Inhaltsverzeichnis

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Die Prophezeiungen der
Päpste
Zurückzuführen auf eine Vision
des Hl. Malachias von
Peter,
Die Liste lässt sich in zwei Gruppen eingeteilt werden,
eine der 74 Päpste und antipopes, die vor dem Erscheinen
der Prophezeiung regierte im Jahre 1590, für die die
Verbindung zwischen dem Motto und der Papst ist in der
Regel klar. Der andere ist der 37 Päpste, regierte seit
1590, für die die Verbindung zwischen dem Motto und der
Papst ist oft angespannt oder vollständig undurchsichtig
sein.
Päpstliches Wappen
Aufzeichnung der Päpste seid Beginn nach Christus
Bis zum heutigen Zeipunkt sind 267 Päpste in diesem Verantwortungsbereich vorgestanden.
Der aktuelle Papst Papst Benedikt XVI.
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Datum: 24.10.2010
Anmerkung:
Diese Liste, Bander adaptiert von Die Prophezeiungen des Hl. Malachias von Peter, beginnt seine
Nummerierung zwei Zahlen vor dem Vatikan Nummerierung der Päpste (Benedikt XVI ist der 265., nicht die 267.).
Der Grund dafür ist unklar (vielleicht weil der beiden angeblichen "Anti-Päpste").
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Inhaltsverzeichnis
PÄPSTLICHES WAPPEN .............................................................................................................................. - 1 DIE PÄPSTE (VERZEICHNIS) ................................................................................................................... - 8 DIE PÄPSTE DETAILINFORMATIONEN .................................................................................................... - 8 
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PETRUS 33-67(?) .............................................................................................................................. - 8 LINUS 67(?)-76(?) ............................................................................................................................ - 8 ANAKLET 76(?)-88(?) ........................................................................................................................ - 9 KLEMENS I. 88(?)-97(?) ..................................................................................................................... - 9 EVARISTUS 97(?)-105(?) .................................................................................................................... - 9 ALEXANDER I. 105(?)-115(?) .............................................................................................................- 10 SIXTUS I. 115(?)-125(?) ...................................................................................................................- 10 TELESPHORUS 125(?)-136(?) .............................................................................................................- 10 HYGINEUS 136(?)-140(?) HYGINUS .....................................................................................................- 10 PIUS I. 140(?)-155(?) ......................................................................................................................- 10 SOTER 166(?)-175(?).......................................................................................................................- 11 ELEUTHERUS 175(?)-189...................................................................................................................- 11 VIKTOR I. 189-199...........................................................................................................................- 11 ZEPHYRINUST 199-217 .....................................................................................................................- 11 HIPPOLYT 217- 235 .........................................................................................................................- 12 CALIXTUS I. 217-222 ........................................................................................................................- 12 URBAN I. 222-230 ...........................................................................................................................- 13 PONTIANUS 230-235........................................................................................................................- 13 ANTERUS(ANTEROS) 235-236 ............................................................................................................- 13 FABIANUS 236-250 ..........................................................................................................................- 14 NOVATIAN 258................................................................................................................................- 14 CORNELIUS 251-253 ........................................................................................................................- 14 LUCIUS I. 253-254 ...........................................................................................................................- 15 STEPHAN I. 254-257 ........................................................................................................................- 15 SIXTUS II. 257-258 ..........................................................................................................................- 16 DIONYSIUS 259-268 .........................................................................................................................- 16 FELIX I. 269-274..............................................................................................................................- 16 EUTYCHIANUS 275-283 ....................................................................................................................- 17 CAJUS 283-296 ..............................................................................................................................- 17 MARCELLINUS 296-304 ....................................................................................................................- 17 MARCELLUS I. 308-309 .....................................................................................................................- 17 EUSEBIUS 309-310 ..........................................................................................................................- 18 MILTIADES 311-314 ........................................................................................................................- 18 SILVESTER I. 314-335 .......................................................................................................................- 18 MARKUS 336 .................................................................................................................................- 19 JULIUS I. 337-352 ............................................................................................................................- 19 LIBERIUS 352-366 ...........................................................................................................................- 20 FELIX II. 355 ...................................................................................................................................- 20 DAMASUS I. 366-384 .......................................................................................................................- 21 -
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URSINUS 366-367 ...........................................................................................................................- 21 SIRICIUS 384-399 ............................................................................................................................- 22 ANASTASIUS I. 399-401 ....................................................................................................................- 22 INNOZENZ I. 401-417 .......................................................................................................................- 22 ZOSIMUS 417-418 ..........................................................................................................................- 22 BONIFAZ I. 418-422 .........................................................................................................................- 23 COELESTINUS I. 422-432 ...................................................................................................................- 24 SIXTUS III. 432-440 .........................................................................................................................- 24 LEO I., DER GROßE 440-461 ...............................................................................................................- 25 HILARIUS 461-468 ...........................................................................................................................- 25 SIMPLICIUS 468-483 ........................................................................................................................- 25 FELIX III. 483-492............................................................................................................................- 26 GELASIUS I. 492-496 ........................................................................................................................- 27 ANASTASIUS II. 496-498 ...................................................................................................................- 27 SYMMACHUS 498-514 .....................................................................................................................- 27 LAURENTIUS 507-508 ......................................................................................................................- 28 HORMISDAS 514-523 .......................................................................................................................- 28 JOHANNES I. 523-526.......................................................................................................................- 29 FELIX IV. 526-530 ...........................................................................................................................- 29 BONIFAZ II. 530-532 ........................................................................................................................- 29 DIOSKUR 530 .................................................................................................................................- 30 JOHANNES II. 533-535......................................................................................................................- 30 AGAPET I. 535-536 ..........................................................................................................................- 30 SILVERIUS 536-537 ..........................................................................................................................- 31 VIGILIUS 537-555 ...........................................................................................................................- 31 PELAGIUS I. 556-561 ........................................................................................................................- 32 JOHANNES III. 561-574.....................................................................................................................- 32 BENEDIKT I. 575-579........................................................................................................................- 33 PELAGIUS II. 579-590 .......................................................................................................................- 33 GREGOR I. (DER GROßE) 590-604 .......................................................................................................- 33 SABINIANUS 604-606 ......................................................................................................................- 34 BONIFAZ III. 607..............................................................................................................................- 34 BONIFAZ IV. 608-615 .......................................................................................................................- 34 DEUSDEDIT (SPÄTER ADEODATUS I.) 615-618 ........................................................................................- 35 BONIFAZ V. 619-625 ........................................................................................................................- 35 HONORIUS I. 625-638 ......................................................................................................................- 35 SEVERINUS 640 ...............................................................................................................................- 36 JOHANNES IV. 640-642 ....................................................................................................................- 36 THEODOR I. 642-649........................................................................................................................- 37 MARTIN I. 649-653 .........................................................................................................................- 37 EUGEN I.654-657 ............................................................................................................................- 38 VITALIAN 657-672 ...........................................................................................................................- 38 ADEODATUS II. 672-676 ...................................................................................................................- 38 DONUS 676-678.............................................................................................................................- 39 AGATHO 678-681............................................................................................................................- 39 LEO II. 682-683 ..............................................................................................................................- 39 -
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BENEDIKT II. 684-685.......................................................................................................................- 40 JOHANNES V. 685-686 .....................................................................................................................- 40 KONON 686-687 ............................................................................................................................- 41 THEODOR (GEGENPAPST) 687 .............................................................................................................- 41 PASCHALIS (GEGENPAPST) 687-692 .....................................................................................................- 41 SERGIUS I. 687-701 .........................................................................................................................- 42 JOHANNES VI. 701-705 ....................................................................................................................- 42 SISINNIUS 708 ................................................................................................................................- 43 KONSTANTIN I. 708-715 ...................................................................................................................- 43 GREGOR II. 715-731........................................................................................................................- 44 GREGOR III. 731-741 .......................................................................................................................- 44 ZACHARIAS 741-752 ........................................................................................................................- 44 STEPHAN I. STEPHAN II.752................................................................................................................- 45 STEPHAN II. 752-757 .......................................................................................................................- 45 PAUL I. 757-767 .............................................................................................................................- 45 KONSTANTIN II. 767-768 ..................................................................................................................- 46 PHILIPP 768 ...................................................................................................................................- 46 STEPHAN III. 768-772 ......................................................................................................................- 47 HADRIANUS I. 772-795 .....................................................................................................................- 47 LEO III. 795-816 .............................................................................................................................- 48 STEPHANUS IV 816-817. ..................................................................................................................- 48 PASCHALIS I. 817-824 ......................................................................................................................- 48 EUGEN II. 824-827 ..........................................................................................................................- 49 VALENTINUS 827 .............................................................................................................................- 49 GREGORIUS IV. 827-844 ...................................................................................................................- 49 JOHANNES GEGENPAPST 844 .............................................................................................................- 50 SERGIUS II. 844-847 ........................................................................................................................- 50 LEO IV. 847-855 .............................................................................................................................- 50 ANASTASIUS III. A. BIBLIOTHECARIUS (GEGENPAPST) (855) .......................................................................- 51 BENEDIKT III. 855-858......................................................................................................................- 51 NICOLAUS I. 858-867 .......................................................................................................................- 52 HADRIAN II. 867-872 .......................................................................................................................- 53 JOHANNES VIII. 872-882 ..................................................................................................................- 53 MARINUS I. 882-884........................................................................................................................- 53 HADRIAN III. 884-885 ......................................................................................................................- 54 STEPHAN V. 885-891 .......................................................................................................................- 54 FORMOSUS 891-896 .......................................................................................................................- 54 BONIFAZ VI. 896 .............................................................................................................................- 55 STEPHAN VI.(VII.) 896-897 ...............................................................................................................- 55 ROMANUS 897 ...............................................................................................................................- 55 THEODOR II. 897 .............................................................................................................................- 56 JOHANNES IX. 898-900.....................................................................................................................- 56 BENEDIKT IV.900-903 ......................................................................................................................- 56 LEO V. 903 .....................................................................................................................................- 57 CHRISTOPHORUS 903-904 ................................................................................................................- 57 SERGIUS III. 904-911 .......................................................................................................................- 57 -
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ANASTASIUS III. 911-913 ..................................................................................................................- 58 LANDO 913-914 ..............................................................................................................................- 58 JOHANNES X.914-928 ......................................................................................................................- 58 LEO VI. 928 ....................................................................................................................................- 59 STEPHAN VII. 928-931 .....................................................................................................................- 59 JOHANNES XI. 931-935.....................................................................................................................- 59 LEO VII. 936-939 ............................................................................................................................- 59 STEPHAN VIII. 939-942 ....................................................................................................................- 60 MARINUS II. 942-946.......................................................................................................................- 60 AGAPITUS II. (AGAPET) 946-955 .........................................................................................................- 60 JOHANNES XII. 955-964....................................................................................................................- 61 BENEDIKT V.(GEGENPAPST) 964 ..........................................................................................................- 61 LEO VIII. 963-965 ...........................................................................................................................- 61 JOHANNES VIII. 965-972 ..................................................................................................................- 61 BENEDIKT VI. 973-974 .....................................................................................................................- 62 BENEDIKT VII. 974-983 ....................................................................................................................- 62 JOHANNES XIV. 983-984 ..................................................................................................................- 62 BONIFAZ VII. (974) 984-985.............................................................................................................- 63 JOHANNES XV. 985-996 ...................................................................................................................- 63 GREGOR V. 996-999 ........................................................................................................................- 64 JOHANNES XVI. (GEGENPAPST) 997 - 998 .............................................................................................- 64 SILVESTER II. 999-1003 ....................................................................................................................- 65 JOHANNES XVII. 1003 ......................................................................................................................- 65 JOHANNES XVIII. 1004-1009 .............................................................................................................- 65 SERGIUS IV. 1009-1012....................................................................................................................- 66 BENEDIKT VIII. 1012 -1024 ...............................................................................................................- 66 GREGOR (VI.)GEGENPAPST MAI-DEZEMBER 1012 ...................................................................................- 67 JOHANNES XIX. 1024-1032 ...............................................................................................................- 67 BENEDIKT IX. 1032-1045 ..................................................................................................................- 68 SILVESTER III. 1045 ..........................................................................................................................- 68 GREGOR VI. 1045-1046 ...................................................................................................................- 68 CLEMENS II. 1046-1047....................................................................................................................- 69 DAMASUS II. 1048 ...........................................................................................................................- 69 LEO IX. 1049-1054..........................................................................................................................- 70 VICTOR II. 1055-1057 ......................................................................................................................- 70 STEPHAN IX. 1057-1058 ...................................................................................................................- 70 BENEDIKT X. 1058-1059 ...................................................................................................................- 71 NICOLAUS II. 1058-1061 ..................................................................................................................- 71 ALEXANDER II. 1061-1072 ................................................................................................................- 71 HONORIUS (II.) GEGENPA 28.10.1061 - 31.5.1064 PST ..........................................................................- 72 GREGOR VII. 1073-1085 ..................................................................................................................- 72 GEGENPAPST 1084 KLEMENS (III.) ......................................................................................................- 72 VICTOR III. 1086-1087 .....................................................................................................................- 73 URBAN II. 1088-1099 ......................................................................................................................- 73 PASCHALIS II. 1099-1118 ..................................................................................................................- 74 THEODERICH (GEGENPAPST) 1100 - 1101 .............................................................................................- 74 -
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SILVESTER IV. GEGENPAPST 18.11.1105-13.4.1111 ...............................................................................- 74 GELASIUS II. 1118-1119 ...................................................................................................................- 75 GREGOR (VIII.) GEGENPAPST 8.3.1118-APRIL 1121) ..............................................................................- 75 KALIXT II. 1119-1124 ......................................................................................................................- 75 HONORIUS II. 1124-1130 .................................................................................................................- 76 INNOZENZ II. 1130-1143 ..................................................................................................................- 76 ANAKLET II. (GEGENPAPST) 1130-38 ...................................................................................................- 77 VIKTOR (IV.) 1138 ...........................................................................................................................- 77 CÖLESTIN II. 1143-1144 ...................................................................................................................- 77 LUCIUS II. 1144-1145 ......................................................................................................................- 78 EUGEN III. 1145-1153......................................................................................................................- 78 ANASTASIUS IV. 1153-1154 ..............................................................................................................- 78 HADRIAN IV. 1154-1159 ..................................................................................................................- 78 ALEXANDER III. 1159-1181 ...............................................................................................................- 79 VIKTOR IV.1159 ..............................................................................................................................- 79 PASCHALIS III. 1164 - 1168 ...............................................................................................................- 79 KALIXT (III.) 1178 ............................................................................................................................- 80 INNOZENZ (III.) 1179 - 1180 ..............................................................................................................- 80 LUCIUS III. 1181-1185 .....................................................................................................................- 80 URBAN III.1185-1187 ......................................................................................................................- 81 GREGOR VIII. 1187 ..........................................................................................................................- 81 CLEMENS III. 1187-1191 ..................................................................................................................- 82 CÖLESTIN III. 1191-1198..................................................................................................................- 82 INNOZENZ III. 1198-1216 .................................................................................................................- 83 HONORIUS III. 1216-1227 ................................................................................................................- 83 GREGOR IX. 1227-1241....................................................................................................................- 84 CÖLESTIN IV. 1241 ...........................................................................................................................- 84 INNOZENZ IV. 1243-1254 .................................................................................................................- 84 ALEXANDER IV. 1254-1261 ...............................................................................................................- 85 URBAN IV. 1261-1264 .....................................................................................................................- 85 CLEMENS IV. 1265-1268 ..................................................................................................................- 86 GREGOR X. 1271-1276 ....................................................................................................................- 86 INNOZENZ V. 1276 ...........................................................................................................................- 86 HADRIANUS V. 1276 ........................................................................................................................- 87 JOHANNES XXI. 1276-1277 ...............................................................................................................- 87 NICOLAUS III. 1277-1280 .................................................................................................................- 87 MARTINUS IV. 1281-1285 ................................................................................................................- 88 HONORIUS IV. 1285-1287 ................................................................................................................- 88 NICOLAUS IV. 1288-1292 .................................................................................................................- 89 CÖLESTIN V. 1294............................................................................................................................- 89 BONIFAZ VIII. 1294-1303 .................................................................................................................- 90 BENEDIKT XI. 1303-1304 ..................................................................................................................- 91 KLEMENS V. 1305-1314 ...................................................................................................................- 91 JOHANNES XXII. 1316-1334 ..............................................................................................................- 91 NIKOLAUS (V.).................................................................................................................................- 92 BENEDIKT XII. 1334-1342 .................................................................................................................- 92 -
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KLEMENS VI. 1342-1352 ..................................................................................................................- 92 INNOZENZ VI. 1352-1362 .................................................................................................................- 93 URBAN V. 1362-1370 ......................................................................................................................- 93 GREGOR XI. 1370-1378....................................................................................................................- 93 URBAN VI. 1378-1389 .....................................................................................................................- 94 KLEMENS (VII.) ................................................................................................................................- 94 BONIFAZ IX. 1389-1404 ...................................................................................................................- 95 BENEDIKT XIII. 1394- 1423 ...............................................................................................................- 95 INNOZENZ VII. 1404-1406 ................................................................................................................- 95 GREGOR XII. 1406-1415...................................................................................................................- 96 ALEXANDER V. (GEGENPAPST) (1409/10) ............................................................................................- 96 MARTIN V. 1417-1431 ....................................................................................................................- 96 BENEDIKT XIV. (GEGENPAPST) 1425- 1430 ...........................................................................................- 96 EUGEN IV. 1431-1447 .....................................................................................................................- 96 NICOLAUS V. 1447 – 1455 ................................................................................................................- 97 CALIXTUS III. 1455-1458 ..................................................................................................................- 98 PIUS II. 1458-1464..........................................................................................................................- 98 PAUL II. 1464-1471 .........................................................................................................................- 99 SIXTUS IV. 1471-1484 .....................................................................................................................- 99 INNOZENZ VIII. 1484-1492 ...............................................................................................................- 99 ALEXANDER VI. 1492-1503 ............................................................................................................. - 100 PIUS III. 1503-1503....................................................................................................................... - 100 JULIUS II. 1503-1513 ..................................................................................................................... - 101 LEO X. 1513-1521......................................................................................................................... - 102 HADRIAN VI. 1522-1523 ................................................................................................................ - 102 KLEMENS VII. 1523-1534 ............................................................................................................... - 103 JULIUS III. 1550-1555 .................................................................................................................... - 103 MARCELLUS II. 1555....................................................................................................................... - 105 PAUL IV. 1555-1559 ..................................................................................................................... - 105 PIUS IV. 1559-1565 ...................................................................................................................... - 105 PIUS V. 566-1572 ......................................................................................................................... - 106 GREGOR XIII. 1572-1585................................................................................................................ - 106 SIXTUS V. 1585-1590 .................................................................................................................... - 106 URBAN VII. 1590........................................................................................................................... - 107 GREGOR XIV. 1590-1591 ............................................................................................................... - 107 INNOZENZ IX. 1591 ........................................................................................................................ - 108 KLEMENS VIII. 1592-1605 .............................................................................................................. - 108 LEO XI. 1605 - 1605 ...................................................................................................................... - 109 PAUL V. 1605-1621 ...................................................................................................................... - 109 GREGOR XV. 1621-1623 ................................................................................................................ - 109 URBAN VIII.1623-1644.................................................................................................................. - 110 INNOZENZ X. 1644-1655 ................................................................................................................ - 111 ALEXANDER VII. 1655-1667 ............................................................................................................ - 112 CLEMENS IX. 1667-1669 ................................................................................................................ - 112 CLEMENS X. 1670-1676 ................................................................................................................. - 113 INNOZENZ XI. 1676-1689 ............................................................................................................... - 113 -
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Datum: 24.10.2010
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ALEXANDER VIII. 1689-1691 ........................................................................................................... - 114 INNOZENZ XII. 1691-1700 .............................................................................................................. - 114 CLEMENS XI. 1700-1721 ................................................................................................................ - 115 INNOZENZ XIII. 1721-1724 ............................................................................................................. - 115 BENEDIKT XIII. 1724-1730 .............................................................................................................. - 116 KLEMENS XII. 1730-1740 ............................................................................................................... - 116 BENEDIKT XIV. 1740-1758 .............................................................................................................. - 117 KLEMENS XIII. 1758-1769 .............................................................................................................. - 117 KLEMENS XIV. 1769-1774 .............................................................................................................. - 118 PIUS VI. 1775-1799 ...................................................................................................................... - 118 PIUS VII. 1800-1823 ..................................................................................................................... - 119 LEO XII. 1823-1829....................................................................................................................... - 119 PIUS VIII. 1829-1830 .................................................................................................................... - 119 GREGOR XVI. 1831-1846 ............................................................................................................... - 121 PIUS IX. 1846-1878....................................................................................................................... - 123 LEO XIII. (1810-1903) ................................................................................................................... - 123 PIUS X. 1903-1914 ....................................................................................................................... - 124 BENEDIKT XV. 1914-1922 ............................................................................................................... - 124 PIUS XI. 1922-1939....................................................................................................................... - 124 PIUS XII. 1939-1958...................................................................................................................... - 125 JOHANNES XXIII. 1958-1963 ........................................................................................................... - 126 PAUL VI. 1963-1978 ..................................................................................................................... - 126 JOHANNES PAUL I. 1978 .................................................................................................................. - 127 JOHANNES PAUL II. 1978 ................................................................................................................. - 127 PAPST BENEDIKT XVI. ..................................................................................................................... - 128 -
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Datum: 24.10.2010
DIE PÄPSTE (VERZEICHNIS)
Diese Aufzeichung gibt eine Übersicht der aktuellen Päpste, die seid Beginn des Papsttums dieses Amt inne
hatten.
Source: http://www.kulturforum-buehl.de/pageID_8020331.html
Es gab 266 Päpste seit dem Jahr 32 nach Christus. Der aktuelle Papst ist somit der 266 Päpste seit dem Jahr 32
nach Christus.
Welcher Papst war wann Vorstand der Katholischen Kirche? Diese Informationen können Sie hier entnehmen.
(Irrtümer vorbehalten….)
DIE PÄPSTE DETAILINFORMATIONEN
 Petrus 33-67(?)
heiliger, aramäisch Kepha, eigentlich Simon, (gestorben um 64 n. Chr.), Jünger Jesu, Apostel und Missionar der
Urkirche. Aussagen im Neuen Testament Berichte über Petrus finden sich in den Paulusbriefen, die zwischen
50 und 60 n. Chr. verfasst wurden, den vier Evangelien sowie der Apostelgeschichte (um 65 bis Ende des 1.
Jahrhunderts). Von ihm wird gesagt, dass er Jesus nach dessen Gefangennahme verleugnete (z. B. Markus 14,
66-72). Petrus war aber auch der erste Zeuge der Auferstehung Jesu (vgl. 1. Korinther 15, 3; Lukas 24, 34). Im
Urchristentum hatte er die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und begründete die christliche Mission.
Der Apostel Petrus starb als Märtyrer in Rom.Der Name Petrus geht auf das Matthäusevangelium zurück. Dort
bezeichnet ihn Jesus als Felsen (griechisch pétros: Fels), auf dem er seine Kirche bauen wolle (vgl. Matthäus 16,
16-19).Petrus und der Papst Petrus wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle
genannt. Seine Stellung wurde auf seine besondere Gabe der Verkündigung zurückgeführt (vgl. Galater 2, 7).
Demgegenüber beschreiben die beiden Petrusbriefe und das Johannesevangelium (vgl. Johannes 21) ihn
jedoch mehr als Hirten. Seine hervorragende Bedeutung erhielt Petrus durch die apostolische Nachfolge, der
zufolge alle Bischöfe von Rom direkte Nachfolger des Petrus sind, dem Jesus die Schlüssel zum Reich Gottes
anvertraut hat (vgl. Matthäus 16, 17-19). Damit wird das Papstamt in der katholischen Kirche direkt auf Petrus
zurückgeführt. Die Ostkirchen, die sich abspalteten, bestritten im 11. Jahrhundert die Oberhoheit des
römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus
zurückzuführen. Der Feiertag der Apostel Petrus und Paulus fällt auf den 29. Juni.
 Linus 67(?)-76(?)
heilig (Fest 23. September). - Übereinstimmend sprechen alle Papstkataloge von ihm als dem 1. Nachfolger des
Heiligen Petrus. Irenäus identifizierte ihn mit dem in 2 Tim 4,21 erwähnten Paulusschüler L. Die historisch zu
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belegenden Angaben über L. sind unsicher. Er soll in Volterra geboren worden sein, sein Vater habe den
Namen Herculanus getragen. Dort habe ihn auch Petrus bekehrt, um ihn dann später zu seinem Nachfolger zu
bestimmen. Sein "Episkopat" dürfte ungefähr 11-15 Jahre gedauert und sich von 64-79 n. Chr. erstreckt haben.
Der Liberianische Katalog (55-67) sowie der ihm folgende Liber Pontificalis (56-23.9.67) verzeichnen einen
anderen Zeitraum. Eusebius setzt L. in seiner Kirchengeschichte von 69-81 an. Die Differenzen dürften vor dem
Hintergrund der Frage, ob L. bereits zu Lebzeiten des Petrus als dessen Vikar tätig war, zu verstehen sein. So
habe er im Namen des Petrus den Frauen geboten, ihr Haupt in der Kirche mit einem Schleier zu verhüllen (vgl.
1 Kor 11,1-15). L. wird im Kanon der römischen Messe genannt, findet sich jedoch nicht im MartHieron.
Aufgrund einer falschen Lesart datiert Beda sein Fest auf den 7. Oktober, Florus und Ado dagegen verzeichnen
ihn am 26. November. Gemäß dem "Ordo officiorum ecclesiae Lateranensis" des Priors Bernardus (1145, hrsg.
von L. Fischer, München 1916, 155) wird das Fest am 23. September begangen, dem Tag des Martyriums, wie
ihn der Liber Pontificalis überlieferte. Nach ihm ist L. an der Seite des Petrus beigesetzt worden. Jedoch ist die
Martyriumsüberlieferung wie auch die aufgefundene Grabinschrift vermutlich unecht. Das L. zugeschriebene
"Martyrium beati Petri Apostoli a Lino conscriptum" ist eine lateinische Transkription des griechischen
Martyriums und wurde im 6. Jahrhundert angefertigt. Auch die darin überlieferte Disputation mit Simon Magus
läßt sich nicht verifizieren. L. wird dargestellt als bartloser Ältester mit Tunika in S. Paolo fuori la Mura, mit
Cletus in S. Clemente (Rom, 11. Jahrhundert), selten im Osten (Menol. Basilius' II., Ende 10. Jahrhundert), auch
mehrfach als Papst mit Tiara (z. B. Dom in Volterra).
 Anaklet 76(?)-88(?)
schon in der ältesten röm. Bischofsliste als 2. Nachfolger des Petrus geführt; vermutlich Märtyrer unter Kaiser
Domitian. Anaklet bedeutet "der Untadelige" und kommt aus dem griechischen. Der Name war unter Sklaven
sehr verbreitet und vielleicht ist damit auch über die Herkunft des Mannes einiges gesagt. Heiliger (26.4)
 Klemens I. 88(?)-97(?)
Clemens war als Bischof von Rom der dritte Papst nach Petrus. Möglicherweise war er ein jüdischer
Freigelassener. Eine spätere Legende setzt ihn in eins mit dem Konsul Titus Flavius Clemens, einem Vetter
Domitians, eine andere behauptet, er sei auf die Krim verbannt worden, habe dort erfolgreich das Evangelium
verbreitet und sei dann mit einem Anker um den Hals ertränkt worden. Größere historische Sicherheit gibt es
indes nur über ihn als Autor des sogenannten Ersten Klemensbriefs, des bedeutendsten Dokuments des
nachapostolischen Christentums im 1. Jahrhundert. Der Brief richtet sich an die Gemeinde von Korinth, wo
schwere Meinungsverschiedenheiten ausgebrochen waren, und fordert die Wiedereinsetzung der
vertriebenen Priester - erstes Beispiel eines Eingreifens der römischen Kirche in Streitigkeiten anderenorts, aus
der Autorität heraus, die die Nachfolger Petri für sich in Anspruch nehmen. Die Kirche S. Clemente in Rom soll
auf dem Platz errichtet sein, wo früher Klemens´ Wohnhaus stand. Der Heilige ist Patron der Steinmetze, nach
der Legende ließ er für die verdurstenden Arbeiter im Steinbruch auf der Krim eine Quelle entspringen.
 Evaristus 97(?)-105(?)
Er starb in Rom um 109. Heiliger(26.10) Der Name Evaristus legt eine griechische Herkunft nahe. Die frühen
Quellen sind sich nicht einig über die Länge seines Episkopats. Die Angaben schwanken zwischen acht und
dreizehn Jahren, allerdings ohne genauen Beleg. Unhistorisch sind vermutlich der ihm zugeschriebene
Märtyrertod un sein Begräbnis nahe der Peterskirche. Die unter Evaristus´ Namen herausgegebenen Briefe und
Dekretalen sind nicht von ihm verfasst.
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Datum: 24.10.2010
 Alexander I. 105(?)-115(?)
Nach der röm. Bischofsliste der 5. Nachfolger des Petrus. Über sein Leben ist nichts näheres bekannt. Dass er
den Märtyrertod erlitten haben soll, ist Legende und beruht wahrscheinlich auf einer Verwechslung mit einem
Märtyrer gleichen Namens, dessen Grab 1855 an der Via Nomentana entdeckt wurde. Heiliger(3.5.)
 Sixtus I. 115(?)-125(?)
 Gestorben in Rom zwischen 124 und 126. Mit Sixtus I., dessen eigentlicher -griechischer- Name Xystus (der
Glatte, Feine) lautete, begann das Bischofsamt in Rom Kontur zu bekommen. Bis dahin spricht man nur von
Presbytern, also Gemeindevorstehern. Die neue Würde brauchte allerdings noch etwa 20 Jahre, um sich
dauerhaft zu etablieren. Spätere Traditionen feiern ihn als Märtyrer, wofür es jedoch keine Bestätigung gibt.
Heiliger(3.4)
 Telesphorus 125(?)-136(?)
Heiliger, Papst. Fest 5.1.,  1. Hälfte des 2. Jh. T. wird als 7. Nachfolger des hl. Petrus genannt und regierte
etwa 10 Jahre während der 1. Hälfte des 2.Jh. Nach Eirenaios v. Lyon (Adv. Haer. III 3,3) starb T. als Märtyrer,
wahrscheinlich unter Kaiser Hadrian. Die näheren Umstände sind allerdings unbekannt. Nach dem Liber
Pontificalis soll er Grieche gewesen sein. Er soll auch ein siebenwöchiges Fasten vor Ostern, die Feier der
Mitternachtsmesse zu Weihnachten und das Gloria in der Messe eingeführt haben. Allerdings sind diese
Neuerungen nach A. Amore sicher jüngeren Datums. Nach Eusebius (HE V 24) verurteilte er die Orientalen
nicht, die an einem anderen Ostertermin als die römische Kirche festhielten. Zu seinem Fest am 5. Januar
bemerkt A. Amore: "Im MartRom ist T. am 5. Januar erwähnt, aber das Datum stammt von Florus, der einen
römischen Martyrer mit dem Papst verwechselte." Der Karmeliterorden verehrt ihn als Ordensheiligen, weil er
auf dem Berge Karmel als Eremit gelebt haben soll. Auch in der Kunst findet sich seine Darstellung des öfteren,
so vor allem in der Papstbildreihe von S. Paolo f.l.m. zu Rom.
 Hygineus 136(?)-140(?) Hyginus
 in Rom zwischen 139 und 141. Nach dem Liber Pontificalis war Hyginus ein Grieche aus Athen, der früher als
Philosoph gewirkt hatte. Ein Schlaglicht auf das intellektuelle Klima in Rom zur Zeit seines Wpislopats wirft die
Angabe in der Papstchronik des Irenäus von Lyon (um185), dass Valentinos und Cerdo, zwei Lehrer der Gnosis
aus Ägypten beziehungsweise Syrien, zur Zeit des Hyginus nach Rom gekommen seien. Der ihm zugeschriebene
Tod als Märtyrer dürfte auf Legenden beruhen. Heiliger(11.1)
 Pius I. 140(?)-155(?)
nach dem Muratorischen Fragment (2. Jh.) ein Bruder des Hermas, der die Schrift "Der Hirte" verfaßt haben
soll. In den ältesten römischen Bischofslisten (Irenäus; Hegesipp) ist P. als 9. Nachfolger des Petrus aufgeführt.
Während seiner Amtszeit tobten Auseinandersetzungen mit Gnostikern, vor allem mit Valentin, Kerdo und
Markion. Der antijüdisch gesinnte Markion wurde wahrscheinlich bei der römischen Synode im Jahre 144
exkommuniziert.
155(?)-166(?) Anicetus
Syrer aus Emesa; mit ihm verhandelte Bischof Polykarp von Smyrna über die Datierung und somit über die
Einführung eines alljährl. Osterfestes auch in Rom. Bis dahin gab es in Rom kein besonderes Osterfest, sondern
man feierte Christi Auferstehung jeden Sonntag, während die Kirche im Osten den Brauch eines jährlichen
Osterfestes am 14. Tag des jüdischen Monats Nisan, dem Passahfest, pflegte. Heiliger (17.4.)
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 Soter 166(?)-175(?)
hl. Papst, Märtyrer (?), 166(?)-174 (?), Fest 22.4. - In späterer Zeit als Märtyrer verehrt. In den alten
Bischofslisten als Nachfolger des Aniketos erwähnt. So berichtet um 180 Hegesipp: "Auf Anicet folgte Soter und
auf diesen Eleutherios". (Eusebius, Kirchengeschichte 4, 22, 2 f.). Ebenso erwähnt Eirenaios v. Lyon in adv.
haer. 3, 3, 3: "Nachdem dann auf Aniceto Soter gefolgt war, hat jetzt als zwölfter von den Aposteln Eleutherus
den Episkopat inne." Bis zu S. "scheint es in Rom keine eigene Osterfeier gegeben zu haben. Sie setzte eine
Besinnung auf die historischen Grundlagen der sonntäglich gefeierten Mysterien voraus, die im Gefolge der
Parusieverzögerung nur natürlich war." (E. Dassmann, Kirchengeschichte I-Ausbreitung, Leben und Lehre der
Kirche in den ersten drei Jahrhunderten. Stuttgart-Berlin-Köln 1991, S. 221). - Er ist in die frühe Geschichte der
Ortskirche von Rom eingegangen als großer Wohltäter in Nöten anderer Ortskirchen. So bezeugt Bischof
Dionysius von Korinth in einem Dankesbrief an die Kirche von Rom: "Von Anfang an hattet ihr den Brauch, allen
Brüdern auf mannigfache Weise zu helfen und vielen Gemeinden in allen Städten Unterstützungen zu schicken.
Durch die Gaben, die ihr von jeher geschickt habt, da ihr als Römer einen überlieferten römischen Brauch
festhaltet, erleichtert ihr die Armut der Dürftigen und unterstützt ihr die in den Bergwerken lebenden Brüder.
Euer heiliger Bischof Soter hat diesen Brauch nicht nur festgehalten, er hat ihn auch noch erweitert, sofern er
sowohl reichliche Gaben an die Heiligen verteilt als auch die (nach Rom) kommenden Brüder wie ein liebender
Vater seine Kinder mit frommen Worten tröstet." (Eusebius, Kirchengeschichte 4, 23, o). R. Völkl bemerkt zu
dieser Nachricht über diesen Brauch: "Er (dieser Brauch) zeigt ferner, daß die Gemeinde als solche auswärtige
Gemeinden unterstützte und daß bei diesem Vorgehen, das ohne eine gewisse Organisation nicht denkbar ist,
dem Bischof eine führende Rolle zukam." (Frühchristl. Zeugnisse zu Wesen und Gestalt der christlichen Liebe,
Freiburg i.Br. 1963, S. 99). - Daß er Verfasser des sog. 2. Clemensbriefes gewesen sei, wird heute nicht mehr
angenommen. Auch ist es "unwahrscheinlich" (G. Schwaiger), daß er ein Sendschreiben gegen den
Montanismus verfaßt haben soll. In der Kunst findet sich vereinzelt sein Bild, so in der Papstbilderreihe von S.
Paolo f. l. m. in Rom. Auch im Vatikan und in der Cap. Sistina findet man seine Darstellung.
 Eleutherus 175(?)-189
t Rom(?) 189, Pest 26.5.Die Diskussion um den Montanismus (~Anicetus, ~Soter) hielt auch während der 15
Jahre an, die Eleutherus (oder Eleutherius), ein Grieche aus Nikopolis in Epirus, der römischen Kirche vorstand.
In der alten britischen Chronistik (u.a. Beda Venerabilis, 7.8.Jahrhundert) wird von einem Briefwechsel
zwischen Eleutherus und einem bekehrungswilligen Britenkönig namens Lancius berichtet. Möglicherweise
beruht das jedoch auf einer Verwechslung mit Agbar IX., König von Edessa (Syrien), der auch den Namen
Luejus trug und dessen Übertritt zum Christentum bekannt ist. 177/178 empfing Eleutherus in Rom den
Bischof Irenäus von Lyon, von dem die erste Papstliste (um 185) stammt. Während die Angaben zum Datum
seines Amtsantritts schwanken, hat die Überlieferung sich auf das zehnte Jahr der Regierungszeit Cornmodus'
(Kaiser 180-198) als Eleutherus Sterbejahr festgelegt.
 Viktor I. 189-199
heiliger (gestorben 199), Papst (189-199). Viktors Pontifikat stand im Zeichen des Osterfeststreits. Durch die
Festsetzung des Ostertermins machte er den Führungsanspruch der römisch-katholischen Kirche gegenüber
der Ostkirche geltend. Viktor verwarf den Monarchianismus und führte Latein als offizielle Kirchensprache ein.
 Zephyrinust 199-217
 Rom (?)217 Papst seit 198 oder 199, hl., Fest 26.8.Nach dem vernichtenden Urteil des späteren
Gegenpapstes Hippolyt war Zephyrinus ein schlichtes Gemüt, ungebildet, unfähig, die Kirche ordentlich zu
lenken, und habgierig obendrein. Ob das auf Wahrheit beruhte oder nicht, die Geschichtsschreibung
konstatiert immerhin, dass Zephyrinus, nach dem "Liber pontificalis" ein Römer, die Geschäfte weitgehend
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Datum: 24.10.2010
dem fähigen Archidiakon Kalixt (später Kalixt 1.) überließ. In seine Amtszeit fallen die Auseinandersetzungen
der jungen Kirche mit der apokalyptisch-asketischen Bewegung der Montanisten, die durch den Übertritt des
angesehenen Kirchenschriftstellers Tertullian (um 160-nach 220) gerade Aufschwung erhalten hatten.
Schwerer noch war der Kampf gegen den Adoptianismus, die Lehre, die Jesus bis zur Taufe als einen
gewöhnlichen Menschen erklärte. Obwohl von Viktor 1. mit dem Bannfluch belegt, gaben die Adoptionisten so
schnell nicht auf, zeitweilig finanzierten sie sogar einen eigenen Bischof. Bedrohlich auch die Lehre des
Modalismus, der Christus nur als Erscheinungsform Gottes galt. Zephyrinus formulierte dagegen die erste
erhaltene Erklärung zum Dogma der Trinität. Wenn auch die Terminologie noch fehlte, um das zentrale
Glaubensmysterium begrifflich klar darzustellen, waren wenigstens die Göttlichkeit Christi sowie die personale
Trennung vom Vater eindeutig festgehalten. Zur Zeit des Zephyrinus machte der berühmte griechische
Theologe Ongenes (um 185-um 253) einen Besuch in Rom, "begierig, die so sehr alte Kirche in Augenschein zu
nehmen".
 Hippolyt 217- 235
*vor 170,  Rom (?) Gegenpapst 217-235, hl., Fest 30.6. (im Osten), 13.8. (im Westen)Ein scharfer, kritischer
Geist: Vermutlich aus dem griechischsprachigen Osten stammend, brachte Hippolyt, der zur Zeit Viktors 1. in
Rom zum Priester geweiht wurde, die Schulung der griechischen Philosophie mit. Bald gewann er in der
römischen Kirche eine Führungsposition und wurde deren Chefintellektueller. Was von seinem umfangreichen
schriftstellerischen Werk erhalten ist, weist ihn als Meister auf dem Gebiet der Exegese, der Dogmatik, der
Liturgie und der Geschichtsschreibung aus. Gleichzeitig war er Traditionalist und strenger Sittenwächter;
erbarmungslos zog er gegen moralische Laxheit des Klerus zu Felde. Als der ehemalige Sklave Kalixt 1. zum
Papst gewählt wurde, in Hippolyts Augen ein Sektierer und Mann ohne feste Moralgrundsätze, trat Hippolyt als
Kandidat einer Minderheit gegen ihn auf der erste Gegenpapst der Geschichte. Das Schisma hielt über die
ganze Amtszeit des Kalixt und auch noch die seiner Nachfolger Urban 1. und Pontianus an. Unter denen, die
ihm folgten, führte Hippolyt ein straffes Regiment. Wie er die Kirche grundsätzlich für eine Versammlung von
Heiligen hielt, entschied er auch bei der Besetzung von Posten nach dem Grad der persönlichen Heiligkeit eines
Bewerbers. Hippolyt wurde Opfer der Christenverfolgungen unter Maximinus Thrax (Kaiser 235-238).
Zusammen mit Papst Pontianus wurde er in die römische Strafkolonie Sardinien, die "Insel des Todes",
verbracht, wo beide Päpste unter den grausamen Lebensbedingungen starben. Vorher sollen sie sich noch
ausgesöhnt und durch gemeinsamen Verzicht die Einheit der Kirche wiederhergestellt haben. Die Leichen
wurden nach Rom überführt und am 13.8.236 oder 237 feierlich bestattet. Da die Überlieferung in vielen
Punkten undeutlich ist, hat man Hippolyts Existenz überhaupt in Frage gestellt; die Debatte ist bis heute nicht
abgeschlossen.
 Calixtus I. 217-222
 Rom (?) 14.10.222 Papst seit 217, hl., Fest 14.10.In seiner Jugend diente Kalixt (Calixtus, Callistus) als Sklave
bei einem Christen, der ein Bankgeschäft unterhielt. Als die Bank zusammenbrach, wobei die christlichen
Anleger schwere Verluste erlitten, floh Kalixt, wurde aber von seinem Herrn aufgegriffen und kam in die
Tretmühle, wo die Sklaven in harter, stumpfsinniger Arbeit Schöpf- oder Mahiwerke in Gang halten mussten.
Die Gläubiger, die über ihn wieder an ihr Geld zu kommen hofften, erreichten seine Freilassung. Es folgten aber
eine Anklage wegen Störung der Sabbatruhe in der jüdischen Synagoge und die Verurteilung zu Zwangsarbeit
in den Bergwerken von Sardinien. Da griff Papst Viktor 1. ein. Er besaß über die Geliebte Commodus' (Kaiser
180-192), eine Christin namens Marcia, einigen Einfluss bei Hofe und nutzte ihn, um die Listen für den
Häftlingstransport, der gerade zusammengestellt wurde, zu korrigieren: Christen, so auch Kalixt, blieben
verschont. Versehen mit einer monatlichen Rente, verschwand Kalixt erst einmal in Anzio bei Rom und begann,
als Viktor starb und Zephyrinus die Nachfolge antrat, eine Laufbahn als rechte Hand des neuen Papstes. Zu
seinen Aufgaben gehörten die Aufsicht über die niedere Geistlichkeit und die Verwaltung des christlichen
Friedhofs an der Via Appia (heute Katakomben von 5. Callisto). Nach Zephyrinus' Tod ging die Leitung der
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römischen Kirche, die er tatsächlich längst ausübte, nun auch rechtmäßig an ihn über. Die Entscheidung blieb
allerdings nicht unangefochten:Der Presbyter Hippolyt trat als Gegenkandidat auf und ließ sich gleichfalls zum
Papst wählen. So war Kalixts Amtszeit überschattet von Auseinandersetzungen mit dem Gegenpapst, der ihm
vorhielt, Anhänger des Modalismus zu sein, der damals verbreiteten Lehre, die Christus nur als
Erscheinungsform Gottes ansah.Die anderen Vorwürfe, die gegen Kalixt erhoben wurden, erhellen interessante
Details aus dem Leben der Christengemeinde im Rom der späten Kaiserzeit: Kalixt, so die Beschwerden des
Gegenpapstes, ordinierte Priester, die schon zwei- oder dreimal verheiratet waren, unternahm nichts gegen
Eheschließungen im Klerus, duldete Verbindungen zwischen Frauen der Oberschicht und Männern von
niederer Herkunft und nahm ehemalige Mitglieder von häretischen oder schismatischen Sekten ohne weitere
Bestrafung wieder in die Kirche auf. Die Legende schreibt Kalixt einen gewaltsamen Tod bei einem
Volksaufstand zu. Angeblich stürzte man Kalixt mit einem Stein um den Hals in einen Brunnen. Sein Grab
wurde 1960 an der Via Aurelia entdeckt.
 Urban I. 222-230
 Rom (?) 19.5. um 230 Papst seit 222, hl., Fest 25.5.Wie sein Vorgänger Kalixt 1. und sein Nachfolger
Pontianus mußte sich Urban 1. mit dem Schisma Hippolyts von Rom auseinandersetzen. Nähere Nachrichten
darüber sind jedoch nicht erhalten. Ein Urban zugeschriebenes Martyrium dürfte auf Legenden beruhen, sein
Pontifikat fällt in die Regierungszeit des römischen Kaisers Severus Alexander (222-235), in der keine
Christenverfolgungen stattfanden. Eine Überlieferung besagt, daß er angeordnet habe, beim heiligen
Meßopfer Gefäße aus Silber zu benutzen; daher der Kelch als Urbans Attribut auf den bildlichen Darstellungen.
Das führte wiederum zu seinem Patronat als "Weinheiliger" in Deutschland und Österreich. Daß die Winzer
Urban als Schutzheiligen des Weines wählten, mag daran liegen, daß sein Festtag der 25.5. ist, also die Zeit, da
die Weinstöcke in unseren Breiten erste Blüten ansetzen und sich die ganze weitere Entwicklung des Weines
entscheidet. Die Bauemregel sagt: "Hat Urbanstag viel Sonnenschein, verspricht er viel und guten Wein." Der
Urbanstag war nach altem deutschen Recht ein "Stichtag" für den Abschluß von Geschäften.
 Pontianus 230-235
 Sardinien nach 235 Papst seit 21.7.(?)230, hl., Fest früher 19.11., jetzt mit Hippolyt 13.8.Nach den Angaben
des "Liber pontificalis" war Pontianus ein gebürtiger Römer. Mit seinem Pontifikat verbunden ist das erste
gesicherte Datum der Papstgeschichte: Am 28.9.235 legte Pontianus sein Amt nieder. Zu dieser Zeit befand er
sich zusammen mit dem Gegenpapst Hippolyt als Opfer der Christenverfolgung unter Maximinus Thrax (Kaiser
235-238) in der römischen Strafkolonie Sardinien oder wartete im Gefängnis auf den Transport dorthin. Mit
der Abdankung Pontianus' und dem gleichfalls ausgesprochenen Verzicht Hippolyts auf das Bischofsamt
endete das Schisma, das die römische Kirche seit der Wahl von Kalixt 1. im Jahr 217 belastet hatte. Pontianus
und Hippolyt starben bald darauf unter den grausamen Lebensbedingungen in den sardinischen Bergwerken.
Ihre Leichname wurden 236 oder 237 auf Anordnung des Papstes Fabianus nach Rom überführt und dort
beigesetzt. 1909 wurden in den Katakomben von S.Callisto Fragmente einer Grabtafel mit dem Namen des
Pontianus und seinem Titel als Bischof in griechischen Buchstaben entdeckt.
 Anterus(Anteros) 235-236
 Rom (?) 3.1.236 Papst seit 21.11.235, hl., Fest 3.1.Sein Pontifikat dauerte nur einen Monat und zwölf Tage:
Anteros, wie der Name nahelegt, ein Grieche, soll nach der Legende als Märtyrer gestorben sein. Zwar fand zu
seiner Zeit die Christenverfolgung unter Maximinus Thrax (Kaiser 235-238) statt, aber auf den älteren
Märtyrerlisten fehlt sein Name, und die Überlieferung im "Liber pontiflcalis" besagt, er sei "eingeschlafen", was
die gebräuchliche Umschreibung für einen natürlichen Tod war. Anteros war der erste Papst, der in der neu
errichteten Papstkrypta im "coemeterium" (Begräbnisplatz) von 5. Callisto bestattet wurde. Von der Inschrift
über seinem Grab haben sich Teile in griechischen Buchstaben erhalten.
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 Fabianus 236-250
Papst seit l0.2.(?)236, hl., Fest (mit dem hl. Sebastian) 20.1.Nach der Legende war Fabianus ein Papst, den Gott
selbst der Kirche gab: Als ein Nachfolger für den früh verstorbenen Anteros gesucht wurde, flog eine Taube
herbei und setzte sich auf Fabianus' Haupt, so den Mann bezeichnend, der die Geschicke der Kirche künftig
leiten sollte. Fabianus erwarb sich hohes Ansehen, an ihn wandten sich afrikanische Gemeinden mit ihren
Streitfragen ebenso wie der berühmte Theologe Origenes (um 185 - um 253). Er reformierte die
Kirchenverwaltung: Rom wurde in sieben Diakonatsbezirke mit je einem Diakon und sechs Presbytern
eingeteilt. Damit schuf er eine festgefügte Struktur, die zur Grundlage für die späteren Kardinalstitelkirchen
wurde. Auch um den Aufbau der christlichen Begräbnisplätze machte er sich verdient. Die 14 Jahre seines
Pontifikats fallen zusammen mit der Regierungszeit der Kaiser Gordian III. (238 - 244) und Philippus Arabs (244
- 249), die beide dem Christentum wohlgesinnt waren. Am Ende jedoch stand eine Katastrophe: Unter Decius
(Kaiser 249 - 251) setzten scharfe Christenverfolgungen ein. Fabianus war eines der ersten Opfer. Er wurde ins
Gefängnis geworfen und starb vermutlich an Misshandlungen. Eine Grabplatte mit seinem Namen in
Griechischen Lettern und dem Zusatz "Märtyrer" wurde 1854 in den Katakomben von S. Callisto gefunden.
Seine Überreste gelangten später nach S. Sebastiano, wo man 1915 einen Sarkophag mit seinem Namen
entdeckte.
 Novatian 258
 um 258 Gegenpapst März 251- um 258 Ausgestattet mit glänzenden Geistesgaben, spielte Novatian um die
Mitte des 3. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle im kirchlichen Leben Roms. Seine Schrift über die Trinität trug
ihm den Titel eines Begründers der römischen Theologie ein. In der Sedisvakanz nach dem Tod Fabianus'
(Januar 251) wurde er allgemein als Führer und Sprecher der Kirche anerkannt und konnte sich auch auf eine
Ordination durch Fabianus berufen. Dennoch wählte der Klerus im März 251 mit großer Mehrheit nicht ihn,
sondern den Presbyter Cornelius zum Papst. Der schwer enttäuschte Novatian ließ sich von drei Bischöfen aus
dem Süden Italiens zum Papst weihen und nahm den Kampf gegen Cornelius auf. Die stärksten Differenzen gab
es in der Frage, wie sich die Kirche dazu stellen sollte, daß viele ihrer Mitglieder in der Zeit der gerade
stattgehabten Christenverfolgungen (die auch die Sedisvakanz erzwungen hatten) vom Glauben abgefallen
waren. Novatian plädierte für Härte: Solche wankelmütigen Geister sollten dauernd aus der Kirche
ausgeschlossen bleiben. Cornelius dagegen wollte sie wieder aufnehmen, sofern sie angemessen Buße täten.
Den gleichen moralischen Rigorismus zeigt Novatian auch gegenüber seinen eigenen Anhängern. Parallel zur
offiziellen Kirche begründete er eine religiöse Gemeinschaft, die mit Ablegern im Westen bis nach Spanien und
im Osten bis nach Armenien reichte und sich mancherorts bis über das 5. Jahrhundert hielt. In ihr galt, dass
schwere Sünden einem Getauften nicht mehr vergeben werden könnten. In Rom jedoch vermochte sich der
Gegenpapst nicht durchzusetzen. Cornelius brachte auf einer Synode im Herbst 251 das Votum von 60
Bischöfen zusammen: Novatian wurde exkommuniziert. Als 252 wieder Christenverfolgungen einsetzten,
verließ er Rom. Unter Valerian (Kaiser 253-259) soll er den Märtyrertod erlitten haben.
 Cornelius 251-253
heiliger (gestorben 253), Papst (251-253); sein Namenstag ist der 16. September.Cornelius (auch Kornelius;
französisch: Corneille; niederländisch: Cornelis, Kees) entstammte der vornehmen römischen Familie der
Kornelier.Während der Zeit der Christenverfolgungen durch Kaiser Decius (249-251) hatten viele Christen ihren
Glauben widerrufen. Cornelius folgte dem Beispiel des Bischofs von Karthago, Cyprianus, und nahm die
"Bußfertigen" unter den "Abgefallenen", die so genannten Lapsi, wieder in die Kirche auf. Der rigoristische
Flügel der Kirche ernannte daraufhin Novatian zum Gegenpapst und Cornelius wurde von Kaiser Gaius Vibius
Trebonianus Gallus nach Centumcellae (heute Civitavecchia) verbannt, wo er 253 gestorben sein soll.Die
Legende berichtet aber von seiner Rückkehr nach Rom. Dort soll er mit Bleiklötzen gefoltert worden sein. Als er
zur Richtstätte geführt wurde, habe er am Wegesrand die kranke Frau eines Ritters geheilt. Die Frau und der
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Ritter mit seinen 20 Landsknechten bekehrten sich daraufhin zum Christentum; sie wurden zusammen mit
Cornelius gemartert und enthauptet.Cornelius wurde in der Calixtus-Katakombe bestattet. Eine erste
Darstellung des Heiligen ist aus dem 12. Jahrhundert bekannt; die Darstellung in der Krypta von Sankt Severin
in Köln stammt aus dem 14. Jahrhundert. Seit dem 15. Jahrhundert wurde Cornelius vor allem als Nothelfer, als
einer der vier Marschälle (mit Antonius Eremita, Hubertus und Quirinus) verehrt. Cornelius wurde von Stephan
Lochner um 1450 im pontifikalen Messgewand mit der Cappa magna, Kreuzstab und Horn dargestellt. Das
Horn ist in seinem Leben nicht nachweisbar, meint aber wohl, so die Legende, die Klaue eines Greifs, der diese
aus Dankbarkeit dem Papst habe vor die Füße fallen lassen.Cornelius ist der Schutzpatron der Abteikirche
Kornelimünster, im gleichnamigen Aachener Stadtteil. Zu der ehemaligen, 814 gegründeten BenediktinerReichsabtei und ihren Heiligtümern findet alle sieben Jahre eine Wallfahrt statt. Im dortigen Kirchenschatz
befindet sich eine Reliquienbüste des heiligen Cornelius aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts und ein
Hornreliquiar aus dem späten 15. Jahrhundert.
 Lucius I. 253-254
Papst (25.6.[?]253 - 5.3.254), heilig (Fest 4. März), römischer Abkunft, sein Vater hieß Porphyrius. - Von Kaiser
C. Vibius Trebonianus Gallus (251-253) wurde L. sofort wegen Nichtopferns in die Verbannung geschickt; der
gewaltsame Tod des Kaisers und die anfängliche Milde des Nachfolgers P. Licinius Valerianus (253-260)
ermöglichten die rasche Rückkehr aus dem Exil. Der Ort des Exils läßt sich nicht mehr genau feststellen, es
dürfte sich aber um Centrum Cellae (Civitavecchia) gehandelt haben, wo bereits L.s Vorgänger Cornelius 253
gestorben war. Die kurze Verfolgungswelle in Rom war wohl die Reaktion des Gallus auf den Druck der
Volksstimmung, die Christen seien schuld an der das Reich verheerenden Pest. - Das Pontifikat des L. fällt in die
vom anfänglichen Wohlwollen gegenüber den Christen geprägte Regierungszeit des Valerianus. Die Kürze (8
Monate und 10 Tage) ist wohl ein Grund für die nur spärliche Überlieferung. Auch das fehlende Martyrium war
mit ein Grund für die geringe Nachwirkung dieses Papstes. Cyprian von Karthago richtete an L. einen Brief
anläßlich der Rückkehr aus dem Exil, in dem er den Bekennermut des neuen römischen Bischofs rühmte (Ep.
61). Erst die spätere Legende dichtete ein Martyrium (vgl. auch Cyprian, Ep. 68). Ein solches ist jedoch
unwahrscheinlich, da die Valerianischen Verfolgungen erst um 257 einsetzten. - In der Bußpraxis vertrat L.
ebenso wie sein Vorgänger Cornelius die gemäßigtere Richtung gegenüber den strengeren Novatianern. Unter
dem Druck der Verfolgung abgefallenen Christen (lapsi) sollte eine Wiederaufnahme in die Kirche ermöglicht
werden. - Beigesetzt ist L. in der Calixtuskatakombe. Die christliche Kunst stellt diesen Papst mit Tiara und Buch
oder mit Kreuzstab und Inschrift "PP et matir" dar; bekannt ist auch eine Wandmalerei von Bergognone in s.
Maria della Passione (Mailand).
 Stephan I. 254-257
 Rom (?) 2.8.257 Papst seit 12.5.254, hl., Fest 2.8.Das Pontifikat Stephans 1. stand im Zeichen der
Auseinandersetzungen mit dem einflußreichen Bischof Cyprianus von Karthago. Zum einen ging es um die
bereits unter Lucius 1. und Cornelius erörterte Frage, wie mit Christen zu verfahren sei, die unter dem Druck
von Verfolgungen ihren Glauben verleugnet hatten. Zum andern um den Fall des Bischofs Marcian von Arles,
der sich den rigorosen Prinzipien Novatians angeschlossen hatte. Drittes und bedeutendstes Problem war der
sogenannte Ketzertaufstreit: Konnte die von einem Häretiker vorgenommene Taufe gültig sein? Cyprian und
mit ihm die afrikanische, syrische und kleinasiatische Kirche bestritten die Gültigkeit und sprachen sich für eine
Wiederholung der Taufe aus. Stephan, hinter dem auch die Kirchen von Palästina und Alexandria standen, hielt
die Wiedertaufe für den falschen Weg; der Makel, von einem Ketzer getauft zu sein, lasse sich durch einfaches
Hand-auflegen tilgen. Cyprian hielt 255 und 256 zwei Synoden ab, die seine Lehre bestätigten. Ein Bruch
zwischen Rom und großen Teilen der Christenheit drohte. Durch den Tod Stephans 257 und Cyprians im
folgenden Jahr kam es jedoch nicht dazu. Deutlich aber war, daß die römische Kirche inzwischen eine
herausragende Stellung erreicht hatte, zum Beispiel als unbezweifelte Appellationsinstanz für die Kirchen in
Gallien und Spanien. Stephan war dann auch, soweit erkennbar, der erste, der als formale Basis für den
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römischen Primat den Auftrag Jesu an den Apostel Petrus (Matthäus 16, Vers 18) anführte: "Du bist Petrus,
und auf diesen Felsen will ich bauen meine Gemeinde."
 Sixtus II. 257-258
 Rom 6.8.258 Papst seit 24. oder 31.8.257, hl., Fest 7.8."Gut und friedliebend" soll er gewesen sein: Sixtus
(Xystus) II. sorgte dafür, daß der sogenannte Ketzertaufstreit, der zu Zeiten Stephans 1. ausgebrochen war, an
Schärfe verlor. Obwohl Sixtus prinzipiell die Ansicht seines Vorgängers teilte, daß die von einem Häretiker
vorgenommene Taufe gültig sei und nicht wiederholt werden müsse, ließ er doch stillschweigend die Kirchen in
Nordafrika und Kleinasien bei ihrer Praxis der Wiedertaufe gewähren. Sixtus blieb nicht viel Zeit, sein
friedliches Regiment auszuüben. Valerian (Kaiser 253-259), ursprünglich tolerant gegenüber dem Christentum,
ging gegen Ende seiner Regierungszeit auf antichristlichen Kurs. Er forderte Teilnahme an den staatlichen
religiösen Zeremonien, verbot Zusammenkünfte der Christen in den Katakomben und gab schließlich Befehl zu
summarischen Exekutionen und Massenverhaftungen. Am 6.8.258 unterbrach ein kaiserliches
Mordkommando den Gottesdienst auf einem privaten christlichen Begräbnisplatz. Sixtus, der der
Versammlung auf dem Bischofsstuhl vorsaß, wurde enthauptet, mit ihm vier Diakone. Die übrigen drei der
insgesamt sieben römischen Diakone fielen in den nächsten Tagen den Häschern zum Opfer. Sixtus' Leichnam
wurde später in der Papstkrypta von 5. Callisto beigesetzt, der blutbespritzte Bischofsstuhl bekam einen Platz
hinter dem Altar. Sixtus gehört zu den von der Kirche besonders verehrten Märtyrern, sein Name wird bei den
Fürbitten während der Meßfeier täglich genannt. Raffael verewigte den Papst zusammen mit der heiligen
Barbara auf dem berühmten Gemälde der "Sixtinischen Madonna"
 Dionysius 259-268
 Rom (?) 26.12.268 Papst seit 22.7.260, hl., Fest 26.12.Unter den anhaltenden Christenverfolgungen
Valerians (Kaiser 253-259) kam es nach dem Märtyrertod von Sixtus II. (6.8.258) zu einer längeren Vakanz in
der Leitung der römischen Kirche. Da auch die Diakone ermordet worden waren, lagen die Geschäfte für fast
zwei Jahre allein in der Hand der Presbyter. Erst auf die Nachricht vom Tod des Kaisers in persischer
Gefangenschaft hin trauten sich die Christen, einen neuen Papst zu wählen: Dionysius, einen Presbyter
vermutlich griechischer Herkunft, der bereits unter Sixtus Führungsfunktionen ausgeübt hatte. Sein Pontifikat
war geprägt von der Auseinandersetzung mit dem Bischof Dionysius von Alexandria (t 264/265) um dessen
Subordinationslehre (Gott-Sohn dem Gott-Vater untergeordnet). In einem Schreiben an den Amtsbruder in
Alexandria stellte Dionysius von Rom in eindrucksvoller Weise die Auffassung der römischen Kirche von der
Trinität dar; erstmals wurde der Begriff "homousios" im Sinne der Wesensgleichheit von Gott-Vater und GottSohn formuliert. Energisch nahm sich Dionysius auch der inneren Angelegenheiten der römischen Kirche an, Er
drang gegenüber Valerians Sohn und Nachfolger Gallienus (Kaiser 259-268) auf Herausgabe des
beschlagnahmten Kirchenbesitzes und brachte eine durchgreifende Reorganisation der Verwaltung in Gang.
Die seit langem geübte Tradition der Unterstützung notleidender Gemeinden setzte er fort, indem er den
verfolgten Christen in Kappadokien (Zentraltürkei) aufmunternde Briefe und Geld schickte, damit sie ihre
Glaubens-brüder aus der Gefangenschaft freikaufen konnten.
 Felix I. 269-274
 Rom (?) 30.12.274 Papst seit 3.1.269, hl., Fest früher 29.5., jetzt 30.12.Leben und Werk Felix' 1. liegen
weitgehend im dunkeln, selbst die Daten seines Pontifikats sind nur errechnet. Der "Liber pontificalis" nennt
ihn einen gebürtigen Römer. Möglicherweise wirkte er mit bei der Absetzung des Kirchenlehrers und Bischofs
von Antiochia, Paulus von Samosata, der der Ketzerei beschuldigt wurde. Die Legende schreibt Felix einen
Märtyrertod zu, was Erfindung sein dürfte, da zu seiner Zeit keine Christenverfolgungen in Rom stattfanden.
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 Eutychianus 275-283
 Rom (?) 7.12.283 Papst seit 4.1.275, hl., Fest 7.1.Ein Mann aus der Toskana, so die Angabe im "Liber
pontificalis". Von seiner Person und seinem Wirken gibt es keine gesicherten Nachrichten. Festzuhalten ist
immerhin, daß sein Pontifikat in die ruhige Epoche zwischen den Kaisern Valerian (253-259) und Diokletian
(284-305) fiel, in der keine Christenverfolgungen stattfanden und die Kirche in Rom sich konsolidieren und
ausbreiten konnte, worauf u. a. die Erweiterung der christlichen Friedhöfe in dieser Zeit hindeutet.
 Cajus 283-296
t Rom? 22.4.296 Papst seit 17.12.283,hl. Fest 22.4Nach dem Liber pontificalis stammte Cajus (oder Gajus) aus
Dalmatien und war mit Diokletian (Kaiser 284-305) verwandt. Ein Legende des 6. Jahrhundert bezeichnet ihn
als Onkel der heiligen Susanna. Auch in der Passion des heiligen Sebastian spielt er eine Rolle. Diese Angaben
sind alle ungesichert, ebenso wie diejenige, die einen Märtyrertod behauptet. In Cajus' Amtszeit gab es keine
Christenverfolgungen, vielmehr fand die Kirche in Rom Gelegenheit zu Festigung und weiterer Ausbreitung.
Cajus wurde auf dem Friedhof von 5. Callisto neben der Papstkrypta begraben, möglicherweise weil in dieser
inzwischen kein Platz mehr war. Fragmente seines Epitaphs mit einer Grab-inschrift in griechischen Buchstaben
wurden im 19. Jahrhundert entdeckt.
 Marcellinus 296-304
 Rom (7) 25.l0.(?)304 Papst seit 30.6. 296 hl Fest 2.6.In Marcellinus' Pontifikat fällt der Beginn der großen
Christen-verfolgungen unter Diokletian (Kaiser 284-305): Am 23.2.303 erging das erste Edikt, das die
Zerstörung der christlichen Gotteshäuser, Auslieferung der heiligen Schriften und Opfer-handlungen vor den
alten Göttern befahl. Es scheint, daß Marcellinus den Anordnungen gehorchte, den Behörden Abschriften der
heiligen Bücher aushändigte und Brandopfer vollzog. Die "Apostasie" des Papstes spielte eine bedeutende
Rolle beim Streit mit den Donatisten, der das Papsttum im 4. und 5.Jahr-hundert beschäftigte. Die Donatisten,
eine radikale, auf strenge Einhaltung der Kirchenzucht pochende Sekte ähnlich den Novatianern (~Novatian),
behaupteten, Beweise für Marcellinus' Versagen zu haben. In der offiziellen Papstliste wurde sein Name
deshalb getilgt, Damasus 1. läßt ihn bei seinen Lobpreisungen früherer Päpste gänzlich aus. Spätere Legenden
versuchten das Bild des abgefallenen Papstes zu retten: Marcellinus gehorcht danach zwar dem kaiserlichen
Befehl, widerruft aber bald darauf und wird zusammen mit drei anderen Christen enthauptet. Für einen
Märtyrertod Marcellinus' gibt es allerdings keinen zeitgenössischen Beleg. Marcellinus scheint weder
abgedankt zu haben noch abgesetzt worden zu sein. Nach seinem - wahrscheinlich natürlichen - Tod wurde er
in den Priscillakatakomben beigesetzt.
 Marcellus I. 308-309
 16.1.308 Papst seit November/Dezember 306, hl., Fest 16.1. Nach Marcelljnus' Tod (25.10.[?]304) blieb,
bedingt durch die diokletianischen Christenverfolgungen und innere Zwistigkeiten der Kirche, der Stuhl Petri
für mehrere Jahre leer. Erst Ende 306, nach anderen Lesarten sogar erst am 27.5. oder 26.6.307, konnte ein
neuer Papst gewählt werden: Marcellus, ein früherer Mitarbeiter des Marcellinus, der vermutlich auch
während der Sedisvakanz leitende Funktionen ausgeübt hatte. Nach den Versen, die ihm Damasus 1. in seinem
Papstmemorial widmet, war Marcellus ein starrer Moralist; mit seinen Bußforderungen (für den "Abfall" vom
Glauben während der Verfolgungen) brachte er die Mehrheit der Gemeinde gegen sich auf, Unruhen und sogar
Blutvergießen waren die Folge. Als Friedensstörer wurde Marcellus schließlich von Maxentius (Kaiser 306-312)
aus der Stadt gewiesen. Er starb an unbekanntem Ort, sein Leichnam wurde nach Rom überführt und in den
Priscillakatakomben beigesetzt. Eine spätere Legende erzählt, Maxentius habe, um Marcellus zu demütigen,
dessen Kirche in einen Pferdestall umgewandelt und den Papst selbst darin zum Frondienst gezwungen. Daher
die Verehrung Marcellus' als Patron der Stallknechte und Postboten.
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 Eusebius 309-310
 in der Verbannung auf Sizilien 26.9.309 (?) Papst seit 16. oder 23.4.309 (?), hl., Fest 17.8. Das kurze
Pontifikat Eusebius' war erfüllt von den Unruhen, die Marcellus mit seiner Unnachsichtigkeit gegen die in den
Verfolgungen schwach gewordenen Gemeindemitglieder heraufbeschworen hatte. Eusebius dachte über die
Verfehlungen allerdings anders als sein Vorgänger und war bereit, die "Abgefallenen" nach gehöriger
Bußleistung wieder in den Schoß der Kirche aufzunehmen. Gegen ihn stand jedoch als eine Art Uegenpapst ein
Verfechter der harten Linie namens Heraklius auf. In den Streit griff Maxentius (Kaiser 306-312) ein und ließ
beide, Papst wie "Gegenpapst", nach Sizilien deportieren, wo Eusebius bald starb. Sein Leichnam wurde nach
Rom zurückgebracht und auf dem Friedhof von 5. Callisto beigesetzt.
 Miltiades 311-314
konsekriert 2. Juli 310, + 10. Jan. 314 in Rom, Heiliger. - M. war nach der Angabe des Papstbuches (LibPont I,
168) afrikanischer, in Wahrheit wohl röm. Herkunft. Er wurde um 300 unter dem röm. Bisch. Marcellinus zum
Presbyter ordiniert und nach einer nach dem Tod des röm. Bisch. Eusebius eingetretenen längeren Sedisvakanz
zum Bisch. v. Rom gewählt. Als solcher erhielt er von Kaiser Maxentius die während der diokletianischen
Verfolgung eingezogenen Kirchengüter zurück. Nach Konstantins I. Sieg über Maxentius erhielt er wahrsch. bei
der Anwesenheit des Kaisers in Rom den Palast der Kaiserin Fausta auf dem Lateran als Schenkung für die röm.
Kirche; auf diese Weise gelangte der Bisch. v. Rom in den Besitz einer herrschaftlichen Residenz. Durch ein
Schreiben Konstantins aus Gallien wurde M. dazu bestellt, zusammen mit drei gallischen Bischöfen über die
donatistische Streitfrage, welche die Kirche in Nordafrika gespalten hatte, zu entscheiden. Diese Verhandlung
fand vom 2. bis 4. Okt. 313 unter Vorsitz des M., der noch 15 weitere italische Bischöfe hinzugezogen hatte, im
bisherigen Palast der Fausta statt; M. hatte durch diese Erweiterung das von Konstantin berufene geistliche
Schiedsgericht in eine röm. Synode umgewandelt, bei der er nicht einfach als kaiserlicher Bevollmächtigter,
sondern als Leiterin einer Bischofsversammlung auftrat; doch ist die herkömmliche Ansicht, er habe damit die
Absicht des Kaisers durchkreuzt und diesem seinen Willen aufgezwungen, unberechtigt. Die Versammlung
bestätigte Caecilianus in seinem Amt als Bisch. v. Karthago und erklärte Donatus als Hauptwortführer der
Gegenpartei für exkommuniziert. Von kirchen- und weltgeschichtlicher Bedeutung wurde dabei der Umstand,
daß Konstantin auf diese Weise die kirchliche Institution der Synode kennenlernte und auf den Gedanken
gebracht wurde, dieses Instrument nun seinerseits in viel größerem Maßstab zur Behebung kirchlicher
Streitigkeiten und als Organ kaiserlicher Kirchenleitung anzuwenden. - M. wurde im Coemeterium Callisti
bestattet; der Versuch De Rossis, ihm dort ein bestimmtes Cubiculum zuzuweisen, bleibt unsicher. - Fest: 10.
Dez.
 Silvester I. 314-335
 Rom (?) 31.12.335 Papst seit 31.1.314, hl., Fest 31.12.Sein Pontifikat dauerte mehr als 20 Jahre, und es fällt
weitgehend zusammen mit der Regierungszeit des für die Entwicklung des Christentums höchst wichtigen
Konstantin (Kaiser 306-337), aber Silvester 1. scheint an den bedeutenden Ereignissen dieser Epoche wenig
Anteil gehabt zu haben. Von der Synode von Arles (314), die das Problem des Donatismus (~Miltiades) zu lösen
suchte, erfuhr er nur brieflich, beim Konzil von Nicäa (325), das den Arianismus verurteilte und das erste
offizielle christliche Glaubensbekenntnis formulierte, ließ er sich von zwei Presbytern vertreten. Allenfalls als
Bauherr wird er sichtbar: Die Basilica Constantiana (später 5. Giovanni in Laterano) wurde zu seiner Zeit
errichtet. Die eigentümliche Leere seiner Biographie füllte die Legende mit malerischen Details: Während der
Christenverfolgungen Diokletians (Kaiser 284-305) soll sich Silvester auf dem Berg Soracte bei Rom aufgehalten
haben und von Konstantin persönlich zurückgeholt worden sein. Der Papst zähmt mit der Kraft des Gebets
einen Drachen, der in den antiken Ruinen auf dem Forum haust, und heilt den vom Aussatz befallenen Kaiser
durch die Taufe. Konstantin schenkt Silvester dafür die Herrschaft über Rom und geleitet ihn, das Pferd des
Papstes am Zügel führend, zum Lateran, wo er vor ihm niederkniet und ihm die Tiara überreicht. Der Silvester-
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Legende bedienten sich die Fälscher, die im 8. oder 9. Jahrhundert jene Urkunde herstellten, die als
"Konstantinische Schenkung" Geschichte machen sollte. Der Primat des Papsttums und seine Rechte auf
eigenen Besitz in Italien werden darin als von Konstantin verbrieft dargestellt - zum Dank für die Heilung durch
Silvester.
 Markus 336
 Rom (?) 7.10.336 Papst seit 18.1.336, hl., Fest 7.10. Der "Liber pontificalis" bezeichnet Markus als
gebürtigen Römer; über seine Herkunft ist indessen nichts Genaueres bekannt. In sein kurzes Pontifikat (nicht
einmal neun Monate) fällt der Tod des beim Konzil von Nicäa (325) verurteilten Theologen Arius (um 260-336).
Markus scheint aber an dem grossen Streit, ob Christus Gott wesenählich (so Arius) oder wesensgleich (so der
Konzilbeschluß) sei, nicht teilgenommen zu haben. Auf Markus wird die Verleihung des Palliums zurückgeführt,
einer um die Schulter gelegten weissen Binde mit sechs schwarzen Kreuzen als Amtszeichen eines katholischen
Erzbischofs. Auch sell er die Kompilation der "Depositio episcoporum" und der "Depositio martyrum", eine
Aufstellung der Gedenktage römischer Bischöfe und Märtyrer, veranlasst haben.
 Julius I. 337-352
 Rom? 12.4.352 Papst seit 6.2.337, hl., Fest 12.4.spielte eine bedeutende Rolle in den Auseinandersetzungen
um Athanasius, in deren Verlauf es ihm durch kluges Taktieren gelang, Rom eine gewisse Vormachtstellung zu
erringen. Das ist insofern überraschend, als seine Vorgänger Silvester und Marcus (dessen Pontifikat allerdings
nur 10 Monate währte) für den Fortgang der trinitarischen Streitigkeiten keinerlei Bedeutung gehabt hatten.
Erstaunlich ist auch, daß die Gegner des Nizänums ihn in die Auseinandersetzung hineinzogen; entweder
überschätzten sie ihre Stellung oder sie rechneten auf Roms Unterstützung. Darin sahen sie sich alsbald
getäuscht, denn anstatt ihrem Verlangen nachzugeben und Pistus anstelle des von der (nur von Arianern
besuchten) Synode von Tyrus 335 abgesetzten Athanasius als Bischof von Alexandrien anzuerkennen, setzte J.
Athanasius von diesem Vorgang in Kenntnis. Athanasius konnte sich daraufhin durch eine Synode in
Alexandrien (338) eindrucksvoll im Amt bestätigen lassen. Als er dann durch Kaiser Konstantius II. trotzdem
verbannt wurde, wandte er sich seinerseits an J. Dieser versuchte, in Rom eine Synode zustande zu bringen,
doch lehnten die Gegner des Athanasius (unter der Führung des Euseb von Nikomedien) ein Erscheinen schroff
ab und machten J. den Vorwurf, mit einem rechtmäßig abgesetzten Bischof Kirchengemeinschaft zu halten und
somit gegen das kirchliche Recht (die sog. Kanones) zu verstoßen. Dennoch berief J. die Synode (im Herbst 340,
in Rom) mit wenig mehr als 50 Bischöfen ein. Athanasius wurde freigesprochen und blieb als rechtmäßiger
Bischof anerkannt. Diese Entscheidung teilte J. den Bischöfen des Ostens (im Auftrage der Synode) mit (= Brief
I); sein Selbstverständnis wird dabei in der Aussage deutlich: "Wenn Anklagen gegen den Bischof von
Alexandrien oder andere Bischöfe vorliegen sollten, so hätte der Sitte gemäß zuerst uns geschrieben werden
müssen, damit dann von hier der Gerechtigkeit gemäß entschieden werde". Trotzdem blieb Athanasius
verbannt, denn die Kirchweih-Synode von Antiochien, die (341) unter Vorsitz des Kaisers des östlichen
Reichsteils, Konstantius II., stattfand, hatte seine Absetzung bestätigt. J. wandte sich nun an Konstans, der
inzwischen nach dem Tode Konstantins II. den Westen allein regierte, er möge mit Konstantius zusammen auf
einer Gesamtsynode für die Beendigung der Wirren Sorge tragen. Damit war aus der theologischen
Auseinandersetzung endgültig eine politische Auseinandersetzung zwischen den beiden Reichshälften
geworden. Eine solche Synode wurde (folgerichtig an der Nahtstelle beider Reiche) 342 nach Serdika
anberaumt. Aber obwohl beide Seiten zahlreich erschienen waren (J. ließ sich allerdings durch 2 Legaten
vertreten), kam es nicht einmal zu einer gemeinsamen Beratung, und zwar hauptsächlich deswegen, weil der
Westen dadurch, daß er mit Athanasius (und anderen) die Kirchengemeinschaft aufrecht erhielt, praktisch die
Entscheidung der Synode vorwegzunehmen versuchte. In einer Separatsitzung haben die östlichen Bischöfe
daraufhin die Absetzung des Athanasius bestätigt und zugleich die Kirchengemeinschaft mit J. aufgehoben. So
hatte der politische Kurs, den J. eingeschlagen hatte, zwar seine Position gestärkt, er hatte aber auch ins
Schisma geführt. Allerdings hat sich die antinizänische Haltung des Konstantius unter dem Druck der
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politischen Verhältnisse in der Folge etwas ermäßigt, und so konnte Athanasius (346) nach dem Tode seines
Konkurrenten auf den alexandrinischen Stuhl zurückkehren. Auf seiner Rückreise berührte er Rom und erhielt
von J. ein Schreiben an die alexandrinische Gemeinde mit auf den Weg (= Brief II). Welches Ansehen J.
zumindest im Westreich gewonnen hatte, wird daran sichtbar, davor allem die Apollinaristen versucht haben,
ihre Anschauungen unter seinem Namen zu verbreiten. Außerdem ist er sehr bald nach seinem Tode als
Heiliger verehrt worden; im aktuellen Calendarium Romanum Generale ist sein Name allerdings nicht mehr
enthalten.
 Liberius 352-366
Römer.  Rom 24.9.366, Papst seit 22.5. oder 21.6.352, hl.Laut der nicht sicher zuzuordnenden Grabinschrift
war er der Sohn eines Augustus und seit frühester Jugend zur geistlichen Laufbahn bestimmt. - Zunächst war er
Lektor, dann Diakon. Sein Pontifikat war überschattet von den arianischen Wirren. Auch im Westen versuchte
nun der ab 353 allein regierende Kaiser Konstantinus II. seine arianer-freundliche Reichskirchenpolitik
rücksichtslos durchzusetzen. L. wies, wie zuvor sein Vorgänger Julius I. (+ 352), die Anschuldigungen gegen den
entschiedensten Kämpfer der Orthodoxie, Athanasios d. Gr., zurück. Er richtete an den Kaiser die Bitte, eine
Synode nach Aquileia einzuberufen, deren Ziel die Wiederherstellung des Kirchenfriedens im Reich sein sollte.
Die Legaten des Papstes fanden jedoch den Kaiser unter dem Einfluß der pannonischen Bischöfe Valens und
Ursacius. Konstantius berief eine Synode der gallischen Bischöfe nach Arles (353), ihnen wurde ein bereits
vorformuliertes Verdammungsdekret gegen Athanasios zur Unterschrift vorgelegt. Trotz des Protestes der
päpstlichen Legaten kam es nicht zur Beratung über die theologischen Differenzen. Ähnlich wie die Synode von
Mailand (355) versagte L. dem unter Druck und Bedrohung zustandegekommenden Urteil seine Anerkennung.
Bis Ende 355 versuchte der Kaiser durch Bestechung und offene Drohungen auch den römischen Bischof auf
seine Seite zu ziehen. Als L., nach Mailand an den Hof zitiert, sich weiterhin standhaft weigerte, erfolgte die
Verbannung nach Beröa (Thrakien). Dort begann die persönliche Tragödie des Papstes, die nachhaltigen Einfluß
auf das Amt und die Stellung des römischen Bischofs haben sollte. Konstantius rechnete mit einem langen Exil
und ernannte deshalb einen ihm hörigen Diakon Felix zum Gegenpapst. Vier wohl echte Briefe, die Hilarius von
Poitiers überliefert hat, zeigen, daß L. die Qualen des Exils, den Druck der ihn beaufsichtigenden arianischen
Bischöfe, die persönlichen Demütigungen nicht verarbeiten konnte. L. unterzeichnete schließlich eine
Glaubensformel (die erste von Sirmium, 351). Sie ließ eine nicht zwingend häretische Interpretation zu. Auch
stimmte er der Verurteilung des Athanasios zu. 358 erlaubte ihm der Kaiser die Rückkehr nach Rom, wo er
jedoch zusammen mit Felix sein Amt ausüben mußte. Das Volk indes vertrieb rasch den Gegenpapst (vgl. die
Schilderungen in den Kirchengeschichten von Sozomenus und Theodoret). L. unterschrieb schließlich 358 die
von Basileios von Ankyra vorbereitete 3. sirmianische Formel, die eine Annäherung ans Nicäum bedeutete. Zur
Doppelsynode von Rimini-Seleukia (359) waren römische Legaten erst gar nicht eingeladen worden. In den
beiden folgenden Jahren erreichte der Arianismus seinen Zenit. Die Toleranzpolitik des Julian Apostata, sie
diente dem Ziel eines heidnischen Restaurationsversuchs, die den Umschwung der kaiserlichen Religionspolitik
einleitete, ermöglichte jedoch wieder die freiere theologische Diskussion. L. unterstützte die
Friedensbemühungen zwischen Nicänern und Arianern (Versöhnungsschreiben an die italischen Bischöfe
362/363; Antwortschreiben an die Bischöfe des Ostens 366, mit Bekenntnis zum Nicänum). L. hinterließ ein
bleibendes Zeichen in der von ihm erbauten Basilica Liberiana (S. Maria Maggiore). Das MartHieron datiert sein
Fest auf den 23. September, im MartRom fehlt er. Spätere Legenden des 6. Jahrhunderts entstellten seine
Rolle in den arianischen Streitigkeiten.
 Felix II. 355
 Rom (?) 22.11.365 Gegenpapst seit 355, hl.Als Papst Liberjus im Oktober 355 von Konstantius II. (Kaiser 337361) nach Thrakien verbannt wurde, schwor der römische Klerus feierlich, zu Lebzeiten Libenus' keinen
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anderen Bischof in Rom zu wählen. Noch im selben Jahr indes wurde der Schwur auch schon gebrochen. Der
Kaiser verlangte eine Neuwahl, und der Klerus gehorchte. Libenus' früherer Mitarbeiter, der Archidiakon Felix,
ein Sympathisant des Arianismus, trat das Amt des Bischofs von Rom an. Das Volk mochte ihn nicht, es gab
Unruhen und Demonstrationen, Damen der Gesellschaft bestürmten den Kaiser, Libenus wieder einzusetzen.
Als dieser tatsächlich zurückkehrte, sollte er sich eigentlich mit Felix die Leitung der Kirche teilen - so jedenfalls
die Absicht des Kaisers. Aber die Bürger wollten es anders. Mit lauten Sprechchören ("Ein Gott, ein Christus,
ein Bischof") warfen sie Felix hinaus. Libenus residierte fortan im Lateran, Felix sah sich auf die Herrschaft in
den Vororten beschränkt. Der Stadtpräfekt paßte auf, daß die verfeindeten Parteien nicht aneinandergerieten.
Das ging so bis zu Felix' Tod. Zwar überlebte Libenus den Gegenpapst noch um fast ein Jahr, aber postum trug
dieser den Sieg davon. Die Chronistik nämlich reihte ihn unter die regulären Päpste ein, durch Verwechslung
mit Märtyrern gleichen Namens bekam er auch noch einen Platz in der Liste der Glaubenszeugen und einen
Festtag: 29.7. Schließlich hielt man ihn sogar für einen aufrechten Verfechter der nizänischen Orthodoxie. Sein
Widersacher Libenus, auf den das viel eher zutraf, bekam die Rolle des Verräters und Verfolgers der
Rechtgläubigen zugewiesen.
 Damasus I. 366-384
* Rom um 305,  ebd. (?) 11.12.384 Papst seit 1.10.366, hl., Fest 11.12.Beim Tod Libenus' (24.9.366) brachen
in Rom heftige Unruhen aus, die Partei des ein Jahr zuvor verstorbenen Gegenpapstes Felix II. formierte sich
aufs neue. Und während Libenus' Anhänger in der Basilica Julia den Diakon Ursinus wählten, entschieden sich
ihre Gegner für Damasus. Dieser setzte sich mit Waffengewalt durch: Eine Bande von angemieteten Schlägern
stürmte die Kirche und wütete drei Tage unter den Ursinianern. Am 1.10.366 besetzte der Haufe die
Laterankirche, und Damasus wurde zum Papst geweiht. Danach ersuchte Damasus 1. den Stadtpräfekten um
Hilfe (ein Novum in der Geschichte des Papsttums), und dieser vertrieb Ursinus und seine Anhänger aus Rom.
Auch hierbei kam es zu Blutvergießen: Nach dem Bericht des römischen Geschichtsschreibers Ammianus
Marcellinus (um 330-um 395) kosteten die Kämpfe 137 Menschen das Leben. Außerhalb Roms wurden die
Ereignisse mit Schrecken aufgenommen, es dauerte Jahre, bis sich Damasus' Stellung bei den Bischöfen Italiens
gefestigt hatte. Einer Klage, möglicher-weise wegen Ehebruchs, die von den Ursinianern gegen ihn 371
erhoben wurde, entging der Papst nur durch Intervention des Kaisers. ~ den höheren Gesellschaftskreisen war
Damasus den-noch sehr beliebt, besonders die Damenwelt schätzte ihn, "Ohrkitzler der Matronen" hieß er im
Volksmund. So gnadenlos, wie er gegen seine Gegner in Rom vorgegangen war, verfolgte er auch abweichende
christliche Lehren, etwa den Arianismus, den Priscillanismus (eine esoterische Bewegung in Spanien) und den
Apollinarianismus, und scheute sich dabei nicht, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Zu den Ostkirchen
hielt er wenig Kontakt, er nahm auch nicht teil am Konzil von Konstantinopel (381), das die arianische Lehre,
der Heilige Geist sei ein Geschöpf Christi, verurteilte und die Trinitätslehre endgültig definierte. In Rom
dagegen bewirkte Damasus entscheidende Weichenstellungen für den Ausbau des römischen Primats. Er
effeichte, daß der Heilige Stuhl als Gerichtsinstanz in Glaubens-und Sittenfragen anerkannt wurde. Die
Erklärung des Christentums zur Staatsreligion (27.2.380) durch Theodosius (Kaiser 379-395) stand im Einklang
mit den Vorstellungen des Papstes. Der bedeutende Mann hinterließ auch Spuren als Erbauer von Kirchen (u.
a. 5. Lorenzo in Damaso), er ließ die seit den Verfolgungen Diokleti ans (Kaiser 284-305) geschlossenen
Katakomben restaurieren und die Märtyrergräber mit kunstvoll eingemeißelten Versen aus eigener
dichterischer Produktion versehen. Er stellte den heiligen Hieronymus (um 345-420) als Sekretär an und
beauftragte ihn mit einer Revision der lateinischen BibelÜbersetzung, der "Vulgata", die zur offiziellen
Bibelausgabe der katholischen Kirche wurde.
 Ursinus 366-367
 nach 384 Gegenpapst September 366 - 16.11.367 Nach dem Tod Liberlus' im September 366 kam es zu
einer Doppelwahl in Rom: Die Anhänger des verstorbenen Papstes wählten sofort den Diakon Ursinus, einen
Mitarbeiter Libenus', während sich die Partei des früheren Gegenpapstes Felix II. sich für Damasus 1.
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entschied. Letzterer stellte eine Bande schlagkräftiger Katakombenarbeiter und Fuhrleute zusammen, die den
Ursinianern blutige Straßenschlachten lieferten. Die Staatsmacht griff zugunsten Damasus' ein, Ursinus und
seine Leute wurden aus Rom vertrieben. Valentinian1. (Kaiser 364-375) erlaubte ihnen ein Jahr später die
Rückkehr - unter der Bedingung, daß die Parteien Frieden hielten, Die Kämpfe aber brachen gleich wieder aus.
Sie endeten mit der Verbannung Ursinus' nach Gallien (16.11.367). Seine Anhänger setzten sich in Norditalien
fest und versuchten auf dem Gerichtsweg die Sache des Gegenpapstes voranzubringen, allerdings erfolglos.
Nach dem Tod Damasus' (11.12.384) meldete Ursinus abermals Ansprüche an, diese wurden jedoch durch die
Wahl Siricius' endgültig hinfällig.
 Siricius 384-399
 Rom 26.11.399 Papst seit Dezember 384, hl., Fest 26.11. Trotz der Umtriebe Ursinus' wurde der gebürtige
Römer Siricius einstimmig gewählt. Wie sein Vorgänger Damasus 1. stand er sich gut mit der Staatsmacht,
Valentinian II. (Kaiser 375-392) bestätigte die Wahl und stellte bedeutende Mittel für den Kirchenbau, u. a. die
Erweiterung der Paulsbasilika (5. Paolo fuori le mura), zur Verfügung. Und genau wie sein Vorgänger war auch
Siricius darauf bedacht, den Primatsanspruch der römischen Kirche zu festigen. Von ihm stammen die ersten
Dekretalen, das heißt Verordnungen zur Kirchendisziplin, mit denen das Papsttum die Sphäre der bisher
üblichen Mahnbriefe halb privaten Charakters verließ. Siricius verlangte, daß die Dekretalen wie Beschlüsse
einer Synode anzusehen seien und überall bekanntgemacht werden müßten. Im Januar 386 bekräftigte er
gegenüber der Kirche in Afrika, ohne Einvernehmen mit dem Apostolischen Stuhl in Rom dürfe nirgendwo eine
Bischofsweihe abgehalten werden. Ins Pontifikat Siricius' fallen die Taufe des heiligen Augustinus durch den
heiligen Ambrosius (387) und die Wahl Augustinus' zum Bischof von Hippo Regius in Nordafrika (394).
 Anastasius I. 399-401
Römer,  gestorben am 19.12.401 in Rom; Das nur zwei Jahre dauernde Pontifikat Anastasius' 1., eines
Römers aus der Familie der Massimi, war bestimmt vom Wiederauffiammen des Streits um die Lehre Origenes'
(um 185-um 253), der versucht hatte, die christliche Lehre mit der Philosophie Platons zu verbinden.
Anastasius berief eine Synode ein, die die Irrtümer des griechischen Theologen verurteilte. Heiliger(27.4)
 Innozenz I. 401-417
heiliger (gestorben 417), Papst (402-417), Verfechter des päpstlichen Primats in der Gesamtkirche. Innozenz
war wahrscheinlich der Sohn seines Vorgängers Anastasius. Er beanspruchte die oberste Lehrentscheidung und
bestätigte die Vorrangstellung der Bischöfe von Rom. Darüber hinaus forderte er, die Kirchendisziplin in der
katholischen Kirche nach römischem Vorbild auszurichten. Er sprach die Exkommunikation über den
britannischen Asketen Pelagius, der die Erbsünden- und Prädestinationslehren des Augustinus widerlegt hatte.
Innozenz verstarb am 12. März 417 in Rom. Sein Festtag ist der 28. July.
 Zosimus 417-418
 Rom (7) 26.12.418, Papst seit 18.3.417, hl., Fest 26.12.Unmittelbar nach dem Tod Innozenz I. (+ 12.3. 417)
wird Z., der nach den Angaben des Liber pontificalis (ed. Duchesne, LP I, 223) von Geburt Grieche war, zum
neuen röm. Bisch. gewählt und am darauffolgenden Sonntag, den 18. März 417, konsekriert. Der neu Gewählte
gehörte, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, nicht dem röm. Klerus an, so daß bei dieser Wahl zurecht von
einer "geglückten Überraschung" (Caspar, Papsttum I, 344) gesprochen werden darf. Die Bedeutung des nur
kurz amtierenden und in summa wenig erfolgreichen Z. verdankt sich seinem Eingreifen in zwei Themenkreise:
dem pelagianischen Streit sowie dem Bemühen um Stärkung des primatialen Anspruches des röm. Bisch.
Wichtige Quellen sind in diesem Zusammenhang die zum Teil fragmentarisch erhaltenen Briefe des Papstes,
der selbst kein literarisches Werk hinterlassen hat. Der Wunsch, den petrinischen Anspruch Roms zu stärken,
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bildet auch den Hintergrund des zuweilen impulsiven Eingreifens des Z. in die Angelegenheiten der gallischen
Kirche. Diese hatte sich seit längerem bemüht, ihre organisatorische Gliederung den politischen
Veränderungen des ausgehenden 4. Jh. anzupassen. Dieses Vorhaben fortsetzend gewährt Z. mit seinem Brief
vom 22.3. 417 (Ep.1) dem Bisch. Patroclus von Arles auf seine Bitten hin die Metropolitanrechte über ganz
Südgallien und erkennt damit die zunehmende Bedeutung dieses administrativen Zentrums an. Zudem erhält
er das alleinige Recht, litterae formatae, d.h. Geleitbriefe für die Ausreise von gallischen Klerikern nach Rom,
auszustellen und die Oberaufsicht über die kirchlichen Angelegenheiten Galliens auszuüben. Verschiedene
gallische Bisch. widersetzen sich und tragen theol. Bedenken vor. Als schließlich der angesehene Bisch.
Proculus von Marseille mit Berufung auf die Synode von Turin (398) fortfährt, Bisch. zu weihen, erklärt Z. im
Herbst 417 diese Weihen für ungültig und zitiert den Bisch. vor eine röm. Synode. Als dieser nicht erscheint,
erklärt ihn der Papst im Frühjahr 418 für abgesetzt. Dank der Unterstützung in Gallien kann Proculus - trotz
wiederholter Mahnungen des Z. - sein Amt jedoch weiter ausüben. Zur selben Zeit kommt es in der Frage des
Appellationsrechtes afrikanischer Kleriker - Rom als Berufungsinstanz für causae maiores - zu einem heftigen
Streit zwischen Z., der sich auf entsprechende Rechte in den Kanones des Nizänums beruft, und den dortigen
Bisch. Ausgangspunkt ist die Absetzung des Presbyters Apiarius durch Bisch. Urbanus von Sicca und die
folgende Appellation des Apiarius nach Rom. Eine afr. Synode erneuert im Mai 418 den Standpunkt der
Unzulässigkeit transmariner Appellationen, und auch die nach Karthago entsandten päpstlichen Legaten
müssen nach zähen Verhandlungen ohne größeren Erfolg zurückkehren. Auch im Blick auf das Vikariat von
Thessaloniki betont Z. seinen Jurisdiktionsanspruch (vgl. Ep. 15). - In die Kirchengeschichte eingegangen ist Z.
vor allem durch sein wankelmütiges Verhalten im pelagianischen Streit. Hatte sein Vorgänger Innozenz in
behutsamer Weise den Wünschen, besonders der nordafr. Kirche, nach Verurteilung des Pelagius und seines
Anhängers Caelestius entsprochen, sieht sich der Papst durch die Ankunft des Caelestius in Rom erneut mit der
Frage konfrontiert. Caelestius legt Z. ein Glaubensbekenntnis, welches bis auf wenige Veränderungen den
bekannten Positionen des Pelagius entspricht, mit der Bitte um Überprüfung vor. Diese, in der röm.
Klemensbasilika im Spätsommer 417 durchgeführt, endet mit seinem Freispruch. Zusammen mit sämtlichen
Prozeßakten wird das Ergebnis dem nordafr. Episkopat mitgeteilt (vgl. die Übersicht bei Wermelinger, Rom
151f.). In einem weiteren Schreiben (Zos., Ep. 3: CSEL 35, 103-108 vom 21.9.417) zeigt der Papst zudem den
Freispruch des Pelagius an und tadelt das bisherige Vorgehen der afr. Bisch. Vorangegangen war die
Zusendung eines Glaubensbekenntnis des Pelagius an den Papst sowie anderer ihn entlastender Dokumente
(u.a. Pelagius' vier Bücher `De libero arbitrio' und ein Empfehlungsschreiben des Jerusalemer Bisch. Praïlus). In
einem umfangreichen Briefwechsel beharren die Afrikaner auf ihrem Standpunkt (so auch auf dem Konzil von
Karthago am 1.5.418). Schließlich muß Z. - auch angesichts steigenden Unmutes in Rom - nachgeben. Nach
erstem vorsichtigen Einlenken (vgl. Zos., ep.12 [CSEL 35/1, 115-117] vom 21.3.418) zwingen weitere Ereignisse
(afr. Synode am 1.5.418 gegen Pelagius; kaiserliches Reskript: PL 56, 490-492) den Papst schließlich zur
"Kapitulation" (Wojtowytsch 253). In der Folge verurteilt Z. in seiner berühmten, im Juni 418 veröffentlichten
`Epistula tractoria' Pelagius und seine Anhänger. Doch auch diese Wendung kann nicht alle Spannungen
beseitigen. Verschiedentlich regt sich Widerstand (Bischofsgruppe um Julian von Aeclanum, Widerstand in
Oberitalien). Die stadtröm. Opposition findet ihren sichtbaren Ausdruck in der auf den Tod des Z. folgenden
Doppelwahl (Bonifatius/Eulalius). - In der Retrospektive darf das Agieren des Z. als in hohem Maße unglücklich
und unbesonnen (vgl. Caspar, Papsttum I, 360: "fahrige Politik") bezeichnet werden.
 Bonifaz I. 418-422
 Rom 4.9.422, Papst seit 28.12.418, hl., Fest 4.9.Die Probleme der Kirche dauerten auch nach Zosimus'
chaotischem Pontifikat noch an: Als ein Nachfolger für den im Dezember 418 verstorbenen Papst gesucht
wurde, entschieden sich die Presbyter in großer Mehrheit für ihren Kollegen Bonifaz, einen gebürtigen Römer,
die Diakone dagegen wählten den Archidiakon Eulalius. Beide wurden am selben Tag, aber an verschiedenen
Plätzen der Stadt geweiht. Bonifaz besaß über Galla Placidia, die Schwester Hononus' (Kaiser 393-423), gute
Beziehungen zum Hof in Ravenna. Mit staatlicher Unterstützung setzte er sich schließlich gegen den Rivalen
durch, der im April 419 in die Verbannung geschickt wurde. Hochbetagt und kränklich, vermochte Bonifaz doch
einiges wiedergutzumachen, was unter dem groben und taktlosen Zosimus verdorben worden war, vor allem
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den Frieden mit den Kirchen in Gallien und Nord-afrika wiederherzustellen. Als der oströmische Kaiser
Theodosius II. (408-450) versuchte, das päpstliche Vikariat Thessalonike dem Patriarchat von Konstantinopel zu
unterstellen, verteidigte Bonifaz energisch und erfolgreich die Rechte der römischen Kirche. Von ihm ist ein
Ausspruch überliefert, der den Primat des Papstes klar umreißt: "Es hat niemals dem Gesetz entsprochen,
Entscheidungen
anzuzweifeln,
die
der
Apostolische
Stuhl
getroffen
hat."
418-419 Eulaliust 423, Gegenpapst 27.12.418-3.4.419Chaotisch wie das Pontifikat Zosimus' verlief nach seinem
Tod (26.12.418) auch die Wahl des Nachfolgers: Kaum war Zosimus begraben, wählten die Diakone einen der
Ihren, den Archidiakon Eulalius. Am nächsten Tag präsentierten die Presbyter einen eigenen Kandidaten,
Bonifaz 1. Am dritten Tag wurden beide geweiht, Eulalius im Lateran, sein Konkurrent in 5. Marcello. Der
anschließende Machtkampf ging zugunsten des populären Bonifaz aus, der zudem die besseren Beziehungen
zum Kaiser-hof in Ravenna besaß. Am 3.4.419 mußte Eulalius die Stadt verlassen, in Anzio, 60 Kilometer von
Rom entfernt, nahm er Quartier. Als Bonifaz im September 422 starb, glaubten die Anhänger des verbannten
Gegenpapstes die Stunde für eine glorreiche Rückkehr nach Rom gekommen, aber Eulalius versagte sich allen
Plänen auf Wiedereinsetzung und blieb, wo er war.
 Coelestinus I. 422-432
 Rom (7) 27.7.432 Papst seit 10.9.422, hl., Fest 6.4.Nach dem Urteil der Geschichtsschreibung gehört Cölestin
1. zu den bedeutenden Vertretern der altkirchlichen Primatsidee, wenn auch seine Bemühungen nicht immer
von Erfolg gekrönt waren. Die nordafrikanischen Kirchen etwa beharrten auf ihrer Autonomie und wollten von
einer päpstlichen Mitsprache bei ihren Problemen nichts wissen. Cölestin trat entschieden gegen den
Pelagianismus auf und unterstützte den heiligen Augustinus in seiner Auseinandersetzung mit dem
Semipelagianismus, In den letzten Jahren seines Pontifikats wurde Cölestin in die christologische Debatte
zwischen dem Patriarchen Nestorius von Konstantinopel (428-431) und Kyrill von Alexandria (412-444)
hineingezogen. Nestonus bestritt die gottmenschliche Natur Christi und weigerte sich, Maria als
Gottesgebärerin ("Theotokos") zu verehren. Auf einem Konzil in Ephesus im Juni 431 wurde die Lehre des
Nestonus verurteilt. Im selben Jahr schickte Cölestin den Diakon Palladius als Bischof nach Irland, womit die
Missionierung auf der "grünen Insel" begann.
 Sixtus III. 432-440
 Rom 19.8.440,Papst seit 31.7.432,hl., Fest 28.3Er stammte aus einer stadtrömischen Familie; sein Vater hieß
ebenfalls Xystus; das Geburtsdatum ist unbekannt. - Unter seinen Vorgängern Zosimus (18.3.417 - 26.12.418),
Bonifatius I. (29.12.418 - 4.9.422) und Coelestin I. (10.9.422 - 27.7.432) war S. Presbyter. Als solcher war er
schon mit den pelagianischen Streitigkeiten befaßt. Er korrespondierte mit Augustinus, dessen Auffassungen in
der Gnadenlehre er nach anfänglichem Zögern teilte. Als Papst stellte er sich gegen Julianus von Eclanum,
einen der hervorragenden theologischen Gegner des Augustinus, und verweigerte ihm die Wiedereinsetzung in
sein Bischofsamt. In den Auseinandersetzungen im Gefolge des Nestorianismus bemühte sich S., zusammen
mit dem Kaiser Theodosius II., um eine Einigung zwischen den orientalischen Patriarchen Cyrill von Alexandrien
und Johannes von Antiochien, die 433 zustandekam. Gegenüber Proklos, dem Patriarchen von Konstantinopel,
verteidigte er die Zugehörigkeit Illyriens zu Thessalonike und damit zum Jurisdiktionsbereich Roms. Der Diakon
Leo, der sein Nachfolger werden sollte (Leo I. d. Gr.: 440 - 10.11.461), hatte unter ihm schon einen
beträchtlichen Einfluß. Bedeutend ist die Bautätigkeit S.s innerhalb der Stadt Rom. An der Stelle der alten
Liberianischen Basilika hat er, zur Erinnerung an die Lehrentscheidung des Konzils von Ephesus (431), in der
Maria zur Gottesmutter (theotokos) erklärt worden war, die Kirche Santa Maria Maggiore erbauen lassen. (Ob
er die ältere Basilika teilweise restaurieren oder einen völligen Neubau errichten ließ, läßt sich nicht
zweifelsfrei klären). Bis heute erhalten sind die prachtvollen Mosaikenzyklen der Langhauswände und des
Triumphbogens, der in seinem Scheitel die Inschrift: XYSTVS EPISCOPVS PLEBI DEI trägt. Eine längere
Weiheinschrift an die Gottesmutter befand sich über dem Hauptportal im Inneren der Kirche. Neben der
Laurentius-Basilika aus der Zeit Konstantins ließ er eine zweite, größere Kirche erbauen; in ihr oder bei ihr
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wurde er nach seinem Tode bestattet. Das Baptisterium des Lateran stattete er mit acht Porphyrsäulen aus, die
bis heute an ihrer Stelle rings um das Taufbecken stehen. Auch hier ist noch die Inschrift S.s erhalten, die seine
Theologie des Taufsakraments dokumentiert. In der Auseinandersetzung mit Kaiser Karl d. Gr. und seinen
Hoftheologen um die Erlaubtheit der Bilder im sakralen Raum hat der Papst Hadrian I. (772-795) die
kunstfördernde Tätigkeit seines Vorgängers rühmend hervorgehoben (MGH Ep. 5,50,5). S. wird als Heiliger
verehrt (Fest am 28. März).
 Leo I., der Große 440-461
heiliger (um 400 bis 461), Papst (440-461), führte die Vormachtstellung des Bischofs von Rom über alle
anderen Bischöfe ein.Leo wurde in Tuszien geboren. Bevor er zum Papst gewählt wurde, war er bereits lange
Zeit als Geistlicher tätig. Am 29. September 440 wurde er als Nachfolger Sixtus' III. zum Bischof von Rom
geweiht. Als Papst und Bischof von Rom war er bestrebt, als Stellvertreter des Apostels Petrus eine
überregionale Gesamtverantwortung aufzubauen und als Princeps apostolorum (Erster der Apostel) Vollmacht
über das Episkopat und die gesamte Kirche auszuüben. Seine Macht bewies er durch die Einberufung einer
Bischofssynode in Mailand (451), der Stadt in Norditalien mit dem mächtigsten Bischofssitz außerhalb des
eigenen erzbischöflichen Verwaltungsbezirks. Als er während einer Synode in Rom von dem Bischof Hilarius
aus Arles angegriffen wurde, veranlasste er, dass durch kaiserlichen Erlass dessen Aufenthaltsrecht auf seine
eigene Diözese beschränkt wurde. Seiner Überzeugungskunst war es auch zu verdanken, dass er Attila, den
König der Hunnen, 452 von einem Einfall in Rom abbrachte und Geiserich, König der Vandalen, davon abhielt,
455 die Stadt zu plündern.Leo behauptete sich auch im Orient, wenngleich ihm dort meist nicht die gleiche
kaiserliche bzw. bischöfliche Unterstützung zuteil wurde. Sein größter Triumph im Orient war das Konzil von
Chalkedon (451), dessen Vorsitz seine eigenen Legaten innehatten. Das Konzil wurde einberufen, um die
Irrlehre des Eutychianismus zu verdammen. Diese Lehre, eine Form des Monophysitismus, deren Vertreter der
byzantinische Mönch Eutyches war, besagte, dass die Person Jesu Christi nur eine einzige (göttliche) Natur in
sich vereine. Leos Tomus (449), ein doktrinärer Brief an den Patriarchen von Konstantinopel Flavian, definierte
die "zwei Naturen in Christus" (göttlich und menschlich) und wurde mit dem berühmt gewordenen Wort,
Petrus habe durch Leo gesprochen, vom Konzil angenommen.Sein bedeutendster Verdienst im Bereich der
Verwaltung war die Verknüpfung der päpstlichen Vormachtstellung mit dem römischen Gesetz. Er starb in
Rom, am 10. November 461. Sein Festtag ist der 10. November. Leo wurde 1574 zum Kirchenvater erklärt.
 Hilarius 461-468
 Rom 29.2.468, Papst seit 19.11.461, hl., Fest 28.2.Der gebürtige Sardinier Rilarus (oder Hilanus) diente unter
Leo 1. als Archidiakon und war dessen Legat auf der sogenannten Räubersynode von Ephesus (August 449), wo
er gegen den Monophysitismus auftrat und um ein Haar ums Leben kam. Er entging der Lynchjustiz nur, indem
er sich in der Grabkammer des Evangelisten Johannes außerhalb von Ephesus versteckte. Zeitlebens verehrte
er danach Johannes als seinen besonderen Schutzheiligen. In seinem Pontifikat folgte er ganz der Politik seines
Vorgängers. Er betonte den Primat der römischen Kirche und trat den Irrlehren entgegen, besonders dem
Arianismus, der in Italien, begünstigt durch den germanischen Heermeister Ricimer (t473), den starken Mann
dieser Zeit, wieder Fuß gefaßt hatte. Auf der Synode vom 19.11.465 in S.Maria Maggiore (der ersten römischen
Kirchenversammlung, deren Akten erhalten sind) ordnete er die Verhältnisse in der spanischen Kirche. Nach
dem "Liber pontificalis" hat Hilarus der Kirche bedeutende Schenkungen gemacht, mit denen die Verluste an
kostbarem Kultgerät seit der Plünderung der Wandalen (455) ausgeglichen werden konnten. Er stiftete auch
ein Kloster bei 5. Lorenzo fuori le mura; dort ruhen seine Gebeine.
 Simplicius 468-483
* Tivoli,  10.3. 483 in Rom; - Der aus Tivoli stammende S., der am 3.3. 468 Papst Hilarius nachfolgte, erlebte
476 das Ende des weströmischen Reiches durch die Absetzung des Kaisers Romulus Augustulus durch den
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germ. Heerführer Odoaker. Unter schierigen Verhältnissen versuchte S., die päpstliche Autorität im Westen
aufrechtzuerhalten. Er setzte mit Bisch. Zeno von Sevilla einen päpstlichen Vikar für Spanien ein und tadelte
Bisch. Johannes von Ravenna wegen einer gegen seinen Willen durchgeführten Bischofsweihe. Das
Schwergewicht der Aktivitäten des S. lag im Osten, wo er sich nachdrücklich für die Durchsetzung der
Beschlüsse des Konzils von Chalkedon einsetzte und sich dem Wunsch des Patriarchen Akakios von
Konstantinopel (472-489) nach Anerkennung des Kanon 28 des Konzils von Chalkedon verweigerte. Als der
Usurpator Basiliskos (Januar 475 - August 476) die Unterstützung der Monophysiten suchte - Verurteilung des
Symbolums von Chalkedon und des Tomus Leonis im Enkyklion 475 - und ihnen bedeutende Bischofssitze
überließ, warnte S. in einem umfangreichen Briefwechsel sowohl Basiliskos (erfolglos) als auch nach dessen
Sturz Kaiser Zeno und den Patriarchen Akakios vor Zugeständnissen an die Monophysiten. Im Juni 479
erkannte S. die auf kaiserliche Weisung unkanonisch erfolgte Wahl des antiochenischen Bischofs Kalandion,
dessen Vorgänger Stephan II. ermordet worden war, wiederstrebend an. Über die Entwicklungen im Osten, im
besonderen über die kaiserlichen Pläne zur Einigung mit den Monophysiten (Henotikon), durch Akakios
bewußt im unklaren gelassen, geriet S. zunehmend in die Rolle eines hilflosen Zuschauers. In den auf den Tod
des Timotheus Salophakilos 482 folgenden Streitigkeiten um die Besetzung des Bischofsstuhles von
Alexandrien setzte sich S. erfolglos für den Kandidaten der Katholiken, Johannes Talaia, der ihn um Hilfe
gebeten hatte, gegen den von Zeno und Akakios unterstützten Monophysiten Petrus Mongos ein. S. förderte
das kirchliche Leben in Rom (Zuteilung von Klerikern für die Basiliken St. Peter, St. Paul und St. Laurentius) und
wirkte als bedeutender Bauherr (u. a. S. Stefano Rotondo, S. Bibiana). Mit einem von Junius Bassus im 4. Jh.
errichteten Festsaal wird erstmals unter S. ein öffentlicher Bau in eine Kirche (S. Andrea in Catabarbara)
umfunktioniert. Der spätere Papst Gelasius wirkte unter S. einflußreich als Verfasser päpstlicher Briefe
("dictator"). Nach langer Krankheit verstorben, wurde S. im Porticus von St. Peter neben Leo dem Großen
beigesetzt.
 Felix III. 483-492
 Rom 1.3.492, Papst seit 13.3.483, hl., Fest 1.3.Mit ihm gelangte erstmals ein Mitglied des römischen
Senatorenstands auf den Stuhl Petri: Felix III. (so die offizielle Numerierung, der frühere Gegenpapst Felix II.
wurde mitgezählt) war Vater von mindestens zwei Kindern. Er wurde erst nach dem Tod seiner Frau Priester.
Bei der Papstwahl spielte der Germanenfürst Odoaker, der neue Herr Italiens nach dem Ende des
Weströmischen Reiches (476), eine bedeutende Rolle. Felix' Pontifikat stand ganz im Zeichen christologischer
Auseinandersetzungen mit der Ostkirche. Diese hatte auf der sogenannten Räubersynode von Ephesus (449)
den Monophysitismus gebilligt, die Lehre, daß es in der Person Jesu Christi nur eine Natur gebe und bei der
Vereinigung des göttlichen Logos mit dem Menschen Jesus die menschliche Natur von der göttlichen
absorbiert werde. Dagegen bekannte sich die Westkirche zur Zwei-Naturen-Lehre, wie sie beim Konzil von
Chalkedon (451) formuliert worden war. Felix III., ein harter, unbeugsamer Mann, bezog vehement Stellung.
Als Zeno 1. von Ostrom (Kaiser 474/475 und 476-491) 482 das "Henotikon" erließ, das dem Monophysitismus
Zugeständnisse machte, forderte der Papst den Kaiser auf, sich nicht in die Angelegenheiten der Kirche
einzumischen. Den Autor des Erlasses aber, den Patriarchen Akakios von Konstantinopel, ließ er auf einer
Synode in Rom 484 exkommunizieren. Damit begann das sogenannte Akakianische Schisma, das bis 519
dauern sollte. Die schriftliche Aus-fertigung des Synodenspruchs wurde übrigens von einem Spezialkurier nach
Konstantinopel gebracht; übereifrige orthodoxe Mönche hefteten sie Akakios ans Gewand, während er die
Messe las. Akakios seinerseits strich den Papst aus den Diptychen, dem Verzeichnis all derer, mit denen man
Glaubensgemeinschaft pflegte. Auch nach Akakios' Tod (489) trat keine Besserung im Verhältnis zwischen Ost
und West ein, Felix lehnte alle Vermittlungsversuche seitens der oströmischen Kaiser beziehungsweise des
germanischen Herrschers Odoaker ab. Unter dem Wandalenkönig Guntamund (484-496) hörten die
Verfolgungen auf, denen zuvor die zu Rom haltenden Christen durch die ariamschen Wandalen in Nordafrika
ausgesetzt waren. Das stellte den Papst vor ein Problem, das auch schon frühere Generationen von Päpsten
(Cornelius, Novatian, Stephan 1.) beschäftigt hatte:Wie verfahren mit denen, die schwach geworden und vom
rechten Glauben abgefallen waren? Felix zeigte hier die gleiche Unnachgiebigkeit wie in anderen Dingen: Wer
von den "Abgefallenen" ein heiliges Amt bekleidet hatte, wurde erst wieder in seiner Sterbestunde zur
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Gemeinschaft zugelassen, die übrigen mußten sich langjährigen Bußstrafen unterziehen. Felix wurde in der
Paulsbasilika beigesetzt, nahe bei seinem Vater, seiner Frau und seinen Kindern.
 Gelasius I. 492-496
 Rom 21.11.496, Papst seit 1.3.492, hl., Fest 21.11.Unter den Päpsten des 5. Jahrhunderts war Gelasius1.
nach Leo1. der bedeutendste. Nach der unsicheren Überlieferung des "Liber pontificalis" ein Afrikaner, stieg
Gelasius im römischen Klerus auf und nahm bereits unter seinem Vorgänger Felix III. eine dominierende
Position in Rom ein. Als Papst bekämpfte er die religiösen Bewegungen der Manichäer und der Pelagianer und
die letzten Reste des Heidentums in der Ewigen Stadt (Unterdrückung des Festes der Luperkalien). Er
unternahm bedeunde Anstrengungen zur Behauptung der römischen Observanz auf dem Balkan (Dardanien,
Illyrien) und griff mit vielfältigen disziplinarischen Einzelentscheidungen in das Leben der Kirche in Italien und
Gallien ein. In der Auseinandersetzung mit Ostrom verteidigte Gelasius den römischen Primat; das unter Felix
ausgebrochene sogenannte Akakianische Schisma dauerte an. Kompromißangeboten gegenüber zeigte er sich
so unnachiebig wie sein Vorgänger. Er konnte sich dabei auf den Schutz es Ostgotenkönigs Theoderich (493526) verlassen, der zwar religiös nicht mit dem Papsttum übereinstimmte (er war Arianer), aber Ansprüchen
Ostroms auf die Herrschaft in Italien entgegentrat. Von Gelasius stammt die klassische Formulierung der
Zweigewaltenlehre, die anknüpfend an Gedanken des Kirchenvaters Augustinus das Verhältnis von Staat und
Kirche aus der Sicht des Apostolischen Stuhls beschrieb und die später von den Päpsten des Hochmittelalters
aufgegriffen und ausgebaut wurde. Gelasius legte sie in einem Schreiben an den oströmischen Kaiser
Anastasius 1. (491-518) dar: "Zwei sind es, erhabener Kaiser, von denen vornehmlich diese Welt regiert wird:
die geheiligte Autorität der Bischöfe und die königliche Gewalt. Yon diesen Ämtern ist das der Bischöfe von um
so größerem Gewicht, weil sie auch für die Könige der Menschen im göttlichen Gericht werden Rechenschaft
ablegen müssen."
 Anastasius II. 496-498
 Rom 17.4.498, Papst seit 24.11.496 Versöhnlicher als seine Vorgänger Gelasius 1. und Felix III., bemühte sich
Anastasius II., das bei seinem Amtsantritt noch andauernde Akakianische Schisma zwischen Ost- und
Westkirche zu beenden. Damit brachte er aber einen Teil des römischen Klerus gegen sich auf, was wiederum
sein Bild bei der Nachwelt verdunkelte. Sein plötzlicher Tod nach anderthalb Jahren Amtszeit wurde als
Gottesgericht empfunden. In den älteren Martyriologien fehlt sein Name, es scheint ihm auch keinerlei
Verehrung zuteil geworden zu sein. Als Ketzer und Verräter zu Recht in der Hölle schmorend, erscheint er
schließlich in Dantes "Göttlicher Komödie" (1313-1321). In das Pontifikat Anastasius' fällt die weltgeschichtlich
bedeutsame Taufe des Frankenkönigs Chlodwig (481-511). Wieweit der Papst daran beteiligt war, ist ungewiß,
sein angebliches Glückwunschschreiben zu diesem Ereignis jedenfalls hat sich inzwischen als Fälschung des 17.
Jahrhunderts herausgestellt.
 Symmachus 498-514
 Rom 19.7.514, Papst seit 22.11.498, hl., Fest 19.7.Die Papstwahl von 498 stand ganz im Zeichen des
Akakianischen Schismas: 484 hatten sich Ost- und Westkirche über der Frage entzweit, ob es in Jesus Christus
zwei Naturen, die göttliche und die menschliche, gäbe (so die Auffassung im Westen) oder nur eine (so die
"monophysitische" Lehre im Osten). Während Päpste wie Gelasius 1. und Felix III. den Zwist tatkräftig am
Leben hielten, hatte ihr Nachfolger Anastasius II. zum erstenmal versucht, die Gegensätze auszugleichen - und
sich damit den Zorn eines Teils des römischen Klerus zugezogen. Nach seinem Tod brachen die Fronten richtig
auf. Die Partei, die auf Versöhnung mit Byzanz setzte, war zahlenmäßig die kleinere, wurde aber von der
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Aristokratie und dem Senat gestützt. Sie wählte den Archipresbyter Laurentius zum Papst, während die andere,
die auf Konfrontation beharrte und zahlenmäßig die größere war, den aus Sardinien stammenden Diakon
Symmachus erkor. Beide Seiten riefen darauf den Ostgotenkönig Theoderich (493-526) als Schlichter an. Der
entschied sich für den Mann mit den meisten Anhängern: Symmachus. Am 1.3.499 hielt dieser eine Synode in
Sankt Peter ab, auf der das Verfahren der Papstwahl in seinem Sinne geregelt wurde; künftig sollte der Papst
seinen Nachfolger selbst bestimmenund nur wenn er durch vorzeitigen Tod daran gehindert würde, sollte der
Klerus, ohne daß sich Laien daran beteiligten, die Wahl vornehmen. Die aristokratischen Parteigänger des
Gegenpapstes ließen nicht locker. Sie erhoben 501 Klage gegen Symmachus wegen Abhaltung der Osterfeier
am falschen Datum, wegen unsittlichen Lebenswandels und wegen Veruntreuung von Kirchenbesitz. Im
folgenden Jahr lehnte eine Synode der italienischen Bischöfe die Verurteilung Symmachus ab mit der
Begründung, daß der Papst keinem menschlichen Gericht, sondern nur dem Urteil Gottes unterworfen sei. Das
wurde von den Anhängern Symmachus' mit den "Symmachianischen Fälschungen" untermauert, plump
zusammengeschusterten Akten erfundener Papstprozesse, die einen ähnlichen Ausgang wie Symmachus'
Verfahren gehabt haben sollten. Mit dem Spruch der Synode war allerdings Theoderich nicht einverstanden, er
gewährte Laurentius die Rückkehr nach Rom. Vier Jahre lang war die Stadt erfüllt von den Kämpfen zwischen
den Anhängern der verfeindeten Päpste, die sich im Lateran der eine und in Sankt Peter der andere verschanzt
hatten. Schließlich machte ein Machtwort Theoderichs den Wirren ein Ende. Inzwischen selbst in Konflikt mit
Byzanz, favorisierte der Gotenkönig nun wieder Symmachus; der byzantinerfreundliche Laurentius mußte Rom
verlassen. Symmachus verlieh dem Bischof Cäsarius von Arles das Pallium - damit erhielt zum erstenmal ein
Bischof außerhalb Italiens das Amtszeichen vom Papst. Außerdem dekretierte die Primatialrechte (Vorrang vor
anderen Bistümern) von Arles in der gallischen und spanischen Kirche. 514 beschloß Anastasios 1. (Kaiser 491518) angesichts von Revolten in Konstantinopel und Thrakien, ein Konzil zur Beilegung des Akakianischen
Schismas einzuberufen. Die Einladung erreichte Symmachus nicht mehr. Als sie in Rom eintraf, war er gerade
gestorben.
 Laurentius 507-508
 507/508, Gegenpapst 22.11.498-Februar 499Nach einem wilden Wahlkampf, in dem Bestechung eine
bedeutende Rolle spielte, hatte die römische Kirche im November 498 zwei Päpste: den vormaligen Diakon
Symmachus, in der Lateranbasilika von einer großen Anzahl Kleriker gewählt, und Laurentius, einen früheren
Archipresbyter, den eine Minderheit, hinter der aber beträchtliche Teile der römischen Aristokratie und des
Senats standen, in 5. Maria Maggiore zum Oberhirten bestimmt hatte. Mit jedem der beiden Kandidaten
verband sich ein bestimmtes kirchenpolitisches Programm. Laurentius wollte das seit 484 andauernde
Akakianische Schisma mit der Ost-kirche (~Felix III.) beilegen. Symmachus dagegen repräsentierte die Richtung,
die der Ostkirche keineswegs nachzugeben gedachte. Von beiden Parteien als Schiedsrichter angerufen,
schlichtete der Ostgotenkönig Theoderich (493-526) den Streit. Symmachus wurde als rechtmäßiger Papst
anerkannt, Laurentius mit dem Bistum Nuceria in Kampanien abgefunden. Als Symmachus 501/502 in einen
Prozeß verwickelt wurde, der sein Ansehen ziemlich beschädigte und ihn auch die Gunst Theoderichs kostete,
kehrte Laurentius nach Rom zurück. Vier Jahre lang lieferten sich seine und Symmachus' Anhänger blutige
Straßenschlachten, bis Theoderich wiederum eingriff, abermals zugunsten Symmachus', der seiner
antibyzantinischen Politik nützlicher war als der auf Ausgleich mit der Ostkirche bedachte Laurentius. Dieser
zog sich auf ein Landgut bei Rom zurück, wo er als Asket lebte und schon bald starb.
 Hormisdas 514-523
 Rom 6.8.523, Papst seit 20.7.514, hl., Fest 6.8.Geboren in Frosinone (Kampanien) und trotz seines
persischen Namens Italiener, war Hormisdas Parteigänger seines Vorgängers Symmachus und wurde
wahrscheinlich auch von diesem nominiert. Ihm blieb es vorbehalten, das seit 484 andauernde Akakianische
Schisma (~Felix III.) zu beenden. Zwar ging die Initiative dazu von Ostrom aus, Anastasios 1. (Kaiser 491-518)
verhandelte dann aber mit so vielen Vorbehalten, daß zu seinen Lebzeiten nichts aus der Wiedervereinigung
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wurde. Erst unter dem Nachfolger auf dem Kaiserthron in Konstantinopel, Justin 1. (518-527), konnte 518/519
der Durchbruch erzielt werden. Die Ostkirche trennte sich vom Monophysitismus und nahm die Zwei-NaturenChristologie des Westens an. Der "Urheber" des Schismas, der 489 verstorbene Bischof Akakios von
Konstantinopel, wurde verdammt. Im Einklang mit seinen Interessen im Osten beauftragte Hormisdas den
Mönch Dionysius Exiguus, eine lateinische Übersetzung der Regeln der griechischen Kirche anzufertigen. Er
selbst unterhielt eine Korrespondenz mit den führenden Bischöfen Galliens, Cäsarius von Arles und Avitus von
Vienne. Kurz vor seinem Tod traf noch die Nachricht ein, daß mit dem Tod des Wandalenkönigs Thrasamund
(Mai 523) die Verfolgung der römisch orientierten Kirche in Nordafrika aufgehört hatte und eine
Wiederherstellung der katholischen Hierarchie in Aussicht stand. Hormisdas wurde in Sankt Peter beigesetzt,
sein Epitaph trägt Verse, die von seinem Sohn, dem späteren Papst Silvenus, verfaßt wurden.
 Johannes I. 523-526
 Ravenna 18.5.526, Papst seit 13.8.523, hl., Fest 18.5.Johannes stammte aus der Toskana. Der Gotenkönig
Theoderich der Große, der zu jener Zeit über Italien herrschte, entsandte den Papst 523 nach Byzanz. Hier
sollte er erwirken, dass Kaiser Justinian I. (um 450 bis 527) die Verfolgung der arianischen Goten einstellte,
denen Theoderich sich verbunden fühlte. Diese Mission ließ sich mit den Glaubensgrundsätzen des Papstes
jedoch nicht vereinbaren, so dass er sie nur zum Teil ausführte. Nach seiner Rückkehr hielt der König Johannes
in Ravenna gefangen, wo er wenig später starb. Sein Namensfest findet am 27. Mai stat.
 Felix IV. 526-530
 Rom 20.9.530, Papst seit 12.7.526, hl., Fest 22.9.Der aus Samnium stammende Felix IV. (so die offizielle
Numerierung, der Gegenpapst Felix II. wurde mitgezählt) wurde auf Befehl des Königs Theoderich zum
Nachfolger von Johannes 1. bestellt und gehörte wohl zur gotenfreundlichen Partei in Rom. Er unterhielt nach
Theoderichs Tod (30.8.526) gute Beziehungen zum designierten Nachfolger Athalarich (König 526-534) und zur
Regentin, der Königinwitwe Amalasuntha. Diese erlaubte die Umwandlung zahlreicher Tempel und öffentlicher
Gebäude in christliche Gotteshäuser. Unter anderem entstand auf diese Weise die Kirche SS. Cosma e
Damiano, deren Mosaiken ein Bildnis von Felix (das erste zeitgenössische Papstporträt) überliefern. Weitere
Frucht des engen Verhältnisses zum Königshof war ein Gerichtsprivileg für die römische Kirche, das Zivilklagen
und Strafverfolgung, soweit sie den Klerus betrafen, ausschließlich in die Hände des Papstes legte. Felix
unterstützte Cäsarius, den Bischof von Arles, im Kampf gegen die zu dieser Zeit in Gallien stark verbreitete
Lehre des Semipelagianismus. Die Beschlüsse der 2. Synode von Orange (Juli 529) zur Frage der Gnade und des
freien Willens tragen die Handschrift des Papstes. Daß sich Felix auch auf Personalpolitik verstand, zeigt die
ungewöhnlich hohe Zahl von Ordinationen (55), die er vornahm; er schuf sich damit ergebene Anhänger. Auch
für seine Nachfolge trug er rechtzeitig Sorge. Als er sein Ende nahen fühlte, versammelte er seine Mitstreiter
um sich und trug ihnen auf, seinen Archidiakon Bonifaz (später Bonifaz II.) als künftigen Papst anzuerkennen.
Eine entsprechende Verordnung ließ er in Rom veröffentlichen und an den Hof in Ravenna schicken. Der
Handstreich stieß allerdings beim römischen Senat auf Widerstand. Dieser verbat sich jede Diskussion um die
Nachfolge, solange der gegenwärtige Papst noch lebte. Nach Felix' IV. Tod kam es dann prompt zu
Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des Verstorbenen und der Senatsartei, die mit Dioskur einen
Gegenkandidaten zu Bonifaz präsentierte.
 Bonifaz II. 530-532
 Rom (?) 17.10.532 Papst seit 22.9.530Felix IV. hatte mit einem Überrumpelungsmanöver seine Nachfolge
sichern wollen: Auf dem Totenbett designierte er seinen Archidiakon Bonifaz, einen reichen Römer aus
gotischem Geschlecht, und übergab ihm sogar das Palhum, das Amtszeichen des Bischofs. Entsprechend wurde
Bonifaz nach Felix' Tod zum Papst erhoben. Es stellte sich aber heraus, daß große Teile des Klerus und des
Senats von Rom das Spiel mitzumachen nicht gewillt waren. Sie wählten in der Lateranbasilika einen Gegen-
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papst, Dioskur. Das Schisma sollte indes nicht lange währen, der frühe Tod Dioskurs (er starb 22 Tage nach der
Doppelwahl) machte die Bahn frei für Bonifaz' II. Alleinherrschaft. Der Sieger gestaltete seinen Triumph nach
Kräften aus. Er zwang auf einer im Dezember 530 in Rom abgehaltenen Synode 60 Kleriker, die nicht für ihn
gestimmt hatten, ihren Fehler zu bekennen und das Andenken Dioskurs zu verfluchen. Eine Urkunde darüber
ließ er in den päpstlichen Archiven niederlegen. Danach war er ganz Milde und Nachsicht und tat alles, um den
Frieden in seiner Herde wiederherzustellen. Der "Liber pontificalis" führt zahlreiche Schenkungen des Papstes
an geistliche Würdenträger auf. Wie sein Vorgänger versuchte auch Bonifaz, die Nachfolge bei Lebzeiten mit
einer Nominierung des Diakons Vigihus auf der Synode in Sankt Peter (531) zu regeln, stieß aber auf solch
energischen Widerstand, daß er den Plan wieder fallen ließ. Er bestätigte im Januar 531 die Beschlüsse der 2.
Synode von Orange, womit die Kontroverse mit den Semipelagianern über die Gnade ein Ende fand.
Gegenüber der Kirche in Konstantinopel verteidigte er die päpstliche Jurisdiktion über die Provinz Illyricum
(Teile des heutigen Griechenland). Bonifaz liegt in Sankt Peter begraben, eine eigene Verehrung wurde ihm
offenbar nicht zuteil.
 Dioskur 530
 Rom (?) 14.10.530 Gegenpapst seit 22.9.530Bereits unter Symmachus und Hormisdas bekleidete Dioskur,
ein Diakon, der wegen Meinungsverschiedenheiten mit den Monophysiten aus Alexandria geflohen war,
wichtige Posten in der römischen Kirche. Seine Kenntnis des Griechischen und der Verhältnisse im Osten
machten ihn zur führenden Figur bei den Verhandlungen in Konstantinopel 519 zur Beilegung des
Akakianischen Schismas (~Felix II.) mit der Ostkirche. Die guten Beziehungen zu Byzanz empfahlen ihn auch als
Kandidaten zur Papstwahl im September 530, als die antibyzantinisch eingestellte Minderheit den vom
verstorbenen Papst Felix IV. nominierten Goten Bonifaz II. auf den Apostolischen Stuhl setzen wollte und die
Mehrheit des Klerus damit nicht einverstanden war. Dioskur wurde am selben Tag wie Bonifaz gewählt. Das
Schisma währte allerdings nur kurz, ein früher Tod raffte Dioskur bereits 22 Tage nach der Doppelwahl dahin.
Bonifaz verpflichtete auf einer Synode im Dezember 530 die Kleriker, die sich zuvor gegen ihn entschieden
hatten, ihren Fehler einzugestehen und das Andenken Dioskurs zu verdammen. Er ließ darüber eine Urkunde
ausstellen, die allerdings 535 von Papst Agapet 1. feierlich verbrannt wurde.
 Johannes II. 533-535
(um 470 bis 535), Papst (533-535). Er wurde als Mercurius geboren und war der erste Papst, der bei der
Übernahme des Papstamtes einen neuen Namen annahm. Zu Beginn seines Pontifikats ließ sich Johannes II.
von Athalarich, dem König der Ostgoten, das von dem römischen Senat erlassene Dekret gegen Simonie (der
Erwerb oder Verkauf kirchlicher Ämter sowie die Beförderung gegen Entgelt) bestätigen. Johannes II. billigte
nachträglich das Glaubensdekret des byzantinischen Kaisers Justinian I. (der Große), das den
Theopaschitenstreit beendete (siehe Monophysitismus).
 Agapet I. 535-536
 Konstantinopel 22.4.536 Papst seit 13.5.535, hl., Fest 22.4. (im Westen), 17.4. (im Osten)Ein Mann aus
aristokratischer Familie, vermögend und kultiviert: Agapet besaß in seinem Haus auf dem Monte Celio eine
Bibliothek der Kirchenväter, er förderte die Bibelstudien und plante zusammen mit dem Staatsmann und
Schriftsteller Casdor (um 490-um 580) die Gründung einer theologischen Hochschule in Rom - woraus
allerdings wegen der Gotenkriege nichts wurde. Agapets Pontifikat war ganz von einem heiklen diplomatischen
Auftrag bestimmt: Der Papst sollte den oströmischen Kaiser Justinian 1. (527-565) davon abbringen, das
Gotenreich in Italien anzugreifen. Nachdem der kaiserliche Feldherr Belisar 534 das Wandalenreich in
Nordafrika zerschlagen hatte, standen seine Truppen zur Invasion Italiens bereit; einen Vorwand zum
Eingreifen bot das Hilfegesuch der Regentin Amalasuntha, die sich gegen den rebellischen gotischen Adel nicht
hatte durchsetzen können. Alarmiert von den Rüstungen der Oströmer, nötigte der neue Gotenkönig
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Theodahad (534-536) Agapet zur Reise nach Konstantinopel. Der Papst mußte die Überfahrt selbst bezahlen, er
verpfändete dazu heilige Gefäße -so schlecht stand es um die Finanzen der Kirche in jener Zeit. Politisch
erreichte er nichts, Justinian behauptete, seine Militärmacht sei bereits unterwegs, und zurückbeordern könne
er sie nicht. Der Aufenthalt Agapets am Bosporus zeitigtejedoch wichtige kirchliche Ergebnisse. Auf Betreiben
des Papstes wurde der den Monophysiten nahestehende Patriarch von Konstantinopel, Anthimos, ein
Günstling der Kaiserin Theodora, seines Amtes enthoben. Agapet weihte den Nachfolger Menas und bestätigte
die Gültigkeit des Glaubensdekrets, mit dem der Theopaschitenstreit (~Johannes II.) beigelegt worden war.
Agapet starb in Konstantinopel, sein Leichnam wurde in einem Bleisarg nach Rom gebracht und in Sankt Peter
beigesetzt.
 Silverius 536-537
* in Frusino (Kampanien), 2.12. 537 auf der Insel Ponza im Tyrrhenischen Meer. - In der auf den Tod Papst
Agapets (+ 22.4.536 in Konstantinopel) folgenden Phase der Ungewißheit setzte der Ostgotenkönig Theodahad
die Erhebung des Subdiakons S., eines Sohns des 523 verstorbenen Papstes Hormisdas, zum Papst durch
(Weihe 8. oder 22.6.536). Als der oströmische Feldherr Belisar im Dezember d.J. in Rom einrückte, begann für
das römische Papsttum schlimme Zeiten. S. hatte den Bewohnern der Stadt geraten, Belisar keinen Widerstand
zu leisten, um unnützes Blutvergießen zu vermeiden. Im Februar 537 legte sich der Ostgotenkönig Witiges vor
die Mauern der Stadt und begann eine einjährige Belagerung. Die Byzantiner bezichtigten S. des Verrats an die
Goten. Auf Betreiben des ehrgeizigen Apokrisiars Vigilius, der selber Papst werden wollte, setzte Belisar S. ab,
ließ ihn als Mönch einkleiden und über See nach Patara in Lykien bringen. Vigilius, ein Günstling der den
Monophysiten nahestehenden Kaiserin Theodora, wurde am 29.3.537 zum Papst geweiht. Zwar setzte sich der
Bischof von Patara bei Kaiser Justinian für S. ein und erreichte dessen Rückführung nach Rom, um den
Hochverratsverdacht nochmals untersuchen zu lassen, doch widersetzten sich Vigilius und Witiges einer
erneuten Prüfung der Vorwürfe. S. wurde auf die Insel Ponza gebracht und dort bewacht. Entmutigt
verzichtete er am 11.11.537 auf die päpstliche Würde, starb bald darauf und wurde auf der Insel bestattet.
Wegen seiner viele Römer vor Tod und Plünderung bewahrenden Haltung 536 und als Opfer von Intrigen
bemächtigte sich bald die Legende seines Schicksals und machte ihn zum Märtyrer. Seine Verehrung bezeugt
zuerst ein Kalendar der Kirche St. Maria auf dem Aventin (11. Jh.). Fest 20.6.
 Vigilius 537-555
 Syrakus 7.6.555 Papst seit 29.3.537"Zwielichtig", "wankelmütig", "charakterschwach" sind die wenig
schmeichelhaften Beiwörter, mit denen die Geschichtsschreibung Vigihus belegt. Der gebürtige Römer, aus
einer Senatorenfamihe stammend, wurde nach der Absetzung Silverius' auf Druck des oströmischen Feldherrn
Belisar zum Papst erhoben. Der Gotenkrieg tobte, byzantinisches Militär hielt zu dieser Zeit Rom besetzt.
Vigihus war ein Günstling der Kaiserin Theodora, die hoffte, durch ihn dem Monophysitismus wie-der zum
Durchbruch verhelfen zu können. Der neue Papst enttäuschte sie jedoch: Er bekannte sich zur Glaubenslehre,
wie sie auf dem Konzil von Chalkedon (451) formuliert worden war. 547 wurde Vigihus von Justinian 1. (Kaiser
527-565) nach Konstantinopel zitiert und gezwungen, das kaiserliche Edikt gegen die Drei Kapitel
anzuerkennen (es handelte sich dabei um die Verurteilung dreier theologischer Schriften aus der Ostkirche als
ketzerisch). Das kostete Vigilius die Gefolgschaft eines großen Teils der Kirche im Westen, eine Synode in
Nordafrika exkommunizierte ihn sogar. Aber auch der erzwungene Aufenthalt in Konstantinopel zehrte an
Vigilius' Nerven. Auf seiner Flucht nach Chalkedon 551 wurde er mißhandelt. Als 553 ein Konzil in
Konstantinopel zur endgültigen Klärung des Dreikapitelstreits einberufen wurde, verweigerte Vigilius zunächst
die Teilnahme, stimmte dann aber einer Teilverurteilung der Drei Kapitel zu. Das genügte dem Kaiser jedoch
nicht. Er stellte Vigilius unter Hausarrest und veranlaßte, daß der Name des Papstes aus den Diptychen (dem
Verzeichnis aller, mit denen man Glaubensgemeinschaft hielt) gestrichen wurde. Isoliert, krank und gebrochen,
war Vigilius Ende 553 schließlich bereit zur Kapitulation. Im Februar 554 bestätigte er die Ergebnisse des
Konzils, die auf gänzliche Verurteilung der Drei Kapitel hinausliefen. Zum Dank erhielt er am 13.8.554 von
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Justinian die sogenannte Pragmatische Sanktion, mit der die Verhältnisse in Italien nach dem Untergang des
Gotenreichs geregelt wurden und die bedeutende Rechte und Privilegien für die Kirche vorsah. Vigilius starb
auf der Rückkehr nach Rom in Syrakus an einem Gallenleiden, das ihn lange schon geplagt hatte. Er wurde in
seine Heimat stadt überführt, aber nicht ihn Sankt Peter beigesetzt, sondern in S. Marcello an der Via Salaria.
 Pelagius I. 556-561
Der dem römischen Stadtadel entstammende Diakon P. begleitet 536 Agapet I. nach Konstantinopel, wo er als
Apokrisiar Papst Vigilius' blieb und am Hofe großen Einfluß gewann. Er bewirkte die Erhebung des Paulus von
Tabennae zum Patriarchen von Alexandria, mußte ihn aber auf der Synode von Gaza (542, 539?) wegen
Verdachts des Hochverrats absetzen. P. bewog Kaiser Justinian I., in einem Brief an den Patriarchen Menas von
Konstantinopel den Origenismus zu verwerfen. Nach Rom zurückgekehrt, übernahm er in Abwesenheit des in
Konstantinopel festgehaltenen Papstes Vigilius eine führende Rolle und sorgte während des Krieges Totilas
gegen die Byzantiner für die notleidende Bevölkerung. 551 begab er sich wieder nach Konstantinopel und
unterstützte Vigilius gegen die Verurteilung der "Drei Kapitel", schloß sich jedoch schließlich mit Vigilius deren
Verwerfung an. Justinian bestimmte P. zum Nachfolger des Vigilius, doch wurde P. in Rom mißtrauisch
empfangen. Er wurde erst am 16. 4. 556 geweiht, legte ein feierliches Glaubensbekenntnis für das Konzil von
Chalkedon ab und reinigte sich durch Eid vom Verdacht der Mitschuld am Tode des Vigilius (+ 7.6. 555). Mit
seiner Fürsorge für die geplagten Einwohner Roms gewann er deren Sympathie, konnte aber die ablehnende
Haltung des Abendlandes nicht überwinden. In Gallien bestritt man seine Rechtgläubigkeit, Oberitalien verfiel
einem Schisma. Seit P. war jeder gewählte Papst verpflichtet, vor der Weihe die Zustimmung des Kaisers
einzuholen.
 Johannes III. 561-574
hieß eigentlich Catelinus und stammte als Sohn eines römischen Senators und Provinzgouverneurs namens
Anastasius aus einer vornehmen römischen Familie. - J. scheint sich als Papst nach den Angaben des Liber
Pontificalis besonders der Erneuerung der Katakomben gewidmet zu haben. Als gewählter Papst mußte J. vier
Monate warten, bis die für seine Weihe erforderliche kaiserliche Vollmacht, die sich Kaiser Justinian I. (527565) nach der Eroberung Italiens vorbehalten hatte, aus Konstantinopel eintraf. In der Zeit des
nachrichtenarmen Pontifikats des J. fielen 568 die Langobarden unter König Alboin in weite Teile Italiens ein.
Dabei stießen sie auf nur geringen Widerstand, da Justinians Thronnachfolger Justinus II. (565-578) Narses, den
Exarchen (byzantinischer Statthalter und Vizekönig) in Italien, auf Verlangen des Volkes entlassen hatte. Die
Invasion trug dazu bei, das Schisma zwischen Rom und den bedeutenden Kirchen des Westens, zu überwinden.
Dank der Bemühungen J's kehrten die Kirchen von Mailand, Ravenna und einige afrikanische Kirchen in die
Gemeinschaft mit Rom zurück. So hielt beispielsweise der neue Bischof von Mailand, Laurentius, der wegen
der Besetzung der Stadt (569) in Genua gewählt worden war, es 573 für angebracht, die Glaubensgemeinschaft
mit Rom zu erneuern. Er unterzeichnete ein vom römischen Stadtpräfekten und künftigen Papst Gregor I.
gegengezeichnetes Dokument, mit dem er der Verdammung der Drei Kapitel zustimmte. Als die Invasion der
Langobarden sich weiter nach Süden erstreckte, begab J. sich 571 voller Verzweiflung nach Neapel, wo sich
Narses niedergelassen hatte, und überredete ihn, nach Rom zurückzukehren und sich der Krise anzunehmen.
Mit diesem Schritt löste J. derart schwere Unruhen im Volk aus, daß er sich, um nicht in die Streitigkeiten
verwickelt zu werden, aus der Stadt zurückzog und sein Domizil in der Kirche SS. Tiburzio e Valeriano (an der
Via Appia, 3 km außerhalb von Rom) aufschlug. Bis zum Tod des Narses in Rom (573/74 ) erledigte er dort
sämtliche Amtsgeschäfte einschließlich der Bischofsweihen. J. selbst starb bald nach Narses und wurde in St.
Peter beigesetzt.
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 Benedikt I. 575-579
Römer,  Rom30.7.579; Papst seit dem 2.6.575Nach seiner Wahl vergingen fast 11 Monate, bis die
Bestätigung aus Konstantinopel eintraf -ein Symtom für den zerrütteten Zustand, in dem sich Italien damals
befand. Sein Pontifikat stand im Zeichen der Bedrohung Roms durch die Langobarden. Im Sommer 579 standen
die Germanen vor den Toren Roms. Auf dem Höhepunkt der Belagerung starb Benedikt. Über seine
Kirchenpolitik ist so gut wie nichts bekannt; er ordinierte ausserordentlich viele Bischöfe (21).
 Pelagius II. 579-590
wurde in Rom als Sohn des Goten Wunigild geboren. Während der Belagerung Roms durch die Langobarden
wurde er, ohne auf die kaiserliche Bestätigung zu warten, zum Papst geweiht. Seine ganze Regierungszeit war
von der langobardischen Bedrohung geprägt. Da er dagegen keine Hilfe aus Ostrom erfuhr, wandte er sich an
die Franken um Hilfe. In seinem Pontifikat begann die Bekehrung der arianischen Westgoten in Spanien unter
Reccared (586-601). Seine Bemühungen, den Dreikapitelstreit zu beenden, scheiterten. Mit ihm setzt ein
langer Streit mit Konstantinopel über das Recht ein, den Titel "ökumenischer Patriarch" zu benutzen. P. starb
am 7.2. 590 an der Pest. Auf ihn geht der Bau eines Altares über dem Petersgrab zurück, ferner erbaute er die
Kirche S. Lorenzo Fuori le Mura.
 Gregor I. (der Große) 590-604
heiliger (um 540 bis 604), bekannt als Gregor der Große, Papst (590-604) und der letzte der vier Kirchenlehrer.
Gregor I. wurde in Rom als Sohn eines Senators und Urenkel von Papst Felix III. (Papst 483-492) in eine
Patrizierfamilie hineingeboren. Aufgrund dieser verwandtschaftlichen Beziehungen war es für ihn leicht, im
Jahr 570 in der Ämterlaufbahn zum Präfekten von Rom aufzusteigen. Bald darauf entschloss er sich jedoch,
Mönch zu werden. Um 575 verwandelte er seinen Familiensitz in Rom in ein Kloster, das dem heiligen Andreas
gewidmet war.Im Jahr 579 wurde Gregor im Auftrag von Papst Pelagius II. (Papst 579-590) zum Kaiser nach
Konstantinopel geschickt, wo er militärische Hilfe gegen den Einfall der bis vor Rom vorgedrungenen
Langobarden erwirken sollte. Nach seiner Rückkehr nach Rom wurde er 590 zum Papst gewählt. Obwohl sich
Gregor um Hilfe aus Konstantinopel bemüht hatte, war ihm diese verweigert worden. Schließlich sah er sich
gezwungen, mit den Langobarden zu verhandeln. 594 konnte er eine Invasion der Langobarden nur dadurch
verhindern, dass er ihnen die Zahlung eines jährlichen Tributs zusagte.Pontifikat Da die Langobarden beinahe
den Zusammenbruch der römischen Staatsverwaltung herbeigeführt hatten, musste sich Gregor weit mehr als
seine Vorgänger um die Versorgung der Armen und den Schutz der Bevölkerung im Umkreis von Rom
kümmern. Aufgrund der großen Ländereien, die sich im Besitz der Kirche von Rom befanden, konnte Nahrung
sowie Geld für diese Aufgabe bereitgestellt werden. Unter Gregor übernahm das Papsttum die politische
Macht in Italien und schloss seine Ländereien aus dem ganzen Land zu einem einheitlichen Ganzen zusammen,
das später zum Grundstein des Kirchenstaates werden sollte.Gregor gelang es, Roms traditionellen Anspruch
auf die kirchliche Vormachtstellung gegenüber dem Patriarchen von Konstantinopel sowie den anderen
Bischöfen der Kirche aufrechtzuerhalten. Sein besonderes Interesse galt auch der Reformierung der Liturgie,
und es ist sein Verdienst, die Gregorianischen Gesänge in die Gottesdienstordnung eingeführt zu haben.597
entsandte Gregor Augustinus von Canterbury, den Prior seines eigenen Klosters (Kloster des heiligen Andreas),
mit weiteren 40 Mönchen nach England, um eine Kirche zu gründen. Schriften Die in 14 Büchern
zusammengefassten Briefe des Papstes sind ein historisches Zeugnis, das nicht nur Gregors eigenes Denken,
sondern auch den Zeitgeist eindringlich beschreibt. Neben den Briefen und einer Reihe von Homilien schrieb
Gregor einige Werke, die einen großen Einfluss auf das Mittelalter haben sollten. Diese Schriften betonen die
Moral und geben praktische Anleitungen. Seine Moralia in Job ist eine Sittenlehre zum Buch Hiob. Liber
Pastoralis Curae versteht sich als Lehrbuch über das Wesen der Predigt und gibt Anleitungen zu deren Praxis.
Das bekannteste unter Gregors Werken sind seine Dialogi, eine Sammlung von Legenden über Heilige aus
Gregors Zeit. Es handelt sich um eine der wenigen Quellen, die Angaben über das Leben des heiligen Benedikt
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enthält. Die Sammlung prägte die folgenden Jahrhunderte, indem sie maßgeblich zur Entstehung der
Ordensregel des heiligen Benedikt beitrug.Die wahre Größe Gregors liegt jedoch in seiner umfassenden
Tätigkeit auf dem Gebiet der Seelsorge. Sein praktisches Wesen, seine Großzügigkeit und sein Mitgefühl
machten ihn sehr beliebt. Er starb in Rom am 12. März 604. Sein Festtag ist der 3. September, früher der 12.
Mars.
 Sabinianus 604-606
 Rom 22.2.606 Papst seit 13.9.604 Nach Gregors 1. Tod dauerte es wegen verspäteter Zustimmung aus
Konstantinopel ein halbes Jahr, bis ein Nachfolger ins Amt eingeführt werden konnte: Sabinianus, der aus
Volterra in der Toskana stammte und zu Gregors Zeiten bereits als Diakon und Botschafter in Konstantinopel
gedient hatte - sich aber zuletzt den Zorn des Papstes zugezogen hatte, weil er angeblich dem Anspruch des
Patriarchen von Konstantinopel auf den Titel "ökumenisch" nicht scharf genug entgegengetreten war. Mit
seiner Wahl verband sich seitens des römischen Klerus die Hoffnung, daß die Bevorzugung des Mönchstums,
ein hervor-stechendes Merkmal der gregorianischen Politik, nun aufhören würde. Über die Amtshandlungen
Sabinianus' gibt es kaum Nachrichten. Offenbar weil die Langobarden ihre Feindseligkeiten wiederaufuahmen,
kam es in Rom zu einer Hungersnot, und während Gregor in solchen Situationen die Bevölkerung aus den
päpstlichen Gütern unentgeltlich versorgt hatte, verlangte Sabinianus nun Wucherpreise für seine
Getreidelieferungen, womit er sich in Rom weidlich verhaßt machte. Nach dem Tod des Papstes traute sich
sein Gefolge nicht, mit dem Sarg durch die Stadt nach Sankt Peter zu ziehen, der Trauerkondukt wählte deshalb
einen Weg außerhalb der Mauern.
 Bonifaz III. 607
 Rom 12.11.607 Papst seit 19.2.607 Anders als sein Vorgänger Sabinianus war der gebürtige Römer Bonifaz
ein echter Protege' Gregors 1. Er hatte 603 eine erfolgreiche diplomatische Mission in Konstantinopel
absolviert und erfreute sich auch der Gunst Phokas' (Kaiser 602-610), der ihm nach seiner Wahl zum Papst mit
der bedeutungsvollen Wendung gratulierte, daß Rom das Haupt aller Kirchen sei. Bonifaz ließ dem
byzantinischen Herrscher zum Dank in Rom eine Statue mit verehrungsvoller Inschrift errichten. Für die
Papstwahl bedeutend war der Spruch der Synode, die er in der Peterskirche abhielt; danach sollten zu
Lebzeiten eines Papstes oder eines Bischofs und sogar noch drei Tage nach seinem Tod alle Diskussionen um
eine Nachfolge verboten sein.
 Bonifaz IV. 608-615
 Rom 8.5.615 Papst seit 25.8.608, hl., Fest 25.5. Aus der heutigen Provinz L'Aquila (nordöstlich von Rom)
stammend, wird Bonifaz erstmals 591 in den Quellen genannt, als Diakon und Schatzmeister Gregors 1. Er
folgte dem Vorbild des großen Papstes, indem er sein Haus in ein Kloster umwandelte und später als Papst das
Mönchstum förderte. Sein Pontifikat war erfüllt von Heimsuchungen wie Hungersnot, Pest und
Naturkatastrophen. 610 hielt Bonifaz eine Synode ab, auf der Regeln für das klösterliche Leben formuliert
wurden. An dieser Veranstaltung nahm auch der erste Bischof von London, Mellitus, teil, der die Heimreise
antrat, versehen mit Dekreten der Synode und Briefen an verschiedene kirchliche und weltliche Würdenträger
Englands. Zum Kaiserhof in Konstantinopel bestanden beste Beziehungen, Phokas (Kaiser 602-610) gestattete
609 die Umwandlung des seit zwei Jahrhunderten geschlossenen, aber als öffent]iches Gebäude dem Kaiser
gehörenden Pantheontempels in Rom in eine Kirche, die Bonifaz mit Märtyrerreliquien ausstattete. Wie es
heißt, ließ er ganze Wagenladungen voll heiliger Knochen aus den Katakomben schaffen, um die neue Kirche
(5. Maria ad Martyres) gegen die alten Götter gefeit zu machen.
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 Deusdedit (später Adeodatus I.) 615-618
 Rom 8.11.618 Papst seit 19.10.615, hl., Fest 8.11. In späteren Papstlisten wird er auch als Adeodatus 1.
geführt: Der gebürtige Römer Deusdedit, Sohn des Subdiakons Stephanus, war schon 40 Jahre lang Presbyter,
bis er zum Papst gewählt wurde. Seit Gregors 1. deutlicher Bevorzugung des mönchischen Elements gab es
eine gewisse Polarisierung unter den Inhabern des Apostolischen Stuhls: Entweder folgte der Papst dem
Beispiel Gregors und betrieb promonastische Personalpolitik (so zum Beispiel Bonifaz IV.), oder er hielt es mit
der Gegenseite und vergab Posten an den Weltklerus (wie Sabinianus). Deusdedit gehörte zur letzten Gruppe,
mit Befriedigung vermerkt der "Liber pontificalis", daß der neue Papst "den Klerus sehr liebte" und die Mönche
demgemäß zurückstehen mußten. Während Deusdedits Pontifikat wurde Rom von einem Erdbeben
heimgesucht, eine Krätzeepidemie brach aus. Byzantinische Truppen, die keinen Sold erhalten hatten,
meuterten und ermordeten den Exarchen von Ravenna und andere kaiserliche Beamte. Deusdedit blieb loyal
zur Regierung in Konstantinopel, und als ein neuer Statthalter namens Eleuthenus erschien, begrüßte er diesen
auf das herzlichste. Eleutherius erstickte die Militärrevolte und schlug auch einen Aufstand in Neapel nieder. Er
wurde danach selbst zum Rebellen und versuchte sich zum Kaiser Italiens zu machen, wurde aber auf dem
Marsch nach Rom von seinen eigenen Truppen umgebracht. Dies geschah 619 und gehört demnach zur
Amtszeit des nächsten Papstes; Deusdedit war bereits gestorben, wahrscheinlich an der Pest. Er ist übrigens
der erste Papst, von dem berichtet wird, daß er auf dem Totenbett ein Vermächtnis machte; es soll für jeden
seiner Kleriker ein Jahresgehalt gewesen sein.
 Bonifaz V. 619-625
 Rom 25.10.625 Papst seit 23.12.619 Es dauerte 13 Monate, bis der neu gewählte Papst die Bestätigung
seiner Wahl aus Konstantinopel erhielt - Anlaß dafür, das umständliche Verfahren zu ändern und künftig den
kaiserlichen Statthalter in Ravenna mit der Wahrnehmung des Bestätigungsrechts zu betrauen. Bonifaz V.
stammte aus Neapel und gehörte wie sein Vorgänger Deusdedit zur Partei, die der Bevorzugung des
Mönchstums entgegentrat. Er verteidigte die Privilegien des Weltklerus, u. a. das Recht der Priester, Reliquien
zu transferieren. Er verstand sich auf Verwaltungsfragen, von ihm stammen Festlegungen des kirchlichen
Asylrechts und der Rechtsförmigkeit von Schenkungen an die Kirche. Besonderes Augenmerk richtete Bonifaz
auf die Verhältnisse der englischen Kirche. Er verlieh nach dem Tod des Erzbischofs Mellitus von Canterbury
624 das Pallium an Bischof Justus von Rochester. Daß er diesen dabei zum Metropoliten "ganz Britanniens"
gemacht haben soll, ist allerdings eine spätere Fälschung. In den Quellen wird Bonifaz' Freigebigkeit gerühmt;
er stiftete sein Vermögen für wohltätige Zwecke und bedachte bei seinem Tod den Klerus mit ansehnlichen
Legaten.
 Honorius I. 625-638
( 638), Papst (625-638), der nach seinem Tod zum Häretiker erklärt wurde.Er wurde als Sohn des Konsuls
Petronius in Kampanien (Italien) geboren. Als Papst unterstützte Honorius die Evangelisierung der
Angelsachsen und gewährte den Metropoliten von Canterbury und York das Pallium, eine Amtstracht, die die
unbeschränkte bischöfliche Autorität symbolisiert. Ferner überzeugte er die Führer der keltischen Christen
davon, die römische Liturgie und den Termin des Osterfestes zu übernehmen. Honorius förderte in Rom den
Bau zahlreicher Kirchen und öffentlicher Einrichtungen. Honorius gewann erheblichen Einfluss auf die
Regierung Italiens, als er den Auftrag erhielt, die finanziellen Angelegenheiten des Papsttums zu verwalten. Im
christologischen Streit schrieb er einen Brief, der Formulierungen enthielt, die ihm den Vorwurf einbrachten,
Anhänger des Monotheletismus zu sein. Honorius verstarb am 12. Oktober 638. Das dritte Konzil von
Konstantinopel 680, das 42 Jahre nach seinem Tod stattfand, erklärte Honorius' Standpunkt für häretisch. In
den im 19. Jahrhundert geführten Kontroversen um die päpstliche Unfehlbarkeit interpretierten römischkatholische Gelehrte die Formulierungen Honorius' dahingehend, dass er dem Monotheletismus nicht
zugestimmt, sondern sich einer unüberlegten Wortwahl in seiner Stellungnahme bedient hätte.
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 Severinus 640
als Sohn eines gewissen Avienus geboren,  2.8. 640, wurde am 12.10. 638 als bereits alter Mann zum Papst
gewählt, mußte jedoch fast 20 Monate auf das für die Weihe erforderliche kaiserliche Mandat warten. Der
Exarch Isaak konnte es nicht erteilen, denn S. war die Ekthesis des Kaisers Herakleios (610-641) zugegangen,
die die monotheletische Irrlehre beinhaltete, daß Christus nur einen Willen besitze; S., der die Ekthesis
unterzeichnen sollte, weigerte sich, so daß die Wahl zum Papst vom Kaiser in Konstantinopel nicht ratifiziert
wurde. Während päpstliche Gesandte am Kaiserhof zusicherten, sie würden alles daran setzen, S. zur
Unterschrift zu bewegen, wurde auf S. in brutaler Weise Druck ausgeübt, um ihn zur Unterzeichnung zu
zwingen; Truppen unter Führung des Miltärregistrators Mauritius versiegelten nach dreitägiger Belagerung des
Laterans den von Papst Honorius I. angehäuften Schatz im Glauben, daß sich darunter ihnen vorenthaltener
Sold befinde. Als der Exarch Isaak um einer angeblichen Schlichtung des Falles willen eintraf, verbannte er
zeitweilig die Verweser des Hl. Stuhls und plünderte die Schatzkammern, wobei er klugerweise einen Teil des
Schatzes Kaiser Herakleios zukommen ließ. S. starb bereits zwei Monate nach seiner Weihe. Ob er seine
Haltung gegenüber der Ekthesis jemals offiziell festlegte, ist nicht bekannt. Spätere Berichte, die bemerken, S.
habe sie ausdrücklich verurteilt und erklärt, Christus besitze gemäß seinen beiden Naturen auch zwei Willen
und zwei Energien, können nicht als absolut glaubwürdig gelten. - S. zeichnete sich durch große Güte und
Mildtätigkeit aus. Er widersetzte sich der Politik Gregors I., der die Ordensleute für die hohen Kirchenämter
favorisierte und trat für die Kleriker ein, denen er seine Wertschätzung durch die Erhöhung ihrer
Jahresgehälter bewies. Die Gebeine S.' wurden in der Peterskirche begraben. Sein Pontifikat währte vom 28.5.2.8. 640.
 Johannes IV. 640-642
Dalmatiner aus Salona, Sohn des Venantius, eines Rechtsberaters im Dienste des Exarchen zu Ravenna, war
Erzdiakon von Rom, als er im August 640 zum Papst gewählt wurde. In der Zeit des fünfmonatigen Interims bis
zur kaiserlichen Zustimmung, die damals für die Weihe als notwendig erachtet wurde, sandte die römische
Kirche einen Hirtenbrief zur Maßregelung an bestimmte irische Bischöfe, da sie sich betreffs der Osterfeier
nicht an den im ersten Konzil von Nicäa festgelegten Termin halten wollten, sondern vielmehr an ihrem Brauch
festhielten, Ostern am Tag des jüdischen Paschafestes zu feiern. Aufschluß über den Status der römischen
Kirchenleitung in der Zeit des Interims bis zur kaiserlichen Bestätigung und Konsekration des gewählten
Papstes gibt die Tatsache, daß der designierte Papst nur der zweite Unterzeichner des Briefes war, während als
erster der Erzpresbyter Hilarus unterschrieb. Darüber hinaus bezeichneten sich Hilarus und der Erste Sekretär
(primicerius) Johannes in dem Schreiben als "Verweser" des Hl. Stuhls. - Anfang 641 veranstaltete J. in Rom
eine Synode, die den von der Ekthesis (Glaubensbekenntnis) des Kaiser "Herakleios" (610-641) begünstigten
Monotheletismus als ketzerisch verdammte. Enttäuscht darüber, daß die "Ekthesis" nur zu Spaltungen geführt
hatte, schrieb Herakleios kurz vor seinem Tod (11.2. 64l) an den Papst, um sich vom Monotheletismus zu
distanzieren. - Die "Ekthesis" war in Wirklichkeit von dem Patriarchen Sergios I. von Konstantinopel (610-638)
verfaßt worden, der sie Ende 638 von einem Konzil in Konstantinopel bestätigen und dann dem ganzen Reich
vorschreiben ließ. Ebenso verfuhr sein Nachfolger Pyrrhos I. (638-641), der an der Redaktion der "Ekthesis"
mitgewirkt hatte. In dieser Glaubensformulierung wird zunächst das Geheimnis der Trinität und die Lehre des
Konzils von Chalkedon über die Inkarnation dargelegt. Christus wird hier nur ein Wille zugeschrieben, der als
physische Fähigkeit und nicht wie bisher im Sinne einer moralischen Einheit im Handeln verstanden wird
(Monotheletismus). Als Pyrrhos bei seinen Bemühungen zur Durchsetzung der "Ekthesis" im Westen Honorius
l. um seine Billigung ersuchte, brachte J. in einem Brief an den neuen Kaiser Konstantin III. von Ostrom (Feb.Mai 641) seine Empörung über die Versuche zum Ausdruck, Honorius mit solchen häretischen Neuerungen in
Verbindung zu bringen. Sein Vorgänger sei einem Mißverständnis zum Opfer gefallen, denn er habe, als er von
einem Willen unseres Herrn Jesus Christus sprach, ausschließlich an den menschlichen Willen gedacht, der frei
von dem Zwiespalt war, dem der menschliche Wille aufgrund des Sündenfalls normalerweise unterworfen sei.
(Honoriusfrage) J. verlangte außerdem, daß Abschriften der "Ekthesis", die an öffentlichen Gebäuden
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Konstantinopels angebracht waren, zu entfernen seien. In Anbetracht der Not seiner Heimat schickte J. den
Abt Martin mit einer großen Summe Lösegeldes nach Dalmatien, um die dort von den eingefallenen Awaren
und Slawen in Gefangenschaft geführten Christen wieder freizukaufen. Neben dem Baptisterium des Laterans
stiftete er zu Ehren der Märtyrer Dalmatiens eine Kapelle, die er mit den Reliquien des hl. Venantius (der Name
seines Vaters) und anderer Märtyrer Dalmatiens ausstatten ließ. Sein Porträt, das sein Nachfolger Theodor I. in
Auftrag gab, ist noch heute im Mosaik der Apsis dieser Kapelle zu besichtigen.
 Theodor I. 642-649
Th. war Grieche von Geburt, sein gleichnamiger Vater Bisch. von Jerusalem. Seine Wahl zum Papst verdankte
er sicher starkem orientalischen Einfluß, dessen wichtigste Vertreter griechische Mönche waren, die aus
politischen und religiösen Gründen nach Rom geflohen waren. Th. nutzte die unsichere Lage des
byzantinischen Reiches und verlangte von dem noch unmündigen Konstans II. (641-668) in ungewöhnlich
schroffer Form, daß der abgesetzte konstantinopolitaner Patriarch Pyrrhos gemäß den Kanones der Synode
von Sardika als Häretiker verurteilt werden müsse. Die selbstbewußte Haltung des neuen Papstes war von den
Primatsvorstellungen der griechischen Theologen um Maximos Homologetes (Maximus Confessor) geprägt,
denen auch die Ausformung der Zwei-Willen- und Zwei-Energien-Lehre (Dyotheletismus und Dyenergismus) in
den christologischen Auseinandersetzungen zu verdanken ist. Obwohl es Maximos gelungen war, den
abgesetzten Patriarchen Pyrrhos in einer vom Exarchen Gregorios in Karthago veranstalteten Disputation von
der Richtigkeit der Zwei-Willen- und Zwei-Energien-Lehre zu überzeugen (Juli 645), hielt der neue Patriarch der
byzantinischen Hauptstadt, Paulos, an Monotheletismus und Monenergismus fest. Nachdem der Exarch von
Afrika, Gregorios, der sich zum Gegenkaiser aufgeworfen hatte, im Kampf gegen die vordringenden Araber
gefallen war, flüchtete Pyrrhos in die Obhut des Ravennater Exarchen Platon. Er widerrief sein in Rom
überreichtes Libell zugunsten der zwei Willen und Energien in Christus und kehrte nach Konstantinopel zurück.
Th., der sich von Pyrrhos betrogen und hintergangen sah, handelte umgehend. Auf einer römischen Synode
sprach er Anathem und Absetzung über ihn aus. Auf Wunsch der afrikanischen Bischöfe erließ Th. ein
Synodalschreiben an den Patriarchen Paulos, in dem er diesen aufforderte, von der monotheletischen Lehre
abzulassen. Als dieser mit einer Synodika antwortete, in der einen Willen bekannte und sich dafür auf Papst
Honorius I. berief, sprach der Papst über ihn ebenfalls Bann und Absetzung aus. Diese Absetzung wurde jedoch
nicht wirksam. Da Paulos sich nicht an Th. selbst rächen konnte, legte er den päpstlichen Gesandten in der
Kaiserstadt Zelebrationsverbot auf und ließ sie später gefangensetzen. Der Patriarch überredete Konstans II.
zum Erlaß eines neuen Edikts, des Typos, das den status-quo-ante, also den Zustand vor der Willen- und
Energiendiskussion wiederherstellen sollte (648). Dies war jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Th.
wird Maximos und den griechischen Mönchen in seiner Umgebung den Auftrag erteilt haben, den Text der
Lateranakten zu entwerfen. Er war am 14.5. 649 gestorben, wahrscheinlich ohne den Typos erhalten zu haben.
Der energische Papst, dessen Barmherzigkeit, Freigebigkeit und Milde seine offizielle Biographie rühmte,
welcher aber in der theologischen Diskussion mit Konstantinopel unnachgiebig blieb, wurde bei St. Peter
bestattet.
 Martin I. 649-653
heiliger ( 655), Papst (649-655), der auf der Lateransynode den Monotheletismus als Häresie verurteilte.
Martin stammte aus der toskanischen Stadt Todi. Als Nachfolger Theodors I. bekämpfte der Papst die im Osten
weit verbreitete Lehre des Monotheletismus, derzufolge Christus nur über einen einzigen Willen verfügte. Der
byzantinische Kaiser Konstantin II., der die Einheit der Kirche angesichts drohender muslimischer Angriffe
erhalten wollte, hatte 648 jede weitere Diskussion über dieses Thema per Dekret verboten. Nachdem die in
Rom unter Martins Vorsitz abgehaltene Lateransynode dieses Dekret und den Monotheletismus 649 verurteilt
hatte, ließ der Herrscher den Papst 653 gefangen nehmen. 654 brachte er ihn nach Konstantinopel, wo er von
einem Gericht verurteilt und anschließend verbannt wurde. Das Namensfest des Märtyrers findet am 12.
November stat.
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 Eugen I.654-657
 Rom 2.6.657 Papst seit 10.8.654, hl., Fest 2.6.Mit der Begründung, ohne kaiserliche Bestätigung auf den
Stuhl Petri gelangt zu sein, war Martin 1. am 17.6.653 abgesetzt worden. Auf Befehl Konstans' II. (Kaiser 641668) wurde Eugen als Papst gewählt, ein aus Rom stammender älterer Presbyter, der seit frühester Jugend im
Kirchendienst gestanden hatte. Den Byzantinern schien er ein gefügiger Mann zu sein, es stellte sich jedoch
bald heraus, daß er nicht die Autorität besaß, das Problem des Monotheletismus, die Frage, ob Christus einen
Willen (so die Auffassung im Osten) oder zwei (so die im Westen) habe, in einer der Ostkirche zusagenden
Weise zu lösen. Persönlich war er wohl bereit, einen Kompromißvorschlag aus Konstantinopel, der ihm zu
Pfingsten 655 übergeben wurde, zu unterschreiben, aber als er ihn während der Messe in S. Maria
Maggioreverlas, erntete er flammende Empörung. Eugen konnte den Gottesdienst erst fortsetzen, nachdem er
versprochen hatte, den Vorschlag zurückzuweisen. Konstans drohte daraufhin, dem neuen Papst werde das
Schicksal des alten nicht erspart bleibe (Martin war aus Italien verschleppt worden und in der Verbannung
gestorben), sobald er, Konstans, nur erst mit den Heiden (gemeint waren die Araber, die zu dieser Zeit große
Teile des Byzantinischen Reiches eroberten) fertig wäre, aber Eugen starb, bevor Pläne dieser Art in die Tat
umgesetzt werden konnten.
 Vitalian 657-672
*Segni (bei Rom),  Rom 27.1.672 Papst seit 30.7.657, hl., Fest 27.1.Die ersten Ansätze, den Dogmenstreit
zwischen Ost- und Westkirche über den Monotheletismus zu einem Ende zu bringen, wurden unter dem
Pontifikat Vitalians gemacht. Inzwischen waren durch die arabischen Eroberungen in Ägypten, Palästina und
Syrien dem Byzantinischen Reich gerade die Gebiete abhanden gekommen, in denen der Monotheletismus
seine Basis gehabt hatte; für Konstantinopel spielte das theologische Problem nicht mehr die gleiche Rolle wie
früher, was die Verständigung mit dem Westen erleichterte. Vitalian seinerseits tat auch alles, um die
Bedeutung der Sache herunterzuspielen. 663 kam Konstans II. (Kaiser 641-668) nach Italien; möglicherweise
beabsichtigte er, den Schwerpunkt seines Reiches in den Westen zu verlagern, nahm aber angesichts der
langobardischen Macht in Italien Abstand davon. Im Juli 633 hielt er sich für zwölf Tage in Rom auf, das seit
dem Besuch Konstantius' (357) keinen Kaiser mehr in seinen Mauern gesehen hatte. Die Stadt hatte den Glanz
der Antike verloren, Goten- und Wandalenstürme waren über sie hinweggegangen, vieles lag in Trümmern,
aber da und dort fanden die byzantinischen Sachverständigen noch antike Kunstgegenstände, die sich
wegschaffen ließen, sogar die bronzenen Ziegel vom Pantheon mußten dran glauben. Drei Jahre später
versetzte Konstans der römischen Kirche einen erheblichen Stoß, indem er das Episkopat von Ravenna aus dem
römischen Patriarchat löste und es für autokephal erklärte, das heißt berechtigt, einen eigenen Bischof zu
wählen. Vitalian nahm sich besonders der Verhältnisse in der englischen Kirche an (Synode von Whitby 664)
und setzte 668 den griechischen Mönch Theodoros von Tarsos als Erzbischof von Canterbury ein. Er baute die
von Gregor 1. gegründete Chorschule im Lateran aus, unter seiner Ägide fand ein neuer, an byzantinischen
Mustern orientierter Gesangsstil Verbreitung, dessen Interpreten "Vitaliani" genannt wurden.
 Adeodatus II. 672-676
 Rom 17.6.676 Papst seit 11.4.672Aus Rom stammend, verbrachte Adeodatus die meiste Zeit seines Lebens
im Erasmuskloster auf dem Monte Celio. Erst als älterer Mann wurde er zum Papst gewählt. Sein Pontifikat fiel
in eine Zeit des Wiederauflebens der Streitigkeiten um den Monotheletismus, in Rom entwickelte sich gerade
der Kult um Papst Martin 1. und den Bischof Maximus Confessor (um 580-662), die beide als Märtyrer für die
westliche Orthodoxie im Kampf gegen den Cäsaropapismus des Ostens galten. Als Adeodatus II.
Synodalschreiben mit der Formulierung eines Glaubensbekenntnisses durch Konstantin 1., den neuen
Patriarchen von Konstantinopel (675-677), zurückwies, wurde sein Name aus den Diptychen, dem Verzeichnis
derer, mit denen man Glaubensgemeinschaft hielt, gestrichen. Ansonsten ist über Amtshandlungen des
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Papstes fast nichts bekannt. Er soll freigebig gewesen sein und für Gehaltserhöhungen der Kleriker gesorgt
haben.
 Donus 676-678
 Rom 11.4.678 Papst seit 2.11.676Wie im Fall seines Vorgängers Adeodatus II. ist auch Donus' Ponüfikat
weitgehend undokumentiert geblieben. Lediglich ein Abkommen mit Reparatus, dem Erzbischof von Ravenna,
ist bekannt. Ravenna war 666 von Kaiser Konstans II. für autokephal, das heißt unabhängig von Rom mit dem
Recht eigener Bischofswahl, erklärt worden, und Reparatus ließ sich die Unabhängigkeit wenigstens pro forma
abhandeln. In Rom löste Donus ein Kloster auf, das von Anhängern der nestorianischen Irrlehre unterwandert
worden war. Er ließ orthodoxe Mönche dort einziehen und verteilte die Nestorianer auf andere Klöster, in der
Hoffnung, sie dort zum rechten Glauben bekehren zu können. Der Brief mit dem Konstantin IV. (Kaiser 668685) das Einlenken der Ostkirche im Streit um den Monotheletismus ankündigte, traf in Rom ein, als Donus
bereits gestorben war.
 Agatho 678-681
 Rom 10.1.681 Papst seit 27.6.678, hl., Fest 10.1.Das Pontifikat Agathos, eines Sizilianers und früheren
Mönchs, ist mit bedeutenden Erfolgen für die römische Kirche verknüpft. Ravenna, dem Kaiser Konstans
11.666 die Unabhängigkeit garantiert hatte, kam nach Verhandlungen, die bereits unter Agathos Vorgänger
Donus begonnen hatten, wieder ganz unter die Aufsicht Roms. Gebühren, die bis dahin bei der Papstwahl an
den kaiserlichen Statthalter in Ravenna hatten gezahlt werden müssen, wurden nicht mehr erhoben; allerdings
mußte Agatho im Gegenzug zugestehen, daß der alte Brauch, das Wahlergebnis vom Kaiserhof bestätigen zu
lassen, wieder in Kraft gesetzt wurde. Wichtiger aber war das Ende des Streits mit der Ostkirche um den
Monotheletismus. Die Initiative ging von Konstantin IV. (Kaiser 668-685) aus, der mit einem Schreiben vom
August 678 zu einem Konzil in Konstantinopel einlud. Entscheidend für die Friedensbereitschaft des Kaiserhofs
war, daß durch die arabischen Eroberungen in Ägypten, Palästina und Syrien die eigentlichen Heimstätten des
Monotheletismus verlorengegangen waren und die dogmatische Streitfrage dadurch an Bedeutung verloren
hatte. Agatho ging auf den Vorschlag des Kaisers ein, hielt aber zunächst, um eine möglichst geschlossene
Haltung der westlichen Kirchen herzustellen, mehrere Vorhereitungssynoden ab, die wichtigste davon, unter
Teilnahme von 150 Bischöfen, in Rom im März 680. Bei dieser wurden noch einmal der Monotheletismus
verworfen und die Bedeutung der römischen Kirche als Hüterin des wahren Glaubens bestätigt. Das Konzil, das
unter Vorsitz Konstantins vom 7.11.680 bis zum 16.9.681 im kaiserlichen Palast von Konstantinopel abgehalten
wurde, übernahm die von der römischen Kirche definierte Lehre von den zwei Willensformen und den zwei
Wirkungsweisen in Christus und verurteilte die Doktrin der Monotheleten. Eingeschlossen in die Verdammung
war auch der frühere Papst Honorius 1., den die Versammlung für mitschuldig an den Auseinandersetzungen
erklärte. Agatho starb noch vor Ende der Verhandlungen. Seine Gesandten rühmten in ihrem Schlußwort in
Konstantinopel die Leistung des Papstes; durch ihn habe der heilige Petrus gesprochen.
 Leo II. 682-683
* unbekannt in Sizilien, Papstweihe 17. August 682,  3. Juli 683, Festtag am 3. Juli. - L. erhielt seine
Ausbildung an der päpstlichen Chorschule und war beredt im Lateinischen und Griechischen. Er wurde
wahrscheinlich im Januar 681 zum Papst gewählt. Seine Weihe erfolgte aber erst anderthalb Jahre später, weil
der Kaiser, Konstantin IV., das Mandat zurückhielt. Der Bericht vom Tode Agathos und der Wahl Leos erreichte
Konstantinopel schon am 10. März 681, aber der Kaiser wollte die Wahl nur ratifizieren, nachdem das damals
tagende 6. Allgemeine Konzil (Constantinopolitanum III) die Monotheleten, darunter Papst Honorius I.,
verdammt hatte. Die römischen Abgeordneten weigerten sich, das Anathema eines Papstes zu akzeptieren,
und die Verhandlung über diese Sache zog sich über fast ein ganzes Jahr nach dem Abschluß des Konzils (16.
September 681) hin. Die Weihe L.s am 17. August 682 leitete eine Periode von friedlichen Beziehungen
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zwischen Rom und Byzanz ein. L. ratifizierte die Verdammung des Monotheletismus in einem Schreiben an
Konstantin IV., ließ die Konzilsakten ins Lateinische übersetzen und zur Unterzeichnung unter den
Kirchenführern im Westen verbreiten. Der Kaiser beauftragte L. mit dem Gerichtsverfahren gegen
Monotheleten wie Makarios I., den Patriarchen von Antiochien. Unter Mitwirkung von Konstantin gelang es L.,
die unter Konstans II. 666 erworbene Selbständigkeit des Erzbischofes von Ravenna aufzuheben. L. widmete
sich der Kirchenmusik, restaurierte S. Bibiana und baute S. Giorgio für die griechische Gemeinde in Rom wieder
auf.
 Benedikt II. 684-685
 Rom 8.5.685 Papst seit 26.6.684, hl., Fest 7.5. Anders als seine Vorgänger Leo II. und Agatho, die aus Sizilien
stammten und Griechisch sprachen, war Benedikt II. ein gebürtiger Römer und in lateinischer Tradition
aufgewachsen. Historiker sehen in seiner Wahl ein Erstarken des römischen Selbstbewußtseins gegenüber den
Kräften, die sich nach Byzanz orientierten. Obwohl bereits im Juli 683 gewählt, mußte sich Benedikt noch fast
ein Jahr gedulden, bis die Bestätigung aus Konstantinopel eintraf - Grund für den neuen Papst, auf eine
Vereinfachung des Verfahrens zu dringen, nämlich den Ex-arc hen, den kaiserlichen Statthalter in Ravenna, die
Ratifikation der Papstwahl erledigen zu lassen, was Konstantin IV. (Kaiser 668-685) auch zusagte. Der
byzantinische Herrscher schickte Benedikt Haarlocken seiner Söhne Justinian und Heraklius; das bedeutete
nach der Sitte jener Zeit die Adoption der beiden Prinzen durch den Papst. Die Locken wurden in einer Kapelle
des Lateran feierlich niedergelegt. Benedikt wirkte für die Anerkennung des 6. ökumenischen Konzils
(Konstantinopel 680/681, ~Leo II.), stieß aber bei der spamsehen Kirche auf Widerspruch. Der Metropolitan
von Toledo, Julian, formulierte ein eigenes Glaubensbekenntnis, das wiederum wenig Anklang beim Papst in
Rom fand. Benedikts kurzes Pontifikat ist von Fehlschlägen gekennzeichnet. Er bemühte sich ohne Erfolg, den
678 abgesetzten Bischof von York,. Winfried, wieder in sein Amt einzusetzen, und vermochte auch nicht, den
monotheletischen Bischof von Antiochia, Makarios 1., den man in ein Kloster in Rom eingesperrt hatte, von
seinem Irrglauben abzubringen. Nach dem Bericht des "Liber pontificalis" war Benedikt ein milder und
bescheidener Mann, der sich besonders um die Armen sorgte. Bei seinem Tod stiftete er dem Klerus 30 Pfund
Gold.
 Johannes V. 685-686
aus Antiochia stammender Syrer, Sohn des Cyriacus. Er war als römischer Diakon einer der drei Deligierten des
Papstes Agathos auf dem 6. ökumenischen Konzil in Konstantinopel (680/81). In dieser Funktion brachte er die
Kanones des Konzils und das Mandat Kaiser Konstantins IV. für die Wahl Leos II. persönlich nach Rom. Zu dem
Zeitpunkt, als er in der Lateranbasilika zum Papst gewählt wurde, war J. Erzdiakon und ein bedeutender
Kleriker. In unmittelbarem Anschluß an seine Wahl und nach der Bestätigung seiner Wahl durch den Exarchen
von Ravenna (seit 555 der byzantinische Statthalter im weströmischen Reich) konnte er gemäß des neuen von
Kaiser Konstantin IV. verfügten Modus, der auf die direkte Befragung Konstantinopels verzichtete, rasch
geweiht und investiert werden. Von seinem Pontifikat ist nur soviel bekannt, daß er mit Erfolg strikte
Maßnahmen ergriff, um die Bestrebungen sardischer Bischöfe nach Selbständigkeit zu unterbinden und deren
Unterwerfung unter die römische Jurisdiktion zu erreichen. Der Metropolit von Sardinien, Cito-natus von
Cagliari, hatte ohne Befragung Roms einen Provinzbischof geweiht. J. suspendierte zunächst diesen Bischof
und setzte ihn erst dann wieder ein, nachdem die Autorität des Hl. Stuhls über Sardinien auf einer in Rom
abgehaltenen Synode bestätigt worden war. J. hinterließ dem Klerus, den karitativen Klöstern Roms und den
Laiensakristanen der Kirchen ein bedeutendes Legat. Er war der erste einer Reihe von neun Päpsten aus dem
Osten, was für das Verhältnis der Ost- zur Westkirche von nicht geringer Bedeutung war.
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 Konon 686-687
K. wurde in Sizilien als Sohn eines Offiziers vom Armeekorps der Thrakesier (d.h. der Einwohner der Provinz
Asia proconsularis, woher der Vater K.s also wohl stammte) geboren und daselbst erzogen und dann in Rom
zum Presbyter ordiniert. Nach dem Tod Papst Johannes' V. erhob sich ein Streit zwischen dem röm. Klerus, der
den Archipresbyter Petrus, und der röm. Miliz, die den Presbyter Theodor als Papst wünschte. Schließlich
einigte man sich auf den hochbetagten und kränklichen K., der beiden Gruppen wegen der von ihm bisher in
allen Parteistreitigkeiten geübten Zurückhaltung genehm war. Er wurde darauf mit Approbation des Exarchen
v. Ravenna konsekriert. Als er allerdings einen sizilischen Landsmann, den Diakon Konstantin v. Syrakus, zum
Administrator des sizilischen Anteils des Patrimonium Petri ernannte, wurde ihm dies vom röm.
Diakonenkollegium verübelt, weil auf diese Weise der althergebrachte Einfluß der diakonalen
Zentralverwaltung des Patrimonium Petri geschwächt worden war. Aus Konstantinopel erhielt K. ein Reskript
Kaiser Justinians II. v. 17. Febr. 687, in welchem dieser ihm in gnädigsten Ausdrücken von einer kaiserlichen
Maßnahme zur Sicherstellung der Akten des dritten Konzils v. Konstantinopel (also des 6. allgemeinen Konzils)
Mitteilung machte und ihm dabei deutlich zu verstehen gab, daß er (der Kaiser) als Herr der Reichskirche sich
als den von Gott bestellten Hüter des rechten Glaubens betrachte; es ist nicht bekannt, daß K. dieser
cäsaropapistischen Kundgebung zu widersprechen versucht hätte. Legendarisch ist die in den Acta Kiliani AS
Jul. II, 615 enthaltene Nachricht, daß der irische Missionar Kilian von Würzburg nach Rom zu K. gekommen sei,
um sich von ihm die Vollmacht für seine Missionstätigkeit in Deutschland erteilen zu lassen; es ist dies eine
unhistorische Vorwegnahme der späteren Politik von Bonifatius (Wynfrith). K. wurde in der Petrusbasilika
begraben.
 Theodor (Gegenpapst) 687
 nach 687 Gegenpapst 687 Beim Streit um die Nachfolge von Johannes V. war Theodor, ein römischer
Presbyter, von der Militärpartei als Kandidat gegen den Favoriten des Klerus, den Erzpriester Petrus, aufgestellt
worden, dann aber gegen den Kompromißkandidaten Konon unterlegen. Nach Konons Tod (21.9.687) meldete
er erneut seine Ansprüche an, mußte aber feststellen, daß sie von einem Archidiakon namens Paschalis
angefochten wurden. Es fand eine Art Wettrennen der Papstkandidaten samt ihrer jeweiligen Anhängerschaft
auf den Lateran statt. Theodor und die Seinen trafen als erste ein und besetzten die inneren Gemächer, ihre
Gegner mußten sich mit den äußeren Teilen zufriedengeben. Wieder fand man einen Ausweg, indem man
einen Dritten zum Papst machte: Sergius, den Titularpriester von S.Susanna. Theodor akzeptierte seine
Niederlage in guter Haltung. Da er nie geweiht wurde, ist es zweifelhaft, ob er überhaupt als Gegenpapst
gelten kann. Seine sonstigen Lebensumstände sind nicht bekannt.
 Paschalis (Gegenpapst) 687-692
 692 Gegenpapst 687Um die Nachfolge des am 21.9.687 verstorbenen Konon bewarben sich zwei
Kandidaten: Theodor, der auch schon beim Tod von Konons Vorgänger Johannes V. zum Zuge zu kommen
gehofft hatte, und Paschalis, ein Archidiakon, der glaubte, sich durch rechtzeitige Bestechung des Exarchen in
Ravenna entscheidende Vorteile gesichert zu haben. Er hatte dem kaiserlichen Statthalter 100 Pfund Gold für
die Bestätigung seiner Wahl zum Papst versprochen. Der Statthalter ging auch auf den Handel ein und
instruierte seine Beamten in Rom, daß sie für Paschalis stimmen sollten. Die Gegenpartei um Theodor war
jedoch schneller. Sie besetzte bei Johannes' Tod die inneren Gemächer des Lateran, Paschalis und seinen
Anhängern blieben nur die äußeren. Da keiner weichen wollte, wurde auf einer Versammlung im Kaiserpalast
auf dem Palatin ein neuer Papst, Sergius 1., gewählt. Eine große Volksmenge gab ihm das Geleit zum Lateran,
stürmte das Gebäude und warf die Besetzer hinaus. Während Theodor resignierte, hielt Paschalis seine
Ansprüche jedoch aufrecht. Er beschwor den Exarchen, persönlich nach Rom zu kommen, und wiederholte sein
Bestechungsangebot. Der kaiserliche Statthalter erschien auch tatsächlich, gab aber nach näherer
Untersuchung der Verhältnisse in Rom Paschalis' Sache verloren und bestätigte die neue Wahl - allerdings nicht
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ohne von Sergius das Geld einzutreiben, das ihm Paschalis vorher versprochen hatte. Der Verlierer hörte
deswegen nicht auf zu intrigieren, bis er als Diakon abgesetzt und unter der Anklage der Zauberei in ein
Mönchskloster eingesperrt wurde. Dort starb Paschalis fünf Jahre nach der mißglückten Kandidatur, bis zuletzt
unbeeindruckt von den Bußstrafen, die ihm auferlegt wurden.
 Sergius I. 687-701
Geboren in eine aus Antiochia stammende syrische Exulantenfamilie in Palermo, kam S. unter Papst Adeodatus
II. (11.4. 672 - 17.6. 676) nach Rom. Ausbildung an der Chorschule, später Titularpriester an S. Susanna auf dem
Quirinal. Nach dem Tod des Papstes Konon (21.9. 687) spaltete sich die römische Wählerschaft in zwei
Gruppen auf. Die eine entschied sich für den Erzdiakon Paschalis, der sich gegen eine versprochene Gabe von
100 Pfd. Gold auch der Unterstützung des byzantinischen Exarchen von Ravenna versichert hatte, die andere
für den Erzpresbyter Theodor. S. wurde daraufhin als Kompromißkandidat beider Parteien gewählt, mußte sich
aber noch gegen den widerstrebenden Paschalis durchsetzen und schließlich die 100 Pfd. Gold an den
Exarchen Johannes Platynos ausgeben, um von diesem die notwendige Zustimmung zur Ordinierung zu
erhalten, die am 15.12. 687 erfolgte. Paschalis wurde unter dem Vorwurf der Zauberei in einem Kloster
inhaftiert, wo er 5 Jahre später starb. - S. Pontifikat wurde geprägt durch die Auseinandersetzung mit dem
byzantinischen Kaiser Justinian II. um die Anerkennung der Disziplinarkanones, die während des von diesem im
Jahr 692 zur Ergänzung und Fortsetzung des 5. und 6. ökumenischen Konzils nach Konstantinopel einberufenen
sog. Trullanischen Konzils bzw. Quinisexta beschlossen worden waren. S. verweigerte Unterschrift und
Verlesung der Akten, die sich teilweise erheblich über Gewohnheiten der Westkirche hinwegsetzten und
deutlich gegen Rom gerichteten Charakter hatten (z. B. in bezug auf den Priesterzölibat und durch die
Festsetzung gleicher Rechte für Rom und Konstantinopel). Justinian II. ließ daraufhin zunächst zwei Berater des
Papstes festnehmen, um dann den Protospatharius Zacharias mit dem Befehl nach Rom zu senden, auch S. zu
verhaften und nach Konstantinopel zu bringen. Dies wurde jedoch durch die herbeieilende Miliz aus Ravenna
und der Pentapolis vereitelt, die Zacharias im Lateran einschloß und ihn erst auf Bitten S. unter demütigenden
Bedingungen abziehen ließ. Bewies S. auf diese Weise die Eigenständigkeit des Papsttums gegenüber
Konstantinopel, so war sein Pontifikat nach innen, wie auch das der anderen griechisch-syrischen Päpste seiner
Zeit, durch eine Byzantinisierung von Verwaltungsstruktur und Zeremoniell gekennzeichnet. - S. bemühte sich
mit Erfolg um die Ausweitung römischen Einflusses im angelsächsischen Bereich, bei den Friesen und in Italien.
Am 10.4. 689 taufte er in Rom Caedwalla, König von Wessex, gab 693 Berchtwald von Canterbury das Pallium
und ließ im Jahr 700 Wilfrid wieder zum Bischof von York einsetzen. Im Jahr 693 beauftragte er den
Angelsachsen Willibrord, der auf Anweisung des fränkischen Hausmeiers Pippins des Mittleren nach Rom
gekommen war, mit der Friesenmission und machte ihn während dessen zweiter Romreise am 27. 11. 695 zum
Erzbischof der Friesen. Erstmals seit der Aufhebung des kurzen autokephalen Status konnte S. mit EB Damian
wieder einen ravennatischen EB in Rom weihen. Im Jahr 700 gelang es ihm in Folge des Konzils von Pavia, mit
der Wiederaufnahme des schismatischen Aquileia den Dreikapitelstreit zu beenden. - Die Vita S. im Liber
Pontificalis berichtet von reichen Geschenken des Papstes an römische Kirchen sowie über die Erneuerung des
Oratoriums von St. Andreas. Am 8.6. 688 ließ S. das Grabmal Papst Leos d. Großen innerhalb von St. Peter
verlegen, prunkvoll erneuern und mit einer Inschrift versehen. Auf S. geht wohl die Einführung des Agnus Dei
in die Messe ebenso zurück wie die Verordnung von Prozessionen anläßlich der großen Marienfeste. - S. starb
am 7.9. 701 und wurde an den Toren von St. Peter beigesetzt. Seine Nennung im Festkalender Willibrords
zeigt, daß die Heiligenverehrung (Festtag: 8. September) bald nach seinem Tode begonnen haben muß. - Das
Pontifikat S. war eine wichtige Periode im Ablösungsprozeß Roms von der byzantinischen Kaiserherrschaft und
eine Zeit der Zunahme römischer Autorität im Westen.
 Johannes VI. 701-705
griechischer Herkunft. - Mit Hilfe der italischen Milizen konnte sich J. VI. gegen den Exarchen Theophylakt
behaupten, der von dem Usurpator Apsimaros (Tiberios III.) über Sizilien nach Italien geschickt worden war.
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Vermochte er im byzantinischen Thronstreit mit viel Geschick zu lavieren, so gelang es ihm nur durch
erhebliche Tributzahlungen, den Langobardenherzog Gisulf von Benevent, der brandschatzend und plündernd
in das Patrimonium Petri eingedrungen war, zum Abzug zu bewegen. Auf einer römischen Synode im Jahre 704
bestätigte er die Metropolitangewalt des Erzbischofs Berhtwald von Canterbury gegen die
Selbständigkeitsbestrebungen
Bischof
Wilfrids
von
York.
705-707 Johannes VII.J. war gebürtiger Grieche. Sein Vater hatte als hochrangiger Beamter für die
Instandhaltung des kaiserlichen Palastes auf dem Palatin zu sorgen. Als erster Papst stammte er von einem
byzantinischen Regierungsbeamten ab. J. war zunächst als Verwalter des päpstlichen Patrimoniums an der Via
Appia tätig. Zeugnis von seiner Wortgewandtheit und künstlerischen Bildung geben ein in Versen gehaltenes
Epitaph, das er für seinen Vater verfaßt hat, und eine bewegende Inschrift auf einem für seine Eltern
errichteten Denkmal. - Als Papst konnte er wieder friedliche Beziehungen zu den Langobarden herstellen.
Diese manifestierten sich in der Rückgabe besetzten Kirchenguts in den Kottischen Alpen durch König Aripert
II. (701-712). Weniger glücklich war sein Verhalten gegenüber Byzanz. 706 entsandte Justinianos II. zwei
Bischöfe mit Abschriften der Kanones der antirömischen Trullanischen Synode von 692 nach Rom. Sergius I.
hatte sich geweigert, die Kanones zu billigen, weswegen Justinian Papst J. darum ersuchte, eine Synode mit
dem Ziel einzuberufen, diejenigen Beschlüsse zu bestätigen, die er gutheißen konnte, und andere, die er nicht
annehmen konnte, zurückzuweisen. Aus Angst vor dem Zorn des Kaisers wagte J. aber nicht, den
Kompromißvorschlag zu seinem Vorteil auszunutzen, sondern sandte die 102 Kanones unverändert nach
Konstantinopel zurück, was einer Anerkennung der romfeindlichen Beschlüsse gleichkam. Dieses Verhalten
brachte ihm im Liber Pontificalis einen Tadel seines Biographen wegen Feigheit ein. Die Bereitschaft des J., sich
der offiziellen byzantinischen Politik zu fügen, zeigt sich auch im bildlichen Schmuck der Kirchen. Seine Künstler
empfanden die Christusporträts zumeist dem von justinischen Münzen stammenden Typus nach. - In Rom
entfaltete der Papst eine rege Bautätigkeit. Er begann mit dem Bau einer neuen Papstresidenz (episcopium)
am Fuß des Palatins. J. ließ Kirchen nicht nur errichten und renovieren (besonders S. Maria Antiqua auf dem
Forum Romanum), sondern auch bevorzugt mit Mosaiken und Fresken ausschmücken. Darstellungen seiner
selbst zählten häufig dazu, wie sein Biograph ironisierend anmerkt. Ein solches eindrucksvolles
zeitgenössisches Mosaikporträt befindet sich heute in den Vatikanischen Grotten.
 Sisinnius 708
Syrer. - Folgte nach Konsekration am 18.1. auf Johannes VII nach dreimonatiger Vakanz. An Gicht
schwererkrankter Greis weihte er einen Bischof für Korsika, bereitete die Wiederherstellung der Stadtmauer
von Rom vor als Schutz vor den Einfällen der Langobarden und Sarazenen. Starb schon nach 20 Tagen. In S.
Peter in Rom begraben.
 Konstantin I. 708-715
* unbekannt in Syrien, Papstweihe 25. März 708,  9.4. 715 in Rom. - Die einzige Quelle für die Biographie K.s
ist der "Liber Pontificalis". K. wurde 708 als Nachfolger des Sisinnius geweiht. Der "Liber Pontificalis" berichtet
von zwei kleineren Konflikten K.s: der erste mit dem Erzbischof von Ravenna, der sich weigerte, das Gelöbnis
des Gehorsams an dem Papst zu unterzeichnen; der zweite mit dem Erzbischof Benedikt von Mailand, der das
Recht zur Weihung der Bischöfe von Pavia einforderte. K. war der letzte der byzantinischen "Vasallen-Päpste".
710 machte er eine Reise zu Kaiser Iustinian II. in Konstantinopel. Das Motiv dieser Reise war vermutlich die
Bestätigung der anti-monotheletischen Beschlüsse des Konzils Quinisext, die noch nicht von Rom erfolgt waren
(Bréhier). Nach seiner Rückkehr in Rom forderte der Nachfolger Iustinians, Bardanes "Philippicus", K.s
Abschwörung der Glaubensdefinition des Constantinopolitanum III. (680-681), aber K. weigerte sich. Als bald
darauf (713) der orthodoxe Kaiser Artemius dem Bardanes nachfolgte und der Patriarch Johannes sich zur
Orthodoxie bekannte, versöhnten sich Rom und Konstantinopel zeitweilig.
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 Gregor II. 715-731
heiliger (um 669 bis 731), Papst (715-731). Seine Amtszeit stand unter dem Zeichen der Auseinandersetzungen
mit dem byzantinischen Kaiser Leon III. Er wurde in Rom geboren und Nachfolger des Papstes Konstantin I.
(Papst 708-715). Da am Anfang seines Pontifikats Italien von den Langobarden besetzt wurde, zog er es vor,
das südliche Römische Reich zu unterstützen. Aufgrund der hohen Steuern, die Leon III. den italienischen
Reichsuntertanen auferlegte und aufgrund seiner ikonoklastischen Politik, die die religiöse Verehrung von
Bildern untersagte, kam es jedoch zum Bruch mit ihm. Leon versuchte, Gregor mit Gewalt zu unterwerfen. Es
gelang jedoch dem Papst mit Unterstützung der Langobarden und der Bevölkerung von Rom, Widerstand zu
leisten. Gregor unterstützte auch den heiligen Bonifazius, einen angelsächsischen Benediktinermönch, der in
Bayern, Thüringen, Hessen und Friesland missionierte. Gregors Festtag ist der 11. Februar.
 Gregor III. 731-741
Heiliger, * 10.12. 741 in Rom. - G. war ein Syrer von Geburt und Priester an S. Crisogono. Er gelangte am 18.3.
731 als Nachfolger Gregors II. (s. d.) auf den Stuhl Petri. G. ist nächst seinem Vorgänger der bedeutendste
Papst des 8. Jahrhunderts und bekannt durch den Bilderstreit und seine Verbindung mit dem angelsächsischen
Missionar Wynfrith Bonifatius (s. d.). Der oströmische Kaiser Leo III. (s. d.) verbot 726 die Bilderverehrung und
gebot die Entfernung aller heiligen Bilder aus den Kirchen. Damit entfesselte er die byzantinischen
Bilderstreitigkeiten. Das Volk spaltete sich in zwei Parteien: die Bilderverehrer und die Bilderstürmer. Ein
zweites bilderfeindliches Ediket erfolgte 730. Wie G. II., so trat auch G. III. entschieden für die Bilderverehrung
ein. Wiederholt bemühte er sich durch Gesandtschaften an Leo III. um die Zurücknahme seiner
bilderfeindlichen Erlasse. Der Kaiser aber blieb fest. Als G. im November 731 auf einer römischen Synode alle
Bilderstürmer exkommunizierte, sandte Leo III. eine Flotte nach Italien, die aber auf dem Adriatischen Meer
zugrunde ging. Nun wandte der Kaiser andere Mittel an: er beraubte den Papst eines großen Teils seiner
Einkünfte, indem er die Diözesen in Unteritalien und auf Sizilien und das unter dem Vikariat von Thessalonich
stehende östliche Illyrien von der Unterordnung von Rom losriß und diese Gebiete in den Sprengel des
Patriarchen von Konstantinopel eingliederte. G. brach daraufhin den Verkehr mit Byzanz ab. Zum Schutz gegen
die Langobarden schloß der Papst ein Bündnis mit den lombardischen Herzögen von Benevent und Spoleto. Als
der Langobardenkönig Liutprand 739 gegen Rom zog, wandte sich G. in seiner Not mit der Bitte um Hilfe an
den fränkischen Hausmeister Karl Martell, der aber eine militärische Intervention ablehnte. Auch ein zweiter
und dritter Hilferuf des Papstes war vergeblich. Wie G. II., so förderte auch G. III. die missionarische
Wirksamkeit des Wynfrith Bonifatius. Er ernannte ihn 732 zum Erzbischof und verlieh ihm das Recht, in
Deutschland nach Belieben Bistümer zu gründen. Als Bonifatius 738 zum drittenmal nach Rom reiste, bewog
ihn G., seine sächsischen Missionspläne aufzugeben und als päpstlicher Vikar die Organisation der bayrischen
und alemannischen Kirche zu übernehmen. - G. wird als Heiliger verehrt. Sein Fest ist der 28. November.
 Zacharias 741-752
heiliger (um 690 bis 752), Papst (741-752), begründete den Einfluss der abendländischen Kirche auf die
weltlichen Angelegenheiten Europas.Er wurde in Süditalien als Sohn einer griechischen Familie geboren und
pflegte enge Beziehungen zu Papst Gregor III. Ansonsten ist über seine frühe Laufbahn nur wenig bekannt.
Zacharias folgte 741 Gregor III. im Pontifikat nach. Im selben Jahr machte er Bonifatius zum Legaten und
beauftragte ihn mit der Missionierung des gesamten Frankenreiches. Zacharias gelang es, sich mit den
Langobarden, einem germanischen Volk, das päpstliche Besitztümer in Italien besetzt hielt, auszusöhnen und
sie zur Rückgabe vieler Städte und Ländereien an die Kirche zu bewegen. Im Jahre 751 setzte Pippin, der
eigentliche Herrscher des Fränkischen Reiches, den merowingischen Schattenkönig Childerich III. (regierte um
743 bis 752) mit Hilfe des Papstes ab. Durch die öffentliche Segnung Pippins festigte Zacharias die Beziehungen
zwischen dem Papsttum und dem mächtigen Karolingerreich, das durch Pippin begründet wurde. Zacharias
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übersetzte auch die Dialoge des heiligen Gregor des Großen ins Griechische. Sein traditioneller Festtag ist der
15. März.
 Stephan I. Stephan II.752
( 752), Papst (752). Vor seiner Wahl war Stephan Priester in Rom. Er starb nur zwei Tage nach ihr, ohne die
Weihen erhalten zu haben und gilt bis heute als der am kürzesten amtierende Papst der Kirchengeschichte. Bis
1961 wurde er im Annuario Pontificio, dem päpstlichen Jahrbuch, nicht erwähnt. Seiner Aufnahme in dieses
Jahrbuch waren lange Diskussionen darüber vorausgegangen, ob ein Papst ohne Weihen als solcher gelten
könne. Stephans Nachfolger war Stephan II. ( nach neuester Rechnung III.).
 Stephan II. 752-757
 Rom 26.4.757 Papst seit März 752Er wuchs im Schoß der Kirche auf: Stephan, aus einer reichen römischen
Aristokratenfamihe stammend, verlor früh seine Eltern und wurde zusammen mit seinem jüngeren Bruder Paul
im Lateran aufgezogen. Papst Zacharias machte beide zu Diakonen, und als der Vier-Tage-Papst Stephan (II.)
frühzeitig starb, fiel die Wahl einstimmig auf den älteren der beiden Brüder. Stephans II. Pontifikat dauerte nur
fünf Jahre, aber in diese Zeit fallen Entscheidungen und Ereignisse von großer historischer Tragweite: die
Abkehr des Papsttums von Byzanz und die Neuorientierung hin zum Frankenreich sowie die Herausbildung des
Kirchenstaats. Der Langobardenkönig Aistulf (749-756) hatte einen für 40 Jahre abgeschlossenen
Waffenstillstand schon nach vier Monaten gebrochen und bedrohte Rom. Da aus Byzanz keine Hilfe kam,
wandte sich Stephan an den fränkischen König Pippin III. (751-768), der ihn zu sich einlud. Als erster Papst
überschritt im Winter 753/754 Stephan die Alpen. In Ponthion an der Marne erhielt er im Januar 754 vom
Frankenkönig ein eidliches Schutzversprechen, in Quierzy an der Oise schloß er im April 754 einen
Freundschaftsbund mit ihm, und in SanktDenis bei Paris salbte er ihn mitsamt seinen Söhnen und verlieh ihm
den Titel "Patricius Romanorum" (Schutzherr der Römer). Seitdem stand das Papsttum mit den Karolingern in
einem Verhältnis der geistlichen Verwandtschaft. Pippin versprach, dem Papst die ehemals byzantinischen,
nun zum Teil von den Langobarden besetzten Gebiete zu übergeben. Diese sogenannte Pippinsche Schenkung,
deren Wortlaut nur teilweise erhalten ist, umfaßte angeblich Korsika, Tuszien, das Exarchat Ravenna, Venetien,
Istrien und die Herzogtümer Benevent und Spoleto, wahrscheinlich aber nur das Exarchat Ravenna und das
Dukat (so die byzantinische Bezeichnung für Provinz) Rom. Ravenna mit der Pentapolis, den Seestädten Rimini,
Pesaro, Fano, Senigallia und Ancona, sowie die Emilia waren es dann auch nur, die nach Pippins erfolgreichen
Feldzügen gegen die Langobarden 754 und 756 an den Papst fielen und zur Grundlage des Kirchenstaats
wurden. Proteste der Byzantiner, es handele sich bei der Schenkung um Eigentum des Kaisers, fertigte Pippin
mit dem Wort ab, er habe nur aus Liebe zum heiligen Petrus zu den Waffen gegriffen und sei nicht bereit, seine
Eroberungen jemand anderem als dem Apostel zu erstatten.
 Paul I. 757-767
 Rom 28.6.767 Papst seit 29.5.757, hl., Fest 28.6.Er war der jüngere Bruder von Papst Stephan II.: Wie dieser
wurde er als Waisenkind im Lateran großgezogen und für den geistlichen Beruf ausgebildet. Seine Wahl zum
Papst bedeutete, daß die Mehrheit in Rom die Politik Stephans mit ihrer Hinwendung zum Frankenreich
fortgesetzt sehen wollte. Paul 1. zeigte auch sogleich seine Wahl dem fränkischen König Pippin III. (751-768)
und nicht wie bisher üblich dem byzantinischen Kaiser an. Pippin bat ihn, Taufpate bei seiner Tochter zu sein;
nach der Sitte der Zeit sandte er ihm als Zeichen für das Patenamt die Windeln seines Kindes. Paul war der
erste Papst, der in den vollen Genuß der sogenannten Pippinschen Schenkung kam, das heißt sich als
Territorialherr in Italien betrachten durfte - was nicht unproblematisch war, da die Römer, "gleich~~im aus
einer Betäubung erwachend", wie Ferdinand Gregorovius formuliert, "in ihrem Bischof ihren Dominus zu
erkennen, 7.u hassen und bald zu bekämpfen begannen". Der junge Staat hatte nicht nur mit inneren
Schwierigkeiten zu kämpfen, auch äußere Gegner meldeten sich. Der Langobardenkönig Desidenus (757-774)
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war nicht gesinnt, die Zusagen einzuhalten, die er Pauls Vorgänger Stephan gemacht hatte, damit ihm dieser
auf den Thron verhelfe, im Gegenteil, er verbündete sich mit den Byzantinern und veranstaltete
Verwüstungsfeldzüge in den päpstlichen Gebieten. Pippin, den Paul zu Hilfe rief, war mit eigenen
Angelegenheiten beschäftigt und versagte militärische Unterstützung. Immerhin brachte er auf
diplomatischem Wege 760 so etwas wie ein Agreement zustande, das aber eindeutig zu Lasten des Papstes
ging und ihn nötigte, Abstriche von der Vision eines ausgedehnten und abgerundeten Kirchenstaats zu
machen. Der Streit mit der byzantinischen Kirche um die Verehrung der Bilder, der zu Zeiten Gregors II.
ausgebrochen war, schwelte weiter. Ein Konzil der Ostkirche, das 754 in Hiera unter Vorsitz Konstantins V.
Kopronymos (Kaiser 741-775) abgehalten wurde, sprach sich erneut gegen die Bilder und ihre Verehrung aus.
Ikonodulen (Bilderverehrer) wurden verfolgt. Als Emigranten gelangten sie in den Westen, wo ihnen Paul in der
Abtei von SS. Stefano und Silvestro in Rom eine Heimstatt einrichtete. Konstantin versuchte, die Franken für
den Ikonoklasmus (die Bilderfeindlichkeit) zu gewinnen, mußte aber feststellen, daß man auch am Hofe Pippins
die römische Bilderverehrung übte. Paul starb in der Sankt-Pauls-Basilika, wohin er sich wegen der
Sommerhitze geflüchtet hatte. Sein Leichnam wurde drei Monate später in Sankt Peter beigesetzt. Er hatte
eine hohe Auffassung von seinem Amt und sah sich als Mittler zwischen Gott und den Menschen und als
Seelensucher. Der "Liber pontificalis" rühmt seine Fürsorge für Arme und Gefängnis-insassen. Mit der
Überführung einer großen Zahl von heiligen Gebeinen aus den Katakomben in die Kirchen Roms förderte er die
Entwicklung der Heiligenverehrung und des Reliquienkults.
 Konstantin II. 767-768
 nach 769 Gegenpapst 5.7.767-6.8.768Nach dem Tod Pauls 1. am 28.6.767 brachen in Rom Parteikämpfe
aus. Das Papsttum, inzwischen eine Territorialmacht wie andere in Italien, wurde nun selbst Spielball
territorialer Interessen. Herzog Toto von Nepi erzwang mit Waffengewalt die Wahl seines eigenen Bruders
Konstantin, eines Laien, zum I>apst. Bischof Georg von Praeneste und zwei andere Bischöfe mußten die Weihe
vollziehen. Konstantin zeigte sofort dem fränkischen König Pippin III. (751-768), dem Beschützer des Heiligen
Stuhls, seine Wahl an, erhielt aber keine Anerkennung. Derweil formierte sich die Opposition um den
Primicerius, den obersten Sekretär und Kanzler Christophorus. Sie nahm Verhindung mit dem
Langobardenkönig Desidenus (757-774) auf. Der schickte ein Kommando nach Rom, das am 30.7.768 in die
Stadt eindrang. Danach überstürzten sich die Ereignisse: Auf den Ruf "Langobarden in der Stadt!" rannte Toto
an die Porta Pancratia und wurde von den Eindringlingen erschlagen. Sein Schützling Konstantin verkroch sich
in der Lateranbasilika, wo cr nach Stunden entdeckt und ins Gefängnis verschleppt wurde. Während noch die
Kämpfe in der Stadt tobten, setzten die Langobarden einen neuen Papst ein, den Presbyter Philippus aus dem
Kloster 5. Vito auf dem Esquilin. Der ließ die Weihe über sich ergehen, segnete das Volk und wollte sich eben
an der Freit1~fel niederlassen, die der Sitte gemäß für die Würdenträger des Klerus und den Stadtadel
gehalten wurde, als Christophorus erschien, sozusagen der Spiritus rector des ganzen Unternehmens, den
seine langobardischen Verbündeten mit der hastig inszenierten Papstwahl hatten hintergehen wollen. Tumult
brach aus, das Volk griff abermals zu den Waffen und trieb Philippus zurück in sein Kloster. Am folgenden Tag
berief Christophorus eine Versammlung auf dem alten Forum ein. Als Papst wurde nun Stephan III. gewählt. An
Konstantins Parteigängern nahm man schreckliche Rache, einigen wurden Augen und Zungen lusgerissen,
Konstantin selbst als Vogelscheuche durch Rom 5eschleift. Am 6.8.768 setzte ihn eine Synode formell ab und
verfügte seine Einsperrung in ein Kloster. Dort wurde er vom öhel überfallen und geblendet. Am 12.113.4.769
erhielt er noch inmal Gelegenheit, auf einer Synode zu erscheinen. Aber das tjrte~ über ihn fiel nicht anders
aus als beim ersten Mal. Seine Amtshandlungen wurden für null und nichtig erklärt. Er verschwand wieder in
Klosterhaft, wo er zu einem ungeklärten Zeitpunkt starb.
 Philipp 768
 nach 768 Gegenpapst 31.7.768Sein (Gegen-)Pontifikat dauerte nur ein paar Stunden. Philippus, ein Kaplan
an 5. Vito in Rom, war der Unglückliche, den das Langobardenkommando beim Handstreich vom 30.131.7.768
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aus seinem Kloster auf dem Esquilin wegholte und auf den Stuhl des heiligen Petrus setzte - ohne Wissen des
päpstlichen Kanzlers Christophorus, der die Langobarden nur gerufen hatte, damit sie den Usurpator
Konstantin II. und seinen Protektor, Herzog Toto von Nepi, vertrieben, nicht aber damit sie einen Papst eigener
Wahl einsetzten. Christophorus traf in Rom erst ein, als Philippus schon seine ersten Amtshandlungen
vornahm, aber das Erscheinen des bekannten und angesehenen Mannes genügte, um dem Spuk ein Ende zu
machen. Ein Volksaufstand brach los, und die Marionette der Langobarden wurde ins Kloster zurückgejagt.
Über sein späteres Leben ist nichts bekannt.
 Stephan III. 768-772
 Rom 24.1.772 Papst seit 7.8.768Mit der Wahl Stephans III., eines Priesters sizilischer Herkunft, der schon
unter Papst Zacharias in der päpstlichen Bürokratie gedient hatte, wurden die Wirren nach dem Tod Papst
Pauls 1. (28.6.768) beendet. Treibende Kraft dabei war der päpstliche Kanzler Christophorus, der auch unter
dem neuen Papst als eine Art graue Eminenz weiter tätig blieb. Im folgenden Jahr (April 769) stellte eine
Synode in Rom die Rechtmäßigkeit von Stephans Papsttum fest. Die Versammlung, an der auch 13 fränkische
Bischöfe teilnahmen, erließ weiterhin Bestimmungen über die Papstwahl und nahm Stellung zum Bilderstreit:
Der Ikonoklasmus, die Bilderfeindlichkeit der byzantinischen Kirche, wurde abgelehnt. In die Zeit von Stephans
Pontifikat fällt die Herausbildung der Rivalität zwischen den fränkischen Thronfolgern Karlmann und Karl (dem
späteren Karl dem Großen). Das hatte Rückwirkungen auf die Politik in Italien. Vor allem das Projekt einer
Heirat Karls mit einer langobardischen Königstochter (in der Literatur "Desiderata" nach ihrem Vater Desidenus
benannt, ihr wirklicher Name ist nicht überliefert) alarmierte Stephan, zeichnete sich doch dadurch ein
Zusammengehen der fränkischen Schutzherren mit dem alten Feind des Papsttums ab, mit Desidenus (König
757-774). Dieser veranlaßte 771 die Ermordung des Ratgebers Christophorus. Die Verstoßung "Desideratas",
kaum daß Karl im selben Jahr 771 nach dem Tod seines Bruders Karlmann die Alleinherrschaft angetreten
hatte, ließ jedoch das Schreckgespenst der fränkischlangobardischen Allianz gleich wieder verschwinden.
 Hadrianus I. 772-795
Rom 25.12.795 Papst seit 9.2.772Aus römischem Adel stammend, war Hadrian bereits unter Paul 1. im
städtischen Klerus zu finden. Zum Papst gewählt, ging er daran, den Langobarden die Teile des Patrimonium
Petri abzunehmen, die diese noch immer besetzt hielten. Dazu rief er den l~rankenherrscher Karl den Großen
ins Land. Karl erschien im herbst 773 und zog im Juni 774 als Sieger in Pavia ein. Das Langobardenreich wurde
zerschlagen, künftig schmückte sich Karl mit dem Titel eines Königs der Langobarden. Den Titel "Patricius
Romanorum" (Schutzherr der Römer), der ihm 754 von Papst Stephan II. verliehen worden war, behielt er
allerdings bei, was bedeutete, daß er nicht daran dachte, den Papst als Herrn Italiens anzuerkennen. Immerhin
erneuerte er bei seinem ersten Rom-besuch Ostern 774 (zugleich dem ersten Rombesuch eines fränkischen
Königs überhaupt) die Pippinsche Schenkung, machte aber vorerst keine Anstalten, sie in die Tat umzusetzen.
In den nächsten Jahren mahnte Hadrian den Franken mehrmals brieflich an die Einhaltung seiner Zusagen;
beim zweiten und dritten Rombesuch Karls 781 beziehungsweise 787 war dann klar, daß bestimmte vom Papst
beanspruchte Gebiete wie Terracina, Tuszien und Spoleto nicht zu haben sein würden. Dennoch blieb Hadrian
ein zuverlässiger Verbündeter des Frankenkönigs, u. a. wirkte er (durch Androhung eines päpstlichen
Bannfluchs) mit einer Absetzung des Bayernherzogs Tassib III. (788). Bei Hadrians Tod soll Karl geweint haben,
als hätte er einen Freund und Bruder zugleich verloren, so der zeitgenössische Chronist Linhard. Auf
kirchlichem und geistigem Gebiet vertiefte sich die Verbindung von Papsttum und Frankenreich durch die
Übermittlung von Lehrschriften zur Kirchenzucht und zur Liturgie. Auf dem 2. Konzfl von Nicäa wurde der
Bilderstreit bereinigt, Ost-und Westkirche einigten sich auf eine Verurteilung des Ikonoklasmus
(Bilderfeindlichkeit). Am Hof Karls des Großen behielt man sich jedoch eine eigene Haltung zu den
Konzilsbeschlüssen vor, sie wurden 794 auf der Synode von Frankfurt verworfen. Hierin wie auch in der
Bekämpfung des spanischen Adoptianismus durch Karis Theologen, bei der Hadrian notgedrungen zu
assistieren hatte, zeigen sich die Umrisse einer selbstbewußten fränkischen Reichskirche, die nicht in jedem
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Fall mit Rom konform geben wollte. Hadrian tat viel für die Stadterneuerung. Während seines Pontifikats
entstanden neue Pilgerherbergen in Rom, Aquädukte und Kirchendächer wurden instandgesetzt, das Innere
der Kirchen mit einer beeindruckenden Menge von Mosaiken, Altargerät, Gold- und Silberschmuck gefüllt.
 Leo III. 795-816
heiliger (um 750 bis 816), in Rom geborener Papst (795-816). Leo III. krönte Weihnachten 800 Karl den Großen
zum Kaiser und erneuerte damit das römische Kaisertum. Die Krönung stellte einen Wendepunkt in der
europäischen Geschichte dar, kennzeichnete sie doch das Ende der päpstlichen Abhängigkeit von den östlichen
Kaisern und den Beginn einer Gesellschaft, in welcher der Kaiser die weltliche und der Papst die geistliche
Macht innehatte. Trotzdem versuchte Karl der Große immer wieder, sich in Bereiche des Papstes
einzumischen. Leo III. jedoch gelang es, in dogmatischen Fragen unabhängig zu bleiben. So verhinderte er
beispielsweise, dass das Wort Filioque in das Nizänische Glaubensbekenntnis eingefügt wurde. Damit konnte
ein Konflikt mit der Ostkirche vermieden werden. Mit dem von Karl gestifteten Geld baute Leo III. zahlreiche
Kirchen in Rom. Sein traditioneller Festtag ist der 12. Juni.
 Stephanus IV 816-817.
Rom um 770,  ebd. 24.1.817 Papst seit 22.6.816 Der aus Rom stammende Stephan IV. war der erste Papst,
der nach der Begründung des karolingischen Kaisertums (mit der Krönung Karls des Großen in Rom im
Dezember 800) gewählt wurde. Er zeigte seine Wahl dem Sohn und Nachfolger Karls, Ludwig 1. dem Frommen
(Kaiser 814-840), an und traf mit diesem im Oktober 816 in Reims zusammen. Hier salbte und krönte er den
Frankenherrscher mit einer aus Rom mitgebrachten "Konstantinskrone" zum Kaiser. Den Titel führte Ludwig
zwar schon, seit ihn sein Vater 813 zum Mitkaiser erhoben hatte. Aber die volle Kaiserwürde verlieh im erst der
Papst -so inzwischen die Auffassung beider Seiten. In der Diskussion zwischen Stephan und Ludwig in Reims
dürften auch die Grundzüge der Vereinbarungen festgelegt worden sein, die unter Stephans Nachfolger
Paschalis 817 als "Pactum Hludowicianum" ratifiziert wurden: Garantien für die Souveränität des
Kirchenstaates und die freie Wahl des Papstes.
 Paschalis I. 817-824
 Rom 11.2.824 Papst seit 24.1.817, hl. Noch am Todestag Stephans IV. wurde der Nachfolger Paschaus 1.
gewählt und einen Tag später geweiht. Er war Römer und hatte seine Ordination zum Priester unter Leo III.
erhalten. Seine Wahl zum Papst zeigte er dem Frankenkaiser Ludwig 1. dem Frommen an - mit der
Entschuldigung, er habe sich keineswegs nach dem Amt gedrängt. Ludwig revanchierte sich mit dem "Pactum
Hludowicianum", einer wahrscheinlich noch von Stephan ausgehandelten Vereinbarung, die dem Papsttum
Souveränität im Kirchenstaat und das Recht freier Papstwahl versprach. 823 krönte Paschalis Kaiser Lothar in
Rom, erstmals wurde dabei ein Schwert als Symbol weltlicher Herrschaft übergeben. Das gute Verhältnis von
Kaiser und Papst erlitt allerdings einen Stoß, als zwei fränkisch gesinnte hohe Beamte in Rom geblendet und
hingerichtet wurden. Paschalis rechtfertigte sich vor dem Kaiser damit, es habe sich um Verräter gehandelt,
und leistete ähnlich wie Leo einen Reinigungseid. In sein Pontifikat fällt die Entsendung des Erzbischofs Ebo
von Reims mit dem Auftrag, in Dänemark zu missionieren. Der Bilderstreit lebte wieder auf, unter dem
byzantinischen Kaiser Leon V. (813-820) wurde die Bilderverehrung erneut bekämpft. Paschalis protestierte
gegen die Maßnahmen und sicherte geflohenen Ikonodulen (Bilderverehrern) aus Byzanz Aufnahme im
Westen zu. In Rom betätigte er sich vielfach als Bauherr und Kunstmäzen. Er baute beziehungsweise
restaurierte 5. Prassede auf dem Esquilin, 5. Maria in Dominica (oder della Navicella) auf dem Monte Celio und
5. Cecilia in Trastevere, die alle reich mit Mosaiken ausgestattet wurden. Sein hartes Regiment schuf dem
Papst jedoch viele Feinde in der Stadt. Bei seinem Tod brachen Un ruhen aus, die Menge verhinderte eine
Überführung der Leiche nach Sankt Peter. Paschalis wurde statt dessen in 5. Prassede beigesetzt, wo auch sein
Mosaikporträt (in einer Gruppe von Heiligen, die zu Christus geführt werden) erhalten ist.
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 Eugen II. 824-827
 Rom (?) 17.(?).8.827 Papst seit Anfang Juni 824. Er war ein Kandidat des stadtrömischen Adels. Seiner Wahl
gingen monatelange Auseinandersetzungen zwischen Klerus und Adel voraus, die schließlich durch den
fränkischen Gesandten Wala von Corbie entschieden wurden. Eugen II. empfing im Herbst 824 den Kaisersohn
Lothar (840-855), der mit der "Constitutio Romana" die kaiserlich-fränkische Vorherrschaft festschrieb. Danach
sollte Immunität für alle gelten, die unter kaiserlichem oder päpstlichem Schutz standen. Bürger sollten wählen
dürfen, ob sie nach römischem, fränkischem oder langobardischem Recht abgeurteilt werden wollten. Eine
pantätisch aus kaiserlichem und päpstlichem Personal besetzte Überwachungskommission sollte dem Kaiser
jährlich Bericht erstatten. Das Volk von Rom sollte an der Papstwahl beteiligt werden und der neu gew'ählte
Papst vor seiner Weihe dem Kaiser (repräsentiert durch einen Gesandten) einen Treueid schwören. Im
November 826 wurden diese Grundsätze auf einer Synode in Rom ratifiziert. Die Versammlung nahm auch das
fränkische Eigenkirchenrecht an, beschloß aber ihrerseits Regeln - u. a. zum Ämterkau{ zu den Qualifikationen
und Pflichten der Bischöfe und zur geistlichen Erziehung -, die auf die fränkische Kirche ausgedehnt wurden. Im
selben Jahr 826 sandte Eugen den "Apostel des Nordens", Ansgar (801-865), zur Heidenmission im dänischen
Schleswig-Holstein aus.
 Valentinus 827
Rom September 827 Papst August/September 827 Sein Pontifikat war kurz: Valentin, ein Archidiakon der
römischen Kirche, aus der Oberschicht stammend, wurde nach dem Tod Eugens II. einstimmig gewählt, starb
jedoch laut Angabe im "Liber pontificalis" schon nach 40 Tagen. Die karolingischen Reichsannalen ("Annales
regni Francorum") geben seinem Pontifikat eine noch kürzere Dauer: weniger als ein Monat. Amtshandlungen
Valentins sind nicht bekannt.
 Gregorius IV. 827-844
 Januar 844 in Rom. - G., ein Römer von vornehmer Herkunft, war seit Paschalis I. (s. d.) Priester der Basilika
von S. Marco und gelangte im Herbst 827 nach dem Tod Valentins (s. d.) als erster auf den Stuhl Petri gemäß
den Bestimmungen der "Constitutio Romana", die Lothar I. im Einvernehmen mit Eugen II. (s. d.) 824 erlassen
hatte, wonach der neugewählte Papst vor seiner Weihe dem Kaiser den Treueid zu leisten habe. G. ernannte
Ansgar (s. d.) zum Erzbischof von Hamburg und zum Legaten in den nördlichen und östlichen Ländern. Er
verlegte um 835 das Allerheiligenfest auf den 1. November. Das verfallene Ostia baute G. wieder auf als starke
Festung gegen die Sarazenen. Er ist ferner bekannt durch seine Einmischung in die Zwistigkeiten im Kaiserhaus.
Ludwig der Fromme (814-840; s. d.) hatte 817 sein Reich unter seine Söhne Lothar, Pipin und Ludwig geteilt,
änderte aber 829 diese Teilung zugunsten Karls des Kahlen, der ihm 823 in seiner zweiten Ehe geboren worden
war. Da empörten sich die älteren Söhne gegen ihren Vater. Lothar I. berief G. zum Schiedsrichter. Der Papst
reiste 833 über die Alpen nach Deutschland, um im Streit zwischen Ludwig dem Frommen und seinen Söhnen
"zur Erhaltung des Friedens und der Eintracht" für die Erbfolgeordnung von 817 zu wirken. Der Kaiser und die
auf seiner Seite stehenden Bischöfe begegneten seinem Kommen mit lebhaftem Protest und der Drohung
seiner Absetzung. Es kam trotzdem auf dem Rotfeld bei Kolmar im Lager Ludwigs des Frommen zu einer
persönlichen Begegnung zwischen dem Kaiser und dem Papst. Während G. in mehrtägigen Verhandlungen das
Vertrauen Ludwigs des Frommen wiedergewann und von ihm die Vollmacht zur Vermittlung eines Friedens
erhielt, bewogen Lothar I. und seine Brüder das kaiserliche Heer zum Abfall. Der größte Teil des Heeres ging in
der Nacht nach der Rückkehr G.s aus dem kaiserlichen Lager zu Lothar I. über. Ludwig der Fromme fiel im
Kampf seinen Söhnen in die Hände. Weil sein Heer Verrat geübt hatte, wurde der Kampfplatz "Lügenfeld"
genannt. G.s Friedensvermittlung war also völlig erfolglos verlaufen.
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 Johannes Gegenpapst 844
Januar 844 Beim Tod Gregors IV. (25.1.844) kam es in Rom zum Aufruhr. Unter gewalttätigen Demonstrationen
besetzte eine Volksmenge den Lateran und proklamierte den Diakon Johannes zum Nachfolger des
Verstorbenen. Währenddessen hatte die Laienaristokratie den Erzpriester Sergius zum Papst gewählt und ihn,
ohne die kaiserliche Zustimmung abzuwarten, auch gleich geweiht. Danach stürmte sie den Lateran und warf
Johannes mitsamt seinem Anhang hinaus. Einige adlige Hitzköpfe wollten den Gegenpapst hinrichten, aber
Sergius trat dazwischen und verfügte Johannes' Einsperrung in ein Kloster. Über das weitere Schicksal des
Mannes ist nichts bekannt.
 Sergius II. 844-847
 Rom 27.1.847 Papst seit Ende Januar 844 Als Kandidat des Adels kam der greise Erzpriester Sergius auf den
Stuhl Petri. Wegen der angespannten Lage durch das Auftreten eines Gegenpapstes namens Johannes (und
möglicherweise auch, um die Unabhängigkeit des Papsttums zu demonstrieren) nahm man die Weihe des
Papstes auch gleich vor, ohne daß der neue Papst zuvor den Treueid gegenüber dem Kaiser geleistet hatte.
Lothar 1. (840-855) ließ deshalb eine Untersuchung des Wahlvorgangs anstellen. Im Juni 844 erschien sein
Sohn Ludwig II. mit einem Heer in Italien und ließ, um die kaiserliche Unzufriedenheit recht deutlich zu
machen, in den päpstlichen Besitzungen Plünderungszüge unternehmen. Sergius gestand auf einer Synode in
Rom seine Schuld ein, die Wahlordnung der "Constitutio Romana" (~Eugen II.) wurde bestätigt. Der Papst
krönte Ludwig zum König der Langobarden und bestellte Ludwigs Begleiter Bischof Drogo von Metz zum
apostolischen Vikar für das Frankenreich. Mit den päpstlichen Finanzen ging es unter Sergius bergab. Der Papst
trieb das Geld für seine ausgedehnte Bautätigkeit in Rom (Restaurierung des Marcius-Aquädukts, Ausbau von
5. Giovanni in Laterano) mit zweifelhaften Methoden ein; da er alt und schwach war, überließ er die Geschäfte
immer mehr seinem Bruder Benedikt, einem skrupellosen Machtmenschen, unter dessen Regime die
Bestechung blühte. Kirchenämter gab es nur noch gegen Geld. Als die Sarazenen im August 846 an der
Tibermündung landeten, die neu errichtete, aber schlecht verteidigte Festung Gregoriopolis eroberten und bis
vor die Mauern Roms vordrangen, wurde darin ein Gottesgericht über die Mißwirtschaft des Papstes erblickt.
 Leo IV. 847-855
Der Sohn des Römers Radoald war schon durch seine Erziehung in dem bei St. Peter liegenden Kloster St.
Martin und seine Karriere (Subdiakon unter Gregor IV., Kardinalpriester von S. IV Coronati unter Sergius II.) fest
mit der Stadt Rom und dem römischen Klerus verbunden. Angeblich wegen der Sarazenenzüge wurde der im
Januar 847 gewählte Leo IV. ohne die Zustimmung des Kaisers Lothar I. wohl am 10. April 847 geweiht. Seine
Sorge um die Stadt Rom bezeugt vor allem die Vita des Liber Pontificalis, deren Geschenkauflistungen
besonders reichhaltige Stücke für die von den Sarazenen zerstörte Peterskirche verzeichnen. Von seiner
umfassenden Bautätigkeit in Rom und Umgebung (aurelianische Mauern, Porto, Centumcella/Leopolis, Orte
und Amelia) hat besonders die 848-852 errichtete sogenannte Leostadt ("civitas Leonina") um St. Peter seinen
Nachruhm begründet. Kaiser Lothar I. und andere unterstützten dieses Unternehmen. Gegen die Sarazenen
bewährte sich Leo 849 mit süditalienischer Hilfe bei Ostia. In Zusammenarbeit (850 Kaiserkrönung Ludwigs II.
zum Mitkaiser), aber auch in Auseinandersetzung mit der kaiserlichen Gewalt steigerte Leo das päpstliche
Ansehen und brachte diese Autorität auch gegenüber dem Ost- und Westfrankenreich sowie gegenüber
England zur Geltung. Auch die Auseinandersetzungen mit Konstantinopel und den Erzbischöfen Hinkmar von
Reims oder Johannes VII. von Ravenna sowie mit Anastasius (Bibliothecarius) beweisen seine entschlossene
Herrschaft. Die meisten seiner Briefe sind nur als kanonistische Fragmente erhalten und zeigen neben
(kirchen)politischen Aspekten auch die Sorge um die Durchsetzung römischer Kirchendisziplin, wie vor allem
aus seiner Antwort an die Bretonen deutlich wird. Dieses Anliegen vermitteln auch die Akten des römischen
Konzils von Dezember 853, welches die reformerischen Canones Papst Eugens II. erneuerte und erweiterte.
Leo IV. starb am 17.7. 855 und ist in St. Peter beigesetzt.
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 Anastasius III. A. Bibliothecarius (Gegenpapst) (855)
 879; bekannt wegen seiner Gelehrsamkeit, seiner Übersetzungen und Bearbeitungen griech. Quellen (Akten
des 7. und 8. ökumenischen Konzils) und theolog. Werke. Als Anhänger der kaiserl. Partei exkommuniziert,
versuchte er nach dem Tod Leos IV. vergeblich, den bereits gewählten Papst Benedikt III. gewaltsam zu
verdrängen. Von diesem teilweise rehabilitiert, wurde er ab 863 zum einflussreichen Helfer Nikolaus I.,
Hadrianus I. und Johannes VIII.: Archivar und Bibliothekar der Röm. Kirche.
 Benedikt III. 855-858
Römer,  Rom17.4.858 Papst seit 29.9.855 Sogleich nach dem Tod Leos IV. (17.7.855) wurde der römische
Kleriker Benedikt, Kardinalpriester an 5. Callisto, zum Papst gewählt. Er mußte sich aber mit einem Gegenpapst
namens Anastasius auseinandersetzen, den die kaiserlich gesinnte Partei aufgestellt hatte. Diese brachte ihren
Kandidaten nach Rom und installierte ihn im Lateran; Benedikt wurde ins Gefängnis geworfen. Es stellte sich
jedoch bald heraus, daß der Gegenpapst kaum Anhang in der Stadt besaß. Darauf ließen ihn seine fränkischen
Schutzherren fallen und wandten sich Benedikt zu, dessen Weihe nun nichts mehr im Wege stand. Allerdings
wurde ihm Bischof Arsenius, ein Parteigänger Anastasius', als Aufpasser beigegeben. Auf Ausgleich bedacht,
suchte er nach dem Tod Lothars 1. (855) eine friedliche Einigung unter seinen Söhnen Lothar II., Ludwig II. und
Karl von der Provence herbeizuführen. König Aethelwulf von Wessex (839-858), der mit seinem Sohn Alfred als
Pilger nach Rom gekommen war, stiftete namhafte Summen nicht nur für die Sachsenherberge (in Rom gab es
so etwas wie eine sächsische Kolonie), sondern auch, vom Papst dazu ermuntert, für die Kirchen und für das
römische Volk. Wegen seiner Frömmigkeit hoch angesehen, aber wohl kein besonders eigenständiger Kopf,
verließ sich Benedikt in vielem auf den Rat seines energischen Mitarbeiters Nikolaus, der auch sein Nachfolger
wurde (Nikolaus 1.). Von diesem war vermutlich die auf den päpstlichen Primat pochende Politik Benedikts
gegenüber der Kirche in Konstantinopel inspiriert. -Die tumultuarischen Vorgänge bei Benedikts Wahl bildeten
den Kintergrund, auf dem sich die Fabel von der Päpstin Johanna ansiedelte. Der erste literarische
Niederschlag findet sich in der Weltchronik des Johann von Mailly (zwischen 1240 und 1250): Eine
hochbegabte Frau macht, verkleidet als Mann, Karriere in der Kurie als Notar und schließlich als Kardinal. Ihr
Betrug wird entdeckt, als sie beim Besteigen ihres Pferdes eine Geburt erlebt. Man bindet sie an den Schwanz
des Pferdes, treibt dieses durch die Stadt und steinigt dann die Frau zu Tode. Der polnische Dominikaner
Martin von Troppau gab in seiner vielgelesenen "Chronik der Päpste und Kaiser" (um 1280) der Geschichte
dann die Form, in der sie in Europa bekannt wurde. Er nahm die Existenz eines Papstes Johannes Anglicus an,
der im bewußlen Jahr 855 den Papstthron bestiegen und zwei Jahre, sieben Monate und vier Tage regiert
habe, und behauptete, daß dieser Johannes in Wirklichkeit eine Frau gewesen sei, Johanna aus Mainz: In
Männerkleidung gebt sie mit ihrem Geliebten nach Athen und studiert dort mit glänzenden Resultaten. Sie
kommt nach Rom und hält Vorlesungen, die viel Zulauf haben. Wegen ihrer Gelehrsamkeit und ihrer scheinbar
untadeligen Lebensführung wird sie zum Papst gewählt. Die Katastrophe tritt bei einer Prozession ein.
Während sie durch eine enge Straße zwischen Sankt Peter und dem Lateran reitet, kommt sie mit einem Kind
nieder. Sie stirbt auf der Stelle, das Kind gleichfalls. Die Päpstin wird an der Straße begraben, seitdem machen
Prozessionen einen Bogen um den Ort. Die Fabel galt jahrhundertelang selbst in der Kirche als historische
Realität, im Dom von Siena (um 1400) reihte man die Büste Johannas ohne weiteres in die Galerie der Päpste
ein. Kritiker des Papsttums wie Jan Hus (auf dem Konzil von Konstanz 1415) führten die Päpstin als Beweis für
die sittliche Verderbnis in Rom an, ohne daß ihnen in diesem Punkt widersprochen wurde. Erst im 16.
Jahrhundert begann kritische Forschung die Legende zu demontieren - ohne allerdings verhindern zu können,
daß sich auch weiterhin (und bis auf den heutigen Tag) immer neue Phantasien um die Frau auf dem Stuhl
Petri rankten. Inzwischen wird angenommen, daß dem Ganzen eine alte römische Volkssage zugrunde liegt,
die mit lokalen Merkwürdigkeiten verbunden wurde: einer engen Straße, die bei Prozessionen gemieden
wurde (vermutlich, weil sie so eng war), einer Statue, die dort in alter Zeit stand und eine Mutter mit Kind
darstellte, dazu eine schwer zu deutende Inschrift. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts galt es in Rom als
ausgemacht, daß sich jeder Papst einer Prüfung auf sein männliches Geschlecht zu unterziehen habe - und
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wozu die Prozedur, wenn es zuvor nicht den Fall der Betrügerin gegeben hätte! Schließlich spielten wohl auch
Erinnerungen an den verhängnisvollen Einfluß, den Frauen wie Theodora oder Marozia im 10. Jahrhundert auf
das Papsttum geübt hatten (~Johannes X., ~Johannes XI.), bei der Ausformung der Legende eine Rolle.
 Nicolaus I. 858-867
* um 820,  13. Nov. 867. - Der Sohn des römischen Regionars Theodor (der vielleicht mit dem 850-857
belegten Notar und Scriniar identisch ist, ist seit dem Pontifikat von Sergius' II. (844-847) im Umkreis der
Päpste belegt. Sergius weihte ihn zum Subdiakon, Leo IV. (847-855) zum Diakon, und seinem unmittelbaren
Vorgänger Benedikt III. (855-858) diente N. als einer der wichtigsten Berater. Als er im April 858 (etwa am 21. 23.) in Anwesenheit Kaiser Ludwigs II. gewählt, dann wohl am 24. April geweiht wurde, schien ein kaisertreuer
Kandidat das päpstliche Amt übernommen zu haben. Jedoch entwickelte Nikolaus schon sehr bald eine sehr
eigenständige Politik, die ihm den Ruf eines Vorläufers für das Reformpapsttum und des Wegbereiters der
päpstlichen Monarchie einbrachte. - In mehreren Konfliktfällen während seines Pontifikates, die auch den
Osten betrafen und die sich teilweise zeitlich überschnitten, brachte er die Stellung des Papstes - zumindest
soweit aus seinen Briefen hervorgeht - eindringlich zur Geltung. So zwang er den Erzbischof Johannes VII. von
Ravenna, der in römische Rechte in der Pentapolis eingegriffen hatte, zur Unterwerfung (861-862), obwohl
dieser teilweise von Kaiser Ludwig II. unterstützt wurde. Prinzipielle Positionen wurden deutlich im Ringen mit
verschiedenen Vertretern des Episkopates im Mittelreich und Westfranken. Vor allem gegenüber Hinkmar von
Reims versuchte N., den Vorrang des päpstlichen Entscheides gegenüber Synodal- und Metropolitangewalt
durchzusetzen (Verwendung einzelner Zitate aus Pseudo-Isidor), indem er die Streitfälle des Bischofs Rothad
von Soissons und einiger noch vom früheren Reimser Metropolitien Ebbo geweihten Kleriker aufgriff. - Seine
ebenso entschiedene Haltung im Ehestreit König Lothars II. gipfelte in der Absetzung der den König
unterstützenden Erbischöfe Theutgaud von Trier und Gunther von Köln (863), die Unterstützung, die N. in
diesem Fall indirekt durch die Traktate Hinkmars erhielt, läßt aber auch auf politische und persönliche
Interessen Hinkmars schließen. - Von 861-867 währte die Auseinandersetzung mit Byzanz und bestimmte
somit fast die gesamte Pontifikatszeit. Die Anerkennung des unkanonisch erhobenen Photios verweigerte
Nikolaus und sprach - vielleicht unter Druck der Anhänger des Theognost - 863 sogar die Absetzung aus. Der
Streit, den die außergewöhnlich langen - wohl auch unter Einfluß von Anastasius Bibliothecarius - verfaßten
Briefe dokumentieren, verschärfte sich noch ab 866 im Streit um Bulgarien. Der neugetaufte Bulgarenfürst
Boris hatte 866 um Glaubensboten und Auskünfte zu kirchlichen (Rechts)bräuchen angefragt. N. entsandte
Missionare mit einem ausführlichen Lehrschreiben ("Responsa ad consulta Bulgarorum") nach Bulgarien.
Zusammen mit den anderen Konfliktpunkten führte diese Einflußnahme des Papstes in Bulgarien zum
endgültigen Bruch mit Photios, der zusammen mit der Kirche des Osten gegen die lateinischen Bräuche aufrief
und sogar ein Absetzungsurteil gegen N. in Konstantinopel zustande brachte. Wegen eines politischen
Umschwunges in Byzanz und auch wegen des kurz darauf erfolgten Todes N.s blieb diese Maßnahme jedoch de
facto wirkungslos. Der wohl schon seit 865 zunehmend kranke Nikolaus starb 867. Begraben wurde er im
Atrium der Peterskirche. - Die Beurteilung des Papstes bleibt schwierig. Schon von den Zeitgenossen als
kraftvolle Persönlichkeit eingeschätzt, von den Historikern dann oftmals als Vorläufer der päpstlichen
Weltherrschaft gesehen, hat die Edition und Analyse der umfangreichen Briefe gezeigt, daß viele der in dieser
Hinsicht einschlägigen Zitate nicht neu sind. Außerdem wird der Einfluß des seit 862 wieder an Einfluß
gewinnenden Anastasius Bibliothecarius kontrovers eingeschätzt. Eine Vielzahl von Streitfällen war an N.
herangetragen worden; N. reagierte energisch, aber eine eigenständige zielgerichtete politische Konzeption ist
gleichwohl kaum erkennbar. Wenn auch der pointierten Stellungnahme, N. sei wie ein Meteor aufgegangen
und auch ohne große Wirkung wieder verblasst, entgegengehalten wurde, dass die Bedeutung aus der
Nachwirkung hervorgehe, so bleibt die Frage bestehen, welche Machtposition ein Papst in dieser Zeit
überhaupt aufgrund der strukturellen Voraussetzungen erreichen konnte. Deshalb ist künftig auch den N.
vorausgehenden Pontifikaten verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen, um zu bestimmen, inwieweit die von
Nikolaus I. eingenommenen Positionen bereits vorbereitet wurden.
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 Hadrian II. 867-872
*Rom 792, ebd. November/Dezember 872 Papst seit 14.12.867Er stammte aus derselben stadtrömischen
Adelsfamilie wie Stephan IV. und Sergius II. und war verheiratet, bevor er Subdiakon und 842 Kardinalspriester
an 5. Marco wurde. Als mildtätiger Mann hochgerührut, fiel zweimal, 855 und 858, die Wahl zum Papst auf ihn,
doch lehnte Hadrian in beiden Fällen ab. Um dem Parteienstreit nach Nikolaus' 1. Tod (13.11.867) ein Ende zu
machen, ließ er sich schließlich als Kompromißkandidat wählen und bestieg, nun schon 75 Jahre alt, den
päpstlichen Thron. Sein Pontifikat verlief wenig glücklich, Hadrian verfolgte ungefähr die politische Richtung
seines Vorgängers, besaß aber nicht dessen Zielstrebigkeit und Härte. Seine Autorität erlitt ihren ersten Stoß,
als Herzog Lambert von Spoleto die Stadt Rom überfiel und plünderte; dabei kamen auch Hadrians Frau und
seine Tochter ums Leben. Im Ehestreit Lothars II. brachte er, außer daß er die Exkommunikation von Lothars
Konkubine Waldrada aufhob, keine Entscheidung zustande. Nach dem Tod des Lothringerkönigs 869 glückte es
ihm nicht, Lothars Bruder Ludwig II. die Nachfolge zu sichern, der Papst mußte zusehen, wie Lothringen im
Vertrag von Meerssen 870 zwischen dem ost-fränkischen König Ludwig dem Deutschen und dem Westfranken
Karl dem Kahlen aufgeteilt wurde. Ebenso erfolglos blieben auch Versuche, zivile oder kirchliche
Angelegenheiten aus dem Karolingerreich unter päpstliche Jurisdiktion zu stellen. Scharfe Briefe, die zumeist
vom "Bibiothecarius" Anastasius, einem früheren Gegenpapst, entworfen wurden, erfuhren ebenso scharfe
Antworten zumeist aus der Feder des alten Widersachers des Papsttums, Erzbischof Hinkmar von Reims (845882). Das Verhältnis zu Byzanz, unter Hadrians Vorgänger auf einem Tief-punkt angelangt, besserte sich, da der
romfeindliche Patriarch Photios 867 abgesetzt worden war; am 8. ökumenischen Konzil von Konstantinopel
(869/870) nahm wieder ein Gesandter aus dem Westen teil. Die Ostkirche zeigte sich allerdings nicht geneigt,
Bulgarien der römischen Kirche zu überlassen. Dagegen hielten die von den Brüdern Kyrillos und Methodios
missionierten slawischen Länder die Verbindung zu Rom aufrecht, Hadrian erlaubte ihnen die Benutzung des
Slawischen als Liturgiesprache. Hadrians letzte bekannte Amtshandlung war die (zweite) Krönung Ludwigs II.
am 18.5.872 in Sankt Peter in Rom. Er stellte damit das stark beschädigte Ansehen Ludwigs wieder her; der
Kaiser war nämlich bei einem Aufstand süditalienischer Barone in Gefangenschaft geraten und nur gegen das
Versprechen freigelassen worden, sich nicht an seinen Kerkermeistern rächen zu wollen. Zugleich mit der
Krönung entband Hadrian den Kaiser von diesem Eid.
 Johannes VIII. 872-882
(820-882), Papst (872-882). Er wurde in Rom geboren. Zu den Reformen, die während seiner Amtszeit
durchgeführt wurden, zählt die Neuorganisation der päpstlichen Kurie. Mit geringer Unterstützung der
europäischen Könige versuchte er, die Sarazenen aus Italien zu vertreiben, welche bereits bis nach Rom
vorgedrungen waren. Aber sein Vorhaben scheiterte, und er war zu Tributzahlungen gezwungen. Johannes
verteidigte den heiligen Methodios gegen seine deutschen Feinde. Diese hatten beanstandet, dass Methodios
die slawische Sprache in der Liturgie verwendete. Später gab Johannes seine Zustimmung, Slawisch zu
verwenden, die schon von seinem Vorgänger, Papst Hadrian II., ausgesprochen worden war. 879 erkannte er
die Wiedereinsetzung des Photios als den rechtmäßigen Patriarchen von Konstantinopel an. Gegen Photios
hatte Papst Hadrian II. 869 den Kirchenbann ausgesprochen. 878 krönte Johannes Ludwig II., König von
Frankreich. Er krönte Karl II. den Kahlen von Frankreich und Karl III. von Schwaben.
 Marinus I. 882-884
 Rom 15.5.(?)884 Papst seit 16.12.882In einigen Listen wird er auch irrtümlich als Martin II. geführt: Marinus
stammte aus Gallese (Toskana). Er stieg unter Leo IV. und Nikolaus 1. in der Kirchenhierarchie auf und war
unter Johannes VIII. Bischof von Caere (Cerveteri). Mit der Wahl Marinus' 1. wurde gegen kanonische
Vorschriften des Konzils von Nicäa verstoßen; Bischöfe durften nicht von einem Stuhl auf den anderen
wandern, das sogenannte Translationsverbot hatte auch schon im Pontifikat Nikolaus' 1. eine Rolle gespielt,
der sich geweigert hatte, Bischof Formosus von Porto (später Papst) ein Erzbistum in Bulgarien zu übergeben.
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Möglicherweise legte aber Marinus kurz vor der Wahl sein Bischofsamt nieder und fungierte nur noch als
Archidiakon. Er versicherte sich der Anerkennung durch Karl den Dicken und traf den Kaiser im Juni 883 bei
Nonantola, wo u.a. die Sache Formosus' verhandelt wurde. Dieser hatte sich zu Zeiten Johannes' VIII. einer
Verschwörung gegen den Papst angeschlossen, war verurteilt worden und ins Exil nach Frankreich gegangen.
Jetzt erhielt er sein Bistum Porto zurück. Marinus unterhielt gute Beziehungen zu Alfred dem Großen von
England (König 871-899); das englische Quartier in Rom, Schola Saxonum oder Sachsenherberge genannt, blieb
deswegen von Steuern befreit.
 Hadrian III. 884-885
 5. Cesario sul Panaro Mitte September 885 Papst seit 17.5.884, hl., Fest 8.7.Aus der römischen Familie der
Colonna stammend, bestieg Kadrian III. den apostolischen Thron unter ungeklärten Umständen. Vermutlich
hatte er vor, die Politik Johannes' VIII. fortzusetzen. Dazu paßt eine ihm nachgesagte Gewalttat: Er soll einen
hohen Beamten des Lateranpalastes haben blenden lassen. Bei dem Mann handelte es sich um einen früheren
Feind Johannes', dem unter Marinus 1. die Rückkehr aus dem Exil gestattet worden war. Im Sommer 885 lud
Karl III. der Dicke (Kaiser 881-887) den Papst zu einem Reichstag nach Worms. Der Kaiser, der keine legitimen
Erben besaß, wollte seinen unehelichen Sohn Bernhard zum Nachfolger machen, und Hadrian sollte ihm dabei
helfen. Es wird vermutet, daß dem Papst im Gegenzug kaiserliche Hilfe beim Kampf gegen seine Feinde in
Italien zugesagt wurde. Hadrian ließ Rom in der Obhut des Bischofs Johannes von Pavia und machte sich auf
die Reise nach Norden. Doch kam er nicht weit, der Tod ereilte ihn noch auf italienischem Boden. Hadrian
wurde in der Abtei von Nonantola (bei Modena) beigesetzt. Dort entwickelte sich um ihn ein lokaler Kult, den
der Heilige Stuhl 1891 anerkannte.
 Stephan V. 885-891
 Rom 14.9.891 Papst seit September 885 Aus einer adligen römischen Familie stammend, wurde Stephan V.
zum Papst gewählt, ohne daß Karl III. der Dicke (Kaiser 881-887) seine Zustimmung gegeben hatte. Der Kaiser
sandte seinen Kanzler Liutward nach Rom mit dem Auftrag, Stephan abzusetzen, aber diesem gelang es, sich
herauszureden, und so verzichtete der kaiserliche Gesandte auf Strafmaßnahmen. Nach gründlicher
Reorganisation des Lateran lud Stephan den Kaiser nach Rom, damit er seine Aufgabe als Beschützer des
Heiligen Stuhls wahmehme. Karl erschien auch im Frühjahr 886, blieb aber die erbetene Unterstützung gegen
den rebellischen Adel Roms wie auch gegen die Sarazenen schuldig. Ähnliches erlebte Stephan bei den
Hilferufen, die er nach Konstantinopel sandte. Nach Absetzung und Tod Karls des Dicken wandte sich Stephan
an den Ostfrankenkönig Arnulf von Kärnten (887-899), aber auch dieser versagte sich. Daraufhin vollzog der
Papst eine Kehrtwendung weg von den Karolingern hin zu den Fürsten Italiens. Er adoptierte Herzog Guido II.
von Spoleto und krönte ihn (möglicherweise dazu gezwungen) am 21.2.891 zum Kai5er. Kirchenpolitisch
bedeutsam wurde sein Verbot der slawischen Liturgie (nicht der Predigt> in der Siawenmission. Dies trug dazu
bei, daß der großmährische Raum weitgehend der lateinischen Kirche verbunden blieb.
 Formosus 891-896
um 816,  Rom 4.4.896 Papst seit 3.10.891 Schon als Bischof von Porto (864-876) diente Formosus den
Päpsten als fähiger und ehrgeiziger Helfer. Er unternahm Reisen nach Konstantinopel und assistierte bei den
Verhandlungen 872 zwischen König Ludwig dem Deutschen und Angilberga, der Gemahlin Ludwigs II. (Kaiser
850-875). Jedoch scheiterte sein Vorhaben, Erzbischof von Bulgarien zu werden. Johannes VIII., dem Formosus
möglicherweise bei der Papstwahl 872 Konkurrenz gemacht hatte, exkommunizierte ihn im April 876 wegen
einer angeblichen Verschwörung gegen Kaiser und Papst. Daraufhin zog sich Formosus nach Frankreich zurück.
Von Marinus 1. 883/884 wieder in sein Bischofsamt eingesetzt, wurde er 891 zum Papst gewählt. Das verstieß
zwar gegen das sogenannte Translationsverbot (ein Bischof durfte nicht von einem Stuhl auf einen anderen
wechseln), es scheint aber, daß ihm zu Lebzeiten kein entsprechender Vorwurf gemacht worden ist. Der
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"fromme und gelehrte" Papst, so das Urteil späterer Apologeten, bewährte sich als Schlichter in den
verschiedensten kirchlichen und politischen Streitigkeiten seiner Zeit, dem photianischen Schisma in Byzanz
(~Nikolaus 1., ~Hadrian II.), der Auseinandersetzung zwischen den westfränkischen Königen Odo und Karl dem
Einfältigen, dem Streit zwischen Hamburg und Köln um das Bistum Bremen. In Italien sah sich Formosus
ernsten Problemen gegenüber. Die Dynastie von Spoleto übte hier eine tyrannische Herrschaft; von Stephan V.
als Schutzherr begrüßt und zum Kaiser gekrönt, erwies sich Guido II. von Spoleto als arger Unterdrücker.
Formosus wurde im April 892 von dem spoletanischen Herzog gezwungen, die Krönung an ihm und seinem
Sohn Lambert zu wiederholen. In dieser Situation suchte Formosus Hilfe bei dem ostfränkischen König Arnulf
von Kärnten (850-899). Dieser brauchte lange, bis er sich zu einem Zug nach Italien durchrang. Im Februar 896
endlich eroberte er Rom und ließ sich zum Kaiser krönen. Ein Marsch auf Spoleto indes unterblieb. Wegen
Krankheit mußte Arnulf die Heimfahrt antreten, und bald darauf starb Formosus. Neun Monate nach seinem
Tod wurde er zum unfreiwilligen Hauptdarsteller eines Schauerspektakels, das Papst Stephan VI. und Lambert
von Spoleto, der seinem Vater 894 nachgefolgt war, in Rom veranstalteten, der sogenannten Leichensynode
(Januar 897). Es war die grausige Travestie einer Gerichtsverhandlung. Der "Angeklagte" war ausgegraben
worden und saß, angetan mit den päpstlichen Gewändern, auf einem Stuhl. Ein Diakon stand ihm zur Seite und
"lieh" ihm die Stimme zur Beantwortung der Fragen des Gerichts. Dessen Spruch lautete dann auf Meineid,
Amtsanmaßung und Verletzung des Translationsverbots. Alle Amtshandlungen Formosus' wurden für ungültig
erklärt, der Leiche wurden die Segenspende- und Schwurfinger an der rechten Hand abgehackt. Den Rest warf
man in den Tiber, wo ihn ein Eremit auffischte und für ein provisorisches Begräbnis sorgte.
 Bonifaz VI. 896
Römer,  April/Mai 896; wurde durch einen Volksaufruhr Papst, starb aber schon nach 15 Tagen. Die Frage
seiner Legitimität ist daher kirchlich nicht gestellt worden; sie müsste verneint werden, zumal ihm wegen
Unwürdigkeit seiner Stellung als Presbyter aberkannt war, als er Papst wurde.
 Stephan VI.(VII.) 896-897
( 897), Papst (896-897). Er wurde in Rom geboren und war vor seiner Wahl zum Papst Bischof von Anagni. Er
war Gegner des Papstes Formosus, über dessen Leiche er Gericht hielt. Bald darauf wurde er jedoch gestürzt
und zum Tode verurteilt. Seine Wahl war möglicherweise vom kaiserlichen Legaten in Rom beeinflußt,
dennoch ging Stephan bald zur Gegenseite über, zur Partei Lamberts von Spoleto, der zu dieser Zeit der wahre
Herr Italiens war. Im Januar 897 inszenierte Stephan einen makabren Schauprozeß, der als "Leichensynode" in
die Kirchengeschichte einging: Formosus, bereits seit neun Monaten unter der Erde, wurde exhumiert, in seine
päpstlichen Kleider gehüllt und auf einen Stuhl im Gerichtssaal gesetzt. Drei Tage lang "verhörten" ihn die
Richter, ein Diakon gab anstelle des Toten die Antworten. Schließlich erging ein Urteil; der Leichnam wurde in
den Tiber geworfen, zuvor aber hackte man noch die Finger der rechten Hand ab, mit denen Formosus
geschworen und gesegnet hatte. Die Strafe für die Untat sollte nicht lange auf sich warten lassen. Die
Anhänger des geschändeten Papstes formierten sich. Der plötzliche Zusammenbruch der altersschwachen
Lateranbasilika wurde als göttliches Zeichen angesehen. Im Juli 897 brach ein Volksaufstand los, Stephan
wurde abgesetzt und im folgenden Monat im Kerker erdrosselt.
 Romanus 897
 nach 897 Papst August-November 897Von seinem persönlichen Hintergrund ist nur bekannt, daß er aius
Gallese bei Civita Castellana (Latium) stammte und Kardinalpriester an 5. Pietro in Vincoli war: Romanus wurde
nach der Ermordung Stephans VI. im August 897 zum Papst gewählt, verlor das Amt jedoch schon vier Monate
später. Nach einem Bericht im "Liber pontiflcalis" wurde er "zum Mönch gemacht", das heißt in ein Kloster
weggesperrt. Möglicherweise hatte er das Formosus' Partei zu verdanken, die für seine Wahl gesorgt hatte und
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nun mit ihm unzufrieden war, weil er die Ehre ihres auf der sogenannten Leichensynode geschändeten Helden
nicht ausreichend wiederhergestellt hatte. Romanus' weiteres Schicksal ist unbekannt.
 Theodor II. 897
 Rom November 897 Papst November 897Von ihm ist nur bekannt, daß er gebürtiger Römer war: Theodors
II. Pontifikat dauerte 20 Tage, dann setzte ihm der Tod ein Ende. Der friedliebende Mann, so die Beschreibung
durch Zeitgenossen, brachte es aber in dieser kurzen Zeit fertig, die Wirren in Rom, die unter seinen
Vorgängern angerichtet worden waren, leidlich zu ordnen. Er hielt eine Synode ab, die alle Anrdnungen und
Beschlüsse der sogenannten Leichensynode Stelans VI. aufhob und die Amtshandlungen des postum
geschändeten Formosus für rechtmäßig erklärte. Dessen exhumierter, erstümmelter Leichnam, der nach dem
Schandspektakel in den Tiber geworfen worden war, wo ihn ein Eremit fand, wurde nach Rom überführt und
mit so vielen Ehren wie möglich in seine ursprünglichen Grab in Sankt Peter beigesetzt.
 Johannes IX. 898-900
ein aus Tivoli gebürtiger Benediktinerabt. - Nach dem Tode des Papstes Theodor II. im Dezember 897 versuchte
Sergius von Caere, der spätere Papst Sergius III. (904-911), den päpstlichen Thron zu usurpieren. Sergius
gehörte als Parteigänger Stephans VI. zu den geschworenen Feinden des postum verurteilten Papstes
Formosus. Obwohl sich Sergius zunächst des Laterans bemächtigen konnte, vertrieben ihn die Anhänger des
Formosus mit Unterstützung Lamberts von Spoleto (König von Italien seit 891), den Formosus zum Kaiser
gekrönt hatte (30.4.892), gewaltsam aus dem Palast und kürten an seiner Statt den Benediktiner J. - J. setzte in
Zusammenarbeit mit Lambert von Spoleto die Politik Theodors fort. Dieser hatte versucht, in der verworrenen
Situation nach dem Prozeß Stephans VI. gegen den verstorbenen Formosus und nach den darauf folgenden
gewaltsamen Konflikten zwischen den Anhängern und Gegnern des Formosus wieder Ruhe und Ordnung
herzustellen. J. betrachtete die Sühnung der an dem Leichnam seines verstorbenen Vorgängers verübten
Greuel als seine nächste und wichtigste Pflicht. Auf einer nach Rom einberufenen Synode (898) verdammte er
die Beschlüsse der Synode Stephans VI., anathematisierte Sergius und fünf seiner engsten Mitarbeiter und
erklärte alle von Formosus gespendeten Weihen für gültig. Auf diesem Konzil erkannte er feierlich die Salbung
Lamberts zum Kaiser an und verwarf die Salbung Arnulfs, des Königs der Ostfranken, zum Kaiser als einen dem
Papst abgepreßten "barbarischen" Akt. Außerdem erließ J. im Hinblick auf die Unruhen bei den letzten Wahlen
eine Verfügung über die Papstwahl, in der er in Anlehnung an die Constitutio Romana Kaiser Lothars I. (824)
forderte, daß die Konsekration "des von den Bischöfen und dem gesamten Klerus erwählten, von Senat und
Volk erbetenen Papstes" nur in Anwesenheit kaiserlicher Emissäre vorgenommen werden solle. Im Bund mit
Lambert hoffte J. in Rom wieder geordnete Zustände herzustellen. Als der junge Kaiser überraschend bei
einem Jagdunfall ums Leben kam (15.10. 898), riß Berengar von Friaul die Herrschaft an sich, wodurch der
Stuhl Petri erneut gefährdet war.
 Benedikt IV.900-903
 Rom (?) August 903 Papst seit Mai 900 Formosus und kein Ende: Auch als Benedikt IV., ein Römer aus der
städtischen Oberschicht, den Stuhl Petri bestieg, war der Streit um den von Stephan VI. postum geschändeten
früheren Papst noch nicht ausgestanden. Anhänger und Feinde Formosus' sorgten dafür, daß die Papstwahlen
chaotisch verliefen. Die Nachrichten über das Pontifikat Benedikts sind nur in Bruchstücken erhalten. Die
Personalentscheidungen des Papstes (zum Beispiel die Bestätigung des Bischofs Argrinus von Langres) deuten
darauf hin, daß er die Linie seines Vorgängers Johannes IX., der in der Tradition des Formosus stand,
fortzusetzen gedachte. Im Streit zwischen dem italienischen Thronprätendenten Berengar von Friaul (um 850924) und dem König von Niederburgund, Ludwig III. (um 880-928), entschied er sich für letzteren und krönte
Ludwig im Februar 901 zum Kaiser. Ein Jahr später gewann Berengar militärisch die Oberhand, er besiegte
Ludwig im August 902 und zwang ihn, Italien zu verlassen. Ohne Schutz durch den Kaiser verfiel Rom alsbald
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der Anarchie des Parteienkampfs. Der Chronist Flodoard von Reims (t 966) rühmt Benedikts Sorge für die
Armen. Der Papst soll von Agenten Berengars ermordet worden sein, allerdings gibt es dafür keinen
zeitgenössischen Beleg.
 Leo V. 903
(in den Quellen zuweilen auch irrig Leo VI.), ein Presbyter, wurde Ende Juli oder Anfang August 903 zum Papst
erhoben. Der Hinweis in mehreren Papstkatalogen "natione ardeatinus, de loco qui appellatur Priapi" wird in
der Regel auf die etwa 37 km südlich von Rom gelegene Stadt Ardea bezogen und mit Priapi der Ort
angenommen, wo Leo priesterliche Funktionen ausübte. Laut dem Zeugnis des Auxilius scheint er zur
formosianischen Parteiung gehört zu haben. Die Herkunft von außerhalb und nicht aus dem römischen Klerus
trug zur Legendenbildung bei; am bekanntesten ist die im 11./12. Jh. entstandene Version der Vita Tugduali,
wonach Leo als bretonischer Pilger nach Rom gekommen sein soll. Dort habe man ihn dann unvermutet zum
Papst erhoben. Die Legende hat Ereignisse aus dem 6. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem hl. Tutwal
(Tugdual) in Tréguier, der in Rom unverhofft zum Papst gewählt worden sein soll und den Namen Leo
angenommen habe, in das beginnende 10. Jahrhundert verlegt. Anlaß hierzu könnte der Titel des bretonischen
Heiligen (Pabu oder Papa) gegeben haben. Eine eigenständige Politik L.s ist nicht erkennbar; Deperdita für
Bologna und das Kloster Reichenau sind ebenso wie eine Bestätigung des Mailänder Metropoliten in der
Zuschreibung nicht ganz sicher. L. konnte sich - vielleicht auch wegen seiner auswärtigen Herkunft - nur kurze
Zeit als Papst halten. Schon etwa Ende August (nach dreißigtägigem Pontifikat) wurde er durch den römischen
Kardinalpriester Christophorus, dessen Motive unklar bleiben, gestürzt und eingekerkert. Er starb wohl im
Oktober 905. Der Begräbnisort ist fraglich, späte Quellen schwanken zwischen Lateran und St. Peter.
 Christophorus 903-904
 Rom nach 29.1.904 Gegenpapst September 903-Januar 904 Der gebürtige Römer Christophorus war
Kardinalpriester an 5. Damaso. Er führte im September 903 die Revolte gegen Papst Leo V. an und ließ sich
danach zum Papst wählen und weihen. Aber lange sollte er sich seines Sieges nicht freuen. Anfang 904 wurde
er von Sergius III., der schon einmal, 898, seine Ansprüche auf den Stuhl Petri angemeldet hatte, gestürzt und
in dasselbe Gefängnis geworfen, in dem auch sein früheres Opfer Leo saß. Sergius ließ nach seiner Weihe zum
Papst (29.1.904) die beiden Vorgänger hinrichten, angeblich weil er nicht mitansehen konnte, wie sie im Kerker
darbten.
 Sergius III. 904-911
 Rom 14.4.911 Papst seit 29.1.904Mit ihm kam ein alter Feind Formosus' auf den päpstlichen Stuhl; die
unglückselige Parteibildung seit dessen Pontifikat (891-896) wollte kein Ende nehmen. Sergius stammte aus
dem römischen Adel und war Bischof von Caere (heute Cerveteri), behauptete aber, gegen seinen Willen an
das Episkopat gekommen zu sein. Er hatte an Formosus' Schändung auf der sogenannten Leichensynode
teilgenommen. Ein erster Versuch, Papst zu werden, scheiterte 897/898. Sergius fand sich in der folgenden
Zeit, die ganz der Formosus-Partei gehörte, im Abseits: abgesetzt, verurteilt, ins Exil vertrieben. Sieben Jahre
später, Anfang 904, kam die zweite Chance: Von Herzog Alberich von Spoleto militärisch unterstützt,
unternahm Sergius einen regelrechten Marsch auf Rom und wurde dort unter dem Schutz der Waffen zum
Papst geweiht. Er stürzte den Usurpator Christophorus und ließ ihn zusammen mit dessen Vorgänger Leo V.
hinrichten. Das Pendel schlug nun zur anderen Seite: Die Beschlüsse der Leichensynode, von Theodor II. und
Johannes IX. kassiert, wurden wieder in Kraft gesetzt, alle Amtshandlungen Formosus' für ungültig erklärt. Es
gab Proteste in der Kirche, aber nur außerhalb Roms; in der Stadt hielt der Papst, gestützt auf den Adel, vor
allem auf den mächtigen Senator, Milizen-kommandeur und Finanzdirektor des Heiligen Stuhls Theophylakt (t
um 924/925), den Widerstand nieder. Nicht geringe Förderung erfuhr Sergius auch durch Theophylakts Frau
Theodora (t vor 950), mit der der Papst ebenso wie mit deren Tochter Marozia angeblich Liebesverhältnisse
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unterhielt. Es begann die "Pornokratie", wie der katholische Historiker Cesare Baronio (um 1600) diese dunkle
Epoche des Papsttums nannte. Bis 935 übten Theodora die Ältere und ihre Töchter Marozia und Theodora die
Jüngere maßgeblichen Einfluß auf die Politik der Päpste aus - die Kirchengeschichte wurde von Frauen
geschrieben. Sergius vollendete die Wiederherstellung der bei einem Erdbeben 897 ei nge stürzten
Lateranbasilika. Sein Grab in Sankt Peter trägt eine Inschrift, die den heldenhaften Kampf des Papstes gegen
die "Wölfe" schildert, die ihn nach seiner ersten Wahl sieben Jahre lang daran hinderten, den Stuhl Petri
einzunehmen.
 Anastasius III. 911-913
 Rom (?) Juni (?) 913 Papst seit April (?) 911Das Datum seiner Wahl sowie das Todesdatum sind nicht genau
zu bestimmen: Anastasius III. stammte aus Rom, über seine kirchliche Laufbahn liegen keine Nachrichten vor.
Nach dem Urteil des Chronisten Flodoard von Reims war er ein milder und persönlich untadeliger Mann, aber,
so muß man wohl hinzufügen, nicht aufgelegt, eigenständig zu handeln. Zu seiner Zeit führte der Senator und
Finanzdirektor des Heiligen Stuhls Theophylakt das Regiment in Rom, angetrieben wiederum von seiner
ehrgeizigen Gattin Theodora. Immerhin verlieh Anastasius das Pallium an Ragimbert, den Bischof von Vercelli,
und zeichnete das Bistum Pavia aus, worin das gute Verhältnis des Papsttums zu König Berengar 1. von Italien
sichtbar wird, zu dessen Reich die beiden geistlichen Herrschaften gehörten.
 Lando 913-914
L. war von November 913 bis März 914 Papst und soll sein Heimatbistum Sabina durch Schenkungen und
Privilegien gefördert haben; sonst weiß man nichts aus diesem Pontifikat. Wahrscheinlich war der Papst völlig
von dem damaligen römischen Stadtherrn Theophylakt abhängig, der als päpstlicher Kämmerer (Vestarar) die
gesamte Vermögensverwaltung kontrollierte und außerdem als Doge und Konsul an der Spitze des Senats und
der Miliz stand.
 Johannes X.914-928
 Rom 929 Papst März/April 914-Mai 928Aus Tossignano in der Romagna gebürtig, wurde Johannes in
Bologna ordiniert und diente als Diakon in Ravenna, wo er auch sieben Jahre Erzbischof war, bevor ihn der
römische Adel, genauer der allmächtige Senator Theophylakt (~Sergius III.), nach Rom holte. Böse Zungen
behaupteten, Johannes habe seine Wahl zum Papst hauptsächlich Theophylakts Gattin Theodora zu
verdanken, die während eines seiner dienstlichen Aufenthalte in Rom ein Verhältnis mit ihm angefangen habe.
Johannes erwies sich indes als kraftvoller, umsichtiger Politiker. Er brachte sogleich ein breites Bündnis gegen
die Sarazenen zusammen, unter deren Raubzügen Italien schon lange litt. Das christliche Aufgebot schlug die
Muslime im August 915 entscheidend am Fluß Garigliano (Kampanien). Im Dezember 915 krönte Johannes den
italienischen König Berengar 1. zum Kaiser - ungeachtet der Tatsache, daß es bereits einen Kaiser gab, nämlich
Ludwig III. den Blinden von Niederburgund, der 901 von Benedikt IV. gekrönt worden war. Johannes traf
während seines Pontifikats bedeutende kirchenpolitische Entscheidungen. Er schlichtete Streitigkeiten über die
Bischofserhebungen in Narbonne, Lüttich und Reims, nahm durch Legaten und Briefe Einfluß auf die Synode
von Hohenaltheim (916, Unter stützung für den deutschen König Konrad 1. in seiner Auseinandersetzung mit
Sachsen, Schwaben und Bayern) und stellte 927 die erste Papsturkunde für das aufstrebende Kloster Cluny aus.
Er gab Anweisungen zur Missionierung der Normannen, suchte Kroatien und Dalmatien für den lateinischen
Ritus zu gewinnen und einigte sich 923 mit Byzanz auf ein Ende des Tetragamiestreits (der 906 über der vom
Patriarchat in Konstantinopel nicht anerkannten vierten Ehe Kaiser Leons VI. entstanden war). Ein
Zusammenstoß mit der Familie seines einstigen Förderers Theophylakt führte zum Ende des Papstes. Nach
Berengars Tod (April 924) hatte er sich eng mit dem neuen König Italiens, Hugo von der Provence (926-947),
sowie mit seinem eigenen Bruder Petrus, dem Markgrafen von Spoleto, verbunden. Dadurch fühlten sich
Theophylakts Tochter Marozia (t nach 932), die nach dem Tod ihrer Eltern in Rom als "Senatrix" das Sagen
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hatte, und ihr Gatte Guido von Tuszien herausgefordert. Unter der Behauptung, Petrus hätte die Ungarn zum
Einfall in Italien verleitet, inszenierten sie Ende 927 einen Putseh. Petrus wurde vor den Augen seines Bruders
im Lateran erschlagen. Im Mai 928 zwangen sie Johannes zur Abdankung, vorgeblich weil das Volk es verlangte,
und sperrten ihn in der Engelsburg ein. Dort starb Johannes Mitte 929. Möglicherweise wurde er ermordet.
 Leo VI. 928
Der unmittelbar nach Absetzung Papst Johannes' X. erhobene Kardinalpriester aus vornehmer römischer
Familie verdankt sein Amt wohl der damals Rom beherrschenden Senatrix Marozia. Aus seinem nur 7 1/2
Monate währenden Pontifikat sind bloß Maßnahmen in bezug auf die Metropolitanrechte von Split in
Dalmatien und Kroatien bekannt.
 Stephan VII. 928-931
 Rom Ende Februar 931 Papst seit Dezember 928Wie seinem Vorgänger Leo VI. war auch Stephan VII., einem
gebürtigen Römer und Priester an 5. Anastasia, nur die Rolle eines Platzhalters zugedacht; so wollte es die
herrschende Adelspartei in Rom unter der ehrgeizigen "Senatrix" und "Patricia" Marozia (t nach 932). Ihr
eigentlicher Favorit war Johannes, der Sohn Marozias, der nur noch nicht das passende Alter erreicht hatte.
 Johannes XI. 931-935
Sohn der mächtigen Herrscherin Roms, Marozia, sein Vater soll nach Liutprand von Cremona (um 920-972)
Papst Sergius III. gewesen sein. - Durch den Einfluß seiner Mutter, die ihn als ihr gefügiges Werkzeug
betrachtete, gelangte er auf den päpstlichen Thron. In einer seiner ersten Amtshandlungen bestätigte er auf
Bitten des dortigen Abts Odo (927-942) dem Reformkloster Cluny in Burgund die Privilegien, die es seit der
Gründung (909) genossen hatte, nämlich Schutz durch den Stuhl Petri und freie Wahl seiner Äbte. J. erteilte
seine Genehmigung, als der Kaiser von Byzanz, Romanus I. (920-944) ihn Anfang 933 aufforderte, der
Ernennung seines 16jährigen Sohnes Theophylakt zum Patriarchen von Konstantinopel zuzustimmen. Er
entsandte dazu zwei Bischöfe als Legaten, die an der Weihe und Inthronisation des Knaben teilnehmen sollten
(27.2.933). Möglicherweise hatte bei dieser Entscheidung Marozia ihre Hände im Spiel, um eine Ehe ihrer
Tochter Bertha mit einem Thronprätendenten des Romanus anzubahnen. Im Sommer 932 vermählte sich
Marozia mit Hugo von der Provence, König von Italien (926-948), der sich auf der Höhe seiner Macht befand.
Alberich II. von Tuszien (um 905-954), Marozias Sohn aus erster Ehe, fürchtete nach der Wiederverheiratung
seiner Mutter um seine Krone und zettelte einen Aufstand an. Im Dezember 932 stürmte der bewaffnete Pöbel
die Engelsburg, wo das königliche Paar residierte. Alberich vertrieb König Hugo und ließ seine Mutter und
seinen Halbbruder, Papst J., in den Kerker werfen. Er ließ sich selbst zum Fürsten Roms und Senator aller
Römer, zum Grafen und Patricius ausrufen. Bis zu seinem Tod (954) regierte er sicher und erfolgreich. - Von
Marozia verliert sich jede Spur; J. dagegen scheint aus dem Kerker entlassen worden zu sein, wenngleich er im
Lateran unter Hausarrest stand und sich nur der Ausübung kirchlicher Ämter widmen durfte. Nach Liutprand
von Cremona soll Alberich J. als seinen persönlichen Sklaven behandelt haben, der Chronist Flodoard von
Reims (+ 966) charakterisiert ihn als einen "macht- und würdelosen Spender von Sakramenten".
 Leo VII. 936-939
 Rom Anfang Juli 939 Papst seit Anfang Januar 936Die Adelsclique der Marozia hatte nach dem Umsturz in
Rom (Dezember 932) vorerst abgewirtschaftet. Das Papsttum stand nun unter der Kontrolle des Markgrafen
von Spoleto, Alberich II. (um 905-954). Leo VII., vorher Kardinalpriester an S.Sisto, ein gebürtiger Römer, war
der erste Papst, der unter dem neuen Regiment gewählt wurde. Von Alberich auf die Ausübung rein kirchlicher
Funktionen beschränkt, vermochte Leo doch Bedeutendes zu leisten. Er lud Abt Odo von Cluny (927-942) nach
Rom ein, wo dieser nicht nur den Frieden zwischen Alberich und Hugo von der Provence, dem König Italiens,
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vermittelte, sondern auch die Reform der Klöster in und um Rom in Angriff nahm. Er erneuerte die Privilegien
für die Abtei von Subiaco (80 Kilometer östlich von Rom) ebenso wie die von Cluny und De'ols (bei
Chäteauroux). Auch die Benediktinerabtei Gorze (bei Metz in Lothringen), Zentrum einer von Cluny
verschiedenen Reformbewegung, der es auf die Betonung der mönchischen Askese ankam, wurde mit
Privilegien bedacht. Leo kümnierte sich besonders um die Verhältnisse der deutschen Kirche, er verlieh das
Pallium an Erzbischof Adaldag von HamburgBremen und ernannte Erzbischof Friedrich von Mainz zum
Apostolischen Legaten und Vikar von ganz Deutschland. Er gab dem Mainzer umfassende Anweisungen zu
einer Reform des hohen und niederen Klerus; dazu gehörte auch die Aufforderung, Juden zu vertreiben, wenn
sie sich der Bekehrung verweigerten.
 Stephan VIII. 939-942
 Rom Ende Oktober 942 Papst seit 14.7.939Später Quellen behaupten eine deutsche Abstammung, aber das
dürfte auf einem Irrtum beruhen, genua wie die Angabe, König Otto I. der Grosse, der spätere Kaiser, habe ihn
eingesetzt; Tatsächlich war Stephan VII. ein gebürtigter Römer und Kardinalpriester an SS. Silvestro und
Martino, und auf sein Amt gelangte er genua wie sein Vorgänger Leo VII. auf Geheiß des seinerzeit
unumschränkten Herrschers in Rom, des Markgrafen von Spoleto, Alberich II., von dem er auch während seines
Potifikats weitgehend abhängig blieb. Er förderte, wie es auch der Absicht Alberichs entsprach, die
kluniazensische Reform. Erst gegen Ende seiner Amtszeit scheint es Mißhelligkeiten zwischen dem Papst und
seinem Schutzherrn gegeben zu haben. Eine unsichere Überlieferung besagt, Stephan habe sich in eine
Verschwörung gegen Alberich hineinziehen lassen und sei deswegen eingekerkert und mißhandelt worden und
schließlich an seinen Wunden gestorben.
 Marinus II. 942-946
im späteren Mittelalter oft irrig auch Martin III. genannt, war herkunftsmäßig Römer und vor seiner Papstwahl
angeblich Kardinalpriester. Er wurde wohl unter dem bestimmenden Einfluß des damals in Rom allmächtigen
Fürsten Alberich II. erhoben, ohne dessen Geheiß er laut einer zeitnahen Chronik auch während seines
Pontifikates nichts zu unternehmen wagte. Nur 8 echte Urkunden sind von ihm überliefert, meist
Besitzbestätigungen an italische Bischofskirchen und Klöster, 5 verlorene Urkunden können erschlossen
werden. Größere Bedeutung kommt nur der neuerlichen Verleihung der Würde eines Apostolischen Vikars an
den Erzbischof Friedrich von Mainz (946) zu, mit einem über Deutschland hinaus erweiterten Wirkungsbereich
auch auf Gallien, was vielleicht mit dem in den letzten Jahren wieder auflebenden karolingisch-capetingischen
Streit um die französische Metropole Reims zusammenhängt, in den sich bald der deutsche König Otto der
Große schlichtend eingemischt hat. Aus dem Deutschen Reich erhielt der Papst Besuche des Bischofs Ulrich
von Augsburg (942) und des Abtes Hadamar von Fulda (943), wobei man in beiden Fällen neben religiösen auch
politische Motive vermuten darf. Auch mit England dürfte der Papst in Kontakt gewesen sein und Tribute
bekommen haben, wie ein römischer Schatzfund zu beweisen scheint. Für die kirchliche Reform in Rom selbst
war die Rückberufung des Kluniazensers Balduin aus Monte Cassino nach San Paolo fuori le Mura (945) wichtig.
 Agapitus II. (Agapet) 946-955
Römer,  Dez. 955. Er verteidigte die päpstl. Autorität trotz der polit. Abhäbgigkeit von Alberich II. und
förderte die von Cluny ausgehende Klosterreform. Unter dem Druck Alberichs musste er 952 Otto I. die
Kaiserkrone verweigern,obwohl er ihn bewunderte. Agapet trug mit seinem politischen Verhalten mit bei zur
Wiederherstellung des Kaisertums durch Otto I. den Grossen. Agapet wurde in der Apsis von S. Giovanni in
Laterano beigesetzt.
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 Johannes XII. 955-964
(um 937-964), Papst (955-964), manchmal auch Knabenpapst genannt, weil er schon im Alter von 18 Jahren
zum Papst gewählt wurde. Er wurde in Rom geboren und auf den Namen Oktavian getauft. Während seines
Pontifikats, einer der dunkelsten Zeiten des Papsttums, sicherte er sich die Unterstützung König Ottos I. gegen
Berengar II., König von Italien, der den Kirchenstaat überfallen hatte. Johannes krönte Otto I. 962 zum Kaiser,
konspirierte jedoch später gegen ihn, weil er sich päpstliche Vorrechte angemaßt hatte. Daraufhin berief Otto
eine Synode ein, die 963 Johannes absetzte und Leo VIII. zum Papst wählte. Johannes floh, kehrte aber nach
Ottos Abreise nach Deutschland zurück, verjagte Leo und nahm Rache an seinen Gegnern. Bevor Otto
zurückkehren konnte, um Leo wieder einzusetzen, starb Johannes. Sein Nachfolger wurde Benedikt V.
 Benedikt V.(Gegenpapst) 964
Römer;  Hamburg4.7.966?; Er war der von den Römern nach dem Tod Johannes XII. gewählte Gegenpapst
gegen den kaiserlichen Papst Leo VIII., der seinerseits dem von Otto I. abgesetzten Johannes XII. gefolgt war.
Da B. nicht unter Achtung der damals anerkannten kaiserl. Mitbeteiligung gewählt worden war und Leo VIII.
sich durchsetzte, muss B. als Gegenpapst gelten. Er starb, zum Diakon degradiert, in der Haft Erzbischofs
Adaldags von Hamburg.
 Leo VIII. 963-965
 Rom Anfang März 965 Papst seit 4.12.963Eine Synode unter dem Vorsitz Ottos 1. des Großen erhob ihn zum
Papst anstelle des abgesetzten Johannes XII. Er war als Mitglied der römischen Beamtenaristokratie zwar Laie,
innerhalb eines Tages wurden ihm jedoch die nötigen Weihen verliehen. Das Odium, eine Marionette des
Kaisers zu sein, wurde Leo indes nicht los. Im Februar 964 mußte er vor der Volkswut nach Spoleto fliehen. Die
Römer nahmen Johannes wieder auf, der durch ein Synodalurteil die Wahl Leos für ungültig erklären ließ. Nach
Johannes' plötzlichem Tod im Mai 964 dachte man in Rom nicht daran, Leo zurückzuholen, sondern wählte
Benedikt V. als Nachfolger. Doch da griff Otto ein und stellte im Juni mit Waffengewalt Leos Rechte wieder her.
Mit dem Namen des unbeliebten Papstes sind mehrere Urkundenfälschungen aus der Zeit des Investiturstreits
verbunden, die vorgebliche Rechte Heinrichs IV. (König 1056-1106) in Italien als von Kaiser Otto herrührend
"beweisen".
 Johannes VIII. 965-972
* in Rom als Sohn des Johannes Episcopus,  6.9.972 in Rom. - Der ehemalige Bischof von Narni (961-965), der
der stadtrömischen Aristokratie entstammte, am Lateranpalast seine Ausbildung erhalten und J. XII. als
Gesandter gedient hatte, wurde in Anwesenheit von Gesandten Kaiser Ottos I. (Bischof Otger von Speyer,
Liudprand von Cremona) am 1.10. 965 als Nachfolger Leos VIII. durch die Römer zum Papst erhoben. Schon
kurze Zeit später (16.12. 965) wurde er von einer Gruppe von Römern unter Führung des Stadtpräfekten Petrus
und des Grafen Rotfred von der Campagna verhaftet, mißhandelt, in der Engelsburg inhaftiert und schließlich
in die Campagna verbannt. Im Sommer 966 gelang ihm die Flucht. Am 14.11. 966 wurde er von den Römern,
die eine Intervention des von ihm zu Hilfe gerufenen Otto I. befürchteten, feierlich in die Stadt eingeholt. In
ständigem Einvernehmen mit dem Kaiser ordnete er auf mehreren Synoden vorwiegend italische
Angelegenheiten und verlieh Erzbischof Adalbert von Magdeburg das Pallium. Er krönte am Weihnachtsfest
des Jahres 967 Otto II., den Sohn Ottos I., zum Kaiser. Am 14.4.972 krönte er auch die byzantinische Prinzessin
Theophanu und vermählte sie mit Otto II. Wegen der auffälligen Förderung der Crescentier durch J. XIII. wurde
auch behauptet, er habe dieser Familie angehört. Auf eigenen Wunsch wurde J. XIII. in San Paolo fuori le mura
bestattet.
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 Benedikt VI. 973-974
 Rom Juli 974 Papst seit 19.1.973Die Familie der Crescentier, unter Johannes XIII. emporgekommen, mochte
gehofft haben, einen Papst aus ihren Reihen durchzusetzen, aber die kaiserliche Partei und die
reformorientierten Teile des Klerus wollten es anders. Sie wählten, wahrscheinlich im September oder Oktober
972, den Kardinalpriester an 5. Teodoro Benedikt, einen gebürtigen Römer. Daß so viel Zeit zwischen Wahl und
Weihe verging, lag daran, daß die Zustimmung von Kaiser Otto 1. eingeh~t werden mußte, der sich in
Deutschland befand. Benedikt sanktionierte die Gründung des Erzbistums Prag; die Urkunde darüber ging
verloren, zwei erhalten gebliebene Urkunden für Passau und Salzburg dagegen haben sich als Fälschungen
erwiesen. Beim Tod Ottos (7.5.973) verlor Benedikt seinen Rückhalt in Rom. Im folgenden Jahr erhob sich ein
Aufstand gegen ihn, angeführt von den Crescentiern und möglicherweise auch unterstützt von den
Byzantinern. Benedikt wurde in der Engelsburg gefangengesetzt. Ob man ihm (und wenn, unter welchen
Anklagen) den Prozeß machte, ist nicht bekannt. Seine Gegner wählten als neuen Papst den Diakon Franco, der
den Namen Bonifaz VII. annahm. Als ein kaiserlicher Gesandter erschien und die Freigabe Benedikts forderte,
wurde der Gefangene auf Bonifaz' Geheiß von einem Priester namens Stephan erdrosselt.
 Benedikt VII. 974-983
 Rom 10.7.983 Papst seit Oktober 974Er stammte aus der römischen Aristokratie und war verwandt mit
Alberich II., dem früheren Stadtherrn Roms (905-954): Benedikt VII. wurde nach der Vertreibung Bonifaz' VII.
zum Papst gewählt, als Kompromißkandidat, auf den sich Adel wie kaiserliche Partei einigen konnten. Doch
war seine Stellung in Rom keineswegs unangefochten, im Sommer 980 vermochte Bonifaz sogar kurzzeitig den
Heiligen Stuhl wieder einzunehmen. Nur mit militärischer Hilfe Kaiser Ottos II. konnte Benedikt im März 981
den Usurpator loswerden. Tief religiös, förderte Benedikt das Mönchstum und die Reform der Klöster. Er
unterhielt enge Beziehungen zur deutschen Kirche; während seines Pontifikats bekamen Trier und Mainz
bedeutende Privilegien, das Bistum Merseburg wurde zwischen Halberstadt, Zeitz und Meißen aufgeteilt, und
der Merseburger Bischof Giselher, ein besonderer Favorit des Kaisers, wurde zum Erzbischof von Magdeburg
erhoben. In seiner Politik gegenüber Byzanz folgte Benedikt gleichfalls den kaiserlichen Richtlinien, indem er in
Süditalien lateinische Bistümer neu gründete beziehungsweise bereits existierende im Rang erhöhte, um den
byzantinischen Einfluß zu verringern. Höhepunkt seines Pontifikats war die Synode von Rom im Frühjahr 981,
der er gemeinsam mit Otto II. vorsaß. Die Versammlung erließ ein Verbot der Simonie, Mso des Kaufs oder
Verkaufs geistlicher Ämter - ein Beschluß, der der ganzen Christenheit bekanntgemacht wurde. Benedikt
wurde in der Basilika von S.~roce in Gerusalemme beigesetzt; eine Überlieferung besagt, er habe eine
Pilgerfahrt nach Jerusalem unternommen und einen Splitter vom Heiligen Kreuz mitgebracht.
 Johannes XIV. 983-984
eigentlicher Name Petrus Canepanova, + am 20.8.984 in Rom. - Nach dem Tod Benedikts VII. nominierte Otto
II. den seit 966 als Bischof von Pavia amtierenden und von ihm als Erzkanzler von Italien ernannten P. C. als
dessen Nachfolger. Von einer Zustimmung des Klerus und Volks von Rom wissen wir nichts, so daß wir
annehmen dürfen, daß J. von Otto II. eigenmächtig eingesetzt wurde. In der Tat war die Autorität seines
Pontifikats allein in der Macht Ottos II. begründet. Eine an den Erzbischof von Benevento gerichtete Bulle, in
der er seinem Interesse an einer Kirchenreform Ausdruck verleiht, ist das einzige aus seinem Pontifikat
überlieferte Zeugnis. Am 7.12. 983 starb Otto II. Für J. bedeutete dies den Verlust des einzigen Rückhalts seines
Amtes. Im April 984 kehrte der bereits 974 zum Gegenpapst erhobene Bonifatius VII. von Byzanz nach Rom
zurück. J. wurde ergriffen, abgesetzt, mißhandelt und eingekerkert. Er starb nach einer Haft von vier Monaten
in seinem Verlies in der Engelsburg. Die kurze Amtszeit J.s spiegelt den Konflikt zwischen den
Machtansprüchen des römischen Stadtadels und den durch den "Pactum Ottonianum" begründeten
kaiserlichen Ansprüchen auf die Obergewalt im Kirchenstaat wider.
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 Bonifaz VII. (974) 984-985
Papst Juni/Juli 974, Sommer 980-März 981, erneut seit April 984Ursprünglich hieß er Franco. Bonifaz VII.
scheint nach dem Tod Johannes' XIII. als Kandidat des mächtigen Geschlechts der Crescentier aufgestellt
worden und dann Benedikt VI. unterlegen zu sein. Beim Aufstand gegen Benedikt im Juni 974 wurde er dann
tatsächlich Papst und befleckte sein Amt sogleich mit dem Mord an seinem gefangengesetzten Vorgänger.
Bereits im folgenden Monat durch Eingreifen eines kaiserlichen Gesandten vertrieben, zog er sich unter
Mitnahme eines Teils der päpstlichen Kasse nach Süditalien auf byzantinisches Gebiet zurück. Sein Nachfolger
Benedikt VII. ließ ihn exkommunizieren. Die Position des neuen Papstes war aber nicht die festeste: Im
Sommer 980 gelang es Bonifaz, offenbar unter Ausnutzung einer zeitweiligen Abwesenheit Benedikts, sich in
Rom festzusetzen -so lange, bis Kaiser Otto II. im März 981 mit einem Heer erschien und den Usurpator
hinauswarf. Bonifaz ging diesmal nach Konstantinopel. Nach Ottos Tod (7.12.983) glaubte er abermals seine
Chance gekommen. In Rom regierte inzwischen der unbeliebte Papst Johannes XIV. Ausgestattet mit
erheblichen Geldmitteln aus Byzanz, kehrte Bonifaz im April 984 nach Italien zurück und bemächtigte sich des
Apostolischen Stuhls. Johannes wurde ins Gefängnis gesperrt und starb dort vier Monate später Hungers oder
wurde vergiftet. Bonifaz konnte sich diesmal länger als ein Jahr halten, zu einer kaiserlichen Intervention kam
es nicht. Sein plötzliches Ende im Juli 985 wird dennoch nicht auf natürliche Ursachen zurückgeführt; man
nimmt an, daß Bonifaz Opfer einer Palastrevolution wurde. Deutlicher reden die Quellen über die Ereignisse
nach dem Tod des Papstes: Der Leichnam wurde nackt durch die Straßen geschleift, die Menschen trampelten
auf ihm herum und stießen mit Speeren nach ihm, an verschiedenen Plätzen wurde er aufgehängt und wieder
abgenommen, schließlich an der Reiter-statue Mark Aurels liegengelassen. "Monstrum" und "Malefacius"
(Übeltäter) hieß Bonifaz fortan. Wieweit er als Papst oder als Gegenpapst bezeichnet werden sollte, ist
umstritten.
 Johannes XV. 985-996
 im März 996. - Der Sohn eines Priesters Leo aus der Region Gallinae albae wurde, nachdem er das Amt eines
Kardinalpriesters von S. Vitale ausgeübt hatte, im August 985 als Nachfolger Bonifatius' VII. zum Papst gewählt.
J. verdankte seine Wahl der Macht des Johannes Crescentius, der sowohl den Einfluß der griechischen Kaiser
wie des deutschen Hofes von Rom abwehren wollte, und neben dem Papst J. als "Patricius romanorum"
weiterhin politische Macht in Rom ausübte. Trotz der Beschränkung der päpstlichen Macht in Rom war J.
bestrebt, seine Autorität und Unabhängigkeit wiederherzustellen, was ihm während seiner Amtszeit auch
teilweise gelang. So vermittelte er erfolgreich in dem Konflikt zwischen König Ethelred II. von England und dem
Herzog der Normandie, Richard I. Durch seinen Legaten Leo von Trevi führte er einen Ausgleich im Frieden von
Rouen herbei. In die Amtszeit J.s fällt der Streit um das Erzbistum Reims. Hugo Capet, König von Frankreich,
hatte Erzbischof Arnoul von Reims im Juni 991 abgesetzt, gefangengenommen, und durch Gerbert von Aurillac
ersetzt. Nach energischem Einschreiten J.s unterwarf sich Gerbert 995. Arnoulf wurde 996 freigelassen und 997
wieder als Erzbischof von Reims eingesetzt. Herzog Mieszko I. von Polen schenkte J. sein gesamtes Reich, um
hierdurch wirksamen Schutz gegen Deutschland und Böhmen zu erlangen. Am 31.1. 993 wurde mit der
Heiligsprechung Ulrichs, des früheren Bischofs von Augsburg, die erste Kanonisierung eines Heiligen durch
einen Papst durchgeführt. J. gilt als Förderer der cluniazensischen Klosterreform. Durch zunehmende Habsucht
und Nepotismus provozierte J. Kritik und Opposition im römischen Klerus und Adel, und floh, als er seine
Stellung und sein Leben gefährdet sah, in die Toscana. Von dort aus wandte er sich um Beistand an den jungen
Otto III., dessen Einfluß und Macht Crescentius auch bald zum Einlenken brachten. Die beabsichtigte Krönung
Ottos III. wurde durch den plötzlichen Tod J.s im März 996 verhindert. Die trotz innerer Schwäche des
römischen Papsttums auffällig aktive Amtsführung J.s in außenpolitischen Belangen trug dazu bei, daß Otto III.
einen radikalen Wechsel im Machtverhältnis zwischen Kaiser und Papst herbeiführen konnte.
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 Gregor V. 996-999
* 972 als Sohn des Herzogs Otto von Kärnten und Urenkel Ottos I. (s. d.),  18.2. 999 in Rom (an der Malaria,
nicht an Gift). - Brun von Kärnten wurde am Hof des Bischofs Hildebrand von Worms erzogen und begleitete
996 als königlicher Hofkaplan Otto III. (s. d.) auf seinem ersten Zug nach Rom. In Pavia erfuhr der König, daß
Johannes XV. (s. d.), der ihn gegen den Führer des römischen Stadtadels, Johannes Crescentius Nomentanus,
zu Hilfe gerufen hatte, Anfang April 996 gestorben sei. Eine Abordnung römischer Adliger verhandelte in
Ravenna mit Otto III. über die Wiederbesetzung des Apostolischen Stuhles. Der König bestimmte Brun zum
Nachfolger Johannes' XV., und Erzbischof Williges (s. d.) von Mainz und Bischof Hildebald von Worms
geleiteten ihn nach Rom. Brun wurde zum Papst gewählt und am 3.5. 996 feierlich als G. V. inthronisiert. Er war
der erste deutsche Papst. Am 21.5. 996 krönte der 24jährige Papst seinen 16jährigen Vetter Otto III. zum
Kaiser. Crescentius II., der als "Patricius" in Rom unumschränkt geherrscht hatte, unterwarf sich Otto III., der
ihn auf Fürsprache G.s begnadigte und in seinen Würden als "Patricius" bestätigte. Nach dem Abzug des
Kaisers revoltierte Crescentius II. aufs neue. Er vertrieb Ende 996 G. aus Rom und erhob den Griechen
Johannes Philagathos, den Erzbischof von Piacenza und kaiserlichen Gesandten in Konstantinopel, als Johannes
XVI (s. d.) auf den päpstlichen Stuhl. Beide wurden gebannt. G. weilte das ganze Jahr 997 in Oberitalien. In dem
Streit um das Erzbistum Reims setzte er sich nachdrücklich für den von der Synode in St. Bâle bei Reims
abgesetzten Arnulf (s. d.) ein und erkannte den auf jener Synode zum Erzbischof von Reims gewählten Gerbert,
den späteren Silvester II. (s. d.), den er als Eindringling bezeichnete, nicht an, obwohl dieser ein Günstling des
Kaisers war. Auf der Synode von Pavia im Frühjahr 997 suspendierte G. alle französischen Bischöfe, die sich an
der Absetzung Arnulfs beteiligt hatten, und setzte es durch, daß Arnulf vom französischen Hof freigelassen und
als Erzbischof von Reims wieder anerkannt wurde. Den König Robert II. von Frankreich, der seine Gemahlin
verjagt und Bertha, die Witwe eines Grafen Odo, geheiratet hatte, bedrohte G. wegen seiner konkubinarischen
Ehe mit dem Bann. Unter Androhung der Suspension forderte er Gisiler (Giselher) zur Verantwortung nach
Rom, weil er als Bischof von Merseburg sein Bistum verlassen, den erzbischöflichen Stuhl von Magdeburg auf
unwürdige Weise 981 an sich gebracht und das Bistum Merseburg aufgehoben und aufgeteilt hatte. Ende 998
oder Anfang 999 beschloß eine römische Synode unter dem Vorsitz des Kaisers die Wiederherstellung des
Bistums Merseburg. Sie erfolgte aber erst nach dem Tod Gisilers 1004 durch Heinrich II. Otto III. führte G., der
Ende Dezember 997 mit ihm in Pavia zusammengetroffen war, im Februar 998 nach Rom zurück, das dem
Kaiser bereitwillig die Tore öffnete. Otto III. belagerte die stark befestigte Engelsburg und ließ nach ihrer
Erstürmung Crescentius II. mit 12 Genossen enthaupten und aufhängen. Johannes XVI. war auf eine feste Burg
fern von Rom geflohen, wurde aber im März 998 ergriffen, der Augen beraubt und an Nase, Ohren und Zunge
verstümmelt, nach Heilung seiner Wunden auf einem Konzil im Lateran abgesetzt, auf einem Esel durch die
Straßen der Stadt geführt und von G. in einem römischen Kloster eingekerkert, wo er am 2.4. 1013 starb.
Seitdem war G. vom Kaiser stark abhängig. So verlieh er ohne weiteres 998 dem von Otto III. zum Erzbischof
von Ravenna erhobenen Gerbert das Pallium.
 Johannes XVI. (Gegenpapst) 997 - 998
 26.8.1001Gegenpapst Februar 997-Mai 998Der aus Rossano in Kalabrien stammende Grieche Johannes mit
dem Beinamen Philagathos war seit 982 Abt von Nonantola (bei Modena) und seit 988 zugleich Erzbischof von
Piacenza. Seine politische Laufbahn begann er als Notar der Kaiserin Theophano. 980-982 und 991/992 diente
er als kaiserlicher Kanzler für Italien, daneben war er Lehrer des künftigen Kaisers Otto III. (983-1002). Für
diesen unternahm er auch 994 eine Reise zur Brautwerbung nach Konstantinopel. Im Februar 997 wurde er
von den Römern anstelle Gregors V. zum Papst erhoben. Das bedeutete eine Abkehr von seinen früheren
Arbeitgebern, möglicherweise geschah sie auf Druck der in Rom herrschenden Crescentier-Familie und der
Regierung in Byzanz; da Gregor in Rom äußerst unbeliebt war, mochte Johannes auch hoffen, auf diese Weise
den Vermittler zwischen dem Kaiser und dem Volk von Rom spielen zu können. Die Reaktion seitens Ottos III.
fiel jedoch anders aus. Im Dezember 997 brach er mit einem Heer nach Italien auf, um Gregor wieder als Papst
einzusetzen, im Februar 998 besetzte er Rom. Johannes wurde auf der Flucht gefaßt und schrecklich
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mißhandelt, man schnitt ihm Nase, Zunge und Ohren ab und riß die Augen aus. In einem makabren
Spottumzug wurde er, rücklings auf einem Esel sitzend, durch die Stadt geführt. Vermutlich im Mai trat unter
Vorsitz des wieder eingesetzten Papstes Gregor V. ein Gericht zusammen, das ihn förmlich verurteilte und aller
geistlichen Würden entkleidete. In ein Kloster weggesperrt, beschloß der zerstörte Mann sein Leben.
 Silvester II. 999-1003
(um 945 bis 1003), Papst (999-1003). Er wurde in der Auvergne geboren und hieß, bevor er zum Papst gewählt
wurde, Gerbert von Aurillac. Otto II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, machte ihn 983 zum Abt des
Benediktinerklosters von Bobbio (Italien). 991 wurde er zum Erzbischof von Reims und 998 von Papst Gregor V.
(um 972 bis 999) zum Erzbischof von Ravenna ernannt. Als Papst trat er für die Erneuerung des Römischen
Reiches im Sinne eines theokratischen Staates ein und stärkte die päpstliche Autorität. Er verfasste auch
Abhandlungen über Mathematik, Physik und Philosophie. Seine Gelehrtheit und außergewöhnlichen
wissenschaftlichen Kenntnisse brachten ihm den Ruf eines Zauberers ein.
 Johannes XVII. 1003
 Ende 1003. - Der "Liber pontificalis" nennt ihn einen Römer aus dem nahe der Trajanssäule gelegenenen
Stadtteil Biberatica: "natione Romanus, de regione Biveretica, ..." Sein bürgerlicher Name lautete Giovanni
Sicco (Secco; auch andere Schreibweisen bekannt). Die Erhebung zum Papst war das Werk des Patricius der
Römer, Johannes Crescentius, der sich und seiner Familie der Crescentier für einige Jahre in Rom eine führende
Stellung zu sichern wußte. Die Politik der Crescentier mußte mit den Ansprüchen des deutschen König- und
Kaisertums kollidieren. Gregorovius galt J. als Verwandter, jedenfalls Geschöpf des Patricius. Im Sommer 1003
bestätigt J. einem ihm von Benedikt, dem Missionar Polens, gesandten Mönch den Missionsauftrag, der bereits
Brun von Querfurt durch Silvester II. im Jahr zuvor erteilt worden war. - Die Zeit des Pontifikats betrug nur
wenige Monate. Sie wird unterschiedlich angegeben. Fabricius nennt den Zeitraum vom Mai bis zum 5.
November 1003. Jaffé gibt als Datum der Konsekration den 13. Juni 1003 und als Todesdatum den 7. Dezember
1003, Amann den 16. Mai bzw. den 6. November desselben Jahres. Letzterer Datierung schließt sich auch
Zimmermann an.
 Johannes XVIII. 1004-1009
* Ende Juni 1009. - Römischer Herkunft, lautete sein bürgerlicher Name Giovanni Fasano. In den bei Duchesne
abgedruckten Catalogi wird J. "Kardinal von St. Peter" genannt: cardinalis sancti Petri. Nach Duchesne könnte
dies so gedeutet werden, daß J. vor seiner Erhebung zum Papst Kardinalbischof von Silva Candida gewesen sei.
Die Konsekration zum Papst erfolgte im Dezember 1003 (andere: Januar 1004). J.' Wahl zum Papst stand unter
dem Einfluß des Patricius der Römer, Johannes Crescentius, aus dem Geschlecht der Crescentier, dem die
Familie der Grafen von Tusculum feindlich gegenüberstand (s. Johannes XIX). Während seines Pontifikats
bestätigte J. 1004 die Wiederherstellung des Bistums Merseburg. Im Juni 1007 erteilte J. dem durch Heinrich II.
errichteten Bistum Bamberg seine Zustimmung, das römischem Mundiburdium unterstehen sollte. Im Streit
des Abtes Gauzlin der Benediktiner von St. Flory-sur-Loire mit Leotherich, Erzbischof von Sens, und Fulko,
Bischof von Orléans, ergriff J. die Partei des Abtes. Da die Bischöfe die Gültigkeit dem Kloster gewährter
päpstlicher Privilegien nicht anerkennen wollten, verteidigte J. zugleich die Geltung päpstlicher Autorität. In
einem Ende 1007 an den französischen König Robert (II.) den Frommen gerichteten Schreiben drückte J.
deutlich seinen Unwillen darüber aus, daß in dessen Gegenwart die Autorität des Papstes habe herabgesetzt
werden können. Robert solle die schuldigen Bischöfe nach Rom senden. Bei Nichterscheinen seien diese mit
der Exkommunikation bedroht. Der König solle die päpstlichen Ermahnungen erfüllen und dafür Sorge tragen,
daß Appellanten an den Heiligen Stuhl nicht behindert würden. Andernfalls verfalle das gesamte Königreich
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dem Anathem. Aus Frankreich auch, aus der Stadt Rouen, war Jakob bar (ben) Jekut(h)iel nach Rom
gekommen, um beim Papst zugunsten der verfolgten Juden Frankreichs vorstellig zu werden (1007).
Blumenkranz zufolge sandte J. einen Legaten nach Frankreich, der den Verfolgungen ein Ende machen sollte.
Nach Zimmermann ist von einer diesbezüglichen Aktivität des in verschiedenen Angelegenheiten nach
Frankreich beorderten Legaten, des Bischofs Petrus von Piperno (Priverno), nichts bekannt. - In der bei
Watterich mitgeteilten Grabschrift J.' heißt es, daß dieser die Griechen überwunden und die Einheit der Kirche
wiederhergestellt habe. Amann hält dieses Epitaph für das eines anderen Papstes, nämlich Marinus I.
Jedenfalls berichtet Patriarch Petros III. von Antiochien 1054 in einem Brief, daß zur Zeit des Patriarchen
Johannes III. von Antiochien in den Diptychen ein Papst Johannes verzeichnet war. Damit muß J. XVIII. gemeint
sein. Gegen Ende seines Lebens soll J. sich als Mönch in die Abtei S. Paolo fuori le mura zurückgezogen haben
und dort gestorben sein. Seppelt charakterisierte J. als einen "Mann von Energie und Initiative".
 Sergius IV. 1009-1012
als Sohn des Schuhmachers Petrus und dessen Frau Stephania geboren in Rom/Bezirk Ad Pinea,  12.5. 1012,
hieß selbst ursprünglich Petrus mit dem Spitznamen Bucca Porci ("Schweineschnauze"). Als S. 1009 Papst
Johannes XVIII. nachfolgte, war er bereits fünf Jahre Bischof von Albano gewesen. Zwar bleiben die Umstände
seiner Berufung unklar, doch verdankte er sie - wie schon sein Vorgänger Johannes XVIII. - dem römischen
Patrizier Johannes II. Crescentius, der 1003-1012 als absoluter Herrscher in Rom regierte. Aus Ehrfurcht vor
dem hl. Petrus legte S. seinen Geburtsnamen ab. - S. unterhielt Beziehungen zu Heinrich II. von Deutschland
(1002-1024) und schickte im April 1012 eine Delegation zur Teilnahme an der Weihe des Bamberger Doms.
Ebenso ratifizierte er die Privilegien, die Johannes XVIII. der Stadt Bamberg zugesprochen hatte. Ein Besuch
Heinrichs II. auf Einladung des S. scheiterte nicht nur an der politischen Situation in Deutschland, sondern auch
an dem kompromißlosen Widerstand des Patriziers Crescentius. Auf Wunsch des Merseburger Bischofs
Thietmar (975- 1018) bestätigte S. 1009 die Besitzungen der kurz zuvor wiederhergestellten Diözese
Merseburg. - Weitere verläßliche Informationen über die Tätigkeit des S. sind nicht bekannt. Gemäß einer
Überlieferung entfernte zwar der byzantinische Patriarch Sergios II. (1001- 1019) nach vorübergehender
Anerkennung Johannes XVIII. den Namen des Papstes aus den Diptychen in Konstantinopel; die These jedoch,
daß S. selbst dafür verantwortlich gewesen sei, weil er im Zusammenhang mit der Ankündigung seiner Wahl
ein Glaubensbekenntnis mit der Formulierung Filioque nach Konstantinopel sandte, ist nicht ernstzunehmen.
Um eine Fälschung handelt es sich bei einer Enzyklika, in der S. zu einem Vergeltungsfeldzug für die Zerstörung
des Grabes Christi in Jerusalem durch den Kalifen al-Hakim (18.10. 1009) aufgerufen haben soll. Wahr ist
lediglich, daß während des Pontifikats des S. die Nachricht von der Zerstörung des Hl. Grabes Rom
erschütterte; davon unabhängig bemühte sich S., die italienischen Staaten zur Vertreibung der Araber aus
Sizilien zu bewegen. - Der Tod sowohl des S. als auch des Patriziers Crescentius (18.5. 1012) innerhalb einer
Woche, die politischen Unruhen der Zeit sowie die unmittelbar darauf folgende Wahl eines Papstes aus einer
rivalisierenden tuskischen Familie legen den Verdacht nahe, daß S. wie auch Crescentius ermordet worden sein
könnten. Sein Pontifikat währte vom 31.7. 1009-12.05. 1012. Der Leichnam S.' liegt in der Lateranbasilika in
Rom begraben.
 Benedikt VIII. 1012 -1024
( 1024), Papst (1012-1024) und Kirchenreformer. Theophylakt, Graf von Tusculum, war der erste einer Reihe
miteinander verwandter Päpste und der Bruder Johannes' XIX. Vor seiner Wahl bekleidete er kein
priesterliches Amt. Nach Antritt des Pontifikats wurde er von dem Gegenpapst Gregor VI. aus Rom vertrieben.
Erst 1014 konnte Benedikt den Heiligen Stuhl mit Unterstützung König Heinrichs II. von Sachsen zurückerobern,
den er noch im selben Jahr zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches krönte. Politisch bekämpfte er die
Sarazenen- und die byzantinische Herrschaft auf Sardinien und in Unteritalien. 1022 verurteilte der Papst auf
der Synode von Pavia die Priesterehe und das Zusammenleben unverheirateter Paare.
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 Gregor (VI.)Gegenpapst Mai-Dezember 1012
Nach dem Tod Sergius' IV. (12.5.1012) geriet die Papstwahl zur Machtprobe zwischen den Adelsfamilien der
Crescentier und der Tuskulaner. Letztere siegten, und ihr Kandidat Benedikt VIII. vermochte sich auf dem
Papstthron zu behaupten, während der Favorit der Gegenseite, ein Mann namens Gregor, über dessen frühere
Existenz weiter nichts bekannt ist, im Sommer 1012 aus Rom weichen mußte. Trotz der traditionellen
Feindschaft der Crescentier zum deutschen Königshaus versuchte Gregor (VI.) ebendort sein Glück. Zu
Weihnachten 1012 erschien er in vollem Ornat in der Pfalz von Pöhlde vor Heinrich II. (König 1002-1024) und
bat ihn um Anerkennung seiner päpstlichen Würde. Der König antwortete ausweichend und verschwieg dabei,
daß er sich längst in Verhandlung mit dem Rivalen in Rom befand. Als er diesem wenige Wochen später die
Bestätigung gab, war der Fall für Gregor klaL Von diesem Zeitpunkt an verlieren sich seine Spuren im Dunkel
der Geschichte.
 Johannes XIX. 1024-1032
 Ende 1032. - J. stammte aus der Familie der Grafen von Tusculum und war ein Bruder des Papstes Benedikt
VIII. Dieser hatte ihm die Ordnung der weltlichen Angelegenheiten im Kirchenstaat übertragen. Der Titel
"consul et dux et senator omnium Romanorum" brachte dies deutlich zum Ausdruck. Im April 1024 wurde J.,
bis dahin Romanus Graf von Tusculum, zum Papst erhoben. Er war Laie und mußte erst die Weihen erhalten,
so daß es von J. hieß, er sei an ein und demselben Tage Laie und Papst gewesen. Trotz der Abhängigkeit von
Konrad II., den J. Ostern 1027 zum Kaiser gekrönt hatte, weisen kirchenpolitische Entscheidungen J.' in eine die
spätere Machtstellung des Papsttums andeutende Richtung. Mehrfach bestätigte J. Besitz und Privilegien
Clunys. In einer Ende März 1027 ausgestellten Urkunde wird die Exemtion Clunys hervorgehoben. Ausdrücklich
verbietet J., daß Cluniacenser Mönche von Bischöfen exkommuniziert werden können. Bei Streitigkeiten
zwischen Bischöfen und Mönchen entscheidet der Papst. Gleichfalls Ende März 1027 richtet J. ein Schreiben an
Gauzlin, den Bischof von Mƒcon. Gauzlin solle das Kloster Cluny wie auch dessen Mönche und die diesem
gewährten päpstlichen Privilegien unangetastet lassen. In einem weiteren Schreiben bittet J. den Erzbischof
Burchard von Lyon, Cluny vor Gauzlin in Schutz zu nehmen. J. wandte sich im März des genannten Jahres auch
direkt an Robert (II.) den Frommen, König von Frankreich. In seiner Botschaft an den König klagte J. über
"einige" französische Bischöfe, die durch Simonie zum Amt gelangt seien. Diese schwelgten nicht nur im Luxus,
sondern mißachteten auch die Exemtion. König Robert solle den direkt dem Papst unterstehenden
Institutionen, insbesondere dem Kloster Cluny, seinen Beistand zuteil werden lassen. Die Cluny gewährte
Zuwendung hinderte J. nicht daran, Odilo, den Abt von Cluny, dafür zu tadeln, daß er die Wahl zum Erzbischof
von Lyon nicht habe annehmen wollen (Jaffé: um 1031; Zimmermann: 1032). Am 17.12. 1026 bestätigte J.
Petrus, dem Bischof von Silva Candida, Besitz und Privilegien des Bistums. Bei der Kaiserkrönung wird dem
jeweiligen Bischof von Silva Candida das Vorrecht zuteil, zuerst zur Salbung und Konsekration des Kaisers
gerufen zu werden. Durch den Bischof von Silva Candida solle der Kaiser zuerst den Segen empfangen. Auch
solle der Bischof den Papst bei Krankheit oder anderen Hinderungen im Gottesdienst sowohl in der PetersKirche und den Klöstern als auch in der gesamten Leostadt vertreten. Im Dezember 1028 gab J. Bischof
Hildeward die Erlaubnis, den Bischofssitz von Zeitz nach Naumburg zu verlegen. Im Hinblick auf die
Wiederaufrichtung päpstlicher Autorität in Süditalien ist eine in den Juni 1025 datierte Urkunde von Belang, in
der J. die neue Kirchenprovinz Bari bestätigte. Allerdings sind Zweifel an der vollständigen Echtheit dieses
Dokumentes geäußert worden. Die Abhängigkeit J.' von Konrad II. kam vor allem im Streit zwischen den
Patriarchen Poppo von Aquileja und Urso von Grado zum Ausdruck. Nach mehrfachem Hin und Her beugte sich
J. und schlug auf einer Synode am 6. April 1027 Grado wieder dem Patriarchat Aquileja zu. Wenige Monate
später, im September 1027, bestätigte J. die Rechte des Patriarchats von Aquileja. Aquileja solle Haupt und
Metropole über alle Kirchen Italiens sein. Die Kirche von Aquileja solle in allen Glaubensfragen eine besondere
Position haben und an zweiter Stelle nach Rom kommen. Grado solle Aquileja unterstehen. Fälschlicherweise
habe Grado sich Patriarchat genannt. Weiterhin verlieh J. den Patriarchen von Aquileja das Pallium. Im Falle
des Abtes Bern von Reichenau mußte J. ebenfalls eine Niederlage hinnehmen. J. hatte diesem in einer Urkunde
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vom 28.10. 1031 Privilegien bestätigt, u. a. die freie Abtwahl. Diese Privilegierung traf auf den Widerstand des
Bischofs Warmann von Konstanz, der sich an Konrad II. wandte. Schließlich war Bern gezwungen, das Privileg
auszuliefern, welches am Gründonnerstag 1032 öffentlich verbrannt wurde. Radulfus Glaber berichtet, daß die
Byzantiner im Jahre 1024 unter Basilius II. in Verhandlungen mit J. eingetreten seien, um von diesem die
Anerkennung des Patriarchen von Konstantinopel als eines ökumenischen Patriarchen zu erreichen. Die
Byzantiner hätten sich mit dem Papst darauf einigen wollen, daß die Kirche Konstantinopels in ihrem Bereich,
so wie Rom in der Welt, universal heißen und dementsprechend anerkannt werden solle. Bestechung sei im
Spiel gewesen und nur heftiger Protest habe eine Zustimmung verhindert. An der Glaubwürdigkeit dieses
Berichts ist verschiedentlich gezweifelt worden. Für Nicol klang der die Absichten der Byzantiner darlegende
Passus Glabers überzeugend. - Die Dauer des Pontifikats wird unterschiedlich angegeben (Fabricius: 28.2. 1024
- 8.11. 1032; Jaffé: Juni/Juli 1024 - Jan. 1033; Böhmer: zwischen 12.4. und 10.5. 1024 - 6.11. 1032; Amann:
Mai/Juni 1024 - Jan. 1033; Schwaiger: Juni "?" 1024 - Aug. "?" 1032; Dumas: Juni/Juli 1024 - Ende 1032/Anfang
1033; Ullmann: IV. - V. 1024 - 1032; Zimmermann: April 1024 - 20.10. 1032). Erwähnenswert ist, daß Guido von
Arezzo, der Erfinder der Notenschrift auf Linien im Terzabstand, auf Einladung von J. bei diesem 1026 in Rom
weilte. Die J. zugeschriebene Urkunde, in welcher er im März 1031 Jordan, dem Bischof von Limoges, mitteilt,
daß St. Martial "Apostel" genannt werden könne, ist eine Fälschung.
 Benedikt IX. 1032-1045
(um 1012 bis 1048), Papst (1032-1044, 1045, 1047-1048), der zweimal zum Papst ernannt wurde und seine
Würde schließlich an seinen Patenonkel verkaufte. Der letzte Papst aus dem Geschlecht der Tusculum wurde
als Theophylactus geboren. Er war der Neffe seiner beiden direkten Vorgänger, Benedikt VIII. und Johannes
XIX., deren Pontifikat von 1024 bis 1032 währte.1032 bestieg Benedikt IX., dessen anstößiger Lebenswandel
große Empörung auslöste, den päpstlichen Thron, wurde jedoch 1044 von einer römischen Partei wegen
Amtsunfähigkeit vertrieben. 1045 setzte er sich eigenhändig wieder ein, überließ den Stuhl aber wenig später
gegen einen hohen Geldbetrag seinem Patenonkel, dem Reformer und Erzbischof Johannes Gratian. Dieser
hatte gehofft, das Papsttum von Benedikts unschicklicher Führung zu befreien. Als Gregor VI. regierte er von
1045 bis 1046. 1047 bestieg Benedikt den Heiligen Stuhl für ein weiteres letztes Jahr, ehe ihn seine Gegner
1048 endgültig davonjagten. Benedikt verstarb am 17. Juni 1048.
 Silvester III. 1045
 (vor Oktober) 1063 Papst (oder Gegenpapst) 13. oder 20.1.1045-März 1046Nach der Vertreibung Benedikts
IX. aus Rom im September 1044 wurde der Bischof Johannes von Sabina als Silvester III. zum Papst gewählt.
Treibende Kraft dabei war die CrescentierFamilie, die auf diese Weise die Macht in Rom wiederzuerlan gen
hoffte, die sie 1012 an die Tuskulaner verloren hatte. Silvester selbst soll sein Amt nur widerwillig angetreten
haben. Gleichwohl hielt er nach seiner Vertreibung am 10.3.1045 durch die Anhänger Benedikts noch bis März
1046 am päpstlichen Anspruch fest. Auf der Synode von Sutri (20.12.1046) wurde Silvester als "Eindringling"
für abgesetzt erklärt und zu Klosterhaft verurteilt. Die Strafe dürfte aber ausgesetzt worden sein, denn
Silvester verwaltete weiter sein Bistum mindestens bis 1062 und starb vermutlich vor dem Oktober 1063; zu
diesem Zeitpunkt ist von einem Nachfolger die Rede.
 Gregor VI. 1045-1046
 November 1047. - Graf Alberich von Tusculum erhob 1033 nach dem Tod Johannes' XIX. (s. d.) seinen noch
sehr jungen Sohn Theophylakt durch Simonie als Benedikt IX. (s. d.) auf den Stuhl Petri. Wegen seines
lasterhaften Lebenswandels vertrieben ihn aber die Römer im September 1044 und wählten im Januar 1045
den Bischof Johann von Sabina, der seine Wahl auch erkauft hatte, als Silvester III. (s. d.) zum Papst. Er wurde
aber bereits im März von Benedikt IX. aus Rom vertrieben und kehrte als Bischof in die Sabina zurück. Da
Benedikt IX. seine Lage trotzdem als unhaltbar erkannte, entsagte er urkundlich am 1.5. 1045 der päpstlichen
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Würde und verkaufte sie für die Summe von 1000 oder sogar 2000 Pfund Silber an seinen "patrinus" (Taufpate
oder Beichtvater) Johannes Gratianus, den Erzpriester an S. Giovanni a Porta Latina, der sich als Papst Gregor
VI. nannte. Er ließ die Römer schwören, niemals einen anderen zum Papst zu wählen, solange er lebe. G. fand
Anerkennung in Italien, Frankreich und Deutschland. Im Herbst 1046 trat Heinrich III. seinen ersten Zug nach
Rom an und berief im November 1046 G. an seinen Hof in Piacenza. Nach dieser Zusammenkunft beschloß der
König aus uns unbekannten Gründen die Absetzung G.s. Unter seinem Vorsitz tagte am 20.12. 1046 die Synode
zu Sutri. Aktenstücke sind nicht vorhanden, die Nachrichten darüber dürftig und nicht übereinstimmend.
Heinrich III. lud G., Benedikt IX. und Silvester III. vor die Synode. G. wurde nicht abgesetzt, da nach allgemein
anerkanntem Rechtssatz der römische Bischof von niemandem gerichtet werden kann. Die Synode überließ
ihm selbst, das Urteil über sich zu sprechen. So erfolgte seine Absetzung in Form einer Selbstverurteilung. Der
König verwies ihn mit Hildebrand, dem späteren Gregor VII. (s. d.), als seinem Begleiter in die Verbannung nach
Deutschland, "ad ripas Rheni", wahrscheinlich nach Köln. Die Synode verurteilte Silvester III. zum Verlust der
bischöflichen und priesterlichen Würde und zur Einschließung in ein Kloster. Benedikt IX. war nicht erschienen.
Auf der am 23. und 24.12. 1046 in Rom stattfindenden Synode wurde er abgesetzt. Heinrich III. nominierte den
Bischof Suidger von Bamberg zum Papst, und Klerus und Volk stimmten zu. Am darauffolgenden Tag wurde er
als Clemens II. (s. d.) inthronisiert und krönte Heinrich III. zum Kaiser.
 Clemens II. 1046-1047
 Kloster S.Tommaso (am Aposella bei Pesaro) 9.10.1047 Papst seit 25.12.1046Suidger von Bamberg, der sich
nach seiner Wahl Klemens II. nannte, war der erste von vier deutschen Päpsten, die Heinrich III. (König 10391056) einsetzte. Er stammte aus einem edelfreien sächsischen Geschlecht und war 1040 zum Bischof von
Bamberg geweiht worden. Dies Amt (er nannte Bamberg "seine geliebte Gattin") behielt er auch während
seines Pontifikats bei. Heinrich nominierte ihn nach Beendigung des päpstlichen Schismas durch die Synode
von Sutri (20.12.1046). Am 25.12.1046 inthronisiert, krönte er noch am selben Tag Heinrich zum Kaiser. In
Reformkreisen wurde die Art, wie der deutsche Monarch dem römischen Stadtadel die Papstwahl aus der
Hand nahm, durchaus begrüßt, Kritik gab es eher daran, daß Klemens' Programm zur Bekämpfung der Simonie,
das er auf einer Synode am 5.1.1047 verkündete, nur schleppend umgesetzt wurde. Klemens starb auf einer
Reise in die Marken, sein Leichnam wurde nach Bamberg überführt und dort beigesetzt. Gerüchte wollten
wissen, daß er von seinem Vorgänger Benedikt IX. vergiftet worden sei. Der Verdacht wurde durch spätere
Untersuchungen erhärtet: Nachdem am 22.10.1731 das Grab im Bamberger Dom schon einmal geöffnet
worden war (wobei man feststellte, daß der Verstorbene über 1,80 Meter maß und blondes Haar hatte),
wurden bei einer weiteren Offnung im Juni 1942 toxikologische Untersuchungen vorgenommen, aus denen als
mögliche Todesursache des Papstes Bleivergiftung hervorging.
 Damasus II. 1048
 Palestrina (bei Rom) 9.8.1048 Papst seit 17.7.1048Er war nur 23 Tage lang Papst, dann raffte ihn die Malaria
dahin: Damasus II., ursprünglich Poppo, stammte wahrscheinlich aus bayerischem Adel und wurde 1039 zum
Bischof von Brixen geweiht. Er gehörte beim Romzug Heinrichs III. zum Gefolge und nahm teil an der Synode
von Sutri (20.12.1046), die das päpstliche Schisma beseitigte und die Ära der Deutschen auf dem Stuhl Petri
einleitete. Nach dem Tod Klemens' II. (9.10.1047) bestimmte Heinrich III. ihn zu Weihnachten desselben Jahres
in seiner Residenz Pöhlde (bei Herzberg, Südharz) zum Nachfolger. Damasus konnte jedoch sein Amt nicht
gleich antreten, da der abgesetzte Benedikt IX. sich in Rom wieder etabliert hatte. Erst das Eingreifen des
Markgrafen Bonifaz von Tuszien im Juli 1048 machte ihm den Weg frei. Damasus scheint sein Tiroler Bistum
beibehalten zu haben. Über Amtshandlungen während seines kurzen Pontifikats ist nichts bekannt.
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 Leo IX. 1049-1054
heiliger, vorher Bruno Graf von Egisheim und Dagsburg ,(1002-1054), im Elsass geborener Papst (1049-1054).
Leo IX. war der bedeutendste deutsche Papst im Mittelalter. Während seines Pontifikats fand der lange
Dogmenstreit zwischen West- und Ostkirche im ehemaligen Römischen Reich 1054 durch die
Exkommunikation des Patriarchen von Konstantinopel und aller seiner Kirchenmitglieder seinen Höhepunkt:
Dieser Schritt vollendete die Spaltung zwischen Rom und der orthodoxen Kirche. Leo IX. war mit Kaiser Konrad
II. verwandt und wurde durch den Einfluss von Konrads Sohn Heinrich III. zum Papst gewählt. Er führte die
offizielle Kirchenpolitik weiter, indem er für das Zölibat - und damit gegen die Priesterehe - eintrat und den
Kauf kirchlicher Ämter (Simonie) bekämpfte. Unter ihm begann die etwa 80jährige Epoche des
Reformpapsttums. Sein Kampf gegen die Normannen in Süditalien endete 1053 mit einer Niederlage. Während
seiner Amtszeit reiste Leo IX. viel, wodurch er den unmittelbaren Einfluss des Papsttums auf von Rom ferne
Gemeinden verstärkte. Auch leitete er die gregorianische Reform der Kirche ein. Sein Festtag ist der 19. April.
 Victor II. 1055-1057
 Arezzo28.7.1057 Papst seit 13.4.1055Er stammte aus einem schwäbischen Adelsgeschlecht und war mit
dem salischen Herrscherhaus weitläufig verwandt: Viktor II. (ursprünglich Gebhard) bekleidete seit 1042 das
Bischofsamt in Eichstätt, das er auch nicht aufgab, als er von Heinrich III. (Kaiser 1039-1056) auf den
Papstthron genötigt wurde. Er wollte das Amt nicht, sperrte sich monatelang und nahm erst an, als der Kirche
die Rückgabe verschiedener Güter (vermutlich in Mittel- und Süditalien) zugesagt wurde. Daraus und aus dem
vorhergehenden Zögern des Kaisers, der lange nach einem Kandidaten suchte, erklärt sich die lange
Sedisvakanz nach dem Tod Leos IX. am 19.4.1054. Während seines gesamten Pontifikats widmete sich Viktor
den kirchlichen Reformen: Auf einer Synode in Florenz am 4.6.1055 verfluchte er Simonie, Priesterehe und
Entfremdungen des Kirchenguts; ähnlich lauteten die Instruktionen seiner Legaten für die Synoden von Lyon
und Toubuse im folgenden Jahr. Während er als Berater Heinrichs noch die aggressive Normannenpolitik
seines Vorgängers abgelehnt hatte, sah er sich als Papst genötigt, genau diese fortzusetzen und, wie Leo es
ohne Erfolg getan hatte, den Kaiser um Hilfe anzugehen. Im September 1056 traf er in Deutschland ein, doch
starb Heinrich am 5.10. desselben Jahres, und über den Maßnahmen, die nun zu treffen waren, geriet die
Militärhilfe für Süditalien vorerst ins Hintertreffen. Wie es Heinrich auf dem Sterbebett verlangt hatte, sicherte
Viktor die Nachfolge für den fünfjährigen Heinrich IV. (König 1056-1106) sowie die Regentschaft für dessen
Mutter Agnes und veranlaßte die Fürsten zum Treueid. Geschickt und umsichtig brachte er eine Versöhnung
zwischen dem Kaiserhaus und seinen beiden Hauptgegnern, Gottfried II. dem Bärtigen von Lothringen und
Balduin V. von Flandern, zustande. Mitte Februar 1057 kehrte Viktor nach Italien zurück. Am 18.4. hielt er eine
Synode im Lateran ab, auf der er Friedrich (später Stephan IX.), den Bruder Gottfrieds, zum Abt von Monte
Cassino machte. Zu dieser Zeit war seine Gesundheit bereits angegriffen; nach einer weiteren Synode in Arezzo
(23.7.1057) erlag er dem Fieber. Seine deutschen Begleiter wollten ihn in seiner Heimat bestatten, aber die
Bürger von Ravenna brachten den Leichnam in ihren Besitz. Viktor wurde schließlich in S.Maria Rotonda
beigesetzt, dem Mausoleum Theoderichs des Großen außerhalb der Stadtmauern.
 Stephan IX. 1057-1058
 Florenz 29.3.1058Papst seit 3.8.1057Friedrich, Sohn Herzog Gozelos von Lothringen, Bruder des alten
Kaisergegners Gottfried II. und Archidiakon der Domkirche von Lüttich, verdankte seinen Aufstieg Leo IX. 1051
wurde er Bibliothekar und Kanzler der römischen Kirche. Nach Victors Tod krönte man Friedrich schon wenige
Tage danach zum Papst und er nahm den Namen Stephan IX. an. Eine Bestätigung wollte man aus Deutschland
nicht abwarten, vermutlich wollte man einer anderen Wahl durch die röische Aristokartie zuvorkommen und
den Schutz Gottfrieds zu sichern, der als Markgraf von Tuszien ein bedeutender Machtfaktor in Italien war.
Kaiserin Agnes erteilte nachträglich ihre Zustimmung. Das kurze Pontifikat stand im Zeichen der Reformen,
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wandte sich gegen die Priesterehe und nahm Anteil an der radikalreformerischen Bewegung der Pataria in
Mailand.
 Benedikt X. 1058-1059
Römer,  in Klosterhaft unter Gregor VII. Er war Bischof von Velletri; seine Wahl durch die Römer verlief
unkorrekt. Die Reformpartei wählte mit kaiserlicher Hilfe Ende 1058 Nikolaus II. und setzte B. am 24.1.1059 als
unrechtmäßigen Papst ab.
 Nicolaus II. 1058-1061
wahrscheinlich burgundischer Herkunft, möglicherweise aus einer illegitimen Verbindung,  20.7. 1061 in
Florenz. - Der seit 1045 als Bischof von Florenz nachweisbare und als Anhänger der Kirchenreform bekannte
Gerhard wurde nach dem Tode Stephans IX. (+ 29.3. 1058) und der am 5.4. 1058 von den in der Tradition des
Tuskulaner Papsttums stehenden Gruppen des römischen Adels vollzogenen Erhebung Benedikts X.
(Kardinalbischof Johannes von Velletri) von den Vertretern der Kirchenreform unter Führung Hildebrands, des
späteren Gregor VII., und mit Zustimmung der Reichsregierung, nachdem schon im Mai in Florenz eine
Vorentscheidung gefallen war, vielleicht am Nikolaustag (6.12.) 1058 in Siena zum Papst gewählt und nach der
Flucht Benedikts X. am 24.1. 1059 in Rom inthronisiert. Rückhalt fand er dabei nicht nur am deutschen
Königshof, sondern auch an dem tuszischen Markgrafen Gottfried dem Bärtigen von Lothringen. Sein
Pontifikat, der unter dem im einzelnen nur schwer bestimmbaren Einfluß der herausragenden Reformer
Humbert von Silva Candida und Hildebrand stand, gehört zu den kurzen, aber äußerst bedeutsamen
Amtszeiten der Papstgeschichte. - Auf der ohne deutsche Beteiligung zu Ostern 1059 stattfindenden
Lateransynode, die in den Jahren 1060 und 1061 zum Teil wiederholte Bestimmungen gegen Priesterehe,
Simonie und Auswüchse des laikalen Eigenkirchenwesens, aber noch nicht gegen das Investiturrecht des
deutschen Königs erließ und die Verurteilung der Eucharistielehre Berengars von Tours erneuerte, wurde das
Papstwahldekret verkündet, das die von den geltenden Normen abweichende Erhebung N. nachträglich
sanktionierte und den Verlauf zukünftiger Wahlen nach dem Vorbild dieses Präzedenzfalles regelte und auf
diese Weise die Ausbildung des Kardinalkollegs als Wahlgremium in die Wege leitete, ohne dabei jedoch das
Recht Heinrichs IV. schmälern zu wollen; vielmehr sollte der `honor' des deutschen Königs grundsätzlich
gewahrt bleiben - allerdings in der Form, daß jeder seiner Nachfolger dieses Recht persönlich erneuern mußte.
Das zweite epochale Ereignis der Regierungszeit N. bildet die Abkehr von der bisherigen Süditalienpolitik des
apostolischen Stuhles und die Annäherung an die Normannenführer Robert Guiscard und Richard von Aversa,
mit denen im August 1059 in Melfi ein Friede geschlossen wurde und die dabei ihre Eroberungen als
päpstliches Lehen behielten und somit als Vasallen den militärischen Schutz des Reformpapsttums
übernahmen. Durch diesen Kurswechsel konnte zwar die Unterwerfung Benedikts X. erzwungen werden, aber
er belastete zusammen mit anderen, den deutschen Episkopat betreffenden Maßnahmen doch auch
gleichzeitig das Verhältnis zur Reichsregierung und erzeugte schließlich Spannungen, die bei dem folgenden
Papstwechsel zum Bruch führten. Insgesamt aber konnte während N. Pontifikat die päpstliche Autorität und
der Reformgeist weiter gestärkt werden, wozu auch die Kontaktaufnahme mit der sozial wie religiös
motivierten radikalen Volksbewegung in Mailand, mit der Pataria, und die Entsendung des Eremitenkardinals
Petrus Damiani und des Bischofs Anselm von Lucca (des späteren Alexander II.) in die lombardische Metropole
beitrugen, nahm doch damit die endgültige Unterordnung der selbstbewußten und auf ihre Eigenständigkeit
bedachten Kirche des hl. Ambrosius unter Rom ihren Anfang.
 Alexander II. 1061-1072
früher Anselm, gestorben in Rom am 321.4.1073, Entgegen dem Papstwahldekret wurde er ohne dt.
Mitsprache zum Papst erhoben. Der kaiserl. Gegenpapst Honorius II. fand jedoch selbst beim Reichsepiskopat
keine Unterstützung. A. führte im Bündnis mit den Normannen und der von ihm mitbegründeten Pataria die
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Kirchenreform im Kampf gegen Simonie, Laieninvestitur und Priesterehe fort. Er wurde darin stark beeinflusst
von Hildebrand, dem späteren Papst Gregor VII.
 Honorius (II.) Gegenpa 28.10.1061 - 31.5.1064 pst
Nach dem Tod Nikolaus II. stellte eine Versammlung in Basel gegen den vier Wochen zuvor von den Kardinälen
in Rom gewählten Alexander II. den Bischof Cadalus von Parma auf, der sich als Papst Honorius II. nannte. Er
stammte aus einer vornehmen Veroneser Familie und hatte seine Laufbahn 1041 in Verona in der
Finanzverwaltung des dortigen Bistums begonnen. Honorius war Gegner der Reformbewegung, vor allem ihres
radikalen Zweigs, der Pataria. Er erkannte Ende 1062 Alexander als rechtmäßigen Papst an. Sein Gegner gab
jedoch nicht auf: Im Mai 1063 marschierte er auf Rom, bemächtigte sich der Engelsburg und hielt sich darin
mehrere Monate. Um das Schisma endgültig aus der Welt zu schaffen, berief Anno zum Mai 1064 eine Synode
in Mantua ein. Hononus erschien nicht, da man ihm nicht erlaubte, der Versammlung zu präsidieren. Alexander
jedoch kam und reinigte sich mit einem Eid von allen Vorwürfen. Darauf wurde er als Papst bestätigt. Hononus,
von der Versammlung mit dem Bann belegt, blieb dennoch Bischof von Parma und ließ auch bis zu seinem
Lebensende nicht von seinem päpstlichen Anspruch ab.
 Gregor VII. 1073-1085
heiliger (um 1020 bis 1085), früher Hildebrand, Benediktiner und Papst (1073-1085), einer der großen
Reformer der mittelalterlichen Kirche (gregorianische Reform). Er sicherte die Oberhoheit der Kurie über
weltliche Machthaber und führte die erste Auseinandersetzung mit dem Heiligen Römischen Reich.Gregor
stammte aus einer einfachen Familie in der Toskana, die ihn zur Ausbildung nach Rom schickte. Hier erhielt er
die priesterlichen Weihen und erregte schon bald die Aufmerksamkeit von Papst Gregor VI., der ihn zum
Kaplan ernannte. Er galt rasch als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten Roms und genoss das Vertrauen
aller Päpste, die den Heiligen Stuhl nach dem Tod seines Gönners bestiegen. 1073 wurde er schließlich selbst
zum Pontifex maximus berufen.Bereits vor seinem Amtsantritt begann Gregor mit Reformen, die ihn
zwangsläufig in Konflikt zu den weltlichen Herrschern brachten. Diese nämlich beanspruchten das Vorrecht, die
höheren kirchlichen Ämter in ihren Ländereien selbst zu vergeben und bevorzugten dabei in der Regel Äbte
und Bischöfe, die ihnen bei ihrer Machtausübung nicht im Wege standen.Pontifikat Am 22. April 1073 wurde
Gregor formlos zum Papst gewählt. Bereits unter seinem Vorgänger war es zu Spannungen mit dem Kaiser des
Heiligen Römischen Reiches Heinrich IV. gekommen. In einer 1075 einberufenen Synode drang Gregor nun
noch entschieden auf die Ahndung von Simonie (Ämterkauf) und auf strikte Einhaltung des Zölibats. Darüber
hinaus untersagte die Synode den weltlichen Fürsten die Investitur von Laien, ein Privileg, mit dem diese
bislang ihre Autorität in geistlichen Fragen gefestigt hatten. Als Konsequenz erklärte Heinrich Gregor für
abgesetzt; woraufhin dieser den Kaiser exkommunizierte. Die Kontroverse um die Verleihung kirchlicher Ämter
wird gemeinhin als Investiturstreit bezeichnet.Durch seinen Bußgang nach Canossa erreichte Heinrich IV. 1077
die Auflösung des päpstlichen Bannes. Später eskalierte der Streit erneut. Schließlich fielen kaiserliche Truppen
in Rom ein. Nach Plünderungen wurde Gregor vertrieben. Der Papst starb wenig später, am 25. Mai 1085, in
Salerno. Sein Einsatz für die Trennung von weltlicher und kirchlicher Macht markiert eine entscheidende
Wende in der Entwicklung des Papsttums. 1606 wurde Gregor heilig gesprochen. Sein Namensfest wird am 25.
Mai begangen.
 Gegenpapst 1084 Klemens (III.)
* Parma zwischen 1020 und 1030, Civita Castellana(Latium) 8.9.1100 Gegenpapst seit März 1084Der mit
den Markgrafen von Canossa verwandte Adlige Wibert kam 1054 an den deutschen Königshof und diente
1058-1063 während der Regentschaft der Kaiserin Agnes als Kanzler für Italien. In dieser Eigenschaft nahm er
teil an der Synode von Sutri (1059), bei der Nikolaus II. den Gegenpapst Benedikt X. exkommunizierte, wie auch
an der Versammlung in Basel (1061), die gegen den in Rom gewählten Alexander II. den Bischof Cadalus von
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Parma zum Papst (Hononus II.) erhob. 1072 erhielt er durch Agnes' Fürsprache das Erzbistum Ravenna. Im
Investiturstreit, der sich an der Besetzung des Mailänder Erzstuhls durch einen Vertrauten Heinrichs IV. (König
1056-1106) entzündete, trat Wibert wie die anderen lombardischen Bischöfe an die Seite des Königs. Nach
dem endgültigen Bruch zwischen Heinrich und Papst Gregor VII. wurde er auf einer Synode in Brixen im Juni
1080 zum Gegenpapst nominiert. Vier Jahre später folgte bei Heinrichs Einzug in Rom (März 1084) die Weihe
zum Papst unter dem Namen Klemens III. Seine erste Amtshandlung war die Kaiserkrönung Heinrichs zu Ostern
1084. Es wäre verkehrt, Klemens nur als Werkzeug des deutschen Monarchen zu sehen. Als integrer Charakter,
klug und gebildet, fand er Anhänger in Rom (13 Kardinäle gingen zu ihm über) und verfolgte eine durchaus
eigenständige Politik. Davon zeugen seine Bestrebungen, seine Obödienz auch außerhalb des kaiserlichen
Einflußgebiets in Dänemark, England, Portugal, Ungarn, Serbien und Kroatien zur Geltung zu bringen. Er
verhandelte mit dem Metropoliten von Kiew über eine Union mit der russischen Kirche und suchte den 1054
unterbrochenen Dialog mit Byzanz wiederaufzunehmen. Auch den von der Reformpartei nach Gregors Tod
(1085) eingesetzten Päpsten Viktor III. und Urban II. vermochte Klemens zunächst zu trotzen; die von ihm
vermutlich 1091/1092 in Rom abgehaltene Synode geriet zu einer eindrucksvollen Darstellung seiner
päpstlichen Macht. Ende 1093 gelang es Urban allerdings, sich in Rom festzusetzen, aber erst mit der
Eroberung der Engelsburg 1098 war das Regiment des kaisertreuen Papstes wirklich zu Ende.
 Victor III. 1086-1087
(1027-1087), Papst (1086-1087), Abt des Benediktinerklosters von Montecassino. Er wurde mit dem Namen
Daufari als Sohn einer lombardischen Herzogsfamilie in Benevent (Italien) geboren und erhielt als
Benediktinermönch den geistlichen Namen Desiderius. Von 1058 bis 1086 war er Abt in Montecassino und
wurde 1059 zum Kardinal ernannt. Im Investiturstreit unterstützte er Kaiser Heinrich IV. und wurde deshalb
1082 von Papst Gregor VII. exkommuniziert. 1086 wählten die Kardinäle Desiderius zum Papst. Mit Hilfe von
kaiserlichen Truppen zwang ihn jedoch der Gegenpapst Klemens III., sich während seines Pontifikats
ausschließlich in Montecassino aufzuhalten. 1087 entsandte Viktor ein Heer nach Tunis und besiegte die
Sarazenen. Diese Schlacht gilt allgemein als Beginn der Kreuzzüge. Viktor wurde am 23. September 1887 heilig
gesprochen.
 Urban II. 1088-1099
(um 1040 bis 1099), Papst (1088-1099). Sein Aufruf zum ersten Kreuzzug bezeichnete die Übernahme der
Herrschaft über das abendländische Christentum durch den Papst. Urban wurde als Oddo von Lagery in
Frankreich geboren, studierte in Reims und trat dem Benediktinerkloster von Cluny bei, wo er 1073 das Amt
des Priors übernahm. Zwischen 1079 und 1080 wurde er von Papst Gregor VII. zum Kardinalbischof von Ostia
ernannt und diente von 1084 bis 1085 als päpstlicher Legat in Deutschland. Er wurde als Nachfolger Gregors
zum Papst gewählt und wurde somit zum ersten Papst nach der kluniazensischen Reform, die das Mönchtum
erneuern wollte und die Unabhängigkeit der Klöster von der weltlichen Macht anstrebte.Urbans Einzug in Rom
wurde während der ersten sechs Jahre seines Pontifikats durch den Gegenpapst Klemens III. verhindert, der
von Heinrich IV., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, gewählt wurde. In der Zwischenzeit führte Urban
den Widerstand Gregors VII. im Investiturstreit gegen Heinrich IV. weiter. Auch exkommunizierte der Papst
König Philipp I. von Frankreich, da dieser seine Frau verstieß, und unterstützte den heiligen Anselm von
Canterbury gegen König Wilhelm II. von England. Während seiner Amtszeit trieb er die von Gregor VII.
eingeleitete Reformpolitik erneut voran, wenngleich mit größerer Flexibilität und Diplomatie, womit die
Reformierung der päpstlichen Gerichtsverwaltung einsetzte. In den Beziehungen zum byzantinischen
Kaiserreich versuchte Urban II., das Kirchenschisma zwischen den abendländischen und morgenländischen
Christen zu überwinden und drängte den Westen zur Verteidigung des morgenländischen Christentums gegen
die türkischen Seldschuken. 1095 rief er in einer Predigt am Konzil von Clermont (heute Clermont-Ferrand,
Frankreich) zum ersten Kreuzzug auf. Urban wurde 1881 heilig gesprochen.
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Datum: 24.10.2010
 Paschalis II. 1099-1118
(um 1050 bis 1118), Papst (1099-1118), dessen Amtszeit im Zeichen des Investiturstreites stand. Er wurde als
Rainer bei Ravenna geboren, von Gregor VII. zum Kardinal ernannt und 1099 als Nachfolger Urbans II. zum
Papst gewählt.Zu Beginn seines Pontifikats erzielte Paschalis einige Erfolge. So löste er 1107 das
Investiturproblem zwischen König Heinrich I. von England und dem Erzbischof von Canterbury, dem heiligen
Anselm. Er söhnte auch König Philip I. von Frankreich wieder mit der Kirche aus und förderte den erfolgreichen
1. Kreuzzug. Allerdings gelang es ihm nicht, dem immer noch andauernden Investiturstreit mit den Kaisern des
Heiligen Römischen Reiches, Heinrich IV. und dessen Sohn Heinrich V., ein Ende zu bereiten. Als Heinrich V.
1110 seinen Italienfeldzug antrat, bot ihm Paschalis einige Kirchenländereien in Deutschland an - gegen den
Verzicht auf das Investiturrecht, das die weltlichen Herrscher befähigte, Kirchenbeamte zu ernennen. 1111
wurde wegen des Protests der deutschen Kirchenbeamten die Vereinbarung wieder aufgehoben, und Heinrich
nahm beim Verlassen Roms Paschalis gefangen. Nach 61-tägiger Gefangenschaft musste Paschalis dem Kaiser
das Recht zur Ernennung von Bischöfen zugestehen. Diese Maßnahme wurde aber 1112 durch ein Konzil in
Rom für ungültig erklärt. 1116 widersetzte sich Paschalis erneut der königlichen Investitur von
Kirchenbeamten, woraufhin Heinrich einen weiteren Anmarsch auf Rom unternahm (1117) und Paschalis zur
Flucht nach Benevento zwang. Paschalis starb, kurz nachdem er nach Rom zurückgekehrt war.
 Theoderich (Gegenpapst) 1100 - 1101
 Kloster La Cava (bei Salerno) Januar 1102 Gegenpapst September 1100-Januar 1101Das Schisma, das 1084
mit der Einsetzung Klemens' III. (gegen Gregor VII.) begonnen hatte, setzte sich nach Klemens' Tod (8.9.1100)
fort. Dessen Anhänger erhoben Theoderich, den Kardinalbischof von Albano, zum Gegenpapst gegen den einen
Monat zuvor gewählten Paschalis II. Wahl, Weihe und Inthroni,sation Theoderichs geschahen in einer Nachtund-Nebel-Aktion in der Peterskirche. Sein Gegenpontifikat endete, als er im Januar 1101 auf dem Weg zu
Kaiser Heinrich V. von Anhängern Paschalis' gefangengenommen und nach Rom gebracht wurde. Bis zu seinem
Tod
blieb
er
in
Klosterhaft.
Albert Gegenpapst 1101Die Partei des Gegenpapstes Klemens III. (i~ 8.9.1100) ließ auch nach dem
schmählichen Ende des Nachfolgers Theoderich im Januar 1101 nicht locker: In der Kirche SS. Apostoh wählte
sie (gegen den amtierenden Papst Paschalis II.) den Kardinalbischof Albert von Silva Candida. Auf die Nachricht
von der Erhebung eines Gegenpapstes brachen Unruhen in Rom aus, woraufhin Albert sich bei einem
Sympathisanten versteckte, der ihn aber gegen Geld an Paschalis auslieferte. Er wurde zu lebenslanger
Klosterhaft in 5. Lorenzo in Aversa bei Neapel verurteilt. Von da an verliert sich seine Spur.
 Silvester IV. Gegenpapst 18.11.1105-13.4.1111
Während Theoderich und Albert, die ersten beiden Nachfolger des Gegenpapstes Klemens III., rasch
scheiterten, hatte der dritte etwas mehr Erfolg: Maginult Erzpriester von 5. Angeb, der gegen den amtierenden
Paschalis II. zum Papst erhoben wurde, konnte sich auf Teile des römischen Adels und den Markgrafen Werner
von Ancona stützen. Unter dem Schutz von Werners Truppen wurde er am 18.11.1105 in der Lateranbasilika
geweiht und als Silvester IV. inthronisiert. Paschalis seinerseits mobihsierte seine Anhänger, und es kam zu
Kämpfen, in denen der Gegenpapst zwar die Oberhand behielt, aber dennoch die Stadt verlassen mußte, als
das Geld zur Bezahlung seiner Mannschaft ausging. Im Frühjahr 1111 schien ein Comeback zu winken:
HeinrichV. (König 1106-1125) brauchte ein Druckmittel gegen Paschalis, um ihn im Investiturstreit zum
Einlenken zu bringen. Er ließ also Silvester in sein Lager bei Rom bringen und drohte dem inhaftierten Paschalis
damit, daß er den Gegenpapst anerkennen werde. Das wirkte; Paschalis gab seinen Widerstand auf. Silvester
aber wurde prompt fallengelassen. Am Vorabend oder am Tag der Kaiserkrönung Heinrichs (13.4.1111) mußte
er förmlich Verzicht leisten und Paschalis Gehorsam versprechen.
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Datum: 24.10.2010
 Gelasius II. 1118-1119
 18.1. 1119 in Cluny, beigesetzt daselbst. - Johannes von Gaeta wurde als Knabe dem Kloster Montecassino
(Kampanien) auf Lebenszeit übergeben ("oblatus"), damit er in der Klosterschule erzogen und unterrichtet und
als Erwachsener unter seine Mönche aufgenommen werde. Er wurde 1088 Kardinaldiakon und Leiter der
päpstlichen Kanzlei. Am 24.1. 1118 wählte das Kardinalskollegium ihn heimlich als G. II. zum Nachfolger des am
21.1. 1118 verstorbenen Paschalis II. (s. d.). Unmittelbar nach der Wahl überfiel Cencio, ein Sproß des
römischen Adelsgeschlechts der "Frangipani" und Parteigänger Heinrichs V. (s. d.), mit einer bewaffneten Schar
G. und nahm ihn gefangen, mußte ihn aber wieder freilassen, weil die Römer zu den Waffen eilten und seine
Freigabe dringend forderten. Als Heinrich V., ohne dessen Kenntnis die Wahl des neuen Papstes erfolgt war, in
Eilmärschen aus der Lombardei heranrückte, floh G. aus Rom und fand Zuflucht in seiner Vaterstadt Gaeta, wo
er am 10.3. 1118 geweiht wurde. Da G. die Rückkehr nach Rom verweigerte und in der Investiturfrage keine
Verständigung erzielt werden konnte, ließ der Kaiser am 8.3. 1118 den Erzbischof Mauritius von Braga
(Portugal) als Gregor VIII. (s. d.) zum Gegenpapst wählen. G. sprach am 7.4. 1118 in Capua über Heinrich V. und
Gregor VIII. den Bann aus. Als der Kaiser Rom verließ, kehrte G. dorthin zurück. Mit Mühe entkam er einem
erneuten Überfall der "Frangipani" und floh nach Frankreich. G. hielt im Januar 1119 in Vienne eine Synode
und ließ sich dann in Cluny nieder. Bevor das große geplante Konzil zur Beilegung des Investiturstreits
stattfand, starb er.
 Gregor (VIII.) Gegenpapst 8.3.1118-April 1121)
 nach August 1137Nach der Wahl Papst Gelasius' II. (24.1.1118) kam Heinrich V. (Kaiser 1111-1125) nach
Rom, um mit dem neuen Papst eine Einigung im Investiturstreit zu finden. Dieser wich jedoch vor ihm in seine
Heimat Gaeta aus und ließ von dort wissen, er wolle die anstehenden Fragen auf einem Konzil im Herbst
klären. Das war nicht, was Heinrich wünschte. Er ließ Gelasius' Wahl für ungültig erklären und setzte mit
Unterstützung seiner Parteigänger in Rom, der Frangipane-Famihe, den Erzbischof Mauritius von Braga
(Portugal), einen aus Südfrankreich stammenden Kluniazenser mit dem Spitznamen Burdinus (= Esel), als Papst
ein. Als Gregor VIII. bestieg dieser den Stuhl Petri und schloß im Namen der Kirche Frieden mit dem Reich.
Mehr wollte Heinrich nicht von ihm, er marschierte nach Deutschland zurück und überließ den Gegenpapst
seinem Schicksal. Gelasius, der sogleich Heinrich und Gregor in den Bann getan hatte, %.~chickte Briefe in alle
Welt, in denen der Gegenpapst denunziert wurde. Gregor zog sich 1119 in das befestigte Sutri zurück, wo ihn
Gelasius' Nachfolger Kalixt II. im April 1121 belagern ließ.)Die Bürger lieferten ihn schließlich aus. In ein
Bocksfell gehüllt und rücklings auf einem Kamel sitzend, wurde er in einem Spottumzug durch Rom geführt.
Danach verschwand er in Klosterhaft.
 Kalixt II. 1119-1124
 Rom 13.12.1124 Papst seit 2.2.1119Als Sohn Graf Wilhelms von Burgund war Guido, der sich als Papst Kalixt
II. nannte, mit den meisten europäischen Fürstenhäusern verwandt. Seit 1088 hatte er den Erzstuhl von Vienne
(bei Lyon) inne. Er gehörte zur innerkirchlichen Opposition, die sich gegen das Investiturprivileg Paschalis' II. für
Kaiser Heinrich V. wandte. Die Kardinäle, die Gelasius II. auf seiner Flucht nach Frankreich begleitet hatten,
wählten Guido nach Gelasius' Tod in Cluny zum Nachfolger; am 9.2.1119 wurde er in Vienne geweiht, die
übrigen Kardinäle und der Klerus von Rom stimmten brieflich zu. Eine von Kalixts ersten Amtshandlungen war
die Verurteilung der Petrobrusianer, der Anhänger des Wanderpredigers Petrus von Bruis (um 1132/1133 auf
dem Scheiterhaufen verbrannt); dabei wurde erstmals die weltliche Gewalt zur Verfolgung von Ketzern
angerufen. Seit 1120 wieder zurück in Italien, hielt er triumphalen Einzug in Rom und festigte seine Stellung im
Kirchenstaat durch Unterwerfung des Gegenpapstes Gregor VIII. (April 1121). Nach jahrzehntelangen Kämpfen
herrschte eine Weile Ruhe in Rom, die Kalixt nutzte, um den Wiederaufbau des Lateran und anderer
verfallener Gebäude in die Wege zu leiten. Mit Heinrich hatten bereits im September 1119 in Straßburg
Friedensgespräche begonnen, die im Oktober in Mouzon (bei Sedan an der Maas) fortgesetzt worden waren;
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sie mündeten in den vertraglich vereinbarten Kompromiss des Wormser Konkordats (23.8.1122), mit dem der
Investiturstreit ein Ende fand: Der König verzichtete auf die Investitur der Bischöfe, es blieb ihm jedoch in
Deutschland ein gewisses Maß an Einfluss erhalten, indem die Wahl eines Bischofs in Gegenwart des Königs
oder seiner Abgesandten zu vollziehen war. Mit dem Konkordat wandelte sich die Stellung der deutschen
Bischöfe. Ihre Abhängigkeit vom Königtum war gelockert, aus Reichsbeamten waren sie zu Reichsvasallen
geworden, die mit den weltlichen Lehensfürsten nun das gleiche Interesse der Machtstärkung und -sicherung
verband. Die Annahme des Konkordats auf der Lateransynode vorn 18-27.3.1123 leitete eine Neu-Orientierung
der Kirchenpolitik ein. In Abkehr von gregorianischen Traditionen zielte sie auf eine Stärkung der
Diözesanbischöfe gegenüber dem Mönchstum.
 Honorius II. 1124-1130
 Rom (?) 13.2.1130 Papst seit 21.12.1124 Die friedlichen Zustände in Rom während der Herrschaft Kalixts II.
endeten mit dessen Tod (13.12.1124). Über die Nachfolge brach Zwist unter den Kardinälen aus, in den sich die
römischen Adelsfamilien einmischten. Die Mehrheit, unterstützt vom Pierleoni-Clan, entschied sich zunächst
für den Kardinal Saxo von 5. Stefano, dann für den Kardinalpriester Teobaldo, der später unter dem Namen
Cölestin (II.) Papst werden sollte. Da brachen die Frangipane - hinter denen der einflussreiche Kanzler der
römischen Kirche, Haimerich, stand - in die Versammlung und erzwangen mit Waffengewalt die Einsetzung
ihres Kandidaten, des Kardinalbischofs Lambert von Ostia, der dann als Honorius II. den päpstlichen Thron
bestieg. Cölestin verzichtete, der Stadtpräfekt und die Pierleoni wurden mit Bestechungszahlungen
ruhiggestellt. Aus einfacher Familie stammend, hatte der neue Papst unter Paschalis II. und Gelasius II. seinen
Weg nach oben gemacht und war als Mitarbeiter von Kalixt an den Verhandlungen des Wormser Konkordats
beteiligt gewesen. Seine Politik, inspiriert von Raimerich, bewegte sich ganz in den Bahnen, die auf der
Lateransynode von 1123 gewiesen worden waren: innere Erneuerung der Kirche, Vorantreiben der Reform.
Dem diente eine Reihe von Personalentscheidungen, bei denen Kardinal- und Gesandtenämter jeweils an
Vertreter der jüngeren Reformkreise gingen. Honorius bestätigte 1126 den Prämonstratenserorden und 1128
den Orden der Tempelritter. Im deutschen Thronstreit nach dem Tod Heinrichs V. (1125) stellte er sich an die
Seite Lothars III. von Supplinburg (Kaiser 1133-1137) und exkommunizierte den staufischen Gegenkönig Konrad
III. In Frankreich gelang es ihm, den Streit zwischen Ludwig VI. (König 1108-1137) und der Kirche zu schlichten.
Weniger Erfolg hatte Honorius bei seinem Bemühen, die Bildung eines normannischen Königreichs in
Süditalien zu verhindern. Nach einer militärischen Niederlage musste er 1128 Roger II. von Sizilien (König 11301154)
mit
dem
Herzogtum
Apulien
belehnen.
Cölestin (II.)t vor 1127 Papst 15/16.12.1124 Die offizielle Papstliste zählt ihn nicht, statt dessen wird er als
Gegenpapst geführt; dabei war seine Wahl kanonisch, es fehlten nur Weihe und Inthronisation, die durch
einen brutalen Überfall verhindert wurden: Teobaldo Boccapecci, aus römischer Familie und Kardinalpriester
von 5. Anastasia, ein schon älterer Geistlicher, wurde am 15.12.1124 unter dem Namen Cölestin II. einstimmig
zum Nachfolger für den verstorbenen Kalixt II. gewählt. Er trug bereits den roten Mantel, und das Tedeum
wurde gerade angestimmt, als Roberto, das Oberhaupt der mächtigen Frangipane-Famihe, mit Bewaffneten in
die Versammlung einbrach und die Einsetzung des Kardinalbischofs von Ostia, Lambert (Hononus II.), erzwang.
Cölestin, der im Handgemenge verletzt worden war, verzichtete auf seinen Titel, wobei es unbekannt ist, ob
dies auf Druck oder auf Überredung hin geschah. Er scheint dann bald gestorben zu sein.
 Innozenz II. 1130-1143
*Rom,  ebd. 24.9.1143 Papst seit 14.2.1130 Bei der Einsetzung Honorius' II. hatte die mit ihm verbündete
Adelspartei der Frangipane mit Gewalt nachgeholfen. Als es um die Frage der Nachfolge ging, verfiel der
Kanzler Haimerich, der auch schon beim ersten Staatsstreich die Fäden gezogen hatte, auf einen makabren
Trick, um die konkurrierende Familie Pierleoni auszustechen. Es galt die Vorschrift, dass beim Tod eines
Papstes mit der Neuwahl gewartet worden müsse, bis der Verstorbene auch begraben sei. Haimerich war
interessiert daran, seinen Kandidaten, den Kardinaldiakon Gregorio Papareschi, durchzubringen, und beschloss
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die Zeitspanne abzukürzen, ohne dem Gesetz untreu zu werden. Er und die ihm ergebenen Kardinäle schafften
den todkranken Honorius ins Kloster S.Gregorio auf dem Monte Celio, ein Gebäude mit dicken Mauern. Dort
starb der Papst. Sofort wurde ihr Kandidat zum Papst gewählt, während ihre Gegner ihren eigenen Papst
aufstellten. Das Schisma dauerte acht Jahre. Innozenz zog sich nach Frankreich zurück. Dort fand er Rückhalt
und Förderung u. a. durch den angesehenen Kirchenlehrer Bernhard von Clairvaux (1090-1153); die Könige von
Frankreich und England erklärten sich für ihn, ebenso das deutsche Episkopat. 1133 war seine Stellung soweit
gefestigt, daß er den deutschen König Lothar III. (1125-37) nach Rom begleiten und ihn zum Kaiser krönen
konnte - im Lateran, denn die Peterskirche war nicht zugänglich; dort saß noch immer Anaklet, der keine
Miene machte, vom Platz zu weichen. Innozenz nahm deshalb in Pisa Quartier, und erst der Tod des Rivalen im
Januar 1138 und die Unterwerfung des Nachfolger Gegenpapstes Viktor IV. im Mai desselben Jahres erlaubten
ihm, sich ganz zum Herrn Roms zu machen. Auf dem 2. Laterankonzil im April 1139 wurde das Schisma
endgültig beendet. Im Juli darauf versuchte sich Innozenz als Feldherr gegen Roger, was gründlich schief ging.
Er geriet in Gefangenschaft und kam nur gegen das Versprechen frei, Rogers Königtum anzuerkennen. Gegen
Ende seines Pontifikats kam es in Rom zu Aufständen. Beeinflusst von den Ideen des Reformpredigers Arnold
von Brescia (um 1100-1155), trat eine kommunale Bewegung auf, die dem Papst die weltliche Herrschaft
streitig machte.
 Anaklet II. (Gegenpapst) 1130-38
früher Petrus Perleone, §Rom 25.1.1138. Er stammte aus einer einflussreichen röm. Familie jüdischer Herkunft.
Als kluger und gebildeter Kardinal von untadeliger Lebensführung wurde er in der Doppelwahl von 1130 neben
Innozenz II. zum Papst gewählt, fand aber ausserhalb Roms nur wenig Unterstützung.
 Viktor (IV.) 1138
 nach 1139 Gegenpapst Mitte März -29.5.1138
Nach dem Tod Anaklets II. (25.1.1138) setzten seine Anhänger den Kardinalpriester von 55. XII Apostoh, Gregor
von Ceccano, als Viktor IV. zum Papst ein. Gegen den alten Rivalen Anaklets, Innozenz II., der nun aus dem
Pisaner Exil heimkehrte, hatte er jedoch keine Chance. Unter gutem Zureden des Kirchenlehrers Bernhard von
Clairvaux (1090-1153) entschloß er sich bald zur Abdankung. Er blieb zunächst ungeschoren und behielt seine
Ämter, wurde jedoch im folgenden Jahr auf dem 2. Lateranonzil imApril 1139 abgesetzt. Was danach aus ihm
wurde, ist nicht bekannt.
 Cölestin II. 1143-1144
 Rom 8.3.1144 Papst seit 26.9.1143Ein gelehrter Mann, er führte den Magistertitel, war Schüler von Peter
Abälard (1079-1142) und unterhielt Korrespondenz mit den theologischen Leuchten seiner Zeit, u. a. Bernhard
von Clairvaux (1090-1153), Gerhoh von Reichersberg (um 1093-1169) und Petrus Venerabilis (um 1092-1156):
Guido von Cittä di Catello begann seine geistliche Laulbahn 1128 als Kardinaldiakon unter Honorius II., er
unternahm diplomatische Reisen nach Frankreich und Deutschland und gehörte als Kardinalpriester S.Marco
(seit 1133) neben Haimerich und Gerhard von Croce zum engsten Beraterkreis von Innozenz II. Zwei Tage nach
dessen Tod (24.9.1143) wurde er einstimmig zum Papst gewählt und nahm den Namen Cölestin II. an. Sein nur
wenige Monate währendes Pontifikat läßt keine klare Linie erkennen. Er hob das Interdikt über Frankreich auf
das sein Vorgänger wegen der strittigen Wahl des Erzbischofs von Bourges verhängt hatte, und revidierte auch
Innozenz' Anerkennung Rogers II. als König von Sizilien, mußte aber, da seine Autorität in den päpstlichen
Besitzungen, vor allem in Benevent, keineswegs gefestigt war, gegenüber dem Normannenherrscher
einlenken.
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 Lucius II. 1144-1145
(Pontifikat 12.3.1144-15.2.1145), vorher: Gherardo Caccianemicci, * in Bologna. - Papst Honorius II. (11241130) ernannte ihn zum Kardinalpriester von Santa Croce. In seinem Auftrag und später in dem Papst Innozenz'
II. (1130-1143) weilte L. mehrfach als Legat in Deutschland. So war er u. a. an der Erhebung des heiligen
Norbert zum Erzbischof von Magdeburg (1126) beteiligt. Nach dem Tod Haimerichs 1144 übernahm L. das Amt
des Kanzlers. Zudem versah er das Amt des Bibliothekars der römischen Kirche. Am Todestag Papst Coelestins
II. (1143-1144) wurde L. zum Papst erhoben. Obwohl den ehemaligen Kardinal eine freundschaftliche
Beziehung mit König Roger II. von Sizilien verband, gelang es ihm als Papst nur, einen auf sieben Jahre
befristeten Waffenstillstand im Streit zwischen Papsttum und süditalienischen Normannen herbeizuführen.
Eine weitergehende Einigung scheiterte am Widerstand der Kardinäle. Ähnlich wie der Konflikt mit den
Normannen überschatteten die römischen Wirren den kurzen Pontifikat L.s. Nach anfänglichem
Zurückweichen baute die Stadt ihre unter Innozenz erkämpfte Autonomie ("Heiliger Senat") weiter aus. Der
Bruder des verstorbenen Gegenpapstes Anaklet II., Giordano Pierleoni, wurde als Patricius an die Spitze der
Republik berufen. Der deutsche König Konrad III., an den sich L. mit der Bitte um militärische Hilfe gewandt
hatte, konnte wegen eigener Schwierigkeiten im Reich nicht nach Rom ziehen. Bei den Kämpfen um den
Kapitol soll L., einer sonst nicht verbürgten Nachricht des Gottfried von Viterbo zufolge, von einem Steinwurf
tödlich verletzt worden sein.
 Eugen III. 1145-1153
( 1153), Papst (1145-1153), erster Zisterzienserpapst. Bernardo Paganelli aus Pisa studierte bei dem
französischen Theologen Bernhard von Clairvaux. Zum Zeitpunkt seiner Wahl war er Abt des
Zisterzienserklosters Tre Fontane vor Rom. Er lehnte seine Ernennung zunächst ab, da er auf alle weltliche
Macht verzichten hätte müssen. Man brachte ihn schließlich aus Rom fort und weihte ihn in Farfa. In der Folge
schloss er mit den römischen Senatoren einen Vertrag, der seine Autorität über die römische Gemeinde
sicherte, und kehrte in den Vatikan zurück. Dort angelangt, zwang ihn die Partei des italienischen Reformers
Arnold von Brescia, die jede päpstliche Intervention in säkularen Fragen ablehnte, sich erneut ins Exil zu
begeben. Von Frankreich aus organisierte er den Zweiten Kreuzzug (1147-1149). Später hielt er Synoden in
Paris, Reims und Trier ab, auf denen der Klerus über Erziehung, innerkirchliche Disziplin und die Verbreitung
des Glaubens diskutierte. 1148 reiste Eugen in sein Heimatland, wo er während einer Synode in Cremona
Arnold von Brescia exkommunizierte. Vier Jahre später einigte er sich mit Friedrich I. Barbarossa, dem Kaiser
des Heiligen Römischen Reiches, der ihm gestattete, seinen Platz in Rom wieder einzunehmen.
 Anastasius IV. 1153-1154
vorher Konrad von Suburra, Römer, starb am 3.12.1154 in Rom, mildtätig und auf Ausgleich bedacht, in seiner
Amtsführung als Papst durch Altersschwäche stark eingeschränkt. Er führte in Norwegen und Schweden die
Kirchensteuer, den Peterspfennig, ein.
 Hadrian IV. 1154-1159
(um 1100 bis 1159), Papst (1154-1159), einziger englischer Papst.Er wurde ursprünglich als Nikolaus
Breakspear in der Nähe von Sanct Albans (Hertfordshire) geboren und trat in das Kloster von Saint Rufus bei
Avignon (Frankreich) ein. Später wurde er zum Abt des Klosters ernannt (1137), zum Kardinalbischof von
Albano (1150) und zum päpstlichen Gesandten in Skandinavien (1152-1154), wo er die Kirchenhierarchie neu
aufbaute. Als er nach Rom zurückkehrte, wurde er nach dem Tod von Anastasius IV. (Papst 1153-1154)
einstimmig zum Papst gewählt.Hadrian ließ Arnold von Brescia verfolgen, den italienischen Reformer, der die
weltliche Macht des Papsttums angriff. Auf Hadrians Ersuchen nahm Friedrich I. Arnold gefangen und lieferte
ihn als politischen Rebellen und Ketzer an die römische Kurie aus, die ihm den Prozess machte. Nach Arnolds
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Datum: 24.10.2010
Hinrichtung 1155 krönte Hadrian Friedrich I. Barbarossa zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.Hadrian
soll vom englischen König Heinrich II. aufgefordert worden sein, die Unterwerfung Irlands zu erlauben. Da die
Päpste jedoch seit der Konstantinischen Schenkung Irland als ihr Eigentum ansahen, billigte er zwar nicht die
vollständige Inbesitznahme, jedoch die Eroberung und Besetzung der Insel als päpstliches Lehen. Ob die
päpstliche Bulle Laudabiliter, die Hadrian zugeschrieben wird, wirklich von ihm stammte, ist jedoch umstritten.
Während Hadrians kurzer Amtszeit wurde der Begriff vom Vikar Christi für den Papst gebräuchlich.
 Alexander III. 1159-1181
(Papst), (um 1105 bis 1181), Papst (1159-1181), der den päpstlichen Einfluss in der Kirche wesentlich festigte.
Alexander III. hiess mit bürgerlichem Namen Rolando Bandinelli. Der gebürtige Sienese studierte bei Gratian,
dem Begründer der kirchlichen Rechtswissenschaft. Bandinelli, der in Bologna lehrte, erwarb mit
verschiedenen juristischen und theologischen Schriften hohes Ansehen. 1150 wurde er zum Kardinal ernannt,
ab 1153 bekleidete er das Amt eines päpstlichen Kanzlers. Im selben Jahr erwirkte er als päpstlicher Legat den
Abschluss des Konstanzer Vertrages mit Friedrich I., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.Gegen dessen
Widerstand wurde Bandinelli 1159 zum Nachfolger des verstorbenen Papstes Adrian IV. bestimmt und trat sein
Pontifikat unter dem Namen Alexander III. an. Politische Wirren, wechselnde Bündnisse und Machtkämpfe mit
europäischen Herrschern prägten seine Amtszeit. So zwang er Heinrich II. von England, öffentlich Buße für die
politisch begründete Ermordung des Erzbischofs von Canterbury, Thomas Becket, zu leisten. Nach langjährigen
zermürbenden Auseinandersetzungen mit drei aufeinanderfolgenden Gegenpäpsten verbündete sich
Alexander mit den Städten der Lombardischen Liga und erreichte mit ihrer Hilfe schließlich seine Anerkennung
durch Friedrich I.Bereits 1162 hatte sich Alexander ins französische Exil begeben, wo er einen Großteil seines
Pontifikats verbrachte. Erst 1179 brachte das 3. Laterankonzil die endgültige Aussöhnung mit dem Kaiser.
Alexander III., der regen Anteil an dem Scholastikstreit nahm, zählt zu den bedeutendsten Päpsten des
Mittelalters.
 Viktor IV.1159
 Lucca 20.4.1164 Gegenpapst seit 7.9.1159
Gegen Alexander III. wählte die kaisertreue Minderheit der römischen Kardinäle den Kardinaipresbyter von 5.
Cecilia, einen Adligen aus der Crescentier-Familie namens Ottaviano di Monticelli. Er nahm bei seiner Weihe
am 4.10.1159 den Namen Viktor IV. an (der kurzlebige Gegenpapst von 1138 gleichen Namens wurde
ignoriert). Dank der Unterstützung durch Friedrich 1. Barbarossa (Kaiser 1155-1190), der ihn auf der Synode
von Pavia im Februar 1160 als Papst bestätigen ließ (worauf Bannflüche in beiden Richtungen hin und her
gingen), konnte er sich in Italien halten, kam aber zeit seines (Gegen-)Pontifikats nicht von der staufischen
Macht los. Sein Einflußbereich erstreckte sich daher nur auf Oberitalien, Burgund und den Westen des Reiches,
während der Konkurrent, der nach Frankreich gegangen war, bald den größeren Teil der Kirche hinter sich
brachte. Am Ende war auch Viktors kurialer Apparat verkümmert. Er starb in Lucca während einer Reise, die er
mit Rainald von Dassel unternahm, dem Erzbischof von Köln (1159-1167) und ehemaligen Kanzler Friedrichs.
Der Klerus von Lucca verweigerte dem Exkommunizierten ein Begräbnis in der Stadt, Viktor wurde darum in
einem bescheidenen Kloster außerhalb der Stadtmauern beigesetzt. 1187 ließ Papst Gregor VIII. das Grab
öffnen und die Gebeine hinauswerfen.
 Paschalis III. 1164 - 1168
 Rom 20.9.1168 Gegenpapst seit 22.4.1164
Als erster der beiden Kontrahenten bei der Doppelwahl von 1159 starb Viktor IV. am 20.4.1164. Sofort sorgte
Rainald von Dassel, der Vertraute Friedrichs 1. Barbarossa (Kaiser 1155-1190), dafür, daß ein neuer
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Gegenpapst eingesetzt wurde, den man als Werkzeug gegen den von der Doppelwahl übriggebliebenen
Kaiserfeind Alexander III. benutzen konnte. Der Kandidat war ein Kardinalpriester von 5. Callisto, er kam aus
adliger Familie und hieß Guido von Crema; ~s Paschalis III. wurde er nach einer Wahl, an der nur zwei
Kardinäle, zwei deutsche Bischöfe und der römische Stadtpräfekt beteiligt waren, in Lucca geweiht. Der unter
Mißachtung aller Vorschriften installierte Papst blieb unter dem Schutz des kaiserlichen Militärs zunächst in
Mittelitalien; der von Rainald inszenierten Erhebung und Heiligsprechung Karis des Großen in Aachen
(29.12.1165/8.1.1166) stimmte er zu. Im Sommer 1167 zog Paschalis mit Friedrich nach Rom und wurde am
22.6. in Sankt Peter inthronisiert. Am 1.8. vollzog er die (Fest-)Krönung am Kaiserpaar. Als im August eine
Malariakatastrophe im Heer den Kaiser zwang, sich aus Rom zurückzuziehen, schloß Paschalis sich ihm an. Er
nahm Quartier in Viterbo und kehrte erst Anfang 1168 unter dem Schutz deutscher Truppen nach Rom zurück.
Er starb in der Festung neben Sankt Peter.
 Kalixt (III.) 1178
 nach 1180 Gegenpapst September 1168-29.8.1178
Das Schisma von 1159 setzte sich auch nach dem Tod (20.9.1168) des zweiten Qegenpapstes, Paschalis III., den
die kaiserliche Partei gegen Alexander III. aufgestellt hatte, fort. Johannes von Struma, früher Abt des
Vallombrosanerklosters Strurna bei Arezzo, der unter Viktor IV. zum Kardinalbischof von Albano erhoben
worden war, mußte als dritter Gegenpapst unter dem Namen Kalixt III. in die Fußstapfen Paschalis' treten. Wie
dieser blieb er auf die Unterstützung durch Friedrich 1. Barbarossa (Kaiser 1155-1190) angewiesen, nur Rom,
Teile des Kirchen-staats, der Toskana und Deutschlands folgten seinen Anweisungen. Der Frieden von Venedig
zwischen dem Kaiser und Alexander im Juli 1177 machte Kalixt zum Verlierer. Aber statt still in einer Abtei zu
verschwinden, wie ihm Barbarossa riet, hielt er an seinem Anspruch fest, bis er Anfang 1178 aus seiner
Residenz Viterbo vertrieben wurde. Am 29.8.1178 dankte er ab und unterwarf sich Alexander, der ihm
großmütig verzieh und ihn zum Rektor (Verwalter) von Benevent machte, als der er 1 180 zum letztenmal in
den Quellen genannt ist.
 Innozenz (III.) 1179 - 1180
 Abtei La Cava (bei Salerno) nach 1180 Gegenpapst 29.9.1179-Januar 1180
Den drei Gegenpäpsten, die nacheinander an Alexander III. gescheitert waren, gesellte sich gegen Ende seines
Pontifikats noch ein vierter hinzu. Das hing mit den Unruhen zusammen, die sich im Sommer 1179 gegen
Alexander in Rom erhoben und ihn nötigten, die Stadt zu verlassen. Verwandte des früheren Gegenapstes
Viktor IV. machten sich die Situation zunutze und erhoben den aus Sezze (Latium) stammenden Kardinaldiakon
von S.Angelo, Lando, als Innozenz III. zum Papst. Doch auch er zog es vor, ausserhalb Roms zu bleiben, und
nahm Quartier in einer an der Straße nach Palombara gelegenen Festung. Deren Besitzer lieferte ihn und seine
wenigen Anhänger gegen eine kräftige Bestechungssumme an Alexander aus. Innozenz wurde zu
benslänglicher Klosterhaft in der Benediktinerabtei La Cava verurteilt. Sein Todesdatum ist nicht bekannt.
 Lucius III. 1181-1185
vorher: Ubaldo Allucingoli, SOCist, * in Lucca, + in Verona. - Der Zisterzienser, noch mit Bernhard von Clairvaux
bekannt und von ihm in den Orden aufgenommen, war bereits 1141 zum Kardinal-Priester ernannt worden.
Unter seiner Verhandlungsführung hatte er 1156 den Frieden von Benevent mit Wilhelm I. von Sizilien
vermittelt. 1159 ernannte ihn Alexander III. zum Kardinal-Bischof von Ostia. L. erwies sich in der Folge stets als
ein loyaler Anhänger des Papstes, zu dessen engstem Vertrauten er zählte. Gleichzeitig erkannte der Kardinal
jedoch die Notwendigkeit eines Ausgleichs mit Kaiser Friedrich Barbarossa. Dieser erbat ihn nach dem Frieden
von Venedig (1177) als Schiedsrichter im Streit um die Mathildischen Güter. Es war zwischen Papsttum und
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Kaiser zur Auseinandersetzung gekommen, weil der Kaiser das Recht der Kirche auf die von der Markgräfin
Mathilde zuerst an Gregor VII. und dann durch eine erneute Schenkung an Paschalis II. (17.11. 1102)
überlassenen Güter nicht anerkannte. Es gelang L. nicht, eine beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden.
Dennoch rühmten die Zeitgenossen seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Als Nachfolger Alexanders III.
gewählt, trat L. sein Pontifikat bereits hochbetagt an. Die Gunst der Römer, die in beständigem Streit mit dem
Papsttum lagen, verscherzte sich der Ordensmann dadurch, daß er es ablehnte, die beim Pontifikatswechsel
üblichen Geldzuwendungen an das Volk vorzunehmen. Die Inthronisation konnte deshalb auch nur in Velletri
(6.9. 1181) stattfinden. L. gelang es nicht, die römischen Wirren zu lösen. Nur wenige Monate konnte er sich im
Lateran halten (November 1181 - März 1182). Das in Rom regierende Kollegium von 25 Senatoren wünschte
die Unterwerfung des papstfreundlichen Tusculums unter die Stadtherrschaft. L. richtete einen Hilferuf an den
kriegerischen Erzbischof von Mainz, Christian von Buch, der mit seinen Truppen aus der Toscana herbeieilte
und dem Papst die notwendige Unterstützung zuteil werden ließ. 1183 erlag jedoch diese einzige Stütze des
Papstes einem Fieber. Völlig auf sich allein gestellt suchte L. den Kaiser in Verona auf. Er traf dort am 22. Juli
1183 ein, die Verhandlungen begannen aber erst, nachdem Friedrich Ende September in die Stadt eingezogen
war. Das Treffen zu Verona, das zeitweilig den Charakter einer Kirchenversammlung annahm, stellt den
Höhepunkt des Pontifikats des L. dar. Kaiser und Papst beschlossen ein gemeinsames Vorgehen gegenüber den
Ketzern (Katharer, Waldenser) und legten den Grundstein für die spätere Inquisition (Bulle "Ab olendam" vom
4.11.1184). Gleichzeitig hatte es L. verstanden, die Anwesenheit des Patriarchen Heraklios von Jerusalem und
der Großmeister der Ritterorden zur Einforderung eines neuen Kreuzzuges bei Friedrich zu nutzen. Daneben
bestätigte L. auch die im Privilegium Romanum Paschalis' II. (1100) und in der Bestätigung der Charta caritatis
durch Kalixt II. (1119) angedeutete Exemtion der Zisterzienser (22.11. 1184). In anderen Verhandlungspunkten
konnte keine Einigung mit dem Kaiser erzielt werden: die Klärung bezüglich der Mathildischen Güter wurde
vertagt, die Doppelwahl in Trier - Friedrich hatte den von der Minderheit gewählten Dompropst Rudolf als
Erzbischof investiert, der Kardener Archidiakon Folmar wandte sich an den Papst - wurde nicht entschieden
(erst 1190); die Frage der Anerkennung der im Schisma geweihten und bepfründeten Kleriker, die das 3.
Laterankonzil (1179) abgesetzt hatte, wünschte L. auf einem Konzil zu verhandeln; des weiteren lehnte er es
ab, den Sohn Friedrichs, Heinrich VI., zu Lebzeiten des Kaisers zum Mitregenten zu krönen. Dagegen ist es als
gesichert anzunehmen, daß L. der Verlobung Heinrichs VI. mit Konstanze von Sizilien nicht ablehnend
gegenüberstand, wenn sich auch durch diese Verbindung die Stellung des Papstes in Mittelitalien
verschlechterte. Teile der Kurie verhinderten jedoch eine weitergehende Einigung mit dem Kaiser. Die erzielten
Ergebnisse waren allerdings nicht von Dauer, das militärische Eingreifen Heinrichs in Trier sowie das
Ausbleiben der kaiserlichen Hilfe gegen die Römer verschärften die Situation. L. starb vor Ausbruch neuer
Konfrontationen in Verona. Dort hat er im Dom seine letzte Ruhetätte gefunden.
 Urban III.1185-1187
( 1187), Papst (1185-1187). Uberto Crivelli wurde in Mailand geboren. 1182 wurde er zum Kardinal gewählt,
1185 folgte seine Ernennung zum Erzbischof. In Verona wurde Urban zum Papst gewählt und trat die
Nachfolge von Lucius III. an (Papst 1181-1185). Während Urbans Amtszeit kam es zum Bruch mit Friedrich I.
Barbarossa, dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Politische Gegner verhinderten, dass Urban im
Verlauf seines zweijährigen Pontifikats Rom betrat, so dass er von Verona aus regieren musste. 1186 drang
Friedrichs Sohn, der spätere Kaiser Heinrich VI., in den Kirchenstaat und ließ ihn in Verona einschließen. Urban
starb auf dem Weg nach Venedig, wo er Friedrich I. exkommunizieren wollte.
 Gregor VIII. 1187
* zwischen 1105 und 1110 in Benevent, † 17.12. 1187 in Pisa. - Albertus de Morra wurde Augustinerchorherr,
1155/56 durch Hadrian IV. (s. d.) Kardinal und 1178 Kanzler der römischen Kirche unter Alexander III. (s. d.).
Am 21.10. 1187 wurde er in Ferrara zum Nachfolger des am vorhergehenden Tag verstorbenen Urban III. (s. d.)
gewählt und am 25.10. als G. VIII. geweiht. Urban III. und G. haben Rom niemals betreten; die
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ununterbrochenen Streitigkeiten mit dem römischen Senat hielten sie fern. Die Nachricht von der Vernichtung
des christlichen Heeres bei Hittin am See Genezareth durch den Sultan Saladin von Ägypten am 4./5. 7. 1187
und dem Fall Jerusalems am 2.10. 1187 legte ihm den Gedanken an einen neuen Kreuzzug nahe, für den er
eifrig warb. Darum erstrebte G. eine Verständigung mit Friedrich I. Barbarossa. Auch bemühte er sich um den
Frieden zwischen den Pisanern und Genuesen, um sie für eine gemeinsame Beteiligung am Kreuzzug zu
gewinnen.
 Clemens III. 1187-1191
 Rom 28.3.1191 Papst seit 19.12.1187Der Mann, den die Kardinäle in Pisa zum Nachfolger des verstorbenen
Gregor VIII. wählten, war von schwacher Gesundheit und ohne Erfahrung im politischen Geschäft; dennoch
gelang es ihm, sowohl mit den Staufern zu einer Einigung zu kommen als auch die Kommune in Rom friedlich
zu stimmen: Klemens III., vorher Paolo Scolari, stammte aus Rom, war vermögend und hatte Beziehungen zu
den einflußreichsten Familien der Stadt. Das mochte ihm behilflich sein bei den Verhandlungen, mit denen er
den Wiedereinzug des Papsttums in den Lateran Mitte Februar 1188 erreichte. Der Preis dafür war hoch, die
Kommune ließ sich die Anerkennung ihres Stadtherrn mit bedeutenden Zahlungen abkaufen. Die Übereinkunft
mit dem Reich wurde im Vertrag von Straßburg (3.4.1189) besiegelt: Der Kaisersohn Heinrich VI. (Kaiser 11911197) räumte den Kirchenstaat und erhielt dafür die Krone. Wieder Herr über die päpstlichen Besitzungen,
richtete Klemens eine effektive Finanzverwaltung unter Cencio Savelli (später Hononus III.) ein. Mit Inbrunst
widmete er sich dem Kreuzzug, zu dem sein Vorgänger aufgerufen hatte und der im Mai 1189 in Gang kam. Um
möglichst alle Kräfte Europas für das Unternehmen zu bündeln, versuchte er alle Streitigkeiten zu schlichten,
die die Fürsten und Herren von der Fahrt ins Heilige Land ablenken konnten. Unter seinem Pontifikat wurde die
Kurie so etwas wie eine allgemeine Vermittlungsinstanz. Klemens mußte es noch erleben, daß der Kreuzzug
nach Friedrichs 1. Barbarossa Tod in Kleinasien (10.6.1190) an Schwung verlor und sich vor Akkon festlief. Als
Heinrich, nun Alleinherrscher, im Januar 1191 nach Italien zog, um sein Erbe in Sizilien in Besitz zu nehmen,
fand er den Papst nicht mehr am Leben.
 Cölestin III. 1191-1198
*Romum 1105,  ebd.8.1.1198 Papst seit März/April 1191 Er stammte aus der römischen Adelsfamilie, die
später den Namen Orsini führte: Giacinto Bobone erscheint zum erstenmal 1126 in den Quellen, als "prior
subdiaconorum" von 5. Giovanni in Laterano. Er studierte bei Peter Abälard (1079-1142) in Paris und
verteidigte seinen Lehrer beim Konzil von Lens (1140). Unter Cölestin II. und Anastasius IV. meisterte er
schwierige diplomatische Aufträge auf der Iberischen Halbinsel und trieb die spanische Kreuzzugbewegung
voran. Als ein Mann des Ausgleichs wußte er vermittelnd zwischen der Kurie, dem Kaiser und dem
französischen König zu wirken. Es gelang ihm nach dem Eklat von Besancon (1158, ~Hadrian IV.), die Wogen zu
glätten und eine Einigung zwischen Ludwig VII. von Frankreich (König 1137-1181) und Alexander III.
herzustellen (Unterredung von Souvigny 11 62); auch beim Vertrag von Venedig (1177) zwisclen Kaiser und
Papst wirkte er mit. Man wählte ihn erst, als er 85 Jahre alt war, und anscheinend auch nur als
Kompromißkandidaten, aber das Pontifikat Cölestins III., wie er sich fortan nannte, sollte der Kirche wichtige
Impulse geben. Cölestin nahm eine Strukturreform in Angriff: Die kurialen Behörden wurdei aufgewertet, das
Kardinalskollegium umgestaltet, der Kirchenbesitz neu geordnet und kirchliche Rechts- und Zinsansprüche
unter zentralistischen Gesichtspunkten zusammengefaßt. Zäh und geschickt bereitete der Papst in Mittelitalien
eine Rekuperationspolitik (Wiedergewinnungspolitik) vor, die unter seinem Nachfolger Innozenz III. dann zum
Erfolg kam. Mit Heinrich VI. (Kaiser 1191-1197) ließ sich aber auf Dauer kein friedliches Verhältnis herstellen,
dazu stießen die Interessen in Süditalien zu hart aufeinander. Durch Heirat mit der Erbin Konstanze war
Heinrich auch Herrscher im normannischen Königreich Szilien geworden - dies Reich stand aber unter
päpstlicher Lehnshoheit. Verständlich, daß der Papst jede Autonomiebewegung in Süditalien gegen Kaiser und
Reich unterstützte. Ende 1197 machte Cölestin, mittlerweile über 90 Jahre alt, einen Versuch, die Bürde des
Amtes loszuwerden. Er schlug seine Abdankung und die Einsetzung des Kardinals Giovanni di 5. Paolo als
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Nachfolger vor. Das scheiterte am Widerstand oppositioneller Kräfte im Kardinalskollegium; der Greis wurde
gezwungen, bis zum letzten Tag im Amt zu bleiben.
 Innozenz III. 1198-1216
(um 1160 bis 1216), Papst (1198-1216).Lotario di Conti, Graf von Segni im Schloss Gravignano, wurde als Sohn
einer alten Adelsfamilie geboren. Er studierte Theologie an der Universität Paris und Kirchenrecht an der
Universität Bologna. Obwohl er noch nicht zum Priester geweiht worden war, wurde er am Todestag seines
Vorgängers im Alter von 37 Jahren vom Kardinalskollegium einstimmig zum Papst gewählt.
Kirchenpolitik: Er versuchte, den Episkopat zu stärken, indem er das Recht auf Anrufung Roms einschränkte.
Durch seine Diplomatie vermochte er die päpstliche Herrschaft auf einige der Gebiete um Rom auszudehnen
und wird aus diesem Grund oft als der wahre Gründer des Kirchenstaates angesehen.Als Kaiser Heinrich VI.
1197 starb, nutzte Innozenz die Gelegenheit, das päpstliche Recht geltend zu machen, die Thronanwärter zu
prüfen und zwischen Rivalen zu vermitteln. In der Auseinandersetzung mit König Johann von England über die
Ernennung Stephen Langtons zum Erzbischof von Canterbury konnte Innozenz die Unabhängigkeit der Kirche
durchsetzen und erhielt außerdem vom König das gesamte Königreich als Lehen.
Kreuzzüge: Nach dem Scheitern der päpstlichen Legaten zu ihrer Bekehrung ordnete Innozenz 1208 einen
Kreuzzug gegen die Albigenser an, der in Blutvergießen endete. Ebenso rief Innozenz zum 4. Kreuzzug zur
Rückeroberung des Heiligen Landes auf.
4. Laterankonzil: Vor seinem Tod berief Innozenz 1215 das 4. Laterankonzil in Rom ein. Neben der
Beschäftigung mit einigen politischen und dogmatischen Fragen gab das Konzil Bestimmungen über die Rechte
und Pflichten fast aller Gesellschaftsschichten heraus. Zu den berühmtesten Dekretalen des Konzils gehört
Omnis Utriusque Sexus, das von allen erwachsenen Christen verlangte, einmal im Jahr die Sakramente der
Buße zu empfangen. Das Konzil führte etwa 400 Bischöfe, 800 Äbte und Prioren sowie viele weltliche Fürsten
oder ihre Gesandten in Rom zusammen, die größte Kirchenversammlung des Mittelalters. Er unterstützte den
heiligen Dominikus und den heiligen Franz von Assisi zu ihren Bestrebungen, neue Orden zu gründen. Innozenz
starb am 16 Juli 1216 in Perugia auf einer Reise nach Norditalien.
 Honorius III. 1216-1227
*Romum 1150, ebd. 18.3.1227 Papst seit 18.7.1216In der Kirchengeschichte hat er seinen besonderen
Platz als Förderer der Bettelorden: Unter Honorius III. (vorher Cencio Savelli, Kardinal von SS. Giovanni e Paolo
und Kämmerer unter Klemens III. und Cölestin III.) erhielten Dominikaner, Franziskaner und Karmeliter ihre
Approbation. Im Mittelpunkt seines Pontifikats stand allerdings der Kreuzzug. Das Unternehmen, zu dem
bereits der Vorgänger Innozenz III. aufgerufen hatte, wurde 1218 mit einem Angriff auf die Hafenstadt
Damiette in Ägypten ins Werk gesetzt und endete 1221 in schmählichem Rückzug. Auch ein Auftritt des
heiligen Franz von Assisi vor Sultan el-Kamil (der Prediger, der sich dem Kreuzzug angeschlossen hatte,
versuchte im Alleingang den Kalifen zu bekehren und erbot sich sogar zur Feuerprobe) half nichts. Obwohl
vermutlich das herrische Auftreten des päpstlichen Legaten Pelagius das Desaster verursacht hatte, suchte der
Papst die Schuld bei Friedrich II. (Kaiser 1220-1250), der nur ein schmales Kontingent geschickt hatte und selbst
nicht erschienen war. Er machte sich danach zur Aufgabe, den Staufer zu einem neuen Kreuzzug zu
veranlassen. Erfolg darin sollte allerdings erst sein Nachfolger Gregor IX. haben. Honorius bemühte sich auch
um die Bildung: Er förderte Universitäten und kümmerte sich um deren Studienordnungen. Bedeutsam für die
Geschichte Norddeutschlands wurde sein Eintreten für den Dänenkönig Waldemar II.: Er löste ihn von einer
eidlichen Friedenszusage, die ihm die norddeutschen Fürsten abgezwungen hatten, und setzte ihn damit in den
Stand, den Krieg gegen sie aufs neue zu beginnen; dieser endete mit Waldemars Niederlage bei Bornhöved im
Juni 1227.
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 Gregor IX. 1227-1241
(um 1170 bis 1241), vor seinem Papstamt (1227-1241) Ugolino Graf von Segni, Organisator der Inquisition und
Vertreter der päpstlichen Suprematie.Ugolino de Segni stammte aus der italienischen Stadt Anagni. Er
studierte in Paris und Bologna, ehe sein Onkel Innozenz III. ihn 1198 zum Kardinal ernannte. Gregors Pontifikat
stand im Zeichen eines Konfliktes mit Kaiser Friedrich II., der seine Macht in Italien zu festigen suchte und
deshalb in Konflikt mit Gregor geriet, der ein enger Verbündeter des Lombardenbund, des wichtigsten Gegners
Friedrichs. II war.Nachdem Friedrich 1227 aufgrund einer Krankheit einen Kreuzzug abgesagt hatte, den er
anlässlich seiner Kaiserkrönung dem Papst versprochen hatte, exkommunizierte der Papst den Kaiser zunächst
und zwang ihn so, 1229 wirklich ins Heilige Land zu ziehen. Die Furcht davor, dass Friedrich, der Süditalien
beherrschte, die Macht in ganz Italien an sich reißen und damit zusammenhängend den Kirchenstaat besetzen
wolle, veranlasste Gregor dazu, den Kaiser 1239 erneut zu bannen. Dieser blockierte daraufhin militärisch das
Zustandekommen eines Konzils in Rom, von welchem Gregor sich militärische und politische Unterstützung
gegen seinen Feind erhofft hatte. Der Streit zwischen Kurie und Kaiser überdauerte den Tod des Papstes, der
am 22. August 1241 verstarb.Eine persönliche Freundschaft verband Gregor hingegen mit dem heiligen
Dominikus und mit Franz von Assisi, deren Orden er förderte. Zur Bekämpfung der so genannten Albigenser
unterstellte Gregor IX. 1231 durch seine Bulle Excommunicamas die Verfolgung von Häretikern (siehe Ketzer)
der Oberaufsicht der Kurie und begründete damit faktisch die Inquisition. Auch ordnete Gregor die Sammlung
aller Dekretalen (päpstliche Entscheidungen zu rechtlichen Fragen) an und schuf damit wichtige
Voraussetzungen für die Kodifizierung des Kanonischen Rechts, wie es bis 1917, bis zum Erscheinen des Codex
Iuris Canonici, galt.
 Cölestin IV. 1241
*um 1180, Rom 10.ll.1241 Papst seit 25.10.1241Ins Licht der Geschichte trat Goffredo da Castigtione erst
in den zwanziger Jahren als Kanonikus in Mailand. Nicht sicher, aber auch nicht auszuschließen ist, daß er ein
Neffe Urbans III. und Zisterziensermönch war. Sein Vorgänger Gregor IX. ernannte den als hochgebildet
geltenden Theologen 1227 zum Kardinal-priester von 5. Marco und beauftragte ihn mit mancherlei
missionarischen und politischen Aufgaben in Oberitalien. Viel Glück scheint er damit nicht gehabt zu haben,
denn Goffredo wurde lange Zeit nicht befördert. Erst 1238 erfolgte seine Ernennung zum Kardinalbischof von
Sabina. Daß er dereinst Papst werden würde, dürfte er selbst kaum angenommen haben, und er verdankte das
auch nur dem Umstand, daß das Kardinalskollegium beim Tod des Vorgängers am 22.8.1241 auf zwölf
Kirchenfürsten zusammengeschmolzen war, von denen Kaiser Friedrich II. zudem zwei gefangenhielt. In dieser
mißlichen Situation war der Kurie und der römischen Oberschicht an einer schnellen Nachfolgeregelung
gelegen, weswegen es zum ersten Konklave im buchstäblichen Sinn kam - nämlich zum "Einschluß" der
Wahlberechtigten zur Beschleunigung einer Entscheidung. Sie hatten es nicht einmal bequem in dem
baufälligen Palast, den ihnen der römische Diktator Orsini für ihre Verhandlungen zuwies. Doch da seit dem 3.
Laterankonzil von 1179 eine Zweidrittelmehrheit vorgeschrieben war, erwies sich die Zerstrittenheit von
kaiser-freundlichen und antistaufisch eingestellten Kardinälen als so tief, daß sie monatelang in dem
ungemütlichen Gemäuer feilschten. Der Druck Orsinis und der Tod eines Kollegen führten dann endlich zur
Einigung auf den kranken Kompromißkandidaten Goffredo, der den Namen Cölestin IV. annahm, aber zu keiner
einzigen Amtshandlung mehr kam. Zwei Tage nach der Wahl mußte er sich fiebernd niederlegen und starb
bereits nach l7tä-gigem Pontifikat, dem viertkürzesten der Papstgeschichte.
 Innozenz IV. 1243-1254
(ca. 1200 bis 1254), Papst (1243-1254), der die allumfassende Herrschaft des Papsttums geltend machte,
indem er seinen Hauptgegner, Kaiser Friedrich II., abzusetzen versuchte. Als Sinibaldo Fieschi in Genua
geboren, studierte er Rechtswissenschaft in Parma und Bologna. 1225 wurde er zum Bischof von Albenga
geweiht und 1227 zum Kardinal ernannt.Nach seiner Wahl zum Papst nahm Innozenz den Kampf gegen
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Friedrich II. auf, der danach strebte, die absolute Kaiserherrschaft zu begründen. Nach fruchtlosen
Verhandlungen mit Friedrich floh der Papst, der sich in Rom nicht sicher fühlte, nach Frankreich. Dort berief er
das 1. Konzil zu Lyon (1245), auf dem Friedrich wieder für schuldig befunden und abgesetzt wurde. Innozenz
empfahl daraufhin den deutschen Fürsten, einen neuen Kaiser zu wählen, und unterstützte zuerst den
Landgrafen Heinrich Raspe von Thüringen und später Wilhelm II. von Holland. Nach Friedrichs Tod 1250 kehrte
Innozenz im Triumph nach Rom zurück, worauf ein Kampf gegen Friedrichs Sohn Konrad IV. folgte, der bis zu
Innozenz' Tod andauerte.
 Alexander IV. 1254-1261
* vor 1200,  Viterbo 25.5.1261 Papst seit 12.12.1254Seine folgenreichste Tat konnte weder von ihm noch
von den Zeitgenossen richtig gewürdigt werden: 1256 faßte Papst Alexander IV. mehrere italienische
Einsiedler-Bruderschaften zum Augustiner-Eremiten-Orden zusammen, der 250 Jahre später durch Bruder
Martinus, bürgerlich Martin Luther, Weltgeschichte machen sollte. Damals aber war die Gründung nur eine
von den wenigen unbedeutenden Maßnahmen eines Heiligen Vaters, der allerdings überraschend rasch
gewählt worden war: Schon fünf Tage nach dem Tod von Innozenz IV. stand er als Nachfolger fest, weil der
Bürgermeister von Neapel, wo der Papst gestorben war, die Kardinäle festgehalten hatte, die eigentlich nach
Rom hatten zurückkehren wollen. Das konnten sie nun erst nach der Wahl des Grafen Rinaldo von Segni, eines
Neffen Papst Gregors IX., der von diesem 1227 zum Kardinaldiakon und 1231 zum Kardinalbischof von Ostia
berufen worden war. Er war in dieser Zeit nie besonders hervorgetreten, sondern nur bekannt für recht gute
Beziehungen zu Kaiser Friedrich II., und das mag für seine Erhebung zum Papst mitentscheidend gewesen sein.
Ein Teil der Kurie nämlich hatte die Querelen mit der staufischen Dynastie satt und versprach sich vom neuen
Papst einen versöhnlicheren Kurs. Daraus wurde aber nichts, wohl weniger, weil Alexander nicht wollte,
sondern eher weil er zu träge und unschlüssig war, die Politik des Vorgängers nachhaltig zu ändern. So
schwelte der Konflikt mit Manfred (t 1266), dem unehelichen Sohn des Kaisers, weiter, der für den
unmündigen legitimen Konradin die sizilischen Geschäfte führte. Gerade Sizilien aber wollte die Kurie wieder
dem Kirchenstaat angliedern, und sie schickte auch ein Heer aus, das aber von Manfred geschlagen wurde.
Auch die Belehnung des englischen Prinzen Edmund mit Neapel-Sizilien scheiterte 1258, weil die englische
Krone die hohen finanziellen Forderungen dafür nicht erfüllen wollte oder konnte. Manfreds Macht wuchs
daher weiter; er setzte sich in Mittelitalien fest und wurde in Rom zum Senator gewählt, von wo der Papst
nach Viterbo ausweichen mußte. Auch Norditalien beugte sich dem Staufer, und in Deutschland hatten die von
Alexander geförderten Gegenkönige Wilhelm von Holland (t 1256), Alfons X. von Kastilien (t 1284) und Richard
von Cornwall (t 1272) keinen Erfolg, weil sie sich gegenseitig blockierten und als Landesfremde gegen die
Terntorialfürsten keine Zentralgewalt zu organisieren vermochten. Sie nutzten das Interregnum, die kaiserlose
Zeit seit dem Tod Konrads IV. 1254, für ihre Partikularinteressen, und der Papst war schon froh, daß sie keinen
staufischen Nachfolger wählten. So bescheiden also die politischen Leistungen des Papstes blieben, so wenig
gelang ihm auch auf kirchlichem Gebiet: Die Wiedervereinigungsgespräche mit der Ostkirche, die schon
Innozenz IV. angeknüpft hatte, kamen nicht voran, die Unterstützung der Bettelorden führte zu theologischen
Querelen, und nur die Heiligsprechung Klaras von Assisi 1255, Begründerin des weiblichen Zweigs der
Franziskaner, fand ungeteilte Zustimmung.
 Urban IV. 1261-1264
vorher Jacques Pantaléon, (gestorben 1264), Papst (1261-1264), festigte die politische Stellung des
mittelalterlichen Papsttums. Er wurde in Troyes geboren und war 1253 Bischof von Verdun und 1255 Patriarch
von Jerusalem. Urban übertrug dem Grafen von Anjou und späteren König, Karl I., Neapel und Sizilien. Durch
seine Italienpolitik gelang es ihm, die Ordnung im Kirchenstaat wieder herzustellen. 1264 führte Urban für die
gesamte Kirche das Fronleichnamsfest ein.
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 Clemens IV. 1265-1268
* Saint-Gilles (bei Arles) um 1195,  Viterbo 29.11.1268 Papst seit 5.2.1265Eine heute kaum noch denkbare
Karriere: Guy Foulques (oder Guido Fulcodi), Sohn eines Richters und selbst Jurist am Hof König Ludwigs IX. von
Frankreich, war ein braver Familienvater mit zwei Töchtern. Als seine Frau starb, fühlte er die Berufung zum
Priester, nahm die Weihen und begann einen späten, aber steilen kirchlichen Aufstieg: 1257 Bischof von Puy,
1259 Erzbischof von Narbonne, 1261 Kardinalbischof von Sabina. Beim Tod Urbans IV. befand sich Foulques als
Legat des Papstes in England und konnte am folgenden Konklave nicht teilnehmen. Obwohl es sich vier
Monate lang hinzog, erreichte er Perugia, wo die Kollegen tagten, erst, als diese sich wegen seines Alters auf
ihn als Übergangspapst geeinigt hatten. Die antipäpstliche Stimmung in Norditalien hatte sein Kommen
verzögert, das ihm schließlich nur in der Verkleidung als Mönch gelungen war. Nach Rom konnte der sich
Klemens IV. nennende neue Papst seine Residenz aus demselben Grund nicht verlegen und amtierte zunächst
am Wahlort und später in Viterbo. Er vollendete, was die Vorgänger eingeleitet hatten, als sie sich bemühten,
die staufische Macht in Neapel-Sizilien zu brechen. Jetzt nämlich kam Karl von Anjou, Bruder des französischen
Königs, tatsächlich nach Rom, wurde als König von Neapel-Sizilien eingesetzt und zog gegen Kaiser Friedrichs
unehelichen Sohn Manfred, der das Königreich regierte. Bei Benevent unterlag Manfred am 26.2.1266 dem
Franzosen und fiel in der Schlacht. Der Papst erhob Karl nun auch noch zum Reichsvikar in der Toskana und
ermöglichte ihm damit die Aburteilung des letzten Staufers: Der l6jährige Konradin kam nach Rom und wurde
von den Ghibellinen, der staufischen Partei, begeistert gefeiert. Er wollte sich sein süditalienisches Erbe holen,
wurde aber von Karl bei Tagliacozzo (bei L'Aquila) am 23.8.1268 ebenfalls geschlagen, gefangengenommen und
am 29.10.1268 auf dem Marktplatz von Neapel enthauptet. Der Papst, der diese Meucheljustiz gefördert hatte,
starb, ehe er erleben mußte, daß nun die Franzosen die Rolle der Staufer in Italien übernahmen und die Kirche
in weit ärgere Bedrängnis bringen sollten. Auf kirchlichem Sektor hatte Klemens die
Wiedervereinigungsgespräche mit der Ostkirche fortgesetzt, doch dabei so herrische Töne angeschlagen, daß
eine Annäherung unmöglich wurde. Dieser Haltung entsprach eine weitere Zentralisierung der Kirche, die
Klemens durch das von ihm verfügte päpstliche Monopol der Vergabe von kirchlichen Pfründen (Bulle vom
27.8.1265) vorangetrieben hatte.
 Gregor X. 1271-1276
Bevor G. zum Papst gewählt wurde, kam es zu einem dreijährigen Gerangel um den Papsttrohn, den keiner der
Kandidaten für sich entscheiden konnte. Hier entstand der Brauch, die Wähler zur Beschleunigung der Wahl in
einem Gemach einzuschließen und nötigenfalls auch durch Einschränkung der Beköstigung einen Druck auf sie
auszuüben. G. drang auf Beendigung des Interregnums in Deutschland: er forderte Ende Juli 1273 die
Kurfürsten zur Wahl eines Königs auf, widrigenfalls er einen solchen ernennen würde. Am 1.10. 1273 wurde in
Frankreich der Graf Rudolf von Habsburg als König proklamiert. Am 26.9. 1274 erkannte ihn G. an: "Te regem
Romanorum nominamus" und kündigte am 15.2. 1275 ihm und den deutschen Fürsten als Tag der
Kaiserkrönung den 1.11. 1275 an. Im Oktober 1275 trafen sich König und Papst in Lausanne. Als Tag der
Kaiserkrönung wurde nun der 2.2. 1276 verabredet. Auf dem Weg nach Rom starb G.
 Innozenz V. 1276
 22.6. 1276. - Pierre de Tarentaise (jetzt Moutiers/Savoyen) war Magister der Theologie in Paris, 1265
Ordensprovinzial für Frankreich. Zusammen mit Albertus Magnus und Thomas von Aquin verfaßt I. die
Ordnung des Ordensprovinzials. I. wird 1272 Erzbischof von Lyon und 1273 Kardinalbischof von Ostia. Am 1.
Konklavetag wurde I. in Arezzo als Nachfolger des Gregor X. gewählt. Politisch unterstützte I. Karl von Anjou, er
bestätigte diesen als Senator von Rom und als Vikar in Tuscien. Diese Bindung belastete sein Verhältnis zu
Rudolf von Habsburg, den er zur Aufschiebung der Romfahrt veranlaßte. Seine Hauptsorge galt den in
Ghibellinen und Guelfen geteilten oberitalienischen Städten, eine Aussöhnung gelang ihm zwischen Pisa und
Lucca. - I. war früh in den Dominikanerorden getreten, mit ihm wurde zum ersten Mal ein Dominikaner Papst.
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I. galt als vorzüglicher Theologe und hat in der Wissenschaft tiefere Spuren als im Papsttum hinterlassen. In
seinen scholastischen und exegetischen Schriften zeigt sich schon der Übergang vom Augustinismus zum
Aristotelismus. I. wurde 1898 seliggesprochen.
 Hadrianus V. 1276
* Genua um 1205,  Viterbo 18.8.1276 Papst seit 11.7.1276 Seine einzige Amtshandlung als Papst bestand
darin, die Regelung, der er seine Wahl verdankte, wieder zu verwässern: Nach dem Willen Gregors X. war die
Papstwahl beschleunigt worden - durch ein rasches Zusammentreten des Konklaves nach dem Tod des
Amtsinhabers, aber auch durch drastische Maßnahmen für den Fall, daß sich die Verhandlungen in die Länge
ziehen sollten. Dieser Fall trat im Sommer 1276 ein, und Karl von Anjou, König von Neapel-Sizilien (1266-1285)
und eigentlicher Herrscher Italiens, setzte die Kardinäle im brütend heißen Rom derart unter Druck, daß einige
ernsthaft erkrankten. Sie waren hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen und wurden auf Schmalkost
gesetzt, so daß sie sich schließlich schon aus Verzweiflung auf Ottobono Fieschi einigten, einen erklärten
Parteigänger des Königs. Er stammte aus der Familie der Grafen von Lavagna und war ein Neffe von Papst
Innozenz IV., der ihn 1251 zum Kardinaldiakon erhoben hatte. Bewährt auf einigen diplomatischen Missionen
und als Trommler für einen Kreuzzug, schien Fieschi geeignet, das politische Gewicht der Kirche zu stärken, das
unter dem Vorgänger Innozenz V. nicht sonderlich zur Geltung gekommen war. Die Rechnung wäre womöglich
aufgegangen, wenn nicht die Wahltortur auch den Gewählten beschädigt hätte. Er nahm den Namen Hadrian
V. an, versammelte einen Tag nach der Wahl die Kardinäle um sich und verkündete die Aussetzung des
Wahldekrets seines Vorvorgängers. Dann entzog er sich der stickigen Stadt und suchte Erholung im nahen
Viterbo, fand dort aber nur den Tod, ehe er auch nur hatte geweiht oder gar gekrönt werden können.
Angesichts des nur 39tägigen Pontifikats erscheint das eindrucksvolle Grabmal für Hadrian von Arnolfo di
Cambio in S. Francesco fast unangemessen.
 Johannes XXI. 1276-1277
(um 1215 bis 1277), Papst (1276-1277), einer der gelehrtesten Päpste in der Kirchengeschichte, der für seine
philosophischen, theologischen und medizinischen Studien bekannt war. Pedro Julião, genannt Petrus
Hispanus, wurde als Sohn eines Arztes in Lissabon geboren. 1247 lehrte er Medizin an der Universität Siena
und verfasste dort mehrere medizinische Abhandlungen und ein Lehrbuch der Logik mit dem Titel Summulae
Logicales, das fast 300 Jahre weit verbreitet war. 1273 wurde er zum Erzbischof von Braga sowie im gleichen
Jahr zum Kardinalbischof von Tusculum ernannt und 1276 zum Papst gewählt. Während seines achtmonatigen
Pontifikats verbesserte Johannes die Stellung der Kirche in Portugal, exkommunizierte König Alfons III. von
Portugal wegen dessen Einmischung in portugiesische Bischofswahlen. Er schickte Legaten zum tartarischen
Großkhan in seinen Bemühungen, einen Kreuzzug gegen die Sarazenen zu führen, bewirkte eine
vorübergehende Versöhnung der östlichen und westlichen Kirche und verhinderte einen Krieg zwischen
Frankreich und Kastilien.
 Nicolaus III. 1277-1280
vorher Giovanni Gaetano Orsini, * zwischen 1210/1220 Rom, Sohn des Matteo Rossi O. und der Perna Gaetani,
+ Soriano. - Der Angehörige des bedeutenden röm. Geschlechts der Orsini war - 1244 durch Innozenz IV. zum
Kardinal geweiht - über 30 Jahre einflußreiches Mitglied des K.kollegiums. Ab 1262 stand er der päpstlichen
Inquisitionsbehörde vor. Als Papst nannte sich N. nach seiner Titularkirche S. Niccolo in Carcere. Sein
Hauptanliegen war es, die Unabhängigkeit des Hl. Stuhls in Italien zu sichern. Es gelang ihm, Karl v. Anjou, Kg.
von Neapel, zur Niederlegung des Reichsvikariats über Tuszien und zum Verzicht auf eine Wiederernennung als
Senator in Rom zu bewegen. Am 11.7. 1278 dekretierte er, daß Nichtrömer das Amt nur noch mit päpstl.
Zustimmung halten konnten und ließ sich selbst zum Senator auf Lebenszeit ernennen, wichtige Schritte für die
Errichtung der päpstl. signoria über Rom. In Verhandlungen mit dem auf seine Kaiserkrönung wartenden dt.
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Kg. Rudolf v. Habsburg erreichte N. dessen Verzicht auf alle ksl. Ansprüche auf die Romagna. Diese Sicherung
und Erweiterung gab dem Kirchenstaat seine Gestalt bis ins 19. Jhdt. - Zwischen beiden Herrschern gelang ihm
ein Ausgleich, der durch die Belehnung Karls mit der Provence und Forcalquier sowie durch eine
Familienverbindung besiegelt wurde. Das in diesem Zusammenhang N. zugeschriebene `Vierstaatenprojekt',
mit dem das deutsche Reich in vier Teilstaaten umgewandelt und das erbliche Kaisertum mit Oberherrschaft
über die Teile eingerichtet werden sollte, ist in der Forschung umstritten. Die umfangreichen Bemühungen um
Frieden zwischen Fkr. und Kastilien wie die Unionsprojekte mit den Griechen hatten wenig Erfolg, lediglich die
Angriffspläne der Anjou auf Byzanz wurden verhindert. Auch Kreuzzugspläne konnten nicht verwirklicht
werden. - Im Armutsstreit der Franziskaner vermittelte N. durch die Bulle "Exiit qui seminat" (14.8. 1279).
Neben Reformen innerhalb der päpstl. Kanzlei machte N. sich einen Namen durch umfangreiche Bautätigkeiten
an der Peterskirche, im Vatikan und Lateran und die Anlage der vatikanischen Gärten. Sein ausgeprägter
Nepotismus und sein Umgang mit Geld sicherten ihm einen Platz in Dantes Inferno (19, 61 ff.).
 Martinus IV. 1281-1285
(um 1210 bis 1285), Papst (1281-1285), ursprünglich Simon de Brion. Er stammte aus der gleichnamigen
französischen Stadt und stärkte den Einfluss seines Heimatlandes innerhalb Europas. 1260 ernannte König
Ludwig IX. ihn zum Kanzler, er wurde ein Jahr darauf zum Kardinal berufen und trat 1281 sein Pontifikat an.
Martin unterstützte Karl von Anjou, den Bruder des Monarchen und Begründer der französischen Dynastie in
Süditalien, der sich das Königreich Sizilien sichern wollte. Auf Karls Wunsch hin exkommunizierte er 1281 den
byzantinischen Kaiser Michael VIII. Palaiologus. Durch diesen Schritt zerbrachen die 1274 auf dem Konzil von
Lyon geknüpften Bande zwischen der griechischen und der römischen Kirche.
 Honorius IV. 1285-1287
*Rom um 1200, ebd. 3.4.1287 Papst seit 2.4.1285Wenn uralte Männer zum Papst gewählt werden, noch
dazu in solchem Tempo - das Konklave nach dem Tod Martins IV. dauerte nur wenige Tage -, dann aus Sorge
vor äußerer Einmischung oder weil die Lage so unübersichtlich erscheint, dass eine Denkpause angesagt ist.
Dann schlägt die Stunde von Übergangs- oder Verlegenheitskandidaten, wie Giacomo Savelli einer war. Der
einstige starke Mann Italiens und verjagte König von Sizilien Karl von Anjou (seit 1265) war soeben gestorben,
und man wollte erst einmal abwarten, wie sich die Dinge entwickelten. Doch wie so oft, die Zwischenlösung
erwies sich mit einem Pontifikat von vollen zwei Jahren als für damalige Verhältnisse relativ dauerhaft, und der
gichtgeplagte Greis, der als Großneffe von Hononus III. dessen Papstnamen wählte, entwickelte mehr Energie
als erwartet. Anerkannt in Rom, konnte er dort residieren und sich zum Senator wählen lassen. Seine
Befugnisse delegierte an seinen Bruder Pandolfo, der mit Umsicht und Entschlossenheit die Stadt in den Griff
bekam, während der Papst selbst im Kirchenstaat mit ausgleichendem Geschick den inneren Frieden
beförderte. Weniger glücklich war sein Entschluß, die Politik des Vorgängers zur Restitution des Hauses Anjou
in Sizilien wiederaufzunehmen. Er gewann den französischen König Philipp III. (1270-1285) zu einem
"Kreuzzug" gegen das Haus Aragonien, das sich in Sizilien einzunisten drohte. Der Angriff endete mit einem
Fiasko; Philipp starb wenig später (5.5.1285). Zwar überlebte ihn Prätendent Peter III. von Aragonien nur um
ein paar Monate (er starb am 10.11.1285), doch dessen jüngerer Sohn Jakob konnte sich durchsetzen und am
2.2.1286 die Krönung in Palermo erreichen. Mit der Exkommunikation des neuen Königs von Neapel-Sizilien
bewirkte Hononus nichts, sondern mußte im Gegenteil erleben, daß der noch von Peter gefangengesetzte
Anjou-Erbe Karl II. zur Rückgewinnung seiner Freiheit im Vertrag von Barcelona (Februar 1287) auf alle
Ansprüche zugunsten Jakobs verzichtete. Diesem Fehlschlag folgte ein weiterer im Norden: Hononus wollte
sich wie schon Gregor X. den deutschen König Rudolf von Habsburg (1273-1291) verpflichten, indem er dessen
Krönung zum Kaiser fest für den 2.2.1287 verabredete. Doch die deutschen Fürsten mauerten aus Sorge um
ihre Privilegien und vor einer zu starken Zentralmacht. Rudolf mußte seinen Italienzug verschieben, und auf
dem Reichstag in Würzburg im März 1287 blitzte der päpstliche Legat endgültig ab. Die Kaiserkrönung war
damit, wie sich zeigen sollte, ein für allemal vom Tisch. Innerkirchlich zeichnete sich das Pontifikat von
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Hononus durch die weitere Aufwertung der Dominikaner und Franziskaner aus, die schon Nikolaus III. in Gang
gebracht hatte. Mit Männern dieser Orden wurden wichtige Positionen besetzt, die Inquisition wurde ganz in
ihre Hände gelegt.
 Nicolaus IV. 1288-1292
vorher Girolamo Masci * 30.9. 1227 Lisciano b. Ascoli, Sohn eines Schreibers,  Rom. Schon früh in den
Franziskanerorden eingetreten, wurde G. 1272 Provinzial von Dalmatien, 1274 als Nachfolger Bonaventuras
Ordensgeneral, 1278 Kardinal, 1281 Bf. v. Palestrina. Bereits in diesen Jahren war der nach fast einjähriger
Sedisvakanz 1288 Gewählte diplomatisch für die Kurie tätig: 1272 in Byzanz (Unionsfragen), 1278 in Frankreich
(Friedensverhandlungen). G. wählte aus Dankbarkeit für seinen Gönner N. III. (den er v.a. bei der Entstehung
der Bulle "Exiit qui seminat" beraten hatte) den Namen N.. - Als Papst widmete er sich besonders der
Wiedereinsetzung der nach der "Sizilianischen Vesper" 1282 aus Sizilien vertriebenen Anjous, krönte am 29.05.
1289 Karl II. v. Anjou zum Kg. v. Neapel und Sizilien. Jedoch scheiterten trotz ausdauernder päpstl. Hilfe in den
nächsten Jahren alle Bemühungen, deren Gegner, die Aragonesen aus Süditalien zu vertreiben. Verhandlungen wegen der Kaiserkrönung Rudolfs v. Habsburg scheiterten wie die Versuche, einen Kreuzzug zu
organisieren. Zwar hatte N. - kreuzzugsbegeisterter als seine Vorgänger - nach dem Verlust von Tripoli (April
1289) zum Kreuzzug aufgerufen und eine kleine Flotte aufgestellt, aber auch nach dem Fall von Akko (Mai
1291), dem letzten christlichen Stützpunkt in Palästina, verhallten seine Aufrufe ungehört. Nachhaltiger wirkte
N. durch die Organisation der Mission: 1289 entsandte er den Franziskaner Giovanni di Monte Corvino an den
Hof des Kublai Khan nach Peking (1307 erster Erzbischof dort); auch auf dem Balkan und im Nahen Osten
waren in seinem Auftrag Missionare tätig. - N., der im Gegensatz zu seinen Vorgängern statt der Orsini die
Colonna begünstigte, förderte durch die Bulle "Coelestis altitudo" (18.6. 1289) die Eigenständigkeit des
Kardinalskollegiums, sie garantierte dem Gremium die Hälfte der anfallenden Einkünfte des Hl. Stuhls. Als
Bauherr veranlaßte N. die Ausschmückung des Laterans und von S. Maria Maggiore, hier wurde er auch
begraben.
 Cölestin V. 1294
* Grafschaft Molise um 1210,  Castel Fumone (bei Ferentino) 19.5.1296 Papst 5.7.-13.12.1294, hl., Fest 19.5.
Die Umstände der Wahl von Pietro del Murrone, dem berühmten Einsiedler, waren ungewöhnlich, sein
Pontifikat und dessen Ende nicht minder. In der Figur dieses Papstes bündelten sich Wunderglaube und
schwärmerische Begeisterung des Mittelalters; eine legendenumwobene, wunderliche Gestalt wie aus der
Frühzeit des Christentums trat für einen Moment in die Welt der Mächtigen und verschwand gleich wieder im
Dunkel. Ein "romantisches Intermezzo" nennt der Historiker Ferdinand Gregorovius die kurze Amtszeit von
Papst Cölestin V. Zur Vorgeschichte: Nach dem Tod von Nikolaus IV. herrschte wieder einmal Anarchie in Rom.
Die Kardinäle konnten sich auf keinen Nachfolger einigen, die Parteien der Colonna und Orsini trugen ihre
Fehden auf offener Straße aus. Schließlich schlug jemand vor, den Eremiten Petrus (Pietro), einen
Benediktinermönch, der in den Bergen von Murrone bei Salmona als Oberhaupt einer frommen Gemeinde
hauste, zum Papst zu wählen, und die ratlosen Kardinäle griffen die Idee tatsächlich auf; einstimmig erging ihr
Ruf an Petrus. Erstaunliche Geschichten waren über den in strenger Armut lebenden Alten im Umlauf. Als er
sich von Gregor X. die Bestätigung seines Ordens geholt habe, soll er vor den Augen des Papstes seine Kutte an
einem Sonnenstrahl aufgehängt haben. Liebevoll malten die Berichte der Zeitgenossen aus, wie nun die
apostolischen Gesandten die ärmliche Einsiedlerhütte im rauhen Gebirge fanden, wie der Gesuchte bleich und
verhärmt, in eine zottige Kutte gehüllt, aus der Tür trat; wie ihm verkündet wurde, daß er Papst sei; wie er zu
fliehen versuchte und dann doch mitging; wie sich die Nachricht über das Land verbreitete und ein riesiger
Volkshaufen Cölestin V. (so wollte er als Papst heißen) das Geleit gab und wie schließlich der Herr Süditaliens,
Karl II. von Anjou, mit seinem Sohn erschien und die beiden Könige den Esel, auf dem der Papsteremit ritt,
demütig am Zügel führten - alles ganz so wie beim Einzug Jesu in Jerusalem. Karl erfaßte sofort, was für ein
Geschenk ihm da in den Schoß gefallen war: Er nahm Cölestin unter seine Fittiche und brachte ihn nach
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Neapel. Unfähig zu jeder Art von politischem Geschäft, geblendet und erschreckt von dem Betrieb um sich
herum, ließ Cölestin alles mit sich geschehen, verkroch sich in einer Zelle, die man ihm im Schloß des Königs
eingerichtet hatte, und versuchte, das gewohnte Eremitendasein fortzuführen. Ein ehrgeiziger Kardinal
namens Benedetto Caetani erschlich sich das Vertrauen Cölestins und bewegte ihn zum Rücktritt, womit er ihm
wahrscheinlich einen großen Gefallen tat. Unter dem Namen Bonifaz VIII. wurde Gaetani selbst Papst.
Unterdessen irrte Cölestin, immer auf der Flucht in die Einsamkeit, in den Wäldern Apuliens umher. Bonifaz
ließ ihn verfolgen, ergreifen und auf der Burg Fumone einkerkern. Denn der abgedankte Papst war eine Gefahr
für den neuen. Nach Cölestins Tod - vermutlich nach einer Wundinfektion - schossen Gerüchte ins Kraut, er sei
ermordet worden. Später wurde sogar die Tatwaffe gezeigt und nach der Heiligsprechung Cölestins (1313) als
Reliquie verehrt: ein langer Nagel, der dem Unglücklichen in den Kopf getrieben worden sein soll.
 Bonifaz VIII. 1294-1303
* Anagni (bei Frosinone) um 1235, Rom 11.10.1303 Papst seit 24.12.1294Nur einen Tag dauerte das
Konklave zur Ermittlung des Nachfolgers von Cölestin V. in Neapel. Das war kein Wunder, hatte doch der
Auserkorene Benedetto Caetani schon vorher allein die Schlüsselgewalt ausgeübt für den frommen, aber
politisch gänzlich ahnungslosen Vorgänger, den er schließlich zum Rücktritt hatte bewegen können. Der neue
Stellvertreter Christi stammte aus dem Kleinadel der Campagna, hatte die Rechte studiert, war 1281 nach
erfolgreichen diplomatischen Missionen von Martin IV. zum Kardinal erhoben worden und nannte sich fortan
Bonifatius, eingedeutscht Bonifaz. Er verlegte sogleich seine Residenz wieder nach Rom und machte Front
gegen die dort dominierende Familie Colonna, deren Kardinäle er absetzte. Sie versuchten sich dadurch zur
Wehr zu setzen, daß sie die Rechtmäßigkeit des Rücktritts von Cölestin und damit auch die Gültigkeit der Wahl
von Bonifaz VIII. bestritten, mußten sich aber mangels Verbündeter schließlich dem Papst beugen, der die
Colonna-Güter im Kirchenstaat einzog und sie eigenen Angehörigen zuschanzte. Andere Pläne des Papstes wie
die Rückgabe des Königreichs Sizilien an das Haus Anjou scheiterten zwar, doch konnten ein gefährlicher
Konflikt mit Philipp IV. dem Schönen von Frankreich (König 1285-1313) um die Besteuerung der Geistlichkeit
durch Zugeständnisse von Bonifaz noch einmal entschärft und der Frieden durch die Heiligsprechung von
Ludwig IX., dem von Philipp verehrten Großvater, besiegelt werden. Der herrische Mann auf dem Stuhl Petri
steigerte sich mehr und mehr in einen Machtrausch, trat manches Mal statt im geistlichen Ornat mit den
Reichsinsignien geschmückt auf und deklarierte das Jahr 1300 zum Jubeljahr (erstes Heiliges Jahr). Die
Huldigungen, die ihm aus diesem Anlaß zuteil wurden, und der Strom der Pilger, darunter Fürsten und Könige,
ließen Bonifaz vollends jedes Maß verlieren. Am 18.11.1302 verkündete er in der Bulle "Unam sanctam" auch
die weltliche Vorherrschaft des Papsttums. Die Zeiten von Innozenz III. aber waren vorbei, und als Bonifaz den
Protest des französischen Königs kühl dahin gehend beschied, daß er nicht die Herrschaft über Frankreich,
wohl aber die über seinen Herrscher als einen Sünder beanspruche, hatte er seine Karte endgültig überreizt.
Der Konflikt eskalierte auch dadurch, daß Bonifaz die französischen Bischöfe zu einer Synode nach Rom berief
und daß auch 39 Würdenträger kamen. Das konnte Philipp nicht ohne Antwort lassen, und er entsann sich der
Colonna-Papiere. Der König ließ sie durch erfundene Berichte über sexuelle Verfehlungen des Papstes
anreichern und veröffentlichen. Bonifaz sah sich als Ketzer gebrandmarkt und mit Forderungen nach einem
Konzil zur Klärung der Vorwürfe konfrontiert. Als er jedoch gerade von seinem Heimatort Anagni zum
Gegenschlag durch die Exkommunizierung Philipps ausholte, erschien am 7.9.1303 ein Söldnerhaufen unter
Führung eines Colonna und nahm ihn fest. Ehe man ihn jedoch wie vom König befohlen nach Frankreich
bringen konnte, entstand ein Volksaufruhr zugunsten des großen Sohnes der Stadt. Bonifaz wurde befreit und
konnte am 25.9.1303 nach Rom zurückkehren. Sich noch einmal zum Kampf zu stellen, das vermochte er
jedoch nicht. Tief verletzt und physisch gebrochen starb er wenige Tage später. Die eigentliche Bedeutung
dieses eminent politischen Papstes lag eher in seinem kirchlichen Wirken: Als Jurist entwickelte er das
kanonische Recht weiter, dämmte den Einfluß der Bettelorden ein und sorgte für eine Reform der päpstlichen
Verwaltung.
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 Benedikt XI. 1303-1304
Früher Nikolaus Boccasini, *Treviso 1240 §Perugia 7.7.1304; Dominikaner, 1296 Generalmagister seines
Ordens, 1298 Kardinal. Als Papst leitete er die Aussöhnung des Papsttums mit Frankreich ein. Wurde 1736 selig
gesprochen. (7.7.)
 Klemens V. 1305-1314
* Villandraut (bei Langon, Gironde) um 1260,  Roquemaure (bei Avignon) 20.4.1314 Papst seit 5.6.1305Nach
elfmonatigem Gefeilsche und dem krankheitsbedingten Ausscheiden von vier der 19 Kardinäle gelang es dem
einflußreichen Kardinal Orsini nach dem Tod von Benedikt XI. im Konklave von Perugia, Bertrand de Got, den
Erzbischof von Bordeaux, durchzusetzen, obwohl oder gerade weil dieser nicht einmal Kardinal war. Dabei
hatte nicht zuletzt Geld aus der Schatulle Philipps IV. des Schönen (König 1285-1313) eine Rolle gespielt, denn
zum einen versprach sich der französische Herrscher von einem Landsmann mehr Entgegenkommen, als es
sonst die Päpste ihren weltlichen Rivalen gegenüber an den Tag legten, zum anderen setzte er darauf, daß der
neue Papst Klemens V. in Frankreich bleiben werde. In beidem hatte sich Philipp nicht verrechnet: Klemens ließ
sich in Lyon krönen, verlegte seine Residenz 1309 nach Avignon und begründete so die sieben Jahrzehnte
währende "babylonische Gefangenschaft" der Päpste, wie die romferne Zeit in Anlehnung an das Exil der Juden
im Alten Testament genannt wurde. Und er wurde zum willigen Werkzeug des Königs, dessen Zwist mit dem
deutschen König Albrecht 1. (1298-1308) den politischen Spielraum des Papstes einengte. Als Albrecht durch
Mörderhand gefallen war, sollte Klemens die Nachfolge von Philipps Bruder Karl von Vabis im Reich einfädeln.
Doch es gelang dem Papst nicht, die geistlichen Kurfürsten auf Linie zu bringen, die Heinrich von Luxemburg,
Bruder des Trierer Erzbischofs, auf den Schild hoben. Klemens akzeptierte das schließlich und ließ Heinrich VII.
1312 sogar von drei Legaten in Rom zum Kaiser krönen. In der Kurie aber verschaffte Klemens schon 1305
durch die Ernennung von neun Franzosen zu Kardinälen, darunter bezeichnenderweise vier seiner Neffen, der
gallischen Fraktion die Mehrheit. Doch auch damit war Philipp noch nicht zufrieden, er drängte auf eine
förmliche Verurteilung des Vorvorgängers Bonifaz VIII. als Ketzer durch ein Konzil. Lange sträubte sich der
Papst, setzte dann 1309 den Prozeß schließlich in Gang, verzögerte ihn aber mit immer neuen Verfahrenstricks.
Gegen die Rehabilitierung der ColonnaKardinäle, die Rückgabe von deren Vermögen, den Erlaß aller
Kirchenstrafen gegen ihre Anhänger und die Heiligsprechung Cölestins V. verzichtete Philipp letztlich 1311 auf
die formelle Verurteilung. Und noch etwas mußte Klemens für den König tun: Er verbot auf dessen Drängen hin
den Orden der Tempelritter, auf deren Vermögen es Philipp abgesehen hatte. Zwar wurde es formal den
Johannitern übertragen, doch wußte es der König unter der Hand an sich zu bringen. Auf anderen Feldern ließ
Philipp den Papst gewähren, der in England für den König und gegen die schottischen Wünsche nach
Unabhängigkeit intervenierte und in Ungarn die Thronfolge regelte. Innerkirchlich von Bedeutung war die
Sammlung päpstlicher Dekretalen (Entscheidungen), die als "Klementinen" Eingang ins kanonische Recht
fanden. Auch die Zentralisierung der päpstlichen Verwaltung trieb Klemens voran und organisierte die Vergabe
von Pfründen zugunsten des Heiligen Stuhls - und zu seinem eigenen Vorteil. Bei seinem Tod hinterließ
Klemens seinen auch sonst nach Kräften geförderten Erben ein gewaltiges Vermögen aus dem Papstschatz,
den er dafür fast gänzlich geplündert hatte. Dante setzte ihm in der "Göttlichen Komödie" ein entsprechend
wenig schmeichelhaftes Denkmal als Franzosenknecht und geißelte seine Habgier mit den Worten: "Von
Westen naht er, und noch schnöder trachtet gesetzlos schaltend er nach Gült und Golde."
 Johannes XXII. 1316-1334
(um 1245 bis 1334), Papst (1316-1334), zweiter in Avignon residierender Exilpapst. Jacques Duèse, der später
als Papst den Namen Johannes XXII. trug, stammte aus der französischen Stadt Cahors. Da Johannes seine
päpstliche Politik mit dem Ziel der Vormachtstellung in Frankreich verband, führte dies zu einem großen Kampf
zwischen Papsttum und Kaisertum. Er sollte nur als Übergangspapst dienen, wurde allerdings fast neunzig
Jahre alt, im 14. Jahrhundert ein wahrhaft biblisches Alter.
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Datum: 24.10.2010
 Nikolaus (V.)
* Corvaro (heute zu Borgorose, bei Rieti) um 1270, ~ Avignon: 16.10.1333 Gegenpapst 12.5.1328-25.7.1330
Ludwig IV. der Bayer (deutscher König 1314-1347) hatte genug von der Dauerfehde mit Papst Johannes XXII.
Nach seiner Krönung zum Kaiser in Rom ließ er daher in Gestalt von Pietro Rainalducci vom römischen Klerus
einen Gegenpapst namens Nikolaus V. wählen, krönte ihn am 15.5.1328 und verkündete unter Verbrennung
einer Strohpuppe in päpstlichem Ornat die Absetzung des in Avignon residierenden Gegners. Nikolaus V. legte
sein Amtam 25.7 1330 vor dem Erzbischof von Pisa nieder und trat einen Monat später mit einem Strick um
den Hals, als Zeichen der Unterwerfung, vor Johannes. Die letzten drei Jahre seines Lebens verbrachte er in
ehrenhaftem Hausarrest in der päpstlichen Residenz.
 Benedikt XII. 1334-1342
Früher Jaques Fournier, *Saverdun um 1285, Avignon 25.4.1342; Zisterzienser, seit 1327 Kardinal. Er war
sittenstreng und hochgebildet, reformierte die kirchl. Ämterbesetzung und Steuererhebung sowie den Klerus,
bes. den Benediktiner- und den Zisterzienserorden. Durch die Abhängigkeit von Frankreich war B. zur
Fortführung des Kampfes gegen Ludwig den Bayern gezwungen. Er erbaute die Papstburg in Avignon.
 Klemens VI. 1342-1352
* Schloß Maumont (bei Egletons, Correze) 1291,  Avignon 6.12.1352 Papst seit 7.5.1342Hatte Philipp VI. von
Frankreich (König 1328-1350) den Vorgänger Benedikt XII. nur per Machtwort an einem Arrangement mit
Ludwig IV. den Bayern (Kaiser 1314-1347) zu hindern vermocht, so konnte er sich auf Klemens VI. blind
verlassen. Der als Pierre Roger aus adliger Familie geborene Kirchenfürst hatte eine steile Karriere hinter sich:
1326 Abt des Benediktinerklosters Fecamp, 1328 Bischof von Arras, 1330 Erzbischof von Rouen und 1338
Kardinal. Zeitweilig war er Kanzler des Königs gewesen und stand ihm schon von daher so nahe, daß Philipp
eigens einen seiner Söhne zum Konklave nach Avignon entsandte, wo sich die Kardinäle jedoch schon auf den
Favoriten des Königs geeinigt hatten. Sie taten damit aber nicht nur Philipp einen Gefallen, sondern auch sich
selbst, die sie unter dem drastischen Sparkurs des vorigen Papstes ihrer Meinung nach lange genug gelitten
hatten. Der lebensfrohe, verbindliche Benediktiner Klemens versprach ein flotteres Hofleben und eine
großzügigere Vergabe von Gebühren, Pfründen, Titeln und sonstigen Wohltaten. Die Wähler hatten sich nicht
getäuscht, denn der Papst erwies sich als begabter Gastgeber und arrangierte üppige Feste, obwohl er den
Ausbau des Papstpalastes weiter förderte und um den Palais Nouveau bereicherte, also auch dabei weit
großzügiger als der Vorgänger auf Prunk setzte. Insofern hatte er viel Verständnis für die römische Delegation,
die ihn bald nach Amtsübernahme aufsuchte und um Verkürzung der Frist von 100 Jahren für die Jubeljahre
ersuchte. Dem entsprach Klemens sofort und setzte 50 Jahre fest, so daß schon 1350 wieder gefeiert und
verdient werden konnte, was der heruntergekommenen Ewigen Stadt sichtlich guttat. Dem Wunsch nach
Rückverlegung der Papstresidenz nach Rom aber konnte und wollte der Franzose nicht zustimmen, da ihn
Philipp hielt und ihn die anarchischen Zustände dort abschreckten. Mit der Unterstützung des selbsternannten
Volkstribuns Cola di Rienzo (um 1313 - 1354) hoffte er daran etwas zu ändern, doch erwies sich dieser als
unfähig. Mehr Erfolg hatte der Papst bei seinem Vorgehen gegen Ludwig, den er erneut bannte. Die Kurfürsten
rief er auf, einen neuen König zu wählen; diese kamen dem nach, indem sie Karl IV. von Böhmen am 11.7.1346
auf den Schild hoben. Das hätte noch nichts besagen müssen, denn Ludwig rüstete zum Gegenschlag. Ehe
dieser aber fiel, kam der Kaiser bei einem Jagdunfall am 11. 0.1347 ums Leben. Karl erwies sich als wesentlich
kirchenfreundlicher, kam den päpstlichen Forderungen weitgehend nach und zog sich damit den Spitznamen
"Pfaffenkönig" zu. Weniger glücklich für Klemens verliefen Verhandlungen mit der Ostkirche zur Überwindung
des Schismas, und ebenso scheiterte ein päpstliches Heer 1350/1351 in der Romagna beim Versuch, die
Herrschaft in Italien zurückzugewinnen. Alles in allem bewegte Klemens zwar viel, aber um den Preis einer fast
völligen Erschöpfung der Finanzen, was zu steigenden Steuerlasten führte.
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 Innozenz VI. 1352-1362
 12.9. 1362. - Stephan Albert (od. Aubert), gebürtig aus Mont b. Beyssac (Limoussin), studierte die Rechte
und war später Professor für Zivilrecht in Toulouse, anschließend bekleidete er das Amt des Großrichters der
Landvogtei Toulouse. I. wurde Bischof von Nismes (1337), von Noyon (1338) und von Clermont (1340). 1345
wurde I. zum Kardinal ernannt. 1345 führte er als Gesandter einen Waffenstillstand zwischen den sich
bekriegenden Königen von Frankreich und England herbei. 1352 wurde er Kardinalbischof von Ostia und
Velletri und Großpönitentiar der römischen Kirche. Als Nachfolger Clemens' IV. wurde I. am 28.12. 1352 in
Avignon gewählt. Zur Wahl stellten die Kardinäle erstmals eine Wahlkapitulation auf, die I. 1353 für nichtig
erklärte. Er führte Reformen des gesamten päpstlichen Hofes durch, beschnitt selbst die Privilegien der
Kardinäle und verminderte die Ausgaben des Hofes. - Zur Neufestigung der päpstlichen Herrschaft, und um die
Rückkehr der Päpste nach Italien vorzubereiten, entsandte er den überragenden Kardinal Ägidius Albornoz,
dies gelang diesem im Verlauf von 4 Jahren. Die "Constitutiones Aegidianae" wurden Grundlage der
Rechtssprechung und Administration im ganzen Kirchenstaat. - Zu Karl IV. hatte I. gute Beziehungen und ließ
ihn 1355 in Rom durch einen Legaten krönen. I. erhob keinen Protest, als die Goldene Bulle (1356) das
päpstliche Bestätigungsrecht der deutschen Königswahl und das Reichsvikariat für Italien nicht erwähnte. - Im
hundertjährigen Krieg vermittelte I. zwischen Frankreich und England den Frieden von Bretigny (1360). I.
förderte die französische Herrschaft in Unteritalien. In Konstantinopel bemühte er sich vergeblich um Union
und Kreuzzug. I. war ein sittenstrenger und sparsamer Papst, hielt sich aber nicht frei von Nepotismus (er
bevorzugte Verwandte und Landsleute). Bei der Ordensreform ging er gegen Spirituale und Fratizellen streng
vor. I. galt als ein Freund der Gelehrten, er schätzte Petrarca und rief ihn an seinen Hof. I. stand im Rufe großer
Rechtschaffenheit, seine Hauptaufgabe sah er mehr in der Wiederherstellung von Ruhe, Ordnung und Frieden.
 Urban V. 1362-1370
(1309-1370), Papst (1362-1370), unternahm den Versuch, den Sitz des Papsttums von Avignon zurück nach
Rom zu verlegen. Er wurde als Guillaume de Grimoard in Grisac (Frankreich) geboren, trat dem Orden der
Benediktinermönche in Chiriac bei und wurde nach seinem Studium in Paris und Avignon zu einem berühmten
Gelehrten des kanonischen Rechtes. Er war Abt von Saint-Victor in Marseille, als er am 28. September 1362
zum Papst gewählt und im November in Avignon geweiht wurde. Urban widmete sich der Reformierung und
der Einigung der Kirche, da er der Ansicht war, dass sich die kirchlichen Angelegenheiten von Rom aus besser
regeln ließen. 1367 folgte er dem Ruf Karls IV., des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches, und begann
sogleich mit der Wiederherstellung der Stadt. Im darauf folgenden Jahr krönte er Elisabeth zur Kaiserin des
Heiligen Römischen Reiches. 1369 empfing er den byzantinischen Kaiser Johannes V. Palaiologos, der sich der
römischen Oberherrschaft unterwarf. Der Widerstand der byzantinischen Geistlichkeit und des Volkes
verhinderten jedoch eine Wiedervereinigung der griechischen und römischen Kirchen. Die Wiederaufnahme
der Kämpfe zwischen England und Frankreich sowie die Verstärkung der politischen Spannungen in Italien
veranlassten Urban 1370 nach Avignon zurückzukehren. Er wurde 1870 von Papst Pius IX. heilig gesprochen.
 Gregor XI. 1370-1378
(1329-1378), Papst (1370-1378). Er verlegte den Papstsitz von Avignon, wo er in den Jahren 1309 bis 1377
gewesen war, wieder zurück nach Rom. Gregor wurde in Limoges-Fourche (Frankreich) geboren, und sein
eigentlicher Name war Pierre Roger de Beaufort. Während seiner Amtszeit war Gregors Hauptanliegen die
Rückkehr des päpstlichen Hofes zu seinem ursprünglichen Sitz in Rom. Hierzu wurde er von den großen
Mystikerinnen, der heiligen Brigid von Schweden und der heiligen Katharina von Siena, angeregt. Der Hof in
Avignon widersetzte sich jedoch seinem Vorhaben, da Italien zu jener Zeit von Unruhen heimgesucht wurde,
die durch den erbitterten Kampf zwischen Florenz und dem Kirchenstaat aufgekommen waren. Da ein Ende
des Krieges nicht abzusehen war, zog Gregor im Jahre 1376 auf Drängen der heiligen Katharina nach Rom. Am
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17. Januar 1377 war der Papst wieder in Rom und beendete somit die so genannte Babylonische
Gefangenschaft der Päpste. Gregor war der letzte französische Papst und auch der letzte Papst aus Avignon.
 Urban VI. 1378-1389
(1318-1389), Papst (1378-1389). Bartolommeo Prignano wurde 1363 zum Erzbischof von Accrenza und 1377
zum Erzbischof von Bari ernannt. 1378 wurde er zum Papst gewählt. Die Wahl eines Italieners unterstrich den
Wunsch des römischen Volkes, einen Schlusspunkt unter die lange Reihe avignonesischer Päpste zu setzen.
Urban überwarf sich jedoch mit den französischen Kardinälen. Diese erklärten Urbans Wahl in Agnani für
ungültig, da sie unter Zwang zustande gekommen wäre. Am 20. September 1378 wählten die italienischen
Kardinäle Klemens VII., der als Gegenpapst nach Avignon ging. Die Papstwahl leitete das Abendländische
Schisma ein.
 Klemens (VII.)
*Genf 1342,  Avignon 16.9.1394 Gegenpapst seit 20.9.1378 Auch Robert von Genf, als Sohn eines Schweizer
Grafen weder Franzose noch Italiener, aber beiden Fraktionen nahestehend, hatte Urban VI. im Konklave seine
Stimme gegeben und ihm als erster gehuldigt. Um so enttäuschter war er, dem der Papst die -freilich äußerst
blutige - Rückeroberung des Kirchenstaats und damit den Verbleib in Rom verdankte, daß Urban sich gleich
nach der Wahl als unkontrollierter Despot entpuppte. Robert war schon als l9jähriger zum Bischof und zehn
Jahre später von Gregor XI. zum Kardinal ernannt worden und spürte nun angesichts der Unleidlichkeit Urbans
die Berufung zu noch Höherem. Nachdem eine Mehrheit der Kardinäle den Papst am 2.8.1378 für abgesetzt
erklärt hatte, trug er keine Bedenken, sich seinerseits zum Papst wählen zu lassen und das Amt als Klemens VII.
anzutreten. Er verstand sich dabei keineswegs, wie von den Kirchenhistorikern später klassifiziert, als
"Gegenpapst", sondern sah sich, wie Urban natürlich auch, als einzig rechtmäßigen Inhaber des Stuhls Petri.
Damit war das große Abendländische Schisma perfekt, das bis 1417 dauern sollte. Klemens nämlich warb
sogleich ein Heer, das seinen Anspruch gegen Urban in Italien durchsetzen sollte. Das scheiterte jedoch im
April 1379 in der Schlacht von Marino gegen eine Söldnertruppe des römischen Papstes, so daß sich Klemens
zur Gewinnung einer halbwegs legitimen Basis nach Avignon zurückziehen mußte. Von dort aus bemühte er
sich, durch rege diplomatische Missionen in Europa Verbündete zu gewinnen, und fand auch mächtige
Anhänger in den Herrschern von Frankreich, Burgund, Spanien, Neapel und Schottland. Die Front gegen Urban
verlief damit wie im Hundertjährigen Krieg Frankreichs gegen England (1338-1453), das sich natürlich auf die
römische Seite schlug. Ihm folgte die Mehrzahl der deutschen und der italienischen Fürsten, womit ein
machtpolitisches Patt König war. Wie im Süden glückte ihm seine Politik auch in Mittelitalien, dem Kemgebiet
des Kirchenstaats, indem er die örtlichen Potentaten gewähren ließ, solange sie nicht mit den Tributzahlungen
säumten. Und in der Stadt selbst setzte sich der Papst, der zeitweilig nach Perugia und Assisi hatte ausweichen
müssen, schließlich diktatorisch durch, hob 1398 die republikanische Verfassung auf, ernannte kraft seiner
oberhirtlichen Macht fortan die Senatoren und stellte die beim letzten Aufruhr schwer beschädigte Engelsburg
als seine Zwingfeste wieder her. Mit seiner geduldigen Diplomatie schaffte er es sogar, daß Karl VI. von
Frankreich (König 1380-1422) dem avignonesischen Gegner zeitweilig (1398-1403) die Unterstützung entzog.
Nur in Deutschland setzte er aufs falsche Pferd: Wenzel (König 1378-1400), den er mit Zugeständnissen
(Zehnten auf Kircheneigentum u. a.) und dem Angebot der Kaiserkrönung geködert hatte, wurde nämlich von
den Kurfürsten gestürzt. Der von ihnen dann gewählte Ruprecht von der Pfalz mußte bis 1404 um den
päpstlichen Segen werben, erhielt ihn schließlich aber knüppeldick. In Verdrehung aller Tatsachen anerkannte
ihn Bonifaz, weil die Kurfürsten erst auf seinen Druck hin den unfähigen Vorgänger abgesetzt hätten. Das wirft
ein bezeichnen-des Licht auf den Charakter des Papstes, der sich auch sonst gern die Realität zu seinen
Gunsten oder doch zugunsten seiner Angehörigen hinbog. Sie förderte er nämlich derart intensiv, daß zum
Geldmangel wegen militärischer und politischer Ausgaben (sprich: Bestechungen) famihär bedingter kam. Der
wurde dann durch schamloses Verhökern von Pfründen und Ämtern an die Meistbietenden und durch harte
Erhöhungen der Steuern behoben. Damit sicherte sich der Papst einen Platz im Volksmund, der fortan bei
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besonders brutaler Bedrückung durch Abgaben von den "Annaten des Bonifaz" sprach. Die Erleichterung bei
seinem Tod war spürbar, doch das Ende der Kirchenspaltung brachte er nicht, um die sich der Verstorbene
auch in keiner Weise bemüht hatte. Verstrickt in Händel und gebeutelt von Finanznot, war er zudem kaum zu
kirchlichen Maßnahmen gekommen, so daß die Heiligsprechung Birgittas von Schweden (um 1303-1373) am
7.1.1391 als einzige bemerkenswerte Tat zu Buche schlägt.
 Bonifaz IX. 1389-1404
* Neapel um 1350, ~ Rom 1.10.1404 Papst seit 2.11.1389. Da sitzt er herrscherlich in der Sakristei von S.Paolo
fuori le mura, der erste als Thronfigur dargestellte Papst: Bonifaz IX., bürgerlich Pietro Tomacelli. Über seine
frühe Karriere ist wenig bekannt, erst unter dem Mitneapolitaner Urban VI. tritt er als Kardinal di akon (seit
1381) und Kardinalpriester von 5. Anastasia (seit 1385) ins kirchengeschichtliche Licht. Seine Wahl nach
einwöchigem Konklave kam wohl vor allem wegen seiner Konzilianz und Beredsamkeit zustande, die ihm die
Menschen gewannen. Nach dem Finsterling Urban war er für die geplagten Kardinäle eine Wohltat, so daß es
ihm sogar gelang, einige der zum Gegenpapst Klemens VII. abgewanderten Kirchenführer zur Rückkehr nach
Rom zu bewegen. Ein Ausgleich mit Avignon oder gar die Abdankung des Gegners erreichte er hingegen nicht,
ja er mußte es erleben, daß ihm nach dessen Tod in Gestalt von Benedikt XIII. ein neuer Gegenpapst erstand. In
Gefahr aber brachte ihn weder der eine noch der andere, da es Bonifaz geschickt verstand, seine römische und
italienische Position zu festigen: Gegen das von Klemens mit Neapel belehnte Haus Anjou setzte er mit Geld
und Gewalt Ladislaus durch, Sohn Karls von Durazzo, den er 1390 krönte und der bis 1414 König war. Bonifaz
Amtszeit ist gekennzeichnet von chronischem Geldmangel, dass nur durch Steuererhöhungen und Simonie
hereingeholt werden konnte. Die Erleichterung in der Bevölerung war gross, als er am  1.10.1404 verstarb.
 Benedikt XIII. 1394- 1423
früher Pedro de Luna, *um 1342, §Peniscola (Aragonien) 23.5.1423; aus aragones. Adel; war Kanonist, seit
1375 Kardinal. Er trat nach 1378 auf die Seite des Gegenpapstes Klemens VII., zu dessen Nachfolger er 1394 in
Avignon gewählt wurde. Er ist also rechtlich als Gegenpapst zu betrachten. Trotz anfängl. Erfolge konnte er sich
nicht behaupten. Er wurde von den Konzilien zu Pisa (1409) und Konstanz (1417) abgesetzt; zog sich auf die
Burg Peniscola in Aragonien zurück und hielt sich bis zu seinem Tod den Anspruch aufrecht, rechtmässiger
Papst zu sein. Er war unter allen Päpsten der Schismazeit die bedeutendste Persönlichkeit. In der kirchl.
Zählung der B.-Päpste treten daher B.XIII. und B.XIV. zweimal auf.
 Innozenz VII. 1404-1406
Cosimo dei Migliorati, der spätere I., * um 1336 in Sulmona,  1.11. 1406. - Nach dem Studium der Rechte
lehrte er als Professor an den Universitäten in Perugia und Padua. Der Zeitpunkt seines Eintritts in den
geistlichen Stand ist unbekannt. 1387 wurde Cosimo Erzbischof von Ravenna, 1389 Erzbischof von Bologna. Im
gleichen Jahr wurde er in das Kardinalskollegium aufgenommen, von Urban V. wurde er als Kollektor nach
England und später als Legat nach Oberitalien entsandt. Bereits vor seiner Wahl am 17.10. 1404 hatte er sich
die Beendigung des Schismas zur Aufgabe gemacht. Jedoch lehnte er spätere Einigungsvorschläge seines
Gegenpapstes Benedikt XIII. ab. Auf Drängen Königs Rupprecht berief er für den 1.11. 1405 eine
Einigungssynode ein, die jedoch nicht zustande kam. Während seiner Amtszeit kam es in Rom zu Aufständen,
die er mit Hilfe des neapolitanischen Königs Ladislaus beizulegen versuchte. Als jedoch sein eigener Neffe in
einen Mordfall verwickelt wurde, floh I. nach Viterbo. Erst im Sommer 1406 konnte er nach Rom zurückkehren,
wo er am 1.11. des gleichen Tages starb. - Während seines nur kurzen Pontifikats gelang ihm zwar nicht die
Beilegung des Schismas, wohl aber eine zukunftsweisende Neuorganisation der Universität in Rom. Er schuf
einen Lehrstuhl für griechische Sprache und erwies sich durch die Berufung etlicher Humanisten an die
Universität als durchaus liberaler und aufgeschlossener Papst.
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 Gregor XII. 1406-1415
GREGOR XII., Papst, um 1327,  18.10. 1417 in Recanati. - G. hieß ursprünglich Angelo Correr und stammte
aus venezianischem Patriziergeschlecht. Er wurde 1380 Bischof von Castello, 1390 lateinischer Patriarch von
Konstantinopel und 1405 Kardinalpriester bei San Marco. Die römischen Kardinäle wählten ihn am 30.11. 1406
zum Nachfolger des am 6.11. 1406 verstorbenen Innozenz VII. (s. d.). In Avignon residierte seit 1394 als
Gegenpapst Benedikt XIII. (s. d.), dem G. mitteilte, er sei unter allen Bedingungen zur Wiederherstellung der
Kircheneinheit bereit. Beide Päpste wollten im Herbst 1407 darum in Savona zusammentreffen. Aber es kam
nicht dazu. Als Karl VI. im Mai 1408 die völlige Neutralität Frankreichs im Streit der beiden Päpste erklärte,
siedelte Benedikt XIII., von seinen Kardinälen im Stich gelassen, nach Aragon über. Auch die römischen
Kardinäle verließen ihren Papst. Die Kardinäle der beiden Päpste beriefen für 1409 ein allgemeines Konzil nach
Pisa. Die Synode setzte am 5.6. 1409 die beiden nicht erschienenen Päpste ab und wählten als neuen Papst
Alexander V. (s. d.). Da aber die beiden anderen nicht abdankten, hatte die Kirche nun drei Päpste. Das Konzil
von Konstanz beseitigte das Schisma: Johannes XXIII. (s. d.), der Nachfolger Alexanders V., wurde am 29.5.
1415 gefangengenommen und abgesetzt; G. dankte am 4.7. 1415 ab; Benedikt XIII. wurde am 26.7. 1417
abgesetzt und exkommuniziert, weil man ihn zur Abdankung nicht hatte bewegen können. G. lebte noch zwei
Jahre als Kardinalbischof von Porto.
 Alexander V. (Gegenpapst) (1409/10)
früher Petros Philargis, §Bologna 3.5.1410; auf dem Reformkonzil von Pisa einstimmig gewählt, obwohl der
päpstl. Stuhl nicht frei war (Gregor XII.). Daher wird er den Gegenpäpsten innerhalb des Abendländischen
Schismas zugeordnet.
 Martin V. 1417-1431
Martin V. (1368-1431), Papst (1417-1431), dessen Wahl das Abendländische Schisma beendete. Oddo Colonna
wurde 1368 in Genazzano, Italien, als Sohn einer einflussreichen römischen Familie geboren. Auf dem
Konstanzer Konzil wurde Martin einstimmig zum Papst gewählt, wodurch die Kirchenspaltung beendet
wurde.Martin machte es sich zur Aufgabe, das Primat des Heiligen Stuhles wiederherzustellen, um den
Einigungsprozess innerhalb der römischen Kirche und dem Kirchenstaates voranzutreiben. Er verurteilte den
damals in klerikalen Kreisen verbreiteten Konziliarismus, der dem Konzil höhere Autorität einräumte als dem
Papst.1420 lehnte Martin das Angebot der Franzosen ab, Avignon zu seiner Residenz zu machen und begab
sich stattdessen in das zerstörte Rom. In Rom ließ er Kirchen und öffentliche Gebäude wiederaufbauen,
veranlasste Reformen, welche die Behandlung der Juden betrafen und rief zu einem Kreuzzug gegen die
Anhänger von Jan Hus auf.
 Benedikt XIV. (Gegenpapst) 1425- 1430
früher Bernard Garnier, aus Rodez, erfolgloser Gegenpapst gegen den selbst schon als Gegenpapst
amtierenden Klemens VIII. (1423 - 29)
 Eugen IV. 1431-1447
Eugen IV., früher Gabriele Condulmer (1383-1447), Papst (1431-1447), der sich auf einen langen
Streit mit dem Konzil von Basel (1431-1437) über die uneingeschränkte päpstliche
Vormachtstellung innerhalb der Kirche einließ. Gabriele Condulmer stammte aus Venedig. Er
trat in den Augustinerorden ein und wurde zum Bischof geweiht, ehe sein Onkel, Papst Gregor
XII., ihn im Jahre 1408 zum Kardinal ernannte. 1431 bestieg er den Heiligen Stuhl und
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verwickelte sich alsbald in eine Auseinandersetzung mit dem Basler Konzil, die sich zu einem
Kampf um die Oberhoheit über die Kirche ausweitete. Zunächst wollte Eugen das Konzil
auflösen, dann versuchte er, dessen Einfluss zu verringern, indem er es 1438 nach Ferrara
verlegte. Sein Plan glückte jedoch nur zum Teil, da ein Rumpfkonzil weiterhin in Basel tagte.
1438 beschloss König Karl VII. von Frankreich als Reaktion auf das Konzil die Pragmatische
Sanktion von Bourges, die der französischen Kirche gewisse Freiheiten zubilligte und einer
Beschränkung der päpstlichen Macht zustimmte. Nachdem das Konzil von Ferrara nach Florenz
wechselte, kam es 1439 dort zu einem zeitweiligen Zusammenschluss der römisch-katholischen
und der griechisch-orthodoxen Kirche. Dieser Erfolg versetzte Eugen in die Lage, das Basler
Rumpfkonzil aufzulösen und die Vorherrschaft des Papstes wieder zu festigen.
 Nicolaus V. 1447 – 1455
(Tommaso Parentucelli), Papst seit 6.3. 1447 (Krönung am 19.3.), * 15.11. 1397 in Sarzana,  24.3. 1455 in
Rom, Grab zunächst in Alt St. Peter; beim Neubau der Petersbasilika wurde das Grabmal dann zerstört die
Reste, vor allem der Sarkophag, befinden sich heute in den Vatikanischen Grotten. N. stammte aus einer
Arztfamilie und erhielt seine Ausbildung in Florenz und Bologna. In Florenz war er zunächst bei Rinaldo degli
Albizzi, dann bei Palla de'Strozzi als Hauslehrer tätig. Über diese beiden Familien fand er Zugang zur Welt der
Kunst und Wissenschaft. Großen Einfluß nahm auf ihn der Bf. und spätere Kard. Niccolò Albergati OCarth., in
dessen Dienste er 1420 nach Abschluß der Studien mit dem Magister in Theologie und Empfang der
Priesterweihe trat. Im Gefolge Albergatis hielt er sich ab 1426 an der Kurie auf und begleitete den Kardinal auf
dessen diplomatischen Missionen. Für seine auf dem Konzil v. Florenz geleisteten Dienste ernannte Papst
Eugen IV. ihn zum Apostolischen Subdiaconus und verlieh ihm ein Archidiakonat in Frankreich. 1443 wurde er
Apostolischer Vicecamerarius, 1444 Bf. v. Bologna, doch konnte er wegen eines Streites zwischen der Stadt
und dem Papst sein Bistum zunächst nicht in Besitz nehmen. Eugen IV. sandte ihn zusammen mit Kard. Juan de
Carvajal als Legaten nach Deutschland. Dort gelang es ihm, in der Auseinandersetzung mit dem Basler Konzil
mit Erfolg für die Anerkennung des Papstes einzutreten. 1446 wurde er zum Kard.presbyter mit der Titelkirche
S. Susanna erhoben, galt indes weiterhin als Card. Bononiensis. Im Konklave vom März 1447 in S. Maria sopra
Minerva wurde er als Kompromißkandidat zum Papst gewählt. Nach der Wahl nahm er nach Humanistenart
den Namen seines Gönners Albergati an. N., der ein bestechendes Gedächtnis und glänzende rhetorische
Fähigkeiten besaß (seine Leichenrede für Eugen IV. scheint einen gewissen Einfluß auf den Verlauf des
Konklaves gehabt zu haben), galt als umfassend gebildet, wenngleich er nicht mit eigenen literarischen Werken
hervorgetreten ist, im Lebenswandel untadelig, zudem als kluger Diplomat und Schlichter. Als Papst förderte er
Wissenschaft und Künste, berief Schriftsteller und Gelehrte nach Rom (Poggio Bracciolini, Lorenzo Valla,
Vespasiano da Bisticci u.a.), das er mit Erfolg zu einem Zentrum des abendländischen Kulturschaffens ausbaute
und so das Ansehen des Papsttums zu mehren suchte. Die ehrgeizigen Bauprojekte (Papstresidenz, Wehrburg
in der Leostadt und vor allem der Neubau von St. Peter) konnten wegen der großen Ausmaße in der Kürze des
Pontifikats nicht verwirklicht werden. Ein besonderes Interesse richtete N. auf die Übersetzung von Werken
der griechischen Antike und der griechischen Väter. Hervorzuheben ist der großzügige Ausbau der
Vatikanischen Bibliothek, in die seine ca. 1200 Bände umfassende Handschriftensammlung einging, so daß er
als deren eigentlicher Begründer gilt. Doch beschränken sich die Verdienste des Pontifikats nicht auf die
Förderung des Humanismus. N. gelang die Beilegung mancher unter Eugen IV. entstandener Wirren. Die
Aussöhnung mit Kg. Friedrich III. führte 1448 zum Wiener Konkordat, das bis zum Ende des Alten Reiches
Geltung haben sollte und u.a. die Wahl der Bischöfe durch die Domkapitel anerkannte sowie dem Papst das
Pfründenbesetzungsrecht in den ungeraden Monaten des Jahres zusprach. Zu einer Überwindung der später in
den "Gravamina nationis germanicae" benannten Mißstände im Bereich des kurialen Verwaltungs-,
Besteuerungs- und Prozeßverfahrens konnte das Konkordat jedoch nicht wirksam beitragen. Am 16. März 1452
segnete N. in Alt-St. Peter zu Rom die Ehe Friedrichs III. mit Eleonore v. Portugal ein; am 19. März fand die
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Kaiserkrönung statt - die letzte in Rom. N. gelang im Zusammenwirken mit Frankreich und Kräften des Reichs
die endgültige Überwindung des noch bestehenden Schismas mit dem Basler Konzil, das sich nach der
Abdankung des Gegenpapstes Felix V. am 7. April 1449 am 25. des gleichen Monats selbst auflöste. So konnte
man 1450 in Rom ein Jubiläumsjahr mit großem Glanz feiern, bei dem u.a. die Heiligsprechung Bernadins von
Siena einen herausragenden Höhepunkt bildete. Das Jahr 1453 wurde von der Verschwörung des Stefano
Porcaro überschattet, der ein Attentat auf N. versuchte, um nach Art des Cola di Rienzo die geistliche
Herrschaft in Rom abzuschaffen. Die Verschwörung wird als Reakation des Niederen Adels und des römischen
Bürgertums auf N.s Politik gesehen, die Lage in der Stadt Rom und im Kirchenstaat durch Allianzen mit den
führenden Familien Orsini, Colonna, Malatesta, Ordelaffi etc. in den Griff zu bekommen. Glücklos war die
Politik des Papstes in der Frage der Griechenunion. N. war sowohl um die Ratifizierung der auf dem Konzil von
Florenz beschlossenen Einheit als auch um die Verteidigung Konstantinopels gegen die Türken bemüht,
erreichte aber beides nicht. Der von N. nach dem Fall von Konstantinopel ausgerufene und u.a. von Johannes
von Capestrano mit großem Nachdruck gepredigte Kreuzzug blieb ohne durchgreifende Wirkung. Die
europäischen Mächte waren unfähig, sich wirksam zur Verteidigung des Abendlandes zusammenzuschließen.
Erst der Vertrag von Lodi (1454), dem N. 1455 als "Protector et Custos" beitrat, schaffte die Voraussetzungen
zu einem späteren energischeren Vorgehen gegen die Türken während des Pontifikats Calixts III. Tragisch an
der Gestalt N.s ist, daß er wegen seiner Persönlichkeit zwar positiv zu beurteilen ist, die dringend notwendige
Kirchenreform aber nicht zustande kam, so daß in dem mit seinem Pontifikat beginnenden RenaissancePapsttum einem zunehmenden Prozeß der Verweltlichung des Papsttums und der Kurie nicht hinreichend
entgegengewirkt wurde.
 Calixtus III. 1455-1458
*Jativa 31.12.1378 Rom 6.8.1458 Papst seit 8.4.1555Wie so oft, wenn sich Favoriten gegenseitig
blockieren, kam nach dem Tod von Nikolaus V. ein Greis zum Zuge, mit dem niemand gerechnet hatte. Sein
grosses Ziel war die Rückeroberung von Konstantinopel durch einen Kreuzzug. Von seinen Bürgern erhob er
den sogenannten Türkenzehnten, verkaufte von seinen Vorgängern angehäufte Kostbarkeiten und Schätze,
nicht einmal vor den kostbaren Büchern machte er halt. Kalicts Pontifikat näherte sich seinem Ende, kurz
nachdem er den Halleyschen Kometen "gebannt" hatte. Die drei Jahre hatten genügt, jeden Glanz aus der
Ewigen Stadt zu vertreiben. Schuld daran war der schamlose Nepotismus des Papstes, der seine Neffen mit
Pfründen und Wohltaten überhäufte. Nur die Franzosen gedenken Kalixts eher wohlwollen, sorgte er doch im
Jahre 1456 für die Aufhebung des Urteils im Hexenprozess gegen Jeanne d´Arc.
 Pius II. 1458-1464
Pius II. (1405-1464), Papst (1458-1464), humanistischer Schriftsteller und Gelehrter. Enea Silvio Piccolomini,
auch Aeneas Silvius genannt, stammte aus Corsignano (heute Pienza) bei Siena. Er trat als Sekretär in die
Dienste des Bischofs von Fermo und lebte von 1431 bis 1435 in Basel. Später reiste er mehrfach in geheimer
Mission für die Kurie nach England und Schottland. Er gehörte zu den Laienmitgliedern des Basler Konzils, das
ihn 1422 zum Reichstag nach Frankfurt am Main entsandte. Hier ernannte ihn Friedrich III., der Kaiser des
Heiligen Römischen Reiches, zu seinen Hofdichter und Privatsekretär. Piccolomini verfasste mehrere
geistreiche literarische Werke, darunter einen Roman im Stil des Italieners Giovanni Boccaccio. 1446 erhielt er
die Weihen, 1456 den Kardinalshut und wurde 1458 zum Papst gewählt. Er regte einen Kreuzzug gegen die
Türken an, die 1453 Konstantinopel erobert hatten und nun nach Europa vordrangen. Aufgrund politischer und
ideologischer Konflikte mit verschiedenen europäischen Herrschern, darunter Ludwig XI. von Frankreich,
bekam Aeneas Silvius jedoch erst 1464 die erhoffte Unterstützung. 1464 starb er in Ancona.
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 Paul II. 1464-1471
*Venedig 23.2.1417  Rom 26.7.1471, Papst seit 30.8.1464Er wollte ursprünglich den Namen Formosus II. (der
Wohlgestaltete) annehmen, scheiterte aber am Protest der Kardinäle. Als Paul II. war das das letzte Mal, dass
er auf seine Kardinäle hörte. Etliche Konzilsforderungen verhallten ungehört. 1469 lies er in Rom die erste
Druckerpresse einrichten. Sein Versuch, Frankreich die gallikanischen Freiheiten zu beschneiden, scheiterten.
 Sixtus IV. 1471-1484
Sixtus IV. (1414-1484), Papst (1471-1484), förderte als Schutzherr die Künste und die Wissenschaften. Er wurde
unter dem Namen Francesco della Rovere in Celle Ligure bei Savona geboren und trat schon in frühen Jahren
dem Orden der Franziskaner bei. 1464 wurde er zum General der Franziskaner und drei Jahre später zum
Kardinal ernannt. Während seines Pontifikats wurde die Sixtinische Kapelle erbaut. Sixtus gilt als erster
Renaissancepapst, der sich einen teuren Hofstaat leistete und die Künste und Wissenschaften förderte. Der
Entwicklung der Bettelorden widmete er sich mit besonderem Interesse. Seine Verwicklungen in die Kriege mit
Florenz (1478-1480) und Venedig (1480-1484) führten dazu, dass der Ruf nach Kirchenreformen immer lauter
wurde. Zwar stimmte Sixtus zunächst der spanischen Inquisition 1478 zu, wandte sich jedoch später gegen
bestimmte Exzesse.
 Innozenz VIII. 1484-1492
Giovanni Battista Cibo, der spätere I., * 1432 in Genua,  26.7. 1492. - Nach dem Studium in Rom und Padua
lebte er zunächst am arogonesischen Hof. Aus dieser Zeit hatte er zwei uneheliche Kinder, die er auch
anerkannte. 1467 wurde er Bischof von Savona. 1472 verließ er Savona und übernahm das Bistum Molfetta.
Am 7.5. 1473 wurde er als Kardinal von Molfetta in das Kardinalskollegium aufgenommen. Seit 1476 blieb Cibo
als Legat seines Vorgängers Sixtus IV. in Rom zurück. Seine Wahl zum Papst am 29.8. 1484 war stets heftig
umstritten, es soll zu Manipulation und Bestechung gekommen sein. Die bereits zu Zeiten Sixtus IV. sehr hohe
Verschuldung des heiligen Stuhls hatte die Praxis des Ämterkaufs allzu stark überhandnehmen lassen. I. stand
damit vor den beiden großen Aufgaben, den päpstlichen Haushalt zu sanieren und die seit langem geforderten
Reformen durchzuführen. Aber obwohl er sich durch die Wahl seines Namens bewußt in die Reihe der Päpste
des Großen Schismas stellte, unternahm er keinerlei Schritte zur anstehenden Reform. Im italienischen
Baronenkrieg stellte I. sich auf die Seite der Barone gegen König Ferrante von Neapel, der ihm den Lehenszins
verweigert hatte. Sein Hilferuf an Frankreich, ihm gegen die überlegene Partei Ferrantes beizustehen, blieb
ohne Erfolg, so daß I. im August 1486 mit Ferrante einen Frieden eingehen mußte. Ferrante brach diesen
Frieden, worauf I. ihn der Krone für verlustig erklärte. Den erneut ausgebrochenen Krieg konnte I. erst 1492
durch die Doppelheirat seines Sohnes mit einer Medici und seiner Enkelin mit einem Onkel Ferrantes beilegen.
Gewisse Berühmtheit erlangte seine Bulle "Summis desiderantes affectibus" vom 5.12. 1484, die ein starkes
Aufflackern der Hexenpogrome vor allem in den deutschen Ländern auslöste. Während seines gesamten
Pontifikats war I. vornehmlich mit seinen Geldnöten beschäftigt. Das Unwesen der Simonie nahm immer
stärker zu und I. sah sich zeitweilig genötigt, Mitra und Tiara, sowie Teile des päpstlichen Kronschatzes zu
verpfänden. In Rom selbst wurde eine von päpstlichen Beamten betriebene Fälscherwerkstatt ausgehoben.
Auch die guten Beziehungen I.s zur Hohen Pforte verdankten sich einzig finanziellen Interessen. I. hielt gegen
großzügige Geschenke des Sultans Bajasid dessen Bruder Dschem in Gefangenschaft. Außer Gold bekam I.
dafür auch die Heilige Lanze zum Geschenk. - I., der in der Nacht vom 25. auf den 26.7. 1492 nach langer
Krankheit starb, gilt vor allem als schwacher und unselbständiger Papst, was wohl nur zum Teil seiner sehr
schwachen Gesundheit zuzuschreiben ist.
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 Alexander VI. 1492-1503
Alexander VI. (um 1431 bis 1503), Papst (1492-1503) aus der für ihre weltliche Gesinnung und ihren Hang zur
Korruption bekannten Familie der Borgia. Rodrigo de Borja (italienisch Borgia) stammte aus dem nahe Valencia
gelegenen Ort Játiva. Nach Abschluss seines Jurastudiums in Bologna diente er als Kardinal und Bischof, später
als fähiger päpstlicher Verwalter. Als typisches Mitglied des mächtigen Geschlechts der Borgia erwarb er große
Reichtümer und gab sich weltlichen Genüssen hin. Aus seinem Konkubinat mit der römischen Adelsfrau
Vanozza Catanei gingen fünf Kinder hervor, darunter der für seine Skrupellosigkeit berüchtigte Cesare. Das
1492 auf den Tod von Innozenz VIII. folgende Konklave erhob Rodrigo zum Papst.Wirtschaftliche und politische
Entscheidungen bestimmten den Verlauf des Pontifikats. Er bemühte sich, die christliche Welt gegen die
Osmanen zusammenzuschließen. Bedeutung erlangte schließlich die durch seine Vermittlung 1493 zustande
gekommene Demarkationslinie, welche die Neue Welt zwischen Spanien und Portugal aufteilte, und die
Entsendung erster Missionare nach Amerika. Familiäre Erwägungen spielten für Alexander eine wichtige Rolle.
Er nutzte seine Amtszeit, um das Vermögen seiner Kinder durch die Vermittlung von Posten und eine
geschickte Heiratspolitik zu vergrößern.
 Pius III. 1503-1503
(Francesco Todeschini-Piccolomini), * vermutlich 9.5. 1439 in Pienza/Toskana,  18.10. 1503 in Rom,
begraben in den Vatikanischen Grotten, Grabmal in Sant' Andrea della Valle (Rom). - Nach den Angaben der
Grabinschrift wurde T. am 9.5. 1439 als Sohn des toskanischen Juristen Giovanni de' Todeschini und der
Laodomia Piccolomini, einer Schwester des Dichters und Humanisten Enea Silvio Piccolomini, des späteren
Papstes Pius II., geboren. Während über das Geburtsjahr weitgehend Einigkeit besteht, streiten bis heute Siena
und Sarteano, die Herkunftsorte der mütterlichen Familie, mit Pienza um den Vorrang, Geburtsort beider
Piccolomini-Päpste zu sein. Als Zweitältester unter fünf Brüdern und zwei Schwestern erfreute sich T. schon
früh der Gunst seines weit über Italien hinaus bekannten Onkels, der die in bescheidenen Verhältnissen
lebende Familie der Schwester an seinem Aufstieg teilhaben ließ. Alle Söhne genossen eine sorgfältige
Erziehung und gelangten in hohe Positionen. T., der für den geistlichen Stand bestimmt wurde, und sein
jüngerer Bruder Pietro reisten 1451 über die Alpen nach Österreich, wo sie Enea Silvio Piccolomini, der als
päpstlicher Legat in Wien weilte, mit führenden kirchlichen und weltlichen Persönlichkeiten, u.a. dem späteren
Kaiser Friedrich III., bekannt machte. 1451/52 war T. an der Universität Wien immatrikuliert, doch schweigen
die Quellen über Art und Dauer seiner Studien. Mit Hilfe seines Onkels knüpfte er in jenen Jahren nicht nur
wichtige Verbindungen, sondern erlernte auch die deutsche Sprache, was seine Laufbahn an der Kurie
entscheidend förderte. Seit 1453 studierte er zunächst in Ferrara, später in Perugia Rechtswissenschaften und
promovierte zum Dr. iur. can. Der materiellen Absicherung T.s dienten mehrere Pfründen, vornehmlich im
deutsch- österreichischen Raum, u.a. in Xanten und Irdning an der Enns, die ihm der zum Kardinal (1456),
schließlich zum Papst (1458) aufgestiegene Onkel verschaffte. Schon kurz nach seiner Wahl erhob Pius II. den
Neffen zum Domherrn, dann zum Erzbischof von Siena und am 5.3.1460 zum Kardinaldiakon (Titelkirche: Sant'
Eustachio). Als päpstlicher Legat wirkte T. in der Mark Ancona. Während der Reise Pius' II. zur Eröffnung des
geplanten Türkenkreuzzuges oblag T. 1464 die Administration des Kirchenstaates. Auch der Tod seines Onkels
(1464) bewirkte keinen wesentlichen Einschnitt im Leben des "Kardinals von Siena". Aufgrund seiner guten
Kontakte zu Deutschland und der Habsburgerdynastie wirkte er in den Pontifikaten Pauls II. (1464-1471),
Sixtus' IV. (1471-1484) und Innozenz' VIII. (1484-1492) als "Protector nationis Germanicae" in allen Bereichen
der kurialen Politik, die Deutschland betrafen, entscheidend mit. U.a. beeinflußte er, meist in Abstimmung mit
dem Hause Habsburg, eine Reihe von Bischofsernennungen in Brixen, Passau, Salzburg und Wien. 1471 reiste
T. als Legat zum Reichstag nach Regensburg, wo er zwar die Reichsstände nicht zur Türkenabwehr bewegen
konnte, aber alte Freunde traf und viele persönliche Ehrungen erfuhr. In seinem Palast an der Piazza di Siena
versammelte er häufig Gäste aus Deutschland. Auch literarisch beschäftigte er sich mit dem Land, wo er seine
Jugend verbracht hatte. Z.B. verfaßte er einen Fürstenspiegel für Erzherzog Maximilian von Österreich. Im
Gegensatz zu vielen Zeitgenossen in Rom lebte er persönlich äußerst bedürfnislos und moralisch integer,
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weshalb ihn vor allem die Verhältnisse an der Kurie unter dem Pontifikat Alexanders VI. (1492-1503) abstießen.
Zwar hatte er im höheren Alter zusätzlich das Amt eines Protektors der englischen Kirche inne und übernahm
1494 noch einmal eine diplomatische Mission an den Hof König Karls VIII. von Frankreich, doch zog er sich, den
offenen Konflikt mit Alexander VI. und der Familie Borgia meidend, immer mehr aus dem öffentlichen Leben
zurück, wozu ihn auch die fortschreitende Gicht zwang. Stattdessen betätigte er sich als Mäzen; u.a. erteilte er
im Juni 1502 Michelangelo den Auftrag für 15 Statuen im Dom von Siena. Als nach dem plötzlichen Tod
Alexanders VI. (18.8. 1503) das Kardinalskollegium zu keiner einhelligen Wahl kam, entschied es sich am 22.9.
1503 für den Kompromißkandidaten T., der über den Parteien stand und aufgrund seines labilen
Gesundheitszustandes ein kurzes, nicht sonderlich kraftvolles Pontifikat erwarten ließ. Im Andenken an seinen
Onkel entschied sich T. für den Papstnamen "Pius"; ursprünglich hatte er sich "Clemens" nennen wollen, doch
war dies wegen der Erinnerung an das Große Schisma auf die Ablehnung der Kardinäle gestoßen. Unmittelbar
nach seiner Wahl verkündete er, daß er sich energisch für die Kirchenreform, die Einberufung eines
allgemeinen Konzils und die Beilegung der inneritalienischen Konflikte einsetzen wolle. Tatsächlich erreichte er
innerhalb weniger Tage den Zusammenbruch der Herrschaft Cesare Borgias, die den Bestand des
Kirchenstaates ernsthaft gefährdet hatte. Von weiten Teilen der Christenheit wurde die Wahl T.s begeistert
aufgenommen, sah man doch in ihm den Garanten für eine Wende der kirchlichen Verhältnisse zum Besseren.
Am 28.9. 1503 schrieb der Bischof von Arezzo an den Neugewählten: "Vor meinen Augen schwebt noch das
Elend der verflossenen Zeit ..., das entstellte Antlitz unserer Kirche. ... Schon war alle Hoffnung auf Erlösung
aufgegeben, da gab Gott uns in dir einen Papst, dessen Gelehrsamkeit, Weisheit, Bildung, religiöse Erziehung
und beständig tugendhaftes Leben alle Guten und Gottesfürchtigen mit Trost erfüllt. So darf man denn auf ein
neues Zeitalter für die Kirche hoffen" (zit. nach Pastor, 672). Der kritische Gesundheitszustand des Papstes, der
sich durch die Enttäuschung darüber, daß er die Parteienkämpfe in Rom nicht dauerhaft beilegen konnte, noch
verschlechterte, machte jedoch bereits die Krönungsfeier am 8.10. 1503, vor der T. die Priester- und
Bischofsweihe empfing, zu einer qualvollen Zeremonie, die er nur teilweise sitzend durchstehen konnte. In
zahlreichen Audienzen, in denen Kardinal Giuliano della Rovere, der nachmalige Papst Julius II. (1503-1513),
eine immer wichtigere Rolle spielte, versuchte Pius III. noch, die verworrene Situation im Kirchenstaat zu
klären. Doch schon am 13.10. 1503 warf ihn die Gicht aufs Sterbebett; er verschied am 18.10. 1503. Sein
plötzlicher Tod rief Bestürzung hervor und ließ das Gerücht des Giftmordes aufkommen, das sich aber als
haltlos erwies. - Als Legat und Kardinal sorgte T. vor allem für ein harmonisches Verhältnis zwischen dem
Papsttum und den deutschsprachigen Ländern. Seine integre Persönlichkeit gab zu der berechtigten Hoffnung
Anlaß, daß er eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern einleiten könnte. Jedoch erfolgte seine Wahl zum
Papst erst, als er bereits alt und von der Gicht gebeugt war, zu spät, um der Kirchenpolitik noch eine
entscheidende Wendung geben zu können.
 Julius II. 1503-1513
Julius II., früher Giuliano della Rovere (1443-1513), Papst (1503-1513). Auch in weltlichen Bereichen ein
mächtiger Herrscher, war Julius II. außerdem ein großer Förderer der Renaissancekunst.Julius II. wurde im
italienischen Albisola geboren und trat 1468 dem Franziskanerorden bei. Nach der Wahl seines Onkels zum
Papst (Sixtus IV.) wurde er zum Bischof und 1471 zum Kardinal geweiht. In dieser Zeit zeugte er drei uneheliche
Töchter und häufte beachtlichen Reichtum an. Als sein Intimfeind Rodrigo Borgia 1492 zum Papst Alexander VI.
gewählt wurde, floh er nach Frankreich ins Exil, wo er bis zu Alexanders Tod blieb. 1503 wurde er dessen
Nachfolger. Auch wenn Bestechung eine große Rolle bei seiner eigenen Wahl gespielt hatte, erklärte Julius II.
alle künftigen, durch Simonie beeinflussten Wahlen für ungültig.Das Hauptanliegen des Pontifikats von Julius II.
war die Sicherung und Ausdehnung des Kirchenstaates. Durch den Beitritt in die Liga von Cambrai (1508) gegen
die Republik Venedig und durch Gründung der Heiligen Liga gegen Frankreich (1511) sicherte er seine Macht
und dehnte sie über Teile Norditaliens aus. Frankreich wurde so aus Oberitalien vertrieben. Als Förderer der
Künste plante Julius II. den Bau des Petersdoms und nahm 1506 eigenhändig die Grundsteinlegung vor. Er war
ein Gönner von Donato Bramante, Raffael und Michelangelo. Auf Julius II. gehen auch Michelangelos
Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle und die Statuen für sein beabsichtigtes Mausoleum zurück. Die
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Kriegslust Julius II. und die Finanzierung des Petersdoms über Ablasshandel rief den Protest von Erasmus von
Rotterdam und Martin Luther hervor und leitete somit die Reformation ein.
 Leo X. 1513-1521
Leo X., früher Giovanni de' Medici (1475-1521), Papst (1513-1521). Leo X. war einer der verschwenderischsten
Renaissancepäpste. Er wurde am 11. Dezember 1475 als Sohn Lorenzo de' Medicis in Florenz geboren. Mit 13
Jahren wurde er zum Kardinalsdiakon geweiht, mit 37 Jahren dann zum Papst gewählt. Es gelang ihm, die
eingefallenen Franzosen aus Italien zu vertreiben, aber 1515 wurde er von König Franz I. von Frankreich
besiegt. 1516 wurden die Beziehungen zwischen Papsttum und Frankreich durch ein Konkordat geregelt,
wodurch die Unabhängigkeit der französischen Kirche beendet wurde. Durch Leos Bemühungen wuchs das
Papsttum in Italien zur entscheidenden politischen Kraft. Das unter Julius II. begonnene 5. Laterankonzil konnte
während seiner Amtszeit (1517) beendet werden: Zu seinen Beschlüssen gehören die Ratifizierung des
Konkordats mit Frankreich und die Einrichtung eines Systems der Buchzensur.In der mediceischen Tradition
erzogen, war auch Leo X. weniger Kirchenmann als vielmehr Förderer der Künste. Zu den von ihm
unterstützten Renaissancekünstlern zählen etwa Raffael und Donato Bramante. Der von Leo X. in Auftrag
gegebene verschwenderische Neubau des Petersdoms und der Pomp seines Hofstaates waren Auslöser der
Reformation. Kritisiert wurde vor allem auch der Ablasshandel Johannes Tetzels, der den Petersdom
finanzieren sollte und auf den Martin Luther 1517 entrüstet reagierte. 1520 wurden Luther und seine
Anhänger von Leo X. exkommuniziert. Am 1. Dezember 1521 starb Leo X. in Rom.
 Hadrian VI. 1522-1523
*Utrecht 2.3.1459,  Rom 14.9.1523, Papst seit 9.1.1522 Seit Jahrhunderten hatte es das nicht mehr gegeben,
und nie wieder sollte es vorkommen: Papst und Kaiser von ein und derselben Nationalität und zudem auch
privat engstens verbunden. Adrian Florisz. Boeyens, ein Handwerkersohn, hatte sich als Gelehrter und
sittenstrenger Kirchenmann in Löwen einen Namen gemacht, als in 1507 die Bitte Kaiser Maximilians I.
erreichte, als Erzieher des Thronfolgers Karl in seine Dienste zu treten. Adrian von Utrecht, so nach seiner
Heimatstadt genannt, prägte Karls V. (Kaiser 1519 - 1556) Weltbild, seine ernste Frömmigkeit und sein
Selbstverständnis als späterer Monarch von Gottes Gnaden nachhaltig. Der junge Mann bestimmte seinen fast
zwei Generationen älteren Lehrer nach dem Tod Ferdinands von Aragonien (1452-1516, König seit 1486) zum
Regenten in Spanien und hatte in ihm einen loyalen Statthalter, der zugleich Bischof von Tortosa,
Großinquisitor und seit 1517 Kardinal war. Am 9.1.1521 geschah dann etwas, das sich die Zeitgenossen nur als
abgekartetes Spiel vorstellen konnten: Adrian wurde zum Nachfolger Leos X. auf den Stuhl Petri erhoben.
Daran hatte der Kaiser jedoch wohl kaum einen Anteil, zu spontan klingen die erfreuten ersten Briefe nach
Rom, in denen es unter anderem hieß: "Wir halten für gewiß, daß Gott selbst diese Wahl gemacht hat."
Überhaupt kam jetzt eine intensive Korrespondenz zwischen beiden in Gang (erstmals publiziert 1859), die
herzlich, aber nicht ohne Trübungen war. Radrian VI., diesen latinisierten Namen gab sich der neue Papst,
verstand sich nämlich als obersten Herrn der Christenheit und war zunächst nicht gesinnt, Karis Italienpolitik
gegen Franz 1. von Frankreich (König 1515-1547) unbedingt zu unterstützen. Er mahnte vielmehr die
Bündelung der christlichen Kräfte gegen die Türken an, die gerade die Johanniter von Rhodos vertrieben
hatten, und forderte energisch die Eindämmung der Reformation in Deutschland. Er selbst war bereit, das
dafür Nötige zu tun, und dazu gehörten auch das Eingeständnis der Mitschuld der Kurie am beklagenswerten
Zustand der Kirche und das Versprechen radikaler Reformen an Haupt und Gliedern. In diesem Sinn ließ
Hadrian seinen Legaten Chieregati auf dem Nürnberger Reichstag im Winter 1522/1523 sprechen, freilich
unter gleichzeitigem Beharren auf dem Wormser Edikt gegen Luther und das "Gift der Häresie". Vielleicht hätte
ein längeres Pontifikat eine Verständigung ermöglicht, doch Radrian, bis 1978 letzter Nicht-italiener auf dem
Heiligen Stuhl, starb früh - zur Erleichterung der Römer, die den sparsamen Mann zunehmend als Last
empfunden hatten. Nachfolger wurde Klemens VII. aus dem Haus Medici.
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 Klemens VII. 1523-1534
* Florenz 26.5.1478,  Rom 25.9.1534 Papst seit 19.11.1523 Giulio war eigentlich nur ein illegitimer Medici,
Sohn des während der Pazzi-Affäre unter Sixtus IV. ermordeten Giuliano de' Medici und seiner Mätresse
Fioretta Gorini. Das hemmte nicht den Aufstieg Giulios zum Erzbischof von Florenz und Kardinal (1513), denn
auf dem Heiligen Stuhl saß Leo X., ebenfalls ein Medici. Von ihm protegiert, machte Giulio weiter Karriere und
war federführend beteiligt an den Maßnahmen gegen die Reformation Luthers. Hier war er ganz auf einer Linie
mit dem jungen Kaiser Karl V. (1519-1556, t 1558), der Oiulios Wahl zum Papst Klemens VII. als Nachfolger
Hadrians VI. 1523 unterstützte und begrüßte. Die Enttäuschung folgte auf dem Fuße, denn der hervorragende
zweite Mann in Rom wuchs nicht mit dem Aufstieg zum ersten, sondern verfiel in Wankelmütigkeit und
Schwäche. Als der französische König Franz 1. (1515 - 1547) 1524 Erfolge in Norditalien verbuchte, ging
Klemens mit fliegenden Fahnen zu ihm über und wurde in dessen Niederlage nach der Schlacht von Pavia
gerissen. Reumütig unterwarf er sich dem Kaiser, um wenig später erneut die Seite zu wechseln, was ihm ein
ungleich bittereres Strafgericht eintrug - durch den Sacco di Roma, die Plünderung der Ewigen Stadt durch
kaiserliche Truppen 1527. Nach einem Sonderfrieden in Barcelona mit des Kaisers Kanzler Mercurio de
Gattinara im Juni 1529 und der intensiven Aussprache mit Karl anläßlich der Kaiserkrönung in Bologna am
24.2.1530 schien er endgültig seinen Frieden mit dem Kaiser gemacht zu haben, auf den er gegen die
Protestanten und die Türken angewiesen war. Zur Bekräftigung verweigerte er die Scheidung des englischen
Königs Heinrich VIII. (1509-1547) von Karls Tante Katharina von Aragonien, was zur Abspaltung der englischen
Kirche führte. Noch einmal wandte er sich zu Karis Erbitterung Frankreich zu, starb aber bald danach. Er
hinterließ ein durch die von ihm geförderten Künstler Cellini, Raffael, Michelangeb und andere geschmücktes
kirchliches Haus, um das es theologisch und politisch jedoch schlecht bestellt war. Nachfolger wurde Paul III.,
ein
Farnese.
1534-1549 Paul III.
Paul III. (1468-1549), Renaissancepapst (1534-1549), der die Gegenreformation einleitete. Er wurde als
Alessandro Farnese im Februar 1468 im italienischen Canino geboren. Paul setzte 1536 eine
Reformkommission ein, die eine bedeutende Denkschrift zur Erneuerung der katholischen Kirche vorlegte.
Gleichzeitig organisierte er die römische Inquisition 1542 durch die Einführung des Sanctum Officium neu. Der
Kunstförderer Paul erteilte Michelangelo den Auftrag, die Sixtinische Kapelle zu gestalten und ließ eine Reihe
anderer bedeutender Bauwerke errichten.Paul versuchte, die päpstliche Autorität in Mittelitalien zu festigen.
Mit Franz I. von Frankreich und Karl V., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, handelte er den Vertrag
von Nizza (1538) aus. Im gleichen Jahr exkommunizierte er Heinrich VIII. von England und eröffnete das
Tridentinum. In Pauls Pontifikat fällt die Gründung des Jesuitenordens, der in der Gegenreformation eine
bedeutende Rolle spielte. Paul III. verstarb am 10. November 1549 in Rom.
 Julius III. 1550-1555
Kardinal Giovanni Maria del Monte wurde am 7. Februar 1550 nach einem über zwei Monate dauernden
Konklave zum Papst gewählt und nannte sich Julius III. - in dankbarer Erinnerung an Julius II., in dessen
Pontifikat er selbst einst seine Karriere als päpstlicher Kammerherr begonnen und sein Onkel und großer
Förderer Antonio del Monte die Kardinalswürde erhalten hatte. Der neue Papst war Römer, geboren am 10.
Sept. 1487. Seine steile geistliche Karriere verdankte er seinem Onkel, der ihn zunächst kirchliche und weltliche
Rechtswissenschaften in Perugia und Siena studieren ließ, ihn dann in der römischen Kurie einführte und ihn
schließlich zu seinem Nachfolger als Erzbischof von Siponto machte. Da war Giovanni Maria del Monte eben 26
Jahre alt. In den folgenden Jahren bekleidete er einflußreiche Stellungen an der Kurie und im Kirchenstaat,
bevor Papst Paul III. den Kurialjuristen und Verwaltungsfachmann am 22.12. 1536 ins Kardinalskollegium
berief. Es waren seine juristischen und organisatorischen Fähigkeiten, die ihn auch für den Posten eines von
drei päpstlichen Konzilslegaten für die erste Tagungsperiode des am 13.12. 1545 endlich in Trient
zusammentretenden allgemeinen Konzils empfahlen. Als rangältester Kardinal leitete er das Konzilspräsidium
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zusammen mit dem hochgelehrten Marcello Cervini (der als Papst Marcellus II. sein Nachfolger werden sollte,
dies allerdings nur für 21 Tage bis zu dessen frühem Tod am 1.5. 1555) und Reginald Pole, der als Gegner
Heinrich VIII. aus England geflohen war. Im Auftrage des Papstes und in erster Linie diesem persönlich
verpflichtet war der Konzilspräsident del Monte heimlicher Gegner des Kaisers und dessen Konzilsplänen. Karl
V. hoffte noch immer, die deutschen Protestanten zur Teilnahme am allgemeinen Konzil bewegen zu können
und hätte lieber gesehen, wenn bis zu deren Erscheinen ausschließlich Disziplin- und Reformfragen
Gegenstand der Verhandlungen geblieben wären. Die gleichzeitige Diskussion von Glaubenslehre und
Kirchenreform erschwerte nach seiner Überzeugung die Aussichten, die Kirchenspaltung im Reich rückgängig
zu machen. Im übrigen war die Verhandlungsführung auf dem Konzil der kaiserlichen Partei nicht gewogen. Am
wenigsten aber konnte sich der Kaiserhof mit der voreiligen Verlegung des Konzils aus Trient, damals Stadt des
Reiches, in die zweitgrößte Stadt des Kirchenstaates, nach Bologna abfinden. Die dem Kaiser verbundene
Konzilsminderheit widersetzte sich denn auch dem Beschluß und verblieb in Trient. Schließlich widerriet del
Monte einer Rückkehr der Synode nach Trient. Es sei die Verlegung rechtmäßig erfolgt. Die Minderheit müsse
dem mehrheitlich beschlossenen Auszug aus Trient zuerst Folge leisten, bevor man über eine Rückverlegung
überhaupt verhandeln könne. In dieser Sache hatte sich nichts verändert, als die Kardinäle nach dem Tode
Papst Paul III. am 29.11. 1549 zur Neuwahl zusammentraten. Das überlange Konklave war durch die
Gegnerschaft von Habsburg und Frankreich bedingt, die nicht zuletzt auch über die Frage um eine Fortsetzung
des Konzils uneins waren. Entgegen der zuvor unterzeichneten Wahlkapitulation, die eine Fortsetzung des in
Rom seit langem üblichen Nepotismus unterbinden wollte, förderte der neugewählte Papst seine Verwandten
recht großzügig (vgl. im einzelnen Pastor 6, 51-58 u.ö.). Ein noch größeres Ärgernis aber bot er seinen
Zeitgenossen durch die bedenkenlose Bevorzugung und Förderung eines jungen Knaben, den er als
Kardinallegat buchstäblich von der Straße aufgelesen und zu seinem Affenwärter gemacht hatte. Zum Papst
gewählt holte Julius den inzwischen Siebzehnjährigen gegen alle Warnungen wohlmeinender Freunde an den
päpstlichen Hof, machte den völlig Ungebildeten zum Kardinal, überhäufte ihn mit einträglichen Pfründen und
übertrug ihm schließlich sogar das Staatssekretariat. Bald nach seinem Regierungsantritt verfügte Julius III. die
Rückkehr des Konzils nach Trient. Diese zweite Tagungsperiode 1551/52 wurde von Frankreich boykottiert.
Auch wiederholte Vermittlungsbemühungen des Papstes konnten die fortdauernden Spannungen zwischen
Karl V. und König Heinrich II. von Frankreich nicht überbrücken. So waren die Teilnehmer des Konzils in der
Mehrheit Italiener und Spanier, erstmals aber auch deutsche Bischöfe, unter ihnen die Erzbischöfe und
Kurfürsten von Mainz, Trier und Köln. Im Oktober und November 1551 trafen sogar Vertreter der deutschen
Protestanten in Trient ein: aus Württemberg und Straßburg, aus den Kur-staaten Sachsen und Brandenburg.
Ihre Bedingung aber, die in der ersten Tagungsperiode verabschiedeten Kanones und Dekrete unter
Zugrundelegung des protestantischen Schriftprinzips erneut zu verhandeln, alle Bischöfe vom Treueid gegen
den Papst zu entbinden und den Papst grundsätzlich dem Konzil zu unterstellen, war nach dem
Selbstverständnis der Konzilsväter unannehmbar. Als wenig später die Nachricht über die deutsche
Fürstenverschwörung, angeführt von Moritz von Sachsen und unterstützt von Frankreich, die Heimkehr der
Deutschen erzwang, beschloß das Konzil am 28. April 1552 die Suspension. Der Papst, der die Wiedereröffnung
des Konzils ohnehin nur halbherzig betrieben hatte, war zufrieden. Immerhin hat sich Julius III. aber in der
Folgezeit der innerkirchlichen Reform nicht verschlossen. Einige zukunftsträchtige Entscheidungen
rechtfertigen das Urteil: mit dem Pontifikat Julius III. ging das leidige Renaissancepapsttum zu Ende, und der
Weg für ein Reformpapsttum wurde eingeleitet. So beauftragte er gleich nach Suspension des Tridentinum
eine Kardinalsdeputation, die auf dem Konzil erarbeiteten Reformvorschläge, die ja noch keine Gesetzeskraft
erlangt hatten, für eine Reformbulle zusammenzustellen, welche freilich nicht mehr publiziert wurde. Auf diese
Vorarbeiten konnte man aber zurückgreifen. - Für die deutschsprachigen Länder waren bedeutsam die
Erhebung des Dillinger "Collegium ecclesiasticum Sancti Hieronymi" zur Universität 1551 und die Gründung des
Collegium Germanicum in Rom im darauffolgenden Jahr. Beide Anstalten sollten durch die Heranbildung
fähiger Kleriker hohe Bedeutung für die innerkirchliche Reform im Reich erlangen. Entscheidenden Anteil an
dieser Entwicklung hatte der neugegründete Jesuitenorden, dem Julius III. stets seine besondere Gunst
zugewandt hat. Nicht unmittelbar beteiligt war Julius III. am größten Erfolg seiner Regierungszeit, an der
katholischen Restauration in England, wo 1553 Maria die Katholische, Tochter Heinrichs VIII. aus seiner ersten
Ehe mit Katharina von Aragón, an die Macht kam. Als diese im darauffolgenden Jahr Philipp II. von Spanien
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heiratete, verzichtete Rom förmlich auf eine Rückgabe des unter Heinrich VIII. und Eduard VI. entfremdeten
Kirchengutes und schuf so die Voraussetzung für den Wiederanschluß Englands an die katholische Kirche. Die
Entwicklung sollte freilich nach dem Tode Marias und dem Regierungsantritt Elisabeth I. 1558 rückgängig
gemacht werden. Julius III. hat dies nicht mehr erlebt. Er starb am 23.3. 1555.
 Marcellus II. 1555
*Montepulciano 6.5.1501,  Rom 1.5.1555, Papst seit 10.04.1555Fast bis zur Abdankung musste Karl V.
warten, ehe ein Mann auf dem Stuhl Petri Platz nahm, der die Hoffnungen zu erfüllen versprach, die der Kaiser
auf eine Reform der Kirche an Haupt und Gliedern gesetzt hatte: Marcello Cervini war Sohn eines päpstlichen
Beamten, der eine dringend erforderliche Verbesserung des Julianischen Kalenders erarbeiten sollte. In diese
Funktion rückte Cervini auf Wunsch von Klemens VII. nach, kam aber nicht wesentlich weiter; erst Gregor XIII.
sollte die Kalenderreform 1582 abschließen. Cervini nämlich wurde von Klemens' Nachfolger Paul III. zum
Erzieher seines Neffen Alessandro Farnese berufen und stieg 1539 zum Kardinalpriester von 5. Croce auf. Er
übernahm auch nacheinander verschiedene Bistümer, die er trotz dauernder Abwesenheit gewissenhaft
leitete. Er konnte sich kaum vor Ort um sie kümmern, weil er vi~fach als Legat des Papstes an die Höfe
Europas, darunter auch den Karls V., entsandt wurde. 1543 hielt er sich deswegen in Deutschland auf und
bereitete das Konzil von Trient vor, das er seit 1545 als einer der drei Vorsitzenden leitete. Zwar anerkannte
der Kaiser Cervinis Aufrichtigkeit und Korrektheit, doch gehörte dazu auch die strikte Befolgung der Weisungen
Pauls, die nicht selten der kaiserlichen Politik zuwiderliefen. Der Papst aber berief Cervini 1548 auch in eine
Reformkommission und betraute ihn so mit einer Aufgabe, die dem Kardinal zum Lebensziel wurde. Das wurde
offenbar, als er unter Juhus III. unnachsichtig Kritik an dessen Günstlingswirtschaft und Luxusleben übte. Dafür
aus Rom in sein Bistum Gubbio verbannt, erlebte Cervini im Konklave nach dem Ableben des Kritisierten, daß
auch viele Kollegen begriffen hatten: Nur mit einer gründlich reformierten Kirche würden sich die
Herausforderungen der Zukunft bewältigen lassen. Sie wählten ihn nach wenigen Sitzungen zum Nachfolger.
Cervini gab sich als Papstnamen seinen latinisierten Vornamen. Mit der gewohnten Energie nahm er sein
Reformwerk in Angriff, indem er sofort die Ausgaben für die Papstkrönung drastisch kürzte. Seinen zahllosen
Verwandten verbot er als Zeichen gegen den sonst üblichen Nepotismus das Betreten Roms und machte sich
an die Formulierung einer Reformbulle. Doch der Tod nahm ihm schon nach nur 2ltägigem Pontifikat die Feder
aus der Hand. Welche Hoffnungen die Zeitgenossen, allen voran der Kaiser, in ihn gesetzt hatten, läßt die
"Missa Papae Marcelli" erahnen, die Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525-1594), der bedeutendste Komponist
der Epoche, 1562 ihm zu Ehren schrieb.
 Paul IV. 1555-1559
Paul IV. (1476-1559), Papst (1555-1559) und energischer Verfechter der Gegenreformation. Er wurde als Gian
Pietro Carafa geboren und stand ab 1542 an der Spitze drömischen Inquisition. Er veranlasste die
Zusammenstellung und Veröffentlichung (1559) des ersten Index librorum prohibitorum (Index der verbotenen
Bücher). Paul gründete 1555 eine Allianz mit Frankreich, um die Spanier aus Italien zu vertreiben, wurde
jedoch von Spanien besiegt. Auch verurteilte der Papst den Augsburger Frieden zwischen dem Heiligen
Römischen Reich und den lutherischen Staaten und sprach sich gegen die Anerkennung von Karls Abdankung
zugunsten seines Bruders Ferdinand I. aus. Sein Hass gegen Spanien verwickelte ihn in Streitigkeiten mit Maria
I., Königin von England und Ehefrau des Königs von Spanien, Philipp II.
 Pius IV. 1559-1565
(Giovanni Angelo de' Medici), 25.12. 1559 - 9.12. 1565 Papst, * 31.3. 1499 in Mailand,  9.12. 1565 in Rom. - P.
wurde unter Paul III. Gouverneur des Kirchenstaates, 1545 Erzbischof von Ragusa, 1549 Kardinal. Bei Paul IV. in
Ungnade gefallen, verließ er Rom. Als Papst folgte er nicht der Politik seines Vorgängers Paul IV., von dessen
Neffen er zwei wegen verschiedener Verbrechen hinrichten ließ. Innerkirchlich steuerte P. einen gemäßigten
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Kurs (Revision des Index der verbotenen Bücher, Reform der Kurie, Einschränkung der Inquisition). Sowohl mit
Kaiser Ferdinand I. als auch mit König Philipp von Spanien stand er in guter Beziehung. Nicht frei von
Nepotismus, förderte er doch in seinem Neffen Carlo Borromeo einen klugen Ratgeber und eifrigen
Reformbischof. Sein Hauptverdienst bestand in der Fortsetzung und, trotz heftiger Kontroversen (z.B.
Residenzpflicht der Bischöfe), glücklichen Beendigung des seit 1552 suspendierten Trienter Konzils (15621563). Seine konsequent betriebene Verwirklichung der Konzilsbeschlüsse kam einerseits der allgemeinen
Kirchenreform zugute und stärkte andererseits die Gegenreformation. In einigen Ländern gestattete der Papst
vorübergehend die Kelchkommunion für Laien, nicht aber die ebenfalls mit Nachdruck geforderte Priesterehe.
Das Tridentinische Glaubensbekenntnis (Professio fidei Tridentina), eine kurze Zusammenfassung der
dogmatischen Beschlüsse des Konzils von Trient, mußte fortan zur Erlangung eines kirchlichen Amtes abgelegt
werden. Unter P. stellte sich das Papsttum an die Spitze der Kirchenerneuerung und gewann damit viel von
seinem verlorenen Ansehen zurück.
 Pius V. 566-1572
Pius V., heiliger (1504-1572), Papst (1566-1572), dessen strenge Reformen und repressive Maßnahmen gegen
Andersdenkende die römische Kirche zur Zeit der Gegenreformation stärkten. Geboren als Michele Ghislieri bei
Alessandria in Norditalien, wurde er mit 14 Jahren Dominikanermönch und arbeitete danach ohne Unterlass
für die Inquisition, bis er schließlich zum Großinquisitor aufstieg. 1557 wurde er zum Kardinal ernannt. Als
Papst setzte er die Reformerlasse des Tridentinischen Konzils um; unterstützte die französischen Katholiken in
ihrer Verfolgung der Hugenotten; vertrieb zahlreiche Juden aus dem Kirchenstaat; exkommunizierte Elisabeth
I. von England; und nutzte die Inquisition schonungslos, um jeden Ketzer zu strafen. 1570 gründete er
zusammen mit Spanien und Venedig die Heilige Allianz gegen die Türken, die diese in der Schlacht von Lepanto
besiegte (1571). Mittels der Inquisition zerstörte er den Protestantismus in Italien. 1712 wurde er heilig
gesprochen; der ihm geweihte Tag ist der 30. April.
 Gregor XIII. 1572-1585
Gregor XIII. (1502-1585), bis 1572 Ugo Boncompagni, Papst (1572-1585), der die Reform des julianischen
Kalenders beschloss und 1582 den heute allgemein gültigen gregorianischen Kalender einführte. Ugo
Buoncompagni stammte aus Bologna. Er gehörte zu den herausragenden Köpfen einer innerkirchlichen
Reform. 1565 ernannte Pius IV. ihn zum Kardinal. Als Nachfolger von Pius V. wurde er schließlich zum Papst
bestimmt.Unter Gregor erschien eine neue Ausgabe der kanonischen Rechtssammlung, des Corpus Iuris
Canonici (1582). Als Verfechter der Gegenreformation unterstützte er den spanischen König Philipp II., die
weitgehend protestantischen Niederlande anzugreifen, und half Heinrich III. von Frankreich gegen die
Hugenotten. Gregors vielfältige Bemühungen, die Vorherrschaft des Katholizismus in Europa wieder
herzustellen, blieben größtenteils ohne Erfolg. Lediglich in den südlichen Niederlanden, Polen, Österreich und
Bayern und einigen anderen Teilen Deutschlands vermochte die römische Kirche ihre Macht zu behaupten.
 Sixtus V. 1585-1590
* Grottamare (Marken) 13.12.1521,  Rom 27.8.1590 Papst seit 24.4.1585 Als Felice Peretti geboren, hütete
der spätere Papst Sixtus V. als Knabe die Schweine, bekam Unterricht im Franziskanerkloster in Montalto, trat
dann zwölfjährig selbst in den Franziskaner-orden ein und wurde später Vorsteher verschiedener Klöster und
Generalvikar seines Ordens. Er machte sich einen Namen als machtvoller Prediger und besonders harter
Inquisitor und wurde auch deswegen vom eifernden Pius V. zum Bischof und 1570 zum Kardinal ernannt. Unter
Gregor XIII., mit dem er auf gemeinsamer Mission in Spanien Auseinandersetzungen gehabt hatte, in Ungnade
gefallen, dann aber nach dessen Tod in nur dreitägigem Konklave zum Papst gewählt, zeigte sich Sixtus als
einer der tatkräftigsten und entschlossensten Päpste. Mit unbarmherziger Strenge rottete er das unter dem
Vorgänger auf-gekommene Räuberwesen im Kirchenstaat buchstäblich aus, indem er zahlreiche Banditen
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hinrichten und selbst hohe Adlige, die ihnen geholfen hatten, hart bestrafen ließ. Finanziell schrieb er durch
energische Sparmaßnahmen, aber auch durch vermehrten Ämterverkauf und andere nicht minder bedenkliche
Künste, modern gesagt, bald wieder schwarze Zahlen und sammelte bis zu seinem Tod einen beträchtlichen
Geldschatz in der Engelsburg. Ackerbau und Gewerbe förderte er, wo er konnte. Sixtus machte auch einen
ersten Versuch, die Pontinischen Sümpfe trockenzulegen, und sorgte dafür, daß die Ewige Stadt über neue
Leitungen mit Wasser aus den Bergen versorgt wurde: Die Aqua Felice hat nach ihm ihren Namen. Die
Verwaltung der Kurie ordnete er neu durch, vor allem die Schaffung von 15 Kardinalskongregationen
(Fachressorts), die den Anspruch des Heiligen Kollegiums auf politische Mitbestimmung konterkarierten. In der
Außenpolitik zeigte sich Sixtus beweglich. Für die von den Vorgängern unnachsichtig bekämpfte Elisabeth 1.
von England (Königin 1558-1603) empfand er persönlich Bewunderung, betrieb aber dennoch die Entsendung
der spanischen Armada gegen England, die 1588 in der Schlacht im Ärmel-kanal völlig vernichtet wurde. Da er
die Philipp II. von Spanien (König 1556-1598) dafür zugesagten Hilfsgelder daraufhin doch zurückhielt,
belastete er das Verhältnis zu Madrid. In den französischen Wirren stand er zunächst gegen Heinrich IV. von
Navarra (König 1589-1610), wandte sich dann aber zur Wahrung des politischen Gleichgewichts gegen die
spanische Hegemonie und brüskierte damit Philipp erneut. Seine Tatkraft bewies "der eiserne Papst" auch als
Bauherr und setzte in Rom kräftige barocke Akzente durch den Bau breiter Straßen, die Vollendung der Kuppel
des Petersdoms, die Schaffung der neuen Vatikanischen Bibliothek und durch die technisch hochschwierige
Verlegung des 500 Tonnen schweren Obelisken des antiken Kaisers Nero auf den Petersplatz. Das Kreuz auf der
Spitze sollte den Sieg des Christentums über alles Heidnische symbolisieren, wurde aber von vielen auf der
"gottlosen Säule" als "ragende Verhöhnung" des heiligsten Zeichens empfunden. Unter Sixtus musste übrigens
(wie auch unter Klemens VIII.) die Übermalung der Nackten in Michelangelos "Jüngstem Gericht" erneuert
werden: Der schamlose Untergrund setzte sich immer wieder durch.
 Urban VII. 1590
* Rom 4.8.1521,  ebd. 27.9.1590 Papst seit 15.9.1590Obwohl bei seiner Wahl fast 70 Jahre alt, war
Giambattista Castagna, der sich den Papstnamen Urban VH. gab, alles andere als eine Verlegenheitslösung. Er
machte einen robusten Eindruck und versprach wenigstens in Maßen die Fortsetzung der energischen Politik
seines Vorgängers Sixtus V. Als Sohn eines genuesischen Patriziers hatte Castagna Jurisprudenz studiert,
promoviert und war in die Dienste eines Onkels getreten, der als Kardinal wichtige päpstliche Missionen
übernommen hatte. Das hatte dem Neffen eine steile Karriere beschert: 1553 Erzbischof von Rossano in
Kalabrien, 1559 Gouverneur des Kirchenstaats in Perugia, 1562/1563 päpstlicher Gesandter beim Konzil von
Trient in der entscheidenden Schlussphase, 1564 mit dem späteren Papst Gregor XIII. Legat von Pius IV. in
Spanien, dort bis 1572 Nuntius, 1573 Nuntius in Venedig, im Jahr darauf Gouverneur von Bologna und
Ratgeber der Inquisition. In den spanischen Jahren hatte sich Castagna bleibende Verdienste dadurch
erworben, daß ihm die Verhinderung des völligen Bruches zwischen Madrid und dem Heiligen Stuhl gelungen
war. Spanischer Einfluss war es nun auch, der dem 1583 zum Kardinal erhobenen Kirchendiplomaten die
dreifache Krone (Tiara) brachte. Empfohlen hatten ihn auch ein bescheidenes, verbindliches Auftreten und sein
ruhiges, ernstes Abwägen von Problemen. Das riet ihm am Tag nach der Wahl auch, aus der brütenden
Septemberhitze der Stadt und im Vatikan in den gesünderen Quirinal überzusiedeln, doch wurde ihm
bedeutet, dass dies vor der Krönung nicht anginge. Sie erlebte er daher gar nicht mehr, denn in der folgenden
Nacht befiel Urban heftiges "römisches Fieber", die damalige Bezeichnung für die Malaria, dem er nach nur
zwölftägigem Pontifikat erlag.
 Gregor XIV. 1590-1591
* Somma (bei Como) 11.2.1535,  Rom 16.10.1591 Papst seit 5.12.1590 Wieder ein Kurzpontifikat: Zwei
Monate brauchte das Kardinalskollegium nach dem plötzlichen Tod Urbans VII. zur Bestimmung des
Nachfolgers, der denn auch mit Blick auf seine schwache Gesundheit gekürt wurde. Niccolo' Sfondrato war
Sohn eines Mailänder Senators, hatte Jura studiert und promoviert, war geistlich durch Kardinal Carlo
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Borromeo (1538-1584), dem späteren heiligen Borromäus, geprägt worden, bei dem er zeitweilig gelebt und
der die weitere Karriere befördert hatte: 1560 Bischof von Cremona, Gesandter in der Endphase des Konzils
von Trient 1562/1563, 1583 Ernennung zum Kardinal durch Gregor XIII. Nach seiner Wahl nahm er den Namen
dieses päpstlichen Förderers an und beeindruckte durch asketische Lebensweise und tiefe Frömmigkeit,
zeichnete sich aber auch durch häufige Unpäßlichkeit und mangelnde Energie aus. Das versuchte er
wettzumachen, indem er seinen noch nicht 3üjährigen Neffen Paolo Sfondrato an seinen Hof holte und ihn die
eigentlichen Geschäfte führen ließ. Das nutzte der zwar ebenso unerfahrene, aber skrupellose junge Mann zu
persönlicher Bereicherung und zum Ausbau einer Machtbasis durch Plazierung von Verwandten in
Schlüsselstellungen. Entsprechender Unmut sammelte sich gegen Gregor an. Wenig Begeisterung weckte auch
seine Außenpolitik, die ganz ins spanische Fahrwasser geriet. Der Papst entsandte gegen den noch
hugenottischen Heinrich IV. von Frankreich (König 1589-1610) Hilfstruppen für die spanisch geführte
Katholische Liga, deren Untaten aber nur die gemäßigten Katholiken in die Arme des Königs trieben.
Innerkirchlich bemühte sich Gregor, die Bischöfe zur Residenz in ihren Diözesen zu verpflichten, verbot das
Lesen der Messe in Privathäusern und den Abschluß von Wetten auf den Ausgang von Papstwahlen oder auf
die Ernennung von Kardinälen. Seine kurze Regierungszeit und die noch kürzeren Pontifikate des Vorgängers
wie des Nachfolgers hei zten jedoch die Wettleidenschaft eher an.
 Innozenz IX. 1591
* 20.7. 1519 als Giovanni Antonio Facchinetti in Bologna,  30.12. 1591. - Nach dem Studium der Rechte
promovierte er 1544 und trat in die Dienste des Kardinals Alessandro Farnese, des späteren Papstes Paul III.
(s.d.). Kardinal Farnese schickte ihn für vier Jahre als Vikar nach Avignon. 1560 ernannte ihn Papst Pius IV. (s.
d.) zum Bischof und gab ihm das Bistum Nicastro in Kalabrien. Im folgenden Jahr war er maßgeblich am Konzil
von Trient beteiligt. In Nicastro gründete er ein Seminar und erbaute dem Schutzheiligen seiner Heimatstadt,
Petronius, eine Kirche. Aus gesundheitlichen Gründen ist er jedoch gezwungen, Nicastro wieder zu verlassen.
Von Papst Pius V. (s.d.) wurde er 1566 für längere Zeit als Nuntius nach Venedig geschickt, wo er den Abschluß
der Heiligen Liga gegen die Türken maßgeblich beförderte. Von Venedig kehrte er 1575 nach Rom zurück, wo
er Mitglied der Konsulta und der Inquisition wurde. Am 12.11. 1576 wurde er zum Patriarchen von Jerusalem
ernannt, und am 12.12. 1583 erhob ihn Papst Gregor XIII. (s.d.) zum Kardinal. Bereits während des Patronats
seines Vorgängers Gregor XIV. (s.d.) engagierte er sich sehr entschieden auf der Seite Spaniens und Italiens
gegen den protestantischen Heinrich IV. von Frankreich. Am 29.10. 1591 wurde er nach nur zweitägigem
Konklave als Kandidat der spanisch-italienischen Partei zum Papst gewählt. I., der bereits als kranker Mann sein
Amt antrat, starb am 30.12. 1591. Obwohl sein Pontifikat lediglich zwei Monate währte, konnte I., der bereits
während des Pontifikats seines Vorgängers zu den maßgeblichen Männern im Vatikan gezählt werden muß,
erstaunlich viel leisten. Gleich zu Beginn seines Pontifikats teilte er das päpstliche Staatssekretariat in drei
Abteilungen, eine für Italien und Spanien, eine für Frankreich und Polen und eine für Deutschland. Obwohl er
nach wie vor auf Seiten der Liguisten gegen Heinrich IV. stand, trat er für eine politische, statt einer
militärischen Lösung der Auseinandersetzung ein. Aus diesem Grund und zur Schonung des Kronschatzes
kürzte er die Ausgaben für das päpstliche Heer in Frankreich. Verdient machte er sich vor allem auch um die
Bevölkerung Roms. Ihm gelang eine spürbare Eindämmung des Banditenwesens in und um Rom, und er sorgte
für niedrige Lebensmittelpreise. Er ließ den Hafen von Ancona neu anlegen und die Kuppel des Petersdomes
fertigstellen. - I. gilt als sehr sittenstreng und asketisch. Zeitlebens befaßte er sich mit wissenschaftlichen und
philosophischen Studien. Er verfaßte zahlreiche Abhandlungen, die jedoch nicht ediert sind.
 Klemens VIII. 1592-1605
*Fano (Marken) 24.2.1536, Rom 5.3.1605 Papst seit 30.1.1592 Zwar litt auch Ippolito Aldobrandini schwer
an der Krankheit der Wohlhabenden der Zeit, der Gicht, doch er war stabiler als manch anderen Als Sohn eines
florentinischen Rechtsanwalts, der wegen seiner Opposition gegen die Medici schon früh die Heimatstadt
hatte verlassen müssen, studierte er Jura, wurde von Pius V. gefördert und mit Missionen nach Frankreich und
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Spanien betraut. Nach einer Zeit stiller geistlicher Tätigkeit berief ihn Sixtus V. 1585 zum Kardinalpriester und
schickte ihn nach Polen, wo er großes Geschick bewies bei der Schlichtung eines Konflikts zwischen Sigismund
III. Wasa (König 1587-1632) und dem Haus Habsburg. Mehrmals stand er im Konklave auf der Liste der
"papabile", also der Kandidaten der ersten Wahl, doch erst nach den drei Kurzpontifikaten von Urban VII.,
Gregor XIV. und Innozenz IX. einigte sich die Mehrheit auf ihn, der den Papstnamen Klemens VIII. annahm. Er
gehörte in die Reihe der Reformpäpste, was schon an seiner Personalpolitik erkennbar wurde: Unter den von
ihm ernannten Kardinälen waren so profilierte Theologen wie Roberto Bellarmino (1542-1621), der mit den
"Disputationes" (1586-1593) die erste umfassende Auseinandersetzung mit dem Protestantismus vorgelegt
hatte. Auch der harte Kurs gegen angebliche oder vermeintliche Häretiker, den Klemens einschlug, rührte von
seinem Reformverständnis her Eines der zahlreichen Opfer seiner Inquisitoren wurde der bedeutende
Philosoph der "Weltseele" Giordano Bruno (1548-1600), den er nach siebenjähriger Haft als "unbußfertigen
Irrlehrer" verbrennen ließ. Übrigens musste unter Klemens wie schon unter Sixtus die Übermalung der als
schamlos empfundenen Nackten in Michelangelos "Jüngstem Gericht" erneuert werden, denn der Untergrund
setzte sich immer wieder durch. In der Lebensführung war Klemens sich selbst und seiner vielköpfigen
Verwandtschaft gegenüber weniger streng: Seine Hofhaltung verschlang enorme Summen und seine Sippe
noch größere. Er machte mehrere seiner Neffen, darunter einen erst l4jährigen, zu Kardinälen und überließ
ihnen viele Aufgabenfelder fast ganz. Die außenpolitischen Richtlinien freilich behielt er sich vor und fand sich
endlich mit Heinrich IV. von Frankreich (König 1589-1610) ab, der 1593 konvertierte und dem Papst als Helfer
etwa bei der Gewinnung des Herzogtums Ferrara 1597 für den Heiligen Stuhl ebenso nützlich war wie als
Gegengewicht gegen Spanien. Bemühungen um die Rekatholisierung Englands unter den Stuarts oder
Schwedens unter dem katholischen Sigismund von Polen scheiterten. Dennoch brachte die relative lange
Amtszeit Klemens eine Festigung der Altkirche durch gegenreformatorische Erfolge. Das von Millionen von
Pilgern in Rom begangene Jubeljahr 1600 dokumentierte das eindrucksvoll.
 Leo XI. 1605 - 1605
(Alessandro Ottaviano de' Medici), 1.-27.4. 1605 Papst, * 2.6. 1535 in Florenz,  27.4. 1605 in Rom. Gesandter des Großherzogs Cosimo de' Medici an der Römischen Kurie, 1573 Bischof v. Pistoja, 1574 Erzbf. v.
Florenz, 1583 Kardinal. Als päpstlicher Legat in Frankreich 1596-1598 tat er sich bei der Verfolgung der
Hugenotten hervor. - Währerd seines kurzen Pontifikats unterstützte er Kaiser Rudolf II. im Krieg gegen die
Türken. Innerkirchliche Reformen blieben im Ansatz stecken.
 Paul V. 1605-1621
Paul V. (1552-1621), Papst (1605-1621), vorher Camillo Borghese. Er wurde 1596 zum Kardinal ernannt. 1605
trat er sein Pontifikat an. Da er an seinen päpstlichen Machtansprüchen festhielt, geriet er in schwere
politische Konflikte mit der Republik Venedig sowie mit Frankreich und England. Nach der Pulververschwörung
verbot er den englischen Katholiken, den geforderten Treueeid auf den Monarchen zu leisten, weil dieser dem
päpstlichen Recht auf Absetzung des Königs widersprach. In Frankreich beschränkte er die Eigenständigkeit des
Gallikanismus. Als Reaktion auf den päpstlichen Machtanspruch kam es 1614 in Frankreich zu einer Erklärung,
derzufolge sich die Macht des Königs alleine auf Gott gründete. Der mittelalterliche Herrschaftsanspruch des
Papsttums war gegenüber weltlichen Herrschern nicht mehr durchsetzbar. Paul förderte die Weltmission
(Lateinamerika, China, Indien, Kanada) sowie Wissenschaft und Künste.
 Gregor XV. 1621-1623
* 9.1. 1554 in Bologna,  8.7. 1623 in Rom. - Alessandro Ludovisi trat 1567 in Rom als Konviktor in das von den
Jesuiten geleitete "Col legium Germanicum" ein und widmete sich im "Collegium Romanum" zunächst
humanistischen und 1569 bis 1571 philosophischen und theologischen Studien, studierte dann in Bologna die
Rechte und promovierte dort 1575. Nach seiner Priesterweihe berief ihn Gregor XIII. (s. d.) in päpstliche
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Dienste. Er wurde 1612 Erzbischof von Bologna, 1616 Kardinal und am 9.2. 1621 Nachfolger des am 28.1. 1621
verstorbenen Paul V. (s. d.). Am 15.2. 1621, einen Tag nach seiner Krönung, ernannte G. seinen 25jährigen
Neffen Ludovico Ludovisi, der wie sein Oheim im "Collegium Germanicum" seine Bildung und Richtung erhalten
hatte, zum Kardinal. Da er alt und kränklich war, betraute G. seinen Neffen mit der Leitung der Geschäfte, die
dieser mit Umsicht und Erfolg führte. Mit großem Geschick betrieb G. die Gegenreformation und erlebte in
seinem kurzen Pontifikat die brutale Rekatholisierung von Böhmen, Mähren und Österreich und den für den
Katholizismus günstigen Verlauf des Dreißigjährigen Krieges. Er erhöhte um mehr als das Doppelte die bisher
an Ferdinand II. gezahlten päpstlichen Subsidien und sandte im April 1621 den Bischof von Aversa, Carlo
Caraffa, als Nuntius an den kaiserlichen Hof in Wien mit dem Auftrag, die unverzügliche Übertragung der durch
die Achtserklärung des Pfälzer Friedrich V. erledigten Kur an Herzog Maximilian von Bayern energisch zu
betreiben und die Gegenreformation in Böhmen und Mähren so schnell und kräftig wie möglich
durchzuführen. Da die Übertragung der pfälzischen Kurwürde an Bayern im Kurfürstenkollegium auf
hartnäckigen Widerstand stieß, setzte sich G. mit aller Kraft für Maximilian ein und erreichte, daß der Kaiser
am 22.9. 1621 die geheime Belehnung Maximilians mit der Pfälzer Kur unterzeichnete. Den weiteren
unermüdlichen Bemühungen des Papstes hatte es Maximilian zu verdanken, daß ihm am 25.2. 1623 in einer
feierlichen Fürstenversammlung die pfälzische Kurwürde übertragen wurde. Aus seiner Kriegsbeute schenkte
Maximilian dem Papst zum Dank für seine Bemühungen um ihn die Heidelberger Bibliothek, die berühmte
"Bibliotheca". Im Auftrag G.s leitete Leo Allatius (s. d.), der Skriptor an der Vatikanischen Bibliothek, ihre
Überführung nach Rom, wo sie in der "Vaticana" als "Gregoriana" aufgestellt wurde. Zur Verbreitung des
katholischen Glaubens unter Heiden und Protestanten und zur einheitlichen Leitung und Organisation des
gesamten Missionswesens gründete G. am 6.1. 1622 die "Congregatio de Propaganda Fide", kurz "Propaganda"
genannt, und organisierte sie durch die Konstitution "Inscrutabili divinae providentiae" vom 22.6. 1622 als eine
Kongregation von 13 Kardinälen und 2 Prälaten mit einem Sekretär, deren Rechte, Vollmachten und Privilegien
er noch weiter regelte durch die Konstitution "Cum inter multiplices" vom 14.12. 1622. Die wichtigste
innerkirchliche Verfügung G.s betrifft die Papstwahl. Durch Bulle vom 15.11. 1621 und vom 12.3. 1622 führte
er die "electio per scrutinium" ein, die geheime Abstimmung durch Stimmzettel, und gab durch das
"Ceremoniale in electione Romani pontificis observandam" der Papstwahl im wesentlichen ihre jetzige Form.
Am 20.3. 1623 erließ G. eine Bulle wider die Zauberer und Hexenmeister, die eingemauert oder beständig im
Gefängnis der Inquisition festgehalten werden sollten. Am 12.3. 1622 kanonisierte G. Ignatius von Loyola (s.
d.), den Gründer des Jesuitenordens, Franz Xaver (s. d.), den Missionspionier des Jesuitenordens in Indien und
Japan, Filippo Neri (s. d.), den Gründer der Oratorianer, die Reformatorin des Karmelitenordens, Therese von
Jesu (s. d.), Hauptvertreterin der Gegenreformation in Spanien, und den spanischen Bauern Isidor (_ 15.5.
1130; s. d.) und sprach Albertus Magnus (s. d.), den größten deutschen Philosophen und Theologen des
Mittelalters, am 15.9. 1622 selig.
 Urban VIII.1623-1644
Urban VIII., früher Maffeo Barberini, (1568-1644), Papst (1623-1644). Er entstammte einem Florentiner
Adelsgeschlecht und trat 1589 in den Dienst der Kurie. 1604 wurde er als Nuntius nach Paris entsandt.
Nachdem er 1606 zum Kardinal gewählt worden war, übernahm er 1608 das Erzbistum von Spoleto. Nach
seiner Wahl zum Papst vertrat Urban, der die Ausdehnung des Habsburgerreiches auf ganz Italien fürchtete,
eine Politik strikter Neutralität zwischen dem habsburgischen Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und den
Franzosen, die sich während des Dreißigjährigen Krieges mit protestantischen Mächten verbündet hatten.Als
aktiver Kirchenpolitiker bestätigte Urban mehrere neue Orden. 1627 gründete er das Collegium Urbanum zur
Ausbildung von Missionaren. Er bekämpfte den Gallikanismus sowie den Jansenismus und verurteilte Galileo
Galilei. Sein Pontifikat war geprägt von einer hemmungslosen Vetternwirtschaft.Er betätigte sich als Dichter
und galt als Förderer der Künste und Wissenschaften. Er gab hohe Summen für verschiedene Bauprojekte aus,
darunter der Palazzo Barberini in Rom und die päpstliche Sommerresidenz in Castel Gandolfo. 1626 weihte
Urban den Petersdom ein.
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Datum: 24.10.2010
 Innozenz X. 1644-1655
eigentlicher Name Giambattista Pamfili, * 6.5. 1574 in Rom als Sohn des Camillo P. und der Flamina de Bubalis,
 7.1. 1655 in Rom. - Die Familie Pamfili stammte ursprünglich aus Subbio (Umbrien), siedelte später jedoch
nach Rom über. Hier begann der zukünftige Papst P. das Studium der Rechte. Nach mehreren
Studienaufenthalten an anderen italienischen Universitäten erlangte P. 1594 den Titel eines Baccalaureus der
Rechte. Fünf Jahre darauf finden wir ihn als Jurist an den römischen Gerichtshöfen. 1621 machte ihn Gregor
XV. zum Legaten in Neapel, er übte dieses Amt jedoch nur für kurze Zeit aus. Im Jahre 1625 begleitete P. den
Kardinal Francesco Barberini als Datar auf dessen Legationsreise nach Frankreich und Spanien. 1626 wurde er
Nuntius in Madrid. 1629 ernannte Urban VIII. P. zum Kardinalspresbyter. P. verdankte seine Aufnahme ins
Kardinalskollegium jedoch nicht allein seinen Verdiensten um die Kurie, sondern auch der Protektion durch
den einflußreichen Barberini. Nach dem Tod Urbans VIII. traten die Kardinäle am 9.9. 1644 zu einer Konklave
zusammen, in der die gegensätzlichen Interessen innerhalb der Kirchenführung aufeinanderprallten. Die
französische Partei wollte keinen mit Spanien sympathisierenden, die zu Spanien Neigenden unter der Führung
des Kardinals Medici keinen Frankreich ergebenen Mann. Nach einer langen und kontrovers geführten
Konklave wurde P. als Innozenz X. im Alter von fast 72 Jahren am 15.10. 1644 zum Papst gewählt.
Ausschlaggebend für seine Wahl trotz seiner offensichtlichen Sympathie für Spanien war die Befürchtung der
französischen Partei, nur durch ihre Zustimmung die Wahl eines noch eifrigeren Anhängers der spanischen
Krone verhindern zu können. Der Einspruch Kardinal Mazarins, der nach dem Tod Richelieus für den noch
minderjährigen Louis XIV. als leitender Minister die französischen Staatsgeschäfte führte, erreichte Rom erst
nach vollzogener Wahl. Obwohl in seiner Laufbahn durch Francesco Barberini unterstützt, ging I. X. bald nach
seiner Wahl gegen die einflußreichen, aber in Rom wegen ihres Machthungers verhaßten Barberini vor. Er
setzte eine Untersuchungskommission ein, die den Verdacht auf Veruntreuung kirchlicher Gelder durch die
Familie Barberini überprüfen sollte. Antonio Barberini, der Neffe des verstorbenen Papstes, setzte sich
daraufhin nach Frankreich ab. I. X. verordnete nun in einer Bulle vom 21.12. 1646, daß Besitz und Einkünfte
aller Kardinäle, die Rom ohne seine Genehmigung verließen, nach einer Frist von sechs Monaten einzuziehen
und ihm zu übereignen seien. So wurde der Besitz des geflüchteten Kardinals beschlagnahmt, seine Ämter
anderweitig vergeben. In Frankreich jedoch fand Barberini tatkräftige Hilfe durch Kardinal Mazarin. Dieser
unterstützte ihn durch massiven politischen Druck auf den Papst. Die französischen Truppen, die Mazarin nach
erfolglosen Drohungen nach Italien entsandte, erleichterten I. X. schließlich die Entscheidung, Barberini
vollständig zu rehabilitieren. In scharfem Kontrast zu seinem Vorgehen gegen die Barberini stand, daß I. X. bald
selbst begann, seine Verwandten an kirchlichen Ämtern und Gunstbeweisen profitieren zu lassen. Die Witwe
seines älteren Bruders, Donna Olimpia Maidalchini aus Viterbo, bekam im Zuge des Nepotismus, der unter I. X.
fast exzessive Formen annahm, einen immer größeren Einfluß auf ihn. I. X. geriet zunehmend in ihre
Abhängigkeit, bald unternahm er nichts Wichtiges mehr, ohne vorher ihren Rat eingeholt zu haben. Die
habgierige und herrschsüchtige Donna Olimpia nutzte ihre Stellung zur persönlichen Bereicherung aus. Bald
wurde die "papessa" (so Pasquino) zur mächtigsten Person an der Kurie. Sämtliche kirchliche Würdenträger
bemühten sich um die Gunst dieser raffiniert und skrupellos intrigierenden Frau. Ein unsittliches Verhältnis
zwischen I. X. und Donna Olimpia Maidalchini, wie es Gualdi in seiner "Vita di Donna Olimpia Maidalchini"
schilderte, scheint jedoch unhistorisch. Die Calvinisten beuteten diesen Verdacht einer unsittlichen Beziehung
zwischen dem Papst und seiner Schwägerin in Predigten, Schriften und selbst auf Medaillen als Paradebeispiel
der Sittenlosigkeit des Vatikans aus. Am 24.10. 1648 wurde nach jahrelangen, zähen Verhandlungen der
Westfälische Friedensschluß unterzeichnet. Der Friede von Osnabrück und Münster bedeutete für die
katholische Kirche außer gewaltigen materiellen Verlusten auch die faktische Anerkennung der
protestantischen Säkularisation. Er brachte die Gegenreformation für immer zum Stillstand. Der päpstliche
Nuntius Fabio Chigi, der spätere Papst Alexander VII. legte gegen die für Rom inakzeptablen Bedingungen des
Friedensschlusses, Protest ein. I. X. wiederholte diesen Protest in seinem Breve "Zelus domus Dei" vom 26.11.
1648, und erklärte die Bestimmungen für null und nichtig. Der Einspruch I.s X. hatte jedoch eher symbolische
Bedeutung, da abzusehen war, daß er ohne jede praktische Wirkung bleiben würde. Dem König Johann IV. von
Portugal verweigerte I. X. den Empfang einer Gesandtschaft, die dem Papst die Obedienzerklärung des neu
gegründeten Königreiches überbringen sollte, und damit de facto die Anerkennung der Selbständigkeit
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Portugals. Auch bestritt er Johann IV. das Recht, Kandidaten für die neu zu besetzenden portugiesischen
Bistümer vorzuschlagen. Die Haltung I.s X. in dieser Frage ging hauptsächlich auf den Einfluß der spanischen
Gesandten in Rom zurück. Aus diplomatischer Rücksicht entschied I. X. gegen Portugal, das 1640 seine
Unabhängigkeit von Spanien erklärt hatte. Die wichtigste und folgenschwerste Entscheidung des Pontifikats I.s
X. war der lehramtliche Beschluß über den Jansenismus. Grundanliegen dieser nach dem Löwener Professor
Cornelius Jansen benannten Lehre war die Erneuerung der Theologie und des ganzen religiös-sittlichen Lebens
im Geist der heiligen Schrift und der Lehren des Augustinus. Der Jansenismus griff in scharfer Form die Jesuiten
an, er wollte eine Reform der kirchlichen Gnadenlehre. Nach gründlichen Beratungen erfolgte am 31.5. 1653
die Verurteilung von fünf Sätzen aus Jansens Hauptwerk "Augustinus" durch die Bulle "Cum occasione
impressionis libri". Der Streit um den Jansenismus konnte jedoch hierdurch nicht beendet werden, sondern
durch die päpstliche Entscheidung entflammte der Streit um die Lehre des Bischofs von Ypern aufs Neue. Die
Ereignisse um den Tod des I. X. spiegeln den Verfall wieder, in dem das Papsttum dieser Epoche begriffen war.
Während I. X. im Sterben lag, begann seine Schwägerin Donna Olimpia Maidalchini zusammen mit der
Prinzessin von Rossano, der Gattin eines Papstnepoten, die päpstlichen Gemächer zu plündern. Als sie jedoch
ersucht wurde, die Beerdigungskosten für I. X. zu übernehmen, antwortete sie, sie sei nur eine arme Witwe. I.
X. wurde schließlich ohne jede Feierlichkeiten, fast ärmlich, bestattet. Der Nachfolger des Papstes verbannte
Donna Olimpia für immer aus der Stadt. Seit I. X. ging der politische Einfluß des Papsttums unaufhörlich zurück.
Durch unentschlossene, wankelmütige und trotz allem Mißtrauen von seiner machtgierigen Schwägerin
beherrschten Führung seines Pontifikats erscheint I. X. im Spiegel der Kirchengeschichtsschreibung
hauptsächlich als von Donna Olimpia und dem Kardinalskollegium gelenkter, schwacher und unselbständiger
Greis. Jedoch darf nicht sein großer Eifer für die Reinerhaltung des Glaubens vergessen werden, mit dem er
gegen den Jansenismus vorging. I. X. unterstützte die katholischen Irländer gegen die Engländer. Er war,
obschon nicht von der Prunksucht seiner Amtsvorgänger, ein großzügiger Förderer der Künste. Das realistische
Portrait, daß der Maler Diego Velazquez 1650 von I. X. malte, stellt ihn als einen mißtrauischen Mann mit
durchdringendem, strengem Blick dar.
 Alexander VII. 1655-1667
früher Fabio Chigi, geb. in Siena 13.2.1599  Rom 22.5.1667. Als Nuntius in Köln (1639-51) nahm er an den
Verhandlungen des Westfäl. Friedens teil. Persönlich fromm und mit reichen literar. und wissenschaftl.
Interessen begabt, enttäuschte er aber als Papst wegen Nepotismus und Führungsschwäche. So kapitulierte er
gegenüber Frankreich im Vertrag von Pisa (1664) in demütigender Form. Bedeutsam war er als Mäzen. Als
Feingeist überlies er die Verwaltungsarbeit seinem Neffen und kümmerte sich lieber um die Ausgestaltung des
Petersplatzes, die er dem genialen Barockbaumeister Gian Lorenzo Bernini übertrug.
 Clemens IX. 1667-1669
* Pistoia 28.1.1600,  Rom 9.12.1669 Papst seit 20.6.1667Gegen andere, nicht gegen sich selbst wolle er
nachsichtig und mild sein ("alus, non sibi clemens"), begründete Giulio Rospigliosi die Wahl seines
Papstnamens. Die Zeitgenossen aber übersetzten "clemens" bald und immer öfter mit "schwach", denn der
Papst erwies sich politisch als nachgiebiger, als es seinen Kritikern geraten erschien. Klemens IX. verdankte
seine Wahl vor allem der Sehnsucht vieler Kirchenführer nach einer Überwindung des vom Vorgänger
gepflegten Konflikts mit Ludwig XIV. von Frankreich (König 1643-1715), zu dem der Gewählte selbst in seiner
Zeit als Kardinalstaatssekretär (seit 1657) trotz der Feindschaft zwischen seinem Chef Alexander VII. und dem
Hof in Versailles gute Beziehungen unterhalten hatte. Hinzu kam, daß auch Spanien den Mann aus dem
Landadel favorisierte, der als Legat in Madrid 1544-1553 gute Beziehungen aufgebaut hatte. Die knüpfte er
leicht aufgrund seiner profunden Bildung: Klemens war studierter Theologe und Philosoph, hatte religiöse
Dramen verfasst und kannte die zeitgenössische Literatur wie wenige. Sein Porträt von Carlo Maratti (16251713) zeigt ein gefurchtes, fein geschnittenes Antlitz mit geistvollen Zügen, die den Gelehrten verraten; das
Buch, das ihm der Maler in die Hand gab, wäre als Hinweis gar nicht erforderlich gewesen. In seiner relativ
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kurzen Amtszeit konnte Klemens die Kluft zu Frankreich verringern, allerdings um den Preis der Zementierung
gallikanischer Freiheiten wie der Besetzung von Kirchenämtern ohne Mitsprache Roms. In Portugal erlaubte
ihm die spanische Anerkennung der Unabhängigkeit des Landes endlich auch die Ordnung der kirchlichen
Verhältnisse, und für Venedig brachte der Papst internationale Hilfe zum Kampf gegen die Türken zusammen,
die die Republik von San Marco von den letzten ägäischen Stützpunkten zu vertreiben drohten. Dennoch
scheiterte das Unternehmen 1668/1669; Venedig verlor mit Candia (Heraklion) die letzte Bastion auf Kreta und der Papst Riesensummen, weil sich viele Verbündete nach dem Desaster nicht an ihre finanziellen Zusagen
erinnern konnten und den in Vorlage getretenen Heiligen Stuhl im Regen stehen ließen. Das untergrub
endgültig die ohnedies schwache Gesundheit des Papstes, der weniger als Politiker denn durch seine
Verdienste um die Oper im Gedächtnis blieb. Vor seinem Pontifikat verfasste er im Dienst der Fürsten Barberini
eine Reihe von Opemlibretti und schuf damit den musikalisch-poetischen Prototyp der Gattung "komische
Oper" (vor allem mit dem Libretto zu "Chi soffre spen -Wer leidet, hoffe", 1637, von Marco Marazzoli und
Domenico Mazzocchi); während seines Pontifikats erlebte die römische Oper einen ungeahnten Aufschwung.
 Clemens X. 1670-1676
Rom 12.7.1590,  ebd. 22.7.1676 Papst seit 29.4.1670 Ein Spätentwickler: Emilio Altien, Sproß einer römischen
Patrizierfamihe, promovierte 1611 zum Doktor der Rechtswissenschaft, war Anwaltsgehilfe bei Giambattista
Pamfili, dem späteren Innozenz X., und empfing erst als 34jähriger die Priesterweihe. Drei Jahre später
ernannte ihn Urban VIII. zum Bischof von Camerino, was er bis 1654 blieb. Eine zwischenzeitliche Nuntiatur in
Neapel 1644-1652 verlief wenig erfolgreich und blockierte den weiteren Aufstieg, ehe Alexander VII. sich die
Erfahrung des altgedienten Bischofs als Berater zunutze machte. Klemens IX. schließlich krönte die eigentlich
schon beendete Laufbahn Altieris wenige Tage vor dem Tod mit der Erhebung zum Kardinal. Dass der endlich
Purpurgeschmückte sogar die Tiara gewinnen würde, schien ausgeschlossen. Es kam dann aber gerade wegen
seines Alters zur Wahl nach über viermonatigem Konklave, weil sich die diversen Fraktionen neutralisierten
und nur eine Übergangslösung blieb. Als fast 80jähriger wurde Altien gewählt und nannte sich nach seinem
Gönner Klemens X. Ihm war sofort bewusst, dass er in seinem Alter die Geschäfte nicht würde allein führen
können, und er berief den Onkel eines angeheirateten Neffen, Paluzzi Paluzzo, zum Kardinal, dem er das
Wappen und den Namen Altien verlieh. Daraus leitete dieser das Recht zu ständiger Ausweitung seiner
Kompetenzen und zu so schamloser Bereicherung ab, daß er sich einen Palast ausbauen ließ, den zu betreten
der Papst sich weigerte, weil er die Wut der Römer über seinen habgierigen Günstling nicht noch steigern
wollte. Viel auszurichten vermochte Klemens bei seinem Alter und einem derart mit sich beschäftigtem
Geschäftsführer nicht, so dass allenfalls die Hilfe für Polen gegen die auch nach Norden vordringenden Türken
erwähnenswert ist. Sie setzte den Feldherrn Jan Sobieski in den Stand, die türkischen Heere 1673 am Dnjestr
zurückzuschlagen und sich im Jahr darauf als Johann III. zum König (bis 1696) wählen zu lassen. Die
Großmächte kümmerten sich kaum um den Greis auf dem Stuhl Petri, ja Ludwig XIV. von Frankreich (König
1643-1715) führte ihn mit seinen Angriffsplanungen gegen Holland dreist hinters Licht, indem er sie als
Rekatholisierungsversuch ausgab. Ansonsten sah sich Klemens massivem Druck zur Erhebung von Kardinälen
nach den Wünschen der diversen Höfe ausgesetzt. Das reichte bis zu physischer Gewalt: Als Klemens sich
weigerte, einen französischen Kandidaten zu ernennen und die entsprechende Sitzung abbrechen wollte, hielt
Ludwigs Gesandter den gebrechlichen Papst auf seinem Stuhl fest und wich erst, als Wachen gerufen wurden.
 Innozenz XI. 1676-1689
Innozenz XI. (1611-1689), Papst (1676-1689), widersetzte sich dem französischen König Ludwig XIV. in der
Frage des Gallikanismus. Dieser war darauf ausgerichtet, die päpstliche Macht in Frankreich einzuschränken.
Innozenz XI. wurde in Como geboren und hieß ursprünglich Benedetto Odescalchi. An der Universität Neapel
studierte er Recht. Nach seinem Dienst am Hof wurde er 1645 zum Kardinal ernannt. Danach wurde er zum
Priester geweiht, und 1650 wurde er Bischof von Novara. Innozenz' Pontifikat war geprägt von den Konflikten
mit Ludwig XIV., dem erbitterten Gegner kirchlicher Privilegien. Innozenz verurteilte Ludwig, als dieser für sich
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das Recht beanspruchte, Bischöfe zu ernennen sowie die Einnahmen von Bischofssitzen einzubehalten, die
nicht besetzt waren. Daraufhin berief Ludwig eine französische Synode ein, die die gallikanischen Artikel (1682)
annahm. Hierbei handelt es sich um vier Erklärungen zur Einschränkung bestimmter päpstlicher Vorrechte.
Innozenz erklärte die Artikel für ungültig und weigerte sich, die Geistlichen zu befördern, die an der Synode
teilgenommen hatten. Innozenz war ein erbitterter Gegner der Hugenottenverfolgungen seiner Zeit und
bekämpfte den Laxismus, eine Richtung der katholischen Moraltheologie, die von den Jesuiten vertreten
wurde. Der Laxismus hielt eine Handlung auch dann für erlaubt, wenn nur eine schwach begründete
Wahrscheinlichkeit bestand, dass sie erlaubt sei. Im Jahr 1956 wurde Innozenz heilig gesprochen. Sein Festtag
ist der 13. August.
 Alexander VIII. 1689-1691
früher Pietro Ottoboni, geb. Venedig 22.4.1610,  Rom 1.2.1691. Durch große Nachgiebigkeit suchte er die
Annäherung des Papsttums an Frankreich auf Kosten der guten Beziehungen zum Kaiser. Er erwarb die
Bibliothek der Königin Christine von Schweden für den Vatikan. Mit ihm verfielen die Päpst erneut dem
Nepotismus.
 Innozenz XII. 1691-1700
* 13.6. 1615 in Neapel als Antonio Pignatelli, aus einer der ältesten und verdienstvollsten Familien Neapels, 
27.9. 1700 in Rom. Nachfolger des am 1.2. 1691 verstorbenen Alexanders VIII. - P. wurde zu Rom im
Jesuitenkollegium erzogen; 1635 Ernennung zum Prolegaten von Urbino durch Urban VIII. Unter Innozenz X.
Nuntius in Florenz, danach Legat Alexanders VII. in Polen. Dessen Nachfolger, Clemens IX., verlieh ihm die
Nuntiatur in Wien. Innozenz XI. schließlich ernannte ihn 1681 zum Kardinal und später zum Erzbischof von
Neapel. Zehn Tage nach dem Tode Alexanders VIII. traten die Bischöfe zur Konklave zusammen, wobei sich
bezüglich des Kandidaten ein Konflikt zwischen der spanisch-kaiserlichen und der französischen Partei
einstellte. P. wurde im Rahmen eines Kompromisses zwischen den Kardinälen am 12.7. 1691 auf den Stuhl
Petri erhoben. In seiner Benennung lehnte sich P. bewußt an Innozenz XI. an, als dessen geistlicher Nachfolger
er sich verstand. Das Pontifikat I.s XII. war zunächst geprägt vom Versuch einer Reformation des
Kirchenstaates. So erließ er 1692 die Bulle "Romanum decet Pontificem" mit dem Ziel der Einschränkung der
Ausstattung von päpstlichen Verwandten mit Ämtern, Geld und Titeln. In seinem Bestreben nach geordneten
und sicheren Verhältnissen im Kirchenstaat führte I. XII. eine entscheidende Verschärfung der gerichtlichen
Bestrafung in Rom herbei. Weiterhin zeigte er Bestrebungen nach Erneuerung der heruntergekommenen
Disziplin in den Klöstern. Dies stieß im Mönchtum auf heftige Kritik. I. XII. zentralisierte die römischen
Behörden und Gerichte, indem er die Curia Innocentiana errichten ließ. Bei der Bevölkerung wurde I. XII. als
"Vater der Armen" populär, da er einen Teil der kirchlichen Gelder für soziale und karitative Zwecke einsetzte.
1693 wurde auf Bestreben des I. XII. durch Ludwig XIV. der Widerruf der Vorrechte der gallikanischen Kirche
durch die französischen Bischöfe anberaumt. Die Neubegründung eines guten Einvernehmens mit Frankreich
durch I. XII. wurde zum Teil dadurch bedingt, daß die Beziehungen der Kurie zum habsburgischen Haus durch
politische Ungeschicklichkeiten Österreichs angespannt waren. 1694 begann I. XII. eine objektivere
Kirchenpolitik gegenüber den Jansenisten, die diese als Begünstigung ihrer Lehre interpretierten, erklärte
jedoch 1696 die Fortführung der Haltung seines Vorgängers in diesem Punkt. 1699 entschied I. XII. gegen die
quietistische Mystik Fenelons, aus dessen Werk "Explication des maximes des Saints sur la vie intérieure" er 23
Sätze verdammte. I. XII. riet Karl II. von Spanien zur Bestimmung des Herzogs von Anjou, des Enkels Ludwigs
XIV. als Erben seines Reiches. Hierdurch wurde nach dem Tode Karls II. der sogenannte spanische Erbfolgekrieg
ausgelöst. In dem Streit über unorthodoxe liturgische Formen in den jungen Gemeinden der Mission, und über
das Moralsystem des Probabilismus schob I. XII. Entscheidungen, die an ihn herangetragen wurden, bis zu
seinem Tode auf. Das Pontifikat des I. XII. zeichnet sich in kirchenhistorischer Hinsicht durch seine
gravierenden Reformen klerikaler Mißstände aus; weiterhin wurde das Verhältnis Roms zu Frankreich neu
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definiert. Seine Person ist insbesondere für die Betrachtung der auslösenden Faktoren des spanischen
Erbfolgekrieges von Bedeutung.
 Clemens XI. 1700-1721
*Urbino 22.7.1649,  Rom 19.3.1721 Papst seit 23.11.1700 Da verloren noch ganz andere die Übersicht, und
ein Mann, der aus der "Schule" des frommen Innozenz XII. kam, war völlig überfordert: Giovanni Francesco
Albani - aus römischer Senatorenfamihe - hatte Philosophie und Jura studiert und war noch unter Alexander
VIII. zum Kardinal erhoben worden. Seine eigentliche Prägung aber hatte er im Dienst des Nachfolgers
empfangen, für den er die radikale Ächtung des Nepotismus formuliert hatte. Das empfahl ihn bei den eher
unpolitischen Kardinälen, die wegen der - auch inneren - Zerstrittenheit der deutschen und französischen
Partei schließlich den Ausschlag gaben. Man erwartete vom frommen Klemens XI., wie er sich nun nannte, viel
- zuviel. In Europa nämlich ging es drunter und drüber, woran schon der Vorgänger nicht so unschuldig war,
wie sein Name suggerieren könnte: Innozenz hatte noch kurz vor seinem Ende als Erbe des kinderlos
verstorbenen letzten spanischen Habsburgers den Enkel des machtbesessenen Ludwig XIV. von Frankreich
(König 1643-1715), Philipp von Anjou, empfohlen (als Philipp V. spanischer König 1700-1746). Klemens hielt
natürlich daran fest und erbte damit seinerseits den Groll Leopolds 1. (Kaiser 1658-1705). Der Habsburger griff
zu den Waffen, denn es ging um weit mehr als um Spanien: Das Königreich Sizilien mit Neapel gehörte ebenso
zum Erbe der spanischen Habsburger, deren österreichisch-deutscher Zweig es für Erzherzog Karl (später
Kaiser Karl VI., 1711-1740) beanspruchte. Außerdem konnte es das Reich nicht hinnehmen, daß die Macht der
Bourbonen nicht nur auf die Iberische Halbinsel, sondern auch auf Süditalien ausgedehnt wurde. Es kam zum
Spanischen Erbfolgekrieg (1700-1714), in dem sich der Papst vergeblich bedeckt zu halten versuchte: Er war bei
den verwaisten Thronen als Lehnsherr gefragt und wurde nun von beiden Seiten bedrängt. Schließlich rückten
kaiserliche Truppen in den Kirchenstaat ein und zwangen Klemens, Karl als Kaiser anzuerkennen. Es kam dann
anders, weil im Kuhhand~ des Friedens von Utrecht (1713) doch andere Lösungen gefunden wurden, nun
allerdings gänzlich ohne päpstliche Mitwirkung. Selbst die Rechte des Papstes auf italienische Gebiete wurden
einfach ignoriert. Proteste verhallten ungehört, über die Drohung mit dem Kirchenbann zuckten die
Potentaten nur noch die Achseln. Die weltliche Rolle Roms schwand unter Klemens zusehends, denn auch die
Türkengefahr wurde durch den kaiserlichen Feldherrn Prinz Eugen (1663-1736) gebannt. Blieb der geistliche
Bereich, in dem noch einmal der Konflikt um den Jansenismus hochkochte und die erneute Verurteilung durch
den Papst 1713 (Bulle "Unigenitus") zu schweren Konflikten führte. Auch in der Missionsfrage agierte Klemens
unglücklich: Er untersagte die Duldung überkommener chinesischer Riten in christlichen Weihehandlungen und
provozierte damit eine Christenverfolgung in Fern-Ost und die Schließung der Missionsstationen in China.
 Innozenz XIII. 1721-1724
* 13.5. 1655 in Poli bei Palestrina,  7.3. 1724. - Michelangelo dei Contiaus aus altadeliger Familie wurde nach
dem Studium in Ancona und Rom an der Gregoriana unter Papst Alexander VIII. päpstlicher Ehrenkämmerer;
unter Innozenz XII. trat er in die Prälatur ein. 1695 wurde er Titularerzbischof von Tarsus und Nuntius in
Luzern, 1698 in Lissabon, am 17.5. 1706 Kardinal, danach Bischof von Osimo (1709) und von Viterbo (17121719). Nach wechselvollem Konklave und 50 Tage nach dem Tode Clemens XI. wurde er einstimmig am 8.5.
1721 zum Papst gewählt; er gab sich den Namen I. nach seinem Vorfahren, Innozenz III. Der kurze, ruhige
Pontifikat verlief ohne Ereignisse von größerer Bedeutung. Am 9.6. 1722 erklärte I. der Generalkongregation,
daß er Kaiser Karl VI. mit dem Königreich Neapel und Sizilien belehnen werde; er konnte jedoch nicht
verhindern, daß Karl VI. weiterhin die "Monarchia sicula" beanspruchte, d. h. die Herrscher Siziliens bestehen
seit 1098 auf das Recht, in ihrem Land auch in kirchlicher Hinsicht Herr zu sein. Dieses Privileg führte zu
ständigen Konflikten zwischen den Päpsten und den Königen von Sizilien. - In den heftigen Kontroversen um
den Jansenismus, einer Bewegung, die ursprünglich eine Reform der nachtridentischen Theologie bezweckte,
hielt I. wie sein Vorgänger an der Bulle "Unigenitus" fest: die von Clemens XI. auf Drängen Ludwigs XIV.
verfaßte Bulle verurteilte die Lehrsätze des P. Quesnel, des französischen Anhängers der jansenitischen Lehre. -
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Den Jesuiten stand I. ablehnend gegenüber; von ihnen verlangte er im "Ritenstreit" unwiderruflich die
Anerkennung der päpstlichen Dekrete.
 Benedikt XIII. 1724-1730
* Gravina (bei Ban) 2.2.1649,  Rom 21.2.1730 Papst seit 29.5.1724Vor dem Herzogsamt drückte er sich mit
Erfolg, schon den Kardinalshut aber konnte er nicht ausschlagen, und aller Widerstand half schließlich nicht, als
er zum Papst gewählt worden war: Pietro Francesco Orsini sollte seinem Vater als Herzog von Gravina folgen,
trat aber als l8jähriger dem Dominikanerorden bei und verschrieb sein Leben der Seelsorge. Der Purpur ereilte
ihn jedoch schon als 23jährigen, denn sein herzoglicher Bruder hatte ihn Klemens X. wärmstens empfohlen.
Dessen Nachfolger Innozenz XI. übertrug Orsini mehrere Bischofsämter, wogegen er sich schon wegen des
frommen Vorbilds dieses Papstes nicht wehren wollte. Er lebte aber weiterhin als einfacher Mönch und
empfahl sich so und durch sein hohes Alter als Nachfolger Innozenz' XIII. bei den Kardinälen, die auf seine
geringe politische Erfahrung und entsprechende Lenkbarkeit setzten. Zunächst wollte er als Benedikt XIV.
amtieren, revidierte die Ordnungszahl aber nach dem Hinweis, dass der Luna-Papst im 15. Jahrhundert als
unrechtmäßig angesehen wurde. Auch als Papst blieb der Dominikaner bescheiden, wies allen Pomp von sich
und amtierte eher als fürsorglicher Bischof von Rom denn als Herr der Christenheit. Seine Weltfremdheit
paarte sich mit mangelnder Menschenkenntnis, so dass Benedikt dem abgefeimten Egoisten Niccolö Coscia
sein Vertrauen schenkte und ihn 1725 zum Kardinal erhob. Alle Hinweise darauf, dass der Günstling sich durch
Ämterhandel, Bestechungsnahme und Umleitung von Einnahmen in die eigene Tasche bereicherte, tat
Benedikt als Verleumdungen ab und wollte den schreienden Gegensatz zwischen seiner eigenen
bedürfnislosen Demut und dem Lotterleben seiner Ausbeuter nicht sehen. Als der Papst starb, stand der
Kirchenstaat vor dem Ruin, und die Wut der Römer entlud sich gegen Coscia und seine Clique. Mit knapper Not
kamen die Gauner mit dem Leben davon, später erst ereilte sie ein Gerichtsverfahren des Nachfolgers Klemens
XII. Kein Wunder, dass das Pontifikat Benedikts politisch ein Fiasko war: Der Papst absorbiert von geistlichen
Interessen, die Kurie im Griff einer skrupellosen Mafia, die päpstliche Schatulle geplündert - da gab es kaum
gedeihliche Ansätze für eine Außenpolitik, die den Namen verdient hätte. Die Mächtigen der Welt kannten
zudem immer weniger Rücksicht auf kirchliche Rechte, und auch die Geistlichen nahmen sich am Papst und an
den zahlreichen Männern, die er heiligsprach, nur in Ausnahmefällen ein Beispiel.
 Klemens XII. 1730-1740
* Florenz 7.4.1652,  Rom 6.2.1740 Papst seit 12.7.1730Aufzuhalten wäre der weltliche Machtverfall der
Kirche letztlich wohl ohnedies nicht gewesen, doch durch die ständige Berufung alter, gebrechlicher Päpste
wurde er noch beschleunigt. Nach dem Tod Benedikts XIII., der 75jährig die dreifache Krone (Tiara) errungen
hatte, fiel die Wahl auf den fast 80jährigen Lorenzo Corsini, weil nach viermonatigem Gezerre wieder einmal
auf einen Übergangspapst ausgewichen wurde. Das sollte sich zwar als Fehlspekulation erweisen, doch
Klemens XII., wie sich der neue Heilige Vater nannte, war gichtkrank und erblindete nach zwei Amtsjahren
völlig. Energische Politik war von ihm nicht zu erwarten. Der Jurist aus reicher Adelsfamilie war erst 1685
Kleriker, aber dann schon 1691 Nuntius in Wien geworden, wo er freilich wegen des Konflikts Kaiser-Papst vom
Hof geschnitten worden war. Nach Rom zurückgekehrt, hatte er 1696 das Kämmereramt übernommen und
dabei wichtige Verwaltungskenntnisse erworben. Seit 1706 Kardinal, machte er sich als Papst denn auch gleich
an die Sanierung der zerrütteten Finanzen und ließ den daran schuldigen Günstling des Vorgängers, Kardinal
Niccolo' Coscia, zu hoher Geldstrafe und zehnjährigem Kerker verurteilen. Es gelangen Klemens aber nur
bescheidene Erfolge, denn die Einnahmen aus den katholischen Staaten, die immer unbekümmerter um die
Meinung Roms agierten, gingen ständig zurück, und die Schulden aus dem Krieg seines Namensvorgängers
Klemens XI. gegen den Kaiser ließen sich kaum abtragen. Immerhin war die Familie des Papstes wohlhabend
und konnte 1732 das Palais erwerben, in dem Christine von Schweden (Königin 1632-1654, t 1689) gelebt
hatte. Auch fanden sich noch Gelder für einige Bauten in Rom, von denen die Fontana di Trevi wohl der
berühmteste ist. Politisch fast ohnmächtig, erreichte Klemens auch kirchlich-theologisch wenig. Nennenswert,
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aber ebenfalls fast folgenlos war seine Verurteilung der aufkommenden Freimaurerei (28.4.1738). Und nur ein
kleiner Erfolg war die engere Bindung der Maroniten im Libanon an die römische Kirche.
 Benedikt XIV. 1740-1758
Benedikt XIV. (1675-1758), Papst (1740-1758), der für seine Mäßigkeit, Gelehrsamkeit und sein aktives
Interesse an Erziehung bekannt wurde. Geboren als Prospero Lambertini in Bologna, wurde er 1728 zum
Kardinal und 1731 zum Erzbischof von Bologna ernannt. Während seiner Zeit als Papst förderte er Handel und
Landwirtschaft, führte verschiedene Reformen durch und regelte in seinen Gesetzesvorlagen und Enzykliken
Fragen zu Mischehen sowie Auseinandersetzungen bezüglich indischer und chinesischer Riten. Als einer der
gebildetsten unter den Päpsten setzte sich Benedikt vehement für Erziehung und Wissenschaft ein, gründete
an der Universität von Rom den Lehrstuhl für Physik, Chemie sowie Mathematik und rief die Akademie von
Bologna wieder ins Leben. In der Literatur veranlasste er, dass die besten englischen und französischen Werke
ins Italienische übersetzt wurden. Zu seinen Hauptwerken zählen: De Servorum Dei Beatificatione et Beatorum
Canonizatione (1734-1738), De Sacrosancto Missae Sacrficio (1748) und De Synodo Dioecesana (1748).
 Klemens XIII. 1758-1769
* Venedig 7.3.1693,  Rom 2.2.1769 Papst seit 6.7.1758Goethe war hingerissen, als er im Februar 1788 im
Palais des Fürsten Abbondio Rezzonico in Rom vor einem Gemälde des böhmischen Malers Anton Raphael
Mengs (1728-1779) stand. Das heute in der Pinacoteca Ambrosiana in Mailand ausgestellte Porträt zeigt Carlo
della Torre Rezzonico als Papst Klemens XIII. in vollem Ornat. Was den deutschen Dichterfürsten so
begeisterte, dürfte die feine psychologische Zeichnung gewesen sein, die die Milde und Liebenswürdigkeit des
Bischofs von Rom sichtbar macht, zugleich aber in seinen weichen Zügen die Unsicherheit und Ängstlichkeit
dieses in einer Zeit schwerer Prüfungen gewählten Heiligen Vaters spiegelt. Rezzonico war Jesuitenzögling,
Jurist und Theologe und war 1716 in den Kuriendienst getreten. Klemens XII. hatte ihn 1737 zum Kardinal
erhoben, weswegen der Nachnachfolger diesen Namen ebenfalls wählte. Er errang die Tiara, weil die Mehrheit
der Elektoren keinen Mann wie Benedikt XIV. mit antijesuitischen Vorbehalten wollte. Er erbte aber dadurch
auch als größte Belastung seines Pontifikats den Streit um den Orden, der in der Zeit der Aufklärung vielen
führenden Geistern und Potentaten als Inbegriff kirchlicher Machtanmaßung galt und zur Zielscheibe
publizistischer und politischer Angriffe wurde, die eigentlich dem Papst galten. Der Ärger begann in Portugal,
dessen Hof mit Argwohn die indianerfreundliche Praxis der Fratres in Paraguay sah, wo sie fast so etwas wie
einen eigenen Staat aufgebaut hatten. Massiv schlug Lissabon nun zu, beschuldigte die Missionare des
Komplotts gegen den König, ließ 1759 viele ins Mutterland verschleppen und aburteilen, konfiszierte ihre
dortigen Güter und hob den Orden schließlich ganz auf. Frankreich folgte, denn dort war die Truppe des
Papstes den Gallikanern ein Dorn im Auge, die mehr Freiheit von Rom anstrebten. 1764 wurde die Societas
Jesu von Paris verboten, woran auch ein scharfer Protest durch Klemens nichts zu ändern vermochte. Drei
Jahre später mußten die Jesuiten auch Spanien räumen, und fast gleichzeitig wurden sie aus Neapel-Sizilien
vertrieben. Den erneuten Protest aus Rom beantwortete Frankreich wieder einmal mit der Besetzung der
päpstlichen Enklaven Venaissin und Avignon, während Neapel mit der Wegnahme der Kirchenstaatsgebiete
Benevent und Pontecorvo reagierte. Klemens gab nicht nach, doch ruinierte der Streß seine Gesundheit, und
er erlag einem Schlaganfall. Innerkirchlich hatte er sich mit weiteren nationalen Absetzbewegungen
herumzuschlagen gehabt: In Deutschland meldete sich seit 1763 der sogenannte Febronianismus des Johann
Nikolaus von Hontheim (1701-1790), der die Begrenzung der Papstmacht auf rein geistliche Jurisdiktion
forderte. Der Papst verlangte von den Bischöfen ein Einschreiten gegen diese Bewegung, das deutsche
Episkopat aber folgte dem nur halbherzig. Auch an dieser Front blieb Klemens weitgehend erfolglos. Und als
Kunstförderer machte er sich sogar lächerlich: Er ließ nackte Figuren auf Gemälden und Fresken an den
entsprechenden Stellen züchtig verhüllen.
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 Klemens XIV. 1769-1774
* Sant'Arcangelo (bei Rimini) 31.10.1705, Rom 22.9.1774 Papst seit 19.5.1769 Während des Konklaves
nach dem Ableben Klemens' XIII. hielt sich Joseph II. (Kaiser 1765-1790) in Rom auf. Als ihn Kardinäle um
Schutz für das künftige Kirchenoberhaupt baten, erklärte er: "Dafür können Sie besser sorgen als ich, indem Sie
einen Mann wählen, der das Wort >Ne quid nimis< versteht" -also einen, der nichts auf die Spitze treibt. Damit
zielte der "Reformkaiser" auf den Vorgänger und seine unnachgiebige Haltung in der Frage des Jesuitenordens.
Der dann gewählte Kardinal (seit 1759) Lorenzo - eigentlich Giovanni Vincenzo Antonio - Ganganelli, Sohn eines
Landarztes, schien jedoch in dieser Sache wieder wenig verheißungsvoll, denn er setzte die Reihe der KlemensPäpste fort und war mit einer Schrift bekannt geworden, die er ausgerechnet dem heiligen Ignatius von Loyola,
dem Begründer der Societas Jesu, gewidmet hatte ("Diatriba theologica", 1740). Es erwies sich aber, daß der
französische Gesandte bei der Kurie den neuen Papst richtig eingeschätzt hatte, als er feststellte: "Er ist heiter,
möchte Frieden haben mit der ganzen Welt und lange leben." Beides war nur möglich bei scharf
antijesuitischer Politik, zu der sich Klemens XIV. allerdings erst zögernd durchzuringen vermochte. Schließlich
knickte er unter dem Druck vor allem Portugals, Frankreichs und Neapels ein und hob den Orden am 16.8.1773
auf, indem er in einem Breve kommentarlos alle gegen die Jesuiten erhobenen Vorwürfe aufzählte:
Bereicherung, politische Konspiration und Unterstützung von Aufständen. Deswegen "heben wir genannte
Gesellschaft auf, unterdrücken sie, löschen sie aus und schaffen sie ab". Wie wörtlich das zu verstehen war,
erfuhren die Ordensoberen am eigenen Leib: Viele wurden trotz hohen Alters und schwerer Krankheiten in
langjährige Haft genommen. Die Güter des Ordens wurden eingezogen, wobei sich herausstellte, daß der
sagenhafte Reichtum der Jesuiten nur in der Phantasie ihrer Kritiker existierte. Die europäische Öffentlichkeit
feierte das Verbot frenetisch als einen Sieg der Auf-klärung über die "Truppe der Finsternis", nur in Preußen
und Rußland durfte das päpstliche Breve nicht verbreitet werden. Frieden mit den Mächten hatte der Papst
also erreicht, und auch die von Neapel und Frankreich besetzten kirchenstaatlichen Gebiete erhielt er zurück,
doch aus dem langen Leben wurde nichts. Die negativen Folgen nämlich für die Kirche und für das Papsttum
waren beträchtlich: Sie verloren weltweit erheblich an Einfluß und nahmen schweren Schaden in der Schulund
Missionsarbeit. Politisch erlebte Klemens mit der nicht zu verhindernden Teilung des katholischen Polen 1772
eine Schlappe, und die wirtschaftliche Gesundung durch Ankurbelung von Handel und Manufakturwesen
mißlang ebenfalls. Die Machtlosigkeit stürzte den alternden Papst in Depressionen und in panische
Attentatsfurcht. Damit steckte er seine Umgebung derart an, daß man bei seinem Tod eine Autopsie
anordnete; Gerüchte über eine Vergiftung bestätigten sich allerdings nicht.
 Pius VI. 1775-1799
Pius VI. (1717-1799), Papst (1775-1799), dessen Pontifikat in der französischen Gefangenschaft endete und den
Tiefpunkt des modernen Papsttums markiert. Giovanni Angelo Braschi aus dem italienischen Cesena trat als
Sekretär in die Dienste Benedikts XIV. und übte unter Klemens XIII. das Amt des Schatzmeisters der päpstlichen
Kammer aus. Schließlich bestieg der Kardinal als Nachfolger Klemens' XIV. den Heiligen Stuhl. Während seiner
Amtszeit kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Herrschern von Neapel, der Toskana, Österreichs
und Frankreichs, die die päpstliche Gerichtsbarkeit in kirchlichen Verwaltungsbezirken beschränken wollten.
Bei Ausbruch der Französischen Revolution wurden sämtliche Kirchengüter innerhalb Frankreichs
beschlagnahmt. Die Führer der Revolution verlangten darüber hinaus, dass der Klerus einen Eid auf die
Verfassung leistete. 1791 verwarf Pius die Revolution daher als unheilig und begann, die antirevolutionär
gesinnten europäischen Mächte zu unterstützen. Nach der Invasion Napoleons in Italien sah sich Pius VI. 1797
gezwungen, die Ländereien des Kirchenstaates an die neu gegründete Cisalpinische Republik abzutreten. 1798
marschierte die französische Armee unter General Louis Alexandre Berthier in Rom ein, das die italienischen
Revolutionäre in Absprache mit den Franzosen zur Republik erklärt hatten. Sie verlangten von Pius den
Verzicht auf jeglichen weltlichen Herrschaftsanspruch. Als der Papst sich weigerte, wurde er verhaftet und in
die französische Stadt Valence gebracht, wo er in hohem Alter starb.
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Datum: 24.10.2010
 Pius VII. 1800-1823
Pius VII. (1742-1823), Papst (1800-1823), widersetzte sich Napoleon, um die traditionellen Privilegien der
Kirche zu erhalten. Pius wurde mit dem Namen Luigi Barnaba Chiaramonti in Cesena (Italien) geboren. Er trat
dem Orden der Benediktiner bei und wurde von Pius VI., mit dem ihn verwandtschaftliche Beziehungen
verbanden, zum Abt und Kardinal ernannt. Schon bald nach seiner Papstwahl handelte er mit der
napoleonischen Regierung das Konkordat von 1801 aus, wodurch die Kirche in Frankreich wiederbegründet
wurde. 1804 wurde Napoleon in der Krönungszeremonie, in der er sich selbst zum Kaiser Napoleon I. ernannte,
von Pius gesalbt. Die Beziehungen zwischen den beiden verschlechterten sich jedoch zusehends aufgrund von
Napoleons Versuchen, seine Herrschaft über die französische Kirche immer mehr auszuweiten, was schließlich
zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem Kirchenstaat führte. 1809
vereinigte Napoleon den Kirchenstaat mit dem französischen Kaiserreich und ließ Pius zunächst in Savona und
später in Fontainebleau, Frankreich, gefangensetzen. Der Papst widersetzte sich den Bemühungen Napoleons,
die päpstliche Autorität für die kaiserlichen politischen Zwecke einzusetzen. Auch trug sein unerschütterlicher
Widerstand Napoleon gegenüber bedeutend dazu bei, das Ansehen und die moralische Größe des Papsttums
wiederherzustellen. Pius kehrte erst im Frühling 1814 in den Vatikan zurück, nachdem sich Napoleon aufgrund
von militärischen Rückschlägen gezwungen sah, Pius freizulassen. In den nachfolgenden Jahren widerrief der
Papst einige der Gesetze, die unter französischer Besatzung in Kraft getreten waren. Er stellte den Orden der
Jesuiten wieder her, rief die Inquisition wieder ins Leben und verbot die Carbonari, eine geheime liberale
Gesellschaft.
 Leo XII. 1823-1829
(Annibale del la Genga), 28.9. 1823-10.2. 1829 Papst, * 22.8. 1760 in Genga (bei Spoleto),  10.2. 1829 in Rom.
- 1793 Titular-Erzbischof v. Tyros, 1794 Nuntius in Köln, 1814 Nuntius in Paris, 1816 Bischof v. Senigallia u.
Kardinal, 1820 Generalvikar der Diözese Rom. - Von der Partei der "zelanti" zum Papst gewählt, betrieb L. die
Reform der Kurie u. führte ein strenges Regiment im Kirchenstaat. Mit Schärfe bekämpfte er liberale Ideen und
Bewegungen, insbesondere die politischen Geheimbünde der Carbonari und Freimaurer. Besonders den
Katholiken in England und Rußland wollte der Papst die kirchliche Freiheit verschaffen. Gegenüber dem
Staatskirchentum in Deutschland verfolgte er eine versöhnliche Politik.
 Pius VIII. 1829-1830
(Francesco Saverio Castiglioni), * 20.11. 1761 in Cingoli/Marken, 30.11. 1830 in Rom, begraben in den
Vatikanischen Grotten, Grabmal im Petersdom. - Aus einem alten Adelsgeschlecht stammend, dem auch Papst
Pius V. angehörte, wurde C. am 20.11. 1761 in Cingoli bei Ancona als Sohn von Carlo und Sancia, geb. Ghislieri,
geboren. Theologische Studien absolvierte er am Collegio Campana in Osimo und am Collegio Montalto in
Bologna, die er 1785 mit Schwerpunkt im Kanonischen Recht abschloß. Am 17.12. 1785 empfing er in Rom die
Priesterweihe. Schon damals galt er als Rechtsexperte, weshalb er zum Sekretär der Kommission zur
Begutachtung der Beschlüsse der Synode von Pistoja (1786) berufen wurde. Anschließend verwaltete er
nacheinander das Amt des Generalvikars der Diözesen Anagni, Fano, Ascoli, Piceno und Cingoli. In seinem
Geburtsort stieg er schließlich zum Dompropst auf. Papst Pius VII. (1800-1823) ernannte den in der Verwaltung
erfahrenen sowie durch Frömmigkeit und ein ausgleichendes Wesen ausgezeichneten Prälaten kurz nach
Beginn seines Pontifikats zum Bischof von Montalto/Marken (Bischofsweihe am 10.8. 1800). In seiner
Amtsführung scheute C. vor Konflikten mit den Beamten des französischen Kaiserreiches nicht zurück, sondern
verteidigte die Rechte der Kirche in Wort und Schrift. Sein mutiges Verhalten, das in der Verweigerung des
Treueides auf Napoleon gipfelte, trug ihm im Juli 1808 die Verhaftung und Deportation nach Mailand sowie
eine strenge Haft in Pavia und Mantua ein, die bis 1814 dauerte. Nach dem Zusammenbruch der französischen
Herrschaft in Italien kehrte C. in sein Bistum zurück. Am 8.3. 1816 kreierte ihn Papst Pius VII. zum Kardinal
(Titelkirche: S. Maria in Traspontina) und transferierte ihn auf den Bischofsstuhl von Cesena. Fünf Jahre später
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übernahm er das Amt des Großpönitentiars an der Kurie (13.8. 1821). Gleichzeitig tauschte er den
Bischofsstuhl von Cesena gegen den von Frascati. Seiner umfassenden Kenntnisse wegen berief ihn Papst Pius
VII. zum Präfekten der Indexkommission sowie zum Mitglied mehrerer Kongregationen und Institute. Mit Pius
VII. und dessen engstem Mitarbeiter, dem Kardinalstaatssekretär Ercole Consalvi, verband C. eine enge
Freundschaft. Wie jene zeigte er sich trotz seiner konservativen Grundeinstellung aufgeschlossen für
notwendige Reformen beim Wiederaufbau des Kirchenstaates und der Reorganisation der katholischen Kirche
in Europa. Seine gemäßigte Einstellung verhinderte jedoch im Konklave von 1823, wo die antireformerischen
"zelanti" unter den Kardinälen gegenüber den "moderati" die Oberhand gewannen, eine Wahl C.s zum Papst,
die vor allem die österreichische Regierung favorisiert hatte. C. unterlag nur knapp dem Kandidaten der
"zelanti", Annibale della Genga, wodurch sein Verhältnis zu Papst Leo XII. (1823-1829) belastet blieb. So trat C.
zwar vorübergehend in den Hintergrund, doch wollte der Papst seine Erfahrung und Kenntnisse auf Dauer
nicht missen. 1824 wurde C. in die Studienkongregation zur Überwachung des höheren Lehrbetriebes berufen.
1827 wirkte er an den Verhandlungen zu einem Konkordat mit dem Königreich der Vereinigten Niederlande
mit und nahm an Gesprächen über eine Verbesserung der Lage der katholischen Kirche im Russischen Reich
teil. In jenen Jahren machten sich allerdings erste körperliche Beschwerden, u.a. ein Geschwür am Hals,
bemerkbar, die die Arbeitskraft C.s einschränkten. Nach dem Tod Leos XII. (10.2. 1829) standen sich "zelanti"
und "moderati" wiederum im Konklave gegenüber. Erstere waren jedoch durch das in den letzten Jahren
reaktionäre vorherige Pontifikat derart in Mißkredit geraten, daß eine Wahl aus ihren Reihen nicht möglich
war. Am 31.3. 1829 vereinigte C. die notwendige Stimmenzahl auf sich, da er einerseits als gemäßigt galt,
andererseits sich außenpolitisch auf die Zustimmung Österreichs und Frankreichs stützen konnte. Nur die
spanische Regierung stand seiner Wahl ablehnend gegenüber. C. hatte während des Konklaves unter Hinweis
auf seinen Gesundheitszustand darum gebeten, nicht gewählt zu werden, nahm dann aber doch das Votum als
Ausdruck des göttlichen Willens an und legte sich in Erinnerung an seinen großen Gönner den Namen "Pius"
zu. Die Krönung Pius' VIII. erfolgte am 5.4. 1829. Er knüpfte weitgehend an die Politik Pius' VII. an, was u.a. in
seiner einzigen Enzyklika "Traditi humiliati nostrae" (24.5. 1829) zum Ausdruck kam, in der er zu einer gewissen
Versöhnung der Kirche mit der modernen Zeit aufrief, zugleich aber den religiösen Indifferentismus und das
Freimaurertum als Ursachen für den Verfall der kirchlichen und staatlichen Ordnung anprangerte und zu deren
Wiederherstellung auf die Beachtung der kirchlichen Lehre verwies. Gleichzeitig betonte er innerkirchlich die
unbedingte Autorität des Papstes über die Bischöfe und förderte in besonderem Maße den 1814
wiedererrichteten Jesuitenorden. Ähnlich bedeutungsvoll war die Heiligsprechung des Gründers des
Redemptoristenordens, Alfons von Liguori (16.5. 1830). In der Verwaltung des Kirchenstaates lockerte Pius VIII.
das strenge Polizeiregime seines Vorgängers und setzte eine Reihe von sozialen und wirtschaftlichen Reformen
durch, ohne jedoch die innere Unruhe, die von anderen Teilen Italiens auf das Patrimonium Petri übergriff,
ganz beseitigen zu können. Außenpolitisch fühlte er sich zwar dem österreichischen Kaiserhaus gegenüber
verpflichtet, folgte aber nicht in allem dem zunehmend reaktionären Kurs von Staatskanzler Metternich. Den
nationalen Befreiungsbewegungen, die sich 1830 in Belgien, Irland und Polen bemerkbar machten und im
Gefolge der französischen Julirevolution teilweise gewaltsam entluden, stand der Papst reserviert gegenüber.
Anders als die Mehrzahl seiner Ratgeber war er jedoch zur Anerkennung des "Bürgerkönigs" Louis-Philippe von
Frankreich bereit, als dieser zusagte, die konkordatär vereinbarten Rechte der Kirche zu beachten. Hinsichtlich
des Verhältnisses der lateinamerikanischen Diözesen zum Mutterland Spanien verhielt sich die Kurie unter
österreichischem Druck noch zurückhaltender als zur Zeit Leos XII. Im preußischen Mischehenstreit, zu dem er
mit dem Breve "Litteris altero abhinc" vom 25.3. 1830 Stellung nahm, zeigte sich Pius VIII. dagegen
ausgesprochen moderat. Zwar schärfte er dem Klerus ein, daß die katholische Kirche ihren Mitgliedern nur bei
Garantie der katholischen Kindererziehung die Erlaubnis zur Eheschließung erteilen könne, gestattete aber bei
fehlendem Einverständnis des protestantischen Partners die passive Assistenz des Priesters bei der Trauung.
Unter seinem Nachfolger Gregor XVI. beschwor das Verlassen dieser Linie einen der schwersten Konflikte
zwischen Staat und Kirche in Preußen herauf. Der Reorganisation der Kirchenverfassung nach den
napoleonischen Kriegen dienten Verhandlungen des Heiligen Stuhles mit den südwestdeutschen Staaten der
Oberrheinischen Kirchenprovinz sowie mit der Schweiz, wo jedoch nur mühsam Fortschritte erzielt
wurden.Während des Pontifikats Pius' VIII. trat der "Roman Catholic Relief Act", die bürgerliche Emanzipation
der Katholiken, in Großbritannien in Kraft (13.4. 1829). Außerdem fand 1829 in Baltimore die erste
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Provinzialsynode der Bischöfe der USA statt, deren Beschlüsse der Papst am 16.10. 1830 bestätigte. Mit der
Regierung des Osmanischen Reiches konnte Pius VIII. Erleichterungen für die Unierten Armenischen Christen
vereinbaren, für die in Istanbul ein Erzbistum errichtet wurde (16.7. 1830). Kein Erfolg war ihm dagegen in
Verhandlungen mit Zar Nikolaus I. von Rußland beschieden, der zunächst die mit der katholischen Kirche
unierten Christen verfolgen ließ und nach dem Ausbruch des polnischen Aufstandes (November 1830) den
Druck auf die katholische Kirche insgesamt verstärkte. Etwa zu derselben Zeit verschlechterte sich der
Gesundheitszustand Pius' VIII. rapide. Schwere Asthmaanfälle führten Mitte November zu einem völligen
Kräfteverfall. Als Todesursache ist jedoch die Ausbreitung des Karzinoms, unter dem er schon seit Jahren
gelitten hatte, auf die inneren Organe anzunehmen. Er verstarb in den Morgenstunden des 30.11. 1830. Obwohl bereits bei der Wahl feststand, daß Pius VIII. "alle Eigenschaften für einen Papst besitze, aber wegen
seiner physischen Gebrechen sich nicht für die Funktionen eigne und wohl nicht lange leben werde" (zit. nach
Schmidlin, 479), herrschten weit über die katholische Welt hinaus Bestürzung und Trauer über den plötzlichen
Tod des Papstes. Indem er versuchte, zwischen den Extremen den Weg des Ausgleichs zu gehen, handelte er
zukunftsgerichteter als seine unmittelbaren Nachfolger, unter denen die katholische Kirche nur schwer
Anschluß an die Moderne fand.
 Gregor XVI. 1831-1846
* 28.9. 1765 in dem zur damaligen Republik Venedig gehörigen Städtchen Belluno als Sohn eines Juristen, 
1.6. 1846 in Rom. - Unter dem Namen Fra Mauro trat Bartolommeo Alberto Cappellari 1783 in den Orden der
Kamaldulenser ein als Mönch des Klosters S. Michele auf der Laguneninsel Murano bei Venedig und wurde
nach seiner Priesterweihe 1787 Lehrer der Philosophie und Thoelogie am Kollegium auf Murano und 1790
Lesemeister des Ordens. 1795 kam er nach Rom und wurde dort 1805 Abt des Klosters San Gregorio auf dem
Monte Celio. Während der Auflösung der Orden durch Napoleon 1809-14 lebte Cappellari. als Laienlehrer auf
Murano und in Padua. Er kehrte 1814 in das Kloster San Gregorio zurück und wurde 1818 Generalprokurator
und 1823 General seines Ordens. 1826 ernannte ihn Leo XII. (s. d.) zum Kardinal und Präfekten der
"Congregatio de Propagande Fide" (s. Gregor XV.). Am 2.2. 1830 wurde er zum Nachfolger des am 1.12. 1829
verstorbenen Pius XIII. (s. d.) gewählt und am 6.2. geweiht und gekrönt. Noch vor den Krönungsfeierlichkeiten
in Rom brach in Bologna die Revolution des Geheimbundes der "Carbonari" aus, die in wenigen Tagen fast auf
den ganzen Kirchenstaat übergriff. Nur mit Hilfe Österreichs konnte die Revolution 1831 und 1832
niedergeschlagen werden. Bis 1838 hielten österreichische und französische Truppen Gebiete des
Kirchenstaates besetzt. Da G. die von den fünf Großmächten in einem gemeinsamen "Memorandum" vom
21.5. 1831 geforderten Verwaltungsreformen nicht durchführte und die Finanzwirtschaft im Kirchenstaat
infolge zunehmender Überschuldung zerrüttete, wuchs die Unzufriedenheit der Bevölkerung und ihre
Erbitterung gegen die reformfeindliche Regierung G.s, der seit 1836 von dem ihm gleichgesinnten
Kardinalstaatssekretär Luigi Lambruschini (s. d.), einem schroffen Vertreter des starren Konservativismus,
beraten und in seiner Politik unterstützt wurde. Während seines ganzen Pontifikats glimmte das Feuer des
Aufruhrs im verborgenen fort und drohte wiederholt in helle Flammen auszuschlagen. Als der der modernen
Welt fremd und feindlich gegenüberstehende, vom Geist der Reaktion beherrschte Papst verdammte G. in
seiner Enzyldika "Mirari vos" vom 15.8. 1832, die sich zunächst gegen den "liberalen Katholizismus" des
französischen Theologen und Politikers Hugues Félicité Robert de Lamennais (s. d.) und die neue belgische
Verfassung richtete, die Forderung der Gewissensfreiheit als Wahnsinn und pestilenzialischen Irrtum,
desgleichen ihre Wurzel, den "Indifferentismus", d. h. die Meinung, auch außerhalb der römischen Kirche das
Heil finden zu können, und ihre Begleiterscheinungen, die Forderung der Pressefreiheit und der Trennung von
Kirche und Staat. Mit ihrer schroffen Verdammung aller modernen Ideen ist die Enzyklika die wichtigste
Vorstufe für die Enzyklika seines Nachfolgers Pius IX. (s. d.) "Quanta cura" vom 8.12. 1864 mit dem "Syllabus"
(= Verzeichnis), in dem 80 "Irrtümer" in Fragen der Religion, der Wissenschaft, der Politik und des
Wirtschaftslebens verdammt wurden. In der Enzyldika "Singulari nos" vom 25.6. 1834 verdammte G.
Lamennais' Schrift "Paroles d'un croyant", durch das Breve "Dum acerbissimas" vom 26.9. 1835 den besonders
auf den Lehrstühlen in Bonn (s. Braun, Johann Wilhelm Joseph; s. Achterfeldt, Johann Heinrich) und Breslau (s.
Elvenich, Peter Josef; s. Baltzer, Johannes Baptista) vertretenen "Hermesianismus", die Lehre und Schriften des
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1831 verstorbenen Bonner Dogmatikers Georg Hermes (s. d.), und in der Enzyklika "Inter praecipuas" vom 8.5.
1844 erneut die Bibelgesellschaften. Im Kölner Kirchenstreit (1837- 40) vertrat G. in der Frage der Mischehen
erfolgreich die Rechte der Kirche gegenüber dem Staatsabsolutismus: trotz scharfen Vorgehens gegen die
Erzbischöfe Clemens August von Droste-Vischering (s. d.) von Köln und Martin von Dunin (s. d.) von GnesenPosen mußte die preußische Regierung schließlich doch nachgeben. Alle bisher für die gemischten Ehen
erhobenen Forderungen wurden zurückgezogen und beim preußischen Kultusministerium eine katholische
Abteilung eingerichtet. So endete der Kölner Kirchenstreit mit einer völligen Niederlage Preußens. Dagegen
erfolglos waren G.s Bemühungen seit 1839 zugunsten der unterdrückten römischen Katholiken in Rußland. Als
Zar Nikolaus I. (1825- 55) im Dezember 1845 G. in Rom besuchte, hoffte der Papst, daß Nikolaus I. als Ergebnis
der persönlichen Verhandlungen der römischen Kirche gewisse Erleichterungen zusichern würde. Trotz
begütigender Worte des Zaren änderte sich aber die Lage der römischen Katholiken in Rußland nicht im
geringsten. In den Thronstreitigkeiten in Portugal nach dem Tod Johannes' VI. (_ 1826) zwischen den Brüdern
Dom Miguel und Pedro I. von Brasilien für seine unmündige Tochter Maria II. da Gloria erklärte sich G. in der
Bulle "Sollicitudo ecclesiarum" vom 7.8. 1831 für Miguel, der aber vertrieben wurde. Dadurch erlitt die Kirche
schwere Verluste. Pedro (_ 1834) vertrieb die Jesuiten, verwies den päpstlichen Nuntius des Landes, hob die
Mönchskloster auf und verstaatlichte ihre Güter, beseitigte die geistlichen Patronate und sicherte dem Staat
bei der Anstellung der Priester weitgehende Rechte. Unter Maria II. (1834-53) hielt die Verfolgung der Kirche
zunächst noch an. Erst 1841 wurde die Verbindung zwischen Rom und dem Hof in Lissabon wiederhergestellt.
Der Papst schickte der Königin 1842 die "Goldene Rose" und übernahm Patenstelle bei ihrem Sohn. Ähnlich
ging es in Spanien. Durch die "Pragmatische Sanktion" vom 29.3. 1830 hatte Ferdinand VII. (1814-33) seiner
1830 geborenen Tochter Isabella die Nachfolge gesichert zum Nachteil seines Bruders Don Carlos, der sich
1833 als Karl V. zum König von Spanien erklärte. So brach der Bürgerkrieg aus zwischen den Carlisten und den
Anhängern Isabellas II., für die zunächst die Königinmutter Christine von Neapel die Regentschaft führte. G.
entschied sich für Don Carlos. Die Folge war, daß die spanische Volksvertretung (Cortes) im Juli 1835 zunächst
den Jesuitenorden aufhob und seine Güter einzog, dann auch die übrigen Orden und die Klöster mit weniger
als 12 Mönchen auflöste und das Vermögen dieser (901) Klöster konfiszierte und im Oktober 1835 viele Klöster
schloß, obwohl sie mehr als 12 Mönche zählten. Später wurde das gesamte Kirchengut für Staatseigentum
erklärt und auch das geistliche Gericht der Nuntiatur in Madrid aufgehoben. Erst nachdem der Bürgerkrieg
zwischen Carlisten und Christinos 1839 durch den Vertrag von Vergara zugunsten Isabellas entschieden und die
Königin 1843 für volljährig erklärt worden war, bahnte sich allmählich eine Verständigung mit der Kurie an. G.
förderte die Mission, besonders in Amerika, und errichtete überall in der nichtchristlichen Welt zahlreiche
Bistümer und Apostolische Vikariate. 1839 verbot er ohne Einschränkung den Negerhandel. Seine besondere
Gunst, wandte G. den Orden zu. Den Jesuiten übertrug er am 2.10. 1836 die ausschließliche Leitung der
"Congregatio de Propaganda Fide". Am 29.4. 1836 bestätigte G. die Regel der "Gesellschaft Mariens" (Societas
Mariae), der "Maristenpatres", denen er zugleich die Missionierung Ozeaniens anvertraute. Am 29.5. 1839
sprach G. Alfonso Maria de Liguori (s. Liguori) heilig, den Begründer des Ordens der "Redemptoristen"
(Congregatio Sanctissimi Redemptoris). 1835 bestätigte er die neuere Regel des hl. Vincentius a Paulo (s. d.)
der selbständigen deutschen Mutterhäuser der Vicentinerinnen, der "Barmherzigen Schwestern" vom hl.
Vincenz. Schon unter G. zeigte sich eine starke Tendenz zur Dogmatisierung der Lehre von der "Unbefleckten
Empfängnis" der Maria (immaculata conceptio), die sein Nachfolger, Pius IX., am 8.12. 1854 durch die Bulle
"Ineffabilis Deus" als göttlich geoffenbartes Dogma verkündigte. In seiner Schrift "Il trionfo della Santa e della
Chiesa" von 1799 verteidigte G. die Souveränität und Unfehlbarkeit des Papstes. Er war ein gelehrter Theologe
und Kanonist, aber auch ein Freund der Kunst und Wissenschaft. G. erweiterte die Vatikanische Bibliothek,
errichtete im Vatikan das ägyptische und das etruskische Museum und legte im Lateran den Grund zum
christlichen Museum. Er förderte den 1825 begonnenen Wiederaufbau der einige Jahre früher abgebrannten
St. Pauluskirche. 1838 ernannte G. die beiden Gelehrten Angelo Mai (s. d.) und Giuseppe Mezzofanti aus
Bologna, eins der größten Sprachgenies der neueren Zeit, zu Kardinälen.
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 Pius IX. 1846-1878
Pius IX. (1792-1878), Papst (1846-1878). Während seines Pontifikats, das das längste in der Geschichte war,
fand das 1. Vatikanische Konzil statt und endete der Kirchenstaat.Pius IX., der ursprünglich Giovanni Maria
Mastai-Ferretti hieß, wurde am 13. Mai 1792 in Senigalia Pius geboren und 1819 zum Priester geweiht. Ab
1827 war er Erzbischof von Spoleto, 1840 ernannte ihn Papst Gregor XIV., dessen Nachfolge er später antrat,
zum Kardinal. Der Aufstand von Gaeta im Jahr 1848 zwang ihn zur Flucht. Zwei Jahre später konnte er mit Hilfe
französischer Truppen wieder nach Rom zurückkehren.Pius galt als Vertreter des Ultramontanismus, der für
die Oberhoheit des Papstes in der Kirche eintrat. Es ist auf seine Initiative zurückzuführen, dass das 1.
Vatikanische Konzil die Unfehlbarkeit des Papstes bestimmte. Er trat vehement für dieses neue Dogma ein
("Ich bin die Tradition, ich bin die Kirche!") und setzte es schließlich gegen den anfänglichen Widerstand der
meisten Bischöfe durch (siehe Gallikanismus). 1854 erließ Pius in einer Bulle das Dogma von der Unbefleckten
Empfängnis. Im Syllabus, einem Katalog von 80 "Zeitirrtümern", verurteilte er 1864 die Säkularisation des
geistigen, sittlichen und politischen Lebens. Die Veröffentlichung dieser "Kriegserklärung des Papsttums an die
moderne Kultur" wurde in vielen Ländern verboten. In der Fachliteratur bleibt umstritten, ob und inwieweit
Papst Pius IX. zur Zeit des 1. Vatikanischen Konzils überhaupt zurechnungsfähig war.Die Besetzung Roms und
der Rückzug der französischen Truppen führte 1870 zum Ende des Kirchenstaates. Der Legende nach soll Pius
geäußert haben: "Ich mag wohl unfehlbar sein, aber jedenfalls bin ich bankrott." Pius weigerte sich jedoch, den
Parlamentsbeschluss von 1871 anzuerkennen, der Rom zur weltlichen Hauptstadt erklärte. Bis zu seinem Tod,
am 7. Februar 1878, verließ er den Vatikan nicht mehr und betrachtete sich als Gefangener im eigenen Land.
Erst der Lateranvertrag von 1929 regelte endgültig das Verhältnis zwischen dem Vatikanstaat, der Hauptstadt
Rom
und
dem
italienischen
Staat.
1878-1903 Leo XIII.
 Leo XIII. (1810-1903)
Papst (1878-1903), schrieb die erste päpstliche Enzyklika über Gesellschafts- und Wirtschaftstheorie. Sein
Pontifikat markierte den Anfang des neuzeitlichen Katholizismus.Er wurde als Vincenzo Gioacchino Pecci am 2.
März 1810 in Carpineto bei Anagni geboren und studierte an der Jesuitenschule in Viterbo (1818-1824) und der
Römischen Akademie (1824-1832). Er setzte seine Studien an der Akademie für Höhere Kirchenlehre, einer
päpstlichen Diplomatenschule und an der Universität der Wissenschaften in Rom fort. Im Jahr 1837 wurde er
zum Monsignore am päpstlichen Hof ernannt, zum Priester geweiht und zum Gouverneur von Benveneto
berufen. 1841 wurde er Gouverneur von Perugia und 1843 Erzbischof und päpstlicher Gesandter in Brüssel.
Seine Unterstützung der belgischen Bischöfe gegen die politische Zusammenarbeit der katholischen Kirche mit
der liberalen Partei brachte ihn in Konflikt mit König Leopold I. 1846 wurde er nach Italien zurückberufen und
zum Bischof von Perugia ernannt. 1853 wurde er zum Kardinal und am 20. Februar 1878 zum Papst gewählt.
Die Papstkrönung erfolgte einen Tag nach seinem 68. Geburtstag. Er starb am 20. Juli 1903 im
Vatikan.Konservativismus Leo XIII. vertrat eine konservative Kirchenpolitik. So leitete er 1849 ein Treffen in
Italien, auf dem eine Reihe von modernen Ideen vorgestellt wurden, die von der Kirche verurteilt werden
sollten. Seine Briefe bestätigten den Syllabus, den Katalog der "Zeitirrtümer" des Papstes Pius IX. (1864) und
bestärkten die Haltung von Papst Gregor XVI. gegen die Pressefreiheit, die Glaubens- und Gewissensfreiheit
sowie gegen eine Trennung von Kirche und Staat. Auf der anderen Seite erkannte er jedoch in dem
enzyklischen Brief Aeterni Patris (1879) die neuzeitliche subjektivistische Philosophie an, da sie den sozialen
und politischen Problemen auf den Grund ging. Durch diesen Brief kam es zu einer Wiederbelebung der
Philosophie des Thomas von Aquin als Grundlage für eine politische und soziale Erneuerung. Es folgten 88
Stellungsnahmen zur politischen Theorie und Praxis sowie die Enzyklika, Rerum Novarum von 1891, die
sozialpolitisch bedeutsam ist, da sie Stellung zur Arbeiterfrage nimmt. Zwar begrüßte er die Fortschritte, die
die katholische Kirche in den Vereinigten Staaten erzielte, lehnte jedoch sowohl die Trennung von Kirche und
Staat in den Vereinigten Staaten ab, wie auch die engagierte Haltung einiger Kirchenoberhäupter.Leistungen
Papst Leo regte in verschiedenen Ländern die Gründung von Universitäten an. Die Bibliothek und die Archive
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des Vatikans wurden den Gelehrten zugänglich gemacht, und es zeigten sich erste Ansätze, um die
wissenschaftliche Bibelforschung zu fördern. Papst Leo bemühte sich um die Aussöhnung mit den Ostkirchen.
Die Veröffentlichung der Enzyklika Apostolicae Curae (1896), die die Priesterweihe der anglikanischen Kirche
für ungültig erklärte, vereitelte jedoch jegliche Hoffnungen auf eine Verbesserung der Beziehungen mit der
anglikanischen Kirche. Die Versöhnung mit Frankreich scheiterte ebenso wie die Lösung der römischen Frage
mit Italien. Dagegen gelang Leo die Beendigung des Kulturkampfes im Deutschen Reich.
 Pius X. 1903-1914
Pius X., heiliger (1835-1914), Papst (1903-1914), widersetzte sich der modernistischen Bewegung im
Katholizismus. Er wurde als Giuseppe Sarto in Riese (Italien) geboren und studierte am Kollegium von
Castelfranco und am Seminar in Padua. 1858 wurde er ordiniert und war Kardinal und Patriarch von Venedig
als er 1903 zum Papst gewählt wurde.Pius war sowohl in der Religion wie auch in der Politik eher konservativ
eingestellt. Er war vornehmlich um die inneren Angelegenheiten der Kirche bemüht und ein strenger Gegner
des intellektuellen Liberalismus. Daher widersetzte er sich auch dem Modernismus, jener Strömung, die eine
Neuauslegung der religiösen Lehren unter dem Einfluss des wissenschaftlichen Denkens des 19. Jahrhunderts
anstrebte. 1907 gab er einen Erlass heraus, der 65 modernistische Behauptungen verurteilte und einige Werke
der Modernisten auf den Index der verbotenen Bücher setzte.Während seiner Amtszeit wurde die Kirche durch
eine antiklerikale Gesetzgebung in Frankreich und Portugal geschwächt, woraufhin der Papst die
Beschlagnahmung des Kirchenbesitzes und das Verbot der religiösen Erziehung in jenen Ländern
verurteilte.Pius leitete eine Neukodifizierung des Kirchenrechtes ein, setzte die gregorianischen Gesänge in der
Liturgie wieder ein und stellte ein neues Brevier als Standard für die ganze Kirche auf. Er rief auch die
Gemeinschaft der Laien zur Durchführung sozialer Aktionsprogramme unter Aufsicht der Kirche auf, womit er
die römisch-katholische Aktionsbewegung vorwegnahm. Pius wurde 1954 heilig gesprochen. Sein Festtag ist
der 21. August.
 Benedikt XV. 1914-1922
Benedikt XV. (1854-1922), Papst (1914-1922). Benedikt hieß mit bürgerlichem Namen Giacomo della Chiesa
und wurde in Genua geboren. Nach seiner Promotion als Jurist an der Universität von Genua begann er in Rom
mit dem Studium der Theologie. 1878 wurde er zum Priester geweiht, von 1883 an stand er als enger
Mitarbeiter M. Rampollas del Tindaro im diplomatischen Dienst der Kurie. 1907 erfolgte seine Ernennung zum
Erzbischof von Bologna, 1914 wurde er zum Kardinal erhoben. Kurz nach Ausbruch des 1. Weltkrieges bestieg
Benedikt als Nachfolger Pius X. den Heiligen Stuhl. Unter seiner Leitung wahrte die Kurie während des
gesamten Krieges strikte Neutralität, setzte sich für den Frieden ein und unterstützte die Opfer. Auch nahm der
Vatikan wieder diplomatische Beziehungen zu Frankreich auf und empfing erstmals seit dem 17. Jahrhundert
einen Vertreter der englischen Kirche. Im Jahr 1917 verkündete er das Erscheinen des neuen kirchlichen
Gesetzbuches, des Codex Juris Canonici.
 Pius XI. 1922-1939
Pius XI. (1857-1939), Papst (1922-1939), der die Kirche in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg durch bewegte
Zeiten führte. Pius wurde als Ambrogio Damiano Achille Ratti am 31. Mai 1857 in Desio (Italien) geboren. Er
besuchte das Lombard Kollegium und die Gregoriana, die päpstliche Universität in Rom. Zwischen 1882 und
1888 war er Professor für theologische Dogmatik am Seminar von Mailand sowie Vorstandsmitglied und
schließlich Präfekt der Ambrosiana in Mailand (1888-1910) und Subpräfekt sowie später Präfekt der
Vatikanischen Bibliothek in Rom (1911-1918). Im darauf folgenden Jahr wurde er zum päpstlichen Nuntius in
Polen und 1921 zum Kardinal und Erzbischof von Mailand ernannt. 1922 trat er als Papst die Nachfolge von
Benedikt XV. an.Während seines Pontifikats hat Pius XI. einige Sozialenzykliken erlassen, darunter Casti
Connubii vom 30. Dezember 1930, worin er das Problem der Ehe und der Familie behandelt, die
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bemerkenswerte Quadragesimo Anno vom 15. Mai 1931, in der er seine Anschauung von der Notwendigkeit
einer Wiederherstellung der Sozialordnung zum Ausdruck bringt, sowie Nova Impendet vom 2. Oktober 1931,
in welcher er die Weltwirtschaftskrise der zwanziger und frühen dreißiger Jahre untersucht. Bedeutung
erlangte Pius' Pontifikat auch wegen der Unterzeichnung der Lateranverträge mit Benito Mussolini. Diese
Verträge setzten den Papst als zeitlich begrenztes Staatsoberhaupt über den souveränen Staat Vatikanstadt in
Rom ein. Obwohl Pius 1929 mit der mexikanischen Regierung ein Abkommen aushandelte, das den römischkatholischen Kirchen des Staates das Recht einräumte, ihre Dienste wiederaufzunehmen, kam es später erneut
zu einer Beeinträchtigung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat. 1933 unterzeichnete er das
Reichskonkordat mit Deutschland, das die Rechte der Kirche im Dritten Reich schützen sollte, was zur Folge
hatte, dass bestimmte Oppositionsbewegungen gegen Adolf Hitler sowohl innerhalb wie auch außerhalb
Deutschlands lahmgelegt wurden. Danach allerdings protestierte Pius wiederholte Male gegen die Angriffe des
Nationalsozialismus auf Recht und Kirche in Deutschland. Als ausgesprochener Gegner des Kommunismus
unterstützte Pius das Regime des Diktators Francisco Franco während des spanischen Bürgerkrieges. Bis 1938
unterhielt der Papst freundschaftliche Beziehungen zur Regierung Mussolinis, wendete sich danach aber gegen
die Regierung Italiens und Deutschlands und veröffentlichte Anklageschriften gegen Antisemitismus und Krieg.
Er starb am 10. Februar 1939 in Rom.
 Pius XII. 1939-1958
Pius XII. (1876-1958), Papst (1939-1958), dessen Rolle während der faschistischen Diktatur in Italien und
während des 2. Weltkrieges umstritten ist.Pius wurde am 2. März 1876 als Eugenio Pacelli in Rom geboren. Er
war der Sohn von Filippo Pacelli, dem Dekan des vatikanischen Anwaltskollegiums. Pius schlug aber nicht nach
Familientradition die Juristenlaufbahn ein, sondern ließ sich 1899 zum Priester weihen. Er wirkte als Professor
für kanonisches Recht am päpstlichen Institut Apollinaire und für Kirchendiplomatie an der Akademie für
höhere Kirchenlehre in Rom. 1901 trat er seine Dienste im päpstlichen Staatssekretariat an und wurde nach
1904 Mitarbeiter des italienischen Erzbischofs und späteren Kardinals Pietro Gasparri bei der Neukodifizierung
des 1917 herausgegebenen kanonischen Rechtes. 1914 wurde er Nachfolger Gasparris als Sekretär der
päpstlichen Dienststelle für außerordentliche Kirchengeschäfte, drei Jahre später Titularerzbischof von Sardes
und apostolischer Nuntius Bayerns. Als Nuntius übernahm er für Papst Benedikt XV. die Vermittlerrolle in den
Friedensverhandlungen von Versailles.1920 wurde er zum ersten päpstlichen Nuntius für Deutschland ernannt
und handelte Konkordate zwischen dem Vatikan und den deutschen Ländern Bayern und Preußen aus (1924
bzw. 1929). Dann wurde er nach Rom zurückgerufen, wo er zum Kardinal und Staatssekretär des Heiligen
Stuhles ernannt wurde. In dieser Funktion folgte er der politischen Linie des Papstes Pius XI., wobei er sich als
fähiger Diplomat erwies. Am 2. März 1939 bestieg er den päpstlichen Stuhl als Pius XII.Während des 2.
Weltkrieges, den er durch persönlichen diplomatischen Einsatz versucht hatte zu verhindern, veröffentlichte
Pius wiederholte Male Friedensgesuche und Anklagen gegen den Totalitarismus, wie auch schon zuvor in
seiner 1937 erschienen Enzyklika Mit brennender Sorge. Der Papst verschwieg den Holocaust, obwohl er als
ehemaliger Nutius für Deutschland über Einzelheiten des Völkermords informiert war. Pius XII. nahm nach
Meinung seiner Kritiker den Holocaust hin, weil er sich für die Juden nicht konsequent einsetzen wollte. Der
Vatikan hingegen vertritt die Meinung, dass durch das Schweigen von Pius XII. noch Schlimmeres verhindert
worden sei. Dieses Schweigen zur Vernichtung von Millionen von Juden ist immer wieder heftig kritisiert
worden, u. a. in dem Stück Der Stellvertreter (1963) von Rolf Hochhuth.1943 verurteilte Pius die Bombadierung
der Vatikanstadt durch die Deutschen. In seiner Enzyklika Mystici Corporis Christi (1943) erläutert Pius die
theologische Doktrin von der Kirche als mystischen Körper Christi und verdammt den falschen Mystizismus. In
den Enzykliken Divino Afflante Spiritu (1943) und Humani Generis (1950) setzt er sich für eine sorgfältige
Auslegung der biblischen Schriften ein und gebietet Vorsicht vor einer unkritischen Übernahme moderner
wissenschaftlicher Lehren, die mit der kirchlichen Lehre nicht vereinbar sind.1946 ernannte Pius 32 neue
Kardinäle für das Heilige Kollegium und erweiterte somit dessen Mitgliedschaft auf 69. Es setzte sich zum
ersten Mal aus Vertretern aller Kontinente zusammen. Pius führte die antikommunistische Linie seines
Vorgängers verstärkt weiter. In diesem Sinn gab er 1949 seine historische Kundgebung heraus, in der stand,
dass jeder Katholik, der den Kommunismus in irgendeiner Weise unterstütze, automatisch durch
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Exkommunikation bestraft werde. 1949 exkommunizierte Pius alle italienischen Kommunisten; der von
verschiedener Seite an ihn ergangenen Aufforderung, Adolf Hitler zu exkommunizieren, war er allerdings nicht
nachgekommen.Pius eröffnete das 25. Heilige Jahr in der Geschichte der Kirche am 24. Dezember 1949. Im
darauf folgenden Jahr gab er die apostolische Verfassung Munificentissimus Deus heraus, in welcher die
Himmelfahrt der heiligen Jungfrau Maria als Glaubensdogma definiert wurde. In seiner Weihnachtsbotschaft
1950 verkündete Pius öffentlich, dass das Grab des Apostel Petrus bei Ausgrabungsarbeiten unter dem
Hochaltar der Peterskirche in Rom gefunden worden sei. Am 9. September 1953 rief er dazu auf, anlässlich des
hundertjährigen Bestehens des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria das Marienjahr
feierlich zu begehen. Pius XII. starb am 9. Oktober 1958.
 Johannes XXIII. 1958-1963
Johannes XXIII. (Papst), (1881-1963), Pontifikat (1958-1963), der durch seine Aufgeschlossenheit für
Kirchenreformen eine neue Ära in der Geschichte der römisch-katholischen Kirche einleitete.Als Angelo
Giuseppe Roncalli wurde er am 25. November 1881 in Sotto il Monte bei Bergamo geboren. Nach seiner
Ausbildung in Bergamo und Rom wurde er 1904 ordiniert. Er kehrte als Sekretär des Bischofs Giacomo RadiniTedeschi nach Bergamo zurück und wurde dort zum Professor für Kirchengeschichte am Seminar der Diözese
ernannt. Im 1. Weltkrieg diente er zunächst als Sanitäter und später als Feldgeistlicher. 1921 half er die
Kongregation für die Glaubensverbreitung neu zu organisieren und wurde 1925 als päpstlicher Vertreter nach
Bulgarien entsandt. Zwischen 1933 und 1944 diente er als päpstlicher Gesandter in der Türkei und in
Griechenland. Im 2. Weltkrieg half er Juden zur Flucht aus dem von der deutschen Reichswehr besetzten
Ungarn. Nach 1944 war er als Nuntius im päpstlich diplomatischen Dienst in Frankreich tätig. 1953 wurde er
zum Kardinal und Patriarchen (Erzbischof) von Venedig ernannt und nach dem Tod von Papst Pius XII. am 28.
Oktober 1958 im Alter von 77 Jahren zum Papst gewählt.Seine herausragende Leistung war die Einberufung
und Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils, mit dem er die Absicht verfolgte, die römisch-katholische Kirche
durch Modernisierung (Aggiornamento) ihrer Lehre, Disziplin und Organisation zu reformieren und die
Begegnung der getrennten christlichen Kirchen sowie den Dialog mit anderen Religionen zu fördern. Dabei
unterstützte die Mehrheit der Delegierten seine Bestrebungen nach Veränderung. Als wichtiger Beitrag zur
Kirchenreform sind auch seine sieben Enzykliken zu werten, darunter Mater et Magistra (1961), in der er die
Würde des Einzelnen als Grundlage der gesellschaftlichen Institutionen betont, und Pacem in Terris (1963), in
der er zur internationalen Zusammenarbeit für Frieden und Gerechtigkeit auffordert.Seine Aufgeschlossenheit
für die Ökumene zeigte sich in der Gründung des Sekretariats für die Einheit der Christen (1960), in seinen
Kontakten zur orthodoxen Kirche, zu führenden Vertretern des Protestantismus sowie zum Ökumenischen Rat
der Kirchen. Sein diplomatisches Geschick machte ihn zu einer einflussreichen Persönlichkeit in internationalen
Angelegenheiten, wobei er mit führenden Vertretern der Großmächte, wie den amerikanischen Präsidenten
Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy zusammentraf.Zu seinen wissenschaftlichen Werken zählen die
fünfbändigen Studien zum heiligen Carlo Borromeo. Sein Geistliches Tagebuch und andere geistliche Schriften
(1965) und seine Briefe an die Familie (1969) bringen die Schlichtheit und Demut seines geistlichen Lebens zum
Ausdruck. Aufgrund seiner Toleranz und seines Optimismus genoss er innerhalb und außerhalb der Kirche
großes Ansehen. Er starb am 30. Juni 1963 in Rom.
 Paul VI. 1963-1978
Paul VI. (1897-1978), Papst (1963-1978). Während seines Pontifikats wurde das 2. Vatikanische Konzil, das
einen Wandel innerhalb der katholischen Kirche einleitete, weitergeführt und abgeschlossen.Giovanni Battista
Montin wurde am 26. September 1897 in Concesio geboren. 1954 wurde er zum Erzbischof von Mailand und
1958 zum Kardinal ernannt. Sein Pontifikat trat er als Nachfolger Johannes' XXIII. an und führte den Vorsitz
während der letzten Phase des 2. Vatikanischen Konzils. 1965 leitete er durch die Begegnung mit dem
Patriarchen von Konstantinopel, Athenagoras I., die Annäherung an die orthodoxe Kirche ein. 1974
veranlassten ihn seine Verhandlungen mit der kommunistischen Regierung Ungarns, Kardinal József
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Mindszenty 1974 seines Amtes zu entheben.Darüber hinaus richtete Paul VI. auf dem 2. Vatikanischen Konzil
ein beratendes Gremium ein, das nach dem Prinzip der Kollegialität geschaffen wurde. Die Bischofssynode
versammelt sich zweimal pro Jahr und diskutiert alle wesentlichen Themen, welche die Katholiken weltweit
berühren. Die erste Zusammenkunft dieser Art fand 1967 statt.Zu seinen wichtigsten Verlautbarungen
gehörten die Enzyklika Populorum progressio sowie das Rundschreiben Sacerdotalis caelibatus. Er führte die
Messfeier in der jeweiligen Landessprache ein (1963), bekräftigte das Zölibat (1967) und verurteilte
nachdrücklich die künstliche Geburtenkontrolle (1968). Eine 1972 erlassene Enzyklika schloss Frauen von den
Ämtern des Lektors und Ministranten aus. Paul VI. starb am 6. August 1978 in Castel Gandolfo.
 Johannes Paul I. 1978
Johannes Paul I. (1912-1978); Albino Luciani, der 1978 als 263. Papst gewählt wurde, war Sohn eines
Glasbläsers aus Forno di Canale im Nordosten Italiens und wuchs in Murano bei Venedig auf. Nach seiner
Priesterweihe 1935 unterrichtete Luciani Theologie am Gregorianischen Seminar in Belluno und leitete später
die Katechese der Diözese. 1958 wurde er zum Bischof von Vittorio Veneto und 1969 zum Patriarchen von
Venedig ernannt. Nach seiner Ernennung zum Kardinal 1973 wurde er Mitglied der Kongregation für die
Sakramente und die Anbetung Gottes und widmete sich vor allem der Seelsorge.Nach dem Tod von Paul VI. im
August 1978 wurde er zum Papst gewählt. In Anerkennung an seine zwei unmittelbaren Vorgänger wählte er
den Namen Johannes Paul und war somit der erste Papst mit einem Doppelnamen. Nach einer nur 34-tägigen
Amtszeit, der kürzesten in der Kirchengeschichte, starb er am 28. September 1978 in Rom.
 Johannes Paul II. 1978
Johannes Paul II. (*1920), Papst (seit 1978), erstes nichtitalienisches Oberhaupt der katholischen Kirche seit
1523. Karol Wojtyla wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren und studierte Philosophie und
Literatur an der Universität Krakau. Während des 2. Weltkrieges arbeitete er in einem Steinbruch und später,
während er sich auf die Priesterschaft vorbereitete, in einem Chemiewerk. 1946 wurde er zum Priester
geweiht und erwarb einen Doktortitel in Philosophie in Rom sowie einen Doktortitel in Theologie an der
Katholischen Universität Lublin. Bis zu seiner Ernennung zum Weihbischof von Krakau 1958 war er als
Universitätspfarrer tätig und lehrte Ethik in Krakau und Lublin. Sein philosophischer Ansatz, der die Methoden
und Einsichten der Phänomenologie mit der thomistischen Philosophie verband, geht auf Max Scheler zurück.
1964 wurde Wojtyla zum Erzbischof von Krakau und 1967 zum Kardinal ernannt. Er nahm aktiv am 2.
Vatikanischen Konzil teil und vertrat Polen zwischen 1967 und 1977 in fünf internationalen Bischofssynoden.
Am 16. Oktober 1978 wurde er zum Nachfolger von Papst Johannes Paul I. gewählt. Am 13. Mai 1981 wurde er
bei einem Attentat auf dem Petersplatz schwer verletzt. Johannes Paul verfasste Gedichte und das
Bühnenstücke wie Bruder meines Gottes, das 1997 verfilmt wurde, und Der Laden des Goldschmieds (1960)
unter dem Pseudonym Andrzej Jawien. Zu seinen umfangreichen ethischen und theologischen Schriften zählen
Liebe und Verantwortung und Zeichen des Widerspruchs, beide 1979 erschienen. Seine erste Enzyklika,
Redemptor Hominis (1979; Erlöser der Menschen), untersucht den Zusammenhang zwischen der Erlösung
durch Christus und der Menschenwürde. Spätere Enzykliken beschäftigen sich mit der Situation der Christen in
der heutigen Welt: Laborem exercens (1981; Über die menschliche Arbeit); Dives in misericordia (1981; Über
das menschliche Erbarmen); Dominum et vivificantum (1986; Über den Heiligen Geist); Redemptoris Mater
(1987; Über Maria); Sollicitudo rei socialis (1988; Die soziale Sorge der Kirche). In der Enzyklika von 1991
versucht Johannes Paul II. das Christentum mit sozialer Gerechtigkeit in Einklang zu bringen, während er sich
1993 in einem päpstlichen Rundschreiben mit dem moralischen Relativismus auseinander setzte. Bis Mitte der
neunziger Jahre unternahm er über 40 Auslandsreisen, u. a. nach Afrika, Asien, Nord- und Südamerika.
Johannes Paul II. bekräftigte in vielen seiner Stellungnahmen die ablehnende Haltung der katholischen Kirche
gegenüber der Homosexualität, sprach sich gegen die Abtreibung aus und wandte sich gegen künstliche
Methoden der Empfängnisverhütung und Fortpflanzung. Ebenso hielt er am Zölibat für Priester fest. Seine
konservative Haltung in Fragen der Moral stieß jedoch inner- wie auch außerhalb der katholischen Kirche auf
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starke Kritik. Besonders umstritten war sein Versuch, 1994 zusammen mit konservativen muslimischen Führern
Stellungnahmen zur Empfängnisverhütung zu beeinflussen, die auf der Internationalen Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung in Kairo formuliert wurden. Auch in seinem Buch Die Schwelle der Hoffnung
überschreiten (1994), das zu einem Bestseller wurde, bekräftigte er viele der Positionen, die sein Pontifikat
kennzeichnen.
Seine Kirchenpolitik ist von dem Bemühen gekennzeichnet, der Verweltlichung in der Kirche
entgegenzuwirken. In seiner Neubestimmung der Verantwortlichkeiten von Laien, Priestern und religiösen
Orden lehnte er die Ordination von Frauen ab und widersetzte sich der direkten politischen Betätigung von
Priestern. Seine ersten ökumenischen Schritte bewegten sich eher auf die östliche Orthodoxie und den
Anglikanismus als auf den westlichen Protestantismus zu. Im Herbst 1996 erklärte er die Bereitschaft der
katholischen Kirche, die Evolutionstheorie Charles Darwins einer neuen, positiven Bewertung zu unterziehen,
die bisher von der katholischen Kirche nicht offiziell anerkannt gewesen war. Ende desselben Jahres
veröffentlichte er als erster Papst seine Autobiographie, die unter dem deutschen Titel Geschenk und
Geheimnis veröffentlicht wurde.
 Papst Benedikt XVI.
Benedikt XVI. (lateinisch: Benedictus PP. XVI), bürgerlich Joseph Alois Ratzinger (* 16. April 1927 in Marktl,
Bayern), ist der derzeitige Papst der Römisch-Katholischen Kirche. Er wurde am 19. April 2005 nach nur 26
Stunden Konklave (Wahl) im vierten Wahlgang zum Nachfolger von Johannes Paul II. gewählt. Er ist der achte
deutsche Papst insgesamt und der erste nach 482 Jahren, betrachtet man Hadrian VI. als Deutschen.
Benedikt XVI., der 265. Papst in der Geschichte der Römisch-Katholischen Kirche, war vor seiner Wahl zum
Papst Dekan des Kardinalskollegiums und Präfekt der Glaubenskongregation. Er war damit einer der
bedeutendsten Kardinäle und galt theologisch und kirchenpolitisch als rechte Hand seines Vorgängers. In der
öffentlichen Wahrnehmung gilt Benedikt XVI. als konservativ und war in der Vergangenheit sowohl
innerkirchlich als auch in der Außenwahrnehmung in vielen Punkten umstritten. Hoffnungen werden in seine
intellektuelle Brillianz gesetzt, die nicht frei von Widersprüchen und Brüchen ist.
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