Das Reich Gottes

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Joh. E. Keller
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Das
Reich Gottes
„Sie sollen reden von der Herrlichkeit deines
Königreichs und von deiner Gewalt sprechen, daß
sie den Menschenkindern seine Gewalt kund
machen und die herrliche Pracht seines Königreiches.“ (Ps.145,11-12)
Das Reich Gottes
in seiner Entwicklung
Weg zur Wahheit, Jahrgang 23, Hefte 3, 5, 8, 11
(1933.3,5,8,11)
Jahrgang 24, Hefte 6/7, 8
(1934.6/7,8)
Vorwort
Je schneller die Zeit mit ihren wechselvollen Ereignissen fortschreitet, um so mehr
wird es für die ernsten und im Worte Gottes treu forschenden Gläubigen zur Notwendigkeit, den Willen Gottes in seinem Ewigkeitswalten zu verstehen. Diesen Willen hat
Gott seinem Volk in der herrlichsten Weise offenbart. Wenn wir darum die Geschichte
dieses Volkes von Anfang an verfolgen, so können wir einen tieferen Einblick in das
geheimnisvolle Walten unseres Gottes gewinnen.
Die Geschichte des Volkes Gottes ist aber mit anderen Völkern so eng verwoben,
daß sich das göttliche Walten auf keinem andern Weg als in der Völkergeschichte der
Jahrtausende erkennen lässt.
Ein besonderer Teil dieser Völker, in deren Mitte das Volk Gottes den göttlichen
Willen zur Darstellung bringen muß, ist in dem Schriftzeugnis über die vier Weltreiche
gezeigt.
Den Anfang und Abschluß der Völkerordnung bildet das Volk Gottes. Als Strafe für
den Ungehorsam des Volkes Gottes ließ Gott die Herrschaft von seinem Volk auf die vier
Weltreiche übergehen, die sie so lange ausüben müssen, bis Gott mit seinem Volk zum
Ziele gekommen ist und am Ende dieses Zeitalters das „Reich Gottes“ aufgerichtet
werden kann.
Im Mittelpunkt der Geschichte des Volkes Gottes steht die durch Jesus Christus
beschlossene Erlösung. Diesem Volk gehört die Ordnung der (Gottes-)Kindschaft,
ebenso die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die
Verheißungen (Röm.9,4).
Doch bei allen Gnadenerweisungen, die Gott seinem Volke widerfahren ließ, mußte er
dessen beständigen Ungehorsam durch mannigfaltige Gerichte strafen.
Das Reich Gottes
-2-
Diese Gerichte bereiten dem Volk Israel besonders viel Not und Trübsal, weil es in
der Zeit der vier Weltreiche von diesen Völkern so lange beherrscht wird, bis Gott seine
ewige Herrschaft am Ende des vierten Weltreiches durch sein Volk aufrichtet.
Die Reichsgottesherrschaft ist die Sehnsucht jedes gläubigen Herzens (Matth.6,10;
Luk.11,2). Deshalb muß die Erfüllung derselben zuerst in dem im Worte Gottes offenbarten
Willen Gottes erkannt werden.
Diese Schrift über „Das Reich Gottes“ ist eine Neubearbeitung der beiden vergriffenen Schriften „Das Zwölf-Stämme-Volk Israel“ und „Die vier Weltreiche und das Reich
des Allerhöchsten“.
Durch diese Neubearbeitung wird in erster Linie der Zeit Rechnung getragen, in der
wir nach Gottes Ratschluß die Erfüllung des wichtigsten Teiles des göttlichen Willens in
der Ausgestaltung seiner ewigen Reichsherrschaft heute miterleben müssen. Diese Zeit
ist das Ende dieses Zeitalters und der Anfang des in Gottes Wort verheißenen
Tausendjährigen Reiches.
Durch diese Ausführungen sollen wir verstehen lernen, wie Gott seinen in der Heiligen Schrift niedergelegten Ratschluß über sein ewiges Reich in der Zeit von etwa
siebentausend Jahren der Menschheitsgeschichte zustande bringt.
Zur Verwirklichung dieses Ratschlusses hat sich Gott das Zwölfstämmevolk Israel aus
allen übrigen auf der Erde wohnenden Völkern erwählt. Diese Schrift soll uns darum in
besonderer Weise das Schicksal dieses berufenen und auserwählten Volkes und seine
Stellung zum Reich Gottes während der Zeit der Entwicklung und bis zum Sieg des
Reiches Gottes zeigen.
Weil die vier Weltreiche in einem bestimmten Verhältnis zum Volke Gottes und
ebenso zum Reiche Gottes stehen, ist auch ihr Schicksal und ihre Stellung während der
Zeit der Entwicklung des Reiches Gottes ausführlich behandelt und erklärt. Auf diese
Weise wird es leicht möglich, die Spuren des göttlichen Waltens mit seinem auserwählten
Volk der zwölf Stämme Israels in Verbindung mit den vier Weltreichen: Assur-Babel,
Medo-Persien, Griechenland und Rom bis zur Aufrichtung des Reiches Gottes und
während des Tausendjährigen Reiches zu verfolgen.
Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß die treuen Gläubigen den Willen Gottes für
die nahe Zukunft des Herrn klar erkennen und dadurch an seinem ewigen Reich Anteil
haben können.
Der Verfasser
-3-
Das Reich Gottes
Inhaltsverzeichnis
Die Urgeschichte
1. Der Menschheit Anfang
2. Die Sündflut
3. Die Urvölkerwanderung
1
2
4
Die ältesten Kulturmittelpunkte der Welt
1. Sinear-Babylonien
2. Ägypten
3. Kanaan
5
7
8
Israel, das auserwählte Volk Gottes
1. Die Berufung Abrahams zum Vater des Volkes Gottes
2. Abrahams erste Glaubensrechtfertigung
3. Abrahams zweite Glaubensrechtfertigung
4. Abrahams dritte Glaubensrechtfertigung
5. Isaak
6. Jakob-Israel
7. Die Söhne Jakob-Israels
8. Joseph in Ägypten
9. Israel in Ägypten
10. Israels Auszug aus Ägypten
11. Israel in der Wüste und die zwei Bündnisse
a) Der erste Bund am Sinai und Israels Übertretungen
b) Der zweite oder der Neue Bund im Moabiterland und Israels Unglauben
12. Israels Einzug in Kanaan
13. Die Richterzeit
14. Israel als einheitliches Königreich unter dem König Saul
15. David, der Mann nach dem Herzen Gottes
16. Davids Königtum
17. König Salomo und die ihm folgende Teilung des Reiches
18. Das Nordreich Israel
a) Das Königsgeschlecht Jerobeam
b) Das Königsgeschlecht Baesa und König Simri
c) Die Königsgeschlecht Omri
d) Der Prophet Elia
e) Das Königsgeschlecht Jehu und König Sallum
f) Das Königsgeschlecht Menachem und König Pekach
g) König Hosea und der Untergang Israels
19. Das Südreich Juda
a) Gesetz und Gnade zur Zeit der Könige
b) Von Rehabeam bis Asa
c) Von Josaphat bis Atalja
d) Von Joas bis Ussia
e) Von Jotam bis Hiskia
f) Von Manasse bis Josia
g) Die Söhne Josias und eine letzte Rettungsmöglichkeit
h) Der Untergang des Reiches Juda
10
12
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61
Die erste Weltreichsherrschaft
1. Von Gottes Heilsplan mit seinem Volke
2. Die in den Weltreichen wirkenden Geistmächte
3. Die vorausgesagte Chaldäerherrschaft
4. König Nebukadnezar, der Knecht Gottes
5. Nebukadnezars erster Zug nach Jerusalem; sein Sieg über Pharao Necho
63
64
67
68
69
Das Reich Gottes
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6. Nebukadnezars Traum von den vier Weltreichen
7. Nebukadnezars zweiter Zug nach Jerusalem
8. Nebukadnezars Strafgerichte über gottfeindliche Völker
9. Nebukadnezars dritter Zug nach Jerusalem, Untergang der Stadt, Vernichtung
des Tempels und Ende des Südreiches Juda
10. Daniels Freunde im Feuerofen
11. Nebukadnezars Gericht über alle Völker, besonders über Tyrus und Ägypten
12. König Nebukadnezar sieben Zeiten verworfen
13. Weitere Könige des ersten Weltreiches Assur-Babel
14. König Belsazars Überhebung und der Untergang des ersten Weltreichs
Assur-Babel
70
72
73
73
76
77
78
80
81
Die zweite Weltreichsherrschaft
1. Die göttliche Ursache zur Errichtung des zweiten Weltreichs Medo-Persien
82
2. Die Herkunft und Gottesfurcht der Könige von Medien und Persien
85
3. Gottes Hilfe zur Errichtung und Befestigung des zweiten Weltreichs
87
4. Das zweite Weltreich Medo-Persien
89
a) Daniels Weissagungen vom zweiten Weltreich
89
b) Der Befehl zum Wiederaufbau des Tempels
90
c) Der Juden Heimkehr und die Grundlegung zum neuen Tempel
91
d) Die Wiederaufrichtung des Tempels
92
e) Die Erneuerung der Stadtmauer Jerusalems
94
f) Das Ende des zweiten Weltreichs Medo-Persien
95
5. Die Dauer des zweiten Weltreichs Medo-Persien und seine Könige
96
a) Die Chronologie der Bibel und der weltlichen Geschichte
96
b) Die Königsreihe des medo-persischen Reiches in der heiligen Schrift
97
6. Die siebenzig (Jahr-) Wochen Daniels und die Zeit der vier Weltreiche
98
a) Der Unterschied zwischen der geschichtlichen und prophetischen
Bedeutung der Weissagung der siebenzig (Jahr-) Wochen
98
b) Die prophetisch-schriftgemäße Anleitung zum Verständnis der siebzig
(Jahr-) Wochen Daniels
100
c) Die prophetische Bedeutung der ersten sieben (Jahr-) Wochen
101
d) Die Zeit bis zur Ausrottung des Gesalbten
106
e) Der Zeitabschnitt zwischen der 69. Und 70. (Jahr-) Woche – die Zeit der
Gemeindeentwickllung
106
f) Die letzte (Jahr-) Woche, das Ende der siebenzig (Jahr-) Wochen und
das Ende des Verwüsters
109
Die dritte Weltreichsherrschaft
1. Das einheitliche Weltreich Griechenland-Mazedonien
a) Die Aufrichtung des dritten Weltreichs
b) Daniels Weissagungen vom dritten Weltreich
c) Die Übergangszeit zu anderen Reichsformen
2. Die vier Nachfolgereiche der griechisch-mazedonischen Weltherrschaft
a) Die Reichsbildung
b) Ägyptens Vorherrschaft in Palästina
c) Syrien erobert das Heilige Land
d) Rom zerstört die Absicht Antiochus d. Gr. auf Ägypten
e) Drangsale in Judäa
3. Antiochus IV. Epiphanes, ein Vorbild des kommenden letzten Königs des
vierten Weltreichs
a) Sein Aufkommen und seine Bedeutung
b) Seine List und seine Absichten
c) Des Volkes Gottes Niedergang
d) Des Antiochus Epiphanes Wirken in Ägypten
e) Neue Drangsale in Judäa
112
113
113
114
115
115
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120
120
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121
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Das Reich Gottes
-5-
f) Rom macht dem Syrerkönig Ägypten streitig
g) Die große Schmach des Volkes Gottes
h) Der Untergang des Syrerkönigs
i) Die vorbildlichen Drangsalstage
4. Judäa, Syrien und Ägypten bis zur römischen Weltherrschaft
a) Der Mangel an Heilserkenntnis in der nachprophetischen Zeit
b) Judäa unter Judas Makkabäus
c) Judäa unter Jonathan Makkabäus
d) Judäa unter Simon Makkabäus
e) Der Hohepriesterfürst Johannes Hyrkanus
f) Syriens Endgeschicke
g) Ägyptens Endschicksal, die römische Weltherrschaft
h) Judäas Niedergang
i) König Herodes der Große
k) Jesus Christus
123
124
124
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126
126
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128
128
129
129
130
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132
133
Die vierte Weltreichsherrschaft
Das „vierte Weltreich“, das „Volk Gottes“ und die „christliche Gemeinde“ im
Anfang der vierten Weltreichsherrschaft
134
1. Das vierte Weltreich im Bilde der eisernen Zähne und der zwei eisernen Schenkel 134
a) Das vierte Weltreich nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift
134
b) Das vierte Weltreich in der Zeit der Reichseinheit
137
2. Das Volk Gottes in der Zeit der eisernen Zähne und der zwei eisernen Schenkel des
vierten Weltreiches
139
a) Der Begriff „Volk Gottes“
139
b) Die Bedeutung von Gold, Silber, Erz und Eisen für den Ratschluß
Gottes mit seinem Volke
140
1. Der Traum Nebukadnezars
140
2. Die Bedeutung des „Goldes“ im ersten Weltreich Babylon
140
3. Die Bedeutung des „Silbers“ im zweiten Weltreich Medo-Persien
141
4. Die Bedeutung des „Erzes“ im dritten Weltreich Griechenland
142
5. Die Bedeutung des „Eisens“ im vierten Weltreich Rom
142
c) Das Südreich Juda im Anfang der vierten Weltreichsherrschaft
144
1. Das Südreich Juda und sein König Jesus Christus
144
2. Das Verhältnis zwischen dem vierten Weltreich und dem Südreich Juda
145
d) Die von Gott dem Volke Gottes gegebenen Verheißungen als Beweis
füdas Vorhandensein aller zwölf Stämme Israels in der ganzen Zeit der
vierten Weltreichsherrschaft
147
1. Notwendige Erkenntnis über das Nordreich Israel aus dem Worte
Gottes
147
2. Abraham, der Träger der göttlichen Verheißungen
148
3. Isaak, der Träger der göttlichen Verheißungen
151
4. Jakob, der Träger der göttlichen Verheißungen
152
5. Joseph, der Träger der göttlichen Verheißungen
154
6. Moses, der Träger der göttlichen Verheißungen
155
7. Josua, der Träger der göttlichen Verheißungen
157
8. Weitere Träger der göttlichen Verheißungen
159
e) Die Bedeutung des Volkes Israel für Gott
162
f) Gottes Stellung zum Volk Israel
163
g) Die Zerstreuung der zwölf Stämme Israels als Beweis für ihr Vor
handensein in der Zeit der vierten Weltreichsherrschaft
164
3. Die christliche Gemeinde in der Zeit der eisernen Zähne und der zwei eisernen
Schenkel des vierten Weltreiches
165
a) Das Volk Gottes, der Träger der christlichen Gemeinde
165
Das Reich Gottes
-6-
b) Die im Evangelium verheißene Reichsgottesherrschaft zur Zeit Jesu
und der Apostel
171
1. In Erwartung der Reichsgottesherrschaft
171
2. Die Verkündigung der wahren Reichsgottesherrschaft durch Jesus und
Johannes den Täufer
173
3. Die Reichsgottesherrschaft nach der Lehre der Erlösung
174
4. Der Unglaube des Volkes Gottes an den König der Wahrheit
176
5. Die Gerichtsandrohungen für den Unglauben an den König Jesus
Christus
178
6. Die Verkündigung des Evangeliums durch die Apostel
178
7. Die Wahrheit „in Christo Jesu“
183
8. Die erste Liebe und das Reich Gottes
183
c) Die verheißene Reichsgottesherrschaft in der Zeit der Gemeindeentwicklung
184
1. Die Reichsgottesherrschaft in der ersten Gemeinde zu Ephesus
184
2. Die Reichsgottesherrschaft in der zweiten Gemeinde zu Smyrna
191
3. Die Reichsgottesherrschaft in der dritten Gemeinde zu Pergamus
194
Das „vierte Weltreich“, das „Volk Gottes“ und die „christliche Gemeinde“ in der Mitte der
vierten Weltreichsherrschaft
198
1. Das vierte Weltreich im Bilde der sieben Häupter und der Füße
198
a) Die sieben Häupter nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift
198
b) West- und Ost-Rom - das erste und zweite Haupt
199
c) Spanien - das dritte Haupt
199
d) Das Frankenreich - das vierte Haupt
200
e) Das Römische Reich deutscher Nation – das fünfte Haupt
200
f) Großer Wendepunkt der Häupterbildung
201
g) England – das sechste Haupt
201
h) Deutschland – das siebente Haupt
202
2. Das Volk Gottes in der Zeit der sieben Häupter und der Füße des vierten
Weltreiches
203
a) Die Bedeutung des „Tones“ im vierten Weltreich Rom
203
b) Der Völkerseeweg des Volkes Gottes nach Westeuropa
206
1. Das Evangelium zeigt den Völkerseeweg nach dem Westen
206
2. Die Freundschaft mit see- und kriegstüchtigen Völkern führt Israel nach
Westeuropa
207
c) Der Völkerlandweg des Volkes Gottes nach Westeuropa
208
1. Der Völkerlandweg Israel-Germaniens
208
d) Der Segen Jakobs für Joseph und dessen Söhne Ephraim und Manasse
210
1. Die Bedeutung der Erstlingsstellung Josephs unter seinen Brüdern
210
2. Eingliederung Ephraims und Manasses zu Stammeshäuptern des
Volkes Gottes
212
3. Ephraim und Manasse sollen zwei große Reiche werden
213
4. Die Zeit der Erfüllung der Segensverheißungen Jakobs an Ephraim und
Manasse
214
e) Der Segen von Jakob und Mose über die übrigen elf Stämme Israels
217
3. Die christliche Gemeinde in der Zeit der sieben Häupter und der Füße des vierten
Weltreiches
222
1. Die Reichsgottesherrschaft in der vierten Gemeinde zu Thyatira
222
2. Die Reichsgottesherrschaft in der fünften Gemeinde zu Sardes
226
3. Das Verhältnis des vierten Weltreiches zum Volk Gottes bzw. zur
christlichen Gemeinde in der Zeit der sieben Häupter
229
Das Reich Gottes
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Die Urgeschichte
1. Der Menschheit Anfang
Die Urheimat des Menschen muß offenbar in Vorderasien, in nicht allzu großer
Entfernung von der Ebene Sinear, gesucht werden, wohin die Menschen nach der
Sündflut gezogen sind. Wir können den biblischen Bericht vom Garten in Eden oder
Garten Eden, in welchen Gott den ersten Menschen gesetzt hatte, nicht nur als die
Schilderung eines irdischen Landes betrachten, und zwar darum nicht, weil hiervon vieles
sinnbildlich verstanden werden muß. Wir würden auch den daselbst fließenden (Lebens?) Strom, welcher den Garten bewässert und sich hernach in die vier Stromanfänge
Pison, Gihon, Hiddekel und Euphrat teilt, geographisch nicht nachweisen können
(1.Mos.2,8-15).
Doch haben die ersten Menschen ihre Geschichte irgendwo auf Erden
begonnen. Da nun aber Euphrat und Tigris (Hebr. Chidekkel), heute noch die bekannten
Namen von zwei großen Flüssen sind, so können wir darin einen gewissen Anhaltspunkt
dafür sehen, daß die Wiege der Menschheit im Hochland Armeniens, wo diese zwei
Flüsse entspringen, gestanden haben muß.
Die Geschichte der beiden ersten Söhne Adams, der Brüder Kain und Abel, ist zu
bekannt, als daß sie hier noch besonders angeführt werden müßte. Weniger bekannt ist
aber die Tatsache, daß Abel sich durch sein blutiges Opfer als einen Sünder bezeugte
und dadurch eine aus Gnaden gewährte Glaubensrechtfertigung erwarb, ferner, daß Kain
eine solche Gnadenrechtfertigung von Gott nicht zu erlangen trachtete, sondern Gott im
Fleische wohlgefallen wollte. Wohl wurde Kain durch den Mord an seinem Bruder Abel
aufs schrecklichste aus dem Wahn seiner Fleischesvollkommenheit gerissen, doch
verwarf er immer noch die Möglichkeit, durch das rechte Opfer als gerechtfertigter Sünder
Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Er sagte:
„Meine Sünde ist zu groß, als daß sie mir vergeben werden könnte.“ (1.Mos.4,13;
Elb. Bib. Fußn.)
Darnach verließ Kain das Angesicht des Herrn und wohnte im Lande Nod (d.h.
Verbannung, Unsicherheit, Flüchtigkeit), östlich von
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Eden, woselbst er mit seinem Weibe, das eine Tochter Adams und Evas sein mußte,
Nachkommen erhielt (1.Mos.4,1-24; 5,1-4).
Der Herr schenkte Adam (= „Erde“) und Eva (= „Mutter der Lebendigen“) im dritten
Sohn Seth (= „Ersatz“) einen Ersatz für Abel (= „Hauch“, „Vergänglichkeit“), als Adam
130 Jahre alt war. Dem Seth wurde mit 105 Jahren ein Sohn Enosch (= „Mensch“,
„Sterblicher“, „geselliges Wesen“) geboren. In dieser Zeit begann man den Naen
Jehovas anzurufen, und der Gewaltlehreinfluss Kains scheint zurücktreten zu müssen
(1.Mos.4,25 bis Kap.5,3). Auf Seth folgen Kenan (= „Kind“ oder „Erzeugtes“), Mahalaleel (=
„Gott sei Ruhm“), Jared (= „Niederung“) und Henoch (= „Eingeweihter“) (1.Mos.5,6-20).
Dieser begann mit 65 Jahren, zur Zeit der Geburt seines ersten Sohnes, in der
Das Reich Gottes
-8-
Glaubensgerechtigkeit mit Gott zu wandeln, bis er durch den Glauben den Tod nicht
mehr sah und schließlich nach 300 Jahren von Gott hinweggenommen wurde, ohne daß
er starb (1.Mos.5,21-24; Hebr.11,5-6). Im 70. Jahr, nach Henochs Entrückung, wurde Noah (=
„Ruhe“), der zehnte nach Adam, geboren. Auf diesen setzten die Menschen ihre
Hoffnung; denn sein Vater Lamech sagte von ihm bei seiner Geburt:
„Der wird uns trösten ob unserer Hände Arbeit und Mühe, die von dem Erdboden
herrührt, den Gott verflucht hat!“ (1.Mos.5,25-29)
2. Die Sündflut
Der Lehreinfluß Kains und seiner Nachkommen hatte aber nach ungefähr einem bis
anderthalb Jahrtausend zur Zeit des Noah die gottesfürchtigen Menschen, die eine
Glaubensstellung zu Gott, wie Abel und Seth sie hatten, doch eingenommen, weil die
Söhne Gottes, die zu der Zeit auch unter Henochs Einfluß standen, mit den schönen
Töchtern der Menschen widergöttliche Ehen eingegangen waren, indem sie zu Weibern
nahmen, welche ihnen gefielen (1.Mos.6,1-2; vgl.Matth.24,37-39). Fraueneinfluß erreichte das,
was Henoch, der siebente nach Adam, noch abzuwehren vermocht hatte: die Menschen
wollten von nun an allesamt nur dem Fleische nach Gott wohlgefallen, so daß sie sich
über ihre sündige Art hinwegzutäuschen suchten und den Heilsplan Gottes, d.i. seinen
Ratschluß einer Gnadenrechtfertigung durch einen Schlangentreter, verwarfen
(1.Mos.3,15).
Was bedurften sie auch eines Schlangentreters, wenn sie nach ihrer Meinung
mit allem Sünden- und Schlangeneinfluß selbst fertig zu werden vermochten? Über diese
böse Einstellung und Selbsttäuschung der Menschen war Gott in seinem Herzen sehr
bekümmert, und es reute ihn, Menschen geschaffen zu haben, die so ihr gottgesetztes
Ziel verfehlten und in der Leugnung ihrer Fleischesschwäche erst recht ihren Lüsten
lebten (1.Mos.6,6). Da beschloß Gott, sie nach 120 Jahren, die er ihnen als Umkehrfrist
gegeben hatte, zu vertilgen, wenn sie sich in dieser Zeit nicht durch Noahs
Glaubenspredigt von ihrem Lehrirrtum überführen und von ihrer Bosheit abwenden ließen.
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Noah suchte und fand als einziger die Gnadenrechtfertigung vor Gott für den
sterblichen, sündigen Menschen und wurde so ein Herold der Glaubensgerechtigkeit
(1.Mos.6,1-12; Hebr.11,7; 2.Petr.2,5).
Als nun die Mitmenschen Noahs sich gegen sein
Heilszeugnis während der 120 Jahre nur um so mehr verhärteten, als ihm seine eigene
Rettung aus den kommenden Wasserfluten im Glauben gewiß wurde, obwohl er auch nur
ein Sünder war, da öffnete Gott (i.J.2481 v.Chr.) alle Wasserschleusen der Tiefe und
Höhe vierzig Tage lang, bis die Wasser alle Berge bedeckten und alles Lebendige auf
Erden vertilgten, was nicht in die von Noah erbaute Arche eingegangen war. Noah, seine
drei Söhne Sem, Ham und Japhet, sein Weib und die Frauen seiner Söhne, sowie von
allen unreinen Tieren je ein und von allen reinen je sieben Paar, - diese alle wurden
gerettet, als die Arche auf dem Gebirge Ararat im armenischen Hochland niederging zur
Zeit, da die Wasser sanken (1.Mos.6,13 bis Kap.8,18).
Also verdankt das heutige Menschengeschlecht sein Bestehen der Gnadenrechtfertigung unseres barmherzigen Gottes und der Glaubensgerechtigkeit eines Menschen.
Das Reich Gottes
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Nachdem Noah samt seinen drei Söhnen und seinem Weibe und den Weibern seiner
Söhne die Arche verlassen hatte, opferte er Gott von den reinen Tieren und empfing mit
dem Bundeszeichen des Regenbogens die Verheißung, daß Gott die Erde nicht mehr
durch Wasser überfluten lassen wolle (1.Mos.8,20 - 9,17).
Darauf legte Noah einen Weinberg an, trank von dem gewonnenen Wein, ward
betrunken und lag entblößt in seiner Hütte (1.Mos.9,20-21). Während nun sein jüngster Sohn
Ham die Blöße seines Vaters seinen Brüdern verriet, gingen die beiden älteren Brüder
Sem und Japhet rücklings hinein und deckten die Blöße ihres Vaters mit einem Kleide zu,
ohne sie zu sehen. So offenbarten die drei Söhne Noahs ihre Gesinnung, und darnach
fiel der Fluch und Segen Noahs aus, als er ihr Gebaren erfahren hatte. Er weissagte:
„Verflucht sei Kanaan! Er sei ein Knecht der Knechte seiner Brüder!
Gepriesen sei Jehova, der Gott Sems, und Kanaan sei sein Knecht!
Gott breite Japhet aus und lasse ihn wohnen in Sems Hütten, und Kanaan sei
sein Knecht!“ (1.Mos.9,22-27)
Kanaan war der vierte und jüngste Sohn Hams. Der Fluch über diesen begann sich
zu erfüllen, als das Volk Israel 1110 Jahre nach der Sündflut das Land Kanaan einnahm,
das von Milch und Honig fließt, und dabei die Nachkommen Kanaans größtenteils
ausrottete (Jos.12,1-13).
Aber auch der Segen, den Noah den älteren Söhnen, Sem und Japhet, verheißen
hatte, erfüllte sich. Sem, der älteste der drei Söhne Noahs (1.Mos.10,21), sollte nach
seinem Segen die innigste Verbindung mit
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Gott haben und wieder zu seinen zwei jüngeren Brüdern Japhet und Ham in der gleichen
Stellung sein, wie sie Noah zu seinem Hause hatte, indem er die Arche zur Rettung für
sein Haus baute.
Wenn Japhet, Sems jüngerer Bruder, sich ausbreiten und in Sems Hütten wohnen
soll, so muß Sem durch seine Hütten, die er seinem jüngeren Bruder bauen muß,
demselben auch sein Heil vermitteln. Zuletzt muß dieses Heil auch Kanaan - der den
beiden älteren Brüdern von Ham, Sem und Japhet, als Knecht dienen soll -, noch in
dieser dienenden Stellung zuteil werden.
Die verschiedene Gesinnung der drei Söhne Noahs und die Ordnung, wie sie ihre
Rettung erlangen, ist auch in den drei Stockwerken der Arche dargestellt, die Noah zur
Rettung seines Hauses bauen mußte (1.Mos.6,14-16).
Das oberste Stockwerk hatte, der geistigen Gesinnung Sems entsprechend, das
Fenster der Glaubenshoffnung der Rettung nach oben.
Das mittlere Stockwerk zeigt Japhets Ausbreitungsmöglichkeit, daß er durch das
Wohnen in Sems Hütten, durch die Verbindung, die Sem mit Gott hatte, auch mit ihm und
durch ihn gesegnet wurde, weil er selbst die Verbindung mit Gott im mittleren Stockwerk,
ohne Fenster nach oben, nicht so haben konnte, wie sein älterer Bruder Sem.
Das unterste Stockwerk zeigt die irdische Gesinnung des jüngsten der drei Brüder,
Ham, der gewiß in der Arche schon seinen Dienst in diesem untersten Stockwerk an den
Tieren gehabt hat. Diese irdische Gesinnung brachte Ham dann seinem betrunkenen
Vater gegenüber sehr stark zum Ausdruck.
Das Reich Gottes
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In diesem Lichte gesehen, wird der älteste dieser drei Brüder, Sem, mit seinem
reichsten Heilsbesitz für seine beiden jüngeren Brüder der Heilsvermittler dadurch, daß
das Volk Gottes und in dessen Mitte der „Retter Jesus Christus“ aus seiner Nachkommenschaft hervorgeht, so daß es sich auf diese Weise in Wahrheit erfüllt:
„Das Heil kommt von den Juden.“ (Joh.4,22)
3. Die Urvölkerwanderung
Von den drei Söhnen Noahs: Sem, Ham und Japhet, wurde die ganze Erde bevölkert
(1.Mos.9,18-19). Gott hat aus einem Blut das ganze Menschengeschlecht gemacht, daß es
auf dem ganzen Erdboden wohne, und er hat vorherbestimmt festgesetzte Zeiten und die
Grenzen ihrer Wohnung, daß sie Gott suchen sollten, ob sie ihn wohl spüren und finden
möchten (Apg.17,26-27; vgl.Jos.12,1-24).
Die Sündflut erfolgte i.J. 2481 bis 2480 n.chr., da Noah sechshundert Jahre alt war
(1.Mos.7,6.11; 8,13).
67 Jahre nach der Flut wurde Eber geboren, und damals zogen die neu
entstandenen Geschlechter gen (Süd-) Osten nach einer Ebene im Lande Sinear, denn
„Eber“ heißt
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„Übergang“ (über den Tigris! - ?) oder der „Jenseitige“ (1.Mos.11,2). In diesem Land
errichteten die Menschen den Babylonischen Turm, aber Gott der Herr zerstörte ihre
Absichten, mit denen sie dem göttlichen Ratschluß widerstehen wollten: er verwirrte ihre
Sprache. Da mußten sie den Weiterbau der gewaltigen Turmstadt, die sie als
Wahrzeichen zusammenhalten sollte, aufgeben; sie mußten sich trennen und wurden
über die ganze Erde in die ihnen von Gott zugewiesenen Länder zerstreut (1.Mos.11,3-9;
5.Mos.32,8; Apg.17,26).
Das war zur Zeit, da dem Eber der Peleg geboren wurde (2380);
denn in seinen Tagen wurde die Erde verteilt (1.Mos.10,25).
Sems Nachkommen bevölkerten hauptsächlich Kleinasien bis zum Persischen
Meerbusen, später aber auch Europa. Japhets Nachkommen zogen nach Innerasien,
nach Griechenland, nach den Mittelmeerinseln und nach Polynesien. Hams Nachkommen ließen sich in Afrika und Palästina und anderen Ländern nieder.
Nimrod (= „glänzendes Licht“), der gewaltige Jäger vor dem Herrn, war der letzte
Sohn des Kusch (= „der Schwarze“), also ein Enkel Hams, und lebte in der besten
Manneskraft, als die Menschen gen Osten zogen. Er erbaute wohl nicht nur die vier
Städte Babel, Erek, Akkad und Kalne, sondern war zweifellos auch der Baumeister oder
Bauherr des Babylonischen Turms. Er zog, als die Völker zerstreut wurden, oder
nachdem sie zerstreut worden waren, nach den Niederlassungen Assurs, um dort das
Geschlecht dieses Zweitgeborenen des Sem in weiteren vier von ihm errichteten Städten,
in Ninive, Rechobot-Ir, Kelach und Resen, unter seine Hand zu zwingen (1.Mos.10,6-12).
Das ist das große Vierstädtegebiet, in welchem Jona 1600 Jahre später einen nahe
bevorstehenden Untergang predigen mußte. Übrigens lagen die Länder der Söhne Sems:
Elam, Assur, Chaldäa, dieses mit den Nachkommen Arpakschads (Ur in Chaldäa war
ursprünglich die Hauptstadt und war die Heimat Abrahams), und Aram (Mesopotamien,
Syrien) verhältnismäßig nahe beieinander, und Assur lag in ihrer Mitte.
Das Reich Gottes
- 11 -
Die ältesten Kulturmittelpunkte der Welt
1. Sinear-Babylonien
Wenn auch die weltliche Geschichtsschreibung geneigt ist, der Kultur Ägyptens ein
höheres Alter zuzuschreiben als der Kultur jedes anderen Landes, so zeigt uns doch der
biblische Bericht einwandfrei, daß das Ausgangsland aller Völker und aller Kultur das
Land Sinear-Babel ist. Dieses Land liegt am Unterlauf der beiden Ströme Euphrat und
Tigris. Aus den Tontäfelchen, die bei Tel el Amarna vor einigen Jahrzehnten in Ägypten
ausgegraben worden sind, wissen wir, daß noch
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zur Zeit, da Israel in Kanaan einzog, die babylonische Sprache die amtlich geführte
Weltsprache war.
Zur Zeit Abrahams (um 2050 v.Chr.) lag die Vorherrschaft im Lande Sinear offenbar
in der Hand der Elamiter (vgl.1.Mos.Kap.14). Vielleicht erlangten nachher auch die Syrer
zeitweise daselbst die Vorherrschaft, denn von Kuschan-Rischataim (um 1320 v.Chr.) bis
zu ihrer Aufreibung durch die Assyrer (um 650 v.Chr.) bildeten sie eine Gefahr für Israel,
besonders in den letzten 200 Jahren, seit Juda und Israel sich mit ihm zu verbünden
suchten. Die syrische Vorherrschaft über den Osten zeigt sich später noch in der
Weltsprache des zweiten Weltreichs Medo-Persien (aramäisch = syrisch); die
Sprachunterschiede offenbarten sich schon zwischen Jakob und Laban, dem „Syrer“,
indem jeder dem von ihnen errichteten Steinwall seiner Volkssprache gemäß den Namen
gab (1.Mos.28,5; 31,47), und in der Herrscherzeit der Seleukiden (312-64 v.Chr.).
Die Assyrer gelangen im Nordosten von Palästina
(Assur ist, von Palästina aus gesehen, der Norden genannt (Zeph.2,13).
zu der Zeit zur Vorherrschaft, in welchen Israel (um 680) und Juda (um 652) gegen
Syriens vBedrängnis dem Reich Assyrien Bündnisse antrug.
Assyriens Vorherrschaft wurde 526 v.Chr. durch Pharao-Necho in der großen
Schlacht bei Karkemisch gebrochen. Ninive, die Hauptstadt, wurde zerstört. Die Chaldäer
in Babel erlangten nach dem göttlichen Willen die Vorherrschaft, als Hiskia in Juda sich
(um 627 v.Chr.) mit ihnen gegen Assur zu verbünden suchte. Dieses Volk gelangte unter
Nebukadnezar 525 v.Chr. zur Weltmachtstellung über alle Völker. Nebukadnezar war
Für die Ägypter war die Schlacht bei Karkemisch am Euphrat, am Ufer des Stromes Euphrat, der
Norden und das Land der Mitternacht (Jer.46,2.6.10).
Als durch Nebukadnezar das Gericht über Israel kam, brach er vom Norden und der Mitternacht
über sie herein (Jer.25,9; Hes.26,7). Das über das Volk Israel kommende Unglück kam durch die
nördlichen Königreiche (Jer.1,14-15; 4,6; 6,1; 25,26), durch ein Volk von Mitternacht (Jer.6,22;
13,20; 15,12), vom Land der Mitternacht (Jer.10,22). Die Fürsten von Mitternacht sind zusammen
mit den Zidoniern genannt (Hes.32,30).
Auch für die Philister und ihre Helfer von Tyrus und Sidon kommt ihr Feind vom Norden (Jer.47,12. 4).
Der Verwüster des Königreichs Babel war der Mederkönig, der wieder vom Norden, von Mitternacht kam (Jer.50,3.9.41).
Auch der Medo-Perserkönig hatte seinen Feind im Norden (Dan.8,4).
Später ist der Syrer für Ägypten, das Südreich, der König des Nordens (Dan.11,6-8.13).
Israel ist für lange Zeit im Norden, im Lande der Mitternacht, im Völkergefängnis und kehrt von dort
auch wieder in sein Heimatland zurück zu der Zeit, wenn Gott sein Gefängnis wendet (Jes.41,25;
43,6; Jer.3,12.18; 16,15; 23,8; 31,8; Sach.2,10; 6,6.8).
Israels schlimmster Feind ist am Ende, wenn er auch auf den Bergen Israels von Gott gerichtet
wird, Gog im Lande Magog, der Fürst von Rosch, Mesach und Tubal, zusammen mit Persern,
Äthiopiern, Libyern, Gomer und dem Land Togarma im äußersten Norden, wo der Götterberg ist
(Hes.38,1-6.15; 39,2; Jes.14,13). Es ist wieder Norden und Mitternacht (Dan.11,44; Joel 2,20).
Das Reich Gottes
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Aber auch der Sturmwind des Herrn kommt von Norden (Hes.1,4).
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der erste König des ersten der von Daniel geschauten vier Weltreiche. Die jeweilige
Vorherrschaft Babels und der anderen Völker gereichte aber bis zu Israels endgültigem
Fall zur Zeit Nebukadnezars dem Volk Gottes nicht zum Vorteil. Diese gottfeindlichen
Völker haben am Volke Gottes kein Erbarmen geübt. Babel ist die Zierde der Königreiche,
der Ruhm, der Stolz der Chaldäer, aber auch das Herz der Widersacher Gottes, das den
Herrschaftsanspruch über die von Gott gesetzten Heiligtümer erhebt, auch über
Jerusalem und das Volk Gottes (Jes.13,19; 14,13-14; Jer.51,1). Darum übt Gott am Ende der
Zeit das Gericht an Babel und den umwohnenden Völkern mit besonderer Strenge aus.
2. Ägypten
Ein anderer großer Kulturmittelpunkt war Ägypten und Äthiopien, besonders aber die
ägyptische Macht am Unterlauf des Nil am Nildelta. Wenn nach dem klaren Schriftzeugnis
die Völkerzerstreuung im Jahre 2380 v.Chr. erfolgte, so können wir vor dieser Zeit nicht
gut von einem geordneten Staatswesen und einer verbürgten Königsherrschaft eines
außerbabylonischen Landes reden, also auch nicht von Ägypten. Den Darstellern der
weltlichen Geschichte müßte es leicht sein, ihre unsicheren Jahresangaben über die
älteste Kultur Ägyptens an Hand der Heiligen Schrift zu berichtigen und zu befestigen.
Für die hohe Fruchtbarkeit des Landes sorgt der alljährlich weit über seine Ufer
tretende Nil, - der Regen ist dort selten; Ägypten war die Kornkammer der Alten Welt.
Nach Ägypten zogen Abraham (um 2051 v.Chr.) und Jakob (um 1839 v.Chr) zur Zeit
der Hungersnot, aber dem Isaak verwehrte Gott in einer Zeit der Teuerung dahinzuziehen (1.Mos.12,10; 46,1-7; 26,2). In Ägypten weilten die Israeliten 430 Jahre lang, und
daselbst wurden sie zu einem großen Volk (2.Mos.12,40-41; 4.Mos.1,44-47). Dort wurden sie
in den letzten Jahrzehnten vor ihrem Auszug sehr bedrückt (2.Mos.1,6-22), bis Gott sie um
1409 v.Chr. nach großen Wundern durch Mose aus Ägypten führte (2.Mos.6 bis 14). Da
ward Pharao samt seinem ganzen Heer gerichtet.
Wohl ist Ägypten das Diensthaus Israels und das Land der Knechtschaft für Israel
gewesen, doch durfte den Ägyptern die Aufnahme in die Gemeinde Gottes nicht verwehrt
werden; denn sie hatten an Israel dadurch Barmherzigkeit erwiesen, daß sie es als
Fremdlinge bei sich wohnen ließen (5.Mos.23,4-9; vgl.Matth.25,31-46). Gott führte die Ägypter
(und Äthiopier) auch zur Züchtigung seines Volkes nach Palästina, so um 890 und 861
v.Chr., gegen Juda. Aber das Gericht kam über Ägypten nicht mehr wegen einer an Israel
ausgeübten Härte, sondern darum, weil Juda und Israel bei ihm Hilfe suchten, die es zu
leisten zusagte und auch dazu imstande war gegen einen jeweilig übermächtig
auftretenden Feind, die es aber nicht leistete (Hes.29,1-10; 2.Kg.17,4; 18,21; 24,29-35; Jes.30,17; 31,1-3; 36,6-9; Jer.37,5-8). So hat Ägypten die Reiche Israel und Juda zum Widerstand
gegen Assur und Babel-Chaldäa ermutigt, aber nur darum, um
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sie durch ihr Versagen desto schlimmer zugrunde gehen zu lassen. Ägypten war dem
Volke Gottes ein Rohrstab, der zerbrach und ihm die Schulter durchbohrte, sobald es
sich auf ihn zu stützen suchte. Darum wurde Ägypten die Herrschaft über die Völker
Das Reich Gottes
- 13 -
genommen (Hes.29,11-16). Es ist ein stillsitzendes, prahlendes Ungetüm genannt, ein
(Kriegs-) Lärmer, der die zur Rettung bestimmte Frist verstreichen läßt (Jes.30,7; Jer.46,17).
Ägypten versagt in der Hilfe für Juda auch gegen die syrischen Seleukiden (312-64
v.Chr.) und gegen das Vordringen Roms in Palästina (64-30 v.Chr.). Darum tritt es 30
v.Chr. als selbständiges Staatswesen vom Schauplatz der Geschichte ab; es gewinnt
nach dem prophetischen Zeugnis erst am Ende dieses Zeitalters wieder eine gewisse
Bedeutung. Wenn wiederum alle Völker gerichtet werden, und zwar zum Zweck der
Aufrichtung des tausendjährigen Reichs, dann wird Gott auch die Ägypter erretten. Die
Ägypter werden im Bund mit den Assyrern Jehova dienen, und Israel wird sich als Drittes
zu Ägypten und Assur gesellen, um mit ihnen ein Segen inmitten der ganzen Erde zu
sein (Jes.19,18-25).
3. Kanaan
Der dritte Kulturmittelpunkt ist das Land Kanaan, an der Westküste vom Mittelländischen Meer, als ein Land, worin Milch und Honig fließt. Von hier aus konnte sowohl das
Land Hams, d.i. Ägypten (Ps.78,51; 105,23.27; 106,22), als auch Kleinasien beherrscht
werden. Tatsächlich lautet Gottes Verheißung an Israel, daß es das Land Kanaan ererben
soll, und seine Grenzen sollen gehen „von Meer zu Meer“, d.h. vom Mittelländischen
Meer bis zum Roten Meer, und vom Bach Ägyptens bis zum Strom Euphrat (2.Mos.23,31;
4.Mos.34,1 ff; Joh.15,1 ff; 1.Kg.4,21.24; 8,65; 2.Kg.24,7; 2.Chr.7,8; Ps.72,8; 80,12; Jes.11,15; 27,12;
Sach.9,10).
Der Besitz des Landes Palästina war in alter Zeit immer der Schlüssel zur
Weltherrschaftsstellung. – Die Israeliten gelangten erst i.J. 1369 v.Chr. ins Land Kanaan,
um es dann teilweise zu erobern und die Kanaaniter vor sich her auszurotten.
Die Kanaaniter (Kanaan heißt Händler- oder Krämervolk) (vgl.Jes.23,8; Zeph.1,11;
Sach.14,21; 1.Mos.10,6.15) und die von ihnen herstammenden Küstenbewohner der Sidonier
und Phönizier sind Nachkommen Hams und ein ausgesprochenes Handels- und
Seefahrervolk. Sie gründeten die Welthandels- und Weltherrschafts-Seestädte Sidon und
Tyrus an der Küste des eigenen Landes, besetzten die Inseln Rhodos und Cypern, die
ihnen von den Griechen später wieder abgenommen wurden, gründeten
Handelsniederlassungen an vielen Küsten, schufen Kolonien auf den großen Inseln
Sizilien und Sardinien und legten sich im Hafen von Melite (= Malta) fest; sie gründeten
Utikah und Karthago, an der Nordküste Afrikas, und machten Gades (Cadix) und Tarsis,
an der Südwestküste Spaniens am Atlantischen Ozean, zum Stützpunkt weiter
Weltmeerfahrten.
In je dreijähriger Seefahrt holten die Tarsisschiffe Salomos, unter Führung seekundiger Phönizier, 420 bzw. 450 Talente Gold von Ophir im Werte von etwa 60 Millionen
Mk. Und Edelsteine und
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Sandelholz (1.Kg.9,26-28; 10,11; 2.Chr.8,17-18). Dieses Ophir suchte man bisher an der
Westküste Arabiens, aber auch in Ostarabien, in Ostafrika und in Indien, schon darum,
weil Ezjon-Geber, die Schiffswerft Salomos, im nördlichsten Zipfel des Roten Meeres
(des Schilfmeeres) liegt. Die große Seltenheit und Kostbarkeit der Ophirschätze (Jes.13,12;
Das Reich Gottes
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und die wohlvorbereitete und jahrelang währende Seereise weist aber auf ein
viel ferneres Land hin. Es ist nämlich ausdrücklich gesagt, daß die Weltmeerschiffe
Ps.45,10)
Salomos nach Tarsis liefen (2.Chr.9,21), und daß die Schiffe, die König Josaphat zum
Einbringen von Ophirschätzen in Ezjon-Geber hatte bauen lassen, daselbst scheiterten
und nicht nach Tarsis fahren konnten (2.Chr.20,35-37). Also müssen wir auch das Goldland
Ophir im fernen Westen suchen. Die neuerbauten Tarsisschiffe umfuhren sehr
wahrscheinlich ganz Südafrika und konnten von der Westküste Afrikas sehr bald die
Ostküste Südamerikas erreichen, die beide voneinander nur 2000 Kilometer entfernt sind,
also nicht weiter als Tyrus von Spanien.
Der Amazonenstrom in Südamerika wurde da, wo er Peru durchfließt, in alter Zeit
„Fluß Salomos“ genannt. Man stößt auch etwa 1700 Kilometer von der Mündung dieses
Stromes aufwärts auf einer Felseninsel des Rio Negro auf uralte Felsenzeichnungen,
welche Schiffe, Galeeren, darstellen. - Die Priester der Inkas berichteten bei der
Eroberung des Landes durch die Spanier von groß gewachsenen Fremdlingen, die über
den großen Teich gekommen waren, das Land eroberten, Tempel und Pyramiden
bauten, höhere Kultur einführten, aber durch Erdbeben, Kriege und Pestkrankheit wieder
allmählich vernichtet wurden. Diese Fremdlinge, „Chimos“ genannt, glichen aber nicht
den Inkas, sondern den Phöniziern oder den Semiten, und die in Peru gefundenen
Abbildungen der Götter glichen solchen, die man auch in Karthago ausgegraben hat.
Peru war aber früher auch so reich an Gold, daß man daselbst den Wert des Goldes gar
nicht kannte. Demnach lag möglicherweise das goldreiche Ophir im Innersten
Südamerikas, - und der Spanier Ruhm ist nicht größer, als der Salomos und der Phönizier
und der Vorväter des Menschengeschlechts.
Ist die ganze Menschheit aus einem Geschlecht (Apg.17,26; 1.Mos.3,20), dann ist der
Seeweg nach Amerika wohl auch schon bald nach der Völkerzerstreuung gefunden
worden; denn bereits Hiob, der noch vor Moses gelebt haben muß,
Eliphas, der Temaniter, Hiobs Freund, Nachkomme von Esau, redet von der Temaniter Weisheit.
Teman ist wieder eines andern Eliphas Sohn (1.Mos.36,4.10-12.15-16.34; Hi.2,11; 15,18;
1.Chr.1,35-36; Jer.49,7.20; Hes.25,13; Am.1,12; Ob.9). Bildad, der Schuchiter, stammt von dem
Geschlechte Schuach (Schuch), der Abrahams Sohn von der Ketura ist (1.Mos.25,2; 1.Chr.1,32).
Uz ist ein Sohn Disans, ein Nachkomme der Horiter, die von Esaus Nachkommen ausgerottet
wurden. Das Land Uz, Hiobs Heimat, ist deshalb in Edom (1.Mos.10,23; 36,28; 5.Mos.2,12.22;
Klagel.Jer.4,21). Hiob muß darum in der Zeit Esaus und seiner Söhne gelebt haben; denn Eliphas,
der Sohn Esaus, besuchte ihn, und nachher lebte Hiob noch 140 Jahre (Hi.42,16).
nannte „Ophirgold“ sein eigen (Hi.22,24; 28,16), und Gott selbst hat
Seite 10
den Völkern die ganze Erde zum Wohnort zugewiesen und ihnen ihr Erbteil bestimmt und
Grenzen festgelegt, aber auch Zeiten bestimmt, daß er sie durch sein Volk, als dem
Heilsträger für alle Völker, zur bestimmten Zeit wieder zu finden und zu erreichen
vermöchte (1.Mos.11,4.8; 5.Mos.32,7-9; Apg.17,26-27).
Daß die Tarsis- oder Weltmeerschiffe schon frühzeitig die Küstenländer der Nord- und
Ostsee und die großen Inseln Irland und Britannien erreicht haben, bedarf wohl keiner
besonderen Begründung. Daselbst holten sie sich Silber, Eisen, Zinn, Blei und Bernstein
(vgl.Hes.27,12.25).
Es sei aber hier gleichzeitig mit darauf hingewiesen, daß das spätere
Das Reich Gottes
- 15 -
Nordreich Israel unter Ephraims und Dans Leitung der Weltmeerschiffahrt sehr bald
kundig war und Juda von ihm lernen wollte (vgl.2.Chr.20,35-37; Rich.5,17).
Wir müssen uns immer wieder die erstaunliche Lebenskraft der Menschheitsvorväter
vor Augen stellen, um ermessen zu können, welcher gewaltigen geistigen und
körperlichen Tatkraft sie fähig waren, einer Tatkraft, die sie zweifellos leicht in den Stand
setzte, Weltmeere zu überqueren und rasch eine hohe Kulturstufe zu erreichen; nach
1.Mose Kapitel 11 und 12 lebte Noah noch mit Abraham 58 Jahre; Sem überlebte
Abraham sogar um 33 Jahre, Arpakschad lebte mit Abraham 148 Jahre, Eber lebte 64
Jahre länger als Abraham und Peleg lebte mit Abraham 46 Jahre. Ganz gewiß war Noah
ein ausgezeichneter Lehrer der Schiffbaukunst für Weltmeerschiffe.
_______________
Israel, das auserwählte Volk Gottes
1. Die Berufung Abrahams zum Vater des Volkes Gottes
Von den drei Söhnen Noahs, Sem, Ham und Japhet, war Sem nicht nur der älteste,
sondern auch der gesegnetste Sohn (1.Mos.5,32; 9,24; 10,21; 9,26). Ihm war die erste
Stellung im Segen Noahs verheißen, und darum finden wir gerade unter seinen Nachkommen die heftigsten Kämpfe um die Vorherrschaft in der Welt.
Sems ältester Sohn war Elam, der Vater eines sehr tapferen Volkes (1.Mos.10,22;
Jes.21,2 Luth.)
Der zweite Sohn Sems war Assur, der Vater eines kriegerischen und grausamen
Volkes (Jes.10,13 und 14; 52,4; Jer.6,23; Hab.1,6-11).
Der dritte Sohn Sems war Arpakschad, der Vorvater des Verheißungsträgers
Abraham (1.Mos.10,21-31).
Terach, der Vater Abrahams, wanderte mit seiner ganzen Familie aus Ur in Chaldäa
nach Haran in Mesopotamien. Hier mußte Abraham seine väterliche Familie und seine
übrige Verwandtschaft nach
Seite 11
Gottes Weisung im Glauben verlassen und auf Gottes Wort hin ins Land Kanaan ziehen,
ohne zu wissen, wohin er komme. Um seines Glaubensgehorsams willen verhieß Gott
ihm eine große Nachkommenschaft und das Land Kanaan ihm und seinen Nachkommen
zum ewigen Erbe, unter der Voraussetzung, daß sie „Recht und Gerechtigkeit üben“
(1.Mos.11,31; 12,8; Kap.15; 17,4-8.15-22; 18,18-19, Elb.; 22,16-18).
Die Heilige Schrift sagt darüber:
„Der Herr sprach zu Abram: Geh aus von deinem Land und von deiner Verwandtschaft und von deines Vaters Hause in das Land, das ich dir zeigen will! So will
ich dich zu einem großen Volk machen und dich segnen und dir einen großen
Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen,
und verfluchen, die dir fluchen; und durch dich sollen alle Geschlechter auf Erden
gesegnet werden! – Da ging Abram, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot
ging mit ihm; Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, da er von Haran auszog.
Und Abram nahm sein Weib Sarai und Lot, seines Bruders Sohn, samt aller ihrer
Habe, die sie erworben, und den Seelen, die sie in Haran gewonnen hatten; und
sie zogen aus, um ins Land Kanaan zu gehen. Und als sie ins Land Kanaan
kamen, durchzog Abram das Land bis zur Ortschaft Sichem, bis zur Eiche Moreh;
Das Reich Gottes
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und damals waren die Kanaaniter im Lande. Da erschien der Herr dem Abram
und sprach: ‘Deinem Samen will ich dies Land geben!’ Und er baute daselbst
einen Altar dem Herrn, der ihm erschienen war. Von da rückte er weiter vor aufs
Gebirge, östlich von Betel, und schlug sein Zelt also auf, daß er Betel im Westen
und Ai im Osten hatte; und er baute daselbst Jehova einen Altar und rief den
Namen Jehovas an.“ (1.Mos.12,1-8)
Und bei einer späteren Gelegenheit spricht der Herr:
„Sollte ich dem Abraham verbergen, was ich tun will, da Abraham gewiß ein
großes und starkes Volk werden soll und alle Völker auf Erden in ihm sollen
gesegnet werden? Denn ich habe ihn dafür erkoren, daß er befehle seinen Kindern und seinem Hause nach ihm, des Herrn Weg zu halten und zu tun, was recht
und billig ist; daß der Herr auf Abraham bringe, was er ihm verheißen hat.“
(1.Mos.18,17-19)
Unter diesem „Tun, was recht und billig ist“, das „Menge“ u.a. mit „Gerechtigkeit und
Recht zu üben“ übersetzt, müssen wir das „Üben der Glaubensgerechtigkeit“ verstehen,
wie Abraham sie selbst übte und worauf Gott seine Verheißungen zusicherte
(vgl.Hes.18,5.19.21.22.27; 33,14.16.19; 1.Joh.2,29; 3,7.10; Offb.22,11) .
Eine in das Land Kanaan einbrechende Hungersnot zwang aber Abraham bald nach
seinem Einzug ins verheißene Land, mit den Seinen nach Ägypten zu ziehen. Daselbst
gelangte er zu großem Reichtum (1.Mos.12,9-20).
Seite 12
Nach seiner Rückkehr ins Land Kanaan mußte Abraham sich von Lot, seinem Neffen,
wegen Hirtenstreitigkeiten trennen und Lot erwählte sich die Städte des fruchtbaren
Jordantales, bis er schließlich sein Nomadenleben ganz aufgab und in der gottlosen Stadt
Sodom Wohnung nahm. Gott aber erneuerte dem Abraham die Verheißung betreffs des
Landes (1.Mos.13).
Damals entstand ein großer Krieg, der vielleicht ein Drittel der damals bekannten
Völkerwelt in Mitleidenschaft zog.
Dem König von Elam, dieses kriegerischen, fast unbesiegbaren Volkes, das an den
Mündungen des Euphrat und Tigris wohnte, sind die fünf Könige von Sodom, Gomorra,
Adama, Zeboim und Bela (d.i. Zoar) zwölf Jahre lang untertan gewesen, dann aber
abgefallen. Darum überzog der König von Elam, im Bund mit den Königen von Sinear,
Ellasar und Gojim, die syrophönizischen Länder mit Krieg und schlug die Rephaiter zu
Astarot-Karnaim, die Susiter zu Ham und Emiter in der Ebene Kirjataim und die Horiter
auf dem Gebirge Seir bis nach El-Paran an der Wüste; von dort wandten sie sich gegen
Mischpat, d.i. Kadesch, und schlugen die Bewohner des Landes, das später den
Amalekitern gehörte, und dazu die Amoriter, die zu Hazezon-Tamar wohnten, und
verheerten deren Länder. Nach diesem großen Sieg der vier Könige vom Euphrat rafften
sich die fünf Könige von Sodom, Gomorra, Adama, Zeboim und Bela (Zoar) auf und
zogen ins Tal Siddim, wo viele Asphaltgruben sind, gegen die vier Könige von Osten.
Aber die Sieger von vorhin schlugen auch die fünf Könige in die Flucht, beraubten Sodom
und Gomorra und nahmen Lot mit (1.Mos.14,1-12).
Da trat Abraham, als ein Mann Gottes, auf den Plan. Er jagte mit der sehr geringen
Zahl von 318 Knechten den großen Siegern nach, überfiel sie bei Nacht, schlug sie,
verfolgte sie bis weit über Damaskus hinaus, entriß ihnen Lot und brachte reiche Beute
Das Reich Gottes
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mit (1.Mos.4,13-16). - Daß dieser Sieg, der mit dem späteren Sieg Gideons über die Philister
zu vergleichen ist, ein Sieg durch den Glauben war, geht schon daraus hervor, daß der
von der „Schlacht der Könige“ zurückkehrende Abraham dem König Melchisedek von
Salem, einem Priester Gottes, des Allerhöchsten, dem König der (Gottes-) Gerechtigkeit
und des Friedens, den Zehnten von der Beute gab. Melchisedek war Abraham mit Brot
und Wein entgegengegangen und hatte ihn gesegnet (1.Mos.14,18-20; Hebr.7,1-3).
2. Abrahams erste Glaubensrechtfertigung
„Nach diesen Geschichten begab es sich, daß des Herrn Wort an Abram im
Gesichte also erging: ‚Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild; dein Lohn ist
sehr groß!‘ Abram aber sprach: ‚O Herr Jehova, was willst du mir geben, da ich
doch kinderlos dahingehe, Erbe meines Hauses aber dieser Elieser von Damaskus ist?‘ Und Abram sprach weiter: ‚Siehe, du hast mir keinen Samen gegeben,
und siehe, ein Knecht, der in
Seite 13
meinem Hause geboren ist, soll mein Erbe sein!‘ Aber des Herrn Wort geschah
zu ihm: ‚Dieser soll nicht dein Erbe sein, sondern der von dir selbst kommen wird,
der soll dein Erbe sein!‘ Und er führte ihn hinaus und sprach: ‚Siehe doch gen
Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst!‘ Und er sprach zu ihm:
‚Also soll dein Same werden!‘ Und Abram glaubte dem Herrn, und das rechnete
er ihm zur Gerechtigkeit. Und er sprach zu ihm: ‚Ich bin Jehova, der ich dich von
Ur aus Chaldäa ausgeführt habe, daß ich dir dieses Land erblich zu besitzen
gebe.‘ Abram aber sprach: ‚Herr Jehova, woran soll ich merken, daß ich es
erblich besitzen werde?‘ Und er sprach zu ihm: ‚Bringe mir eine dreijährige Kuh
und eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen Widder und eine Turteltaube und
eine junge Taube.‘ Und er brachte solches alles und zerteilte es mitten
voneinander und legte je eine Hälfte der andern gegenüber. Aber die Vögel teilte
er nicht. Und es fielen Raubvögel über die Opfer her, aber Abram verscheuchte
sie. Da nun die Sonne sich anfing zu neigen, fiel ein tiefer Schlaf auf Abram, und
siehe, Schrecken und große Finsternis überfiel ihn. Da ward zu Abram gesagt:
‚Du sollst für gewiß wissen, daß dein Same fremd sein wird in einem Lande, das
nicht ihm gehört, und daselbst wird man sie zu dienen zwingen und demütigen
vierhundert Jahre lang.‘ Aber auch das Volk, dem sie dienen müssen, will ich
richten; darnach sollen sie mit großer Habe ausziehen. Und du sollst im Frieden
zu deinen Vätern hinfahren und in gutem Alter begraben werden. Sie aber sollen
im vierten Zeitalter wieder hierher kommen; denn das Maß der Sünden der
Amoriter ist noch nicht voll. Als nun die Sonne untergegangen und es finster
geworden war, siehe, da war es wie ein rauchender Ofen, und eine Feuerfackel
fuhr zwischen den Stücken hin. An dem Tage machte der Herr mit Abram einen
Bund und sprach: ‘Deinem Samen habe ich dieses Land gegeben, vom Fluß
Aegyptens bis an den großen Strom, den Euphrat; die Keniter, die Kenisiter, die
Kadmoniter, die Hetiter, die Pheresiter, die Rephaiter, die Amoriter, die
Kanaaniter, die Girgasiter und die Jebusiter.‘“ (1.Mos.15,1-21)
Weil nun Sarai trotz dieser Verheißung immer noch unfruchtbar blieb, darum gab sie
ihrem Mann Abraham ihre Magd Hagar zur zweiten Frau. Hagar gebar ihm den Sohn
Ismael (= Gott hört), der sich aber schon im Knabenalter als ein Spötter erwies.
Nun war dem Abraham in der Verheißung der Nachkommenschaft auch der Christus
verheißen worden, das ist der schon dem Adam verheißene Schlangentreter (1.Mos.3,15),
wie uns der Apostel Paulus kundtut.
„Nun sind dem Abraham die Verheißungen zugesprochen und seinem Samen. Es
heißt nicht: ‚und den Samen‘, als von vielen, sondern als von
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Das Reich Gottes
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einem, nämlich ‚Deinem Samen‘, welcher ist Christus.“ (Gal.3,16)
Also darum wurde ihm sein Glaube nicht schon mit fünfundsiebzig Jahren, sondern
erst dann zur Gerechtigkeit gerechnet, als er neben der Verheißung eines natürlichen
Nachkommen (Isaak) auch noch die bestimmte Verheißung des Christus für sich festhielt.
Das war offenbar der Lohn Abrahams, daß er über den Fluch der Unfruchtbarkeit und
Leibeserstorbenheit hinaus den göttlichen Samen suchte, der den Menschen rechtfertigt
(Mal.2,15 Min.-Bib. m. Anm.). Dieser Ausblick auf ein Vorbild des ihm verheißenen Christus
ließ ihn erkennen, daß der verheißene Same ähnlich dem schon den ersten Menschen
verheißenen „Weibessamen“ unmöglich der Same einer natürlichen Zeugungs- und
Empfängnisfähigkeit sein konnte, und darum lernte er absehen von Ismael und lernte
geduldig, standhaft weiterharren auf den wahren Samen der Verheißung.
3. Abrahams zweite Glaubensrechtfertigung
Als Abraham neunundneunzig Jahre alt war, erschien der Herr ihm nochmals,
erneuerte ihm die gegebene Verheißung und den Bund mit ihm, änderte seinen Namen
„Abram“ = „hoher Vater“ in „Abraham“ = „Vater einer Menge“ und den Namen seines
Weibes Sarai in „Sara“ = „Fürstin“ und forderte hierbei „als Siegel des Glaubens
Abrahams“ die Beschneidung seines ganzen Hauses und aller seiner männlichen
Nachkommen (1.Mos.17-18; Röm.4,11-12).
Von dieser Zeit sagt Paulus uns im Römerbrief:
„Ich habe dich (Abraham) zum Vater vieler Völker gesetzt‘ – vor dem Gott, dem er
glaubte, welcher die Toten auferweckt (wörtl. ‘lebendig macht’) und dem ruft, was
nicht ist, als wäre es da. Er hat gegen alle Hoffnung auf Hoffnung geglaubt, daß er
ein Vater vieler Völker werde, wie zu ihm gesagt worden war: ‚Also soll dein
Same sein!‘ Und er ward nicht schwach im Glauben, also daß er seinen schon
erstorbenen Leib in Betracht gezogen hätte, weil er schon hundertjährig war, auch
nicht den erstorbenen Mutterleib der Sara; er zweifelte nicht an der Verheißung
Gottes durch Unglauben, sondern ward stark, indem er durch den Glauben Gott
die Ehre gab und völlig überzeugt war, daß, was Gott verheißen habe, das sei er
auch mächtig zu tun. Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.“
(Röm.4,3.17-22)
Abrahams sofort einsetzender Glaube an die Verheißung eines Sohnes von der Sara
ermutigte ihn, beim Herrn für das dem Untergang geweihte Sodom Fürbitte einzulegen,
besonders aber für Lots Errettung vor Sodoms und Gomorras Untergang (1.Mos.18,16 19,29). Immerhin fürchtete Abraham noch um sein Leben zu Gerar bei den Philistern, doch
der Herr gab ihm Gnade vor König Abimelech (1.Mos.20).
Seite 15
Auf Betreiben von Sara sollte Abraham den Ismael, den Sohn der Hagar, austreiben,
weil Ismael Mutwillen trieb. Das tat Abraham erst auf Gottes Geheiß, und dadurch wurde
eine bestimmte göttliche Ordnung in besonderer Weise offenbar, auf die der Apostel
Paulus im Galaterbrief hinweist (Gal.4,21-30).
4. Abrahams dritte Glaubensrechtfertigung
Durch Gottes Bestätigung der Worte der Sara:
Das Reich Gottes
- 19 -
„Treib diese Magd mit ihrem Sohne aus! Denn der Sohn dieser Magd soll nicht
erben mit meinem Sohn Isaak!“ (1.Mos.21,10),
mußte Abraham immer mehr erkennen, daß der Mensch nur durch den Glauben
gerechtfertigt und Erbe der Verheißung wird. Aber seine Glaubensvollendung war das
noch nicht, als er glaubte, daß Gott ihn und Sara, als „Erstorbene“, wieder zur natürlichen
Zeugungsfähigkeit „lebendigmache“ (Röm.4,17-22 Elb.u.a.). Die Vollendung des Glaubens
erreichte Abraham erst, als er seinen Sohn Isaak Gott zum Opfer darbrachte in der
Überzeugung, daß Gott den Isaak nur darum zum Opfer begehre, damit er ihn, - weil das
Verwesliche des Ruhmes, d.i. der Herrlichkeit Gottes, ermangelt, - unverweslich
auferwecke; denn nur an einem lebendigen Isaak konnten sich die noch ausstehenden
Verheißungen erfüllen. Über den Glauben Abrahams zu dieser Zeit sagt uns der
Schreiber des Hebräerbriefes:
„Durch Glauben hat Abraham den Isaak dargebracht, als er versucht wurde, und
opferte den Eingeborenen, er, der die Verheißungen empfangen hatte, zu welchen gesagt worden war: ‘In Isaak soll dein Same genannt werden.’ Denn er
bedachte, daß Gott mächtig sei, auch aus Toten zu erwecken, weshalb er ihn
auch ähnlich einem solchen wieder erhielt.“ (Hebr.11,17-19)
Und Jakobus nennt dieses Glaubenswerk schlechthin „die Werke“, die den Glauben
vollenden, indem er schreibt:
„Ward nicht Abraham, unser Vater, durch Werke gerechtfertigt, als er seinen
Sohn Isaak auf dem Altar opferte? Da siehst du doch, daß der Glaube mitgewirkt
hat zu seinen Werken und daß der Glaube durch die Werke vollendet wurde; und
so erfüllte sich die Schrift, die da spricht: ‘Abraham hat Gott geglaubt, und das
wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet’, und er ist ein Freund Gottes genannt
worden.“ (Jak.2,21-23)
Moses selbst schreibt über die Vorgänge auf dem Berge Morija:
„Als sie an den Ort kamen, den Gott ihm genannt hatte, baute Abraham daselbst
einen Altar und legte das Holz ordentlich darauf, band seinen Sohn Isaak und
legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Und Abraham streckte seine Hand aus
und faßte das Messer, seinen Sohn zu schlachten. Da rief ihm
Seite 16
der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham! Und er antwortete: Siehe, hier bin ich! Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und
tue ihm nichts; denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest und hast deinen einzigen
Sohn nicht verschont um meinetwillen! Da hob Abraham seine Augen auf und sah
hinter sich einen Widder mit seinen Hörnern in den Hecken verwickelt. Und Abraham ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer anstatt seines Sohnes. Und Abraham nannte den Ort ‚Jehova sieht darein!’ So daß man
noch heute sagt: ‚Auf dem Berge, da Jehova erscheint!‘ Und der Engel des Herrn
rief dem Abraham zum zweiten Mal vom Himmel und sprach: ‚Ich habe bei mir
selbst geschworen‘, spricht der Herr, ‚weil du solches getan und deines einzigen
Sohnes nicht verschont hast, daß ich dich gewiß segnen und deinen Samen
mächtig mehren will wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Rande des
Meeres. Und dein Same soll die Tore seiner Feinde besitzen, und in deinem
Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden, dafür daß du meiner
Stimme gehorcht hast!“ (1.Mos.22,9-18)
Neben der Beachtung der Glaubensvollendung Abrahams erkennen wir auch, daß
Isaak, der Sohn Abrahams, als Verheißungsträger mitsamt dem aus ihm hervorgehenden
Volk Jakob-Israel geradezu zwiefach aus den Toten zum Leben bestimmt war, und das
Das Reich Gottes
- 20 -
hat auch seine wichtige Bedeutung für das ganze Volk Gottes in aller noch folgenden
Zeit.
5. Isaak
Auch Isaaks Stärke lag in Gott, und darum war in seinem Herzen Zuversicht.
Abraham hatte für Isaak eine Tochter aus seiner in Mesopotamien zurückgebliebenen
Verwandtschaft zur Frau bestimmt. Das war Rebekka, und sie gebar ihm Zwillinge, die
schon vor ihrer Geburt bestimmte Weissagungen und Verheißungen Gottes empfingen;
der Herr sagte ihr:
„Zwei Völker sind in deinem Schoß, und zwei Stämme werden sich aus deinem
Innern scheiden, und ein Volk wird dem andern überlegen sein, und der Ältere
wird dem Jüngeren dienen.“ (1.Mos.25,23)
Auch hierin offenbarte Gott eine bestimmte Heilsordnung, die an anderer Stelle näher
erklärt ist (Mal.1,3; Röm.9,10-13). Weil aber in Isaaks Herzen Zuversicht war, darum wurde er
nicht müde, die Brunnen Abrahams wieder aufzugraben, welche die Philister
verschütteten; er grub zwei neue Brunnen, über denen die Philister zankten, und grub
einen dritten, bei dem er Ruhe fand (1.Mos.26,15-22; vgl.Ps.84,6-7). Darauf zog er in sein
Land zurück, das er wegen der Teuerung verlassen hatte, grub den Brunnen Beer-Seba,
und Gott erschien ihm zum zweiten Mal, um seinen Bund mit Abraham zu bestätigen.
Seite 17
Wenn auch, wie seine natürlichen Augen, die Augen seines Herzens in seinem Alter
so dunkel geworden waren, daß ihm das Unterscheidungsvermögen dafür abging,
welcher von seinen beiden Zwillingssöhnen der von Gott Erwählte war, so ließ er doch
„gesegnet sein, was gesegnet ist“, und Gott bekannte sich zu ihm als „der Gott
Abrahams, Isaaks und Jakobs“, woraus wir ersehen können, daß er an den Gott glaubte,
der die Toten auferweckt (1.Mos.27,33; 2.Mos.3,6; Matth.22,31-32; Mark.12,26-27; Luk.20,37-38).
6. Jakob-Israel
Jakob heißt „Überlister“, und das ganze Volk Jakob ist schon von Mutterleib an ein
„Übertreter“ genannt (1.Mos.27,35-36; Jes.48,8). Schon bei seiner Geburt hielt er seines
Bruders Ferse fest, und in der Teuerung brachte er als Mann seinen Zwillingsbruder Esau
um das Erstgeburtsrecht, das dieser um ein rotes Linsengericht preisgab und damit
verachtete (1.Mos.25,26 - 26,1). Da nun aber Jesus als Auferstandener der Erstgeborene
von den Toten ist, so erkennen wir daraus, daß Esau im Grunde genommen den Glauben
seiner Väter verachtete, auf dem die Verheißung ruhte, nämlich den
Auferstehungsglauben Abrahams, und dadurch machte er sich gemein (Kol.1,18;
Hebr.12,16).
Das alles zeigt schon die göttliche Ordnung, daß der ältere Bruder, der die Geburt
nach dem Fleische darstellt, dem jüngeren, der die Geburt nach dem Geist, aus Gott
vorschattet, dienen soll. Das Fleisch soll dem Geist dienen, weshalb der Herr schon vor
der Geburt von Esau und Jakob die Verheißung dem Jüngeren zusagte (Mal.1,3; Röm.9,1013).
(Die gleiche Ordnung sehen wir bei den beiden Brüdern Kain und Abel, den ersten zwei
Söhnen von Adam und Eva, dann wieder bei den zwei Söhnen von Abraham, Ismael und
Isaak, und zuletzt noch bei den beiden ersten Söhnen von Joseph, Manasse und Ephraim. Bei
Das Reich Gottes
- 21 -
diesen beiden Kindern mußte ihr Großvater Jakob, als er sie segnete, seine beiden Arme im
Kreuzzeichen verschränken, um den Älteren dem Jüngeren voranzustellen. Während aber
diese Unterordnung des Fleisches unter den Geist zum Brudermord bei Kain und zum
beständigen Streit und Krieg bei Ismael und Esau und ihren Nachkommen mit den
Segensträgern führte, war Manasse mit Ephraim unter dem Kreuzzeichen auf den Friedensboden der Glaubensrechtfertigung gestellt.)
Durch Mutterlist kam Jakob dann in den Besitz des Segens, der für den Erstgeborenen bestimmt war, und der ihm nach seinem viele Jahre zuvor erfolgten Handel mit
Esau sowieso rechtmäßig zustand. - Wir sehen bei Jakob durch alles hindurch ein Gottdienen-Wollen, das war die Wirkung der göttlichen Berufung, während es Esau nicht
darum, sondern nur um äußere Segnungen zu tun war (1.Mos.27,1-40; Hebr.12,17). Daß Esau
sein Recht auf den Erstgeburtssegen verwirkt hatte, hinderte ihn dennoch nicht, um des
verlorenen Segens willen in seinem Herzen gegen seinen Bruder Jakob Todfeindschaft
zu nähren (1.Mos.27,41-46). Das bestimmte Jakob, nach Mesopotamien zu fliehen.
Auf dem Wege dahin begegnete ihm der Herr eines Nachts im Traum und gab ihm
die Verheißung für den Segen seiner Väter (1.Mos.28,1-15). Obschon Jakob sich daraufhin
eidlich verpflichtete, Gott zu dienen, - als Zeichen
Seite 18
dieses Dienstes wollte er Gott den Zehnten von allem seinem Erwerb geben -, so diente
er doch sehr bald vierzehn Jahre um ein Weib - von denen ihm sieben Jahre wie sieben
Tage deuchten - und sechs Jahre um Lohn.
Als Jakob dann Laban, seinen Schwiegervater, heimlich verließ, in das Land Kanaan
zurückfliehen wollte, und vernahm, daß auch Esau ihm mit vierhundert Mann
entgegeneilte, da wurde in seinem Kampf mit Gott an der Furt des Flusses Jabbok der
ganze Widerstand des natürlichen Menschen gegen Gott offenbar; denn Jakob rang mit
dem Engel des Herrn die ganze Nacht (1.Mos.32,1-25). Die Worte des Propheten lauten:
„Jakob floh einst in die Gefilde Arams, und Israel diente um ein Weib, und um ein
Weib hütete er (die Herden).‘ ‚Schon im Mutterschoße hielt er seines Bruders
Ferse, und in seiner Manneskraft kämpfte er mit Gott. Er kämpfte mit dem Engel
und siegte, er weinte und flehte zu ihm.“ (Hos.12,13.4-5).
Jakob stellte sich im Geiste in seinem Kampf mit Gott für alle Gläubigen vorbildlich
ein; denn er gab die Segensverheißung auch dann nicht preis, als Gott den fleischlichen
Widerstand, den Jakob gegen ihn hatte, ganz offenbarmachte. Er wußte, daß Gottes
Verheißungsschwur trotz der Sünde, die sich in seinen Gliedern durchgewirkt hatte, gültig
bleiben muß (vgl.Röm.4,5; 5,6-10). Mit seinem
„Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“ (1.Mos.32,27),
hat Jakob seinen Gott ganz verstanden, ihn für alle Zeiten für sich gewonnen und ihm die
höchste Liebesoffenbarung zugemutet (1.Mos.32,27; vgl.Luk.15,11-32). Da empfing er seinen
neuen Namen „Israel“, d.h. „Gotteskämpfer“, und der Engel Gottes segnete ihn daselbst.
Jakob hatte nun Gott „von Angesicht zu Angesicht“, das heißt in seinem ganzen
Gnadenerbarmen und Rechtfertigungswillen für den Sünder, erkannt, und aus dieser
seiner neu errungenen Gotteserkenntnis heraus, daß Gott anstelle des Alten ein Neues
setzt, sieht er seine Seele, sein Leben gerettet: die „Sonne der Gerechtigkeit“ ging ihm
auf, als er an Pniel an „Gottes Angesicht“ vorüberging (1.Mos.32,28-32; Mal.3,20). Nun
- 22 -
Das Reich Gottes
konnte er im Heimzug nach Kanaan seinem Bruder Esau getrost begegnen; denn er
wußte, daß sein Gott seine Hand über ihn hielt (1.Mos.33,1-16).
7. Die Söhne Jakob-Israels
Jakob-Israel besaß zwölf Söhne und eine Tochter von seinen vier Frauen, die er
nacheinander erhalten hatte. – Die zwölf Söhne Jakobs wurden später zu zwölf starken
Volksstämmen, und der Stamm Joseph zerfiel in zwei besondere Stämme (Manasse,
Ephraim), die laut Jakob-Israels Bestimmung den andern elf Stämmen gleichgeachtet
werden sollten. Trotzdem ist die Zwölf-Ordnung in den Aufzählungen meistens
beibehalten, indem gewöhnlich der Stamm Levi nicht mit aufgezählt ist, weil er anstatt der
Erstgeburt aller Israeliten Gott zum Heiligtumsdienst angehörte.
Seite 19
Beachtenswert sind folgende Aufstellungen:
Die Reihenfolge der Stämme
Die biblische Reihenfolge
nach dem Alter der Söhne Jakobs:
der Söhne Jakobs ist nach
1.Mos.35,23-26:
Die Kinder von:
Die Kinder von:
1. Lea
Ruben„Seht, ein Sohn“
1. Lea
Ruben
Simeon
„Erhörung“
Simeon
Levi
„Anhänglichkeit“
Levi
Juda
„Gepriesener“
Juda
2. Bilha,
Dan
„Richter“
Issaschar
Rahels Magd
Naphtali
„Ringkampf“
Sebulon
3. Silpa,
Gad
„Glück“
2. Rahel
Joseph
Leas Magd
Asser
„Glückspender“
Benjamin
4. Lea
Issaschar
„Es gibt Lohn“
3. Bilha,
Dan
Sebulon
„Wohnung“
Rahels Magd
Naphtali
Dina (Tochter)
„Gerichtskind“
5. Rahel
Joseph
„Er füge hinzu“
4. Silpa,
Gad
Benjamin
„Sohn der Rechten“
Leas Magd
Asser
Jakobs Segen
(1.Mos.Kap.49)
Verordnung zur Volkszählung
Die Volkszählung
und Hauptleute der zwölf Stämme
(4.Mos.1,20-43)
(4.Mos.1,5-15)
1. Ruben
1. Ruben
1. Ruben
2. Simeon
2. Simeon
2. Simeon
3. Levi
3. Juda
3. Gad
4. Juda
4. Issaschar
4. Juda
5. Sebulon
5. Sebulon
5. Issaschar
6. Issaschar
6. Ephraim
6. Sebulon
7. Dan
7. Manasse
7. Ephraim
8. Gad
8. Benjamin
8. Manasse
9. Asser
9. Dan
9. Benjamin
10. Naphtali
10. Asser
10. Dan
11. Joseph (Manasse Ephraim) 11. Gad
11. Asser
12. Benjamin
12. Naphtali
12. Naphtali
(Levi fehlt)
(Levi fehlt)
Stammordnung um die Stiftshütte (4.Mos.2)
Juda
Issaschar
Osten
Sebulon
- 23 -
Das Reich Gottes
Sonnenaufgang
Assur
Norden;
Mitternac
ht
Naphtalie Lvi
Dan
Süden
Mittag!
Simeon
Eingang
zum
Heiligtum
Levi
RubenGad
Levi
Die
Stifshütte
Allerheiligste
Levi
Westen
Sonnenuntergang
Benjamin
Ephraim
Manasse
Seite 20
Ordnung der Fürsten der
Stämme (4.Mos.7,12-83)
1. Juda
2. Issaschar
3. Sebulon
4. Ruben
5. Simeon
6. Gad
7. Ephraim
8. Manasse
9. Benjamin
10. Dan
11. Asser
12. Naphtali
Zweite Volkszählung
(4.Mos.26,5-50)
1. Ruben
2. Simeon
3. Gad
4. Juda
5. Issaschar
6. Sebulon
7. Manasse
8. Ephraim
9. Benjamin
10. Dan
11. Asser
12. Naphtali
Der Segen von Mose
(5.Mos.33,6-25)
1. Ruben
2. Juda
3. Levi
4. Benjamin
5. Joseph
Ephraim
6. Sebulon
7. Issaschar
8. Gad
9. Dan
10. Naphtali
11. Asser
(Simeon fehlt)
Mose und Josua teilen den
zwölf Stämmen das Land aus
Die Söhne Jakobs
Die zwölf Geschlechter
(Jos.13,8 bis Kap.19,48)
(1.Chr.2,1-2)
(1.Chr.2,2 - 8,40)
1. Ruben
2. Gad
3. Manasse (einhalb)
4. Juda
5. Ephraim
6. Manasse (einhalb)
7. Benjamin
8. Simeon
9. Sebulon
10. Issaschar
11. Asser
12. Naphtali
13. Dan
1. Ruben
2. Simeon
3. Levi
4. Juda
5. Issaschar
6. Sebulon
7. Dan
8. Joseph
9. Benjamin
10. Naphtali
11. Gad
12. Asser
1. Juda
2. Simeon
3. Ruben
4. Gad
5. Manasse (einhalb)
6. Levi
7. Issaschar
8. Benjamin
9. Naphtali
10. Manasse (einhalb)
11. Ephraim
12. Asser
(Dan und Sebulon
- 24 -
Das Reich Gottes
(Levi fehlt)
fehlen)
Die zwölf Stämme
Die zwölf Tore der Stadt
nach der Rückkehr nach den Namen der zwölf Stämme
in Kanaan (Hes.48)
(Hes.48,30-35)
(Von Norden nach Süden)
Die Versiegelung
der 144000 aus den
zwölf Stämmen
(Offb.7,1-8)
Osten, Sonnenaufgang
1. Dan
2. Asser
3. Naphtali
4. Manasse
5. Ephraim
6. Ruben
7. Juda
8. Levi
9. Benjamin
10. Simeon
11. Issaschar
12. Sebulon
13. Gad
Joseph
Benjamin
Dan
Simeon
n
Levi
Die
Heilge
Stadt
Juda
Ruben
Issarchar
Sebulon
Naphtalie
Asser
1. Juda
2. Ruben
3. Gad
4. Asser
5. Naphtali
6. Manasse
7. Simeon
8. Levi
9. Issaschar
10. Sebulon
11. Joseph (Ephr.?)
12. Benjamin
(Dan fehlt)
Gad
(Westen, Sonnenuntergang)
Seite 21
In den Stammordnungen für die Volkszählungen hat die Reihenfolge weniger zu
sagen; in den Segensverheißungen auch nicht; wohl aber ist wichtig, welche Stämme am
Segen Anteil haben und wie der Segen ausfällt. Anders ist es bei der Stammordnung um
die Stiftshütte und bei den Toren der erneuerten heiligen Stadt Jerusalem. Bei der
Stiftshütte ist Juda dem Eingang am nächsten, und Ephraim lagert sich dem
Allerheiligsten gegenüber. In der heiligen Stadt dagegen halten Juda, Levi und Ruben
gegen „Mitternacht“ die Wache; denn von dort drohte von jeher das Verderben durch
feindliche Völker. Die Fürsten- und Geschlechterordnung zeigt uns Juda in der Führung,
aber bei der Rückkehr ins heilige Land ist eigenartigerweise Dan zuerst genannt, obwohl
gerade Dan, der „Richter“ seiner Brüder, in der Aufzählung der Stämme, aus denen die
144000 hervorgehen, ganz und gar fehlt (1.Mos.49,16-18).
8. Joseph in Ägypten
Zehn Söhne Israels verkauften ihres Vaters Lieblingssohn Joseph, der seine Brüder
auf dem Felde suchte, an midianitische Kaufleute, die ihn nach Ägypten weiterverkauften, und die Brüder gaben bei ihrem Vater vor, ein wildes Tier habe ihn zerrissen.
Sie haßten ihn, weil er ihnen aus Träumen seine künftige Herrschaft über sie geoffenbart
hatte; da er aber noch nicht kundtun konnte, daß dies eine Gnadenherrschaft werden
würde, die ihnen das Leben retten sollte, darum hatten sie ihn zu töten gesucht und ihn
schließlich als Sklaven verkauft (1.Mos.37; 1.Mos.47,13-14).
Das Reich Gottes
- 25 -
Wohl wurde Joseph in Ägypten gesegnet. Aber neu erlittenes Unrecht brachte ihn in
Lebensgefahr und ins Gefängnis zu des Königs Gefangenen. Gewiß konnte Joseph,
ähnlich wie Hiob, hier auf seine Schuldlosigkeit hin nicht gerechtfertigt und befreit werden;
denn Gott selbst ließ ihn Unrecht leiden. Das bewog ihn aber offenbar, auf die
Glaubensgerechtigkeit seiner Väter zu achten und daraufhin eine göttliche Rechtfertigung
und Rettung zu erwarten. Tatsächlich kam Joseph, dreißigjährig, aus dem Gefängnis und
wurde Herr über Ägypten, als er Pharao den Traum von einer siebenjährigen,
außerordentlichen Fruchtbarkeit und einer siebenjährigen Teuerung auszulegen
vermochte. Joseph ließ in Ägypten Kornhäuser errichten und speicherte darin allen
Überfluß der fruchtbaren Jahre auf, den er von den Ägyptern forderte (1.Mos.39 - 41). Zur
Zeit der Hungersnot brachte Joseph alles Geld und Vieh der Ägypter und Kanaaniter
(offenbar stand Kanaan unter ägyptischer Vorherrschaft) und schließlich auch noch deren
Feld und Freiheit in die Hand des Pharao - nur die Äcker der ägyptischen Priester wurden
nicht angekauft; denn sie hatten von jeher festes, staatliches Einkommen. Die so
leibeigen gewordenen Ägypter mußten für das gelieferte Brot und Saatgetreide künftighin
dem Pharao den Fünften ihres Ertrages abliefern. - Vielleicht ließ Joseph zu der Zeit auch
den gewaltigen „Jussuph-Kanal“ bauen, dessen (Nil-) Wasser das sogenannte „Meer“
Seite 22
(Fayum, hergeleitet vom koptischen „Phiom“, d.h. „Meer“), den Mörissee in der Oase
Fayum, zur Zeit der Nilüberschwemmung zu Stauzwecken füllte (vgl.Jes.19,5 Min.B.).
Eine Unterweisung aus den Psalmen sagt uns über Joseph:
„Gott rief eine Hungersnot herbei über das Land und zerschlug alle Hoffnung auf
Brot. Er sandte einen Mann vor ihnen (vor Israel) her, Joseph ward zum Sklaven
verkauft. Sie zwangen seinen Fuß in einen Stock, seine Seele geriet in Fesseln,
bis zur Zeit, da sein Wort eintraf und der Ausspruch des Herrn ihn bewährte. Da
sandte der König hin und befreite ihn, der Völkerbeherrscher ließ ihn los. Er setzte
ihn zum Herrn über sein Haus und zum Herrscher über alle seine Güter, daß er
seine Fürsten nach Belieben bände und seine Ältesten unterwiese. Da zog Israel
nach Ägypten, und Jakob wurde ein Fremdling im Lande Hams.“ (Ps.105,16-23)
9. Israel in Ägypten
Die Hungersnot nahm so überhand, daß auch zehn der Söhne Israels nach Ägypten
ziehen mußten, um dort Getreide zu kaufen. Joseph behandelte sie als Kundschafter
(Spione), um ihre Gesinnung zu prüfen. Tatsächlich sagten sie zueinander:
„Wahrlich, das haben wir an unserem Bruder verschuldet, dessen Seelenangst
wir sahen, da er uns um Erbarmen anflehte; wir aber hörten nicht auf ihn. Darum
ist diese Not über uns gekommen!’ Ruben antwortete und sprach zu ihnen: ‚Habe
ich es euch nicht gesagt, ihr sollet euch an dem Knaben nicht versündigen? Aber
ihr wolltet ja nicht hören! Darum seht, nun wird sein Blut gefordert!“ (1.Mos.42,122)
Simeon mußte daraufhin gebunden im Gefängnis zurückbleiben, und bei einem
zweiten Zug nach Ägypten sollten sie nicht ohne ihren jüngsten Bruder Benjamin wiederkommen. Im anderen Jahr der Teuerung mußten sie doch wieder nach Ägypten
ziehen, und zwar mit Benjamin, so schwer es auch Israel wurde, ihn ziehen zu lassen;
denn er trauerte noch um Joseph.
Das Reich Gottes
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Bei ihrer zweiten Ankunft versuchte Joseph seine Brüder wieder, die ihn immer noch
nicht als ihren Bruder erkannt hatten, und prüfte ihre Gesinnung daran, daß er Benjamin,
den jüngsten, des Diebstahls bezichtigte. Wohl hatte Ruben vor Israel gelobt, sich für
Benjamin einzusetzen, damit er heil zurückkomme und Israels graue Haare nicht mit
Seite 23
Jammer in die Grube kämen. Aber an seiner Statt setzte Juda sich ein und sagte unter
anderem zu Joseph (1.Mos.42 - 44):
„Aber dein Knecht hat sich bei meinem Vater für den Knaben verbürgt und versprochen: ‚Wenn ich dir ihn nicht wiederbringe, so habe ich meinem Vater gegenüber mein ganzes Leben verwirkt.‘ Darum will nun dein Knecht als Sklave meines
Herrn hierbleiben anstatt des Knaben, der Knabe aber soll mit seinen Brüdern
hinaufziehen. Denn könnte ich zu meinem Vater hinaufziehen, ohne daß der
Knabe bei mir wäre? Ich möchte das Leid nicht sehen, das meinen Vater träfe!“
(1.Mos.44,32-34)
Da offenbarte Joseph sich seinen Brüdern, ließ seinen Vater Jakob-Israel mit allen
Seelen, siebzig im ganzen, nach Ägypten kommen und siedelte sie als Herdenbesitzer
im Lande Gosen an. Dortselbst setzte Israel die beiden ersten Söhne Josephs, Manasse
und Ephraim, mit seinen übrigen elf Söhnen gleichberechtigt als Stämme Israels und
segnete sie, und zwar den Jüngeren vor dem Älteren unter dem Zeichen des Kreuzes
seiner verschränkten Arme (1.Mos.45 - 49).
In Ägypten wurden die siebzig Seelen Israels im Verlauf von 400 Jahren zu einem
großen Volk; denn 400 Jahre brauchte es noch, bis das Maß der Sünden der Kanaaniter
und Amoriter voll geworden und die Völker Kanaans gerichtsreif waren (2.Mos.1,5-7;
1.Mos.15,13-16).
Weil aber die Israeliten die Sendung des Moses nicht begriffen, als er sie
zu befreien suchte, darum konnte Gott deren Knechtschaft nicht schon mit 390 Jahren,
sondern erst mit 430 Jahren wenden (Apg.7,25.35).
10. Israels Auszug aus Ägypten
In Ägypten kam schließlich ein Pharao auf, der von Josephs Verdienst um das
Königshaus und das ganze Ägyptervolk nichts wußte. Der bedrückte das Volk Israel hart
durch Frondienste, weil es sich unter Gottes Segen so mächtig vermehrte, ja, er gebot
sogar, die neugeborenen Knäblein der Hebräer zu töten (2.Mos.1; Apg.7,17-19).
Aber ein Mann aus dem Stamm Levi und sein Weib wagten es im Glauben doch, ihr
neugeborenes Knäblein gegen das Gebot des Königs am Leben zu erhalten, indem sie
es, als sie es nicht verbergen konnten, in einem gegen das Wasser abgedichteten
Rohrkästchen im Nil zwischen dem Schilf unterbrachten. Dort fand die Tochter des
Pharao den weinenden Knaben, nahm ihn als eigen an und nannte ihn Moses (2.Mos.2,110; Apg.7,17-19). Und Moses wurde in aller Weisheit der Ägypter unterrichtet und war in
Ägypten mächtig in seinen Worten und Taten (Apg.7,22).
Die Erfahrungen, die er in dieser Zeit mit seinem Volk in Ägypten machte, berichtet
Stephanus, der erste Blutzeuge der jungen Gemeinde Gottes, vor dem Hohen Rat in
Jerusalem mit den Worten:
„Als Moses aber ausgesetzt wurde, hob ihn die Tochter Pharaos auf und erzog
ihn sich selbst zum Sohne. Und Moses ward in
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Das Reich Gottes
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aller Weisheit der Ägypter unterrichtet und war mächtig in seinen Worten und
Taten. Als er aber vierzig Jahre alt war, stieg der Gedanke in ihm auf, seine Brüder, die Kinder Israels zu besuchen. Und da er einen Unrecht leiden sah, wehrte
er ab und rächte den Unterdrückten, indem er den Ägypter erschlug. Er meinte
aber, seine Brüder würden es verstehen, daß Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe; aber sie verstanden es nicht. Und am folgenden Tage kam er dazu, da
sie miteinander haderten, und ermahnte sie zum Frieden und sprach: Männer, ihr
seid Brüder, warum tut ihr einander Unrecht? Der aber, welcher seinem Nächsten
Unrecht tat, stieß ihn weg und sprach: Wer hat dich zum Obersten und Richter
über uns gesetzt? Willst du mich etwa töten, wie du gestern den Ägypter getötet
hast? Da entfloh Moses auf diese Worte hin und ward ein Fremdling im Lande
Midian, wo er zwei Söhne zeugte.“ (Apg.7,21-29)
Von Moses, dem Knechte Gottes, berichtet uns der Hebräerbrief:
„Durch Glauben wurde Moses nach seiner Geburt von seinen Eltern drei Monate
lang verborgen gehalten, weil sie sahen, daß er ein feines Kind war, und sie des
Königs Gebot nicht fürchteten. Durch Glauben weigerte sich Moses, als er groß
geworden war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen; er wollte lieber mit dem
Volke Gottes Ungemach leiden, als zeitliche Ergötzung der Sünde haben, da er
die Schmach Christi für größern Reichtum hielt, als die Schätze Ägyptens; denn er
sah die Belohnung an. Durch Glauben verließ er Ägypten, ohne den Grimm des
Königs zu fürchten; denn er hielt sich an den Unsichtbaren, als sähe er ihn.“
(Hebr.11,23-27)
Gott sandte Moses vierzig Jahre später aus dem Lande Midian wieder, um das Volk
Israel nach großen Wundern aus der ägyptischen Knechtschaft auszuführen (2.Mos.7,7).
Darüber lesen wir im 105.Psalm:
„Er sandte Mose, seinen Knecht, Aaron, den er erwählt hatte. Die verrichteten
seine Zeichen an ihnen und taten Wunder im Lande Hams. Er sandte Finsternis
und es ward Nacht, damit sie seinen Worten nicht widerstreben möchten. Er verwandelte ihre Gewässer in Blut und tötete ihre Fische; ihr Land wimmelte von
Fröschen bis in die Gemächer ihrer Könige. Er sprach, und es kamen Bremsen,
Stechmücken in alle ihre Grenzen. Er gab ihnen Hagel statt Regen, Feuerflammen auf ihr Land; und er schlug ihre Weinstöcke und Feigenbäume und zerbrach
die Bäume in ihrem Land. Er sprach, da kamen Heuschrecken und Käfer ohne
Zahl;
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die fraßen alles Kraut im Lande und verzehrten ihre Feldfrüchte. Und er schlug
alle Erstgeburt in ihrem Lande, alle Erstlinge ihrer Kraft. Aber sie ließ er ausziehen
mit Silber und Gold, und es war kein Strauchelnder unter seinen Stämmen.
Ägypten war froh, daß sie gingen; denn ihr Schrecken war auf sie gefallen.“
(Ps.105,26-38)
Und im Hebräerbrief lesen wir:
„Durch Glauben hat er (Mose) das Passah veranstaltet und das Blutbesprengen,
damit der Würgengel ihre Erstgeborenen nicht anrühre. (Passahlamm: = Das
Opferlamm zur Einlösung der Erstgeburt Israels in der Nacht vor dem Aufbruch
der Israeliten aus Ägypten.) Durch Glauben gingen sie durch das Rote Meer wie
durch trockenes Land; während die Aegypter, als sie das auch versuchten,
ertranken.“ (Hebr.11,28-29)
Dazu lautet eine Unterweisung von Asaph:
„Vor ihren Vätern hatte er Wunder getan im Lande Ägypten, im Gefilde Zoan. Er
teilte das Meer und führte sie hindurch und stellte das Wasser wie einen Damm,
und leitete sie bei Tage mit einer Wolke und die ganze Nacht mit dem Lichte des
Feuers.“ (Ps.78,12-14)
Das Reich Gottes
- 28 -
Nach dem wunderbaren Durchgang Israels durch das Rote Meer und der Vernichtung der nachsetzenden Ägypter stimmte Moses einen gewaltigen Lobgesang an,
und er sah im Geiste alle Völker und Fürsten Kanaans erzittern bei der Kunde von
solchen Machttaten Gottes an seinem Volk. Auch Mirjam, die Schwester des Mose, pries
die große Majestät Gottes; denn
„Roß und Reiter hat er ins Meer gestürzt!“ (2.Mos.15,1-21)
11. Israel in der Wüste und die zwei Bündnisse
a) Der erste Bund am Sinai und Israels Übertretungen
In der Wüste empfing Israel das Gesetz der zehn Gebote und die ganze Stiftshüttenund Priesterordnung, und Gott schloß mit ihnen am Sinai einen Bund, der durch das
Opferblut von reinen Tieren versiegelt wurde (2.Mos.19 - 20). Gott sah voraus, daß Israel in
dem ihm auferlegten Gesetz nicht zu bleiben vermochte, und daß es den ersten Bund
auch brechen würde (Jer.31,31-34; Apg.15,10). Israels Ungehorsam wurde schon in der Zeit
der Wüstenwanderung offenbar, und sie lernten nichts an den gewaltigen Wundern
Gottes, die er an ihnen erwiesen hatte. Davids Sangmeister Asaph spricht über das Israel
in der Wüste:
„Gott spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie mit großen Fluten,
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und ließ Bäche aus dem Felsen hervorspringen und Wasser herabfließen in
Strömen. Dennoch fuhren sie fort, wider ihn zu sündigen und den Höchsten zu
erzürnen in der Wüste. Und sie versuchten Gott in ihrem Herzen, indem sie
Speise forderten nach ihrem Gelüsten. Und sie redeten wider Gott und sprachen:
‚Kann Gott einen Tisch bereiten in der Wüste? Siehe, er hat den Felsen geschlagen, daß Wasser flossen und Bäche sich ergossen. Kann er aber auch Brot geben
oder seinem Volke Fleisch verschaffen?‘ Darum, als der Herr das hörte, ward er
entrüstet, und Feuer ging an wider Jakob, ja, Zorn stieg auf über Israel, darum,
daß sie Gott nicht glaubten und nicht auf seine Hilfe vertrauten. Und er gebot den
Wolken droben und öffnete die Türen des Himmels und ließ Manna auf sie regnen
zum Essen und gab ihnen Himmelskorn. Der Mensch aß Engelsbrot; er sandte
ihnen Speise die Fülle. Er erregte den Ostwind am Himmel und führte durch seine
Kraft den Südwind herbei und ließ Fleisch auf sie regnen wie Staub und Geflügel
wie Sand am Meer; er ließ sie fallen mitten in ihr Lager, rings um ihre Lagerstätten
her. Da aßen sie und wurden allzu satt, und er ließ sie ihre Lust büßen. Sie hatten
sich ihrer Lust noch nicht entschlagen, und ihre Speise war noch in ihrem Munde,
als sich der Zorn Gottes über sie ergoß und die Fetten unter ihnen erwürgte und
die junge Mannschaft Israels niederwarf. - Trotz alledem sündigten sie weiter und
glaubten nicht an seine Wunder. Darum ließ er ihre Tage wie einen Hauch
vergehen und ihre Jahre in plötzlichem Schrecken. Wenn er sie tötete, so suchten
sie ihn und kehrten sich bald wieder zu Gott, und bedachten, daß Gott ihr Fels sei
und Gott, der Höchste, ihr Erlöser. Aber sie heuchelten ihm mit ihrem Munde und
logen mit ihren Zungen. Und ihr Herz war nicht aufrichtig gegen ihn, und sie
hielten nicht treu an seinem Bund. Er aber war barmherzig und vergab die Schuld
und vertilgte sie nicht;
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oftmals wandte er seinen Zorn ab und erweckte nicht allen seinen Grimm, sondern bedachte, daß sie Fleisch seien, ein Windhauch, der dahinfährt und nicht
wiederkehrt. Wie oft empörten sie sich wider ihn in der Wüste und betrübten ihn in
der Einöde, und sie versuchten Gott immer wieder und kränkten den Heiligen
Israels.“ (Ps.78,15-41; vgl.Hebr.3,7-11)
Das Reich Gottes
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Der treue Zeuge Stephanus sagt über Mose und Israel:
„Das ist der (Moses), welcher in der Gemeinde in der Wüste war mit dem Engel,
der zu ihm redete auf dem Berge Sinai und mit unsern Vätern, der lebendige
Worte empfing (Worte, welche Leben zeugen sollten), sie uns zu geben; dem
unsere Väter nicht wollten gehorsam sein, sondern stießen ihn von sich und
wandten sich mit ihren Herzen nach Ägypten, indem sie zu Aaron sprachen:
Mache uns Götter, die vor uns herziehen sollen; denn wir wissen nicht, was diesem Moses, der uns aus Ägypten geführt hat, (am Sinai) widerfahren ist! Und sie
machten ein Kalb in denselben Tagen und brachten dem Götzen ein Opfer und
freuten sich an den Werken ihrer Hände. Da wandte Gott sich ab und gab sie
dahin, daß sie dienten dem Heer des Himmels; wie geschrieben steht im Buch der
Propheten: ‚Habt ihr mir Brandopfer und Schlachtopfer dargebracht die vierzig
Jahre in der Wüste, Haus Israels? Ihr habt die Hütte des Moloch und das Gestirn
eueres Gottes Remphan umhergetragen, die Bilder, die ihr gemacht habt, sie
anzubeten. Und ich werde euch wegführen über Babylon hinaus.” (Apg.7,38-43)
So handelte Israel, obwohl es die Ordnung des Alten Bundes kannte, welche lautet:
„Wenn aber ein Einzelner aus Versehen sündigen wird, so soll er eine jährige Kuh
zum Sündopfer bringen. Und der Priester soll den, der unvorsätzlich aus Versehen
gesündigt hat, vor dem Herrn versühnen, so wird ihm vergeben werden. ... Wenn
aber eine Seele vorsätzlich sündigt (Wörtlich ‘mit aufgehobener Hand’), es sei ein
Einheimischer oder Fremdling, so lästert sie den Herrn; solche Seele soll
ausgerottet werden mitten aus ihrem Volk; denn sie hat des Herrn Wort verachtet
und sein Gebot gebrochen; eine solche Seele soll unbedingt ausgerottet werden,
ihre Schuld bleibe auf ihr.“ (4.Mos.15,27-31; Hebr.2,2; 10,28)
b) Der zweite oder der Neue Bund in der Moabiter Land und Israels Unglauben
Gott blieb aber in der Auserwählung seines Volkes Israel trotz dessen Untreue
unbeirrt. Darum hatte er auch den endgültigen Heils- und Landesbesitz nicht von dem
Bund am Sinai, den er auch nicht ausdrücklich beschworen hatte, abhängiggemacht
(Hebr.7,21).
Vielmehr verband Gott
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die Erfüllung der dem Abraham, Isaak und Jakob unter Eid gegebenen Verheißungen mit
einem anderen Bund, den er zum Unterschied vom Bund am Sinai in der Moabiter Land
mit ihnen schloß, und zwar ausdrücklich unter Eid (5.Mos.28,69; 29,11-14). Dieser zweite
Bund war nichts anderes als die eidliche Erneuerung der Verheißungen, die den
Patriarchen nur unter der Voraussetzung des Glaubens gegeben worden waren, und die
alle nur in Christo Jesu Ja und Amen sind (5.Mos.29,12-14; vgl.1.Mos.9,16; 17,19.21;
2.Mos.31,16-17; 3.Mos.24,8; 4.Mos.18,19; 25,13; 2.Sam.23,5; 1.Chr.16,17; Ps.105,10; Jes.24,5; 55,3;
61,8; Jer.31,31-34; 32,40; 50,5; Hes.16,60; 34,25; 37,26; Hos.2,20; 2.Kor.1,20) .
Denn das Gesetz am
Sinai gab Gott erst 621 Jahre nach der Bundesschließung mit Abraham und dessen
Beschneidung, den Eidbund mit Israel in der Moabiter Land dagegen erst 660 Jahre nach
Abrahams Beschneidung (Siehe die besonders herausgegebenen „Biblischen Zeittafeln“
des Verlags „Weg zur Wahrheit“). Für diesen neuen Bund bedurfte es aber eines
besseren Opfers, als eines von reinen Tieren, weshalb die Verheißungen schon dem
Abraham und „seinem Samen“ zugesprochen waren.
„Es heißt nicht: ‚und den Samen‘ als von vielen, sondern als von einem, nämlich
‚deinem Samen‘, welcher ist Christus.“ (Gal.3,16; vgl.Hebr.8,6-13)
Das Reich Gottes
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Es ist aber auch das Passahlamm, das die Israeliten in der Nacht vor ihrem Auszug
aus Ägypten schlachten mußten, wenn nicht alle ihre Erstgeburt, wie die der Ägypter,
sterben sollte, ein Vorbild für das Opferlamm des Neuen Bundes (2.Mos.12,1 bis Kap.13,10).
Von diesem Christus heißt es außerdem noch:
„Wir verkündigen euch das Evangelium der an die Väter geschehenen Verheißung, daß Gott dieselbe uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesum auferweckte.“ (Apg.13,32)
So war Jesus aus dem Geschlechte Davids der Erste, der den Sieg über den Tod
und damit die Herrschaft über jede Gewalt und Macht als die gegebene Verheißung
erlangte. Auf diese Verheißungserfüllung hatten die Patriarchen auch für sich gewartet
(Hebr.11,13.39).
Israel hatte aber als Volk noch kein verständiges Herz, keine (Herzens-) Augen, um
zu sehen, und keine (Herzens-) Ohren, um zu hören. Darum blieb ihnen der Sinn dieses
Bundes verborgen, der den Glauben voraussetzt, den nur die Propheten unter dem Volk
Israel hatten und der auch den am ersten Bund bundbrüchig Gewordenen rechtfertigt,
wenn er glaubt; nach der Offenbarung dieser Dinge streckten die Kinder Israels sich aber
noch nicht aus, weshalb sie um ihres Unglaubens und Ungehorsams willen immer wieder
gerichtet werden mußten (5.Mos.29,3.28; 32,6; Apg.13,39; Hebr.3,7-11.16-19; 8,7-13; 9,15; 10,1-18).
Den Aposteln blieb das Wesen dieses beschworenen Bundes auch nicht verborgen,
darum spricht Paulus in Röm. 9,4 von Bündnissen und in Gal.4,22 von zwei Bündnissen.
In Röm.10,6-11 zitiert Paulus aus 5.Mos.30,11-14 aus den geschworenen Bundesworten
des Herrn im Moabiterland Ausführungen, die er auf Christus und den Glauben bezieht;
er sagt:
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„Die Gerechtigkeit aus Glauben redet so: ‚Sprich nicht in deinem Herzen: Wer
wird in den Himmel hinaufsteigen? - nämlich um Christum herabzuholen -; oder
wer wird in den Abgrund hinun-tersteigen? - nämlich um Christum von den Toten
zu holen!’ Sondern was sagt sie? ‘Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in
deinem Herzen!‘ - nämlich das Wort des Glaubens, das wir predigen. Denn wenn
du mit deinem Munde Jesum als Herrn bekennest und in deinem Herzen glaubst,
daß Gott ihn von den Toten auferwecket hat, so wirst du gerettet; denn mit dem
Herzen glaubt man, um gerecht, und mit dem Munde bekennt man, um gerettet
zu werden; denn die Schrift spricht: ‚Wer an ihn glaubet, wird nicht zu Schanden
werden!“ (Röm.10,6-11)
Dieser zweite Bund sollte dann völlig wirksam werden, wenn Israel wegen Bundesbruch am ersten Bunde in alle Länder der Erde verstoßen war (3.Mos.26,14-39.40-45;
5.Mos.30,1-5.19-20).
Auf diesen zweiten Bund verweisen auch die Propheten und Psalmen
in mannigfaltigen Weissagungen; sie erklären die neue Tempelordnung, die neue
Opferordnung und die neue Hohepriesterordnung. Jesus selbst und die Apostel beweisen
dann daraus den Neuen Bund im Neuen Testament (Jer.31,31-34; 32,37-40; Hes.36,24-28; 40,5
- 47,12; Hos.6,1-3.6; Mich.6,6-8; Hab.2,4; Zeph.2,3; 3,5; Sach.7,8-10; Mal.2,15; Jes.1,18; 52,13 - 53,12;
Matth.9,13; 12,7.26-28; 27,9-10.35; Mark.15,28.34.38; Luk.24,25-27.44-47; Joh.2,19-22; 6,27 ff. 47-58;
19,36-37; Röm.1,1-4; 3,21-26; 1.Kor.11,23-32; 15,1-8; 3,16-17; Eph.2,19-22; Hebr.1,1-13; 4,14 - Kap.15;
7,1 - 10,17).
Das Reich Gottes
- 31 -
Moses, der Knecht Gottes, war nicht imstande, dem widerspenstigen Volke Gottes
das Verständnis für Gottes Gnadenabsichten zu öffnen. Er wurde schließlich vom Volk so
ermüdet, daß er in seinem Zorneseifer die Größe des göttlichen Erbarmens nicht mehr
sehen konnte und, anstatt mit dem Felsen, daß er Wasser geben sollte, zu „reden“, ihn
„schlug“ –: der „mitfolgende Fels“ aber war „Christus“ (1.Kor.10,4). Gleichwohl offenbarte
Gott seine Heiligkeit, das ist seine Barmherzigkeit, an seinem ungehorsamen Volk und
rettete es, obschon Moses Gott-Jehova vor dem Volke nicht geheiligt hatte (4.Mos.20,1-13;
vgl.Hes.28,25; Hos.11,8-9). Aber das ungehorsame Volk Gottes verstand seinen Gott auch
aus diesem seinem Walten noch nicht; sie stellten die Barmherzigkeit Gottes, durch die
Gott sie ins verheißene Land bringen wollte, weiterhin in Frage und begegneten dadurch
Gottes Rettungswillen mit Unglauben. Darum vertilgte Gott das ganze Geschlecht, das
seine Wunder in Ägypten und beim Durchzug durchs Rote Meer mit einer Erkenntnis
wahrgenommen hatte, die zur Verantwortung verpflichtete (Hebr.3,7-19). Nur Kaleb und
Josua blieben von diesem Geschlecht am Leben; denn in diesen wohnte ein anderer
Geist; sie waren dem Herrn völlig nachgefolgt, - und vom jüngeren Geschlecht alle die,
die beim Auszug Israels noch nicht zwanzig Jahre alt waren (4.Mos.14,24.26-38).
Solche Mühe gab sich Gott, seinem Volk Israel den Gnadenbund mit Abraham, Isaak
und Jakob zu offenbaren; aber er blieb ihnen verborgen (5.Mos.29,28; 32,6).
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12. Israels Einzug in Kanaan
Vom Berg (Gebirge) Nebo, von der Spitze des Berges Pisga aus, der Jericho
gegenüber im Moabiterland liegt, ließ Gott seinen Knecht Moses das ganze Verheißungsland überschauen, und dann mußte er sterben; wie sein Bruder Aaron zuvor auf
dem Berge Hor, und Gott begründete das mit folgenden Worten:
„Weil ihr untreu an mir gehandelt habt vor den Kindern Israels, beim Haderwasser
zu Kadesch, in der Wüste Zin, da ihr mich nicht geheiligt habt unter den Kindern
Israels. Denn du wirst zwar das Land vor dir sehen, aber du sollst nicht in das
Land hineinkommen, das ich den Kindern Israels gebe.“ (5.Mos.32,48-52; 34,1-7)
Diese unabwendbare Strafe Gottes veranlaßte Moses, die Glaubensgerechtigkeit für
sich aufs äußerste zu üben und gänzlich davon abzusehen, daß er untadelig gewesen sei
in seinem ganzen Haus, d.i. in der Stiftshütte; denn im Glauben für das bundbrüchige
Israel war er schwach geworden (Hebr.3,5; Phil.3,3-9). Daß er aber im persönlichen Glauben
schließlich Gott doch wohl gefiel, ersehen wir daraus, daß Satan den Leichnam Moses
nicht beschädigen durfte, und daß Moses mit Elia dem Herrn auf dem Berge der
Verklärung erschien (Matth.17,1-9; 2.Petr.1,16-18; Jud.9).
Vor seinem Tode bestellte Moses auf Gottes Geheiß Josua, den Sohn Nuns, zum
Anführer des Volkes, dichtete das prophetische „Lied Moses“ und segnete die zwölf
Stämme Israels (5.Mos.31; 32,1-47; 33).
„Mose war hundertzwanzig Jahre alt, da er starb: seine Augen waren nicht
schwach geworden, und seine Kraft war nicht gewichen.“ (5.Mos.34,7)
Seinen Leichnam bestattete Gott nach dem Kampf des Erzengels Michael mit dem
Teufel, und niemand hat sein Grab bis heute erfahren (5.Mos.34,5-6; Jud.9).
Das Reich Gottes
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„Die Kinder Israels aber beweinten Moses in den Steppen Moabs dreißig Tage
lang; dann hörten sie auf zu weinen und zu trauern um Mose. Josua aber, der
Sohn Nuns, war mit dem Geist der Weisheit erfüllt, denn Mose hatte seine Hände
auf ihn gelegt; und die Kinder Israels gehorchten ihm und taten, wie der Herr dem
Mose geboten hatte.“ (5.Mos.34,8-9)
Nach diesen dreißig Tagen durchschritten sie den Jordan (d.i. den „Todesfluß“); denn
das Ostjordanland hatten sie schon unter Moses erobert; es war an die Stämme Ruben
und Gad und an einen halben Stamm Manasse gefallen. In dem nun folgenden
Siegeszug fielen einunddreißig Könige mit ihren Völkern, wie uns das Buch Josua
berichtet. Doch blieb beim Tode Josuas noch viel Land zu erobern übrig.
Wie durch das Rote Meer, so war Israel auch durch den Jordan trockenen Fußes
hindurchgezogen, obwohl der Jordan gerade um diese Zeit Hochwasser führte. Darum
sagt uns ein Psalm:
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„Als Israel aus Aegypten zog, das Haus Jakobs aus dem fremdsprachigen Volke,
da ward Juda sein Heiligtum, Israel seine Herrschaft. Das Meer sah es und floh,
der Jordan wandte sich zurück; die Berge hüpften wie Widder, die Hügel wie junge
Schafe. Was kam dich an, o Meer, daß du flohest, du Jordan, daß du dich
zurückwandtest? Ihr Berge, daß ihr hüpftet wie Widder, ihr Hügel wie junge
Schafe? Ja, Erde, erbebe nur vor dem Angesicht des Herrschers, vor dem Angesicht des Gottes Jakobs, der den Fels in einen Wasserteich verwandelte, den
Kieselstein in einen Wasserquell!“ (Ps.114)
Mit der Einnahme des gelobten Landes erfüllte sich - wenigstens vorbildlich - die
dem Abraham gegebene Verheißung. Der Prophet Nehemja gibt uns hier folgenden
Überblick:
„Du, Jehova, bist der Gott, der den Abram erwählt und ihn von Ur in Chaldäa ausgeführt und Abraham genannt hat. Und du hast sein Herz vor dir treu erfunden
und einen Bund mit ihm gemacht, zu geben das Land der Kananiter, Hetiter,
Amoriter, Pheresiter, Jebusiter und Girgasiter, seinem Samen es zu geben. Und
du hast dein Wort gehalten, denn du bist gerecht. Du hast das Elend unserer
Väter in Aegypten angesehen und ihr Schreien am Schilfmeer erhört und hast
Zeichen und Wunder getan an Pharao und allen seinen Knechten und an allem
Volk seines Landes; denn du wußtest wohl, daß sie Übermut mit ihnen trieben,
und du hast dir einen Namen gemacht, wie es heute der Fall ist. Du hast das
Meer vor ihnen zerteilt, daß sie mitten durchs Meer auf dem Trockenen gingen;
aber ihre Verfolger hast du in die Tiefe geschleudert, wie einen Stein in mächtige
Wasser. … Vierzig Jahre lang versorgtest du sie in der Wüste, daß ihnen nichts
mangelte; ihre Kleider veralteten nicht und ihre Füße schwollen nicht an. Du
gabest ihnen Königreiche und Völker und teiltest ihnen das ganze Gebiet aus, daß
sie das Land Sihons einnahmen, das Land des Königs zu Hesbon, und das Land
Ogs, des Königs zu Basan. Du vermehrtest ihre Kinder wie die Sterne am Himmel
und brachtest sie in das Land, welches du ihren Vätern verheißen hattest, daß sie
darein ziehen und es einnehmen sollten. Ihre Söhne zogen hinein und nahmen
das Land ein. Und du demütigtest vor ihnen die Einwohner des Landes, die
Kananiter, und gabest sie in ihre Hände, sowohl die Könige wie die Völker im
Lande. Und sie gewannen feste Städte und ein fettes Land und nahmen Häuser
ein, voll allerlei Güter, ausgehauene Brunnen, Weinberge, Ölbäume und Obstbäume in Menge; und sie aßen und wurden satt und fett und ergötzten sich an
deiner großen Güte.“ (Neh.9,7-11.21-25)
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Das Reich Gottes
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13. Die Richterzeit
Nach dem Tod Josuas führten die Israeliten unter der Führung des Stammes Juda
(Kaleb) den Eroberungskrieg weiter; denn es zeigte sich, daß der Stamm Ephraim, dem
Josua angehört hatte, und mit Ephraim die meisten übrigen Stämme dem Befehl Gottes
untreu wurden (4.Mos.13,6.8.16; Richt.1,2.12; vgl.Ps.78,67-68). Sie vertrieben die Feinde nicht
ganz aus ihren Wohngebieten, und um dieses Ungehorsams willen wurden ihnen die
nicht vertilgten Kananiter mit den übrigen Heiden zum Verhängnis (Richt.1,1 - 2,5). So lesen
wir im 106.Psalm:
„Sie vertilgten die Völker nicht, von denen der Herr ihnen gesagt hatte, sondern
ließen sich ein mit den Heiden und lernten ihre Weise. Und sie dienten ihren Götzenbildern, daß diese ihnen zum Fallstrick wurden. Und sie opferten ihre Söhne
und ihre Töchter den Dämonen. Und sie vergossen unschuldiges Blut, das Blut
ihrer Söhne und ihrer Töchter, die sie den Götzen Kanaans opferten, und so
wurde das Land durch Blutschulden entweiht. Und sie befleckten sich mit ihren
Werken und hureten mit ihren Taten. Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen
sein Volk, und er verabscheute sein Erbe. Er gab sie in die Gewalt der Nationen,
daß ihre Hasser über sie herrschten. Und ihre Feinde bedrückten sie, und sie
wurden gedemütigt unter ihre Hand. Er errettete sie oftmals; aber sie widerstrebten ihm mit ihren Anschlägen und kamen herunter durch ihre eigene Schuld.“
(Ps.106,34-43)
Zwar übten sie noch einigermaßen Treue zu Gott, solange die Ältesten Israels lebten,
die die Wunder Gottes in Ägypten und beim Auszug Israels bezeugten, an die sie sich
noch erinnern konnten. Aber nach ihrem Tode fiel Israel von Gott ab und den Götzen der
Heiden zu. So sagte Nehemja:
„Sie wurden ungehorsam und widerstrebten dir und warfen deine Gebote hinter
ihren Rücken und erwürgten die Propheten, die wider sie zeugten, daß sie sich zu
dir bekehren sollten, und verübten arge Lästerungen. Darum gabst du sie in die
Hand ihrer Feinde, die sie ängstigten. Doch zur Zeit ihrer Angst schrieen sie zu
dir, und du erhörtest sie vom Himmel und gabest ihnen nach deiner großen
Barmherzigkeit Helfer, die ihnen aus ihrer Feinde Hand halfen. Wenn sie aber zur
Ruhe kamen, taten sie wiederum Böses vor
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dir; alsdann überließest du sie in ihrer Feinde Hand, daß diese über sie herrschten. Wenn sie dann wieder zu dir schrieen, erhörtest du sie vom Himmel und
errettetest sie oftmals nach deiner großen Barmherzigkeit.“ (Neh.9,26-28)
So rettete sie zuerst Otniel, ein Sohn des Kenas aus Juda und Verwandter des
Kaleb, aus der Hand des Kuschan-Rischataim, des Königs von Mesopotamien (Richt.3,511), hernach Ehud, ein Benjaminit, aus der Hand Eglons, des Moabiterkönigs (Richt.3,1230), darnach Samgar aus der Bedrängnis von den Philistern (Richt.3,31). Berühmt und
vorbildlich für die spätere Prophetie war der gemeinsame Sieg Baraks (aus dem Stamm
Naphtali) und der Prophetin Debora über Jabin, den König der Kananiter, und Sisera,
dessen Feldhauptmann (Richt.4 - 5). Fast noch berühmter und vorbildlicher war Gideons,
des Abiesriters (aus Manasse), Sieg über die Midianiter mit nur dreihundert Mann (Richt.6 8).
Einer der Söhne Gideons, Abimelech, erschlug unter Mithilfe anderer Männer siebzig
Söhne Gideons bis auf einen, (Jotam), der entrann, und machte sich auf kurze Zeit zum
König. Doch Gott vergalt ihm sein Unrecht (Richt.9). Daraufhin richteten Tola und Jair das
Land (Richt.10,1-5). Doch Israel fiel wieder ab, und Gott mußte sie durch Jephtha, den
Das Reich Gottes
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Gileaditer, aus dem Stamm Manasse von den Ammonitern erretten (Richt.10,6 - 12,7;
1.Chr.7,14). Hier wird Ephraims Untreue sehr offenbar; denn Gott züchtigte sie durch
Jephthas Vorgehen (Richt.12,1-6). Nach ihm richteten Jbzan aus Juda, Elon aus Sebulon
und Abdon, ein Ephraimit, das Volk Israel (Richt.12,8-15).
Nach dieser Zeit erlangte wohl Eli schon ein Richteramt in Israel. Samuel, aus dem
Geschlecht Ephraim, leitete die Geschicke Israels offenbar mit Simson, aus dem Stamme
Dan. Simsons Heldentaten befreiten dann Israel von den Philistern; denn kurz vor Elis
Tod versagte Israel im Kampf gegen die Philister, und diesen fiel die Bundeslade, die
Herrlichkeit Israels, in die Hände. Doch sandten die Philister die Bundeslade ein Jahr
später mit Geschenken wieder zurück; denn die Hand des Herrn war zu schwer über
ihnen (Richt.13 - 16; 1.Sam.4).
Das Buch der Richter berichtet noch, daß der Stamm Dan für sich ein Erbteil suchte
und sich dabei dem Götzendienst zuwandte (Richt.17 - 18). Ferner berichtet es von einer
Schandtat der Männer zu Gibea, durch welche ganz Benjamin sich mitschuldig machte in
der Verteidigung dieser Ruchlosen (Richt.19 - 21). Im prophetischen Wort wird aber diese
Sünde dem ganzen Haus Israel zur Last gelegt, vornehmlich dem Stamm Ephraim
(Hos.9,9; 10,9).
Diese Sünde zeigt uns, daß Israel bis auf die Sünden Sodoms
herabgesunken war (1.Mos.19,4-8). Zur selben Zeit war kein König im Lande, und
jedermann tat, was ihm recht deuchte (Richt.21,25).
14. Israel als einheitliches Königreich unter dem König Saul
In der Forderung nach einem König, wie ihn die Heidenvölker hatten, bewies das Volk
Israel seine Abtrünnigkeit von Gott. So sehr auch die Not des Volksganzen einen solchen
erheischte, verwarfen sie damit Gott als ihren König (1.Sam.8 und 12). Von dem König Saul,
einem Mann aus Benjamin, den sie als ersten König erhielten, sagt Hosea:
„Das ist dein Verderben, Israel, daß du gegen mich, deine Hilfe, bist! Wo ist denn
nun dein König, daß er dir helfe, und deine Fürsten, daß sie dich richten? Denn du
hast ja gesagt: ‘Gib mir einen König und Fürsten!’ Ich gab dir einen König in
meinem Zorn und nehme ihn hinweg in meinem Grimm!“ (Hos.13,9-11)
Immerhin handelte Saul beim Antritt seiner Königsherrschaft noch im göttlichen Sinn,
„solange er klein war“; ja, er geriet sogar „unter die Propheten“ (1.Sam.9 und 10; 15,17).
Zuerst warf Saul die Ammoniter nieder und ward so von Gott vor dem Volk bestätigt
(1.Sam.11).
Darnach entstand Streit mit den Philistern; aber noch ehe die siegreiche
Schlacht geschlagen wurde, versündigte Saul sich durch Gebotsübertretung, die ihn das
Königtum kosten sollte; er maßte sich einen Gottesdienst an, der nur Samuel, dem
Propheten Gottes, zukam, und opferte Brandopfer, d.i. ein Ganzopfer, nicht aber, um
damit seine ungeteilte Herzensstellung zu Gott zu offenbaren, sondern im Gegenteil aus
Gründen der Ehre und der Selbsterhaltung. Darum sagte ihm Samuel:
„Du hast töricht gehandelt, daß du nicht gehalten hast das Gebot des Herrn deines Gottes, das er dir geboten hat; denn er hätte nun dein Königtum über Israel für
immer bestätigt. Nun aber wird dein Königtum nicht bestehen. Der Herr hat einen
Mann ausgesucht nach seinem Herzen, den hat der Herr zum Fürsten über sein
Volk verordnet; denn du hast nicht gehalten, was dir der Herr geboten hat.“
(1.Sam.13,13-14)
Das Reich Gottes
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Dennoch errang Saul durch die Heldentat seines Sohnes Jonathan und dessen
Waffenträger einen großen Sieg (1.Sam.13 und 14).
Aber in dem Vernichtungskrieg mit den Amalekitern, der dem Volk Israel von jeher
schon geboten war, hielt Saul sich nicht vollkommen an des Herrn Befehl; vielmehr
schonte er des Königs Agag und des besten Viehes, um letzteres angeblich als
Brandopfer für Gott zu verwenden.
Als Strafe für seinen Ungehorsam wurde Saul vom Herrn verworfen, und es gereute
ihn, daß er Saul zum König über Israel gemacht hatte (1.Sam.15,23). Samuel mußte dem
König Saul sagen:
„Hat der Herr Lust an Opfern und Brandopfern, wie am Gehorsam gegen die
Stimme des Herrn? Siehe, Gehorsam ist besser denn Opfer, und Aufmerken besser als das Fett von
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Widdern! Denn Ungehorsam ist Zaubereisünde, und Widerspenstigkeit ist Frevel
und Abgötterei. Weil du nun des Herrn Wort verworfen hast, so hat auch Er dich
verworfen, daß du nicht König sein sollst!“ (1.Sam.15,22-23)
Daraufhin befahl der Herr dem Propheten Samuel, einen der Söhne Isais aus dem
Geschlechte Juda zum König zu salben (1.Sam.16,1-13).
15. David, der Mann nach dem Herzen Gottes
Gott sprach:
„Ich habe die Hilfe einem Helden übertragen, einen Auserwählten aus dem Volke
erhöht; ich habe meinen Knecht David gefunden und ihn mit meinem heiligen Öl
gesalbt; mit ihm soll meine Hand beständig sein, und mein Arm soll ihn stärken.
Kein Feind soll ihn berücken und kein Ruchloser ihn unterdrücken; sondern ich
will seine Widersacher vor ihm zermalmen und seine Hasser schlagen. Aber mit
ihm soll meine Gnade und Treue sein, und sein Horn soll sich durch meinen
Namen erheben. Und ich will in seine Hand das Meer geben und in seine Rechte
die Ströme.“ (Ps.89,20-26)
„Er (Gott) erwählte seinen Knecht David und nahm ihn von den Schafhürden weg. Da
er den säugenden Schafen nachging, holte er ihn, daß er weiden sollte sein Volk Jakob
und sein Erbe Israel. Und er weidete sie mit aller Treue seines Herzens und leitete sie mit
geschickter Hand.“ (Ps.78,70-72)
David war der Sohn Isais, und dieser der Sohn Obeds, und der wieder der Sohn
Boas, der die gläubige Moabiterin Ruth zum Weibe genommen hatte. Aber Boas war der
Sohn Salmons, der die gläubiggewordene Buhlerin Rahab aus Jericho zur Frau
genommen hatte (Matth.1,5-6). Werden wir nicht an 2.Tim.1,5 erinnert, an den Segen, den
gläubige Frauen ihren Nachkommen hinterlassen, wenn wir Davids späteres
Glaubensleben betrachten?
Der Geist des Herrn kam durch die Salbung Samuels auf David, aber von Saul wich
der Geist Gottes und machte einem bösen Geiste Raum. David als ein tapferer,
streitbarer Mann, des Saitenspieles und der Rede kundig, mit dem der Herr war, wurde
vor Saul gebracht, und Saul gewann ihn sehr lieb. Zweifellos hat David da schon tiefer in
die Vorgänge der Geisterwelt schauen lernen müssen und hat sicherlich gelernt, durch
Gottes Wort und Saitenspiel solchen Machtwirkungen zu
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Das Reich Gottes
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begegnen; denn Saul hatte Erleichterung dabei, der böse Geist wich zeitweilig von ihm
(1.Sam.16,12-23).
Aber Davids Sieg über den Riesen Goliath und die Philister und der Siegesgesang
der Frauen:
„Saul hat seine Tausende geschlagen, David aber seine Zehntausende!“
(1.Sam.18,7)
machten Saul doch zum Todfeind Davids; denn Saul erkannte, daß der Herr mit David
war und ihm zum Königtum verhelfen wollte. Als Sauls Totschlagsabsichten mißlangen,
entfernte er David vom Hof und setzte ihn zum Obersten über Tausend in Israel.
Doch Gott gab dem David in Jonathan, dem Sohn Sauls, einen treuen Freund. David
aber wurde nun unter dem Volk bekannt, und es gewann ihn lieb; denn er zog vor ihnen
her und ein und aus. Da suchte Saul, ihn in den Philisterkriegen ständiger Lebensgefahr
auszusetzen; dazu gab er ihm eine seiner Töchter, die Michal, zum Weibe, um ihn
dadurch zu Falle zu bringen. Der Herr aber war mit ihm, und Michal hatte ihn lieb, daß sie
ihn nicht verdarb, sondern ihm zur Rettung seines Lebens verhalf. Da fürchtete sich Saul
noch mehr vor David und trachtete darnach, ihn zu töten (1.Sam.17 - 19).
Jonathan jedoch verhalf David zur Flucht. Auf der Flucht vor Saul hungerten David
und seine Begleiter. Da scheute er sich nicht, vom Priester die heiligen Schaubrote zu
erbitten, die doch nur die Priester essen dürfen; denn ohne die Brote würden sie verschmachtet und in die Hände Sauls gefallen sein (1.Sam.20 - 21; Matth.12,3-7). So lernte
David, die Barmherzigkeit Gottes höher anzuschlagen als die Forderung des Gesetzes,
welches sein Vorgehen streng untersagte.
Saul war Davids Feind sein Leben lang und suchte ihn und seine kleine Streitschar,
die sich um ihn gesammelt hatte, zu vernichten. Gott aber gab ihn nicht in Sauls Hand,
vielmehr gab er Saul zweimal in Davids Hand. David übte jedoch Barmherzigkeit an
seinem Feind und verdarb Saul nicht, entgegen dem Rat seiner Mitstreiter (1.Sam.24 und
26).
Unbesonnen Rache zu nehmen an einem boshaften Manne, davor bewahrte ihn die
Klugheit Abigails, also daß er es (noch mehr) lernte, sich nicht mit eigener Hand zu
helfen, sondern die Rache seinem Gott zu überlassen (1.Sam.25).
David begab sich schließlich unter den Schutz der Philister, um den Nachstellungen
Sauls zu entgehen.
Da begann ein Krieg mit den Philistern, deren Heer sehr groß war, und Saul fürchtete
sich vor ihnen, und sein Herz war sehr verzagt, und darum fragte er den Herrn. Aber der
Herr ließ sich von Saul nicht mehr erfragen, aus diesem Grunde wandte er sich mit Hilfe
einer Totenbeschwörerin
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an den Geist des verstorbenen Propheten Samuel. Der antwortete ihm:
„Warum willst du denn mich fragen, da doch der Herr von dir gewichen und dein
Feind geworden ist? Der Herr hat getan, wie er durch mich geredet hat, und der
Herr hat das Reich von deiner Hand gerissen und es David, deinem Nächsten
gegeben. Weil du der Stimme des Herrn nicht gehorcht und den Grimm seines
Zorns wider Amalek nicht ausgerichtet hast, darum hat dir der Herr jetzt solches
getan. Dazu wird der Herr auch Israel mit dir in die Hand der Philister geben, und
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Das Reich Gottes
morgen wirst du samt deinen Söhnen bei mir sein. Auch wird der Herr das Heer
Israels in die Hand der Philister geben!“ (1.Sam.28,16-19)
Gott ersparte es David, mit den Philistern gegen Saul und sein eigenes Volk zu
kämpfen; denn die Philisterfürsten trauten ihm nicht. Aber damit, daß der Herr die ganze
Wohnstadt Davids, Ziklag, mit allen Angehörigen Davids und seiner Mitstreiter in die
Hände der Amalekiter gab, hatte der Herr über David doch eine sehr harte Prüfung
gesandt. David aber hielt sich fest an den Herrn, seinen Gott, schlug die Amalekiter und
gewann alles Verlorene wieder zurück (1.Sam.30). König Saul, Jonathan und zwei andere
Söhne Sauls fielen im Kampf mit den Philistern. Das Heer aber floh, und die Philister
gewannen an Land (1.Sam.31; 2.Sam.1; 1.Chr.10).
16. Davids Königtum
Auf des Herrn Geheiß zog David nach Sauls Tod von Ziklag nach Hebron, und dort
erhoben und salbten ihn die Männer Judas zum König in Juda, als er dreißig Jahre alt
war. Aber Sauls Feldhauptmann, Abner, suchte das Königtum der Linie Saul zu erhalten
und erhob nach einigen Jahren einen Sohn Sauls, Jschboset, zum König. Dieser war
gegen Abner undankbar, und darum suchte Abner, dem König David auch noch die
übrigen Stämme zuzuwenden. Abner und Ischboset fielen aber durch die Mörderhand
Joabs. Da kamen alle Stämme Israels nach Hebron zu David und erhoben und salbten
ihn zum König über ganz Israel. Nach seiner Wahl zum König über Israel zog David aus
und eroberte Jerusalem, die Hauptstadt der Jebusiter, mitsamt der Burg Zion und machte
sie zu seiner Residenz. Und David ward immer mächtiger, und Jehova, der Gott Zebaoth,
der Gott der Heerscharen, war mit ihm; und Gott bestätigte sein Königtum. David führte
die Kriege Gottes und erweiterte die Grenzen, bis er seinem Sohne Salomo ein Reich
hinterließ, das nach der Gottesverheißung an Abraham vom Bach Ägyptens bis zum
Strom Euphrat in Assyrien reichte (2.Sam.2 - 10; 1.Mos.15,18; 1.Kg.4,21).
Als nun David in einem neu errichteten Zedernpalaste wohnte, bekümmerte es ihn,
daß die Herrlichkeit Gottes unter Zelten wohnen müsse.
Seite 37
Darum beschloß er, Gott ein Haus zu bauen. Diese Gesinnung, daß er sein Königtum nur
von Gott ableitete und Gottes Königsherrschaft über alle Götter, Herrschaften,
Fürstentümer, Gewalten und Mächte stellte, die im Himmel und auf Erden wirksam sind,
veranlaßte Gott, dem David durch den Mund des Propheten Nathan ein ewiges Königtum
zuzusichern, nämlich die eidliche Zusage, daß der Christus aus Davids Fleisch
hervorgehen und als Unsterblicher auf dem Thron Davids ewig herrschen werde (2.Sam.7;
1.Chr.17; Apg.2,30-32). Auf diese Gnadenverheißung ist in Psalm 89 siebenmal verwiesen,
und die Propheten knüpfen daran an (Ps.89,2-5.28-30.36-38.40.50; Jes.22,22; 55,3; Offb.2,26-28;
3,7; 12,5). An dieser Gnadenverheißung hielt David in allen Lebenslagen fest. Davon wich
er auch nicht nach seiner großen Versündigung gegen den Herrn, und darum wurde ihm
dieser Glaube, ähnlich wie dem Abraham, wiederholt zur Gerechtigkeit gerechnet
(2.Sam.11 und 12; Röm.4,1-8).
Das Reich Gottes
- 38 -
Durch die seelsorgerliche Hilfe des Propheten Nathan kam er auch wieder mit der
Versündigung mit dem Weib Uria und ihrem Mann zurecht, und sein Bekenntnis vor
Nathan:
„Ich habe mich gegen den Herrn versündigt“,
ist im 51.Psalm näher ausgeführt (2.Sam.12,13). Offenbar war er schwer krank geworden
und kam nach seiner Zurechtbringung wieder mit dem Leben davon; denn
Nathan sagt ihm:
„Der Herr hat deine Sünde hinweggenommen, du sollst nicht sterben!“
(Ps.38; 39; 41)
Und David selbst sagt:
„Als ich es verschweigen wollte, verschmachteten meine Gebeine durch mein
täglich Heulen. Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, daß mein
Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird. Da bekannte ich dir meine Sünde
und verhehlte meine Missetat nicht; ich sprach: ‚Ich will dem Herrn meine
Übertretung bekennen!‘ Da vergabst du mir meine Sündenschuld! Um das möge
jeder Fromme dich bitten zur Zeit, da es zu erlangen ist; dann sollen zur Zeit der
Flut die großen Wasser ihn nicht erreichen. Du bist mein Schirm, vor Drangsal
behütest du mich, mit Rettungsjubel umgibst du mich!“ (Ps.32,3-7)
In dieser Zeit hatte David erkennen gelernt, daß Gott nicht die nach dem Gesetz
geforderten Opfer und Gaben, Brandopfer und Sündopfer begehre; denn sie konnten
solche Sünden nicht hinwegnehmen; sondern den zerbrochenen Geist, das zerschlagene
Herz des reuigen und (vor einem Menschen) offenbargewordenen Übertreters. Sein
Geistesauge wurde geschärft; er bekam den Blick dafür, daß der Schlangentreter
Seite 38
Jesus Christus, der geweissagte Messias, aus seinen Lenden kommen würde, damit
dieser Christus im Menschenleib durch die Aufopferung dieses Leibes den Willen Gottes
erfüllte (Ps.40,7-9; 51,18-19; Jes.57,15; 66,2-5; Hebr.10,4-10).
David behielt diese Erkenntnis der Gottesgerechtigkeit und Glaubensrechtfertigung
nicht für sich zurück, sondern offenbarte sie trotz allen Widerstandes des Volkes und
dessen Gesetzeslehrer, die doch allesamt solche Glaubensrechtfertigung nötig gehabt
hätten, in der Gemeinde. Er sagt:
„Ich erfreute mit der Botschaft von deiner Gerechtigkeit eine große Gemeinde;
siehe, ich verschloß meine Lippen nicht, Jehova, das weißt du! Deine Gerechtigkeit verbarg ich nicht in meinem Herzen; von deiner Wahrheit und von deinem
Heil redete ich; ich verhehlte deine Gnade und Treue der großen Gemeinde
nicht.“ (Ps.40,10-11)
Aber das Volk verstand ihn nicht, die Führer wollten ihn nicht verstehen und
arbeiteten als seine Widersacher schließlich, wie es anzunehmen ist, unter Absaloms
geheimer Führung, auf Davids Sturz vom Thron und seinen Tod hin. Das Volk verschloß
seine Augen so sehr vor dem Fluch des Gesetzes und dem menschlichen Unvermögen,
es zu halten, und vor Gottes Barmherzigkeit am Sünder, daß David schließlich sagen
mußte:
„Ihr Tisch müsse vor ihnen zur Schlinge und den Sorglosen zum Fallstrick werden! – Ihre Augen sollen so finster werden, daß sie nicht mehr sehen, und ihre
Hüften sollen allezeit wanken!“ (Ps.69,23-24; Röm.11,7-10)
Davids Glaubensvollendung dürfen wir wohl da sehen, als er auf seiner Flucht vor
Absalom, da Gott Davids Sünde heimsuchte, zum Priester Zadok sagte:
Das Reich Gottes
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„Bring‘ die Lade Gottes wieder in die Stadt (Jerusalem) zurück! Finde ich Gnade
vor dem Herrn, so wird er mich wiederbringen, daß ich ihn und seine Wohnung
wiedersehen darf. Ist aber dies sein Wort: ‚Ich habe keine Lust zu dir!‘ – siehe,
hier bin ich; er tue mit mir, wie es ihm gefällt!“ (2.Sam.15,25-26)
Sein Weg über den Bach Kidron den Ölberg hinan, unter Weinen und Schmachtragen, erinnert uns an Jesu Leidensweg, der in Gethsemane begann (2.Sam.15,23.30; 16,513; Joh.18,1). In Davids Leidenszeit fällt wohl auch die Entstehung der Ps.3,4,22, 69, 70
und 71.
Auch die letzte große Versündigung Davids, daß er, gegen den Willen Gottes und
trotz vorheriger Warnung, das Volk Israel zählen ließ, brachte ihn nicht gänzlich von Gott
ab, sondern trieb ihn noch mehr in die Arme Gottes und zum gläubigen Anklammern an
seine Barmherzigkeit (2.Sam.24; 1.Chr.21).
Seite 40
Das ist die Größe Davids, und darin erweist er sich ganz als ein Mann nach dem
Herzen Gottes, daß er trotz aller Versündigungen sich nicht entmutigen läßt, seinen Gott
so lange zu suchen, bis er sich gänzlich zum Gnadenthron Gottes hindurchgerungen und
so Gottes Liebeswalten in seiner ganzen Tiefe kennengelernt hat. Nun konnte er die
erworbenen Gnadengüter dem ganzen Volk und allen ihm folgenden Königen
offenbarmachen.
17. König Salomo und die ihm folgende Teilung des Reiches
Salomo wurde noch zu Lebzeiten Davids zum König über Israel gesalbt. Sein Reich
war ein Friedensreich und vorbildlich für das verheißene tausendjährige Friedensreich. Er
brauchte keine Kriege mehr zu führen; denn sein Land reichte, wie verheißen, von der
Grenze Ägyptens bis zum Euphrat (1.Kg.4,21). Vom Herrn erbat er sich Weisheit und
Einsicht zur Rechtspflege in einem so großen Volke (1.Kg.3,4-15). Salomo führte auch den
ihm von David befohlenen Bau des Tempels aus, für den sein Vater große Reichtümer
und den Bauplan bereitgestellt hatte (1.Kg.5 - 8). Zur Einweihung des Tempels, zur Zeit, da
er auch seinen eigenen Königspalast vollendet hatte, erschien ihm der Herr zum zweiten
Mal und bestätigte sein Werk, den vollendeten Tempel, den Gott zu seiner Wohnung
erkor.
„Als Salomo alt war, neigten seine Weiber sein Herz fremden Göttern zu, so daß
sein Herz nicht mehr ergeben war an Jehova, seinen Gott, wie das Herz seines
Vaters David. Also lief Salomo der Astarte nach, der Gottheit der Zidonier, und
Milkom, dem Greuel der Ammoniter. Und Salomo tat, was böse war in den Augen
des Herrn, und folgte dem Herrn nicht gänzlich nach wie sein Vater David. Damals
baute Salomo eine Höhe dem Kamos, dem Greuel der Moabiter, auf dem Berge,
der vor Jerusalem liegt, und dem Moloch, dem Greuel der Kinder Ammons. Und
also tat er allen seinen ausländischen Weibern, die ihren Göttern räucherten und
opferten. Aber der Herr ward zornig über Salomo, daß sein Herz von Jehova, dem
Gott Israels, gewichen, der ihm zweimal erschienen war, ja, der ihm gerade
darüber Befehl gegeben, daß er nicht andern Göttern nachwandeln sollte; aber er
beobachtete nicht, was ihm der Herr geboten hatte. Darum sprach der Herr zu
Salomo: Weil solches von dir geschehen ist und du meinen Bund nicht bewahrt
hast noch meine Satzungen, die ich dir geboten habe, so will ich gewiß das
Königreich von dir reißen und es deinem Knechte geben. Doch zu deiner Zeit will
ich es nicht tun, um deines Vaters David willen; von der Hand deines Sohnes will
Das Reich Gottes
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ich es reißen. Nur will ich (ihm) nicht das ganze Reich entreißen, einen Stamm will
ich
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deinem Sohne geben um meines Knechtes David und um Jerusalems willen, die
ich erwählt habe.“ (1.Kg.11,4-13)
Damals erweckte der Herr dem Salomo Widersacher, die ihm das Ende seiner
Regierungszeit trübten (1.Kg.11,14-28).
Nach vierzigjähriger Regierung Salomos ging die Herrschaft auf seinen Sohn
Rehabeam über. Wegen der Unweisheit Rehabeams entglitten seiner Regierungsgewalt
zehn Stämme Israels, welche Jerobeam, ein Beamter Salomos, aus dem Geschlechte
Ephraims in Verfolg (= Fortgang Erklärung Duden) der Weissagungsworte des Propheten
Achija an sich riß (1.Kg.11,29-39); bei Rehabeam blieben nur die Stämme Juda und
Benjamin (1.Kg.12,17.20-24; 2.Chr.10,17; 11,12-14.23).
18. Das Nordreich Israel
a) Das Königsgeschlecht Jerobeam
Jerobeam, der erste König im Nordreich Israel, fürchtete den Zusammenschluß aller
zwölf Stämme und damit um sein Leben, wenn ganz Israel weiterhin nach Jerusalem zog,
um dort Jehova anzurufen und ihm zu opfern. Darum errichtete er an der südlichen
Grenze des Reiches zu Bethel und an der Nordgrenze zu Dan je ein goldenes Kalb,
richtete den Götzendienst ein, bestellte Götzenpriester und vertrieb die Leviten (1.Kg.12,2533; 2.Chr.13,8-9).
Darum verwarf Gott ihn und sein Haus, und der Prophet Achija weissagte
den Untergang des Nordreichs Israel, nachdem ein anderer Mann Gottes dem Jerobeam
die Verwüstung seines Götzens und seines Götzenopferaltars durch einen kommenden
König Josia (= ‘Gott stützt’) geweissagt hatte (1.Kg.13,1 - 14,20). Die Könige von Juda
setzten ihm auch bald zu und schwächten ihn empfindlich. Immerhin starb er noch eines
natürlichen Todes. Aber sein Sohn Nadab und mit ihm das ganze Haus Jerobeams ward
von Baesa, einem Mann aus Issaschar, nach dem Willen des Herrn, umgebracht
(1.Kg.15,25-34). Und Baesa schwang sich zum König auf.
b) Das Königsgeschlecht Baesa und König Simri
Doch auch König Baesa wandte sich nicht von den Sünden Jerobeams, sondern
betrieb den Götzendienst weiter. Darum erreichte auch ihn die Weissagung des Propheten Jehu vom Untergang seines Hauses (1.Kg.16,1-4.7).
Baesas Sohn Ela regierte nur zwei Jahre und fiel durch die Hand seines Dieners
Simri, der das ganze Haus Baesas vertilgte und sich zum König machte. Aber auch Simri
handelte böse vor dem Herrn und suchte nach siebentägiger Regierung selbst den Tod,
ehe ihn die Hand Omris erreichte. Das Volk Israel teilte sich nun in zwei Hälften, so daß
eine Zeitlang zwei Könige gleichzeitig herrschten: Tibni und Omri. Aber Tibni starb nach
vier Jahren, und Omri blieb Alleinherrscher im Nordreich Israel (1.Kg.16,8-23).
Seite 42
c) Das Königsgeschlecht Omri
Die Residenz der Könige Israels war bisher Tirza (d.h. ‘die Liebliche’), die schönste
Stadt in Israel (1.Kg.14,17; 15,21.23; 16,6.8-9.15.17-23; Hld.6,4). König Omri erwarb aber nach
Das Reich Gottes
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sechs Jahren seiner Regierungszeit den nachmalig so benannten Berg Samaria von
einem Manne namens Semer und erbaute dort die Stadt Samaria als seine neue
Residenzstadt, nach der später das ganze Land des Nordreichs benannt wurde. Doch
Omri sündigte noch mehr gegen Gott als Jerobeam. Ahab aber, der auf seinen Vater als
König folgte, sündigte wieder mehr als alle Könige vor ihm gesündigt hatten: er diente
dem Baal und baute eine Aschera.
In seine Regierungszeit fällt das gewaltige Wirken des Propheten Elia. Der größten
Verderbnis des Volkes setzt Gott nach dem Gericht jahrelanger Trockenheit die höchste
damalige Gottesoffenbarung gegenüber, so daß der Baalsdienst auf dem Berge Karmel
dem wahren Gottesdienst weichen muß (1.Kg.16,23 - 18). Darnach tötet Ahab im Sieg
gegen die Syrer König Benhadad II. nicht, sondern verbündet sich mit ihm, dem Feind
des Volkes Gottes (1.Kg.20). Durch sein Weib wird Nabot getötet, und darauf wird seiner
Familie das väterliche Erbe von Ahab geraubt, und deshalb muß er sich und seinem
Weibe von Elia das Gericht ansagen lassen, das aber, weil Ahab Buße tut, auf seine
Nachkommen verschoben wird (1.Kg.21). Elia wirkt auch noch etwa zehn Jahre unter der
Regierung des Königs Ahasja, des Sohnes Ahabs. Doch auch Ahasja dient dem Baal und
den Götzen und fragt nach einem unglücklichen Sturz von seinem Hause nicht bei Gott,
sondern bei den Götzen um sein Weiterleben; darum weissagt Elia ihm den Tod
(1.Kg.16,24 - 22,40; 2.Kg.1).
Ahasja starb kinderlos. Ihm folgt sein Bruder Joram. Dieser beseitigt die Säule Baals,
die sein Vater, der König Ahab, errichtet hatte. Aber an den Sünden Jerobeams, dem
Kälberdienst zu Dan und Bethel, blieb er doch noch hängen. Zu seiner Zeit wirkte der
Prophet Elisa sehr im Segen für das Volk. Nur einem Bündnis mit Josaphat einem König
aus Juda, hatte er einst seine und seines Heeres Errettung zu verdanken (2.Kg.3).
d) Der Prophet Elia
Unter dem Einfluß seines Weibes Isebel, der Tochter Et Baals, des Königs der
Zidonier, hatte König Ahab den Baalsdienst so eingeführt, daß der Fürst dieser Welt
meinte, in Israel seine höchsten Triumphe feiern zu können. Abtrünnigkeit des Volkes von
Gott und Götzendienst beherrschten das Land so, daß diese Isebel sogar die Knechte
Gottes lehrte und sie zu töten suchte, wenn sie sich widersetzten (Offb.2,20; 1.Kg.18,4.13).
Da beruft Gott den Propheten Elia, den Tisbiter, der dem Ahab sagte:
„So wahr Jehova, der Gott Israels, lebt, vor dessen Angesicht ich stehe, es soll
diese Jahre weder Tau noch Regen fallen, es sei denn, daß ich es sage!“
(1.Kg.17,1)
Seite 43
Elia selbst wird von Gott an den Bach Krit verwiesen, wo der Herr ihn durch Raben
mit Brot und Fleisch versorgt. Zur Zeit, da der Bach vertrocknet, erhält er von Gott
Weisung, zu einer heidnischen, aber an Gott gläubigen Witwe nach Zarpat in Zidonien zu
reisen, die ihn mit ihrem letzten Öl- und Mehlvorrat versorgen soll, der nach Gottes und
des Elia Wort ausreichen soll, bis es auf Erden wieder regnet. Währenddem sich Elia bei
dieser Witwe aufhält, stirbt ihr Sohn, und Elia muß sie lehren, trotz ihrer „Missetat“ zu
Das Reich Gottes
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glauben, daß Gott vom Tod errettet: ihr Sohn wurde auf das Gebet des Elia hin wieder
lebendig (1.Kg.17).
Doch die Zeit kam heran, da Gott wieder regnen lassen wollte. Das Sterben unter
Menschen und Tieren war sehr groß; aber anstatt Buße zu tun und Gott anzurufen,
suchte Ahab den Tod des Elia, des Knechtes Gottes. Immerhin lässt Ahab auf Elias
Veranlassung es vorerst noch auf dem Berge Karmel zu einem Krafterweis daraufhin
ankommen, ob Jehova oder Baal in Israel Gott sei.
Sicher hat das Gericht der Trockenheit und Hungersnot bis dahin seine guten Wirkungen gehabt; denn das von Gott abgefallene Volk diente dem Baal nicht mehr allein,
sondern hinkte bereits wieder auf zwei Seiten und diente beiden, dem Baal und Jehova.
Der Götze Baal war aber nicht imstande, das ihm auf dem Karmel ausgelegte
Morgenopfer in Brand zu setzen und zu verzehren, obschon seine vierhundertfünfzig
Propheten und vierhundert Propheten der Aschera unter Hauteinschnitten um den
Götzenopferaltar rasten; denn Elia hatte gesagt:
„Welcher Gott mit Feuer antworten wird, der sei Gott!“ (1.Kg.18,24)
Das Volk aber sah zu. Baal antwortete jedoch nicht mit Feuer, obwohl Elia ihn und
seine Priester noch höhnte; dagegen erhörte Gott Jehova das Gebet seines Knechtes
Elia, und Feuer vom Himmel fraß vom Altar, den Elia aus zwölf Steinen dem Herrn
errichtet hatte, das Brandopfer und das Holz mitsamt den Altarsteinen und verzehrte
sogar das reichlich darüber gegossene Wasser, das um den Altar herum in einem
Graben aufgefangen wurde. Daraufhin warf sich das Volk nieder und rief:
„Jehova ist Gott! Jehova ist Gott!“ (1.Kg.18,39),
und Elia ließ dann alle Götzenpriester am Bach Kison hinrichten.
Gleich darauf gab der Herr auf das Gebet des Elia hin reichlich Regen, und die Erde
brachte wieder ihre Frucht für Mensch und Vieh (1.Kg.18).
Isebel aber, die Gemahlin des Königs Ahab, fragte nichts nach der Errettung des
Volkes, Viehes und Landes vor dem Verschmachten. Als sie von Ahab alles gehört hatte,
was Elia getan, ließ sie ihm durch einen Boten das Todesurteil ansagen. Da floh Elia um
seines Lebens willen nach Beerseba („Sieben-Brunnen“) in Juda und von dort noch eine
Tagesreise weit in die Wüste, setzte sich unter einen Ginsterstrauch, bat, daß er stürbe,
und sprach:
„Es ist genug! So nimm nun, Herr, meine Seele; denn ich bin nicht besser als
meine Väter!“ (1.Kg.19,1-8)
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Elias war bekümmert über seine Untreue im Bekenntnis Jehovas, seines Gottes, und
er erkannte, daß der Mensch alles um sein Leben hergibt, auch seinen Gott, und daß er
in dieser Einstellung nicht besser sei, als seine Väter, die gegen Gott gesündigt hatten
(1.Kg.19,9-10; Hi.2,3-6).
Wohl wußte Elia, daß Gott Toten das Leben wiedergeben kann (1.Kg.17,17-24). Aber
am rechten Auferstehungsglauben, daß Gott aus den Toten in Unvergänglichkeit
auferweckt, scheint es ihm noch gefehlt zu haben; sonst hätte er sein Leben einsetzen
können, und es ist nicht abzusehen, wie Gott sich dann verherrlicht hätte. Wie dem auch
sei, Gott ließ ihn nicht sterben, sondern offenbarte ihm durch Wasser und Brot aus eines
Das Reich Gottes
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Engels Hand, daß der Mensch eine Speise erlangen könnte und müßte, die ihn zur
Todesüberwindung führen soll. Aus der Kraft dieses vorbildlichen Brotes und Trankes
ging Elia vierzig Tage und vierzig Nächte bis an den Berg Horeb (Sinai), wo ihm der Herr
zu begegnen sucht: aber nicht in den Gerichtswirkungen von Sturm, Erdbeben und Feuer
(Sinai), sondern im sanften Säuseln, einer Andeutung auf Gottes Heilsratschluß der
Barmherzigkeit. Und der Herr fragte den Elia:
„Was willst du hier, Elia?“,
nämlich am Sinai, dem Berge jenes Bundes, der zur Knechtschaft und zum Fluch
gebiert? (1.Kg.19,13; Gal.3,10; 4,24.30) Da sprach Elia:
„Ich habe heftig für Jehova, den Gott Zebaoth, geeifert; denn die Kinder Israels
haben deinen Bund verlassen, deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit
dem Schwert umgebracht, und ich bin allein übergeblieben, und sie trachten darnach, daß sie mir das Leben nehmen!“ (1.Kg.19,14)
Aber der Herr offenbarte dem Elia, daß er sich, wie Paulus später erklärt, aus (den
David zugesagten) Gnaden, also nicht aus „Werken“ oder „Eifer für Gott“, siebentausend
(Sünder) zur Errettung überbehalten hat, die ihre Kniee vor Baal nicht gebeugt haben. –
Waren diese Siebentausend keine Sünder? Hatten sie den Bund nicht gebrochen?
Waren sie vom Ungehorsam ausgenommen, unter den Gott alle Menschen verschlossen
hat? Durchaus nicht! (Jer.31,31-34; Röm.3,9; 11,32; Gal.3,22). Aber in allen Todesgefahren, die
wegen ihrer Missetaten über sie in der Gerichtszeit der Trockenheit gekommen waren,
streckten sie ihre Hand nicht nach dem Baal zur Errettung aus, sondern hatten sicher auf
prophetischen Einfluß hin den Mut, Gott, Jehova, anzurufen, daß er sie und die Ihren
rette. Sie waren nicht, wie Elia, Bekenner Jehovas, ihres Gottes, aber sie hatten ihm
Erlösungsgedanken, ein Erbarmen und Rettungsabsichten zumuten müssen, an denen
Elia nun erst praktisch lernen mußte; - denn bis zu seiner Flucht vor Isebel ist er in seinen
Augen besser gewesen als seine Väter in Israel. So lernte Elia „Edles“ vom „Gemeinen“
scheiden, und wurde wieder „Mund Gottes“ und sollte errettet werden aus der Hand aller
seiner Feinde (Jer.15,19-20).
Gott gebot dem Elia, seinen Prophetenmantel dem Elisa, dem Sohn Saphats,
umzuwerfen, der seinen Dienst mit einem zweifachen Maß seines
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Geistes weiterführte und im Verein mit den Königen Jehu und Hasael das Gericht am
ungläubigen Teil Israels vollenden sollte, die gläubigen Siebentausend verschonend. Elia
selbst hatte Gottes Rettungsabsichten an sich erkannt und erfaßt und erlangte im
standhaften und zunehmenden Glauben zuletzt doch noch den Sieg über den Tod.
Noch vor seiner Himmelfahrt sind Elisa und die Prophetensöhne von Gottes Absicht,
den Elia zum Himmel hinaufzuholen, unterrichtet worden. Nachdem Elia seine
todüberwindende Glaubensmacht am Todesstrom Jordan, der zurückweichen mußte, um
ihn trockenen Fußes unverletzt hindurchzulassen, offenbart hatte, wurde er vor den
Augen des Elisa im feurigen Wagen mit Feuerrossen im Wetter gen Himmel geholt
(2.Kg.2,1-18).
Das Reich Gottes
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e) Das Königsgeschlecht Jehu und König Sallum
Jehu, der Enkel eines Nimsi und Hauptmann im Heere Israels, wurde laut Auftrag des
Propheten Elisa von einem der Prophetensöhne zum König gesalbt, wie schon der
Prophet Elia hatte tun sollen (1.Kg.19,16; 2.Kg. Kap.9). Jehu erschlug den König Joram und
seine Mutter Isebel, das Weib des verstorbenen Königs Ahab, und das ganze Haus
Ahabs nach des Herrn Geheiß und rottete den wieder aufgekommenen Baalsdienst samt
den Baalspriestern aus (2.Kg.10). Aber vom Kälber- und Höhendienst kam auch König
Jehu nicht ab, und darum wurde die Bedrängnis durch die Syrer härter, weil deren König
Hasael zum Gericht an Israel dienen mußte (1.Kg.19,15-18; 2.Kg.8,11-15).
Auch sein Sohn Joahas und sein Enkel Joas wandelten als Könige in Israel auf den
Wegen Jerobeams, der Israel sündigen gemacht hatte, weshalb die syrische Bedrängnis
anhielt. Doch war der Herr ihnen gnädig um des Bundes willen, den Gott mit Abraham
geschlossen hatte (2.Kg.13,22-25). Und wie leicht hätte der König Joas die Syrer mit
Benhadad III. bis zur Vernichtung schlagen können, wenn er der Stimme des
sterbenskranken Elisa gänzlich gefolgt wäre; in seinem Ungehorsam wurde sein geteiltes
Herz offenbar (2.Kg.13,14-19). Der Herr gab aber durch eine Weissagung des Propheten
Jona dem König Jerobeam II., dem Sohn des Joas, noch Sieg über die Feinde Israels
und größere Landeroberung, obwohl auch Jerobeam II. neben seiner Gottesfurcht den
goldenen Kälbern Jerobeams I. diente. Aber der Herr sah das bittere Elend Israels an
(2.Kg.14,23-29).
Und doch weissagten bald darauf noch zu Jerobeams II. Regierungszeit
die Propheten Amos und Hosea vom Untergang des Reiches (Hos.1,1; Am.1,1).
Sacharia der Sohn Jerobeams II., regierte nur ein halbes Jahr zu Samaria und wurde
von Sallum erschlagen, der sich zum König machte. Dieser regierte nur vier Wochen und
wurde wieder von Menachem erschlagen, der dann länger regierte (2.Kg.15,8-17).
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f) Das Königsgeschlecht Menachem und König Pekach
Alle vorhin erwähnten Könige hingen am Götzendienst Jerobeams I. Statt aber Buße
zu tun, von der Götzenverehrung abzulassen, das Volk auf den Gottesdienst in
Jerusalem zu verweisen und Gott zur Rettung anzurufen, sucht Menachem beim König
Phul von Assyrien Hilfe gegen Syrien, der trotzdem in sein Land noch einzufallen sucht.
Diesen drohenden Einfall Assurs wendet Menachem mit einer Buße von tausend
Talenten Silber ab. Aber obwohl er sich bei diesem „Streiter“-König (Jareb = „Streiter“)
tributpflichtig macht; - denn Gott hatte den Geist der Könige Assurs gegen Israel erweckt
-, weicht die tödliche Krankheit vom Nordreich Israel dennoch nicht; vielmehr beschließt
Gott, ganz Israel der Streitmacht Assurs zur Gefangenführung auszuliefern (1.Chr.5,26;
Hos.5,13; 10,6). Denn Gott rechnete es seinem Volk Israel als besondere Sünde an, daß es
mit dem Reich Assur buhlte, sich heftig in die Assyrer verliebte, mit ihnen einen Bund
machen und nach Assur ziehen wollte, um dort Hilfe zu erlangen (Hes.16,28; 23,12; Jer.2,18).
König Phul kam wieder und führte im Verein mit dem ihm folgenden König Tiglat-Pileser
die Rubeniter und die Gaditer und den halben Stamm Manasse aus dem Lande hinweg
und brachte sie nach Chalach und Chabor und nach Hara und dem Flusse Gosan bis auf
Das Reich Gottes
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diesen Tag (1.Chr.5,26). Vielleicht hat auch Jerobeam II. schon Hilfe in Assur gesucht;
denn Hosea muß dem Haus Jehus den Untergang ansagen (Hos.1,4).
Freilich wären die Könige Israels genötigt gewesen, Gott auf Grund seiner dargebotenen Barmherzigkeit und Gnade zu ihrer Errettung anzurufen; denn nach dem Gesetz
von Sinai waren sie vor Gott bundbrüchig, aber sie hörten nicht auf die Propheten, die
Gott ihnen sandte.
Der Sohn Menachems, Pekachja, regierte in Isreal nur zwei Jahre und wurde von
seinem Wagenkämpfer Pekach, dem Sohne Remaljas, erschlagen, der sich zum König
machte. Allerdings schließt Pekach mit dem König Rezin von Syrien ein Waffenbündnis
gegen das Volk Juda unter dessen gottlosem König Ahas, weshalb das Volk auch sehr
züchtigungsreif war. Aber der König von Assyrien, Tiglat-Pileser, nahm Jjon, Abel-BetMaacha, Janoach, Kedesch, Hazor, Gilead, Galiläa und das ganze Land Naphtali ein und
führte deren Bewohner gefangen nach Assyrien (2.Kg.15,23-31.37).
g) König Hosea und der Untergang Israels
Hosea, der letzte König Israels, bestieg den Thron, indem er seinen Vorgänger tötete,
und obwohl er ein Gericht an einem gottlosen König ausführte, so wandte er sich doch
nicht vom Götzendienst Jerobeams, sondern wurde dem Assyrerkönig tributpflichtig,
anstatt ihn mit Gottes Hilfe zu besiegen, und suchte Hilfe in Ägypten gegen Assur, wie
Hosea klagt:
„Wiewohl sein (Ephraims) Hochmut sich klagend wider Israel erhoben hat, haben
sie sich dennoch nicht zum Herrn, ihrem Gott,
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bekehrt und haben ihn trotz alledem nicht gesucht; sondern Ephraim hat sich
benommen wie eine einfältige, unverständige Taube; sie haben die Ägypter herbeigerufen, sind zu den Assyrern gelaufen.“ (Hos.7,10-11)
„Sie wenden sich, aber nicht nach oben; sie sind wie ein Bogen, der trügt. Ihre
Fürsten sollen durchs Schwert fallen wegen ihrer trotzigen Reden, die ihnen nur
Spott eintragen im Lande Aegypten.“ (Hos.7,16)
„Ephraim hat Wohlgefallen am Sturmwind (Assur) und läuft dem Ostwind (Assur)
nach; immerfort häuft er Lüge und Gewalttat; mit Assur wollen sie ein Bündnis
schließen, und nach Aegypten wird Öl geführt.“ (Hos.12,2)
Wörtlich lautet der Bericht über die geschichtlichen Ereignisse:
„Wider ihn (Hosea) zog Salmanassar, der König von Assyrien, herauf, und Hosea
ward ihm untertan und gab ihm Tribut. Als aber der König von Assyrien erfuhr,
daß Hosea eine Verschwörung gemacht und Boten zu So, dem König von Ägypten, gesandt hatte und dem König von Assyrien nicht wie andere Jahre Tribut
gebracht, verhaftete er ihn und legte ihn gebunden ins Gefängnis. Und der König
von Assyrien zog hinauf in das ganze Land und gen Samaria und belagerte es
drei Jahre lang. Im neunten Jahre Hoseas gewann der König von Assyrien Samaria und führte Israel gefangen nach Assyrien und versetzte sie nach Chalach und
Chabor, am Flusse Gosan, und in die Städte der Meder.“ (2.Kg.17,3-6)
Solches widerfuhr ihnen, weil sie den Götzendienst der vor ihnen her vertriebenen
Völker eingeführt hatten und trotz aller prophetischen Warnungen nicht davon ließen.
Vielmehr verfolgten sie die Propheten, lauerten ihnen auf und stellten ihnen Fallen
(Hos.9,8). Aber in den Tagen ihrer Heimsuchung und Vergeltung sollte es sich zeigen, „ob
der Prophet ein Narr sei, wahnsinnig der Geistesmensch!“ (Hos.9,7)
Das Reich Gottes
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Trotz alledem behält Gott für ferne Zeit aus seiner Gnade heraus ihre Rettung im
Auge, wie die Weissagung lautet:
„Wie könnte ich dich hergeben, Ephraim, wie könnte ich dich preisgeben, Israel?
Wie könnte ich dich behandeln gleich Adama, dich machen wie Zeboim? Mein
Herz sträubt sich dagegen, mein ganzes Mitleid ist erregt! Ich will nicht tun nach
meines Zornes Glut, will Ephraim nicht wiederum verderben; denn ich bin Gott
und nicht ein Mensch, heilig bin ich in deiner Mitte und komme nicht in grimmigem
Zorn. Sie werden dem Herrn nachfolgen, der brüllen wird wie ein Löwe; wenn er
brüllt, so werden die Söhne zitternd vom Meer her kommen; sie werden aus
Ägypten herbeieilen wie die Vögel, und wie die Tauben aus dem Lande Assur,
und ich will sie in ihren eigenen Häusern wohnen lassen, spricht der Herr.“
(Hos.11,8-11)
Das ist die Zeit, wenn die Toten auferstehen und ein Überrest der Lebenden aus
Israel gerettet wird (Jes.10,20-23; Hos.13,14; 1.Kor.15,51-57).
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19. Das Südreich Juda
a) Gesetz und Gnade zur Zeit der Könige
Der Segen Gottes über den König David und seine Nachkommen hat viele Wirkungen
der Güte Gottes für das Volk ausgelöst. Wenn im Nordreich Israel auch nicht ein einziger
König sich zu einer ungeteilten Herzenseinstellung für Gott hindurchgerungen hat, so
finden wir unter den Königen Judas doch einige rühmliche Ausnahmen, vor allem aber
keinen Wechsel des Königsgeschlechts; denn alle Könige stammen aus dem Hause
Davids. Abijam, Joas, Ussia (Asarja) und Jotam sind gottesfürchtige Könige, aber
Josaphat, Hiskia und Josia übertreffen sie noch. Trotz alledem dürfen wir nicht erwarten,
daß auch nur ein König Judas in der Treue zu Gott ausgeharrt hätte, wie das Gesetz sie
fordert. Wir werden erkennen, wie sie schließlich alle ungehorsam wurden und Gnade
hätten suchen müssen, wie David sie tatsächlich gesucht und gefunden hat (1.Kg.15,5).
Nicht einmal die Schreiber der Könige- und Chronikbücher scheinen die
Unübertrefflichkeit der Glaubensgerechtigkeit ganz verstanden zu haben; denn sie stellen
David nur als Beispiel rechter, gesetzübender Gottesfurcht hin (1.Kg.15,5). (Diese Stelle
zeigt auch, wie schwach manche Schriftstellen übersetzt sind, die durchaus auf die
Glaubensrechtfertigung hinweisen. Aus den folgenden Stellen ist das noch besonders
klar zu ersehen: (vgl.Hes.15,5.19.21.22.24.27; 33,14.16.19 in verschiedenen Übersetzungen).
Aber in Erfassung der Gnade, als der Glaubensrechtfertigung, steht David
einzig da, und er bleibt ein leuchtendes Vorbild für alle Zeiten, für alle Könige
und für alle Geschlechter und Völker.
Immerhin wirkten die Propheten mit einem reichen Zeugnis der Glaubensgerechtigkeit unter dem Volk und vor den Königen. Denn nach dem Sieg über den Tod forschten
schon die Propheten, die von der Gnade geweissagt haben, die für uns bestimmt ist; sie
haben geforscht, auf welche und welcherlei Zeit deutete der Geist Christi, der in ihnen
war, der zuvor bezeugt hat die für Christus bestimmten Leiden und die Herrlichkeit
darnach (1.Petr.1,10-11). Gott hat seine Gerechtigkeit, die Jesus bis auf das letzte
Tüpfelchen zu erfüllen kam durch das Evangelium, schon durch Mose und seine
Propheten in heiligen Schriften unabhängig vom Gesetz der zehn Gebote, vorher
Das Reich Gottes
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verkündigen lassen. Das Evangelium von seinem Sohne Jesus Christus, geboren aus
dem Geschlechte Davids nach dem Fleisch und als Sohn Gottes erwiesen durch die
Offenbarung der überwältigenden Größe seiner Geisteskraft, die ihn von den Toten
auferweckt hat, durchzieht die ganze Heilige Schrift (Matth.5,17-20; Röm.1,1-4; 4,21-26;
1.Kor.15,1-4; Eph.1,19-20). Jesus hat selbst während seiner Niedrigkeit, vom Fleisch
geboren, in diesen heiligen Schriften der fünf Bücher Mose, der Propheten und der
Psalmen seinen Leidens- und Herrlichkeitsweg vorgezeichnet finden müssen (Luk.24,2527.44-46).
Aber die Augen des Volkes und der Könige waren damals gehalten; darum finden wir
bei ihnen fast nie einen ähnlichen Preis der Barmherzigkeit-Gerechtigkeit Gottes wie bei
David und den Propheten (5.Mos.29,3; Jes.29,10).
Seite 49
Israel und Juda waren und blieben Völker, an denen aller Rat verloren war, und auch
David vermochte sie mit seinem
„Heute, so ihr seine Stimme hört!“,
nicht vor der Verstockung zu bewahren (5.Mos.32,28; Ps.95,7-11; Hebr.3,7-19). Ja, David
selbst und die Propheten mußten die Gnadentür verschließen, wenn das Volk lange
genug Gott widerstanden hatte (Ps.69,23-24; Jes.6,9-10; Klag.3,60-66; Röm.11,8). Solange
einzelne Könige in ganzer Gesetzestreue wandelten, bedurften sie vielleicht der Gnade
noch nicht unbedingt; wenn sie aber wider den Herrn gesündigt hatten und die
prophetisch dargelegte Gnade hätten suchen müssen, wandten sie sich doch ärgerlich ab
von den sie zur Rede stellenden Propheten oder verfolgten und töteten sie gar. Darum
war auch des Reiches Juda Endschicksal nur Untergang und Gefangenführung des
Volkes.
b) Von Rehabeam bis Asa
König Rehabeam suchte, die abgefallenen zehn Stämme mit Waffengewalt wieder
dem ganzen Volk einzuverleiben; doch Gottes Wort gelangte zu ihm, davon abzusehen,
und Rehabeam gehorchte dem Worte des Herrn (1.Kg.11,21-24; 2.Chr.11,1-4). Drei Jahre
lang war er gottesfürchtig, und der Herr war mit ihm und machte ihn stark (2.Chr.11,5-17).
Aber Rehabeam beseitigte den von seinem Vater Salomo eingeführten Götzen- und
Höhendienst nicht. Vielmehr fiel er samt dem ganzen Volke vom Gesetz des Herrn nach
besagten drei Jahren ab, und Gott züchtigte ihn durch einen kriegerischen Einfall des
Königs Sisak von Ägypten, der Jerusalem, das Schatzhaus des Königs und den Tempel
des Herrn beraubte. Da demütigte sich Rehabeam mit dem Volke, und der Herr half
ihnen.
„Doch sollen sie ihm (dem König Sisak) untertan (= tributpflichtig) werden, daß sie
erführen, was (für ein Unterschied) es sei, mir zu dienen und den Königreichen
der (feindlichen) Länder zu dienen.“ (2.Chr.12,8)
König Abijam (oder Abija), der Sohn Rehabeams, ermannte sich derart nach seines
Vaters Tode, daß er mit Gottes Hilfe gegen das doppelt so starke Kriegsheer Jerobeams,
und noch dazu in den Hinterhalt gelockt, einen glänzenden Sieg erlangte (1.Kg.15,8;
2.Chr.13,1-3.13-20). Der Chronikschreiber hat sein festes und schönes Bekenntnis vor der
Das Reich Gottes
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Schlacht festgehalten (2.Chr.13,4-12). Der Schreiber der Königsbücher hat auf seinen Abfall
und seinen nachherigen Wandel im Götzen- und Höhendienst geachtet und damit die
Kürze seiner Regierungszeit begründet; doch hatte Gott ihm in seinem Sohn Asa, um
Davids willen, eine Leuchte gegeben (1.Kg.15,1-8).
König Asa entfernte alle Götzenbilder im Land und beseitigte die götzendienerischen,
unzuchttreibenden „Schandbuben“ (= Götzenpriester), aber den Höhendienst, daß man
Gott Jehova gegen die im Gesetz von Gott bestimmte Ordnung außer in Jerusalem auch
noch auf Höhen zu verehren suchte, ließ er teilweise bestehen (1.Kg.15,9-14; 2.Chr.14,1-7).
Der Höhendienst ist in der
Seite 50
Heiligen Schrift als Dämonendienst bezeichnet, der dazu noch von Priestern anderer
Geschlechter als von dem Aarons, der am Tempel diente, ausgerichtet wurde. Die
Höhenpriester standen deshalb nicht unter dem vorbildlichen Dienst des Hohenpriesters
in Jerusalem und dem Tempel (vgl.die Rotte Korah, Datan und Abiram, 4.Mos.16). Die mosaische
Ordnung lautet:
„Sie sollen forthin ihre Opfer nicht den Dämonen opfern, denen sie nachbuhlen.
Das soll ihnen eine ewig gültige Ordnung sein auf alle ihre Geschlechter. Und du
sollst zu ihnen sagen: Welcher Mensch aus dem Hause Israels oder ein Fremdling, der unter ihnen wohnt, ein Brandopfer oder sonst ein Schlachtopfer verrichten will und bringt es nicht vor die Tür der Stiftshütte, daß er es dem Herrn
zurichte, der soll ausgerottet werden aus seinem Volk.“ (3.Mos.17,7-9;
vgl.2.Chr.11,15)
Zu Asas Zeit zog der Äthiopierkönig Serach mit einem Heer von mehr als einer
Million Mann gegen Asa aus. Da rief Asa den Herrn an und besiegte seine Feinde
(2.Chr.14,8-9).
Seine Worte waren:
„Herr, bei dir ist kein Unterschied, zu helfen, da viel oder da keine Kraft ist. Hilf
uns, Herr, unser Gott; denn wir verlassen uns auf dich; und in deinem Namen sind
wir gekommen wider diesen Haufen! Du, Jehova, bist unser Gott! Nicht soll ein
Sterblicher etwas wider dich vermögen.“ (2.Chr.14,8-10)
Nach seinem Sieg erneuerte Asa auf des Propheten Asarja Zuspruch hin den Bund
mit Gott (2.Chr.15). Und doch suchte er gegen den heranziehenden König Baesa aus dem
Nordreich Israel keine Hilfe bei Gott Jehova, sondern beim König Benhadad I. von Syrien;
darum sandte Gott den Seher (= Propheten) Hanani zu ihm, der ihm sagen mußte, daß
von nun an der König von Syrien ihm überlegen sein wird. Er muß die Worte hören:
„Die Augen des Herrn durchstreifen die ganze Erde, daß er sich mächtig erzeige
an denen, die von ganzem Herzen Ihm ergeben sind. Du hast hierin töricht
gehandelt; darum wirst du von nun an Krieg haben!“ (2.Chr.16,1-10)
Diese Worte erzürnten Asa so, daß er den Seher Hanani gefangensetzen ließ.
„Asa ward krank an seinen Füßen im 39. Jahr seines Königtums, und seine
Krankheit nahm sehr zu. Doch suchte er auch in seiner Krankheit nicht den Herrn,
sondern die Ärzte. Also entschlief Asa.“ (2.Chr.16,12-13)
Seite 51
c) Von Josaphat bis Atalja
Der gottesfürchtige König Josaphat, der Sohn des Asa, wurde mächtig gegen das
Nordreich Israel. Die Heilige Schrift sagt:
Das Reich Gottes
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„Der Herr war mit Josaphat; denn er wandelte in den früheren Wegen seines
Vaters David und suchte die Baale nicht, sondern den Gott seines Vaters suchte
er und wandelte in seinen Geboten und tat nicht wie Israel. Darum bestätigte ihm
der Herr das Königreich. Und das ganze Juda gab Josaphat Geschenke, also daß
er viel Reichtum und Ehre hatte. Und da sein Herz in den Wegen des Herrn mutig
ward, tat er ab die übrigen Höhen und die Ascheren aus Juda.“ (2.Chr.17,3-6)
Josaphat sandte auch Fürsten, Lehrer, Leviten und Priester ins Volk, damit sie es aus
dem Gesetzbuch des Herrn unterrichteten. Da kam die Furcht Gottes auf alle
umliegenden Königreiche, und die Philister und Araber brachten ihm Geschenke und
Tribut. Aber Josaphat verschwägerte sich schließlich mit dem gottlosen König Ahab von
Israel und pflog so mit dem Waffengemeinschaft, über den Gott, nach des Propheten
Michaja Worten, den Untergang beschlossen hatte. Doch errettete Gott den Josaphat im
Kampfe Israels und Judas gegen die Syrer, während Ahab auf der Wahlstatt blieb
(2.Chr.18).
Immerhin mußte der Prophet Jehu den von der Schlacht wiederkehrenden
Josaphat strafen:
„Sollst du also dem Gottlosen helfen und lieben, die den Herrn hassen? Um deswillen ist der Zorn des Herrn wider dich entbrannt.“ (2.Chr.19,1-2)
Da stellte Josaphat sich noch treuer zu Gott und bestellte rechtschaffene Richter im
Lande (2.Chr.19,4-11).
Darauf zogen die verbündeten Moabiter, Ammoniter und die auf dem Gebirge der
Edomiter wohnenden Meuniter gegen Josaphat. Dessen Vertrauen auf den Herrn war
aber so groß, daß nach Gottes Fügung die feindlichen Völker sich gegenseitig aufrieben
(2.Chr.20,1-34). - So wurde aus dem „Tal Josaphat“, d.i. „Tal des Gerichts“, ein „Lobetal“,
als Vorbild für Gottes zukünftige Abrechnung mit allen heidnischen Völkern (vgl.Joel 4,12.12-14).
Und doch verband Josaphat sich wiederum mit dem König von Israel, und zwar mit
dem gottlosen Ahasja, dem Sohne Ahabs, zum Zweck des Baues von Tarsis- d.s.
Weltmeerschiffe zur Einholung von Ophirgold. Diese Schiffe scheiterten in Erfüllung eines
Wortes des Propheten Elieser schon vor der ersten Ausfahrt im Heimathafen EzjonGeber (1.Kg.22,49-50; 2.Chr.20,35-37).
Darnach verband er sich zum dritten Mal mit einem gottlosen Israelkönig, dem König
Joram, dem Bruder des verunglückten Ahasja, und dem andern Sohn Ahabs. Wir können
dieses fast unverständliche Handeln des Königs Josaphat nur auf den Einfluß seiner
Gemahlin, einer Schwester des gottlosen Ahab von Israel, zurückführen. Um so
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höher ist seine immer wiederkehrende Gottesfurcht einzuschätzen (2.Chr.18,1). - Sein
neues Bündnis bringt den König Josaphat im Verein mit dem Israelkönig und dem König
von Edom im Krieg gegen den Moabiterkönig Mesa infolge Wassermangels in der Wüste
bis an den Rand des Verderbens. Aber des Herrn Hilfe gab ihnen durch die Weissagung
des Elisa Wasser, Errettung und Sieg über Moab (2.Kg.3). Um Josaphats willen wurden
sie alle errettet, und doch war Josaphat dem Herrn nicht unveränderlich treu. Vielleicht
lernte er daran die Barmherzigkeit Gottes erkennen; denn die Worte der Propheten Elia
und Elisa verfehlten in Israel und Juda ihre Wirkung nicht.
Das Reich Gottes
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Mit der Herrschaft des Königs Jehoram (Joram) von Juda beginnt ein trüber Abschnitt
für das Reich Juda; denn er hat Atalja, die Tochter Ahabs, als Weib und handelt unter
ihrem Einfluß gottlos. Er mordet alle seine Brüder, richtet den Höhendienst wieder ein und
verführt die Bewohner Judas und Jerusalems zur Abgötterei. Eine Zeit der Gelegenheit
zur Umkehr und Buße ließ Jehoram ungenützt verstreichen, in welcher Edom und Libna
von Juda abfielen. Edom wurde wieder ein selbständiges Königtum. Dann erhoben die
Philister und Araber sich gegen Jehoram, drangen in Jerusalem ein, plünderten es und
raubten Menschen. Hernach wurde Jehoram noch lange von einer schweren Krankheit
heimgesucht, an der er auch starb, und zwar nach einer brieflichen Weissagung des
Propheten Elia (2.Kg.8,16-24; 2.Chr.21).
Nach Jehorams Tode wurde Ahasja (Asarja), sein jüngster Sohn, den die Araber als
einzigen nicht getötet hatten, König an seiner Statt; doch regierte er unter dem Einfluß
seiner gottlosen Mutter Atalja nicht besser als sein Vater, sondern verdarb Juda, wie der
König Ahab sein Reich Israel verdorben hatte. Er verband sich auch mit Joram von Israel,
dem Sohne Ahabs, gegen den König Hasael von Syrien, allerdings zu seinem Untergang.
Denn Jehu, der in Israel zum König gesalbt ward, schlug beide: sowohl Joram von Israel,
als auch Ahasja von Juda, der bei Joram auf Krankenbesuch war, dazu Jorams ganzes
Haus mit Isebel, der gottlosen Witwe Ahabs (2.Kg.8,25-29; 9 - 10; 2.Chr.22,1-9). - Aber der
sittliche Verfall sollte noch weitergehen.
Die Königin-Mutter Atalja, eine Tochter des Ahab und der Isebel und Enkelin des
Omri, bringt alle Söhne ihres eigenen Sohnes um bis auf einen (Joas), der als Säugling
errettet und vor ihr verborgen gehalten wurde; sie reißt die Regierung an sich und
verharrt im Baals- und Götzendienst ihrer Vorfahren. Der kleine Thronanwärter Joas
wurde von seiner Tante Joschabat, einer Tochter Jehorams und Frau des Priesters
Jojada, sechs Jahre lang im Hause des Herrn aufgezogen (2.Kg.11,1-4; 2.Chr.22,10-12).
d) Von Joas bis Ussia
Der Hohepriester Jojada erhob Joas, als er sieben Jahre alt war, zum König über
Juda, ließ Atalja töten, das Haus Baals und seine Altäre zerstören und bestellte die
Priester nach Gesetzesvorschrift im
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Hause des Herrn. Und Joas tat, was recht war in den Augen des Herrn, solange Jojada
lebte. Ja, er ermannte sich im verständigeren Alter dazu, das Haus Gottes zu erneuern.
Als aber Jojada im hohen Alter von hundertdreißig Jahren verschieden war, ließ Joas sich
von den Obersten in Juda zum Abfall gegen Gott verleiten, und sie dienten den Ascheren
und Götzenbildern. Sie hörten auch nicht auf die von Gott gesandten Propheten, welche
ernstlich zur Umkehr mahnten, bis Gottes Geist Sacharja, den Sohn des verstorbenen
Hohenpriesters Jojada, trieb, dem Volk und dem König das Gericht mit den Worten
anzusagen:
„Warum übertretet ihr die Gebote des Herrn? Das bringt euch kein Glück; denn
weil ihr den Herrn verlassen habt, so wird er euch auch verlassen!“ (2.Chr.24,20)
Aber der König vergaß der Liebe, die der Priester Jojada ihm erwiesen hatte, und
befahl, dessen Sohn Sacharja zu steinigen und seine Brüder zu töten (2.Chr.24,21).
Das Reich Gottes
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„Der Herr wird es sehen und richten!“ (2.Chr.24,22),
rief Sacharja beim Sterben.
Über Jahresfrist wurde das Heer Judas durch eine Handvoll Syrer besiegt, alle
Obersten aus dem Volk und fast alle Söhne des Königs wurden erschlagen, und Joas
selbst kam nur durch eine hohe Loskaufsumme davon; was seine Väter an Gold, Geräten
und Schätzen dem Herrn im Tempel geheiligt hatten, das gab er Hasael, dem König von
Syrien. Joas selbst kam ein Jahr später durch eine Verschwörung seiner Diener ums
Leben (2.Kg.11,4 - 12,22; 2.Chr.23 - 24).
Amazja, der Sohn des Joas, tat was recht war in den Augen des Herrn und entließ
sogar hunderttausend aus Israel gedingte Kriegsleute auf die Mahnung eines Mannes
Gottes hin. Da stärkte ihn der Herr so, daß er die Edomiter im Salztal schlug. Weil er aber
nach der Schlacht von Gott abfiel und den eroberten Götzen der Edomitergötter diente,
gab Gott ihn in die Hand des Heeres des Königs Joas vom Nordreich Israel, den Amazja
herausgefordert hatte. Joas kam nach erfolgloser Warnung (Gespräch vom Dornstrauch
und der Zeder am Libanon) und beraubte Jerusalem und das Haus des Herrn und des
Königs, ließ die Stadtmauern Jerusalems teilweise schleifen und nahm Geiseln mit. Seit
seinem Abfall von Gott bestand eine Verschwörung gegen ihn, der er fünfzehn Jahre
später zum Opfer fiel (2.Kg.14,1-20; 2.Chr.25).
Mit sechzehn Jahren wurde Ussia (Asarja), der Sohn des Amazja, König und regierte
zweiundfünfzig Jahre.
„Er tat, was recht war in den Augen des Herrn, ganz wie sein Vater Amazja getan
hatte. Und er suchte Gott, solange Sacharja lebte, der ihn in der Furcht Gottes
unterwies. Und solange er den Herrn suchte, ließ Gott es ihm gelingen.“
(2.Chr.26,4-5)
Gott half ihm gegen die Philister, Araber und Meuniter, und die Ammoniter mußten
ihm Tribut geben, und Ussia wurde sehr stark, und
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sein Ruhm drang bis nach Ägypten, weil Gott ihm so wunderbar half. Aber mächtig
geworden, überhob sich sein Herz, und er vergriff sich am Amt der Priester und ging in
den Tempel des Herrn, um auf dem Räucheraltar zu räuchern. Als aber Asarja, der
beherzte Hohepriester, den König seiner Überhebung und Gebotsübertretung überführte,
demütigte er sich nicht, sondern wurde zornig, also daß Gott ihn auf der Stelle mit dem
Aussatz schlug. Darum mußte Jotam, der Sohn Ussias, während dessen letzten
Lebensjahren die Regierungsgeschäfte übernehmen (2.Kg.14, 21-22; 2.Chr.26).
Ein gewaltiges Erdbeben bestätigte seinerzeit das Wort des Propheten Amos und das
erste Auftreten des Propheten Jesaja (Jes.1,1; Am.1,1). Dieses Erdbeben ist prophetisch
vorbildlich für den Abschluß des heutigen Zeitalters (Sach.14,5; Offb.6,12-17).
e) Von Jotam bis Hiskia
Jotam tat, was recht war in den Augen des Herrn, ganz wie sein Vater Ussia getan
hatte, nur, daß er nicht in den Tempel des Herrn ging (2.Chr.27,2). Er befestigte das Land
und Jerusalem, überwältigte die Kinder Ammons und zwang sie zu einem dreijährigen
Tribut. Wohl erstarkte Jotam so, weil der Herr mit ihm war; aber den Höhendienst schaffte
er nicht ab, und das Volk handelte noch verderblich, es opferte und räucherte auf den
Das Reich Gottes
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Höhen. Da begann Gott, der Herr, den syrischen König Rezin und Pekach, den
Thronräuber im Nordreich Israel, wider Juda zu senden (2.Kg.15,32-38; 2.Chr.27,1-9).
Zu eben dieser Zeit starb Jotam, und sein Sohn Ahas wurde alleinherrschender
König. Aber Ahas tat nicht, was dem Herrn seinem Gott wohlgefiel, sondern wandelte in
den Sündenwegen der Könige vom Nordreich Israel. Er ließ Baalsgötzen gießen,
räucherte den Heidengöttern und brachte ihnen Menschenopfer. Darum gab Gott den
Ahas in die Hände Pekachs, der auf einen Tag hundertzwanzigtausend tapfere Leute in
Juda niedermachte und den Sohn und die Nächsten des Königs tötete. Daraufhin trat der
Prophet Oded dem feindlichen Heer entgegen und ermahnte die Fürsten Ephraims, ihrer
Sündenschuld vor Jehova zu gedenken. Sie gehorchten den Worten des Propheten und
sandten auf sein Geheiß die Gefangenen aus Juda, zweihunderttausend Frauen, Söhne
und Töchter, getränkt und gesättigt und mit Schuhen und Kleidern versehen, und die
Schwachen auf Reittieren mitsamt aller Beute zurück und machten sie nicht zu Knechten;
denn sie gedachten des Zornes Gottes und ihrer eigenen großen Schuld vor Gott. Das
war eine gewaltige Hilfe Gottes, vorbildlich für die Endzeit. Ahas suchte jedoch noch
keine Hilfe bei Gott. Es fielen auch noch die Edomiter und die Philister in Juda ein und
gewannen Land und Städte, weil Ahas treulos gegen Gott war und keine Zucht in Juda
ausübte. Anstatt bußfertig den Herrn zu suchen, sandte Ahas nach Assyrien um Hilfe.
„Und Tiglat-Pileser, der König von Assyrien, kam wider ihn, er bedrängte ihn und
stärkte ihn nicht. Denn Ahas plünderte das
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Haus des Herrn und das Haus des Königs und die Fürsten und gab es dem König
von Assyrien; aber es half ihm nichts.“ (2.Chr.28,20-21)
Allerdings hatte Tiglat-Pileser dem König Ahas Erleichterung verschafft; denn er kam
auf den Hilferuf des Ahas, belagerte und eroberte Damaskus, tötete den König Rezin von
Syrien, führte das syrische Volk gefangen und brachte sogar einen Teil des Volkes vom
Nordreich Israel in die Gefangenschaft nach Medien. Aber doch war es keine göttliche
Hilfe; denn Tiglat-Pileser machte den König Ahas tributpflichtig (2.Kg.16; 2.Chr.28).
Als die Heere des Nordreichs Israel und Syriens das Land verheerten, es für sich zu
erobern und einen volksfremden König einzusetzen suchten, mußte der Prophet Jesaja
diesem bis dahin Gott feindlichsten König von Juda Gnade anbieten zu seiner und des
Volkes Errettung. War Ahas über seine Sünden gegen Gott so verzagt, daß er nicht
wagte, ein Zeichen seiner künftigen Errettung von Gott zu fordern, oder war er so
bösartig, daß er nicht glauben wollte? Gott gab ihm selbst ein Zeichen: die Verheißung
eines Jungfrau-Sohnes, „Immanuel“, d.h. „Gott mit uns“, also Gott wird durch die
Erlösung in Christus mit seinem Volke sein, auch wenn sie zu seinen Feinden geworden
sind (Jes. 7,1-14; Röm. 5,6-10). Doch Ahas glaubte nicht. Denn zur Zeit, da er von Syrien und
Ephraim bedrängt wurde, fuhr er fort, sich zu versündigen; er rief Assur statt seines
Gottes zu Hilfe und diente nach Tiglat-Pilesers Sieg den Göttern von Damaskus, die ihm
zum Fall gereichten.*
*(2.Chr.28,24: Und Ahas nahm die Gefäße des Hauses Gottes weg und zerbrach die Gefäße des
Hauses Gottes und verschloß die Türen am Haus des Herrn und machte sich Altäre in allen Winkeln zu
Jerusalem).
Das Reich Gottes
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Darum mußte der Herr über ihn und sein Volk und über das Haus seines Vaters (David)
Tage bringen, wie sie niemals gekommen sind, seitdem Ephraim von Juda abgefallen ist,
den König von Assur (Jes.7,17).
Aber noch einmal blieb Ahas vom endgültigen Gericht über sich, sein Königreich und
sein Volk verschont. Auch sein ihm folgender Sohn, der gottesfürchtige König Hiskia,
erlangte noch Bewahrung vor dem Assyrerkönig. Seine Stellung ist mit den Worten
geschildert:
„Und er (Hiskia) tat, was dem Herrn wohl gefiel, ganz wie sein Vater David getan
hatte. Er tat die Höhen ab und zerbrach die Säulen und rottete die Ascheren aus
und zerschlug die eherne Schlange, welche Mose gemacht hatte; denn bis zu
dieser Zeit hatten die Kinder Israels derselben geräuchert, und man hieß sie
Nechuschtan. Er vertraute dem Herrn, dem Gott Israels, so daß unter allen Königen Judas nach ihm seinesgleichen nicht war noch vor ihm gewesen. Er hing dem
Herrn an, wich nicht von ihm ab und beobachtete seine Gebote, welche der Herr
dem Mose geboten hatte. Und der Herr war mit ihm, und wo er hinzog, handelte
er weislich. Er fiel auch ab von dem assyrischen König und diente ihm nicht. Und
er schlug die Philister.“ (2.Kg.18,3-8)
Gleich bei Regierungsbeginn beseitigte er den Götzen- und Höhendienst, ließ den
Tempel öffnen und reinigen, den sein Vater Ahas verunreinigt
Seite 56
und geschloßen hatte, bestellte die Priester und stellte den Gottesdienst, den täglichen
Opferdienst wieder her und freute sich mit dem ganzen Volk am Herrn (2.Chr.29). Er feierte
auch ein großes Passahfest und lud dazu die von Tiglat-Pileser übriggelassenen Brüder
vom Nordreich Israel ein -, die letzte Mahnung Gottes an Israel zur Umkehr vor dessen
gänzlicher Vernichtung. Aber sie hörten nicht. Darum fiel Samaria, die Hauptstadt Israels,
im achten Jahre der Regierung des Hiskia nach dreijähriger Belagerung durch den
Assyrerkönig Salmanassar. Hiskia selbst wurde im vierzehnten Jahre seiner Regierung
vom Assyrerkönig Sanherib in Jerusalem eingeschlossen und sehr bedrängt, nachdem
bereits alle festen Städte Judas gefallen waren. Auch daß Hiskia alles verfügbare Gold
und Silber an den König Sanherib ablieferte, rettete ihn nicht vor ihm. Aber dadurch, daß
Hiskia in seiner unabwendbaren Not schließlich ernstlich zu Jehova schrie, wurde er
mitsamt der Stadt Jerusalem aus der tödlichen Bedrängnis befreit, indem der Engel des
Herrn in einer Nacht hundert fünf und achtzig tausend Mann von den assyrischen
Truppen erschlug samt allen Heerführern, Gewaltigen und Hauptleuten. Da gab Sanherib
die Belagerung Jerusalems auf und kehrte wieder um in sein Land, und dort wurde er im
Hause seines Götzengottes von seinen eigenen Söhnen erschlagen (2.Kg.18 - 19;
2.Chr.30,6; 32,1-23; Jes.36 - 37). Der Prophet Jesaja hat in diesen Tagen dem König Hiskia
mit Gottes Wort und Zuspruch sehr beigestanden.
Hiskia war aber bald nach diesen Tagen auch todkrank geworden, und Gott hatte
ihm, um seines Glaubens willen, das Leben geschenkt und verlängert (2.Kg.20,1-11; Jes.38).
Darnach versündigte der König Hiskia sich aber dadurch, daß er den Gesandten des
Königs Merod-Baladans von Babel Einblick in alle seine Schätze gewährte und ihnen sein
Schatzhaus, das Silber und das Gold, die Spezereien, das beste Öl und sein Zeughaus
(= Waffenarsenal) zeigte mit allem, was in seinen Schatzkammern war. Zweifellos wollte
Das Reich Gottes
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er die Babylonier dadurch zu einem Bündnis mit ihm gegen Assur bewegen, anstatt ihnen
seinen Glauben an den Gott zu zeigen, der den bußfertigen, gläubigen Sünder vom Tode
errettet, was er in seiner tödlichen Krankheit hatte praktisch lernen müssen (vgl.2.Kg.18,14
ff.; Jes.39). Als Folge dieser Unterlassung mußte der Prophet Jesaja dem Hiskia
verkündigen, daß alle diese Schätze samt seinen Söhnen nach Babel geführt werden
würden; doch Hiskia genügte es, wenn nur zu seiner Zeit Ruhe sein sollte (2.Kg.20,12-19;
Jes.39; 2.Chr.32,25-31). Er konnte für seine Verfehlungen nicht die Glaubensgerechtigkeit in
der ganzen Tiefe wie ein König David erfassen.
f) Von Manasse bis Josia
Nach Hiskia wurde sein zwölfjähriger Sohn Manasse König über Juda. Der führte aber
den ganzen Götzendienst wieder so ein, wie sein Großvater ihn betrieben hatte. Darum
erfüllten sich schon jetzt teilweise die Hiskia und Ahas angesagten Bedrängnisse und
Gefangenführung;
Seite 57
denn der König Manasse wurde wegen seiner Gottlosigkeit von Gott in die Hände der
Assyrer gegeben, und assyrische Hauptleute führten ihn gefangen nach Babel
(2.Chr.33,11). Weil er sich aber in seinen Ketten demütigte und Gott anrief, darum brachte
Gott ihn wieder nach Jerusalem zurück (2.Chr.22,12-13). Manasse hatte aber ärger
gesündigt und das Volk zur Sünde verführt als alle seine Vorfahren, also daß das Volk
Gottes ärger sündigte als die Heiden (2.Chr.33,2-9). Dennoch stellte Gott den Manasse
wieder her, und der erkannte,
„daß Jehova Gott ist.“
Gott war aber über die vorigen Sünden des Königs Manasse so erzürnt, daß er sich
auch durch die Gottesfurcht des späteren Königs Josia nicht mehr bewegen lassen
wollte, Juda vor dem Untergang zu bewahren. Dennoch regierte Manasse selbst im
ganzen fünfundfünfzig Jahre, länger als irgendein König in Juda und Israel (2.Kg.21,1). Also
zeichnet Gott den, der seiner Barmherzigkeit bedarf, mehr aus als den, der da meint, er
bedürfe ihrer nicht.
Aber Amon, der Sohn des Königs Manasse, handelte nach seines Vaters Tode genau
so gottlos wie dieser vor seiner Züchtigung, nur mit dem Unterschied, daß er sich nicht zu
Gott wandte und an dem, was seinem Vater widerfuhr, nichts lernen wollte und nicht
Buße tat. Darum mußte er auch schon nach zwei Jahren durch die Hand seiner Knechte,
die eine Verschwörung wider ihn machten, sterben (2.Kg.21,19-24; 2.Chr.33,21-24).
Mit dem König Josia beginnt die Geschichte der Könige Judas in bezug auf Judas
Erhebung aus seiner Sündenniedrigkeit. Es war der letzte, gewaltige Versuch, das ganze
Volk durch eines Königs Vorbild zur Gottesfurcht anzuhalten. Es ist von ihm gesagt:
„Seinesgleichen war vor ihm kein König gewesen, der sich also von ganzem Herzen und von seiner ganzen Seele und aus allen seinen Kräften zum Herrn
bekehrte, ganz nach dem Gesetz Moses; es stand auch nach ihm keiner seinesgleichen auf.“ (2.Kg.22 - 25; 23,25; 2.Chr.34)
Mit acht Jahren wurde Josia, der Sohn des Amon, König. Mit sechzehn Jahren
begann er Gott zu suchen. Mit zwanzig Jahren begann er den Götzen- und Höhendienst
in Juda auszurotten. Nach weiteren sechs Jahren ließ er den Tempel reinigen, den
Das Reich Gottes
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Gottesdienst einführen und befahl, den Tempel auszubessern. Da fand man das
Gesetzbuch des Herrn, und darin las Josia die furchtbaren Strafandrohungen für das Volk
Gottes wegen seiner Sünden (vgl.3.Mos.26,1-39; 5.Mos.28). Da zerriß der König Josia seine
Kleider und sandte zur Prophetin Hulda um ein Wort vom Herrn über die sicher
angesagten Gerichte; denn Josia war bekümmert über die Sünden seiner Väter und die
des Volkes. Gott wendete aber das Gerichtsurteil nicht ab, doch wurde Josia zum Trost
gesagt:
„Weil dein Herz erweicht ist und du dich vor dem Herrn gedemütigt hat, als du
hörtest, was ich wider diesen Ort und seine Bewohner geredet habe, daß sie zum
Entsetzen und zum Fluch
Seite 58
werden sollen, und weil du deine Kleider zerrissen und vor mir geweint hast, so
habe ich darauf auch gehört, spricht der Herr. Darum eben will ich dich zu deinen
Vätern versammeln, daß du mit Frieden in dein Grab gebracht werdest und deine
Augen alles Unglück, das ich über diesen Ort bringen will, nicht sehen sollen.“
(2.Kg.22,19-20)
Daraufhin verpflichtete Josia das ganze Volk mit den Fürsten, Ältesten, Priestern und
Propheten auf das Gesetz und erneuerte den Bund mit Gott, er zerstörte den Götzenund Höhendienst im ganzen Land und reinigte das ganze Land davon so gründlich, daß
er auch den an der Nordgrenze von Juda (Südgrenze Israels) von Jerobeam I. 354 Jahre
zuvor errichteten Götzenopferaltar mit Menschengebeinen verunreinigte und das dort
errichtete goldene Kalb vernichtete, genau so, wie dreieinhalb Jahrhunderte zuvor ein
Mann Gottes mit ausdrücklicher Vorausbenennung dieses kommenden Königs Josia
geweissagt hatte. Dann hielt Josia mit dem ganzen Volk dem Herrn ein großes
Passahfest, wie es seit dem Propheten Samuel nicht mehr gehalten worden war
(2.Chr.35,1-18).
So genau und gründlich aber Josia auch das Gesetz des Herrn erfüllte, er wurde
nach zweiunddreißigjähriger Regierungszeit doch dem Worte Gottes ungehorsam, und
das kostete ihm das Leben.
Gott befahl dem Pharao Necho von Ägypten, zu eilen und Assur zu richten, also
Ninive zu zerstören, wie die Propheten geweissagt hatten (2.Chr.35,20-24; Jon.1,2; 3,2;
Nah.1,1; Zeph.2,13). Aber Josia ließ sich vom Wort Gottes, aus des Pharao Necho Mund,
nicht verwarnen, sondern zog verkleidet in den Krieg und erlag. Schwer verwundet aus
dem Kampf getragen, starb er zu Hadadrimmon in der Ebene Meggido, und man
veranstaltete seinetwegen eine große Totenklage, die für das Ende der Zeit wieder
vorbildlich sein wird (Sach.12,11; 2.Kg.22,1 - 23,30; 2.Chr.34 - 35).
g) Die Söhne Josias und eine letzte Rettungsmöglichkeit
Keiner der Söhne Josias nahm sich den Vater zum Beispiel; sie handelten alle
gottlos. Dementsprechend kam auch das Gericht, das nun unaufhaltsam während zweier
Jahrzehnte über sie und das Volk und seine Fürsten erging; denn auch über die Sünden
des Königs Manasse war der Zorn Gottes zu groß geworden.
Pharao Necho nahm nach seinem Sieg über Assur bei Karkemisch am Oberlauf des
Euphrat den in Jerusalem neu eingesetzten König Joahas (Schallum) schon nach drei
Das Reich Gottes
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Monaten gefangen und führte ihn nach Ägypten, woselbst er sterben mußte (Jer.22,10-12).
Denn er hatte nicht gehorcht, als Gott durch den Propheten Jeremja zu ihm gesagt hatte:
„Höre das Wort des Herrn, du König von Juda, der du auf dem Throne Davids sitzest, du samt deinen Knechten und deinem Volke, die zu diesen Toren eingehen!
So spricht der Herr:
Seite 59
Schaffet Recht und Gerechtigkeit; errettet den Beraubten aus der Hand des
Bedrückers; den Fremdling aber und die Waise und Witwe bedränget nicht und
vergewaltiget nicht, vergießet kein unschuldiges Blut an diesem Orte! Denn wenn
ihr dieses Wort erfüllet, so sollen durch die Tore dieses Hauses Könige einziehen,
die für David auf seinem Throne sitzen, reitend auf Wagen und Rossen samt ihren
Knechten und ihrem Volke. Wenn ihr aber diesen Worten nicht gehorchet, so
schwöre ich bei mir selbst, spricht der Herr, daß dieses Haus zur Ruine werden
soll!“ (Jer.22,2-5)
Pharao Necho setzt statt des Joahas (Schallum) dessen Bruder Eljakim zum tributpflichtigen König ein und verwandelte seinen Namen in Jojakim (Jehojakim). Ihm
sagte Jeremja:
„Wehe dem, der sein Haus mit Unrecht baut und seine Söller mit Ungerechtigkeit,
der seinen Nächsten umsonst arbeiten läßt und ihm seinen Lohn nicht gibt; der da
spricht: ‚Ich will mir ein geräumiges Haus und luftige Söller bauen‘, - und er macht
sich viele Fenster drein, täfelt sie mit Cedern und streicht sie mit roter Farbe an.
Bist du dafür König, damit du den Bau von Cedernpalästen eifrig betreibest? Hat
nicht dein Vater auch gegessen und getrunken und doch Recht und Gerechtigkeit
geübt? Da stand es gut um ihn! Ja, wenn man den Bedrängten und Armen zum
Recht verhilft, dann steht es gut; heißt nicht solches mich erkennen? spricht der
Herr. Aber deine Augen und dein Herz sind auf nichts anderes aus als auf deinen
Gewinn und auf das Vergießen unschuldigen Blutes und Bedrückung und Mißhandlung auszuüben.“ (Jer.22,13-17)
Noch ehe Nebukadnezar den Pharao Necho am Karkemisch schlug, kam er nach
Judäa und unterwarf sich Jojakim zur Tributpflicht und führte einen Teil des Volkes aus
Juda in die Verbannung. Aber Jojakim lernte nichts daraus; er fiel nach drei Jahren
wieder von Nebukadnezar ab und wurde von Gott anderweitig gezüchtigt. Gott entsandte
Streifscharen aus verschiedenen Völkern nach Palästina, um Juda zugrunde zu richten
(2.Kg.24,2-7). Aber der Ägypterkönig kam nicht mehr; denn der König von Babel hatte alles
eingenommen, was des Königs von Ägypten war, vom Bach Ägyptens bis an den Strom
Euphrat (2.Kg.24,7). Ja, Jojakim versündigte sich noch mehr an Gott; denn im gleichen
Jahr zerschnitt und verbrannte er das Weissagungsbuch des Propheten Jeremja
(Jer.36,2.9-32). Schließlich zog Nebukadnezar ein zweites Mal nach Jerusalem, eroberte es
und schlug Jojakim in Ketten, daß er starb. Er wurde fern vor die Tore Jerusalems
geschleift und ohne Totenklage wie ein Esel begraben. Nebukadnezar war gekommen,
ihn zu züchtigen (Jer.22,18-19; 36,30).
Dem König Jojakim folgte sein achtzehnjähriger Sohn Jojachin (Jehojachin). Auch
dieser handelte gottlos, und nach hunderttägiger Regierung ließ König Nebukadnezar ihn
samt seiner Mutter und den
Seite 60
besten Geräten des Tempels nach Babel holen. Zu und von ihm mußte Jeremja sagen:
„So wahr ich lebe,‘ spricht der Herr, ‚wenn gleich Konja, der Sohn Jojakims, der
König von Juda, ein Siegelring wäre an meiner rechten Hand, so will ich dich doch
Das Reich Gottes
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von da abreißen und dich in die Hand derer geben, die nach deinem Leben
trachten, in die Hand derer, vor welchen du dich fürchtest, und in die Hand Nebukadnezars, des Königs zu Babel, und in die Hand der Chaldäer. Und ich will dich
samt deiner Mutter, die dich geboren hat, in ein fremdes Land schleudern, darin
ihr nicht geboren seid, und daselbst sollt ihr sterben! Aber in das Land, dahin sie
zurückzukehren verlangen, sollen sie nicht wieder kommen!‘ Ist dieser Mann, dieser Konja denn ein verworfenes, zerschmissenes Gefäß? Ist er ein Geschirr, an
dem man kein Gefallen findet? Warum wurde er denn samt seinem Samen weggeschleudert und hingeworfen in ein Land, das ihnen unbekannt ist? Land, Land,
Land, höre des Herrn Wort! So spricht der Herr: ‚Schreibet diesen Mann ein als
einen Kinderlosen, als einen Menschen, dem es sein Lebenlang nicht gelingen
wird; ja, es soll keinem seiner Nachkommen gelingen, auf den Thron Davids zu
kommen und wiederum zu herrschen über Juda!“ (Jer.22,24-30)
An seine Stelle setzte Nebukadnezar einen dritten Sohn des Josia, also einen Oheim
Jojachins, Mattanja, zum tributpflichtigen König ein und nannte ihn Zedekia, und ließ ihn
seine Abhängigkeit von ihm bei Gott beschwören. Aber selbst Zedekia handelte gottlos.
Unter seiner Regierung verunreinigten die Obersten und Priester das Haus Gottes so
sehr, daß schließlich Gottes Herrlichkeit den Tempel verließ und ihn mitsamt der Stadt
und dem Volk dem Untergang preisgab. Die fleißig warnenden Propheten wurden
verlacht, gehöhnt, verspottet und verfolgt und mit dem Tode bedroht. Zedekia selbst
brach seinen Eid und fiel von Nebukadnezar ab und suchte ein Bündnis mit Pharao
Hophra von Ägypten. Da brach Nebukadnezar auf und suchte den Ungehorsam des
Königs gründlich zu strafen. Aber immer noch gab Gott eine Gelegenheit zur Errettung
des Volkes und der Stadt –, Gott wurde nicht müde, Barmherzigkeit zu üben, trotz aller
gewißlichen Versicherungen des kommenden Endgerichts und Unterganges.
Gott machte aber die immer wieder verheißene Barmherzigkeit von dem Erbarmen
abhängig, das die Fürsten und Großen und Wohlhabenden und Land- und Häuserbesitzer
an ihren Brüdern von ganzem Herzen üben sollten. Denn in ihrer Angst war ihm auch
angst, und darum suchte der Engel des Herrn sie zu retten (Jes.63,9).
Wohl übten die Großen in Juda und Jerusalem in ihrer Todesangst vor dem wieder
anrückenden König Nebukadnezar diese Barmherzigkeit an ihren Brüdern, wie sie ihnen
im Gesetz vorgeschrieben war, eine Handlungsweise, die fast immer versäumt und
vielleicht nur
Seite 61
unter den gottesfürchtigsten Königen Judas durchgeführt worden ist; denn Zedekia hatte
Freilassung ausrufen lassen, damit jedermann frei würde, zu seinem Acker zurückkehre
und niemand mehr gezwungen sei, seinen Brüdern als Knecht oder Magd zu dienen
(3.Mos.25; 5.Mos.15,1-15; Jer.34,8-15). Aber die Fürsten reute es nachher wieder, als sie
merkten, daß Nebukadnezar von Jerusalem abzog, um mit Pharao Hophra zu kriegen,
der sich zu ihrer Hilfe nahte. Da zwangen sie ihre Brüder, wieder zu dienen (Jer.34,5-22;
37,5-10).
h) Der Untergang des Reiches Juda
Pharao Hophra, der zum Entsatz Jerusalems heraufgezogen war, räumte jedoch dem
König Nebukadnezar kampflos das Feld, und Nebukadnezar belagerte Jerusalem wieder
und nahm die Stadt ein, ließ alle Fürsten und Königssöhne töten und führte alles Volk
Das Reich Gottes
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außer den Geringen im Lande mitsamt dem geblendeten König in die Verbannung und
ließ ein Jahr darauf den Tempel samt der Stadt niederbrennen und zerstören.
Damit erfüllten sich Weissagungen und Drohworte, die für das Ende unseres Zeitalters wieder ihre große Bedeutung haben; so ist zu Zedekia gesagt:
„Du, Unheiliger, Gesetzloser, Fürst Israels, dessen Tag gekommen ist zur Zeit der
Ungerechtigkeit des Endes! So spricht der Herr Jehova: ‘Hinweg mit dem Kopfbund und fort mit der Krone! Dies wird nicht mehr sein. Das Niedrige werde erhöht
und das Hohe erniedrigt! Umgestürzt, umgestürzt will ich sie (Jerusalem) machen;
auch dies wird nicht mehr sein – bis der kommt, welchem das Recht gehört: dem
werde ich sie (die Macht und die Krone) geben.“ (Hes.21,30-32, Elb.Bib.)
Nebusaradan, der Oberste der Leibwache Nebukadnezars, gab gerade den im Lande
zurückgelassenen Geringen Äcker und Weinberge, während die Reichen in die
Gefangenschaft geführt wurden, so weit sie nicht sterben mußten. So machte Gott das
den Elenden zugefügte Unrecht wieder gut. Darum sagt die Schrift:
„Verrücke die Grenze der Witwe nicht, und betritt nicht die Äcker der Waisen!
Denn ihr Erlöser ist stark; der wird ihre Sache wider dich führen.“ (Spr.23,10-11)
„Darum, weil ihr den Geringen niedertretet und Getreideabgaben von ihm erhebt,
so habt ihr wohl Häuser aus Quadersteinen gebaut und werdet doch nicht darin
wohnen, habt wohl köstliche Weinberge gepflanzt und werdet ihren Wein doch
nicht trinken!“ (Am.5,11)
„Höret das die ihr den Armen nachstellet und darauf ausgeht, die Wehrlosen im
Lande zugrunde zu richten; die ihr saget: ‚Wann will doch der Neumond vorübergehen, daß wir Getreide
Seite 62
verkaufen, und der Sabbat, daß wir Korn feilbieten und das Epha verkleinern und
den Schekel vergrößern und die Waage fälschen können; daß wir die Dürftigen
ums Geld und den Armen um ein Paar Schuhe kriegen und den Abfall vom Korn
verkaufen können?“ (Am.8,4-6)
„Wehe denen, welche Unheil aussäen und Böses vorbereiten auf ihren Lagern!
Am Morgen, wenn es Licht wird, vollführen sie es, weil es in ihrer Macht steht.
Gefällt ihnen ein Feld, so rauben sie es, und wollen sie ein Haus haben, so nehmen sie es weg; sie vergewaltigen den Besitzer samt seinem Hause, den Mann
mitsamt seinem Erbteil.“ (Mich.2,1-2)
„Wehe euch, die ihr ein Haus ans andere reiht, einen Acker zum anderen schlaget, bis kein Platz mehr bleibt und ihr allein im Lande wohnt!“ (Jes.5,8)
„Warum fasten wir, und du siehst es nicht; warum kasteien wir unseren Leib, und
du nimmst es nicht in acht? Wahrlich, an eurem Fasttag treibet ihr eure Geschäfte
und dränget alle eure Arbeiter! Siehe, ihr fastet, um zu zanken und zu hadern und
dreinzuschlagen mit gottloser Faust; ihr fastet gegenwärtig nicht so, daß euer
Schreien in der Höhe Erhörung finden könnte. ... Sollte mir nicht dasjenige Fasten
besser gefallen, daß ihr ungerechte Fesseln öffnet, daß ihr die Knoten des Joches
löset, daß ihr die Bedrängten freilasset und jegliches Joch wegreißet? Daß du dem
Hungrigen dein Brot brichst und arme Verfolgte nach Hause bringst; daß du, wenn
du einen Nackten siehst, ihn bekleidest und dich von deinem Fleische nicht
fernhältst?“ (Jes.58,3-4.6-7)
Diese Worte haben für die Endzeit eine um so viel größere Bedeutung, weil es sich
dann um das Erbteil der Leibesverwandlung handelt, um das die Elenden im Lande von
ihren Brüdern gebracht werden sollen (Jes.57,12-13; Apg.20,32; 26,18; Röm.2,7; 8,17.23;
1.Kor.15,51-57; 2.Kor.5,1-4; Gal.4,7; Eph.1,13-20; Phil.3,18-21; 2.Thess.1,1-10; Tit.3,7; Hebr.9,15;
1.Petr.3,9; Jak.2,5; Offb.2,7; 19,7-9; Ps.51, 19; Jes.57,15; 66,5; Joh.16,1-4; Apg.15,1.5; Gal.5,1-4).
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Das Reich Gottes
Vielleicht hätte Gott die Acker- und Besitztumsgesetze anders geben können. „Alles
Land ist mein“, hatte er gesagt (3.Mos.25,23). Wäre es nicht vielleicht besser gewesen, das
Land vom Staat aus in unverschuldbare Erbpacht zu geben, wie Joseph in Ägypten unter
Pharao gewirkt hatte? Solcherart suchte man auch, in Griechenland und im jung
aufstrebenden Rom nach großem Sittenverfall zu reformieren, um das ganze Volk von
der Schuldknechtschaft der Hypothekenlasten zu befreien. Aber dann wären die Israeliten
nicht mehr frei gewesen und sie hätten dann ihr Erbe nicht mehr unmittelbar von Gott
erlangt gehabt, und der für das künftige Erbe eines unvergänglichen Leibes
vorgeschattete Sinn wäre gar nicht vorhanden gewesen.
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Die Israeliten sollten vor Erbteilsverschleuderung bewahrt werden, darum war
erlaubt, sie und ihr Anwesen auf beschränkte Zeit in Dienst zu nehmen (Jes.26,13-15). Vor
allem aber sollten die anderen an ihren Brüdern die Barmherzigkeit üben lernen und
erkennen, daß auch sie nur auf Grund des Segens Abrahams aus lauter Barmherzigkeit
und nicht aus Erfüllung von Gesetzesforderungen zu ihrem ewigen Erbteil einst gelangen
werden, wenn sie glauben (Jak.2,13; 1.Mos.18,18-19 Elb.B.; 5.Mos.30,1-14.20; Röm.10,6-11;
Gal.3,17-22; Matth.5,3-12.20; Hebr.9,15).
Die erste Weltreichsherrschaft
1. Von Gottes Heilsplan mit seinem Volke
Je näher wir dem Ende des gegenwärtigen und dem Anfang des in Gottes Wort
verheißenen neuen Zeitalters, des Tausendjährigen Reiches, kommen, um so mehr
müssen wir es uns zur Aufgabe machen, Gott in seinem Willen und Ratschluß zu verstehen. Um das tun zu können, müssen wir mehr denn je darnach trachten, über Gottes
Wort und besonders über das prophetische Wort das rechte Licht und die nötige
Erkenntnis zu erlangen. Gott will nichts ausführen, ohne daß er es zuvor seinen Knechten
offenbart. Und gerade in Verbindung mit den göttlichen Offenbarungen über das Volk
Gottes in der Zeit der vier Weltreiche und dem Reich des Allerhöchsten, dem
Tausendjährigen Reich, muß der Prophet Daniel bezeugen, daß in der Zeit des Endes
viele im Buch Daniel forschen werden und daß dann das Verständnis zunehmen wird.
Auch Petrus weist darauf hin, daß die Kinder Gottes wohltun, wenn sie auf das prophetische Wort achten, als auf ein Licht, das an einem dunklen Orte scheint bis der Tag
anbricht und der Morgenstern in ihren Herzen aufgeht, und fordert auf, desto mehr daran
festzuhalten.
Wir haben bis jetzt die „Urgeschichte der Völker“ und in Verbindung damit in
besonderer Weise die „Geschichte des von Gott auserwählten Zwölf-Stämme-Volkes
Israel“ betrachtet.
Wenn wir nun in den folgenden Ausführungen zu verstehen suchen, wie sich die
Völkergeschichte im Laufe der Jahrtausende in den von Gott durch den Babel-könig
Nebukadnezar und den Propheten Daniel bezeugten vier Weltreichen ausgewirkt hat, so
soll das nur dem Zweck dienen, daß wir erkennen, wie Gott im Schoße dieser Völker
Das Reich Gottes
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seinen Heilsplan mit seinem auserwählten Volk Israel bis heute hinausgeführt hat und in
der kommenden Zeit auch vollenden will.
Diese Betrachtungen sollen deshalb nicht nur eine geschichtliche Abhandlung sein,
sondern es soll gezeigt werden, wie Gott das Schicksal der Völker zum Voraus genau
bestimmt und durch seine Propheten geoffenbart hat.
Die Kinder Gottes, sowie das Volk Gottes sollen daran Gottes Walten prüfen und
kennenlernen, wie und wann Gott seine schon
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den Vätern gegebenen herrlichen Verheißungen erfüllt, indem er durch sein auserwähltes
Volk sein ewiges Reich aufrichtet. Das soll aber nicht nur ihren Wissensdurst stillen.
Durch die rechte Erkenntnis dieser göttlichen Wahrheiten sollen die Kinder Gottes
vielmehr eine solche Stellung erlangen, daß sie an dem Walten Gottes auch den
gottgewollten Anteil haben können.
2. Die in den Weltreichen wirkenden Geistmächte
Alle Ereignisse unter den Völkern stehen mit dem Volk Gottes und der künftigen
Reichsgottesherrschaft in Wechselbeziehung. Diese Tatsache müssen wir bei der
Betrachtung der vier Weltreiche in ganz besonderer Weise beachten. So groß Reiche
auch gewesen sein mögen, - sie sind jedoch nur dann von Gottes Wort als Weltreiche
bezeichnet worden, wenn sie mit dem Volk Israel oder mit dem Reich Gottes in einer
ganz bestimmten Verbindung standen oder noch stehen und der Entwicklung des
göttlichen Willens und seinem in Christo bestimmten Heilsratschluß in der Völkerwelt
dienen. Wir müssen deshalb zuerst auf die einander entgegenwirkenden Geistgewalten
achten, die in den verschiedenen Völkern vorhanden sind.
Die in den Weltreichen wirkenden satanischen Geistmächte und Kräfte zielen immer
auf die Vernichtung oder Ausschaltung der göttlichen Machtwirkungen hin, welche die
Errichtung der ewigen Reichsgottesherrschaft herbeiführen sollen und werden. Diese
göttlichen Machtwirkungen waren bereits kurze Zeit im Volk Gottes unter den übrigen
Völkern vorhanden. Als Strafe für den Ungehorsam des Volkes Gottes ließ Gott diese
Herrschaft von seinem Volk auf die vier Weltreiche übergehen.
Obschon die Heilige Schrift von vier Weltreichen und dem darauffolgenden Gottesreich spricht (Dan.2,31-45; 7,2-27), so umfaßt jedes Weltreich doch annähernd immer
dieselben Völker einschließlich des größten Teils vom Volk Israel.
Die zukünftige Reichsgottesherrschaft wird aber von den Volksstämmen Israels
aufgerichtet, die in der Hauptsache im Bereich der vier Weltreiche wohnen (Dan.7,14.18.2627). Nur ist zu beachten, daß die Weltreichsherrschaft immer von einem Volk auf ein
anderes übergeht, daß also die Träger des jeweilig herrschenden Weltmachtgeistes
verschieden sind; der letzte Träger dieses Weltmachtgeistes ist das Volk Israel in der
Zeit, wenn durch Gottes Geist das Reich Gottes auf Erden aufgerichtet wird.
Der Geist des ersten und vierten Weltreichs ist aber ein und derselbe; darum sind die
bis heute unerfüllten Weissagungen der Propheten über das römische Reich und über
das Volk Gottes an (Assur =) Babel, d.i. Chaldäa und an das Doppelvolk Gottes Juda und
Das Reich Gottes
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Ephraim-Israel gerichtet. Diese beiden Völker Juda und Ephraim-Israel sind vor dem
Endgeschehen wieder in zwei größeren Reichen vorhanden (vgl.Jes.9,19-20) und werden in
dieser Zeit, wie im ersten Weltreich von Babylon am Ende des vierten Weltreichs Rom,
auch wieder von diesem Volk Rom beherrscht. Deshalb
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ist das Volk der Babylonier, das die erste Weltreichsherrschaft ausgeübt hat, das gleiche,
wie das Römervolk, das am Ende des vierten Weltreichs wieder die Herrschaft über das
Volk Israel ausübt.
Diese Weltmachtgeistwirkungen sind auch „Winde“ genannt, die als Sturmwinde die
ihnen jeweils vorausgehende Weltreichsherrschaft zerstören (vgl.Jes.5,28; Jer.4,11-13).
Beachten wir im Zusammenhang damit, daß in der griechischen Sprache für „Geist“ und
„Wind“ gern ein und dasselbe Wort „Pneuma“ gebraucht wird.
Vom Geist des zweiten und vom Geist des dritten Weltreichs spricht der Herr in
Dan.10,13.20 als vom (geistigen) „Perserfürsten“ und vom (geistigen) „Griechenfürsten“.
Im Kampf gegen diese Geistfürsten steht dem Herrn der Fürst des Volkes Gottes, der
Erzengel Michael, bei (Dan.10,13.21; 11,1; 12,1). Es ist aus der Offenbarung zu ersehen, daß
den zum Bösen wirkenden Perser- und Griechengeistfürsten, sowie dem Geistfürsten des
ersten und vierten Weltreichs noch göttliche Wesen, genannt „lebendige Wesen“,
„Lebewesen“ vorstehen (Offb.4,5-11; 5,6-16; 6,1-8).
Der Geist des ersten und vierten Weltreichs dürfte Satan als der Fürst dieser Welt
selbst sein; denn der Herr widerspricht dem nicht, als Satan sagt, daß ihm alle Reiche der
Welt gehören und er sie gebe, wem er wolle (Luk.4,5-6). Gleichwie der Geist des ersten, so
trachtet auch der Geist des vierten Weltreichs auf die Aufhebung der Macht des Volkes
Gottes. Beide Reichsgewalten zerstörten Jerusalem und den Tempel, den Wohnort der
Herrlichkeit Gottes und führten das Volk Gottes gefangen. Und so wie Nebukadnezar ein
Standbild zur alleinigen Anbetung aufrichtete, so wird es wieder im vierten Weltreich zur
Zeit des Endes geschehen (Dan.3; Offb.13,14-18).
Daniel erwähnt zwar den Namen dieses Geistesfürsten nicht. Aber in den vier
apokalyptischen Reitern (Offb.6,1-8) dürfen wir die Reichsgewalten der vier Weltreiche
wiedererkennen, und der Name dessen, der auf dem fahlen (d.i. leichenfarbenen) Pferde
sitzt, ist der Tod genannt, welcher Macht erlangt über den vierten Teil der „Erde“. Der
aber, der des Todes Gewalt hat, ist der Teufel, der Satan (Hebr.2,14). Dem, der des Todes
Gewalt hat, widersteht der Herr, der das Reich Gottes mit Sieg über den Tod zustande
bringt (Hos.13,14).
Der vierte Wind, der Geist des Gottesreiches Israel, das ist der Herr selbst, der seine
Herrschaft auf Erden aufrichtet (Dan.7,14.18.22.27; Offb.11,15.17; 12,10; 19,6); es ist der
Sturmwind Israels, der als Sieger über die gottfeindlichen Geistmächte alle vorausgehenden, widergöttlichen Weltreiche zerstört (Jes.17,13; 41,14-16; 59,19; vgl.57,13; Hes.1,4;
37,9; Dan.2,35).
Weil aber der Herr seine Auseinandersetzung vornehmlich mit dem Satan führt, der
nach Joh.14,30 der Fürst dieser Welt und nach Joh. 8,44 der Vater der Lüge und ein
Das Reich Gottes
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Menschenmörder von Anfang ist, so ist um so mehr einleuchtend, daß Satan der
Geistesfürst des glänzendsten ersten und vierten gewaltigsten Weltreichs ist.
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Sobald die vier Winde auf das große Völkermeer losbrechen, erheben sich nacheinander daraus vier große Tiere als Abbilder der vier Weltreiche (Dan.7,2-3.16-17). Daraus
könnte man irrtümlich ableiten, daß die vier Winde auch den vier Tieren entsprechen, und
daß die Winde des ersten und letzten Weltreichs zwei verschiedene wären. Weil aber der
Wind des Herrn alle vier Weltreiche verweht, sobald ein Stein ohne Handanlegung
losgerissen wird, und das Standbild zertrümmert, das ein Abbild der vier Weltreiche ist,
darum muß unter einem der vier Winde der Wind des Herrn erkannt werden (Dan.2,34-35;
7,2-3).
Der Babelkönig des ersten Weltreichs, Nebukadnezar, ist der „Knecht des Herrn“
genannt. Er hat den göttlichen Gerichtswillen am abtrünnigen Volk Gottes ausgeübt und
es in die Gefangenschaft geführt (Dan.1,1; Jer.25,9; 27,6-8; 43,10). Die Könige Darius und
Kores des medopersischen Weltreiches haben dann dieses Chaldäerreich zertrümmert,
um dem Volk Gottes, dem Reich Juda, wieder zu beschränkter Selbständigkeit zu
verhelfen (2.Chr.36,22-23; Esr.1,1-4; 6,2-5; Dan.5,26 - 6,1.3.26-29). Das dem Volk Gottes geneigte
Perserreich ist darauf vom Griechenreich Alexanders des Großen zerschlagen worden
(Dan.11,2-4),
und ein Nachfolgereich dieses Griechenreichs (Syrien) ist wieder zum
besonderen Feind des Volkes Gottes geworden, bis alle vier Nachfolgereiche, in die das
Reich Alexanders des Großen aufgeteilt wurde, dem ärgsten Feind des Volkes Gottes
Raum machen müssen, dem römischen Weltreich. Dasselbe dient aber wieder nur dazu,
damit der Herr an seinem Volk nicht nur wie einst durch den Assyrer sein Gerichtswerk,
sondern nach Jes.10,12 am Ende auch sein ganzes Heilswerk vollendet. Aus diesen
aufeinanderfolgenden Reichen können wir leicht verstehen, daß eine der vier
Geistwirkungen, die das Völkermeer bewegen, der Wind des Herrn sein muß, der in
beiden Richtungen mitgewirkt hat, wie zum Erheben, so auch zum Vergehen der vier
Weltreiche und zum Gericht und zur Erhebung des Gottesvolkes Israel, um die
Reichsgottesherrschaft darzustellen (Jes.41,5-16.22-24; 42,13-17).
Wir dürfen aber nicht außer acht lassen, daß jede der vier Geistmächte sich vor allem
in einer ganz bestimmten Persönlichkeit verkörpert und sie zum Haupt und Herrscher des
Volkes und Weltreichs macht:
Nebukadnezar, als Haupt des ersten Weltreichs Assur-Babel (Dan.2,32.37-38; Jer.27,67),
Kores (Cyrus), als Haupt des zweiten Weltreichs Medo-Persien (Dan.10,1),
Alexander d. Gr., als Haupt des dritten Weltreichs Griechenland-Mazedonien
(Dan.11,3),
ein Gottesverächter, als Haupt des letzten römischen Weltreichs (Dan.7,25; 8,10-11;
und
ein Überwinder, als Haupt des Reiches Gottes auf Erden (Jes.2,4; 41,2-4.25; 45,1-6;
11,21.36; Offb. 13,5-7)
61,10; Jer.30,21; Hes.21,32; Hos.2,2; Mich.2,13; Offb.2,26-28; 3,7-11; 19,11-16).
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Das Reich Gottes
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3. Die vorausgesagte Chaldäerherrschaft
Nicht die Assyrer sollten die erste Weltreichsherrschaft ausüben, auch nicht die
Syrer, sondern die Chaldäer, obwohl Syrien und Assyrien jahrhundertelang die Vorherrschaft in Vorderasien innehatten.
Daß die Chaldäer zur Herrschaft kommen sollten, berichten uns die Propheten. Die
älteste Weissagung zitiert der Märtyrer Stephanus in Apg.7,42-43 aus Am.5,25-27, indem
er „über Damaskus hinaus“ mit „über Babylon hinaus“ bezeichnet als das Ziel der
Gefangenführung Israels, und Babylon war die Hauptstadt Chaldäas. Ähnlich schreibt
Micha:
„Zittere und stöhne, du Tochter Zion, wie eine Gebärende; denn nun mußt du zur
Stadt hinaus und auf dem Felde wohnen und nach Babel kommen.“ (Mich.4,10)
Jesaja weissagt dem König Hiskia, der allem Anschein nach zur Brechung der
Assyrerherrschaft ein Waffenbündnis mit Babel suchte:
„Siehe, es kommt die Zeit, da alles, was in deinem Hause ist, und alles, was
deine Väter gesammelt haben bis auf diesen Tag, nach Babel geführt werden soll;
es wird nichts übrigbleiben, spricht der Herr. Und von deinen Söhnen, die von dir
kommen, die du zeugen wirst, wird man nehmen, daß sie Kämmerer seien im
Palast des Königs zu Babel!“ (Jes.39,6-7)
Die ausführlichste Schilderung gibt der Prophet Habakuk, indem er vom Chaldäer
schreibt, der nach Kap.1,17 „ohne Erbarmen Völker erwürgt“:
„Sehet, ihr (von mir) Abgefallenen, und schauet zu, verwundert und entsetzet
euch! Denn ich tue ein Werk in euren Tagen, ihr würdet es nicht glauben, wenn
man es erzählte! Denn wahrlich, ich erwecke die Chaldäer, ein bitterböses und
behendes Volk, das nach großen Ländern ausgeht, Wohnsitze zu erobern, die ihm
nicht gehören. Es ist schrecklich und furchtbar; sein Recht und sein Ansehen geht
von ihm selber aus. Seine Rosse sind schneller als Pardel und grimmiger als die
Wölfe am Abend, seine Reiter kommen im Galopp von ferne her, sie fliegen wie
ein Adler, der zum Fressen eilt. Es geht ganz nur auf Gewalttaten aus, das
Streben seines Angesichts ist vorwärts gerichtet, und es sammelt Gefangene wie
Sand. Es spottet der Könige, und Fürsten sind ihm ein Spaß; es lacht aller
Festungen, schüttet Erde auf und erobert sie. Dann fährt es daher - im Sturmwind!
- überschreitet (das Maß, vgl.Sach.1,15) und verschuldet sich; denn seine Kraft
macht es zu seinem Gott.“ (Hab.1,5-11)
Nun war aber Assur zur Zeit dieser Propheten die gewaltige vorherrschende Macht in
Kleinasien, Mesopotamien und Palästina, der auch Babel, Medien und Syrien dienen
mußten. Darum mußten diese Weissagungen von der kommenden Babelherrschaft und
der Vernichtung der Syrer und Assyrer befremdend wirken. Im Gericht, das
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durch Babel über Tyrus, Sidon, Phönizien und Kanaan geweissagt war, ist aber erklärt,
daß und wie Babel ganz plötzlich zur Weltherrschaft kommt. Es heißt da:
„Siehe, das Land der Chaldäer, dieses Volk, das nicht war – schon hat dieses
Volk das Land Assur zur Stätte für Wüstentiere gemacht! – sie haben ihre Belagerungstürme errichtet, zerstören die Paläste (von Tyrus) machen sie zu Trümmerhaufen.“ (Jes.23,13)
Der Feldherr Nebukadnezar hatte als Unterkönig seines Vaters Nabopolassar im
Verein mit dem Mederkönig Ahasveros (n.Dan.9,1, dem Vater des Darius), nach weltlichen Berichten und nach Tobit-Tobias 14,15 (Menge und neue Zürch. B.) Ninive zerstört, und das wohl zu der Zeit, da der Ägypterkönig Pharao Necho das Gottes-gericht am
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Das Reich Gottes
assyrischen Heer zu Karkemisch am Oberlauf des Euphrat vollstreckte (2.Kg.23,29;
2.Chr.35,20; Jer.46). So ist die Assyrerherrschaft plötzlich zerstört worden und die
geweissagte Chaldäerweltherrschaft ebenso plötzlich emporgekommen.
Indessen behielt aber Pharao Necho in Kleinasien und Palästina vorerst noch die
Macht. Er führte, wie schon erwähnt, nach seinem Siege den in Juda inzwischen eingesetzten König Joahas (d.i. Schallum) gefangen nach Ägypten, setzte an dessen Statt
Eljakim, einen anderen Sohn des Josia, zum abgabepflichtigen König in Juda ein und
nannte ihn Jojakim (Jehojakim) (2.Chr.36,1-4).
4. König Nebukadnezar, der Knecht Gottes
Nebukadnezar, nach weltgeschichtlichen Berichten ein Sohn des Chaldäerkönigs
Nabopolassar, wurde der große König des assyrisch-babylonischen Reiches, des ersten
der vier Weltreiche, von denen uns der Prophet Daniel berichtet. Dieser König
Nebukadnezar sollte das Volk Gottes für seine Sünden richten und den Rest in die
babylonische Gefangenschaft führen. Zu ihm sagt Daniel:
„Du, o König, bist ein König der Könige, da dir der Gott des Himmels königliche
Herrschaft, Reichtum, Macht und Glanz gegeben hat. Überall, wo Menschenkinder wohnen, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels, hat er sie in deine Hand
gegeben und dich über sie alle zum Herrscher gemacht; du bist das goldene
Haupt!“ (Dan.2,37-38)
Genau dasselbe Zeugnis über die Herrschaft Nebukadnezars gibt der Prophet
Jeremja, indem er sagt, dass ihm, seinem Sohn und seinem Enkel alle Völker dienen
sollen, sogar die Tiere des Feldes (Jer.27,5-8; 28,14). Daniel sieht das Reich Nebukadnezars auch in der Gestalt eines Löwen mit Adlersflügeln.
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Als göttlicher Seher schildert Daniel die Entstehung des ersten Weltreichs mit den
Worten:
„Ich sah in meinem Gesichte bei Nacht, wie die vier Winde losbrachen auf das
große Meer, und vier große Tiere stiegen aus dem Meer empor, eines verschieden vom andern. Das erste glich einem Löwen und hatte Adlersflügel. Ich
betrachtete das Tier, bis daß ihm die Flügel ausgerauft wurden und es sich von
der Erde aufrichtete und wie ein Mensch aufrecht auf seinen Füßen stand und ihm
ein menschliches Herz gegeben ward.“ (Dan.7,2-4)
Gott nennt den König Nebukadnezar dreimal „seinen Knecht“ (Jer.25,9; 27,6; 43,10) und
läßt ihn Gesichte und Wunder schauen, so groß, wie sie noch kein Weltherrscher sehen
durfte (Dan.2,28-45; 3,24-30; 3,31 - 4,15). In die Hand dieses Königs Nebukadnezar von Babel
sollte das ganze Land Juda gegeben werden, und die Gefangenschaft sollte siebzig
Jahre dauern –, siebzig Jahre sollte auch das erste Weltreich Assur-Babel die Herrschaft
über die Völker innehaben (Jer.25,9-11; 29,10; Dan.9,2). Nur muß beachtet werden, daß die
siebzigjährige Herrschaft über die Völker zwei Jahre früher begann und endete, als die
siebzigjährige Gefangenschaft Judas.
Israels Gefangenschaft beginnt mit dem ersten Zug des Königs Nebukadnezar nach Jerusalem
im vierten Jahr des Königs Jojakim als dem ersten Jahr der Alleinherrschaft des Königs Nebukadnezar und endet zwei Jahre nach Babels Fall mit dem Rückwanderungs- und Tempelwiederaufbaubefehl des Perserkönigs Kores. Darum muß König Nebukadnezars Herrschaft über
die Völker zwei Jahre früher begonnen haben, und zwar zu der Zeit, als er noch als Feldherr
und Mitregent seines Vaters, des Chaldäers Nabopolassar, im Bunde mit den Medern und
Das Reich Gottes
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Ägyptern das Gericht über Assur und Ninive ausführte. Siehe die im Verlag erschienene Schrift
„Biblische Zeittafeln“.
In die Hand dieses Babelkönigs Nebukadnezar sollte Juda fallen, wie Israel in die
Hand der Assyrer fiel; denn das Volk Gottes und seine Fürsten hatten von den Propheten
keine Gotteserkenntnis, keine Erkenntnis der Gerechtigkeit-Barmherzig-keit Gottes lernen
wollen und hatten darum auch keine Heilung erlangt (Jer.21,2-10; 22,25; 24,1; 25,11; 27,6.22;
28,14; 29,1-4.21.28; 32,3-5.28.36; 34,1-7.21; 35,11; 36,29; 37,1.17.19; 38,3.17.18.22; 39,1.5-11; 40,1.4-9;
43,3-10; 44,30; 50,17; 51,34; 52,4.12; Hes.12,13; 17,12.16; 19,9; 21,24.26; 24,2; Mich.4,10; Hos.4,6).
5. Nebukadnezars erster Zug nach Jerusalem;
sein Sieg über Pharao Necho
Im dritten Jahr Jojakims (Jehojakims), des Königs von Juda, kam Nebukadnezar, der
König von Babel, eroberte alle jüdischen (Festungs-) Städte, belagerte Jerusalem, und
Gott gab ihm den König Jojakim und einen Teil der Geräte des Hauses Gottes in seine
Gewalt samt Daniel und seinen drei Freunden (Dan.1,1-7). Von diesem Jahr der ersten
Wegführung der Juden nach Babel, das ist nach biblischer Zählung im Jahre 523 (nach
weltlicher Darstellung im Jahre 606 n.chr.), wird
Sseite 70
die siebzigjährige Gefangenschaft Judas gerechnet. Während Daniel und seine Freunde
mit vielen anderen Juden in die Gefangenschaft ziehen mußten, beließ Nebukadnezar
den König Jojakim als tributpflichtigen Herrscher in Jerusalem.
Im vierten Jahre Jojakims, dem ersten Jahr der Alleinherrschaft Nebukadnezars,
bewies Nebukadnezar abermals seine Weltreichherrscherstellung durch seinen großen
Sieg bei Karkemisch am Euphrat über Pharao Necho von Ägypten, den er vernichtend
schlug und aus Palästina vertrieb (Jer.25,1; 46,2).
Das war offenbar das göttliche Gericht über den Ägypterkönig, weil er der ersten
Einnahme Jerusalems und der Gefangenführung der Juden untätig zugesehen hatte
(vgl.Hes.29,6-8; Jer.46,2 ff. 15-17). Durch seinen Sieg über Pharao Necho richtete der König
von Babel die assyrische Vorherrschaft über Vorderasien wieder auf; denn er machte
Ninive zur Mitresidenz, weshalb wir von einem Weltreich Assur-Babel sprechen.
Jeremja weissagte in diesem Jahr (d.i. dem 4. Jahre Jojakims) die siebzigjährige
Dauer der Babelherrschaft über alle Völker (Jer.25,11).
6. Nebukadnezars Traum von den vier Weltreichen
Daniel war mit seinen drei Freunden bereits drei Jahre am Hofe Nebukadnezars und
hatte mit ihnen in dieser Zeit die Schrift und Sprache der Chaldäer mit vieler anderer
Wissenschaft erlernt; denn Gott gab ihnen Kenntnis und Verständnis hierfür und Daniel
besonders die Fähigkeit zur Auslegung von Gesichten und Träumen. Nach diesen drei
Jahren mußten sie vor dem König Nebukadnezar erscheinen, der sie viel weiser und
geschickter fand, als die anderen Weisen im ganzen Reich (Dan.1,3-7.17-20).
Nach Verlauf eines weiteren Jahres, nämlich im „andern“ (nicht im „zweiten“!) Jahr
der Regierung Nebukadnezars (nämlich im zweiten Jahr, nachdem Daniel mit seinen drei
Freunden vor Nebukadnezar erschienen war, also im vierten Jahr der Alleinherrschaft
des Königs Nebukadnezar), hatte König Nebukadnezar Träume, die seinen Geist
Das Reich Gottes
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beunruhigten und ihn schlaflos machten (Dan.2,1). Der Traum selbst war ihm entfallen.
Darum berief er die Weisen des Landes und verlangte bei Todesstrafe, daß sie ihm den
Traum samt der Deutung kundtäten. Da die Chaldäer des Königs Auftrag nicht
auszuführen vermochten, befahl dieser, alle Weisen zu Babel umzubringen. Schon fing
man an, die Weisen zu Babel zu töten; auch Daniel und seine Mitverbundenen erwartete
dasselbe Schicksal. Da erbot Daniel sich, den Traum zu ermitteln und auszulegen, und
Gott gab ihm tatsächlich beides auf sein und seiner Freunde Flehen hin (Dan.2,1-18). Da
pries Daniel Gott und sagte:
„Gepriesen sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit! Denn sein ist beides,
Weisheit und Macht. Er führt andere Zeiten und Stunden herbei; er setzt Könige
ab und Könige ein; er gibt den
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Weisen ihre Weisheit und den Verständigen ihren Verstand. Er offenbart, was tief
und verborgen ist; er weiß, was in der Finsternis ist, und bei ihm wohnt das Licht!
Dir, dem Gott meiner Väter, sage ich Lob und Dank, daß du mir Weisheit und Kraft
verliehen und mir jetzt kundgetan hast, was wir von dir erbeten haben; denn du
hast uns die Sache des Königs kundgetan!“ (Dan.2,20-23)
Dem König Nebukadnezar aber sagte er:
„Das Geheimnis, nach welchem der König fragt, vermag kein Weiser, Wahrsager,
Schriftkundiger oder Sterndeuter dem König kundzutun. Aber es ist ein Gott im
Himmel, der Geheimnisse offenbart; der hat dem König Nebukadnezar kundgetan, was in späteren Tagen geschehen soll. Mit deinem Traum und den Gesichten
deines Hauptes auf deinem Lager verhielt es sich also: Dir, o König, stiegen auf
deinem Lager Gedanken darüber auf, was in Zukunft geschehen werde, und da
hat dir der, welcher Geheimnisse offenbart, kundgetan, was geschehen wird. Mir
aber ist nicht durch Weisheit, die in mir mehr als in allen Lebendigen wäre, dieses
Geheimnis geoffenbart worden, sondern damit dem König die Deutung kund
würde und du erführest, was dein Herz zu wissen wünscht.
Du, o König, sahest, und siehe, da war ein erhabenes Standbild. Dieses große
und außerordentlich glänzende Bild stand vor dir und war furchtbar anzusehen.
Das Haupt dieses Bildes war von gutem Gold, seine Brust und seine Arme von
Silber, sein Bauch und seine Lenden von Erz; seine Schenkel von Eisen, seine
Füße teils von Eisen und teils von Ton. Du sahest zu, bis daß ein Stein losgerissen ward ohne Handanlegung und das Bild an seine Füße traf, die von Eisen und
Ton waren, und sie zermalmte. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Erz,
Silber und Gold und wurden wie Spreu von den Sommertennen, und der Wind
verwehte sie, daß keine Spur mehr von ihnen zu finden war. Der Stein aber, der
das Bild zertrümmert hatte, ward zu einem großen Berge und erfüllte die ganze
Erde.
Das ist der Traum; nun wollen wir vor dem König auch seine Bedeutung sagen:
Du, o König, bist ein König der Könige, da dir der Gott des Himmels königliche
Herrschaft, Reichtum, Macht und Glanz gegeben hat. Überall, wo Menschenkinder wohnen, Tiere des Feldes und Vögel des Himmels, hat er sie in deine Hand
gegeben und dich über sie alle zum Herrscher gemacht: du bist das goldene
Haupt! Nach dir aber wird ein anderes Reich aufkommen, geringer als du, und
darnach ein anderes drittes Königreich, das ehern sein wird: das wird über die
ganze Erde herrschen. Das vierte Königreich aber wird so stark sein wie Eisen;
ganz so wie Eisen alles zertrümmert und zermalmt und wie Eisen alles zerschmettert, so wird es auch jene
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alle zermalmen und zerschmettern. Daß du aber die Füße und Zehen gesehen
hast teils aus Töpferton und teils aus Eisen, bedeutet, daß das Königreich sich
Das Reich Gottes
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zerspalten wird; aber es wird etwas von der Festigkeit des Eisens darin bleiben,
gerade so, wie du gesehen hast Eisen mit Tonerde vermengt. Und wie die Zehen
seiner Füße teils von Eisen und teils von Ton waren, so wird auch das Reich zum
Teil widerstandsfähig und zum Teil zerbrechlich sein. Daß du aber Eisen mit Tonerde vermengt gesehen hast, bedeutet, daß sie sich zwar durch Verheiratung
vermischen, aber doch nicht aneinander haften werden, wie sich ja Eisen mit Ton
nicht vermischen läßt. Aber in den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels
ein Reich aufrichten, das ewiglich nie untergehen wird, und sein Reich wird auf
kein anderes Volk übergehen. Es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen
ein Ende machen, es selbst aber wird ewiglich bestehen, - ganz so wie du gesehen hast einen Stein sich von dem Berge loslösen ohne Handanlegung, der das
Eisen, das Erz, den Ton, das Silber und das Gold zermalmte. So hat der große
Gott dem König kundgetan, was nach diesem geschehen wird. Das ist wahrhaftig
der Traum und sicherlich seine Bedeutung!“ (Dan.2,27-45)
Da fiel Nebukadnezar nieder und verehrte den Gott aller Götter und sprach:
„Wahrhaftig, euer Gott ist ein Gott der Götter und ein Herr der Könige und ein
Offenbarer der Geheimnisse, daß du dieses Geheimnis offenbaren konntest!“
(Dan.2,47)
Und Nebukadnezar gab Daniel Geschenke und Ehre und übertrug ihm die Verwaltung der Landschaft Babel; doch Daniel überließ diese seinen drei Freunden und erbat
sich die Gunst, am Königshof bleiben zu können (Dan.2,48-49).
7. Nebukadnezars zweiter Zug nach Jerusalem
Sicher würde Nebukadnezar nach dem Abfall und der Tributverweigerung Jojakims
viel früher einen Kriegszug zur nochmaligen Eroberung Jerusalems unternommen haben,
wenn ihm dieser Traum nicht solche Ehrfurcht vor dem Gott Israels eingeflößt hätte.
Vielleicht hat Gott seinem Volk und dem König Jojakim auch noch eine Langmutsfrist
gewähren wollen. Denn Nebukadnezar zieht erst drei oder vier Jahre später nach
Jerusalem, legt Jojakim in zwei eherne Ketten in der Absicht, ihn nach Babel zu bringen,
und raubt einige Tempelgeräte (2.Chr.36,5-7). Sehr wahrscheinlich stirbt aber Jojakim auf
dem Wege in die Gefangenschaft (Jer.22,18-19; 36,30; 2.Kg.24,6).
Jojakims achtzehnjähriger Sohn Jojachin (Jehojachin, Konja, Jechonja) regierte nur
drei Monate und zehn Tage, da sandte Nebukadnezar schon wieder seine Kriegsknechte, Jerusalem zu belagern. Nur dem
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Umstand, daß Jojachin samt seiner Mutter freiwillig zu dem inzwischen wieder angekommenen König Nebukadnezar hinausging, verdankte er sein Leben, - wenn er auch für
immer aus dem Lande mußte, und zwar in die babylonische Gefangenschaft (2.Kg.24,8-13;
2.Chr.36,9-10). Mit ihm gelangte viel Volk samt allen Wehrfähigen, Schlossern und
Schmieden sowie dem Propheten Hesekiel nach Babylonien, der die Jahre in seinem
Buch von diesem Zeitpunkt an zählt (2.Kg.24,14-16; Hes.: Im 5. Jahr seiner
Gefangenschaft: 1,1-3; im 6. Jahr: 8,1; im 7. Jahr: 20,1; im 9. Jahr: 24,1; im 10. Jahr:
29,1; im 11. Jahr: 26,1; im 12. Jahr: 32,1.17; im 25. Jahr: 40,1; im 27. Jahr: 29,17).
Wiederum nahm Nebukadnezar alle verfügbaren Tempelgeräte mit und stellte sie im
eigenen Tempel zu Babel auf (2.Kg. 24,13; 2.Chr.36,7.10). An Stelle des Jojachin setzte
Das Reich Gottes
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Nebukadnezar dessen Oheim, einen dritten Sohn des Josia, Mattanja, zum König ein und
nannte ihn Zedekia.
8. Nebukadnezars Strafgericht über gottfeindliche Völker
Die das Reich Juda umgebenden heidnischen Völker frohlockten nicht wenig über
Juda-Israels Ergehen. Wohl war Jerusalem noch nicht zerstört; denn Zedekia führte als
tributpflichtiger König noch eine Scheinherrschaft in Judäa. Aber die Völker triumphierten
über den Niedergang des Gottesvolkes, und Syrer, Moabiter und Ammoniter hatten
schon zu Jojakims Zeiten Mutwillen am Volk Gottes getrieben (2.Kg.24,2). Das Gericht war
aber nicht nur über das Volk Gottes beschlossen worden, sondern über alle Völker, nur
sollte das Volk Gottes zuerst die Rute Gottes erfahren müssen (Jer.25,29; 49,12;
vgl.1.Petr.4,17).
Ägypten war bald nach der ersten Einnahme Jerusalems gerichtet worden (Jer.46,2). Nach der zweiten
Einnahme unterwarf Nebukadnezar sich ganz Medien und dessen stark befestigte Hauptstadt Ekbatana
(Achmeta) (Judith 1,1-6). Hernach sandte er seinen grausamen Feldherrn Holofernes gegen Westen,
welcher unbarmherzig verfuhr mit Cilicien, Lybien, Tharsis, Ismael, Chellon, Mesopotamien, Midian,
Damaskus, Syrien, Syrien-Sobal, Apamea, Edom, Gabaa, Ammon und Moab (Judith 2 - 3,1-14; 5,1). Durch
die List und Ruhmestat einer Frau, der Witwe Judith, wurde eine dritte Züchtigung Jerusalems vorerst noch
abgewandt. Die Assyrer flohen nämlich entmutigt und bestürzt vor den Juden, als sie merkten, daß ihr
Feldherr Holofernes erschlagen war (Judith 4 - 16,30).
9. Nebukadnezars dritter Zug nach Jerusalem, Untergang der Stadt,
Vernichtung des Tempels und Ende des Südreiches Juda
Vielleicht ist der König Zedekia durch den Erfolg seines Volkes ermutigt worden,
seinen dem König Nebukadnezar vor Gott geleisteten Eid zu brechen, von Nebukadnezar
abzufallen und mit Pharao Hophra von Ägypten ein Bündnis einzugehen. Aber
Nebukadnezar läßt sich durchaus nicht entmutigen. Er zieht zum dritten Mal nach
Jerusalem und belagert es. Da zieht Pharao Hophra
Seite 74
von Ägypten gegen ihn herauf, aber scheinbar nur, um ihn zu schrecken und ihn zu
einem kampflosen Rückzug nach Babylonien zu bewegen. Nebukadnezar aber gibt
Jerusalem vorübergehend frei, um sich mit Pharao Hophra zu messen. Dieser weicht
jedoch kampflos nach Ägypten. Nebukadnezars nächste Aufgabe wäre es nun gewesen,
ihm zu folgen, ihn zum Kampf zu stellen und gänzlich aufzureiben. Aber Gottes Auftrag
hielt ihn in Palästina fest, Jerusalem endgültig seiner israelitischen Königsherrschaft zu
berauben (Jer.37,1-10).
Die blutdürstige, unbarmherzige, von Gott abtrünnige, buhlerische und götzendienerische Stadt Jerusalem wurde solange belagert, bis sie nach zwei Jahren wegen Pest,
Schwert und Hungersnot dem Belagerungsheer des Königs von Babel in die Hände fiel
(2.Kg.25,1-4; 2.Chr.36,11-18; Jer.21,1-10; 24,10; 39,1-3; 52,1-7). Wohl suchte der König Zedekia,
samt allen Fürsten und Kriegsleuten aus der eingeschlossenen Stadt heimlich
auszubrechen und die Ebene zur Flucht zu gewinnen. Er wurde aber auf der Flucht
gefangen, seine Söhne wurden mit allen Fürsten im Beisein Nebukadnezars zu Ribla im
Lande Chamat vor seinen Augen abgeschlachtet, er selbst wurde in Ketten gelegt,
geblendet und nach Babylon gefangengeführt, woselbst er in Ketten verblieb, bis er starb
(2.Kg.25,4-7; Jer.39,4-7; 52,7-11).
Das Reich Gottes
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In Verbindung damit heißt es:
„Der Oberste der Leibwache nahm den Oberpriester Seraja und den zweiten
Priester Zephania samt den drei Schwellenhütern; er nahm auch aus der Stadt
einen Kämmerer, der über das Kriegsvolk gesetzt war, und sieben Männer von
denen, die in der Umgebung des Königs gewesen waren, die in der Stadt gefunden wurden, dazu den Schreiber des Feldhauptmanns, der das Volk des Landes
zum Heere aushob, und sechzig Männer vom Landvolk, die in der Stadt gefunden
wurden, - diese nahm Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, und führte sie
zum König von Babel gen Ribla. Der König von Babel aber ließ sie zu Ribla im
Lande Chamat hinrichten. Juda aber ward aus seinem Lande weggeführt.“
(Jer.52,24-27; 2.Kg.25,18-21)
Die Zerstörung Jerusalems mit dem Hause Gottes ist wie folgt geschildert:
„Am zehnten Tage des fünften Monats, im neunzehnten Jahr des babylonischen
Königs Nebukadnezar, kam Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, welcher
vor dem König von Babel stand, gen Jerusalem, und verbrannte das Haus des
Herrn und das Haus des Königs und alle Häuser von Jerusalem, alle großen
Häuser verbrannte er mit Feuer; auch zerstörte das Heer der Chaldäer, das mit
dem Obersten der Leibwache kam, alle Ringmauern von Jerusalem. Und von den
Geringen des Volkes und den Rest des
Seite 75
Volkes, der in der Stadt übriggeblieben war, samt den Überläufern, die zum König
von Babel übergegangen waren, und den Rest der Handwerker führte Nebusaradan, der Oberste der Leibwache gefangen. Aber von den Geringen auf dem
Lande ließ Nebusaradan, der Oberste der Leibwache, einen Teil als Winzer und
Ackerleute zurück.“ (Jer.52,12-16; 2.Kg. 25,8-12; 2.Chr.36,19-20; Jer.39,8-10)
Die aus dem Tempel geraubten Geräte sowie die Schätze des Königs und der Fürsten
wurden alle nach Babel geführt (2.Kg.25,13-17; 2.Chr.36,18; Jer.52,17-23). Ein Flüchtling
brachte dem Propheten Hesekiel die Kunde:
„Die Stadt ist geschlagen!“ (Hes.33,21 Elb. B.)
Der Juden Seufzen und Weinen über die Stadt Gottes und des Tempels Untergang
war größer, als das Klagen über die verlorene Freiheit und alle Menschenverluste (Ps.74;
Jes.64, 9-10; Klag.Jer.2; 4,1; 5,15-18).
Das war das von Gott verheißene Ende des Reiches Juda und Jerusalems, und der
Lohn für seines Volkes unheilbare Abtrünnigkeit von Gott und für seine Hartherzigkeit
gegen Witwen und Waisen, entgegen Gottes Erbarmen am „Elenden und Armen“ (Jer.21,
4-14;24,8-10; 37,6-10; 38,23; Jes.1; 5,7; Jer.22,3; Hes.22,7).
Also wohnte die Tochter Zion bei der Tochter Babel an den Strömen Babylons und
weinte, wenn sie an Jerusalem dachte. Und die sie peinigten, die forderten sie dort
höhnend auf, Lieder anzustimmen zum Preise ihres Gottes und ihres einst herrlichen
Zions (Sach.2,11; Ps.137).
Nebukadnezar hatte über den zurückgebliebenen geringen Teil des Volkes Gottes
einen Statthalter Gedalja gesetzt, der nicht hart mit ihnen umgehen wollte. Ruchlose
Leute erschlugen aber bald den Statthalter Gedalja mit seinem Gefolge und den assyrischen Kriegsleuten; Gedalja hatte sich längere Zeit vor ihnen nicht warnen lassen. Dazu
tötete der Anführer der Mörder auch noch einen Zug Männer, die zum Tempel
wallfahrteten. Wohl mußten die Mörder fliehen (2.Kg.25,22-25; Jer.39,10.14; 40,5 - 41,15; 52,16).
Das Reich Gottes
- 70 -
Die übrigen Juden aber wagten aus Furcht vor Nebukadnezar nicht, im Lande zu
bleiben. Darum sollte Jeremja Gott für sie befragen, welchen Weg sie gehen sollten.
Immer noch übte Gott Langmut an ihnen, und immer noch gab er ihnen tröstliche Verheißungsworte durch den Mund seines Propheten Jeremja, den Nebusaradan seiner
Fesseln entledigt und mit Ehren und Geschenken Freizügigkeit gestattet hatte, wenn sie
sich nur dem Joch des Babelkönigs beugen und im Lande bleiben wollten. Gott wollte sie
„bauen und nicht niederreißen, pflanzen und nicht ausreuten“ (Jer.39,11-14; 40,1-6; 41,17 42,22).
Doch sie flohen gegen die ausdrückliche Warnung des Propheten Jeremja nach
Ägypten. Sie wollten sich eben nicht unter Nebukadnezar beugen und verachteten die
ihnen von Gott auferlegte Züchtigung. Darum
Seite 76
sollte Nebukadnezar sie alle bis auf einige Entronnene in Ägypten richten, wie der Herr
dem Propheten Jeremja in Tachpanches (Daphne) offenbarte; denn Jeremja war den
Flüchtlingen bis dahin mitgefolgt (2.Kg.25,26; Jer.43,1 - 44,30).
10. Daniels Freunde im Feuerofen
Nun, da die Herrlichkeit Gottes dahin war, nämlich das Haus Gottes und Jerusalem
dem Erdboden gleichgemacht, gab es offenbar nichts mehr, was den König
Nebukadnezar hindern konnte, für sich und seine Götter alleinige Anbetung zu fordern,
und er verlangte sie auch (vgl.Judith 3,13; 5,29).
In der Ebene Dura (Landschaft Babel) ließ Nebukadnezar ein großes goldenes
Standbild errichten, für das er auf den Tag seiner Einweihung und fernerhin Anbetung
forderte bei Todesstrafe für den Ungehorsam. Damals war Daniel wohl der Oberste im
Reich, so daß niemand ihn beim König zu verklagen wagte. Aber über Sadrach, Mesach
und Abednego, welche die Landschaft Babel verwalteten, erhoben etliche Fürsten des
Königs Anklage wegen vorsätzlich verweigerten Gehorsams. Der König Nebukadnezar,
der diese drei Männer nun zu sich kommen ließ und sie persönlich zur Anbetung seines
Standbildes aufforderte, drohte ihnen bei Verweigerung der Ausführung seines Befehls
mit dem Gericht im Feuerofen. Aber weder diese furchtbare Strafandrohung noch die
Überhebung über den allmächtigen Gott, die Nebukadnezar mit den Worten zum
Ausdruck brachte:
„Und welcher Gott wird euch aus meiner Hand erretten?“ (Dan.3,15),
konnten Daniels Freunde in ihrer Stellung zu Gott wankend machen; denn sie
beteten das Bild nicht an, sondern erwiderten dem König:
„Nebukadnezar, wir haben nicht nötig, dir hierauf ein Wort zu erwidern. Sei es
nun, daß unser Gott, dem wir dienen, uns aus dem glühenden Feuerofen befreien
kann und uns aus deiner Hand erretten wird oder nicht, so sollst du wissen, o
König, daß wir deinen Göttern nicht dienen und auch das goldene Bild nicht
anbeten werden, das du aufgestellt hast!“ (Dan.3,16-18).
Als Nebukadnezars stärkste Soldaten seinen Befehl vollstreckt hatten, erschrak er,
stand eilends auf und sagte:
„Haben wir nicht drei Männer gebunden ins Feuer geworfen? Sie antworteten und
sprachen: ‚Gewiß, Herr König!‘ Er antwortete und sprach: ‚Siehe, ich sehe vier
- 71 -
Das Reich Gottes
Männer frei umherwandeln mitten im Feuer, und es ist kein Schaden an ihnen,
und die Gestalt des vierten gleicht einem Sohn der Götter!’ Darauf trat Nebukadnezar vor die Öffnung des glühenden Feuerofens, hob an und sprach: ‘Sadrach,
Mesach und Abednego, ihr Knechte Gottes, des Allerhöchsten, gehet heraus und
kommet her!‘ Alsbald gingen Sadrach, Mesach und Abednego aus dem Feuer
hervor. Und die Satrapen, Statthalter und Landpfleger samt den Räten des Königs
versammelten sich und sahen, daß das Feuer keine
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Gewalt über den Leib dieser Männer gehabt, auch das Haar ihres Hauptes nicht
versengt und ihre Kleider unverändert gelassen hatte; man bemerkte nicht einmal
einen Brandgeruch an ihnen. Nebukadnezar hob an und sprach: ‚Gepriesen sei
ihr Gott, der Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos, der seinen Engel gesandt
und seine Knechte errettet hat, welche sich auf ihn verließen und das Gebot des
Königs übertraten und ihre Leiber hingegeben haben, da sie keinen andern Gott
verehren und anbeten wollten als ihren Gott allein! Und von mir wird eine Verordnung erlassen, daß, wer unter aIlen Völkern, Stämmen und Zungen leichtfertig
spricht von dem Gott Sadrachs, Mesachs und Abednegos, der soll in Stücke zerhauen und dessen Haus soll zur Kloake gemacht werden, darum weil kein anderer Gott ist, der also erretten kann wie dieser!“ (Dan.3,24-29)
Daraufhin beförderte der König die drei tapferen Bekenner zu hohen Ämtern in der
Landschaft Babel.
11. Nebuakdnezars Gericht über alle Völker,
besonders über Tyrus und Ägypten
Durch das, was Nebukadnezar an der Standhaftigkeit der Freunde Daniels kennen
gelernt hatte, war er wieder im Vollsinn des Wortes „Knecht Gottes“ geworden, und das
zeigte sich auch am Gehorsam zu Gott in den Vollstreckungsgerichten über die Völker,
die darüber jubelten, daß die Herrlichkeit des Volkes Gottes dahin war.
Ammon stieß ein Jubelgeschrei aus über die Entweihung des Heiligtums Gottes, über
die Verwüstung Israels und über Judas Gefangenführung.
Moab und Seir (auf dem Gebirge Seir wohnten die Meuniter) frohlockten:
„Siehe, das Haus Juda ist wie alle Völker geworden!“
Edom übte Rachsucht am gefallenen Hause Juda.
Die Philister handelten aus Rachsucht und verdarben Juda aus alter Feindschaft, mit
Verachtung und von Herzen.
Aber Tyrus frohlockte am meisten und sagte:
„Ha, ha, die Tür zu den Völkern ist erbrochen, öffnet sich mir zu; ich will mich
bereichern an der Verlassenen!“ (Hes.25,1 - 26,1 ff.)
So offenbarten diese Völker ihre innerste Gesinnung gegen Gott, gegen sein Heiligtum und gegen sein Volk. Darum bestellte Gott den König Nebukadnezar, die Zuchtrute
seines Grimmes, zuerst gegen die
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beinahe uneinnehmbare Seestadt Tyrus, die Nebukadnezar nach Ausgrabungsberichten
dreizehn Jahre lang belagerte (Hes.26,7; Kap.26 - 28; 29,17-18). Mit diesem Kriegszug gegen
den Westen von Norden her verband Nebukadnezar nach weltlichen Berichten und nach
Gottes Drohwort auch das Gericht über die anderen Völker, besonders über die Städte
Philistäas (Jer.47,1-7; 48 u.49).
Das Reich Gottes
- 72 -
Aber auch die Stunde Ägyptens hatte geschlagen. Denn Gott gab dem König
Nebukadnezar und seinem ganzen Heer für die harte Arbeit an Tyrus ganz Ägyptenland
mit seinem Reichtum, wie Hesekiel weissagen mußte (Hes.29,17-21). Pharao Hophra kam
für seine Untreue an Israel in die Hände seiner Todfeinde, die ihm nach dem Leben
trachteten; denn Ägypten hatte Israel immer wieder zum Widerstand gegen
Nebukadnezar und zum Abfall von ihm ermutigt und ihn bei viel großtuerischem Geschrei
doch einem zerbrechlichen Rohrstabe gleich durch die Schulter gestochen und seinen
Todfeinden Assur und Babel ausgeliefert; denn auch König Hosea vom Nordreich Israel
hatte sich ehemals vergeblich auf Ägypten verlassen (Jer.46,13-26; 43,8-13; 44,30; Hes.29,6-7;
2.Kg.17,4).
12. König Nebukadnezar sieben Zeiten verworfen
Weil Gott dem König Nebukadnezar alles so gelingen ließ, konnte es nicht fehlen, daß
er sich wieder überhob.
Da hatte er zur Zeit, da er sorglos lebte, einen Traum, den er dem Propheten Daniel
ansagte, damit dieser ihn auslege. Er sah mitten auf der ganzen Erde einen hohen,
reichtragenden Baum, der bis auf den Wurzelstock umgehauen und auf sieben Zeiten
erniedrigt werden sollte.
„Im Rat der Wächter wurde das beschlossen und von den Heiligen verordnet zu
dem Zweck, damit die Lebendigen erkennen, daß der Höchste Gewalt hat über
das Königtum der Menschen und es gibt, wem er will, und den niedrigsten der
Menschen darüber setzt.“ (Dan.4,14)
Daniel aber wurde eine Weile vor Entsetzen starr, bis er dem König offenbarte, daß
dieser Baum auf ihn selbst weise, daß er von den Menschen ausgestoßen würde, sieben
Zeiten wie ein Tier sich nähren solle und nach den sieben Jahren wieder zu seinem
Königtum und zu seiner früheren Ehre kommen solle, bis er erkennt, daß der Himmel
herrscht und nicht die Götzen und Menschen.
„Darum, o König, laß dir meinen Rat gefallen und brich mit deinen Sünden durch
Gerechtigkeit und mit deinen Missetaten durch Erbarmen gegen die Armen; dann
wird dein Glück vielleicht dauerhaft sein!“ (Dan.4,24; vgl.Ps.41,1-4; Spr.24,11-12)
Diese Mahnung Daniels läßt darauf schließen, daß Nebukadnezar der Begriff
„Barmherzigkeit“ fremd war. Von wem hätte er, kraft seiner Stellung, auch Barmherzigkeit
nötig gehabt, um daran zu lernen, wie man sie an andern üben soll? Wenn die Schrift ihn
auch „Knecht des
Seite 79
Herrn“ nennt, so war seine Stellung zu Gott doch nicht eine, wie sie von David, dem
Mann nach dem Herzen Gottes, in der Schrift bezeugt ist. Nebukadnezar hat nie
Barmherzigkeit geübt; denn von keinem der gefangenen Völker lesen wir, daß er sie
wenigstens teilweise wieder in ihr Heimatland zurückkehren ließ, auch nicht das Volk
Juda.*
*(Mit einer Einschränkung nach dem Buch Judith, von welchem gesagt ist, daß etliche Juden zurückgekommen waren; vielleicht waren das nur Vertriebene (vgl.Jer.40,7-8.11-12).“
Sein Hochmut fand darin Ausdruck, daß er prahlte:
„Ist das nicht die große Babel, die ich mir erbaut habe zur königlichen Residenz,
kraft meines Reichtums und zu ehren meiner Majestät?“
Das Reich Gottes
- 73 -
Gottes Antwort blieb nicht aus. Als dieses Wort noch im Munde des Königs war, fiel
eine Stimme vom Himmel:
„Dir wird hiermit verkündigt, König Nebukadnezar: das Königreich ist von dir
genommen! Und man wird dich von den Menschen verstoßen und du sollst bei
den Tieren des Feldes wohnen; mit Gras wird man dich füttern wie die Ochsen,
und es sollen sieben Zeiten über dir vergehen, bis du erkennen wirst, daß der
Höchste Gewalt hat über das Königtum der Menschen und es gibt wem er will! Im selben Augenblick erfüllte sich das Wort an Nebukadnezar; er ward von den
Menschen ausgestoßen, fraß Gras wie ein Ochse, und sein Leib ward vom Tau
des Himmels benetzt, bis daß sein Haar so lang ward wie Adlerfedern und seine
Nägel wie Vogelkrallen.“ (Dan.4,27-30)
Nebukadnezar hat den ganzen Bericht selbstamtlich verfaßt, um allen Völkern,
Stämmen und Zungen die Zeichen und Wunder kundzutun, die der höchste Gott an ihm
getan hat:
„Aber nach Verlauf der Zeit hob ich, Nebukadnezar, meine Augen zum Himmel
empor, und mein Verstand kehrte zu mir zurück. Da lobte ich den Höchsten und
pries den, der ewig lebt, und verherrlichte ihn, dessen Herrschaft eine ewige
Herrschaft ist und dessen Reich währt für und für; gegen welchen alle, die auf
Erden wohnen, wie nichts zu rechnen sind. Er macht es, wie er will, mit dem Heer
des Himmels und mit denen, die auf Erden wohnen, und niemand ist, der seiner
Hand wehren, noch zu ihm sagen dürfte: Was machst du?
Zu derselben Zeit, als mir mein Verstand wiederkam, kehrte mit der königlichen
Ehre auch meine Würde und mein Glanz wieder; meine Räte und Großen richteten ihre Bitten an mich, und ich ward wieder über mein Königreich gesetzt und
erhielt noch größere Macht.
Nun lobe und erhebe und verherrliche ich, Nebukadnezar, den König des Himmels; denn all sein Tun ist richtig und seine Wege sind gerecht; wer aber stolz
einhergeht, den kann er demütigen.“ (Dan.3,31 - 4,1.31-34)
Seite 80
Dreimal nennt Gottes Wort den König Nebukadnezar einen „Knecht Gottes“, und
dreimal erlangt Gott von ihm einen so außerordentlichen Preis und Ruhm, - Er, der
alleinige Gott, Schöpfer Himmels und der Erde. Ja, Gottes Ehre und Lobpreis geht
jedesmal mächtiger als ein Zeugnis zu allen Völkern der Erde aus dem Munde des
mächtigsten Königs, der jemals gelebt hat. So erwarb Gott sich die Ehre, die ihm sein
eigenes Volk versagte; denn um dessentwillen wurde Gottes Namen unter den Heiden
gelästert (Jes.52,5; Hes.36,20; Röm.2,24).
„Wie groß sind seine Zeichen
und wie gewaltig seine Wunder!
Sein Reich ist ein ewiges Reich,
und seine Herrschaft währet für und für!“ (Dan.3,33)
13. Weitere Könige des ersten Weltreichs Assur-Babel
Nach einer fünfundvierzigjährigen Regierungszeit ging auch dieser König, der alle
früheren und späteren Herrscher an Macht und Gewalt weit überragte, den Weg alles
Fleisches und überließ die Herrschaft seinen Nachkommen.
Evil-Merodach, (Evil-Marduk), sein Sohn, war sein Nachfolger. Unter dem gewaltigen
Eindruck der letzten Erfahrungen seines Vaters konnte es nicht ausbleiben, daß er den
letzten Königssproß des Hauses David, den Exkönig Jojachin, bei oder bald nach seinem
Regierungsantritt aus dem Kerker befreite, in welchem er siebenunddreißig Jahre
- 74 -
Das Reich Gottes
gefangengehalten war, daß er freundlich mit ihm redete und ihn über alle anderen Könige
am Hofe Babels setzte (2.Kg.25,27-30; Jer.52,31-34).*
*(Mit Evil-Merodach (weniger wahrscheinlich nach ihm) regierte nach weltlichen Berichten der Obermagier
Nebukadnezars Nergal-Sarezer (Neriglisser), der wohl eine Tochter des Königs Nebukadnezar zur
Gemahlin hatte (Jer.39,3.13). Nach diesen beiden soll ein König Labasimarduk regiert haben, und diesem
folgte nach Ausgrabungsberichten ein weiterer Sohn Nebukadnezars, der König Naboned (= Nabo ist
erhaben). König Naboned suchte mehr, seinen Sonderneigungen zu leben, setzte seinen tatkräftigeren,
aber ungerechten und gottlosen erstgeborenen Sohn Belsazar als Mitregent ein und übertrug ihm nach
Ausgrabungsberichten die ganze Regierungsgewalt. Es konnte nicht ausbleiben, daß dieser vom Vater in
Inschriften und Denksäulen geehrte Sohn sich schließlich überhob.)
Belsazars Druck auf den gottesfürchtigen Propheten Daniel und seine Nichtachtung
dieses Mannes - Daniel war, wie anzunehmen ist, durch ihn seit Jahren von den
Regierungsgeschäften und vom Hofe ferngehalten worden (vgl.Dan.5,9-12), - hat sicher
dazu beigetragen, daß Daniel noch mehr nach der Zukunft ausschaute und vom Herrn
(für die ferne Zukunft) darüber Offenbarungen empfing. Schließlich konnte das Weltreich
Assur-Babel, trotz Nebukadnezars Zeugnissen vom Gott des Himmels, seine im Wesen
widergöttliche Art doch nicht verleugnen.
Seite 81
Im ersten Jahre König Belsazars hatte Daniel den Traum von den vier Weltreichen,
die als vier Tiere aus dem Völkermeer emporstiegen und die ihre Herrschaft am Ende
schließlich Einem wie eines Menschensohn überlassen müssen, der vor den
Hochbetagten gebracht wird (Hes.1,26; Dan.7; Offb.1,13). - Im dritten Jahr des Belsazar
schaute Daniel ein Gesicht über die Geschicke des kommenden Perser- und des
Griechenreiches, also des zweiten und des dritten Weltreichs, und über Vorgänge am
Ende des vierten Weltreichs (Dan.8).
14. König Belsazars Überhebung und der
Untergang des ersten Weltreichs Assur-Babel
Des Königs Belsazars Überhebung ging schließlich so weit, daß er seine Verachtung
des allmächtigen Gottes anläßlich eines großen Gastmahls vor seinen tausend
Gewaltigen und vielen anderen Tausenden öffentlich bekunden wollte. Als sie dann aus
den aus dem Tempel geraubten heiligen Gefäßen Wein tranken, erschienen Finger einer
Menschenhand, die an die Wand geheimnisvolle Worte schrieben. Da erschrak der
König, daß seine Kniee schlotterten, und er wollte den zum „Dritten im Reich“ machen,
der ihm die Schrift entzifferte. Offenbar war Belsazar selber nach seinem Vater Naboned
„der Zweite im Reich“ (Dan.5,1-8).
Das vermochte niemand als Daniel, den man aber auf den Rat der Königin (vielleicht
der Gemahlin des Naboned?) erst rufen mußte. Dieser sagte ihm:
„Behalte deine Gaben für dich und gib deine Geschenke einem andern! Aber die
Schrift will ich dem König gleichwohl lesen und sagen, was sie bedeutet. O König,
Gott, der Allerhöchste, hat deinem Vater Nebukadnezar Königtum, Majestät, Ehre
und Herrlichkeit verliehen; und wegen seiner Majestät, die er ihm gab, zitterten
und bebten vor ihm alle Völker, Stämme und Zungen; denn er tötete, wen er
wollte, ließ leben, wen er wollte, erhöhte, wen er wollte, und erniedrigte, wen er
wollte. Als sich aber sein Herz erhob und sein Geist stolz ward bis zur Vermessenheit, mußte er von seinem königlichen Throne heruntersteigen und seine
Würde ward von ihm genommen; man verstieß ihn von den Menschenkindern,
und sein Herz ward den Tieren gleich; er wohnte bei den Wildeseln, und man füt-
Das Reich Gottes
- 75 -
terte ihn mit Gras wie einen Ochsen, und sein Leib ward vom Tau des Himmels
benetzt, - bis er erkannte, daß Gott, der Allerhöchste, über das Königtum der
Menschen regiert und den darüber bestellt, der ihm gefällt. Du aber, sein Sohn
Belsazar, hast dein Herz nicht gedemütigt, trotzdem du das alles wußtest; sondern
du hast dich über den Herrn des Himmels erhoben, und man hat die Gefäße
seines Hauses vor dich gebracht, und du und deine Großen, deine Frauen und
Kebsweiber haben Wein daraus getrunken, und du hast die silbernen und goldenen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götzen gelobt, die weder
sehen noch hören noch verstehen;
Seite 82
den Gott aber, in dessen Hand dein Odem und alle deine Wege sind, hast du
nicht verherrlicht! Daraufhin wurde von ihm diese Hand gesandt und die Schrift,
die da verzeichnet steht. Das ist aber die Schrift, die geschrieben ist: Mene,
Mene, Tekel Upharsin (Gezählt, gezählt, gewogen und geteilt)! Und das ist die
Bedeutung des Spruches: Mene heißt: Gott hat die Tage deines Königtums
gezählt und ihm ein Ende bereitet! Tekel heißt: du bist auf einer Waage gewogen
und zu leicht erfunden worden! Peres heißt: dein Königreich wird zerteilt und den
Medern und Persern gegeben werden!“ (Dan.5,17-28)
„Alsbald befahl Belsazar, daß man den Daniel mit Purpur bekleide und ihm eine
goldene Kette um den Hals lege und von ihm ausrufe, daß er als der Dritte im
Reiche herrschen sollte. Aber in derselben Nacht ward Belsazar, der König der
Chaldäer, umgebracht, und Darius, der Meder, empfing die Königswürde.“
(Dan.5,29-30; 6,1)
So wahrte Gott, der Herr, auch noch im Untergang des ersten Weltreichs seine Ehre
und verherrlichte sich. Das große Weltreich Assur-Babel endete darum, weil seine
Fürsten ihre Kraft zu ihrem Gott machten und sich überhoben über den Gott des
Himmels, der die babylonische Weltreichsherrschaft selbst angeordnet und auf Zeit und
Stunde bestimmt hatte (Dan.7,12; Hab.1,11). Das Reich fand im Jahre 456 n.chr. (nach
weltlicher Darstellung etwa 588 n.chr.) sein Ende.
_______________
Die zweite Weltreichsherrschaft
1. Die göttliche Ursache zur Errichtung des zweiten
Weltreichs Medo-Persien
Es ist nicht so, daß die verschiedenen Weltreiche ihre Entstehung einem blinden
Spiel der Kräfte oder der Fähigkeit einzelner Persönlichkeiten verdanken, sondern die
Königreiche entstehen und vergehen durch Gottes Wort (2.Kg.19,15; 2.Chr.20,6-7; 36,22-23;
Esr.1,1-2; Neh.9,22-24; Ps.47; Dan.2,22.37-47; 5,21).
Sobald ein Weltherrscher sich der ihm
verliehenen Fähigkeiten rühmte und sich überhob, schlug Gott ihn mit Wahnsinn oder
leiblichem Zugrundegehen oder demütigte ihn auf eine andere Weise (5.Mos.28,28). Schon
Samuel, Elia und Elisa wurden von Gott zur Salbung von israelitischen und heidnischen
Königen beauftragt (1.Sam.9,16; 15,1; 16,3.12-13; 1.Kg.19,15-16; 2.Kg.8,13; 9,1-6). Und Jeremja
erlangte trotz seiner Jugend den Auftrag Gottes:
„Siehe, ich habe meine Worte in deinen Mund gegeben! Siehe, ich habe dich mit
diesem Tage über
Seite 83
Völker und Königreiche bestellt, daß du ausrottest und zerstörest, verderbest und
niederreißest, bauest und pflanzest.“ (vgl.Jer.1,4-12)
Das Reich Gottes
- 76 -
Gott nennt aber Kores, das ist den König Cyrus von Persien, schon zweihundert
Jahre (siehe „Biblische Zeittafeln“) vor seiner Berufung vorbildlich seinen „Gesalbten“,
vor dem er die Völker niederwirft und die Lenden der Könige entgürtet. Gott hat ihn zur
Befreiung und Wiederaufrichtung seines Volkes berufen und zur Niederwerfung der
Völker und Könige ausgerüstet (Jes.44,28; 45,1-6). Doch bleibt die gänzliche Erfüllung dieser
Weissagung für die letzte Zeit noch offen.
So liegt auch die Aufrichtung des zweiten Weltreichs Medo-Persien genau so im
Ratschluß Gottes wie die Aufrichtung des ersten Weltreichs Assur-Babel siebzig Jahre
vorher.
Den Traum vom König Nebukadnezar über dieses Weltreich hat Daniel mit den
Worten geschildert:
„ ... seine Brust und seine Arme von Silber.“ (Dan.2,32)
„Nach dir aber wird ein anderes Reich aufkommen, geringer als du.“ (Dan.2,39)
Daniel selbst hat dieses Reich wie folgt gesehen:
„Siehe, das andere, zweite Tier, glich einem Bären, es richtete sich auf einer Seite
auf und hielt drei Rippen in seinem Maule zwischen seinen Zähnen; und es ward
zu ihm gesagt: Steh auf, friß viel Fleisch!“ (Dan.7,5)
Wie Nebukadnezar, der König von Babel, zur Ausführung des Strafgerichts am
abtrünnigen Volk Gottes von Gott berufen war und „Knecht Gottes“ genannt ist (Jer.25,9;
27,6), so mußten die Könige der Meder und Perser das Strafgericht am grausamen,
übermütigen und unbarmherzigen Babelvolk vollziehen (Jer.27,6-7; Kap.51; vgl.Dan.4,16-30;
5,17-28) und nach dem göttlichen Gnadenratschluß das vordem verstoßene Volk Gottes,
das Südreich Juda, wieder in sein Heimatland führen, es dort wiederherstellen und den
Tempel in Jerusalem, die Anbetungsstätte des wahren Gottes Himmels und der Erde,
wieder aufbauen lassen.
Gott war über sein Volk nur ein wenig erzürnt, aber die Feinde halfen ihm zum
Unglück (Sach.1,13-15). Darum gibt der Herr dem Engel, der mit dem Propheten Sacharja
redet, gute, tröstliche Worte, als er in Gegenwart des Propheten zu Gott sagt:
„Jehova Zebaoth, wie lange willst du dich nicht erbarmen über Jerusalem und über
die Städte Judas, über welche du gezürnt hast diese siebzig Jahre?“
Die tröstlichen Worte Gottes besagen, daß Gott sich Jerusalem
Seite 84
wieder voll Erbarmen zuwendet und es trösten, wiedererwählen und wiederherstellen will.
Damit wendet sich aber der Zorn Gottes gegen die übermütigen Nationen, sobald Gott
heftig für Zion eifert (Sach.1,12-17). - Diese Weissagungsworte gelten eigentlich viel
späteren Ereignissen, aber sie lehren uns doch die abbildliche Wiederherstellung Zions
verstehen.
Der Zorn Gottes richtet sich nun zuerst gegen Babel, gegen das Herz der Widersacher Gottes. Wider Babel erweckt Gott den Geist eines Verderbers, den Geist der
Könige der Meder, zur Rache für den zerstörten Tempel in Jerusalem (Jer.51,1-2.11). Vom
Nordland her zieht ein großes Heer von Völkern gegen Babel und überflutet „Sesach“, d.i.
Babel, wie das Meer mit brausenden Wellen (Jer.50,9; 51,41-42.53-56). Darum sollte fliehen,
wer in Babel als ein Fremdling weilte (Jer.51,6.45); denn der Herr hatte dem Tierbild des
Das Reich Gottes
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Weltreichs Medo-Persien - einem Bären mit drei Rippen in seinem Maul zwischen seinen
Zähnen - geboten: „Friß viel Fleisch!“ (Dan.7,5)
Die von Gott wider Babel bestellten Heerführer der Völker waren die Könige von
Medien und Persien, Darius und Kores (= Cyrus), und ihre Statthalter und Landvögte; sie
müssen Babel zur Schlachtbank führen (2.Chr.36,22; Esr.1,1; Jes.13,17-19; 14,21-22; Jer.51,2728.39-40; Dan.6,1; 9,1). In ihrem Übermut gegen Gott und gegen Gottes Volk bereitet Gott
diesem Babelvolk ein Ess- und Trinkgelage und jagt sie in ihren Lüsten in den Rachearm
ihrer Feinde, der Meder und Perser (Jes.21,1-5; 43,14; Jer.51,39; Dan.5,1 ff). In der
denkwürdigen Nacht, da König Belsazar, der letzte König Assur-Babels, all seinen Großen
ein Gastmahl gab und Gott Jehova nicht verherrlichte, sondern so verachtete, daß er aus
den ehemals geraubten Gefäßen des Tempels von Zion mitsamt seinen Frauen und
Kebsweibern Wein trank, da erschien die Schrift an der Wand:
„Mene, Mene, Tekel, Upharsin“ (Gezählt, gezählt, gewogen und geteilt).“
Die Tage seines Königtums waren zu Ende gezählt; denn Gott hatte ihn auf seiner
Waage zu leicht erfunden. Darum wurde sein Königreich zerteilt und den Medern und
Persern gegeben; denn noch in derselben Nacht wurde Belsazar, der König der Chaldäer, umgebracht (Dan.5,23-30).
Nun empfing Darius aus Medien im Alter von zweiundsechzig Jahren die Königswürde, und sein Mitregent Kores, der König Cyrus (Kyros) von Persien, nahm die Stadt
Babel mit ihren unermeßlichen Schätzen ein (Jes.45,1-4; Dan.6,1; 9,1). Der
Geschichtsschreiber Xenophon berichtet uns, daß die wegen ihrer gewaltigen Bollwerke
geradezu uneinnehmbare Stadt Babel dadurch bezwungen wurde, daß der die Stadt
durchfließende Euphratstrom in der fraglichen Nacht in ein vom Belagerungsheer zuvor
gegbrabenes Bett umgeleitet wurde. Auf dem wasserfreien Flußbett drang Kores mit
seinen Getreuen in die Stadt und überraschte die Könige beim Mahl (nach Xenophons
Kyropädie, Deutsch bei Reklam, Leipzig).
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2. Die Herkunft und Gottesfurcht der Könige
von Medien und Persien
König Nebukadnezar, der erste Herrscher des ersten Weltreichs, gelangte nur
notgedrungen zur Verehrung des höchsten Gottes, des Gottes Israels, und sein Enkel,
König Belsazar, offenbarte eine solche Gottesverachtung, daß Gott ihn richten mußte
(Dan.Kap.5). Diese Könige waren von jeher Feinde Israels.
Während aber z.B. Nebukadnezar in großen Zorn gerät und die drei Freunde Daniels
in einen Feuerofen werfen läßt, weil sie das Gebot des Königs, das goldene Bild als
seinen Gott zu verehren, mißachteten, ist demgegenüber der Mederkönig Darius sehr
bekümmert, daß sein Gebot als ein unwiderrufliches Gesetz der Meder und Perser auch
dann unverbrüchlich ist und Geltung haben muß, wenn es sich gegen den
gottesfürchtigen Fürsten Daniel richtet. Diesen brachten seine Feinde in die Löwengrube,
weil Darius ihn nicht nur zu einem der drei obersten Fürsten gemacht hatte, sondern ihn
wegen seines hohen Geistes und seiner unantastbaren Amtsführung über alle Fürsten
Das Reich Gottes
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des Reiches zu setzen suchte. Dieses sein Reich hatte Darius in hundertzwanzig
Provinzen eingeteilt (Dan.3 und 6).
Die Könige der Meder und Perser waren gottesfürchtig und dem Volke Gottes verhältnismäßig gut gesonnen. Darum ist es sehr wichtig, ihre Abstammung und Herkunft
kennenzulernen.
König Darius ist nach der Heiligen Schrift ein Sohn des Ahasverus, auch Astyages
genannt, und er ist von medischer Herkunft (Dan.6,1; 9,1. Bel zu Babel 1,1; Xenophons Kyrupädie). Den Spuren der Herkunft des Königs Darius können wir leicht nachgehen.
Die Assyrerkönige Phul, Tiglat-Pileser und Salmanassar hatten die zehn Stämme des
Nordreichs Israel aus Samaria nach Medien versetzt, und zwar nach Chalach, Chabor,
Hara, an den Fluß Gosan und in die Städte der Meder (2.Kg.15,19-20.29; 17,6; 18,11;
1.Chr.5,26).
Das war die Strafe für Israel wegen seiner Abtrünnigkeit von Gott (2.Kg.17,7-23;
18,11; 1.Chr.5,25).
- In ihrem Innersten neigten die Israeliten auf Grund des Segens
Abrahams und wegen ihrer Abstammung vom Verheißungssamen Isaak wohl zu Gott, und dadurch unterschieden sie sich von allen Völkern der Erde, - aber das ihnen
auferlegte Gesetz war ihnen als Joch zu schwer, und sie kamen dadurch nur zur
Erkenntnis der Sünde (Apg.15,10; Röm.3,19-20; Gal.3,24). Abtrünnigkeit von Gott und Götzendienst wurden durch die gottlosen Könige und Götzenpriester eingeführt und
gefördert. Darum mußte Israel auch in die Gefangenschaft wandern (Dan.9,2-16). Dort
verleugneten sie sich als Volk Gottes oder durften sich als solches nicht mehr
bezeichnen und vergaßen darum bald ihre Herkunft. Sie kamen um ihre Muttersprache,
die sich unter ihnen nur durch die Pflege des mosaischen und prophetischen Wortes
weitererhalten hätte.*
*(Das ist auch heute noch zu beobachten: Nur dort, wo die deutschen, holländischen, schwedischen
und englischen Auswanderer das Bibellesen weiterpflegten, erhielt sich deren Muttersprache Jahrhunderte
hindurch mitten im fremdsprachigen Volk. Andernfalls wurde sie sehr bald aufgegeben.)
Ihre Herkunft zu vergessen,
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entsprach auch der Vorsehung Gottes; denn er mußte sein Volk vor Überhebung
bewahren, um es nach langer Zeit wieder für sein Evangelium zu gewinnen (Hos.2,1-3;
Röm.11,17-27). Sie vergaßen aber nicht, daß Gott sie ursprünglich als sein Volk zur
Herrschaft bestimmt hatte; denn unter ihnen waren auch die Fürsten- und Königshäuser
Israels. Dazu lebten sie nun in den Orten ihrer Verbannung zum Teil unter dem
kriegerischen, fast unbezwinglichen Volk Elams, des Erstgeborenen Sems (vgl.Joel 4,7;
Apg.2,9; nur die Elamiter teilten mit Israel das Schicksal, daß Gott sie nicht nur verbannte,
sondern auch das Schwert hinter ihnen her zog; vgl.3.Mos.26,33; Jer.49,34-39), der sich
als Haupterbe der von Noah dem Sem gegebenen Verheißung zur Weltherrschaft
berufen fühlen mußte (1.Mos.9,26-27; 10,21). In Elams Land lag Susan, eine von den drei
Residenzstädten des medopersischen Weltreichs (Neh.1,1; Est. 1,2; Dan.8,2). In all ihrer
Niedrigkeit warteten die Israeliten nur auf die Stunde, in der sie wieder zur Herrschaft
gelangen und das Gericht an ihren Bedrängern vollziehen konnten. Darum wurden
gerade die „Meder und Perser“ zum Gericht über Babel berufen, unter denen die Kinder
Israels verbannt lebten (vgl.Jes.21,2; Apg.2,9).
- 79 -
Das Reich Gottes
Es mag wohl sein, daß sie dabei nicht mehr rein göttliche Linien verfolgten
(vgl.Hos.8,4), aber Gott macht sich ihre Absichten dienstbar, ja, er „erweckte“ sie dann
gerade dort, wohin sie verstoßen worden waren, damit er durch sie den Feinden ihr Tun
wieder auf den Kopf vergelten konnte (Jes.41,2; Joel 4,7; Esr.1,1).
Diese Tatsachen lassen darauf schließen, daß das medische Fürstenhaus des Königs
Darius israelitischen Geschlechts war. Diese Geschlechter waren zur Zeit, da MedoPersien Weltreich wurde, schon etwa zweihundert Jahre in Medien. Aus dieser sehr
wahrscheinlich israelitischen Herkunft des Darius läßt sich seine Gottesfurcht besser
verstehen. In einer großen, dreisprachigen Felseninschrift von Bahistan, die heute noch
besteht, bekennt König Darius offen seine Gottesfurcht.
Auch die Gottesfurcht des Königs Kores ist durch seinen Befehl, daß der Tempel in
Jerusalem aus seinen eigenen Mitteln wieder gebaut werden soll, über allen Zweifel
erhaben und weist auch auf seine israelitische Abkunft hin (Esr.1,1-4; 6,3-5; 2.Chr.36,22-23)*
*) Nach einer heute noch bestehenden Denksäule bei Pasargadä (Persien) und nach weltlicher
Überlieferung sind Darius und Kores miteinander aus ein und demselben Fürstengeschlecht. Außerdem
bezeichnet Xenophon in seiner „Kyrupädie“ Mandane, die Mutter des Kores, als eine Schwester des
Kyaxares II., d.i. des Mederkönigs Darius; also war Kores ein Neffe des Darius. Nach derselben Quelle gab
Darius dem Kores seine Tochter zur Gemahlin und das ganze Königreich Medien als Mitgift, da er keinen
Sohn hatte.)
Bestärkt wird diese Annahme noch dadurch, daß dieser „Kores“, d.h. „Sonne“ oder
„Sonnenglanz“ (vgl.Jes.60,1-3; 62,1; Mal.3,20), ein Ab- und Vorbild jenes kommenden
Gotteswerkzeuges, eines Trägers der „Sonne der Gerechtigkeit“ ist (vgl.Jes.11,1-9; 2,4;
Mal.3,1-3.20), das bei der Zukunft des Herrn alle zwölf Stämme wieder in das Heimatland
Palästina bringt und dort den Tempel wieder erbaut, also daß dann „vom Aufgang der
Sonne bis zu ihrem Niedergang“ erkannt
Seite 87
werde, daß gar keiner sei außer dem Herrn (Jes.41,2; 44,26 bis Kap.45,6). Weil aber dieser
zweite Kores, das ist die Erfüllung des vor- bzw. abbildlichen ersten Königs Kores von
Persien, aus dem Volke Gottes hervorgehen soll (Jer.30,21; 5.Mos.18,15-18), darum müssen
wir schließen, daß auch das Vorbild des kommenden Kores, also der König Kores von
Persien, mitsamt dem König Darius von Medien, aus dem Volk Israel hervorgegangen
sind.
3. Gottes Hilfe zur Errichtung und Befestigung
des zweiten Weltreiches
Gleichwie Daniel durch den Traum Nebukadnezars die Gewißheit erlangte, daß dem
ersten Weltreich, dem „goldenen Haupt“, ein zweites, geringeres Reich, als „silberne
Brust und Arme“ folgen würde, so traten dann zur Errichtung dieses zweiten Weltreichs
Geistmächte auf den Plan, die den Geistgewalten des ersten Weltreichs Assur-Babel
feindlich gesinnt waren. Darüber lesen wir in Dan.11,1, daß der Herr selbst dem
Engelfürsten Michael, dem Fürsten des Volkes Gottes, zur Seite gestanden hat „im
ersten Jahr des Königs Darius“.
Daraus ist zu schließen, daß der Herr selbst, vereint mit Michael, bei der Aufrichtung
des Reiches Medo-Persien mitgewirkt hat.
Das Reich Gottes
- 80 -
Im dritten Jahr Kores‘, des Perserkönigs, hatte der Herr dem Daniel eine Botschaft zu
verkündigen. Der Bericht darüber lautet:
„Der Fürst des Königreichs Persien stand mir einundzwanzig Tage lang entgegen,
und siehe, Michael, einer der vornehmsten Fürsten, ist mir zu Hilfe gekommen, so
daß ich daselbst bei den Königen von Persien den Vorsprung gewann. So bin ich
nun gekommen, dich zu verständigen darüber, was deinem Volk am Ende der Zeit
begegnen wird; denn das Gesicht geht wieder auf ferne Zeit.“ (Dan.10,1.13-14)
Dieser Perserfürst aus dem Abgrund wollte die Ausrichtung der Botschaft an Daniel,
das ist die Offenbarung von der Aufrichtung der Reichsgottesherrschaft, verhindern.
Wenn in diesem Zusammenhang bezeugt ist, daß der Herr dadurch, daß ihm Michael in
diesem Kampfe mit dem Perserfürsten beigestanden hat, den Vorsprung gewann bei den
Perserkönigen, so zeigt das, daß, sobald der Herr von Michael unterstützt wird, auch dem
Engelfürsten des Königreichs Persien seine Fürsten zu Hilfe kommen.
Wenn dann der Herr weiter zu Daniel sagt:
„Nun will ich wieder hingehen und mit dem Perserfürsten streiten, und sobald ich
ausziehe, siehe, so kommt der Griechenfürst! Doch will ich dir kundtun, was in
dem Buche der Wahrheit aufgezeichnet ist; und nicht einer hält es mit mir gegen
jene, als nur euer Fürst Michael.“ (Dan.10,20-21),
so ist mit diesen Worten erneut bewiesen, daß der Herr auf der Seite der Mederkönige
stand und ihre Herrschaft stützte, bis nach dem Willen
Seite 88
und Ratschluß Gottes die Zeit gekommen war, daß das Reich an Alexander d.Gr. kam.
In diesen Kämpfen stand dem Herrn aber nur der Engelfürst des Volkes Gottes, der
große Fürst Michael, mit Entschiedenheit bei (Dan.10,21;12,1). Fehlte denn allen anderen
Engeln und Engelfürsten die Kraft hierzu, oder fehlte ihnen die Gottesoffenbarung, d.h.
Heilsoffenbarung, die ihnen durch die neutestamentliche Gemeinde der Gläubigen als
dem Pfeiler und der Grundfeste der Wahrheit, noch kund werden soll (vgl Eph 3,9-10; 1 Tim
3,15-16; 1 Petr.1,12)?
Zweieinhalbtausend Jahre später, wenn ein „männlicher Knabe“ von einem mit der
Sonne der Gerechtigkeit bekleideten Weib (d.i. eine Gemeinde) geboren ist und als ein
Überwinder, dem Gott die Herrschaft über die Heiden gibt, zu Gott und zu seinem Thron
entrückt ist, finden wir die Engel Gottes unter ihrem Führer Michael im entscheidenden,
siegreichen Kampf gegen Satan und seine Engel, und sie werfen sie für immer auf die
Erde (Offb.2,26-28; 12,1-5.7-9).
„Michael“ heißt: „Wer ist wie Gott!“, und diese Frage bzw. dieser Ausruf befähigt
diesen Engelfürsten zweifellos allezeit, dem Herrn und seinem sündigen, verstoßenen
Volk unter allen Umständen beizustehen, wenn Gott es durch Gnade aufrichten will, sei
es abbildlich oder endgültig.
Wir erkennen aus dem allem, daß Satan seine geistigen Machthaber als wirkliche
Fürsten über die Reiche dieser Welt gesetzt hat; denn die Herrschaft über diese Welt ist
ihm nun einmal übergeben, und er gibt sie, wem er will (Luk.4,6). Wir erkennen aber auch,
daß der Herr die irdischen Perserkönige gegen die geistigen Persergewalten aus dem
Abgrund zu schützen und in Gott wohlgefälligen Entschlüssen zu leiten suchte.
Das Reich Gottes
- 81 -
Wenn der Herr und der Engelfürst Michael gerade um das Zustandekommen und die
zeitbegrenzte Erhaltung der Perser- und Mederherrschaft kämpften, so erkennen wir klar,
daß es sich dabei nur darum handelte, gegen die gottfeindlichen Heidenmächte wie der
Herrscher aus dem Volk Gottes an die Spitze eines Weltreichs zu bringen und auf diese
Weise Gottes Absicht mit seinem Volke durchzuführen. Diese Absicht war die abbildliche
Wiederherstellung des Tempels und des Volkes Juda in Palästina durch seinen Knecht
(Kores) aus seinem Volke. Das alles sollte für spätere noch größere Ereignisse zum
Vorbild dienen.
Aus diesem Grunde muß auch aus Dan.11,1 erkannt werden, daß der Herr, vereint
mit Michael, nicht nur dem geistigen Perserfürsten widerstand, der die jeweiligen
Perserkönige auf Erden gegen Gott zu beeinflussen suchte. Denn als der Mederkönig
Darius die erste Weltreichsherrschaft stürzte, wurde er dabei nicht nur von dem geistigen
Fürsten des Volkes Israel, dem Erzengel Michael, unterstützt, sondern der Herr selbst trat
auch Michael helfend zur Seite. Das zeigt, daß sich diese geistige Hilfe nicht allein gegen
die Geistgewalten des ersten Weltreichs richtete,
Seite 89
sondern sie wirkte auch mit in der Gestaltung aller vier Weltreiche. Darius erlangte durch
diese Hilfeleistung seinen Sieg über das erste Weltreich Assur-Babel und richtete die
zweite Weltreichsherrschaft auf.
4. Das zweite Weltreich Medo-Persien
a) Daniels Weissagungen vom zweiten Weltreich
Nach Dan.2,32 ist das zweite Weltreich Medo-Persien gleich der Brust und den
Armen von Silber an dem großen Standbild, das der Babelkönig Nebukadnezar im Traum
gesehen hatte, und von dem er selbst das wertvollere „goldene Haupt“ war (Dan.2,39). Die
beiden „Arme“ deuten wohl auf die Doppelherrschaft der Meder und Perser hin, nämlich
Darius‘, des Mederkönigs, und Kores‘, des Perserkönigs. Denn beide Könige regierten
zwei Jahre miteinander, bis die Alleinherrschaft auf Kores überging. - Der Prophet Daniel
erhielt noch im „dritten“ Jahr des Kores (nämlich im dritten Jahr seiner Gesamtherrschaft)
eine große göttliche Offenbarung; darnach sollte er scheinbar in diesem dritten Jahr zu
seiner Ruhe eingehen; - es steht aber auch geschrieben, daß Daniel bis zum „ersten“
Jahr (der Alleinherrschaft) des Königs Kores lebte (Dan.1,21; 10,1; 12,13). Daraus ergibt sich
die Tatsache, daß Darius und Kores zwei Jahre miteinander regierten.
Das zweite Weltreich Medo-Persien gleicht aber nicht nur der Brust und den Armen
von Silber an dem erhabenen Standbild, sondern Daniel schaut dieses Reich auch als
einen Bären, der sich auf einer Seite aufrichtet und zwischen seinen Zähnen drei Rippen
im Maule hält (Dan.7,5). Diese drei Rippen sind zweifellos die drei Reiche Lydien,
Babylonien und Ägypten. Griechenland (Javan) bleibt nach weltlichen Berichten
unerobert. Zu diesem Bären wird gesagt:
„Erhebe dich! Friß viel Fleisch!“ (Dan.7,5)
Das deutet auf das schreckliche Gericht, das über das grausame, unbarmherzige und
gottfeindliche Assur-Babel erging.
Das Reich Gottes
- 82 -
Daniel sieht aber das zweite Weltreich auch einem Widder gleichen; darüber schreibt
er:
„Ich hob meine Augen auf und sah, und siehe, da stand ein Widder vor dem Fluß,
der hatte zwei Hörner, und beide Hörner waren hoch; aber das eine war höher als
das andere, und das höhere wuchs zuletzt. Ich sah, wie der Widder gegen Westen, Norden und Süden (Lydien, Babylonien und Ägypten) stieß, und daß kein
Tier vor ihm bestehen und niemand aus seiner Gewalt erretten konnte; sondern er
tat, was er wollte, und ward groß.“ (Dan.8,3-4)
Darüber erlangt Daniel folgende Erklärung:
„Der Widder, den du gesehen hast, mit den beiden Hörnern, das sind die Könige
der Meder und Perser.“ (Dan.8,20)
Seite 90
Das höhere der zwei Hörner wächst zuletzt und weist damit auf den König Kores von
Persien hin, der schließlich zur Alleinherrschaft kommt und sie behält.
b) Der Befehl zum Wiederaufbau des Tempels
Im ersten Jahr des Darius, das ist im ersten Jahr der Mitherrschaft des Kores, im
Jahre 456 n.chr., also zwei Jahre vor dem noch ausstehenden Erlaß des Königs Kores
zum Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem, merkte Daniel auf die Zahl der von
Jeremja geweissagten siebzig Jahre, während welcher Jerusalem wüst liegen sollte; und
Daniel wandte sich in seinem hohen Alter mit dem Bekenntnis seiner und seines Volkes
und ihrer Fürsten und Väter Sünden und ihrer Widersetzlichkeit gegen Gott und der
Propheten Wort in einem Bußgebet zu Gott um die Wiederaufrichtung des Tempels, d.i.
des Heiligtums Gottes, der heiligen Stadt Jerusalem und des Volkes Israel (Dan.9,1-23). Da
wird ihm folgendes offenbart:
„Siebenzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt verordnet bis
zur Vollendung des Frevels und zur Erfüllung des Sündenmaßes, zur Sühnung der
Missetat und zur Herbeiführung der ewigen Gerechtigkeit und zur Versiegelung
von Gesicht und Prophezeiung und zur Salbung des Allerheiligsten. So wisse und
verstehe: Vom Erlaß des Befehls zum Wiederaufbau Jerusalems bis zur Salbung
eines Fürsten vergehen sieben Wochen; und binnen zweiundsechzig Wochen
werden die Straßen und Gräben wieder gebaut, und zwar in bedrängter Zeit. Und
nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden, so daß
keiner mehr sein wird. Die Stadt aber und das Heiligtum wird das Volk eines
Fürsten verderben, der kommt; sein Ende aber wird plötzlich sein. Und bis ans
Ende wird dauern der Krieg, der zur Verwüstung verhängt ist. Und man wird den
Bund vielen schwer machen eine Woche lang und mitten in der Woche Schlachtund Speisopfer aufhören lassen, und auf der Zinne werden Greuel (Götzen) des
Verwüsters aufgestellt, bis daß sich die beschlossene Vertilgung über den Verwüster ergießen wird.“ (Dan.9,24-27 vgl.Min.-Bib. u. Menge)
Diese Weissagung ist von weitergehender Bedeutung und harrt noch der völligen
Erfüllung bis zu der Zeit, wenn der Herr wiederkommt und das Heiligtum Gottes und sein
Volk in der Erfüllung der Vorbilder auf ewig wieder herstellt. Zweifellos hatte Daniel
seinen Blick schon so weit gerichtet, daß er nach einer unauflöslichen Wiederaufrichtung
des Heiligtums Ausschau hielt. Auf alle Fälle erlebte er wenigstens noch die Genugtuung,
daß der König Kores - (scheinbar auf Daniels Einfluß hin) - den Befehl zum abbildlichen
Wiederaufbau des Heiligtums und Zions gab. Das war zwei Jahre nach seinem
Das Reich Gottes
- 83 -
Bußgebet. In diesem Jahr ging Daniel zu seiner Ruhe ein, mit der Zusicherung seiner
Auferweckung zu seinem Erbteil am Ende der Tage (vgl.Dan.1,21 u. 12,13 mit 10,1).
Seite 91
Vom Erlaß dieses Befehls des Kores zum Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem
und der Heimkehr der Juden schreibt Esra uns folgendes:
„Im ersten Jahre Kores’ (Cyrus), des Königs von Persien, damit das Wort des
Herrn, durch den Mund Jeremjas, erfüllet würde, erweckte der Herr den Geist
Kores’, des Königs von Persien, daß er durch sein ganzes Königreich ausrufen
und auch schriftlich Befehl ergehen ließ: ‘So spricht Kores, der König von Persien:
Jehova, der Gott des Himmels, hat mir alle Königreiche der Erde gegeben, und Er
hat mir befohlen, ihm ein Haus zu bauen zu Jerusalem, das in Juda ist. Wer nun
unter euch irgend zu seinem Volke gehört, mit dem sei sein Gott, und der ziehe
hinauf gen Jerusalem, das in Juda ist, und baue das Haus Jehovas, des Gottes
Israels. Er ist der Gott zu Jerusalem. Und wer noch übrig ist an allen Orten, da er
als Fremdling weilt, dem sollen die Leute seines Ortes helfen mit Silber und Gold
und Habe und Vieh nebst freiwilligen Gaben für das Haus Gottes zu Jerusalem.“
(Esr.1,1-4; 2.Chr.36,22-23)
Derselbe Befehl wurde in folgender Form amtlich verwahrt als Pergament im Schloß
zu Achmeta (Ekbatana) in der Provinz Medien:
„Im ersten Jahre des Königs Kores befahl der König Kores, das Haus Gottes zu
Jerusalem zu bauen zu einer Stätte, da man Opfer darbringen soll. Dessen Grund
soll tragfähig sein, seine Höhe sechzig Ellen und seine Breite auch sechzig Ellen,
drei Reihen Quadersteine und eine Reihe Balken, und die Kosten sollen von des
Königs Haus bestritten werden. Dazu soll man die goldenen und silbernen Geräte
des Hauses Gottes, welche Nebukadnezar aus dem Tempel zu Jerusalem
genommen und gen Babel gebracht hat, wiedergeben, daß sie wieder in den
Tempel zu Jerusalem an ihren Ort gebracht werden und im Hause Gottes verbleiben.“ (Esr.6,3-5)
Dies ist der denkwürdige Erlaß zum Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem und
damit der Stadt selbst, und an das Jahr dieses Erlasses knüpft der Engel Gabriel in
einem Gesichte Daniels die Zeitrechnung zur Erfüllung von weiteren Heilsereignissen
(Dan.9,20-27).
c) Der Juden Heimkehr und die Grundlegung zum neuen Tempel
Auf den Befehl des Königs Kores machten sich die Juden unter Führung des
Statthalters Serubabel (Sesbazzar), des Sohnes Sealtiels und Enkels des letzten bzw.
vorletzten Königs Jojachin von Juda)*
*(Serubabel ist nach Matth.1,12 Sohn Sealtiels, Enkel Jechonjas (Jojachins) und Urenkel Josias.
Unerklärlich bleibt, warum Jojakim zwischen Josia und Jechonja nicht angeführt ist.),
in der großen Zahl von 42360 Seelen auf)*
*(aber immerhin nur ein Drittel der Verbannten Judas (vgl.Sach.13,9). Man beachte auch die Zahlen der
jeweils in die Verbannung geführten Männer und des Volkes Vermehrung daselbst. Siehe „Biblische
Zeittafeln“ im gleichen Verlag),
dazu 7337 Knechte und
Seite 92
Mägde, 200 Sänger und Sängerinnen, mit 376 Pferden, 245 Maultieren, 435 Kamelen und
6720 Eseln nach Jerusalem zu ziehen. So viele Menschen hatte der gute Geist Gottes zu
seinem Werk erweckt. Alle ihre Nachbarn stärkten deren Hände mit silbernen und
goldenen Geräten, mit Habe, Vieh und Kleinodien, außer dem, was sie freiwillig noch
- 84 -
Das Reich Gottes
gaben. Und der König Kores gab durch seinen Schatzmeister die Geräte des Hauses des
Herrn heraus, die Nebukadnezar aus Jerusalem genommen hatte, und gab sie in die
Hand des Statthalters Serubabel: fünftausendvierhundert goldene und silberne Geräte
(Esr.1,7-11; 2,64-70; 3,1-3.8-9 ff; 5,13-15).
Wie ein Mann fand sich das Volk Gottes in Jerusalem zusammen im siebenten Monat
des ersten Jahres (der Alleinherrschaft Kores‘) zu bauen den Altar des Herrn, – und wie
ein Mann legten sie unter dem geordneten Gottesdienst des Hohenpriesters Josua (des
Sohnes Jozadaks) im zweiten Monat des zweiten Jahres (des Kores), den Grund zum
Tempelbau, dessen Baufonds vom König Kores gestellt worden war, und die Fürsten der
Geschlechter Judas hatten zu dieser Baugeldsumme reiche Gaben dargereicht (Esr.2,6869; 3,1-13; 6,4).
Aber noch zur Zeit der Regierung des König Kores wurden die Juden von den
Samaritern verhindert, den Tempelbau weiterzuführen, weil die Juden ihnen nicht erlaubt
hatten, am Tempel mitzubauen. Die Samariter dingten beim König Kores Sachwalter
wider die Juden, um den Bau lahmzulegen. Diese Verhinderung geschah auch noch zur
Zeit der folgenden Perserkönige Ahasverus und Artasasta (Esr.4,1-23).
An den König Ahasverus hatten die Samariterfürsten als Feinde der Juden eine
Anklageschrift wider sie gerichtet, um den Tempelbau zu verhindern.
Auf eine besondere Eingabe der Samariter verbot dann der König Artasasta den
Weiterbau der Stadt und des Tempels (Esr.4,6-23a). Wohl nur diesem Verbot zufolge
regierte dieser Artasasta nicht einmal ein Jahr. Also hörte das Werk am Hause Gottes zu
Jerusalem auf und stand still bis in das zweite Jahr der Regierung Darius‘, des Königs
von Persien (Esr.4,23b).
d) Die Wiederaufrichtung des Tempels
Es traten aber die Propheten Haggai und Sacharja auf und redeten im Namen des
Herrn im zweiten Jahr des Königs Darius‘ (das ist aber nicht der Mitregent des längst
verstorbenen Kores!) am ersten Tag des sechsten Monats zu den Juden in Jerusalem
und Juda, vornehmlich aber zum Statthalter Serubabel, dem Sohne Sealtiels (dem Enkel
Jojachins) und zum Hohenpriester Josua, dem Sohne Jozadaks, den begonnenen
Tempelbau zu vollenden, der bis dahin geruht hatte (Esr.4,24; 5,1-2; Hgg.1,1-13). Und Gott
erweckte den Geist der beiden Männer Serubabel und Josua und des ganzen Volkes,
also daß man am 24. Tag des sechsten Monats im zweiten Jahr des Perserkönigs Darius
den Tempelbau
Seite 93
wieder aufnahm (Hgg.1,14-15). Denn die Hände Serubabels hatten dies Haus begründet;
seine Hände sollten es auch vollenden (Sach.4,9).
Mit dem Wiederaufbau des Tempels sind aber Zukunftsverheißungen verbunden, die
sich seinerzeit nur teilweise erfüllt haben, die sich aber dann erfüllen werden, wenn der
Tempel des Herrn zum dritten Mal erbaut wird und dann die Vorbilder auch ihre geistliche
Erfüllung finden werden (vgl.Hgg.2,4-9.19.21-23; Sach.3, 1-10; 4,1-14; 6,11-15; 9,8-10; Hes.40,5 ff).
Das Reich Gottes
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Auch jetzt noch sollten die Juden am Werk des Tempelwiederaufbaus gehindert
werden. Aber Gottes Auge wachte über ihnen, daß ihnen nicht gewehrt werden konnte,
bis sie vom König Darius die neuerliche Bestätigung des Befehls des vormaligen Königs
Kores über den Wiederaufbau des Tempels erlangten, der im Urkundenhaus (und
Schatzhaus) des Residenzschlosses zu Achmeta (d.i. Ekbatana), der Hauptstadt in der
Landschaft Medien, gefunden wurde, nachdem der König Darius befohlen hatte, im
Archiv des Schatzhauses zu Babel zu suchen (Esr.4 - 5). Der Schluß des königlichen
Befehls, den Darius erließ, als die Befehlsurkunde des Königs Kores gefunden worden
war, lautete:
„Der Gott aber, dessen Name alldort wohnt, stürze alle Könige und Völker, welche
ihre Hand ausstrecken, dieses Haus Gottes in Jerusalem zu ändern oder zu verstören! Ich, Darius, habe solches befohlen, daß es genau ausgeführt werde.“
(Esr.6,12)
Die Juden aber hielten durch, gestärkt durch die Propheten Haggai und Sacharja,
bauten nach dem Befehl des Gottes Israel und nach den Befehlen der Perserkönige
Kores, Darius und Artasasta (dieser war sehr wahrscheinlich schon ein Mitregent des
Darius;)*
*(der in Esr.7,12-16 angegebene Befehl diente nach seinem Wortlaut nicht mehr zur Erbauung, sondern
zur Bereitstellung von Gold und Silber für den Opfer- und Priesterdienst im vorhandenen Tempel, dessen
Geräte er vervollständigen ließ.)
und sie vollendeten den Tempelbau am dritten Tag des Monats Adar (März), im sechsten
Jahr Darius‘, des Perserkönigs (Esr.6,14-15). Am 14. Tag des folgenden Monats, also dem
Nisan (April), dem ersten Monat eines neuen Jahres und nach altjüdischer Überlieferung
eines Sabbatjahrs, feierten sie mit großer Freude die Einweihung des Hauses Gottes und
hielten dem Herrn ein großes Passah, nach der gottesdienstlichen Ordnung von Mose
(Esr.6,16-22).
Die Wiederherstellung des Volkes in seinem Erbland und die Wiederaufrichtung des
Tempels und der Stadt Zion war durch die Begnadigung des verstoßenen Volkes Gottes
erfolgt, also nicht etwa auf ein erfolgreiches Beobachten des Gesetzes, was ja in der
Verbannung ohne Opfer und ohne Priester- und Levitendienst gar nicht möglich gewesen
wäre. Solcherart ist die Gnadenwiederherstellung Judas ein Vorbild der künftigen
Gnadenerrettung eines Überrests aus allen zwölf Stämmen des ganzen Volkes Israel.
Zweifellos haben die Juden nach der Vollendung und Einweihung des Tempels auch
die Stadtmauer wieder errichtet; denn bis dahin
Seite 94
hatten sie in Waffen arbeiten müssen, wenn sie bauen wollten und einem Überfall der
Feinde wirksam begegnen sollten. Aber nachdem alles vollendet war, segnete der Herr
das Volk für seinen opferwilligen Einsatz mit reichen Ernten und mit Wohlergehen. Ja, der
Priester Esra erwirkte beim König Artasasta, dem Nachfolger des Darius, in der
Königsstadt Babel auch eine fortlaufende gesetzliche Bereitstellung reichlicher Mittel zur
Sicherstellung für den Gottesdienst (Leviten-, Sänger-, Priester- und Opferdienst) (Esr.7 8). Also befahl dieser gottesfürchtige König:
„Alles, was nach dem Befehl des Gottes des Himmels ist, das werde bei dem
Haus des Gottes des Himmels mit großer Sorgfalt verrichtet, daß nicht ein Zorn
über das Königreich, den König und seine Kinder komme!“ (Esr.7,23)
Das Reich Gottes
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Dieser Artasasta (= Großkönig, Oberherrscher) ist jedenfalls auch der Perserkönig
Ahasveros im Buch Ester und Artaxerxes in dem apokryphischen Buch „Stücke zu
Ester“; denn Nehemja führt allem Anschein nach die Gewogenheit des Artasasta gegen
ihn und die Juden auf den guten Einfluß seiner Gemahlin zurück (Neh.2,6).
Esra hatte sein Herz geneigt, das Gesetz des Herrn zu erforschen und zu üben und
in Israel Gesetz und Recht zu lehren; darum ließ ihm der Herr alles gelingen (Esr.7,9-10.2728).
Nach seiner Reise nach Jerusalem, die vom ersten Tag des ersten Monats bis zum
ersten Tag des fünften Monats im siebenten Jahr des Artasasta währte, neigte Esra sich
zum Bußgebet vor Gott und ermannte sich und das Volk zum Ausschluß aller fremden
Weiber, die die Israeliten genommen hatten (Esr.7,1-10; Kap.9 - 10).
e) Die Erneuerung der Stadtmauer Jerusalems
Im zwanzigsten Jahr des Königs Artasasta durfte auch sein Mundschenk Nehemja für
zwölf Jahre nach Jerusalem ziehen, um die Stadt und die Stadtmauer zu bauen; er
erbaute die niedergerissene Stadtmauer und errichtete die niedergebrannten Stadttore in
zweiundfünfzig Tagen (Neh.2,1; 6,15). Diese Verwüstungen waren vermutlich, wie aus dem
Anfang des Buches Nehemja geschlossen werden muß, kurz zuvor durch die Feinde der
Juden angerichtet worden (Neh.1,1-11).
Im zweiunddreißigsten Jahr der Regierung Artasastas kehrte Nehemja zum König
zurück. Aber nach einiger Zeit, vielleicht nach einigen Jahren, erbat Nehemja sich noch
weiteren Urlaub bei seinem König für Jerusalem (Neh.5,14; 13,6-7).
Bei seiner zweiten Rückkehr mußte Nehemja den Hohenpriester Eljaschib
zurechtweisen und eine große Kammer im Tempel wieder reinigen und ihrem gottesdienstlichen Zweck zuführen. Auch die Leviten und Sänger waren geflohen; denn die
Juden hatten „Gott und sein Haus der Zehnten und Abgaben beraubt“ (vgl.Mal.3,7-12).
Nehemja aber schalt die Vorsteher (der Leviten?), weil sie das Haus Gottes verlassen
hatten, und sorgte durch rechtschaffene Männer für geordneten Gottesdienst und
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für geordnete Austeilung des Zehnten und der Abgaben an die Priester und Leviten; denn
das Volk besann sich auf seine Pflicht (Neh.13,10-13). Er heiligte auch wieder den Sabbat
und reinigte das Volk von fremden Weibern. Aber seine schönste Tat bei seinem ersten
Weilen in Jerusalem war wohl die, daß er einen allgemeinen Schuldenerlaß und die
Freigabe aller geknechteten Brüder und aller verpfändeten Güter erwirkte (Neh.5).
Der König Artasasta, der, wie schon oben angedeutet, auch der König Ahasveros ist,
regierte von Indien bis nach Äthiopien über hundertsiebenundzwanzig Provinzen, verstieß
seine ungehorsame Gemahlin Vasti und erwählte im siebenten Jahr seiner Regierung
Ester aus dem Judenvolk zur Gemahlin und Königin (Est.1,1-3.9-22; 10,1-2; 2,16-18). Einer
der Väter ihres Pflegevaters Mordechai war schon mit Jojachin, dem jungen König von
Juda, in die babylonische Gefangenschaft gekommen. Dieser König Ahasveros gab
einen Befehl zur Vernichtung aller Judenfeinde und erhob Mordechai zu seinem
Nächsten in den Regierungsgeschäften, nachdem einige Zeit zuvor die Feinde der Juden
beim König Ahasveros einen Vernichtungsbefehl gegen die Juden erwirkt hatten (Est.3,13-
Das Reich Gottes
15; 7,8-14; 10,2-3).
- 87 Das geschah im zwölften Jahr seiner Regierung (Est.3,7.13). Im siebenten
Jahr des Artasasta und in seinem zwanzigsten Jahr hatten Esra und Nehemja ihre
Erfolge zu verzeichnen.
Die Heilige Schrift berichtet uns sonst von keinem der Perserkönige als nur noch kurz
von einem Darius, und das ist wahrscheinlich der, welcher das Reich der Meder und
Perser zuletzt innehatte (Neh.12,22; 1.Makk.1,1).
f) Das Ende des zweiten Weltreichs Medo-Persien
Über das Ende des zweiten Weltreichs Medo-Persien erlangte Daniel folgende
Offenbarung:
„Während ich nun acht gab, siehe da kam ein Ziegenbock von Abend her über die
ganze Erde, ohne den Erdboden zu berühren; der Bock aber hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen. Und er kam auf den Widder los, den ich vor
dem Fluß stehen sah, und lief mit seiner ganzen Kraft wütend gegen ihn an. Und
ich sah, wie hart er neben den Widder kam und sich erbittert auf ihn warf und den
Widder schlug und ihm seine beiden Hörner zerbrach; und da der Widder nicht
stark genug war, um vor ihm zu bestehen, warf er ihn zu Boden und zertrat ihn,
und niemand rettete den Widder aus seiner Gewalt.“ (Dan.8,5-7)
„Nun will ich dir die Wahrheit verkündigen: Siehe, es werden den Persern noch
drei Könige vorstehen, und der vierte wird größeren Reichtum erwerben als alle
anderen, und weil er sich in seinem Reichtum stark fühlt, so wird er alles gegen
das griechische Reich aufbieten.“ (Dan.11,2)
Der letzte König der Meder und Perser ist aber auch ein Darius genannt, und zwar
war es scheinbar ein Enkel dessen, der den Tempelbau zu vollenden befahl.
Seite 96
Diesem letzten König Darius wurde augenscheinlich sein großer Reichtum zum
Verhängnis; denn in diesem fühlte er sich stark, den Kampf mit Alexander dem Großen
aufzunehmen. Aber Alexander der Große besiegte ihn in einigen Schlachten (333 v.Chr.
bei Issus und 331 bei Arbela und Gaugamela), zertrümmerte die Perserherrschaft, nahm
das ganze Perserreich ein und gründete das dritte Weltreich Griechenland-Mazedonien
(1.Makk.1,1-4; Dan.8,7). Hatten sich die vorigen Perserkönige fast alle durch ihre große
Gottesfurcht ausgezeichnet und sich gestützt und verlassen auf den lebendigen Gott, den
Schöpfer Himmels und der Erde, so wich der letzte Perserkönig Darius hiervon ab; denn
er verließ sich auf seinen großen Reichtum, der ihn aber nicht erretten konnte (vgl.Ps.52,89; Spr.11,28).
Darum konnte der Bestand des medopersischen Weltreichs hinfort nicht
mehr vom Herrn gesichert werden, weil der König von ihm wich (Dan.10,20 - 11,1).
5. Die Dauer des zweiten Weltreichs Medo-Persien und seine Könige
a) Die Chronologie der Bibel und der weltlichen Geschichte
In diese Zeit des zweiten Weltreichs fallen die durch Daniel gegebenen prophetischen Weissagungen über den Heilsratschluß Gottes. Deshalb ist es von besonderer
Wichtigkeit, herauszufinden, in welchen Zeitabschnitt dieses Weltreich fällt.
Die Heilige Schrift gibt uns für die Geschichte der ältesten Zeit seit der Erschaffung
des Menschen feste Unterlagen für eine biblische Zeitrechnung bis zum Aufhören des
Reiches Juda im 19. Jahr Nebukadnezars (Siehe „Biblische Zeittafeln“).
Das Reich Gottes
- 88 -
Nun ist der Gedanke naheliegend, die Angaben der „Weltgeschichte“ von da ab
anzuschließen, wo sie in den von Gott zum voraus offenbarten „vier Weltreichen“ sich
auswirkt, wie man das auch schon getan hat. Der biblische Forscher aber sollte von da
ab, wo die geschichtlichen Jahreszahlen der Bibel aufhören, die prophetischen Jahre der
Bibel anschließen, um so bis in die jüngste, auch durch die Weltgeschichte bezeugte Zeit
zu kommen. Damit kommt das prophetische Zeugnis, das Gott für diese Zeit durch Daniel
gegeben hat, zu seinem Rechte und wird nicht durch die weltlichen Jahreszahlen in
seiner Bedeutung als untergeordnet oder gar unbrauchbar angesehen und sogar auch
von den Gläubigen in diesem Sinn behandelt.
Nach dem prophetischen Zeugnis müssen dann an das erste Jahr Nebukadnezars
als das vierte Jahr Jojakims die siebenzig Jahre der Gefangenschaft Judas angehängt
werden, die Jeremja in diesem Jahre geweissagt hat, und deren Erfüllung von der Schrift
im ersten Jahr Kores‘, des Persers, angegeben ist, wofür wir, wie oben gesagt, das erste
Seite 97
Jahr seiner Alleinherrschaft ansehen, in welchem Daniel starb (2.Chr.36,20-23; Esr.1,1-4;
Dan.1,21; 10,1; 12,13). An dieses Jahr werden wieder die dem Daniel zwei Jahre vorher
geweissagten neunundsechzig (Jahr-) Wochen = 483 Jahre angehängt, die bis zur
Ausrottung des Gesalbten als dem Tod bzw. bis zur Auferstehung Jesu zugerechnet
sind. In diese 483 Jahre ist die ganze Weltgeschichte vom Entstehen des Perserreiches
bis ins Jahr 30 n.Chr. zu rechnen, das jedenfalls Jesu Todesjahr ist. Anstelle dieser Zeit
zählt die weltliche Geschichtsdarstellung 535 + 30 = 565 Jahre. (536 gilt als erstes Jahr
des Perserreichs Schlachter rechnet, weil die weltlichen Berichte auch unter sich nicht
genau übereinstimmen, nach der Anmerkung zu Jer.32,1 ein Jahr weiter zurück, nämlich
587 – 50 = 537).*
*(Damit stellt die Bibel 565 – 483 = 82 Jahre weniger für die entsprechenden Reiche zur Verfügung. Weil
wir aber die Zeit für das griechische Weltreich der weltlichen Darstellung entnehmen müssen, indem die
Makkabäerbücher mit „Jahren des Griechischen Reiches“ (Zeitrechnung des Seleukiden 312 n.chr. = 1)
rechnen und deren Angaben mit den weltlichen Daten derselben Epoche übereinstimmen, so muß dieses Weniger von 82 Jahren bzw. 83 von der Zeit des medopersischen Reiches abgezogen werden. Wir bekommen deshalb statt einer Zeit von etwa 200
Jahren (536 - 336 bzw. 331) eine solche von nur etwa 120 Jahren für dasselbe.
Dieser geringeren Zeit kommen die in der Schrift gemachten Angaben von der Zahl
der medopersischen Könige entgegen.
Die Heilige Schrift stellt in den Berichten, die sie über die Herrschaft der vier Weltreiche gibt, keine Weltgeschichte auf, sondern es ist, soweit sie von den zur Weltherrschaft bestimmten Reichen nebst dem Reich Israel redet, nur das göttlichprophetische
Zeugnis für die Zeit der Herrschaft der vier Weltreiche. Es wäre darum ein nutzloses
Unternehmen, wenn man die bis heute bekannten Ergebnisse der weltlichen Geschichte
durch das prophetische Zeugnis lückenlos verbessern wollte, solange nicht gleichwertige,
weltliche Forschungsergebnisse die von der Heiligen Schrift gemachten
Geschichtsangaben erhärten. Wir dürfen im prophetischen Zeugnis nur das suchen, was
Gott über die Herrschaft der vier Weltreiche als seinen Willen offenbaren wollte.
Das Reich Gottes
- 89 -
b) Die Königsreihe des medo-persischen Reiches in der Heiligen Schrift
Die Heilige Schrift stellt uns folgende Reihe von Persönlichkeiten medopersischer
Herrscher vor Augen:
1. Darius, der Meder, und sein Mitregent Kores, der Perser (2.Chr.36,22; Esr.1,1-2; 3,7;
4,3.5; 5,13-17; 6,3.14; Jes.44,28; 45,1; Dan.1,21; 6,1-2.7.10.26.29; 8,20; 10,1; 11,1).
2. Ahasveros (Esr.4,6).
3. Artasasta (Esr.4,7-11.23).
4. Darius, der Perser, unter welchem der Tempelbau vollendet wurde (Esr.4,5.24; 5,5-7;
6,1.12-15; Hgg.1,15; 2,10; Sach.1,1.7; 7,1).
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5. Artasasta, welcher für den Dienst im vollendeten Tempel Mittel bereitstellte und
offenbar auch der Gemahl der Ester ist. In dem Buch „Stücke zu Ester“ ist Ahasveros
„Artaxerxes“, also „Artasasta“ (= Oberherrscher, Großkönig) genannt (vgl.Neh.2,6; Est.1,13.9-19 u. v. a. St.; Stücke zu Ester 1,1; 2,1; 5,1; 6,1; Esr.7,1-6; 8,1; Neh.2,1; 5,14; 13,6).
6. Darius, der Perser (Neh.12,22; 1. Makk.1,1).
Diesen sechs Persönlichkeiten gegenüber führt uns die weltliche Geschichte zwölf
bzw. dreizehn auf.
Nun ist in Dan.11,2 die Rede von vier, bzw. fünf Königen. (Man weiß nicht: ist der
„vierte“ einer über die drei Nachfolger des Kores hinaus oder einschließlich mit diesem
der vierte in der Reihe.) Redet hier die Heilige Schrift von fünf Königen, so kann man
sagen: Durch Inschriften und Tontafeln sind uns die ersten vier von der Geschichte
aufgestellten Herrscher bestätigt: 1) Kores oder Cyrus, 2) Kambyses, dessen Sohn, 3)
der Thronräuber Pseudosmerdis (= falscher Smerdis) und 4) Darius Hystaspis. Wenn das
prophetische Wort in Dan.11,2 auch die ganze Königsreihe bis zum Schluß bezeugt, so
übergeht es doch den dritten, den Thronräuber, dessen Regierungszeit nach weltlichem
Bericht nur sehr knapp war, das wäre der Artasasta von Esr.4,7-11.23; so sieht man dann
hier in diesen fünfen dieselben Könige, wie sie die geschichtlichen Bücher Esra, Nehemja
und Ester zeigen, nur fehlt dabei dieser eine. Was die weltliche Geschichte sonst noch an
Herrschern aufzählt, können solche von ganz kurzen Regentschaften oder von
Mitregentschaften sein, deren Gestalten zum Teil statt nebeneinander nacheinander
gestellt wurden, oder deren Regierungszeiten länger angenommen wurden, um die falsch
angenommene Zeitspanne der ganzen Perserherrschaft auszufüllen.)*
*(Die Kenntnis der zwölf persischen Könige und ihrer Regierungszeiten verdankt die Welt dem Kanon (=
der Aufstellung) des Geschichtsschreibers Ptolemäus. Aber Ptolemäus, welcher einige Jahrhunderte nach
dem Bestehen des Perserreiches schrieb, mußte sich wieder auf die Überlieferungen und Schätzungen
eines Eratosthenes verlassen und auf die Heldenschilderungen der Griechen. Der jüdische
Geschichtsschreiber Josephus, welcher hundert Jahre früher lebte als Ptolemäus, schreibt von sechs
Perserkönigen und stimmt so mit der Bibel überein.
6. Die siebenzig (Jahr-) Wochen Daniels und die
Zeit der vier Weltreiche
a) Der Unterschied zwischen der geschichtlichen und prophetischen
Bedeutung der Weissagung der siebenzig (Jahr-) Wochen
Die Herrschaft des zweiten Weltreichs „Medo-Persien“ dauerte vom Jahre 456 bis
331 n.chr.
Das Reich Gottes
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Weil in diese Zeit schon teilweise die Weissagungen des Propheten Daniel über die
siebenzig (Jahr-) Wochen fallen, durch die Gott dem Daniel seinen Heilsratschluß
geoffenbart hat, muß diesen Weissagungen in Verbindung mit den vier Weltreichen noch
besondere Beachtung geschenkt werden. Gott aber hat durch dieselben nicht nur
geoffenbart, wie
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er seinen Heilsplan mit seinem Volke hinausführt, sondern er hat in ganz besonders
klarer Weise die Zeit bestimmt, in der er seinen Ratschluß hinausführt.
Diese Zeit von siebenzig (Jahr-) Wochen zerfällt in drei aufeinanderfolgende
besondere Zeitabschnitte, und zwar in die ersten sieben (Jahr-) Wochen, dann folgen
zweiundsechzig (Jahr-) Wochen und endlich die letzte (Jahr-) Woche (Dan.9,24-27). Diese
richtige Zeiteinteilung ist für die rechte Erkenntnis der zeitgemäßen Erfüllung des
göttlichen Ratschlusses sehr wichtig.
Wenn man die Weissagung, die Daniel über die siebenzig (Jahr-) Wochen erhielt, der
Zeit nach recht verstehen und einteilen will, muß man beides, die geschichtliche und die
geistige Bedeutung derselben, beachten. Die hauptsächlichste Bedeutung liegt aber
immer auf dem geistigen Gebiet, deshalb muß das auch in der Berechnung der siebenzig
(Jahr-) Wochen oder vierhundertneunzig Jahre beachtet werden.
Gott gab seine Offenbarung über diese siebenzig (Jahr-) Wochen dem Daniel infolge
seiner verlangenden, suchenden Stellung, die mit den folgenden Worten geschildert ist:
„Im ersten Jahre Darius‘, des Sohnes Ahasveros‘, von medischer Herkunft, welcher zur Herrschaft über das Reich der Chaldäer gekommen war, – im ersten
Jahre seiner Regierung merkte ich, Daniel, in den Schriften auf die Zahl der
Jahre, während welcher nach dem Worte des Herrn an den Propheten Jeremja
Jerusalem in Trümmern liegen sollte, nämlich siebenzig Jahre.“ (Dan.9,1-2)
Auf Grund dieser Weissagung vom Propheten Jeremja, daß sein Volk siebenzig
Jahre in der babylonischen Gefangenschaft sein werde, konnte Daniel am Ende dieser
70 Jahre mit der nationalen Wiederherstellung seines Volkes und dem damit verbundenen Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem rechnen. In seiner Gott wohlgefälligen Gesinnung wußte aber Daniel, daß die Erfüllung des offenbarten göttlichen Willens
nicht nur von der Tatsache abhängig war, daß Gott seinen Willen kundgetan hatte; denn
Gott konnte sein Volk nicht um ihrer Gerechtigkeit, sondern nur um seiner großen
Barmherzigkeit willen zur Verwirklichung seiner Absichten gebrauchen. Deshalb beugte
sich Daniel und tat Buße und bekannte seine und seines Volkes Sünden (Dan.9,20). Aus
diesem Grund offenbart ihm Gottes Antwort durch den Mann (d.h. Engel) Gabriel in klarer
Weise die Zeit der Verwirklichung seines Heilsplanes mit seinem Volke, indem Daniel das
Ende der vom Propheten Jeremja geweissagten und nun nahezu erfüllten siebenzig
Jahre der babylonischen Gefangenschaft für gekommen ansah.
Der Engel Gabriel sagte zu Daniel:
„Daniel, jetzt bin ich ausgegangen, dir den Verstand zu erleuchten! Als du
anfingst zu beten, ist ein Wort ausgegangen, und ich bin gekommen, um es dir
anzuzeigen; denn du bist lieb und wert. So achte nun auf das Wort und verstehe
das Gesicht! Siebenzig
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Das Reich Gottes
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Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt verordnet bis zur Vollendung des Frevels und zur Erfüllung des Sündenmaßes, zur Sühnung der Missetat und zur Herbeiführung der ewigen Gerechtigkeit und zur Versiegelung von
Gesicht und Prophezeiung und zur Salbung des Allerheiligsten. So wisse und
verstehe: Vom Erlaß des Befehls zum Wiederaufbau Jerusalems bis zur Salbung
eines Fürsten vergehen sieben Wochen; und binnen zweiundsechzig Wochen
werden die Straßen und Gräben wieder gebaut, und zwar in bedrängter Zeit. Und
nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden, so daß
keiner mehr sein wird. (Ohne daß er (der gesalbte Hohepriester) eine Schuld
haben wird.) Die Stadt aber und das Heiligtum wird das Volk eines Fürsten verderben, der kommt; sein Ende aber wird plötzlich sein. Und bis ans Ende wird
dauern der Krieg, der zur Verwüstung verhängt ist. Und man wird den Bund vielen
schwer machen eine Woche lang und mitten in der Woche Schlacht- und Speisopfer aufhören lassen, und auf der Zinne werden Greuel (Götzen) des Verwüsters
aufgestellt, bis daß sich die beschlossene Vertilgung über den Verwüster ergießen
wird.“(Dan.9,22-27)
Nach diesem Zeugnis des Engels Gabriel an Daniel werden an die siebzig Jahre der
babylonischen Gefangenschaft des Volkes Gottes noch sieben und zweiundsechzig, das
sind neunundsechzig Jahrwochen, angehängt, nämlich ausdrücklich an das Jahr, in
welchem Jerusalem samt dem Tempel wieder zu bauen befohlen wird, was tatsächlich
zwei Jahre nach der Weissagung geschah (2.Chr.36,22-23; Esr.1,1-4; 6,3-5; Jes.44,28; 45,13).
b) Die prophetisch schriftgemäße Anleitung zum Verständnis
der siebzig (Jahr-) Wochen Daniels
Will man die siebzig (Jahr-) Wochen Daniels im göttlichen Lichte verstehen lernen,
dann muß man zuerst das rechte Verständnis für die prophetische Zeitrechnung
gewinnen. Nur auf diese Zeitrechnung wollen wir hier in Verbindung mit der Zeit der vier
Weltreiche achten.
Die prophetische Zeitrechnung ist in der Heiligen Schrift folgendermaßen erläutert:
„Dieses eine aber soll euch nicht verborgen sein, Geliebte, daß ein Tag vor dem
Herrn ist wie tausend Jahre und tausend Jahre wie ein Tag!“ (2.Petr.3,8)
„Tausend Jahre sind vor dir wie der gestrige Tag, der vergangen ist, und wie eine
Nachtwache.“ (Ps.90,4)
„Nach der Zahl der vierzig Tage, darin ihr das Land erkundigt habt, so daß je ein
Tag ein Jahr gilt, sollt ihr vierzig Jahre lang eure Missetat tragen, daß ihr erfahret,
was es sei, wenn ich die Hand abziehe!“ (4.Mos.14,34)
Seite 101
„Ich aber habe dir die Jahre ihrer Missetat in ebensoviele Tage verwandelt, nämlich 390 Tage sollst du die Missetat des Hauses Israel tragen. Wenn du aber
diese Tage vollendet hast, so lege dich das zweite Mal auf deine rechte Seite und
trage die Missetat des Hauses Juda vierzig Tage lang; je einen Tag will ich dir für
ein Jahr auflegen.“ (Hes.4,5-6)
Diese Stellen zeigen, daß Gott die Zeit, in der er seinen Willen ausführt, im prophetischen Zeugnis nach zwei Ordnungen offenbart hat.
Nach der ersten Ordnung zeigt Gott die Entwicklung seines Heilsratschlusses in der
Rettung der Menschen in den sieben Schöpfungstagen, und da gilt ein Tag für tausen
Jahre, so daß die sieben Schöpfungstage als eine Zeit von siebentausend Jahren
gerechnet werden dürfen.
Das Reich Gottes
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Nach der zweiten Ordnung verkündigt Gott seinem Volk die Gerichte, die sie um ihrer
Übertretungen willen erdulden müssen, und da gilt ein Tag des prophetischen
Zeugnisses für ein Jahr.
Daraus ersehen wir, daß, während der Prophet Jeremja mit den siebzig Jahren der
babylonischen Gefangenschaft des Südreichs Juda buchstäblich die Zeit schildert, in der
dieses erste Weltreich in seiner Macht ist, Gott dem Daniel am Anfang des zweiten
Weltreichs der Meder und Perser die Zeit der weiteren Entwicklung des göttlichen
Ratschlusses mit seinem Volk zeigt, so daß am Ende des vierten Weltreiches in dem
prophetischen Zeitmaß von siebzig Wochen von diesen jeder Tag für ein Jahr zu rechnen
ist. Es sind also 70 x 7 = 490 Tage oder soviel Jahre. Damit ist Daniel angezeigt, daß die
auf die abgelaufenen siebzig Jahre der babylonischen Gefangenschaft folgende
Rückkehr eines Teils des Volkes des Südreichs Juda und der Wiederaufbau des Tempels
noch nicht die endgültige Aufrichtung und Wiederherstellung der göttlichen Ordnung
durch sein Volk ist. Daniel muß vielmehr darauf achten, daß die göttliche Absicht mit
seinem Volk erst dann erreicht ist, wenn
die Vollendung des Frevels,
die Erfüllung des Sündenmaßes,
die Sühnung der Missetat,
die Herbeiführung der ewigen Gerechtigkeit,
die Versiegelung von Gesicht und Prophezeiung und
die Salbung des Allerheiligsten
sich erfüllt haben.
Diese göttliche Absicht wird in der Zeit der siebzig (Jahr-) Wochen oder in vierhundertneunzig Jahren erreicht.
c) Die prophetische Bedeutung der ersten sieben (Jahr-) Wochen
Unter dem Statthalter Serubabel, dem Sohn Sealtiels, und dem Hohenpriester Josua,
dem Sohn Jozadaks, sind Jerusalem und der Tempel nach der Rückkehr des Volkes
Gottes aus der babylonischen Gefangenschaft wieder gebaut worden (Esr.3,2-3; 5,2). Diese
beiden Personen sind daher im prophetischen
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Zeugnis Vorbilder von der zukünftigen Königs- und Priesterherrschaft im wiedervereinigten Volke Gottes. Diese Königs- und Priesterherrschaft wird dem „Sproß Davids aus
dem abgehauenen Stamm Isais“ zuteil werden, und darauf warten wir heute noch; denn
wir sehen auch in der Auferstehung Jesu Christi nur eine Teilerfüllung dieser Verheißung.
Die Krönung des Hohenpriesters Josua deutet an, daß Königtum und Hohepriestertum
am Ende des Zeitalters unter einem Haupt vereinigt werden sollen, geradeso, wie der
auferstandene Christus heute schon im Himmel das Königtum über alle Herrschaften und
Gewalten Himmels und der Erde und das unvergängliche Hohepriestertum nach der
Ordnung Melchisedeks miteinander vereinigt (Eph.1,20-22; Hebr.Kap.1; 5,5-6.10; 6,20; 7,15-17).
Die irdisch-sichtbare Erfüllung erfolgt aber erst dann, wenn der wahre Tempel gebaut
werden soll, an dem die Gläubigen die lebendigen Bausteine sind. Die Krönung des
Das Reich Gottes
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Hohenpriesters Josua war vorbildlich und sollte zur Bekräftigung einer Weissagung
dienen; denn zu diesem Zwecke mußte die Krone zum Zeugnis für künftige Zeiten im
Tempel aufbewahrt werden; Josua durfte sie nicht für sich behalten, und auch Serubabel
durfte sie nicht tragen (Sach.6,9-15).
Der Erlaß des Befehls zum Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels, von welchem ab sieben Jahrwochen laufen, erfolgte im ersten Regierungsjahr der Alleinherrschaft des Königs Kores von Persien im Jahre 454 n.chr. Kores befahl den Wiederaufbau
des Tempels und die Heimkehr des Volkes Gottes aus der babylonischen
Gefangenschaft (2.Chr.36,22-23; Esr.1,1-4; 6,3-5). Damit war nun auch der Wiederaufbau der
Stadt Jerusalem geboten, wie ja auch aus der prophetischen Weissagung des Jesaja
ausdrücklich hervorgeht (Jes.44,28; 45,13). Die restlose Erfüllung dieser Weissagung
geschieht aber erst am Ende der siebzig (Jahr-) Wochen.
In der Verbindung mit dem Befehl zum Wiederaufbau des Tempels weist der Engel
Gabriel auf die in der Zeit von sieben (Jahr-) Wochen in der Bedrängnis erfolgende
Wiederherstellung der Stadt Jerusalem und auf die „Salbung eines Fürsten“ nach den
sieben (Jahr-) Wochen hin (Dan.9,24). Die hier abweichenden Übersetzungen werden wir
bei einer späteren, eingehenderen Betrachtung dieser Weissagung berücksichtigen.
In der Zeit, als der Tempelbau zu Ende geführt werden sollte, weissagten die Propheten Sacharja und Haggai, und letzterer spricht unter anderem:
„Also spricht Jehova Zebaot: Noch diesen einen kleinen Augenblick, so erschüttere ich den Himmel und die Erde, das Meer und das Trockene; und ich will auch
alle Völker erschüttern, und es werden die Kostbarkeiten aller Völker kommen,
und ich will dieses Haus mit Herrlichkeit erfüllen, spricht Jehova Zebaot. Mein ist
das Silber und mein ist das Gold, spricht Jehova Zebaot. Es soll die zukünftige
Herrlichkeit dieses Hauses größer werden als die frühere war,
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spricht Jehova Zebaot; und an diesem Orte will ich Frieden geben, spricht Jehova
Zebaot.“ (Hgg.2,6-9)
„Das Wort des Herrn erging zum zweitenmal an Haggai am vierundzwanzigsten
Tage des Monats, also: Sage zu Serubabel, dem Statthalter von Juda: Ich will den
Himmel und die Erde erschüttern und will Königsthrone umstoßen und die Macht
der heidnischen Königreiche zertrümmern und will auch Kriegswagen umstürzen
samt ihren Reitern, daß Roß und Mann zu Boden sinken und einer umkomme
durch des andern Schwert. An jenem Tage, spricht der Herr, will ich dich, Serubabel, den Sohn Sealtiels, meinen Knecht, nehmen und dich anstecken wie einen
Siegelring; denn dich habe ich erwählt, spricht Jehova Zebaot!“ (Hgg.2,20-23)
Diese Worte zeigen, daß Serubabel, der Statthalter von Juda, ein Vorbild von der Zeit
ist, wenn am Ende der siebenzig (Jahr-) Wochen, der vierhundertneunzig Jahre, Gottes
Ratschluß an seinem Volk und an seiner heiligen Stadt erfüllt wird. Auf diese Zeit des
Endes bezieht sich das Zeugnis der zwei Zeugen, die tausendzweihundert-und sechzig
Tage lang, mit Säcken angetan, weissagen in der Zeit, wenn am Ende des vierten
Weltreichs in der Gerichtszeit der sechste Engel posaunt. Diese zwei Zeugen sind die
zwei Ölbäume, zwei Olivenbüschel, zwei Leuchter, zwei Gesalbte, die vor dem Herrscher
der ganzen Erde, vor dem Herrn der Erde stehen, von denen der Prophet Sacharja und
Johannes in der Offenbarung geweissagt haben (Sach.4,2-5; Offb.11,3-12). Ihr Zeugnis ist
aber das Wort des Herrn an Serubabel, das lautet:
Das Reich Gottes
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„Nicht durch Heer und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist, spricht
Jehova Zebaoth!“ (Sach.4,6)
Wenn darauf durch diesen Propheten die Worte folgen:
„Wer bist du, großer Berg vor Serubabel? Du sollst zur Ebene werden, und er wird
den Schlußstein hervorbringen unter dem Zuruf der Menge: Gnade, Gnade mit
ihm!“ (Sach.4,7),
so weisen diese Worte im Zusammenhang mit dem Werk des Aufbaues Jerusalems und
der Gründung des Tempels durch Kores, was der Prophet Jesajas bezeugt, und den zwei
Zeugen von Offb.11,3-12 auf die Zeit hin, wenn der Ratschluß Gottes an seinem Volk und
an der heiligen Stadt am Ende der vierhundertneunzig Jahre erfüllt wird. Dann sind erst
die Worte des Propheten Sacharja erfüllt:
„Die Hände Serubabels haben dieses Haus gegründet, seine Hände sollen es
vollenden.“ (Sach.4,9)
„Sehen doch mit Freuden auf das Senkblei in Serubabels Hand jene sieben, die
Augen des Herrn, welche die ganze Erde durchstreifen.“ (Sach. 4,10)
Darauf beziehen sich aber die Worte:
„Höre doch, Josua, du Hoherpriester, du und deine Amtsgenossen, die vor dir sitzen, sie sind Vorbilder! Denn siehe, ich lasse meinen
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Knecht Zemach (Sproß) kommen. Denn siehe, auf den Stein, welchen ich vor
Josua gelegt habe, auf den einen Stein sind sieben Augen gerichtet; siehe, ich
grabe seine Inschrift ein, spricht Jehova Zebaoth, und will die Verschuldung dieses Landes an einem einzigen Tage entfernen!“ (Sach.3,8-9)
Diese Zeugnisse des Propheten Sacharja werden durch die folgenden Worte aus der
Offenbarung erklärt:
„Sieben Feuerfackeln brennen vor dem Throne, welches sind die sieben Geister
Gottes.“
„Das (Lamm) hatte sieben Hörner und sieben Augen, welche sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde.“ (Offb.5,6)
Wenn sich die Worte erfüllen:
„Wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem will ich Macht
geben über die Heiden. Und er wird sie mit eisernem Stabe weiden, wie Tongeschirr sie zerschlagen; wie auch ich von meinem Vater empfangen habe. Und ich
will ihm geben den Morgenstern“ (Offb.2,26-28),
und von der Stellung des Engels der Gemeinde zu Philadelphia bezeugt ist:
„Du hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. … Ich komme
bald; halte, was du hast, auf daß niemand dein Krone nehme!“ (Offb.3,8.11),
wenn sich schließlich die Worte erfüllen:
„Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie
auch ich überwunden habe und mich zu meinem Vater gesetzt habe auf seinen
Thron“ (Offb.3,21),
dann ist das der Stein, ein Engel von den sieben Engeln der sieben Gemeinden, auf den
die sieben Augen des Herrn gerichtet sind, weil in ihm der Schlußstein unter dem Zuruf
der Menge: Gnade, Gnade mit ihm! hervorgebracht wird. Wir dürfen darum annehmen,
obwohl es uns wörtlich nicht bezeugt ist, daß Serubabel nach den neunundvierzig Jahren
als Vorbild eines späteren Fürsten gesalbt wurde. Dieser spätere Fürst ist Jesus, von dem
der Prophet Jesajas weissagt:
Das Reich Gottes
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„Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben; und die Herrschaft kommt
auf seine Schulter, und man nennt ihn: Wunderbarer Rat, starker Gott, Ewigvater,
Friedensfürst. Der Mehrung der Herrschaft und des Friedens wird kein Ende sein
auf dem Throne Davids und in seinem Königreich, daß er es gründe und befestige
mit Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Der Eifer des Herrn der
Heerscharen wird solches tun!“ (Jes.9,5-6)
Dazu müssen wir beachten, daß diese Weissagung nicht allein auf die Geburt Jesu,
sondern nach Joh.16,19-22 und Kol.1,18 hauptsächlich auf die Auferweckung Jesu
Christi von den Toten angewendet werden muß (vgl.Apg.2,30-36; 4,10-12; Eph.1,20-22; Phil.2,911).
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Das Zeugnis des Engels Gabriel an Maria lautet:
„Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen
Jesus heißen. Derselbe wird groß sein und des Höchsten Sohn genannt werden,
und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird
regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und seines Reiches wird kein Ende
sein.“ (Luk.1,31-33)
Auch bei der Geburt Jesu verkündigt ein Engel:
„Euch ist heute ein Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt
Davids.“ (Luk.2,11)
Das zeigt uns, daß wir in Serubabel, dem ersten Statthalter von den aus der
babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrten Juden, den für Jesus vorbildlich
gesalbten Fürsten sehen müssen.
In Verbindung damit muß beachtet werden, daß neunundvierzig Jahre ein von Gott
festgesetzter Zeitabschnitt sind, nachdem sich der göttliche Heilsplan mit seinem Volk
erfüllt, und zwar nach der folgenden Ordnung:
„Du sollst dir sieben solche Sabbatjahre zählen, daß sieben Jahre siebenmal
gezählt werden, und die Zeit der sieben Sabbatjahre neunundvierzig Jahre
mache. Da sollst du den Schall der Posaune ergehen lassen am zehnten Tage
des siebenten Monats; am Tage der Versöhnung sollt ihr den Schall durch euer
ganzes Land ergehen lassen. Und ihr sollt das fünfzigste Jahr heiligen und sollt
Freilassung ausrufen im Lande allen, die darin wohnen. Ein Jubeljahr sei es euch!
Da soll ein jeder bei euch wieder zu seiner Habe und zu seinem Geschlecht
kommen. Denn das fünfzigste Jahr ist das Jubeljahr. Ihr sollt nicht säen, auch
nicht ernten, was von sich selber wächst, auch den unbeschnittenen Weinstock
nicht ablesen. Denn das Jubeljahr soll unter euch heilig sein; vom Feld weg dürft
ihr essen, was es trägt. In diesem Jubeljahr soll jedermann wieder zu seinem
Besitztum kommen. Wenn du nun deinem Nächsten etwas verkaufst oder demselben etwas abkaufst, so soll keiner seinen Bruder übervorteilen; sondern nach
der Zahl der Jahre seit dem (letzten) Jubeljahr sollst du es von ihm kaufen; und
nach der Zahl der Erntejahre soll er es dir verkaufen. Nach der Menge der Jahre
sollst du den Kaufpreis steigern, und nach der geringern Anzahl der Jahre sollst
du den Kaufpreis verringern; denn eine bestimmte Anzahl von Ernten verkauft er
dir.“ (3.Mos.25,8-16)
Das ist die Halljahrodrnung des Alten Testaments, die für die Zeit des Neuen Bundes
einen vorbildlichen Charakter hat.
Fünfzig Jahre lagen Jerusalem und der Tempel wüst; nach diesen Jahren erfolgte der
Befehl zum Wiederaufbau des Hauses und der Stadt Gottes und die Freilassung der
Gefangenen.
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Das Reich Gottes
Es ist nun nicht so, daß die Zerstörung, ferner der Wiederaufbaubefehl und schließlich
die Wiederherstellung Jerusalems genau auf die alttestamentlichen Jubeljahre fallen, ja,
nicht einmal auf Sabbatjahre. Dennoch
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ist der Befehl zum Tempelwiederaufbau und die Freilassung der Gefangenen nach
fünfzigjähriger Verwüstungs- und Verbannungszeit, und sieben (Jahr-) Wochen später die
Vollendung der Wiedererrichtung von Tempel und Stadt Gottes, ein Vorbild für eine
künftige Freilassung mit ungleich größerer Bedeutung. Gleicherweise ist die „Salbung
eines Fürsten“ ein Vorbild der Salbung des wahren Fürsten am Volke Gottes, Jesus
Christus, zur Zeit seiner Auferweckung aus den Toten, und ein Vorbild für die Salbung
jenes „Gesalbten“, der mit dem Herrn die Herrschaft erlangt, wenn in göttlicher
Vollkommenheit neunundvierzig mal zehn, das sind vierhundertneunzig Jahre, erfüllt
sind.
d) Die Zeit bis zur Ausrottung des Gesalbten
Im Blick auf die Erfüllung von Gottes Heilsplan mit seinem Volke lautet die göttliche
Offenbarung des Engels Gabriel an den Propheten Daniel über die zweiundsechzig
Jahrwochen:
„So wisse und verstehe: Vom Erlaß des Befehls zum Wiederaufbau Jerusalems
bis zur Salbung eines Fürsten vergehen sieben Wochen; und binnen zweiundsechzig Wochen werden die Straßen und Gräben wieder gebaut, und zwar in
bedrängter Zeit. Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Gesalbte ausgerottet werden, so daß keiner mehr sein wird.“ (Dan.9,25-26)
Zweiundsechzig Jahrwochen ergeben vierhundertvierunddreißig Jahre, die den
sieben Jahrwochen, also neunundvierzig Jahren hinzuzuzählen sind, welche mit dem
Befehl des Kores zum Wiederaufbau des Tempels beginnen. Die zweiundsechzig (Jahr-)
Wochen folgen den sieben (Jahr-) Wochen ganz unmittelbar, also ohne eine
Zwischenzeit, wie es die bis heute erfüllte Weissagung bestätigt. Die zweiundsechzig
(Jahr-) Wochen reichen deshalb bis zur „Ausrottung“ des „Gesalbten“.
Wenn gesagt ist, daß Jerusalem während einer Bedrängniszeit von vierhundertvier
und dreißig Jahren gebaut wurde, was den damaligen Tatsachen nicht gut entspricht, so
muß auch das als eine vorbildliche Bedrängniszeit aufgefaßt werden, als Hinweis auf die
Nöte des Volkes Gottes seit der Reformation, bis die geistige Stadt Jerusalem als das
Allerheiligste vollendet ist. Zuletzt wird diese „heilige“ Stadt noch zweiundvierzig Monate
von dem Vorhof und den Heiden zertreten, ehe sie die gottgewollte Vollkommenheit
erlangt hat (Offb.11,1-2). Doch auch über diese Punkte weichen die verschiedenen
Übersetzungen etwas von einander ab, wie wir das später noch zeigen werden.
e) Der Zeitabschnitt zwischen der 69. und 70. (Jahr-) Woche
– die Zeit der Gemeindeentwicklung
Mit dem Abschluß der neunundsechzig (Jahr-) Wochen, als das Volk Gottes seinen
von Gott gesandten Messias und König getötet hatte, war die Zeit aber noch nicht
gekommen, daß der göttliche Wille und Ratschluß an seinem Volk und der heiligen Stadt
erfüllt war. Noch war zu der Zeit vom Volke Gottes
Das Reich Gottes
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der Frevel nicht vollendet,
das Sündenmaß nicht erfüllt,
die Missetat nicht gesühnt,
die ewige Gerechtigkeit nicht herbeigeführt,
Gesicht und Prophezeiung nicht versiegelt und
das (oder der) Allerheiligste nicht gesalbt (Dan.9,24).
Um dies alles zu erfüllen, muß zuerst die Gemeinde Gottes vom Anfang ihrer Entwicklung bis zu ihrem Ende in der Darstellung der sieben Gemeinden alles, was zur
Erreichung des göttlichen Zieles nötig ist, in der Überwinderstellung ihrer treuen Glieder
darstellen.
Wir können in dieser dem Daniel gegebenen Weissagung das geheimnisvolle
göttliche Walten in herrlicher Weise studieren. Gott offenbart nicht nur den Zeitabschnitt
vom Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels durch die Statthalter Serubabel und
Nehemja und der darauf folgenden Zeit bis zum Tode Jesu als den neunundsechzig
(Jahr-) Wochen, sondern er läßt uns auch Licht über den Zeitabschnitt werden, der von
der Ausrottung Jesu an, als des Gesalbten, bis zum Beginn der letzten (Jahr-) Woche in
der Endzeit reicht.
Auf diesen Zeitabschnitt weist Daniel in seiner Weissagung mit den Worten hin:
„ ... so daß keiner mehr sein wird.“ (Dan.9,26)
Mit diesem Zeugnis ist gezeigt, daß von der Kreuzigung Jesu an kein Gesalbter des
Herrn im Volke Gottes mehr vorhanden ist. Das sind die vielen Tage, in denen die Kinder
Israels ohne König blieben und ohne Fürsten, auch ohne Opfer, ohne Bildsäule, ohne
Ephod und ohne Teraphim (Hos.3,4).
Erst in Verbindung mit den Schriftzeugnissen, die auf die Zeit des Endes hinweisen,
reden dann die Propheten wieder von einem Gesalbten des Herrn. Jesaja nennt diesen
Gesalbten „Kores“ und sagt von ihm, daß er von Gott dazu erwählt und berufen ist, die
Stadt des Herrn und den Tempel zu bauen und seine Gefangenen loszulassen (Jes.44,26;
45,1-17). Dieses Werk richtet der Gesalbte als der Bundesmittler dadurch aus, daß er das
wahre Evangelium dem Volke Gottes verkündigt und das Gnadenjahr, d.i. das Jubeljahr
oder Jahr der Freilassung, des Herrn predigt, aber auch einen Tag der Rache unseres
Gottes (Jes.61,1-11). Der Herr selbst zieht in der Zeit des Gerichtes, in der Endzeit, aus
zum Heil seines Volkes und zur Hilfe seines Gesalbten (Hab.3). Nach dem Zeugnis in
Offb.11,15 wird zur Zeit, wenn der siebente Engel posaunt, also am Ende der
Gerichtszeit, die Königsherrschaft über die Welt dem Herrn und seinem Gesalbten zuteil,
und er wird dann von der Zeit an herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Das ist auch die
Zeit, wenn Satan, der Drache, aus dem Himmel ausgeworfen ist und dann das Heil und
die Kraft und das Reich unseres Gottes und die Macht seines Gesalbten gekommen sind,
weil der Verkläger der Brüder gestürzt ist (Offb.12,5-12).
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Diese Stellen, die von dem Gesalbten reden, bilden das klarste Zeugnis von der
Tatsache, daß die letzte Jahrwoche sich nicht direkt an die neunundsechzigste
Das Reich Gottes
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anschließt, sondern von der Ausrottung Jesu an bis zur Zeit des Endes ein großer
Zwischenraum ist.
Diese Zwischenzeit ist ausgefüllt durch die Gemeindeentwicklung, wie darüber in den
sieben Sendschreiben der Offenbarung Johannes berichtet ist, die bis zum Anfang der
letzten Jahrwoche dauert und auch der Zeit entspricht, auf die der Herr selbst in den
sieben Gleichnissen hinweist, die in Matthäus Kapitel 13 geschildert sind, wo er den
siebenfachen Gemeindezustand als jeweiligen Himmelreichszustand in dieser Zeit zeigt.
Auch in einer Unterredung, die Jesus mit den Jüngern hatte, als sie ihn fragten, ob er
in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wiedergebe, und er darauf antwortete, daß es
nicht ihre Sache sei, Zeiten oder Stunden zu wissen, welche der Vater in seiner eigenen
Macht festgesetzt hat; sondern sie werden Kraft empfangen, wenn der heilige Geist auf
sie kommt und werden dem Herrn Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und
Samaria und bis an das Ende der Erde (Apg.1,1-8). Damit hat Jesus auf diesen
Zwischenraum der Gemeindeentwicklung auch hingewiesen. Auf diese Zwischenzeit und
den darauffolgenden letzten Zeitabschnitt der letzten (Jahr-) Woche hat Jesus außerdem
noch durch die folgenden Gleichnisse aufmerksam gemacht:
„Es war ein Hausherr, der pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, grub
eine Kelter darin, baute einen Wachtturm, verlieh ihn an Weingärtner und reiste
ab. Als nun die Zeit der Früchte nahte, sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, um seine Früchte in Empfang zu nehmen. Aber die Weingärtner griffen
seine Knechte und schlugen den einen, den andern töteten sie, den dritten steinigten sie. Da sandte er wieder andere Knechte, mehr denn zuvor; und sie taten
ihnen ebenso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen und sprach: Sie werden
sich vor meinem Sohne scheuen. Die Weingärtner aber, als sie den Sohn sahen,
sprachen sie unter einander: das ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein
Erbgut behalten! Und sie nahmen ihn, stießen ihn zum Weinberg hinaus und
töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er diesen Weingärtnern tun? Sie sprachen zu ihm: Er wird die Übeltäter übel umbringen und den
Weinberg andern Weingärtnern verleihen, welche ihm die Früchte abliefern werden zu ihrer Zeit. Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr noch nie gelesen in der Schrift:
'Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist
vom Herrn geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen?' Darum sage ich
euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben
werden, das dessen Früchte bringt.“ (Matth.21,33-43)
„Ein Edelmann zog in ein fernes Land, um sich die Königswürde zu holen und
alsdann wiederzukommen.
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Da rief er seine zehn Knechte und gab ihnen zehn Pfund und sprach zu ihnen:
Handelt, bis daß ich wiederkomme! Seine Bürger aber haßten ihn und schickten
ihm eine Gesandtschaft nach und ließen sagen: Wir wollen nicht, daß dieser über
uns König werde! Und es begab sich, als er wiederkam, nachdem er die Königswürde empfangen, da ließ er die Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, vor
sich rufen, damit er erführe, was ein jeder erhandelt hätte. Da kam der erste und
sprach: Herr, dein Pfund hat zehn Pfund gewonnen! Und er sprach zu ihm: Recht
so, du braver Knecht! Weil du im Geringsten treu gewesen bist, sollst du regieren
über zehn Städte! Und der zweite kam und sprach: Herr, dein Pfund hat fünf Pfund
erworben! Er sprach auch zu diesem: Und du sei über fünf Städte! Und ein
anderer kam und sprach: Herr, siehe, hier ist dein Pfund, welches ich im
Schweißtuch aufbewahrt habe! Denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann
bist; du nimmst, was du nicht gesetzt, und erntest, was du nicht gesät hast. Da
Das Reich Gottes
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sprach er zu ihm: Aus deinem Munde will ich dich richten, du böser Knecht!
Wußtest du, daß ich ein strenger Mann bin, daß ich nehme, was ich nicht gesetzt,
und ernte, was ich nicht gesät habe; warum hast du denn nicht mein Geld auf der
Bank angelegt, so hätte ich es bei meiner Ankunft mit Zinsen eingezogen? Und zu
den Umstehenden sprach er: Nehmet von ihm das Pfund und gebet es dem, der
die zehn Pfunde hat! Obschon sie zu ihm sagten: Herr, er hat schon zehn Pfund!
Denn ich sage euch: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der
nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. Doch jene meine Feinde,
die nicht wollten, daß ich König über sie werde, bringet her und erwürget sie vor
mir! Und nachdem er das gesagt, zog er vorwärts und reiste hinauf nach Jerusalem.“ (Luk.19,12-28)
f) Die letzte Jahrwoche, das Ende der siebenzig (Jahr-) Wochen
und das Ende des Verwüsters
Die Weissagung des Propheten Daniel für diesen dritten Zeitabschnitt lautet:
„Die Stadt aber und das Heiligtum wird das Volk eines Fürsten verderben, der
kommt; sein Ende aber wird plötzlich sein. Und bis ans Ende wird dauern der
Krieg, der zur Verwüstung verhängt ist. Und man wird den Bund vielen schwer
machen eine Woche lang und mitten in der Woche Schlacht- und Speisopfer aufhören lassen, und auf der Zinne werden Greuel (Götzen) des Verwüsters aufgestellt, bis daß sich die beschlossene Vertilgung über den Verwüster ergießen
wird.“ (Dan.9,26-27)
Es ist für die Gemeinde und das Volk Gottes in der heutigen Zeit von ganz besonderer Bedeutung, recht zu erkennen, für welche Zeit die Weissagung Daniels über die
letzte Jahrwoche gilt. Daß sich dieser
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dritte und letzte Zeitabschnitt von einer Woche als sieben Tagen oder Jahren nicht an die
neunundsechzig Wochen ohne Unterbrechung, wie das bei den ersten sieben und
zweiundsechzig Wochen der Fall ist, in der Zeitfolge anschließt, zeigt die folgende
Tatsache:
1. Die Weissagungen der Propheten zeigen, daß der vollendete Frevel und das erfüllte
Sündenmaß erst am Ende des vierten Weltreiches von Gott gerichtet werden (Jes.1,2431; 2,6-21; 3,1-26; 10,12-34; 24,1-23; 26,7-11.16-21; 27,6-13; 28,1-22; 29,1-24; 30,1-5.8-12.27-33;
31,1-9; 32,10-19; 33,1.7-14; 34,1-15; 42,13-15.22-25; 47,11.14-15; 51,12-15.17-23; 63,3-6; 66,15-18;
Hes.38 - 39; Dan.7,24-26; 8,9-14.24-25; 9,26-27; 11,40-45; 12,5-7; Joel 4,1-17; Ob.15-21; Nah.1,1-14;
Hab.1,5-16; 2,13; 3,2-15; Zeph.1,2-18; 3,8-20; Hgg.2,6-7.21-22; Sach.2,1-4; 9,13-16; 12,1-9; 13,7-9;
14,1-7.12-15).
Jesus ist aber als der König seines Volkes am Anfang dieses letzten
Weltreiches getötet worden, und erst im Laufe dieses vierten Weltreiches hat sich die
Gemeinde Gottes entwickelt.
2. Jesus hat wohl durch sein Opfer am Kreuz die Missetat des Volkes Gottes und der
ganzen Welt gesühnt, aber selbst die gläubige Gemeinde Gottes hat diese göttliche
Gerechtigkeit nicht so gesucht, daß dieselbe bis heute schon in der Leibesverwandlung, dem Sieg des Lebens über den Tod offenbar geworden wäre.
3. Gesicht und Prophezeiung konnten sich deshalb auch an den Gläubigen bisher noch
nicht in der vollen Bedeutung des offenbarten göttlichen Willens erfüllen, und die
Versiegelung von 144000 Knechten Gottes mit dem Siegel des lebendigen Gottes
mußte bis am Ende der Gemeindezeit unerfüllt bleiben (Offb.7,2-8).
Das Reich Gottes
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4. Weil das Allerheiligste, an dem sich die Herrlichkeit Gottes, die Leibesverwandlung,
erfüllt,
die 144000 an ihren Stirnen versiegelten Knechte Gottes sind,
die Überwinder der Gemeinde zu Philadelphia (Offb.3,7-13),
die Jungfrauen, die dem Lamme nachfolgen, wohin es geht (Offb.14,4),
das Weib, mit der Gerechtigkeit der Heiligen für die Hochzeit des Lammes bekleidet
(Offb.19,8),
die heilige Stadt,
das neue Jerusalem,
die Hütte Gottes,
das Weib, die Braut des Lammes,
das heilige Jerusalem, (Offb.21,1-3.9-10)
und diese Überwinder erst am Ende der Gemeindezeit ihre Vollendung erlangt
haben, so ist damit bewiesen, daß die letzte Woche, in der diese Überwinder ihre
volle Entwicklung erlangen, als die letzten sieben Jahre sich erst am Ende der
Gemeindezeit anschließt. - Müßte das Wort ‘zur Salbung des Allerheiligsten’ auf
eine einzelne Persönlichkeit bezogen werden, dann wäre das immerhin wieder eine
Einleitung und Vorbedingung
Seite 111
zur Ausgestaltung des Allerheiligsten als des Tempels Gottes, der aus 144000
lebendigen Bausteinen besteht (vgl.Eph.2,19-22; 1.Petr.2,4-7; Offb.11,15; 12,10).
5. Wenn die Stadt und das Heiligtum von dem Volk eines Fürsten verdorben werden,
der kommt, sein Ende aber plötzlich sein wird, so ist auch dieses Zeitereignis von den
Propheten als das Ende des vierten Weltreiches dargestellt.
Das alles sind klare Beweise dafür, daß die letzte (Jahr-) Woche der Drangsal für die
Gemeinde und das Volk Gottes ungeteilt, ohne Unterbrechung, als eine Zeit von sieben
Jahren dem Ende angehört. Man teilt nämlich diese (Jahr-) Woche manchmal und läßt die
erste Hälfte von Jesu Taufe bis zu Jesu Kreuzigung gelten, jedoch zu Unrecht. Das
Aufhören des Schlacht- und Speisopfers inmitten der (Drangsals-) Woche kann nicht als
die Kreuzigung Jesu verstanden werden; denn durch Jesu Aufopferung und
Auferweckung kam das wahre Schlacht- und Speisopfer erst zustande, das aber als der
Besitz der ewigen Gerechtigkeit in der Stellung des Allerheiligsten erst am Ende der
Gemeinde Gottes ganz offenbar wird. Das bestätigt uns auch die Offenbarung des
Johannes, indem die heilige Stadt zweiundvierzig Monate zertreten wird (Offb.11,1-2). Das
sind auch eintausend zweihundert und sechzig Tage, die als Zeugenzeit den zwei
Zeugen dienen (Offb.11,3), und an diese Zeit anschließend wird das Weib, das den Knaben
geboren hat und in die Wüste an einen von Gott bereiteten Ort geflohen ist, dort
eintausend zweihundert und sechzig Tage ernährt (Offb.12,1-6). Das ist auch eine Zeit,
zwei Zeiten und eine halbe Zeit (Offb.12,13-14), es ist die Zeit, in der das Tier, das mit
sieben Häuptern und zehn Hörnern aus dem Meer aufgestiegen ist, zweiundvierzig
Monate lang Macht hat (Offb.13,1-10), während welcher Zeit großer Drangsal die zwei
Zeugen im Anschluß an die Zeit ihres Zeugnisses tot liegen, nämlich weitere drei und
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Das Reich Gottes
einhalb prophetische Tage oder drei und einhalb Jahre (Offb.11,7-11). Aus dem Irrtum, daß
man dem klaren Schriftzeugnis entgegen geneigt ist, die letzte (Jahr-) Woche zu teilen,
und deren erste Hälfte vor Jesu Kreuzigung setzt und nur die letzte Hälfte dem Ende
angehören läßt, erklärt sich das Streben, die vierhundertdreiundachtzig Jahre mit Jesu
Taufe enden zu lassen.
Das prophetische Zeugnis über die Ereignisse, die diese Woche von sieben Jahren
ausfüllen, ist sehr reichhaltig und muß in der späteren Darstellung dieses Zeitabschnittes
der Geschichte des vierten Weltreiches ausführlich behandelt werden. Hier handelt es
sich nur darum, die Zeiteinteilung der siebenzig Jahrwochen zu zeigen.
Wenn in diesem Zusammenhang dem Daniel gesagt wurde:
„Nun will ich dir die Wahrheit verkündigen: ‘Siehe, es werden den Persern noch
drei Könige vorstehen ...“ (Dan.11,2),
und vorher:
„Doch will ich dir kundtun, was im Buche der Wahrheit aufgezeichnet ist“,
(Dan.10,21)
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und der Bote, der zu Daniel kam, der einem Vergleich mit Offb.1,13-16 und Apg.9,3-7
nach nur der Herr selbst gewesen sein kann, um dieser Botschaft willen zu ihm kam, die
er ihm von den Vorgängen im zweiten, dritten und vierten Weltreich bis zum Ende brachte
(Dan.10,14.20), - so wollen wir dieses prophetische Zeugnis gründlich beachten und dem
treuen Gott dafür danken und anerkennen, daß er ein Gott im Himmel ist, der
Geheimnisse offenbart (Dan.2,28).
_______________
Die dritte Weltreichsherrschaft
1. Das einheitliche Weltreich Griechenland-Mazedonien
a) Die Aufrichtung des dritten Weltreichs
Nebst der „Urgeschichte der Völker“ und der Geschichte des Volkes Israel bis zu
seiner Verbannung haben wir bis jetzt auch das Schicksal dieses Volkes in seinem Lauf
durch das erste und zweite Weltreich betrachtet und die Ursache dieses Schicksals zu
verstehen gesucht. Sein Schicksal ist jederzeit innig verflochten mit dem Entstehen und
Vergehen der in der Heiligen Schrift angezeigten, voraus geweissagten Weltreiche, - ja,
deren Entwicklung, deren Entstehen und Vergehen wird genau bestimmt davon, wie der
treue Gott mit seinem widerspenstigen Volk umgehen will und wie er es aus den
Forderungen des Gesetzes, welche Zorn wirken, zur Erkenntnis der
Gnadenrechtfertigung und seiner ewigen Errettung in und durch Christus leiten will.
Mit dem Aufhören des zweiten Weltreichs Medo-Persien ist für das Volk Gottes
wieder eine Gnadenfrist abgelaufen; der treue Gott hätte sie sicher noch sehr verlängert,
wenn das Volk Gottes verständiger und in der Erkenntnis des Gnadenwaltens Gottes
beharrlicher gewesen wäre. Aber der allwissende Gott sah den Ungehorsam seines
Volkes voraus und konnte darum das Entstehen und Vergehen aller Weltreiche von
vornherein auf Jahr und Tag festlegen. Schließlich war ja die Begnadigung des Volkes
Gottes durch die Zurückführung der Juden nach Palästina auch wiederum nur vorbildlich
Das Reich Gottes
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für ein größeres Ereignis am Ende des vierten Weltreichs. Am Ende kommt der treue Gott
mit seinem Volke doch zurecht, denn dann offenbart er die Gnade überfließend und
dämpft der Widersacher Ungehorsam so, daß er wirklich mit seinem Volk zum Ziel kommt
und die Weltherrschaft den Weltreichen abnimmt und seinem Volk übergibt.
Wir betrachten im weiteren die Geschichte des Volkes Gottes im „dritten Weltreich“
bis zur Geburt Jesu Christi im Anfang des vierten Weltreichs und beginnen unsere
Betrachtung mit dem Endgeschick des letzten Perserkönigs.
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Dieser letzte Perserkönig, ein Darius (vgl.1.Makk.1,1), verließ sich nicht mehr auf den
lebendigen Gott, für den seine Vorväter den Tempel in Jerusalem als Anbetungsstätte
und zur Stätte der Fürbitte für das Königshaus hatten errichten lassen, sondern auf seinen
großen Reichtum und seine Macht (Dan.11,2). Das wurde ihm zum Verhängnis. Sind schon
seine Vorgänger gegen Griechenland wenig siegreich gewesen - nur ihrer Übermacht
hatten sie manchen Sieg zu verdanken, - so sollte dieser letzte Perserkönig dem
Mazedonier Alexander dem Großen ganz erliegen. Ein geflüchteter griechischer Feldherr
hatte dem Darius geraten, jeden Kampf zu vermeiden. Darius traute aber seiner Macht
mehr zu, griff den heranziehenden Alexander an und bot alles gegen das griechische
Reich auf, - erlag aber nach einigen Schlachten. Auf der Flucht vor Alexander ermordete
ihn einer seiner eigenen Leute. Alexander regierte von 336-323 n.chr. Nahm er auch vom
ganzen Perserreich erst 331 n.chr. völlig Besitz, so können wir doch die Weltherrschaft
des dritten Weltreichs Griechenland-Mazedonien von 336 n.chr. an gelten lassen. Doch
sollte das Reich dieses gewaltigen Königs, der sich so hohe Ziele gesetzt hatte, nicht
lange bestehen: bereits nach erst zwölfjähriger Herrschaft starb Alexander d. Gr. auf der
Höhe seines Ruhmes (1.Makk.1,8), und sein Reich sollte seiner Bestimmung nach „dem
Würdigsten“ zufallen; aber Gott hatte es anders bestimmt.
b) Daniels Weissagungen vom dritten Weltreich
Nach dem Gesicht des Babelkönigs Nebukadnezar ist das Abbild dieses dritten
Weltreichs der Bauch des Standbildes und seine Lenden von Erz (Dan.2,32). Dieses Reich
sollte über die ganze Erde herrschen (Dan.2,39). Wie es ein Feind des Perserreiches ist,
so ist es auch dem Volke Gottes wieder feindlich gesinnt. Diese Feindschaft offenbart
sich aber noch nicht in Alexander d. Gr., der nach dem Bericht des jüdischen
Geschichtsschreibers Josephus dem Volke Gottes noch nicht feindlich gesinnt war, dafür
aber desto mehr in dem griechischen Königsgeschlecht der Seleuciden, den
Beherrschern des großen syrischen Reichs, dem mächtigsten Reich der Diadochen, den
Nachfolgern Alexanders d. Gr.
Daniel schreibt von diesem dritten Weltreich, wie es über das zweite Weltreich
Medopersien den Sieg erlangt, schließlich aber in vier Reiche zerfällt, mit folgenden
Worten:
„Während ich nun acht gab, siehe da kam ein Ziegenbock von Abend her über die
ganze Erde, ohne den Erdboden zu berühren; der Bock aber hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen. Und er kam auf den Widder los, den ich vor
dem Flusse stehen sah, und lief mit seiner ganzen Kraft wütend gegen ihn an.
Und ich sah, wie hart er neben den Widder kam und sich erbittert auf ihn warf und
Das Reich Gottes
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den Widder schlug und ihm seine beiden Hörner zerbrach; und da der Widder
nicht stark genug war, um vor ihm zu bestehen, warf er ihn zu Boden und zertrat
ihn, und niemand rettete den Widder aus seiner Gewalt. Der Ziegenbock aber
ward sehr groß;
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als er aber am stärksten war, zerbrach sein großes Horn, und es wuchsen an
dessen Statt vier ansehnliche Hörner auf, nach den vier Himmelsgegenden.“
(Dan.8,5-8)
„Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland, und das große Horn
zwischen seinen beiden Augen ist der erste König. Daß er aber zerbrach und an
seiner Stadt vier gekommen sind, bedeutet, daß aus dem Volk vier Königreiche
entstehen werden, jedoch nicht von seiner Stärke.“ (Dan.8,21-22)
„Es wird aber ein tapferer König auftreten und eine große Herrschaft gründen und
tun, was ihm gefällt. Aber wie er aufgekommen ist, so wird auch sein Reich in
Stücke gehen und nach den vier Himmelsgegenden zerteilt werden, doch nicht
unter seine Nachkommen und nicht mit gleicher Macht, wie er sie ausgeübt hat;
denn sein Reich wird zersplittert und anderen zuteil, außer jenen.“ (Dan.11,3-4)
„Darnach sah ich weiter und siehe, ein anderes wie ein Panther, das hatte vier
Flügel wie ein Vogel auf seinem Rücken; auch vier Köpfe hatte dieses Tier, und
ihm ward Macht verliehen.“ (Dan.7,6)
Das als Reichsbild gebrauchte Tier, der Panther, ist ein katzenartiges, reißendes und
schnelles Raubtier; seine Art und seine vier Flügel (vier Heerführer?) deuten auf die
beispiellos schnellen Eroberungen Alexanders des Großen; darauf weist auch der
Umstand hin, daß der von Westen kommende Ziegenbock (Einhorn) die Erde in seinem
schnellen Lauf gar nicht berührt, also gleichsam fliegt. Die vier Köpfe deuten auf den
Zerfall des dritten Weltreiches in vier Reiche, die eine Fortsetzung dieses dritten
Weltreichs bilden. Wäre das dritte Weltreich eine Einheit geblieben, so hätte das
zweifellos viel früher und gründlicher zur Vernichtung des Tempels und des Volkes Gottes
geführt, eine Arbeit, die nachher das einheitliche römische Reich zu der von Gott
bestimmten Zeit und Stunde in den Jahren 70/71 n.chr. gründlich besorgte. Wir müssen
darum im Zerfall des dritten Weltreichs, in den immer wieder stattfindenden Kriegen der
Nachfolgereiche untereinander und in der dabei doch noch mitlaufenden, wenn auch
maßvollen Züchtigung seines Volkes, den ganz bestimmten Willen Gottes sehen.
c) Die Übergangszeit zu anderen Reichsformen
König Alexander d.Gr. hinterließ bei seinem frühen Tode - erst dreiunddreißig Jahre
alt - keinen thronfähigen Nachfolger (Dan.11,4). Sein erstgeborener Sohn war noch
minderjährig, und ein anderer wurde erst nach seinem Tode geboren. Beide wurden in
der Zeit der Diadochenkämpfe (Vernichtungskämpfe unter den Statthaltern) ermordet.
Alexander d.Gr. soll nach der geschichtlichen Überlieferung seinen Siegelring seinem
Feldherrn Perdikkas zum Zeichen des Reichsverweseramtes übertragen haben, und das
Reich kommt von da an unter die Statthalterschaft von
Seite 115
zehn Feldherren. Dem Perdikkas folgte Antipater als Reichsverweser, als Perdikkas im
Kampfe gegen die beiden Statthalter Ptolemäus und Antigonus sein Leben verlor. Doch
erstarkten gegen Antipater auch noch andere Statthalter und machten sich zu Königen.
Das Reich Gottes
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Mit Antipaters Tode hörte darum die Reichsverweserschaft über das große Reich ganz
auf.
2. Die vier Nachfolgereiche der griechisch-mazedonischen
Weltherrschaft
a) Die Reichsbildung
Aus den jahrelangen, schrecklichen Kämpfen der Diadochen, unter denen Griechenland (Hellas) am meisten zu leiden hatte, gingen schließlich nach der klärenden
Schlacht bei Ipsus in Phrygien 301 v.Chr. vier Königreiche hervor, genau so, wie dem
Daniel die Weissagung gegeben worden war.
1. Ägypten als „Südreich“ mit Palästina und Arabia Peträa unter Ptolemäus I. Soter
(=Retter) (323-284 v.Chr.), der in einem für ihn günstigen Krieg gegen den
Reichsverweser Perdikkas 321 v.Chr. zum König von Ägypten erstarkt (Dan.11,5).
2. Syrien, in der Schrift als „Nordreich“ bezeichnet, wird anfangs von Laomedon und
später von Antigonus verwaltet, bis es Seleucus I. Nikator (= Siegherrscher) (321-281
v.Chr.), ein Unterfeldherr Alexanders d.Gr. im siegreichen Krieg gegen Antigonus und
dessen Sohn, die ihn vorher von seiner Statthalterschaft in Babylonien vertrieben
haben, an sich reißt, unterstützt von dem schon sehr erstarkten Ptolemäus, weshalb
er als dessen Fürst bezeichnet werden kann; er gründet ein großes Reich, indem er
sich 312 v.Chr. *)
*(Weil der Jahresanfang der Zeitrechnung der Seleukiden (nach 1.Makk.1,11 „des griechischen
Reichs“) weder auf den 1. Januar (röm. Zeitr.) noch auf den 1. Nisan (April) (jüd. Zeitr.), sondern auf
einen Tag im Spätsommer oder Herbst entfällt, darum verschieben sich die Jahresanfänge etwas und
darum sind in den verschiedenen Geschichtswerken kleine Abweichungen in den Jahresangaben.
Man lese dazu in Dr.Menges Apokryphen die Fußnote von 1.Makk.1,10.)
ganz Syrien und Babylonien bis an den Indus unterwirft und, stärker geworden als
Ptolemäus, zum gefährlichsten Gegner Ägyptens wird (Dan.11,5).
3. Mazedonien und Griechenland unter Kassander, der nach Antipaters, d.i. seines
Vaters Tode die Herrschaft
Polysperchon aus den Händen winden muß. Ihm folgt nach wechselvollen Kämpfen
ein Enkel des Antigonus,
Antigonus Gonatus, dessen Geschlecht sich fortan lange in Mazedonien zu
behaupten vermag.
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4. Thrazien und Bithynien unter Lysimachus, das aber nur kurzen Bestand hat. Im Jahre
281 n.chr. reißt
Seleucus I. Nikator, der König von Syrien, auch dieses Reich noch an sich und tötet
Lysimachus im Kriege.
Es verbleiben also zunächst neben einigen anderen unbedeutenden Königreichen
und Republiken drei mächtige Reiche:
1. Ägypten unter dem Geschlecht der Ptolemäer,
2. Syrien als Großmacht unter dem Geschlecht der Seleukiden,
3. Mazedonien unter dem Geschlecht der Antigoniden.
Hundert Jahre später steht das schon eine Zeitlang im Kleinen bestehende
4. Römische Reich auf, das in der Folgezeit alle Nachfolgereiche des griechischen
Weltreichs verschlingt (vgl. Dan.8,9; 7,19-21).
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Das Reich Gottes
Die beiden Reiche Mazedonien-Griechenland und Thrazien-Bithynien sind für das
Geschick des Volkes Gottes weniger von Bedeutung, darum übergeht die Heilige Schrift
sie mit Stillschweigen, während die Auseinandersetzungen zwischen den Reichen
Ägypten und Syrien sehr ausführlich geweissagt sind. Es ist aber gewiß nicht ohne
Bedeutung, daß die Heilige Schrift wohl das Reich des Königs des „Südens“ mit Namen
(Ägypten) nennt, aber dem Reich des Königs des „Nordens“ (Syrien) keine besondere
Bezeichnung gibt (Dan.11,42).
b) Ägyptens Vorherrschaft in Palästina
Kaum ist Ptolemäus I. (321 v.Chr.) zur Herrschaft über Ägypten gelangt, da zieht er
320 n.chr. schon nach Palästina, erobert das Heilige Land, schleift die Festungsmauern
Jerusalems und führt viele Juden in die ägyptische Gefangenschaft, besonders nach
Alexandrien, wo er ihr Bleiben begünstigt. Doch im Jahr 315 v.Chr. wird Antigonus Herr
von Kleinasien und entreißt Ptolemäus I. Palästina, Syrien und Phönizien. Aber Ptolemäus
I. holte sich 312 v.Chr. diese Länder wieder zurück, doch nur, um sie 311 schon wieder
an Seleucus I. zu verlieren, der dem Antigonus 312 v.Chr. die Herrschaft über Syrien und
Kleinasien entrissen hatte. Aber in der gewaltigen Schlacht bei Ipsus in Phrygien (301
v.Chr.), in welcher der greise Antigonus den Tod findet, und aus der die oben
bezeichneten vier Großmächte als selbständige Reiche hervorgehen, gewinnt Ptolemäus
I. das Heilige Land wieder zurück, und es bleibt nun etwa hundert Jahre unter der
verhältnismäßig milden Herrschaft der Ptolemäer.
Im Jahre 252 v.Chr., das ist nach einem halben Jahrhundert nach der Schlacht bei
Ipsus, aus der die vier Königreiche hervorgegangen waren, verbündete der König des
Südens, d.i. Ägyptens, Ptolemäus II. Philadelphus (= Schwesterliebhaber) er hatte seine
Schwester Arsinoe zur Gemahlin) (285-247 v.Chr.) sich mit dem nördlichen König, d.i.
Syriens, Antiochus II. Theos (er ließ sich „Gott“ nennen)
Seite 117
(261-246 v.Chr.), – und die Tochter Ptolemäus II. kommt daraufhin als Gattin zum
Syrerkönig Antiochus II., um ein Bündnis, einen Machtausgleich und einen Ausgleich der
Streitigkeiten zu schaffen. Aber dieses Hilfsmittel hatte zum vorgesehenen Zweck keine
Kraft, auch die anderen Hilfsmittel bestanden nicht, die zwischen Syrien und Ägypten
eine Reichseinheit schaffen sollten. Vielmehr wurde die von Ägypten stammende
syrische Königin samt ihrem Vater Ptolemäus II. und ihrem Gemahl Antiochus II., nach
mancherlei Wirren dem Tode überliefert (Dan.11,6).
Es stand aber ihr Bruder Ptolemäus III. Euergetes (= Wohltäter) (247-222 v.Chr.) auf,
um den Tod seiner Angehörigen zu rächen, und er erreichte im Jahr 245 v.Chr. im
syrischen Lande einen großen Sieg gegen Seleucus II. Kallinikus („der ruhmvoll Siegende“!) (246-226 v.Chr.) (Dan.11,7-8).
Unter Ptolemäus II. wurde auf seinen Befehl, vielleicht um 270 v.Chr., der Pentateuch, das sind die fünf Bücher Mose, und später das ganze Alte Testament zur großen
Freude aller in der Diaspora („Zerstreuung“, Gefangenschaft) lebenden, meist griechisch
sprechenden Juden aus dem hebräischen Grundtext ins Griechische übertragen. So
Das Reich Gottes
- 106 -
entstand die „Septuaginta“, d.i. das Buch der „Siebzig“; denn siebzig oder
zweiundsiebzig schriftkundige Israeliten waren vom ägyptischen König aus Jerusalem
angefordert und sind mit dieser Übersetzung gleichzeitig betraut worden. - Durch den
Sieg Alexanders d.Gr. war die griechische Sprache die Sprache der Vornehmen aller
Länder und schließlich auch Weltsprache geworden -, und in Alexandrien bestand eine
sehr ansehnliche jüdische Gemeinde, die größte und wichtigste in der Diaspora. Schon
Alexander d.Gr. hatte die Juden durch Vergünstigungen in die von ihm gegründete Stadt
gezogen, also von Judäa und Jerusalem hinweg, und sein Nachfolger, König Ptolemäus
I., der Vater dessen, der die Übersetzung des Pentateuchs befahl, hatte diese Kolonie
sehr erweitert. Nach seinem großen Sieg über den Syrerkönig stand der Sieger Ptolemäus III.
jahrelang vom Syrer ab und unterhielt während dieser Zeit, d.i. etwa zwanzig Jahre lang,
Besatzungen auf den in Syrien angelegten Festungen. Seleucus II. zieht wohl von Syrien
aus nach Ägypten, um Vergeltung zu üben, kehrt aber unverrichteter Sache wieder in
sein Land um, weil er sich eine große Niederlage holt (Dan.11,7-9).
c) Syrien erobert das Heilige Land
Die beiden Söhne von Seleucus II., zuerst Seleucus III. Keraunos (= der Blitz) (226223 v.Chr.) und später der jüngere Antiochus III. der Große (223-187 v.Chr.), begannen
den Krieg wieder und brachten sehr große Heere zusammen. Mit dieser Heeresmacht
drängte Antiochus III. den Ägypterkönig Ptolemäus IV. Philopator
Seite 118
oder Tryphon (Philopator = Sohn eines edlen Vaters, oder der Vaterliebende; Tryphon =
Schlemmer, Schwelger) (222-205 v.Chr.) wie durch eine überschwemmende Flut bis an
die Festungen zurück, die in den syrischen Ländern angelegt worden waren. Darob
erbittert, ermannte sich Ptolemäus IV. und zog 217 v.Chr. gegen Antiochus III., der auch
ein großes Heer aufstellte, das jedoch in der Schlacht bei Raphios in des Ägypters Hände
fiel und vernichtet wurde (Dan.11,10-11). Wegen dieses Sieges überhob sich Ptolemäus IV.
und schlug Zehntausende nieder. Doch blieb er nicht mächtig, denn der Syrerkönig stellte
ein noch größeres Heer als das vorige auf. Nach dreizehn Jahren (204 v.Chr.), in welcher
Zeit er durch einen Zug gegen Osten seine Macht in Persien befestigt hatte, bis nach
Indien vorgedrungen war und reiche Schätze erbeutet hatte, wandte er sich im Bündnis
mit dem König Philipp V. von Mazedonien an der Spitze eines großen und wohlgerüsteten
Heeres nach Ägypten gegen Ptolemäus V. Epiphanes (= der Erleuchtete oder Erlauchte,
Edle, Berühmte) (205-181 v.Chr.), der die Königswürde im Alter von fünf Jahren erlangt
hatte. Weil er noch minderjährig war, mußte die Herrschaft über Ägypten durch einen
Vormund ausgeübt werden (Dan.11,12-13).
Zu jener Zeit erhoben sich viele gegen die ägyptische Vorherrschaft. Die auswärtigen
Besitzungen rissen Antiochus III. von Syrien und Philipp V. von Mazedonien an sich. Es
standen auch gewalttätige Juden in Palästina dagegen auf, die sich mit dem syrischen
König Antiochus III. d.Gr. verbündeten, um die Freiheit zu erlangen und die geweissagte
Reichsgottesherrschaft herbeizuführen, wohl vor allem im Blick auf Jesaja Kapitel 19 und
Das Reich Gottes
- 107 -
Hesekiel Kapitel 29. Sie müssen aber gerade durch den verbündeten Syrerkönig fallen;
denn Antiochus III. belagert eine Festungsstadt oder einige solcher und wirft einen Wall
gegen sie auf. (Schlacht am Berge Panion an den Jordanquellen 198 v.Chr.) Und das
ägyptische Heer hält nicht stand, - auch die auserlesenste Mannschaft findet keine Kraft
zum Widerstand).*
*(In Dan.11,15 ist nicht gesagt, daß der ägyptische König nicht standhalten wird, sondern nur, daß das
südliche Heer und auch die beste Mannschaft seines Volkes nicht standhalten wird. So genau sah die
Weissagung voraus, daß der König, weil minderjährig, nicht mit im Kampfe steht! Aus dem gleichen Grunde
ist in V. 18 nicht vom König, sondern von einem „Feldherrn“ die Rede.
Darum tut Antiochus d.Gr., was ihm beliebt, denn es vermag ihm niemand zu
widerstehen. Er unterwirft sich 203 v.Chr. die Länder Cölesyrien und Phönizien und nimmt
Stellung im herrlichen Land (Palästina), das sich mit ihm gegen die ägyptische
Vorherrschaft verbündet hatte, und dort geht Verderben von ihm aus (Dan.11,14-16).
d) Rom zerstört die Absicht Antiochus d. Gr. auf Ägypten
Antiochus d.Gr. richtete aber sein Augenmerk darauf, in den Besitz des ganzen
Königreichs Ägypten zu kommen.
Um sich nun den Anschein zu geben, als meine er es aufrichtig, gab er dem minderjährigen Ptolemäus V. seine Tochter Kleopatra zur Gemahlin,
Seite 119
aber nur dazu, um durch sie die ägyptischen Pläne zu erfahren. Doch sollten ihm seine
Anschläge nicht gelingen. Kleopatra weigerte sich, auf seine Wünsche einzugehen, hielt
sich zu ihrem Mann und wurde Ägypterin. Ein ägyptischer Feldherr eroberte 199/198
v.Chr. die verlorenen Länder zurück, und Antiochus III. sah sich genötigt, sie seinerseits
wieder zurückzuerobern. Bei der Verfolgung der Ägypter machte der Syrerkönig dann
aber an Ägyptens Grenze halt, weil er einen Römerangriff fürchten mußte, denn die
mächtig gewordenen Römer hatten die Vormundschaft über Ptolemäus V. übernommen.
Obwohl des Syrerkönigs Verbündeter, der König Philipp V. von Mazedonien, von den
Römern 197 v.Chr. vernichtend geschlagen worden war, Griechenland freigeben und sich
einen gleich niederdrückenden Frieden aufzwingen lassen mußte, wie das zuvor von ihm
im Stich gelassene Karthago (201 v.Chr.), so ließ Antiochus III. sich doch nicht
zurückhalten, nach seiner Umkehr von Ägypten die von Ägypten abhängigen
Küstenstädte und Inselstaaten im Nordwesten Kleinasiens und die Küstenstädte in Karien
und Cilicien zu erobern und sich in Thracien festzusetzen. Über die dabei gemachten
Einwendungen Roms höhnte er nur, ja, er wagte, die Römer 192 v.Chr. sogar
anzugreifen. Aber mächtig und kühn geworden durch die Bezwingung Karthagos
(Hannibals) und Philipps V. von Mazedonien, machten die Römer unter ihrem berühmten
Feldherrn Scipio dem Schmähen des Königs Antiochus III. der Großen im Jahre 190
v.Chr. in der Schlacht von Magnesia gründlich ein Ende; Scipio gab ihm genug, so daß
ihm das Höhnen verging. Rom legte dem besiegten Syrerkönig einen „Karthago“-Frieden
auf mit einem langjährigen, sehr schweren Tribut, beraubte ihn vieler Länder, nahm ihm
die Flotte ab, verbot ihm die Führung einer Kriegsflotte und die Führung der wirksamsten
Kriegswaffen (z.B. der Kriegselefanten), schränkte seinen Heeresbestand gewaltig ein
und gestattete ihm fortan nur unter Roms Einwilligung Krieg zu führen (1.Makk. 8,5-7). Mit
Das Reich Gottes
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diesem Sieg über die Großmacht Syrien übten die Römer ihren Machteinfluß schon über
die ganze Welt aus. - Dann wandte Antiochus III. sich seinen Landesfestungen zu,
offenbar um sie gegen einen Angriff noch mehr zu befestigen und sie auszubauen. Als er
sich aber das nötige Geld hierzu beschaffen will, wird er in Elymais südlich vom
Kaspischen Meer, beim Plündern eines Götzentempels im Jahr 187 v.Chr. samt seinem
Gefolge vom erzürnten Volk erschlagen (Dan.11,17-19; 2.Makk.1,13-16).
e) Drangsale in Judäa
An seiner Statt trat im gleichen Jahr sein Sohn Seleucus IV. Philopater (d.h. „Sohn
eines edlen, bzw. großen Vaters“) (187-176 v.Chr.) auf, der seinen Kämmerer Heliodorus
als Erpresser durch das herrliche Land ziehen ließ, damit dieser den Tempel in Jerusalem
brandschatze; er wollte auf diese Weise den Tribut für die Römer aufbringen, der noch
von seinem Vater her auf ihm lastete. Doch soll der Tempelschatz wie durch ein Wunder
vor dem Zugriff des Räubers bewahrt worden sein (2.Makk. Kap.3). Seleucus IV. wurde
kurze Zeit
Seite 120
darauf im Jahre 176 v.Chr. von diesem seinem Kämmerer umgebracht, also weder in
einem Volksaufstand wie sein Vater Antiochus III. noch durch Krieg (Dan.11,20).
3. Antiochus IV. Epiphanes, ein Vorbild des
kommenden letzten Königs des vierten Weltreichs
a) Sein Aufkommen und seine Bedeutung
Mit Dan.11,21 beginnt die Geschichte des Syrerkönigs Antiochus IV. Epiphanes (d.h.
der Erleuchtete oder der Edle) (176-163 v.Chr.), die aber wiederum ein Vorbild für die
Geschichte des kommenden letzten Weltherrschers, der letzten Form des wiedererstehenden geeinten römischen Reiches ist. Schon der spätere römische Kaiser
Julianus Apostata (d.h. der Abtrünnige vom Christentum) (363-361 n.Chr.) erwählte sich
Antiochus IV. Epiphanes, den er sehr verehrte, zum Vorbild, und der römische
Geschichtsschreiber Livius spendet ihm großes Lob. Darum ist die Geschichte dieses
Syrerkönigs vom Propheten Daniel ausführlicher geschildert, und in Dan.11,21-45 ist vom
Lande Palästina in dem Sinne, als wenn es als Reich Juda noch bestünde, keine Rede
mehr. Wenn in Vers 20 noch die Zierde des Reiches als das Land Juda genannt ist, so
heißt das Volk Gottes Vers 28 und 30 nur noch „der heilige Bund“.
Der Mörder des Seleucus IV., der Kämmerer Heliodorus, hatte sich selbst zum König
über Syrien aufgeschwungen. Aber der Bruder des Seleucus IV., das ist Antiochus IV.
Epiphanes, kehrte von Rom zurück, kam unversehens und bemächtigte sich 176 n.chr.
der Herrschaft durch Verstellung, das ist durch Schmeicheleien, bei den Fürsten Syriens
und Kleinasiens, ohne seine wahren Eroberungsabsichten aufzudecken. Nicht ihm,
sondern seinem Neffen Demetrius, dem Sohn des ermordeten Seleucus IV., war die
Herrschaft zugedacht. Ein „Verachteter“ ist Antiochus Epiphanes in der Schrift genannt,
weil er sich wohl in seiner Umgebung nicht einem König geziemend benommen hat;
darum nannten ihn die Geschichtsschreiber des Altertums zuweilen auch „Epimanes“,
d.i. den „Gemeinen“ (Dan.11,21). Oder wollte Gott durch sein Wort seine Verachtung über
Das Reich Gottes
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einen König kundtun, der sich über ihn erhob und seine Anbetungsstätte verwüstete?
Wenn Gott aber, der da Gewalt hat über das Königtum der Menschen, ihm die
Königsherrschaft nicht zugedacht hatte, obwohl er sich diese anmaßte, – soll das ein
Hinweis darauf sein, daß er sie ihm wieder nimmt und am Ende der Weltreiche den
darüber setzt, der ihm gefällt, das ist den niedrigsten der Menschen (vgl. Dan.4,14; 5,20-21)?
Gottes Urteil lautet eben anders, auch wenn die Welt einen König den „Erleuchteten“
und „Edlen“ nennt. - Vielleicht darf aber das Wort „ein Verachteter“ auch als „ein
(Gottes-) Verächter“ gelesen werden. Dann entspricht das Wort dem folgenden Schrifttext
noch besser.
Nach Dan.8,8-9 und Vers 21-25, wo berichtet ist, daß aus einem der vier Hörner des
dritten Weltreichs ein kleines Horn hervorbricht, das
Seite 121
erstaunliches Verderben anrichtet, ist man versucht, unter diesem frechen und hinterlistigen König nur Antiochus IV. Epiphanes zu sehen. Nun sagt aber der Engel Gabriel
zweimal ausdrücklich, daß die Offenbarung auf die Zeit des Endes geht (Dan.8,17.19).
Darum ist dieses emporkommende kleine Horn gleichzeitig jenes Horn aus den zehn
Hörnern des vierten Tieres (= Weltreichs), vor welchem drei Hörner ausgerissen werden
(Dan.7,7-8.19-27).
Die Stelle Dan.8,8-9 hat aber auch ihre Berechtigung, geradeso zu
lauten, wie sie dasteht; sie weist auf Vorbilder hin, die das Endgeschehen leichter
verstehen lassen, und leitet gleichzeitig in die damals aufkommende römische Weltherrschaft über.
Wir müssen beachten:
1. Antiochus IV. Epiphanes ist ein Vorbild für den König aus dem letztrömischen Reich,
wie auch das neuerstehende Königreich der Hasmonäer, d.i. der Makkabäer, ein ganz
schwaches Vorbild für die Befreiung des Volkes Gottes ist.
2. Aus der auf Seite 98-99 gegebenen zweifachen Aufstellung der vier Königreiche als
Nachfolgereiche des dritten Weltreichs ersehen wir, daß schon nach wenig
Jahrzehnten nur noch drei Königreiche bestehen, und daß nach einiger Zeit das
Römische Reich als viertes Reich hinzutritt, das in der Folgezeit die übrigen drei
Reiche in sich aufsaugt. Aber auch diese erste Form des römischen Weltreichs,
durch die das Reich Juda seine Selbständigkeit wieder verliert und der Tempel
zerstört wird, ist nur ein Vorbild für die am Ende des römischen Reiches wieder in
Erscheinung tretende letzte Form dieses wieder geeinten Reiches.
b) Seine List und seine Absichten
Antiochus Epiphanes ist nach Kautzsch und Menge ein „gottloser Sproß“ und nach
Luther eine „böse schädliche Wurzel“ genannt (1.Makk.1,11). Er ist von Gott zum Gericht
über sein ungehorsames Volk zugelassen und kommt hoch, aber weniger durch
Heereskraft, als vielmehr durch Betrug und List. Nach Persien, Armenien und Elymais
(Elam) macht er Erpressungskriegszüge, und er trachtet darnach, Ägypten und das Land
Palästina zu erobern, das wieder unter ägyptische Oberhoheit gekommen war (1.Makk.1,1742; 3,31.37; 6,1-3). Antiochus Epiphanes brandschatzt schließlich wiederholt den Tempel in
- 110 -
Das Reich Gottes
Jerusalem und die Stadt selbst, und in die Königsburg der Stadt legte er im Jahr 168
v.Chr. eine feste Besatzung.
c) Des Volkes Gottes Niedergang
Der Hohepriester Onias III. wurde 175 v.Chr. mit Unterstützung dieses Syrerkönigs
von Jason, dem Bruder des Onias, verdrängt, um griechische Sitten und Kampfspiele
einzuführen; dieser aber wurde wiederum 172 v.Chr. von Antiochus Epiphanes durch
Menelaus ersetzt, der wohl noch ein Priester aus Aarons Geschlecht, aber nicht aus der
alten hohepriesterlichen Geschlechtslinie hervorgegangen war. Er vernachlässigte
Seite 122
sein Amt als Hoherpriester ganz und gar, bedrückte seine Landsleute sehr und führte den
Götzendienst ein (1.Makk.1,12-16; 2.Makk.4,7-50; 13,3-8).
d) Des Antiochus Epiphanes Wirken in Ägypten
Die großen ägyptischen Streitkräfte, die der Sohn des schon mit achtundzwanzig
Jahren verstorbenen Ptolemäus V., das ist Ptolemäus VI. Philometor (*
*(d.h. Mutterliebhaber. Aus Regierungsabsichten ließ sich wohl die Witwe Ptolemäus V. mit ihrem
fünfjährigen Sohn Ptolemäus VI. verehelichen, um sich und ihm gegen den Bruder ihres Gatten die
Herrschaft über Ägypten zu behaupten.)
(181-146 v.Chr.), im Jahre 171 v.Chr. gegen Antiochus Epiphanes aufbot, wurden vor
dem Syrerkönig hinweggeschwemmt und zerbrochen, weil er den Ägyptern zuvorkam.
Dazu verlor Ptolemäus VI., der sich mit diesem seinem Feinde hernach verbündete, seine
Selbständigkeit. Denn trotzdem der Syrerkönig sich mit dem Ägypterkönig verbündet
hatte, übte Antiochus Epiphanes Betrug und eroberte durch Verstellung, List, Wohlwollen
und Geschenke mit geringem Kriegsvolk das ägyptische Reich, in das er hinaufgezogen
war. So fiel er mitten im Frieden in die fruchtbarsten Gegenden ein und verschleuderte,
d.h. verschenkte Beute, Raub und Reichtum als Bestechung, was weder seine Väter
noch seine Voreltern zu tun vermocht hatten; gegen die Festungsstadt Alexandrien, die
Alexander d. Gr. als Landeshauptstadt erbaut hatte, und gegen andere Festungen
schmiedete er eine Zeitlang Eroberungspläne, ohne jedoch Alexandrien zu gewinnen, so
daß er die Belagerung schließlich aufgab (Dan.11,22-24).
Im Frühjahr des anderen Jahres bot Antiochus Epiphanes wiederum seine ganze
Kraft und seinen Mut gegen den ägyptischen König Ptolemäus VII. Eupator (d.h. Sohn
eines edlen Vaters) (173-163 v.Chr.) auf )*,
*(Im Jahre 173 v.Chr. starb Kleopatra, die Mutter der beiden Ptolemäer. Da dürfte der jüngere der beiden,
Ptolemäus VII., seine Mitherrschaft beansprucht haben. In mancher Zählung ist Ptolemäus VII. Ptolemäus
IX. Physkon (d.h. Schmerbauch oder Scheusal) genannt. Letzterer ist aber augenscheinlich der Bruder von
Ptolemäus V., der schon seit 171 v.Chr. mit Ptolemäus VII. zeitweise regiert hatte, wahrscheinlich an Stelle
Ptolemäus VI. – Ptolemäus IX. Physkon ist nachher als Ptolemäus VIII. Euregetes II. (146-117) nochmals
auf dem Thron, und zwar nach Ptolemäus VII. Eupator, Sohn Philometors.)
das ist gegen den Mitregenten seines älteren Bruders Ptolemäus VI. Der zum Widerstand
gereizte Ptolemäus VII. rüstete sich gleichfalls mit großer und sehr starker Heeresmacht
zum Kriege, hielt aber nicht stand, weil man in seinem eigenen Lager gegen ihn
Anschläge gemacht hatte. Die Vornehmsten des Hofstaates, die an seiner Tafel aßen,
führten scheinbar durch Bestechung von seiten Antiochus Epiphanes, seinen Untergang
herbei, sein großes Heer zerstreute sich, und es fielen viele (Dan.11,25-26; 1.Makk.1,16-19).
Das Reich Gottes
- 111 -
Sie beide aber, nämlich die miteinander verwandten Könige Antiochus Epiphanes und
Ptolemäus VI., der eine Zeitlang vor seinem Bruder weichen mußte, weil ihn die Ägypter
für einen Freund des Syrerkönigs hielten und 171 v.Chr. verjagt hatten, saßen an der
gleichen Tafel und redeten Lügen. Antiochus Epiphanes spielte sich als Schützling seines
Neffen auf und täuschte ihm vor, daß er
Seite 123
ihm, als dem rechtmäßigen König, gegen seinen jüngeren Bruder Ptolemäus VII. wieder
zu seinem Land verhelfen wolle; jedoch Ptolemäus VI. glaubte das nicht und suchte
seinerseits wieder Antiochus Epiphanes zu täuschen und sich selbständig zu machen und
sich mit den Römern gegen Antiochus zu verbinden, was ihm nicht gleich, aber später
doch gelang. Denn das Ende dieser Kämpfe um Ägypten kam vorläufig noch nicht,
offenbar darum, damit der Syrerkönig nicht imstande war, sein ganzes Augenmerk der
Vernichtung Jerusalems zuzuwenden (Dan.11,27).
e) Neue Drangsal in Judäa
Antiochus Epiphanes kehrte aber 170/169 v.Chr. auf eine Nachricht von der Überrumpelung Jerusalems durch den vertriebenen Hohenpriester Jason mit großem
Reichtum wieder in sein Land zurück, gab die Belagerung Alexandriens kurz vor dem
sicher zu erwartenden Fall auf und richtete sein Herz, das ist sein Sinnen, gegen den
heiligen Bund (2.Makk.4 - 5, bsd. 5,11; 1.Makk.1,21). Dieses Bundes halber, den Gott mit
seinem Volk geschlossen hatte, waren die Israeliten bei den übrigen Nationen begreiflicherweise sehr verhaßt, denn damit war ihnen auch die Herrschaft über alle Völker
zugesagt worden (Ps.2,1-3; 1.Mos.15,18-21; 22,17; 24,60; 5.Mos.29,11; 30,20; 32,8). - Antiochus
Epiphanes führte sein Vorhaben aus, d.h. er nahm Jerusalem ein, drang in den Tempel,
beraubte ihn seiner Geräte und Schätze (1.Makk.1,21-29; 2.Makk.5,11 ff) und ließ in Jerusalem
und im Lande den Hauptmann und Obersteuereinnehmer Apollonius und die bösen
Buben Philippus und Andronikus zurück, die das Volk, die Stadt und das Heiligtum weiter
verdarben (2.Makk.5,22 ff; vgl. 1.Makk.1,29-30 mit 2.Makk.5,24-25). Und Antiochus Epiphanes zog
heim in sein Land (Dan.11,28; 2.Makk.5,21).
f) Rom macht dem Syrerkönig Ägypten streitig
Im Frühjahr des Jahres 168 v.Chr., das ist etwa nach anderthalb Jahren, einer von
Gott in bezug auf die Drangsale in Judäa ganz genau bestimmten Zeit, kehrte Antiochus
Epiphanes nach dem Süden, das ist nach Ägypten zurück, weil hinter seinem Rücken die
beiden Brüder Ptolemäus VI. Philometor und Ptolemäus VII. sich unter dem Schutze
Roms zu gemeinsamer Herrschaft geeinigt hatten und ihm Ägypten streitig machten;
aber dieser Feldzug sollte ihm nicht gelingen. Denn das mächtig emporstrebende Rom
sandte mittels der soeben eroberten mazedonischen Flotte den Gesandten Popilius wider
ihn, mit dem Antiochus noch von seinem römischen Aufenthalt her befreundet war. In
einem weiteren römisch-mazedonischen Krieg (171-168 v.Chr.) war nämlich der
Nachfolger Philipps V., das ist König Perseus von Mazedonien, abermals geschlagen,
sein Land erobert und zur römischen Provinz gemacht worden. Der Gesandte Popilius
von Rom zwang Antiochus Epiphanes, seine großen Pläne augenblicklich aufzugeben,
Das Reich Gottes
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Ägypten gänzlich zu räumen und die gemachten Eroberungen an Ägypten
zurückzugeben; daraufhin kehrte er entmutigt um, aber nur, um seinen grimmigen Zorn
am heiligen
Seite 124
Bund auszulassen (Dan.11,29-30). Denn hätte er 170/169 v.Chr. Ägypten nicht um der
palästinensischen Unruhen willen verlassen, dann wäre ihm damals schon Alexandrien in
die Hände gefallen, und er wäre damals schon unbestrittener Herrscher in Ägypten
gewesen.
g) Die große Schmach des Volkes Gottes
Antiochus IV. Epiphanes gab seinem berüchtigten Hauptmann und Obersteuereinnehmer Apollonius, der noch grausamer war als er selbst, ein Heer von zweiundzwanzigtausend Mann, damit er die Stadt Jerusalem hierdurch verderbe (1.Makk.1,30 ff;
2.Makk.5,24 ff), und suchte die vom heiligen Bund Abtrünnigen an sich zu ziehen, die die
griechische Götterverehrung einführen wollten (Dan.11,30-31; 1.Makk.1,12 ff). Die in
Jerusalem zurückgelassenen Truppen entweihten die Burg und das Heiligtum, sie hoben
168 v.Chr. das beständig dargebrachte Morgen- und Abendopfer zweitausenddreihundertmal, das ist an elfhundertfünfzig Tagen auf (ganz vorbildlich für das Ende)
(Dan.8,14), und errichteten den Greuel der Verwüstung im Tempel, nämlich ein Götzenbild
zur Verehrung der griechischen Zeusgottheit, das ist der römischen Jupitergottheit,
opferten Schweine im Tempel und wollten die Juden zum Schweinefleischessen zwingen
(1.Makk.1,29-59 ff; 2.Makk. Kap.6 und 7). So erhob sich der Syrerkönig über jeglichen Gott,
auch über den Gott aller Götter, den Schöpfer Himmels und der Erde (vgl.Dan.11,36).
Diese Macht wurde dem Syrerkönig Antiochus Epiphanes von Gott verliehen, weil die
Juden vom lebendigen Gott abtrünnig geworden waren (1.Makk.1,12-16). Auf das Gesetz
des Antiochus Epiphanes, nach welchem alle Völker einerlei Gottesdienst, nämlich die
griechischrömische Götterverehrung, haben sollten, war der Abfall der Israeliten von Gott
noch viel größer geworden, und viele Juden hatten sich durch den Götzendienst mit den
Heiden verbunden (1.Makk.1,43-56); denn der Syrerkönig setzte für die Verehrung des
griechischrömischen Bergfestungs- und Kriegsgottes ZeusJupiter hohe Belohnungen,
große Ehren und die Verleihung von Ländereien aus (vgl.Dan.11,38-39; Jes.14,13-14). Er
strafte oder verurteilte die Priesterschaft wegen des beständig dargebrachten Opfers, ließ
die Gesetzesbücher zerreißen und verbrennen und die Juden und die Proselyten, die sie
lasen und bei denen man sie fand, töten (1.Makk.1,57-60). Dann verleitete er die
Bundbrüchigen (vgl.1.Makk.1,43.55) durch Schmeicheleien und Belohnungen zum
gänzlichen Abfall und zum Widerstand gegen die Gottesfürchtigen. - Sobald aber
Antiochus Epiphanes sein Maß der Überhebung über Gott und sein Volk und sein
Heiligtum vollgemacht hatte, schlug auch seine Gerichtsstunde.
h) Der Untergang des Syrerkönigs
Antiochus Epiphanes versuchte in der persischen Landschaft Elymais (Elam) den
Tempel der Liebesgöttin Myletta zu Persepolis zu plündern, denn den Lieblingsgott der
Frauen achtete er nicht (vgl.Dan.11,37); Antiochus Epiphanes
- 113 -
Das Reich Gottes
Seite 125
wurde aber von dort verjagt und wollte heimkehren. Zu Ekbatana (Achmetha) in der
Landschaft Medien erfuhr er aber, daß seine Heere in Palästina, dazu auch sein erster
Feldherr Lysias, von den Makkabäern gänzlich geschlagen und vertrieben worden waren;
da wandte er sich mit großem Zorn nach Palästina zur gänzlichen Vernichtung der Juden.
Aber er fiel unterwegs vom Kriegswagen, und dazu befiehl ihn die Wurmkrankheit, also
daß er bei lebendigem Leibe verfaulte und von Würmern gefressen wurde; so starb er
durch die Hand Gottes unter großen Schmerzen (1.Makk.6,1-16; 2.Makk.9,1-29) und brach
ohne Menschenhand zusammen (vgl.Dan.8,25).
i) Die vorbildlichen Drangsalstage
Die Zeit der Bedrängung der heiligen Stadt und der Verwüstung des Heiligtums
verteilte sich (nach Dächsels Bibelwerk) damals folgendermaßen:
1. Von der gewaltsamen Einstellung des täglichen Opfers bis zur
Götzenbildaufstellung im Tempel (1.Makk.1,46-57), d.i. von Ende
Oktober bis Mitte Dezemer 168 v.Chr.
2. Von der Götzenbildaufstellung bis zum ersten Götzenopfer am
25. Chislev (= Dezember) (1.Makk.1,62)
3. Vom
ersten
Götzenopfer
bis
zur
Reinigung
nach
drei
Jahren
oder
am
25.
Chislev
45 Tage
des
165
10 Tage
Tempels
v.Chr.
(1.Makk.4,52 ff; 2.Makk.10,5)
1095 Tage
Zusammen
1150 Tage
oder 2300 Abend- und Morgenopferausfall nach
Dan.8,14, aber nur als Vorbild!
4. Von der Tempelreinigung und Tempfelweihe bis zum
Tode des Antiochus Epiphanes um Mitte Mai 164 n.chr.
(1.Makk.6,16)
Zusammen nach Dan.12,11
5. Bis zum Eintreffen der Todesnachricht in Judäa
6. Zusammen nach Dan.12,12
140 Tage
1290 Tage
45 Tage
1335 Tage
Wenn wir sehen, wie genau die geweissagten Drangsalstage und ihre sichere
Beendigung sich schon zur Zeit der vorbildlichen Drangsal, das ist zur Zeit des Syrerkönigs Antiochus Epiphanes, erfüllen mußten, mit welcher Sicherheit dürfen die Gläubigen
da auf die Erfüllung derselben Weissagung am Ende unserer Zeit rechnen!
Daniels Weissagungen in Kapitel 11, Vers 36 bis 45 beziehen sich fast ausschließlich
auf den letzten König des zuletzt wieder sich erhebenden römischen Tierreichs. Mögen
auch manche Ausführungen in diesen Versen noch auf Antiochus Epiphanes zutreffen,
so muß doch beachtet werden, daß er entgegen von Vers 40 ff nach der Aufstellung des
Greuels der Verwüstung nicht mehr nach Ägypten kam. –
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Dem Propheten Daniel wird auch die Zeitspanne geoffenbart, nach welcher auf
Grund von Dan.9,24
Das Reich Gottes
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1. die Übertretung (= der Frevel) zur Vollendung (= zum Abschluß) gebracht wird
(vgl. 2.Thess.2,3-9; 1.Joh.3,4.7.10),
2. das Maß der Sünden voll gemacht (oder versiegelt) ist (vgl.2.Thess.2,9-12),
3. die Missetat gesühnt wird (vgl.Jes.1,18-31; 4,2-6; 10,20-23; 12,1-6; 24,14-23; 25,4-5.9;
4.
26,1-9; 32,14-20; 33,20-24; 35,1-10; 40,1-11; 65,11-14; 66,5-6.10-18a.24; Hes.36,21-32;
39,22-29; Dan.11,32-35; 2.Thess.1,7-12),
die ewiggültige Gerechtigkeit herbei- (oder ein-) geführt wird (vgl.Jes.51,1-8;
53,11; 54,14.17; 58,6-14; 60,1 ff; 61,1-11; 62,1-5; Offb.14,6; 19,7-8),
5. das Gesicht (und der Ausspruch) des Propheten bestätigt (oder versiegelt) wird
(vgl.Jes.8,16-18; Apg.3,19-23),
6. und das (oder der) Allerheiligste gesalbt (= geweiht) wird (Offb.11,15; 12,10; 3,12;
11,1.19; 15,5-8; 21,2 - 22,5).
Bis zur Erfüllung dieser Weissagung sollen siebzig (Jahr-) Wochen vergehen
(Dan.9,24). Diese siebzig Jahrwochen reichen nach den angeführten einschlägigen
Parallelstellen zur Erfüllung der Verheißungen bis ans Ende des heutigen Zeitalters, das
allerdings recht nahe sein dürfte.
4. Judäa, Syrien und Ägypten bis zur römischen Weltherrschaft
a) Der Mangel an Heilserkenntnis in der nachprophetischen Zeit
Über die weiteren Kämpfe und Leiden Palästinas durch die Syrer (und Ägypter) und
von der dann kommenden Landeswohlfahrt und Reichsunabhängigkeit nach den
Makkabäerkämpfen und von Roms darauffolgender Besitzergreifung Syriens, Ägyptens
und des Heiligen Landes berichtet Daniel uns nichts mehr. Die Berichte darüber erfahren
wir aus den beiden ersten Makkabäerbüchern und aus den Aufzeichnungen des
jüdischen Priesters und Geschichtsschreibers Josephus.
Die apokryphischen Bücher, also auch die Bücher von den Makkabäerkämpfen,
sehen die Gottwohlgefälligkeit des Juden nur in seiner Gesetzesunsträflichkeit vor Gott
(vgl. die Vorrede zum Buch Sirach), die es in Wirklichkeit nach der Schrift im allgemeinen
gar nicht gibt; die Apokryphen zeugen im Gegensatz zu Mose und den Propheten und
den Psalmen nicht von der Glaubensgerechtigkeit des reuigen Gesetzesübertreters (das
und darum haben die
Makkabäer bei allem unnachsichtlichem Gesetzeseifer für Gott noch immer nicht ganz im
göttlichen Sinne gehandelt (vgl.Röm.1,1-4; 3,21-28; 9,31-32; 10,2-3.6-11; 1.Petr.1,10-11; Hebr.4,2.6
Alte Min.-Bib.). Auch den Übersetzern der Septuaginta war die Erkenntnis der
Buch Baruch macht eine Ausnahme; vgl.Bar.2,14-20.31.35; 4,13.22.37; 5,2),
Glaubensgerechtigkeit fremd.
Seite 127
Darum haben sie oft viel zu frei übersetzt, oft apokryphische Zusätze gemacht und im
Gegensatz zum hebräischen Bibelkanon, der wahrscheinlich spätestens durch den
Priester Esra zusammengestellt wurde (vgl.Esr.7,10; Neh.8,1-9; 2.Makk.2,13), viele apokryphische Bücher in den Septuagintakanon aufgenommen. Das alles ist uns ein Beweis,
daß Gott nach dem Verstummen des letzten Propheten Maleachi, also in den letzten
vierhundert Jahren vor Christi Auferweckung, seinem Volk bis zu Johannes des Täufers
Auftreten keine prophetischen Zeugnisse mehr gab. - Darum dürfen uns die verschiedenen apokryphischen Bücher nur als Hilfsmittel zur Bestätigung der Erfüllung
prophetischer Weissagungen und zu geschichtlichen Zwecken dienen.
Das Reich Gottes
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b) Judäa unter Judas Makkabäus
Der Sohn des so elend zugrunde gegangenen Königs Antiochus Epiphanes, d.i.
Antiochus V. Eupator (d.h. Sohn eines edlen Vaters) (164-162 v.Chr.) bewies Judäa
wiederum Todfeindschaft, obwohl ihn sein Vater bei seinem Sterben durch einen Brief an
die Juden deren Wohlwollen empfohlen haben soll (2.Makk.9,13-27). Er zog mit Lysias,
seinem Heerführer, der schon seinem Vater gedient hatte, und hundertzwanzigtausend
Mann und zweiunddreißig Kriegselefanten zur Ausrottung des ganzen Judenvolks nach
Palästina, weil er gehört hatte, daß die Juden die syrische Besatzung in der Burg zu
Jerusalem erfolgreich belagerten. Der Syrerkönig war auch erfolgreich. Eleasar, einer der
Makkabäerbrüder, fiel im Kampfe, und Antiochus V. eroberte alle Landesfestungen und
belagerte Jersualem (1.Makk.6,17-54; 2.Makk.Kap.11 u. 13; 14,1-2). Aber der Feldherr Lysias
bewog wegen mißlicher Nachrichten aus dem Norden und Osten des Reiches den
Syrerkönig zur Aufgabe der Belagerung Jerusalems (1.Makk.6,55-63; vgl.Dan.11,44). Da
bemächtigte sich Demetrius I. Soter (d.h. Retter) (162-150 v.Chr.) der Regierung, d.i. der
Sohn des Königs Seleucus IV., der nach seines Vaters Tode schon an Stelle des Königs
Antiochus IV. Epiphanes hätte herrschen sollen –, und Antiochus V. und sein Feldherr
Lysias wurden 162 n.chr. von den eigenen Truppen umgebracht (1.Makk.7,1-4; 2.Makk.14,12).
Auch Demetrius I. befeindete die Juden (2.Makk. Kap.14 u. 15; 1.Makk.7,5-50; Kap.9). Judas
Makkabäus besiegte daraufhin den syrischen Feldherrn Nikanor und tötete ihn in der
Schlacht (1.Makk.7,26-50; 2.Makk.15,17-36).
Damals schloß das Volk Gottes durch Judas Makkabäus das erste Bündnis mit Rom
(161 v.Chr.), aber bald darauf fiel der bis dahin siegreiche Makkabäer im Kampf gegen
des Demetrius Feldherrn Bakchides (1.Makk.Kap8; 9,1-22).
Seit dem Tode seines heldenmütigen Vaters, Mattathias, aus Aarons Geschlecht,
hatte Judas Makkabäus von 166-161 v.Chr. die Geschicke des Landes geleitet. Damit,
daß der Herr ihm weiterhin seinen Schutz versagte, zeigte Gott offenbar sein Mißfallen an
diesem
Seite 128
Mangel an Gottvertrauen. Judas hatte das Bündnis mit Rom nicht vor einem drohenden
Krieg (auch das wäre gegen Gottes Willen gewesen), sondern nach einem glänzenden
Sieg über die Syrer geschlossen.
c) Judäa unter Jonathan Makkabäus
Nach dem Tode des Judas Makkabäus übernahm sein Bruder Jonathan (161-143
v.Chr.) die Kriegs- und Landesführung (1.Makk.9,23-31); er war in seinen Unternehmungen
glücklich und gewann sogar die Freundschaft des Ägypterkönigs Ptolemäus VI.
Philometor (181-146 v.Chr.), und die der Syrerkönige Alexander I. Balas (151-146 v.Chr.),
Demetrius II. Nikator (von 146 mit Unterbrechungen bis 125 v.Chr.), Antiochus VI.
Epiphanes Dionysius (146-143 v.Chr.) und Tryphon des Usurpators (d.h. des
Thronräubers), (143-139 v.Chr.); - er verbündete sich aber gleichfalls mit Rom und auch
mit Sparta (Die Spartaner sollen nach dem Bekenntnis des Spartanerkönigs Areus
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Das Reich Gottes
Nachkommen Abrahams und Brüder der Juden sein; vgl.1.Makk.12,7.19-23.), wurde aber
143 v.Chr. durch den Syrerkönig Tryphon in hinterlistiger Weise getötet (1.Makk.9,31 bis
Kap.12,54; 13,12-30).
Damit, daß der Herr nun auch noch den Makkabäerfürsten Jonathan
umkommen ließ, drückte Gott sein Mißfallen über ein Bündnis mit Rom schon zum
zweitenmal aus.
d) Judäa unter Simon Makkabäus
Daraufhin ermannte sich Simon (143-136 v.Chr.), der Bruder der gefallenen Helden
Eleasar, Judas und Jonathan, gegen Tryphon, den Syrerkönig (1.Makk.13,1-11). Dieser
Simon wird wegen der Verdienste seines Vaters und seiner Brüder und wegen seiner
eigenen Tapferkeit im Jahre 141 v.Chr. zum Hohenpriesterfürsten des Volkes Gottes
gewählt mit der Bestimmung, daß die Hohepriesterfürstenwürde seinem Geschlecht fortan
verbleiben soll (1.Makk.14,25-49). Simon suchte die Freundschaft des Demetrius II., gegen
welchen Antiochus VI. und Tryphon als syrische Gegenkönige aufgestanden war, und
erlangte von Demetrius II. die Anerkennung der Unabhängigkeit seines Landes, nachdem
er die syrische Besatzung in Jerusalem beseitigt hatte, und erhielt von Antiochus VII
Sidetes (139-130 v.Chr.) 139 v.Chr. Münzrecht und Abgabenfreiheit (1.Makk.13,31 - 15,14).
Simon der Makkabäer mußte sich dann aber noch gegen Antiochus VII. wenden, und er
besiegte durch seine Söhne als Feldherren das Heer des Syrerkönigs (1.Makk.15 - 16).
Aber Simon erneuert auch den Bund mit Rom um 139 v.Chr. (1.Makk.14,10-24; 15,15-24). Er
fällt darauf 136 v.Chr. mit zweien seiner Söhne durch Meuchelmord von der Hand seines
Schwiegersohnes,
der
durch
die
Unterstützung
Antiochus
VII.
zum
Hohenpriesterfürstentum zu gelangen hoffte (1.Makk.16,11-16). - Also zeigte der Herr zum
drittenmal sein Mißfallen an einem Bündnis seines Volkes mit Rom.
Seite 129
e) Der Hohepriesterfürst Johannes Hyrkanus
Dem Mörder des Simon und seiner Söhne widerstand aber ein dritter Sohn des
Simon, der dem Mörder entronnen war, nämlich der Makkabäer Johannes Hyrkanus (136105 v.Chr.), und der erringt rechtmäßig das Hohepriestertum (1.Makk.13,54; 16,1-24).
Bis Johannes Hyrkanus reichen die Aufzeichnungen der Makkabäerbücher. Von hier
ab beschreibt der Priester Flavius Josephus die Geschichte seines Volkes; dieser lebte
um die Zeit des Untergangs Jerusalems im Jahre 70 n.Chr., und auch davon gab er uns
ausführlich Kunde. Aber von der Glaubensgerechtigkeit weiß er so wenig zu sagen wie
die Verfasser der Apokryphen, obwohl er schon mit der christlichen Gemeinde in
Berührung gekommen sein muß. Der Syrerkönig Antiochus VII. überzog Johannes Hyrkanus allerdings mit Krieg (135
v.Chr.), nahm ihm Joppe am Meer und einige andere Städte ab, die sein Vater und
dessen Brüder erobert hatten, belagerte Jerusalem, forderte für die Freigabe der Stadt
Waffen, Gold und Geiseln und machte ihn abgabepflichtig, bestätigte aber doch sein
Hohepriesterfürstentum. Doch durch den Machtzerfall der Syrerkönige im Kampf um die
Krone wurde Johannes Hyrkanus nach einigen Jahren wieder abgabenfrei.
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Das Reich Gottes
Im Jahre 129 v.Chr. unterwarf Johannes Hyrkanus sich das ganze Land Samaria und
verschaffte sich wieder den Zugang zum Mittelländischen Meer, gewann die Land- und
Seefestungen und zerstörte sie samt Sichem, der Landeshauptstadt, mit dem Tempel auf
dem Berge Garizim bis auf eine Opferstätte; diesen Tempel hatte (nach Josephus) ein
wegen seiner heidnischen Frau von Nehemja ausgestoßener Priester aus
hohepriesterlichem Geschlecht unter heidnischer Mithilfe errichtet (vgl.Neh.13,27-28;
Joh.4,20; 2.Makk.6,2). Neunzehn Jahre später fällt durch zwei der Söhne des Johannes
Hyrkanus auch noch die nahe bei Sichem gelegene Festungsstadt Samaria.
Im Jahre 127 v.Chr. unterwarf Johannes Hyrkanus sich das ganze Land Idumäa, ließ
alle Landesfestungen schleifen und zwang die Edomiter, sich beschneiden zu lassen.
Johannes Hyrkanus kann als der glücklichste der Hasmonäerfürsten (ihr Ahnherr war
ein Priester namens Hasmonai) bezeichnet werden. Er erreichte ein hohes Alter,
gelangte zu einem großen Reich und starb eines natürlichen Todes. Sein großes Reich
und seine lange Regierungszeit erinnern an Salomos Zeiten. Wir lesen aber nirgends,
daß er das Bündnis mit Rom erneuert hätte; offenbar darum, weil er vorbildlich mit Gott
rechnete, segnete der Herr ihn solchermaßen.
f) Syriens Endgeschicke
Der im Jahre 141 v.Chr. von den Parthern gefangengesetzte Syrerkönig Demetrius II.
wurde 130 v.Chr. frei und besiegte seinen Bruder Antiochus VII. 129 v.Chr., der in der
Schlacht getötet wurde.
Seite 130
Im Jahre 127 v.Chr. verlor dann auch Demetrius II. eine Schlacht bei Damaskus und in
Tyrus hernach sein Leben. Seine Söhne bekämpften daraufhin sich lange Zeit um das
Erbe der Väter.
Der letzte syrische König Antiochus VIII. wurde vom römischen Feld- und Landesherrn 64 v.Chr. vertrieben, und Kaiser Augustus läßt ihn 29 v.Chr. wegen Mordes in Rom
hinrichten. Pompejus aber macht 64 n.chr. das ganze syrische Reich zu einer römischen
Provinz.
So endete die hervorragendste Großmacht unter den vier Nachfolgestaaten des
dritten Weltreichs Griechenland-Mazedonien.
g) Ägyptens Endschicksal, die römische Weltherrschaft
Die Geschicke Ägyptens leitete nach dem Tode Ptolemäus VIII. Auletes (51-30
v.Chr.) dessen Tochter Kleopatra XIV., und diese richtete das Land zugrunde. Mit 17
Jahren tritt sie die Regierung an und vermählt sich nacheinander mit zweien ihrer jüngeren Brüder, zuerst mit dem 13 jährigen Ptolemäus XIV. Dyonisius und nachher mit dem
jüngeren Ptolemäus XV., um die Herrschaft ausüben zu können, und verbündet sich zum
gleichen Zwecke gegen ihre Brüder mit den Römern, an die sie schließlich das Land
verliert. Trotz dieser Verheiratung wird sie nachher im Jahr 47 v.Chr. doch noch die
Mutter eines Sohnes (genannt Ptolemäus XVI. Cäsar oder Cäsarion) von Julius Cäsar und
Mutter einiger Söhne vom Römer Antonius. –
Das Reich Gottes
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Julius Cäsar hatte nämlich im Jahre 49-48 v.Chr. seinen Mitherrscher Pompejus in
Spanien und bald darauf bei Pharsalus in Thessalien besiegt und ihn bis nach Ägypten
verfolgt, woselbst Pompejus - er hatte 63 v.Chr. Palästina zur römischen Provinz gemacht
- gegen den Willen Cäsars, aber auf Wunsch und Willen des Ägypterkönigs Ptolemäus
XIV. Dyonisius ermordet wurde. Daselbst regelte Julius Cäsar die Thronstreitigkeiten
zwischen Ptolemäus XIV. und dessen Schwester und Gemahlin Kleopatra zugunsten
letzterer und gegen den Willen der Ägypter, und der Ägypterkönig fand bei einem
hierdurch entstehenden Krieg 47 v.Chr. seinen Tod durch Ertrinken im Nil. Sein Bruder,
Ptolemäus XV., starb im Jahr 45 v.Chr. noch als Kind, vermutlich durch Gift. - Nach
glücklich geführten Kriegen (er „kam, sah und siegte“) schwang Julius Cäsar sich zum
römischen Imperator (= Alleinherrscher) auf und entfaltete ein segensreiches Wirken. Er
fiel aber im Jahr 44 v.Chr. bei einer Senatssitzung durch die Mörderhand seiner Neider.
Daraufhin riß sein Verwandter, der ihm schon den Pompejus hatte besiegen helfen,
sein Feldherr Antonius, sein, des Cäsars Privatvermögen, den öffentlichen Schatz und die
Regierung an sich. Aber Oktavian, welcher von Cäsar zum Adoptivsohn und Haupterben
eingesetzt worden war und später (40 v.Chr.) auch noch seine Schwester Oktavia dem
Antonius zur Frau gab, erzwang sich gleich einem Statthalter Lepidus die Mitherrschaft;
doch verfiel die Macht des Lepidus 36 v.Chr. der Macht Oktavians. Oktavian ließ auch die
Mörder Cäsars hinrichten.
Seite 131
Antonius ergab sich aber (um 35 v.Chr.) der Ausschweifung und dem verhängnisvollen,
ihn bestrickenden Einfluß der zweifellos sehr schönen, aber doch berüchtigten Kleopatra,
Herrscherin von Ägypten, bis Oktavian seinen Mitherrscher bekriegte und ihn in der
Seeschlacht beim Kap Aktium (Südseite des Meerbusens von Arta) im Jahre 31 v.Chr.
entscheidend schlug. Denn Kleopatra ließ ihn im Stich und ergriff mit den sehr
überlegenen ägyptischen Seestreitkräften die Flucht. So führte sie seinen Untergang
herbei. Oktavian verfolgte den Antonius bis nach Ägypten, denn Antonius flüchtete
wiederum zu Kleopatra nach Alexandrien. Dort entleibte sich Antonius (31 v.Chr.), durch
List und Täuschung von Kleopatra in den Tod getrieben, dessen Schicksal bald darauf
auch die neununddreißigjährige treulose Verführerin teilte (30 v.Chr.), weil ihre
Bestrickungskünste an Oktavian unwirksam blieben und dieser sie mitsamt ihren Kindern
für den Triumphzug in Rom als Gefangene aufbewahren wollte.
So wird auch Ägypten im Jahre 30 v.Chr. eine römische Provinz, und damit fällt das
letzte Reich der vier Nachfolgereiche des dritten Weltreichs Griechenland-Mazedonien
als drittes an Rom. Rings umschlossen von römischen Provinzen wird das Mittelländische
Meer zum „Römischen Meer“, und Rom ersteht im Jahre 30 v.Chr. als unumstrittene
Weltmacht zum einheitlichen vierten Weltreich, vor dem auch die bis dahin siegreichen
Parther die Waffen strecken, vor dem die Germanen bis an Weser und Donau, teilweise
bis an die Elbe weichen müssen.
Oktavian zieht im Jahre 29 v.Chr. im Triumph als Alleinherrscher in Rom ein, bezahlt
aus den erbeuteten unermeßlichen Schätzen Ägyptens alle seine Kriegsschulden und
Das Reich Gottes
- 119 -
erlangt vom Volk den Beinamen Cäsar „Augustus“ (griechisch „sebastos“), das heißt der
Erhabene, der Verehrungswürdige!
Unter diesem Kaiser Augustus, dem Friedenskaiser des römischen Reiches, wurde
Jesus Christus, der Sohn Davids und Gottes, der Anwärter zu ewiger Friedensherrschergewalt, zu Betlehem Ephrata, einer Stadt Judäas, geboren
(Luk.2,1-7. Durch einen Irrtum wurde das Geburtsjahr Jesu Christi etwa 4 bis 6 Jahre zu spät angesetzt, als
man um 532 n.chr. daran ging, die heidnische Zeitrechnung durch die christliche zu ersetzen. Wir
verweisen auf die genaueren Ausführungen in den „Biblischen Zeittafeln“.)
h) Judäas Niedergang
Wir sind in der Betrachtung der Ereignisse vorausgeeilt und müssen dreiviertel
Jahrhunderte zurückgreifen, die Geschicke des Reiches Judäa zu verfolgen.
In Jerusalem setzte der greise makkabäische Fürst Johannes Hyrkanus bei seinem
Tode im Jahre 105 v.Chr. seine noch lebende Gemahlin aber als weltliche Landesherrin
und seinen ältesten Sohn Aristobulus I. zum Hohenpriester ein. Ob ihn dazu die ihm
bekannte Unzuverlässigkeit seines Sohnes oder der Einfluß seiner herrschsüchtigen
Gemahlin bestimmte,
Seite 132
läßt sich nicht gut sagen. Aristobulus I., der „Griechenfreund“, maßte sich aber den
Königstitel an, den die Pharisäer für den kommenden Messias aus Davids Geschlecht
allein aufbehalten wissen wollten (nach Hes.21,30-32; Jer.30,7-9; Mich.4,8; 5,1), ermordet seine
Mutter und drei seiner Brüder, stirbt aber selbst schon nach einem Jahr, von
Gewissensbissen gequält (104 v.Chr.).
Seine Witwe Alexandra bot dann dem noch im Kerker schmachtenden ältesten
Bruder des Aristobulus, nämlich dem Alexander I. (Jannäus) im Jahr 104 v.Chr. die
Freiheit, ihre Hand und die Krone - und die übrigen Brüder mußten sterben. - Der
gewaltsame Alexander I. richtete durch Kriege und Grausamkeiten aller Art Land und
Leute und seine eigene Macht zugrunde; er verschärfte die Gegensätze im Volk durch
seine einseitige Freundschaft mit den Sadduzäern als den leitenden Staatsmännern aus
priesterlichem Geschlecht und durch seine Feindschaft mit den strengeren, engherzigeren, gesetzeseifrigeren Pharisäern, die das untere Volk beherrschten.
Nach seinem Tode im Jahre 79 n.chr. söhnt seine Witwe Alexandra sich mit den
Pharisäern aus und regiert als Witwe bis zum Jahre 69 v.Chr. Also herrschte eine Frau
über Judäa zehn Jahre lang (vgl.2.Kg.11,1-3; Jes.3,12). Diese setzt ihren ältesten Sohn
Hyrkanus (II.) zum Hohenpriester ein.
Nach ihrem Tod (69 v.Chr.) gelangte der jüngere Bruder des Hyrkanus, nämlich
Aristobulus II., ein Sadduzäerfreund, durch Krieg zur Königsherrschaft und zur
Hohenpriesterwürde. Später bedrängte ihn wiederum sein älterer Bruder Hyrkanus; der
belagerte Jerusalem und schloß Aristobulus II. darin ein. Da wandte sich dieser um Hilfe
an die in Syrien siegreichen Römer - und tatsächlich wurde auch Aristobulus II. hierfür von
Gott gestraft; er erlangt wohl Hilfe, aber bald darauf verlor er sein Reich an die Römer. Pompejus schloß ihn im Jahre 63 v.Chr. in Jerusalem ein, belagerte die Stadt und
erstürmte sie nach drei Monaten, nahm Aristobulus II., zwei seiner Söhne und viele Juden
- 120 -
Das Reich Gottes
gefangen, führte sie hernach in die Gefangenschaft nach Rom, drang in das Allerheiligste
des Tempels ein und machte ganz Palästina im Jahre 63 n.chr. zu einer römischen
Provinz.
Pompejus setzte den älteren, weniger kriegerischen Bruder des Aristobulus II., das ist
Hyrkanus, als Hyrkanus II. (63-40 v.Chr.) zum Inhaber der weltlichen und geistlichen
Herrscherwürde ein, aber ohne Königstitel, und gab ihm einen Idumäer (= Edomiter),
Antipater, den Vater des nachmaligen Herodes d. Gr., zur Seite, den Cäsar dann zum
Statthalter machte, und der so von nun an die Herrschaft im eigentlichen Sinn ausübte.
i) König Herodes der Große
Antigonus, ein Sohn des Aristobulus II., entkommt der römischen Gefangenschaft
und reißt unter römischer Duldung (und Hilfe?) im Jahre 40 n.chr. die Herrschaft über
Judäa und die Hohepriesterwürde
Seite 133
an sich; aber im gleichen Jahr erlangte der nachmalige König Herodes d. Gr., ein Sohn
des Edomiters Antipater, von den römischen Triumvirn (das sind zwei aus den
„Dreimännern“) Antonius und Oktavian (der spätere Alleinherrscher Augustus) und vom
römischen Senat die Erhebung und Bestätigung zur Königswürde von Juda, besiegte aber
den Antigonus erst nach dreijährigen Kämpfen und nahm im Jahre 37 v.Chr. die Stadt
Jerusalem nach dreimonatiger Belagerung ein am gleichen Jahrestag, da die Stadt vor
sechsundzwanzig Jahren durch die Hand des Pompejus gefallen war. König Herodes
bestellte nach seiner eigenen Willkür Hohepriester, tötete Antigonus, hielt seinen
Schwiegervater Hyrkanus II. gefangen, tötete ihn im Jahre 30 v.Chr. und rottete das
hohepriesterliche Geschlecht der Makkabäer, das bisher geherrscht hatte, gänzlich aus.
War das ein Gericht über sie, weil sie nicht gelernt hatten, die rechtfertigende
Barmherzigkeit Gottes zu verstehen?
Herodes richtete die Stadtmauer wieder auf, befestigte sie, erbaute die Burg Antonia
auf dem Tempelberge und begann im Jahre 20 v.Chr. den Tempel nach eigenen Plänen
von Grund auf zu erneuern. In anderthalb Jahren war der innere Tempelbau durch eine
gewaltige Zahl von Bauleuten errichtet, in acht Jahren der Vorhof, aber nach
sechsundvierzig Jahren war man noch nicht zum Abschluß gekommen (Joh.2,20); erst im
Jahr 64 n.Chr., lange nach Herodes Tod, also nur sechs Jahre vor seiner gänzlichen
Zerstörung 70 n.Chr., kam er zur endgültigen Vollendung. Herodes ließ auch seine Frau,
seine Schwiegermutter und zwei seiner Söhne hinrichten, und nach dem
bethlehemitischen Kindermord verurteilte er auch noch einen dritten seiner erwachsenen
Söhne, seinen erstgeborenen Sohn Antipater zum Tode. Fünf Tage später starb Herodes
im Jahre zwei n.Chr. (gleich dem König Antiochus IV. Epiphanes 163 v.Chr.) durch die
Hand Gottes an der Wurmkrankheit, an der 44 n.Chr. auch sein Enkel Herodes Agrippa
II. zugrunde geht (Apg.12,21-23; vgl.Jes.51,8; Sach.14,12; Sir.19,3).
k) Jesus Christus
Mit dem Regierungsantritt des Königs Herodes d.Gr. ist das Zepter zunächst endgültig von Juda gewichen. Esau war es gelungen, die Herrschaft Jakobs von sich
- 121 -
Das Reich Gottes
abzuschütteln und Jakob zu beherrschen (vgl.1.Mos.27,37-40; 5.Mos.17,15), und noch zu
Herodes‘ Zeiten, - diesem Mann aus Esaus Geschlecht, - wurde Jesus Christus, der
Sohn Davids und des lebendigen Gottes, der Retter aller Sünder, geboren, der König, der
durch Gnade und Barmherzigkeit ewig herrschen sollte über das Volk Gottes und alle
seine Feinde. Das ist der Anfang von der Erfüllung der Weissagung Bileams, daß wenn
das Zepter von Juda gewichen ist, der kommt, dem die Herrschaft in Wahrheit bestimmt
ist; denn ein Stern aus Jakob tritt hervor, und ein Zepter kommt aus Israel; die Richter
Israels waren nun geschlagen (1.Mos.49,10; 4.Mos.24,17; Mich.4,14 - 5,1).
Seite 134
Das rechtmäßige Hohepriestertum aus Aarons (Levis) Geschlecht war erloschen. Der
Tod hatte diese Hohenpriester nach der alten und auch veralteten Ordnung am Bleiben
verhindert. Nun kommt ein Sproß aus einem andern Geschlecht, nicht mehr aus Levi,
sondern aus Juda -, damit aber auch ein anderes Hohepriestertum nach der ewig
bleibenden Ordnung Melchisedeks mit einem Hohenpriester, der von den Toten
auferweckt wird, der als Sieger über den Tod ein Hoherpriester ist nach der Kraft
unauflöslichen Lebens, und der nun in Ewigkeit bleibt und für die Sünder immerdar
eintritt, um sie zu retten (Hebr.7,11-28; 8,8-13).
Aber als Herrscher über den Tod, das ist über jede Herrschaft, Gewalt und Macht,
vereinigt der Auferstandene das Hohepriestertum und das Königtum wiederum in Einem,
nämlich in sich, und er übt sie solange im Himmel aus, bis ihm von Gott und von
gläubigen Überwindern jeder Feind zu Füßen gelegt ist, und daraufhin der auf den Plan
tritt, dem der Herr die Herrschaft überträgt, durch den er sie ausübt (1.Kor.15,25; Hebr.1,13;
10,13; Offb.2,26-28; 12,5; 19,11.16).
_____________
Die vierte Weltreichsherrschaft
Das „vierte Weltreich“, das „Volk Gottes „ und die „christliche
Gemeinde“ im Anfang der vierten Weltreichsherrschaft
1. Das vierte Weltreich im Bilde der eisernen Zähne und der zwei eisernen Schenkel
a) Das vierte Weltreich nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift
In unseren vorausgegangenen Betrachtungen haben wir das Schicksal des Volkes
Gottes in der Zeit des ersten, zweiten und dritten Weltreiches kennengelernt. Wenn wir
den weiteren Werdegang dieses Volkes Gottes innerhalb des vierten Weltreiches noch
betrachen, so kommen wir dadurch zu der Zeit, die für das rechte Verständnis des
göttlichen Heils- und Erlösungsratschlusses mit seinem Volk am wichtigsten ist.
Die Weissagungen des Propheten Daniel über dieses vierte Weltreich sind darum
nicht nur viel ausführlicher als die Weissagungen über die ersten drei Weltreiche, sondern
sie sind auch viel ernster und bedeutungsvoller. Der Grund dafür besteht in erster Linie
darin, weil diese vierte Weltreichsherrschaft bis zur Zeit des Endes dauert, also bis zur
Wiederkunft Jesu Christi und dem Anfang der ewigen Reichsgottesherrschaft, die er
durch sein auserwähltes Volk Israel aufrichtet (Dan.2,33-35; 7,7-27).
Seite 135
Darüber muß Daniel weissagen:
Das Reich Gottes
- 122 -
„In den Tagen jener Könige wird der Gott des Himmels ein Reich aufrichten, das
ewiglich nie untergehen wird, und sein Reich wird auf kein anderes Volk übergehen. Es wird alle jene Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende machen, es
selbst aber wird ewiglich bestehen.“ (Dan.2,44)
Weil dem Daniel das letzte Weltreich als ein sehr furchtbares und schreckliches Tier
offenbart wurde, wünschte er Gewisseres darüber zu erfahren (Dan.7,19). Daraufhin wurde
ihm u.a. gesagt:
„Das vierte Tier wird das vierte Reich sein auf Erden; das wird sich von allen
andern Königreichen unterscheiden und wird die ganze Erde fressen, zerstampfen und zermalmen.“ (Dan.7,23)
Aber nicht nur Daniel berichtet über dieses vierte Weltreich, sondern auch Johannes
schildert dieses Reich in der Offenbarung (Offb.11,7; 13,1-8; Kap.17).
Dieses vierte Reich ist also das letzte von den vier Weltreichen, denen Gott die
Weltreichsherrschaft für die Zeit gegeben hat, bis er seinen Willen an seinem ganzen
Volke durch die Gerichts- und Gnadenwege so vollendet hat (Dan.9,24-27), daß er es aus
dem Gericht seiner Zerstreuung unter den Völkern erlöst (Jer.3,18; Hes.37,21-22) und ihm die
nationale Einheit wiedergibt und dazu die ewige Königsherrschaft über die Völker (Jer.3,1718). Dieser göttliche Ratschluß läßt uns erkennen, wie wichtig die Zeit ist, in der Gott sein
Volk für seine endgültige Aufgabe noch in der letzten und wichtigsten Zeit bis ans Ende
des vierten Weltreiches zubereitet. Wir kommen deshalb noch zu einer eingehenden
Betrachtung dieses vierten Weltreiches.
Das vierte Reich, auf dessen Entstehen wir bereits hingewiesen haben, besteht als
das letzte weltliche Großreich bis ans Ende dieses Zeitalters (Dan.7,9.11-12.26). Die
Offenbarung des Johannes schildert es in seiner letzten Form als Tier mit sieben
Häuptern und zehn Hörnern mit den Worten:
„Ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das hatte sieben Häupter und zehn
Hörner, und auf seinen Hörnern zehn Kronen, und auf seinen Häuptern Namen
der Lästerung. Und das Tier, das ich sah, war einem Panther gleich, und seine
Füße wie eines Bären und sein Rachen wie ein Löwenrachen, und der Drache gab
ihm seine Kraft und seinen Thron und große Macht.“ (Offb.13,1-2)
Der Prophet Daniel weissagt von diesem Reich:
„Ich sah in den Gesichten der Nacht, und siehe, das vierte Tier war außerordentlich abstoßend, schrecklich und gewalttätig; es hatte große eiserne Zähne, fraß
und zermalmte und zertrat das übrige mit den Füßen; es war ganz anders als die
vorigen Tiere und hatte zehn Hörner.“ (Dan.7,7)
Seite 136
In diesen Worten sind von dem vierten Weltreich drei besondere Zustände geschildert
und zwar:
1.
mit großen eisernen Zähnen alles fressend und zermalmend;
2.
mit den Füßen das übrige zertretend;
3.
(ganz anders als die vorigen Tiere) mit zehn Hörnern.
Diese Zustände ensprechen an dem Standbild des Königs Nebukadnezar den drei
Teilen:
1.
2.
den Schenkeln,
den Füßen und
3.
den Zehen.
Das Reich Gottes
- 123 -
Daniel weissagt noch darüber:
„Das vierte Königreich aber wird so stark sein wie Eisen; ganz so wie Eisen alles
zertrümmert und zermalmt und wie Eisen alles zerschmettert, so wird es auch
jene alle zermalmen und zerschmettern. Daß du aber die Füße und Zehen gesehen hast teils aus Töpferton und teils aus Eisen, bedeutet, daß das Königreich
sich zerspalten wird; aber es wird etwas von der Festigkeit des Eisens darin bleiben, gerade so, wie du gesehen hast Eisen mit Tonerde vermengt. Und wie die
Zehen seiner Füße teils von Eisen und teils von Ton waren, so wird auch das
Reich zum Teil widerstandsfähig und zum Teil zerbrechlich sein. Daß du aber
Eisen mit Tonerde vermengt gesehen hast, bedeutet, daß sie sich zwar durch
Verheiratung vermischen, aber doch nicht aneinander haften werden, wie sich ja
Eisen mit Ton nicht vermischen läßt.“ (Dan.2,40-43)
Damit sind drei Entwicklungszustände dargestellt. Diese entsprechen an dem
Standbild Nebukadnezars den drei Teilen der Schenkel, der Füße und der Zehen. Wir
kommen so zu folgender Gegenüberstellung von Ausdrücken für diese drei Entwicklungszustände:
Nach Offenbarung Kapitel 13. u. 17:
Nach Daniel Kapitel 7: Nach dem Standbild
von Daniel Kapitel 2:
1. Das Tier
Das Tier mit den
Die eisernen Schenkel
eisernen Zähnen
Das Tier mit sieben
Das Tier mit seinen Die Füße von Eisen
Häuptern
Füßen
und Ton
3. Das Tier mit sieben
Das Tier mit zehn
Die Zehen von Eisen
Häuptern und zehn
Hörnern
und Ton
Hörnern
In folgendem wollen wir nun versuchen, die einzelnen Reichszustände des vierten
Weltreiches aus dem prophetischen Zeugnis und der weltlichen Geschichte in Verbindung mit dem Volke Gottes und mit der Gemeinde Gottes zu erkennen. Um das unter
den Völkern zerstreute Volk Gottes und die Bedeutung der Gemeinde Gottes auch in der
Zeit des vierten und letzten Weltreiches zu verstehen, betrachten
Seite 137
wir die Zeit des vierten Weltreiches in diesen drei Zeitabschnitten, in denen das Reich im
prophetischen Zeugnis gezeigt ist, indem wir auf die Stellung des Volkes Gottes und auf
die Entwicklung der Gemeinde Gottes in den drei Zeitperioden der Entwicklung dieses
Reiches achten. Auf diese Weise können wir im Rahmen der Reichsentwicklung die
Stellung des Volkes Gottes in Verbindung mit der Gemeinde Gottes so übersichtlich
verfolgen, daß das prophetische Zeugnis für die Endzeit dann, auf diese drei Gebiete
zerteilt, leicht verstanden werden kann.
b) Das vierte Weltreich in der Zeit der Reichseinheit
Wir betrachten nun das vierte Weltreich in der Zeit der Reichseinheit. Das Standbild
Nebukadnezars zeigt uns zwar von Anfang an eine Zweiteilung am vierten Weltreich,
eine stärkere, als sie durch die Brust und die Arme des zweiten oder den Bauch und die
Lenden des dritten Weltreiches angedeutet ist. Aber trotz dieser von Anfang an
angedeuteten Zweiteilung war das vierte Weltreich doch zuerst eine einheitliche Macht.
Wir finden aber, daß von der Zeit an, als das einheitliche griechisch-mazedonische
Weltreich mit Alexander d.Gr. Tod aufgehört hat (323 n.chr.) und im viergeteilten
Das Reich Gottes
- 124 -
griechischen Weltreich die Nordmacht Syrien mit der Südmacht Ägypten um die Vorherrschaft ringt, - weiter im Westen sich derselbe Kampf einer Nordmacht gegen eine
Südmacht abspielt, nämlich der Kampf Roms mit Karthago. Nachdem Rom die Stämme
Italiens i. J. 275 v.Chr. unter seiner Herrschaft geeinigt hat, tritt es mit der
Niederzwingung Karthagos in den beiden ersten Punischen (Punisch heißt phönizisch,
denn Karthago war eine phönizische Städtegründung) Kriegen (264-241; 218-201 v.Chr.)
als erste Macht auf den Plan und schlägt, nachdem es Ägypten gegen Syrien in Schutz
genommen hat, Antiochus III. den Großen, in der Schlacht bei Magnesia, von wo ab die
Macht der Seleukiden gebrochen ist (190 v.Chr.).
Mit der Errichtung des asiatischen Römerstaates (der Provinz Asien) durch Pompejus
faßt Rom in Asien festen Fuß, und damit ist die Zeit der römischen Kaiser gekommen (64
v.Chr.). Oktavian, der Nachfolger der drei gemeinsamen Herrscher Julius Cäsar,
Pompejus und Crassus, nimmt den Titel „Cäsar“ an, woraus „Zcar“ und „Kaiser“
geworden ist, und läßt sich „Augustus“, d.h. „der Erhabene“ nennen. Er regierte in der
Zeit vom Jahre 31 v.Chr. bis zum Jahre 14 n.Chr.
Mit Kaiser Augustus ging die römische Weltherrschaft von weiteren vier Claudiern
aus, so daß alle zusammen heißen: 1. Augustus, 2. Tiberius, 3. Caligula, 4. Claudius, 5.
Nero.
Auf Nero folgten drei Soldatenkaiser: Galba, Otho und Vitellius (68-69 n.Chr.).
Darnach kamen die Flavier: Vespasian, Titus, Domitian (69-79 n.Chr.).
Auf Kaiser Domitian folgte Kaiser Nerva mit seiner Adoptivfamilie. Sie heißen
zusammen: Nerva, Trajan, Hadrian, Antonius Pius, Marc Aurel (Markus Aurelius) und
Commodus (79-192 n.Chr.).
Seite 138
Dann folgen eine Reihe sogenannter „Soldatenkaiser“ (193-284 n.Chr.). Kaiser
Diokletian (284-305 n.Chr.) nahm zum Mitregenten für den Westen Maximian zum
Mitkaiser an, während er selbst den Osten mit der Hauptstadt Nicomedia in Bithynien
behielt.
Von dieser Zeit an verlegte sich der Schwerpunkt der römischen Reichsgewalt vom
Westen nach dem Osten.
Der folgende Kaiser Konstantin d.Gr. (306-337 n.Chr.) war zunächst der Verwalter
des Westens und erkannte Licinius, den Regenten im Osten, als seinen vorgesetzten
Kaiser an. Konstantin suchte jedoch die Macht über das ganze Reich zu gewinnen, geriet
mit Licinius in Streit, schlug ihn im Krieg und regierte dann vom Osten aus das ganze
Reich, wobei er die Stadt Byzanz an der Meerenge des Bosporus zu seiner Hauptstadt
„Konstantinopel“ erhob.
Ein weiterer Kaiser, Valentinian I. (364-375 n.Chr.), teilt das Reich wieder, behält den
Westen für sich und gibt den Osten seinem Bruder Valens. Des Valentinian Sohn Gratian
übergibt dann den Osten dem Theodosius, das ist dann Kaiser Theodosius I. d.Gr. (375395 n.Chr.). Dieser erkennt im Westen neben sich erst Clemens Maximus und dann
Valentinian II. an, vereinigt nach deren Tod das Reich noch einmal für ein Jahr (394-395
Das Reich Gottes
- 125 -
n.Chr.), teilt dann aber das Reich unter seine beiden Söhne Honorius und Arkadius,
worauf die Vereinigung nie mehr zustande kommt.
Bis zum Tode Kaiser Theodosius d. Gr. kann man die beiden Schenkel des
Standbildes, das Nebukadnezar im Traum gesehen hatte, als zusammengehalten und
doch das ganze Reich in zwei gleichmäßige Hälften gespalten wahrnehmen. Um diese
Zeit setzt die ostgermanische (Völker-) Wanderung ein, die schließlich dem Weströmischen Reich und damit dem Altertum ein Ende macht und in eine neue Zeit, in das
Mittelalter, überleitet.
Kaiser Honorius regierte im Westen mit der Hauptstadt Rom, und dort residierten
seine Nachfolger bis zum Jahre 476 n.Chr. Der germanische Söldnerführer Odoaker setzt
den letzten römischen Kaiser ab, tritt selbst die Königsherrschaft in Italien an, aber
trotzdem erlischt von nun an die Bedeutung Italiens als nationale politische Einheit.
Ein Versuch des Ostgotenkönigs Theoderichs d.Gr. (in der Sage bekannt als König
Dietrich von Bern (Verona), um das Jahr 500 n.Chr. von Italien aus alle germanischen
Stämme, die damals fast alle europäischen Länder beherrschten, zu vereinigen, mißlang.
Diese germanischen Stämme waren: die Ostgoten in Italien, die Westgoten in Spanien,
die Westfranken in Frankreich, die Sachsen, Ostfranken und Alemannen in Deutschland,
die Langobarden, Heruler, Rugier und Gepiden in Österreich-Ungarn, die Angelsachsen
in Britannien.
Das Oströmische Reich mit dem Kernland Kleinasien (Pontus, Galatien, Kappadocien, Bithynien und Cilicien) besteht dagegen fast tausend Jahre weiter; 1453 n.Chr. wird
es von den Türken eingenommen.
Gleichwie aber schon während des Erstarkens Roms und Italiens die syrischen
Länder (auch Kleinasien war vorwiegend syrisch besiedelt) einige
Seite 139
hundert Jahre vor Christus im Osten mächtig waren, so blieb nun auch der Westen des
Romreiches, das heutige Europa, als das Abendland im Gegensatz zum Morgenland als
wichtige Macht bestehen. Die Einigung des Abendlandes wurde dann unter
germanischweltlicher und römisch-geistlicher Macht angestrebt.
Darum fragt es sich auch, ob man nicht in dieser Zeit des Mittelalters den ganzen
Bestand des Reiches immer noch in die zwei Hälften geteilt sehen muß, gleichsam den
Unterschenkeln des vom König Nebukadnezar geschauten Mannesstandbildes.
Allerdings nimmt die Macht der führenden Länder Italien und Kleinasien bis dahin immer
mehr ab. Es bilden sich nacheinander Reichshäupter, die die Siebenteilung des ganzen
Reiches erkennen lassen. Trotz dieser Siebenteilung zeigen die zwei Schenkel und die
zwei Füße des Standbildes von Nebukadnezar diese Zweiteilung auch bis zum Ende des
vierten Weltreiches.
2. Das Volk Gottes in der Zeit der eisernen Zähne und der zwei eisernen
Schenkel des vierten Weltreiches
a) Der Begriff „Volk Gottes“
Mit der Bezeichnung „Zwölfstämmevolk Israel“ oder „Volk Gottes“ dürfen wir
durchaus nicht nur an die Juden denken, die heute auf der ganzen Erde als Rasse und
- 126 -
Das Reich Gottes
Religionsgesellschaft gut kenntlich sind. Ja, wir dürfen nicht einmal bei der Wiederherstellung des ganzen Zwölfstämmevolkes annehmen, daß die heute kenntlichen
Juden den führenden Teil oder auch nur einen erheblichen Teil dazu stellen werden. Die
heute bekannten Juden sind nicht das ganze Zwölfstämmevolk; sie sind nicht einmal ein
oder zwei Stämme davon, sondern von den zwei Stämmen des Südreiches Juda, dem
Stamm Juda und Benjamin (vgl.Esr.4,1) sind sie wieder nur ein Teil, und zwar die etlichen
Zweige von Röm.11,17, die Gott der Verstockung preisgegeben hat.
Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, daß die zwölf Stämme Israels
(einschließlich des nicht verstockten Teils, das sind die an Jesus gläubig gewordenen
ehemaligen Juden) gemessen an der Zahl der heute bekannten Juden, die etwa fünfzehn
Millionen auf der ganzen Welt zählen, an die zweihundert bis dreihundert Millionen
Menschen auf der Erde sind, von denen ein großer Teil der christlichen Gemeinde
angehört. Wenn man bei diesem Gedanken stehenbleibt und sich immer wieder vor
Augen hält, daß wir nicht das Schicksal eines kleinen Teiles zweier Stämme, sondern das
in der Heiligen Schrift bezeugte Schicksal des Volkes Gottes aus allen zwölf Stämmen
betrachten, so hat diese Unterscheidung ihre Bedeutung.
Die Aufgabe, die wir uns in diesen Betrachtungen gesetzt haben, ist die bis heute
biblisch erfaßbare Geschichte des gottesfürchtigen, christlichen Zwölfstämmevolkes Israel
und die prophetisch geweissagte Geschichte dieses von Gott geliebten Volkes Gottes in
der Zeit der
Seite 140
vier Weltreiche, besonders in der Zeit des vierten und letzten Weltreiches, zu verstehen.
b) Die Bedeutung von Gold, Silber, Erz und Eisen für den Ratschluß
Gottes mit seinem Volke
1. Der Traum Nebukadnezars
Ehe wir dazu übergehen, das Schicksal des Volkes Gottes in der Zeit der Reichseinheit des vierten Weltreiches zu betrachten, wollen wir zuerst zu verstehen suchen,
was die in dem von Nebukadnezar geschauten Mannesstandbild aufgeführten Ausdrücke:
Gold,
Erz und
Silber,
Eisen
bedeuten. Auf die Bedeutung des „Tones“, der in diesem Standbild in Verbindung mit
dem Eisen auch noch vorkommt, weisen wir später noch hin. Diese verschiedene Art von
Materialien, wie sie die einzelnen Körperteile in dem Standbild darstellen, weisen auf den
Wert und die Eigenschaften der einzelnen Weltreiche und Völker hin.
Daniel schilderte dem König Nebukadnezar seinen Traum über die vier Weltreiche mit
den Worten:
„Du, o König, sahest, und siehe, da war ein erhabenes Standbild. Dieses große
und außerordentlich glänzende Bild stand vor dir und war furchtbar anzusehen.
Das Haupt dieses Bildes war von gutem Gold, seine Brust und seine Arme von
Silber, sein Bauch und seine Lenden von Erz; seine Schenkel von Eisen, seine
Füße teils von Eisen und teils von Ton. Du sahest zu, bis daß ein Stein losgerissen ward ohne Handanlegung und das Bild an seine Füße traf, die von Eisen und
Das Reich Gottes
- 127 -
Ton waren, und sie zermalmte. Da wurden miteinander zermalmt Eisen, Ton, Erz,
Silber und Gold und wurden wie Spreu von den Sommertennen, und der Wind
verwehte sie, daß keine Spur mehr von ihnen zu finden war. Der Stein aber, der
das Bild zertrümmert hatte, ward zu einem großen Berge und erfüllte die ganze
Erde.“ (Dan.2,31-35)
2. Die Bedeutung des „Goldes“ im ersten Weltreich Babylon
Nachdem Daniel dem König dessen Traum gesagt hatte, deutete er ihm denselben
auch. Wir geben die Deutung des Traumes so wieder, wie die Weissagungen für die
einzelnen Weltreiche lauten.
Von dem goldenen Haupt als dem ersten Weltreich Babylon weissagt er:
„Du, o König, bist ein König der Könige, da dir der Gott des Himmels königliche
Herrschaft, Reichtum, Macht und Glanz gegeben hat. Überall, wo Menschenkinder wohnen, Tiere des Feldes
Seite 141
und Vögel des Himmels, hat er sie in deine Hand gegeben und dich über sie alle
zum Herrscher gemacht: du bist das goldene Haupt!“ (Dan.2,37-38; vgl.Jer.25,911; 27,6-7)
Aus dieser Weissagung ist unzweideutig zu erkennen, warum das erste Weltreich in
seinem Vertreter, dem König Nebukadnezar, das „goldene Haupt“ genannt ist. Dieses
goldene Haupt ist er nur darum, weil er der König der Könige ist und der Herrscher über
alle Menschen, Tiere und Vögel.
Diese alles umfassende Herrschermacht schließt auch die Herrschaft über das Volk
Gottes ein. Gott selbst hat ihm diese Macht über sein Volk gegeben, weil es ungehorsam
war. Zur Strafe dafür kam es in die babylonische Gefangenschaft, wodurch seine
selbständige Königsherrschaft aufhörte (2.Kg.24,14-16; 25,18-21; 2.Chr.36,20-21; Jes.39,6-7;
Jer.22,24-25; 24,5; 25,7-11; 27,6-7; 29,22; 52,15).
3. Die Bedeutung des „Silbers“ im zweiten Weltreich
Medo-Persien
Von der Brust und den Armen aus Silber als dem zweiten Weltreich Medo-Persien
lautet die Deutung:
„Nach dir aber wird ein anderes Reich aufkommen, geringer als du.“ (Dan.2,39)
Aus diesem Zeugnis ist der Unterschied zwischen dem Wert des goldenen Hauptes
und der silbernen Brust und den silbernen Armen leicht zu erkennen. Dieses zweite
Weltreich ist in seinem Wert, das heißt in seiner Macht, geringer als das erste Weltreich.
In der medopersischen Herrschaft durch Darius und Kores, die Träger der zweiten
Weltreichsherrschaft, wird der strafende und erzieherische Wille Gottes für sein Volk nicht
mehr so vollkommen dargestellt, wie das durch Nebukadnezar geschehen ist. Die
Stellung der Könige dieses zweiten Weltreiches war nicht mehr vom Volkswillen so
unbeeinflußt, wie es bei Nebukadnezar war. Wenn dieser Volkswille auch nur in dem
Einfluß der Fürsten und Beamten des Staates, als der Diener der Könige, wirksam war,
wie das beim König Darius in seiner Behandlung von Daniel gezeigt ist, den er als Folge
dieses Einflusses gegen seinen Willen und ohne Grund in die Löwengrube werfen mußte
(Dan.6,5-18),
so ist damit das geringere Silber dieser Königsherrschaft gezeigt.
Das Reich Gottes
- 128 -
In dieser Zeit waren die siebenzig Jahre der babylonischen Gefangenschaft, die der
Prophet Jeremjas geweissagt hatte (Jer.25,11-12; 2.Chr.36,21), für das Südreich Juda
abgelaufen. Das in Gottes Augen geringere, aber den Menschen gegenüber mildere
Weltreich entläßt das Volk Gottes aus der Gefangenschaft in sein Land Juda (Esr.1 - 2;
Neh.7,6-69), ohne daß es die frühere nationale Selbständigkeit dadurch wiedererlangt; es
blieb unter der Oberherrschaft dieser zweiten Weltmacht.
Seite 142
Diese geringere Silberart unterscheidet sich besonders von der wertvolleren Goldart
der Königsherrschaft, wenn wir diese Befreiung des Volkes Gottes aus der babylonischen
Gefangenschaft mit der Art vergleichen, die der König von Ägypten an den Tag legte in
der Zeit, als ihn Gott durch viele Plagen gezwungen hat, sein Volk aus der ägyptischen
Gefangenschaft freizugeben (2.Mos.7,10 - 11,10). Die mildere Silberart der Meder und
Perser erübrigte solche Plagen, um Israel ziehen zu lassen.
4. Die Bedeutung des „Erzes“ im dritten Weltreich
Griechenland
Von dem Bauch und den Lenden aus Erz, als dem dritten Weltreich Griechenland,
lautet die Deutung:
„ ... und darnach ein anderes, drittes Königreich, das ehern sein wird: das wird
über die ganze Erde herrschen.“ (Dan.2,39)
Von diesem dritten Weltreich, das die Eigenschaft des „Erzes“ hat und ehern ist, ist
die Eigenschaft nicht näher bezeichnet. Es ist damit nur die Alleinherrschaft Alexanders
des Großen über die ganze Erde angedeutet (Dan.8,5-7.21). Die eherne Eigenschaft ist
deshalb die Fähigkeit, eine solche Herrschaft zu entfalten, die fester ist, als sie das Silber
darstellte.
Von diesem Erz sagt Daniel am wenigsten. Das dritte Weltreich muß deshalb für das
göttliche Walten mit seinem Volk die geringste Bedeutung haben. Unter der Herrschaft
Alexanders des Großen war das Volk Gottes im Südreich Juda dieser Macht unterworfen,
bis das dritte Weltreich in vier Reiche geteilt wurde (Dan.8,8.22) und das Volk Gottes in
dieser Zeit sein nationales Dasein in Verbindung mit der syrischen Nordmacht und der
ägyptischen Südmacht so lange fristen mußte (Dan.11,6.8.9.11.13.25), bis der Träger der
vierten Weltmacht, der römische Kaiser Augustus, alle Völker seiner Macht unterworfen
hatte.
5. Die Bedeutung des „Eisens“ im vierten Weltreich Rom
Eine sehr ausführliche Deutung gibt Daniel dem König Nebukadnezar über die
Schenkel aus Eisen als dem vierten Weltreich. Er erklärt ihm dieses Reich mit den
Worten:
„Das vierte Königreich aber wird so stark sein wie Eisen; ganz so wie Eisen alles
zertrümmert und zermalmt und wie Eisen alles zerschmettert, so wird es auch
jene alle zermalmen und zerschmettern.“ (Dan.2,40)
Die Eigenschaft und der Wert des vierten Weltreiches sind mit „Eisen“ bezeichnet.
Von diesem letzten Reich sagt Daniel am meisten (Dan.2,33-34.40-43; 7,7-8.11.19-26;
vgl.Dan.8,9-14; 9,26-27), deshalb muß es auch die wichtigste Offenbarung des göttlichen
Das Reich Gottes
- 129 -
Ratschlusses für sein Volk und die übrigen Völker enthalten. Die Eigenschaft des Eisens
ist die Stärke; es zertrümmert, zermalmt und zerschmettert.
Seite 143
In dem Gesicht, das Daniel von diesem vierten Weltreich bekommen hat, sagt er noch:
„Das vierte Tier war außerordentlich abstoßend, schrecklich und gewalttätig; es
hatte große eiserne Zähne, fraß und zermalmte und zertrat das übrige mit den
Füßen; es war ganz anders als die vorigen Tiere und hatte zehn Hörner.“
(Dan.7,7)
Mit diesen Worten ist klar die Eigenschaft des Eisens gegenüber dem Erz, Silber und
Gold der früheren Reiche unterschieden. Der Wert der Herrschaftsstellung der Könige der
vier aufeinanderfolgenden Weltreiche geht immer mehr zurück.
Das Gold stellt die göttliche Ordnung dar, nach der Nebukadnezar die Königsmacht
als gottgewollte Zuchtrute für das Volk Gottes ist (Jer.24,5-7).
Darauf folgt die weniger wertvolle Silber-Herrschaft aus den Völkern, die sich wieder
mit der Herrschaft des Volkes Gottes zusammenschließt. Die Silberart der Medo-PerserMacht ist dem Volke Gottes milder gesinnt und nimmt auch den mitbestimmenden Einfluß
vom Volke Gottes, wie von Daniel, von Esra und Nehemja auf. Aber die Königsmacht der
Medo-Perser ist in dieser Zeit für das Volk Gottes doch kein Gold, sondern eben nur
geringeres Silber.
Die Erz-Herrschaft des dritten Weltreiches schließt den in der Weltherrschaft mitbestimmenden Einfluß von seiten des Volkes Gottes wieder völlig aus. Es nimmt diesen
Einfluß nicht auf wie das Silber, läßt ihn aber selbständig für das Volk Gottes noch
bestehen. Das ist die Zeit, in der die griechische Philosophie der menschlichen Weisheit
sich neben dem Einfluß des Volkes Gottes entfaltet, deshalb nimmt sie diesen letzteren
nicht auf.
Zuletzt folgt dann die Eisen-Herrschaft, durch die der Rest der Macht des Volkes
Gottes gründlich zertrümmert wird. Das Eisen bringt nun völlige Klärung zwischen der
Herrschermacht der Völkerwelt und dem Einfluß des Volkes Gottes. Die Eisen-Herrschaft
der Völkerwelt kennt gegen den Einfluß des Volkes Gottes keine Milde oder Rücksicht
mehr; sie zertrümmert diesen Einfluß völlig. Das erklärt Daniel durch die Eisenart dieses
vierten Weltreiches.
Dieses Reich ist in zwei Schenkel, zwei Füße und zehn Zehen zerteilt. Der Anfang
des Reiches in den Schenkeln ist ganz aus Eisen (Dan. 2,32.40), d.h. in dieser Zeit hat
das herrschende Volk dieses Reiches die alleinige Macht und übt dieselbe so vollkommen aus, daß es die Macht und den Einfluß des Volkes Gottes wieder so gründlich
vernichtet, wie das der König Nebukadnezar in der Zeit des ersten Weltreiches getan hat.
Die römischen Kaiser haben das Volk Gottes in die römische Gefangenschaft geführt,
damit dasselbe von ihnen wieder genau so für seinen Abfall von Gott gestraft wurde, wie
Nebukadnezar das ausführen mußte. Nur bewirkt die Eisenart dieses Volkes die von Gott
gewollte Zucht zur Besserung des Volkes Gottes nicht so, wie sie die siebzig Jahre der
babylonischen Gefangenschaft als die von Gott gegebene Goldordnung Nebukadnezars
ausgewirkt
Seite 144
- 130 -
Das Reich Gottes
haben. Auch das mit dem Volke Gottes sich vermischende Silber fehlt dem Eisen und
dazu auch noch das Erz, das trotz seiner weltlichen Übermacht doch das Volk Gottes
noch duldete. Die Vermischung mit dem Volke Gottes und sogar die geringste Duldung
desselben hört nun durch die Eisen-Herrschaft in der ersten Zeit des vierten Weltreiches
völlig auf. Das Volk Gottes muß es gründlich erfahren, daß Eisen alles zertrümmert,
zermalmt und zerschmettert und daß diese Reichsmacht tatsächlich ganz anders ist, als
sie bei den anderen Reichen war.
Währenddem die Meder und Perser im zweiten Weltreich, sowie die Griechen, Syrer
und Ägypter im dritten Weltreich das Volk Gottes noch duldeten und ihnen eine gewisse
Freiheit gewährten, hört dies in der Zeit des vierten Weltreiches völlig auf. Diesmal dauert
aber die Gefangenschaft des Volkes Gottes, nachdem sie mit der Verwerfung Jesu die
ihnen angebotene Gnadenrechtfertigung und Errettung vom Tode verworfen hatten, nicht
wie das erste Mal nur eine Zeit von siebenzig Jahren, sondern bis die Herrschaft der vier
Weltreiche am Ende des vierten und letzten Weltreiches zu Ende ist und dann das ganze
Volk Gottes aus der Gefangenschaft und Verbannung unter den Völkern wieder
gesammelt wird und es durch seinen König der Gerechtigkeit wieder der Träger der
Gottesgerechtigkeit unter den Völkern für tausend Jahre wird (Jes.16,5).
Das ist die Bedeutung, die das Eisen hat für die Zeit, in der das Eisen-Volk des
vierten Weltreiches allein in der Weltmacht ist und in dieser Zeit auch die Weltmacht
unbeeinflußt durch irgendeine andere Macht ganz allein ausübt.
Die Fortsetzung des Traumes Nebukadnezars und die Deutung desselben durch
Daniel über den „Ton“ in Verbindung mit dem Eisen betrachten wir, wie bereits angedeutet, in den späteren Abhandlungen vom zweiten und dritten Abschnitt der Weltreichsherrschaft des vierten Weltreiches.
c) Das Südreich Juda im Anfang der vierten Weltreichsherrschaft
1. Das Südreich Juda und sein König Jesus Christus
Wir sind in unserer Betrachtung der Geschichte des Volkes Gottes in der Zeit der
Völkerentwicklung bis zum Auftreten ihres Königs, unseres Herrn und Heilandes Jesus
Christus, an den Anfang des vierten Weltreichs, gekommen.
Jesus wurde zur Zeit, als Augustus Kaiser war, als „Sohn Davids“ von der Jungfrau
Maria geboren (Luk.2,1-7). Sein Erscheinen und seine Unterweisung bewegten sich im
Zeugnis und in der Weissagung der Propheten, deren letzter und größter Johannes der
Täufer war. Er wurde sechs Monate früher als Jesus geboren und bereitete ihm den Weg
(Luk.1,57-80; 1,13-17; Mal.3,1; Matth.3,1-12). Jesu Schicksal erfüllte sich so, wie es die
Propheten verkündigt hatten. Gottes Volk verlangte, daß die damals maßgebende
Gerichtsbarkeit der römischen Vorherrschaft ihn (- nach Gottes vorbedachtem Rat und
Heilsplan -)
Seite 145
zum Tode verurteilte und hinrichtete am Kreuz (Matth.27,11-44; Mark.Kap.15; Luk.23,1-31;
Joh.18,28 bis Kap.19,30).
Ihn hat Gott von den Toten auferweckt und zu seiner Rechten in
den Himmeln gesetzt nach der Weissagung der Heiligen Schrift (Ps.16,8-11; 110,1).
Das Reich Gottes
- 131 -
Diese Tatsache ist uns von den von Gott vorher verordneten Zeugen treu und
gewissenhaft berichtet, die mit ihm nach seiner Auferstehung gegessen und getrunken
haben (Apg.2,22-36; 3,12-18; 4,8-12; 13,23-41; 26,6-23; Röm.1,1-4.16-18; 10,6-11; 1.Kor.15,1-9 u.a.
Stellen m.). Die große Kraft, mit welcher Jesu Auferweckung aus den Toten und seine
Heilsbedeutung nach der Ausgießung des heiligen Geistes von den durch Gott zuvor
bestimmten Zeugen verkündigt wurde, schuf den Boden der christlichen Gemeinde aus
einer Auslese aus Israel und aus einer Auswahl aus den Heiden.
2. Das Verhältnis zwischen dem vierten Weltreich und dem
Südreich Juda
Wir müssen uns darüber klar werden, in welchem Verhältnis das vierte Weltreich in
der Zeit der eisernen Zähne und der zwei ehernen Schenkel zu dem Volk Gottes steht.
In der Zeit des vierten Weltreiches müssen wir zwei Seiten in der Geschichte des
Volkes Gottes ins Auge fassen:
1. Das Südreich Juda und das Nordreich Israel während der Herrschaft des
vierten Weltreiches.
2. Das Verhältnis dieses Volkes zur christlichen Gemeinde.
Am Ende des vierten Weltreiches findet sich das nationale Volk Israel und der Teil
dieses Volkes, der unter den übrigen Völkern zerstreut und auch in der christlichen
Gemeinde ist, wieder auf einem Boden zum Heil aller übrigen Völker. Bis dahin ist das
Geschick der beiden Seiten, die des nationalen Volkes Israel und des Israels, das unter
den Völkern zerstreut und in der christlichen Gemeinde ist, aufs innigste verflochten mit
dem Geschick und den Wandlungen des vierten und letzten Weltreichs, das heute schon
auf eine zweitausendjährige Geschichte zurückblickt.
Wenn dem Daniel das vierte Tier als das vierte Weltreich in seiner Wesensart so
außerordentlich abstoßend, schrecklich und gewalttätig gezeigt wurde, indem es die drei
vorausgegangenen Weltreiche zerschmettert und zermalmt, so läßt uns das ohne
weiteres ahnen, daß dieses vierte Weltreich auch zum auserwählten Volk Gottes eine
feindliche Stellung einnimmt. Unzweideutig klar zeigen die Weissagungen Daniels diese
Feindschaftsstellung des vierten Weltreiches zur Zeit seiner letzten Form, worüber wir
später noch hören. Doch gearde daraus müssen wir schließen, daß diese
Feindschaftsstellung gegen das Volk Gottes während der ganzen Herrschaftsdauer
dieses vierten Weltreiches vorhanden ist.
Diese Tatsachen beweisen uns schon die in diesem ersten Zeitabschnitt gemachten
Erfahrungen, wie sie uns in Gottes Wort berichtet sind.
Wir haben am Schluß der Betrachtungen des dritten Weltreichs schon darauf hingewiesen, daß durch den Regierungsantritt des Königs Herodes
Seite 146
d.Gr. das Zepter endgültig von Juda gewichen ist. Das Volk Gottes war von dieser Zeit an
unter römischer Herrschaft. Nur so können wir es verstehen, daß der König Herodes das
geborene Jesuskindlein umbringen wollte, nachdem er von den Weisen aus dem
Morgenland und den Schriftgelehrten gehört hatte, daß ein neuer König der Juden
geboren worden sei (Matth.2,2).
Das Reich Gottes
- 132 -
Das zeigt uns, wie die Feinde Gottes und seines Volkes von Anfang an, nachdem
Gott die Ordnung zur Aufrichtung seiner ewigen Reichsherrschaft geoffenbart hat, diese
Wahrheit bekämpften und das Zustandekommen der göttlichen Heilsabsichten mit seinem
Volk verhindern wollten.
Wenn Pilatus später Jesus Christus kreuzigen ließ, so tat er das zwar unter dem
Einfluß und dem Zwang der Juden und konnte seiner Meinung nach seine Hände in
Unschuld waschen und sagen:
„Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten!“ (Mark.27,24)
Aber wenn er nicht unter demselben Geist der Gottesfeindschaft gestanden hätte,
unter dem die Juden zu der Zeit noch standen (vgl.Hes.2,3), der der Aufrichtung der ewigen
Reichsgottesherrschaft entgegen ist, hätte er Jesum doch nicht kreuzigen können, auch
wenn er von den haßerfüllten und verstockten Juden vor dem Kaiser verklagt worden
wäre, weil er ihrem Verlangen nicht entsprach, Jesum zu kreuzigen. Die Feindschaft, die
gegen Jesus, den Vertreter des Volkes Gottes, gerichtet war, richtete sich gegen das
ganze Volk Israel und gegen Gottes Willen, den er mit diesem Volk hinausführen wollte.
Das beweist schon der Kindermord in Bethlehem, durch den das Wort des Propheten
Jeremja sich erfüllte:
„Eine Stimme wird auf der Höhe vernommen, bitterliches Klagen und Weinen:
Rahel beweint ihre Söhne und will sich nicht trösten lassen wegen ihrer Söhne,
denn sie sind nicht mehr!“ (Jer.31,15; Matth.2,18)
Nach Jesus wurden die Apostel als die Verkündiger des Reiches Gottes von den
Römern verfolgt. Herodes tötete Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwert
(Apg.12,2).
Weil er sah, daß das den verstockten Juden gefiel, ließ er Petrus gefangennehmen und im Gefängnis in den Stock spannen (Apg.12,3-5). Wie Gott über die
Handlungsweise dieses Königs urteilt, sagt uns der Zusammenhang, in dem dieses
Zeugnis steht; denn im gleichen Kapitel heißt es von Herodes:
„An einem bestimmten Tage zog Herodes ein königliches Kleid an und setzte sich
auf den Thron und hielt eine Rede an sie. Das Volk aber rief ihm zu: ‚Das ist Gottes Stimme und nicht eines Menschen!‘ Alsobald aber schlug ihn der Engel des
Herrn, weil er Gott nicht die Ehre gab; und von Würmern gefressen, verschied er.“
(Apg.12,21-23)
Bereits in der Zeit, als das Südreich Juda in der babylonischen Gefangenschaft war,
mußte der Prophet Hesekiel diesem Volk noch eine vierzig Jahre lang dauernde Zeit der
Missetat anzeigen. Die Worte darüber lauten:
„Lege dich das zweite Mal auf deine rechte Seite und trage die Missetat des Hauses Juda vierzig Tage lang; je einen Tag will ich dir für
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ein Jahr auflegen. So richte nun dein Angesicht und deinen entblößten Arm zur
Belagerung Jerusalems und weissage wider sie.“ (Hes.4,6-7; vgl.Hes.Kap.5)
Diese vierzig Jahre, während deren das Volk Juda im Südreich in der Missetat lebte,
begannen mit dem Tod Jesu und der Verwerfung ihres Heils, bis 70 n.chr. Jerusalem
durch die Römer zerstört wurde.
Unter Kaiser Claudius (41-54 n.Chr.) wurden die Juden bereits bedrängt, er zwang
sie, von Rom zu weichen. Auch war zu seiner Zeit eine Teuerung in Palästina. Wir
Das Reich Gottes
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erkennen daraus, wie der treue Herr nichts unversucht ließ, seinem Volk das Heil
nahezulegen, selbst wenn es eine Züchtigung durch Hunger und Verfolgung erforderte.
Noch ehe aber Titus Kaiser wurde, vernichtete er i. J. 70 n.Chr. Jerusalem und den
Tempel nach verzweifelter Gegenwehr der Juden. Das Gericht, das dadurch über Gottes
Volk erging, war noch viel furchtbarer als das unter Nebukadnezar, nachdem sie in
vierzigjähriger Missetat das Heilszeugnis von der durch Christus vollbrachten Erlösung,
besonders vom Auferstandenen, welcher vierzig Tage unter ihnen gewandelt war,
abgelehnt und seine Zeugen verfolgt, gesteinigt, enthauptet und gekreuzigt hatten. Mit
der Zerstörung Jerusalems wurde auch der Teil des Südreichs Juda, der seit der
babylonischen Gefangenschaft wieder in Palästina war, unter die Völker des vierten
Weltreiches zerstreut, so daß von dieser Zeit an das ganze Volk Israel der zwölf Stämme
unter den übrigen Völkern zerstreut ist.
Unter Kaiser Hadrian (117-138 n.Chr.) entstand wieder ein Judenaufstand, in dem die
Juden noch viel schrecklicher niedergeschlagen wurden als zur Zeit der Zerstörung der
heiligen Stadt und des Tempels.
Auf diese Weise ist gezeigt, wie das vierte Weltreich schon vom Anfang seiner
Herrschaftszeit an ein Feind des Volkes Gottes und darum auch ein Feind des Ratschlusses Gottes ist, den er mit seinem auserwählten Volk hinausführen will.
d) Die von Gott dem Volke Gottes gegebenen Verheißungen
als Beweis für das Vorhandensein aller zwölf Stämme Israels
in der ganzen Zeit der vierten Weltreichsherrschaft
1. Notwendige Erkenntnis über das Nordreich Israel aus dem Worte Gottes
Wie bereits erwähnt, dürfen wir bei der Betrachtung des Volkes Gottes in der Zeit des
vierten Weltreiches nicht nur an das „Südreich Juda“ denken, das uns durch das Wort
Gottes und durch die weltliche Geschichte aus der Zeit des vierten Weltreiches bekannt
ist. Wenn auch die weltliche Geschichte des vierten Weltreiches von den übrigen zehn
Stämmen des Nordreiches Israel nichts berichtet, so ist das kein Grund dafür,
anzunehmen, daß diese zehn Stämme des „Nordreiches Israel“ in der Zeit des vierten
Weltreiches gar nicht mehr vorhanden seien.
In Jes.25,7 lesen wir die Worte:
„Auch wird er (Gott) auf diesem Berge die Hülle wegnehmen, womit alle Völker
verhüllet sind.“
Seite 148
Aus diesem Zeugnis können wir das geheimnisvolle Walten Gottes mit den Völkern
und darum auch mit seinem auserwählten Volk erkennen. Wenn das ganze
Zwölfstämmevolk Israel heute unter den Völkern als ein einheitliches Volk nicht bekannt
ist, so muß daraus geschlossen werden, daß Gott auf seine geheimnisvolle Weise das
Vorhandensein des größten Teiles seines Volkes verborgen hat. Doch wenn die Zeit
gekommen ist, von der der Prophet weissagt, so wird Gott selbst seiner Verheißung
gemäß, die Decke von seinem Volk wegnehmen. Das geschieht aber auf keine andere
Art und Weise als dadurch, daß Gott das prophetische Wort aufschließt, in welchem er
das Schicksal seines Volkes von frühester Zeit an weissagen ließ. Darum kann die Lücke
Das Reich Gottes
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in der weltlichen Geschichte über das Schicksal des Volkes Gottes, besonders der zehn
Stämme des „Nordreiches Israel“, nur durch das rechte Verständnis des Wortes Gottes
ausgefüllt werden.
Wenn wir die Geschichte des Volkes Gottes so kennenlernen wollen, daß wir daraus
die Ereignisse der Entwicklung der Zeit beurteilen können, so ist es notwendig, daß man
nebst dem bekannten Teil dieses Volkes auch auf den viel größeren, bis heute unter den
Völkern unbekannten Teil desselben, achtet. Denn dieser größere Teil des Israelvolkes ist
für die Entwicklung und endliche Vollendung des Ratschlusses Gottes mit seinem Volk in
der Zeit des vierten Weltreiches von ausschlaggebender Bedeutung.
Ohne die rechte Erkenntnis dieses Volksteiles kann auch die Absicht Gottes in der
christlichen Gemeinde und besonders die Entwicklung derselben bis zur Aufrichtung der
ewigen Reichsgottesherrschaft durch sein auserwähltes Volk nicht erkannt, anerkannt
und geglaubt werden.
Wir wollen deshalb aus dem Wort Gottes erkennen lernen, wie dieses Volk der
zehn Stämme des „Nordreiches Israel“ nach dem Ratschluß Gottes in der
Heiligen Schrift gezeigt ist.
2. Abraham, der Träger der göttlichen Verheißungen
Um über das Vorhandensein des „Nordreiches Israel“ als der zehn Stämme des
Volkes Gottes auch während der Zeit des vierten Weltreiches aus dem Worte Gottes die
nötige Klarheit zu erlangen, müssen wir in erster Linie auf die göttlichen Verheißungen
achten, die Gott seinem einheitlichen Volk der zwölf Stämme gegeben hat. Wir begegnen
denselben zuerst im Leben Abrahams, des Stammvaters des Volkes Gottes. Diesem
auserlesenen Werkzeug sagte Gott in Haran, wohin Abraham mit seinem Vaterhaus von
Ur in Chaldäa gekommen war:
„Geh‘ aus von deinem Land und von deiner Verwandtschaft und von deines
Vaters Hause in das Land, das ich dir zeigen will! So will ich dich zu einem großen
Volke machen und dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du
sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dir
fluchen; und durch dich sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet werden!“
(1.Mos.12,1-3)
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„Deinem Samen will ich dies Land geben!“ (1.Mos.12,7)
In diesen Worten ist dem Abraham und seiner Nachkommenschaft ein Land verheißen und damit der Segen seines Gottes verbunden. Nachdem Abraham Gott
gehorsam war und ins Land Kanaan gezogen war, bekam er eine zweite Verheißung; sie
lautet:
„Hebe doch deine Augen auf und schaue von dem Orte an, da du wohnest, nach
Norden, Süden, Osten und Westen! Denn das ganze Land, das du siehst, will ich
dir und deinem Samen auf ewig geben. Und ich will deinen Samen machen wie
den Staub auf Erden; wenn ein Mensch den Staub auf Erden zählen kann, so soll
man auch deinen Samen zählen. Mache dich auf, durchziehe das Land seiner
Länge und Breite nach! Denn dir will ich es geben.“ (1.Mos.13,14-17)
Das Reich Gottes
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Nun aber Sara, Abrahams Weib, unfruchtbar war (1.Mos.11,30), und als Abraham
deshalb besorgt war, daß sein Knecht Elieser aus Damaskus in Syrien einmal der Erbe
seines Hauses sein könnte (1.Mos.15,2-3), mußte er von seinem Gott wieder vernehmen:
„Dieser soll nicht dein Erbe sein, sondern der von dir selbst kommen wird, der soll
dein Erbe sein! Und er führte ihn hinaus und sprach: Siehe doch gen Himmel und
zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst! Und er sprach zu ihm: Also soll dein
Same werden!“ (1.Mos.15,4-5)
Zur Bestätigung machte Gott noch einen Bund mit Abraham und verlangte:
„Bringe mir eine dreijährige Kuh und eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen
Widder und eine Turteltaube und eine junge Taube.“ (1.Mos.15,9)
Weil Abraham Gott wiederum gehorchte und den Bund mit Gott machte (1.Mos.15,10),
folgt dann die göttliche Zusage:
„Deinem Samen habe ich dieses Land gegeben, vom Fluß Aegyptens bis an den
großen Strom, den Euphrat: die Keniter, die Kenisiter, die Kadmoniter, die Hethiter, die Pheresiter, die Rephaiter, die Amoriter, die Kanaaniter, die Girgasiter und
die Jebusiter.“ (1.Mos.15,18-21)
„Siehe, ich bin der, welcher im Bunde mit dir steht, und du sollst ein Vater vieler
Völker werden. Darum sollst du nicht mehr Abram (hoher Vater) heißen, sondern
Abraham (Vater einer Menge) soll dein Name sein; denn ich habe dich zu einem
Vater vieler Völker gemacht. Und ich will dich sehr, sehr fruchtbar machen und will
dich zu Völkern machen, auch sollen Könige von dir herkommen. Und ich will
meinen Bund aufrichten zwischen mir und zwischen dir und zwischen deinem
Samen nach dir in ihren Geschlechtern, daß es ein ewiger Bund sei, also, daß ich
dein Gott sei und deines Samens nach dir. Und ich will dir und deinem Samen
nach dir das Land geben, darin du ein Fremdling bist, nämlich das ganze Land
Kanaan, zur ewigen Besitzung, und ich will ihr Gott sein.“ (1.Mos.17,4-8)
Als Zeichen dieses ewigen Bundes, den Gott mit Abraham und seinem
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Samen geschlossen hatte, mußten sie die Ordnung der Beschneidung für alle Zeiten
befolgen (1.Mos.17,9-14).
Als es sich später um die Erbschaft zwischen Ismael und Isaak handelte, offenbarte
sich Gott seinem Knecht aufs neue und sagte ihm deshalb, weil Abraham mit der
Forderung seines Weibes, die Magd Hagar mit Ismael, ihrem Sohn, aus dem Hause zu
treiben, nicht einverstanden war (1.Mos.21,10-11):
„Es soll dir das nicht mißfallen! Höre auf alles, was Sara dir sagt wegen des Knaben und deiner Magd; denn in Isaak soll dir ein Same berufen werden. Und ich
will auch der Magd Sohn zum Volke machen, weil er deines Samens ist.“
(1.Mos.21,12-13).
Weil dann Abraham auch seinen geliebten Sohn Isaak nach dem göttlichen Befehl
opfern wollte (1.Mos.22,1-14), verheißt ihm Gott wiederum mit einem Schwur:
„Ich habe bei mir selbst geschworen, spricht der Herr, weil du solches getan und
deines einzigen Sohnes nicht verschont hast, daß ich dich gewiß segnen und deinen Samen mächtig mehren will wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am
Rande des Meeres. Und dein Same soll die Tore seiner Feinde besitzen.“
(1.Mos.22,16-18)
Durch diese Entwicklungsschule wurde zuletzt Abrahams Glaube vollendet, und das
bedeutete für ihn, daß er nun im Besitz der ihm von Gott verheißenen Gerechtigkeit ein
Freund Gottes war (Jak.2,21-23). In der Stellung dieses Stammvaters des Volkes Gottes
und des Vaters aller Gläubigen, die aus seinen Nachkommen und aus den Heiden sind
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Das Reich Gottes
(Röm.4,9-17),
liegt nun die Garantie, daß sich auch alle von Gott dem Abraham und seinen
Nachkommen und allen Gläubigen gegebenen Verheißungen erfüllen müssen, indem der
Verheißungen „Ja“ und „Amen“ in Christo Jesu, dem Sohne Gottes, dem wahren Isaak
offenbar wird (2.Kor.1,20).
Kurz zusammengefaßt sind die göttlichen Verheißungen an Abraham die folgenden:
1. Gott macht mit Abraham und seinem Samen und ihren Geschlechtern einen
ewigen Bund (1.Mos.17,7.19; vgl.2.Kg.13,23; Ps.111,5-9; Richt.2,1; Luk.1,72-73;
1.Chr.16,15-17; 2.Chr.9,8; Ps.105,8-10).
2. Abraham und seinem Samen ist das Land Kanaan erblich und für ewig verheißen (1.Mos.12,1; 13,14-15; 15,7-8.18-21; 17,7-8; 24,7; 2.Mos.6,4-5; 32,13; Jos.14,9;
Richt.2,1; 2.Chr.20,7; Ps.105,8-11; Jes.60,21).
3. Gott will Abraham einen großen Namen machen (1.Mos.12,2).
4. Gott will Abraham sehr, sehr fruchtbar machen (1.Mos.17,6).
5. Abrahams Same soll werden wie der Staub auf Erden, unzählbar groß
(1.Mos.13,16; 17,2.4).
6. Gott will Abrahams Samen mächtig mehren wie den Sand am Rande des
Meeres (1.Mos.22,17).
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7. Abrahams Same soll an Zahl werden wie die Sterne des Himmels (1.Mos.15,5;
22,17; Jes.60,22).
8. Er soll zu einem großen Volke, zu Völkern und Nationen werden, aus denen
Könige hervorgehen (1.Mos.12,2; 17,4-7.15-16).
9. Abraham ist der Vater vieler Völker (1.Mos.17,4-5).
10. Er soll ein Segen sein (1.Mos.12,2).
11. Durch ihn und seinen Samen sollen alle Geschlechter und Völker der Erde
gesegnet werden (1.Mos.12,3; 22,17; Röm.4,11-17; Gal.3,7-9).
12. Gott segnet diejenigen, die Abraham segnen (1.Mos.12,3),
13. und verflucht die, die Abraham fluchen (1.Mos.12,3).
14. Abrahams Same soll die Tore seiner Feinde besitzen (1.Mos.22,17).
3. Isaak, der Träger der göttlichen Verheißungen
Weil Abraham der Stimme Gottes gehorsam war, wurde sein ihm von Gott verheißener Sohn Isaak der zweite Träger der göttlichen Ewigkeitsverheißungen (1.Mos.26,45).
Im Leben Isaaks, den Gott selbst dem Abraham als seinen Erben bestimmt hatte,
finden wir die Fortsetzung der göttlichen Ewigkeitsverheißungen. Ismael und die übrigen
Kinder, die Abraham nach Saras Tode noch von der Ketura geboren wurden, sind von
diesem Erbe ausgeschlossen. Wie bei seinem Vater Abraham beziehen sich die
Verheißungen, die Isaak von Gott bekommt, wieder auf das „Land“, die „Mehrung seiner
Nachkommen“ und den „Segen für ewige Zeiten“. Gott sagt dem Isaak in Gerar, wohin er
um der Teuerung willen gezogen war:
„Reise nicht nach Aegypten hinab, sondern bleib in dem Lande, das ich dir sage!
Sei ein Fremdling in diesem Lande, und ich will mit dir sein und dich segnen; denn
dir und deinem Samen will ich dieses ganze Land geben und will den Eid bestätigen, den ich deinem Vater Abraham geschworen habe, und will deinen Samen
mehren wie die Sterne des Himmels und will deinem Samen das ganze Land
geben, und durch deinen Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden;
weil Abraham meiner Stimme gehorsam gewesen und meine Rechte, meine
Gebote, meine Sitten und meine Gesetze gehalten hat.“ (1.Mos.26,2-5)
In Beerseba erschien ihm der Herr abermals und sprach:
Das Reich Gottes
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„Ich bin der Gott deines Vaters Abraham. Fürchte dich nicht! Denn ich bin mit dir
und will dich segnen und deinen Samen mehren um Abrahams, meines Knechtes
willen.“ (1.Mos.26,24)
Isaaks Ende zeigt zwar seinen Glauben nicht in einem so klaren Licht der Vollendung, wie sein Vater Abraham diese Glaubensvollendung aufweist (1.Mos.27,1-4), aber
trotzdem ist er ein Glied in der Kette des Volkes Gottes, an dem sich die göttlichen
Verheißungen erfüllen müssen.
Seite 152
Kurz zusammengefaßt sind die göttlichen Verheißungen an Isaak, den Sohn
Abrahams, die folgenden:
1. Gott will mit Isaak sein und ihn segnen (1.Mos.26,3.24).
2. Er erneuert seinen Bund, den er mit Abraham gemacht hat, und verheißt Isaak
und seinem Samen mit einem Eide das ganze dem Abraham verheißene Land
(1.Mos.26,2-3).
3. Gott will Isaaks Samen mehren wie die Sterne des Himmels (1.Mos.26,4.24).
4. Durch Isaaks Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden (1.Mos.26,4).
4. Jakob, der Träger der göttlichen Verheißungen
Der nun folgende Träger dieser göttlichen Ewigkeitsverheißungen unter den
Stammvätern des Volkes Gottes war Jakob. Jakob hat seinen Platz als göttliches
Werkzeug der Untreue seines älteren Bruders Esau zu verdanken (1.Mos.27,34-38;
Hebr.12,16-17). Zuerst war es sein Vater Isaak selbst, der ihn, - gemäß der göttlichen
Vorausbestimmung schon im Mutterleib (1.Mos.25,21-26; Röm.9,10-13) - vor seinem Sterben
durch seinen Segen zum Träger der göttlichen Verheißung verordnete. Der Segen Isaaks
für Jakob lautet:
„Der allmächtige Gott segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich, daß
du zu einer Volksgemeinde werdest, und gebe dir den Segen Abrahams, dir und
deinem Samen mit dir, daß du besitzest das Land, darin du ein Fremdling bist,
das Gott dem Abraham gegeben hat!“ (1.Mos.28,3-4)
Gott selbst hat Jakob, dem Stammvater des Zwölfstämmevolkes Israel, im Traum die
folgende Verheißung gegeben:
„Ich bin Jehova, Abrahams, deines Vaters, Gott und Isaaks Gott; das Land,
darauf du liegst, will ich dir und deinem Samen geben. Und dein Same soll
werden wie der Staub auf Erden, und gegen Abend und Morgen und Mitternacht
und Mittag sollst du dich ausbreiten, und durch dich und deinen Samen sollen alle
Geschlechter auf Erden gesegnet werden! Und siehe: Ich bin mit dir, und ich will
dich behüten allenthalben, wo du hinziehst, und dich wieder in dieses Land bringen. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich getan, was ich dir gesagt habe.“
(1.Mos.28,13-15)
Weil Jakob nach Empfang dieser göttlichen Verheißung in einem fremden Lande bei
seinem Schwiegervater Laban erst einen Hausstand gründete (1.Mos.Kap.29-30), muß ihn
Gott nach dem langen Verlauf von zwanzig Jahren auffordern:
„Kehre in das Land deiner Väter und zu deiner Verwandtschaft zurück; ich will mit
dir sein!“ (1.Mos.31,3)
Doch erst, als er in seiner natürlichen Jakobsart eine Nacht, bis die Morgenröte
anbrach, um den Segen mit Gott gerungen hatte und auf die Frage:
„Wie heißest du?“,
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Das Reich Gottes
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nun seine Prüfung bestehen konnte, bekam er einen neuen Namen (1.Mos.32,25-29).
Zwanzig Jahre früher wollte er um des Segens der Erstgeburt willen in den Augen seines
Vaters Isaak nicht der „Jakob“ sondern der „Esau“ sein (1.Mos.27,19-29). Als er nun
seinem Bruder Esau bei der Rückkehr in seines Vaters Erbland begegnen sollte
(1.Mos.22,4-24), dessen Segen er zwanzig Jahre früher durch diesen Betrug an sich
gebracht hatte, und um dessentwillen Esau ihm tödliche Rache geschworen hatte
(1.Mos.27,41-44),
da nannte er auf die Frage:
„Wie heißest du?“
keinen falschen Namen mehr; jetzt wollte er seinem Gott gegenüber der rechte Jakob
sein (1.Mos.32,28), wenn es galt, den Segen von Gott zu bekommen. Nun sagte ihm aber
Gott:
„Du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel (Gotteskämpfer); denn du hast
mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!“ (1.Mos.32,29)
Als Jakob Gott bat:
„Tue mir deinen Namen kund!“,
erhielt er von ihm die Antwort:
„Warum fragst du nach meinem Namen?’ ‘Und er (Gott) segnete ihn daselbst“
(1.Mos.32,30),
lautet der Bericht weiter. Aber trotz der erfolgten Versöhnung mit seinem Bruder Esau
mußte doch sein Gott ihm noch ein zweites Mal erscheinen, ihn segnen und ihm sagen:
„Dein Name ist Jakob, aber du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll
dein Name sein!“ (1.Mos.35,10)
Von dieser Zeit an nannte Jakob sich Israel. Aus diesem Grunde und weil er Gott
gehorsam war, indem er in das Land seiner Väter übersiedelte und als Hauspriester alle
Götzen entfernen ließ (1.Mos.35,2-5), wurden ihm die Verheißungen, die Gott seinen Vätern
Abraham und Isaak gegeben hatte, aufs neue wiederholt. Gott sagte ihm:
„Ich bin der allmächtige Gott; sei fruchtbar und mehre dich! Ein Volk und eine Völkergemeinde soll von dir kommen, und Könige sollen aus deinen Lenden hervorgehen; das Land aber, das ich Abraham und Isaak gegeben habe, das will ich dir
und deinem Samen nach dir geben!“ (1.Mos.35,11-12)
Kurz zusammengefaßt sind die göttlichen Verheißungen an Jakob, den Vater der
zwölf Stämme Israels, die folgenden:
1. Jakob und sein Same sollen den Segen Abrahams bekommen und das verheißene Land ewiglich besitzen (1.Mos.28,4.13; 35,12; 48,4).
2. Gott will ihn von Haran aus wieder in das Land seiner Väter bringen
(1.Mos.28,15).
Seite 154
3. Jakob soll nach dem Segen seines Vaters Isaak und nach der persönlich
erlangten Verheißung von Gott gesegnet werden, indem er ihn fruchtbar macht
und ihn mehrt (1.Mos.28,3; 35,11; 48,4).
4. Sein Same soll werden wie der Staub auf Erden (1.Mos.28,14).
5. Er soll sich gegen Abend und Morgen und Mitternacht und Mittag ausbreiten
(1.Mos.28,14).
6. Darum soll er zu einer großen Volksgemeinde werden (1.Mos.28,3; 48,4).
7. Ein Volk und eine Völkergemeinde soll von ihm kommen (1.Mos.35,11).
8. Könige sollen aus Jakobs Lenden hervorgehen (1.Mos.35,11).
9. Durch ihn und seinen Samen sollen alle Geschlechter auf Erden gesegnet
werden (1.Mos.28,14).
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10. Gott segnet Jakob mit dem neuen Namen „Israel“ (1.Mos.32,27-30; 35,9-10).
11. Gott will mit Jakob sein und ihn nicht verlassen, bis er an ihm getan hat, was er
ihm gesagt hat (1.Mos.28,15).
12. Völker sollen ihm dienen und Geschlechter sich vor ihm bücken (1.Mos.27,29).
5. Joseph, der Träger der göttlichen Verheißungen
Ehe diese göttlichen Verheißungen weitere Träger fanden, an denen sie sich erfüllen
konnten, mußte Jakob viel Herzeleid durchmachen (1.Mos.37,31-35; 42,36-38) und zuletzt
das ihm von Gott verheißene Land verlassen und in das fremde Land Ägypten ziehen
(1.Mos.46), wo sein Sohn Joseph bereits von Gott dazu gebraucht wurde, für sein Volk zu
sorgen (1.Mos.41,37-57), daß diese 75 Seelen (Apg.7,14), die mit Jakob nach Ägypten
gezogen waren, während vierhundert und dreißig Jahren zu einem Volk von 600000
Männern werden konnten (2.Mos.12,37-41). Von diesem Volk in Ägypten war Joseph der
erste Träger der göttlichen Verheißungen, der diese Stellung zwar ohne göttliche
Offenbarung, wie sie die Väter bis dahin bekommen hatten, einnehmen mußte. Nachdem
sein Vater ihn über die von Gott empfangenen Ewigkeitsverheißungen unterrichtet hatte
(1.Mos.48,3-4.16.21), beweist er seine Treue zu diesen Verheißungen in der Hoffnung, daß
sich diese göttlichen Verheißungen, die die Väter empfangen hatten, erfüllen werden. Das
Zeugnis von dieser Glaubens- und Hoffnungsstellung lautet:
„Durch Glauben gedachte Joseph bei seinem Ende des Auszuges der Kinder
Israel und gab Befehl wegen seiner Gebeine.“ (Hebr.11,22)
Deshalb hatte Moses beim Auszug des Volkes Israel aus Ägypten die Gebeine
Josephs nach dem verheißenen Lande mitgenommen, weil Joseph von den Kindern
Israels einen Eid abgenommen hatte (2.Mos.13,19; Jes.24,32), indem er ihnen sagte:
„Gott wird euch gewiß heimsuchen und aus diesem Lande hinaufführen in das
Land, das er dem Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat.“
Seite 155
„Wenn Gott euch heimsuchen wird, so sollt ihr meine Gebeine von hier hinaufbringen!“ (1.Mos.50,24-25; Hebr.11,22)
Mit diesem Glauben hat Joseph seine treue Stellung diesen göttlichen Verheißungen
gegenüber, die Gott seinen Vätern gegeben hatte, bis ans Ende seines Lebens bewiesen.
6. Moses, der Träger der göttlichen Verheißungen
Nach Joseph finden wir diesen Glauben an die göttlichen Verheißungen wieder bei
Moses, der das göttliche Werkzeug wurde, daß sich diese Verheißungen durch die
Rückkehr des Volkes Gottes aus Ägypten in das den Vätern verheißene Erbland weiter
erfüllen konnten. Wie dieses göttliche Werkzeug sich zum Träger und Vermittler der
göttlichen Verheißungen entwickelt hat, bis er von Gott gebraucht werden konnte, und wie
es dann seinen Dienst ausübte, sagt uns das Wort Gottes:
„Durch Glauben weigerte sich Moses, als er groß geworden war, ein Sohn der
Tochter Pharaos zu heißen; er wollte lieber mit dem Volke Gottes Ungemach leiden, als zeitliche Ergötzung der Sünde haben, da er die Schmach Christi für
größeren Reichtum hielt, als die Schätze Aegyptens; denn er sah die Belohnung
an.“ (Hebr.11,24-26)
Diese Stellung wird durch die Worte bestätigt:
„Durch Glauben verließ er Aegypten, ohne den Grimm des Königs zu fürchten;
denn er hielt sich an den Unsichtbaren, als sähe er ihn.“ (Hebr.11,27)
Das Reich Gottes
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Nachdem er in Midian beim Schafhüten vierzig Jahre über die Erfüllung der göttlichen
Verheißungen nachgedacht hatte (2.Mos.2,15-22; 3,1; Apg.7,23; 2.Mos.7,7), fand ihn Gott
wieder, indem er ihm in einem brennenden Dornbusch erschien und ihn rief:
„Mose, Mose!“
Auf die Antwort:
„Hier bin ich!“
spricht Gott:
„Komm nicht näher herzu! Ziehe deine Schuhe aus von deinen Füßen; denn der
Ort, darauf du stehest, ist heiliges Land!“ (2.Mos.3,4-5)
Und Gott sprach:
„Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott
Jakobs!“ (2.Mos.3,6)
Der Herr sprach weiter zu Mose:
„Ich habe das Elend meines Volkes in Aegypten angesehen und habe ihr
Geschrei gehört über die, welche sie treiben; ja ich kenne ihre Schmerzen, und
ich bin herabgefahren, daß ich sie errette von der Aegypter Hand und sie ausführe
aus diesem Land in ein gutes und weites Land, in ein Land, das von Milch und
Honig fließt,
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an den Ort der Kananiter, Hetiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter. Und
nun siehe, das Geschrei der Kinder Israels ist vor mich gekommen, und ich habe
auch ihre Bedrückung gesehen, wie die Aegypter sie bedrücken! So geh’ nun hin,
ich will dich zu Pharao senden, daß du mein Volk, die Kinder Israels, aus Aegypten führest.“ (2.Mos.3,7-10)
Nachdem Moses aber vierzig Jahre lang in der Wüste über die Erfüllung der göttlichen Verheißungen nachgedacht hatte, war er nicht mehr so überzeugt, daß Gott ihn zur
Befreiung des Volkes aus Ägypten und zur Führung in das seinen Vätern verheißene
Land gebrauchen könne. Gott offenbarte ihm noch seinen Namen:
„Ich bin, der ich bin!“ (2.Mos.3,14)
und sagte noch ganz ausführlich:
„Also sollst du zu den Kindern Israels sagen: Jehova, der Gott eurer Väter, der
Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt;
das ist mein Name ewiglich und meine Benennung für und für. Geh’ hin und versammle die Ältesten von Israel und sprich zu ihnen: Jehova, der Gott eurer Väter,
der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist mir erschienen und hat gesagt: Ich
habe Acht gegeben auf euch und auf das, was euch in Aegypten widerfahren ist,
und ich sage euch: Ich will euch aus dem Elend Aegyptens herausführen in das
Land der Kananiter, Hetiter, Amoriter, Pheresiter, Heviter und Jebusiter, in das
Land, das von Milch und Honig fließt.“ (2.Mos.3,15-17)
Aber Moses hatte gar keine Lust, diesen göttlichen Auftrag zu erfüllen. Vierzig Jahre
früher wollte er es gern tun, aber jetzt sagte er zu seinem Gott:
„Ach, mein Herr, ich bin kein Mann, der reden kann; ich bin es weder gestern
noch vorgestern gewesen und auch nicht, seitdem du mit deinem Knechte geredet hast; denn ich habe einen schwerfälligen Mund und eine schwere Zunge!“
(2.Mos.4,10)
Alle göttlichen Beweisführungen konnten ihn nicht überzeugen. Er sagte zuletzt:
„Bitte, Herr, sende doch, wen du senden willst!“ (2.Mos.4,13)
Da wurde aber der Herr sehr zornig über Mose, und das hatte dann auch zur Folge,
daß Moses nun endgültig seinen Widerstand gegen diesen ihm von Gott befohlenen
Das Reich Gottes
- 141 -
Dienst aufgab (2.Mos.4,18.28-30), und zwar so gründlich, daß er der sanftmütigste Mensch
seiner Zeit genannt wurde (4.Mos.12,3). Er konnte in der Folgezeit nicht nur das Volk
Gottes führen, sondern es auch vor Gott für den Ungehorsam durch seine Treue
vertreten, die er zu den göttlichen Verheißungen bewies, die die Väter empfangen hatten.
In dieser Gehorsamsstellung zu den göttlichen Verheißungen verharrte Moses bis an das
Ende seines Lebens, so daß nach ihm kein solcher Knecht Gottes im Volke Gottes mehr
war, den Gott so von Angesicht zu Angesicht kannte (5.Mos.34,10).
Seite 157
In dieser Stellung konnte er zu seinem Gott in treuer Stellvertretung für sein Volk, das
Gott um seines Abfalles willen durch Vernichtung strafen wollte, sagen:
„Nun vergib ihnen doch ihre Sünde; wo nicht, so tilge mich aus deinem Buch, das
du geschrieben hast!“ (2.Mos.32,32)
Als Mose aber nur ein einziges Mal durch den wiederholten Ungehorsam des Volkes
gereizt wurde, gegen das Wort Gottes, den Felsen, der dem widerspenstigen Volk wieder
Wasser geben sollte, zweimal zu schlagen, anstatt nur mit demselben zu reden
(4.Mos.20,8-13), mußte er mit seinem Bruder Aaron dafür das Todesurteil seines Gottes
vernehmen:
„Weil ihr nicht auf mich vertraut habt, daß ihr mich vor den Kindern Israels heiligtet, sollt ihr diese Gemeinde nicht in das Land bringen, das ich ihnen geben
werde!“ (4.Mos.20,12)
Gott sagte zu Mose:
„Steig’ auf dieses Gebirge Abarim und besiehe das Land, das ich den Kindern
Israels gegeben habe. Und wann du es gesehen hast, so sollst du auch zu deinem Volke versammelt werden, wie dein Bruder Aaron versammelt worden ist,
weil ihr in der Wüste Zin in meinem Worte widerspenstig gewesen seid in dem
Hader der Gemeinde, als ihr mich vor ihnen durch das Wasser heiligen solltet.“
(4.Mos.27, 12-14)
Sein eigener Bericht zeigt uns, wie Gott die Bitte um Begnadigung abgewiesen hat.
Er lautet:
„Und ich flehte zum Herrn um Gnade zu jener Zeit und sprach: Ach Herr, Jehova,
du hast angefangen, deinem Knechte zu zeigen deine Majestät und deine starke
Hand; denn wo ist ein Gott im Himmel und auf Erden, der es deinen Werken und
deiner Macht gleichtun könnte? Laß mich doch hinübergehen und das gute Land
sehen jenseits des Jordan, dieses schöne Gebirge und den Libanon! Aber der
Herr war zornig über mich um euretwillen und erhörte mich nicht, sondern der
Herr sprach zu mir: Das ist zu viel für dich! Sage mir davon nicht mehr!“
(5.Mos.3,23-26; vgl.5.Mos.4,21-22)
Selbst am Ende seines Lebens, als Gott ihn ausschließt von dem Anteil der ganzen
Erfüllung seiner Verheißungen, die er den Vätern geschworen hatte, bekennt Mose
trotzdem seinen unerschütterlichen Glauben an die Erfüllung dieser göttlichen
Verheißungen (5. Mose Kap. 32 u. 33).
7. Josua, der Träger der göttlichen Verheißungen
Nach dem Tode Moses war es Josua, der Sohn Nuns, der als göttliches Werkzeug
und Verheißungsträger in die Fußstapfen Moses trat. Er brachte nach dem Befehl Gottes
das Volk Gottes über den Jordan ins verheißene Land (Jos.Kap.3 u. 4 ff). Weil Moses selbst
Das Reich Gottes
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nicht mehr Führer und Träger der göttlichen Verheißungen für das Volk Gottes sein
konnte,
Seite 158
er aber um die Erfüllung derselben von ganzem Herzen besorgt war, betete er:
„Jehova, der Gott der Geister alles Fleisches, wolle einen Mann über die
Gemeinde setzen, der vor ihnen aus- und eingehe und sie aus- und einführe, daß
die Gemeinde des Herrn nicht sei wie die Schafe, die keinen Hirten haben!“
(4.Mos.27,16-17)
Gott erhörte sein Gebet und antwortete ihm:
„Nimm Josua, den Sohn Nuns, zu dir, einen Mann, in welchem der Geist ist, und
lege deine Hand auf ihn und stelle ihn vor Eleasar, den Priester, und vor die
ganze Gemeinde und gib ihm Befehl vor ihren Augen. Und lege von deiner Hoheit
auf ihn, daß ihm die ganze Gemeinde der Kinder Israels gehorsam sei. Und er soll
vor Eleasar, den Priester treten, der soll für ihn ratfragen vor dem Herrn durch den
Gebrauch der Urim. Nach seinem Worte sollen sie aus- und einziehen, er und alle
Kinder Israels und die ganze Gemeinde mit ihm.“ (4.Mos.27,18-21)
Moses selbst berichtet darüber noch, daß der Herr ihm gesagt hatte:
„Gebiete aber Josua, stärke ihn und schärfe ihm ein, daß er über den Jordan vor
dem Volk hergehe und ihnen das Land, das du sehen wirst, zum Erbe austeile.“
(5.Mos.3,28)
Moses sagte zu Josua:
„Sei tapfer und stark; denn du wirst mit diesem Volk in das Land kommen, das
der Herr ihren Vätern geschworen hat, ihnen zu geben, und du wirst es zum Erbe
unter sie austeilen. Der Herr aber, der selbst vor dir hergeht, wird mit dir sein und
wird die Hand nicht von dir abziehen noch dich verlassen; fürchte dich nicht und
erschrick nicht!“ (5.Mos.31,7-8.13)
Josuas Stellung und Dienst ist mit den Worten geschildert:
„Josua aber, der Sohn Nuns, war mit dem Geist der Weisheit erfüllt; denn Mose
hatte seine Hände auf ihn gelegt; und die Kinder Israel gehorchten ihm und taten,
wie der Herr dem Mose geboten hatte.“ (5.Mos.34,9)
Gottes Auftrag an Josua lautete nun:
„Mein Knecht Mose ist gestorben; so mache dich nun auf, ziehe über diesen Jordan, du und dieses ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Kindern Israels,
geben werde! Jeden Ort, darauf euere Fußsohlen treten werden, habe ich euch
gegeben, wie ich Mose versprochen habe: - von der Wüste an und diesem Libanon bis an den großen Strom Euphrat und bis zu dem großen Meer, da die Sonne
untergeht, das ganze Land der Hetiter soll euer Gebiet sein. Niemand soll vor dir
bestehen dein Leben lang; wie ich mit Mose gewesen bin, also will ich auch mit
dir sein; ich will dich nicht loslassen und gar nicht verlassen. Sei stark und fest!
Denn du sollst diesem Volk das Land zum Erbe austeilen,
Seite 159
das ich ihren Vätern geschworen habe, es ihnen zu geben. Sei du nur stark und
sehr fest, daß du darauf achtest zu tun nach dem ganzen Gesetz, das dir mein
Knecht Mose befohlen hat; weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, auf daß du allenthalben weislich handeln mögest, wo du hingehst! Dieses
Gesetzbuch soll nicht von deinem Munde weichen, sondern forsche darin Tag
und Nacht, auf daß du achtgebest, zu tun nach allem, was darin geschrieben
steht; denn alsdann wird dir dein Weg gelingen und dann wirst du weislich handeln! Habe ich dir nicht geboten, daß du stark und fest sein sollst? Sei unerschrocken und unverzagt; denn Jehova, dein Gott, ist mit dir überall, wohin du
gehst.“ (Jos.1,2-9)
Das Reich Gottes
- 143 -
Seine Stellung zu den göttlichen Verheißungen bezeugt Josua den Amtleuten des
Volkes mit den Worten:
„Gehet mitten durch das Lager, gebietet dem Volk und sprechet: Bereitet euch
Speise auf die Reise, denn nach drei Tagen werdet ihr über diesen Jordan gehen,
daß ihr hineinkommet und das Land einnehmet, das euch der Herr, euer Gott,
einzunehmen gibt!“ (Jos.1,11)
und die Erfüllung der göttlichen Verheißungen bezeugt er mit den Worten:
„Also gab der Herr den Kindern Israels das ganze Land, das er geschworen hatte,
ihren Vätern zu geben, und sie nahmen es ein und wohnten darin. Und der Herr
verschaffte ihnen Ruhe rings herum, ganz so, wie er ihren Vätern geschworen
hatte, und es bestand keiner ihrer Feinde vor ihnen, sondern der Herr gab alle
ihre Feinde in ihre Hände. Es fehlte nichts von all dem Guten, das der Herr dem
Hause Israels versprochen hatte, es kam alles.“ (Jos.21,43-45)
Kurz vor seinem Tode lautet sein Zeugnis noch:
„Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen!“ (Jos.24,15)
8. Weitere Träger der göttlichen Verheißungen
Wohl hatte Gott seine den Vätern gegebenen Verheißungen nun erfüllt und das Volk
Gottes ins verheißene Land als in seinen Erbbesitz gebracht. Aber bald nachdem Josua
tot war, erfüllte sich seine dem Volke gegebene Ermahnung:
„Ihr könnt dem Herrn nicht dienen, denn er ist ein heiliger Gott, ein eifriger Gott,
der eure Übertretungen und Sünden nicht dulden wird. Wenn ihr den Herrn verlasset und fremden Göttern dienet, so wird er sich wenden und euch Übles tun
und euch aufreiben, nachdem er euch Gutes getan hat.“ (Jos.24,19-20)
Denn der Bericht lautet nun:
„Das Volk diente dem Herrn, so lange Josua lebte, und so lange die Ältesten
nach Josua lebten, welche alle die großen Werke des Herrn gesehen hatten, die
er an Israel getan. Als aber Josua, der Sohn Nuns, der Knecht des Herrn,
gestorben war im Alter von hundertzehn Jahren, begruben sie ihn im Gebiet
seines Erbteils,
Seite 160
zu Timnat-Heres, auf dem Gebirge Ephraim, nördlich vom Berge Gaasch. Als
auch jenes ganze Geschlecht zu seinen Vätern versammelt war, kam nach ihm
ein anderes Geschlecht auf, welches den Herrn nicht kannte, noch die Werke, die
er an Israel getan. Da taten die Kinder Israels, was übel war vor dem Herrn, und
dienten den Baalen und verließen Jehova, den Gott ihrer Väter, der sie aus
Aegyptenland geführt hatte, und folgten andern Göttern nach, von den Göttern der
Völker, die um sie her wohnten, und beteten diese an und erzürnten den Herrn.
Als sie nun Jehova verließen und dem Baal und den Astarten dienten, da
ergrimmte der Zorn des Herrn über Israel, und er gab sie in die Hände der Räuber,
daß diese sie beraubten, und verkaufte sie in die Hände ihrer Feinde ringsum, daß
sie ihren Feinden nicht mehr widerstehen konnten. Überall, wohin sie auszogen,
war die Hand des Herrn wider sie zum Unglück, wie der Herr ihnen gesagt und
wie der Herr ihnen geschworen hatte, und sie kamen in große Not.“ (Richt.2,7-15)
Schon Moses mußte dem Volk Gottes nicht nur die göttlichen Verheißungen vermitteln, sondern ihnen zugleich die Gerichtsandrohungen kundtun, die Gott über sie
bringt, wenn sie seinem Bund nicht treu sind (3.Mos.26,14-39; 5.Mos.28,15-68; 30,17-19). Die
angegebenen Schriftstellen über die Gerichtsandrohungen durch Moses sagen im
Grunde genommen dasselbe wie das oben genannte Zeugnis von Josua. Des Volkes
Abfall von Gott wurde in der Zeit der Richter und Könige sehr groß. Darum mußte Gott
Das Reich Gottes
- 144 -
sein Volk durch dessen Feinde und sonstige Heimsuchungen auch in große und größte
Not bringen.
In diesen Gerichtszeiten und -erfahrungen standen dann dem Volk Israel immer
wieder einzelne treue Verheißungsträger zur Seite. Es waren die Richter, Propheten und
einige Könige, die das Volk Gottes immer wieder aus ihrem Götzendienst und aus ihrer
Feinde Gewalt retteten. Unter ihnen sind besonders zu nennen: Debora (Richt.6,11-32),
Gideon (Richt.5) und Simson (Richt.13,5; 15,8; 16,22-30) unter den Richtern, dann Samuel
(1.Sam.12), der Bahnbrecher der Propheten, dem dann Elias und Elisa folgten (1.Kg.18,2140; 2.Kg.2,9-14; 3,11-27; 13,14-19). Weiter sind es die durch ihre Bücher bekannten größeren
und kleineren Propheten sowie David, der größte unter den Königen (1.Sam.17,26-58;
2.Sam.5,17-25; 6,1-19; Kap.8; Kap.22; 1.Kg.2,1-9),
und einige seiner treuen Nachkommen wie
Salomo (1.Kg.6 - 9), Josaphat (2.Chr.17,3-9; 20,1-26) und Hiskia (2.Kg.18,1-12), dann der große
und junge Reformator Josias (2.Kg.22; 23,1-25) unter den Königen Judas. Ihre Treue wird
durch die Stellung von Daniel und seinen drei Freunden in der babylonischen
Gefangenschaft noch gekrönt (Dan.3,1-27; 6,1-24) und Esra (Esr.7-10), Serubabel (Esr.3;
Hgg.Kap.1 - 2) und Nehemja (Neh.1; 2,1-6) stehen ihnen in treuem Dienst an der Erfüllung der
göttlichen Verheißungen würdig zur Seite. Sie alle waren die Träger und treuen Zeugen
der göttlichen Verheißungen, die zu allen Zeiten der Untreue des
Seite 161
Volkes Gottes gegen die göttlichen Verheißungen und den göttlichen Bund steuerten und
zur Treue gegen Gott ermahnten.
Es waren somit am Anfang nicht nur Abraham, Isaak und Jakob, die eine treue
Glaubensstellung zu den göttlichen Verheißungen eingenommen hatten, die Gott ihnen
für sein Volk gegeben hatte, sondern es hat nach dem Tode dieser Väter immer wieder
Männer gegeben, die eine treue Glaubensstellung zu den göttlichen Verheißungen hatten.
Sie wußten, daß auf Grund dieser Verheißungen die Nachkommen der zwölf Söhne
Jakobs das auserwählte Volk Gottes sind, dem Gott die sichere Erfüllung aller seiner
Verheißungen durch einen ewigen Bund und Eid bestätigt hat (Ps.122,4).
Auf diese göttlichen Verheißungen und den ewigen Bund, die dem Volke Gottes für
ewige Zeiten gelten, weist Gott selbst und seine treuen Knechte zu allen Zeiten hin
(Ps.50,5; 89,4-5.29-30; 105,8-11; 111,5.9).
Es fehlt hier der Raum, um die mannigfaltigen
weiteren Zeugnisse aus Gottes und der Propheten Mund ausführlich zu behandeln, die
uns zeigen, wie Gott und das ganze Volk Gottes der zwölf Stämme mit der Erfüllung der
von Gott den Vätern gegebenen Ewigkeitsverheißungen zu allen Zeiten vor Christi Geburt
rechneten. Doch die noch folgenden Aufstellungen, die uns das bestehende Verhältnis
zwischen Gott und dem auserwählten Volk der zwölf Stämme Israels zeigen, sind
untrügliche Zeugnisse von dem Vorhandensein treuer Verheißungsträger zu allen Zeiten.
Es sollen aber auch kräftige Beweise dafür sein, daß und wie wir mit der völligen Erfüllung
der göttlichen Verheißungen an seinem ganzen Volk der zwölf Stämme rechnen dürfen
und müssen.
Auf dem Grund dieser Verheißungen, die Gott Abraham, Isaak, Jakob und ihrem
Samen für ewige Zeiten gegeben hat, daß sie ein Land bekommen und ewig besitzen
- 145 -
Das Reich Gottes
sollen und daß sie das von Gott gesegnete Volk unter allen Völkern bleiben sollen, ruht
nun das Verhältnis, das zwischen Gott und seinem Volk besteht. Gott selbst, als der
unwandelbare, treue Gott, bürgt für die Erfüllung all dieser Verheißungen.
Aus all diesen herrlichen und wunderbaren Verheißungen Gottes für das Volk Israel,
als dem Volk der zwölf Stämme, in Verbindung mit der Stellung der Träger der
Verheißungen zu denselben, können wir nun auch leicht erkennen, daß wir unter den
heute bekannten Juden nicht das ganze Zwölfstämmevolk Israel ansehen dürfen. Man
müßte bei solcher Auffassung und Darstellung, daß die heute bekannten Juden das
ganze Volk Israel seien, diese göttlichen Verheißungen, die für das ganze Volk Gottes
gegeben sind, in der Beurteilung der Geschichte der Völker des vierten Weltreiches
geradezu unbeachtet lassen, verwerfen und dadurch seinen Unglauben Gott und seinem
Wort gegenüber offenbaren. Wenn die Ungläubigen als die Welt eine solche Auffassung
haben und Gott in seinen Gedanken und in seinem Walten nicht verstehen können und
nicht anerkennen wollen, so sollten doch die Gläubigen, als die Träger des Willens
Gottes, solche Auffassung und Stellung
Seite 162
nicht haben. Sie sollen sich vielmehr, wie es in Daniel heißt, den Verstand erleuchten und
göttliche Weisheit schenken lassen, damit sie Gottes Walten und Weg mit seinem Volk in
der Zeit des vierten Weltreiches recht erkennen können (Dan.12,4). Nur so sind sie dann
würdige Nachfolger der in Gottes Wort genannten Segensträger.
Wir werden dann aus den späteren Ausführungen über das Volk Gottes in der Zeit
des vierten Weltreiches an Hand des Wortes Gottes weitere klare Beweise finden für das
Vorhandensein der ganzen zwölf Stämme in Form von Völkern während der Zeit der
vierten Weltreichsherrschaft.
e) Die Bedeutung des Volkes Israel für Gott
Wollen wir einen immer tieferen Einblick in Gottes wunderbares und geheimnisvolles
Walten mit seinem Volk erlangen, so müssen wir aus den folgenden Ausführungen noch
kennenlernen, wie die Heilige Schrift über das Verhältnis redet, das zwischen dem
auserwählten Volk Israel und seinem Gott besteht.
Gott selbst und die Heilige Schrift bezeichnen das Volk Gottes als:
mein Sohn (1.Chr.22,10)
mein erstgeborener Sohn (2.Mos.4,22-23)
mein Volk Israel (1.Kg.6,12-13)
dein einziges Volk (2.Sam.7,23)
dein ansehnliches Volk (1.Kg.3,9)
mein Volk und ich ihr Gott (Jer.4,7; Hes.34,30)
sein auserwähltes Volk (Jes.43,20; 44,1-2; 45,4; 65,9.15.22; Hes.20,5; 5.Mos.14,2; 1.Kg.3,8;
1.Chr.16,13; Ps.105,6.43; 106,5)
berufen (Jes.48,12)
von ihm gebildet, daß es seinen Ruhm verkündige (Jes.43,21)
von ihm geschaffen, gemacht und bereitet (Jes.44,21; 5.Mos.32,6)
ewig zum Volk zubereitet (2.Sam.7,24)
sein Volk, das er liebt und auf ewig erhalten will (1.Kg.10,9; 2.Chr.9,8)
sein Erbvolk (5.Mos.4,20)
sein Erbteil (2.Kg.21,14)
Das Reich Gottes
- 146 -
aus allen Völkern auf Erden zum Erbe und Erbteil ausgesondert (1.Kg.8,51.53; 2.Mos.34,9;
5.Mos.9,26.29)
Stämme seines Erbteils (Jes.63,17)
Jehovas Anteil (5.Mos.32,9)
vor allen Völkern auf dem Erdboden ausgezeichnet (2.Mos.33,16)
heiliges Volk (2.Mos.19,6; Jes.62,12)
mein Haus (1.Chr.17,14)
mein Königreich (1.Chr.17,14)
seinen Knecht (Jes.45,4)
Weinberg des Herrn (Jes.5,7)
Pflanzung des Herrn (Jes.61,3)
seine Lieblingspflanzung (Jes.5,7)
seinen Augapfel (5.Mos.32,10)
Gottes Diener (2.Mos.8,20; 3. Mos.25,55; Hes.20,40)
Erlöste des Herrn (Jes.48,20; 62,12)
Königreich von Priestern (2.Mos.19,6)
Städte unseres Gottes (1.Chr.19,13)
Jerusalem, wo Gott ewig wohnt (1.Chr.23,25)
Gemeinde des Herrn (1.Chr.28,8)
seine Herde (Hes.34,31)
Seite 163
Schafe seiner Weide (Hes.34,31)
das geringste Volk unter allen Völkern (5.Mos.7,7)
das höchste Volk, über alle Völker gesetzt (5.Mos.26,19)
von Gott erhöhtes Volk über alle Völker auf Erden (5.Mos.28,1)
so großes Volk, daß es niemand zählen noch vor Menge berechnen kann (1.Kg.3,8)
f) Gottes Stellung zum Volk Israel
Um die Stellung und das Verhältnis Gottes zu dem nationalen Volk Israel ins rechte
Licht zu rücken, sind von Gott in seinem Wort mannigfaltige Namensbenennungen
gebraucht. Diese sind:
Israels Vater (5.Mose 32,6; Jer.31,9)
sein Schöpfer (Jes.45,11)
unser Töpfer (Jes.64,7)
Herr, Gott Israels (Jos.7,13.19.20; 10,40.43)
Jehova Zebaoth, Gott über Israel (2.Sam.2,26-27)
Gott Jakobs (Ps.24,6)
Gott in Israel (2.Chr.11,16)
Heiligen Israels (Jes.12,6)
Gott, der Heilige Israels (Jes.43,3)
dein Heiland (Jes.43,3)
sein Heiland und Erlöser (Jes.49,26)
Jehova, Gott Abrahams, Isaaks, Israels (1.Kg.18,36)
Jehova, Gott ihrer Väter (Richt.2,12)
aller Geschlechter Israels Gott (Jer 31,1)
Gott, ihr König (1.Sam.12,12)
der Hebräer Gott (2.Mos.5,3; 7,16; 10,3)
Fels Israels (2.Sam.23,2)
Vorsteher Israels (1.Sam.15,29)
mein Gott (1.Chr.29,2-3)
seines Gottes (2.Kg.5,11)
Jehova, euer Gott (Jos.2,11; 23,3.5.8.10)
der Herr, euer Gott (Jos.4,23; 8,7)
deines Gottes (Jos.9,9.24)
Das Reich Gottes
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unseres Gottes (Jos.22,19)
Jehova, unser Gott (Jos.24,17)
dein Gott (Rut.1,16)
dein Erbarmer (Jes.54,10)
Zions Tröster (Jes.51,3)
der Mächtige Jakobs-Israels (Jes.1,24; 60,16)
Jehova, ihr ewiges Licht (Jes.60,19)
Hoffnung Israels (Jer.14,8)
seines Volkes Schutz (Joel 4,16)
seines Volkes Zuflucht (Joel 4,16)
ihr Schirm (Sach.9,15)
ihre Stärke (Jer.16,19)
ihre Burg (Jer.16,19)
ihre Gerechtigkeit (Jer.23,6)
ihr lebendiger Gott (Jer.23,33)
Israels Hilfe (Hes.13,9)
ihr Heil (Mich.7,7).
Alle diese Zeugnisse, die das Verhältnis zwischen Gott und dem Zwölfstämmevolk
Israel zeigen, gründen sich auf die Verheißungen, die Gott den Stammvätern dieses
Volkes gegeben hat. Sie sind kostbare Ergänzungen für diese Verheißungen und zeigen,
daß sich der Wille Gottes erfüllen wird, den er in seinem Ewigkeitsratschluß mit seinem
Volke gefaßt hat.
Seite 164
g) Die Zerstreuung der zwölf Stämme Israels als Beweis für ihr
Vorhandensein in der Zeit der vierten Weltreichsherrschaft
Gott hat seinem ganzen Volk als Lohn für seinen treuen Gehorsam den Segen
verheißen und als Strafe für den Ungehorsam den Fluch angedroht (3.Mos.26,3-32). Wegen
des Ungehorsams will Gott das Volk heimsuchen mit Schrecken, mit Schwindsucht und
Fieberhitze, auch den Erntesegen will er ihnen versagen, und das Volk soll von seinen
Feinden beherrscht werden. Wenn es in seinem Trotz gegen Gott verharrt, will Gott ihm
noch härtere Strafen auferlegen (3.Mos.26,18.21-24.27). Endlich soll das Volk aus seinem
Lande wieder hinweg in die Länder ihrer Feinde in Gefangenschaft kommen (3.Mos.26,3338; 5.Mos.4,25-28; 28,36-37.41.64-68). Das alles hat sich nun buchstäblich an den beiden
Reichen des Volkes Israel: dem „Nordreich Israel“ und dem „Südreich Juda“ erfüllt, so
daß das ganze Volk bis heute unter den übrigen Völkern, fern von seiner ihm von Gott
verheißenen Heimat, umherirren muß. Das soll aber nur zu seiner Demütigung führen,
denn wenn es schon unter alle Völker bis an das Ende der Erde zerstreut sein wird, will
Gott dieses Volk doch nicht ganz verderben und es nicht so verabscheuen, daß er es
ganz aufreibt oder gar seinen Bund mit den Kindern dieses Volkes bricht, denn er ist ja
ihr Gott, und sein Bund mit ihnen ist ein ewiger Bund (3.Mos.26, 39-45; 5.Mos.4,29-31; Richt.2,1;
1.Chr.16,14-19). Wenn er sein Volk straft, ja, wenn er es für alle Zeiten zum Denkstein
macht, indem er sein Volk, unter alle Völker zerstreut, seine Strafe tragen läßt, so hebt er
seinen ewigen Gnadenbund mit demselben doch nicht auf. Weil aber Moses diesen
Gnadenbund dem Volk lange Zeit vor der Trennung des Reiches in zwei Reiche bezeugt
hat, so kann dieser Gnadenbund nicht nur dem „Südreich Juda“ gelten. Er muß vielmehr
Das Reich Gottes
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dem ganzen Volk, also auch dem „Nordreich der zehn Stämme“, gehören. Wenn Gott auf
Grund seines Bundes, den er mit seinem ganzen Volk gemacht hat, dieses Volk in der
Zeit seiner Zerstreuung unter den Völkern nicht ganz aufreibt, sondern am Ende als
einheitliches Volk der zwölf Stämme in seinem Lande wieder herstellt, so ist damit
bewiesen, daß bis zur Zeit der Wiederherstellung dieses Volkes alle zwölf Stämme, die
Stämme des „Südreiches Juda“ und auch diejenigen des „Nordreiches Israel“ in der
Völkerwelt zur Zeit des vierten Weltreiches vorhanden sein müssen. Das bestätigen uns
auch die Propheten, denn nach ihren Zeugnissen müssen beim Kommen des Herrn alle
Stämme Israels noch vorhanden sein (Hes.37,15-28; Kap.47 - 48; Offb.7,1-8).
Von der Zerstreuung aller zwölf Stämme Israels unter die Nationen sagt die Heilige
Schrift noch das Folgende:
Über die Gefangenführung des „Nordreiches Israel“ als der zehn Stämme durch die
Assyrer und ihre Zerstreuung unter die Völker reden die folgenden Stellen: 2.Kg.17,6.23;
Am.6,8.14; 9,4.
Dieser Teil des Volkes Gottes soll über Damaskus hinaus in die Gefangenschaft
wandern (Am.5,27).
Seite 165
Von der Gefangenführung des „Südreiches Juda“ als der zwei Stämme Juda und
Benjamin durch die Babylonier reden die folgenden Stellen: 2.Kg.24,14-16; 25,11.18-21;
2.Chr.21,17; 36,20-21; Jes.39,6-7; Jer.9,18; 10,17-18; 13,17-19; 17,4; 22,26.28; 24,4; 25,9.11; 27,6-7;
29,21-22; 43,10-11; 52,15; Hes.12,11; 21,29.
Über die Zerstreuung dieses Teiles des Volkes Gottes sagt die Heilige Schrift noch:
Juda ist unter die Völker zerstreut (Hes.12,15).
Sie sind unter alle die Völker zerstreut, die ihre Väter nicht kannten (Jer.9,15; 16,13; 17,4;
22,15.28; Sach.7,14).
Gott gibt Juda zur Mißhandlung hin allen Königreichen und Völkern (Jer.15,4; Hes.5,14;
6,8-9; 11,16).
Er zerstreut Juda nach allen Winden (Hes.5,10; 12,14).
Gott hat sie in die Länder verjagt (Hes.12,15).
Er hat sie in die Länder hin und her zerstreut (Hes.11,16; 22,15).
Sie sind an alle Orte verstoßen (Jer.8,3).
Gott gibt Juda in die Gewalt der Fremden (Hes.11,9).
Diese Zeugnisse lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Jedes aufrichtige Kind
Gottes kann darin das göttliche Walten mit seinem auserwählten Volk auch in der Zeit des
vierten Weltreiches erkennen und anerkennen.
Weitere Zeugnisse, die noch von der Zerstreuung des Volkes Gottes reden, finden
sich in den Worten Gottes, die von der Sammlung des Volkes Israel aus der Zerstreuung
und Rückkehr in ihr verheißenes Land reden, worüber ein später folgender Abschnitt
handeln wird.
3. Die christliche Gemeinde in der Zeit der eisernen Zähne und der
zwei eisernen Schenkel des vierten Weltreiches
Das Reich Gottes
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a) Das Volk Gottes, der Träger der christlichen Gemeinde
Wollen wir den Heilsratschluß Gottes mit seinem Volk und das Endgeschehen leichter
verstehen, so müssen wir auch das Verhältnis des Volkes Gottes, d.i. Gesamt-Israels, zur
christlichen Gemeinde beachten. Die Spuren dieses heute bereits christlichgläubigen und
gottsfürchtigen Gesamt-Israels hat Gott unter den Völkern so verwischen lassen, daß es
sich heute zu den übrigen Völkern rechnet. Selbst der christliche Bruderteil der
verstockten Juden aus dem Südreich Juda rechnet sich zu den übrigen Völkern, wohl
darum, weil er seit den verflossenen 1900 Jahren in ganz anderer Gesinnung lebt und
darum sittlich und wohl auch äußerlich den nationalen Juden entfremdet ist. Darum sind
in der christlichen Gemeinde die Begriffe vielfach verwirrt; man geht so weit, daß man im
Gegensatz zu den Judenchristen des ersten Jahrhunderts von der „Heidengemeinde“
aus den Nationen der späteren Jahrhunderte spricht und denselben sogar
Seite 166
einen größeren Lohn zuzusprechen sucht als den aus dem Volk Gottes gläubigen
Christen der ersten Gemeindezeit.
Soweit es der enge Rahmen erlaubt, soll im folgenden die biblische Stellung der aus
dem Volk Israel gläubig gewordenen Christen gezeigt werden. Daraus wird es dann
ersichtlich, wie notwendig die rechte Erkenntnis von der biblischgläubigen Gemeinde ist.
Aber es sollen uns dadurch auch die Spuren des in der Zeit des vierten Weltreiches
zerstreuten, scheinbar verschollenen Volkes Gottes noch weiter erschlossen und gezeigt
werden. Zuerst müssen wir wieder verstehen, aus was für Volksteilen die gläubige
Gemeinde besteht.
Gott hat sein Volk nur für die Zeit der vier Weltreiche als Staat unter den Völkern
seinem völkischen Bestand nach verworfen oder besser gesagt, hinter dieselben
zurückgestellt. Für diese Zeit haben nach Gottes Willen die Heiden oder Nationen die
weltbeherrschende Macht in ihren Händen, die anfänglich dem Volke Gottes gehörte. Weil
dieses aber seinem Gott nicht treu war, hat Gott ihm diese Macht weggenommen und sie
den Nationen während der Zeit der vier Weltreiche gegeben. Für diese Zeitdauer muß
auch das Volk Israel als politischer Volkskörper sich der Weltherrschaft der Nationen
beugen.
Aber damit ist durchaus nicht gesagt, daß das ganze Volk Israel für den Einfluß des
Evangeliums während der Zeit dieser vier Weltreiche, in der ja auch die Gemeinde von
ihrem Anfang zu Pfingsten bis zu ihrem Ende sich ausbildet, von Gott ausgeschlossen
sei. Davon erwähnt die ganze Bibel nichts. Erst in der Zeit des vierten Weltreiches fängt
die Gemeinde an, und zwar zur Zeit, da Jesus lehrte, und sie wird auch in der Zeit dieses
Weltreiches vollendet.
Die Apostel sollten nach dem Befehl ihres Herrn mit der Heilsbotschaft der in Christo
vollbrachten Erlösung zuerst in Jerusalem anfangen, dann nach Judäa gehen, dann
weiter nach Samaria und zuletzt bis an die Enden der Erde (Apg.1,8). Dies haben sie auch
getan. Die Apostel harrten auch während der Verfolgung in Jerusalem aus (Apg.8,1). Dann
finden wir sie hin und her in Judäa und Samaria, und zuletzt wurde durch Petrus den
Heiden die Tür zum Reich Gottes in des Kornelius Haus aufgetan (Apg.8,4-40, Kap.10). Das
Das Reich Gottes
- 150 -
zeigt uns, wie treu der Herr auch dann noch für sein Vaterhaus und den Stamm Juda in
erster Linie sorgte, als sie ihn schon verworfen hatten. Doch finden wir, daß Petrus in
seinem ersten Brief schon Israel als die Fremdlinge in der Zerstreuung anredet (1.Petr.1,1).
Jakobus aber richtet seinen Brief direkt an die zwölf Stämme, die in der Zerstreuung sind
(Jak.1,1).
Diese Männer, die Jesus als Menschenfischer bezeichnet, sind also getreulich den
zwölf Stämmen Israels nachgegangen, um sie für ihren Gott zu fischen, wie ein solcher
Dienst ihnen im prophetischen Wort bezeugt war (Matth.4,19; Jer.16,16).
Man bezeichnet zwar Paulus als den Apostel der Nationen und damit auch ganz
besonders als den Apostel der Gemeinde, weil dieselbe aus den Nationen bestehen soll.
Doch Paulus sagt letzteres in keiner
Seite 167
einzigen Stelle seiner Schriften. Er hatte gleichwie die übrigen Apostel das Verlangen,
zuerst seinem eigenen Volk das Evangelium zu verkündigen, und auch er wollte in
Jerusalem anfangen (Apg.9,26-30). Sein Auftrag aber war, den Namen des Herrn vor
Heiden, Könige und die Kinder Israels zu tragen (Apg.9,15). Durch Offenbarung mußte der
Herr ihm seinen Weg zeigen, weil die Juden sein Zeugnis nicht annehmen würden,
darum sollte er ferne unter die Heiden gehen (Apg.22,18-21). Aber überall finden wir, wie
Paulus zuerst in die Synagogen geht zu seinem Volke, und erst, als diese ihn abwiesen,
wendet er sich zu den Heiden (Apg.13,46-47).
Dieses Judenvolk, das des Paulus Botschaft abwies, war wiederum nur das damals
bekannte, noch in einem Staat zusammengeschlossene Volk des Südreiches Juda, das
seinen Erlöser und Stammesgenossen gekreuzigt hatte. Dieses Reich bestand seit der
Teilung des Gesamtreiches der zwölf Stämme nur aus den Stämmen Juda und Benjamin,
welch letzterem Paulus selbst angehörte (Phil.3,5). Damals und bis zur heutigen Stunde
haben wir unter dem, was man „Juden“ nennt und als solche kennt, nur Nachkommen
dieser zwei Stämme zu sehen. Dabei ist aber noch zu bedenken, daß aus der
babylonischen Gefangenschaft nicht alle Juden und Benjaminiter in ihre Heimat
zurückgekehrt sind, und daß sie sich heute nach so langer Zeit ihrer Herkunft auch nicht
mehr bewußt sind, sich aber zweifellos sehr vermehrt haben; außerdem haben sich doch
viele Juden zur Zeit der Apostel bekehrt und sind seither „Christen“.
Die Missionsreisen führten dann Paulus nach Mazedonien, dann nach Griechenland,
später nach Rom und zuletzt wohl auch nach Spanien (Röm.15,24). Sie führten ihn also
nach Europa, in die Länder, die Häupter des letzten Weltreichs werden sollten, an den
Sitz der letzten Weltreichsherrschaft, die, wie wir sehen werden, Assur, Babel und Syrien
gehört, und an der später auch Israel teilnimmt (2.Kg.17,23; Jes.14,1-5.24-27; Mich.4,10-13;
Sach.2,10-15).
Dieses Geheimnis war sicher dem Paulus nicht unbekannt; denn nach den Verheißungen der Propheten, die dem streng gläubigen Pharisäer Saulus bekannt sein
mußten, sollen aus den Ländern der Mitternacht die Kinder Israels wiederkehren (Jer.16,1415; 23,7-8).
Das Reich Gottes
- 151 -
Dieser Tatsache gegenüber glaubten die aus der babylonischen Gefangenschaft
zurückgekehrten Juden damals, das allein rein erhaltene Volk Gottes zu sein, darum
rechneten sie auch Jesus unter die Samariter, d.h. unter die Unreinen, die Mischlinge der
zehn Stämme (Joh.8,48). Damit wollten sie ihn nicht als Heiden bezeichnen, sonst hätte er
ja kein Recht gehabt, in den Tempel zu gehen. Aber sie sahen ihn nicht als einen reinen
Juden an, sondern verwiesen ihn auf den Volksboden des Nordreichs Israel der zehn
Stämme.
Als unter den Juden die Vermutung auftauchte, Jesus könnte zu den Zerstreuten
unter den Griechen gehen, um die Griechen zu lehren, wiesen sie mit diesen Worten
nicht nur auf die unter den Griechen zerstreuten Juden hin, sondern sie wußten wohl so
gut wie Jakobus, daß auch die
Seite 168
zehn Stämme unter den Griechen zerstreut sind, wobei zu beachten ist, daß das Wort
„Griechen“ im Judenmund vielfach einfach „Heiden“ bezeichnet (Röm.2,9-10; 1.Kor.1,22).
Natürlich konnte dies dem Paulus auch nicht verborgen sein. Er kannte das Geheimnis
Israels; er wußte, daß es in der Rettung von ganz Israel besteht. Weil er ebenso genau
wußte, daß nur ein geringer Überrest Israels gerettet wird, kann er damit nur gemeint
haben: alle zwölf Stämme werden gerettet, wenn auch aus jedem nur ein Rest (Röm.11,2526; 9,27-29; vgl.7,5-8).
Selbst einige Griechen wollten Jesum sehen, worauf Jesus sagt, daß wenn er von der
Erde erhöhet werde, er sie alle zu sich ziehen wolle (Joh.12,30-32). Sollte er da nicht in
erster Linie an sein ganzes Israel gedacht haben, von denen der größte Teil so zerstreut
war, daß sie keinen Hirten hatten (Matth.9,36; vgl.Jer.50,17-20)? Dieses sind in erster Linie die
anderen Schafe, welche nicht aus dem Stalle des Südreiches Juda sind, die aber der
Herr auch herführen muß. Diese hören auch seine Stimme, auf daß wieder aus allen zwölf
Stämmen Israels ein Hirt und eine Herde werde, wie es durch die Propheten vorher
gesagt ist (Joh.10,16).
Dies ist vorerst die erste und einzige Vereinigung, die wirklich zustande kommen
wird, die Vereinigung des ganzen Volkes Israel unter dem „Einen Hirten“.
Lange genug hat fast jede der vielen Religionsgesellschaften dieses Ziel „ein Hirt und
eine Herde“ verwirklichen wollen, indem sie glaubte, auf dieses Wort hin die ganze
Menschheit unter ihre Ordnung bringen zu müssen. Dies ist bis heute keiner dieser
Richtungen geglückt. Doch wird es ohne Zweifel dem Erzhirten der Schafe gelingen. Er
als der einzige Hirte wird sich auch seine Herde sammeln; denn seine Schafe hören
seine Stimme (1.Petr.5,4; Joh.10,4).
Es ist aber nirgends gesagt, daß die ganze Menschheit während der Entwicklung der
Gemeinde Gottes, um zur Erstlingsstellung zu gelangen, des Herrn Stimme hört, denn
aus den Heiden oder Nationen wird nur die volle Zahl, d.i. eine ganz bestimmte Zahl,
eingehen. Wenn aber dies geschehen ist, dann wird das ganze Israel, also der Rest aller
zwölf Stämme, gerettet (Röm.11,25-26). Dies ist dann die „eine Herde“ unter ihrem „einen
Hirten, Jesus“, wenn sich ganz Israel zu ihm bekehrt hat. Wenn wir beachten, daß unter
den Hirten, von denen die Propheten reden, fast durchweg nicht die Priester, sondern die
Das Reich Gottes
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Könige des Volkes zu verstehen sind (vgl.1.Kg.22,17; Jes.13,14; 44,28; Jer.49,19; 51,23; Jes.34,23;
Mich.5,4; Sach.11,8.15-17),
so begreifen wir dieses Bild des einen Hirten mit der einen Herde
leicht. Es ist Jesus, der König Israels, mit seinem ganzen wiedervereinigten Volke.
Zu dieser Vereinigung müssen nun in erster Linie die Fischer mit ihrer Gnadenbotschaft unter den Völkern beitragen. Unter ihnen schaltet auch Paulus dieses unter den
Völkern zerstreute Israel nirgends aus der Gemeinde aus.
Schon am Pfingsttage redete Petrus die dort Versammelten als „jüdische Männer und
alle, die zu Jerusalem wohnen“ an, und die Schrift
Seite 169
nennt die, die zu Jerusalem wohnen: „Juden, gottesfürchtige Männer aus allen Völkern
unter dem Himmel“, obgleich sie in allerlei fremden Ländern geboren waren (Apg.2,5-14).
Beachten wir, daß das Nordreich Ephraim-Israel zu der Zeit schon viele hundert Jahre in
allen den dort verzeichneten Ländern zerstreut war, so waren zehn Stämme schon
jahrhundertelang geborene Fremdlinge, die weder die Sprache noch den Namen ihrer
Abstammung behalten hatten, und von denen sich wohl auch nur ein gläubiger Überrest
fortgesetzt ihres Gottes Israels erinnerte und zu den Festzeiten nach Jerusalem pilgerte,
um im Tempel des Gottes ihrer Väter anzubeten, nachdem schon zur Zeit der Könige die
wenigsten das getan hatten und wohl noch ein geringerer Teil aus dem Überrest, den die
assyrischen Könige in Samaria gelassen hatten (2.Chr.30,5-11). Wenn auch durch Israels
Einfluß sich manche aus den Nationen zum Gott Israels gewandt hatten, dürfen wir doch
mit Bestimmtheit annehmen, daß der größte Teil der aus jenen Ländern gekommenen
Anbeter wirklich Nackommen der zerstreuten zehn Stämme waren.
Schon in der Jerusalem-Gemeinde finden wir, daß ein Teil der Gläubigen griechischer
Abstammung war, die als solche bestimmt unter den Gläubigen aus Juda anerkannt
wurden (Apg.6,1). In Ikonium war wieder eine große Menge von Juden und Griechen
gläubig, ebenso in Thessalonich, in Korinth und in Rom (Apg.14,1; 17,4; 18,4; 20,21; 28,17.30).
Aber gerade Paulus tat am allerwenigsten, was man ihm beständig in die Schuhe
schiebt, nämlich, daß er neben den anderen Aposteln die Gemeinde aus den Nationen,
getrennt von Israel, bildete. Er stellte vielmehr nur die Juden und die Griechen als Sünder
auf ein und dieselbe Stufe dem Evangelium gegenüber, durch das sie nun beide in
gleicher Weise selig werden können (Röm.2,9; 3,9; 10,12; 1,16; 2,26-29). Und wenn sie den
Herrn im Glauben angenommen haben, so sind sie beide, Juden und Griechen, zu einem
Leibe getauft, und jeder Unterschied zwischen ihnen ist in der Gemeinde aufgehoben
(Gal.3,27-28; Apg.10,34-35; Kol.3,11; 1.Kor.12,13).
Die Nationen, welche „außer Christo“ ohne Gott in der Welt waren, sind nun „in
Christo“ zu Mitbürgern und Gottes Hausgenossen geworden (Eph.2,11-22). Damit ist
durchaus nicht gesagt, daß durch das Hinzukommen der Nationen Gottes ursprüngliches
Bundesvolk, das doch in der Jerusalem-Gemeinde so reichlich vorhanden war, aus der
Gemeinde ausgeschlossen sei.
Man kann demnach durchaus nicht behaupten, daß die Gemeinde sich aus den
Nationen, getrennt von Israel, gebildet habe, da doch Paulus selbst auch, der Apostel der
Nationen, die aus den Nationen eingepfropften Gläubigen nur an Stelle „etlicher“
Das Reich Gottes
- 153 -
ausgebrochener Zweige im alten Wurzelstock Israel sieht (Röm.11,17). In den Wurzelstock,
der alle Zweige trägt, werden aber in der letzten Zeit auch die aus dem Stamm und
Südreich Juda ausgebrochenen Zweige wieder eingepfropft, während die aus den
Nationen eingepfropften in der Gefahr stehen, wieder ausgebrochen zu werden
(Röm.11,11-32). Man vergißt, daß Israel nur zum Teil Verstockung widerfahren ist, und das
nur bis zur bestimmten Zeit. Und dieser Teil ist, wie
Seite 170
bereits bezeugt, nicht einmal der ganze Stamm Juda. Er hat zwar sein eigenes Urteil über
sich gesprochen mit den Worten:
„Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder …“ (Matth.27,25),
aber wir wissen, daß viele Juden sich bekehrt haben und heute „Christen“ sind, ja, daß
die Schrift von einem Reich am Ende der Tage redet, das „Juda“ heißt, das aber mit dem
heutigen „Krämervolk“ der Juden, die den offenbar verstockten Teil darstellen, nicht
erschöpft sein kann. Paulus redet demnach von Geschlechtern und Persönlichkeiten in
seinem Brief im Bilde der Zweige und nicht von ganzen Stämmen und Völkern (Röm.11,25;
Matth.27,25; Mark.15,11-15; Luk.23,48; Apg.2,37-39; 3,12 - 4,4.8-23.25-27; Hes.37,15-22). Die übrigen
zehn Stämme sind zu Jesu Zeiten weder ganz noch als einzelne Teile dieser Völker dem
Verstockungsgericht übergeben worden; denn sie waren ja bei der Kreuzigung Jesu
schon in der Zerstreuung unter den Völkern. Vielmehr sollte der Herr diesem Teil seines
Volkes in einer Weise in den Weg treten, daß sie von ihrem Götzendienst ablassen, um
sich wieder zu ihrem Gott zu bekehren (Hos.2,1.8-9).
Gott lockt zu diesem Zweck sein Volk, er führt es in die Wüste der Völker, um ihm dort
ans Herz zu reden und seinen Bund mit ihm zu machen (Hes.20,35-36; Hos.2,16-17). Dies tut
Gott durch die Fischer, indem sie Israel zusammen mit den Nationen, unter welche es
zerstreut ist, die göttliche Hilfe durch das Evangelium in der Zeit des letzten Weltreiches
vom Anfang bis zum Ende desselben anbieten. Auf diese Weise hört Israel die Stimme
seines Hirten und läßt sich zu ihm führen.
Nur von diesem Gesichtspunkt aus, daß das Zehnstämmevolk Israel durch das
Evangelium in der Gemeindezeit erreicht worden ist und den größten Teil der Gemeinde
bildet, kann Petrus das Wort des Propheten Hosea, das doch nur das nationale
Zehnstämmevolk Israel angehen kann, wo dessen Verwerfung und Wiederannahme
ausgesprochen ist, auf die Gemeinde beziehen (Hos.2,1; 1.Petr.2,9-10). Ja, Gott sind von
Ewigkeit her alle seine Werke bewußt (Apg.15,16-18).
Es ist leicht begreiflich, daß gerade dieses Volk, dem die Kindschaft gehört und die
Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottesdienst und die Verheißungen,
dessen Väter die treuen Gottesknechte waren, und aus denen selbst Christus nach dem
Fleische stammt (Röm.9,4-5), unter allen Völkern und zu allen Zeiten dem Evangelium am
nächsten stand.
Wir haben auf den Bund hingewiesen, den Gott außer dem vom Sinai mit Mose
machte und kennen die Worte der Propheten von dem „Neuen Bund“, den Gott mit Israel
machen will, so daß wir keine Ursache haben, das Volk des „Alten Bundes“ von dem
Volk des „Neuen Bundes“ ausgeschlossen anzusehen. Im Gegenteil, wir müssen es als
Das Reich Gottes
- 154 -
den Kern des Volkes des „Neuen Bundes“ und somit der christlichen Gemeinde in
unserer Zeit ansehen, ja, als das Volk des Bundes überhaupt, denn erst nach seiner
endgültigen Wiederherstellung im Tausendjährigen Reich bezeugt die Schrift, daß die
Völker in der gottgewollten
Seite 171
Verbindung mit dem Volk Gottes sein werden, wie auch die Offenbarung von dieser
neuen Zeit sagt: „Das (Völker-) Meer ist nicht mehr“ (5.Mos.29,1.11-14; Jer.31,31-34;
Röm.11,27; Sach.2,14-17; Offb.21,1).
So viele aber auch im Laufe der Jahrhunderte aus dem Volk Israel in der Zerstreuung
zum Herrn gekommen sein mögen, so dürfen wir doch nie die nationalen Völker Israel
und Juda mit der Gemeinde der Gläubigen verwechseln. Die Gemeinde ist nie bestimmt
gewesen, ein politischer Organismus, ein Staat unter den Völkern zu sein. Alle
diesbezüglichen Bestrebungen mußten scheitern, weil sie unbiblisch und unmöglich sind.
Die Gemeinde hatte nur den einzigen Zweck, die Menschen durch Wort und Tat zur
Glaubenshingabe an ihren Herrn zu bringen und die Gläubigen für ihr himmlisches,
zukünftiges Erbe, mit dem Herrn Priesterkönige zu sein, zu erziehen (Röm.8,17; 1.Petr.1,4;
Offb.5,10; 20,4).
Darum kann die Gemeinde, die, wie man natürlich irrtümlich glaubt, nur aus den
Heiden sein soll, niemals die Verheißungen, welche dem nationalen Volk Israel gegeben
sind, einfach ohne weiteres Israel absprechen und sie für sich allein beanspruchen. Diese
zwei Gebiete, das nationale Israel und die Gemeinde in ihren sieben Entwicklungszeiten,
wie sie uns Offenbarung 2 und 3 zeigen, muß jeder Bibelleser klar auseinanderhalten. So
wenig wie die nationale Bedeutung des Volkes Gottes auf die Gemeinde übergehen
kann, ebensowenig wird die nationale Bedeutung dieses Volkes durch den in der
Gemeinde Gottes gläubig gewordenen Teil dieses Volkes aufgehoben.
Was für Wege Gott mit den Völkern im verborgenen auch in der Gemeindeentwicklung gegangen ist, sind Geheimnisse, die mit natürlichen Sinnen nicht zu fassen
sind. Den, dem sie aufgehen, erfüllen sie mit Bewunderung für Gottes Pläne; aber auch
mit großer Verwunderung über ihre Verwirklichung an den Geschöpfen, gleichwie Paulus
und Johannes.
Aus diesen Ausführungen können wir leicht die Spuren des gesamten Zwölfstämmevolkes Israel in der Zerstreuung unter den Reichen des vierten Weltreiches erkennen.
Doch wird uns das in den späteren Abhandlungen noch klarer werden.
b) Die im Evangelium verheißene Reichsgottesherrschaft zur Zeit Jesu
und der Apostel
1. In Erwartung der Reichsgottesherrschaft
Nur wenn wir beachten, daß der Kern oder der Träger der christlichen Gemeinde, d.h.
die an Jesus gläubig gewordenen Christen, aus dem nationalen Volk Israel sind, das zum
größten Teil unter die Völker zerstreut ist, können wir die Spur des Volkes Gottes während
der ganzen Zeitdauer der christlichen Gemeinde in der Zeit des vierten Weltreiches
weiter verfolgen. Diese Spur weiter zu verfolgen, ist nötig, um die Erfüllung des göttlichen
Heilsratschlusses mit seinem Volk in dieser Zeit immer besser erkennen zu können.
Das Reich Gottes
- 155 Seite 172
Dazu gehört in erster Linie ein Einblick in den Felsengrund des durch Christus
vollbrachten Erlösungswerkes und in die Stellung des Volkes Gottes zu dieser Erlösung;
denn der Heilsratschluß Gottes mit seinem Volke kann sich nur in Verbindung mit dieser
durch Christus vollbrachten Rettung und Erlösung und in dem verheißenen Reich Gottes
erfüllen.
Die Spur des Volkes Gottes während der ganzen Gemeindezeit zu verfolgen, ist uns
nur dann möglich, wenn wir den Heilsratschluß Gottes, den er mit seinem Volk hat, zuerst
aus den Verheißungen der prophetischen Schriften kennen. Diese Verheißungen
beziehen sich darauf, daß dieses nationale Volk Israel als Gottes auserwähltes Volk aus
allen Völkern die ewige Reichsgottesherrschaft ausüben soll. Nur im Blick auf diese
Stellung seines Volkes hat Gott seine ewige Königsherrschaft verheißen.
Diese Verheißungen mußten dem Volke Gottes gut bekannt gewesen sein, besonders
aber dem Stamm Juda, als dem Südreich Juda, das zu Anfang der christlichen Gemeinde
und zu Beginn der vierten Weltreichsherrschaft, also zur Zeit Jesu, noch in seinem von
Gott verheißenen Lande war.
Die äußeren Umstände mögen dem Judenvolk besondere Veranlassung gegeben
haben, sich rege mit den Verheißungen Gottes über seine kommende Reichsherrschaft
durch sein ganzes auserwähltes Volk zu beschäftigen. Denn wir haben bereits
kennengelernt, daß dieser Teil des Volkes Gottes, die Juden, zu der Zeit in Not und
Bedrängnis war, als die Römer über sie die Herrschaft erlangt hatten.
Das ersehen wir klar aus dem Verhalten des Israelvolkes, nachdem Johannes der
Täufer, als der Wegbereiter des Herrn, und Jesus selbst vom nahen Reich Gottes
gepredigt haben.
Schon bald nach der Geburt Jesu
„kamen Weise aus Morgenland nach Jerusalem, die sprachen: Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande
und sind gekommen, ihn anzubeten.“ (Matth.2,2)
Der König Herodes erschrak über diese Botschaft sehr und berief alle Hohenpriester
und Schriftgelehrten des Volkes und fragte sie, wo dieser König als der Christus sollte
geboren werden (Matth.2,3-4). Sie antoworteten ihm:
„Zu Bethlehem im jüdischen Lande; denn also steht geschrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im Lande Juda, du bist keineswegs die geringste
unter den Fürsten Judas; denn aus dir wird ein Herrscher hervorgehen, der mein
Volk Israel weiden soll!“ (Matth.2,5; Mich.5,1)
Dieser ganze Vorgang hat sich in jener Zeit sicherlich wie ein Lauffeuer im jüdischen
Lande verbreitet. Vielleicht dürfen wir auch annehmen, daß schon die Weissagung an die
Maria:
„Siehe, du wirst empfangen und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen
Jesus heißen. Derselbe wird groß sein und des
Seite 173
Höchsten Sohn genannt werden, und Gott der Herr wird ihm den Thron seines
Vaters David geben; und er wird regieren über das Haus Jakobs in Ewigkeit, und
seines Reiches wird kein Ende sein“ (Luk.1,31-33),
Das Reich Gottes
- 156 -
die sie wohl weitererzählte, die Wirkung beim Volk gehabt hat, daß es sich eifrig mit
dieser für das Volk so herrlichen Verheißung beschäftigte. Dann waren es im weiteren die
Zeichen und Wunder, die Jesus unter seinem Volk getan hat, aus denen sie folgerten,
daß nun die Zeit gekommen sei, daß Gott sein verheißenes Reich durch sein Volk und
seinen König aufrichte. Darüber lesen wir die Worte:
„Die Leute nun, da sie das Zeichen sahen, welches Jesus getan, sprachen: ‚Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll!‘ Da nun Jesus
erkannte, daß sie kommen würden, um ihn mit Gewalt zum König zu machen,
entwich er wiederum auf den Berg, er allein.“ (Joh.6,14-15)
Einmal meinten sie, das Reich Gottes würde unverzüglich kommen (Luk.19,11). Bei
seinem Einzug in Jerusalem breitete das viele Volk, das aus allen Ländern zum Feste
gekommen war, die Kleider auf den Weg, und sie riefen:
„Gepriesen sei der König, der da kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel
und Ehre in der Höhe!“ (Luk.19,38)
„Hosianna! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König Israels!“
(Joh.12,13)
Weil er den Lazarus aus den Toten auferweckt hatte, ging ihm alles Volk entgegen,
so daß die Pharisäer zu einander sprachen:
„Siehe, alle Welt läuft ihm nach!“ (Joh.12,19)
Dieses ganze Verhalten des Volkes Gottes beweist, wie dasselbe mit der Erfüllung
der göttlichen Verheißungen gerechnet hat.
Doch wie bitter wurde dieses Volk durch seine eigene Schuld enttäuscht, indem sie
es miterleben mußten, wie dieser Mann, dem sie jetzt königliche Huldigung darbrachten,
schon nach wenigen Tagen um des Hasses ihrer Obersten, der Pharisäer und
Schriftgelehrten und Hohenpriester willen am Kreuz auf Golgatha in den Tod sinken
mußte, ohne ihr König gewesen zu sein, und ohne daß er die von ihnen ersehnte
Reichsgottesherrschaft durch sein Volk aufrichten konnte.
2. Die Verkündigung der wahren Reichsgottesherrschaft
durch Jesus und Johannes den Täufer
Aber nun war die Zeit gekommen, wo dieses Volk es lernen mußte, nicht mehr an
eine irdische Reichsherrschaft zu denken, wie es dieselbe in früheren Tagen innegehabt
hatte. Sie mußten lernen, so mit dieser ewigen Reichsherrschaft zu rechnen, wie es dem
von Johannes dem Täufer und Jesus verkündigten Reich Gottes entsprach. Dafür hatte
aber das unter dem Gesetz stehende Volk noch kein Verständnis.
Seite 174
Der ihnen von Gott verheißene Messias, als der Retter und Erlöser, sollte nicht eine
vergängliche Reichsherrschaft aufrichten, sondern ein unvergängliches Königtum und ein
ewiges Reich als das Reich Gottes. Diesem Reich bereitete Johannes der Täufer den
Weg mit den Worten:
„Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigeikommen!“ (Matth.3,2)
Und Jesus hat sich dieser Botschaft von Johannes angeschlossen mit den Worten:
„Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe: ‚Tut Buße und glaubet an das
Evangelium!‘“ (Mark.1,15)
Das Reich Gottes
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Weil Jesus nur dieses ewige Reich verkündigt hat, fragten ihn die Pharisäer einmal,
wann das Reich Gottes komme. Er sagte ihnen:
„Das Reich Gottes kommt nicht in wahrnehmbarer Weise. Man wird nicht sagen:
‚Siehe hier, oder siehe dort ist es!‘ Denn siehe, das Reich Gottes ist inwendig in
euch.“ (Luk.17,20-21)
Und vor Pilatus erklärte Jesus:
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wäre mein Reich von dieser Welt, so hätten
meine Diener dafür gekämpft, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; nun
aber ist mein Reich nicht von hier.“ (Joh.18,36)
Als Pilatus ihm darauf die Frage vorlegte:
„So bist du also ein König?“ (Joh.18,37),
antwortete ihm Jesus:
„Du sagst es; ich bin ein König; ich bin dazu geboren und dazu in die Welt
gekommen, daß ich der Wahrheit Zeugnis gebe; jeder, der aus der Wahrheit ist,
hört auf meine Stimme.“ (Joh.18,37)
Mit diesen Worten offenbarte Jesus, was sein Volk unter seinem von Gott verheißenen König verstehen muß, der das Reich Gottes inmitten des Volkes Gottes aufrichten soll. Er ist der „König der Wahrheit“, die als das Evangelium von der ganzen
Rettung und Erlösung verkündigt wird, und die er, wie für sein Volk, so auch für die ganze
Menschheit zustande gebracht hat.
3. Die Reichsgottesherrschaft nach der Lehre der Erlösung
Diese Rettung und Erlösung ist aber nicht in erster Linie eine Befreiung von dem Joch
bedrückender Völker und ein Ergreifen der Macht über andere Völker. Es ist, was viel
wichtiger ist, die Rettung von Sünde, Tod und Verderben zum ewigen Leben, zur
Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit. Paulus sagt von dieser Rettung durch Christus:
„Welcher uns errettet hat aus der Gewalt der Finsternis und uns versetzt hat in
das Reich des Sohnes seiner Liebe, in welchem wir haben die Erlösung, nämlich
die Vergebung der Sünden; welcher ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der
Erstgeborene aller Kreatur.“ (Kol.1,13-15)
Seite 175
Weil in diesem Zusammenhang von Jesus gesagt ist, daß er das Ebenbild des
unsichtbaren Gottes ist, indem er der Erstgeborene aller Kreatur ist, ist damit auf den
Zustand der Unsterblichkeit hingewiesen, den er durch die Auferweckung aus den Toten
durch den Geist der Herrlichkeit erlangt hat (Röm.6,4; 8,11; 1.Petr.4,14).
Diese Auferstehung aus den Toten im Zustand der Unvergänglichkeit und
Unsterblichkeit ist aber die Wiedergeburt (1.Petr.1,3), die Neugeburt, die Geburt aus Gott
und Geist. Von dieser Geburt aus Geist sagte Jesus dem Nikodemus:
„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht von neuem geboren wird, so
kann er das Reich Gottes nicht sehen!“ (Joh.3,3)
„Wahrlich, wahrlich, ich sage dir, wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser
und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen! Was aus dem Fleische
geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, das ist Geist.
Laß dich’s nicht wundern, daß ich dir gesagt habe: ihr müsset von neuem geboren
werden!“ (Joh.3,5-7)
Diese Neugeburt erklärt Jesus als seine persönliche Erfahrung und als Erfahrung der
Gläubigen mit den Worten:
Das Reich Gottes
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„Wie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muß des Menschen Sohn
erhöhet werden, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern
ewiges Leben habe. Denn also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern
ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er
die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn gerettet werde.“ (Joh.3,14-17)
Über diese Wahrheit lehrt er weiter:
„Wie der Vater die Toten erweckt und lebendig macht, also macht auch der Sohn
lebendig, welche er will.“ (Joh.5,21)
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich
gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist
vom Tode zum Leben hindurchgedrungen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, es
kommt die Stunde und ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes
hören werden, und die sie hören, die werden leben.“ (Joh.5,24-25)
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch
wenn er stirbt; und ein jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht
sterben.“ (Joh.11,25-26)
„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn jemand mein Wort bewahrt, so wird er
den Tod nicht sehen in Ewigkeit!“ (Joh.8,51)
In diesen und vielen anderen Zeugnissen zeigt Jesus, was das Volk Gottes unter
dem von Gott verheißenen Reich Gottes und der Aufrichtung dieses Reiches durch
Jesus, den von Gott verheißenen König des Volkes
Seite 176
Gottes, verstehen muß. Dieses Reich hat Jesus als die Wahrheit der Gottesgerechtigkeit
der durch ihn vollbrachten Erlösung verkündigt.
4. Der Unglaube des Volkes Gottes an den König
der Wahrheit
Auf diese Botschaft sollte das Volk Gottes hören und dann daran glauben. Doch
Jesus verkündigte schon zum voraus, wie sich das Volk Gottes zu seinem verheißenen
König stellen würde. Das erklärte er ihnen mit den Weissagungen der Propheten:
„Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das
ist vom Herrn geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen.“ (Matth.21,42)
„Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschmettert werden; auf welchen er aber
fällt, den wird er zermalmen.“ (Luk.20,18)
Um dieser Stellung willen weissagt Jesus seinem Volk:
„Das Reich Gottes wird von euch genommen und einem Volke gegeben werden,
das dessen Früchte bringt.“ (Matth.21,73)
Obwohl sie Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem als ihrem König huldigten, muß er
ihnen doch sagen, daß sie nicht an ihn glaubten, obwohl er viele Zeichen und Wunder
unter ihnen getan hatte (Joh.12,37). Er zeigt ihnen ihren Unglauben und die Ursache
desselben mit den Worten:
„Er, der mich gesandt hat, der Vater selbst, hat von mir gezeugt. Ihr habt nie
weder seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen; und sein Wort habt ihr
nicht bleibend in euch; denn ihr glaubet dem nicht, den er gesandt hat.“
(Joh.5,37-38).
„Doch wollt ihr nicht zu mir kommen, auf daß ihr das Leben empfanget.“
(Joh.5,40)
„Wie könnet ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmet und die Ehre, die von
Gott allein kommt, nicht suchet?“ (Joh.5,44)
Das Reich Gottes
- 159 -
„Ich weiß, daß ihr Abrahams Same seid; aber ihr suchet mich zu töten, denn mein
Wort findet keinen Raum in euch.“ (Joh.8,37)
„Wäret ihr Abrahams Kinder, so tätet ihr Abrahams Werke. Nun aber suchet ihr
mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt, welche ich von
Gott gehört habe, das hat Abraham nicht getan. Ihr tut die Werke eures Vaters.“
(Joh. 8,39-41)
„Ihr seid von dem Vater dem Teufel, und was euer Vater begehrt, wollt ihr tun.“
(Joh. 8,44)
Sein Volk hatte ihn eben in seiner Lehre vom Reich Gottes nach der Ordnung dieser
neuen geistigen Geburt, der Auferweckung aus den Toten und dem Sieg des Lebens
über den Tod, nicht
Seite 177
verstanden. Sie sahen in ihm vielmehr einen Gotteslästerer und Irrlehrer. Darum haßten
und verfolgten sie ihn bis in den Tod. Er wurde von ihnen nur zum Spott und Hohn „der
König der Juden“ genannt. Sie waren sogar die Ursache davon, daß die römischen
Kriegsknechte ihn geißelten, eine Dornenkrone flochten und sie ihm aufs Haupt setzten;
ein Purpurkleid anlegten, ihm ein Rohr in die Hand gaben, ihre Kniee vor ihm beugten
und ihn verspotteten (Matth.27,28-29):
„Sei gegrüßt, du König der Juden!“ (Joh.19,3)
Dabei gaben sie ihm Backenstreiche, spieen ihn an und schlugen ihn mit dem Rohr
auf das Haupt. Als Pilatus hernach sich auf den Richterstuhl setzte und Jesus noch
einmal den Juden vorführte mit den Worten:
„Sehet, das ist euer König!“ (Joh.19,14)
schrien sie:
„Hinweg, hinweg! Kreuzige ihn!“
„Euern König soll ich kreuzigen?“,
lautete darauf die letzte und vorwurfsvolle Frage des Landpflegers Pilatus. Mit der
Antwort:
„Wir haben keinen König, als den Kaiser!“ (Joh.19,15)
haben die Juden Jesus Christus, ihren König, als den König der Wahrheit, endgültig
verleugnet und abgelehnt. Auf diese Weise haben sie auch ihren Unglauben an die
Ordnung Gottes offenbart, nach der er seinem Volk einzig die ewige Reichsherrschaft
geben kann und will.
Weil alle Zeichen und Wunder, die Jesus unter den Juden getan hatte, dieses Volk
nicht von der durch Gott erfolgten Sendung Jesu überzeugen konnten, wollten sie, als er
schon am Kreuze hing, ein letztes Zeichen von Jesus sehen, durch das sie dann an ihn
glauben wollten, daß er der König Israels ist. Sie lästerten und spotteten:
„Der du den Tempel zerstörst und in drei Tagen aufbaust, hilf dir selbst! Bist du
Gottes Sohn, so steig vom Kreuze herab!“ (Matth.27,40; Mark.15,30)
Gleicherweise spotteten seiner auch die Hohenpriester samt den Schriftgelehrten und
Ältesten und sprachen:
„Andern hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Ist er der König Israels,
so steige er nun vom Kreuz herab, so wollen wir ihm glauben! Er hat auf Gott vertraut, der rette ihn jetzt, wenn er Lust an ihm hat. Denn er hat ja gesagt: Ich bin
Gottes Sohn!“ (Matth.27,42-43)
Das Reich Gottes
- 160 -
Dieses Verhalten der Juden, besonders der Führer dieses Volkes, zeigt, wie weit sie
zu dieser Zeit noch von der Stellung entfernt waren, wie sie dem Willen Gottes
entsprechend sein muß, damit er durch sein Volk seine ewige Reichsherrschaft aufrichten
kann.
Seite 178
5. Die Gerichtsandrohungen für den Unglauben an den
König Jesus Christus
Die von Gott verordnete Gerichtszeit der 70 (Jahr-) Wochen bis zur Vollendung des
Frevels und zur Erfüllung des Sündenmaßes, zur Sühnung der Missetat, zur Herbeiführung der ewigen Gerechtigkeit, zur Versiegelung von Gesicht und Prophezeiung
und zur Salbung des Allerheiligsten war mit dem ersten Kommen Jesu noch nicht
gekommen und erfüllt (Dan.9,24-27).
Wenn das Volk seinen eigenen König verwirft und lieber den Kaiser des vierten
Weltreiches über sich zum König haben will, oder lieber einen Mörder an Stelle von ihrem
Messias, so sind das kräftige Beweise, daß das Volk Gottes für die Ausübung der ewigen
Reichsgottesherrschaft noch lange nicht reif war.
Der Fluch, den sie selbst auf sich geladen haben und den sie erwünschten:
„Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ (Matth.27,25),
mußte sich in einem weiteren Zeitabschnitt erst noch erfüllen. Er erfüllte sich dadurch, daß
der Stamm Juda, der Jesum gekreuzigt hatte, zum Teil für die Zeit der Verkündigung des
Evangeliums während der Gemeindeentwicklung verstockt wurde, so daß sie nicht an die
Evangeliumsbotschaft glauben konnten. Das sind die ausgebrochenen Zweige, an deren
Stelle Heiden eingepfropft wurden bis zur Zeit des Endes (Röm.11,17).
Dieses Gericht hat Jesus noch bei Lebzeiten vorausgesagt mit den Worten:
„Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die Propheten und steinigest, die zu dir
gesandt sind! Wie oft habe ich deine Kinder sammeln wollen, wie eine Henne ihre
Küchlein unter die Flügel sammelt, aber ihr habt nicht gewollt. Siehe, euer Haus
wird euch öde gelassen werden; denn ich sage euch: Ihr werdet mich von jetzt an
nicht mehr sehen, bis ihr sprechen werdet: Gelobet sei, der da kommt im Namen
des Herrn!“ (Matth.23,37-39)
In diesem Zusammenhang hat er auch das Gericht über die Gebäude des Tempels
geweissagt, indem er zu seinen Jüngern sprach:
„Sehet ihr nicht dieses alles? Wahrlich, ich sage euch, hier wird kein Stein auf
dem andern bleiben, der nicht zerbrochen wird.“ (Matth. 24,2)
Dieses letztere Gericht hat sich schon 70 n.chr. bei der Zerstörung Jerusalems erfüllt.
(Es war vorbildlich für die Zerstörung der geistigen Lehrgebäude in der Zeit des Endes.)
Die Verkündigung des Evangeliums durch die Apostel
Vor seiner Himmelfahrt gab Jesus seinen Jüngern den Befehl:
„Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!“ (Mark.16,15)
Seite 179
Mit großer Kraft begannen sie gemäß der Anweisung des Herrn in Jerusalem (der
Hauptstadt des Südreiches Judäa) ihren Lehrdienst. Im weiteren erstreckte sich ihr Dienst
über ganz Judäa (das Land des Stammes Juda und Benjamin), Samaria (die einstige
Das Reich Gottes
- 161 -
Hauptstadt des Nordreiches Israel) und später bis an die Enden der Erde (in Rom – als
dem derzeitigen Weltreich) (Apg.1,8).
Wir haben in einem vorausgehenden Abschnitt schon gezeigt, wie die Apostel in
erster Linie dem Volk Israel das Evangelium verkündigt haben, und brauchen es darum in
diesem Abschnitt nicht besonders zu erklären. Doch müssen wir diese Tatsache bei der
Behandlung der ganzen Gemeindezeit im Auge behalten, sonst kann uns das volle
Verständnis für die Heilsgedanken Gottes mit seinem auserwählten Volk im Blick auf die
ewige Reichsherrschaft nicht zuteil werden. Auch gehen uns sonst die Spuren des
Volkes Gottes von der Zeit Jesu an bis zur Zeit des Endes verloren. Wenn wir aber diese
Spur durch die ganze Gemeindezeit hindurch erkennen, so ist das der untrüglichste
Beweis für das Vorhandensein des Volkes Gottes innerhalb der Grenzen des vierten
Weltreiches.
Das Evangelium, das die Apostel von Pfingsten an verkündigten, nachdem sie mit der
Gabe des heiligen Geistes zum Dienst ausgerüstet waren, war dieselbe Botschaft, wie sie
Jesus schon verkündigte. Ein Unterschied besteht nur darin, daß die Apostel die Lehre
Jesu vom Reich Gottes ausführlicher, d.h. leichtverständlicher, erklärten, als Jesus es
getan hatte.
Wie die Apostel gelehrt haben, ist uns in der Apostelgeschichte und in den Lehrbriefen an die Gemeinden vermittelt. Durch die Gabe des heiligen Geistes, des Geistes
der Wahrheit, konnten diese Knechte Jesu Christi die ganze Tiefe des Evangeliums
erkennen. Die Größe und Herrlichkeit des Evangeliums erkannten sie in der
Rechtfertigung aus Gnaden, ohne Verdienst, durch Jesus Christus und in dem, daß sie
„in Jesus“ von Gott aus den Toten auferweckt worden sind. Darin erkannten sie das Heil
für alle Menschen, aber insbesondere für ihr von Gott auserwähltes Volk. Denn diesem
Volk gehören zuerst: die Kindschaft, die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung,
der Gottesdienst und die Verheißungen (Röm.9,4).
Die ganze Fülle des Evangeliums hat Petrus gleich in seiner ersten Predigt nach der
Ausgießung des heiligen Geistes in Jerusalem verkündigt. Sein Zeugnis lautete:
„Ihr israelitischen Männer, höret diese Worte: Jesum von Nazareth, einen Mann,
von Gott unter euch erwiesen durch Kräfte und Wunder und Zeichen, die Gott
durch ihn tat mitten unter euch, wie ihr selbst wisset; diesen, nach Gottes
bedachtem Rat und Vorsehung (euch) preisgegeben, habt ihr genommen und
durch der Ungerechten Hände ans Kreuz geheftet und getötet. Ihn hat Gott auferwecket, indem er die Bande des Todes löste, wie es denn unmöglich war, daß
er von demselben festgehalten würde.
Seite 180
Denn David spricht von ihm: ‚Ich sah den Herrn allezeit vor mir, denn er ist zu
meiner Rechten, daß ich nicht wanken werde. Darum freut sich mein Herz, und
meine Zunge frohlocket; auch mein Fleisch wird ruhen auf Hoffnung; denn du
wirst meine Seele nicht im Totenreich lassen und nicht zugeben, daß dein Heiliger
die Verwesung sehe. Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich
erfüllen mit Freuden vor deinem Angesicht!’ Ihr Männer und Brüder, man darf
freimütig zu euch sagen von dem Stammvater David, daß er gestorben und
begraben ist, und sein Grab ist unter uns bis auf diesen Tag. Da er nun ein Prophet war und wußte, daß ihm Gott mit einem Eide verheißen, daß er aus der
Frucht seiner Lenden nach dem Fleische den Christus auf seinen Thron setzen
Das Reich Gottes
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wolle, hat er in dieser Voraussicht geredet von der Auferstehung Christi, daß
seine Seele nicht im Totenreich gelassen werde, noch sein Fleisch die Verwesung sehe. Diesen Jesus hat Gott auferweckt, des sind wir alle Zeugen. Nachdem
er nun durch die Rechte Gottes erhöht worden und die Verheißung des heiligen
Geistes vom Vater empfangen, hat er das ausgegossen, was ihr jetzt sehet und
höret. Denn nicht David ist in die Himmel hinaufgefahren, sondern er sagt selbst:
‚Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, bis ich deine
Feinde lege zum Schemel deiner Füße.’ So erkenne nun das ganze Haus Israel
gewiß, daß Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus
gemacht hat!“ (Apg.2,22-36)
Mit diesen Worten legte Petrus den Grund für die apostolische Evangeliumslehre.
Wie immer das Evangelium in der Apostelgeschichte und in den einzelnen Briefen der
verschiedenen Apostel noch lehrhaft dargestellt wird, - es sind alles nur ausführlichere
Erklärungen, Einzelheiten über die Wahrheit der Rechtfertigung aus Gnaden durch
Christum als der ganzen Erlösung von Sünde, Tod und Verderben, d.i. vom Sieg des
Lebens über den Tod.
In dieser Verbindung konnte Petrus das Volk Israel weiter lehren:
„So tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden, damit
Zeiten der Erquickung vom Angesicht des Herrn kommen, und er den euch vorher
bestimmten Christum Jesum sende; welchen der Himmel aufnehmen muß bis auf
die Zeiten der Wiederherstellung alles dessen, wovon Gott von jeher geredet hat
durch den Mund seiner heiligen Propheten. Denn Moses hat gesagt: ‘Einen Propheten wird euch Gott der Herr erwecken aus euren Brüdern, gleichwie mich; auf
den sollt ihr hören in allem, was er zu euch reden wird. Und es wird geschehen,
jede Seele, welche nicht hören wird auf diesen Propheten, die soll vertilgt werden
aus dem Volk.’ Und alle Propheten, von Samuel an und den folgenden, so viele
ihrer geredet haben, die haben auch diese Tage vorherverkündigt. Ihr seid die
Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott aufrichtete mit unsern Vätern, da
er zu Abraham sprach: ‘Und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle
Geschlechter
Seite 181
der Erde.’ Euch zuerst hat Gott seinen Sohn Jesum auferweckt und ihn gesandt,
euch zu segnen durch Bekehrung eines jeglichen von seiner Bosheit.“ (Apg.3,1926)
Vor dem Hohen Rat, vor welchem sich die Apostel wegen der Heilung des Lahmen
an der Tempelpforte verantworten mußten, bezeugte Petrus:
„So sei euch allen und dem ganzen Volk Israel kund, daß in dem Namen Jesu
Christi, des Nazareners, den ihr gekreuzigt, den Gott auferweckt hat von den
Toten, dieser gesund vor euch steht. Dieser ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, verschmäht und zum Eckstein geworden ist. Und es ist in keinem Andern
das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen
gegeben, in welchem wir sollen gerettet werden!“ (Apg.4,10-12)
Der Hohepriester und sein Anhang, nämlich die Sekte der Sadduzäer, ließen die
Apostel ins Gefängnis legen (Apg.5,17-18). Durch Engelhand wurden sie wieder befreit mit
dem Befehl:
„Gehet hin und tretet auf und redet im Tempel zum Volk alle Worte dieses
Lebens!“ (Apg.5,20)
Sie wurden aber aufs neue ergriffen und vor den Rat gestellt, wo sie sich wieder
verantworteten mit den Worten:
Das Reich Gottes
- 163 -
„Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen! Der Gott unserer Väter hat
Jesum auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und umgebracht habt. Diesen hat
Gott durch seine Rechte zum Anführer und Retter erhöht, um Israel Buße und
Vergebung der Sünden zu verleihen.“ (Apg.5,29-31)
In Antiochia, wohin Paulus kam, wurden sie von den Obersten der Synagoge aufgefordert, ein Wort der Ermahnung an das Volk zu richten. Da stand Paulus auf und
sprach u.a.:
„Ihr israelitischen Männer, und die ihr Gott fürchtet, höret zu! ... Wir verkündigen
euch das Evangelium der an die Väter geschehenen Verheißung, daß Gott dieselbe uns, ihren Kindern, erfüllt hat, indem er Jesum auferweckte. Wie auch im
zweiten Psalm geschrieben steht: ‚Du bist mein Sohn, heute habe ich dich
gezeugt.’ Daß er ihn aber von den Toten auferweckte, so daß er nicht mehr
zurückkehren sollte zur Verwesung, hat er also ausgesprochen: ‚Ich will euch die
gewissen Heiligtümer Davids geben.’ Darum spricht er auch an einem andern Ort:
‚Du wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe.’ Denn David,
nachdem er zu seiner Zeit gedient, ist er nach göttlichem Ratschluß entschlafen
und zu seinen Vätern versammelt worden und hat die Verwesung gesehen. Der
aber, den Gott auferweckte, hat die Verwesung nicht gesehen. So sei euch nun
kund, ihr Männer und Brüder, daß euch durch diesen Vergebung der Sünden verkündigt wird, und von allem, wovon ihr im Gesetze Moses nicht konntet gerechtfertigt werden, wird in diesem jeder gerechtfertigt, der da glaubt.“ (Apg.13,16.3239)
Seite 183
7. Die Wahrheit „in Christo Jesu“
Alle diese Lehrzeugnisse über unsern Heiland und Retter Jesus Christus sind ein
Zeugnis der Wahrheit, wie wir von Gott „in Christo Jesu“ beschlossen sind. Diese
Wahrheit zeigt der Apostel Paulus in allen Einzelheiten besonders ausführlich. Darüber
lehrt er, daß Christus für uns Menschen zur Sünde gemacht wurde (2.Kor.5,21), indem er
die Herrlichkeit beim Vater verlassen und Knechtsgestalt angenommen hat (Phil.2,7-8),
indem er aus dem Fleisch nach dem Geschlechte Davids geboren wurde (Röm.1,3). In
diesem Leib stellt er alle Menschen in einer Person dar. Darum ist er als „einer für alle“
gestorben (2.Kor.5,14). Aus diesem Grunde sind wir mit Christus gekreuzigt, gestorben und
mit ihm begraben erklärt (Röm.6,2-11; 7,4-6; Kol.2,11-12; 3,3). Indem wir aber „in Christo“ mit
eingeschlossen erklärt sind, sind wir in ihm mit Gott versöhnet (Röm.3,25; 5,6-11; 2.Kor.5,1820; Kol.2,9-12).
Weiter lehrt Paulus, daß wir mit Christus aus den Toten auferweckt sind, samt ihm
lebendig gemacht und in ihm mit auferstanden und mit ihm ins Himmlische versetzt sind
(Röm.6,4.13; 2.Kor.5,15-17; Eph.2,4-6). Diese Tatsache erklärt der Apostel als unsere Rettung
und Erlösung aus der Macht und Gewalt des Todes. Darum heißt es im Brief an die
Hebräer:
„Da nun die Kinder Fleisch und Blut gemeinsam haben, ist er gleicherweise desselben teilhaftig geworden, auf daß er durch den Tod vernichte den, der des
Todes Gewalt hat, das ist den Teufel, und alle die befreite, welche durch Todesfurcht ihr ganzes Leben hindurch in Knechtschaft gehalten wurden.“ (Hebr.2,1415)
Und im Brief an Timotheus ist dasselbe erklärt mit den Worten:
Das Reich Gottes
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„Der uns errettet hat und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem eigenen Vorsatz und der Gnade, die uns gegeben ist
in Christo Jesu vor ewigen Zeiten, jetzt aber geoffenbaret durch die Erscheinung
unseres Retters Jesu Christi, der dem Tode die Macht genommen, aber Leben
und Unvergänglichkeit ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.“ (2.Tim.1,910)
Auf Grund dieser Ausführungen sind alle Menschen „in Christo“ eine neue Kreatur,
und sie sind der göttlichen Natur teilhaftig geworden, wenn sie auf diesem Weg dem in
der Welt herrschenden Verderben, dem Tod, entronnen sind. Petrus nennt diese
Rettung, die wir in Christo haben, unsere Wiedergeburt durch die Auferstehung Jesu
Christi von den Toten (1.Petr.1,3). Darin sieht er unser unvergängliches und unbeflecktes
und unverwelkliches Erbe, das in der Person Jesu für uns im Himmel aufbehalten ist, bis
wir bei der Zukunft des Herrn in den persönlichen Besitz dieses großen Heils durch die
Erfahrung der Leibesverwandlung kommen (1.Petr.4,5.7; 2.Kor.5,17; 2.Petr.1,4).
Das alles ist aber unsere vollkommene Rechtfertigung in Christus, die durch Erfüllung
des Gesetzes nicht zustande kommen konnte (Röm.3,21-24; 8,3-4; Gal.2,16-17). Es ist der
Sieg des Lebens über den Tod.
Seite 183
8. Die erste Liebe und das Reich Gottes
Dieser Sieg des Lebens über den Tod ist die Offenbarung der Liebe Gottes, als die
erste Liebe. Darüber schreibt Johannes:
„Darin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbaret worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, damit wir durch ihn leben sollen. Darin
besteht die Liebe, nicht daß wir Gott geliebet haben, sondern daß er uns geliebet
hat und seinen Sohn gesandt zum Sühnopfer für unsere Sünden.“ (1.Joh.4,9-10)
„Wir, wir lieben, denn er hat uns zuerst geliebet.“ (1.Joh.4,19)
Indem die Apostel diese Botschaft verkündigten, haben sie dadurch die grundlegende
Wahrheit verkündigt, auf der einzig nur die Aufrichtung des Reiches Gottes, das Gott
durch sein auserwähltes Volk aufrichten will, erfolgen kann.
Nach seiner Auferstehung erschien Jesus seinen Jüngern 40 Tage lang und redete
mit ihnen über das Reich Gottes (Apg.1,3). Nur so können wir es verstehen, daß seine
Jünger, nachdem er ihnen den heiligen Geist verheißen hatte, ihn vor seiner Himmelfahrt
noch als letztes fragten:
„Herr, gibst du in dieser Zeit Israel die Königsherrschaft wieder?“ (Apg.1,6)
Wenn wir zu dieser Frage noch die Antwort Jesu beachten:
„Es ist nicht eure Sache, Zeiten oder Stunden zu wissen, welche der Vater in seiner eigenen Macht festgesetzt hat; sondern ihr werdet Kraft empfangen, wenn der
heilige Geist auf euch kommt, und werdet mir Zeugen sein in Jerusalem und in
ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde!“ (Apg.1,7-8),
dann erkennen wir leicht, worauf der Blick der Jünger gerichtet war auf Grund der
Unterredungen mit ihrem auferstandenen Herrn über das Reich Gottes. Auch ersehen wir
daraus, wie der Dienst in der Verkündigung des Reiches Gottes durch die Apostel und
alle ihnen folgenden Knechte Gottes in der Gemeinde Gottes erst getan werden mußte,
ehe das Reich Gottes durch das auserwählte Volk Gottes aufgerichtet werden kann.
Das Reich Gottes
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Über diesen Dienst lesen wir zuerst, daß Philippus in Samaria das Evangelium vom
Reiche Gottes und vom Namen Jesu predigte. Von Paulus heisst es:
„Er ging in die Synagoge und trat öffentlich auf, indem er bei drei Monaten Unterredungen hielt und sie betreffs des Reiches Gottes überzeugte.“ (Apg.19,8)
Auch den Ephesern sagte Paulus am Ende seiner Lehrtätigkeit, daß er umherging
und das Reich Gottes predigte (Apg.20,25). Ein köstliches Zeugnis, wie Paulus während
seiner Gefangenschaft in Rom das Reich Gottes verkündigt hat, haben wir in Apg.28,23.
Da heißt es:
„Nachdem sie ihm nun einen Tag bestimmt hatten, kamen mehrere zu ihm in die
Herberge. Diesen setzte er in einem ausführlichen Zeugnis das Reich Gottes
auseinander und suchte sie von
Seite 184
Jesus zu überzeugen, ausgehend von dem Gesetze Moses und den Propheten,
vom Morgen an bis zum Abend.“
„Paulus aber blieb zwei Jahre in einer eigenen Mietwohnung und nahm alle auf,
die ihn besuchten, predigte das Reich Gottes und lehrte von dem Herrn Jesu
Christo mit aller Freimütigkeit ungehindert.“ (Apg.28,30-31).
Auch in den Briefen des Apostels Paulus ist mehrfach auf das Reich Gottes hingewiesen (Röm.14,17; 1.Kor.4,20; 6,9-10; Gal.5,21; Eph.5,5; Kol.4,11; 2.Thess.1,5), so daß aus
diesen Zeugnissen gut erkannt werden kann, daß die Apostel ihren Dienst am Evangelium von der ersten Liebe nur um des von Gott den Vätern verheißenen Reiches Gottes
willen in der Gemeinde Gottes getan haben.
Wie sich das Volk Israel zu diesem Zeugnis des Evangeliums der Apostel stellte,
wurde bald offenbar. Der Hohe Rat ließ Petrus und Johannes rufen und gebot ihnen,
durchaus nicht mehr zu reden, noch zu lehren über den Namen Jesu (Apg.4,18). Später
waren sie wieder über das Zeugnis dieser Apostel tief entrüstet und wollten sie
umbringen (Apg.5,33). Sie gaben ihnen dann Streiche und verboten ihnen wiederum, von
dem Namen Jesu zu reden (Apg.5,40). Das Zeugnis des Stephanus schnitt ihnen so in ihre
Herzen, daß sie über ihn mit ihren Zähnen knirschten, auf sein weiteres Zeugnis hin auf
ihn losstürmten, ihn zur Stadt hinausstießen und ihn steinigten (Apg.7,54-60). So wurde
auch Paulus um seines Zeugnisses willen von seinem Volk stets verfolgt, bis er ihnen
zuletzt in Rom sagte:
„Wie fein hat der heilige Geist durch den Propheten Jesajas zu unseren Vätern
geredet, als er sprach: ‚Gehe hin zu diesem Volke und sprich: Mit den Ohren werdet ihr hören und nicht verstehen, und mit den Augen werdet ihr sehen und nicht
erkennen; denn das Herz dieses Volkes ist verstockt, und mit den Ohren hören
sie schwer, und ihre Augen haben sie zugeschlossen, daß sie nicht etwa mit den
Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich
bekehren, und ich sie heile!’ So sei euch nun kund getan, daß den Heiden dieses
Heil Gottes gesandt ist; sie werden auch hören!“ (Apg.28,25-28)
Daraus ist zu ersehen, wie das Volk Israel das Zeugnis vom Reich Gottes, das die
Apostel verkündigt haben, ebenso abgewiesen hat, wie es den König dieses Reiches,
Jesus Christus, verworfen hat.
c) Die verheißene Reichsgottesherrschaft in der Zeit der Gemeindeentwicklung
Das Reich Gottes
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1. Die Reichsgottesherrschaft in der ersten Gemeinde zu Ephesus
Auf vorgenannte Art und Weise wurde durch den Dienst der Apostel der Grund für die
Gemeinde Gottes für die ganze Zeit ihrer Entwicklung gelegt. Die Gemeindeentwicklung
wirkt sich nach Offenbarung Kapiteol 2 und 3
Seite 185
in sieben voneinander verschiedenen Gemeinden durch. Sie dauert bis zur Wiederkunft
des Herrn, durch die dann die verheißene Reichsgottesherrschaft aufgerichtet wird. Die
Aufrichtung der Reichsgottesherrschaft gestaltet sich aus im Kampf zwischen Jesus
Christus und seiner Gemeinde, von der er das Haupt ist, und Satan, als dem Fürsten
dieser Welt, der das Haupt der jeweils herrschenden Weltreichsmacht ist. Dieser Kampf
wird nun in der Zeit des vierten Weltreichs im Schoße der sieben Gemeinden geführt.
Über diese sieben Gemeinden und ihre Engel wurde dem Apostel Johannes gesagt:
„Schreibe nun, was du gesehen hast und was ist und was geschehen soll darnach: Das Geheimnis der sieben Sterne, die du gesehen hast zu meiner Rechten
und der sieben Leuchter; die sieben Sterne sind Engel der sieben Gemeinden,
und die sieben Leuchter sind sieben Gemeinden.“ (Offb.1,19-20)
Aus diesen drei Abschnitten, die Johannes beschreiben mußte, ist zu ersehen, daß
die sieben Gemeinden mit ihren Engeln als ihren Vorstehern das Geheimnis von der
Wiederkunft des Herrn sind. Die Wiederkunft des Herrn ist aber die Aufrichtung der
ewigen Reichsgottesherrschaft und des ewigen Königtums im Volke Gottes auf dem
Grund der ganzen, in Christo vollbrachten Erlösung, als dem Sieg des Lebens über den
Tod.
Die ewige Reichsgottesherrschaft, die Gott mit seinem auserwählten Volk aufrichten
will, muß sich deshalb im Schoße der sieben aufeinanderfolgenden Gemeinden
entwickeln. Jede Gemeinde ist in ihrer Stellung zur Aufrichtung des Reiches Gottes von
der Stellung ihres Engels abhängig. Das kommt gleich bei dem ersten Engel, dem Engel
der Gemeinde zu Ephesus ganz klar zum Ausdruck.
Die erste der sieben Gemeinden ist die
„Gemeinde zu Ephesus“.
In dieser Gemeinde, der der Engel der Gemeinde zu Ephesus vorstand, war die
Wahrheit des ganzen, lauteren Evangeliums in der ersten Liebe, als dem Sieg des
Lebens über den Tod, völlig vorhanden. Der Träger der ersten Liebe konnte nur ein
apostolischer Zeuge gewesen sein, der die volle Erkenntnis und den Glaubensbesitz vom
Sieg des Lebens über den Tod hatte. Durch das Bewahren der ersten Liebe hätte er vom
Baum des Lebens, der im Paradiese Gottes ist, essen dürfen (Offb.2,7). Das hätte
praktisch seine Leibesverwandlung bedeutet und den Beginn der Reichsgottesherrschaft
in seinem auserwählten Volke.
Nun muß der Herr diesem Engel aber seinen Abfall von der ersten Liebe mitteilen mit
den Worten:
„Ich habe wider dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast. Bedenke nun,
wovon du abgefallen bist, und tue Buße und tue die ersten Werke! Wo aber nicht,
so werde ich dir kommen und deinen Leuchter von seiner Stelle stoßen, wenn du
nicht Buße tust!“ (Offb.2,4-5)
Seite 186
Das Reich Gottes
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Vielleicht war dem Engel der Gemeinde zu Ephesus, dem zuletzt noch lebenden
Träger aller vom Herrn geoffenbarten Heilswahrheiten, nicht klar genug, welche
Bedeutung seiner eigenen Glaubensvollendung zukommen sollte, damit Gott sein Reich
aufrichten kann.
Seitdem er in der Nachfolge Jesu stand, hatte er sich schon oft klarmachen müssen,
wie es im Brief des Apostels Johannes heißt, daß Jesus nicht nur ein Opfer für die treuen
Gläubigen ist, sondern auch für die ganze Welt (1.Joh.2,2). Deshalb ist auch alles mit Gott
versöhnt durch das Blut Jesu, was im Himmel und was auf Erden ist und zur Sohnschaft
und damit zum Frieden gebracht worden durch die Auferstehung Jesu Christi von den
Toten (Kol.1,19-20). Er hat sehen müssen, daß alles, was im Himmel und auf Erden ist, das
Sichtbare und das Unsichtbare, Throne, Herrschaften, Fürstentümer, Gewalten, so in
Christo neu erschaffen, zurechtgebracht und wiedergeboren ist (Eph.1,21; Kol.1,16; 2,15),
daß nun auch für alle Wesen die Vaterschaft Gottes im Himmel und auf Erden möglich ist
(Eph.3,14-15). Er hätte sich auf diesem Boden nicht ermüden lassen dürfen durch den
Anlauf der „Bösen“, die sich Apostel nannten und es nicht waren, und die er als Lügner
erfand (Offb.2,2). Er hätte sie deshalb auch nicht anders behandeln dürfen als in der
göttlichen Ordnung der Erlösung in Christo Jesu, nach der Vaterschaft im Himmel und auf
Erden, weil Gott in Christo Jesu alles unter ein Haupt beschlossen hat, was im Himmel
und auf Erden ist (Eph.1,9-10; 3,15). Aber darin hat er als Leiter der Gemeinde zu Ephesus
versagt gleichwie Mose am Haderwasser, denn er starb gleichwie Mose, ohne die
Verheißung erlangt zu haben (Joh.21,21-23).
Nur ein Unterschied muß beachtet werden: Für Mose fand sich kurz vor seinem Ende
ein Führer in Josua, der das Volk Gottes ins verheißene Land brachte. Gottes Volk der
Gemeinde aber muß warten, bis ihm ein Überwinder als Durchbrecher den Weg zur
Herrlichkeit bzw. dem Herrn den Weg zur Wiederkunft und zur Errettung der Seinen
bahnt (vgl.Jes.40,3-5; 57,14; 66,7; Jer.30,21; Hos.2,2; Mich.2,13; Mal.3,1-3.23-24; Apg.3,19-23;
Offb.2,26-28; 3,7-11; 12,5).
So gut wie Mose für sich bis dahin persönlich die Glaubensrechtfertigung festgehalten
hat, so ermüdet er doch, über dem Volk Gottes seine Hände aufzuheben ohne Zorn und
Zweifel (1.Tim.2,8). Er zürnte dem widerspenstigen Volk und zweifelte, ob Gott ihm noch
einmal Wasser zur Errettung geben wollte. Nach seinen Begriffen hatten sich die das
Volk aufwiegelnden Widersacher so versündigt, daß ein Gnadenwalten Gottes über ihnen
nicht mehr festgehalten werden durfte. Mit diesem Verhalten entheiligte Moses aber den
heiligen Namen der Heiligkeit und Barmherzigkeit Gottes. Und doch heiligte sich Gott vor
dem Volk und offenbarte seine Barmherzigkeit und Heiligkeit in der ganzen Fülle dem
widerspenstigen Volk, indem er ihnen reichlich Wasser gab und sie vor dem
Verschmachten errettete (4.Mos.20,1-13). Dieses Versagen hat aber Moses das Todesurteil
eingetragen (4.Mos.20,12; 27,13-14; 5.Mos.3,25-27; 4,21; 34,4). Nicht deshalb mußte er sterben,
weil er ursprünglich eine Midianiterin zum Weibe hatte und später noch eine Äthiopierin
zum Weibe nahm, er hätte auch nicht durch Übertretung des Bundes sterben müssen,
obwohl er unsträflich war in seinem
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ganzen Hause. Aber daß er versagte angesichts der beharrlichen Widerspenstigkeit des
Volkes Gottes, am Heilsratschluß Gottes festzuhalten, deshalb mußte er sterben.
So versagte auch der Engel der Gemeinde zu Ephesus und verließ die erste Liebe,
d.i. die höchste, vornehmste Liebe, als den Sieg der ganzen Erlösungswahrheit, durch
Christus vollbracht. Denn diesem Engel wurde wieder der gleiche Widerstand in der
Gemeinde entgegengesetzt, wie Moses in der Wüste. Derselbe setzte aber nicht erst zu
dieser Zeit ein, als Johannes die Offenbarung auf der Insel Patmos empfing, sondern er
war schon von Anfang der Gemeinde an wirksam. Er wurde bewirkt durch den Irrtum der
Gesetzesgerechtigkeit, der in der Gemeinde dem Evangelium der ersten Liebe
gegenüber ausgebreitet wurde. Darum hat schon Paulus in seinem Brief an die
Gemeinde auf das Urteil Gottes über die Stellung des Volkes Gottes in der Wüste
hinweisen müssen mit den Worten:
„Immerdar irren sie in ihrem Herzen!“ (Hebr.3,10)
Weil der Apostel wußte, daß diese Gesetzesgerechtigkeit der Ausgangspunkt aller
Lügengewalten und allen Widerstandes gegen die Wahrheit der ganzen Erlösung war,
schrieb er den Gläubigen zur Ermahnung:
„Israel aber, welches dem Gesetz der Gerechtigkeit nachjagte, hat die Gesetzesgerechtigkeit nicht erreicht. Warum? Weil sie - nicht um des Glaubens, sondern
um der Werke willen - sich gestoßen haben an dem Stein des Anstoßes, wie
geschrieben steht: ‚Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen
Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden!‘“
(Röm.9,31-33)
„Weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennen und die eigene Gerechtigkeit
aufzurichten trachten, sind sie der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan.“
(Röm.10,3)
„Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach einem ungehorsamen
und widersprechenden Volk!“ (Röm.10,21)
„Was Israel sucht, das erlanget es nicht; die Auswahl aber erlangt es, die übrigen
wurden verstockt; wie geschrieben steht: ‚Gott hat ihnen gegeben einen Geist der
Betäubung, Augen um nicht zu sehen, und Ohren, um nicht zu hören‘, – bis zum
heutigen Tag. Und David spricht: ‚Ihr Tisch werde ihnen zur Schlinge und zum
Fallstrick und zum Anstoß und zur Vergeltung: ihre Augen sollen verfinstert werden, daß sie nicht sehen und ihren Rücken beuge allezeit!‘“ (Röm.11,7-10)
In den Briefen an die Galater und Kolosser zeigt Paulus, in welche Gefahr die
Gläubigen aus den Heiden schon gekommen waren durch den Einfluß der Gesetzesgerechtigkeit. Er schreibt von der Wirkung dieses Einflusses durch die falschen Apostel:
„Damals aber, als ihr Gott nicht kanntet, dienetet ihr denen, die von Natur nicht
Götter sind; nun aber, da ihr Gott kennet, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie
möget ihr euch wiederum wenden
Seite 188
zu den schwachen und armseligen Anfangsgründen, denen ihr wieder von neuem
dienen wollet? Ihr beobachtet Tage und Monate und (heilige) Zeiten und Jahre.
Ich bin besorgt um euch, daß ich am Ende vergeblich um euch gearbeitet habe.“
(Gal.4,8-11)
„Ihr liefet fein, wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? Die
Überredung kommt nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig
durchsäuert den ganzen Teig.“ (Gal.5,7-9)
„Wer euch aber verwirrt, der wird das Urteil tragen, wer er auch sei. Ich aber,
meine Brüder, wenn ich die Beschneidung predigte, würde ich auch noch verfolgt?
Das Reich Gottes
- 169 -
Dann hätte das Ärgernis des Kreuzes aufgehört! O, daß sie auch abgeschnitten
würden, die euch verwirren!“ (Gal.5,10-12)
„So soll euch nun niemand richten wegen Speise oder Trank oder wegen eines
Festes oder Neumondes oder Sabbats, was doch nur ein Schatten dessen war,
was kommen sollte, das Wesen selbst gehört Christo an. Niemand soll euch um
den Kampfpreis bringen, der sich gefällt in Demut- und Engelsdienst und sich
einläßt in Sachen, die er nicht gesehen hat, ohne Grund aufgeblasen von seinem
fleischlichen Sinn, wobei er sich nicht hält an das Haupt, aus welchem der ganze
Leib, vermittelst der Gelenke und Sehnen versorgt und zusammengehalten, zu
der von Gott bestimmten Größe erwächst.“ (Kol.2,16-19).
In seinem Brief an Titus zeigt Paulus klar, daß der Einfluß gegen die Wahrheit des
Evangeliums von seiten der Irrlehrer aus den Judenchristen kam. Darum schreibt er:
„Es gibt viele widerspenstige Schwätzer, die den Leuten den Kopf verwirren,
allermeist die aus der Beschneidung; denen muß man den Mund stopfen; denn
sie bringen ganze Häuser in Verwirrung, indem sie unnötige Dinge lehren um
schändlichen Gewinnes willen. Es hat einer aus ihnen gesagt, ihr eigener Prophet:
‚Die Kreter sind immer Lügner, böse Tiere, faule Bäuche!‘ Dieses Zeugnis ist
wahr; deshalb weise sie scharf zurecht, damit sie gesund seien im Glauben und
nicht achten auf jüdische Legenden und Gebote von Menschen, welche sich von
der Wahrheit abwenden.“ (Tit.1,10-14)
Mit solch bösen Arbeitern und falschen Aposteln und ihrem verderblichen Lehreinfluß
mußte sich auch der Engel der Gemeinde zu Ephesus auseinandersetzen. Paulus
unterweist Timotheus, welche Stellung die treuen Knechte Gottes solch falschen und
darum bösen Aposteln gegenüber einnehmen müssen. Er schreibt ihm:
„Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern muß milde sein gegen
jedermann, lehrhaft, der die Bösen tragen kann und mit Sanftmut die Widerspenstigen strafend, ob ihnen Gott nicht noch Buße geben möchte, daß sie die Wahrheit erkennen und sie wieder nüchtern werden, aus der Schlinge des Teufels herauszukommen, der sie in der Knechtschaft seines Willens gefangenhält.“
(2.Tim.2,24-26)
Seite 189
Weil es dem Engel der Gemeinde zu Ephesus als einem Träger des Heils im Besitz
der ersten Liebe nicht mehr gelang, die Bösen, die in ihrer eigenen Gerechtigkeit dem
Zeugnis der Wahrheit der Gottesgerechtigkeit immer widerstrebten, zu tragen, er sich
vielmehr von ihrer Bosheit überwinden ließ und er sie deshalb auch nicht mehr in der
göttlichen Ordnung des Heils sehen konnte, sondern nur in ihrer beharrlichen Bosheit,
darum kam er vom Ratschluß Gottes ab. Er stand nicht mehr über allen Herrschaften,
Gewalten und Mächten und sah deshalb auch nicht mehr, daß dem Tode auch für sein
natürliches Leben die Macht genommen ist, deshalb mußte er in dieser von der ersten
Liebe abgefallenen Stellung den Weg allen Fleisches gehen.
Wohl hatte dieser Engel noch den Trost, daß Jesus die Schlüssel des Todes und des
Totenreiches hat, daß er tot war und wieder lebendig geworden ist (Offb.1,17-18). Er konnte
wissen, daß er unbedingt an der Auferstehung von den Toten Anteil haben dürfe, wenn er
auch sein Leben den Gewalten ausliefern mußte, denen gegenüber er nicht mehr den
vollen Sieg der Rettung und Erlösung in Christo Jesu sehen und festhalten konnte.
Es wird ihm aber auch der Blick dafür gefehlt haben, daß er durch Bußetun sich
wieder aufschwingen konnte, die ersten Werke, das sind die ersten Werke der Erlösung
Das Reich Gottes
- 170 -
Gottes, zu üben (Offb.2,5) so daß er alle Herrschaften und Gewalten wieder in der von Gott
gesetzten Erlösungsordnung zurechtgebracht und damit deren satanische Lügenstellung
vernichtet, das heißt aufgehoben sehen konnte (vgl.Hebr.2,14).
Darum blieb es ihm versagt zu überwinden, um vom Baum des Lebens, der im
Paradiese Gottes ist, die nötige Speise als den persönlichen Sieg der Leibesverwandlung
zu bekommen (Offb.2,7). Mit dem Verlust der ersten Liebe war die Möglichkeit ein für
allemal vorbei, für den natürlichen Leib einen Sieg über den Tod zu erlangen. Denn die
nun triumphierenden Finsternisgewalten deckten den von Jesus vollbrachten Sieg so zu,
daß den tiefergehenden Erkenntnissen von der ganzen Erlösung in Christo Jesu die
innere Kraft fehlte, bis sie schließlich als leere Worte auch noch ihren Sinn verloren und,
weil nicht mehr verstanden, in der Glaubensübung auch nicht mehr gebraucht werden
konnten.
Wie die Erfahrung der Gemeindeentwicklung lehrt, hat der Engel der Gemeinde zu
Ephesus über seinen Verlust von der ersten Liebe nicht Buße getan. Darum wurde sein
Leuchter vom Herrn von seiner Stelle gestoßen.
Aus diesem Grunde konnten sich aber in dieser ersten Gemeinde durch die Wiederkunft des Herrn die dem Volke Gottes gegebenen Verheißungen nicht erfüllen und die
Reichsgottesherrschaft im Offenbarwerden vom Sieg des Lebens über den Tod in der
Leibesverwandlung nicht aufgerichtet werden, sondern mußten einer der folgenden
Gemeinden und somit auch einem späteren Zeitpunkt aufbehalten bleiben.
Weil dem Apostel Johannes die Ordnung der sieben Gemeinden erst auf der Insel
Patmos gezeigt wurde und die Apostel von diesen sieben Gemeinden vorher nicht
geredet haben, könnte daraus abgeleitet werden, daß in dem göttlichen Ratschluß zuerst
nicht die sieben Gemeinden beschlossen
Seite 190
waren, sondern daß nur eine einheitliche Gemeinde vorgesehen war, in der sich die
Vorbereitung für die Aufrichtung des Reiches Gottes durch die Lehre der Erlösung als
Sieg des Lebens über den Tod hätte vollziehen sollen. In diesem Lichte würde man dann
den Verlust der ersten Liebe des Engels der Gemeinde zu Ephesus als die Ursache für
die Siebenteilung der Gemeinde ansehen und die Teilung der Gemeinde von dieser Zeit
an rechnen, wenn dieser Verlust erfolgt ist. Durch diese Einteilung wird aber die
Ordnung, die der Herr selbst in seinen Gleichnissen des Himmelreiches gezeigt hat, nicht
beachtet, und die Gemeinde Gottes und das Himmelreich werden als zwei voneinander
verschiedene Ordnungen behandelt, während der Herr in seinen sieben Gleichnissen
vom Himmelreich nur die Gemeinde Gottes in der siebenfachen Entwicklung dieser
Gemeinden schildert (Matth.13). Wenn aber diese sieben Gleichnisse des Herrn vom
Himmelreich mit den sieben Sendschreiben an die sieben Gemeinden zusammen
betrachtet werden müssen, damit man dem ganzen Schriftzeugnis von dieser Zeit die
rechte Bedeutung beimißt, dann muß auch die Siebenteilung der Gemeinde Gottes vom
Anfang an anerkannt werden.
Im ersten Gleichnis vom Sämann kann der Herr nur von seinem eigenen Dienst der
Ausbreitung des Wortes Gottes reden mit den Worten:
Das Reich Gottes
- 171 -
„Siehe, es ging ein Säemann aus zu säen. Und indem er säte, fiel etliches an den
Weg, und die Vögel kamen und fraßen es auf. Anderes aber fiel auf den Fels, wo
es nicht viel Erde hatte; und es ging alsobald auf, darum weil es nicht tiefe Erde
hatte; als aber die Sonne aufging, ward es verbrannt, und weil es keine Wurzel
hatte, verdorrte es. Anderes aber fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen
auf und erstickten es. Anderes aber fiel auf den guten Grund und brachte Frucht,
etliches hundertfältig, etliches sechzigfältig und etliches dreißigfältig. Wer Ohren
hat zu hören, der höre!“ (Matth.13,3-9)
Hier zeigt der Herr den Anfang der Gemeinde Gottes und weist darauf hin, daß die
sieben Gleichnisse die Entwicklung der Gemeinde Gottes vom Anfang bis zum Ende
zeigen.
Die auf einen späteren Zeitpunkt angesetzte Teilung der Gemeinde Gottes ist auch
aus dem Grunde nicht möglich, weil zum Abfall von der ersten Liebe auch die
Entwicklung der Gemeinde in der Erkenntnis der ganzen Erlösung als der Sieg des
Lebens über den Tod hinzugehört, bis diese Erkenntnis dem Engel dieser Gemeinde zum
vollen Besitz wurde in seinem ausgereiften Glauben in der Stellung der ersten Liebe.
Ohne diese Entwicklung konnte der Abfall von der ersten Liebe auch nicht erfolgen.
Diese Entwicklung muß aber vom ersten Anfang der Verkündigung des Wortes Gottes
durch den Herrn selbst erfolgt sein. Das beweist, daß die Siebenteilung der Gemeinde
Gottes im Ratschluß Gottes bestimmt war und vom Anfang der Gemeinde an gerechnet
werden muß.
Die Zeitdauer der ersten Gemeinde muß deshalb von Anfang der Gemeinde, einschließlich des Dienstes des Herrn und seines Wegbereiters, des Täufers Johannes, bis
zu dem Zeitpunkt gerechnet werden, an dem es offenbar war, daß die dem Engel dieser
Gemeinde noch gewährte Zeit zur Buße unbenutzt verstrichen war.
Seite 191
Diese Bußzeit war für diese erste Gemeinde schon reichlich mit göttlicher Züchtigung
ausgefüllt. Darüber lesen wir im Brief an die Hebräer:
„Mein Sohn, achte nicht gering die Züchtigung des Herrn und verzage nicht, wenn
du von ihm gestraft wirst! Denn welchen der Herr lieb hat, den züchtiget er, und
stäupet einen jeglichen Sohn, den er annimmt'. Wenn ihr Züchtigung erduldet, so
behandelt euch Gott ja als Söhne; denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht
züchtiget? Seid ihr aber ohne Züchtigung, der doch alle teilhaftig geworden, so
seid ihr Bastarde und keine Söhne! Sodann hatten wir auch die Väter unseres
Fleisches zu Zuchtmeistern und scheuten sie; sollten wir jetzt nicht vielmehr dem
Vater der Geister untertan sein und leben? Denn jene haben uns gezüchtiget
wenige Tage nach ihrem Gutdünken; er aber zum Besten, damit wir seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Alle Züchtigung aber, wenn sie da ist, dünket uns nicht
Freude, sondern Traurigkeit; hernach aber bringt sie eine friedsame Frucht der
Gerechtigkeit denen, die durch sie geübet sind.“ (Hebr.12,5-11)
Diese Züchtigung soll die Kinder Gottes zur Sohnschaft bringen, das ist der Sieg des
Lebens über den Tod durch die Leibesverwandlung, wenn der Herr kommt. Aus diesem
Grunde mußte die Gemeinde in dieser Zeit, weil sie in Gefahr war, daß die erste Liebe
vom Engel dieser Gemeinde verlassen wurde, von der heidnischen Obrigkeit unter dem
Einfluß des Fürsten dieser Welt schon viel Trübsal und Verfolgung durchkosten. Der
Apostel Johannes selbst mußte in dieser Zeit, als durch den Kaiser Domitianus eine
große Verfolgungszeit über die Gemeinde Gottes hereinbrach (Offb.1,9), in der
Das Reich Gottes
- 172 -
Verbannung auf der Insel Patmos durch die Offenbarung die Mitteilung erfahren, daß die
erste Liebe in der Gemeinde bereits verloren sei (Offb.2,4). Wenn die göttliche Züchtigung
in der Trübsal dieser Bedrängnis durch die weltliche Obrigkeit, noch die Sohnschaft
bewirken kann, dann muß in solcher Bedrängnis die verlorene erste Liebe wieder durch
Buße zurückerlangt werden.
Diese Zeit der Buße ist mit dem Tode dieses Engels abgelaufen, und dann tritt der
Engel der zweiten Gemeinde auf. Dieser Engel hatte aber das volle Licht von der ersten
Liebe und die daraus erlangte Glaubenskraft nicht mehr so, wie sie der Engel der ersten
Gemeinde in seiner Entwicklung zum Sieg des Lebens über den Tod hatte, und die damit
verbundene Möglichkeit der Leibesverwandlung durch das Kommen des Herrn in der
Aufrichtung des Reiches Gottes.
2. Die Reichsgottesherrschaft in der zweiten Gemeinde zu Smyrna
Auf die Gemeinde zu Ephesus folgt entwicklungsgemäß die
„Gemeinde zu Smyrna“ (Offb.2,8-11)
Gegenüber dem in der Gemeinde zu Ephesus im Besitz der ersten Liebe vorhanden
gewesenen Reichtum ist in der Gemeinde zu Smyrna infolge des mangelnden Besitzes
der ersten Liebe Armut vorhanden.
Seite 192
Weil der Engel der Gemeinde zu Ephesus die erste Liebe, als Sieg des Lebens über
den Tod, verlassen hat und über diesen Verlust nicht Buße tat, konnte der Engel der
Gemeinde zu Smyrna den Besitz der ersten Liebe auch nicht mehr haben und demgemäß
in seiner persönlichen Glaubensentwicklung auch nicht mehr ausreifen, um vom Baum
des Lebens, der im Paradiese Gottes ist, in der Erfahrung der Leibesverwandlung zu
essen.
Diesem Engel der Gemeinde zu Smyrna mag zwar das Licht von der in der
Gemeinde bis dahin vorhandenen Erkenntnis der ersten Liebe noch etwas leuchten, aber
es gab für ihn doch keine Möglichkeit mehr, von dieser Erkenntnis aus in den Besitz der
ersten Liebe zu gelangen. Der Weg zum Baum des Lebens im Paradiese Gottes war der
Gemeinde Gottes wieder aufs neue verschlossen. Der noch vorhandenen Erkenntnis
fehlte die innere Kraft, und sie konnte deshalb nicht mehr als Waffe in der Gemeinde
gebraucht werden, um den Kampf mit den Todesgewalten erfolgreich führen zu können.
Die Bedeutung der ganzen Erlösung konnte in dieser Stellung nur noch als
Glaubensrechtfertigung gesehen werden, die durch Christus vor Gott offenbar ist und auf
Grund derselben Gott die Sünden vergibt. Diese Stellung bezeugt Paulus mit den
Worten:
„Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib tot, um der Sünde willen, der
Geist aber ist Leben, um der Gerechtigkeit willen.“ (Röm.8,10)
Und in Verbindung damit war die Erkenntnis der Erstlingsauferstehung noch eine
vorhandene Heilswahrheit. Auf diese Heilserkenntnisse gründete sich sein Glaube; und
darum besaß er bei all seiner Armut noch einen gewissen Reichtum an Heilsgütern.
Doch der schon zur Zeit Jesu begonnene Kampf gegen die Gottes- und Glaubensgerechtigkeit und der Kampf um die Lehre der Auferstehung der Toten, der in der
Das Reich Gottes
- 173 -
Apostelzeit seine Fortsetzung fand, entbrannte in dieser zweiten Gemeinde besonders
heftig.
Gläubige aus den Juden, die eine Synagoge des Satans genannt sind (Offb.2,9),
waren die Feinde der Glaubensgerechtigkeit und der noch vorhandenen Lehre von der
Auferstehung. Darum lästerten sie über die Erkenntnis und den Glauben des Engels der
Gemeinde zu Smyrna und führten einen bitteren Verfolgungskampf mit ihm. Diesen
Kampf führte der Engel der Gemeinde zu Smyrna mit den Gemeindegliedern, welche
sagten, sie seien „Juden“, das heißt „gottesfürchtig nach den Forderungen des
Gesetzes“. Von diesen mußte er sich lästern lassen, weil er seine Gottesfurcht und seine
Herzensreinheit von seiner Glaubensrechtfertigung und nicht von seiner Unsträflichkeit
nach dem Gesetz herleitete (Apg.15,9; Röm.2,28-29). Die Lästerungen und die Schmähungen
dieser Brüder, die mit der Masse der Gläubigen auf dem Boden des Gesetzes für Gott
eiferten, führten schließlich dahin, daß diese Männer den Engel der Gemeinde zu Smyrna
als Gotteslästerer dem Tode auslieferten. Seine Leidensschule erweckte bei seinen
Widersachern den Eindruck, daß er als ein Feind Gottes von Gott verfolgt werde, und das
ermutigte diese Synagoge des Satans desto mehr, ihn bis zum Tode zu verfolgen, um
Gottes Wohlgefallen
Seite 193
darin zu erreichen. Eine Schule des Satans waren sie aber deshalb, weil sie selbst unter
den Wirkungen des Gesetzes die sündlichen Leidenschaften in ihren Gliedern, die dem
Tode Frucht bringen, zwar erkennen mußten, aber doch, anstatt daß sie diesen Zustand
wie Paulus als das „Elend und unter die Sünde Verkauftsein“ und deshalb als den
sterblichen Leib erkannten, - diese Erkenntnis verleugneten und sich bei allen
Übertretungen des Gesetzes als vorbildlich gottesfürchtig hinstellten. Der Engel nahm
aber bei dieser Verfolgung in seinem Glauben so zu, daß er in seiner eigenen Erkenntnis
und in Gottes Augen in dem Glauben vollendet wurde, daß Gott die Toten unverweslich
auferweckt.
Diese Gemeinde zu Smyrna soll zehn Tage Trübsal haben. Das weist auf die
schwere Zeit der Christenverfolgung hin. Die Zeit dieser Gemeinde ist etwa die vom Jahr
100 n.chr. - 300 n.Chr., es ist die Märtyrerzeit. Die zehn Tage Trübsal können in der
Geschichte als etwa zehn zu verschiedenen Zeiten erfolgte Verfolgungen erkannt
werden:*)
*1)
2)
3)
4)
5)
6)
7)
8)
9)
10)
64
91-96
107
167
177
193-211
250
253-260
303
n.Chr. unter Nero in Rom
n.Chr. unter Domitianus. Durch sie wurde Johannes betroffen.
n.Chr. unter Trajanus, in Jerusalem
unter Trajanus, in Antiochien
n.Chr. unter Marcus Aurelius, in Asien und Bithynien
n.Chr. unter Marcus Aurelius, in Südfrankreich
n Chr. unter Septinius Severus
n.Chr. unter Decius, im ganzen Reich
n.Chr. unter Valerianus
n.Chr. unter Diokletianus, im ganzen Reich
Der Engel dieser Gemeinde, wie auch die Gemeindeglieder selbst, die treu waren bis
in den Tod, bekamen die Verheißung, daß sie in der Erstlingsauferstehung die Krone des
Lebens bekommen sollen und der zweite Tod ihnen kein Leid antun wird. Aber der Sieg
des Lebens über den Tod in der Leibesverwandlung konnte in dieser Gemeinde nicht
Das Reich Gottes
- 174 -
erreicht werden, weil der Überwinderboden aus Mangel an dem dazu nötigen
Glaubensbesitz der ersten Liebe nur noch in der Treue bis zum Tod und der Hoffnung für
die Krone des Lebens in der Erstlingsauferstehung, wenn der Herr kommt, bestand.
Folglich konnten sich in dieser Gemeinde die göttlichen Verheißungen auch nicht
erfüllen, die Gott den Vätern seines auserwählten Volkes gegeben hat. Die ewige
Reichsherrschaft des Volkes Gottes ist in dieser zweiten Gemeindezeit sogar noch mehr
in den Hintergrund getreten. Das ist nur aus dem Grunde der Fall, weil in der Gemeinde
zu Smyrna infolge der mangelnden Erkenntnis von der ersten Liebe auch der Glaube an
die in Christo vollbrachte Erlösung nicht mehr geübt werden konnte, damit es zum Sieg
des Lebens über den Tod in der Leibesverwandlung hätte kommen können.
Die zu den verschiedenen Zeiten über diese Gemeinde hereingebrochenen Verfolgungszeiten konnten zwar nicht mehr zu der Buße führen, durch die die verlorene erste
Liebe wieder zurückerlangt wird. Sie dienten aber dem Zweck, daß die Treue bis zum Tod
bewiesen wurde und diesen
Seite 194
Überwindern durch den zweiten Tod dann kein Leid geschehen kann, weil sie in der
Hoffnung an die Auferstehung ausreiften.
3. Die Reichsgottesherrschaft in der dritten Gemeinde zu Pergamus
Mit der fortschreitenden Entwicklung der Gemeinde Gottes im ersten Zeitabschnitt
des vierten Weltreiches wurde der Glaube in der Gemeinde Gottes der herrlichen
Erlösungstat Jesu gegenüber immer schwächer. In der auf die Gemeinde zu Smyrna
folgenden
„Gemeinde zu Pergamus“ (Offb.3,12-17),
ist die Hoffnung, daß sich die göttlichen Verheißungen erfüllen würden, die die Aufrichtung
der Reichsgottesherrschaft durch sein auserwähltes Volk bezeugen, immer mehr
verschwunden. Weil es Gott geschehen ließ, daß in der bis dahin erfolgten Entwicklung in
der Gemeinde auf dem Boden der ersten Liebe der Sieg über den Tod nicht erreicht
wurde, so ist es dem Feind gelungen, alle durch die Verkündigung des Evangeliums
erlangten Heilswahrheiten der Gemeinde Gottes immer mehr zu verdunkeln. Das tat er
dadurch, indem er bewirkte, daß alle treuen Heilsträger unter seinem Einfluß in der
zweiten Gemeindezeit zu Smyrna getötet wurden.
Gottes weise Leitung bestand in dieser Zeit nur darin, die in der Trübsal und in den
Todesnöten Geschulten in ihrem Glauben an die Auferstehung zu vollenden. Aber auch
diese Heilsträger waren dem Feind noch ein Ärgernis, und deswegen nahm die Trübsal
so überhand, daß auch sie zum Verstummen gebracht wurden.
Antipas, der letzte treue Zeuge, hatte noch mit großer Kraft seinen Glauben an die
Glaubensrechtfertigung und an die Auferstehung Jesu bezeugen können, da, wo der
Satan als Fürst des Todes wohnte und die Gesinnung der Weltreichsherrschaft gegen die
gläubige Gemeinde bestimmend beeinflußte. Von dieser Seite drohte die Todesgefahr,
der sich alle treuen Zeugen Jesu durch ihr Bekenntnis aussetzten; das schreckte aber die
Gläubigen in dieser Gemeinde schon ab, darauf Fuß zu fassen und weiterhin treue
Zeugen des Evangeliums unter Lebenshingabe zu sein.
Das Reich Gottes
- 175 -
Der Engel der Gemeinde zu Pergamus konnte zwar noch den Namen des Herrn Jesu
bezeugen und verleugnete seinen Glauben an ihn nicht, obgleich er es nicht vermochte,
mit dem Märtyrer Antipas sein Haupt vom Leibe abtrennen zu lassen. Durch diesen
Mangel an treuer Lebenshingabe hat dieser Engel aber bewiesen, daß er den lebendigen
Glauben an die Auferstehung nicht mehr hatte; er hatte nur noch das Wissen davon, aber
die Kraft zum Lebenseinsatz fehlte ihm.
Darum hatte der Herr ein weniges wider ihn, daß er daselbst solche hatte, die an der
Lehre Bileams hielten, welcher den Balak lehrte, ein Ärgernis vor die Kinder Israels zu
legen, Götzenopfer zu essen und Hurerei zu treiben.
Seite 195
Schon Moses hatte im Hinblick auf die Belohnung die Schmach Christi für größeren
Reichtum geachtet als die Schätze Ägyptens (Hebr.11,26). Der göttliche Lohn hatte einen
Abel zum Glaubensbekenntnis und Lebenseinsatz und den Abraham zur Aufopferung
seines geliebten Sohnes Isaak befähigt (Hebr.11,4.17-19). Auch Bileam, dem syrischen
Propheten, war dieser göttliche Lohn bekannt, denn auch er weissagte von Christus
(4.Mos.24,17-19).
Aber um irdischen Lohnes willen gab er seine Auferstehungshoffnung auf,
wollte um Geld und Ehre den Brüdern fluchen und offenbarte damit gleich dem Esau
seine gemeine Gesinnung (Hebr.12,16-17). Als ihm das nicht gelang, brachte er um Geld
und Ehre Israel - wenn schon nicht um die Verheißung - so aber doch durch Verführung
zu Götzenopfer und zur Hurerei in den Dämonendienst, das ist in den Abfall von Gott und
unter den Zorn Gottes.
Solche Bileamslehrer, die ihre Auferstehungshoffnung um irdischen Wohlergehens
willen preisgaben, leiteten um Geld und Ehre wiederum die damals in der Gemeindezeit
des vierten Jahrhunderts herrschenden Könige, die schon Christen geworden waren, an,
den Glauben an die Auferstehung der Gläubigen durch Lehrverführung in einen toten
Formendienst und dadurch auch in Dämonendienst umzuwandeln. Die Schuld lag aber
beim Engel der Gemeinde zu Pergamus, welcher selbst nicht mehr genug lebendige
Gewißheit an die Auferstehung hatte, daß er gewagt hätte, den Bileamslehrern durch
Lebenseinsatz entgegenzutreten und auf diese Weise auch durch seine Treue die
christlich-weltliche Obrigkeit dieses vierten Weltreiches in die rechte Glaubensstellung zu
leiten, damit ihr Einfluß für die Gemeinde Gottes auch hätte ein Segen sein können. Doch
weil der Engel dieser Gemeinde trotz seines Festhaltens an dem Namen des Herrn und
daß er den Glauben nicht verleugnete, doch den falschen Einfluß der Lehre Bileams in
seiner verderblichen Wirkung nicht aufhalten konnte, kamen auch die im Weltreich
herrschenden christlich-weltlichen Herrscher unter den Lehreinfluß der Bileamslehre,
anstatt unter den Lehreinfluß des Engels dieser Gemeinde, der der bessere und in der
Gemeinde bestimmende hätte sein müssen.
Dieser Engel hatte aber solche, die an der Lehre der Nikolaiten, der Volksbeherrscher, der Seelenbezwinger festhielten, was der Herr haßt. Wenn die Aufforderung des
Herrn an diesen Engel:
„Tue Buße!“,
Das Reich Gottes
- 176 -
nichts ausrichtet, muß der Herr bald kommen, um mit ihnen Krieg zu führen durch das
Schwert seines Mundes.
Die lebendige Kraft des Bekennens war nun in dieser Gemeinde Gottes dahin; denn
ihr muß eine lange Übung vorausgehen, mit dem Herzen zu glauben, daß Jesus von den
Toten auferweckt ist, damit aus diesem Herzensglauben ein Bekenntnis des Mundes
wird, das schließlich den tödlichen Haß der Feinde der Erlösungswahrheit herausfordert.
Die Finsternis- und Todesmächte hatten aber zu der Zeit in der Gemeinde Gottes schon
so überhandgenommen, daß ein lebendiges Erfassen und Bewahren dieser großen
Gotteskraft nicht mehr möglich war.
Seite 196
Im Blick auf die Überwinderstellung lautet das Zeugnis in dieser Gemeinde:
„Wer überwindet, dem will ich von dem verborgenen Manna zu essen geben, und
will ihm einen weißen Stein geben und auf dem Stein einen neuen Namen
geschrieben, welchen niemand kennt, als wer ihn empfängt.“ (Offb.2,17)
Was dieses Zeugnis von der Überwinderstellung bedeutet, kann nur verstanden
werden, wenn wir den Grundgedanken der sieben Sendschreiben erfaßt haben. Dieser
Grundgedanke ist die Ausgestaltung der Reichsgottesherrschaft im Schoße der sieben
Gemeinden. Die Reichsgottesherrschaft darf bei der Betrachtung der sieben Gemeinden
nicht aus den Augen gelassen werden, wenn man nicht von der Entwicklung abweichen
will, die sich in der Gemeinde auf dieses Ziel hin ausgestalten muß. Besonders in den
Verheißungen muß die Reichsgottesherrschaft beachtet werden, die den Überwindern
von jeder Gemeinde gegeben sind.
Sie zeigen nur die beiden Linien des Sieges des Lebens über den Tod durch die
Leibesverwandlung als Glaubensvollendung in der treuen Stellung zu der in Christo
vollbrachten Erlösung und in der Treue bis zum Tod, auf Grund derselben die Erstlingsauferstehung erfolgt. Durch den Sieg des Lebens über den Tod kommt der Herr zur
Thronbesteigung (Offb.2,26-28; 3,21; 4,2; 11,15-17) und zu seinem Tempel, der die heilige
Stadt ist, das neue Jerusalem, die Hütte Gottes, das Weib, die Braut des Lammes
(Offb.21,2-3.9-10). In der Treue bis zum Tod werden diese Überwinder als Erstlinge aus den
Toten das Königreich der Priester, die mit Christus auf Erden tausend Jahre herrschen
(Offb.20,4-6).
Diese beiden Linien sind in den ersten beiden Gemeinden gezeigt. In der Gemeinde
zu Ephesus ist die Ordnung gezeigt, nach der der Sieg des Lebens über den Tod erlangt
wird. In der Gemeinde zu Smyrna ist gezeigt, daß in der Treue bis zum Tode die
Erstlingsauferstehung und durch sie die Königs- und Priesterstellung erlangt wird.
Die Verheißungen für die Überwinder weisen in allen sieben Gemeinden nur auf diese
beiden Ordnungen des Sieges hin. Der Überwindersieg muß deshalb bei jeder Gemeinde
in einer von diesen beiden Ordnungen erlangt werden.
In der Gemeinde zu Pergamus zielen nun die Irrlehren auf die Verbindung mit der
Welt hin. Einerseits umgeben die Gläubigen und Knechte Gottes Einflüsse von seiten der
Weltmacht, die ihnen Ehre und Gewinn bietet, und andererseits wird die Nikolaitenherrschaft ausgebreitet. Das alles hat zur Folge, daß die Erkenntnis der Erlösung so
völlig verschwindet, daß für die Überwinderstellung im treuen Lebenseinsatz, wie sie in
Das Reich Gottes
- 177 -
der Gemeinde zu Smyrna noch vorhanden ist, nun die nötige Erkenntnis- und
Glaubensstellung fehlt. Deshalb wird die Ausrüstung zur Überwinderstellung durch das
von der Gemeinde verlorene und deshalb verborgene Manna oder Lebensbrot erlangt,
wenn es der Herr persönlich darreicht. Damit bereitet der Herr dem Essen vom Baum des
Lebens im Paradiese Gottes den Weg, denn auf den einen Stein sind
Seite 197
sieben Augen gerichtet (Sach.3,9). Dieser eine Stein ist einer von den sieben Engeln der
sieben Gemeinden, der das Wort des Herrn bewahrt hat, und indem er diese Stellung,
die er zum Herrn hat, bewahrt, bis der Herr kommt, ißt er vom Baum des Lebens im
Paradiese Gottes und wird durch das Kommen des Herrn, weil er bereit ist, verwandelt
(Offb.3,7-11; vgl.Joh.8,51). Die sieben Augen sind die sieben Geister des Herrn, die der Herr
zusammen mit den sieben Engeln der sieben Gemeinden in seiner Hand hat (Offb.2,1).
Auf diesen einen Stein gräbt der Herr selbst seine Inschrift ein, und das ist der Name, den
niemand kennt als nur der Treue und Wahrhaftige selbst, der ihn empfängt. Weil dieser
Name „Wort Gottes“ heißt (Offb.19,12-13), so ist das die Nahrung, die dieser Überwinder
durch das der Gemeinde verborgene Manna vom Herrn selbst bekommen hat. Dieser
weiße Stein ist dann auch der Schlußstein, der unter dem Zuruf der Menge: „Gnade,
Gnade mit ihm!“ (Sach.4,7) zur bestimmten Zeit als Werkzeug für die Königsherrschaft
hervorgebracht wird.
Auf diesen Gemeindezustand weist Jesus in Matth.13,31-32 hin in dem Gleichnis,
indem er das Himmelreich mit einem Senfkorn vergleicht. In dem Bild vom Senfkorn zeigt
Jesus, wie die durch die Christenverfolgung zusammengeschmolzene kleine Gemeinde
zu einem großen Baum wird, in dessen Zweigen die Vögel des Himmels nisten. Eine
solche Ausbreitung des Evangeliums war in jener Zeit der dritten Gemeinde (etwa von
300 n.Chr. - 500 n.Chr.) nur möglich, weil das Christentum Staatsreligion wurde und weil
sich die Gemeinde mit dem Staat verbunden hatte, ja, sogar an der Staatsmacht selbst
gern Anteil haben wollte. Diese wiedergöttliche Verbindung konnte aber nur auf Kosten
der klaren, entschiedenen Stellung zu den in der Gemeinde Gottes noch vorhandenen
Heilswahrheiten erfolgen. Das Verlangen der Gemeinde Gottes, deren Kern Glieder aus
dem Volke Gottes waren, nach der Staatsmacht, konnte nicht in der Gesinnung Jesu
Christi geschehen, auch wenn dabei die Absicht besteht, das Evangelium weiter und
schneller auszubreiten. Es zeigt nur, wie wenig die Gemeinde Gottes ihren Blick auf die
Ordnung der wahren Reichsgottesherrschaft gerichtet hatte. Sie vermischte das Reich
Gottes mit der irdischen Reichsherrschaft, obgleich Jesus, an den sie glaubte, einmal
sagte:
„Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ (Joh.18,36)
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Das „vierte Weltreich“, das „Volk Gottes“ und die „christliche
Gemeinde“ in der Mitte der vierten Weltreichsherrschaft
1. Das vierte Weltreich im Bilde der sieben Häupter und der Füße
Das Reich Gottes
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a) Die sieben Häupter nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift
Im ersten Teil der Schilderung des vierten Weltreiches haben wir gezeigt, wie die
Einheit dieses Reiches zu der Zeit aufhörte, als das Reich in die beiden Teile West- und
Ostrom zerteilt wurde und darauf Westrom durch die in der Völkerwanderung nach dem
Westen drängenden Goten oder Germanenvölker im Jahre 476 n.Chr. zertrümmert
wurde.
In dieser Betrachtung des zweiten Teiles vom vierten Weltreich müssen wir nun auf
die weitere Teilung dieses Reiches achten, wenn es in sieben Häupter zerteilt wird.
Daniel redet zwar von dieser Teilung nicht mit klaren Worten. Aber Johannes weist in der
Offenbarung darauf hin, indem er sagt:
„Ich sah aus dem Meer ein Tier aufsteigen, das hatte sieben Häupter...“
(Offb.13,1)
„Die sieben Häupter sind sieben Berge, auf welchen das Weib sitzt; und sind sieben Könige ...“ (Offb.17,9-10)
Zur genauen Feststellung der Zeit, in der die Siebenteilung des vierten Weltreiches
beginnt, müssen die weiteren Ausführungen und Zusammenhänge in Offb.13,1-3 und
17,7-13 beachtet werden. Die sieben Häupter beginnen sich zu bilden, wenn das
Tierreich in zwei Reichsgebilde zerfällt. Daß die ersten zwei Reiche: das Weströmische
und das Oströmische Reich, auch schon als zwei Häupter zu werten sind, die zu den
sieben Häuptern gezählt werden müssen, ist daraus zu ersehen, daß das achte Haupt
wieder eines von den sieben Häuptern ist. Dieses achte Haupt
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ist schon vorher mit den sieben zusammen in der Macht, und zwar als das Tier selbst
(Offb.17,8.10-11), das als das vierte Weltreich von der Gründung der Stadt Rom aus erkannt
und anerkannt werden muß.
b) West- und Ostrom - das erste und zweite Haupt
Durch die Teilung dieses Reiches in West- und Ostrom wird der Anfang dieses
Reiches in der Form von Westrom zum ersten und Ostrom zum zweiten Haupt. Die
Ordnung dieser ersten zwei Häupter darf nicht so umgestellt werden, daß man „Ostrom“
als erstes Haupt bezeichnet, sonst muß man auch das achte Haupt und somit das Tier
selbst in Ostrom (Türkei) sehen. Deshalb kann dieses achte Haupt nur in einem der
eisernen Schenkelreiche, die den Anfang dieses Reiches darstellen, gesehen werden.
Das Oströmische Reich könnte zuerst genannt werden, weil sich die Hauptstadt des
geteilten Reiches auf Konstantinopel verlegte und von dieser Stadt Byzanz die Teilung
des Reiches endgültig erfolgte. Die größere Macht Ostroms zeigt sich auch darin, daß es
nahezu tausend Jahre länger bestand als das „Weströmische Reich“.
Wird demgegenüber an erster Stelle nicht der längere Bestand Ostroms gesehen,
sondern der in der Reichsgründung liegende Ursprung des gesamten Reiches beachtet,
so muß „Westrom“ als Anfang des Reiches und darum als erstes Haupt angesehen
werden; denn in der Gründung der Stadt Rom liegt auch die Gründung dieses vierten
Weltreiches, das von dieser Stadt auch den geschichtlich bekannten Namen bekommen
hat.
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Das Reich Gottes
Es ist deshalb bei der Behandlung der Geschichte dieses Reiches um dieser
Bezeichnung willen und um festzustellen, welches Haupt aus den sieben das achte ist,
nötig, auf die Reichsgründung zu achten, um von da aus das erste Haupt feststellen zu
können, das zuerst als Anfang des Reiches war, dann nicht mehr ist und als achtes
Haupt, als eines von den sieben, wiederkommt und selbst das Tier ist.
c) Spanien - das dritte Haupt
Nachdem nun das Weströmische Reich durch die während der Völkerwanderung in
das Gebiet des Römischen Reiches wiederholt eingedrungenen Germanen zertrümmert
war, richteten die Westgoten unter König Eurich (466-484) ein Reich in Spanien auf, das
sich mit dem späteren Frankenreich jahrhundertelang um den Machteinfluß stritt. Es blieb
auch mit dem deutsch-österreichischen Herrscherhaus der Habsburger (1516-1700) im
Mittelalter verbunden. Diese durch die Völkerwanderung zuerst in Spanien zur
Reichsbildung gekommene germanische Macht der Westgoten wird dadurch neben dem
noch in der Macht stehenden Ostrom und dem seiner Macht beraubten Westrom zu einer
dritten Hauptmacht (drittes Haupt) des Römischen Reiches. Seine Stärke und Bedeutung
in dieser Zeit liegt in der Tatsache, daß es viele Jahrhunderte das Grenzland in Europa
gegen das mächtige Sarazenenreich der Araber war, unter deren Herrschaft es auch in
den Jahren 711-1263
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stand. Karl der Große war im Fränkischen Reich der erste wichtige Gegner dieser
arabischen Sarazenenmacht in Spanien. Nachdem sich später die Königreiche Kastilien
und Aragonien vereinigt hatten und auch die Entdeckung Amerikas durch das
Habsburgerreich von Spanien aus erfolgte, war Spanien unter Kaiser Karl V. und König
Philipp die erste Macht der Christenheit (1500-1600).
d) Das Frankenreich - das vierte Haupt
Als viertes Haupt tritt das Frankenreich an die Spitze der Völker. Um das Jahr 800
erneuerte der Frankenkönig Karl der Große die weströmische Kaiserwürde, die mehr als
300 Jahre aufgehört hatte, indem er vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt wurde. Ihm
gelingt es, den größten Teil aller germanischen Länder unter seine Macht zu zwingen.
Das Reich Karls des Großen zerteilte sich unter seinen Enkeln, Ludwig des Frommen
Söhnen, im Jahr 843 (Vertrag zu Verdun) in ein Westfränkisches, das spätere Frankreich,
in ein Ostfränkisches Reich als das spätere Deutschland (d.h. des Volkes Land) und in ein
Zwischenreich Lotharingien, zu dem auch Oberitalien einige Zeit gehörte.
Die Herrscherfamilien und Regierungsformen des fränkischen Reiches und des
späteren Westfranken oder Frankreich sind die folgenden: Die Karolinger (843-987), die
Kapetinger (987-1328), das Haus Valois (1328-1498), das ältere Haus Orleans und
Angoulême (1498-1589), die Bourbonen (1589-1792). Darauf folgt die Republik (17921795), das Direktorium (1795-1799), das Konsulat (1799-1804), das erste Kaiserreich
Napoleon I. Bonaparte (1804-1814), die Restauration (1814-1830), das jüngere Haus
Orleans (1830-1852), die zweite Republik (1848-1852), das zweite Kaiserreich Napoleon
Das Reich Gottes
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III. (1852-1870), seit 1870 Republik. Seine Glanzzeit hatte Frankreich unter den
Bourbonen Ludwig XIII., Ludwig XIV. und Ludwig XV. im 17. und 18. Jahrhundert.
e) Das Römische Reich deutscher Nation - das fünfte Haupt
Das fünfte Haupt beginnt mit der Teilung des Fränkischen Reiches (843) in Westfranken und Ostfranken. Der deutsche König Otto I. d.Gr. erneuerte die Würde des
römischen Kaisertums. Im Jahre 963 n.chr. ließ er sich in Rom vom Papst zum Kaiser
krönen, und sein Reich erlangte die Bezeichnung „Römisches Reich deutscher Nation“.
Die Herrscherfamilien und Regierungsformen dieses Reiches sind die folgenden: Das
Karolingische Haus (843-911), Konrad I. (911-918), das Sächsische Haus (919-1024),
das fränkischsalische Haus (1024-1125), Lothar III. von Sachsen (1125-1137), die
Hohenstaufen oder Staufen (1138-1254), Wilhelm von Holland (1247-1256), Interregnum
(1256-1273), Alfons X. von Kastilien (1257-1282), Richard von Cornwallis (1257-1272),
Kaiser verschiedener Häuser (1273-1437). Dann ging die Kaiserwürde vom Römischen
Reich deutscher Nation an die Habsburger über, mit ihrem Hauptland Österreich-Ungarn
(1438-1740).
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Ihnen folgten: Karl VII., Albrecht von Bayern (1742-1745) und das Haus HabsburgLothringen-Toskana (1745). Die Lothringer: Franz I. (1745-1765), Joseph II. (1765-1790),
Leopold II. (1790-1792) und Franz II. (1792-1806).
f) Großer Wendepunkt der Häupterbildung
Weil in der Offenbarung des Johannes gesagt ist:
„Fünf sind gefallen“ (Offb.17,10),
ist mit dem Ende des fünften Hauptes ein Wendepunkt der Völkergeschichte und
besonders in der Entwicklung der Häupterbildung des Römischen Reiches eingetreten,
der darin besteht, daß bis zu dieser Zeit noch keines von diesen fünf Häuptern allein die
Weltmacht ausgeübt hat. Nach der Teilung des Römischen Reiches in Westrom und
Ostrom teilten sich diese beiden Reiche in die Weltmacht. Nach dem Zerfall von Westrom
übten nebst Ostrom die Westgoten in Spanien ihre Macht aus, und dazu kommen dann
das Frankenreich und durch dessen Teilung das Römische Reich deutscher Nation, so
daß immer drei bis vier Häuptermächte sich miteinander in die Weltmacht teilten.
Gleichwie vom Jahre 330 n.chr. bis zum Jahre 476 n.Chr. neben der Westmacht
Roms und Italiens noch die Ostmacht Syriens bestand (allerdings einige Jahrhunderte
lang miteinander im gesamtrömischen Reich vereinigt), so sehen wir in ähnlicher Weise
neben der Westmacht Roms in der Gestalt der Ost- und Westgoten, der Franken (Karls
d.Gr.) und der Gestalt des Römischen Reiches deutscher Nation vom Jahre 476 bis zum
Jahre 1453 n.Chr. noch die Gestalt Ostroms im Oströmischen Reiche bestehen.
Bis dahin können wir die beiden Schenkel nebeneinanderstehend sehen, wie sie
Nebukadnezar im Traum erkannt hatte, und wir können das Reich auch als eine Tiermacht erkennen, wie sie als ein Tier mit großen eisernen Zähnen alles frißt und zermalmt.
„Das übrige“, das es nicht zu verdauen vermochte, sondern wieder von sich geben
Das Reich Gottes
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mußte, sucht es mit seinen Füßen zu zertreten und zu zerstampfen. Und doch ist das
Wort Gottes ein Feuer, das nimmermehr ausgetreten werden kann (Jer.5,14; 23,29).
Die Einigungsversuche zu einer römischen Reichseinheit wurden unterstützt, solange
der germanische Same unter den romanischen Völkern zerstreut war.
Mit Napoleon I. Siegen und seinen Niederlagen zu Leipzig (1813) und Waterloo
(1815) waren die fünf Häupter des Römischen Reiches gefallen.
g) England - das sechste Haupt
Nach dem letzten Aufflackern der Macht Frankreichs unter Napoleon Bonaparte und
dessen Niederwerfung durch die „Alliierten“ Österreich-Ungarn, Preußen, England und
Rußland ist es nun das Königreich England, das mit der Ausdehnung seiner
Kolonialmacht als „Britisches
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Imperium (Oberherrschaft)“ als sechstes Haupt aufsteigt. Englands Herrscherin Viktoria
nahm 1876 außer dem Titel „Königin von England“ auch noch den der „Kaiserin von
Indien“ an (1800-1900).
Die Herrscherfamilien und Regierungsformen dieses Reiches sind die folgenden:
Angelsächsische Könige (827-1066), normannische Könige (1066-1154), Haus AnjouPlantagenet (1154-1399), Haus Lancaster (1399-1461), Haus York (1461-1485), Haus
Tudor (1485-1603), Haus Stuart (1603-1649), Republik (1649-1660), Haus Stuart (16601714) Haus Hannover (1714-1901) und Häuser Hannover und Koburg (seit 1901).
Die anderen Großmächte folgen England mit der Kolonialbildung, d.h. der Unterwerfung außereuropäischer Völker und Länder, erreichen aber keineswegs die Ausdehnung der britischen Weltmacht. - Mit England ist das sechste Haupt vorhanden,
nachdem die ersten fünf gefallen sind. In die Zeit, wenn die alleinige Macht dieses
sechsten Hauptes zu Ende geht, indem das siebente Haupt für eine kleine Zeit dazukommt, muß das Öffnen des Gerichtsbuches von Offenbarung 5 fallen.
h) Deutschland - das siebente Haupt
In der Zeit dieses sechsten Hauptes ringt sich Deutschland als ein Reich der geeinten
westgermanischen Stämme unter der Führung Preußens im Dänischen, Deutschen (d.h.
preußisch-österreichischen) und Deutsch-Französischen Krieg (1864-1866, 1870/71)
empor und wird von England eifersüchtig beobachtet (Jes.11,13).
Wir sehen dann eine fortwährende Gestaltung der sieben Mächte im Zusammenschluß in zwei Gruppen zu einem Dreibund oder zu einem Vierverband, damit solcherart
das „Gleichgewicht auf dem Kontinent“ erhalten bleibe. Darin treten die beiden Füße des
Traumbildes vom König Nebukadnezar in Erscheinung. Das zumeist außereuropäische
Russische Reich tritt als ausschlaggebende Macht hinzu, welche dem einen oder
anderen Staatenbündnis das Übergewicht zu geben vermag; es ist seit 1700 als eine
Macht im Nordosten emporgestiegen.
England kommt zum Bunde mit Frankreich und Rußland, und die Staatsmänner
dieser Reiche setzen sich die Vernichtung der Mittelmächte Deutschland und ÖsterreichUngarn und deren Landaufteilung zum Ziel. Deutschland steht bei Anbruch des
Das Reich Gottes
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Weltkrieges mit Österreich im Bunde, aber Italien, der Dritte des Bundes, bleibt abseits
stehen und tritt schließlich noch auf die Seite der Feinde über. Dagegen gewinnnen
Deutschland und Österreich die Türkei und Bulgarien als Kampfgenossen.
Während des Weltkrieges 1914-1918 steht dann Deutschland für kurze Zeit aller Welt
als erste Macht der Erde vor Augen. Aber das Kriegsende fällt so aus, daß der König
(Kaiser) dieses siebenten Reichshauptes nur eine kurze Zeit in seiner alleinigen
Vormachtstellung bleiben durfte (Offb.17,10).
Die Herrscherfamilie dieses Reiches war aus dem Haus Hohenzollern.
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2. Das Volk Gottes in der Zeit der sieben Häupter
und der Füße des vierten Weltreiches
a) Die Bedeutung des „Tones“ im vierten Weltreich Rom
Aus den Abhandlungen über das vierte Weltreich haben wir kennengelernt, daß die
Ausübung der Herrschaft dieses Reiches in drei Zeitabschnitte zerfällt.
Ehe wir das Schicksal des Volkes Gottes in der Zeit der sieben Häupter des vierten
Weltreiches betrachten, wollen wir zuerst zu verstehen suchen, was nach dem Traum
Nebukadnezars der „Ton“ im zweiten und dritten Zeitabschnitt des vierten Weltreiches
bedeutet. Nebukadnezars Traum von dem Ton ist mit den Worten bezeugt:
„seine Füße teils von Eisen und teils von Ton.“ (Dan.2,33)
Diesen Abschnitt des Traumes von Nebukadnezar deutet Daniel wie folgt:
„Daß du aber die Füße und Zehen gesehen hast teils aus Töpferton und teils aus
Eisen, bedeutet, daß das Königreich sich zerspalten wird; aber es wird etwas von
der Festigkeit des Eisens darin bleiben, gerade so, wie du gesehen hast Eisen mit
Tonerde vermengt. Und wie die Zehen seiner Füße teils von Eisen und teils von
Ton waren, so wird auch das Reich zum Teil widerstandsfähig und zum Teil zerbrechlich sein. Daß du aber Eisen mit Tonerde vermengt gesehen hast, bedeutet,
daß sie sich zwar durch Verheiratung vermischen, aber doch nicht aneinander
haften werden, wie sich ja Eisen mit Ton nicht vermischen läßt.“ (Dan.2,41-43)
Aus diesem Zeugnis ist ersichtlich, daß sich der zweite und dritte Teil, die Füße und
Zehen dieser vierten Reichsherrschaft, von dem ersten Teil, den eisernen Schenkeln
dieses Reiches, unterscheiden. Hier ist das Eisen zwar auch noch vorhanden, aber nicht
mehr als die alleinige Macht, wie bei den Schenkeln,sondern es ist mit (Töpfer-) Ton
vermischt. Zuerst zeigt Daniel durch das Eisen und den (Töpfer-) Ton, daß das Reich in
dieser Zeit die alles zertrümmernde, zermalmende und zerschmetternde Macht nicht
mehr so hat wie in der ersten Zeit, sondern das Eisen duldet jetzt den Töpferton und
verbindet sich sogar damit. Wenn aber die Eisenherrschaft zuerst das Volk Gottes
zertrümmert, zermalmt und zerschmettert hat, danach jedoch in der Zeit der Füße und der
Zehen den Töpferton als ein Fremdelement des Eisens duldet, so ist damit gezeigt, daß
dieser nun vom römischen Eisenvolk geduldete Töpferton das Volk Gottes sein muß.
Daß mit dem Töpferton das Volk Gottes gemeint ist, bestätigt uns die Heilige Schrift.
Der Prophet Jesaja muß zum Volk sagen:
„O ihr verkehrten Leute! Soll der Töpfer für Ton geachtet werden oder das Werk
von seinem Meister sagen: ‚Er hat mich nicht gemacht!‘ Oder soll das Geschöpf
von seinem Schöpfer sagen: ‚Er hat keinen Verstand?‘“ (Jes. 29,16)
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Das Reich Gottes
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„Wehe dem, der mit seinem Schöpfer hadert, eine Scherbe unter irdenen Scherben! Spricht auch der Ton zu seinem Töpfer: ‚Was machst du?‘ und dein Werk:
‚Er hat keine Hände!‘?“ (Jes. 45,9)
In seinem Buß- und Bittgebet sagt das Volk Gottes:
„Nun aber bist du, Herr, unser Vater; wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer,
wir sind allzumal deiner Hände Werk.“ (Jes.64,7)
Und Jeremja bekam von Gott den Auftrag:
„Mache dich auf und gehe in des Töpfers Haus hinab, daselbst will ich dich meine
Worte hören lassen! Als ich nun in des Töpfers Haus hinab kam, siehe, da machte
er seine Arbeit auf der Scheibe. Mißlang das Gefäß, das er machte - wie eben Ton
unter der Hand des Töpfers! - so fing er von neuem an und machte aus
demselben ein anderes Gefäß, wie er es zu machen für gut fand. - Da sprach der
Herr zu mir: ‚Kann ich mit euch nicht tun wie dieser Töpfer, o du Haus Israel?‘
spricht der Herr. Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand, also seid ihr, Haus
Israel, in meiner Hand!“ (Jer.18,2-6)
Wenn wir dazu noch den Zusammenhang beachten, in dem diese Zeugnisse stehen,
dann wird es leicht verständlich, warum Gott sein Volk in Verbindung mit der vierten
Weltreichsherrschaft den Töpferton nennt.
Wenn das „Eisen“ jetzt das Volk Gottes nicht mehr zertrümmert, zermalmt und
zerschmettert, sondern sich sogar mit dem „Töpferton“ verbindet, so ist damit gezeigt,
daß sich in dieser Zeit die Herrschaft dieses Volkes in der Stellung zum Volk Gottes
gegen früher verändert hat. Es kann zwar seine Art als Eisen nicht wechseln; denn es
bleibt ja trotz dem bestehenden Verhältnis zwischen Eisen und Ton etwas von der
Festigkeit des Eisens darin. Deshalb kann es dieses vermischte Reich auch jederzeit
wieder zertrümmern, zermalmen und zerschmettern; aber Daniel weist doch darauf hin,
daß in der Zeit, wenn das Eisen mit dem Töpferton durch Verheiratung verbunden ist, für
beide die Zeit der Verfolgung aufgehört hat.
Wenn in der Zeit der Füße und Zehen aber die Feindschaft zwischen dem Römervolk
und dem Volk Gottes aufgehört hat und sie sich sogar durch Verheiratung miteinander
vermischen und das hauptsächlich in der Zeit der Zehen, so kann das nur aus dem
Grunde so geworden sein, weil das Volk Gottes in der langen Zeit seiner Zerstreuung
unter den Völkern in den Völkerwanderungen in die Länder gezogen ist, in denen das
römische Volk die bis dahin unumschränkte Herrschermacht hatte, und das ist Westrom.
Das Volk Gottes ist dann in diesen Ländern schon so zahlreich geworden, daß die
Vermischung mit diesem Töpferton-Volk für das herrschende Römer-Volk bereits zur
Notwendigkeit geworden ist. Das Zertrümmern, Zermalmen und Zerschmettern muß nun
für längere Zeit aufhören.
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Die Verbindung des „Eisens“ mit dem „Ton“ weist darauf hin, daß sich die beiden
Völker in dieser Zeit in die Herrschaft des vierten Weltreiches teilen. Das ist aber nur
möglich, wenn sich das Volk Gottes innerhalb der Grenzen des vierten Weltreiches, d.i.
des Römischen Reiches, befindet, und zwar nicht nur als einzelne kleine Teile dieses
Israelvolkes, sondern es müssen bereits ganze Volksstämme von diesem Volk Israel in
den Grenzen des Römischen Reiches vorhanden sein, die in dieser Zeit zusammen mit
dem römischen Volk die weltbeherrschende Macht ausüben können.
Das Reich Gottes
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Wir irren also kaum, wenn wir unter den germanischen Völkern den größten Teil des
nationalen Volkes Gottes, die für verschollen gehaltenen zehn Stämme des Nordreiches
Israel, sehen. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte Daniel nicht davon reden, daß die
Vermischung dieser beiden Völker sogar zur Folge hat, daß sich das Königreich spaltet.
Wenn in dieser Zeit die ganze Herrschaft dieses Reiches wie vordem in den beiden
ersten Häuptern West- und Ostrom nur im Eisen liegen würde, könnte auch die
Verheiratung mit einem andern Volke die einheitliche Herrschermacht des Reiches nicht
gefährden. Wenn aber neben dem herrschenden „Eisenvolk“ das „Töpfertonvolk“ so
stark ist, daß ihm das römische Volk einen Teil der Herrschaft einräumen muß, dann
ergibt sich daraus, daß zu der Zeit durch die Stellung dieser beiden Völker das letzte
Weltreich Rom bis zu seinem Ende zerspalten ist. Damit ist aber die Kraft des Reiches
gebrochen; denn es ist nur noch zum Teil im Eisen widerstandsfähig, zum andern Teil
aber im Töpferton zerbrechlich.
Die Ausführungen über das Gold, das Silber, das Erz der ersten drei Weltreiche und
das Eisen und den Ton des vierten Weltreiches sollen nur zeigen, wie Gott in diesem
Standbild, das er dem König Nebukadnezar gezeigt hat, die Stellung und Verbindung
seines auserwählten Israelvolkes mit den herrschenden Völkern in der Zeit der vier
Weltreiche kundgetan hat. Diese Ausführungen sind aber auch klare Hinweise und
Beweise, daß die zwölf Stämme des Volkes Israel in der Zeit des vierten Weltreiches in
großen Völkergruppen vorhanden sind und durch ihren Einfluß, den sie als Volk Gottes
ausüben, die Macht des herrschenden Eisenvolkes sehr schwächen. Der Einfluß des
Volkes Gottes ist in der Mitte des vierten Weltreiches aber noch gering. Das hat seine
Ursache darin, daß das Volk Gottes noch kein geeintes, nationales Volk ist, sondern
immer noch in zwei Reiche zerteilt ist (Hes.37,22) und ein großer Teil der beiden Reiche
unter alle Völker, Stämme, Zungen und Nationen auf den Inseln des Völkermeeres
zerstreut ist, und daß die beiden Reiche selbst in einem feindschaftlichen Verhältnis
zueinander stehen. Dazu kommt, wie wir es bei den weiteren Betrachtungen über die
Entwicklung der christlichen Gemeinde noch sehen werden, daß das Volk Gottes für
lange Zeit sich nicht zu Gott bekehrt, sondern im Götzendienst verharrt und durch
Verheiratung mit dem Eisen-Volk sich auf widergöttliche Art und Weise verbindet, obwohl
dieses Eisen-Volk von Anfang bis zum Ende der vierten Weltreichsherrschaft in einer
gottfeindlichen Stellung bleibt.
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b) Der Völkerseeweg des Volkes Gottes nach Westeuropa
1. Das Evangelium zeigt den Völkerseeweg nach dem Westen
Wenn wir aus den Weissagungen des Propheten Daniel über den Traum Nebukadnezars erkannt haben, daß alle zwölf Stämme des Volkes Gottes in der ganzen Zeit
der vierten Weltreichsherrschaft innerhalb der Grenzen dieses Weltreiches vorhanden
sind, wollen wir nun noch sehen, wie diese Tatsache in der Geschichte berichtet ist.
Die Germanen, voran die Deutschen, sind das Volk der Reformation und haben sich
schon damit als das Volk Gottes geoffenbart. Die Germanen wollten im Ausgang des
Altertums wohl gern christlich werden, sie wollten sich aber unter Beschränkung ihrer
Das Reich Gottes
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Geistes- und Gewissensfreiheit nicht gewaltsam christianisieren und unter eine geistlichweltliche Behörde zwingen lassen. Winfried-Bonifatius, der sogenannte „Apostel der
Deutschen“, hätte die Göttereiche bei Geismar (Fritzlar) gewiß nicht so ungestört fällen
dürfen, wenn der christliche Glaube daselbst noch nicht bekannt gewesen wäre und den
Götzendienst daselbst noch nicht erschüttert hätte. Schon ums Jahr 170 n.Chr. sollen zu
der Zeit, da im germanisch durchsetzten Südfrankreich (Gallien, Lyon) Märtyrerblut fließen
mußte, in Britannien und im Rheinland christliche Gemeinden gewesen sein. Wenn wir
davon so wenig wissen, so liegt das daran, daß sich die christlichen Heilserkenntnisse
sehr lange Zeit nur in den untersten Volksklassen, in der dienenden Bevölkerung Bahn
brachen (1.Kor.1,26-29), an die Herrschenden aber erst dann gelangten, als bereits die
besten Heilserkenntnisse verlorengegangen waren.
Der Germanen Heimat wird allgemein in Kleinasien und Indien gesucht. Damit
befassen wir uns in dem folgenden Abschnitt und zeigen dort, daß die von Kleinasien Persien - Indien auf dem Völkerlandweg gekommenen Germanen auch das Volk Gottes
sind. Zuerst müssen wir aber den Völkerseeweg des Volkes Gottes beleuchten, den auch
das Evangelium genommen hat; denn er ist älter als der Landweg.
Alle Apostel suchten das Volk Gottes durch das Evangelium zu erreichen (Gal.2,9;
1.Petr.1,1; Jak.1,1). Aber Paulus hat doch mehr gearbeitet als sie alle (1.Kor.15,10;
vgl.2.Kor.11,23). Seine Missionsreisen zu den Heiden, wo er immer zuerst die Brüder
suchte (Apg.28,17-29), sind uns gut bekannt. Er bereiste Kleinasien, Mazedonien und
Achaja (Griechenland), und als er in diesen Ländern keinen Raum mehr fand, suchte er
seinen lange zuvor gefaßten Reiseplan nach Rom und Spanien zu verwirklichen; er war
aber in seinen Wegen vom heiligen Geist geleitet (Röm.15,23-28; Apg.16,6-7). In vielen
Städten jedoch, in die er kam, war Christus schon verkündigt worden, wenn auch nicht in
der ganzen Heilstiefe. Das ist uns ein Beweis, daß daselbst überall das Volk Gottes
seßhaft war. Nicht nach den Heiden, sondern nach den eigenen Volksgenossen verlangte
es Paulus zuerst, und darum zog es ihn auch nach Spanien. Für seine Brüder nach dem
Fleische wäre ihm der Preis nicht zu hoch gewesen, selbst von Christus verbannt zu sein,
wenn ihnen das nur zum Heil gereicht hätte (Röm.9,1-5; 10,1). Kam
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aber das Evangelium bis nach Spanien, dann war es von dort nach Nord-Frankreich,
nach den Niederlanden, nach dem Rheinland und nach Irland und Britannien sehr bald
getragen. Noch ehe Paulus nach Rom gelangte, war der Christenglaube der römischen
Gemeinde in der ganzen Welt, im ganzen Reich bekannt (Röm.1,8).
2. Die Freundschaft mit see- und kriegstüchtigen Völkern führt Israel
nach Westeuropa
Die Freundschaft der seefahrenden Phönizier und Israeliten, die mit ihren Tarsisschiffen (Weltmeerschiffen) bis nach Britannien und in die Mündungen der norddeutschen
Ströme gelangt sein müssen, ist bekannt. Britannien bot ihnen Zinn und Eisen, und die
Ostsee bot ihnen Bernstein. Gottes Wort sagt darüber:
„Tarsis hat dich bereist mit einer Menge von allerlei Gütern; mit Silber, Eisen, Zinn
und Blei hat es deine Märkte versehen.“
Das Reich Gottes
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„Tarsisschiffe führten dir deine Waren zu: davon wurdest du sehr reich und herrlich mitten im Meere!“ (Hes.27,12.25)
Auch dem Propheten Jona war der Weg zu Schiff nach Tarsis nicht unbekannt; denn
wir lesen im Buch Jona die Worte:
„Da machte sich Jona auf, daß er von dem Angesicht des Herrn weg gen Tarsis
flöhe, und stieg nach Japho hinunter und fand daselbst ein Schiff, das nach Tarsis
fuhr. Da gab er sein Fährgeld und stieg ein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren,
von dem Angesicht des Herrn hinweg.“ (Jon.1,3)
Nach Tarsis wollte er fliehen, vielleicht nur darum, weil dort schon Volksgenossen in
der Zerstreuung lebten, oder um von dort noch weiter zu entfliehen.
Die sonst nicht gerade kriegerisch veranlagten Phönizier (Punier) - deren Hauptstadt
Tyrus besaß nur Söldnertruppen - haben aus der Freundschaft mit Israel zweifellos viel
gelernt. Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß die unter David, Salomo und anderen
jüdischen Königen mit den Phöniziern aufrechterhaltene Freundschaft der Israeliten und
Juden diese schon vorzeitig nach Tarsis, Britannien und nach den nord- und
westafrikanischen und nordwesteuropäischen Häfen brachte. Der in Israel leitende
Stamm Ephraim ist geradezu ein Händlervolk genannt, das sich unter die Völker mengt,
noch ehe es in die Verbannung kommt, und es versteht, sich die Völker dienstbar zu
machen (Hos.7,8; 8,8-10; 12,8-9). Ob nicht der erstaunliche Widerstand der Städte Karthago
(Nordafrika) und Numantia (Spanien) gegen Rom und ihre völlige Vernichtung durch die
Römer, die ihresgleichen nur in der Vernichtung Jerusalems und anderer jüdischer Städte
findet, gerade in einem Zusammengehen phönizischer und israelitischer Geschlechter,
die in der Zerstreuung lebten, erklärt werden kann? Der geschichtlich große Feldherr
Hannibal (Hanniel „Gnade des Herrn“) findet in seiner kühnen, edlen Haltung in manchen
germanischen Feldherren sein Gegenbild.
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- Wir gehen in unseren Betrachtungen nicht zu weit, wenn wir nur bedenken, daß fast
sämtliche Herrscherhäuser Europas um 1913 germanischen Geschlechtes waren. - Die
Wehrhaftigkeit Ephraims war zudem stets größer als die des Brudervolkes Juda, schon
darum, weil das thyrusgleiche Händlervolk Ephraim-Israel nicht nur reicher an Schätzen
war, sondern meist noch mit den kriegerischen Syrern Waffengemeinschaft pflegte
(Jes.17,1-3; Hos.9,13; Am.6,1.4-8). Im Schiffbau und in der Überseeschiffahrt war EphraimIsrael bald so gewandt, daß der König Josaphat von Juda gar nicht mehr nach Phönizien
gehen mußte, wenn er Tarsisschiffe bauen wollte, er baute sie mit Hilfe des Königs
Ahasja von Israel (2.Chr.20,35-37). Das alles weist uns auf eine frühzeitige Siedelung
Ephraim-Israels in Ägypten, Nordafrika, Spanien, Nordfrankreich, Irland und England hin.
In Spanien soll die Stadt Toledo schon 500 Jahre vor Chr. durch die Israeliten
gegründet worden sein und ursprünglich den hebräischen Namen Toledot (Geschlechter)
getragen haben. Nach einer alten Sage sollen diese Israeliten (oder Juden) von Toledo
gegen die Verurteilung Jesu beim Hohenrat in Jerusalem Einspruch erhoben haben.
Nach der Zerstreuung der Juden 70-71, 115 und 132-135 n.Chr. sollen viele tausend
gefangene Juden nach Spanien und Lusitanien (Portugal) gekommen sein. Sowohl
Granada als auch Taragona sollen ursprünglich „Judenstadt“ geheißen haben. Zwei
Das Reich Gottes
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angesehene jüdische Familien rühmten sich, von David abzustammen (Nach Albrecht:
„Die Geschichte des Volkes Israel“, S.473).
Einige Geschichtsforscher meinen, daß israelitische Seeleute schon zur Zeit Salomos
nicht nur nach Spanien, sondern auch an die Südwestküste Englands gekommen seien,
und daß auch die Sprache der Bewohner der englischen Provinz Cornwallis mit dem
Hebräischen Ähnlichkeit habe. Sicher sind auch jüdische Handelsleute, begünstigt durch
ihren Gönner Julius Cäsar, bis nach Britannien gekommen (Nach Albrecht: „Die
Geschichte des Volkes Israel“, S.552).
Im Rheinland sollen die ältesten Ansiedlungen in Trier, Worms, Köln, Mainz und in
Speyer gewesen sein. Die Wormser Israeliten behaupteten, schon zur Zeit der Richter,
also etwa 1000 Jahre vor Christus, dahin gelangt zu sein; vielleicht wollten sie sich durch
diese Behauptung nur der Verfolgung entziehen und dartun, sie seien am Tode Jesu
nicht mitschuldig geworden (Nach Albrecht: „Die Geschichte des Volkes Israel“, S.560).
c) Der Völkerlandweg des Volkes Gottes nach Westeuropa
1. Der Völkerlandweg Israel-Germaniens
Zu den auf dem Seeweg nach Spanien, Nordfrankreich, Irland, Britannien und den
nordwestlichen und nordischen Küstenländern gekommenen Nachkommen Israels
gesellten sich bald die Germanen, als ein anderer Teil des in der Verbannung weilenden
Volkes Gottes aus Medien-Elam und Babylonien, über Indien und Nordeuropa bis nach
Westeuropa auf dem Landweg. Wir finden heute noch die Spuren dieses Landweges
Seite 209
Israel-Germaniens unter den Völkern aufgezeichnet. Denn sie müssen noch zu finden
sein, weil geschrieben steht:
„Setze dir Meilensteine, stell‘ dir Wegweiser auf; richte dein Herz auf die
gebahnte Straße, den Weg, den du gezogen bist! Kehre wieder, Jungfrau Israel,
kehre wieder zu diesen deinen Städten! Wie lange willst du dich doch da- und
dorthin wenden, du abtrünnige Tochter?“ (Jer.31,21-22)
Da haben wir unter diesen Merksteinen und Wegweisern das Hochland von Iran
(Arjana, das von den Ariern seinen Namen bekommen hat). Weiter bestehen die
Afghanen heute noch darauf, daß sie Nachkommen der verschollenen zehn Stämme
Israels seien. Afghanistan liegt zwischen Indien und Persien, und es genießt seit
Jahrzehnten die besondere Gunst Englands. Aus der babylonischen Gefangenschaft war
nur ein kleiner Teil der Juden nach Jerusalem zurückgekehrt, die anderen verblieben in
der Fremde. Sie verbreiteten sich über ganz Kleinasien bis nach Indien, ja, bis nach
China, und verbanden sich mit den Volksgenossen aus den anderen zehn Stämmen;
denn wir müssen in Betracht ziehen, daß die Juden in Jerusalem auch noch zu Jesu
Zeiten ihren Brüdern aus den anderen Stämmen den Zutritt zum Tempel nicht verwehrten
*
*(Offenbar haben einige wenige gottesfürchtige Israeliten ihre tatsächliche Abstammung doch nicht aus den
Augen gelassen; bei allem Kriegsruhm in der Fremde bedachten sie, daß sie doch nur ein weggeführtes
und ehemals gefangengeführtes Volk sind).
Die Perserkönige des zweiten Weltreiches Medo-Persien regierten, je nach der Jahreszeit und ihren Neigungen, abwechselnd in Babylon, der Hauptstadt Chaldäas, in
Ekbatana (= Achmetha), der Hauptstadt Mediens, und in Susan, der Hauptstadt Elams.
Das Reich Gottes
- 188 -
Nach Ekbatana und Susan zogen die gefangenen Juden mit Vorliebe, weil sie von den
Achämeniden große Vergünstigungen erlangten (Neh.1,1; 2,1; Esr.6,1-2; Est.1,1-2; Kap.6-8).
Damit ließen sie sich aber in den Ländern nieder, dahin die zehn Stämme verbannt
worden waren. Auch Jakobus schreibt an alle zwölf Stämme in der Zerstreuung, um die
sich auch Petrus bemühte (Jak.1,1; 1.Petr.1,1). Wir haben es also beim Germanenzug aus
Medien, Persien, Elam und Indien schon mit den Überresten aus allen zwölf Stämmen
des Volkes Gottes zu tun. Das ist sehr wichtig für die Beurteilung der europäischen
Völkerzusammensetzung.
Der führende Stamm war bei den Wanderzügen zweifellos Dan, denn er war außer
Juda stärker als alle anderen (4.Mos.1,20-46). Dan war der Schiffahrt und Fischerei kundig
(Rich.5,17). Nach Dan sind aber unter Berücksichtigung des Ablaufs alle großen Ströme
benannt, die in das Schwarze Meer von Norden und Westen her fließen: der Don, der
Dnjepr, der Dnjestr und die Donau (lat. Danubius). Noch kurz vor dem Weltkrieg 19141918 verlangte eine Abordnung von Bewohnern der Halbinsel Krim beim russischen
Zaren die Anerkennung als Nachkommen der verschollenen zehn Stämme Israels. Ob
wohl das Land Dänemark (= Danmark, Land des Dan) vom Stamm Dan den Namen hat?
Auch die Dänen wohnen hauptsächlich an der Küste. Das englische Königshaus
Seite 210
will seine Herkunft bis auf den Stamm Dan in Verbindung mit dem Königshaus David
zurückleiten, und die englischen Wappentiere Löwe und Einhorn sollen biblischen
Ursprungs sein (5.Mos.33,17.22).
d) Der Segen Jakobs für Joseph und dessen Söhne Ephraim und
Manasse
1. Die Bedeutung der Erstlingsstellung Josephs unter seinen Brüdern
In die Reihe der biblischen und geschichtlichen Beweise über das Vorhandensein
aller zwölf Stämme des Volkes Gottes in der Zeit des vierten Weltreiches und deren
Verhältnis zu diesem Reich gehören auch die Segensverheißungen des Stammvaters
Jakob an seinen Sohn Joseph und dessen älteste Söhne Ephraim und Manasse.
Wir beschränken uns in den Betrachtungen dieser Segensverheißungen darauf, zu
zeigen, wie wir aus Jakobs prophetischem Zeugnis erkennen können, daß das ganze
Volk Gottes der zwölf Stämme während der ganzen Zeitdauer des vierten Weltreiches in
der Zerstreuung unter den Völkern vorhanden ist, besonders aber innerhalb der Grenzen
der vierten Weltreichsherrschaft.
Im Worte Gottes ist der Bericht über Joseph unter seinen Brüdern am ausführlichsten.
Joseph wurde schon in seiner Jugend durch seine Träume in seiner Stellung von seinen
Brüdern unterschieden.
Zuerst träumte er, daß er mit seinen Brüdern Garben band und seine Garbe sich
aufrichtete und stehenblieb und die Garben seiner Brüder seine Garbe umringten und
sich vor ihr nierderwarfen.
Ein zweites Mal sah er im Traum, daß sich die Sonne, der Mond und elf Sterne vor
ihm geneigt hatten.
Das Reich Gottes
- 189 -
Weil er der Liebling seines Vaters war und solche Träume hatte, beneideten ihn seine
Brüder und wollten ihn am liebsten töten. Doch durch den Einfluß ihres ältesten Bruders
Ruben werden sie einig, ihn nicht zu töten, sondern zu verkaufen (1.Mos.37). Auf Grund
dieses Umstandes kam zuerst Joseph und später, als Gottes Stunde dafür gekommen
war, die ganze Familie Jakobs mit seinen Kindern auf Josephs Veranlassung nach
Ägypten (1.Mos.46).
Dort in Ägypten erfüllten sich dann die Träume Josephs. Als seine Brüder zur Zeit der
Hungersnot zu Joseph nach Ägypten kamen, um Speise zu kaufen, und er sich ihnen zu
erkennen gegeben hatte, erklärte er ihnen:
„Zur Lebensrettung hat mich Gott vor euch hergesandt!“ (1.Mos.45,5)
„Ihr gedachtet zwar Böses wider mich; aber Gott gedachte, es gut zu machen,
daß er täte, wie es jetzt am Tage ist, zu erhalten viel Volk. So fürchtet euch nun
nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen! Und er tröstete sie und redete
freundlich mit ihnen!“ (1.Mos.50,20-21)
Seite 211
Als Gott Israel wieder aus Ägypten befreite, konnte das nur dadurch geschehen, daß
in Ägypten jeder Erstgeborene in einer Nacht starb (2.Mos.12,1-42). Auf Grund dieser
Tatsache verlangte nun Gott von seinem Volk die Erstgeburt für sich als ihm gehörend
(2.Mos.13,11-16; 34,19-20; 5.Mos.15,19-21). Später wird diese Ordnung von Gott geändert. Der
Herr redete darüber mit Mose und sprach:
„Siehe, ich habe die Leviten unter den Kindern Israels genommen anstatt aller
Erstgeborenen – derer, die den Mutterschoß durchbrochen haben – unter den
Kindern Israels, also daß die Leviten mein sind. Denn alle Erstgeburt ist mein; an
dem Tag, da ich alle Erstgeburt in Aegypten schlug, heiligte ich mir alle Erstgeburt
in Israel, von den Menschen an bis auf das Vieh, daß sie mein sein sollen, der ich
Jehova bin.“ (4.Mos.3,12-13)
Und wiederum spricht der Herr zu Mose:
„Mustere alle männliche Erstgeburt der Kinder Israels, von einem Monat an und
darüber und zähle ihre Namen! Und du sollst die Leviten mir, der ich Jehova bin,
anstatt aller Erstgeburt nehmen unter den Kindern Israels und der Leviten Vieh
anstatt aller Erstgeburt unter dem Vieh der Kinder Israels.“ (4.Mos.3,40-41)
Die Zahl der Namen aller männlichen Erstgeborenen von einem Monat an und
darüber belief sich auf 22273 (4.Mos.3,43).
Darauf sprach der Herr zu Moses:
„Nimm die Leviten für alle Erstgeburt unter den Kindern Israels und das Vieh der
Leviten für ihr Vieh, daß die Leviten mein seien, der ich Jehova bin. Aber als
Lösegeld für die 273 überzähligen Erstgeborenen der Kinder Israels über der
Leviten Zahl sollst du je fünf Schekel erheben für jeden Kopf, und zwar sollst du
es nach dem Schekel des Heiligtums erheben (ein Schekel beträgt zwanzig
Gera); und du sollst dieses Geld als Lösegeld der Überzähligen Aaron und seinen
Söhnen geben.“ (4.Mos.3,45-48)
Daraus ergaben sich 1365 Schekel als Lösegeld für Aaron und seine Söhne.
„Von den Erstgeborenen der Kinder Israels erhob er 1365 Schekel nach dem
Schekel des Heiligtums.“ (4.Mos.3,50)
Auf diese Weise hat Gott aus den zwölf Stämmen des Volkes Israel einen Stamm zu
seinem Eigentum und zum Dienst an seinem Heiligtum ausgesondert, geradeso, wie er
auch Joseph zum Lebensretter unter seinen Brüdern bestimmt hatte. So hat Gott die
Das Reich Gottes
- 190 -
zwölf Stämme des Volkes Israel auf elf reduziert, indem er den einen Stamm Levi zum
Priesterdienst und zum Diener und Hüter seines Heiligtums bestimmte. Dadurch zählte
dieser Stamm des Volkes Israel nicht mehr zu den Stämmen des Volkes Israel, sondern
er gehörte Gott an. An die Stelle des für Gott abgesonderten Stammes Levi trat ein
Nachkomme
Seite 212
Josephs (vgl.Offb.7,8). Diese Erstlingsstellung unter Jakobs Söhnen hatte aber zuerst
Joseph und nicht Levi. Und der Segen, den Jakob den beiden ältesten Söhnen Josephs
Ephraim und Manasse und später Joseph selbst zusammen mit seinen übrigen Brüdern
erteilte, zeigt, daß Jakob diesen göttlichen Ratschluß erkannt hatte. Jakob verflucht sogar
den heftigen Zorn und hartnäckigen Grimm von Levi und seinem Bruder Simeon, indem
sie Männer gemordet und Ochsen verstümmelt haben, und Jakob will seine Seele und
seine Ehre vor ihrem Einfluß hüten (1.Mos.49,5-7). Dagegen spricht Jakob über Joseph den
folgenden Segen aus:
„Joseph ist ein junger Fruchtbaum, ein junger Fruchtbaum an der Quelle; seine
Zweige ranken über die Mauer hinaus. Es haben ihn zwar die Schützen heftig
beschossen und bekämpft; aber sein Bogen blieb unerschütterlich, und seine
Arme, seine Hände wurden gelenkt von den Händen des Mächtigen Jakobs, vom
Namen des Hirten, des Felsens Israels. Von deines Vaters Gott werde dir geholfen, und der Allmächtige segne dich mit Segnungen vom Himmel herab, mit Segnungen der Tiefe, die drunten liegt, mit Segnungen von Brüsten und Mutterschoß!
Die Segnungen, die deinem Vater geworden, sind größer als die Segensfülle der
alten Berge, die Wonne der ewigen Hügel; mögen sie kommen auf Josephs
Haupt, auf den Scheitel des Fürsten unter seinen Brüdern!“ (1.Mos.49,22-26)
2. Eingliederung Ephraims und Manasses zu Stammeshäuptern des
Volkes Gottes
In Ägypten waren dem Joseph durch seine Frau Asnat, einer Tochter des Priesters
Potipheras zu On, zwei Söhne geboren (1.Mos.41,45.50). Vor seinem Tode enthüllte Jakob
seinen Söhnen noch ihr Schicksal für die Zeit ihrer späteren Entwicklung als Träger der
göttlichen Verheißungen, die Gott ihren Vätern Abraham, Isaak und Jakob gegeben hatte
(1.Mos.49,1-28).
Nun war Joseph unter seinen Brüdern durch seine Stellung, die er als Liebling seines
Vaters und als Lebensretter des ganzen Hauses Jakobs hatte, und durch die
Abhängigkeit seiner Brüder, in die sie ihm gegenüber gekommen waren, am ersten Platz.
Die Vorzugsstellung Josephs findet in erster Linie darin Ausdruck, daß Jakob die beiden
Söhne von seinem Sohn Joseph: Ephraim und Manasse, zu seinen eigenen Söhnen
macht und sie dadurch zu Stammeshäuptern für die zwölf Stämme Israels an Stelle des
für Gott abgesonderten Stammes Levi und seines Sohnes Joseph bestimmt. Der Bericht
über diese Eingliederung Ephraims und Manasses in die Stammeshäupter lautet:
„So sollen nun deine beiden Söhne, Ephraim und Manasse, die dir in Aegypten
geboren sind, ehe ich zu dir nach Aegypten gekommen bin, mein sein; wie Ruben
und Simeon sollen sie mein sein. Deine Kinder aber, welche du nach ihnen zeugest, sollen dein sein und sollen in ihrem Erbteil nach ihrer Brüder Namen
genannt werden.“ (1.Mos.48,5-6)
Seite 213
Das Reich Gottes
- 191 -
3. Ephraim und Manasse sollen zwei große Reiche werden
Daraufhin segnete Jakob diese beiden ersten Söhne Josephs auf die Weise, daß er
seine rechte Hand auf Ephraims Haupt legte, obschon er der Jüngere war, seine linke
aber auf Manasses Haupt, indem er also seine Hände verschränkte, wiewohl Manasse
der Erstgeborene war (1.Mos.48,13-14). Jakobs Segen über diese beiden Söhne lautet:
„Der Gott, vor dessen Angesicht meine Väter Abraham und Isaak gewandelt
haben; der Gott, der mich behütet hat, seitdem ich bin, bis auf diesen Tag; der
Engel, der mich erlöset hat von allem Übel, der segne die Knaben, und durch sie
werde mein Name genannt und der Name meiner Väter Abraham und Isaak, und
sie sollen sich sehr vermehren auf Erden.“ (1.Mos.48,15-16)
Es gefiel Joseph übel, als er sah, daß Jakob seine rechte Hand auf Ephraims, seines
jüngeren Sohnes, Haupt legte, und er ergriff seines Vaters Hand, um sie von Ephraims
Haupt auf Manasses, des Erstgeborenen, Haupt zu wenden (1.Mos.48,17-18). Aber Jakob
hatte sich nicht geirrt. Er erklärte Joseph seine Handlungsweise mit den Worten:
„Ich weiß es, mein Sohn, ich weiß es wohl! Auch er soll zu einem Volk und auch
er soll groß werden; aber doch soll sein jüngerer Bruder größer werden, und sein
Same soll eine Fülle von Völkern werden!“ (1.Mos.48,19)
So segnete Jakob an jenem Tage die beiden Söhne Josephs und sprach:
„Mit dir wird Israel segnen und sagen: ‚Gott mache dich wie Ephraim und
Manasse!‘“ (1.Mos.48,20)
Also setzte Jakob Ephraim, den jüngeren Sohn von Joseph, dem Manasse, dem
Erstgeborenen, voran. Indem Jakob auf diese Weise die beiden ältesten Söhne Josephs
unter seine eigenen Söhne mit gleicher Bedeutung, wie sie diese Stammväter der zwölf
Stämme Israels haben, eingegliedert hat, hat er seinen Sohn Joseph unter seinen übrigen
Söhnen besonders ausgezeichnet. Dadurch ist die Zahl der zwölf Stämme von Jakobs
Söhnen wieder voll und ausgeglichen.
Indem Jakob seinen Sohn Joseph den Fürsten unter seinen Brüdern nennt und seine
beiden ältesten Söhne Ephraim und Manasse Joseph und seinen Brüdern unter seinen
Söhnen gleichstellt, ist daraus zu ersehen, daß Jakob die Erstlingsstellung des Fürsten
Joseph auch seinen beiden Söhnen Ephraim und Manasse zuspricht. Die Bedeutung für
die Zukunft seines Volkes sieht Jakob in keinem seiner Söhne so wirksam, wie er es für
Ephraim und Manasse ausspricht in den Worten:
„Der Gott, vor dessen Angesicht meine Väter Abraham und Isaak gewandelt
haben; der Gott, der mich behütet hat, seitdem ich bin, bis auf diesen Tag; der
Engel, der mich erlöset hat von allem Übel, der segne die Knaben, und durch sie
werde mein Name genannt und der Name meiner Väter Abraham
Seite 214
und Isaak, und sie sollen sich sehr vermehren auf Erden!“ (1.Mos.48,15-16)
Jakob hat bei keinem seiner eigenen Söhne in der Weise darauf hingewiesen, daß
die Namen Abrahams und Isaaks durch sie genannt werden, wie er das bei diesen
beiden Söhnen Josephs hervorhebt. Auch verheißt Jakob keinem seiner eigenen Söhne
solch reiche Nachkommenschaft, so daß dies zum Segenswunsch für das ganze Volk
Israel werden soll.
„Also segnete er (Jakob) sie an jenem Tag und sprach: ‚Mit dir wird Israel segnen
und sagen: Gott mache dich wie Ephraim und Manasse!‘ Also setzte er Ephraim
dem Manasse voran.“ (1.Mos.48,20)
Das Reich Gottes
- 192 -
Im heftigen Kampf mit seinen Feinden soll ihnen der Mächtige Jakobs, der Name des
Hirten Israels, den Sieg geben. Der Gott Jakobs, der Allmächtige, soll sie segnen mit
Segnungen vom Himmel, von der Tiefe, von den Brüsten und vom Mutterschoß. Jakob
sieht in dem Segen Josephs und seiner Nachkommen eine Erstlingsstellung, durch die er
seine eigenen Segnungen im Blick auf den Segen solcher Nachkommenschaft größer
nennt als die Segensfülle der alten Berge, die Wonne der ewigen Hügel. Damit kann
Jakob nur auf die großen Reiche von Nimrods Zeit an bis zur Herrschaft Ägyptens seiner
Tage hinweisen; er will damit sagen, daß die von Gott seinen Vätern Abraham und Isaak
und ihm selbst und seinen Nachkommen verheißenen Segnungen viel größer sein
werden, als sie alle bisherigen Königreiche darstellten. Diese Segensfülle soll aber
hauptsächlich in Josephs Nachkommenschaft Ausdruck finden. Dabei soll sein jüngerer
Sohn Ephraim größer werden als dessen älterer Bruder Manasse.
„Sein Same soll eine Fülle von Völkern werden.“ (1.Mos.48,19)
Auch Manasse
„soll zu einem Volk und auch er soll groß werden.“ (1.Mos.48,19)
In diesen beiden Völkern der Nachkommen Josephs, in Ephraim und Manasse, ist die
zukünftige Größe des Volkes Gottes verheißen.
4. Die Zeit der Erfüllung der Segensverheißungen Jakobs an Ephraim
und Manasse
Nun müssen wir jedoch auf eine Tatsache hinweisen, die nicht unbeachtet bleiben
darf. Wir müssen die Frage betrachten, zu welcher Zeit diese beiden Völker „Ephraim“
und „Manasse“, in der ihnen verheißenen Blüte stehen. Unter den „Völkern“ und der
„Fülle von Völkern“ müssen wir diese Volkskörper als selbständige, große Reiche finden
können. Das ist aber in der Zeit, in der Israel unter den Königen Saul, David und Salomo
ein einheitliches Reich war, nicht möglich; denn in dieser Zeit bestand das ganze Volk nur
in den zwölf Stämmen. Auch nach der Teilung des Reiches Israel in das Südreich Juda
und das Nordreich Israel bestehen die beiden Reiche wieder aus den beiden Stämmen
Juda und Benjamin als das Südreich Juda und den übrigen
Seite 215
zehn Stämmen, die das Nordreich Israel sind. Diesem Nordreich gehören aber auch die
Stämme Josephs, Ephraim und Manasse, an. Bis zur Gefangenführung dieses Reiches
durch Salmanasser, den assyrischen König, stellten die beiden Völker Ephraim und
Manasse diesen Segen als besonders große Reiche nicht dar. Von der Zeit der
Gefangenführung an ist nun das Nordreich Israel nicht mehr vorhanden; denn die Völker
der zehn Stämme, als das Nordreich Israel, sind nach Medien verpflanzt worden
(2.Kg.17,6; 18,11). Heute hält man diese zehn Stämme einfach für verloren und denkt kaum
noch an sie.
Die nationale Geschichte des „Südreiches Juda“, als der beiden Stämme Juda und
Benjamin, reicht bis zur Zerstörung Jerusalems, die 70 n.Chr. durch Titus erfolgt ist.
Seither sind auch diese beiden Stämme in der Zerstreuung unter den Völkern, insofern
nur noch als Juden bekannt, als sie sich nicht an andere Religionsgesellschaften
angeschlossen haben. Wenn diese Juden ebenso unbekannt wären wie die zehn
Das Reich Gottes
- 193 -
Stämme des „Nordreiches Israel“, so würde man schon längst das ganze Volk Israel als
gänzlich vernichtet ansehen. Aber diese heute bekannten Juden erlauben diese
Annahme nicht. Es ergibt sich vielmehr die berechtigte Folgerung, daß die heute
bekannten Juden der beste Beweis dafür sind, daß genau so, wie die beiden Stämme des
„Südreiches“, Juda und Benjamin, unter den Völkern zerstreut, aber doch vorhanden
sind, die zehn Stämme des „Nordreiches“ ebenfalls unter den Völkern zwar unbekannt,
aber doch vorhanden sein müssen. Dazu muß mit der Tatsache gerechnet werden, daß
nach den Verheißungen das ganze Volk Gottes der zwölf Stämme wieder aus den
Völkern gesammelt wird und für 1000 Jahre die Weltherrschaft als Reichsgottesherrschaft
unter allen andern Völkern ausüben wird. An der Erfüllung dieser Tatsache kann kein
Kind Gottes zweifeln, denn das prophetische Zeugnis ist darüber klar genug.
Nun müssen wir aber auf die Tatsache achten, daß auch in der Zeit, wenn Israel
wieder vereinigt ist, nicht mehr die Rede davon sein kann, daß Ephraim und Manasse
besondere Völker und Reiche sind, denn dann sind die zwölf Stämme das ganze Volk
Israel wieder in ihrer herrschenden Macht nur ein Volk und ein Reich (Hes.37,15-28).
Es bleibt deshalb keine andere Möglichkeit mehr offen, als die Erfüllung des Segens,
den Jakob seinem Sohne Joseph und dessen beiden ältesten Söhnen Ephraim und
Manasse verheißen hat, in der Zeit zu suchen, in der das Volk Gottes während der
Herrschaft der vier Weltreiche unter den Völkern zerstreut ist. Für die Ausdehnung dieser
beiden Völker, wie sie der Segen Jakobs ausspricht, finden wir aber in den ersten drei
Weltreiche keine Möglichkeit. Die erste babylonische Weltmacht zeigt in ihrem Reich
solche auf Israel bezügliche Volkseinheiten nicht. Dagegen haben wir diese Möglichkeit
im zweiten Weltreich der Meder und Perser wiederholt gezeigt. Im dritten Weltreich, der
griechischen, syrischen und ägyptischen Machtentfaltung, hat man den Blick nur auf das
nationale Judenvolk gerichtet und denkt weniger
Seite 216
an die zehn Stämme, die man vielfach für verloren hält. Wenn sie aber doch vorhanden
sein müssen, und zwar als große Völker, so ist das nur in der Zeit des vierten Weltreiches
möglich. Wir müssen diese beiden Völker „Ephraim“ und „Manasse“ sogar als „eine Fülle
von Völkern“ in der Zeit der Füße und Zehen des Römischen Reiches nach dem
Standbild des Königs Nebukadnezar finden. Die beiden Füße und die Zehen sind die
sieben Häupter und die zehn Hörner von dem Tier, das aus dem Meer aufsteigt.
Darum müssen die beiden Reiche „Ephraim“ und „Manasse“ zu dem Ton gehören,
der in dieser Zeit nebst dem Eisen der größte Volksteil des Römischen oder vierten
Weltreiches ist. Wenn wir das mit Bestimmtheit annehmen müssen, so kann es nicht
mehr schwierig sein, diese beiden Völker nun in dieser Zeit der vierten Weltreichsherrschaft auch wirklich zu finden und zu erkennen.
Ephraim muß durch die Fülle der Völker, obgleich er der jüngere Sohn von Joseph ist,
die größere Weltmacht darstellen als sein Bruder Manasse. Diese Verheißung von Jakob
kann sich nur in den Völkern erfüllen, die den romanisch-syrisch-ägyptisch-babylonischen
Eisenvölkern gegenüber die germanischen Völker sind; denn nur diese beiden Volksteile
stehen einander in der Beschaffenheit gegenüber, daß sie sich geradeso wie Eisen und
Das Reich Gottes
- 194 -
Töpferton, obwohl sie sich miteinander verheiraten, doch nicht zu einer wahren Einheit
miteinander verbinden können. Wenn wir unter diesen Völkern diese Voraussetzungen
finden und dazu noch beachten müssen, daß das Eisenvolk, ein römisch-syrischägyptisch-babylonisches Volk, zuerst die Herrschaft unbestritten hatte und das
Töpfertonvolk erst in der Zeit der Füße und der Zehen des Standbildes von
Nebukadnezar zum Eisenvolk als herrschende Macht hinzukam, so ist auch diese
Tatsache wieder nur in den in der Völkerwanderung von Osten nach dem Westen
gekommenen und in das Römische Reich eingedrungenen germanischen Völkern
geschehen.
Wir müssen deshalb unter diesen Germanenvölkern zwei Reiche finden, die das
darstellen, was Jakobs Segen von Ephraim und Manasse und Joseph sagt. Das ist der
ältere Manasse, der von Karl dem Großen an in dem Römischen Reich deutscher Nation
seinen Höhepunkt in den österreichischen Habsburgern erfahren hat. Das ist das fünfte
Haupt des zerteilten Römischen Reiches. Doch im sechsten Haupt, das nach dem Fall
der ersten fünf Häupter allein in der Weltmachtstellung ist, bringt Manasses jüngerer
Bruder „Ephraim“ durch eine Fülle von Völkern ein größeres Reich zustande als sein
Bruder, und in dieser jüngeren englisch-germanischen Weltmacht, zusammen mit dem
Germanenreich des Mittelalters, ist der Teil der Verheißungen Jakobs an Joseph und
seine beiden Söhne Ephraim und Manasse erfüllt, bis endlich das ganze Volk der zwölf
Stämme Israels die von Gott verheißene Herrscherstellung erlangt hat.
Wir müssen diesen Segen, den Jakob über seinen Sohn Joseph und seine beiden
Söhne Ephraim und Manasse ausgesprochen hat, noch mit dem Segen vergleichen, mit
dem Mose die Stämme Israels gesegnet hat. Moses hat in seinem Segen die beiden
ältesten Söhne Josephs nicht wie Jakob als besondere Stämme nebst den übrigen
Stämmen
Seite 217
Israels betrachtet, sondern er hat sie in Verbindung mit Joseph als ein Volk gesegnet.
Sein Segen lautet:
„Von Joseph aber sagte er: Sein Land sei vom Herrn gesegnet mit himmlischen
Gütern, mit Tau und mit der Flut, die drunten ruht, mit Frucht, die in der Sonne
reift, und mit Früchten, welche die Monde treiben, mit dem Besten, was auf den
uralten Bergen wächst, und mit den Früchten, welche die ewigen Hügel tragen, mit
dem Besten, was auf der Erde wächst und sie erfüllt; und das Wohlgefallen
dessen, der im Dornbusch wohnt, komme auf Josephs Haupt und auf den Scheitel des Geweihten unter seinen Brüdern! - Prächtig ist sein erstgeborener Stier,
wie Hörner des Büffels seine Hörner; mit ihnen stößt er die Völker nieder, die
Enden der Erde. Das sind die Zehntausende von Ephraim und jenes die Tausende von Manasse!“ (5.Mos.33,13-17)
Mit diesen Worten wiederholt Moses hauptsächlich nur den Segen, mit dem Jakob
den Joseph gesegnet hat, und er wendet nun diese ganze Segensfülle auf Ephraim und
Manasse als die Nackommen Josephs an. Es ist keinem anderen der Stämme Israels der
Sieg über die Feinde so kräftig bezeugt, wie diese Herrschaft den Zehntausenden
Ephraims und den Tausenden von Manasse von Moses verheißen ist. Mit diesem
Das Reich Gottes
- 195 -
Ausspruch bestätigt auch Moses die von Jakob bezeugte Ordnung, daß der jüngere
Bruder größer ist als der ältere.
Diese Tatsache zeigt uns, daß die beiden Völker der Söhne Josephs in der Zeit
vorhanden sind, wenn sich im Römischen Reich nach Nebukadnezars Standbild im
Mittelalter bis in die neue Zeit hinein die Füße entwickeln; denn zu diesen Füßen gehören
diese beiden germanischen Völker. Der Bildung der Füße entspricht aber wieder die
Entwicklung der sieben Häupter des Römischen Reiches, wie dieselbe in Offenbarung
Kapitel 12, 13 und 17 geschildert ist und wie wir ja bereits davon gehört haben.
e) Der Segen von Jakob und Mose über die übrigen elf Stämme
Israels
Neben dem besonderen Segen Jakobs für Joseph und seine Söhne sind die Segen,
welche Mose und Jakob über die andern Stämme ausgesprochen haben, ebenfalls klare
Beweise für die Tatsache, daß alle Stämme dieses Volkes während der ganzen Zeit der
vier Weltreiche unter diesen Völkern vorhanden sind.
„Jakob berief seine Söhne und sprach: Kommt zusammen, daß ich euch kundtue,
was euch in den künftigen Tagen begegnen wird!“ (1.Mos.49,1)
Seine Verheißungen zeigen aber, daß ihre Erfüllung für das ganze Volk Gottes bis in
die fernste Zeit des Tausendjährigen Reiches reicht. Das gleiche gilt für die
Zukunftsverheißungen, die Moses über die Stämme Israels ausgesprochen hat. Seinem
Segen liegt die
Seite 218
Stellung Gottes zu seinem Volke zugrunde, die Mose mit den Worten schildert:
„Wie liebt er die Stämme seines Volkes, alle seine Heiligen sind in seiner Hand!“
(5.Mos.33,3)
Dieses Verhältnis Gottes zu seinem Zwölfstämmevolk gilt natürlich nicht bloß für eine
beschränkte Zeit. Nur in diesem Sinne kann von dem Gesetz, das Moses dem Volke
Gottes kundtat, dem „Erbgut der Gemeinde Jakobs“, bezeugt sein:
„Das Gesetz tat uns Mose kund, das Erbgut der Gemeinde Jakobs. Und er ward
König über Jeschurun, als sich die Häupter des Volkes versammelten, sich vereinigten die Stämme Israels.“ (5.Mos.33,4-5)
Als weiteren Beweis dafür, daß das Volk Gottes nicht verwüstet und völlig aufgerieben
sein kann, können wir folgendes in den Weissagungen des Wortes Gottes finden:
Ruben ist Jakobs erstgeborener Sohn, seine Kraft und der Anfang seiner Stärke, von
hervorragender Würde und vorzüglicher Kraft. Weil er wie ein kochendes Wasser seines
Vaters Bett entweiht hat, soll er den Vorzug als Erstgeborener nicht haben (1.Mos.49,3-4).
Aber nach dem Segen von Moses soll auch Ruben leben und nicht sterben, wenn auch
seine Leute zu zählen sind (5.Mos.33,6). Mit dieser Erklärung ist gesagt, daß dieser Stamm
erhalten bleibt.
Simeon und Levi verteilt Jakob unter ihren Brüdern und zerstreut sie unter Israel, weil
er mit dem, was sie in ihrem Zorn oder Grimm ausgeübt haben, nicht einverstanden ist
(1.Mos.49,5-7). Moses verläßt hier die von Jakob bei den ersten vier Söhnen der Lea
eingehaltene Altersordnung und gibt Juda, als viertem Sohn der Lea, den Vorrang vor
dem Stamm Levi (5.Mos.33,7), nachdem Jakob Ruben, seinen erstgeborenen Sohn, von
Das Reich Gottes
- 196 -
diesem Platz entfernt hat. Von Simeon spricht Moses in den Segnungen der Stämme
Israels gar nicht. Er schaltet diesen Stamm in seinem Segen aus. Daß dieser Stamm
trotzdem vorhanden ist, beweist das ganze Schriftzeugnis (vgl.Offb.7,7).
Vom Stamm Levi weissagt Moses:
„Dein Recht und dein Licht gehört deinem heiligen Manne, den du versucht hast
zu Massa, mit dem du gehadert hast am Haderwasser. Wer von seinem Vater
und von seiner Mutter sagt: Ich sehe sie nicht, und seine Brüder nicht kennt und
von seinen Söhnen nichts weiß, sondern deine Worte beobachtet und deinen
Bund bewahrt, - die werden Jakob deine Rechte lehren und Israel dein Gesetz;
sie werden Räuchwerk vor deine Nase legen und ganze Opfer auf deinen Altar.
Segne, Herr, sein Vermögen und laß dir seiner Hände Werk gefallen; zerschmettere die Lenden seiner Widersacher und seiner Hasser, daß sie nicht aufkommen!“ (5.Mos.33,8-11)
Wenn wir diesen Segen von Moses mit dem Segen vergleichen, den Jakob über die
beiden Söhne Simeon und Levi ausgesprochen hat, so zeigt uns das die Wandlung, die
einzelne Menschen und ganze Völker
Seite 219
durchmachen können. Der Stamm Levi hat unter Moses Leitung das übrige Volk Israel
um des Götzendienstes willen gerichtet. Später wird der ganze Stamm Levi dann an der
Stelle der Erstlinge von Gott für den Dienst am Heiligtum von den übrigen Stämmen des
Volkes Israel abgesondert. Aus diesem Grund empfängt nun der Stamm Levi von Moses
auch diesen hervorragenden Segen. Aber diese von Moses geweissagte Treue zum Wort
Gottes und zu seinem Bund mit dem verheißenen Segen erfüllt sich erst völlig im
Tausendjährigen Reich. Das beweist, daß auch dieser Stamm beständig vorhanden ist.
Juda erhält von seinem Vater Jakob den folgenden Segen:
„Dich, Juda, werden deine Brüder loben! Deine Hand wird deinen Feinden auf
dem Nacken sein; vor dir werden deines Vaters Kinder sich neigen. Juda ist ein
junger Löwe; mit Beute beladen stiegst du, mein Sohn, empor! Er ist niedergekniet und hat sich gelagert wie ein Löwe und wie eine Löwin, wer darf ihn aufwecken? Es wird das Zepter nicht von Juda weichen, noch der Herrscherstab von
seinen Füßen, bis daß ein Friedebringer kommt, und dem werden die Völker
gehorchen. Er wird sein Füllen an den Weinstock binden, und seiner Eselin Junges an die Edelrebe; er wird sein Kleid im Weine waschen und seinen Mantel in
Traubenblut; seine Augen sind dunkel vom Wein und seine Zähne weiß von der
Milch.“ (1.Mos.49,8-12)
Mit diesen Worten weist Jakob Juda, seinem vierten Sohn von der Lea, den ersten
Platz an, nachdem er seine ersten drei Söhne um ihrer Vergehen willen zurechtweisen
mußte. Juda wird von seinen Brüdern gelobt, und seines Vaters Kinder neigen sich vor
ihm, wie die Verheißung von Joseph lautet, den Gott zum Fürsten unter seinen Brüdern
bestimmt hatte. Doch Ephraim, der unter dem Volke Gottes das Erbe seines Vaters
bekommen hatte, war in seiner Stellung nicht treu (Hos.4,16-19). Aus diesem Grunde wird
Juda der Fürst unter seinen Brüdern und der Besieger der Feinde des Volkes Gottes, und
von ihm wird endlich der wahre Friede ausgehen. Moses sagt von diesem Stamm:
„Herr, du wollest Judas Stimme hören und ihn bringen zu seinem Volk! Hat er mit
seinen Händen zu streiten, so hilf du ihm von seinen Feinden!“ (5.Mos.33,7)
Mit diesen Worten weist Moses darauf hin, daß Judas Sieg über seine Feinde vom
Herrn kommen muß. Wenn der Herr Juda aber zu seinem Volke bringen soll, so läßt das
Das Reich Gottes
- 197 -
erkennen, daß dieser Stamm für lange Zeit von den anderen Stämmen des Volkes Gottes
getrennt ist. Diese von Moses angedeutete Vereinigung des Stammes Juda mit seinem
Volk Israel findet erst am Anfang des Tausendjährigen Reiches statt (Hes.37,15-28).
Infolgedessen muß der Stamm Juda sowohl, wie die übrigen Stämme Israels, bis zu
dieser Zeit immer unter den Völkern vorhanden sein, wenn auch für lange Zeit nur ein Teil
von dem Stamm Juda noch als Volk der Juden, in der Völkerwelt zerstreut, bekannt ist.
Seite 220
Sebulon und Issaschar sind die zwei letzten Söhne Jakobs von der Lea. In dem
Segen stellt Jakob den jüngeren Sohn Sebulon seinem älteren Bruder Issaschar voran
und bezeichnet zuerst seine Wohnung und seine Beschäftigung am Meer und an der
Seite von Sidon. Issaschar liebt aber die Ruhe in einem friedlichen Land, selbst um den
Preis, daß er dadurch ein fronpflichtiger Knecht wird (1.Mos.49,13-15).
Moses redet von diesen beiden Stämmen in der gleichen Ordnung ihres Alters, nur
weist er Benjamin und Joseph ihren Platz noch vor Levi an (5.Mos.33,12-13), obwohl diese
beiden Söhne Jakobs jünger und Kinder der Rahel waren.
Sebulon soll sich seiner Fahrten freuen und Issaschar seiner Zelte. Diese beiden
Völker dienen Gott darin, daß sie andere Völker auf den Berg Gottes einladen, um Gott
ihre Opfer der Gerechtigkeit darzubringen. Sie erlangen den Reichtum des Meeres und
die verborgenen Schätze des Sandes (5.Mos.33,18-19). Mit dieser Ergänzung, die Moses
den Weissagungen von Jakob anfügt, in denen Jakob nur auf die nächste Zukunft in dem
Erbland (Stammland) hinweist, ist gezeigt, daß diese beiden Stämme ihren Dienst im
Tausendjährigen Reich ausrichten und dann auch ihren Lohn dafür ernten. Auch das
beweist, daß diese beiden Völker während der Zeit vorhanden sind, wenn die zwölf
Stämme Israel unter den Völkern während der Herrschaft aller vier Weltreiche zerstreut
sind.
Dan ist der erstgeborene Sohn von Bilha, der Magd Rahels, die diese ihrem Manne
deshalb zum Weibe gab, weil sie selbst unfruchtbar war. Von ihm sagt Jakob, daß er das
Volk Israel als ein ihnen angehörender Stamm richten wird, doch nicht nach der Ordnung
der göttlichen Gerechtigkeit, sondern als Schlange am Weg und Otter auf dem Pfad, die
in die Fersen des Rosses beißt, daß der Reiter rücklings stürzt. Auf dieses Bekenntnis
sagt Jakob:
„Herr, ich warte auf dein Heil!“ (1.Mos.49,16-18)
was auf das endzeitliche Offenbarwerden des Herrn hinweist.
Moses bringt in seinem Segen den Stamm Dan an den drittletzten Platz, vor Naphtali
und Asser. Er sagt von diesem Stamm in Verbindung mit dem Segen Jakobs nur, daß er
ein junger Leu ist, der aus Basan hervorschießt (5. Mose 33,22). Aus Jakobs Segen ist
aber ersichtlich, daß der Stamm Dan dieses heimtückische, widergöttliche Gericht an
seinem eigenen Volk in der geweissagten Schlangen- und Teufelsart erst im Gericht des
vierten Weltreichs, vor dem Anfang des Tausendjährigen Reiches, ausführen kann. Das
ist ein Beweis dafür, daß auch dieser Stamm Dan unter den Stämmen Israels in der Zeit
ihrer Zerstreuung unter den Völkern während der Herrschaft der vier Weltreiche
vorhanden ist.
Das Reich Gottes
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Gad ist wieder der erstgeborene Sohn von Leas Magd Silpa. Weil Lea, nachdem sie
Jakob vier Söhne geboren hatte, keine Kinder mehr gebar, machte sie es ihrer
unfruchtbaren Schwester Rahel nach und gab Jakob auch ihre Magd zum Weibe. Jakob
sagt, daß dieser Sohn von einer Schar bedrängt wird, über die er aber siegreich ist
(1.Mos.49,19).
Moses schaut,
Seite 221
wie Gott diesem Stamm weiten Raum schafft, weil er wie eine Löwin lagert und Arm und
Scheitel zerreißt. Durch ein Erstlingsgebiet wird er Anführer und vollstreckt an der Spitze
seines Volkes Jehovas Gerechtigkeit und seine Gerichte, vereint mit Israel (5.Mos.33,2021). Anschließend an dieses Gericht, das Gad für Jehovas Gerechtigkeit ausgeführt hat,
weist Moses auf das teuflische Gericht des Stammes Dan hin, das dieser Stamm an
seinem Volk ausführt (5.Mos.33,22).
Die Umstellung dieser beiden Söhne und Stämme Israels von Jakob und Moses muß
seine Bedeutung haben. Jakob zeigt zuerst das Schlangengericht, das Dan an seinem
Volk ausführt, und weist dann kurz auf Gads Sieg hin. Moses dagegen zeigt zuerst den
Sieg, den Gad durch Jehovas Gerechtigkeit über seine Feinde davonträgt ausführlich,
und deutet dann ebenso kurz, wie Jakob von Gads Sieg sprach, auf die feindliche
Stellung Dans hin. Beide Darstellungen lassen erkennen, daß in der Zusammenstellung
und veränderten Darstellung dieser beiden Söhne und Stämme eine geheimnisvolle
Verbindung in der Stellung liegen muß, die diese beiden Brüder und Stämme Israels
zueinander haben. Diese Verbindung kann darin gesehen werden, daß Dan in seiner
teuflischen Feindschaft gegen Gott, in dieser richtenden Stellung unter den übrigen
Stämmen, in der Hauptsache den Stamm Gad drängt. Weil Gad aber seine Feinde
zurückdrängt, und zwar dadurch, daß er der Anführer im Kampf für die göttliche
Gerechtigkeit ist, so mußte Gads göttlicher Sinn über Dans Gottfeindschaft im Volk Israel
siegen. Die gottfeindliche, richtende Stellung Dans in seinem Volk kann in dem Wirken
des anderen Tieres gesehen werden, wie es in Offb.13,11-18 als Unterstützung des
ersten Tieres, das aus dem Meer aufsteigt und Gott lästert, geschildert ist. Wenn
demgegenüber vom König David prophetisch gesagt ist, daß ihm ein Volk dient, das er
nicht kannte (Ps.18,44), und eine mächtige Nation im Gericht Gott ehren wird (Jes.25,3), so
ist damit auf den Sieg hingewiesen, den Moses vom Stamm Gad als Anführer seines
Volkes geweissagt hat. Diese beiden Gerichte, die von Satans und von Gottes Seite aus
im Volke Gottes erfolgen, geschehen aber erst am Ende des vierten Weltreiches und am
Anfang des Tausdendjährigen Reiches. Sie beweisen wiederum, daß bis dahin auch der
Stamm Gad in der Zerstreuung des Volkes Gottes erhalten ist und zu einem so
mächtigen Volk wurde, daß es in der entscheidenden Zeit die danitische Gottlosigkeit im
Volke Gottes, vereint mit den übrigen Stämmen Israels, richten kann.
Asser, dem zweiten Sohn von Leas Magd Silpa, sagt Jakob, daß ihm sein Brot zu fett
ist und er königliche Leckerbissen gibt (1.Mos.49,20). Moses setzt den Stamm Asser in
seinem Segen zuletzt und nennt ihn den gesegnetsten Sohn, den Liebling seiner Brüder,
der seinen Fuß in Öl taucht und dem Eisen und Erz die Riegel sind. Wie seine Tage, so
ist seine Kraft (5.Mos.33,24-25). Der Segen dieses Stammes kann erst zu der Zeit von allen
Das Reich Gottes
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Stämmen Israels erkannt werden, wenn das Volk Gottes aus der Zerstreuung gesammelt
ist und Gott in seinem Volk für tausend Jahre seine Königsherrschaft aufgerichtet hat.
Seite 222
Das beweist wieder, daß dieser Stamm des Volkes Israel bis zu dieser Zeit immer ein
Volk ist, das in besonderer Weise von Gott gesegnet wird.
Naphtali, den zweiten Sohn von Rahels Magd Bilha, nennt Jakob eine ausgelassene
Hirschkuh und sagt, daß er schöne Worte machen kann (1.Mos.49,21). Als zweitletzter
erhält dieser Stamm den Segen von Moses:
„Naphtali werde gesättigt mit Gnade und voll vom Segen des Herrn; Meer und
Mittag nimm in Besitz!“ (5.Mos.33,23)
Nach dem Propheten Obadja wird das Gebirge Esau und das Philisterland zu der Zeit
in Besitz genommen, wenn die Königsherrschaft dem Herrn gehört (Ob.19-21). Das
beweist, daß auch dieser Stamm bis zu dieser Zeit in der Zerstreuung mit den übrigen
Stämmen Israels für diesen von Moses geweissagten Segen zubereitet worden ist.
Benjamin ist der jüngste Sohn Jakobs und der letzte Sohn Rahels, die bei der Geburt
dieses Kindes starb. Jakob nennt diesen Sohn einen reißenden Wolf, der am Morgen
Raub verzehrt und am Abend sich in die Beute teilt (1.Mos.49,27). Moses spricht seinen
Segen über diesen Stamm bereits an vierter Stelle aus, obgleich Benjamin der jüngste ist.
Dadurch erhält er seinen Platz zwischen Levi und Joseph als Jehovas Liebling, der sicher
wohnen möge und von Gott, der zwischen seinen Hügeln wohnt, den ganzen Tag
beschirmt werden soll (5.Mos.33,12). Dieser Segen kann sich an diesem Stamm auch
wieder erst dann völlig erfüllen, wenn Gott sein Volk gänzlich geläutert und als sein
Eigentum endgültig im Besitz hat. Das ist aber erst die Zeit des Tausendjährigen Reiches.
Deshalb muß auch der Stamm Benjamin bis zu dieser Zeit unter den Völkern während der
Zeit der vier Weltreiche mit den übrigen Stämmen Israels unter diesen Völkern zerstreut
und doch erhalten sein.
3. Die christliche Gemeinde in der Zeit der sieben
Häupter und der Füße des vierten Weltreiches
1. Die Reichsgottesherrschaft in der vierten Gemeinde zu Thyatira
Nachdem der Abfall von der ersten Liebe in der ersten Gemeindezeit zu Anfang des
vierten Weltreiches einmal erfolgt und dadurch die Möglichkeit der Erfüllung der göttlichen
Verheißungen in der Aufrichtung seiner ewigen Reichsgottesherrschaft vorüber war,
entfernte sich die Gemeinde Gottes in der weiteren Gemeindeentwicklung immer mehr
von dem göttlichen Heilsratschluß.
Die Gemeinde zu Pergamus bereitete durch ihre Untreue den noch vorhandenen
Heilswahrheiten gegenüber und ihre widergöttliche Verbindung mit dem Thron Satans
und durch ihr Streben nach weltlicher Macht den Gemeindezustand von Thyatira vor
(Offb.2,18-25). Denn der Zustand von Thyatira, der auf Pergamus folgt, war nur eine
verstärkte Art Abfall von den
Seite 223
göttlichen Heilswahrheiten gegenüber dem bereits vorhandenen Abfall in Pergamus. Die
Gemeinde kam immer tiefer unter den weltlichen und dadurch heidnischen Einfluß. Aus
der Verbindung der Gemeinde zu Pergamus mit dem Staat ist der Anspruch auf die
Das Reich Gottes
- 200 -
Oberhoheit der Gemeinde zu Thyatira über alle Völker samt ihren Regierungen
erwachsen (Jes.47,1-7; Offb.17,1-3.9.15.17-18; 18,3.7). Dieser Gemeindezustand dauert etwa
von 500 n.Chr. bis ans Ende dieses Zeitalters, bis zur Wiederkunft Jesu (Offb.2,25; 17,12-17;
19,1-7).
Daraus ergibt sich, daß sich das Streben nach weltlicher Macht in dieser Gemeinde
so ausbreitete, daß das Verlangen nach der ewigen Reichsgottesherrschaft vollkommen
verschwand.
Die widergöttliche Einstellung dieser Gemeinde hat aber ihre tiefste Ursache darin,
daß sie die Erkenntnis von den Heilswahrheiten der in Christo vollbrachten vollen
Erlösung als die erste Liebe und dadurch den Willen Gottes nicht mehr suchte. Im dritten
Jahrhundert nach Christus war die Erkenntnis, daß Jesus die Toten zur Unverweslichkeit
auferweckt, schon so verdunkelt worden und der Glaube daran unter Lebenshingabe
schon so weit verlorengegangen, daß viele christliche Bekenner, sogenannte
„Apologeten“, der ungerechten und grausamen Heidenwelt gegenüber den
gottesfürchtigen Wandel der Gläubigen und ihr Lebensrecht verteidigten, damit sie nicht
mehr so hingemordet werden sollten. Das ist uns ein Beweis, daß die Gläubigen nicht
mehr mit einer Auferstehung von den Toten rechneten, geschweige denn mit der
Leibesverwandlung bei Jesu Wiederkommen, und das alles nur, weil die klare Erkenntnis
verlorengegangen war, daß Jesus Christus, der Auferstandene, der Sieger über den Tod,
heute lebt.
Diese Klarheit, daß Gott Jesus von den Toten zur Herrlichkeit unverweslichen Lebens
auferweckt hat, ging so zurück, daß die Vertreter der zur großen Volksgemeinde
gewordenen Zahl der Gläubigen sich geneigt sahen, Jesus, vom Fleisch geboren, in der
Zeit, als er in diesem Fleisch unter den Menschen auf der Erde pilgerte, eine solche Fülle
göttlichen Wesens zuzuerkennen, daß damit der Mangel von der Erkenntnis der in der
Auferstehung zustande gekommenen neuen Kreatur wettgemacht werden sollte. Dieses
Bestreben wurde unterstützt durch die Sucht, den breiten Massen das Heilsbekenntnis so
leicht wie möglich zu machen.
Die heidnisch gewesenen Volksmassen - einschließlich des Teiles, der aus dem
Volke Gottes zu dieser Gemeinde zu Thyatira gehört - waren immer noch gewohnt,
äußerliche Gegenstände, Bilder, Standbilder und Statuen der Götter zu verehren. Ihnen
mußte es leicht sein, in dem vom heiligen Geist gezeugten und von der Jungfrau Maria
geborenen Jesus Christus, als dem fleischgewordenen Wort Gottes, das in der
Schwachheit und Knechtschaft dieses Fleisches auf der Erde wandelte, die Fülle der
Gottheit zu verehren. Das war für sie viel leichter, als an den unsichtbaren Gott zu
glauben, der uns in seinem Sohne ohne Verdienst gerechtfertigt hat, der die Toten
unverweslich auferweckt und auch Jesus so auferweckt hat.
Seite 224
Eine weitere Unterstützung fand dieses Bestreben durch den Geist, der die Gläubigen
antrieb, die Gottgleichheit in ihrem täglichen Wandel nach dem Fleische darzustellen.
Man wollte ihnen den Gott-Jesus so vorstellen, daß in seiner Gottgleichheit das rechte
Vorbild gesehen wurde, ihm auf diesem Boden des Fleisches gleichgestaltet zu werden.
Das Reich Gottes
- 201 -
Man lehrte zwar, daß Jesus, so wie er wahrer Gott in der Niedrigkeit der Fleischesgestalt
ist, auch zugleich in dieser Gestalt wahrer Mensch ist. Jedoch wurde es so hingestellt,
daß das wahre Menschsein nicht in der Niedrigkeit des versuchlichen und sündlichen
Davidsfleisches besteht, sondern in einer menschlichen Gestalt, wie sie Adam vor
seinem Sündenfall, frei von jeglicher Verbindung mit der Sünde, gehabt haben soll. Die
vollkommene Gottheit Jesu sah man nicht allein in der Unverweslichkeit seines
vorweltlichen Zustandes als „Wort“ und in der Herrlichkeit seiner Auferstehung von den
Toten, sondern auch schon in seinem Erdenzustand in der ganzen Fülle. Zu diesem
Zweck wurde das Fleisch des Menschen überhaupt als gut, d.h. frei von der Sünde,
hingestellt und der Sündenursprung beim Menschen nicht mehr dem verführenden Satan
und dem versuchlichen Fleisch, sondern dem Willen des Menschen zugesprochen. Nach
dieser Lehre brauchte sich Jesus aber nicht mehr selbst zu erniedrigen, als das Wort vom
Vater in das menschliche Fleisch gekleidet wurde; denn dasselbe war für ihn dann keine
Knechtsgestalt mehr.
Wenn diese Lehre die Länge der Jahrhunderte hindurch auch nicht aufrecht erhalten
werden konnte, so hat man trotzdem an dem Begriff „Gottesgebärerin“ festgehalten. Man
hat einfach gelehrt und hat es im Jahre 1854 als Dogma festgesetzt, daß auch Maria, die
Mutter Jesu, aus Davids Geschlecht ein unversuchliches Fleisch getragen haben müsse,
indem sie in gleicher Weise in ihrer Mutter Anna (so soll sie nach der väterlichen
Überlieferung geheißen haben.) vom heiligen Geist unbefleckt gezeugt worden sein soll,
wie Jesus in Maria. Dabei übersah man natürlich, daß der heilige Geist sich ganz genau
an die Verheißung Gottes halten mußte, welche Gott bei seiner Heiligkeit dem David
geschworen hatte, daß der Christus dem Fleische nach aus seinen Lenden hervorgehen
müsse, wenn auch das Fleisch Davids sündlich-versuchlich und nicht göttlich war
(2.Sam.7,12-16; Ps.89). So brachte man die Gläubigen um den lebendigen Glauben an die
Gerechtigkeit Gottes in Christo Jesu und an die Auferstehung Jesu. Aus Mangel an
diesem Glauben brachte man sie auch noch um den Glauben, den Maria, David und
Abraham hatten, daß der Schlangentreter Jesus Christus dasselbe Fleisch und Blut trägt,
das auch die Kinder, die Abrahams Same sind, gemeinsam tragen (Hebr.2,14).
Auf diese Weise war die weitere Heilsunterweisung für ein ganzes Jahrtausend in
Fesseln gelegt und wurde von einer ganz bestimmten, starren Gemeindeform zusammengefaßt (Offb.2,20), die in der Offenbarung mit Ahabs Weib Isabel verglichen wird, die
den heidnischen Baals-Götzendienst eingeführt hatte. Diese Isabel nennt sich Prophetin
und maßt sich an, die Knechte Gottes zu lehren, die doch von der Heiligen Schrift gelehrt
werden müßten, und so verführt sie die Gläubigen zum Abfall von Gott, was Hurerei und
Dämonendienst ist. Jede Lehrverderbnis in der Gemeinde
Seite 225
Gottes kommt von Dämonen, die hinter jeder falschen Heilsdarstellung stehen. Darum hat
man nicht nur das in das menschliche Fleisch gekleidete Wort Gottes Gott, dem
unvergänglichen Vater, gleichgesetzt, obwohl Jesus ausdrücklich gesagt hatte:
„Der Vater ist größer als ich“ (Joh.14,28),
Das Reich Gottes
- 202 -
sondern man hat mit dieser Lehre auch jenem Geist Gehorsam erwiesen, welcher
verlangte, zu lehren, daß der Menschensohn Jesus im natürlichen, unverwandelten,
versuchlichen Fleisch die ganze Fülle der Gottheit darstellen könne.
Alle diese Auswüchse als verderbliche Irrlehren, gegenüber dem wahren Evangelium
von Jesus Christus, waren nur verschiedene und in ihrer Art verführerische Darstellungsformen der jüdischen Gesetzesgerechtigkeit. Denn diese Lehre von der
Gesetzesgerechtigkeit stand von der Zeit Jesu an in Feindschaft mit der Heilsbotschaft
der Gottesgerechtigkeit als der Gnadenrechtfertigung und ganzen Erlösung in Christo
Jesu.
In dieser Stellung erinnert uns dieser Gemeindezustand an die Zeit, in der das Volk
Israel, gleichwie die Heidenvölker, Götzendienst trieb, indem es andern Göttern diente,
besonders zur Zeit seiner Könige.
Das ist wieder ein kräftiger Beweis, daß auch in dieser späteren Zeit der Gemeindeentwicklung die Gläubigen aus dem Volke Gottes in der christlichen Gemeinde den
Kern bildeten, die Träger derselben waren und somit die Lehreinstellung nachteilig
beeinflußten.
Gerade in dieser Gemeinde, wie auch schon in der Gemeinde zu Pergamus, können
wir in Verbindung mit den weiteren Ausführungen der Offenbarung Johannes deutlich die
Spuren des unter die Völker zerstreuten Zwölf-Stämme-Volkes Israel erkennen und
verfolgen.
Dieses Weib Isabel, das sich als Prophetin ausgibt und die Knechte des Herrn lehrt
und verführt, Hurerei zu treiben und Götzenopfer zu essen, übt seinen Einfluß bis zur Zeit
der Wiederkunft des Herrn aus. Das ist in diesem Sendschreiben dadurch angedeutet,
daß hier zum erstenmal während der Entwicklung der Gemeinde von der Wiederkunft des
Herrn zum Gericht am Ende des Zeitalters die Rede ist.
Zur Zeit der Zukunft des Herrn ist diese Isabel die große Hure, die an den vielen
Wassern sitzt. Die Könige der Erde - das sind die Staatshäupter des nationalen Volkes
Gottes - buhlen mit ihr und sind trunken vom Wein ihrer Hurerei (Offb.17,1-2).
Doch in diesem Sendschreiben begegnen wir nun einer weiteren Verheißung, die sich
auf die Aufrichtung der ewigen Reichsgottesherrschaft bezieht und die Fortsetzung von
den beiden Verheißungen bildet, die an die Überwinder der Gemeinden zu Ephesus und
Pergamus gerichtet sind. Sie lautet:
„Wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem will ich Macht
geben über die Heiden. Und er wird sie mit eisernem Stabe weiden, wie Tongeschirr sie zerschlagen;
Seite 226
wie auch ich von meinem Vater emfangen habe. Und ich will ihm geben den Morgenstern.“ (Offb.2,26-28)
Diese Wahrheit liegt dem ganzen Zeugnis der sieben Sendschreiben zugrunde. Alles,
was Gott durch seinen Geist den Gemeinden sagt, soll nur Zeugnis und Hinweis dafür
sein, nach welcher Ordnung sich die seinem Volk gegebenen Verheißungen im Schoße
der christlichen Gemeinde entwickeln, damit sie sich zu seiner Zeit erfüllen können.
Das Reich Gottes
- 203 -
Im Sendschreiben an die Gemeinde zu Thyatira zeigt Gott, worauf es in der Stellung
der Gläubigen ankommt, wenn sich die Verheißungen für die ewige Reichsgottesherrschaft erfüllen sollen.
„Wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt“,
lautet die göttliche Ordnung, nach der Gott die Macht darreicht, die Herrschaft über die
Heiden auszuüben.
In diesem Zeugnis offenbart Gott unzweideutig klar, welchem Zweck die sieben
Gemeinden dienen müssen und was für ein Geheimnis sich im Schoße dieser Gemeinden
entwickeln und ausgestalten muß (Offb.1,20). Es ist das Geheimnis über die Art und Weise,
wie Gott die seinem Volke verheißene ewige Reichsherrschaft aufrichtet.
Auf Grund der weiteren Offenbarungen über diese Ordnung, wie sie in den noch
folgenden Sendschreiben gezeigt ist und wie wir dann ausführlich darauf hinweisen
müssen, gehen wir in der Betrachtung dieses Sendschreibens nicht näher auf diese
Wahrheit ein.
Wir wollen jetzt nur noch auf das wunderbare göttliche Walten hinweisen. Wenn die
Gemeinde in Thyatira sich im Zustand des größten Abfalls befindet und die Finsternisgewalten auf die schlimmste Art sich entfalten, dann greift Gott mit seinem starken,
mächtigen Arm ein und führt seinen verheißenen Heilsplan auf herrliche Weise in seiner
Gemeinde hinaus. Das göttliche Gnadenwalten besteht darin, daß Gott aus diesem
dürren Erdreich (einem von der Wahrheit der ganzen Erlösung völlig abgewichenen und
von der Lüge beherrschten Gemeindezustand, in dem die ganze Satanstiefe wirksam ist.)
heraus seine ewigen Gnadenverheißungen erfüllt und seine Reichsherrschaft zur
Ausgestaltung bringt.
Dieses Walten Gottes entspricht wieder derselben Ordnung, nach der Jesus in die
Welt geboren wurde. Darum erfüllt es sich in dieser Zeit wieder, was der Prophet
weissagt:
„Wer hat dem geglaubt, was uns verkündigt ward, und der Arm des Herrn, über
wem ward er geoffenbart? Er wuchs auf vor ihm wie ein Schoß, aus dürrem Erdreich wie ein Wurzelsproß. Er hatte keine Gestalt noch Pracht, daß wir ihn angeschaut, kein Aussehen, daß er uns wohlgefallen hätte.“ (Jes.53,1-2)
2. Die Reichsgottesherrschaft in der fünften Gemeinde zu Sardes
Je mehr wir uns in die göttliche Ordnung der Entwicklung der christlichen Gemeinde
hineinversenken, um so klarer wird es uns, wie Gott seine Heilsgedanken verwirklichen
will.
Seite 227
Obwohl die Gemeinde Gottes sich so weit von der Wahrheit des Evangeliums, vom
Reiche Gottes entfernt hat, läßt Gott sein Werk, das er beschlossen und den Vätern
verheißen hat, doch nicht liegen. Lange Zeit darf der Feind wie im Alten Bund das Volk
Gottes, so auch auf dem Boden des Neuen Bundes die Gemeinde Gottes in seinem
Bann gefangenhalten und zur Lüge verführen. Der Höhepunkt dieser satanischen
Verführungskunst ist in der Gemeinde zu Thyatira erreicht. Alles ist von dem Lügeneinfluß
der falschen Prophetin Isabel durchdrungen. Wie der Sauerteig den ganzen Teig
durchsäuert, so hat diese Isabel mit ihrem Lügeneinfluß alles durchsäuert, was aus den ihr
Das Reich Gottes
- 204 -
vorausgegangenen drei Gemeinden an Heilswahrheiten noch vorhanden war (Matth.13,33).
Wenn Gott nicht selbst durch mächtiges Eingreifen eine Wendung herbeiführen würde,
könnte das verkündigte Reich Gottes nicht aufgerichtet werden. Doch bei Gott ist kein
Ding unmöglich. Er hat seine sieben Geister ausgesandt (Offb.3,1), seiner Gemeinde zu
dienen, damit er über den Verführer den Sieg davonträgt und sein Reich aufrichten kann.
Darum gibt Gott der
Gemeinde zu Sardes
durch den Engel dieser Gemeinde in seinem großen Erbarmen wieder neues Licht über
die Heilswahrheiten des Evangeliums (Offb.3,1-6). Um alles im göttlichen Lichte verstehen
zu können, was Gott in diesem Sendschreiben offenbart, müssen wir uns daran erinnern,
daß die Gemeinde zu Thyatira etwa vom Jahr 500 n.Chr. bis zur Wiederkunft des Herrn
besteht. Daraus ergibt sich, daß die Gemeinde zu Sardes während dieser Zeitdauer sich
aus dieser Gemeinde zu Thyatira bilden muß, so daß dann beide Gemeinden von der
Bildung der Gemeinde zu Sardes an nebeneinander bestehen. Diese Tatsache entspricht
auch der bis heute durchlebten Gemeindeentwicklung.
Darum kann die Gemeinde zu Sardes nur die Reformationsgemeinde sein; denn
durch die Reformation i.J.1517 hat Gott aus der vorhandenen Finsternis der Gemeinde
zu Thyatira heraus wieder neues Licht über die Heilswahrheiten der durch Christus
vollbrachten Erlösung gegeben.
Lange Jahrhunderte hindurch konnte es nicht mehr erkannt und geglaubt werden,
daß die Sündenschuld der Menschen einzig nur durch das Opfer Jesu Christi gesühnt
wird und nicht durch Werkgerechtigkeit und allerlei heidnische Zeremonien und Bußübungen. Das Gottesgeschenk der Reformation für die Gemeinde zu Sardes war das
Licht des Evangeliums:
„Der Gerechte wird durch Glauben leben.“ (Röm.1,17; Gal.3,11; Hebr.10,38)
Dieses Licht hat Gott dem Engel dieser Gemeinde gegeben. Indem dieser Knecht an
die Rechtfertigung durch das Opfer Jesu Christi glaubte, hat er das Wort der Wahrheit
des Evangeliums wieder als Zeugungssame aufgenommen und ist dadurch ein Kind
Gottes geworden und in die
Seite 228
Lebensverbindung mit Jesus gekommen (Jak.1,18). Aber doch lautet das Schriftzeugnis an
diesen Knecht:
„Ich weiß deine Werke: du hast den Namen, daß du lebest, und bist tot. Werde
wach und stärke das übrige, was sterben will; denn ich habe deine Werke nicht
vollkommen erfunden vor meinem Gott. So gedenke nun, wie du empfangen und
gehört hast, und bewahre es und tue Buße. Wenn du nun nicht wachest, so werde
ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über
dich kommen werde.“ (Offb.3,1-3)
Damit ist gezeigt, daß Gott wohl neue Erkenntnis über die Bedeutung des Opfers
Jesu gegeben hat, aber der Lügen- und Irrtumseinfluß der Gemeinde zu Thyatira erlangte
in Sardes bald wieder eine solche Macht, daß auch der Engel der Gemeinde zu Sardes
diesem Einfluß wieder erlag. Wenn dies auch nicht völlig geschehen ist, so doch so weit,
daß der Erkenntnisblick dieses Engels für die volle Bedeutung des Opfers Jesu
verdunkelt wurde und er den lebendigen Glauben an das Evangelium nicht mehr haben
Das Reich Gottes
- 205 -
konnte, daß sich dadurch das rechte Wachstum und die Ausgestaltung für das Kommen
des Herrn und die Aufrichtung seines Reiches entfalten konnte. Wie nahe ist das Volk
Israel an Babel?! (Jes.47,6; 48,20) Und wie nahe ist die Gemeinde Gottes am geistigen
Babel?! (Jes.47)
Die Aufforderung des Herrn an diesen Engel, über seine Gott mißfällige Stellung Buße
zu tun, scheint von ihm nicht beachtet worden zu sein; denn der Herr muß ihm sagen:
„So gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast, und bewahre es und tue
Buße. Wenn du nun nicht wachest, so werde ich kommen wie ein Dieb, und du
wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.“ (Offb.3,3)
Auch das übrige in dieser Gemeinde befindet sich im Zustand des Sterbens. Die
Gerichtsankündigung des Herrn an den Engel und das Zeugnis von den übrigen weist
darauf hin, daß dieser Engel darum, weil er seine Aufgabe den göttlichen Heilswahrheiten
gegenüber in seiner Untreue nicht erfüllt, von Gott nicht gebraucht werden kann, seine
ewige Reichsherrschaft aufzurichten. Ebensowenig kann die ganze Gemeinde, der dieser
Engel vorsteht, der Verwirklichung der göttlichen Heilsgedanken in der Ausgestaltung
seiner Reichsherrschaft dienen.
Wohl lautet das Zeugnis des Herrn noch:
„Aber du hast einige wenige Namen zu Sardes, welche ihre Kleider nicht befleckt
haben; und diese werden mit mir wandeln in weißen Kleidern, denn sie sind es
wert.“ (Offb.3,4)
Und im Blick auf die Überwinderstellung in dieser Gemeinde ist gesagt:
„Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angetan werden; und ich will seinen
Namen nicht tilgen aus dem Buche des Lebens und will seinen Namen bekennen
vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ (Offb.3,5)
Seite 229
Diese wenigen, die ihre Kleider nicht befleckt haben und darum mit dem Herrn
wandeln in weißen Kleidern, und diejenigen, die als Überwinder diesen Todeszustand
des Buchstabenwissens überwinden und darum mit weißen Kleidern angetan werden,
sind solche Seelen, die dem in der Gemeinde zu Sardes gegebenen Licht treu sind. Sie
halten es im Glauben an das Opfer Jesu fest, daß sie nur durch dieses Opfer vor Gott
gerecht sind, und beflecken dadurch ihre Heilskleider nicht mit der Gesetzesgerechtigkeit. Aber sie können durch die Erkenntnis dieser wenigen Heilswahrheiten und
ihrem Glauben daran noch nicht zum Sieg des Lebens über den Tod ausreifen. Darum
kann Gott auf Grund ihrer Stellung seine den Vätern gegebenen Verheißungen, in dieser
Zeit sein ewiges Reich aufzurichten, noch nicht erfüllen.
3. Das Verhältnis des vierten Weltreiches zum Volk Gottes bzw.
zur christlichen Gemeinde in der Zeit der sieben Häupter
Im ersten Teil der Betrachtung des vierten Weltreiches haben wir schon das Verhältnis gezeigt zwischen dem vierten Weltreich und dem Volk Gottes. Wir haben
gefunden, daß das vierte Weltreich von Anfang an in einem erbitterten Feindschaftsverhältnis zum Volk Gottes stand. Diese Feindschaftsstellung des vierten Weltreiches
ging vom Volk Gottes, dessen letzter Teil von den Römern auch unter die Völker zerstreut
wurde, auf die christliche Gemeinde über, nachdem dieselbe durch die Verkündigung des
Evangeliums entstanden war. Das ist auch leicht zu verstehen; denn im Evangelium
Das Reich Gottes
- 206 -
wurde die Botschaft vom kommenden Reich Gottes verkündigt, wie Gott die
Verheißungen darüber schon Abraham, Isaak, Jakob und durch die Propheten gegeben
hat. Aber gerade der Aufrichtung des verheißenen Reiches Gottes arbeitet Satan mit
allen Mitteln entgegen.
Weil Johannes der Täufer und Jesus und nach ihnen die Apostel verkündigt haben:
„Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!“ (Matth.3,2; 4,17; 10,7),
muß nun auch Satan seine ganze Macht aufbieten, um die Aufrichtung des ewigen
Reiches Gottes zu verhindern. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm das vierte Weltreich
das beste und auserlesenste Werkzeug in seiner Hand.
Wenn darum von Daniel gesagt ist, daß das vierte Tier außerordentlich abstoßend,
schrecklich und gewalttätig ist, große eiserne Zähne hat, mit denen es alles frißt, zermalmt
und zertritt mit seinen Füßen und seine Wesensart Eisen ist, so wendet es diese
Wesensart nicht nur den übrigen Reichen und Völkern gegenüber an, sondern auch dem
Volke Gottes und der christlichen Gemeinde gegenüber. Das geschieht hauptsächlich aus
dem Grunde, weil das Volk Gottes der Träger der christlichen Gemeinde ist.
Von diesem vierten Weltreich wurden nicht nur Jesus und die Apostel und die
Gläubigen ihrer Zeit um ihres Glaubens willen an Jesus
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und an das kommende Reich Gottes auf schreckliche Art und Weise verfolgt und getötet,
sondern nach ihnen auch alle, die aus dem Volk Israel und aus den Heiden an Christus
und die Heilswahrheiten der Erlösung gläubig geworden waren. Zehn große und
grausame Christenverfolgungen aus der Herrscherzeit der ersten beiden Häupter
kommen bereits auf das Konto des vierten Weltreiches. Daraus ist zu ersehen, wie
dieses vierte Weltreich von Anfang an die christliche Gemeinde und darum Gott selbst in
seinem Heilsratschluß bekämpft und verfolgt hat. Es fehlt hier der Raum, um auf alle
Einzelheiten der mannigfaltigen Christenverfolgungen einzugehen. Von der Verfolgung
durch Kaiser Diokletian (303-304) sei nur das Folgende gesagt: Er ließ die heiligen
Schriften aufspüren und verbrennen, die christlichen Kirchen im ganzen Reich zerstören
und verbot die christlichen Versammlungen. Verlust aller Ehrenämter, Vermögensberaubung, Gefängnis und Tod erlitt, wer den Göttern nicht opferte.
Wenn die Verfolgungen in der Zeit der Bildung und Herrschaft der weiteren Häupter
nicht mehr in einem solch großen Ausmaß erfolgt sind, so ist das in erster Linie darauf
zurückzuführen, daß die Gemeinde ihren Glauben an die Heilswahrheiten der in Christo
vollbrachten Erlösung immer mehr verloren und auf Grund des Einflusses des
Weltreiches preisgegeben hat. Es ist darum das Werk des vierten Weltreiches, daß es
ihm in den ersten Jahrhunderten nach Christus gelungen ist, durch seinen Machteinfluß
die Gemeinde völlig von den Heilswahrheiten der durch Christus vollbrachten Erlösung zu
trennen. Wenn es auf Kosten des verheißenen Reiches Gottes ging, dann war selbst
dieses gewaltige Weltreich willig und bereit, an sogenannte Reichsgottesvertreter die
weltliche Macht abzutreten. Die Gemeinde ahnte in jener Zeit nicht, welch satanischer
List sie zum Opfer gefallen ist; dafür war sie völlig blind, weil sie aus sich heraus um ihrer
eigenen Interessen willen nach dieser Macht strebte.
Das Reich Gottes
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Einen großen Machteinfluß gegen die Heilswahrheiten der Erlösung räumte die
Gemeinde zu Thyatira dem vierten Weltreich ein. Weil diese Gemeinde als die Isabel und
falsche Prophetin selbst so vollkommen von den Heilswahrheiten abgefallen ist und sich
völlig dem Götzendienst zugekehrt hat, mußte es dem zum größten Teil heidnischen
Weltreich in Verbindung mit dem Einfluß dieser Gemeinde ein leichtes sein, alles das mit
Feuer und Schwert zu unterdrücken und auszurotten, was auf irgendeine Weise sich
wieder den göttlichen Heilswahrheiten der Erlösung zuwenden wollte.
Von der Zeit an, wo diese Isabel als ein christliches Lehrsystem ihren Lehreinfluß
ausübte, erfolgten alle zukünftigen Christenverfolgungen nur noch auf Veranlassung
dieses christlichen Lehrsystems. Das war aber darum so leicht möglich, weil dieses
System zum Teil selbst an der Staatsmacht mitbeteiligt war und deshalb auch einen so
großen und bestimmenden Einfluß bei den Staatsoberhäuptern hatte. Wie das vorherrschende Volk im vierten Weltreich das Eisenvolk d.i. das Chaldäer- oder Babelvolk
genannt ist, so ist dieses christliche System das geistige Babylon. Jungfrau, Tochter
Babel und Tochter der Chaldäer, sowie Beherrscherin der Königreiche, nennt sie schon
der Prophet Jesaja (Jes.47,1). Weil Gott über sein Volk
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als seinem Erbteil sehr erzürnt ist, entweiht er es und gibt es (einschließlich des treuen
Teiles der christlichen Gemeinde) in die Gewalt dieser Tochter Babel und Tochter der
Chaldäer (Jes.47,6). Auf diese Weise entwickelt sich eine widergöttliche, geistlich-weltliche,
herrsüchtige Gemeindeform, die von der Heiligen Schrift das Hurenweib „Babylon“
genannt wird (Offb.17,1-5), die in ihrer Geltungssucht die Menschen verfolgt, die ihre
Rechtfertigung nicht in ihr, sondern im Wort Gottes zu erkennen trachten.
Darum ist auch in der Offenbarung von dieser Hure gesagt:
„Ich sah das Weib trunken von dem Blute der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jesu; und ich verwunderte mich gar sehr, als ich sie sah.“ (Offb.17,6)
Im Weströmischen Reich kommt dieses geistliche Babylon in dem Maß zur Geltung,
wie die äußere Macht des Reiches zerfällt; diese geistliche Stadt Babylon ist es, die durch
das verführerische und anmaßende Aufnötigen ihrer Lehrsätze die noch übrigen, ihrem
Einfluß noch nicht unterworfenen arianisch-christlich-germanischen Reiche bezwingt.
Das alles zeigt uns, in welch innigem Verhältnis dieses christliche System als die
Babylon und Mutter der Huren zu dem vierten Weltreich steht. Nicht das Weltreich macht
Gott in dieser Zeit in erster Linie für das viele geflossene Märtyrerblut verantwortlich,
sondern dieses religiös-christlich-heidnische System (Offb. 18,24). Darum erfährt dieses
Weib zur Zeit der Zukunft des Herrn auch ein so schreckliches Gericht von Gott, wie es in
Jesaja Kapitel 47 und in Offenbarung Kapitel 17 und 18 bezeugt ist.
Dieselbe Feindschaftsstellung, die das vierte Weltreich als Volk zum Volk Gottes und
zur christlichen Gemeinde einnimmt, nimmt auch dieses Weib als christliches System
zum verheißenen und von Jesus verkündigten Reiche Gottes ein. Sie übt ihren Einfluß
während der ganzen Zeit der Herrschaft der Häupter des vierten Weltreiches, also bis zur
Wiederkunft Jesu aus, und zwar immer in Verbindung mit dem, dem Reiche Gottes
feindlich gesinnten vierten Weltreich (Offb.17,7-18).
Das Reich Gottes
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Nur auf ihre Veranlassung und ihren bestimmenden Machteinfluß konnten die
Herrscher der verschiedenen Häupterreiche, wie z.B. Kaiser Konstantin der Große und
viele andere mehr, den Gläubigen gegenüber ihr Schreckensregiment ausüben.
Im Jahre 319 nach Christus erklärte bereits eine Synode zu Arles, jede Amtshandlung
dieses christlichen Babelsystems müsse als gültig angesehen werden. Die Staatsgewalt
mußte dann schon gegen die sogenannten „Donatisten“ einschreiten. (Anhänger eines
Donat, welcher zur Heiligkeit des Sakraments auch die Heiligkeit der Person verlangt, die
es spendet.) Da die Donatisten viel zahlreicher waren als ihre Gegner, konnten sie nicht
sehr schnell unterdrückt werden.
Kaiser Konstantin der Große - er blieb bis an sein Lebensende heidnischer Oberpriester, - ließ gleich dem König Herodes d.Gr. etliche seiner nächsten Familienangehörigen töten, und ob er sich am Totenbett noch taufen ließ, läßt sich geschichtlich nicht
nachweisen. Dieser Kaiser
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griff 325 n.Chr. auf dem Konzil zu Nicäa entscheidend in das Glaubensbekenntnis der
Gläubigen ein, indem er die Lehrsätze der an Zahl kleineren, aber ihm ergebenen
Bischöfe durchsetzen ließ. Von hier ab schreitet die der weltlichen Herrschaft angepaßte
Lehrsatzbildung fort und kommt erst etwa dreihundert Jahre später einigermaßen zur
Ruhe.
Kaiser Julian, der Abtrünnige, regiert gegen die Christen (361-363).
Theodosius der Große (379-395, anfangs Oströmisches Reich, später gesamtrömisches Reich) und Gratianus (375-383, Weströmisches Reich) machten der Religionsfreiheit ein Ende „zugunsten der Religion babylonischer Heiligkeit“. Fortan galt der
Kampf nicht nur dem Heidentum, sondern auch allen nichtstaatschristlichen Gemeinden
und christlichen Richtungen. Kaiserliche Edikte schrieben vor, was geglaubt werden
müsse. Theodosius erließ nicht weniger als fünfzehn Gesetze gegen die Ketzer. Seit der
Synode von Konstantinopel mußte nun jeder römische Bürger ein orthodoxer Christ sein,
d.h. zur Staatskirche gehören. Jeder andere Standpunkt wurde als Verbrechen
angesehen.
Theodosius II. (408-450, Oströmisches Reich) hat nicht weniger als sechzig Gesetze
gegen die Ketzer erlassen, darunter auch solche gegen die „Wiedertäufer“. Justinian
(527-565, Ostrom) erneuert und verschärft die Ketzergesetze.
Das sogenannte Corpus juris civilis, die berühmte Gesetzessammlung des Justinian,
enthält auch die christlichen Lehrerlasse dieses Kaisers. Der dritte Teil erhebt die
Beschlüsse der großen religiösen Synoden zu Gesetzen, über die jede weitere
Verhandlung staatsrechtlich verboten wird. Ein ganzer Abschnitt handelt von den
Wiedertäufern. Da das römische Recht in fast allen europäischen Staaten Aufnahme fand,
so kamen auch die Gesetze gegen die Ketzer überall in Anwendung. Von Zeit zu Zeit
wurden sie neu eingeschärft und durch Zusätze verschärft, und es wurde strenge
Handhabung derselben befohlen. Zahlreiche Synoden des Mittelalters drangen auf die
Ausführung der bürgerlichen Ketzerstrafen. Unter dem Einfluß ihrer lateinisch-christlich
Das Reich Gottes
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gesinnten Gemahlinnen wechselten der Frankenkönig Chlodwig (495) und der
Westgotenkönig Rekkared (586) ihr christliches Glaubensbekenntnis.
Kaiser Karl der Große (768-814) ist von der Richtigkeit der lateinisch-staatsamtlichchristlichen Lehre, vielleicht durch die Einsicht in ihre scheinbar staatsfördernde,
herrschaftserleichternde Nützlichkeit überzeugt, dahin gekommen, daß er das
Weströmische Reich unter päpstlichen Krönungsfeierlichkeiten in neuer Form aufleben
ließ; er führte die lateinisch-christliche Lehrauffassung amtlich im ganzen Reich ein (auch
im bereits christlichen Rheinland und Rheintal bis zum Bodensee) und benutzte sie zum
Zweck und Vorwand, in seinen Kriegen die übrigen noch heidnischen germanischen
Völker sich zu unterwerfen und zehntenpflichtig zu machen.
Die Kaiser des Römischen Reiches deutscher Nation (962-1254) lieferten trotz der
Auseinandersetzung über die Zuständigkeit von allerlei geistlich-weltlichen Machtbefugnissen (oder als Ausgleichsgaben?) die Gläubigen als Ketzer an die schließlich
staatsgesetzlich eingeführten Ketzer- und Inquisitionsgerichte zum Tode aus.
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Kaiser Otto I. ließ sich 962 in Rom vom Papst zum Deutschen Kaiser krönen. Im
Jahre 1184 beschlossen in Anwesenheit des Papstes Lucius III. und des Kaisers
Friedrich I. Barbarossa die geistlichen und weltlichen Fürsten, daß alle Obrigkeiten gegen
die Ketzer vorgehen sollten, unter Androhung der Exkommunikation im Unterlassungsfalle. Bischöfe, die ihre Pflicht gegen die Ketzer versäumten, wurden auf drei
Jahre ihrer Würde enthoben. Städte, welche es versäumten, diesem Gesetze nachzukommen, verloren den Bischofssitz und Verkehr mit andern Städten.
Kaiser Otto IV. versprach 1209 ausdrücklich dem Papst Innocenz III. die Ausrottung
der Ketzer. Schärfer noch als Otto IV. ging der Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen
gegen die Häretiker vor, trotz des freien und aufgeklärten religiösen Standpunktes, den er
persönlich vertrat, und trotz des über alle Maßen heftigen Kampfes, den er mit den
Päpsten um das Recht der Weltherrschaft führte und der mit dem Untergang der
Hohenstaufen (1268) endete. Der katholische Geschichtschreiber Ficker gibt zu, daß
diese überaus grausamen Verordnungen des deutschen Kaisers auf Veranlassung des
lateinisch-christlichen Systemes erfolgten.
Der schmähliche und ruhmlose Untergang der Hohenstaufen darf nicht so sehr der
Kunst der Führung des lateinisch-christlichen Gemeindesystems zugeschrieben werden;
vielmehr ist er gleich dem Zugrundegehen der anderen Häupterherrschaften nichts
anderes als das göttliche Vergeltungsgericht für das millionnenfach vergossene
unschuldige Blut der Gläubigen. Nach einer zwanzigjährigen „schrecklichen, kaiserlosen
Zeit“, dem „Interregnum“ (1254-1273), einer Gerichtszeit über die Feinde der unschuldig
verfolgten Gläubigen, kam das Fürstenhaus der Habsburger zur Macht. Auch dieses
Habsburgerreich stellte sich der lateinisch-christlichen Zwangslehre in den Dienst, und
zwar so, daß das spanische Habsburgerreich unter Kaiser Karl V. und König Philipp II.
(1519-1558-1598) zur Zeit der Reformation, - in Mitteleuropa leider noch im
Einverständnis und mit dem ausdrücklichen Willen der beiden christlichen Bekenntnisse
der Reformation nach den Reichstagsbeschlüssen des Reichstags zu Speyer (März/April
Das Reich Gottes
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1529) -, die Ketzerverfolgungsgesetze streng erneuerte und in der Zeit bis zum
Dreißigjährigen Kriege noch verschärfte. Das furchtbare Gericht des Dreißigjährigen
Krieges (1618-1648) darf wiederum nicht davon abgeleitet werden, daß das
Vorhandensein der Reformation den Anlaß zum Kriege gegeben hätte. Es sei denn, daß
der Führung der lateinisch-christlichen Lehrauffassung bewußt war, daß der Lehrabfall
von ihr nur ein teilweiser und die Zukehr zur Heiligen Schrift noch keine gänzliche war
und die römische Lehrrichtung hoffen konnte, eine gewaltsame Wiedervereinigung der
Abgefallenen zu erzwingen. Wie leicht vermag Gott, den Frieden zu erhalten oder im
Krieg über die Feinde einen vollkommenen Sieg zu verleihen, wenn die Zukehr zu ihm
und die Abkehr von irdischen Gewalten vollkommen geworden ist. Wir müssen den
Dreißigjährigen Krieg wiederum als ein göttliches Strafgericht für das - diesmal von
beiden, bzw. den drei herrschenden christlichen Bekenntnissen - abermals millionenfach
vergossene Blut der Gläubigen anerkennen.
Groß war besonders im 17. und 18. Jahrhundert Frankreichs Feindschaft gegen
Gottes Wort, gegen die Hugenotten und gegen die protestantischen
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Länder (Niederlande und Deutschland), bis ihm das Gericht der französischen Revolution
(1789) ein Ziel setzte, wobei das Königshaus, die ganze ehemals weltlich regierende
Schicht des Landes und dazu ein Teil der geistlichen Herrschaft des Volkes unter dem
Richtbeil des gottentfremdeten Pöbels die göttliche Vergeltung fanden. Napoleon
Bonaparte war bald darauf die Geißel und Zuchtrute für das von Revolution noch
verschont gebliebene, aber in der Verfolgung der Gläubigen noch immer recht
unduldsame übrige Europa. Hatte doch der Westfälische Friede nur den beiden protestantischen Bekenntnissen Religionsfrieden und Duldung gebracht, nicht aber den
Gläubigen überhaupt. Nur in England hatten die größeren Gemeinschaftsrichtungen
bereits Duldung erlangt.
Ein kleiner Fortschritt in der Behandlung der christlichen Gemeinde zum Guten
machte sich in Österreich unter Kaiser Franz Joseph II. (1765-1790) bemerkbar. Er
duldete die Protestanten und beseitigte die Leibeigenschaft der Bauern (1781). Dieser
Staat war es mit, welcher Papst Clemens XIV. veranlaßte, den Jesuitenorden (1773)
aufzuheben.
So wenig gottesfürchtig der zu dieser Zeit sich wunderbar emporarbeitende König
Friedrich der Große von Preußen erscheinen mag, göttlichen Segen und göttliche
Errettung von übermächtigen Feinden im Siebenjährigen Krieg erlangte er doch, offenbar
nur darum, daß er die Ausnahmegesetze gegen die Gläubigen (gegen die sogenannten
„Ketzer“), wenn schon nicht aufhob, aber dessenungeachtet doch nicht erlaubte, sie
anzuwenden. Es sollte jeder „nach seiner eigenen Fasson“ selig werden dürfen.
Die deutschen Staaten wurden in der Folgezeit zu Bahnbrechern des Schutzes aller
Gläubigen in Mitteleuropa und darüber hinaus. 1850 und 1869 wurde die Bevorzugung
des staatschristlichen Bekenntnisses ganz beseitigt und uneingeschränkte
Gewissensfreiheit eingeführt, nachdem bisher in den römischen Staatengebilden das
Das Reich Gottes
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staatschristliche Bekenntnis anderthalbtausend Jahre lang vorherrschend und maßgebend gewesen ist.
Ohne Deutschland keine Reformation, ohne Reformation in der Hauptsache unter
den Germanenvölkern keine Ausbreitung des Wortes Gottes und ohne Gottes Volk keine
Rettung der Welt.
Aus dem allem sehen wir, welche Stellung das vierte Weltreich in der Zeit der sieben
Häupter zum Volk Gottes bzw. zur christlichen Gemeinde eingenommen hat. Bitter
schwer hat die christliche Gemeinde und besonders die treuen Gläubigen den
gottfeindlichen Einfluß durch viel Bedrückung, Unterdrückung und Verfolgung bis auf den
Tod ertragen müssen. Buchstäblich erfüllte sich bis zum siebenten Haupt die Weissagung
Daniels von dem vierten Tier als dem vierten Weltreich. Weil sich der Ton mit dem Eisen
verbunden hat, war sein Einfluß trotz der Zukehr zum Wort Gottes doch gegen die
lateinische, vom Eisenvolk ausgehende Gottesfeindschaft noch sehr gering.
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
N22.09.08
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