Kellerwirtschaft KELLERWIRTSCHAFT Stand 2002 1 Kellerwirtschaft Inhaltsverzeichnis Seite 1 ERNTE .................................................................................................. 1 1.1 DIE LESE .............................................................................................. 1 1.1.1 DER ZEITPUNKT .................................................................................. 1 1.1.2 HANDLESE ........................................................................................... 1 1.1.3 MASCHINELLE LESE ........................................................................... 2 1.2 TRANSPORT ........................................................................................ 2 1.2.1 ERNTE IN KLEINBEHÄLTERN ............................................................. 2 1.2.2 ERNTE IN GROßBEHÄLTERN ............................................................. 2 1.2.3 ERNTEWAGEN ..................................................................................... 3 1.2.4 MAISCHEWAGEN ................................................................................. 3 1.2.5 FELDPRESSE ....................................................................................... 3 WIEDERHOLUNGSFRAGEN ZU KAPITEL 1 .................................................... 3 2 DIE TRAUBENVERARBEITUNG BEI WEISSWEIN .............................. 4 2.1 DIE TRAUBENVERARBEITUNG .......................................................... 4 2.1.1 GANZTRAUBENVERARBEITUNG ....................................................... 4 2.1.2 DAS REBELN ........................................................................................ 4 2.1.3 DAS MAISCHEN ................................................................................... 4 2.1.4 DIE MAISCHESTANDZEIT ................................................................... 5 2.2 DAS PRESSEN/ENTSAFTEN ............................................................... 5 2.2.1 DIE GANZTRAUBENPRESSUNG......................................................... 5 2.2.2 DAS PRESSEN GEREBELTER TRAUBEN .......................................... 6 2.2.3 DAS PRESSEN GEMAISCHTER TRAUBEN ........................................ 6 2.3 DER MOST ............................................................................................ 7 2.3.1 DIE INHALTSSTOFFE DES MOSTES .................................................. 7 2.3.2 DIE MOSTKLÄRUNG ............................................................................ 7 2.3.3 DIE MOSTBEHANDLUNG .................................................................... 7 2.3.4 DIE AUFBESSERUNG .......................................................................... 8 2.4 DIE GÄRUNG ........................................................................................ 9 2.4.1 EINLEITUNG DER GÄRUNG ................................................................ 9 2.4.2 DER GÄRVERLAUF .............................................................................. 9 2.4.3 DAS GÄRENDE................................................................................... 10 2.5 DER JUNGWEIN ................................................................................. 10 2.5.1 DIE INHALTSSTOFFE ........................................................................ 10 2.5.2 DIE JUNGWEINBEHANDLUNG .......................................................... 11 2.5.3 DIE KLÄRUNG .................................................................................... 12 2.6 DIE LAGERUNG ................................................................................. 13 2 Kellerwirtschaft 2.6.1 LAGERUNG IN HOLZFÄSSERN......................................................... 13 2.6.2 LAGERUNG IN STAHLTANKS ........................................................... 13 2.6.3 LAGERUNG IN BARRIQUEFÄSSERN ............................................... 13 WIEDERHOLUNGSFRAGEN ZU KAPITEL 2 .................................................. 13 3 DIE TRAUBENVERARBEITUNG BEI ROTWEIN ................................ 14 3.1 DIE TRAUBENVERARBEITUNG ........................................................ 14 3.1.1 REBELN UND MAISCHEN .................................................................. 14 3.1.2 MAISCHESTANDZEIT ........................................................................ 14 3.1.3 MAISCHEBEHANDLUNG ................................................................... 15 3.2 DIE MAISCHEGÄRUNG ...................................................................... 15 3.2.1 EINLEITUNG DER GÄRUNG .............................................................. 15 3.2.2 DER GÄRVERLAUF ............................................................................ 15 3.2.3 DAS GÄRENDE................................................................................... 16 3.3 DAS PRESSEN ................................................................................... 16 3.4 DER JUNGWEIN ................................................................................. 17 3.4.1 DIE INHALTSSTOFFE ........................................................................ 17 3.4.2 DIE JUNGWEINBEHANDLUNG .......................................................... 17 3.4.3 DER BIOLOGISCHE SÄUREABBAU .................................................. 17 3.4.4 DIE LAGERUNG.................................................................................. 18 WIEDERHOLUNGSFRAGEN ZU KAPITEL 3 .................................................. 18 4 DIE WEINBEHANDLUNG BEI ROTWEIN ........................................... 19 4.1 WEINSTABILISIERUNG ...................................................................... 19 4.1.1 SCHWEFELUNG ................................................................................. 19 4.1.2 ENTKEIMUNG ..................................................................................... 19 4.2 WEINSCHÖNUNG .............................................................................. 19 4.2.1 GERBSTOFFSCHÖNUNG .................................................................. 19 4.2.2 KLÄRSCHÖNUNG .............................................................................. 19 4.2.3 DIE EIWEISSSCHÖNUNG .................................................................. 20 4.3 FEHLERBEHEBUNG .......................................................................... 20 4.3.1 BÖCKSERBEHANDLUNG .................................................................. 20 4.3.2 BLAUSCHÖNUNG .............................................................................. 20 WIEDERHOLUNGSFRAGEN ZU KAPITEL 4 .................................................. 20 5 WEINFEHLER UND KRANKHEITEN .................................................. 21 5.1 WEINFEHLER ..................................................................................... 21 5.2 WEINKRANKHEITEN .......................................................................... 21 WIEDERHOLUNGSFRAGEN ZU KAPITEL 5 .................................................. 25 6 SPEZIELLE WEINBEREITUNG .......................................................... 26 6.1 SÜSSWEINE ....................................................................................... 26 6.1.1 KALTVERARBEITUNG ....................................................................... 26 6.1.2 VERARBEITUNG GESUNDER TRAUBEN ......................................... 26 6.1.3 VERARBEITUNG EDELFAULER TRAUBEN ...................................... 27 WIEDERHOLUNGSFRAGEN ZU KAPITEL 6 .................................................. 27 3 Kellerwirtschaft ZIELSETZUNG Um Wein zu beurteilen ist ein umfassendes Wissen über dessen Herstellung notwendig. Um der Verantwortung eines Einkäufers gerecht zu werden ist es unumgänglich durch fachliche Kompetenz mögliche Fehlentwicklung einzelner Weine vorauszusehen, bzw. Potentiale zu erkennen. 1 ERNTE 1.1 DIE LESE Im Zuge der Lese hat der Winzer die Möglichkeit gravierend auf die Qualität der Weine Einfluss zu nehmen. 1.1.1 DER ZEITPUNKT Der Zeitpunkt der Lese wird in erster Linie durch den Reifezustand der Traube vorgegeben. Je nachdem welcher Typ von Wein erzeugt werden soll, wird die Lese früher oder später stattfinden. Fälschlicher Weise jedoch werden die Lesezeitpunkte oft durch den Grad des vorhandenen Zuckers bestimmt, was aber nur in zweiter Linie von Bedeutung sein sollte, da der Zuckergehalt nur indirekt mit der viel wichtigeren physiologischen Reife zusammenhängt. Besonders in heißen trockenen Jahren sollte verstärkt auf die Säure geachtet werden, da ein zu langes Warten mit der Ernte unter Umständen nur eine geringe Zuckereinlagerung am Ende der Reife bringt, aber es zu einem Säuresturz führen kann, so dass die Weine eher flach und alkoholisch – breit wirken. 1.1.2 HANDLESE Grundsätzlich sollte die Handlese zur Produktion von Qualitätsweinen eingesetzt werden. Nicht nur damit die Trauben unverletzt und frisch der Verarbeitung zugeführt werden können, sondern es bietet sich auch die Möglichkeit faules oder beschädigtes Traubenmaterial (Hagel oder Maschinell) zu selektieren und einer gesonderten Verarbeitung zuzuführen. 1 Kellerwirtschaft 1.1.3 MASCHINELLE LESE Die Funktion der maschinellen Ernte ist im allgemeinen diese, dass im Bereich der Trauben flexible Stäbe gegen den gesamten Rebstock schlagen und die dadurch abfallenden Beeren von einem flexiblen Förderband aufgefangen, und in einen vorgesehen Behälter transportiert werden. Da diese Art der Lese die Trauben sehr stark beschädigt und die dadurch frei werdenden Gerbstoffe sich negativ auf den Wein auswirken können, sollte diese Möglichkeit nur für einfache Weißweine oder aber für die Rotweinernte verwendet werden. Da durch das Abschlagen der Beeren die Stiele weitgehend am Rebstock verbleiben ist ein Rebeln nicht nötig. Von Vorteil kann die maschinelle Ernte aber dann sein, wenn zu hohe Tagestemperaturen eine aus mikrobiologischer Sicht unbedenkliche Ernte nicht möglich machen. Hier kann in den kühlen Nachtstunden schlagkräftig die Ernte eingebracht werden – wie es sehr häufig in heißen Klimazonen praktiziert wird. 1.2 TRANSPORT Der Transport ins Presshaus sollte grundsätzlich so rasch wie möglich passieren, da auch bei besonders schonender Ernte in kleinen Behältern ein Teil der Trauben durch das Eigengewicht verletzt werden kann und so unerwünschte mikrobiologische Vorgänge (wilde Gärung – Essigstich) in Gang kommen können, welche die weitere Verarbeitung deutlich erschweren. 1.2.1 ERNTE IN KLEINBEHÄLTERN Die Ernte in Steigen oder Kisten kann als die beste Transportvariante gesehen werden, maximal 25 kg pro Kiste. Die geringe Schütthöhe und das dadurch nicht nötige Umleeren in größere Gebinde (Bottich, Lesewagen, usw.) werden die Beerenhäute kaum verletzt. Außerdem ist es möglich in div. Qualitäten zu trennen. 1.2.2 ERNTE IN GROßBEHÄLTERN Die Ernte in Drehstapelbehältern ist ebenfalls eine sehr schonende Möglichkeit, Trauben zu transportieren, vor allem mit dem Vorteil einer sehr raschen mechanischen Entleerung mittels Drehstapler, max. 500 kg pro Box, oft wird dadurch ein Pumpen der Maische unnötig. 2 Kellerwirtschaft 1.2.3 ERNTEWAGEN Der Erntewagen ist zwar eine sehr effiziente Variante, wird aber begleitet von großen Nachteilen: hohe Aufschüttung und dadurch aufplatzende Beeren im unteren Bereich lange Befüllzeit im Weingarten vor allem bei kleinen Erntehelfergruppen kommt es oft zu extrem langen Standzeiten der Trauben Durch Stahlschnecken und Monopumpen ist eine hoher Verletzungsgrad an Kernen und Stielen festzustellen 1.2.4 MAISCHEWAGEN Die selben Probleme wie bei Erntewagen. Jedoch kommt hier hinzu, dass das Traubenmaterial nur in gerebelter Form transportiert werden kann, was sich besonders bei faulem Material negativ auswirkt – Essigstich, Nagellacktöne, erhöhte Gerbstoffstruktur. 1.2.5 FELDPRESSE Die Feldpresse funktioniert im Großen und Ganzen nach dem Prinzip des Fleischwolfes. Die Trauben werden sofort im Weingarten gepresst und nur der Saft in den Keller gebracht. Nachteil – keine Maischestandzeit möglich und Gerbstoffeinlagerung durch starke Reibung. Wiederholungsfragen zu Kapitel 1 1. 2. 3. 4. Welche Faktoren legen den Erntezeitpunkt fest? Welche Arten der Ernte kennen Sie? Erklären Sie schematisch die Verarbeitung bei Weißwein. Was ist beim Traubentransport zu beachten? 3 Kellerwirtschaft 2 DIE TRAUBENVERARBEITUNG BEI WEISSWEIN Die Traubenverarbeitung bei Weißwein unterliegt folgender Ansprüche: maximale Ausbeute maximale Auslaugung an Aroma und Geschmack minimale Gerbstoffbelastung = maximale Aromatik minimale Trubbelastung = maximale Reintönigkeit minimale mikrobiologische Kontamination = Vermeidung von Weinfehlern 2.1 DIE TRAUBENVERARBEITUNG Neben einer raschen Traubenverarbeitung sollte immer auch Augenmerk auf den Gesundheitszustand der Trauben gelegt werden. Bei vollkommen gesundem Material können längere Maischestandzeiten bei niedrigen Temperaturen durchaus förderlich sein. Umso stärker das Traubenmaterial von Fäulnis befallen ist, desto rascher sollte die Verarbeitung von statten gehen um Fehltöne zu vermeiden 2.1.1 GANZTRAUBENVERARBEITUNG Dies bedeutet, dass die Trauben im Ganzen bis in die Presse befördert werden – weder gequetscht noch von den Stielen getrennt. 2.1.2 DAS REBELN Rebeln nennt man den Vorgang beim Trennen der Beeren von den Stielen. Bei der Weißweinbereitung ist das Rebeln nicht unbedingt nötig. Ob Trauben gerebelt werden oder nicht, hängt vom Gesundheitszustand der Trauben, dem gewünschten Weinstil und der Reife ab. 2.1.3 DAS MAISCHEN Das Maischen ist lediglich der Vorgang im Zuge des Rebelns, bei dem die Beeren, welche beim Rebeln unverletzt geblieben sind – sprich im Ganzen vom Stiel getrennt wurden, gequetscht werden um einen rascheren Saftablauf zu gewährleisten. 4 Kellerwirtschaft 2.1.4 DIE MAISCHESTANDZEIT Die Maischestandzeit beim Weißwein dient in erster Linie dem Auslaugen von Aromastoffen und Extraktstoffen. Vorteile: Nachteile: leichterer Saftablauf durch die Verflüssigung der Maische unter Einwirkung von pektolytischen Enzymen Erhöhung der Extraktstoffe Intensivierung der Aromen bei faulem Lesegut Bildung von Fehltönen bei zu starker Beanspruchung der Maische durch Rebler und Pumpen hohe Gebstoffsättigung Reduktion der Weinsäure durch Auslaugung von Kalium und Kalzium und dadurch vermehrter Weinsteinausfall 2.2 DAS PRESSEN/ENTSAFTEN Dieser Vorgang beschreibt das Trennen des Mostes von den Feststoffen der Trauben. 2.2.1 DIE GANZTRAUBENPRESSUNG Die Ganztraubenpressung ist die schonenste Art der Verarbeitung. Hier werden ganze Trauben direkt aus kleinen Erntebehältern in die Presse geschüttet. Die Beeren werden ausschließlich durch den Druck der Presse zum Platzen gebracht und die Kämme dienen als Drainage für den Saftablauf. Auf Grund der besonders schonenden Verarbeitung wird diese System auch in der Champagne angewandt. Besonders eignet sich dieses System auch zum Verarbeiten von edelfaulem Traubenmaterial bei trockenen Weißweinen. Vorteile: kein Seimost fast ausschließlich Pressmost kaum Scheitermost geringste Trubgehalte geringster Gerbstoffeintrag geringster Kalium und Kalziumeintrag 5 Kellerwirtschaft Nachteile: lang Presszeiten hohe Presskapazitäten erforderlich dünne Weine bei ungenügender Reife 2.2.2 DAS PRESSEN GEREBELTER TRAUBEN Hier wird die Presse ausschließlich mit Beeren befüllt, die aber nur zu einem geringen Teil verletzt sind Vorteile: Nachteile: nur geringer Anteil an Seimost kaum Scheitermost höhere Presskapazität geringeres Risiko von Gerbstoffeintrag nur möglich, wenn die Verarbeitung vertikal, ohne Bedarf von Maischepumpen erfolgen kann 2.2.3 DAS PRESSEN GEMAISCHTER TRAUBEN Hier werden gemaischte Beeren verarbeitet, d. h. gerebelte und gequetschte Beeren. Vorteile: Nachteile: höchste Presskapazität beste Extraktausbeute Maische kann gepumpt werden rasche Pressbarkeit hoher Anteil an Seimost hoher Anteil an Scheitermost hoher Trubgehalt erhöhter Gerbstoffgehalt Verlust von Weinsäure durch Kalzium und Kaliumauslaugung hohe mikrobiologische Kontamination durch hohen Trubgehalt bei faulem Material Fehltöne durch faules Traubenmaterial 6 Kellerwirtschaft 2.3 DER MOST 2.3.1 DIE INHALTSSTOFFE DES MOSTES Wasser Kohlehydrate (Zucker) 780 – 850g/l 120 – 250g/l Säuren 6 – 15g/l Glucose Fructose Saccharose Unvergärbarer Zucker Weinsäure Äpfelsäure Zitronensäure Gluconsäure Schleimsäure Mineralstoffe (Asche) Stickstoffverbindung Polyphenole (Gerbstoffe, Farbstoffe) Aromastoffe 2,5 – 5g/l 02 – 1,4g/l 0,1 – 2,5g/l Enzyme 2.3.2 DIE MOSTKLÄRUNG Grundsätzlich ist es nötig, möglichst saubere (blanke) Moste zu Gärung zu bringen um Fehltöne, die durch Bakterien und Pilze aus dem Trub entstehen können, zu unterbinden. Die erste Vorraussetzung hierfür ist eine trubminimierende Verarbeitung der Trauben. Um den trotzdem entstandenen Trub zu entfernen, stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung: sedimentieren zentrifugieren Filtration durch Trubfilter 2.3.3 DIE MOSTBEHANDLUNG Im Zuge der Entschleimung (Trubreduktion) können auch noch andere, teils notwendige – teils mögliche Mostbehandlungen, durchgeführt werden: 7 Kellerwirtschaft Notwendige Behandlungen: Schwefelung – eine Schwefelung im Most sollte dann vorgenommen werden, wenn die Maische noch nicht geschwefelt wurde. Ist das aber der Fall, so ist von einer weiteren Schwefelung abzusehen, da sich daraus unnötig hohe Gehalte an gebundenem SO2 nachweisen lassen. Mögliche Behandlungen: Bentonitschönung – eine Eiweißschönung mit Bentoniten ist vor allem dann ratsam, wenn die Moste dazu neigen sich schlecht zu klären. Ursachen hierfür können einerseits faules Lesegut oder zu kalte Temperaturen sein. Durch das Gewicht der hierfür verwendeten Tonerde werden die leichteren Trubstoffe (Fruchtfleisch, Bakterien, Hefen, Schmutzpartikel-Erde oder Staub von den Weintrauben, Pilze, usw. ) zu Boden gerissen. Zu hohe Maische und Mosttemperaturen können zu einem verfrühten Einsetzen der Gärung führen und eine Sedimentation ohne mechanische Hilfen unmöglich machen. Gerbstoffschönung – ein Reduktion der Gerbstoffe ist nur dann von Nöten, wenn durch falschen Transport oder unsachgerechte Verarbeitung Gerbstoffe in den Most eingewaschen werden. Hierfür stehen in erster Linie Eiweißpräparate zur Verfügung, welche sich von Eiklar über Gelatine bis hin zu künstlichen Proteinen erstrecken. Durch die verschiedenen Ladungen von Gerbstoff und Eiweiß bindet das Eiweiß Gerbstoffmoleküle an sich und nimmt sie im Zuge einer Klärschönung mit zu Boden. Ein sauberes Abtrennen ist nötig. Kohleschönung – wird nur dann eingesetzt, wenn eine reintönige Vergärung des Mostes auf Grund von extrem hohem Fäulnisanteil nicht zu erwarten ist. Weine leiden aber dermaßen darunter, dass diese für die Qualitätsweinbereitung nicht mehr verwendet werden sollten. 2.3.4 DIE AUFBESSERUNG Die Mostaufbesserung dient im Allgemeinen nur dazu, den Alkohol im vergorenen Wein zu erhöhen. Durch die Aufbesserung können weder die notwendigen Nährstoffe für die Hefe noch die für den Geschmack wichtigen Extraktstoffe zugefügt werden. Um einen Most um 1 KMW aufzubessern sind 1,3 kg Rübenzucker notwendig. Maximal darf um 2,5 % vol. oder 4,25 kg Zucker angereichert werden – das 8 Kellerwirtschaft entspricht 3,2° KMW. Weitere zur Verfügung stehende Anreicherungsverfahren sind: RTK (rektivizuiertes Traubensaftkonzentrat) Traubendicksaft Mostkonzentration durch Wasserentzug 2.4 DIE GÄRUNG Die Hauptreaktion der Gärung stellt die Umsetzung von Zucker in Ethanol und Kohlendioxid durch Zuckerpilze (Saccheromyces) dar. 1 Mol. Glukose ergibt: 2 Mol. Ethanol + 2 Mol. CO2 100g 51,11g 48,89g 2.4.1 EINLEITUNG DER GÄRUNG Zur Einleitung der Gärung sind folgende Faktoren von Bedeutung: richtige Mosttemperatur zu Gärbeginn 15 – 18°C. zu niedrige Temperaturen führen zu verzögertem Angären und dadurch möglicher Oxidation, oder zur Bildung von Kamhefen oder Schimmelpilzen zu hohe Temperaturen beschleunigen unerwünschte mikrobiologische Prozesse die sich negativ auf den Wein auswirken können das Vorhandensein von ausreichend hefeverwertbaren Stickstoffverbindungen – in gesundem Traubenmaterial zur Genüge vorhanden die Gegenwart von für die Weinbereitung geeigneten Hefen. In der Regel werden Reinzuchthefen in einem Gemisch aus warmem Wasser und Most rehydratisiert – nach der Aktivierung der Hefen wird dieser Brei dem Most beigegeben 2.4.2 DER GÄRVERLAUF Unter guten Bedingungen ist nach bereit 12 Stunden eine sichtbare Aktivität (CO2Bildung) zu erkennen. Die maximale Aktivität ist bei sauber entschleimtem Most ab dem 6. - 8. Tag festzustellen und dauert in der Regel 4 bis 6 Tage an. Danach spricht man von der abklingenden Gärung. Während der stürmischen Phase ist eine Kühlung der Gärbehälter dringend notwendig, da ein Überhitzen des Mostes zur Folge haben kann: 9 Kellerwirtschaft Versieden – ab 35°C durch diese Überhitzung werden die Hefen abgetötet – ein Gärstopp ist die Folge – Zuckerrest Verlust von Aroma ungewollte Einleitung von BSA 2.4.3 DAS GÄRENDE Zu Ende der Gärung ist es wichtig, die Fässer voll zu füllen, da durch die fehlende Bildung von CO2 der Jungwein nicht mehr vor Oxidation geschützt ist (rauhe Fülle). Nach vollständigem Gärstillstand sollte, sobald die Sedimentation es ermöglicht, der Wein von der Hefe gezogen werden (Erster Abstich) und im Zuge dessen mit SO2 stabilisiert werden. 2.5 DER JUNGWEIN Im Jungweinstadium können nun alle für die Stabilität und Haltbarkeit des Weines notwendigen Maßnahmen getroffen werden 2.5.1 DIE INHALTSSTOFFE Alkohole Kohlenhydrate Säuren Mineralstoffe Stickstoffverbindungen Eiweißstoffe Polyphenole Aromastoffe Methanol Ethanol Höhere Alkohole 2,3 Butandiol Glycerin Weinsäure Apfelsäure Milchsäure Essigsäure Zitronensäure Asche 17 – 230mg/l 72 – 104g/l (9-13%vol) 150 – 700mg/l 400-700mg/l 6-10g/l 1 bis 200g/l 3 bis 6g/l 0 bis 6g/l 0 bis 3g/l 0,3 –0,6g/l max. 1g/l 1,5 – 4g/l 250 – 4500mg/l WW 150 – 250mg/l RW bis 4500mg/l 0,8 –1,2g/l 10 Kellerwirtschaft 2.5.2 DIE JUNGWEINBEHANDLUNG Notwendige Behandlungen: Schwefelung – dient der Haltbarkeit und Reintönigkeit der Weine durch das Verhindern von Oxidation und das Unterbinden von mikrobiologischen Fehlentwicklungen. Die Grenzwerte an Gehalt von SO2 im Wein Landwein und Qualitätswein SO2 – mg/l Frei Gesamt Weißwein und Rosé unter 50 210 5g/l Restzucker Weißwein und Rosé ab 50 260 5g/l Restzucker Rotwein unter 5g/l 50 160 Restzucker Rotwein ab 5g/l 50 210 Restzucker Prädikatswein unter 5g/l Restzucker weiß, rosé 50 210 rot 50 160 Prädikatswein über 5g/l 50 300 Restzucker Spätlese Auslese 60 350 Beerenauslese, Ausbruch, 75 Trockenbeerenauslese, Eiswein, Strohwein Schaumwein 35 versetzte Weine 50 400 235 300 11 Kellerwirtschaft Bentonitschönung – sollte die Eiweißstabilisierung noch nicht im Most vorgenommen worden sein, so ist diese jetzt von absoluter Wichtigkeit um den Jungwein lagerfähig zu machen. Bei erfolgter Mostbentonitschönung ist ein Verzicht nur dann möglich, wenn im Labor die völlige Eiweißstabilität nachgewiesen wurde. Mögliche Behandlungen: Bei den möglichen Behandlungen im Jungweinstadium handelt es sich ausschließlich um Schönungen, welche auf Grund nicht fachgerechter Weingarten- und Kellerarbeit nötig werden und sind daher möglichst zu vermeiden, da sie sich negativ auf die Qualität und in weiterer Folge auf die Gesundheit der Konsumenten auswirken. Säurekorrektur – ist auf Grund von ungenügender Reife eine Korrektur der Säure nötig, kommen folgende chemische Verfahren zur Anwendung. Kalkentsäuerung - hierbei wird dem Wein kohlensaurer Kalk zugeführt, welcher als Bindungspartner für die Weinsäure agiert und diese durch Kristallisation ausfallen lässt. Doppelsalzentsäuerung - die Vorteile der Doppelsalzentsäuerung liegen in der linearen Reduktion von Weinsäure und Äpfelsäure Gerbstoffschönung – siehe Mostbehandlung Kohleschönungen – siehe Mostbehandlung Blauschönung – eine Blauschönung ist nur dann zwingend, wenn durch schlecht gewartete Maschinen oder Behälter in einem Maße Metalle durch die Säuren ausgelaugt werden, dass diese auf Grund gesetzlicher Bestimmung reduziert werden müssen 2.5.3 DIE KLÄRUNG Sind alle notwendigen Schritte gesetzt und ist die Sedimentation so weit fortgeschritten, dass eine Entfernung des Feintrubes technisch möglich wird, kommt es zur Klärung des Jungweines. Folgende Möglichkeiten stehen zur Verfügung: Filtration mit Schichtenfilter - der Wein wird durch Zelluloseplatten gedrückt und diese halten die Trubstoffe zurück Filtration mittels Kieselgur - der Wein wird durch eine Schlammschicht aus Kieselgur gepresst und diese hält die Trubstoffe zurück Nach der Vorfiltration ist der Wein füllfertig. 12 Kellerwirtschaft 2.6 DIE LAGERUNG 2.6.1 LAGERUNG IN HOLZFÄSSERN Vorteile: raschere Entwicklung der weine durch möglichen Gasaustausch Reduktion aggressiver Alkohole Nachteile großes mikrobiologisches Risiko durch die Ablagerung von Weinstein rasche Alterung bei längerer Lagerung von leichten Weißweinen 2.6.2 LAGERUNG IN STAHLTANKS Die Lagerung von Weißwein erfolgt heute in erster Linie in Stahltanks. Sie stellen die sauberste und auf lange Sicht sicherste Lagerform dar. 2.6.3 LAGERUNG IN BARRIQUEFÄSSERN Dient in erster Linie der Lagerung von Rotwein. Die bei der Lagerung extrahierten Gerbstoffe und Aromastoffe des Holzes stellen eine zusätzliche GeschmacksKomponente im Wein dar. Wiederholungsfragen zu Kapitel 2 1. 2. 3. 4. 5. 6. Schema der Weißweinerzeugung. Was versteht man unter Ganztraubenpressung? Welche Mostbehandlungsarten kennen Sie? Erklären Sie den Begriff Aufbesserung. Erklären Sie den Begriff Gärung. Erklären Sie den Begriff Jungwein. 13 Kellerwirtschaft 3 DIE TRAUBENVERARBEITUNG BEI ROTWEIN Die Traubenverarbeitung bei Rotwein unterliegt folgender Ansprüche: maximale Saftausbeute maximale Ausbeute an Farbe maximale Auslaugung an Aroma und Geschmack maximale Gerbstoffauslaugung aus den Schalen minimale Gerbstoffbelastung durch Kerne und Kämme minimale mikrobiologische Kontamination = maximale Reintönigkeit 3.1 DIE TRAUBENVERARBEITUNG Die grundsätzlichen Unterschiede zu Weißwein sind wie folgt: das Rebeln ist unumgänglich – Ausnahme Maceration Carbonique die Gärung erfolgt auf der Maische die Pressung erfolgt immer nach der Gärung 3.4.5 REBELN UND MAISCHEN Um die in den Beerenschalen enthaltenen Gerb- und Farbstoffe auszulaugen ist es notwendig, die Beerenhäute zu verletzen. Um aber eine unerwünschte Kontamination mit unreifen Gerbsäuren aus den Stielen zu verhindern, müssen diese von den Beeren sauber getrennt werden. 3.4.6 MAISCHESTANDZEIT Die Maischestandzeit bei Rotwein dient im Großen und Ganzen dem selben Zweck wie bei Weißwein. Da während dieser Zeit es zu keiner Hefeaktivität kommt, wird dies auch als Kaltmazeration bezeichnet. Die Dauer (1 bis 6 Tage) ist in erster Linie von den technischen Möglichkeiten der Kühlung (ca. 2° - 5° C), bzw. vom gewünschten Weinstil abhängig Vorteile: Verflüssigung der Maische Einwirkung von pektolytischen Enzymen – beginnende Farbausbeute Erhöhung der Extraktstoffe Intensivierung der Aromen – fruchtige und traubige Aromen 3.4.7 MAISCHEBEHANDLUNG 14 Kellerwirtschaft 3.5 Schwefelung – durch den langen Maischekontakt bei der Rotweinbereitung ist eine Schwefelung unumgänglich – es werden Essigsäurebakterien und Oxidationsenzyme gehemmt, welche die Farbe stark schädigen können. Anreicherung – die Anreicherung mit Saccharose erfolgt ebenfalls vor der Maischegärung und dient zur Alkoholerhöhung Enzymzusatz – durch die Zugabe von pektolytischen Enzymen kann die Farbausbeute erhöht und beschleunigt werden DIE MAISCHEGÄRUNG Die Hauptreaktion der Gärung stellt die Umsetzung von Zucker in Ethanol dar (siehe Pkt. 1.4). Die Vergärung auf der Maische dient aber auch der Auslaugung des roten Farbstoffes und der Gerbstoffe. 3.5.1 EINLEITUNG DER GÄRUNG Zur Einleitung der Gärung sind folgende Faktoren von Bedeutung: richtige Mosttemperatur zu Gärbeginn 18 – 23°C. Nach der Kaltmazeration muss die Maische auf Gärtemperatur gebracht werden um ein rasches Angären der gewünschten Hefe zu ermöglichen - wilde Hefen beginnen bei niedrigeren Temperaturen als Saccharomyzes-Hefen die Gärung. das Vorhandensein von ausreichend hefeverwertbaren Stickstoffverbindungen – in gesundem Traubenmaterial zur Genüge vorhanden die Gegenwart von für die Weinbereitung geeigneten Hefen. In der Regel werden Reinzuchthefen in einem Gemisch aus warmem Wasser und Most rehydratisiert – nach der Aktivierung der Hefen wird dieser Brei dem Most beigegeben 3.5.2 DER GÄRVERLAUF Unter guten Bedingungen ist nach bereits 6 Stunden eine sichtbare Aktivität zu erkennen. Die maximale Aktivität ist bei richtig temperierter Maische ab dem 2. bis 3. Tag festzustellen und dauert in der Regel 2 bis 3 Tage an. Danach spricht man von der abklingenden Gärung. Während der stürmischen Phase ist im Vergleich zu Weißwein eine Kühlung erst 15 Kellerwirtschaft ab 30° C notwendig, da für die maximale Auslaugung von Farb- und Gerbstoff ein kurzzeitiges Erreichen einer Temperatur von 28° bis 30°C notwendig ist. Ein Überhitzen der Maische hat zur Folge: Versieden – ab 35°C durch diese Überhitzung werden die Hefen abgetötet – ein Gärstopp ist die Folge – Zuckerrest Verlust von Aroma Bildung von Kochtönen – Karameltönen vorzeitige Einleitung von BSA Während der Gärung kommt es durch die Bildung von CO2 zum Auftrieb des Tresters. Der dadurch fehlende Saftkontakt verringert die Auslaugung und ermöglicht die Bildung von Essigsäure und Schimmelpilzen. Um den Saftkontakt zu gewährleisten, muss der Trester mit dem Saft vermengt werden. Folgende Verfahren stehen zur Verfügung: offene Maischegärung mit händischem Unterstoßen geschlossene Maischegärung mit pneumatischem Unterstoßen mechanischem vertikalem Rühren mechanischem horizontalem Rühren Gasumwälzung 3.5.3 DAS GÄRENDE Durch die wärmere Vergärung bei Rotwein klingt diese nicht so lange nach wie bei Weißwein. Das Gärende wird nach ca. 5-7 Tagen erreicht. Je nach Weinstil kann es nach der Gärung zu einer weiteren Kaltmazerationsphase von 3 bis 6 Tagen kommen – dichte gerbstoffreiche Rotweine haben eine Gesamtmaischestandzeit von bis zu 3 Wochen. 3.6 DAS PRESSEN Das Pressen selbst kann in jeder Weinpresse erfolgen, wobei das Augenmerk auch hier auf schonende und trubreduzierende Arbeit gelegt werden sollte – auch kann das Trennen von Seihwein und dem geschmacklich raueren Presswein von Vorteil sein- zumeist wird ein Rückverschnitt vorgenommen. 3.7 DER JUNGWEIN Nach dem Gärende gibt es verschiedene Möglichkeiten des Ausbaues, die wiederum vom angestrebten Typ abhängen. 3.7.1 DIE INHALTSSTOFFE 16 Kellerwirtschaft siehe Pkt.1.5.1 3.7.2 DIE JUNGWEINBEHANDLUNG Vorklärung nach dem Abzug reduziert die Gefahr von Böckserbildung ein biologischer Säureabbau bringt Fülle und einen runderen Säureeindruck wird kein BSA gemacht, bietet sich eine Doppelsalzentsäuerung an (siehe Pkt. 1.5.2) kontrollierter Einfluss von Sauerstoff fördert die Entwicklung und Farbstabilität eine Eiweißschönung ist bei Rotwein im Normalfall nicht nötig (Eiweiß wird durch Gerbstoffe abgebunden) 3.7.3 DER BIOLOGISCHE SÄUREABBAU Bei guten Rotweinen sollte ein biologischer Säureabbau als Standard angesehen werden. Er dient nicht nur der Reduktion bzw. Umwandlung von Säure, sondern auch der Stabilität von Wein. Werden Weine einem BSA unterzogen, sind sie weit stabiler und auch länger frisch und lagerfähig. Vorteile: Reduktion der Äpfelsäure Milchsäure schmeckt fülliger bessere mikrobiologische Stabilität und geringerer SO² Bedarf Nachteile: Sauerkrautton bei unreifem Traubenmaterial Farbverlust bakterielles Risiko während des BSA 17 Kellerwirtschaft Voraussetzungen: pH-Wert über 3,1 Weintemperatur ca. 22°C kein freies SO² Restzucker unter 20g vorhandene Feinhefe Zugabe von Önococcus oeni Die Gesamtsäure wird um die Hälfte der Äpfelsäure reduziert! 3.7.4 DIE LAGERUNG Die vorteilhafteste Lagerung von Rotwein bietet die Barriquelagerung, da das Volumen im Verhältnis zur Oberfläche die optimale Sauerstoffzufuhr für Rotwein darstellt. Wiederholungsfragen zu Kapitel 3 1. 2. 3. Erklären Sie schematisch die Traubenverarbeitung bei Rotwein. Erklären Sie den Begriff Maischegärung bei Rotwein. Was versteht man unter Säureabbau? 18 Kellerwirtschaft 4 DIE WEINBEHANDLUNG BEI ROTWEIN Die Weinbehandlung bei Rotwein unterscheidet sich insofern grundsätzlich von der des Weißweines, als durch die Eigenstabilität der fertigen Rotweins im Gegensatz zu Weißwein durch Gerbstoffe und den vollzogenen Säureabbau weit höher ist. 4.4 WEINSTABILISIERUNG Der Weinstabilisierung kommt folgende Aufgabe zu: Stabilisierung der Farbe Stabilisierung von Aroma und Geschmack 4.4.1 SCHWEFELUNG Die Schwefelung erfolgt bei Rotwein zu einem weit späteren Zeitpunkt als bei Weißwein. Der Grund dafür liegt in der Zeitspanne, die der Rotwein braucht um vereinfacht dargestellt durch Oxidation die Farbe zu stabilisieren (Sauerstoff reagiert mit Tannin = Polimerisation). 4.4.2 ENTKEIMUNG Eine Entkeimung in Form von Sterilfiltration, wie wir sie vom Weißwein kennen, ist bei Rotwein in der Regel nicht notwendig. Top-Rotweine werden nicht filtriert – die Folge können feine Depots sein. 4.5 4.5.1 WEINSCHÖNUNG GERBSTOFFSCHÖNUNG Die wichtigste Rotweinschönung ist wohl die Gerbstoffabrundung, die wie bei Weißwein mit Eiweißprodukten durchgeführt wird. Für Spitzenweine wird aber die Schönung mit frischem Eiklar vorgezogen 4.5.2 KLÄRSCHÖNUNG Klärschönung und Gerbstoffschönung werden in einem Arbeitsgang durchgeführt 19 Kellerwirtschaft 4.5.3 DIE EIWEISSSCHÖNUNG Eine Eiweißschönung ist in der Regel nicht notwendig 4.6 FEHLERBEHEBUNG 4.6.1 BÖCKSERBEHANDLUNG Bei leichten Fehlgerüchen unmittelbar nach der Gärung genügt es den Wein über Luft abzuziehen – bei manifesten Fehlern kann Kupfersulfat Abhilfe schaffen, was aber in manchen Fällen eine Blauschönung nach sich zieht. 4.6.2 BLAUSCHÖNUNG Hier werden im Wein gelöste Metalle (Kupfer oder Eisen) durch die Zugabe von gelbem Blutlaugensalz entfernt. Diese Schönung kann bei falscher Durchführung gesundheitsschädlich sein. Wiederholungsfragen zu Kapitel 4 1. 2. Mögliche Weinbehandlungen bei Rotwein. Was versteht man unter Farbstabilisierung bei Rotwein? 20 Kellerwirtschaft 5 WEINFEHLER UND KRANKHEITEN 5.3 WEINFEHLER Von einem Weinfehler spricht man, wenn sich durch äußere Einflüsse, die nicht immer vom Hersteller kontrolliert werden können, Weine sich negativ entwickeln. (Tabelle 5.1.1) 5.4 WEINKRANKHEITEN Von einer Krankheit kann dann gesprochen werden, wenn sich durch unsaubere oder fachlich falsche Verarbeitung mikrobiologische Fehlentwicklungen ergeben. Weinkrankheiten könnten durch Hygiene und fachliche Kompetenz leicht vermieden werden. (Tabelle 5.2.1) MANGEL AUSSEHEN FEHLER KRANKHEIT Frostgeschmack hochfärbig rostig gelbbraun, orangerot Schimmelgeschmack Faulton unauffällig, hochfärbig Gerbstoff – assoziierte Fehler: Unreifeton, Rappenton, Maischeton, Bitterton hell bzw. hochfärbig, dunkel, matt Gärverzögerung, unauffällig Gärstockung MANGEL FEHLER - AUSSEHEN GERUCH GESCHMACK URSACHE VERMEIDUNG BEHEBUNG eigentümlich, grasig-süßlich, durch Frost rechtzeitige Ernte Blauschönung, grasig, firnig, widerlich geschädigte Aktivkohle schwarze Zellen bei zu 100g / hl Brotrinde geringen Zuckergehalt scharf, Schimmelkäse, faules Traubenselektion Mostbentonit, muffig, Gorgonzola, Traubenmaterial bei Ernte, Botrytis- Aktivkohle schimmelig, Karamelton, (nicht Edelfäule behandlung im 100g / hl Sortenaroma Apfelmus ab ca. 14°KMW) Weingarten maskiert, Essig grasig, dumpf hart, kratzig, ungünstiger richtiger Schönungen bitter, pelzig, Witterungsverlauf Erntezeitpunkt, Gelatine, trestrig, während der technisch PVPP, Eiklar, adstringierend, Ernte, kühl einwandfreie und Hausenblase, krautig feucht, keine rasche Kaseine Traubenselektion, Traubenverarbeitun mangelhafte g, Verarbeitung, Ertragsminderung, neue Holzfässer richtige Laubarbeit Gärgeruch, prickelnd, zu hohe Erträge, Verwendung von je nach fruchtig, unharmonisch, zu hohe SO2, zu Reinzuchthefe, auftretenden estrig, süß kühle oder zu Temperaturkontrolle Fehler aldehydig, heiße Vergärung säuerlich GERUCH GESCHMACK URSACHE VERMEIDUNG BEHEBUNG 21 Kellerwirtschaft KRANKHEIT Kahmigwerden weiße muffig Kahmhaut auf der Oberfläche Aldehydton, fahl, hochfärbig, schal, Kahmgeschmac stumpf aldehydig, k, oxidativ, Luftgeschmack sherryartig, Apfel, Dörrobst Hochfärbigkeit, gelborangerot, rahn, Nuss, Braunstich, braunrot, Birne, Brauner Bruch, braune Brotrinde, Schwarzer Flocken, gedörrtes Bruch Braunfärbung Obst an der Oberfläche, russischer Tee Essigstich, hochfärbig, säuerlich flüchtige Säure gelegentlich nach Essig, feine, stechend schleimige Kahmhaut, leicht trüb SO2-Stich wasserhell, licht, blassrot Böckser unauffällig MANGEL FEHLER - AUSSEHEN dünn, leer, nicht vollgefüllte schal, ranzige Fässer, kein SO2 Butter, essigsauer sherryartig, fad wilde Hefen, Fehlgärungen, verschleppte Gärung, Oxidation rationelle Kellerwirtschaft Filtration Reinzuchthefe, ausreichende zügige Gärung, Schwefelung keine Schwefelung während der Gärung Nusston, schal, wenig bzw. keine ausreichende ölig, leer freie SO2 Schwefelung vorhanden, lange Maischestandzeit bei gefaulten Traubenmaterial Verschnitt, Schwefelung Vorhandensein gesundes nicht möglich von viel Traubenmaterial, Essigsäure Desinfektion aller (flüchtige Säure), Kellergeräte, Fehlgärungen Maische- bzw. durch wilde Mostschwefelung, Hefen, rasches Angären Umsetzung von Zucker durch Milchsäurebakteri en stechend stahlig, hart, falsche rationelle Verschnitt SO2 scharf Bedarfsbestimmu Kellerwirtschaft ng faule Eier, breit, faulig, Spritzmittel, sorgfältiger Kupferschönun verbrannter käsig, Kohl, Maischeschwefel Umgang mit SO2, gen, Belüften Gummi, Kohl, Faulgeschmack ung - zu reduktive saubere und rasche Zwiebel Verarbeitung, zu Verarbeitung der lange Lagerung Trauben, auf der Hefe, Mostklärung, Stickstoff- und zeitgerechtes Aminosäuremang Abziehen vom el bei Gärung, Lager, Verwendung von Einzelstockbelastun Reinzuchthefe in g beachten, trüben Mosten Nährstoffversorgun g der Hefe sicherstellen GERUCH sauer-scharf GESCHMACK URSACHE VERMEIDUNG BEHEBUNG 22 Kellerwirtschaft KRANKHEIT Untypische Alterungsnote (UTA) blass, wasserhell Unsauberer matt, BSA: schleierartige Milchsäurestich, Trübung Buttersäureton stumpf, bitter, gerbend, unsauber, am Gaumen Naphthalinnot haftend e, Mottenkugel, Seife, Foxton Sauerkrautto schleimig, n, buttrig, viskos, Joghurtton säuerlich zu hohe Einzelstockbelast ung, negativer Wasserhaushalt Ertragsreduktion, nicht möglich Bodenbearbeitung, Mostgelatine, Hefenährsalz Milchsäureabbau sterile Verarbeitung Verschnitt vor Gärende, zu frühe Entfernung der Feinhefe, zu hoher PH-Wert nach Mostentsäuerung Mannitstich, seidenartige, essigstichig kratzend, Säurearme, rationelle nicht möglich Mannitgärung schleierartige säuerlich-süß, alkoholarme Kellerwirtschaft Trübung leicht viskos, Weine die säurearm, lind unzureichend geschwefelt wurden (oft in Verbindung mit Essigstich bei fehlerhaften BSA) Zähwerden, leicht trüb, breit, oxidativ, langanhaltende biologischer sterile Verarbeitung Filtration Lindwerden CO2-Bläschen häufig r, kratziger an Säureabbau in bleiben essigstichig Mäuseharn der Flasche, zu stecken, Fäden erinnernder geringer Schwefel ziehend, Abgang dickflüssig, schleimig Mäuseln matt dumpf, langanhaltende Säurearme sterile Verarbeitung Schwefeln, oxidativ, r, kratziger, an warmvergorene Aktivkohle, häufig Mäuseharn Weine mit Verschnitt mit essigstichig erinnernder Lactobacillus säurereichen Abgang oder Wein, BrettanomycesHefeschönung Hefen Käseln unauffällig käseartig Faulgeschmack durch Lichteinwirkung Pferdeschweiß, unauffällig süßlichbitumenartig, infizierte rationelle Sterilfiltration, Pferdeton, scharf, speckigBarriques, Kellerwirtschaft Eiklar, Pferdestall schweißig, animalisch, unsaubere Kaseinate, teerig essigsauer Verarbeitung PVPP, bereits im Gelantine in Maischestatium großen Mengen Qualitätsverlust 23 Kellerwirtschaft MANGEL FEHLER KRANKHEIT Geranienton AUSSEHEN GERUCH GESCHMACK URSACHE VERMEIDUNG BEHEBUNG unauffällig erdig, blumig nach Pelargonien pappig, staubig, dumpf, chemisch bitter, Pelargonien rationelle Kellerwirtschaft nicht möglich rationelle Kellerwirtschaft nicht möglich Rückstände von: rationelle Reinigungs-, Kellerwirtschaft Lösungs-, Wildverbißmittel, Filtermaterial, Kunstharz (Polyester), diverse Mineralöle unsachgerechte rationelle Lagerung von Kellerwirtschaft Schönungsmitteln nicht möglich unsachgerechte rationelle Blauschönungen Kellerwirtschaft neue Fässer nicht rationelle weingrün, alte Kellerwirtschaft Fässer unsauber nicht möglich Filter-, unauffällig Papiergeschmac k, Behandlungsmit telfehlton Medizinalton, unauffällig Lösungsmittelto n, Styrolgeschmac k, Mineralölgesch mack Schönungsfehle unauffällig r Bittermandelton unauffällig, grünlichblau Holzton, unauffällig, Fassgeschmack bräunlichgelb („Neuel“) holzig, herbstreng, Tischlereiton, nach Fassholz Altersfirn goldgelb, Petrolton, („Altel“) orangerot, bzw. gegerbtes unauffällig Juchtenleder Schwefelsäurefir unauffällig hart n Korkgeschmack unauffällig pappig, fad, fremdartig scharf, chemisch, stechend, scharf, Diesel, weinfremd, Aceton, Lack, Jodoform Kunststoff, Gummi, Jodoform weinfremd, chemisch, dumpf, modrig unauffällig Abbau von Sorbinsäure durch Bakterien weinfremd, chemisch bitter kratzig, Sägespäne, Lohe, Holzgeschmack , grünlich-sauer musig, breit, unkontrollierte bitter, Alterston Oxidation hart-sauer, unsachgerechte Rauwerden der Schwefelung von Zähne Holzfässern, häufiges Nachschwefeln und damit verbundene Bildung von Schwefelsäure dumpf, dumpf, Trichloranisol, muffig, chemisch, Schimmelpilze im modrig, schimmelig Weinkork, stumpf, Mikroorganismen Sortenaroma bei der maskiert Verarbeitung nicht möglich nicht möglich ausreichende Schwefelung Verschnitt rationelle Kellerwirtschaft Verschnitt Verwendung von nicht möglich H2O2(Wasserstoffp eroxid) bei der Korkwaschung anstatt Hypochlorit, 24 Kellerwirtschaft MANGEL FEHLER KRANKHEIT Kristalline Ausscheidunge n Metallgeschmac k, Metalltrübungen , Weißer, Grauer und Schwarzer Bruch HefeBakterientrübun g Eiweißtrübung AUSSEHEN GERUCH GESCHMACK URSACHE Sediment, definierte Kristalle, Weinstein: unregelmäßige Kristalle, Calciumtartrat: sechseckige Kristalle („Sargdeckel“) unauffällig bzw. opaliszierende weißgraue bis bläulich grüne Trübung an der Luft, schwärzliche Gerinnsel opaliszierend, trüb, Hefen, Bakterien: grober Trub, Gasbläschen, Schaumrand Eiweiß: schleierartig, graue Streifen, in verd. nicht löslich unauffällig unauffällig unauffällig, rau-grasig metallischschadhafte bitter, rau Kellertechnik zusammenzieh end BEHEBUNG Temperaturschwa Ausfrieren, nkungen Metaweinsäure gärig, mostig, spritzig, unsaubere stechend prickelnd, spitz, Kellertechnik nach unharmonisch Kohlensäure, estrig unauffällig VERMEIDUNG Filtration sämtliche Geräte aus AV-Stahl sterile Verarbeitung Schwefelung, Filtration breit, unsauber Temperaturschwa Eiweißschönung mit Filtration nkungen Bentonit Wiederholungsfragen zu Kapitel 5 1. 2. 3. 4. Blauschönung Was versteht man unter Weinfehler? Nennen Sie 5 Weinfehler. Was versteht man unter Weinkrankheit? Nennen Sie 5 Weinkrankheiten. 25 Kellerwirtschaft 6 SPEZIELLE WEINBEREITUNG 6.1 SÜSSWEINE Bei der Verarbeitung von Prädikatsweinen muss grundsätzlich in drei Kategorien unterschieden werden: Kaltverarbeitung Eiswein Verarbeitung gesunder Trauben Spätlese Auslese Strohwein Verarbeitung edelfauler Trauben Beerenauslese Trockenbeerauslese Ausbruch 6.1.1 KALTVERARBEITUNG die Grundvoraussetzung dafür ist gefrorenes Traubenmaterial (min. -7°C oder tiefer) die Trauben werden nicht gerebelt eine leichte SO²-Gabe ist vorteilhaft langsam anpressen – sobald der Saft zu fließen beginnt den Druck nicht mehr erhöhen und oft scheitern, da der Tresterkuchen sonst zusammenfrieren könnte – Vorgang oft wiederholen bis die Untergrenze von 25 KMW erreicht ist den Most auf Gärtemperatur bringen (18° C) Hefe zugeben und rasch vergären (nicht über 18°C) 6.1.2 VERARBEITUNG GESUNDER TRAUBEN Trauben möglichst unversehrt in den Keller bringen je nach Zustand der Trauben Quetschen oder Rebeln moderate Maischeschwefelung Maischestandzeiten von 6 bis 12 Stunden schonend und langsam Pressen Mostbehandlung den Most auf Gärtemperatur bringen (18° C) Hefe zugeben und rasch vergären (nicht über 18°C) 6.1.3 VERARBEITUNG EDELFAULER TRAUBEN 26 Kellerwirtschaft Trauben rasch und unverletzt in den Keller bringen Quetschen – ein Rebeln ist auf Grund der verholzten oder botrytisbefallenen Stiele nicht nötig bzw. bei starker Botrytis nicht möglich starke Maischeschwefelung lange Maischestandzeit von 12 bis 24 Stunden schonendes Pressen Mostbehandlung (evtl. Kohle) den Most auf Gärtemperatur bringen (18° C) Hefe zugeben und rasch vergären (nicht über 18°C) Wiederholungsfragen zu Kapitel 6 1. 2. 3. Welche Verfahren zur Süßweinherstellung kennen Sie? Was versteht man unter Kaltverarbeitung? Worauf ist bei der Verarbeitung von edelfaulen Trauben zu achen? 27 Kellerwirtschaft Stand: 2002 Impressum: Autor: Rudolf Hofmann, Diplomsommelier, Weinakademiker Hersteller: Inhouse GmbH der Wirtschaftskammern Österreichs Für den Inhalt verantwortlich: Inhouse GmbH der Wirtschaftskammern Österreichs WIFI Netzwerk Frau Karin Soukal A-1045 Wien, Wiedner Hauptstraße 63 2002, alle Rechte vorbehalten Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Wirtschaftsförderungsinstituts der Wirtschaftskammer Österreich ist unzulässig. Das gilt insbesondere für Fotokopien, Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. 28