Heike Saxer-Taylor PP MoKo

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MOKO 16/05/2011 KOMMUNIKATION ÜBER KULTURELLE GRENZEN HINWEG
1 - Kommunikation über kulturelle Grenzen hinweg
Heike Saxer-Taylor
Interkulturelle Trainerin und Übersetzerin
Universität Heidelberg
“Montagskonferenz”
16/05/2011
2 – Gliederung
•
Warum Heidelberg?
•
Warum interkulturelle Trainerin?
•
Was ist Kultur?
•
Internationale Kommunikation
•
Über Kulturgrenzen hinweg arbeiten, allgemeine Fähigkeiten
•
Interkulturelle Aspekte beim Übersetzen
3 - Warum Heidelberg?
•
Weil es wunderschön ist!
•
International
•
Ganz anders als Ostwestfalen ...
•
Großartige Chancen
4 - Wozu braucht man interkulturelles Training?
5 - Was meinen wir eigentlich mit „Kultur“?
MOKO 16/05/2011 KOMMUNIKATION ÜBER KULTURELLE GRENZEN HINWEG
6 - Was ist Kultur?
Kultur ist “mentale Software ”:
“Sie ist die kollektive Programmierung des Geistes, die die Mitglieder einer Gruppe oder Kategorie von
Menschen von einer anderen unterscheidet”
Geert Hofstede, Cultures and Organisations
Kultur ist “die Art und Weise, wie eine Gruppe Probleme löst und kulturelle Dilemmata zum Ausdruck
bringt”
Trompenaars, Hampden-Turner, “Riding the Waves of Culture”
7 - Was ist Kultur?
Kultur beeinflusst das Verhalten von bestimmten Gruppen von Menschen ...
Sie ist das Orientierungssystem für das Verhalten einer Gruppe. …
Kultur schweißt die Gruppe erst zusammen
Jeremy Comfort and Peter Franklin, The Mindful International Manager
8 - Edward T. Hall
o
monochronistische Zeit
o
Low context Kommunikation
o
Intimssphäre
o
Polychronistische Zeit
o
High context Kommunikation
o
Intimssphäre
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9 - Geert Hofstede
o
Individualismus
o
Hohe Machtdistanz
o
Maskulinität
o
Hohe Unsicherheitsvermeidung
o
Langzeitorierntierung
o
Freizügigkeit
o
Kollektivismus
o
Niedrige Machtdistanz
o
Femininität
o
Niedrige Unsicherheitsvermeidung
o
Kurzzeitorientierung
o
Restriktion
10 - Alexander Thomas
o
Kultur als Wertesystem... das eine Orientierung darstellt für Mitglieder einer komplexen
Umgebung
o
Basierend auf Verhaltenserfahrungen und Ereignissen entstehen daraus wiederkehrende
kulturelle Standards als zentrale Merkmale zur Orientierung.
o
Deutsche Kultur: Aufgaben-orientiert , Regel-orientiert, direkt/ ehrlich
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11 – Die vier Dimensionen der Vielfalt
12 - Wie entwickelt man eine Kultur?
Familie
Geografische Herkunft
Schule/Bildung/Sport
Religion
Gesellschaft/Politik
Geschichte
Ereignisse/Vorfälle
Medien
Literatur/Theater/Film/Musik
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13 - Aspekte der Vielfalt
Wie beeinflussen diese verschiedenen Dimensionen der Vielfalt unsere Persönlichkeit?
„Kulturelle Intelligenz bedeutet, dass man die Einblicke in die Kulturen, derer man selber angehört dazu
nutzt, Einblicke in die Kulturen derer zu erhalten, mit denen man interagiert.“
Jeremy Comfort und Peter Franklin „The Mindful International Manager“
(Anm. der Übersetzerin: das Buch scheint noch nicht ins Deutsche übersetzt zu sein und somit gibt es auch keinen offiziellen
deutschen Titel oder ein offizielles deutsches Zitat.)
14 - Nicht alle Menschen sind gleich
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15 - Unsichtbare Faktoren der Kultur
Kleiderordnung, Begrüßungen,
Essen, Traditionen, Geschäftspraktiken
____________________________________________________________
Werte Annahmen
Glauben
Erfahrungen aus
der
Vergangenheit
16 - Aspekte der Kultur







Erfüllung der Aufgabe vs Beziehung
Hierarchie und Status
Regeln und Einstellung zu Ungewissheit
Die Gruppe vs der Einzelne
Zeit
Raum
Kommunikation
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17
Unternehmensstruktur
Erreichter vs
zugeschriebener
Status
Führungsstil
Auffassung der
Führungsrolle
Das Gesicht
bewahren
Ermächtigung /
(Empowerment)
Rolle und Verantwortung
18 - Genauere Untersuchung der kulturellen Aspekte
Die Logistikfirma, für die Herr Bucher in Indien arbeitet, erhält den Auftrag, eine Fracht von Mumbai
nach Mansanilo, Mexiko, zu versenden. Herr Bucher bittet Herrn Souza, einen seiner erfahrensten
indischen Angestellten, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Da es sich hierbei um einen sehr
wichtigen Auftrag handelt, bittet er Herrn Souza darum, ihn umgehend zu kontaktieren, sollten
Probleme auftreten. Dies würde es ihnen erlauben, gemeinsam eine Lösung zu finden. Einige Zeit später
hört Herr Bucher zufällig, dass sich die Fracht seit einer Woche schon im falschen Hafen befindet,
nämlich in Mansanilo, Panama. Er sucht Herrn Souza auf, welcher ihm in aller Ruhe erklärt, dass er
bereits an einer Lösung arbeitet. Herr Bucher ist verärgert, da ihn sein Angestellter nicht informiert hat.
Schließlich hatte er ihn mehrmals darum gebeten.
Aus: Katrin Mitterer, Rosemarie Mimler, Alexander Thomas, “Beruflich in Indien”, 2006 (bei den ersten zwei Zeilen
handelt es sich um die Originalfassung, der restliche Text wurde hier aus dem Englischen rückübersetzt)
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19 - Genauere Untersuchung der kulturellen Aspekte
Aus dem Boden stampfen
HELGA: Hast du das letzte Trainingsdesign schon fertig gemacht?
ALICE: Noch nicht ganz.
HELGA: Ok, dann rufe ich bei Bosch an.
ALICE: Warum?
HELGA: Na um die Präsentation zu verschieben.
ALICE: Nachdem es so schwer war diesen Termin zu bekommen? Wir können ja zur Not improvisieren.
HELGA: Improvisieren?
ALICE: Na du weißt schon, aus dem Boden stampfen.
Aus: Craig Storti, „Old World, New World“, hier inoffiziell übersetzt
20 - Wie können wir mit all dem fertig werden?
Kommunikation
21 - Grundfertigkeiten
•
Grundregeln lernen (Anreden, Etikette)
•
Die übermittelten Informationen richtig dekodieren
•
Die nonverbale Körpersprache (Gesten, Blickkontakt, Kontext) beachten
•
Einen eigenen Kommunikationsstil entwickeln
•
Sich mancher Aspekte bewusst sein. Zum Beispiel: überlappende Sprachmuster,
abwechselndes Sprechen, Unterbrechungen, Schweigen.
22 - Direkte vs indirekte
Kommunikationsstile
Direkte, z.B.
•
In der Schweiz
•
In Deutschland
•
In Holland
•
In Skandinavien
•
In den USA
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Indirekte, z.B.
•
Asiatische Kulturen (Japan, China, Indien)
•
Großbritannien
23 –Kommunikationsstile
“Die Briten sind zu höflich um ehrlich zu sein,
die Deutschen sind zu ehrlich um höflich zu sein”
„Die Engländer gehen normalerweise ums Haus herum,
während die Deutschen durch den Haupteingang gehen...“
24 - Kommunikation in Deutschland
•
Direkt und offen
•
Wahrheit/Ehrlichkeit
•
Kritik wird oftmals als konstruktiv betrachtet
•
Stark auf Fakten ausgerichtet, aufgabenorientiert
•
Ernsthaft
•
Man verlangt umfangreiche Informationen.
25 - Britische Kommunikation
•
Die Kunst der Untertreibung (Gefühlsausbrüche und Konflikte vermeiden, sich einen
potenziellen „Fluchtweg“ freihalten).
•
Indirekte Ausdrücke z.B.:
•
Versuchen, eine Frage nicht zu beantworten: Vagheit
–
“Wenn eine Person Ihre Frage verstanden hat, sich aber weigert auf sie zu antworten,
liegt das möglicherweise daran, dass die Antwort entäuschend sein wird und die Person
es vorzieht.“ Craig Storti
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•
Die Botschaft befindet sich möglicherweise in dem, was nicht gesagt wurde.
26 –Beispiele
Bravo!
Bob (ein Amerikaner): Sie haben großartige Arbeit bei dem Bericht geleistet!
Martin (ein Brite): Wir haben unser Bestes getan. Ich hätte allerdings gerne noch mehr Zeit gehabt.
Bob: Wozu? Es könnte wirklich nicht besser sein!
Martin: Ach, das denke ich nicht.
Bob: Sie meinen, Sie haben etwas ausgelassen?
Martin: Wie bitte?
27 - Der Kommunikationsstil in den USA
o
Meistens direkt und auf Sachebene, gleich zur Sache
o
Gute Kommunikation ist einfach und übersichtlich
o
Voller Lob und Schmeichelei
o
„Ein amerikanischer Chef kritisiert wenn er nicht lobt. Ein deutscher Chef lobt wenn er
nicht kritisiert.“ Patrick L. Schmidt
o
Übertreibung und Humor
o
Lebendige und offene Körpersprache
28 - Zum Beispiel
Irreführend
Helmut (ein Deutscher) and Frank (ein Amerikaner)
Helmut: Hat Herr Schmidt Ihnen seinen Bericht vorgestellt?
Frank: Ja, es liegt noch eine Menge Arbeit vor ihm.
Helmut: Haben Sie ihm das mitgeteilt?
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Frank: Ich habe ihm gesagt, es war ein guter Anfang.
Helmut: Sie hätten ihn nicht in die Irre führen sollen.
Frank: Wie bitte?
29 - Der Kommunikationsstil in Indien
o
Indirekt, mit Konfliktvermeidung (um Harmonie aufrechtzuerhalten).
o
Das nein sagen wird oftmals als beleidigend und undiplomatisch betrachtet .
o
Inder haben viele verschiedene Möglichkeiten, ein nein auszudrücken.
o
Die Sprache vermittelt Respekt und Bescheidenheit .
o
“Indisches Englisch zeichnet sich insbesondere durch Mehrdeutigkeit aus” (R. D. Lewis)
o
Vor Angst des Gesichtsverlusts werden Fehler nicht erlaubt.
30 - Der Kommunikationsstil in Japan
•
Indirekt und höflich
•
Über ihr eigenes Schweigen nicht besorgt. Über das Schweigen der anderen auch nicht besorgt.
•
„Wer es weiß, braucht nicht zu sprechen; wer spricht, weiß es wahrscheinlich nicht “
•
„Eine Sprache des Respekts“ voller versteckter welche das Alter, das Geschlecht, das Verhältnis
der Sprecher zueinander, und die soziale Stellung betreffen.
31 – Zum Beispiel
Ein japanischer Geschäftsmann möchte seiner norwegischen Kundin mitteilen, dass er an einem
bestimmten Verkauf nicht interessiert ist. Um höflich zu sein sagt der Japaner: “Das wird schwierig
werden.” Die Norwegerin denkt, es gäbe noch ungelöste Probleme, aber nicht, dass das Geschäft
nicht zustande kommen wird. Die Norwegerin fragt also nach, ob ihr Unternehmen bei der Lösung
des Problems helfen könne. Der Japaner, der glaubt, mitgeteilt zu haben, dass es keinen Verkauf
geben wird, wundert sich über die Antwort der Norwegerin.
32 - Einige Fähigkeiten, die notwendig sind um über kulturelle Grenzen hinweg zu arbeiten
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33- Erfolgreich arbeiten über kulturelle Grenzen hinweg
 Das eigene Verhalten nicht als “Standard” sehen; sich seiner eigenen kulturellen Bedingungen
bewusst sein
 Die eigene Meinung zurückhalten
 Eigene Annahmen in Frage stellenkönnen
 Verständnis und Toleranz für Unterschiede zeigen
 Sich bewusst machen, wie andere einen sehen
 Kulturelle Diversität und ihr Potential wie Kreativität, Vielzahl an Ideen und globale Erfahrungen
wertschätzen
34 - Arbeiten über kulturelle Grenzen hinweg
 So viel wie möglich über die Kultur, mit der man zu tun hat, lernen
 Wenn möglich, Sprache lernen!
 Aktiv zuhören
 Zu emotionale Reaktionen vermeiden
 Eigenen Kommunikationsstil anpassen
 Das eigene Verhalten anpassen ohne sein klares Ziel aus den Augen zu verlieren
 Aufgeschlossen und neugierig sein
35 - Interkulturelle Aspekte beim Übersetzen
36 - Interkulturelle Aspekte beim Übersetzen
Indem man eine Übersetzung zu einen Text macht, der die gewünschte Wirkung in der Zielsprache
erfüllt, passt man ihn kulturell an.
„Fremd lassen“ oder „Anpassung an Zielkultur“ einer Übersetzung
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37 - Interkulturelle Aspekte beim Übersetzen
„Interkulturelles Verständnis ist eine Form des Übersetzens, denn sie erfordert die Vermittlung
zwischen zwei unterschiedlichen Parteien und die Bewusstmachung kultureller Unterschiede.“
„... Die Wichtigkeit der Übersetzung als kontinuierlicher Prozess der interkulturellen Vermittlung.“
Professor Susan Bassnett, University of Warwick
38 – Lernziele
•
Kulturelles Verständnis entwickeln beim Übersetzen und beim Umgang mit Kunden
•
Herausfinden wer die Zielgruppe der Übersetzung ist und welchen Zweck der Text erfüllen soll!
•
Interkulturelle Aspekte berücksichtigen bei der Übersetzung von Artikeln für Magazine,
Pressemitteilungen, Präsentationen, Computerspielen, Voice-Overn, etc.
•
Beim Dolmetschen das eigentlich Gemeinte mitteilen
40 - Werdet interkulturelle Vermittler!
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