Einige tierbezogene Indikatoren im Überblick Was wird bewertet

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Einige tierbezogene Indikatoren im Überblick
Was wird bewertet
Dauer Abliegevorgang,
Anteil liegender Kühe
Anteil Tiere, die
außerhalb der
Liegefläche liegen
Anzahl agonistischer
Interaktionen
Verschmutzung Euter
Hinterhand, Schwanz
Beine
Schwielen, haarlose
Stellen,
Schwellungen an
Wiederrist,
Wirbelsäule, Schultern,
Gelenken, Flanke
Bedeutung
Aussage über Liegeflächenbeschaffenheit,
Platzangebot zum Ablegen (Boxengröße) und ob
genügend Liegefläche/
Boxen vorhanden ist/sind
Zielgröße
< 6 sec,
80%, davon 50%
wiederkauend
0%
Erläuterung
Zeit stoppen: Erste Berührung des
Karpalgelenks mit dem Boden bis die Kuh
vollständig liegt
Indikator für sozialen Stress und Verletzungsgefahr,
kann Hinweis auf Konkurrenzsituationen oder
Platzmangel sein
Hinweis auf Sauberkeit von Liegeplätzen, Gängen
Hinweis auf Liegeplatzsauberkeit, Kotkonsistenz
Hinweis auf die Sauberkeit der Laufgänge
Hinweis auf zu harte oder zu feuchte Liegefläche oder
Gummimatten mit keiner oder zu harter Einstreu,
Fressgitter oder Liegeboxenabtrennungen nicht auf
Tier angepasst
< 1 pro Tier und Stunde
Gegeneinander gerichtete Verhaltensweisen:
Stoßen, Verdrängen, Aufjagen, Verjagen,
Kämpfen
< 5% der Herde deutlich
verschmutzt
< 5% der Tiere
(Bilder: Hesse)
Ausweichdistanz am
Fressgitter
Scheu vor Menschen, Handhabbarkeit, Stress bei
Herden-Score errechnen: mit einer Geschwindigkeit von 1 Schritt/sec,
Kontakt mit Menschen, wird auf Herdenbasis
100 sehr gut
einen Arm 45° vom Körper weggestreckt auf den
errechnet: 100-[(3x(%der Tiere 0-50 cm)+11x(%der
50 neutral
Kopf eines Tieres zu gehen und die Strecke:
Tiere 50-100 cm)+26x(%der Tiere >100 cm)]/26
0 sehr schlecht
Hand-Kopf beim ersten Ausweichen messen
Weitere tierbezogene Indikatoren: Body Condition Score, Lahmheitsscore, Klauenzustand, Haarkleid/Ohren/Augen/Ausfluss, Kotkonsistenz, MLP-Daten, CMT,
Zustand der Zitzen nach dem Melken, Verhornung der Zitzenkuppe
Literatur zum Weiterlesen: Hulsen, J.2012 : Kuhsignale Kontrollbuch, Arbeiten an Gesundheit, Milchleistung und Wohlbefinden. Roodbont Verlag.
Leitfaden Tierwohl der Bioverbände 2013: http://www.bioland.de/fileadmin/bioland/lv/nrw/LFTierwohl_Hlf.pdf
LAVES, Tierschutzdienst 2007: Tierschutzleitlinie für die Milchkuhhaltung:
http://www.laves.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=20137&article_id=73337&_psmand=23
Englisch: WelfareQuality® protocol for cattle: http://www.welfarequalitynetwork.net/network/45848/7/0/40
„Tierschutzlabel“ und „Initiative zum Tierwohl“ – was steckt dahinter?
Tierschutzlabel
Die Anforderungen des Tierschutzlabels gehen über die bisherigen gesetzlichen Regelungen zur Tierhaltung hinaus. Trägerschaft hat der Deutsche
Tierschutzbund. Beteiligt an der Erarbeitung der Konzepte sind Vertreter aus Landwirtschaft, Wissenschaft, Verarbeitung, Handel, Verbraucherschutz und
Tierschutz. Ziel ist es, landwirtschaftliche Betriebe, die eine tiergerechte Haltung durchführen, dafür zu entlohnen und Landwirten, Transport- und
Schlachtunternehmen einen Anreiz zu geben, tiergerechte Haltungssysteme zu etablieren sowie Verbrauchern eine Orientierung beim Kauf von tierischen
Produkten zu bieten. Im Gegensatz zur Biozertifizierung wird hierbei nur die Tierhaltung in Augenschein genommen und nicht der Gesamtbetrieb. Über die EUBiovorschriften hinausgehend sind dagegen Vorgaben für Transport und Schlachtung sowie tierbezogene Indikatoren (z.B. Verletzungen, Gehfähigkeit,
Krankheiten, Mortalität). Das Label „Für Mehr Tierschutz“, das seit Januar 2013 vergeben wird, hat eine Einstiegs- (ein gelber Stern) und eine Premiumstufe
(zwei gelbe Sterne). Die Einstiegsstufe wurde geschaffen, um einen breiten Markteinstieg und somit eine verbesserte Haltung für viele Tiere zu ermöglichen.
Schon die Einstiegsstufe bietet den Tieren beispielsweise mehr Platz, strukturierte Stallgestaltung, Beschäftigungsmaterial und eine maximale Transportdauer
von vier Stunden. Bei der Premiumstufe werden laut Deutschem Tierschutzbund „die Bedürfnisse der Tiere so weit wie möglich erfüllt“. Die
Haltungsanforderungen der Premiumstufe sind vergleichbar mit denen für Neuland- und Biobetriebe. Da die Teilnahme am Tierschutzlabel über die Vermarktung
läuft, müssen sich Landwirte (soweit sie nicht direkt vermarkten) einem teilnehmenden Vermarkter anschließen. Bisher gibt es das Label für Mastschweine und
Masthühner, der vorgelagerte Bereich (Elterntierhaltung der Masthühner, Sauenhaltung und Ferkelaufzucht) und weitere Tierarten sollen folgen. Finanziert wird
das Label einerseits über den Fleischpreis. Die Vermarkter sollen dann an die Landwirte eine Zusatzvergütung bezahlen, um deren Mehraufwand auszugleichen
(mündliche Mitteilung: Marcel Meurer 31.10.2013). Die Kosten für die Organisation durch den Deutschen Tierschutzbund werden durch Lizenzgebühren für das
Label kompensiert, welche von den Vermarktern entrichtet werden.
Quelle und weitere Informationen: http://www.tierschutzlabel.info
Initiative zum Tierwohl
Die Initiative, die 2014 in die Praxis umgesetzt werden soll, hat zum Ziel, Kriterien festzulegen und umzusetzen, die zur Verbesserung der Tiergesundheit und
des Tierschutzes in der „Fleischproduktion“ führen. Es gibt eine Steuerungsgruppe mit Vertretern aus Lebensmitteleinzelhandel (LEH), Landwirtschaft und
Fleischwirtschaft. Bisher gibt es Konzepte für Mastschweine und –hühner, Sauenhaltung und Ferkelaufzucht folgen. Der LEH, der QS-Produkte verkauft,
verpflichtet sich in einen Fond einzuzahlen, aus dem dann Landwirte Boni pro Tier und Jahr für die Erfüllung der Kriterien, unabhängig vom Preis am
Fleischmarkt, bekommen (Initiative zum Tierwohl 2013). Das Geld soll aus den Umsätzen des LEH entnommen werden, so dass das Fleisch nicht unbedingt
teurer wird (Schnippe 2013). Bei dem Konzept für Schweine soll es Basis-, Wahlpflicht- und Wahlkriterien geben. Dabei müssen von einem Betrieb alle
Basiskriterien sowie Wahlpflichtkriterien im Gesamtwert von min. 3 € Ausgleichszahlung pro Tier erfüllt werden, jedoch auf jeden Fall entweder freier Zugang zu
Raufutter (2,00 €) oder 10% mehr Platz (2,80 €) (Schnippe 2013). Die Basiskriterien entsprechen jedoch größtenteils den normalen QS-Vorgaben, was zu Kritik
führte (Brüggemann 2013, Deter 2013, Provieh 2013). Geflügelbetriebe, die am QS-System teilnehmen, können dies nur noch, wenn sie die Kriterien der
„Initiative Tierwohl“ erfüllen. Es soll unabhängige Kontrollen der Betriebe geben. Die Produkte werden nicht zusätzlich gekennzeichnet. Die Vereinbarungen
gelten zunächst für drei Jahre.
Quellen:
Brüggemann, C. 2013: Weiter Kritik an „Initiative Tierwohl“. Top agrar online, eingestellt: 07.10.2013, abgerufen: 30.10.2013: http://www.topagrar.com/news/Home-top-NewsWeiter-Kritik-an-Initiative-Tierwohl-1260296.html
Deter, A. 2013: Intitiative Tierwohl: Grüne finden Vorhaben viel zu lasch. Top agrar online, eingestellt: 10.09.2013, abgerufen: 30.10.2013: http://www.topagrar.com/news/Hometop-News-Initiative-Tierwohl-Ostendorff-will-Tierschutzvereine-mit-am-Tisch-sehen-1241798.html
Initiative zum Tierwohl 2013: Absichtserklärung zur Umsetzung der Initiativen zum Tierwohl für Schwein und Geflügel. Eingestellt: 15.10.2013, abgerufen: 30.10.2013:
http://www.topagrar.com/dl/4/3/2/3/5/4/Tierwohl_Absichtserklaerung.pdf
Provieh 2013: Schweine-Mastställe von Tierschutzlabel „light“ in der Kritik. Eingestellt: 04.02.2013, aufgerufen: 31.10.2013: http://www.bauernhoefe-stattagrarfabriken.de/node/379
Schnippe, F. 2013: 100 Mio. € für mehr Tierwohl. Schweinezucht und Schweinemast, 5/2013, S. 18-21.
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