Leidenschaft - Kirchgemeinde Weiningen

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23. Febr. 2014; Pfr. B. Botschen
Leidenschaft
Vor zwei Wochen war ich mit ein paar anderen Mitgliedern unserer Kirchgemeinde auf einem
christlichen Kongress. 8000 Mitarbeiter aus verschiedensten Gemeinden haben sich in
Leipzig versammelt, um sich für ihre Arbeit inspirieren zu lassen. Ich habe viele Anregungen
und interessanten Gedanken mitgenommen. Aber wenn man mich fragen würde, was mich
an den Rednern am meisten beeindruckt hat, würde ich sagen: Die Leidenschaft, mit der
diese Männer und Frauen ihren Glauben leben.
Diese Leidenschaft war zu spüren, als eine Inderin erzählte, wie sie Menschen - Männer,
Frauen und Kinder – befreit, die als Arbeitssklaven gehalten werden. Sie riskiert immer
wieder ihr Leben für diese Aufgabe. Aber sie hört nicht auf. Diese Leidenschaft wurde dort
deutlich, als eine Frau erzählte, wie ihre Kirche versucht, mit aller Kraft für die Nöte auf
dieser Welt einzustehen. Das war nicht die Stimme von jemandem, der ein paar Franken in
die Kollekte gibt. Das war die Stimme einer Frau, die mit allem, was sie ist und hat für diese
Aufgabe kämpft. Diese Leidenschaft war dort zu spüren, als ein Gemeindeleiter von seinem
Traum erzählte, dass seine Kirchgemeinde Liebe und Hoffnung in diese Welt bringt – so viel,
wie nur irgendwie möglich.
Das waren Menschen, die gesagt haben: „Das, was wir machen, machen wir aus ganzem
Herzen. Weil wir Gott lieben, investieren wir alles, was wir haben. Wir wollen mit aller
Leidenschaft und ganzem Einsatz das machen, was wichtig ist.“
1. Leidenschaft – ein biblischer Wert
Wenn jemand leidenschaftlich ein Ziel verfolgt, dann macht er es mit jeder Faser seines
Wollens. Mit aller Kraft. Mit ganzem Herzen. Ohne Kompromisse. Dieser Haltung begegnen
wir bei Jesus immer wieder.
Ein Beispiel dafür ist, wie die Wörter „alles“ oder „ganz“ in der Bibel verwendet werden. In
der Lesung hörten wir die Geschichte vom Schatz im Acker (Matth.13,44-46). Jesus hat sie
erzählt. Der wesentliche Punkt ist nicht, dass jemand einen Acker kauft, weil dort ein Schatz
verborgen liegt. Im Zentrum dieser Geschichte steht die Aussage: „Er verkaufte alles.“ Man
spürt etwas von der Leidenschaft, die in dieser Geschichte steckt. Was für eine Entschlossenheit, wenn jemand alles, was er hat, gibt, um diesen einen Schatz zu erwerben! Jesus
sagt zu den Leuten nichts anderes als: „Wenn es euch um Gott geht, wenn ihr diesen Schatz
heben wollt, dann seid nicht knausrig. Macht das nicht als Hobby. Seid nicht geizig mit Kraft
oder Zeit. Sondern macht das aus ganzem Herzen.“
Vom „ganzen Herzen“ habe ich schon im letzten Rejoice-Gottesdienst gesprochen. Dort ging
es darum, wie wir Gott finden können: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet,
so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr.“ (Jer.29,13-14).
Noch auffälliger wird es, als Jesus nach dem wichtigsten Gebot gefragt wird. Hier heisst es:
„Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.“
(Matth.22,37). Drei Mal kommt hier das Wort „ganz“ vor. Es geht also darum, Gott zu lieben.
Aber wenn man fragen würde: „Wie soll diese Liebe aussehen?“, dann kann es nur eine
Antwort geben: Sie ist dann genau richtig, wenn sie leidenschaftlich ist, wenn sie unser
ganzes Herz erfasst.
In der Offenbarung befiehlt Jesus dem Johannes, an sieben Gemeinden ein paar Worte zu
schreiben. Bei zwei dieser Gemeinden spricht Jesus unser heutiges Thema an. Vieles in
diesen Gemeinden scheint ganz gut zu laufen. Aber etwas ist doch passiert: Der Glaube ist
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Alltag geworden, abgeklärt, normal, brav, lau. Mit einem Wort: Die Leidenschaft fehlt! Der
einen Gemeinde sagt Jesus: „Ihr liebt mich nicht mehr wie am Anfang.“ (Offb.2,4). Am
Anfang haben diese Menschen Gott entdeckt. Sie waren begeistert. Sie gaben dem Glauben
Raum. Aber dann kam der Alltag und hat sich diesen Raum zurückerobert. Ähnlich sieht es
bei der anderen Gemeinde aus. Hier sagt Jesus: „Du bist weder kalt noch heiss. Ach, wärst
du doch das eine oder das andere! Aber du bist lau.“ (Offb.3,15-16a). Der Glaube hat seine
Kraft verloren. Er kostet wenig, bringt aber auch wenig.
2. Wie Leidenschaft entsteht
Wie weiter? Was ist, wenn diese Leidenschaft fehlt? Was ist, wenn man sich eingestehen
muss: „Ich glaube schon an Gott, aber ich habe einfach wenig Zeit, mich um ihn zu
kümmern.“ „Eigentlich weiss ich schon, dass Gott diese Welt liebt und mich braucht, um
Dinge zu ändern. Aber ich bringe es nicht übers Herz, mehr als bisher dafür zu geben.“
„Natürlich wäre es gut, Gott aus ganzem Herzen zu suchen. Aber da gibt es so viele andere
Dinge in meinem Leben. Die Sache mit Gott tritt oft in den Hintergrund.“
Was ist, wenn es nun einmal so aussieht? Kann Gott sagen: „Ich möchte, dass du
leidenschaftlich bist!“? Oder: „Liebe aus ganzem Herzen!“? Können wir beeinflussen, wie
leidenschaftlich wir sind? Überspitzt gesagt: „Kann ich auf Befehl leidenschaftlich sein?“
Ich kann mich an eine Situation erinnern, als ich im Fernsehen Snooker anschaute. Zwei
Spieler standen um einen Billardtisch mit vielen Kugeln darauf. Sie haben überlegt. Meine
Frau warf nur einen Blick auf die Sache und sagte dann: „Was findest du da nur
interessant?“ Am Anfang ging es mir bei Snooker ähnlich. Aber je mehr ich mich damit
beschäftigt habe, desto interessanter wurde die Sache. Dann kam diese Situation im
Fernsehen: Ich kannte beide Spieler, ich wusste, dass es ein wichtiges Turnier war. Ich
verstand, welche Situation sich auf dem Tisch ergeben hatte und welche Probleme die
Spieler noch lösen mussten. Wie würden sie das angehen? Welche Taktik würden sie
wählen? Je mehr ich mich mit diesem Spiel beschäftigt hatte, desto interessanter und
faszinierender wurde es.
Genauso funktioniert unsere Leidenschaft. Sie lebt davon, dass wir sie nähren. Wie bei
einem Feuer braucht die Leidenschaft immer neue Nahrung. Unsere Leidenschaft wird sich
dort entzünden, wo wir Zeit investieren, uns mit etwas auseinander setzen. Wir werden auch
durch die Leidenschaft von anderen Menschen angesteckt.
Beim Glauben ist es nicht anders: Am Suppentag in drei Wochen werde ich wie letztes Jahr
unser Projekt in Indien vorstellen. Das war ein Anlass für mich, ein paar Artikel über Indien
zu lesen, Fotos anzuschauen, ein Buch über die Arbeit dort zu lesen. In Nordindien spielt
sich nach wie vor eine riesige Tragödie ab! Sofort war mir Indien wieder näher. Ich bin kein
Mensch, der automatisch ein riesiges Anliegen für die Dritte Welt hat. Aber wenn ich mein
Herz mit den richtigen Informationen füttere, beginnt es, für diese Dinge zu schlagen.
3. Schritte zur Leidenschaft
Deshalb gibt Jesus in der Offenbarung, als er zur Gemeinde gesagt hat „Ihr liebt mich nicht
mehr wie am Anfang“ einen ganz nüchternen Rat. Er sagt nicht: „Seid leidenschaftlich!“
Stattdessen sagt er: „Mache dir bewusst, was mir dir passiert ist und verhalte dich wieder so,
wie am Anfang, als du begeistert von Gott warst.“ „Verhalte dich wieder so“, das heisst:
Schaffe Raum für mich, nimm dir wieder Zeit - verhalte dich wieder so, wie du es am Anfang
gemacht hast. Der Rest wird von alleine kommen.
Wie kann das aussehen, wenn jemand sich kaum für Gott interessiert? Vielleicht ist das
genau der richtige Moment, Gott einfach einmal eine Chance zu geben und ein LiFe-Seminar
zu besuchen. Dieses Seminar dauert nur fünf Abende und beginnt am 6.März. Man kann
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Referate zu Themen wie „Der Sinn des Lebens“, „Wie kann Gott das zulassen?“ hören und
darüber diskutieren. Es ist ein Weg, um Gott Raum zu geben. Hier geht es nicht darum, das
ganze Leben über den Haufen zu werfen. Man sagt sich einfach: „Ich habe schon in so viele
Dinge Zeit investiert. Warum nicht auch einmal in die Frage nach Gott?“ Das Interesse an
Gott wird wachsen, während man über ihn nachdenkt und diskutiert.
Wenn jemand schon mit Gott unterwegs ist, können die Worte von Jesus zur Einladung
werden, wieder ganz neu Raum für Gott zu machen. Nicht, weil die innere Leidenschaft
schon brennt. Sondern weil man es in der Vergangenheit schon erlebt hat, wie gut einem
eine enge Beziehung zu Gott tut. Das waren schöne Momente, als man intensiv für etwas
gebetet hat. Es klingt so sinnvoll, sich leidenschaftlich für etwas einzusetzen. Nicht gelangweilt mitschwimmen zu müssen. Sondern zu erleben, wie man etwas bewegt, wie das eigene
Leben etwas bewirkt, weil man sich leidenschaftlich für etwas einsetzt.
Wer die Leidenschaft in sich fühlt, darf auch noch einen Schritt weitergehen. Das war es,
was mich an diesem Kongress so berührt hat: Menschen, die die braven, normalen,
durchschnittlichen Wege verlassen haben. Menschen, die es zugelassen haben, dass Gott
ihnen ein Thema so sehr aufs Herz legt, dass sie nicht mehr ruhig sitzen bleiben konnten.
Als ich noch Theologiestudent war, habe ich das beim Thema „Gebet“ so erlebt. Ich hatte
das Gefühl: „Wenn wir nicht lernen, zu beten, dann hat alles andere keinen Sinn! Es bringt
nichts, es hat keine Kraft!“ Dieses Anliegen wurde so stark, dass ich eines Tages den Pfarrer
darauf angesprochen habe und gesagt habe: „Wir müssen mehr beten!“ Da hat er gesagt:
„Dann predige doch darüber!“ Das wurde meine erste richtige Predigt, die ich jemals
gehalten habe.
Was würde dir Gott aufs Herz legen, wenn du ihm den Raum dafür geben würdest? Würdest
du gegen die Not auf dieser Welt kämpfen? Würde dich das Anliegen umtreiben, dass auch
andere Menschen Gott entdecken? Ginge es um das Gebet und du könntest nicht ruhig
schlafen, bis du andere motiviert hättest, mit dir zu beten? Wo würdest du die braven und
durchschnittlichen Wege verlassen und neue Wege gehen?
Auf diesem Kongress habe ich wieder einmal etwas von der Kraft gespürt, die in einem
leidenschaftlichen Glauben liegt. Ich habe gespürt, wie oft ich brav, vernünftig, abgeklärt,
normal und lau geworden bin. Ob uns Gott herausfordern darf? Ob Gott sagen darf: „Mach‘
es von ganzem Herzen!“? Gott fragt uns – was antworten wir ihm? AMEN.
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