Teilnahme eingeladen. Von diesen nahmen 33 die Einladung an (14 aus dem Vereinigten Königreich, 12 aus Australasien und sieben aus Nordamerika). Diese Anzahl an Fachleuten wurde in früheren Studien als ausreichend befunden. Die Fachleute erfüllten die ersten vier von Hora und Von Winterfeldt (1997) aufgestellten Voraussetzungen für die Teilnahme 99, d. h.: (a) 99 Hora S C, Von Winterfeldt D (1997). Nuclear waste and future societies: a look into the deep future. Technological Forecasting and Social Change 56(2):155-170. 69 konkrete Nachweise ihres Sachverstands (belegt durch Publikationen), (b) Renommee (durch PeerNomination), (c) Verfügbarkeit und Bereitschaft zur Teilnahme und (d) Verständnis für das allgemeine Problemgebiet (dies war nicht allein eine Voraussetzung für die Teilnahme; die Teilnehmer erhielten auch Artikel zum Thema, um sicherzustellen, dass sie über ausreichende Kenntnisse verfügten). Die beiden letzten Voraussetzungen, die Hora und Von Winterfeldt vorschlagen (Unparteilichkeit und Abwesenheit wirtschaftlicher oder persönlicher Interessen in Bezug auf potenzielle Ergebnisse), wurden in diesem Bereich für nicht anwendbar befunden. Um Transparenz zu gewährleisten, wurde stattdessen eine Beschreibung des Arbeitgebers und des Fachwissens der Experten gegeben. 231. Die Fachleute aus den relevanten Ländern wurden anhand einer Liste der relevanten Publikationen (Sucht, Eindämmung des Tabakkonsums und Nikotinforschung), der Liste der Mitglieder der Society for Research on Nicotine and Tobacco und einer Konsultation wichtiger Experten in diesem Bereich ermittelt. Die potenziellen Teilnehmer wurden von einer dritten Person, die von einem Privatunternehmen angestellt war, angeschrieben und über die Ziele und Voraussetzungen der Studie informiert. Anschließend wurde in einem Telefongespräch eine Einverständniserklärung zu Teilnahme eingeholt. Verfahren E-Mail vor dem Gespräch 232. Nach der Rekrutierung verabrede die dritte Person einen Termin für ein Gespräch mit jedem Teilnehmer. Etwa eine Woche vor dem Gespräch erhielten die Teilnehmer den Forschungsüberblick von Moodie et al. (2012) zu den möglichen Auswirkungen von Einheitsverpackungen. Es wurde die Wichtigkeit betont, diese Informationen zu lesen und über die wahrscheinlichen Auswirkungen nachzudenken. Gespräch 233. Im Rahmen eines leitfadengesteuerten Interviews wurden subjektive Beurteilungen zu den Auswirkungen von Einheitsverpackungen auf die Raucherprävalenz und den Anteil von Kindern, die das Rauchen ausprobieren, erfragt. Die Gespräche wurden per Telefon geführt und aufgezeichnet. Der Forscher bat die befragten Fachleute, anzugeben, in welcher Region sie arbeiten (Vereinigtes Königreich, Australasien, Nordamerika), sodass diese Kategorisierung in der Aufnahme/dem Transkript enthalten war. Die Teilnehmer wurden gebeten, keine Angaben zu machen, anhand derer sie identifiziert werden könnten. Das Datum und die Uhrzeit der Datenerhebung wurden nicht festgehalten. Die Teilnehmer wurden gebeten, den erwarteten Wert sowie den niedrigsten und den höchsten wahrscheinlichen Wert zu schätzen. Mit diesen Maßstäben wurde bereits in ähnlichen Studien gearbeitet. Einholen von Beurteilungen 234. 1. 2. 3. Im Folgenden wird ein Überblick über die im Gespräch besprochenen Bereiche gegeben: Überprüfung, ob sich die Teilnehmer mit den zugeschickten Materialien auseinandergesetzt haben, und, falls nötig, kurzes Wiederholen der aktuellen verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wiederholung der Definition der genauen Größen, die erhoben werden sollen: beste Schätzung und höchster und niedrigster möglicher Prozentwert an (a) Rauchern und (b) Kindern, die das Rauchen ausprobieren, zwei Jahre nach Einführung von Einheitsverpackungen im Land des Wohnsitzes (oder Kanada für US-amerikanische Fachleute / Australien für neuseeländische Fachleute). a. Betonung, dass es sich um einen Vergleich mit einem Untätigkeitsszenario handelt, wobei alle anderen Variablen gleich bleiben: i. andere Steuerungsmittel für den Verkauf von Tabakerzeugnissen wären weiterhin gültig; ii. der Preis bliebe stabil. Die Reihenfolge der Befragung (Reihenfolge der Fragen zu allen Rauchern und Kindern und die Frage nach höchsten oder niedrigsten möglichen Ergebnissen) wird reguliert durch: a. ein neutrales Skript, das als Erstes nach der Möglichkeit positiver, gar keiner oder negativer Auswirkungen fragt. 70 b. Für alle Raucher und Kinder, die das Rauchen ausprobieren: i. Fragen nach der besten Schätzung; ii. Fragen nach der höchsten und niedrigsten Schätzung für die Prävalenz, sodass der Experte extrem überrascht wäre, wenn der tatsächliche Wert außerhalb dieses Bereichs läge: „extrem“ wird definiert als eine Abweichung von 1 %. iii. Stellen ergänzender Fragen, um diesen Bereich näher zu erkunden. iv. Bestätigung, dass der Experte mit dem Endergebnis zufrieden ist. v. Fragen nach der Begründung für die Schätzung. Analyse 235. Die eingeholten Beurteilungen wurden linear zusammengefasst, um den/die wahrscheinlichsten Wert(e) und Bereich(e) der Auswirkungen von Einheitsverpackungen für jedes Ergebnis zu schätzen. Die Auswirkungen, die in Form von prozentualen Veränderungen gemessen wurden, wurden im Verhältnis zur Anzahl der Fachleute dargestellt, die eine solche Veränderung für möglich hielten. Es wurden mithilfe von Forest Plots Vergleiche zwischen den von verschiedenen Gruppen von Fachleuten abgegebenen Beurteilungen angestellt, um Within-Person-Ungewissheit und Between-SubjectVarianzen voneinander zu unterscheiden und eventuelle Unterschiede zwischen den Regionen der Fachleute hervorzuheben. Der Übereinstimmungsgrad wurde mithilfe von Standardmethoden zur Bewertung von Heterogenität beurteilt die in der Meta-Analyse verwendet werden, z. B. I2 Statistik. 236. Es wurde eine Inhaltsanalyse zu den angegebenen Gründen für die Schätzungen durchgeführt. Die Antworten der verschiedenen Gruppen von Fachleuten wurden verglichen, um eventuelle systematische Unterschiede festzustellen. Ergebnisse 237. Der geschätzte Gesamtmedianwert für die Gesamtveränderung der Raucherprävalenz unter Erwachsenen zwei Jahre nach Einführung der Einheitsverpackung betrug -1 % (die Expertenschätzungen reichten von -3 % bis 0 %). Die Medianwerte für die geschätzten niedrigsten und höchsten Werte betrugen -2,25 % und 0 %. Der geschätzte Gesamtmedianwert für die Gesamtveränderung der Raucherprävalenz unter Kindern, die das Rauchen ausprobieren, zwei Jahre nach Einführung der Einheitsverpackung lag bei -3 % (die Expertenschätzungen reichten von -7,1 % bis -0,4 %). Die Medianwerte für die geschätzten niedrigsten und höchsten Werte betrugen -6,1 % und 0 %. Keiner der befragten Fachleute gab einen positiven Schätzwert für die Auswirkungen von Einheitsverpackungen (also eine Zunahme des Rauchens) an. 26 der 31 Fachleute gaben einen wesentlich höheren Schätzwert für die Auswirkungen auf Kinder an als auf Erwachsene. Als Gründe für die größeren Auswirkungen auf Kinder wurde angegeben, dass Jugendliche stärker durch weniger ansprechende Verpackungen, weniger Markenidentifikation und Veränderungen der sozialen Normen in Bezug auf das Rauchen beeinflusst werden. Keiner der Fachleute ging davon aus, dass das wahrscheinlichste Ergebnis eine Zunahme der Raucherquote unter Erwachsenen oder Kindern wäre. Es herrschte somit ein breiter Konsens darüber, dass Einheitsverpackungen den Tabakkonsum senken würden, wenn alle anderen Faktoren stabil blieben. 71 Anhang C: Konsultationsfragen In der Konsultationsphase „Folgenabschätzung“ wurde das DokumentConsultation on standardised packaging of tobacco products(Konsultation zu Einheitsverpackungen von Tabakerzeugnissen) veröffentlicht. Um die Konsultationsphase „Folgenabschätzung“ weiterzuentwickeln, wurden weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer Reihe von Fragen eingeholt, die sich speziell auf die in der Folgenabschätzung genannten wissenschaftlichen Erkenntnisse bezogen. 238. Konsultationsfragen i. Welche Option bevorzugen Sie? Keine Veränderung der Verpackungen von Tabakerzeugnissen (d. h. Beibehaltung des Status quo der Verpackungen von Tabakerzeugnissen) Vorschreiben von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse Eine andere Option für Verpackungen von Tabakerzeugnissen zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit ii. Würden Sie, falls Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse eingeführt würden, dem auf Seite [5-6] beschriebenen Ansatz zustimmen? iii. Glauben Sie, dass Einheitsverpackungen von Tabakerzeugnissen über die bestehenden Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums hinaus zur Verbesserung der öffentlichen Gesundheit beitragen würden, indem sie eine oder mehrere der folgenden Wirkungen erzielen: Jugendliche davon abhalten, mit dem Rauchen anzufangen? Menschen dazu ermutigt werden, das Rauchen aufzugeben? Menschen, die das Rauchen aufgegeben haben oder dies versuchen, davon abhalten, wieder damit anzufangen? und/oder Menschen weniger Passivrauchen ausgesetzt werden? iv. Glauben Sie, dass Einheitsverpackungen von Tabakerzeugnissen das Potenzial haben: Tabakerzeugnisse für Verbraucher weniger attraktiv zu machen? Die Wirksamkeit von Gesundheitswarnungen auf den Verkaufsverpackungen der Tabakerzeugnisse zu erhöhen? Die Möglichkeit der Irreführung über die gesundheitsschädlichen Folgen des Rauchens durch die Verpackung von Tabakerzeugnissen zu reduzieren? Die Einstellungen, Überzeugungen, Absichten und Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen in Bezug auf Tabakerzeugnisse zu beeinflussen? v. Glauben Sie, dass die Vorgabe von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse Auswirkungen auf den Handel oder den Wettbewerb hätte? vi. Glauben Sie, dass die Vorgabe von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse rechtliche Auswirkungen hätte? vii. Glauben Sie, dass die Vorgabe von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse Kosten oder Nutzen für Hersteller, darunter die Hersteller von Tabak und von Verpackungen, bringen würde? 72 viii. Glauben Sie, dass die Vorgabe von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse Kosten oder Nutzen für Einzelhändler, bringen würde? ix. Glauben Sie, dass durch die Vorgabe von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse das Angebot von, oder die Nachfrage nach, illegalem Tabak / nicht im Vereinigten Königreich versteuertem Tabak im Vereinigten Königreich steigen würde? x. Aus dem Ausland einreisende Personen, dürfen den britischen Zollbestimmungen zufolge in anderen Ländern erworbenen Tabak für den Eigengebrauch in das Vereinigte Königreich einführen. Dies wird als „grenzüberschreitender Einkauf“ bezeichnet. Glauben Sie, dass die Vorgabe von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Einkauf hätte? xi. Glauben Sie, dass die Vorgabe von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse andere unbeabsichtigte Auswirkungen hätte? xii. Glauben Sie, dass die Vorgabe von Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse nur für Zigaretten gelten sollte, oder auch für Drehtabak? xiii. Glauben Sie, dass die Vorgabe von Einheitsverpackungen dazu beitragen würde, Ungleichheiten im Gesundheitsbereich zu mindern und/oder dem Gesundheitsministerium und dezentralen Verwaltungen dabei helfen würden, ihren Pflichten gemäß dem Gleichstellungsgesetz von 2010 nachzukommen? xiv. Tragen Sie bitte Ihre Bemerkungen zur Folgenabschätzung der Konsultationsphase ein. Bitte beachten Sie auch die spezifischen Fragen zur Folgenabschätzung in Anhang B dieser Konsultationsunterlagen und geben Sie wenn möglich weitere Informationen und Belege zur Beantwortung dieser Fragen an. xv. Bitte geben Sie ggf. weitere Kommentare zu Verpackungen von Tabakerzeugnissen an, die Sie uns mitteilen möchten. Wir nehmen auch gerne weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zu Verpackungen von Tabakerzeugnissen entgegen, die Sie für hilfreich halten. Spezifische Fragen zur Folgenabschätzung (nach Anhang B der Konsultationsunterlagen) Um wahrscheinliche Kosten und Nutzen der Einführung von Einheitsverpackungen besser zu verstehen und um die Folgenabschätzung der Konsultationsphase weiterzuentwickeln, wurden weitere wissenschaftliche Erkenntnisse zu den folgenden Fragen eingeholt. i. Welche Kosten würden Tabak- und Verpackungsherstellern durch eine Umgestaltung von Verpackungen und ein Umrüsten beim Druckverfahren entstehen, wenn Einheitsverpackungen eingeführt würden? ii. Würden die Kosten für die Herstellung von Zigarettenpackungen im Vergleich zu den aktuellen Kosten für die Herstellung von Verpackungen sinken, wenn Einheitsverpackungen eingeführt würden? iii. Wie oft ändern Zigarettenhersteller das Design von Verpackungen von Tabakerzeugnissen für Marken auf dem britischen Markt, und wie hoch sind die damit verbundenen Kosten? iv. Wie viele verschiedene Formen von Zigarettenpackungen gibt es derzeit auf dem britischen Markt? v. Würden die Bedienungszeiten im Einzelhandel beeinflusst, und wenn ja, warum und in welchem Umfang, wenn Einheitsverpackungen eingeführt würden? vi. Wie könnten Einheitsverpackungen gestaltet werden, um die Kosten für Einzelhändler zu minimieren? vii. Hätten Einzelhändler weitere Kosten zu tragen, wenn Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse eingeführt würden? 73 viii. Wie hoch ist der Durchschnittspreis für eine Packung Zigaretten in den folgenden Segmenten? ix. Premium-Zigarettenmarken Zigarettenmarken der mittleren Preisklasse Zigarettenmarken der Niedrigpreisklasse Zigarettenmarken der Ultra-Niedrigpreisklasse Wie groß ist der jeweilige prozentuale Anteil der folgenden Segmente am Gesamtumsatz von Zigaretten im Vereinigten Königreich? x. Premium-Zigarettenmarken Zigarettenmarken der mittleren Preisklasse Zigarettenmarken der Niedrigpreisklasse Zigarettenmarken der Ultra-Niedrigpreisklasse Wie verteilt sich der Gesamtpreis für eine Packung Zigaretten in den folgenden Segmenten auf Herstellungskosten, Vertriebskosten, Steuern, andere Kosten, Gewinne für Einzelhändler und Gewinne für Tabakhersteller? Premium-Zigarettenmarken Zigarettenmarken der mittleren Preisklasse Zigarettenmarken der Niedrigpreisklasse Zigarettenmarken der Ultra-Niedrigpreisklasse xi. Gäbe es Auswirkungen auf das Downtrading von teureren zu preiswerteren Tabakerzeugnissen, wenn Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse eingeführt würden? xii. Wie groß ist der prozentuale Anteil an Zigaretten auf dem gesamten britischen Zigarettenmarkt, die in Kartons anstatt von Einzelpackungen verkauft werden? 74 Anhang D: Tendenzen auf dem Tabakmarkt 239. Durch die Folgenabschätzungen für andere Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums liegen uns Schätzungen zum gesundheitlichen Nutzen und den Auswirkungen auf Tabaksteuern für jeden Ex-Raucher / Jugendlichen, der nicht mit dem Rauchen anfängt, vor. Im konkreten Fall von Einheitsverpackungen gehen wir von eher unterschwelligen Auswirkungen aus, die weniger mit dem Gesamtkonsum von Tabakerzeugnissen in Verbindung stehen als vielmehr mit eventuellen Verschiebungen innerhalb des Marktes. Wir gehen davon aus, dass sich die Auswirkungen von Einheitsverpackungen von Tabakerzeugnissen über einen längeren Zeitraum bemerkbar machen. Um die möglichen Auswirkungen von Einheitsverpackungen zu verstehen, bietet es sich an, einen Blick auf die Tendenzen zu werfen, die in der jüngsten Vergangenheit auf dem Markt zu beobachten waren. Auf ihrer Grundlage können Kosten und Nutzen durch Downtrading-Effekte aufgrund von Einheitsverpackungen betrachtet werden. 240. Der Zigarettenmarkt wird üblicherweise in verschiedene Preissegmente unterteilt. Da verschiedene Hersteller unterschiedliche Produktsortimente anbieten, unterscheiden sich die Preise auch je nach Hersteller. In dieser Folgenabschätzung verwenden wir die von einem Tabakhersteller nach der Konsultation zur Verfügung gestellten Informationen, um die Marktsegmente und die Preise dieser Segmente (angepasst an die Erzeugerpreisinflation und die Steuersätze für 2014/2015) angemessen darstellen zu können 241. Die Forschung von Tavakoly et al. (2012)100 zeigt, dass einer der signifikanten Tendenzen auf dem Zigarettenmarkt im letzten Jahrzehnt ein sinkender Marktanteil teurer Premiumzigarettenmarken und ein steigender Marktanteil von Marken der Niedrig- und Ultra-Niedrigpreisklasse war. Abbildung D1 zeigt die geschätzten Marktanteile von vier Marktsegmenten (Premium, mittlere Preisklasse, Niedrig- und UltraNiedrigpreisklasse) auf Grundlage einer Analyse der Daten des General Household Survey (GHS) und der Daten von Nielsen seit 2006 (die gestrichelte Linie). 242. Während die Anteile von Premiumzigarettenmarken und von Marken der mittleren Preisklasse gesunken sind, sind die Anteile von Zigaretten der Niedrig- und Ultra-Niedrigpreisklasse gestiegen. Die Kategorie der Ultra-Niedrigpreisklasse entstand etwa im Jahr 2006, als die großen Tabakfirmen damit begannen, preiswertere bestehende Marken aufzukaufen und neue Marken einzuführen. Sie hat sich inzwischen fest auf dem Markt etabliert. 100 Tavakoly B, Taylor G, Reed H, Gilmore A (2012). Section 2. A report on tobacco industry pricing, product substitution and downtrading in the British tobacco market: implications for tobacco control and tobacco tax policies. In PPACTE Consortium. PPACTE Work Package 5: Deliverable 5.1. Industry and market response: synthesis report. Bath: University of Bath. 75 Figure Dl: Market shares (%) - cigarettes Economy (GHS) Premium (GHS) Mid-price (GHS) ULP (GHS) Economy (Nielsen) Premium (Nielsen) ULP (Nielsen) Mid-price (Nielsen) Others (GHS) Source: Tavakoly et al. (2012) 243. Abbildung DI: Marktanteile (%) - Zigaretten Niedrigpreisklasse (GHS) Premium (GHS) Mittlere Preisklasse (GHS) Ultra-Niedrigpreisklasse (GHS) Niedrigpreisklasse (Nielsen) Premium (Nielsen) Ultra-Niedrigpreisklasse (Nielsen) Mittlere Preisklasse (Nielsen) Sonstige (GHS) Quelle: Tavakoly et al. (2012) Wir betrachten die vergangenen Tendenzen beim Marktanteilverlust von Marken der Premium- und mittleren Preisklasse gemeinsam und das entsprechende Wachstum des Marktanteils von Marken der Niedrig- und Ultra-Niedrigpreisklasse gemeinsam. Der Anteil der erstgenannten Preisklassen sank zwischen 2001 und 2009 von 50,1 % auf 29,3 %. Die Quote des Rückgangs dieses Marktanteils wird als Tendenzquote des Downtradings verwendet (Abbildung D1) und auf die vom Tabakhersteller zur Verfügung gestellte Marktsegmentierung angewandt. Auch wenn die Marktsegmente des Herstellers nicht genau denen von Tavakoly entsprechen, stimmen sie größtenteils doch miteinander überein. Der Downtrading-Wert von 6,5 % schwankt jedes Jahr zwischen 1 % und 10 % und stellt deshalb eine grobe evidenzbasierte Annahme dar, die sich auf ein anderes (aber ähnliches) Marktsegment anwenden lässt. Die mit diesem Wert verbundene Ungewissheit wird berücksichtigt, indem in der Folgenabschätzung ein Szenario eines 100-prozentigen Wechsels zu billigeren Preissegmenten durchgespielt wird. Tabelle D1: Rückgang der Premiummarken (Vereinigtes Königreich) Jahr Anteil der DowntradingPremiumQuote pro Jahr /mittleren Preisklasse 2001 50,1 % 2009 29,3 % 6,5 % Quellen: Informationszentrum, Tavakoly et al. (2012); Berechnungen des Gesundheitsministeriums. 244. Die Auswirkungen von Einheitsverpackungen werden im Vergleich zu einer Bezugsbasis gemessen, bei der sich die Tendenz zum Wechsel von Packungen der Premium- und mittleren 76 Preisklasse zur Niedrig- oder Ultra-Niedrigpreisklasse fortsetzt und die Gesamtzahl der gerauchten Packungen ab 2012 durch die Auswirkungen des Auslageverbots und ab 2016 durch die EU-Richtlinie für Tabakerzeugnisse sinkt. Unsere zentrale Schätzung für das Downtrading durch Einheitsverpackungen ist eine Verdoppelung der bestehenden Tendenz zum Downtrading. Wir gehen im Bezugsszenario also davon aus, dass sich die Tendenz zum Downtrading fortsetzt und sich durch Einheitsverpackungen verdoppelt. Dies entspricht einem Rückgang um ca. 39 Mio. Verpackungen der Premium- und mittleren Preisklasse im ersten Jahr nach der Einführung von Einheitsverpackungen im Vergleich zur bestehenden Tendenz. Wir haben die Auswirkungen einer 100-prozentigen Zunahme des Wechseltrends von Premium- zu Niedrigpreismarken in der Sensitivitätsanalyse untersucht. Angebot und Nachfrage 245. Die beobachteten Tendenzen auf dem Zigarettenmarkt sind das Ergebnis des Zusammenspiels der Kräfte von Angebot und Nachfrage auf dem Tabakmarkt. Sofern Einheitsverpackungen sich auf dieses Zusammenspiel auswirken, könnte man argumentieren, dass sie zu sinkenden Preisen und einem steigenden Konsum führen werden.101 Wir warnen davor, einen einfachen Zusammenhang zwischen fallenden Preisen und einem steigenden Konsum durch Einheitsverpackungen herzustellen102. Eine unabhängige umfassende Beurteilung von Einheitsverpackungen zeichnet ein sehr viel komplexeres Bild der Kräftespiele des Marktes. Europe Economics hat darauf hingedeutet, dass Preise kurz- und mittelfristig möglicherweise fallen, da Preisdifferenzen für Premiumprodukte nicht aufrechterhalten werden können, die Preise langfristig jedoch eventuell steigen könnten, u. a. aufgrund eines verringerten Wettbewerbs. Die Auffassung, dass die Preise fallen werden, berücksichtigt nicht, wie sich Tabaksteuern in Zukunft verändern könnten. 246. Möglicherweise wird man feststellen, dass die beobachtete Tendenz zum Downtrading zu preiswerteren Zigaretten und Drehtabak zu einem niedrigeren Durchschnittspreis geführt hat, als dies ohne Downtrading der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig hat parallel zum Downtrading die Raucherprävalenz stetig abgenommen. Wenn man den Markt aus diesem Blickwinkel betrachtet, hat eine Veränderung bei der Nachfrage zu Preisveränderungen geführt und nicht andersherum. Einheitsverpackungen haben jedoch Auswirkungen auf Angebotsfaktoren (z. B. niedrigere Herstellungskosten, eine mögliche Zunahme des Angebots an illegalen Erzeugnissen), welche die Preise für einzelne Marken senken und zu einem gestiegenen Verbrauch führen könnten. Wenn es Faktoren gibt, welche die Wirksamkeit von Einheitsverpackungen als Maßnahme zur Eindämmung des Tabakkonsums bedrohen, werden diese als Risiken behandelt. Eine Anpassung der Tabaksteuer käme als Maßnahme in Betracht, um eventuell zu beobachtenden sinkenden Preisen gegenzusteuern und dafür zu sorgen, dass Tabakerzeugnisse (zumindest) nicht bezahlbarer werden, als sie es momentan sind. Wettbewerb und Innovation 247. Es wurde argumentiert, Einheitsverpackungen für Tabakerzeugnisse würden eine weitere Einschränkung für Tabakunternehmen darstellen, durch Produktdifferenzierung miteinander zu konkurrieren, da die Treue von Verbrauchern zu Markenzigaretten, die nicht mehr als solche zu erkennen sind, unterwandert wird. Die Stellungnahme der Gemeinsamen Technologieinitiative zur Konsultation argumentiert auf Grundlage einer in Auftrag gegebenen Analyse, dass Einheitsverpackungen höhere Hürden für den Markteintritt neuer Marken darstellen würden. Erstens ist zu anzumerken, dass der Zigarettenmarkt im Vereinigten Königreich sehr konzentriert ist103 und dies ungeachtet der regulatorischen Rahmenbedingungen wohl auch bleiben wird. In der Zigarettenherstellung ist der Markteintritt kleiner Hersteller eher selten. Zweitens können Marken selbst eine wichtige Hürde für den Einstieg in den Zigarettenmarkt (und andere Märkte) darstellen. Drittens würden Einheitsverpackungen nicht verhindern, dass den Verbrauchern Produkteigenschaften kommuniziert werden. Es würde die Kommunikation durch das Erscheinen des Markennamens auf der Preisliste (auf der sich ggf. auch Hinweise auf den Geschmack und die Herkunft finden lassen) nicht einschränken. Einheitsverpackungen könnten zu schnelleren nicht packungsbezogenen Produktinnovationen führen (indem andere Wege gefunden werden, ein Produkt von seinen 101 Padilla J (2010). The impact of plain packaging of cigarettes in Australia: a simulation exercise. Brüssel: LECG Consulting Belgium. 102 Reed H (2011). Analysis and review of J. Padilla “The impact of plain packaging of cigarettes in the UK: a simulation exercise”. Colchester: Landman Economics. 77 Konkurrenten abzusetzen) wie auch zu Prozessinnovationen (durch Effizienzsteigerungen des Herstellungsprozesses), wenn ein härterer Preiswettbewerb Gewinne gefährdet. Viertens könnten negative Auswirkungen eines verringerten Markenwettbewerbs für den Verbraucher durch einen stärkeren Preiswettbewerb kompensiert werden, der sich nach Einschätzung der Gemeinsamen Technologieinitiative verschärfen würde (wobei hier jedoch auf die oben angesprochenen Komplexitäten der Preisbildung verwiesen werden soll). 248. Die Reaktionen der Tabakhersteller auf die Einführung von Einheitsverpackungen könnten einige der hier aufgeführten negativen Auswirkungen kompensieren (und möglicherweise auch den gesundheitlichen Nutzen einschränken, wenn die Branche neue Raucher anzieht oder bestehende Raucher an sich bindet. So könnten Produkt- und Prozessinnovationen es Unternehmen beispielsweise ermöglichen, einen Teil des Markenwertes, der durch Einheitsverpackungen verloren gegangen ist, zurückzugewinnen. In welchem Maße Unternehmen ihre Produkte differenzieren können, wird von den in der Gesetzgebung festgelegten Bedingungen abhängen, falls eine Entscheidung zugunsten der Einführung von Einheitsverpackungen getroffen wird. Es ist nicht Aufgabe des Gesundheitsministeriums, sich vorzustellen, was Tabakfirmen als Reaktion auf Einheitsverpackungen unternehmen könnten. Die Branche hat jedoch einen Ruf dafür, alternative Wege für die Vermarktung und Werbung ihrer Produkte zu finden, da ihnen Werbekanäle per Gesetz verschlossen sind. 103 Gilmore A B, Branston J R, Sweanor D (2010). The case for OFSMOKE: how tobacco price regulation is needed to protect the health of markets, government revenue and the public. Tobacco Control 19:423-430. 78 Anhang E: Richtlinie für Tabakerzeugnisse 249. Die überarbeitete Richtlinie für Tabakerzeugnisse, welche die Herstellung, die Aufmachung und den Verkauf von Tabakerzeugnissen und verwandten Erzeugnissen regelt, wurde offiziell am 14. März 2014 vom Europäischen Rat verabschiedet, nachdem sie zuvor am 26. Februar 2014 vom Europäischen Parlament genehmigt worden war. Anforderungen 250. Die Anforderungen der Tabakrichtlinie umfassen bildliche und textliche gesundheitsrelevante Warnhinweise an der Oberkante der Verpackung, die 65 % der Vorder- und Rückseite von Zigarettenpackungen bedecken müssen. 50 % der Verpackungsseiten müssen ebenfalls mit Warnhinweisen bedeckt sein (z. B. „Rauchen tötet“, „Tabakrauch enthält mehr als 70 krebserregende Substanzen)“, welche die aktuellen Angaben des Teer-, Nikotin- und Kohlenmonoxidgehalts ersetzen. 251. Es gibt Mindestgrößen für die Warnhinweise; kleine Zigarettenpackungen im „Lippenstiftformat“, die sich oft an junge Frauen richten, sind nicht mehr zulässig. 252. Um die Sichtbarkeit der Warnhinweise zu gewährleisten, müssen Zigarettenpackungen quaderförmig sein und mindestens 20 Zigaretten enthalten. 253. Es sind keine verkaufsfördernden oder irreführenden Elemente auf den Verpackungen erlaubt. Dazu gehören beispielsweise Hinweise auf Vorteile für den Lebensstil, Geschmacksrichtungen oder Aromen bzw. ihr Nichtvorhandensein (z. B. „ohne Zusatzstoffe“), Sonderangebote oder Andeutungen, ein bestimmtes Produkt sei weniger schädlich als ein anderes. 254. Ähnliche Regelungen werden für Verpackungen von Drehtabak gelten. Auch diese müssen zu 65 % mit einer Kombination aus bildlichen und textlichen Warnhinweisen auf der Vorder- und Rückseite sowie den zusätzlichen textlichen Warnhinweisen bedeckt sein. Drehtabakprodukte können quaderförmig bzw. rollenförmig sein oder aber in Form von Beuteln verkauft werden, wobei jede Packung mindestens 30 g Tabak enthalten muss. 255. Aromen dürfen in Zigaretten und Drehtabak nicht in solchen Mengen verwendet werden, dass sie dem Produkt einen erkennbaren („charakteristischen“) Geschmack verleihen, der kein Tabakgeschmack ist. Die Richtlinie verbietet Zigaretten und Drehtabak mit solchen charakteristischen Aromen. Die Mitgliedstaaten und die Kommission können einen unabhängigen europäischen beratenden Ausschuss konsultieren, bevor sie in dieser Hinsicht Entscheidungen treffen. Menthol gilt als charakteristisches Aroma und wird nach einer Übergangsfrist von vier Jahren verboten; diese Frist gilt für alle Produkte mit einem Marktanteil von über 3 % in der Europäischen Union. Illegaler Handel 256. Die neue Richtlinie enthält Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Handels von Tabakerzeugnissen, die dafür sorgen sollen, dass in der EU nur Waren verkauft werden, welche die Richtlinie einhalten. Sie sieht die Einführung eines EU-weiten Systems zur Überwachung und Verfolgung der legalen Lieferkette sowie sichtbare und unsichtbare Sicherheitsmerkmale (z. B. Hologramme) vor, welche die Rechtsdurchsetzung erleichtern und den Behörden und Verbrauchern dabei helfen sollen, illegale Erzeugnisse zu erkennen. Die in der neuen Richtlinie vorgesehenen Maßnahmen werden dazu beitragen, den Tabakhandel in legale Kanäle zu lenken, und möglicherweise den Mitgliedstaaten auch dabei helfen, entgangene Einnahmen zurückzugewinnen. Die Überwachung und Verfolgung von Tabak wird stufenweise eingeführt: Als erstes müssen Zigaretten und Drehtabak die Bestimmungen erfüllen, gefolgt von allen anderen Tabakerzeugnissen. Auswirkungen der Tabakrichtlinie auf den Konsum 257. Die Folgenabschätzung zur Tabakrichtlinie schätzt einen Rückgang des Konsums um ca. 2 % innerhalb von fünf Jahren nach ihrer Umsetzung. Sie schlüsselt diesen Rückgang folgendermaßen auf: Politikbereich Prognostizierter Beitrag zum Rückgang in % 79 (Nicht zum Rauchen bestimmte Tabakerzeugnisse) Anwendungsbereich Nikotinhaltige Erzeugnisse (Erzeugnisse auf Kräuterbasis) Verpackung & Etikettierung Zutaten GESAMT Grenzüberschreitender Fernabsatz + Illegaler Handel 0,2-0,3 1-1,5 0,5-0,8 1,7-2,6 % Zusätzlicher Rückgang des Konsums, jedoch nicht in der legalen Lieferkette. (Ein Rückgang des illegalen Konsums könnte den Rückgang in der legalen Lieferkette mindern). Einheitsverpackungen 258. Wir verwenden den Mittelwert des oben geschätzten Rückgangs und gehen von einem Rückgang des Tabakkonsums um 2,15 % durch die Tabakrichtlinie aus. 259. Aufgrund der Vorschriften der Tabakrichtlinie zu „Verpackung & Etikettierung“ rechnen wir mit einer gewissen Überschneidung der Maßnahmen im Rahmen der Einheitsverpackung und der Tabakrichtlinie. Diese ergibt sich, da einige Aspekte der Tabakrichtlinie wie beispielsweise die Vorgabe, dass Zigarettenpackungen quaderförmig sein müssen und Packungen im „Lippenstiftformat“ nicht mehr zulässig sind, auch unter die Gesetzgebung zu Einheitsverpackungen (wie in der Konsultation dargelegt) fallen würden. Wir nehmen den Mittelwert des geschätzten Rückgangs des Konsums durch die oben beschriebenen Vorgaben zu Verpackung und Etikettierung, d. h. 1,25 %, und gehen davon aus, das dieser Rückgang auf Aspekte zurückgeht, die auch unter eine Gesetzgebung zu Einheitsverpackungen (wie in der Konsultation dargelegt) fallen würden. Es ist anzumerken, dass es vermutlich recht konservativ ist, die gesamten 1,25 % als Überschneidung zu definieren. (d. h. die Schätzungen des NPV in dieser Folgenabschätzung zu verringern), da zumindest einige der Aspekte der Tabakrichtlinie zur Verpackung und Etikettierung nicht unter die Gesetzgebung zu Einheitsverpackungen (wie in der Konsultation dargelegt) fallen würden.104 104 Während der Konsultation werden wir weitere Informationen zu der in der Folgenabschätzung zur Tabakrichtlinie verwendeten Methodologie einholen. Diese werden hilfreich sein, um zu beurteilen, ob die Schätzung der Folgenabschätzung konservativ ist oder nicht. 80 ANHANG F: Konsumentenrente: Begründung des Ansatzes 260. Einheitsverpackungen zielen darauf ab, die Markenattraktivität, die zu einem attraktiven Selbstbild des Rauchers führt, zu unterminieren. Man geht davon aus, dass Personen bereit sind, beim Kauf von Zigaretten für die Markenattraktivität zu zahlen – vermutlich einen großen Teil des Preises, den sie für Premiummarken bereit sind zu zahlen. Eine Regulierung der Verpackung entzieht dem Markt für Premiummarken nicht seine Grundlage. Ein Aspekt der Markenüberlegenheit wird jedoch zerstört, und der Verlust für Verbraucher muss bei der Entscheidung über die Einführung dieser Regulierungsmaßnahme berücksichtigt werden. Die Schätzung des Ausmaßes dieses Verlusts birgt viele Gefahren. Schätzungen der Nachfrageelastizität sind hier nicht relevant, da der Verlust gerade für inframarginale Verbraucher – also jene, die die Marke auch weiterhin kaufen würden, selbst wenn sie viel teure wäre – am größten ist. 261. Wir stellen einen Verlust an Konsumentenrente für Verbraucher fest, die das Rauchen trotz der Änderung der Verpackung nicht aufgeben. Diese Raucher leiden unter frustrierten Präferenzen: Sie wollten durch ihre Markentreue etwas zum Ausdruck bringen, was ihnen nun vorenthalten wird. Diesem Verlust an Wohlbefinden wird mit dem Konzept der „Konsumentenrente“ Rechnung getragen. Wir müssen beurteilen, ob dieser Verlust durch ausgleichende Vorteile gerechtfertigt ist, z. B. durch Vorteile in Bezug auf die Gesundheit oder das Wohlergehen für Raucher, die selbst den Wunsch äußern, das Rauchen aufzugeben. 262. Für jene, die das Rauchen nicht aufgeben, auch jene, die dies eigentlich wollen, stellt der Verlust der Markenidentität jedoch einen Freiheitsverlust dar. Man kann davon ausgehen, dass von den 9 Millionen Rauchern im Vereinigten Königreich nach Einführung von Einheitsverpackungen ca. 2 Millionen (jene, die vor allem Filterzigaretten der Premium- oder der mittleren Preisklasse rauchen) in diese Kategorie fallen. 263. Dem gegenüber stehen andere Argumente dafür, den Wert einer Markenverpackung gegenüber einer Einheitsverpackung außer Acht zu lassen. So können Premiumzigaretten durch Branding beispielsweise zum „Statussymbol“ werden, insbesondere für Jugendliche. Da der Konsum von Statussymbolen durch einen Verbraucher bei anderen zu einer negativen Konsumexternalität führt (Frank, 2008)105, würden die meisten Raucher durch Einheitsverpackungen deshalb an Konsumentenrente hinzugewinnen. Interviews mit jungen Rauchern in Norwegen haben gezeigt, dass Raucher sich manchmal für ihre eigene Zigarettenmarke im Vergleich zu den Marken, die andere rauchen, schämen. Einige Marken können sogar eine Wahrnehmung von Feindseligkeit seitens anderer hervorrufen (Scheffels, 2008).106 Branding kann deshalb als Nullsummenspiel betrachtet werden. Einheitsverpackungen könnten die Bedeutung des Zigarettenrauchens als soziales Signal verringern. Jungen Rauchern stehen Möglichkeiten zur Verfügung, dieses verlorene Signal auf andere Weise zu kompensieren, beispielsweise durch Mobilteletone, Kleidung usw., ohne den Preis der Abhängigkeit zahlen zu müssen. 264. Es wurde argumentiert, dass bei erwachsenen Rauchern das Verlangen durch Umweltfaktoren ausgelöst wird, wobei Verpackungen zu den wichtigsten Auslösern gehören. Soweit Einheitsverpackungen einen wichtigen Auslöser beseitigen, können sie zu einem verbesserten Wohlergehen von Verbrauchern beitragen. Die Nachfrage einer auf Auslöser reagierenden Person kann als reiner Transfer von Verbrauchern zu Herstellern verstanden werden, der somit einen Verlust an Wohlergehen in Höhe der Produktionsgrenzkosten darstellt. Die beste regulatorische Reaktion darauf wären Maßnahmen, welche die Rolle von auslösenden Umweltfaktoren (wobei das Branding allen Erkenntnissen nach ein wichtiger solcher Faktor ist) als Auslöser für das Verlangen nach Waren mit Suchtpotenzial mindern. Wenn Einheitsverpackungen als Maßnahme zur Eindämmung des Tabakkonsums Erfolg hätte, würden sie nicht nur dabei helfen, Personen ein stärkeres Gefühl für Internalität zu geben, sondern hätten auch einen generationenübergreifenden Nutzen, da Jugendliche mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit mit dem Rauchen anfangen würden. 265. Ungeachtet der Defizite, welche die konventionelle Verbrauchertheorie in Bezug auf Suchtmittel aufweist, wurde versucht, das Thema Konsumentenrente in diesem Rahmen zu behandeln. So schlagen 105 Frank R (2008). Consumption externalities. The New Palgrave Dictionary of Economics. 106 Scheffels J (2008). A difference that makes a difference: young adult smokers’ accounts of cigarette brands and package design. Tobacco Control 17:118-122. 81 Weimer et al. (2009) beispielsweise ein unterschiedliches Nachfrageverhalten bei Vorhandensein bzw. Nichtvorhandensein einer Sucht vor. Abbildung 4 zeigt das Nachfrageverhalten bei Vorhandensein einer Sucht aber ohne Branding. Der Bereich zwischen der Nachfragekurve für Süchtige mit und ohne Branding zeigt, wo es zu potenziellen Verlusten an Konsumentenrente hätte kommen können, wenn diese Verbraucher ihr Nachfragemuster nicht geändert hätten. Der steilere Abfall der Nachfragekurve mit Branding (die obere Linie) spiegelt eine höhere Konsumentenrente für jene wider, die bereit sind, mehr für Zigaretten zu zahlen – möglicherweise jene, die bereit sind, für Branding zu zahlen. 266. Auch wenn dies ein nützlicher konzeptueller Ansatz ist, ist er nicht ausgereift genug, um eine quantifizierte Schätzung des Verlusts an Konsumentenrente durch Einheitsverpackungen zu ermitteln, zum einen aufgrund der Rolle des Brandings bei Sucht und zum anderen aufgrund mangelnder wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Wert von Marken für nicht süchtige Raucher. In Übereinstimmung mit dem Ansatz, der im Zusammenhang mit Maßnahmen zur Eindämmung des Alkoholkonsums gewählt wurde, bei denen Sucht ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, geben wir keine monetäre Schätzung zum Verlust an Konsumentenrente ab. Figure F1: Consumer surplus from branding lost consumer surplus for rational smokers and would be quitters lost surplus for would-be quitters who now are able to quit, taken to be offset by the gain in second-order preference realisation Current price brand-standardised Demand with branding Demand with restricted branding Non-addicted demand with restricted branding True demand absent addiction With standardised packaging 18 6% (projected) 19.5% (current) Prevalence (%) £/week Abbildung F1: Konsumentenrente durch Branding Verlust an Konsumentenrente für rationale Raucher und potenzielle Ex-Raucher Verlust an Konsumentenrente für potenzielle Ex-Raucher, die nun das Rauchen aufgeben können, aufgewogen gegen die Vorteile der Umsetzung zweitrangiger Präferenzen Aktueller Markenpreis, standardisiert Nachfrage mit Branding Nachfrage mit eingeschränktem Branding Nachfrage nicht süchtiger Raucher mit eingeschränktem Branding Echte Nachfrage ohne Sucht mit Einheitsverpackungen 18,6 % (Prognose) 19,5 % (aktuell) Prävalenz (%) GBP/Woche 82 ANHANG G: Methode der kritischen Werte 267. Anstatt eine zentrale Schätzung der Auswirkungen von Standardverpackungen auf das nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Segment des Marktes (d. h. den illegalen Markt und den grenzüberschreitende Absatz) abzugeben, haben wir eine Analyse der kritischen Werte durchgeführt, die untersucht, wie groß das Wachstum dieses Marktanteils sein muss, um einen NPV von Null für diese Maßnahme zu erreichen. Wir modellieren zwei mögliche Ursachen für das Wachstum des Marktes für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren. Raucher, die auch bei Einführung von Einheitsverpackungen weiter rauchen, weichen auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren aus. Raucher, die sonst mit dem Rauchen aufhören würden, weichen auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren aus. 268. Ausgehend von einer entsprechenden Prozentzahl der Raucher, die sonst das Rauchen aufgegeben hätten, und derer, die von im Vereinigten Königreich versteuerten Zigaretten zu solchen wechseln, die nicht im Vereinigten Königreich versteuert wurden, schätzen wir die Prozentzahl, die zu einem Nettonutzen von Null führt, und die sich daraus ergebende Zunahme des Anteils des Segments unversteuerter Zigaretten auf dem Markt. 269. Den Ausgangspunkt für die Rechnung bildet die Größe des Marktes für im Vereinigten Königreich versteuerte Zigaretten nach dem von uns vorhergesagten Rückgang der Raucherprävalenz durch Einheitsverpackungen. Anschließend schätzen wir die Größe des Segments nicht im Vereinigten Königreich versteuerter Zigaretten ausgehend von einem Basisanteil von 12 % (unter Bezug auf die jüngste Steuerlücke, die zu den von HMRC angegebenen geschätzten Zahlen zum grenzübergreifenden Einkauf hinzukommt). 270. Wir übertragen einen bestimmten Prozentsatz des verbleibenden Marktes für im Vereinigten Königreich versteuerte Zigaretten (nachdem die Veränderung der Raucherprävalenz einberechnet wurde) auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Zigaretten und übertragen denselben Prozentsatz an Ex-Rauchern auf den Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Zigaretten (Szenario des sich gegenseitig aufhebenden Nutzens). Daraus ergibt sich eine neue Prozentzahl für den Marktanteil von nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Waren. 271. Nach einem anfänglichen Zeitraum, in dem Einheitsverpackungen voraussichtlich zu einem Rückgang der Prävalenz führen werden, bleibt der Markt für nicht im Vereinigten Königreich versteuerte Waren bei diesem Anteil stabil, wobei das Segment der im Vereinigten Königreich versteuerten Waren um den von uns vorausgesetzten prozentualen Rückgang kleiner ist als sonst zu erwarten wäre. 272. Die Unterteilung in teure und preiswerte Marken im Segment der im Vereinigten Königreich versteuerten Waren bei einer bestimmten vorausgesetzten Tendenz zum Downtrading wird durch die Unterteilung ermittelt, die man erhält, wenn man dieselbe Tendenz zum Downtrading ohne Wechsel auf den Markt der nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Waren anwendet. 273. Wir vergleichen dieses Szenario mit dem Szenario, bei dem keine Einheitsverpackungen eingeführt werden und sich die Tendenz zum Downtrading fortsetzt, in zwei Schritten. 274. Zunächst vergleichen wir die Downtrading-Tendenz und das Szenario des sich nicht gegenseitig ausgleichenden Nutzens mit der Downtrading-Tendenz und dem Szenario des sich gegenseitig ausgleichenden Nutzens, um eine Schätzung dieses Ausgleichs zu erhalten. 275. Anschließend vergleichen wir die Downtrading-Tendenz und den des sich gegenseitig ausgleichenden Nutzen mit einer verdoppelten Downtrading-Tendenz und dem sich gegenseitig 83 ausgleichenden Nutzen, um eine Schätzung der verstärkten Downtrading-Tendenz durch Einheitsverpackungen zu erhalten, nachdem der Ausgleich berücksichtigt wurde. 276. Wir arbeiten mit einem Zweiphasenansatz, da ein Wechsel vom Markt der im Vereinigten Königreich versteuerten Waren zum Markt der nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Waren zu einem Ausfall der vormals entrichteten Verbrauchsteuern führt, während der Wechsel zwischen Marktsegmenten innerhalb des Segments der im Vereinigten Königreich versteuerten Waren zur Einbuße zusätzlicher Steuern für teure Packungen im Vergleich zu preiswerteren Packungen führt. Die Gesamtauswirkungen des Szenarios des sich gegenseitig ausgleichenden Nutzens setzen sich aus den vereinten Auswirkungen der beiden Vergleiche zusammen. 277. Um einen Nettonutzen von Null zu ergeben, müssten 20 % des Marktes der im Vereinigten Königreich versteuerten Waren zum Markt der nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Waren wechseln, wodurch der Anteil der nicht im Vereinigten Königreich versteuerten Waren auf 30 % anstiege. Das Risiko, dass Raucher von Waren, die im Vereinigten Königreich versteuert wurden, auf solche ausweichen, die nicht im Vereinigten Königreich versteuert wurden, wird hier nicht quantifiziert, fließt möglicherweise jedoch in zukünftige Folgenabschätzungen ein. 84