Dias vom 27.4.2006 - 11.5.

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Gut & Böse
Proseminar SS 2006, Universität München
Daniel von Wachter
Epost: epostETvon-wachter.de, http://daniel.von-wachter.de
Sind Werte wieder in?
• Allensbach-Umfrage: Gutes Benehmen,
Disziplin, Gewissenhaftigkeit.
• Ist Moral auch wieder in? Ist es wieder in,
das Gute zu fördern und dem Bösen zu
wehren?
• Beispiele: Embryonenforschung,
Abtreibung, Mauergrundstücke.
Thesen gegen die Moral
• Weg mit der Moral! Weg mit der Tugend! Weg
mit den Spießern! Weg mit der bürgerlichen
Gesellschaft!
• Die Moral ist ein Herrschaftsinstrument.
• Die Moral ist kulturabhängig.
• Moral ist subjektiv. Moral und Werte sind keine
Tatsachen.
• Moralische Urteile sind nicht wahr oder falsch,
sondern Äußerungen von Einstellugnen.
Thesen für die Moral
• „adikeisqai tou adikeinai beltion estin“
(Sokrates im Gorgias, 475)
– Unrechtleiden ist besser als Unrechttun.
Denn wer Unrecht tut, leidet Schaden an
seiner Seele.
Verfassung
• Bayerische Verfassung, Art. 131:
– Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott,
Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der
Würde des Menschen, Selbstbeherrschung,
Verantwortungsgefühl und
Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft und
Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und
Schöne und Verantwortungsbewusstsein für
Natur und Umwelt.
Gutes
• Am 29. Juli 1941 opferte sich Pater Maximilian Kolbe für
den Familienvater F. Gajowniczek im KZ Auschwitz.
• Am 20. Juli 1944 verübte Claus Graf von Stauffenberg
einen Anschlag auf Adolf Hitler.
• „Der Samariter ging zu dem Verletzten, goß Öl und Wein
auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein
Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Am
nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie
dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr
ausgibst, will ich dir's bezahlen, wenn ich wiederkomme.“
Böses
• Am 30. November 1989 wurde Alfred Herrhausen
ermordet.
• Am 22. Februar 1943 wurden Hans und Sophie Scholl vom
Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt
und hingerichtet.
• Am 29. November 1973 drohten drei Studenten dem FUAnglisten Prof. Scheler: „Dich schaffen wir auch noch. Du
bist der Erste, der einen Genickschuß abkriegt.“
• NN brach am 17. Mai 2003 die Ehe.
DIE FRAGE
• Ist es etwas zu Entdeckendes, welche
Handlung in einer bestimmten Situation
gut, welche schlecht ist?
Fragen
• Gibt es wahre Aussagen der Form
„Müllers Ehebruch war eine böse Tat“?
• Ist eine gute Tat gut unabhängig davon,
ob andere sie für gut halten?
• Sind moralische Tatsachen auf nichtmoralische Tatsachen, z.B. Wünsche
zurückführbar?
Weitere Fragen
• Soll man immer dem Gesetz gehorchen?
• Welchen Gesetzen soll man gehorchen?
• Wie wichtig ist es zu wissen, ob eine Tat
gesetzeswidrig (z.B. „völkerrechtswidrig“) ist?
• Was ist eine Versuchung?
• Was ist eine Tugend?
• Was ist das Gewissen?
Organisatorisches
• http://www.lrz-muenchen.de/~dvw/lv/06ss/index.htm
via http://daniel.von-wachter.de
• In Epost-Verteiler eintragen!
• Leistungsanforderungen
• Heute 20.00 h informelles Treffen im
Wirtshaus Atzinger?
Texte
• Haupttext: David McNaughton,
Moralisches Sehen (1988)
• Weitere Texte
Philosophie ist nicht
Philosophiegeschichte
• Ziel: Auf philosophische Fragen Antworten
geben und argumentativ verteidigen.
– D.h. sagen, was für die Antwort spricht.
– Die Argumente anderer Autoren entweder verwenden
oder entkräften.
– Das Lesen von Texten ist trotzdem notwendig.
• Etwas ganz anderes: Über Argumente oder
über Texte oder über Autoren oder über
Auffassungen schreiben.
Wahrheit versus Gewißheit
• Heißt „Es ist wahr, daß es keinen Gott gibt“, daß es auch
gewiß ist, daß es keinen Gott gibt?
• Heißt „Es ist wahr, daß Müllers Ehebruch böse war“, daß
es auch gewiß ist, daß es keinen Gott gibt?
• Ja: epistemischer Wahrheitsbegriff
Nein: nicht-epistemischer Wahrheitsbegriff
• „Letztbegründung“
– Einige Autoren erwarten oder erhoffen sie, glauben aber,
daß es keine gibt.
• Was ist die Alternative zu Letztbegründung?
Wahrheit versus Gewißheit
• „Es ist wahr für die Mohammedaner, daß
Mohamed der Prophet Gottes ist“.
– Heißt das „Mohammedaner glauben, daß
Mohamed der Prophet Gottes ist“?
Supererogatorische Taten
• Maximilian Kolbes Selbstaufopferung war
mehr als die Pflicht verlangte.
• Eine supererogatorische Tat ist eine gute
Tat, deren Unterlassung keine Schuld
gebracht hätte.
Weitere Fragen
• Was ist eine Versuchung?
• Was ist das Gewissen?
• Beispiele von Gut und Böse
Proseminar „Gut und Böse“
4. Mai 2006
Daniel von Wachter
http://daniel.von-wachter.de
Epost: daniel ET von-wachter.de
Philosophische Methode
•
Beim Beginn des Lesens eines Kapitels versuchen, die
Hauptfrage oder das Thema herauszufinden.
•
Die vom Autor gegebene Antwort herausfinden.
– Dazu eventuell den letzten Abschnitt lesen
•
Dann dito für jedes Unterkapitel und jeden Abschnitt.
•
Nicht in Details verheddern. Manche Unklarheiten klären sich
später oder sind unwichtig oder sind Schuld des Autors.
•
Begriffsdefinitionen des Autors beachten. Evtl aufschreiben.
– Wenn keine expliziten BD, herausfinden, wie Verf den Begriff
verwendet.
– Begriffe in Lexika nachschlagen (Papier oder Internet)
Stil
• Nicht: Der Moralische Realismus geht
davon aus/ setzt voraus, daß…
– Sondern: Der MR nimmt an/ behauptet/ ist
die These daß.
Gemäß dem MR….
Der MR behauptet folgendes: …
Moralische Einzelurteile versus
Allgemeinurteile
• Einzelurteil: „Müllers Ermordung von Huber war
böse“
• Allgemeinurteil: „Töten ist böse“
– Ist Töten immer böse?
• Implizieren Einzelurteile Allgemeinurteile?
Implizieren Allgemeinurteile Einzelurteile?
• Provisorischer Ausweg: „Töten ist böse, wenn
keine höheren Güter eine Tötung gut machen“.
Überzeugung, Glaube, Meinung,
(belief)
• Ist jedes Wissen ein Glaube?
• Zwei Begriffe von „Glauben“:
– Jedes Fürwahrhalten
– Nur nicht-optimal begründetes, nicht-maximalstarkes Fürwahrhalten
• Eine Überzeugung hat eine Stärke.
– Gibt es eine maximale Stärke?
• Wie verhält sich Glauben zu
Wahrscheinlichkeit?
Wissen
•
Ist jedes Wissen eine maximal-starke
Überzeugung?
•
Ist jedes Wissen unumstößlich sicher und
begründet?
•
X weiß, daß p, genau dann, wenn:
1. X glaubt, daß p;
2. p ist wahr;
3. Zwei Vorschläge:
a) X‘s Überzeugung ist gerechtfertigt (=vernünftig,
rational) (Wissensinternalismus)
b) X‘s Überzeugung ist durch kognitiven Kontakt mit p
entstanden (Wissensexternalismus)
Wie kann ein Amoralist moralische
Einstellungen kritisieren?
• Konsistenzbedinungen
– Sind alle konsistenten moralischen Systeme
gleichgut?
• Was außer Konsistenz wollen wir noch
von unseren moralischen Einstellungen?
– Wahrheit?
Gut und Böse
11. Mai 2006
Daniel von Wachter
http://daniel.von-wachter.de
Was ist Wahrheit?
•
Wenn X wahr ist, was ist X für eine Art von Ding?
– Ein Satz? Eine Überzeugung (individuell oder universal)?
•
Standardfall: „Die Rose dort ist rot“
– Beziehung zwischen Überzeugung und Gegenstand
– „Wahrmacher“
•
Andere Fälle (liegt in all diesen Fällen Wahrheit vor?):
–
–
–
–
„Die Rose ist nicht rot“
„2+3=5“ (wahr oder gültig?)
„Junggesellen sind unverheiratet“
„Unverheiratete Männer sind unverheiratet“
Moralischer Realismus
• „Es gibt eine moralische Wirklichkeit, die von unseren
moralischen Überzeugungen unabhängig ist und die
festsetzt, ob sie wahr oder falsch sind.“
• Stimmt es, daß moralische Tatsachen nicht davon
abhängen, was Menschen für richtig halten? Gibt es
Ausnahmen?
– Ausnahmen: Ein Vater sagt zum Sohn: „Wasche das
Geschirr ab.“
• Zitat: „Wenn nicht die VN, wer soll dann bestimmen, was
richtig ist? Wo kommen wir da hin [o.ä.], wenn die USA
selbst/ allein entscheiden (z.B. über einen Angriff)?“
– Was könnte ein Realist antworten?
Moralischer Antirealismus
• Es gibt moralische Einstellungen, aber es gibt
nichts, das diese wahrmacht.
– Es gibt nicht …
– Mackie: „Es gibt keine objektiven Werte“ („Moralische
Skepsis“)
– Auch „Subjektivismus“, „Amoralismus“
• Eine Version des AR ist der Non-Kognitivismus.
Moralischer Nicht-Kognitivismus (NK)
• Wie lautet das Prinzip, durch das der NK
begründet wird? (1.4. erster Absatz)
– Wenn etwas eine Überzeugung ist, dann kann man
es haben, ohne irgend eine Gefühlseinstellung dazu
zu haben.
– Aufgabe (1): Versetzen Sie sich in die Haut eines
Non-Kognitivisten und beantworten Sie die Frage
"Weshalb sind moralische Einstellungen keine
kognitiven Zustände, z.B. keine Überzeugungen"?
(Vgl. McNaughton, Kap. 1.4.)
Aufgabe 1
• Die Frage beantworten!
• Nicht „Gemäß dem NK …“
Musterantwort auf (1)
• Kognitive Zustände sind von Gefühlen ganz
verschieden. Überzeugungen sind nie an
Gefühle geknüpft. Moralische Ansichten sind
hingegen an Gefühle geknüpft. Hält man eine
Tat für böse, empfindet man notwendig auch
Verachtung dafür. Deshalb sind moralische
Ansichten keine kognitiven Zustände und
weder wahr noch falsch.
Argument des NK
1. Wenn etwas eine Überzeugung ist, dann kann
man es auch ohne ein Gefühlseinstellung
dazu haben.
2. Wenn etwas eine moralische Einstellung ist,
dann ist es mit Gefühlen verbunden.
•
Wenn etwas eine moralische Einstellung ist,
dann ist es keine Überzeugung.
Moralischer NK (cont)
•
Wie beschreibt ein NK das Entstehen einer moralischen
Verurteilung?
•
Was erklärt somit der NK?
– Daß wir nicht ohne Gefühl etwas mor. beurteilen können.
– Was kann der Realist entgegnen?
• Wir können etwas ohne Gefühl mor. beurteilen.
• Mor. Urteile sind Überzeugungen (Behauptungen), die Gefühle mit
sich bringen.
•
Was für Gefühle scheinen mor. Urteile mit sich zu bringen?
– Abscheu/ Wohlgefallen.
– Der Wunsch, das Betreffende möge existieren bzw. nicht existieren.
– Bei eigenen Handlungen: Motivation.
Toleranz
• Wie kann ein NK Toleranz begründen? (1.5. d)
• „Keine moralische Einstellung ist besser als
eine andere. Daher hat keiner die Autorität, die
Einstellungen anderer zu kritisieren. Wer
annimmt, daß es moralische Wahrheit gibt, wird
leicht andere bedrängen und intolerant
behandeln.“
Toleranz: Einwände gegen NK
• [siehe McNaughton]
• Wie kann ein MR Toleranz begründen?
Moralischer NK (cont)
• Wie kann man den NK als Befreiung sehen?
• Kann man glauben, daß es keine „objektiven
Werte“ (Mackie) gibt, und sich rationaler Weise
weiterhin für das Gute einsetzen?
– Welche Antwort gibt der NK? (Kap. 1.5.)
– Welche Antwort gibt der MR?
• Wir setzen uns für die Rechte der Beraubten ein/
ziehen Kinder auf/ etc., weil wir das für objektiv gut
halten.
Wäre das Leben gemäß NK
sinnlos?
• Sartre [?]: Das Leben ist sinnlos, absurd.
• NN: NK, aber das Leben ist nicht sinnlos.
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