Hofbauer

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Heidegger
3. „Das aktuelle Glücksversprechen der Bildung ist ein falsches, weil es dabei weder um Bildung noch
um Glück geht. Es geht, wenn überhaupt, um Abrichtung, Anpassung und Zufriedenheit durch Konsum.“
Ich gehe mit der Ansicht von Liessmann d’accord und möchte es, in dem ich gewisse Dinge zu
analysieren versuche, in vielerlei Hinsicht bekräftigen, sintemal dieses Zitat ein Gefühl des Wohlwollens
für den Verfasser in mir evozierte.
In medias res: In der derzeitigen Gesellschaft stehen das Besitzstreben und das Anhäufen an Reichtum
im Vordergrund. Heutigentags respektive schon seit Anbeginn dient die schulische Bildung vor allem
der Indoktrination, um ein nützlicher Teil einer von Ökonomie geprägten Gesellschaft zu werden
beziehungsweise der jeweils bestehenden wirtschaftlichen und politischen Ordnung förderlich zu sein.
Diese durch Schulpflicht oktroyierte Bildung ist nichts anderes als das Auswendiglernen durch
beständiges Repetieren, welche darauf abzielt den Einzelnen als servilen Knecht für den Kapitalismus zu
erziehen, um künftig Geld zu erarbeiten und dieses durch Konsum wieder zu verschwenden, um den
Lauf der von Wachstum geprägten Wirtschaftsform aufrecht zu erhalten.
Worauf zielen diese schulischen Institutionen letztlich ab? Keineswegs vermögen diese selbsternannten
Bildungsanstalten mit ihren Unterrichtspraktiken aus dem Einzelnen einen mündigen, gebildeten Bürger
zu machen, viel mehr stellt es den Versuch dar den Menschen im Sinne der neoliberalen Maxime zu
bilden, zu formen. Ein weiterer Indikator des abendländischen Untergangs, wie es Spengler bezeichnen
würde.
Man muss in Betracht ziehen, wodurch es zu diesen Entwicklungen kam. Das westliche Denken ist seit
Aufkommen des Liberalismus geprägt von dem von Optimismus strotzenden Fortschrittsglauben und
das Handeln unterwirft man der Nützlichkeit, welche nur auf wirtschaftliches Wachstum abzielt. Um es
etwas polemisch formulieren: Der Westen ist an dem Gift des Kapitalismus erkrankt. Letztlich ist der
Kapitalismus ideengeschichtlich nichts weiter als ein säkularisiertes Christentum, zumal beide das
lineare Geschichtsverständnis eint und die Unterwerfung der Natur, dadurch, dass man sie unter die
Gewalt des Menschen bringt ohne hierbei den ökologischen Fußabdruck zu bedenken; weiters hat das
Arbeiten für beide einen hohen Stellenwert. Man verwarf das zyklische Zeitverständnis, welches
allerdings vor allem Nietzsche mit der „ewigen Wiederkehr“ erneut verbreitete, und das Leben im
Einklang mit der Natur, welches in der Antike vorherrschte, und strebt nur noch ein vermeintlich
heilsversprechendes Ziel an, ohne Bedacht auf die Folgen. Überbevölkerung, Umweltzerstörung, Kriege,
Hass, Neid und der um sich greifende Materialismus. Wir befinden uns, wenn man es so sagen will, im
Übergang zum Kali Yuga, welches von all diesen Miseren geprägt ist.
In diesem repressiven schulischen System, welches verlangt seinen individuellen Charakter und seine
Bedürfnisse zurückzustellen, gedeiht der Konformismus, der das Einreihen in die Majoritätsgesellschaft
vorgibt. Diese Anpassung wird durch die Zentralmatura vorangetrieben und befördert, da diese auf ein
Heidegger
gleichmacherisches Ziel hinausläuft und somit die lokalen Eigenarten zunichtemacht, zumal nun allen
Schülern die gleichen Fragen vorliegen. Diese ist bloß ein für die Wirtschaft geeigneter Messwert, weil
man die schulischen Differenzen nivelliert und somit ein Kollektiv erzeugt, in welchem das Individuum
in dieser Weise im direkten Vergleich besser bewertbar wird. Ferner ist diese Anpassung darin
bemerkbar, dass man nach Konsumgütern strebt, deren man gar nicht bedürfe, sondern einzig aus dem
weltlichen Verlangen das Gleiche zu besitzen wie andere. Man adaptiert also Wünsche anderer, indem
das Gleiche begehrt. Hinzufügend muss man konstatieren, dass im schulischen Bereich das
Konkurrenzdenken seinen Anfang nimmt, indem man durch bessere Noten trachtet sich superior zu
fühlen.
Gewisslich ist der Konsum nur eine temporäre Zufriedenheit, ein kurzes Aufflackern von Wonne durch
den Erwerb, welche immer weiter zum Kauf von materiellen Gütern treibt. Man gibt sich einer Illusion
der Satisfaktion hin – es vermag niemals ein wahres Glücksgefühl durch Erlangen geistiger Genüsse zu
ersetzen. Diese konsumeristische Mentalität erachtet die Globalisierung, die doch aber nichts anderes
darstellt als den Expansionsdrang seitens der USA, als fördernswert, da es neue Märkte erschließt und
mehr Konsum ermöglicht. Doch wird hierbei meist außer Acht gelassen, dass sich hinter dem
Deckmantel der Globalisierung der US-Imperialismus versteckt hält - überall sprießen McDonalds-Läden
aus dem Erdboden, überall verbreitet sich US-amerikanische Musik und Hollywood-Filme. Dies hat zur
Folge, dass sich auch die Kulturen amerikanisieren. In hohem Maße gefährdet dies die kulturelle
Diversität.
Die Abrichtung, dass man dies ohne Hinterfragen als gegeben hinnimmt und nur in dem Sinne
partizipiert, dass man zur Ausbreitung dieses Denkens beiträgt. Die Abrichtung, dass man sich
weitestgehend dem Neoliberalismus beugt und einen ‚wertvollen Beitrag‘ zur Gesellschaft beisteuert,
worauf die heutige Bildung ausgelegt ist. Man sollte Bildung primär als Mittel zur Auseinandersetzung
und Beschäftigung intellektueller Thematiken, um in philosophischen, politischen oder sonst wie
gearteten Gesprächen mitwirken zu können, verstehen und den ökonomischen Zweck durch
neoliberale Beeinflussung, welche in sublim-subtiler Weise beständig eingestreut wird, in den
Hintergrund stellen respektive gänzlich sein lassen. Der Mensch sollte als autonomes Wesen betrachtet
werden, welches in schulischen Bereichen keinerlei Beeinflussung ausgesetzt sein sollte. Darob muss
das Ziel sein Bildung wertfrei und ohne weltanschaulichen Einfluss zu übermitteln.
Man sollte ernstlich die Frage aufwerfen, ob man in Anbetracht der gesellschaftlichen Entwicklungen
nicht beginnen sollte peu á peu umzudenken. Es bedarf zuvörderst den inneren Separatismus, um sich
von der Mehrheitsmeinung zu lösen. Es bedarf den „Mut zur Sezession“ (Botho Strauß), um den
Greifarmen des zerstörerischen Massendenkens zu entkommen. Dies ist der Weg zu Veränderung.
Erst das freie Denken verheißt Glück.
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