18. Hypertrophie der Nebenniere der mit Ammoniumchlorid

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18. Hypertrophie der Nebenniere der mit
Ammoniumchlorid behandelten Kaninchen.
Bei der Untersuchung der Nebennieren der mit Ammoniumchlorid behandelten Kaninchen zeigt sich, daß diese im Vergleich
zu den normalen Nebennieren einen wesentlichen Unterschied in
Bezug auf Gewicht und Struktur aufweisen. Das Gewicht der Nebennieren der behandelten Kaninchen zeigt Tabelle 16, während das
Gewicht der Nebennieren der unbehandelten Kontrolltiere gleichen
Anfangsgewichtes auf Tabelle 17 zusammengestellt ist.
Gewichtsgruppe 1: Gewicht beide? Nebennieren deir Kontrolltiere (Tab. 17.) 27—50 cg, im Mittel 37 cg; das Gewicht beider
Nebennieren der behandelten Tiere (Tab. 16.) dieser Gruppe beträgt
hingegen 70—113 cg, im Mittel 90 cg. Die Nebennieren der behandelten Tiere dieser Gruppe haben demnach tun 43—63 cg, im Mittel
um 53 cg stäirker zugenommen als die beiden Nebennieren der Kontrolltiere gleichen Anfangsgewichtes, was einer Nebennierenhypertrophie von 143 % im Durchschnitt entspricht.
Gewichtsgruppe: 2: Gewicht beider Nebennieren der Kontrolltiere (Tab. 17.) 29—45 cg, im Mittel 34 cg. Gewicht beider Nebennieren der behandelten Tiere (Tab. 16.) 72—128 cg, im Mittel 97,4 cg.
Erhöhung den Gewichtszunahme der Nebennieren der behandelten
im Vergleich zu den unbehandelten Tieren: 43—83 cg, im Mittel
63,4 cg, d. s. 186,4 %.
Gewichtsgruppe 3: Gewicht beider Nebennieren der* Kontrolltiere (Tab. 17.) 40—56 cg, im Mittel 45,6 cg. Gewicht beider Nebennieren der behandelten Tiere (Tab. 16.) 85—115 cg, im Mittel 101,8
cg. Die Nebennieren der behandelten Tiere dieser Gruppe waren
somit um 45—59 cg, im Mittel um 56,2 cg schwerer als die der
Kontrolltiere gleichen Anfangsgewichtes, was im Mittel einer Nebennierenhypertrophie von 123 % entspricht.
Diese Angaben ergeben sich aus dem Nebennierengewicht von
je 5 Tieren jeder Gewichtsgruppe, weisen aber die Daten der . 30 behandelten Kaninchen nicht auf. Das Gewicht beider Nebennieren der
30 behandelten Tiere betrug 70—128 cg, im Mittel 97,66 cg; wie
schon weiter oben erwähnt, beträgt das Gewicht beider Nebennieren
von 100 normalen, unbehandelten Kaninchen — in Ubereinstimmung
mit den Angaben des Schrifttums — 20—60 cg, im Mittel 42,34 cg.
Die Nebennieren der 30 mit NH4CI behandelten Kaninchen vergrößerten sich demnach um 131 % im Vergleich zu den Normalwerten.
Die Vergrößerung der Nebennieren ist auch hier der bedeutenden Verbreiterung der Rindensubstanz zuzuschreiben, wie bei den
mit NH4OH behandelten Tieren. Das histologische Bild der nach der
NHiCl-Behandl'ung vergrößerten Nebennieren stimmt im allgemeinen
mit dem nach der NFhOH-Behandlung gefundenen Bild der hypertropischen Nebenniere überein, es sind aber zwischen den beiden
dennoch gewisse Unterschiede wahrzunehmen. Die Ähnlichkeit der
beiden Bilder'' gelangt darin zum Ausdruck, daß bei beiden Hypertrophien in den.Zellen der drei Schichten der Rinde, insbesondere
in der Zona fasciculata, sehr viel Lipoid angesammelt ist, so daß
das Protoplasma der Zellen der mittlerer) Schicht durch die Lipoide
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sozusagen vollkommen ausgefüllt erscheint. Sowohl die N&utralfette
wie auch die Cholesteirinfette sind hochgradig vermehrt.
.Während auf die Einwirkung den lang dauernden und energischeren NFLOH-Behandlung in der NNR häufig kleinere, oder größere nekrotische Herde in de,r Zona ¡retikularis und Zona fasciculata
nachzuweisen sind, konnten wir bei der Behandlung mtt NHiCl
derartige Herde niemals auffinden. Der Mangel der nekrotischen
Heräe ist offenbar damit zu erklären, daß die verhältnismäßig kleine
Dosis NH4CI keine so kräftige, Wirkung auf den Organismus ausgeübt hatte, wie das in den früheren Versuchen verwendete NH*OH.
Als auffallende Erscheinung ist zu erwähnen, daß die Zona
reticularis der hypertropischen Nebennieren der mit NHiCl behandelten Tiere in den meisten Fällen viel zellreicher bzw. kernreicher
war als diese Nebennierenschicht der, unbehandelten Kontrolltiere,
odetr der mit NH4OH behandelten Tiere. Dies ist damit zu erklären,
daß in dieser Schicht bei den NH<C1-Tieren wesentlich mehr Zellteilungsfiguren zu sehen waren als in den hypertropischen Nebennieren der NHiOH-Tiere. Dazu kommt noch die, dunklere Färbung bzw.
der größere Chromatinreichtum der Zellkerne in der Zona reticularis und fasciculata. Hervorzuheben ist noch, daß bei jenen Kaninchen, in deren Nebennieren die Zona reticularis besonders breit, zellreich und lipoidreich ist und dabei die Zellkerne Chromatinreichtum
aufweisen (dunkel gefärbte große Rindenzellkerne), das Fettgewebe
stets in größeren Mengen zu finden ist als bei den Tieren mit verhältnismäßig schmälerer und weniger lipoidreicheir: Zona reticularis
und Zellkernen mit geringerem Chromatinreichtum. Dieser Befund
scheint im Einklang mit unseren früheren Beobachtungen dafür zu
sprechen, daß der Fettstoffwechsel des Organismus (Speicherung,
Mobilisierung) in erster Linie mit der Funktion der Zona reticularis
der Nebenniere zusammenhängt. Zur befriedigenden Klärung dieser
Frage bedarf es weiterer Untersuchungen.
19. Biologischer Nachweis der gesteigerten
Rindenfunktion der durch NH4C1-Behandlung
hypertrophischen Nebennieren.
Im ersten Teil dieser Abhandlung berichteten wir über unsere
frühere Feststellung, wonach auf die Einwirkung der 3 Monate
dauernden NHiOH-Behandlung die vergrößerten Nebennieren etwa
sechsmal mehr Rindenhormon enthielten als die Nebennieren der normalen (unbehandelten) Kaninchen. Die Nebennieren der so behandelten Tiere üben demnach eine zumindest 6mal stärkere Rindenfunktion aus. Da die im vorigen Abschnitt besprochene NH*C1Behandlung ebenfalls eine bedeutende NNR-Hypertrophie zur Folge
hat, lag es auf der Hand, den zugleich auftretenden gesteigerten
Fettansatz ebenfalls mit der gesteigerten Funktion der hypertropischen NNR zu erklären. Diese Erklärung kann aber erst dann zu
Recht bestehen, wenn es auch hier gelingt, die gesteigerte Rindenfunktion der durch die NHiCl-Behandlung vergrößerten Nebennieren biologisch nachzuweisen. Die folgenden Versuche befassen sich
mit diesem Gegenstand.
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