Mnemosyne Formen und Funktionen der kulturellen Erinnerung

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ALEIDA ASSMANN, DIETRICH HARTH (HG.)
Mnemosyne
Formen und Funktionen
der kulturellen Erinnerung
Zu diesem Buch
Nicht nur die Entwicklung und die Geschichte von Individuen, sondern auch die
von Gruppen und Gesellschaften sind gebunden an das Vermögen der Erinnerung.
Es gibt keine Gedanken ohne Gedenken, keine Überlieferung ohne Gedächtnis.
Und selbst der Einspruch gegen das Vergangene, die Erfindung des Neuen entzünden sich an der Erfahrung, daß wir geworden sind, was wir sind. Kultur ist anders
nicht möglich als durch Erinnerung und Eingriff ins Erinnerte.
Die vielfältigen Formen und Funktionen des Gedächtnisses und ihre soziale Bedeutung sind Gegenstand der hier versammelten neunzehn Studien, die unter verschiedenen Gesichtspunkten die Konstruktions- und Rekonstruktionskräfte des Erinnerns im inneren Haushalt kultureller Produktivität erschließen - ein wichtiges
Unternehmen angesichts der wachsenden Versuchungen, die heute ganze Bereiche ,. )!:·.
des Lebenszusammenhangs der Gesellschaft dem Vergessen, der Verdrängung und
der (bewußten oder unbewußten) Zerstreuung anheimzugeben drohen.
Mit Beiträgen von
Aleida Assmann, Jan Assmann,
Hinrich Biesterfeldt, Lina Bolzoni,
Peter Burke, Bernhard Buschendorf,
Silvia Ferretti, Horst Folkers,
Monika Gomille, Dietrich Harth,
Ivan Illich, Barbara Keller,
Ludolf Kuchenbuch, Massimiliano Rossi,
Siegfried J. Schmidt, Dietrich Schubert,
Horst Wenzel, Siegfried Wiedenhofer,
Gotthart Wunberg
Die Herausgeber
Aleida Assmann, geboren 1947, studierte Anglistik und Ägyptologie in Heidelberg
und Tübingen. Promotion 1977 in Heidelberg. Von 1972 bis 1980 Lehrtätigkeit im
Anglistischen Seminar der Universitäten Heidelberg und Mannheim. Gründete
1978 zusammen mit Jan Assmann den kulturwissenschaftlichen Arbeitskreis »Archäologie der literarischen Kommunikation«, aus dem bisher drei Sammelbände
hervorgegangen sind: Schrift und Gedächtnis (zusammen mit Jan Assmann und
Christof Hardmeier), 1983; Kanon und Zensur (zusammen mit Jan Assmann),
1987; Weisheit, 1990. Weitere Veröffentlichungen: Die Legitimität der Fiktion,
1980, sowie verschiedene Aufsätze in literatur- und kulturwissenschaftlichen Zeil•
schriften und Sammelbänden.
Dietrich Harth, geboren 1934, Ausbildung zum Großhandelskaufmann, danach
Studium der Germanistik, Altphilologie, Soziologie und Pädagogik. Er lehrt ge~·
manistische, allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft an der U niversitMI
Heidelberg. Wissenschaftliche Schwerpunkte in den Grenzbereichen zur PhilosO•
phie, Historiographie und Kulturanthropologie. Herausgeber von Propädeutik J„
Literaturwissenschaft, 1973; Karl ]aspers. Denken zwischen Wissenschaft, Politilt
und Philosophie, 1989; Die Erfindung des Gedächtnisses, l99r. Mitherausgeber
von: Erkenntnis der Literatur. Theorien, Konzepte, Methoden, 1982; Pazifism/41
zwischen den Weltkriegen, 198 5; Denis Diderot oder die Ambivalenz der Aufk"·
rung, 1987; Kultur und Konflikt, 1990.
FISCHER TASCHENBUCH VERLAG
ALEIDA ASSMANN
Zur Metaphorik der Erinnerung
Wer über Erinnerung spricht, kommt dabei nicht ohne Metaphern
aus. Das gilt nicht nur für literarische oder vorwissenschaftliche Reflexionen. Auch in der Wissenschaft geht jede neue Gedächtnis-Theorie
meist mit einer neuen Bildlichkeit einher.' Das Phänomen Erinnerung
verschließt sich offensichtlich direkter Beschreibung und drängt in die
Metaphorik. Bilder spielen dabei die Rolle von Denkfiguren, die die
Begriffsfelder abstecken und die Theorien orientieren. »Metaphorik«
ist auf diesem Gebiet nicht umschreibende, sondern den Gegenstand
zuallererst erschließende, konstituierende Sprache. Die Frage nach
den Gedächtnis-Bildern wird damit zugleich zur Frage nach unterschiedlichen Gedächtnismodellen, ihren Kontexten, Bedürfnissen,
Sinnfigurationen.
In einem knappen, wegweisenden Aufsatz zum Thema hat Harald
Weinrich festgestellt, daß im Bereich der Memoria-Metaphorik nicht,
wie man annehmen könnte, eine bunte, unüberschaubare Bilder-Fülle
herrscht. 2 Nach seiner Ansicht gibt es überhaupt nur zwei Zentralmetaphern: die Wachstafel und das Magazin. Sie haben ihre spezifische
Herkunft und gehören bestimmten Traditionen an. Die Magazin-Metapher stammt aus dem Kontext der Sophistik und Rhetorik, der pragmatischen Ausarbeitung von Sprachfertigkeit und Gedächtniskapazität im Rahmen einer erlernbaren Technik überzeugender Rede. Die
von Platon elaborierte Wachstafel-Metapher dagegen bezieht sich
nicht auf ein artifizielles, sondern auf das natürliche Gedächtnis. Dieses erscheint als eine geheimnisvolle göttliche Gabe und wird im Innersten der menschlichen Seele angesiedelt.
Weinrich faßt seine These mit folgenden Worten zusammen:
»Die Zweiheit der Memoria-Bildfelder ist ein Faktum der abendländischen
Geistesgeschichte. Sie hängt wahrscheinlich mit der Doppelheit des Phänomens Memoria zusammen; die Magazinmetaphern sammeln sich nämlich vorwiegend um den Pol Gedächtnis, die Tafelmetaphern hingegen um den Pol
Erinnerung.«J
Ist die »Doppelheit des Phänomens Memoria« tatsächlich so eindeutig
in der Lexik der deutschen Sprache begründet, die uns hilfreich die
13
Doppelung von »Erinnerung« und »Gedächtnis« anbietet? Unabweisbar ist gewiß die Tatsache, daß das doppelte lexikalische Angebot
immer wieder zu terminologischen Fixierungen Anlaß gegeben hat. 4
Verbleiben wir auf dem Boden des alltäglichen Sprachgebrauchs, dann
erscheint Gedächtnis als virtuelle Fähigkeit und organisches Substrat
neben Erinnerung als aktuellem Vorgang des Einprägens und Rückrufens spezifischer Inhalte. Wer sich das einmal klargemacht hat, der
wird zugleich feststellen, daß sich beide »Pole« nicht ohne Schaden
voneinander trennen lassen. Statt Gedächtnis und Erinnerung als Begriffsopposition zu definieren, sollen sie hier vielmehr als Begriffspaar,
als komplementäre Aspekte eines Zusammenhangs aufgefaßt werden,
die in jedem Modell gemeinsam auftauchen.
Indem wir die Frage nach der Gedächtnismetaphorik wieder aufnehmen, riskieren wir, das von Weinrich so konzise und klar gezeichnete
Bild etwas zu verwischen. Aber nicht durch den Zustrom beliebiger
Gedächtnismetaphern, die gewiß ohne Zahl sind, soll das geschehen,
sondern durch Erweiterung der vorgeschlagenen Matrix um zwei, für
die »abendländische Geistesgeschichte« möglicherweise gleichrangig
wichtige Komplexe. Mit der Verdoppelung der Memoria-Bil<lfclder
von zwei auf vier ist indessen kein Anspruch auf typologische Vollständigkeit erhoben. Meine Beispielreihe nimmt Weinrichs raumorientierte Bildfelder des Magazins und der Tafel auf und erg:inzt sie
um die beiden zeitorientierten Metaphern des Erwachens und des
Erweckens.
I.
LI
Räumliche Gedächtnis-Metaphern
Gebäude-Metaphern: Tempel und Bibliothek
Seit der antiken Mnemotechnik, jener Lehre, die dem notorisch unzuverlässigen natürlichen Gedächtnis ein zuverlässiges artifizielles Gedächtnis implementierte, besteht eine unverbrüchliche Verbindung
zwischen Gedächtnis und Raum. Der Kern der ars memorativa besteht aus »imagines«, der Kodifizierung von Gedächtnisinhalten in
prägnanten Bildformeln, und »loci«, der Zuordnung dieser Bilder zu
spezifischen Orten eines strukturierten Raumes. Von dieser topologischen Qualität ist es nur ein Schritt zu architektonischen Komplexen
als Verkörperungen des Gedächtnisses. Es ist der Schritt von Räumen
als mnemotechnischen Medien zu Gebäuden als Symbolen des Gedächtnisses. Zwei solchen Gebäuden wollen wir uns zuwenden: dem
Ruhmestempel und der Bibliothek.
Ein frühes Beispiel für die imaginäre Visualisierung des kollektiven
Gedächtnisses als Ruhmestempel ist Chaucers Verserzählung The
House of Farne (1383). Das Gedicht erzählt vom Tempel der Göttin
Fama, dessen Ort der Mittelpunkt der Welt ist:
»right even in middes of the weye
Betwixen hevene, erthe, and see.«
Die zentrale Lage ist wichtig, denn hierher gelangen alle Nachrichten
und Botschaften, die nur irgendwo verlauteten. Was immer gesprochen, geflüstert, geschrieben oder gesungen worden ist, gravitiert mit
Notwendigkeit zu diesem seinem Bestimmungsort. Ob es jedoch als
memorierwürdig ausgesondert wird und im Tempel einen festen Ort
erhält, ist eine andere Frage. Über das ohrenbetäubende Stimmengewirr an diesem Ort, den man sich vorzustellen hat als eine Art Nachrichten-Börse, wohin alle Informationen von kollektivem Interesse
gelangen, herrscht Fama, die nicht weniger launisch ist als ihre Schwester Fortuna. Sie ist keinem Wahrheits-Ethos verpflichtet und steht
wie Fortuna mit der Zeit im Bunde. Der Palast der Fama ist deshalb
auch nicht etwa auf Granit, sondern auf einem mächtigen Eisblock
erbaut. An der Südseite haben die eingemeißelten Ruhmesberichte
bereits erheblich gelitten, während sie auf der schattigen Nordseite
noch recht gut erhalten sind.
Den Inhalt dieses Gedächtnis-Tempels bilden die Ruhmestaten der
heldenhaften Vorfahren. Aber die Tat selbst gelangt nicht in den Tempel, weil sie geschehen, sondern weil sie besungen bzw. erzählt ist. Die
Künder der Taten sind die Buchhalter des Gedächtnisses. Zwischen
Dichtern und Historikern wird hier nicht unterschieden. Sie alle sind
Organe des Ruhms, ob sie nun Josephus, Statius, Homer, Vergil,
Ovid, Lucan oder Claudian heißen. In einer vor-schriftlichen Kultur
sind nicht Bücher, sondern Barden und Chronisten die »Datenträger«,
und so werden sie auch visualisiert: als Säulen für die ruhmreichen
Stoffe. Aber so wie die Helden auf ihre Sänger angewiesen sind, so
sind diese wiederum auf die Fama angewiesen. Welcher Delegation ein
Ehrenplatz in der Ruhmeshalle zugestanden wird und welcher nicht,
das entscheiden nicht die Verdienste, sondern allein der unberechenbare Wille der Fama. In deren Entscheidung allein steht, ob etwas
dauert oder vergeht. In markantem Gegensatz zur biblisch-kanonischen Überlieferung, die ihre unabhängige Beständigkeits-Garantie
hat, stehen die weltlichen Stoffe im Wirkungsbereich der Fama, die
eine höchst unzuverlässige Patronin des sozialen Gedächtnisses ist.
Die späteren Ruhmestempel, die in ähnlicher Weise ein Inventar des
kollektiven Gedächtnisses auf Dauer zur Schau stellen, haben keine
große Ähnlichkeit mehr mit Chaucers House of Farne. Was sich ändert, ist die Bewertung solcher Institutionen. Aus dem Schatten der
geheiligten Überlieferung herausgetreten, gewinnt die säkulare Tradition nunmehr die Aura geheiligter Überlieferung. Sie wird monumentalisiert als ein Ruhmestempel, der jetzt von Menschenhand als Bollwerk gegen die Zeit erbaut wird und keinen launischen Instanzen
mehr untersteht. 5 Die Gesellschaft wird zur Stifterin und Garantin
ihres eigenen Gedächtnisses.
Eine andere architektonische Gedächtnis-Metapher ist die Bibliothek.
Ein schönes Beispiel dafür findet sich in einem anderen allegorischen
Versepos, das zweihundert Jahre später entstand, in Spensers Fairie
Queene ( 1 596). 6 Der Held, der sich als vagabundierender Ritter auf
einer aus Versuchungen, Belehrungen und Abenteuern zusammengesetzten Bildungsreise befindet, macht auch eine Schloßbesichtigung.
Es ist das Schloß der Alma, einer Personifikation der reinen, nicht von
Leidenschaften zerrütteten Seele, die in einem entsprechend gesunden
Körper, eben jenem Schlosse, wohnt. Nachdem verschiedene Körperfunktionen bei dieser Besichtigung in verschiedenen Paragraphen des
allegorischen Bauwerks bewundert worden sind, steigt man zum
Schluß noch in den Turm hinauf. Dort gibt es drei Kammern zu
besichtigen, die hintereinander liegen und von drei Männern bewohnt
werden. Das vordere Zimmer ist zur Zukunft gerichtet; es ist angefüllt
mit allerhand Chimären, Trugbildern und unausgegorenen Gedanken,
die wie ein Bienenschwarm darin herumwimmeln. Der Bewohner dieses Raumes ist noch jung an Jahren, er ist von melancholisch-saturniner Gestalt und macht den Eindruck eines Wahnsinnigen.
Der Bewohner des zweiten Raumes, ein reifer Mann, wird als Verkörperung des Weisen geschildert. Seine Domäne ist die Gegenwart, um
nicht zu sagen: die Geistesgegenwart. Die Darstellungen an den Wänden dokumentieren Momente verantwortlichen öffentlichen Handelns, Richtens und Entscheidens.
Der dritte Raum liegt noch hinter dem zweiten und macht einen
heruntergekommenen Eindruck. Der Putz ist abgeblättert, die Wände
sind schief. Sein Bewohner ist ein uralter, halb erblindeter Greis, dessen körperliche Gebrechlichkeit aber im Widerspruch steht zu seiner
geistigen Frische:
»And therein sate an old old man, halfc blind,
And all decrepit in his feeble corse,
Yet liuely vigour rested in his mind,
and recompenst him with a bettcr scorse:
Weake body weil is chang'd for minds
rcdoubled forse.«
16
Die geistige Frische bezieht sich insbesondere auf das Gedächtnis. Es
wird »Unendlich« genannt, ein »Unsterblicher Schrein, in dem die
Dinge intakt und unvergänglich aufgehoben sind«. Der Alte trägt den
Namen Eumenestes. Da er älter ist als Nestor und Methusalem zusammen, ist er Zeuge alles Geschehens seit Menschengedenken. Er
lebt in seiner Klause umgeben von den Dokumenten dieser Vergangenheit. Der Inhalt dieses Archivs trägt die Spuren ehrwürdigen Alters; die verstaubten Folianten, Kodices und Schriftrollen sind wurmzerfressen und stockfleckig geworden. Der Alte sitzt inmitten dieser
Schätze und blättert die Seiten (»tossing and turning them withouten
end«). Da er zu gebrechlich ist, um sich die Bände selbst aus dem
Regal zu holen, steht ihm ein Knabe als Bibliotheksgehilfe bei. Dieser
wendige kleine Bursche, der auch verlorene und verstellte Bände wieder ausfindig machen kann, trägt den Namen Anamnestes.
Wir können durch diese Beschreibung hindurch unschwer die von
Aristoteles geprägte mittelalterliche Fakultäten-Psychologie erkennen, die Phantasie, Wille und Gedächtnis als drei Aspekte des Verstandes unterscheidet und in drei hintereinanderliegenden Gehirnkammern lokalisiert. Spenser verwischt die Ebenen des Individuellen
und des Kollektiven, indem er das Gedächtnis als Bibliothek, bestückt
mit alten Folianten, visualisiert. Die konservierende Kraft verdankt
sich hier keiner überirdischen Macht und noch nicht einmal einem
wertsetzenden Akt, sondern den Büchern selber und denen, die sie
sammeln und pflegen: den Bibliothekaren. Die Bücher als Datenträger
lösen jene Berufsgruppe der »Rühmenden« ab, denen in der Oralkultur als professionellen Verewigern Aufbau und Erhaltung des kollektiven Gedächtnisses oblagen. Die in Schriftrolle und Buch materialisierten Datenträger tragen zwar im einzelnen die Spuren der Zeit,
bewahren aber insgesamt das Menschheitsgedächtnis vollständig und
unvergänglich auf.
In Spensers Memoria-Metapher werden zudem zwei Aspekte unterschieden. Man kann sie als passives und aktives Prinzip unterscheiden
und den eingangs genannten komplementär aufgefaßten Aspekten
»Gedächtnis« und »Erinnerung« zuordnen. Das passive Gedächtnis
trägt den Namen Eumenestes. Diese Gestalt verkörpert den Speicher,
den unendlichen Vorrat der angesammelten Daten. Die aktive Erinnerung trägt den Namen Anamnestes. Er verkörpert die Energie des
Auffindens und Hervorholens, die den Daten aus ihrer latenten Präsenz zur Manifestation verhilft. Das Gedächtnis ist die Dispositionsmasse, aus der die Erinnerung auswählt, aktualisiert, sich bedient.
Spensers Interesse an Erinnerung und alten Bibliotheken kommt nicht
ganz von ungefähr. Zwei Generationen zuvor waren von Heinrich
vm. die Klöster dem Staat übereignet und dabei etliche Klosterbibliotheken aufgelöst worden. Der König hatte noch einen Sonderbeauftragten herumgeschickt, der dafür sorgen sollte, daß die kostbaren
Bestände gesichtet und z. T. sichergestellt wurden. Mit der Auflösung
der Klosterbibliotheken und der Einrichtung neuer Bibliotheken vollzog sich eine tiefgreifende Umstrukturierung des kollektiven Gedächtnisses. An die Stelle des kirchlichen Schwerpunktes trat der nationale.7 Die Entdeckung der nationalen Identität geht mit einer archivarischen Neugier einher. Im Zentrum standen jetzt nicht mehr die
kanonischen Texte und ihre Kommentare und auch nicht der noch
von Chaucer beschworene abendländische Bildungsschatz (von Josephus bis Claudian), sondern die Geschichtsbücher, die über die heroische Vergangenheit und die bodenständigen Traditionen des eigenen
Landes Auskunft geben. Die beiden Bücher, die der Held bei seiner
Besichtigung aus der Bibliothek herauszieht, spiegeln dieses Interesse
des sich nun konsolidierenden neuzeitlichen Territorialstaates an seiner Vergangenheit: das eine Werk heißt Briton Monuments, das andere Antiquity of Fairy Land.
Die Gebäude-Metaphern der Memoria verbinden sich mit unterschiedlichen Gedächtnisformen. Der Ruhmestempel selegiert, kanonisiert und monumentalisiert Personen und Werke nach Art eines Pantheon als Summe verbindlicher, zeitenthobener Werte. Der Gedächtnisvorrat, der von der Bibliothek aufbewahrt wird, ist von anderer
Art. Es ist die Kunde des Vergangenen, des durch die Zeit hindurch
Geretteten. Verpflichtet der Tempel zum Andenken für die Zukunft,
so ermöglicht die Bibliothek Wissen von der Vergangenheit. Den einen Modus der Erinnerung assoziieren wir mit dem Denkmal, den
anderen mit dem Archiv.
i.2
Schrift-Metaphern: Buch, Palimpsest, Spur
Von der Gedächtnis-Metapher der Bibliothek ist es wiederum nur ein
Schritt zu der des Buches. In seiner kanonisierten Form kann das
Buch als eine Transformation der Bibliothek angesehen werden, wobei ein lockerer Bestand durch Engführung und Schließung hypostasiert wird. Umgekehrt steht die Idee einer Bibliothek als vielgliedriger,
aber geschlossener Bestand der Idee des absoluten Buches nahe. Das
beiden gemeinsame Prinzip ist die Totalität, die Kopräsenz und Vollständigkeit der vielfältigen Elemente. Dieses räumlich geschlossene
Gedächtnismodell verbindet sich idealiter mit dem göttlichen Bewußtsein, das die Bruchstückhaftigkeit und Zerschlissenheit menschlichen Wissens und Erinnerns transzendiert. Die in Mesopotamien
18
zuerst belegte Vorstellung vom göttlichen Weltbuch symbolisiert das
absolute Gedächtnis als totales Buch. 8 In diesem Buch sind anders als
in den Chroniken und Abrechnungen nicht nur die vergangenen, sondern auch schon alle zukünftigen Daten verzeichnet. Ähnlich steht es
im 139· Psalm, der von der göttlichen Allwissenheit spricht und dabei
von der Buch-Metapher Gebrauch macht. Dieses Buch ist alles andere
als eine vollständige, erschöpfende Weltchronik, ein Menschheitsgedächtnis. Es ist Gottesgedächtnis, Organ des Schöpfers als Herrscher
und Richter. Was dieser eigenhändig mit seinem Kiel zu Papyrus
bringt, hat Entscheidungsmacht über Sein und Nichtsein. Wirklich ist
nur, was in seinem Buche registriert ist; was aus diesen Annalen getilgt
wird, ist, als wäre es nie gewesen.
Trotz seiner Ganzheitlichkeit ist das Buch aber keine totalitäre Metapher. Der Vollständigkeit und Geschlossenheit des Textes steht die
Unvollständigkeit und Unendlichkeit der Interpretationen gegenüber.
Ebensowenig hat das Gedächtnis, zumal das menschliche, eine geschlossene Gestalt. Beruht die Unendlichkeit des Textes auf der Unabschließbarkeit der Lektüren, so beruht die Unendlichkeit des Gedächtnisses auf seiner Wandelbarkeit und Unverfügbarkeit.]. L. Borges, der in vielen seiner Geschichten die Faszination von Bibliothek
und Buch als Gedächtnismetaphern ergründete, erzählt von einem
»Sandbuch«, welches sich von anderen Büchern darin unterscheidet,
daß es unmöglich ist, in ihm bis zur ersten Seite zurückzublättern. Vor
der vermeintlich ersten Seite tauchen stets vorige Seiten auf, es erweist
sich als wahrhaft unergründliches Buch mit bodenlosem Anfang. 9
Eine besonders interessante Schrift-Metapher des Gedächtnisses ist
das Palimpsest. Es ist das Buch ohne feste Gestalt, das dynamisierte
Buch. Thomas De Quincey hat den technischen Vorgang exakt beschrieben, bei dem das kostspielige Pergament sukzessiv zum Träger
verschiedener Beschriftungen wird: Was in der Antike die Handschrift einer griechischen Tragödie trug, konnte durch sorgfältige Präparierung gereinigt werden und in der Spätantike eine allegorische Legende, im Mittelalter ein Ritterepos aufnehmen. Die zeitgenössische
Chemie und Philologie im Verbunde waren in der Lage, den Weg des
Vergessens in inverser Richtung abzuschreiten. Für diese mirakulöse
Rückwärtsbewegung der Erinnerung steht De Quincey noch nicht das
uns heute naheliegende Bild des rückwärtslaufenden Filmes zur Verfügung, weshalb er zu kompliziert mythologischen Bildern greifen
muß: »In einem langen Regress sind wir hinter jeden Phoenix zurückgelangt und haben ihn gezwungen, den Phoenix-Ahnen zu offenbaren, der in noch tieferen Schichten seiner Asche ruht.«' In der Hintergehung des Anfangs besteht die Zauberkunst des Philologen, der
0
19
die Chronologie umzukehren und rückläufig zu lesen vermag. De
Quincey sieht darin ein Bild für die retrograde Sprengkraft der Erinnerung:
»What eise than a natural and mighty palimpsest is the human brain? [... ]
Everlistung layers of ideas, images, feelings, have fallen upon your brain softly
as light. Each succession has seemed to bury all that went before. And yet, in
reality, not one has been extinguished.«
Was De Quincey fasziniert, ist die Wiederherstellbarkeit des Verlorenen, »the possibility of resurrection for what had so long slept in the
dust«. Erinnerung entspringt für ihn weder einem Akt des Willens,
noch ist sie eine erlernbare Technik; sie kommt ungerufen unter besonderen Umständen. Schicht für Schicht lagert sich eine Beschriftung
über die andere im geheimnisvollen Palimpsest des menschlichen Geistes, das Neuere wird zum Grab des Älteren.
»But by the hour of death, but by fever, but by the searchings of opium, all
these can revive in strength. They are not dead, but sleeping. [... ] In some
potent convulsion of the system, all wheels back to its earliest elementary
stage. [... ] Alchemy there is none of passion or disease that can scorch away
these immortal impresses.«"
Keine andere Metapher des Gedächtnisses hat sich als so vielseitig und
dauerhaft erwiesen wie die der Schrift. Sokrates verwendete das Bild
von der Wachstafel, dem Geschenk der Mnemosyne, um damit den
Zusammenhang von Erinnerung (Urbild) und Wahrnehmung (Abbild) zu beschreiben, der für zuverlässiges Erkennen als Identifizieren
die Voraussetzung ist. Von der Sauberkeit der Prägungen im »Mark
der Seele« hängt ab, wie präzis oder konfus die Erkenntnis ist. 12 Bei
den biblischen Propheten begegnet uns das Bild vom Eingravieren in
die Tafeln des Herzens, womit eine radikale und historisch folgenreiche Wende nach innen markiert ist. 'J Diese langlebigen und wirkungsvollen Traditionen von der inneren Schrift und der Innerlichkeit
des Gedächtnisses hat Nietzsche gewaltsam durchkreuzt, als er vom
Einschreiben in Körper sprach und den Schmerz »das mächtigste
Hilfsmittel der Mnemotechnik« nannte:
»>Man brennt etwas ein, damit es im Gedächtnis bleibt: nur was nicht aufhört,
wehzutun, bleibt im Gedächtnis< - das ist der Hauptsatz aus der allerältesten
(leider auch allerlängsten) Psychologie auf Erden.«' 4
Im Anschluß an Nietzsche werden unter Körper-Schrift inzwischen
alle Narben, Male und Tätowierungen, »essentielle Zeichen, blutige
Ritzungen, Brandzeichen der Existenz« verstanden.' 5 Solche Schriften
sind selten mit einem Entzifferungs-»Kode«, klaren Botschaften oder
bestimmbaren Adressaten verbunden.
In seiner Verallgemeinerung wird das Konzept der Schrift zu" def!l der
20
Spur. Die Spur wurde in der Psychologie des 19.Jahrhunderts zum
Zentralbegriff der Gedächtnisforschung. Karl Spamer bestimmte sie
als »eine Krafteinwirkung an einem unbelebten Objekt«, das diese
Energie in sich festhält. Gedächtnis und Spur werden geradezu zu
synonymen Begriffen:
»Man kann[ ... ] von einem Gedächtnis aller organischen Materie, ja der Materie überhaupt, sprechen, in dem Sinne, daß gewisse Einwirkungen mehr oder
weniger dauernde Spuren an ihr hinterlassen. Der Stein selbst behält die Spur
des Hammers, der ihn getroffen hat.«' 6
Freud, der davon ausging, daß jede irgendwie beachtenswerte psychologische Theorie das Problem des Gedächtnisses zu erklären habe, hat
die Diskussion an diesem Punkt vorgefunden und aufgenommen. Sein
Beitrag zur Gedächtnis-Theorie ist unablösbar vom Ringen nach einer
besseren Gedächtnis-Metaphorik. Das Gedächtnisproblem formuliert
er als Paradox: Wie kann die Gleichzeitigkeit der entgegengesetzten
Funktionen des Bewahrens und Löschens vorgestellt werden? Wie
verträgt sich »unbegrenzte Aufnahmefähigkeit« mit der »Erhaltung
von Dauerspuren« ?'7 Derrida hat den Weg nachgezeichnet, den Freud
von der (neuronalen) »Spur« zur (psychischen) »Schrift« zurücklegte. 18 Die Lösung des Gedächtnisparadoxes gelingt Freud schließlich auf der Ebene der Metaphern. Er rekonstruiert den psychischen
Apparat im Schrift-Modell des sog. »Wunderblocks«. Diesem unscheinbaren, noch heute in Kinderzimmern gebräuchlichen Spielzeug
verhalf Freud zu wissenschaftlichem Ruhm. Denn die rätselhafte Kopräsenz von Dauerspur und Tabula rasa ging ihm an diesem aus drei
Schichten zusammengesetzten Schreibgerät auf: Die Oberfläche besteht aus einem feinen Wachspapier, das beschrieben und überschrieben wird, darunter liegt ein Zelluloidblatt, das als »Reizschutz« dient,
und wiederum darunter liegt die Wachstafel, die Dauerspuren (»Besetzungsinnervationen«) festhält, die bei günstigen Lichtverhältnissen
als feine Rillen sichtbar bleiben.
Freuds Beschreibung des Wunderblocks als Gedächtnismodell kommt
De Quinceys Modell des Palimpsests sehr nahe. Beide bedienen sich
der Schrift-Metaphorik, um die Komplexität eines Phänomens zu erhellen, das zuverlässige Speicherfähigkeit (»immortal impresses«) und
unbegrenzte Empfänglichkeit (»everlasting layers [... ] softly as light«)
miteinander verbindet.
Die Schrift-Metapher ist wesentlich komplizierter als die SpeicherMetapher. Die topologische Ordnung des Magazins suggeriert Organisation, Ökonomie, Verfügbarkeit - alles Aspekte, die das künstliche
Gedächtnis dem natürlichen voraushat. Die Bildlichkeit des Schreibens und Überschreibens, des Festhaltens und Löschens, der Intensi21
- - - - - -J. __ _
tät tiefer Prägungen und der flachen, vielfältigen Reize führt weg vom
künstlichen zurück zur Verfaßtheit des natürlichen Gedächtnisses.
Beim künstlichen Gedächtnis der Mnemotechnik sind Einlagerung
und Rückholung symmetrisch, der eine Akt ist auf den anderen hin
angelegt. Beim natürlichen Gedächtnis fallen sie auseinander. Der eine
kann nicht mehr als Bürge des anderen gelten. Zwischen Schreiben
und Lesen treten Verzerrungen, Verschiebungen, Verdunkelungen
und nicht zuletzt: Vergessen ein, die die Identität der Erinnerungssubstanz in Frage stellen und die Wiederherstellung zu einem eigenen,
neuen Problem machen. Mit diesem Problem beginnt die psychische
Geschichte des Gedächtnisses, zu der De Quincey und Freud wichtige
Kapitel geschrieben haben. Ohne die Komponente der Bewahrung,
der Speicherung aufzugeben, führen sie die Diskussion aus ihrer ausschließlichen Raumorientierung heraus und versetzen sie in den neuen
Horizont psychischer Zeitlichkeit.
2.
2.1
Zeitliche Gedächtnis-Metaphern
Eschatologische Erinnerung: Erwachen
Der Übergang von räumlich orientierten zu zeitlich orientierten Gedächtnismetaphern ist kein gradueller. Wo Gedächtnis im Horizont
des Raumes konstituiert wird, steht die Persistenz und Kontinuität
der Erinnerungen im Vordergrund; wo das Gedächtnis im Horizont
der Zeit konstituiert wird, stehen Vergessen, Diskontinuität und Verfall im Vordergrund. An die Stelle einer durch technische und materielle Supplemente gesicherten Stabilität tritt die prinzipielle Unverfügbarkeit und Plötzlichkeit der Erinnerungen. Sie spiegeln nicht
mehr Gewußtes und Bekanntes wider, sondern werden zum Einfallstor für das Neue.
Nach der biblischen Erzählung entsteht die Zeit mit dem Sündenfall,
also dort, wo die ewige Ordnung des Ursprungs verlassen wird und
die Welt in das Gesetz der Offenheit und Freiheit, aber auch der Veränderlichkeit, des Vergehens, des Todes gerät. Zeit tut sich als Geschehensdimension auf, wo die Ewigkeit des Ursprungs bereits verlassen
und die Ewigkeit des Ziels noch nicht erreicht ist. Als Dimension der
Geschichtlichkeit und Freiheit ist die Zeit der Sieg über die erste Ewigkeit, aber auch der Widersacher der zweiten Ewigkeit, die das Telos der
Heilsgeschichte ist. Widersacher der Zeit wiederum ist die Erinnerung.
Ist das Wesen der Zeit die Unumkehrbarkeit, die Einsinnigkeit des Verlaufs auf ein immer neues Ende hin, so ist das Wesen der Erinnerung die
Negation dieser zeitlichen Gesetzmäßigkeit; sie biegt um, was unum22
kehrbar ist, und holt zuriick, w.is Vl 1·l11n•111'i11". ht Z111t difl ( 1111•1 w111
derin der ersten Ewigkeit, so i.st l·:rinnrl'llllK 1li1· K11111pli11111h•1 '"'''I
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Eschatologie«. Kraft ihrer gehci11111isvolll·11 V1•1hi111l11111( 11111 d1·1 I· w1..-,
keit kann sie die Grenzen des ( ;l'gl'h<'lll'll 11-.111~·ft•111li1'11'11. • l 11 d1·1
Eschatologie stellt das Gedächtnis jl'IH'S Prim„ip d.11, d.t.~ d1•11 K.1111pl
gegen die Zeit im Namen der Ewigkeit führt.•''' Zrit und V1•1 i.:1·~~1·11,
Erinnerung und Ewigkeit gehören zusamnll'n.
0
»Das Gedächtnis ist das positive Prinzip, ihm steht das Vl'r~l'SSl'll .tl~ lll'~"1iv1••
Prinzip gegenüber. Das Gedächtnis ist in Israel dem miinnlidll'n 1'11l 111~1·onl
net, während das Vergessen dem weiblichen Pole cntsprid11. Sikmin; ( ;,.
dächtnis, ist mit sakar = männlich, und nakab, durchlöchern, sil'lll'll, is1 111i1
nkeba = weiblich verwandt« (Taubes 1947, S. 13).
Die U rszene, auf die sich die heilskräftige, eschatologische Erinnerung
bezieht, ist der Bund, den Gott mit dem Volk Israel am Sinai geschlossen hat, nachdem er es aus Ägypten herausgeführt hat. Die Erinnerung an diese Urszene der Befreiung, des Bundes und der Verheißung
wird zum Zentralmotiv der deuteronomistischen Predigt, die Ermahnung des Gedenkens zu ihrem wichtigsten Imperativ (Deut. 6.12).
Erinnern bedeutet Treue, Gehorsam und Leben - Vergessen bedeutet
Abfall, Rückkehr nach Ägypten und Tod. Das Geschehen am Sinai
liegt lange zurück, es gehört einer fernen Vergangenheit an; durch die
Erinnerung allein wird es zur verpflichtenden Gegenwart und zur
hoffnungsträchtigen Zukunft. Die eschatologische Erinnerung etabliert in der historischen Gegenwart eine metahistorische Gegenwart,
die Distanz und kontrapräsentische Spannung zur jeweiligen Gegenwart ermöglicht. 20
Die revolutionäre Kraft der Erinnerung gewinnt ihr eigentliches Potential in der historischen Situation der Niederlage und der drückenden Erfahrung der Ohnmacht. Das war der Fall in der Situation des
babylonischen Exils, wo sich die Erfahrung des In-der-Wüste-Seins
mit existentiellem Druck wiederholte und das Gebot der Erinnerung
mit neuer Verbindlichkeit und Strenge in den Vordergrund trat. Im
Exil wurde die Erinnerung zum einzigen Band mit der anderen, der
wahren Zeit.
Die Welle apokalyptisch-gnostischer Weltentfremdung, die sich um
die Zeitenwende vom.Mittelmeer-Raum weit bis nach Osten hinein
ausbreitete, hat dieses Lebensgefühl noch drastisch verschärft. Die
ganze Welt war nun gleichgesetzt mit der Domäne der Zeit, der Vergängnis, des Bösen, der Finsternis, des Todes. Vor diesem Hintergrund wird das gnostische Drama der Erlösung inszeniert. Die Antagonisten dieses Dramas heißen Vergessen und Erinnerung.
23
»Und sie mischten (sich) mit mir durch ihre Listen
Auch gaben sie mir zu kosten ihre Speise.
'
Ich ve~gaß, ?aß ich ein Königssohn war,
Und ?iente ihrem König.
Und ich vergaß sie, die Perle,
um derentwil.len mich meine Eltern geschickt hatten.
Und durch die Schwere ihrer [Nahrung]
Sank ich in tiefen Schlaf.«"
D~e Motive dieses Seelendramas stammen aus Märchen und Folkl
D1.e Gefahr des Verges~~ns. ist nicht mehr nur das immanente T;::~
he1tsmomei:it, da~. es s~and1g zu überwinden gilt, es entspringt dem
~nsch!~g e11:1er damomschen Macht und gehört zur Strategie feindlicher Ub~rhs~ung. J?er Mensch wird mit Macht und List in einer Welt
g~halten, m die er mcht ge?ört; mit Lärm übertönt man den Ruf aus
e~ner ~nderen Welt, und mit Trunkenheit nebelt man das Bewußtsein
e11:1. Die Hoff~ung _besteht darin, daß der Lärm selbst das Opfer aus
semer Lethar_g1e reißt und zum Erwachen bringt: »Als ihr Laut in
Adams Ohr fiel,_wachte er aus dem Schlafe auf und erhob sein Antlitz
zum Orte des Lichts.«
Da~. gnostische Drama von Vergessen und Erinnern, Betäubung und
~rl~sung, Fremde und Heimkehr, Tod und Leben bildet den Kern
Je?hcher E~tfr~mdungsgeschichte. Darüber hinaus ist es zu einem
Wirkungsmacht1gen Ele1?ent politischer Rhetorik geworden. Als
'.'Weckru~ aus dem Jense1ts~ 22 • ha~en sich revolutionäre Bewegungen
immer wieder vers.tanden, die mm1tten einer erstarrten und schlechten
Welt ~em Le?end1gen und Neuen zum Durchbruch verhelfen wollten. Eme Vanante dazu bilden die nationalen Bewegungen d" · h
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arum emu te~, as Neue durch unvermittelte Anknüpfung an etwas Altes herbeizuführen.
In einem Ar~~kel über den Denkmalswert und verpflichtenden Chara~ter de: Volkers.chlacht bei Leipzig (18 14 ) rekonstruierte Joseph
Go:res .die Geschichte ~er deut~chen Nation nach einem heilsgesch1chthchen Sch~ma. Sem Ges~h1chtsen.twurf ist dreistufig'J:
I. Idee und "V_erheißung - das m1ttelalterl1che Reich, in dem die Deuts~hen veremt ..waren unter König und Kaiser und alle anderen Nat10nen an Große und Bedeutung überragten;
2. Fluch ~nd Vergessen - die politische Zersplitterung, die die Deutschen im. 17. und l8)ahrhundert entmachtete und zum Spielball
hegemomaler Dynastien machte·
3· Wiedergew~~nung und Vollend~ng - die Vertreibung Napoleons
u~d Absc.huttelung des Jochs fremder Eroberer durch eine vereimgte Nat10n.
Die Verwirklichung politischer Ziele braucht ihre Vision, die revolutionäre Stoßkraft ihren schlagkräftigen Mythos. Danach erscheint die
negative Gegenwart als Interim zwischen einer großen Vergangenheit
und einer ebensogroßen Zukunft, zu denen Erinnerung und Hoffnung die Verbindung halten. Erinnerung wird zu einer politischen
Kraft, welche kontrapräsentische Normen aufrichtet. Mit dieser Energie soll die schlechte Gegenwart überwunden und die neue Zeit herbeigeführt werden. Für Hegel wie später für Benjamin ist Erwachen
der »exemplarische Fall des Erinnerns«.2 4
Das Motiv des Erwachens beherrscht die politische Rhetorik so sehr,
daß W. Conze geradezu von einem »Erweckungs-Nationalismus«
sprechen konnte.25 Ähnliches gilt für die Literaturgeschichtsschreibung des 19.Jahrhunderts, in der das Schema vom Vergessens-Schlaf
und Erinnerungs-Erwachen vielfältig variiert wurde~ Als »ein fast metaphysisches Erwachen aus dem dumpfen Zustand eines bleiernen
Schlafes« hat noch Max Scheler den Ersten Weltkrieg gepriesen.2 6
Was haben die politischen Erweckungsmythen mit der jüdischen und
gnostischen Erinnerung zu tun? Eine Gemeinsamkeit besteht darin, daß
sie die Gedächtnisthematik im Rahmen von Geschichten, genauer:
Heilsgeschichten entfalten. Die Gegenwart erscheint in diesen Geschichten als heil-lose Zeit, die mit Hilfe der Erinnerung überwunden
werden soll. Der Unterschied besteht darin, daß die religiösen Erlösungsgeschichten auf eine nicht-historische Zukunft gerichtet sind,
während die politischen Legitimationsgeschichten beanspruchen, das
Heil in der historischen Zeit zu verwirklichen. Für die politischen
Heilsgeschichten schlägt 1. Sarkisianz die Unterscheidung zwischen
»Revolutionsmythen« und »Re-volutionsmythen« vor. Erstere folgen
der jüdischen Heilsgeschichte, die messianisch vorwärtsgerichtet ist,
letztere sind der gnostischen Heilsgeschichte verpflichtet, die rückwärtsgewandt ist. Geht es doch in den gnostischen Mythen um ein
schrittweises Rückgängigmachen der Fallsgeschichte und eine Heimkehr zum himmlischen Ursprung. So drehen sich auch in den politischen
Re-volutionsmythen die Räder zurück zum idealischen Ursprung.
2.2
Animatorische Erinnerung: Erwecken
Meine Vermutung lautet: Eine ähnliche Bedeutung, wie sie im jüdischgnostisch-christlichen Kontext dem Erwachen zukommt, kommt
im heidnischen Kontext dem Erwecken, der magischen Animation
und Wiederbelebung zu. Es sind hier insbesondere zwei Elemente,
denen regenerative Gedächtniskraft zugeschrieben wird: dem Wasser
und dem Feuer.
In der klassisch-antiken Welt verbindet sich das Bild des Trinkens mit
dem Akt sowohl des Vergessens als auch des Erinnerns. Das Wasser
hat eine tief ambivalente Bedeutung. Der Lethefluß ist der Strom, der
alles unwiederbringlich davonschwemmt und der uns von früheren
Phasen unserer Existenz abtrennt wie der Styx vom Leben selbst. Das
Wasser des Lebens und Erinnerns dagegen sprudelt aus einer Quelle.
Kastalia, die heilige Quelle Delphis, wurde in römischer Zeit zum
Dichterquell und ihr Wasser als prophetisch angesehen. 27 An diesem
inspirativen Wasser verwischen sich die Gegensätze von Prophezeiung und Erinnerung. Was die Dichter zu verkünden haben, empfangen sie von den Musen, den Töchtern der Erinnerung. Es gibt kein
kreatives Sagen ohne Erinnern, kein Dichten außerhalb der Tradition
bzw. ohne Schluck aus dem Musenquell.
Im elften Gesang der Odyssee wird jener Abstieg in die Unterwelt
geschildert, der zum obligatorischen Reiseprogramm des epischen
Helden gehört. Von Homer bis Hegel und von Freud bis Jung ist das
Abenteuer der Erinnerung eine Reise in die Tiefe gewesen. 28 Mit dem
gefahrvollen Abstieg ins Reich der Finsternis ist bis hin zu Fausts
descensus zu den Müttern die Vorstellung einer anderen Kunde verknüpft, die zwischen Erinnerung und Prophezeiung steht und vielleicht am besten mit Walter Benjamins paradoxer Formel der »Erinnerung des Neuen« zu beschreiben ist. Die Toten, denen Odysseus
begegnet, sind stumm; sie haben mit der Sprache auch die Erinnerung
verloren. Um überhaupt mit ihnen kommunizieren zu können, muß
er ihnen zuvor beides, Sprache und Erinnerung, vorübergehend wiedergeben. Odysseus schlachtet eine Kuh und einen Widder, deren
schwarzes Blut eine Grube füllt. Diese bewacht er mit seinem
Schwert, damit nur diejenigen Totengeister davon trinken, denen er
diese Gunst eigens gewährt. Tiresias ist der erste, der vom Blute trinkt
und Odysseus daraufhin sein Schicksal verkündet; die zweite ist die
Mutter, die ihm Kunde aus der fernen Heimat bringt; und es folgen
weitere Erinnerungen berühmter Totengeister, nachdem sie ebenfalls
vom Opferblut getrunken haben.
Die nekromantische Magie des Odysseus führt uns ins Zentrum eines
weiteren Bildfeldes der Erinnerung, der (scheinhaften) Wiederbelebung. Man kann sagen, daß die Renaissance das Thema der Wiederbelebung zum Epochenproblem gemacht hat. Wie läßt sich eine vergangene Zeit wiederbeleben? In einem Gedicht (Canzoniere, 53) evoziert
Petrarca das alte Rom, das in einen tiefen Schlaf gefallen ist: ringsum
Ruinen, Gräber und totes Gemäuer. Aber in den verfallenen Monumenten lebt noch der Geist der Alten und wartet auf seine Befreiung.
Mit dem Imperativ des Erinnerns, in dem die Juden die Garantie ihrer
26
Identität und die Gnostiker die Verheißung ihrer Rückkehr haben, ist
hier wenig anzufangen. Es gibt hier kein einheitliches Subjekt als
Träger der Erinnerung wie das jüdische Volk oder die gnostische
Seele. An seine Stelle tritt der Imperativ des Erweckens, der Vorwelt
und Nachwelt, Alte und Neue, Tote und Lebende über den Abgrund
der Zeiten hinweg verbindet.
Der Historiker Peter Burke hat darauf hingewiesen, daß man im Mittelalter die Ruinen Roms mit anderen Augen betrachtete als in der
Renaissance:
„They were thought of as >marvels<, mirabilia. But they were taken as given.
People seem not to have wondered how they got there, when they were built,
or why the style of architecture was different from their own.« 29
Das Gefühl für Alterität und Diskontinuität konnte im Mittelalter
schwerlich zum Zuge kommen, solange die mythisch-geneal?.gischen
Modelle der Assimilation (Semantik der Allegorese) oder der Ubertragung (die politische Idee der translatio) kulturelle Kontinuität verbürgten. Der Zerfall dieser Kontinuitätsmodelle bringt zum ersten
Mal den Abgrund zur Erscheinung, den die Zeit zwischen der Antike
und der Gegenwart aufgerissen hat. Mit dieser neuen Erfahrung der
Diskontinuität fällt ein neuer Blick auf die Vergangenheit: Die Ruinen
erscheinen als historische Monumente, tote Hülsen einer anderen
Welt, die dennoch dem einfühlsamen Blick Spuren des vergangenen
Lebens aufzeigen können. Der Körper der Vergangenheit ist tot, die
unsichtbare Seele aber lebt in den Ruinen fort; sie kann zum Ansatzpunkt der Wiederbelebung der Vergangenheit werden, sie ist der Garant für einen Sprung durch die Zeit.
Diese Erinnerung trennt sich vom Begriff der Tradition; um die
selbstverständliche Zuversicht des Bewahrens durch Weitergeben ist
es geschehen. Ebensoweit entfernt ist sie von einem Begriff der Erinnerung als Technik, von der Vorstellung einer systematisch ausbaufähigen, zeitlosen Memoria. Es entstehen zwei neue Haltungen gegenüber der Vergangenheit: auf der einen Seite die Erfahrung der
Historisierung - Ernüchterung, Entfremdung, Einsamkeit in der Zeit
(Thomas Greene faßt dieses Syndrom in dem Begriff »historical solitude« zusammen), auf der anderen Seite Betonung der subjektiven
Rückwendung - durch Teilnahme, Intuition und Imagination. Die
Vergangenheit ist abgestorben, aber ein Genie, ein kreativer Geist
vermag sie wiederzubeleben.
Dieser Weg der Erinnerung führt in die Tiefe. Das ist wörtlich zu
verstehen. Man muß graben, um verlorene, verborgene Schichten zutage zu fördern:
»The image that pröpelled the humanist Renaissance and that still determines
our perception of it, was the archaeological, necromantic metaphor of disinternment, a digging up that was also a resuscitation or a reincarnation or a
rebirth.«3°
Die Schichten zu durchstoßen, entspricht (wie bei De Quinceys Palimpsest) einem Sprung durch die Zeit. Die Aktivität des Grabens
bezieht sich nicht nur auf Erdschichten. Der Philologe wird zum
Komplizen des Archäologen; beide verstehen sich als Widersacher der
Zeit und Virtuosen der Erinnerung. Sie heilen an Monumenten und
Texten die Wunden, die die Zeit geschlagen hat. Der Buchhändler und
Kopist Vespasiano da Bisticci wurde von seinen Zeitgenossen als
zweiter Aesculap gerühmt. So wie dieser einen Toten zu erwecken
vermochte, so habe jener den antiken Autoren zu neuem Leben verholfen:
»Dir ist es zu verdanken, daß Griechenland die Wasser der Lethe verachtet
und die Sprache des Romulus den Gott des Styx nicht fürchtet. Glücklich, wer
ins Licht des Lebens so viele tote Monumente der Alten zurückzuholen vermag; glücklich, wer vor der versengenden Flamme die verlorenen Namen
göttlicher Dichter rettet!«J'
Die animatorische Erinnerung steht im Schatten der Zeit.32 Ihren Hintergrund bildet das Bewußtsein des Vergangenseins der Vergangenheit. Um das Vergangene als Vergangenes zurückzuholen, bedarf es
der nekromantischen Kraft der Wiederbelebung, deren Symbol der
Funke ist. Plato hat im »Siebten Brief« (34r c 5) die Bedeutung des
Funkens beschrieben: »Plötzlich, wie der springende Funken das
Feuer entzündet, so entsteht in der Seele das Urbild der Sache.« Das
Feuer ist das Symbol einer plötzlichen, unverfügbaren Erkenntnis, die
auf dem Grunde einer latenten Erinnerung zündet. Als Erinnerungssymbol ist es ebenso ambivalent wie das Wasser; denn es macht
ebensosehr das Vergessen und die Verwüstung durch die Zeit (»versengende Flamme«) wie das Erinnern und die Erneuerung des Verlorenen sinnfällig.
Der Funke, der die vergessenen Erinnerungen entfacht, steht für eine
Energie, die so subjektiv wie plötzlich, so punktuell wie prekär ist.
Die Erinnerungsform der Erweckung ist für die europäische Begegnung mit dem klassischen Altertum paradigmatisch geworden. Die
Euphorie von Goethes Römischen Elegien beispielsweise zehrt noch
von dem Konzept der Erinnerungsmagie: die Vergangenheit lebt gerade so lange, wie der Funke überspringt, wie die Begeisterung anhält.
Die Erweckungsmetaphorik ist eine Begleiterscheinung des Historismus. Dafür wollen wir noch zwei Beispiele anführen.
Der Altertumsforscher Johann Jakob Bachofen hat in seinem Haupt28
werk Gräbersymbolik, das der Erforschung antiken Totenglaubens
gewidmet ist, einen Weg in die Antike gebahnt, der nicht über die
Texte verläuft. In einer autobiographischen Skizze hat er uns ein eindringliches Zeugnis jener animatorischen Magie hinterlassen, zu welcher die Erinnerung imstande ist:
„Es gibt zwei Wege zu jeder Erkenntnis, der weitere, langsamere, mühsamere
verständiger Kombination, und der kürzere, der mit der Kraft und Schnelligkeit der Elektrizität durchschritten wird, der Weg der Phantasie, welche von
dem Anblick und der unmittelbaren Berührung der alten Reste angeregt, ohne
Mittelglieder das Wahre wie mit Einern Schlage erfaßt.« 33
Bachofens »kurzer Weg der Erkenntnis« 34 erinnert an eine andere
Erinnerungstheorie, die sich auch nicht an Worten und Texten, sondern an Bildern und Symbolen entzündet hat. Der Kunsthistoriker
Aby Warburg, der mit dem philologischen Geschäft der Rekonstruktion langfristiger und umwegiger Traditionslinien wohl vertraut war,
interessierte sich lebhaft für das Phänomen unmittelbarer Berührungen und punktueller elektrischer Entladungen. Von ihm stammt der
Begriff der »anteischen Magie«, der eine durch direkte Berührung
ausgelöste Entladung latenter Erinnerungsgehalte beschreibt. Je weiter der Weg durch die historische Zeit, so dürfen wir resümieren,
desto lebhafter das imaginative Interesse an Abkürzungen, unmittelbaren Berührungen und direkten Kontakten. Die Feuer-Symbolik der
Erinnerung - vom Funken und Blitz bis zum elektrischen Schock gewinnt im Rahmen des Historismus neue Virulenz.
Das Problem des Gedächtnisses, soviel ist an den verschiedenen Beispielen deutlich geworden, drängt in die Bilder, und es sind außerordentlich verschiedene Bilder. Ihre Zahl ist grundsätzlich unbeschränkt. Neben die Wachstafel, zum Beispiel, das platonische Bild
für Anamnesis oder die Wiederherstellung einer Urschrift, ist im Mittelalter der Spiegel getreten, der ständig poliert werden muß, weil das
Metall von sich aus immer wieder anläuft und opak wird. 35 Mit der
materialen Kultur der Lebenswelt verändern sich auch die Gedächtnismetaphern. Es gibt die beständige Modernisierung der Bilder. Walter Benjamin ersetzte im 20.J ahrhundert die Metaphorik der Schrift
durch die der Photographie, als er schrieb:
»Geschichte ist wie ein Text, in den die Vergangenheit wie auf einer lichtempfindlichen Platte Bilder eingelagert hat. Erst die Zukunft besitzt die Chemikalien, die nötig sind, um dieses Bild in aller Schärfe zu entwickeln.« 36
Freilich führt nicht jedes neue Bild auch ein neues Denkmodell mit
sich. Versuchen wir, die Denkmodelle, die wir durch die verschiedenen Bilder hindurch verfolgt haben, abschließend noch einmal zusammenfassend zu charakterisieren:
Die Metaphern des Magazins, der Sammlung, des Bestandes weisen in
zwei verschiedene Richtungen: das monumentale und das archivarische Gedächtnis. Im ersten Falle handelt es sich um Gedächtnisbildung im Sinne der Kanonisierung einer Auswahl, um Stabilisierung
werthafter Fixpunkte und Erzeugung von Verbindlichkeit; im anderen Falle handelt es sich um Konservierung einer grundsätzlich offenen und unstrukturierten Menge, einschließlich alles dessen, was aus
der Gegenwart gefallen ist und anderswo keine Chance mehr hat zu
überleben. Beide Gedächtnismodelle sind ausschließlich raumorientiert, sie lösen den Zeitfaktor in der Figur des Ensembles, der Kollektion, des Bestandes auf.
Zwischen den zeitlosen Gedächtnismodellen auf der einen Seite und
den eminent zeithaften auf der anderen Seite stehen jene, die sich am
Bild der Schrift oder Spur orientieren. Wir bezeichnen diese Gruppe
mit dem (pleonastischen, aber hier vielleicht verzeihlichen) Begriff des
anamnetischen Gedächtnisses. Zeitlos sind sie darin, daß sie die Prägung einer unvergänglichen Spur voraussetzen, und zeithaft insofern,
als sie das Problem des vorübergehenden Verlusts, das Vergessen und
die Anstrengung der Wiederherstellung thematisieren.
Die zeitorientierten Gedächtnismodelle akzentuieren die Diskontinuität der Zeit, sie setzen bei der Priorität des Vergessens und der
Unwahrscheinlichkeit der Erinnerung an. Vor diesem Hintergrund
stehen die religiös eschatologischen und politisch legitimatorischen
Heilsgeschichten, die eine leidvolle Gegenwart der Vergessenheit
durch eine verheißungsvolle Vergangenheit und eine erfüllungversprechende Zukunft einrahmen. Erinnerung ist deshalb heilskräftig, weil
sie eine Brücke zwischen den bedeutungsvollen Zeiten der Vergangenheit und Zukunft über die dunkle Gegenwart hinwegspannt. Im
Unterschied zum eschatologischen Gedächtnis, das auf die messianische Zukunft oder die große Wende hin ausgerichtet ist, inszeniert das
animatorische Gedächtnis punktuell den Kurzschluß (im Wortsinne)
zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Freilich haftet diesem Projekt stets der Charakter der Unverfügbarkeit, der Plötzlichkeit, des
Momentanen an. Diese Erinnerung trennt sich von allen Formen legitimatorischer Kontinuitätssicherung; sie zwingt Vergangenheit und
Gegenwart, Nähe und Feme in einen Punkt, der herausgesprengt ist
aus linearen und narrativen Zeitkonstruktionen.
Der Versuch einer Abgrenzung der Bildfelder macht auch die Überlagerungen deutlicher. Walter Benjamins visionäres Projekt einer »politischen Geschichtstheologie« zum Beispiel, das er selbst als einen
»Versuch zur Technik des Erwachens« 37 bezeichnete, changiert zwischen eschatologischer und animatorischer Erinnerung. Mit dem Ge30
wicht, das er in den aktuellen historischen Gegenwartsmoment legt,
distanziert er sich von den zeitüberspannenden Heilsgeschichten,
wird er zeitüberspringend, punktuell, forciert er die blitzartige Erinnerung als eine Deutungsenergie, die das Verlorene, Erstarrte, Tote zu
neuem geschichtlichen Leben erwecken kann.
Anmerkungen
l
2
4
6
7
8
9
10
11
Ein Beispiel dafür ist der Beitrag von Siegfried J. Schmidt in diesem Band,
der die orientierende Metapher der »Spur« durch die des »Pfades« ersetzt.
H. Weinrich 1964.
H. Weinrich 1964, S. 26.
Philosophische Beispiele für eine terminologische Differenzierung zwischen Gedächtnis und Erinnerung: G. F. Hegel, der Gedächtnis als abgestorbenes Äußeres von der Erfahrung von Erinnerung als lnnewerdung,
Insichgehen und »in der Tat höhere Form der Substanz« unterscheidet
(1832-48, Bd. n, S. 611), oder G. F.Jünger, der Gedächtnis mit Gedachtem, also Kenntnissen, und Erinnerung mit persönlichen Erfahrungen assoziiert: Kenntnisse (der Inhalt des Gedächtnisses) »kann ich mir beibringen, wie sie mir beigebracht werden können. Erinnerungen aber kann ich
mir weder beibringen, noch können sie mir beigebracht werden« (1957,
S.48).
Zum Motiv des Ruhmestempels: K. Maurer 1980, S. 205-252. Zu Voltaires
temple du gout als Kanon-Metapher des bon sens: H. U. Gumbrecht 1987,
S. 286 ff. Zur Walhalla: Sellin 1988, S. 247 ff.
Der besessenste Epiker und Theoretiker dieser Metapher ist J. L. Borges
(»Die Bibliothek von Babel«); auf die Bibliothek als synchronistischen
Traditionshorizont beziehen sich T. S. Eliot und E. M. Forster in den
zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts.
Vgl. Verf. 1989.
Diese Buch-Metapher konnten die Juden aus Mesopotamien übernehmen;
vgl. L. Koep 1952 und Hans Blumenberg 1981, S. 22 ff. über den Gedanken
des großen Kontobuches im Judentum und den Zusammenhang von göttlicher Planung und geschichtlicher Erfüllung im Rahmen des himmlischen
Weltbuchs. Borges hat dieses Bild noch gesteigert in seiner Beschreibung
einer mystischen Vision Gottes in Gestalt eines runden, »zyklischen Buches«.
Dieses Prinzip von der Unverfügbarkeit des Anfangs hat Peter Slotqdijk
(1988) zum Programm seiner poetisch-autobiographischen Erinnerungsarbeit gemacht.
Thomas De Quincey, o.J., S.272.
Thomas De Quincey, o.J., S.276.
31
l 2 Platon, Theaetet, l 9 l c, d.
13 Jeremia 31, 33: »Ich werde mein Gesetz in ihr Inneres legen und es ihnen
ins Herz schreiben«; vgl. Deut. 6, 6.
14 Nietzsche 1963, S. 802.
l 5 Peter Sloterdijk macht aus dieser Körperhermeneutik ein poetologisches
Programm. Es lautet: »Wo Brandmarkung war, soll Sprache entstehen!« Ein Hinweis auf weitere Arbeiten in diesem Umfeld: bei D. Kamper wird
aus der Spur die Narbe; G. Hartman macht Gebrauch von der Assonanz
von Worten und Wunden. Solche Assoziationen und Mediationen sind
wohl nicht ganz unbeeinflußt von Heideggers Begriff des Risses.
16 Karl Spamer 1877, S. 86, zit. nach Manfred Sommer 1987, S. l49f. Gedächtnis als Eigenschaft der Materie ist u. a. charakteristisch für sog. nichtnewtonische Flüssigkeiten. Während Flüssigkeiten normalerweise nicht
»spurenfähig« sind, weil sich Oberflächen automatisch wieder glätten und
Löcher wieder füllen, sind nicht-newtonische Flüssigkeiten spuren- bzw.
gedächtnisfähig. Dazu R. S. Rivlin 1984/8 5, S. 165.
17 Sigmund Freud 1960, Bd.x1v, S.4; vgl. auch Bd.n/m, S.543: »Von den
Wahrnehmungen, die an uns herankommen, verbleibt in unserem psychischen Apparat eine Spur, die wir >Erinnerungsspur< heißen können. [... ]
Nun bringt es offenbar Schwierigkeiten mit sich, wenn ein und dasselbe
System an seinen Elementen Veränderungen getreu bewahren und doch
neuen Anlässen zu Veränderung immer frisch und aufnahmefähig entgegentreten soll.«
18 »Im Brief p vom 6. 12. 1896 wird das ganze System des Entwurfs in einer
bislang bei Freud noch nicht dagewesenen graphischen Begrifflichkeit rekonstruiert. Es ist kein Zufall, wenn es mit dem Übergang vom Neurologischen zum Psychischen zusammenfällt« (Derrida 1976, S. 315 f.).
19 Jakob Taubes 1947, S. 13 f.
20 Über die »kontrapräsentische Kraft der Erinnerung« vgl. Gerd Theissen
in: J. Assmann/T. Hölscher (Hg.) 1988.
21 Seelenhymnus der Thomas-Akten, zit. nach: Günther Bornkamm 31964,
Bd.n, S.35of. Vgl. Hans Jonas 1934, S.114; Hans Leisegang 1955,
S.365ff.
22 H.Jonas 1934, S. 124, vgl. auch S. 126: »Ich bin der Ruf des Schlaf-Erwekkens im Äon der Nacht.« Dieser Ruf hat die Bestimmung, »die Schlafenden aufzurütteln und zum Aufstehen zu bringen. Sie sollen die Seelen
wecken, die vom Lichtort weggestrauchelt sind. Sie sollen sie wecken und
aufrütteln, damit sie ihr Antlitz zum Lichtort erheben.«
23 Vgl. Volker Sellin, »Nationalbewußtsein und Partikularismus in Deutschland im 19.Jahrhundert«, in: J. Assmann/T. Hölscher (Hg.), S. 244 f.
24 G. F. Hegel, Gesammelte Werke, hrsg. v. H. Büchner und 0. Pöggeler,
Hamburg 1969, Bd. 4, S. 491. Vgl. H. Folkers in diesem Band.
25 Werner Conze 1985, S. 202 u. S. 204.
26 Max Seheier 1917, S. 4. Weitere Belege für Schlaf und Erwachen im historisch-politischen Umfeld bei H. D. Kittsteiner 198 5.
27 Der Kleine Pauly, Bd. 3, S. l 50.
28 Freud, der sich für Archäologie begeisterte, hat seine eigene Entdeckung
mit der Troja-Entdeckung Heinrich Schliemanns verglichen. Ein Beispiel
für Jungs räumlichen Abstieg in die Tiefe der Zeit findet sich in einem
seiner Träume, vgl. C.G.Jung 1963, S. 155.
29 Peter Burke 1969, S. 2. Über das Historischwerden der Antike vgl. auch
Erwin Panofsky 1984.
30 Thomas M. Greene 1982, S.92.
31 Der lateinische Text stammt von Politian; er wird zltlert von Thomas
Greene 1982, S. 164. Ähnlich die prometheischen Selbstdarstellungen der
Drucker, Editoren, Übersetzer und Buchhändler im l 5. und 16.Jahrhundert.
32 Es besteht ein deutlicher Unterschied zwischen der traditionellen allegorischen und der neuen archäologischen Hermeneutik. Die allegorische Hermeneutik bricht eine verhüllende äußerliche Schale auf, um an den geheimnisvollen inneren Kern zu gelangen. Es mangelt nicht an Techniken der
Aufschließung verborgener Wahrheiten. Die komplexen Systeme mittelalterlicher Hermeneutik bieten einen ganzen Schlüsselbund an. Diese Hermeneutik ändert sich aber profund, wenn an die Stelle des allegorischen
Schleiers die Erosion der Zeit tritt. Thomas Greene, der auf diesen Unterschied aufmerksam macht, betont, daß die archäologische Hermeneutik
über keinen Universalschlüssel mehr verfügt. An die Stelle traditioneller
Dekodierungsverfahren tritt eine neuartige Interaktion zwischen Text und
Leser, die gleichzeitig von einem Gefühl der Feme und einem Gefühl der
Nähe bestimmt ist. Was an hermeneutischer Technik verlorengeht, muß
die subjektive lnspirationskraft ersetzen. Diese neue Hermeneutik macht
den Leser zum Helden, zum Animator der Vergangenheit: Seiner spirituellen Kraft, seinem mnemischen Charisma verdanken die Toten ihr Leben
(vgl. Greene 1982, S.94f.; so brillant seine Unterscheidung der beiden
Hermeneutiken ist, so blaß bleibt seine Beschreibung der neuen archäologischen: »lnstead of a relation between >Veil< and >truth<, that, once discovered, is easily grasped and formulated, there emerges an interplay of
entities that resists total description because it operates in the elusive domain of style.«).
33 Johann Jakob Bachofen 1984, S. 11.
34 Erforderlich wäre eine Geschichte der Plötzlichkeit, die mit Platons exaifnes-Motiv beginnt. Ein weiterer Beleg soll hier noch angefügt werden. In
Reaktion auf Hegels langfristige, umwegige und arbeitsreiche Geschichtsmetaphysik entsteht gegen Ende des Jahrhunderts ein Konzept des »Geistesblitzes«, der die Kumulation der Erfahrung und des Wissens umgeht
und unmittelbar das Ganze und Richtige trifft. Hier tritt neben den langen
Weg der Wissensevolution der kurze Weg der ästhetischen Intuition, die
»schnellen plötzlichen Aufklärungen«: »Hier muß der schnelle Flug des
Genies erst das unbekannte Land ausspähen, erst die fremde Gegend
durchschaut haben, ehe der langsam fortschreitende Verstand seinen Weg
antreten kann. Die Seele muß das Vermögen haben, die ganze Reihe mit
einem Blick zu übersehen. Ideen, die entwickelt eine ganze Wissenschaft
33
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ausmachen, müssen sich zusammendrängen, ein Ganzes ausmachen, und
sich gleichsam in ein Bild vereinigen« (Christian Garve, Versuch über die
Prüfung der Fähigkeiten, o. 0. l 796, zit. nach R. Zons 1989, S. 87 f.).
3 5 Den Hinweis auf den Spiegel als Gedächtnis-Metapher verdanke ich dem
Islamisten William Chittick.
36 Walter Benjamin l98off., Bd. 1, 3, S. 1238. Natürlich behält auch die Photographie nicht das letzte Wort. Die Bildlichkeit von Spur, Einprägen,
Einschreiben ist inzwischen von materiellen auf immaterielle Träger übertragen worden. Was sich dabei gleichbleibt und was sich ändert, hat
J. F. Lyotard 1987, S. lO f. zusammengefaßt: »Mitsicherheit gilt, daß stets
eingeschrieben (inscrire) werden muß, ob beim cortex oder bei dem, was
wir, übersetzt in soziokulturelle termini, schreiben (ecriture) genannt haben. Denken ohne einzuschreiben, also ohne stütze (support), geht nicht.
Diese stütze kann alles mögliche sein. Es gibt momentan veränderungen in
der stütze. Man besitzt vielleicht noch nicht die >richtige< stütze. Vielleicht
sind all die bildschirme noch schlechte stützen, weil sie gegenüber der
handschrift und der tafel noch zu analog sind. [ ... )Jedenfalls liegt die
minimale voraussetzung im einschreiben.«
37 Walter Benjamin 1980 ff., Bd. v: Das Passagenwerk, S. 490.
Literatur
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