(Zusammenfassung Fortsetzung - MS Word

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Urteilen und Entscheiden
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Lernen von Beziehungen
Wichtig für Entscheidungen sind Vorhersagen. Allerdings gibt es zwei Probleme, wenn wir
Beziehungen vorhersagen sollen:
1. Menschen haben überzogenes Vertrauen in das eigene Urteil.
2. Oft sehen wir „Illusorische Korrelationen“. Wir sehen Beziehungen, die in der
Realität nicht existieren.
Eine erste Erklärung ist motivationaler Art: Menschen vergessen selektiv, wo ihr Urteil falsch
war. Außerdem unterstützen unsere Mitmenschen oft Fehlurteile. Dadurch wird verhindert,
dass wir ein Feedback bekommen und aus unseren Erfahrungen lernen.
Das Lernen von Beziehungen findet statt in einer Interaktion von Person, Urteil und Umwelt.
Diese Erklärung wurde am Beispiel von Entscheidungen in der Personalauswahl besprochen.
Anhand eines Vier-Felder-Schemas wurden die Beziehungen zwischen Testscore und
Berufserfolg dargestellt. Es wird ein Cut-off-Wert für den Testscore festgelegt, der den
Berufserfolg prognostizieren soll. Fehlen jedoch Informationen in einem der vier Felder, wird
das Lernen über die wahren Beziehungen verhindert. Diese Struktur der Beurteilungssituation
führt zu dem überzogenen Vertrauen in das eigene Urteil, da auch Fehlentscheidungen ein
positives Feedback erhalten.
1. Normalerweise fehlen Informationen darüber, was mit den abgelehnten Kandidaten
passiert, ob sie richtig oder falsch klassifiziert wurden.
2. Menschen testen Zusammenhänge eher konfirmierend, statt diskonfirmierend. Wir
suchen nach bestätigenden Informationen und ignorieren die widersprechenden
Informationen. Fehlerhafte Hypothesen können aber mit diskonfirmierender Evidenz
besser eliminiert werden. Dies ist in der Personalauswahl nicht möglich, da niemand
einen als ungeeignet klassifizierten Kandidaten einstellen will, um die Validität seines
Urteils zu testen.
3. Je höher der Cut-off angesetzt wird, desto höher ist auch die relative Anzahl der
Erfolge gegenüber den Misserfolgen. Ein strengerer Cut-off vermindert außerdem die
relative Anzahl der Rückmeldungen über Erfolge und Misserfolge, die beobachtet
werden können.
4. Es entsteht ein sich selbst bestätigender Kreislauf, da der Beurteiler kein Feedback
bekommt über die Richtigkeit seiner Bewertung der erfolgreichen und nicht
erfolgreichen Kandidaten. Die Eingestellten bekommen ein „training on the job“ und
sind dadurch nicht mehr vergleichbar mit den Abgelehnten. Dieser „Effekt der
Behandlung“ führt dazu, dass der Urteiler seine Entscheidung bestätigt sieht, denn er
sieht einen Zusammenhang zwischen seinem Urteil und dem Berufserfolg.
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Es gibt verschiedene Verhaltensweisen, an denen sich ein Urteiler orientieren kann, um in
komplexen Entscheidungssituationen Fehler zu vermeiden.
1. Die Grundlagen, auf denen Vorhersagen basieren, sollten schriftlich festgehalten
werden. Dadurch entsteht erhöhte Selbstaufmerksamkeit der Person, die zu einem
besser durchdachten Urteil führt.
2. Urteiler sollten wissen, dass es schwierig ist, aus vorherigen Urteilen zu lernen und
dass es in bestimmten Situationen sogar unmöglich ist.
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Die Rolle des Gedächtnisses bei Entscheidungen
Das Gedächtnis spielt eine wichtige Rolle bei prädiktiven Urteilen. Durch den Abruf von
Erfahrungen aus dem Gedächtnis kommt es jedoch oft zu fehlerhaften oder verzerrten
Urteilen. Im ersten Teil des Skriptes wurden bereits einige Heuristiken dargestellt, wie
beispielsweise die Verfügbarkeitsheuristik.
Ein weiterer wichtiger Mechanismus bei der Beurteilung ist der Rückschaueffekt (hindsight
bias). In vielen Studien wurde gezeigt, dass Personen die Wahrscheinlichkeit eines
Ereignisses höher einschätzen, nachdem sie das Ergebnis kennen. Im Vergleich zu der
Einschätzung, die vor der Mitteilung des Ergebnisses abgegeben wurde, verschieben sich die
geschätzten Wahrscheinlichkeiten hin zu dem wirklichen Ergebnis.
Dieser Effekt wird darauf zurückgeführt, dass wir eine Kausalkette konstruieren, nachdem wir
das Ergebnis mitgeteilt bekommen haben. Die Zusammenhänge erscheinen uns im
Nachhinein als unvermeidbar und werden salienter im Gedächtnis gespeichert. Dadurch
werden vorherige Wahrnehmungen zerstört und auch keine Alternativhypothesen mehr
getestet. Nachdem ein Ergebnis mit seinen konstruierten Zusammenhängen gespeichert
wurde, kann das Gedächtnis nur schwer wieder verändert werden.
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Kreativität, Imagination und Entscheidungen
Für das prädiktive Urteilen ist die Fähigkeit notwendig, sich mögliche Ergebnisse
vorzustellen und auch weitere Alternativen zu generieren. Kreativität und Imagination sind
Voraussetzungen dafür, dass wir freie Entscheidungen treffen können. Dabei wird davon
ausgegangen, dass jeder von uns kreativ sein kann, sobald wir uns mental genug anstrengen.
Kreativität entsteht, wenn Assoziationen zwischen Ideen gebildet werden, die:
1. zu neuen Kombinationen führen und
2. effektiv sind, also weiterhelfen und nützlich sind.
Oft denken wir in festgefahrenen Bahnen, jedoch kann zu viel Erfahrung mit einem Problem
zu routinierten Handlungen führen und dadurch eine kreative Lösung verhindern.
Es gibt viele Kreativitätstechniken, wie z. B. das Brainstorming. Dadurch sollen die
verschiedenen Assoziationen des Problems strukturiert werden und nachfolgend systematisch
die Lösungen beurteilt werden. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass Brainstorming in
Gruppen nicht effektiver ist, als das Brainstorming einer Person alleine. Kreativitätstechniken
eignen sich vor allem als Ausgangspunkt zur Hypothesengenerierung.
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