GIBZ Gewerblich-industrielles Bildungszentrum ZUG 4.1 KON1/PME1/AU1 Physik Energieformen und –Umwandlung Definition: Energie ist die Fähigkeit eines Körpers, mechanische Arbeit zu verrichten. Damit mechanische Arbeit verrichtet werden kann, muss Energie in vielen Fällen vorher umgewandelt werden, z.B. wird elektrischer Strom in einem Elektromotor in mechanische (Bewegungs-) Energie umgewandelt. Die obige Definition ist nicht in allen Fällen gültig, es gibt auch körperlose Energie (z.B. in einem Magnetfeld). Eigenschaften der Energie: Energie kann auf einen anderen Körper übertragen werden. Die kinetische Energie einer Kugel wird auf die nächste Kugel übertragen, die letzte Kugel führt die Bewegung fort. Energie kann in eine andere Form umgewandelt werden Die Spannenergie des Bogens wird in kinetische Energie umgewandelt und auf den Pfeil übertragen. Energie kann nicht vernichtet werden. Bei Umwandlungen und Uebertragungen wird ein Teil der Energie in unerwünschte Formen umgewandelt. 5% Licht 95% Wärme Kap. 4.1: Energieformen und -Umwandlung Seite 52 GIBZ Gewerblich-industrielles Bildungszentrum ZUG KON1/PME1/AU1 Physik Energieformen: Wir unterscheiden verschiedene Energieformen: 1. Bewegungs- oder kinetische Energie Jeder physikalische Körper kann durch Kraftaufwendung in Bewegung gesetzt werden. Er erhält durch den Kraftzufuhr kinetische (Bewegungs-) Energie. Ein Auto mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h enthält so viel Energie, dass es beim Zusammenprall mit einer Mauer komplett zerstört wird. Im Automobilbau sucht man nach Wege, diese Energie so abzuleiten, dass die Fahrerkabine möglichst unbeschädigt bleibt (passive Sicherheit). 2. Thermische (Wärme-) Energie Thermische Energie zeigt sich als Schwingung, bzw. Umherschiessen von Molekülen und Atomen. Um so höher die Temperatur eines Körpers, um so stärker seine Molekularbewegung. Thermische Energie entsteht bei vielen Prozessen, u.a.: aus chemischen Vorgängen (Verbrennung von fossilen Brennstoffen, Gärung) aus Reibung: (Feuerbogen, Bremsen) aus Elektrizität (Erwärmung von Stromleitungen, Elektroheizungen) Beim absoluten Nullpunkt ist die Bewegungsenergie aller Teilchen eines Körpers beinahe Null. Es bleibt die sogenannte Nullpunktsenergie, welche nicht mehr entfernt werden kann. 3. Potentielle Energie (z.B. Spannenergie, Lageenergie) 3.1 Spannenergie In einem Körper kann Spannenergie „gelagert“ werden. Oft kann diese Energie bei Bedarf abgerufen werden (z.B. Pfeilbogen, Uhrenbau). Im Automobilbau setzt man Federn ein, um Unregelmässigkeiten im Strassenbelag „abzufedern“. Hierbei wird Energie vorübergehend in Spannenergie umgewandelt. Nicht jedes Material und nicht jede Form ist gleich gut zur Federung geeignet. Bewährt haben sich Spiral- und Blattfedern. 3.2 4. Lageenergie Um einen Körper hoch zu heben, bedarf es Energie. Diese Energie geht nicht verloren, sondern bleibt als Lageenergie erhalten. Lässt man einen Stein aus 10 cm auf den Fuss fallen, richtet er beim Aufprall wenig Schaden an. Anders sieht es aus, wenn der gleiche Stein auf eine Höhe von 10 m angehoben wird und einem dann auf den Fuss fällt. Chemische Energie (z.B. Verbrennungsenergie) Aus chemischen Prozessen kann Energie gewonnen werden. Umgekehrt erfordern gewisse chemische Vorgänge einen Energiezufuhr, damit sie überhaupt anlaufen. Bei vielen chemischen Vorgängen wird Energie freigesetzt, z.B. bei der Oxidation (= sich Verbinden mit Sauerstoff = Verbrennung), bei der Neutralisation von Säuren und Basen, usw. Die Wasserstofftechnologie beruht auf der Erkenntnis, dass aus Wasser mittels elektrischem Strom Wasserstoff gewonnen werden kann. Der Wasserstoff kann transportiert werden und an einem beliebigen Ort z.B. in einer Brennstoffzelle wieder oxidiert werden, wonach die anfänglich zugeführte Energie wieder freigesetzt wird. Wasserstoff als Ersatz für fossile Brennstoffe wird voraussichtlich einer der wichtigsten Energieträger der Zukunft. Kap. 4.1: Energieformen und -Umwandlung Seite 53 GIBZ Gewerblich-industrielles Bildungszentrum ZUG KON1/PME1/AU1 Physik 5. Elektrische Energie (z.B. aus einem Stromnetz) Elektrischer Strom ist nicht anderes als ein Strom von Elektronen (Atombausteine, die vom Atomkern nur schwach angezogen werden), die vom Minus- zum Pluspol bewegen. Die Erzeugung von elektrische Strom geschieht vor allem mittels Generatoren (Dynamos, Alternatoren). Auch aus chemischen Prozessen (Batterien, Akkumulatoren, Brennstoffzellen) lässt sich elektrischer Strom erzeugen. In vielen Fällen ist die Stromerzeugung an Ort und Stelle nicht möglich, weshalb er über ein Stromnetz verteilt wird. 6. Elektromagnetische Energie (z.B. Radio- und Infra-Rot-Strahlung) Elektromagnetische Energie pflanzt sich als wellenförmige* Strahlung fort. Auch Licht ist eine elektromagnetische Strahlung. Diese Energieform wird bereits vielfältig genutzt u.a. für Beleuchtung, Infra-Rot- und Ultraviolett- Leuchten, Sonnenkollektoren, Photovoltaik, Laser-Technologie). Radio- und Telefoniewellen (Handy’s) stellen auch eine Energieform dar. Vor allem die Benutzung der Handy’s und die damit verbundene möglicherweise schädliche Auswirkung dieser Energie auf Menschen wird immer wieder diskutiert. 7. Atomenergie (z.B. aus Kernfusion oder –Spaltung) Durch Spaltung oder Fusion von Atomkernen lässt sich ebenfalls Energie gewinnen. Die Kernspaltung ist wegen der grossen Sicherheitsrisiken (aktive und passive Sicherheit, Abfalllagerung) sehr umstritten. Die Kernfusion ist bereits Realität (sie findet z.B. auf der Sonne statt), sie ist jedoch auf der Erde technisch noch nicht umsetzbar. *) wellenförmige Energieübertragung: Bei der Tsunami-Katastrophe Ende 2004 wurde auch die afrikanische Küste getroffen. Der Tsunami entstand durch ein Erdbeben vor der indonesischen Küste. Die Energie pflanzte sich nicht als Bewegung einzelner Moleküle fort, sondern durch Energieübertragung auf benachbarte Moleküle (siehe Newton-Pendel). Energie kann also auch ohne Teilchentransport übertragen werden. Kap. 4.1: Energieformen und -Umwandlung Seite 54 GIBZ Gewerblich-industrielles Bildungszentrum ZUG KON1/PME1/AU1 Physik Energiegewinnung: Die grösste Herausforderung des 21. Jahrhundert besteht darin, die weltweit zunehmende Nachfrage nach Energie zu decken. Die Ursachen für diesen starken Anstieg sind u.a. - Zunahme der Weltbevölkerung die zunehmende Industrialisierung das immer grösser werdende Mobilitätsbedürfnis der Menschen Änderungen im Konsumverhalten der Menschen Die weitaus wichtigste „Rohstoffquelle“ für die Energiegewinnung (Energieträger) war bis anhin das Erdöl. Diese Quelle ist jedoch endlich und wird nach letzten Schätzungen in etwa 30 bis 40 Jahren ausgeschöpft sein. Ähnlich sieht es aus bei anderen fossilen Energieträgen wie z.B. Erdgas, Kohle und Braunkohle. Zudem werden bei der Verbrennung dieser Energieträger Stoffe in die Umgebung abgegeben, die negative Auswirkungen auf die Umwelt haben (Kohlendioxid Treibhauseffekt Klimaerwärmung). Eine weitere wichtige Quelle stellen die Wasserkraftwerke da und es werden in diesem Zusammenhang immer noch Grossprojekte geplant und ausgeführt (China, Brazilien, Turkei, Rumänien, usw.). Ein weiterer Teil des Energiebedarfs wird erzeugt in Atomkraftwerken. Diese sind aus folgenden Gründen sehr umstritten: - aktive Sicherheit (Sicherheit während des Betriebes) es gibt Hunderte von bekannten Störfällen, welche mehr oder weniger glimpflich ausgegangen sind, der bekannteste ist wohl Tschernobyl in der Ukraine, wodurch grosse Teile Europas radioaktiv verseucht wurden. - passive Sicherheit (Sicherheit gegen Einwirkung von aussen) Was passiert mit AKW-s bei kriegerischen Auseinandersetzungen und Terroranschlägen? Wie gut sind sie gesichert gegen Flugzeugabstürzen oder etwa Erdbeben. Es wird sicherlich alles unternommen um diese Risiken äusserst klein zu halten, ein Restrisiko mit unvorstellbar grossen Auswirkungen bleibt dennoch. - sichere Lagerung von Atomabfällen Es entstehen hoch-, mittel- und schwachradioaktive Abfälle, die über Jahrtausende gefährlich bleiben und deren Endlagerung keinesfalls gesichert ist. Bereits die Endlagerung von schwachradioaktiven Abfällen in Gorleben BRD) ist heute in Frage gestellt. Die hochradioaktiven Abfälle müssen während der Lagerung während Tausende von Jahren gekühlt werden. Diese Probleme bleiben bis heute technisch ungelöst und über die Kostenfrage wurde bis anhin kaum diskutiert (was kostet das Sicherheits-Dispositiv, wie lange muss es aufrecht erhalten bleiben, wer trägt die Kosten und, wenn dies die AKW-Betreiber sein sollten, was passiert wenn sie ihre Firmen liquidieren) Höchste Zeit also nach alternativen Energiequellen zu suchen. Kap. 4.1: Energieformen und -Umwandlung Seite 55 GIBZ Gewerblich-industrielles Bildungszentrum ZUG KON1/PME1/AU1 Physik Energieumwandlung Jede Energieform kann direkt oder indirekt in eine andere Energieform umgewandelt werden. Diese Eigenschaft kommt dem Menschen als grosser Energiekonsument sehr gelegen. Im Alltag wandeln wir elektrischen Strom in Licht, Wärme, Drehbewegung oder elektromagnetische Wellen um, wir benutzen Erdölprodukte für den Transport von Gütern und Menschen und wandeln dabei chemische in Bewegungsenergie um. Die Aufgabe auf Seite 4.1.6 soll Ihnen helfen, sich verschiedenen Umwandlungen, die Sie alle bereits aus dem Alltag kennen, vor Augen zu führen. Aufgabe Die nummerierten Pfeile zeigen einige Umwandlungen zwischen verschiedenen Energieformen an. Suchen Sie für jede Nummer ein Gerät bzw. einen Vorgang, bei dem die skizzierte Energieumwandlung stattfindet. Hinweise: - Es sind verschiedene Lösungen möglich. Es gibt noch wesentlich mehr mögliche Energieumwandlungen zwischen den dargestellten Energieformen. 1. 7. 2. 8. 3. 9. 4. 10. 5. 11. 6. 12. Kap. 4.1: Energieformen und -Umwandlung Seite 56