Zankanella_Ideologien im Wandel

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P. Ulrich Zankanella OFM
Franziskanerkloster Wien
Leiter der „Franziskaner für
Mittel- und Osteuropa“
27. Oktober 2004
IDEOLOGIEN IM WANDEL - UND WAS DARAUS WURDE
Wir leben in einem Zeitalter für das wir eigentlich dankbar sein müssen – ein Zeitalter, in dem
Bewegung in eine Welt gekommen ist, die vorher niemand voraussagen hätte können. Das 20.
Jahrhundert war ja nicht nur geprägt von Kriegen, es war auch geprägt von einer
ideologischen Auseinandersetzung, die es in dieser Form vorher noch nie gegeben hat, weil 2
Systeme erstarrt sind – der Individualkapitalismus im Westen und der volkswirtschaftlich
organisierte Materialismus im Osten. Beides sind Formen des Materialismus, auch der
Kapitalismus ist ein Materialismus – mag er atheistischsein oder theistisch sein, wie es uns
der gegenwärtige Präsident der Vereinigten Staaten vorlebt!
Wir haben aber auch erlebt, daß zumindest ein System zunächst einmal Schiffbruch erlitten
hat, weil es innen, ideologisch und vorallem oekonomisch ausgeblutet ist und wir sind dabei
zu erleben, wie ein 2. System in eine äußerst kritische Phase kommt, nämlich unser westlicher
Kapitalismus. Wenn es irgend ein Anzeichen dafür gibt, dann ist es wohl dieses, daß so gut
wie alle global arbeitenden Firmen sich inzwischen auf eine cooperate responsibility besinnen
– das heißt, die Zeiten des unbegrenzten Gewinnstrebens sind vorbei, - nicht weil die
Manager, nicht weil die Sock –Holder, die Aktienbesitzer, plötzlich moralisch geworden
wären, sondern deswegen, weil das breite Publikum sensibel geworden ist für die Fragen der
Ethik, für die Fragen der sozialen Verantwortung und des ökologischen Umgangs mit unserer
Welt.
Lassen Sie mich kurz zurückblicken:
Das 20. Jhdt bringt nicht nur an seinem Beginn den Sturz der adeligen Monarchien, es bringt
auch eine neue, materialistisch-atheistisch geprägte Strömung im Zarenreich, eine Bewegung,
die nicht zuletzt gefördert wird von den Kriegsgegnern dieses Zarenreiches, denn sonst wäre
ja Ilja Iljitsch Uljanov aus der Schweiz nicht nach St. Petersburg gekommen und hätte seine
Karriere unter dem Namen Lenin nicht gemacht.
Es beginnt also damit, daß philosophische Ansätze die Welt zu verändern beginnen, denn es
kommt eindeutig aus der Philosophie, wenn man plötzlich sagt: das Volk ist der Souverän,
alle Macht dem Volke – nicht der edel Geborene, der mit Grundbesitz Ausgestattete, dem
Kapital dieser Zeit, hat das Sagen im Staat, sondern die einigende Kraft einer Idee bringt die
neue Macht, und diese neue Macht ist die Internationale Bewegung der Arbeiter.
So entsteht der Kommunismus, der denen das Heil verspricht und in Aussicht stellt, wenn erst
einmal eine gerechte Welt hier auf Erden verwirklicht ist.
Dieser Internationalismus sowjetischer Prägung bildet ein Staatsmodell, das durch die
Berufung von Sowjets, Räten, etagenweise sozusagen in einer Pyramide, ein ganzes
Staasgebilde, damit aber auch ein ganzes Wirtschaftssystem lenkt und das vom Dnepr bis
nach Vladivostok.
Diese materialistisch- atheistische Bewegung ist die Antwort auf die religiös geprägte
Herrschaftsform des Zarenreiches, wobei das Wort religiös da mit gewisser Vorsicht zu
gebrauchen ist, denn dieser Zar ist mit „seiner“ Kirche seit Peter dem Großen nie sehr sanft
umgegangen. Die orthodoxe Kirche Rußlands war immer unter der Knute der Zaren, der
Gipfel dieser Bewegung war, daß nicht der Patriarch von Moskau, sondern 2 Beamte des
Zaren die eigentlich letzte Instanz der Kirche waren. Das Resultat dieser Umstände war
natürlich eine große Abhängigkeit der Kirche von dem jewiligen Herrscher, sie mußte im
Dienst dieser Herrschaft das Evangelium verkünden. Daß auf diese Art und Weise das
Herrschaftssysrtem gestärkt wurde führt nicht zuletzt zu dieser vehement antikirchlichen,
antiklerikalen Antwort der Kommunisten. Die äußeren Auswirkungen dieser Ideologie haben
wir zwar verfolgen können, nicht aber erfaßt und miterlebt welche Folgen das im Inneren
des Landes und der einzelnen Menschen mit sich brachte. Freilich ist uns irgendwann gesagt
worden, daß unter Stalin Menschen verhungert sind, aber die meisten wissen doch nicht, daß
diese Menschen geplant zum Hungertod geführt wurden, weil man in der Ukraine das alte
System der Bauernwirtschaft abgeschafft hat, weil man „zwangskolchosisiert“ hat und diese
Kolchosen schließlich doch nicht so funktioniert haben um genügend Getreide zu
produzierem um alle zu ernähren. Plötzlich war ein Mangel an Getreide von Tausenden
Tonnen , sodaß die Menschen verhungerten!
Dieses System erleben wir durch 70 Jahre im Osten, auf der anderen Seite,
den Kapitalismus westlicher Prägung.
Dieser hat ja auch nicht nur Wohlstandsjahre gebracht, sondern, denken wir nur an die 20er
und 30er Jahre, er brachte auch wirtschaftliche und vorallem politische Not!
Wie immer, wenn es wirtschaftlich schlecht geht, kommt der Ruf nach einem diktatorischen
System auf, in der Meinung: „Wenn alles erst in einer Hand ist, dann sind die Dinge leichter
in den Griff zu bekommen!“
Wir haben erlebt, daß Systeme der Wirtschaft wegen Krieg geführt haben.Juden wurden als
„Hauptverantwortliche“ für die Ausbeutung der Massen vernichtet, neues Land sollte im
Osten erobert werden. Im 2. Weltkriieg hat man unbedenklich Millionen in den Tod
getreiben. „Vaterland“ war plötzlich die große Ikone auf allen Seiten der Kriegsbeteiligten.
Es ist nicht nur der große „Vaterländische Krieg“ auf russischer Seite sondern auch „der
Heldentod für Führer, Volk und Vaterland“ auf unserer Seite, dasselbe gab es in Frankreich
Amerika und England. Diese Ideologisierung des Vaterlandsbegriffes fördert in jedem Fall
die Wirtschaft einer starken Macht. Heute erleben wir dasselbe im Irak.
Was waren die Kernsätze der Ideologie?
Der Kernsatz des sowjetischen Materialismus war: „Alles gehört dem Volk!“
Aber natürlich ist das Volk eine anonyme Masse und es braucht irgendwelche Instrumente,
die zu seinem Wohl agieren und das waren dann eben die Sowjets, die Räte, die die
Entscheidungen getroffen haben, bis hinauf zum obersten Sowjet. Wie immer verdirbt Macht
den Charakter. So hat es am Ende nur für die Nomenklatura des Kreml große Privilegien
gegeben wie z.B. in Litauen ein eignens Hotel, mit einem eigenen Flügel für die
Wachmannschaften und die Lustfrauschaften, ein Hotel, das heute Staatsherberge der
Republik Litauen ist. Macht verfremdet Systeme! Ideologie die anfangs rein philosophisch
das Wohl des Volkes im Auge hatte wird plötzlich ein Instrument zur Machterhaltung, wird
ein Instrument, das bedenkenlos dieses Volk verkauft und verscheuert, es ausnützt um die
eigene Macht zusichern.
Wir erleben auch im Westen, daß im Namen des Wachstums der Wirtschaft – daß dieses
Wirtschaftswachstum ebenfalls zu einer Ikone wird, daß bedenkenlos Handelsbedingungen
diktiert werden, von denen mittlerweile die Vollzugsinstrumente der WTO (World Trade
Organisation – die Weltbank) sagen: „Man muß etwas zu gunsten der 3. Welt tun und zwar
nicht mit Spenden, sondern mit einer Änderung der Handelsbedingungen, damit die
Menschen in diesen Regionen überleben könen. Wir erleben, daß dieses System dem
Nordwesten der Weltkugel einen bisher ungeahnten Wohlstand gebracht hat, mit einer breiten
Versorgung von Menschen, wie es nie zuvor der Fall war!
Versuchen Sie sich daran zu erinnern und überlegen Sie, ob Sie in Ihrer Kindheit, oder ob Ihre
Eltern und Großeltern in der Situation waren, daß eigentlich nicht mehr die Arbeitenden der
Bevölkerung das sicherste Einkommen hatten, so wie heute, weil sie von ihrer Pension nicht
gekündigt werden können und daß dieses Einkommen nicht nur für die aller notwendigsten
Bedürfnisse reicht!
Noch um die Jahrhundertwende von 1899/1900, also vor rund 100 Jahren haben die
Großmütter gegen Zusicherung des Mittagessens auf ihre Kinder und Enkelkinder aufgepasst,
weil sie selbst kein Einkommen hatten. Betten wurden hier in Wien in 3 Schichten vermietet
um überleben zu können. Wenn Sie den heutigen Wohlstand damit vergleichen, dann sehen
sie, daß es uns unvergleichlich besser geht! Nicht nur, weil ein Mehr an Versorgung
gewährleistet ist, nicht nur, weil die Gesundheitsversorgung so gut wie jedem zugänglich ist,
sondern auch deswegen, weil dieses Versorgungssystem mit einer ungeheuren Sicherheit
funktioniert, sodaß man bis an sein Lebensende „versichert“ ist.
Wir erleben in der westlichen Form des Kapitalismus, daß ein Teil der Welt ungeheure
Fortschritte gemacht hat, was die Versorgung betrifft, daß ein anderer Teil aber viel ärmer
geworden ist, wenn man der OECD glauben darf. Das System Erde wurde dadurch in einem
Ausmaß belastet, wie es weiter nicht mehr geht. Wenn es heute Gespräche wie ein KyotoProtokoll gibt, und sogar die russische Republik bereit ist , dieses Protokoll zu unterzeichenn,
das den Ausstoß von CO2 reguliert, dann sehen wir, daß wir tatsächlich an die Grenzen der
Belastbarkeit dieser Erde gekommen sind, daß dieser Wohlstand einen ungeheuren Preis hat,
den unsere Kinder und Enkel bezahlen müssen – sowit wir welche haben!
Vielleicht erinnern Sie sich noch daß unsere Eltern nach dem 2. Weltkrieg sagten: „Unsere
Kinder sollen es einmal besser haben!“ - wir aber haben unser System so gelebt, daß wir
daran zweifeln müssen, ob es unsere Kinder und Enkelkinder besser haben werden,
möglicherweise haben wir einen Teil dessen aufgezehrt, was sie einmal brauchen werden.
Wir erleben, daß Wirtschaftsinstrumente plötzlich nicht mehr von einzelnen Nationalstaaten
gelenkt und benützt werden können. Die Regierung der Republik Österreich kann dekretieren
was sie will, die internationalen Finanzströme werden regulieren, was die Investoren wollen.
Das heißt: Auch wenn in einem Land ob innerhalb oder außerhalb der EU der Schutz des
Arbeitsplatzes hochgehalten wird, die Arbeitslöhne sind und die Lohnnebenkosten hoch sind
um ein ausreichendes Bildungs-, Forschungs-, Gesundheits-, und Versorgungssystem im Alter
zu garantieren, dann hilft das der Wirtschaft überhaupt nicht, denn die internationalen Anleger
werden nur auf die Rendite ihres Kapitals schauen und beobachten, wo sie die größten Profite
machen und sie werden einfach ihr Geld aus den Betrieben herausziehen um es anderswo zu
investieren. Damit werden viele Betriebe kaputt gehen.
Wir sind also in einem globalen System eingebunden, wo die nationale Wirtschaft nur noch
wenige Lenkungsmöglichkeiten hat. Das System gerät damit auch menschlich gesehen an
eine Grenze, weil ein Anleger, der beispielsweise in Saigon lebt und einen Betrieb in
Südafrika ins Auge gefaßt hat um dort eine Million Dollar zu investieren, diesen Betrieb dann
hochpuscht und in dem Moment wo der Betrieb keine schwarzen Zahlen mehr schreibt, aus
welchen Gründen immer, aus politischen oder sozialen, seine Million abwandern läßt. Die
Aktien werden verkauft, der Aktienkurs bricht zusammen und der Betreib muß die halbe
Belegschaft entlassen.
Dieses System hat auf Grund der neuen Kommunikationsmöglichkeiten dazu geführt, daß wir
immer weniger die Konsequenzen unseres Handelns überblicken können. Noch gibt es kein
Instrument, keine Behörde, keine Einrichtung auf dieser Welt, die Schutzmaßnahmen setzt,
um diese System davor zu bewahren, daß es nicht zum Schaden sondern zum Wohle der
Menschen arbeitet.
Langsam ist ein Bewußtseinswandel bei den großen internationalen Konzernen festzustellen
aber auch bei der WTO, die plötzlich entdeckt, daß es gewisser Schutzfunktionen für die
ärmeren Wirtschaftsländer bedarf. Die Erkenntnis greift Platz, daß dieses System tatsächlich
an eine Grenze gelangt ist, die , wird sie überschritten zum Schaden aller Menschen wird.
Kapitalistisches Denken im bisherigen Sinn, das heißt allein Gewinn orientiertes Denken
ist nicht mehr möglich
Natürlich hat es immer warnende Stimmen gegeben:
Der von vielen geschmähte Papst Johannes Paul II hat gerade in seiner sozialen Botschaft
immer wieder darauf hingewiesen, daß der erste Grund allen menschlichen Wirtschaftens sein
muß: „Die Wirtschaft muß dem Menschen dienen!“
Nicht der Mensch der Wirtschaft.Das heißt wir müssen in unserem wirtschaftlichen Handeln
so denken, so agieren, so planen, daß das Wohl des Menschen in jedem Fall über den rein
numerischen Gewinnziffern steht. Das Wohl der Mitarbeiter, aber auch der Konsumenten und
der eigentlich Unbeteiligten aber indirekt beteiligten Anlieger muß gewahrt bleiben. Wenn ein
Betreib in hohem Maße toxische Gase auswirft oder toxische Abfälle produziert, dann sind
natürlich die umliegenden Menschen betroffen!
Das ist umso aktueller, als natürlich viele Firmen dazu übergegangen sind, Produktionen, die
entweder vom Arbeitsrecht her bedenklich sind, weil sie für die Mitarbeiter zu gefährlich
sind, oder die hohe Schutzmaßnahmen verlangen, Produktionen, die auf Grund ihrer Abfälle
hoch giftig sind, in Länder zu verlagern, die froh sind, wenn sie überhaupt Arbeitsplätze
bekommen. Umso aktueller auch deswegen, weil wir wissen, daß Umweltschutz erst dann
möglich ist, wenn ein gewisser Wohlstand, eine gewisse Mindestversorgung der Menschen
erreicht ist.
Daß diese Art des Produzierens nicht so weit weg ist von unserem Wohnort können Sie
daraus entnehmen, daß aus Rumaänien ungefähr alle 2 Jahre die Nachricht kommt, daß in
irgendeinem Chemiekonzern ein Auffanglager geplatzt ist und die Abwasser gehen dann in
einen Fluß in dem alles was an Leben drinnen ist vergiftet wird. Das ist dasselbe Rumänien,
in dem ich mit eigenen Augen in Hunyad in einem Riesenstahlwerk im Winter Menschen
habe barfuß in der heißen Schlacke nach Eisenresten suchen sehen, denn mit diesen
Eisenresten verdienen sie ihr tägliches Brot.
Wir sind an Grenzen gekommen, die ein ethisches Denken notwendig machen!
Was können Grundsätze für dieses ethische Denken sein?
Zunächst beginnen wir vielleicht dort wo Ethik angesiedelt ist unter dem Vokabel Moral
nämlich in den Kirchen. Es ist ganz klar, daß Kirchen in dieser Situation eine höchste
Verantwortung haben im Bereich der gesamten Politik tragen. Ob es nun den jeweiligen
Regierungen paßt oder nicht, die Kirchen werden ihr Wort immer wieder zum Schutz des
Menschen erheben müssen.
Es gibt dieses sehr lapidare Wort von der Krone der Schöpfung. Weir erfahren immer mehr,
wie wahr dieses Wort ist. Wir beobachten mit wachsender Unruhe wie viele Mechanismen
zur Erhaltung der Macht, zur Erhaltung wirtsschaftlicher Macht und wirtschaftlichen
Einflusses in dieser Welt geschaffen werden, die einfach auf den Menschen vergessen. Der
Mensch ist die Krone der Schöpfung und die Kirchen haben die Verantwortung immer wieder
darauf hinzuweisen, mag es nun den einzelnen Parteien recht sein oder nicht, mag es nun der
ein oder anderen Gruppe in einer Nation oder in einem Staatenbund passen oder nicht. Wir
werden darauf hinweisen!
Ein Zweites:
Die Wirtschaft wird sich wahrscheinlich noch mehr dem Druck der Konsumenten beugen
müssen. Wie ich anfangs erwähnt habe: Ein Verantwortungskodex einzelner firmen ist oft
wirklich nur unter dem Druck der Konsumenten entstanden, weil auch die Aktionäre gemerkt
haben, wenn ein Produkt boykottiert wird, dann ist mein Geld schlecht angelegt (Denken wir
in diesem Zusammenhang an die Fragen der Kinderarbeit und einer weltweiten Kampagne
über diese Frage) Daher haben sie darauf gedrungen, daß es einen Verhaltenskodex von
firmen und Großkonzernen gibt.
Ein kleines Beispiel:
Ich bin im Leitungsgremium der bischöflichen Kommission von Justitia et Pax, Gerechtigkeit und Frieden, die für die Bischöfe Vorbereitungsarbeit leisten. Das letzte, was
wir vorbereitet haben war ein Hirtenbrief der österreichischen und tschechischen Bischöfe zu
Fragen der Vergangenheit.
Die OMV hat sich an Prospektionsrechten = Ölschürfungsrechten im Sudan beteiligt.
Wir haben davon gehört und den Vorstand gebeten, doch einmal die Auswirkungen dieses
Engagements zu bedenken. Wir haben da sehr überrascht eine Reaktion bekommen und sind
mit den leitenden Personen dieses Unternehmens, abseits von aller Öffentlichkeit in ein
Gespräch eingetreten. Wir haben die Zusammenhänge dargestellt, die zwischen der
Verfolgung von nicht arabischen nicht muslimischen ,d.h. regierungsoppositionellen Kräften
im Süden des Sudan besteht und den Prospektionsaktivitäten der internationalen Öllobby, die
gerade in diesem Teil Öl vermutet.
Unter dem Vorwand der Sicherung der freien Wirtschaft und des ungehinderten Zugangs zum
Öl entvölkert die Regierung ganze Regionen, die eben auch christlich und daher oppositionell
sind, schickt Militärs hin, die die Dörfer niederwalzen und die Menschen vertreiben. Denn
natürlich sind die Menschen dort nicht begeistert, wenn plötzlich ein französischer, englischer
oder amerikanischer Bulldozzer kommt und anfängt, den Boden zu planieren, eine
Erdölbohrturm zu installieren und so in diesem Teil eine Landwirtschaft unmöglich macht.
Natürlich gibt es Proteste! Diese Gespräche haben dazu geführt, daß die Beteiligung der
OMV verkauft wurde, und heute hat diese Firma eine eignene Direktorin, die diesen ethischen
Verhaltenskodex nicht nur immer wieder einmahnt, sondern die auch leitenden Angestellten
Fragebögen zustellt, die diese aufüllen müssen, Fragebögen, die das Verhalten gegenüber den
Mitarbeitern, gegenüber der Umwelt und gegenüber der wirtschaftspolitischen Situation des
Gastgeberlandes beantworten müssen.
Wir sind in eine Situation gekommen, wo man mit großer Sorgfalt und einiger
Sensibilität die Auswirkungen des Wirtschaftens im Westen in zunehmendem Maß
beobachten muß.
Wie geht es mit den Nachfolgestaaten im Osten Europas?
Die Volksrepubliken wurden abgelöst von sogenannten demokratischen Republiken.
Natürlich kann man nicht eine Politikergeneration vom Gemeinderat angefangen bis zum
Ministerpräsidenten aus dem Boden stampfen.Denn bis eine Generation wächst, dauert das
viele Jahre, bis es gelingt eine neue Generation in einem neuen politischen Denken
hervorzubringen. Das heißt, man hat dasselbe getan wie bei uns in Österreich nach 1945, man
hat die bisherigen Politiker weitgehend in ihrem Dienst am Volk bleiben alssen. Diese sind
natürlich geprägt vom alten System, das vorallem von der Machterhaltung besessen war und
wenn sie heute aus der Ukraine hören oder lesen, daß opositionelle Kräfte sich vorwiegend
im Auslanf aufhalten, dann hat das nicht vorwiegend damit zu tun, daß sie neugierig sind und
sich viel Geld beschaffen wollen , sondern daß sie im Ausland hoffen, weniger leicht einem
„zufälligen“ Unfall zum Opfer zufallen. Man hat Demokratie verkündet, vom Westen her, hat
aber nicht bedacht, daß es dafür kein Personal gibt. Man hat freie Wirtschaft verkündet, hat
aber nicht berücksichtigt, daß diese Politiker nicht im Stande sind Manager zu finden, die
diese Betriebe in sozialer, politischer und wirtschaftlicher Verantwortung zu führen, sondern
man hat sie mit einem Ausbildungsstand übernommen, die Macht als Faustrecht ausübt.
Was wir in diesen Staaten erleben ist ein Urkapitalismus schlimmster Sorte, wie er in
Amerika und Europa im 19.Jahrhundert üblich war und in dem das Faustrecht gilt.
Es gibt Hunderte, die umgebracht wurden, weil sie im Wege standen. Weitgehend herrscht die
Meinung: Kapitalismus heißt: Du mußt die anderen für dich arbeiten alssen - du selbst mußt
nur kassieren.
Unter dieser Notion ist der Neubeginn der Wirtschaft in diesen östlichen Staaten gestanden,
das heißt, man hat die alten, zu Teil maroden, zum Teil aber auch hochproduktiven Betriebe
aus derSowjetära übernommen, hat sie, wenn man sich in der richtigen Position befand und
die richtigen Freunde hatte, einkassiert für billiges Geld und hat diese Wirtschaftsbetriebe
ausgeplündert und heute stehen sie zum Teil schon wieder am Ende. Wenn westliche Firmen
heute investieren, so tun sie es zum Teil unter dem Schutz neuer Gesetze, die wenigstens eine
Quasi – Garantie geben. Sie tun es nach wie vor mit hohem Risiko und ich denke, ich irre
mich nicht, wenn ich Gerüchte wiedergebe, die besagen, daß westliche Banken ihren Gewinn
nicht mehr in Westeuropa machen, sondern ausschließlich in Osteuropa.
Wir sind damit in einer Situation, wo Ideologie, wo Systeme auch eine Frage der friedlichen
Koexistenz werden. Die beste Art der Friedenssicherung ist ja nicht die Hochrüstung, was die
Amerikaner im Augenblick im Irak erleben ist nach Korea und Vietnam noch einmal eine
Lehrstunde dafür, die beste Art der Friedenssicherung ist es die wirtschaftliche Existenz der
Bevölkerung zu sichern Und alle Apelle seit Papst Paul VI. Und der Enzyclika „Populorum
progressio (überden Fortschritt der Völker) sind in diesem Sinne gemeint, daß wir Menschen
nur dann friedlich zusammen leben können, wenn wir nicht so sehr von Ideologien getragen
sind, wenn wir nicht so sehr ein Feindbild setzen, von dem wir uns abgrenzen, sondern wenn
wir versuchen, für alle ein Existenzminimum zu sichern, daß sowohl Flüchtlicngs und
Asylantenströme nicht notwendig sind, wie auch jene Kriege, von denen das 20.Jahrhundert
geprägt war.
Ideologien im Wandel:
2 Ideologien sind auf den Höhepunkt der Macht im 20 Jahrhundertgelangt. Die eine ist total
zerbrochen, der westliche Kapitalismus und die sogenannte freie Marktwirtschaft wird
eingegrenzt von ethischen Prinzipien, die man plötzlich neu entdeckt werden als Grundlage
der Friedenssicherung. Wir haben ein Zeitalter miterlebt in dem der Höhenflug der Ideologien
gegeben war, wir erleben jetzt ein Zeitalter wo es darum geht, neue Ziele zu setzen und diese
Ziele werden nicht zuletzt von der katholischen Kirche mit den einfachen Worten
wiedergegeben:
Der Mensch ist das Ziel allen politischen und wirtschaftlichen Handelns !
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