Originalartikel lesen - Österreichische Ärztezeitung

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state of the art
MammaKarzinom
DFP - Literaturstudium
Jede neunte Frau in Österreich erkrankt an Brustkrebs; vor allem
bei jüngeren Frauen nimmt die Häufigkeit zu. Während man auf
die intra-operative Gefrierschnitt-Untersuchung verzichtet, kommt
dem Einsatz der Chemotherapie vor der Operation immer größere
Bedeutung zu. Therapie der Wahl ist die brusterhaltende Operation.
Von Ernst Kubista et al*
Einleitung
D
as Mammakarzinom ist die
häufigste Krebserkrankung
der Frau. In Österreich erkrankt jede neunte Frau im Laufe
ihres Lebens daran. Obwohl besonders
bei jüngeren Frauen die BrustkrebsHäufigkeit zunimmt, sinkt zumindest
in den meisten Industriestaaten die
Mortalität seit einigen Jahren kontinuierlich. Die Ursachen dafür liegen vor allem in flächendeckenden
Früherkennungsprogrammen und in
verbesserten Behandlungsmethoden.
Die Aufgabe der Früherkennung ist
es, ein Mammakarzinom in einem
möglichst frühen Stadium festzustellen und durch eine rasche Therapie
die Prognose zu verbessern. Durch die
Entwicklung von immer effektiveren
endokrinen Therapiestrategien und
durch den Einsatz von zielgerichteten Therapien ist die Behandlung von
Brustkrebs wirksamer und gleichzeitig
schonender geworden.
Symptome
Das Mammakarzinom ist durch einen - zumindest im Anfangsstadium
- symptomarmen Verlauf charakterisiert. Umso wichtiger sind daher die
konsequente Durchführung von regelmäßigen Mammographien und die
Untersuchung der Brust durch die Patientin und den Arzt. Dabei ist speziell
auf folgende Symptome zu achten:
• tastbarer, zumeist unscharf verschieblicher und derber Knoten;
• Veränderung in Größe, Form oder
Konsistenz der Brust;
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• Rötung und Verdickung der Haut;
• Haut oder Mamilleneinziehung;
• unilaterale Mamillensekretion;
• Ekzem der Mamilla;
• Hautödem.
zu diagnostizieren. Von den dafür zur
Verfügung stehenden Verfahren hat
sich besonders die Mammographie als
effektiv erwiesen.
Bildgebende Diagnostik
Sie wird in Screening-Programmen
sogar ausschließlich verwendet, da
sie relativ rasch durchgeführt werden
kann, flächendeckend verfügbar und
gut reproduzierbar ist. Sie ist auch die
einzige Methode zum verlässlichen
Nachweis von Mikroverkalkungen.
Verkalkungen der Brust sind häufig
und in den meisten Fällen gutartig;
sie sind jedoch auch häufig ein früher
und oft der einzige Hinweis auf einen
malignen Prozess. Mikrokalk tritt vor
allem sehr häufig beim so genannten
„Duktalen Carcinoma in situ“ (DCIS)
auf. Aber auch invasive Karzinome
weisen häufig Mikroverkalkungen auf.
Oft sind polymorphe, unregelmäßige
Mikroverkalkungen der einzige Hinweis auf das Vorliegen einer malignen
Läsion in der Brust. Seit einigen Jahren wird in Österreich die so genannte
„BIRADS-Klassifikation“ vewendet.
Dabei handelt es sich um ein standardisiertes, in den USA und einigen
anderen europäischen Ländern bereits
etabliertes mammographisches Befunderhebungssystem, welches sowohl dem
Radiologen als auch dem behandelnden Gynäkologen die Möglichkeit
gibt, die Dignität einer Veränderung
entsprechend einzuschätzen und die
notwendigen Maßnahmen und Behandlungsschritte zu setzen.
Die bildgebende Diagnostik ermöglicht es in mehr als 90 Prozent der
Fälle, eine Erkrankung der Brust früh
Die Ultraschalluntersuchung ist eine
wichtige Ergänzungsuntersuchung zur
Mammographie; sie kann Screening- :
Eine bereits erfolgte Exulzeration
sowie palpable Lymphknotenvergrößerungen sind keine Frühsymptome,
sondern deuten bereits auf eine lokal
fortgeschrittene Erkrankung hin.
Diagnostik
Inspektion und Palpation der Brust
Die Inspektion und die Palpation
der Brust sind ein essentieller Teil der
Brustuntersuchung und sollten auch
vor jeder Mammographie durchgeführt werden. Da diese üblicherweise
erst Tumoren ab einer Mindestgröße
von einem Zentimeter entdeckt, ist
die Palpation als alleinige Früherkennungsuntersuchung
unzureichend.
Der Vorteil der Methode liegt vielmehr in der Entdeckung eines bösartigen Tumors in einem möglichst frühen Stadium und erlaubt dadurch ein
günstigeres kosmetisches Ergebnis und
eine höhere Rate an brusterhaltenden
Therapien. Der Wert der Selbstuntersuchung in Bezug auf ein günstigeres
Überleben wird jedoch überschätzt.
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state of the art
: verfahren nicht ersetzen. Vor allem bei
jüngeren Frauen und relativ dichtem
Brustdrüsengewebe stellt sie jedoch
eine wichtige Ergänzung zur Mammographie dar, da sie Zysten von soliden
Tumoren gut unterscheiden lässt.
Bei der Magnetresonanztomographie (MRT) handelt es sich nicht um
eine Routineuntersuchung. Sie wird
indikationsbezogen durchgeführt und
vor allem bei mammographisch und
sonographisch unklaren Herdbefunden
eingesetzt. Die Hauptindikation für
eine MRT der Brust ist weiterhin die
Abklärung von Brustveränderungen
bei Frauen mit Brustimplantaten.
Weiters erlauben sie eine Differenzierung von Narben beziehungsweise
Rezidiven nach chirurgischen Eingriffen. Sie sind auch Teil eines intensivierten Früherkennungs-Programmes
bei Frauen mit einer familiären Brustund Eierstockkrebsanamnese.
Invasive Diagnostik (Core Biopsie)
Die so genannte „Schnellschnittuntersuchung“ oder Gefrierschnittuntersuchung zur intraoperativen Bestimmung der Dignität einer Brustläsion
wird zunehmend verlassen. Eine Diagnostik während der Operation bedeutet erhöhten personellen Aufwand,
geringere diagnostische Sicherheit, eine
erhöhte Rate an falsch negativen Resultaten und eine verlängerte Operationsdauer. Es sollte daher stets versucht
werden, bereits vor Beginn der Operation eine präoperative Abklärung eines
suspekten Tumors durchzuführen. Dies
erfolgt gewöhnlich durch eine Stanzbiopsie („Core Biospie“). Dafür stehen
mammographisch stereotaktische oder
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sonographisch gesteuerte transkutane Biopsieverfahren zur Verfügung.
Unter Einbeziehung dieser Verfahren
ist in den meisten Fällen sowohl eine
exaktere präoperative Diagnostik als
auch eine entsprechende Auswahl der
Operationsverfahren möglich. Bei diesem Verfahren werden Stanz-Zylinder
gewonnen, an Hand derer sowohl die
Karzinomdiagnostik als auch eine Charakterisierung des Karzinoms selbst
möglich ist (Rezeptorbefund, Grading). Im Fall einer präoperativen systemischen Therapie ist die Diagnosesicherung durch Core-Biopsie sogar eine
unabdingbare Voraussetzung.
Operative Therapie des Mammakarzinoms
In Österreich werden pro Jahr
mehr als 5.000 Brustkrebsoperationen
durchgeführt. Die Therapie der Wahl
ist heute die brusterhaltende Operation (BET), bei der ein quadrantenförmiges, den Tumor enthaltendes
Segment reseziert wird. Um eine vollständige Entfernung des Karzinoms zu
gewährleisten, wird intraoperativ ein
Gefrierschnitt zur Begutachtung des
Resektionsrandes durchgeführt. Die
Rate der brusterhaltenden Operationen hat in den letzen Jahren deutlich
zugenommen und liegt inzwischen
österreichweit bei etwa 60 Prozent.
An spezialisierten Einheiten wird diese Rate weit übertroffen und liegt
bei über 80 Prozent. Absolute Kontraindikationen für die brusterhaltende Operation stellen das multizentrische und das inflammatorische
Karzinom sowie eine ungünstige Relation von Tumorgröße und Brustgröße
dar. Auch bei größeren Tumoren ist es
heute möglich, durch eine mehrmonatige präoperative, systemische Chemotherapie oder endokrine Therapiestrategien die Rate der brusterhaltend
operablen Tumoren deutlich zu vergrößern, weil durch diese Therapie in
den meisten Fällen eine deutliche Verkleinerung des Tumors eintritt. Mit
modernen Chemotherapie-Schemata
kann in etwa 20 Prozent der Fälle sogar eine komplette pathologische Remission (pCR) erzielt werden, die ihrerseits einen unabhängigen Prädiktor
für eine günstige Prognose darstellt.
Ist der Tumor in Relation zur Brust
deutlich zu groß, um ein kosmetisch befriedigendes Ergebnis zu erzielen, sowie
bei „multizentrischen“ Karzinomen (die
sich über mehrere Quadranten ausdehnen), muss eine Mastektomie durchgeführt werden. Falls im selben oder bei
einem späteren Eingriff eine Rekonstruktion geplant ist, wird heute meist
die „skin-sparing“ Mastektomie bevor
:
zugt, um eine ausreichende Hautreserve
BI-RAD-SYSTEM-Klassifikation*
Kategorie Bewertung
1
Negativ
2
Gutartiger Befund
3
Wahrscheinlich gutartiger Befund
4
Suspekte Veränderung
5
Hochgradiger Verdacht auf Bösartigkeit
Empfehlung
Routine-Screening
Routine-Screening
Follow-up in kurzem Intervall,
um Stabilität der Veränderung
sicherzustellen (Karzinomrate unter
einem Prozent)
Transcutane Nadelbiopsie indiziert *)
Indikation für operative Intervention
*) oder operative Intervention
* www.birads.at Tab. 1
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: zu ermöglichen. Der Aufbau kann einerseits durch körpereigenes „autologes“
Gewebe mittels eines Latissimus dorsi
Lappens oder mittels eines TRAM-Lappens erfolgen. Alternativ werden häufig zunächst Expander implantiert, die
mittels Port langsam mit NaCl befüllt
werden können, um in einem zweiten
Schritt durch eine Silikonprothese ersetzt zu werden. Um die Bildung von
Kapselfibrosen zu verhindern, werden
Prothesen üblicherweise unter dem M.
pectoralis major platziert.
Axilladissektion und Sentinelknotenbiopsie (SLN)
Der axilläre Lymphknoten-Status
ist nach wie vor der wichtigste unabhängige Prognoseparameter, was das
Wiederauftreten eines Mammakarzinoms angeht. Lymphknoten-negative
Patientinnen haben deutlich bessere
Heilungs-Chancen als jene Frauen bei
denen bereits ein oder mehrere axilläre
Lymphknoten befallen sind. Die weitere systemische Therapie wird daher
vor allem von einem möglichen Lymphknotenbefall bestimmt. Auch stellt
der Befall von mehr als drei axillären
Lymphknoten eine Indikation für
eine Strahlentherapie der Lymphabflusswege dar. Die vollständige axilläre
Dissektion beinhaltet die Entfernung
des Lymphknotenfettgewebes in der
Axilla und soll auf jeden Fall mehr
als zehn Lymphknoten betragen. Die
vollständige axilläre Lymphadenektomie ist jedoch mit beträchtlichen
Morbiditäten wie einer Bewegungseinschränkung des Armes, Schmerzen
und dem postoperativen Lymphödems
vergesellschaftet, das oft noch nach
vielen Jahren auftreten kann.
44
Aus diesem Grund wurde die Methode der „Wächterlymphknotenbiopsie“ entwickelt. Sie kann bei Tumoren mit klinisch negativen axillären
Lymphknoten eingesetzt werden und
ist inzwischen in allen größeren Zentren in Österreich Methode der Wahl.
Der erste Lymphknoten im lymphatischen Abflußgebiet der Brust ist in
der Axilla gelegen und wird „Wächterlymphknoten“ (Sentinellymphknoten)
genannt. Er wird bei dieser Operationsmethode entweder mit Patentblau
oder durch Isotope (Technetium 99)
markiert. Während der Operation
wird dieser Lymphknoten aufgesucht
und hinsichtlich eines möglichen Tumorzellbefalles untersucht. Falls dies
nicht der Fall ist, kann auf die vollständige axilläre Dissektion verzichtet
werden, was die Morbidität der Operation deutlich vermindert.
Strahlentherapie
Die Strahlentherapie ist ein integrierter Bestandteil des brusterhaltenden Behandlungskonzeptes. Dies
gilt sowohl für invasive Tumore, also
auch für das duktale Carcinoma in
situ (DCIS). Die Hauptwirkung der
lokalen Strahlentherapie ist die Verringerung des „loko-regionalen TumorRezidives“. Dieses Risiko kann von
30 Prozent ohne Strahlentherapie auf
fünf bis zehn Prozent gesenkt werden.
Auch für die Behandlung des Lokalrezidives nach Ablatio ist die Strahlentherapie die Therapie der Wahl.
Die moderne Strahlentherapie im
Rahmen der brusterhaltenden Therapie erfasst die gesamte Brust über zwei
opponierende, tangential zur Thoraxwand gelegene Bestrahlungsfelder. Der
mitbestrahlte Anteil der Lunge wird
dadurch möglichst klein gehalten. Bei
linksseitigen Karzinomen kann auch
auf die Schonung des Herzens geachtet werden. In den meisten Fällen wird
im Bereich des Operationsgebietes
eine sogenannte „Dosisaufsättigung“
(Boost) vorgenommen. Dieser Boost
kann über ein zusätzliches percutanes
Strahlenfeld oder in Form von interstitiellen Implantationen appliziert
werden. Wichtig für den Strahlentherapeuten ist dabei die Markierung des
Operationsgebietes (Tumorbett) mit
Metallclips. Nur so ist es möglich, die
exakte Strahlendosis und vor allem
den Boost in das Operationsgebiet zu
applizieren, da erfahrungsgemäß im
Operationsgebiet die höchste Rezidivgefahr besteht. Die Strahlentherapie
selbst wird über einen Zeitraum von
vier bis fünf Wochen ambulant durchgeführt. Für die interstitielle Applikation ist eine Aufnahme von drei
bis vier Tagen notwendig. An einigen
Zentren wird auch eine intraoperative
Strahlentherapie durchgeführt, die
eine besonders effektive Bestrahlung
des Tumorbettes ermöglicht.
Systemische Therapie
Die adjuvante Therapie des Mammakarzinoms in Österreich erfolgt zumeist
nach den jeweils aktuellen Richtlinien
der St. Gallener Konsensus-Konferenz.
Nach der derzeit gültigen Version unterscheidet man drei Risikogruppen
mit unterschiedlicher Behandlung. Als
entscheidende, die Klassifikation eines
Karzinoms bestimmende Prognosekriterien gelten Nodalstatus, Tumorgröße, Grading, Hormonrezeptorstatus, HER2 Status und Alter (jünger
oder älter als 35 Jahre).
Bei rezeptorpositiven Patientinnen
kommen je nach Menopausenstatus unterschiedliche antihormonelle
Therapiestrategien zum Einsatz. Es
sind dies bei prämenopausalen Patientinnen GNRH-Analoga in Kombination mit Tamoxifen. Bei prämenopausalen Frauen über 40 reicht auch
:
eine alleinige Tamoxifengabe aus. Bei
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10. Juni 2009
state of the art
: postmenopausalen Patientinnen galt
Tamoxifen lange Zeit als Goldstandard. In den letzten Jahren haben sich
Aromatase-Inhibitoren („AIs“) zunehmend etabliert und stellen derzeit die
wirksamsten endokrinen Substanzen
dar. Aromatase-Inhibitoren werden
gewöhnlich für fünf Jahre verabreicht.
Beim Auftreten von schwerwiegenden
Nebenwirkungen wie beispielswei-
se einer Osteoporose kann nach zwei
Jahren auf Tamoxifen umgestellt werden, ohne dass die Patientin einen
Nachteil bezüglich Tumorrezidiv und
Übeleben hat. Auch nach einer fünf
Jahre dauernden Tamoxifenbehandlung können Aromatase-Inhibitoren
verabreicht werden. Eine kürzlich
publizierte Studie konnte sogar einen
Überlebensvorteil bei jenen postmenopausalen Patientinnen feststellen,
die nach einer fünf Jahre dauernden
Tamoxifentherapie weitere fünf Jahre
mit einem Aromatase-Inhibitor behandelt wurden.
Bei der Chemotherapie kommen
Poly-Chemotherapie-Schemata zum
Einsatz. Falls keine Kontraindikationen bestehen, werden heute gewöhnlich anthrazyklinhältige Kombinationen eingesetzt. Vor allem bei
nodal-positiven Patientinnen sollten
zusätzlich auch Taxane eingesetzt werden. Die Nebenwirkungen der Chemotherapie konnten in den letzten Jahren
durch den Einsatz von Erythropoietinen und Granulozytenstimulierenden
Faktoren effektiv bekämpft werden.
Moderne Antiemetika haben auch die
subjektiv belastende Chemotherapieindizierte Übelkeit zu einer gut therapierbaren Nebenwirkung gemacht.
Chemotherapie-Schemata stellen auch
im Zeitalter der zielgerichteten Therapien noch immer die Basis jeder
Herceptin-Therapie dar. Eine zunehmend wichtigere Strategie bei der Anwendung von Chemotherapien ist ihr
Einsatz noch vor der Operation. Diese
Sequenz ermöglicht es nicht nur, das
Ansprechen auf ein ChemotherapieSchema durch sequentielles Messen
des Tumordurchmessers zu evaluieren,
sondern auch die Rate an brusterhaltenden Operationen zu steigern und
somit das kosmetische operative Ergebnis zu verbessern.
Trastuzumab (Herceptin) ist ein
Vertreter einer zielgerichteten Anti-
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körpertherapie und wird adjuvant bei
HER2 überexprimierenden Mammakarzinomen eingesetzt. Etwa 20 bis 30
Prozent aller Mammakarzinome sind
durch eine Genamplikation des HER2
Genes und eine konsekutive Überexpression des HER2-Proteins charakterisiert. Die Zugabe von Herceptin hat
bei solchen Tumoren zu einer signifikanten Verbesserung des rezidivfreien
Überlebens geführt. Herceptin wird
derzeit gewöhnlich für die Dauer eines
Jahres verabreicht; die optimale Länge der Verabreichung ist jedoch noch
nicht geklärt.
Fallstrick Nr. 1
Eine 35-jährige Patientin stellt sich
mit einer seit mehreren Wochen sehr
geschwollenen und deutlich geröteten
Brust vor. Sie hat eine negative Familienanamnese und war bereits für eine
Woche mit Augmentin 3x2,2 g antibiotisch behandelt worden; darunter
keine Besserung. Eine Mammographie
war aufgrund der extremen Schmerzhaftigkeit der Brust nicht möglich.
Weiterführung der Antibiose, umstellen auf eine alternative Antibiotikatherapie sind in diesem Fall keine
adäquate Option, da hier der dringende Verdacht auf ein inflammatorisches Karzinom vorliegt. Der nächste diagnostische Schritt ist vielmehr
die Durchführung einer Biopsie zum
Ausschluss eines Malignoms.
Fallstrick Nr. 2
Eine 67-jährige Patientin mit Zustand nach Ablatio und Axilladissektion (rezeptor-positives Mammakarzinom), das vor zwölf Jahren operiert
wurde, stellt sich im Rahmen der
Tumornachsorge mit zunehmenden
Gelenkbeschwerden im Bereich der
Fingergrundgelenke vor. Zusätzlich beschreibt sie einen lokalisierten
Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule. Anamnetisch ist eine primäre
› österreichische ärztezeitung ‹ 11 ›
chronische Polyarthritis bekannt. Die
Schmerzlokalisation im Bereich der
LWS ist PCP-typisch und sollte daher
genauer abgeklärt werden, idealerweise mit einer Kernspintomographie.
Gerade bei rezeptor-positiven Mammakarzinomen kann es noch nach vielen Jahren zu einer Metastasierung - in
diesem Fall zu einer Knochenmetastasierung - kommen.
Zusammenfassung
und Ausblick
Die Therapie des Mammakarzinoms hat sich in den letzten Jahren
grundlegend verändert und ist einem
dynamischen Wechsel unterworfen.
Vor allem in der Diagnostik hat die
Entwicklung von GenexpressionsProfilen, welche die Dignität eines Tumors noch besser vorhersagen lassen,
zu einer noch besseren individuellen
Risikoabschätzung geführt. Therapeutische Antikörper wie Herceptin und
Avastin haben sich bei der Behandlung
des Mammakarzinoms inzwischen
etabliert. Sogenannte „Small molecules“ und Tyrosinkinaseinhibitoren
wie Lapatinib ermöglichen inzwischen
auch einen zielgerichteten Angriff auf
spezifische, pathognomische Oberflächenrezeptoren.
Auch der operative Bereich hat
durch die Verfeinerung der Operationstechnik, durch die Wächterlymphknoten-Biopsie und die Verbesserung
der rekonstruktiven Maßnahmen einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, für die Frauen den Schrecken der
früher ablativ durchgeführten Operationen zu vermindern.
Viel geschehen ist auch auf dem
Sektor der begleitenden psychoonkologischen Betreuung von Mammakarzinom-Patientinnen und deren Familien.
Auch Selbsthilfegruppen spielen in der
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Betreuung von Brustkrebspatientinnen
eine große Rolle und die öffentliche
Aufmerksamkeit ist sowohl für die Früherkennung als auch für die Behandlung
von Brustkrebs deutlich gestiegen. 9
Literatur beim Verfasser
*) Univ. Prof. Dr. Ernst Kubista,
Univ. Prof. Dr. Christian Singer,
Univ. Prof. Dr. Michael Seifert:
alle: Universitätsklinik für Frauenheilkunde/
AKH Wien, Klinische Abteilung
für Spezielle Gynäkologie;
Währinger Gürtel 18-20, 1090 Wien,
Tel: 01/40 400/28 01;
E-Mail: [email protected];
Univ. Prof. Dr. Christian Marth,
Universitätsklinik für Frauenheilkunde,
Anichstraße 35, 6020 Innsbruck
Herausgeber:
Abteilung für Spezielle Gynäkologie,
Universitätsklinik für Frauenheilkunde,
AKH Wien in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie
und Geburtshilfe (OEGGG)
Lecture Board:
Univ. Prof. Dr. Christian Menzel,
LKH Salzburg/Universitätsklinik für
Spezielle Gynäkologie
Univ. Prof. Dr. Walter Neunteufel,
KH Dornbirn/Abteilung für Frauenheilkunde
und Geburtshilfe
Univ. Prof. Dr. Edgar Petru,
Medizinische Universität Graz/Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Diesen Artikel finden Sie auch im Web
unter www.arztakademie.at/ls
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Literaturstudium in der ÖÄZ
› Mammakarzinom
Im Rahmen des Diplom-Fortbildungs-Programms der Österreichischen Ärztekammer ist es möglich,
durch das Literaturstudium in der ÖÄZ Punkte für das DFP zu erwerben.
Nach der Lektüre des State of the
Art-Artikels beantworten Sie bitte die
Multiple choice-Fragen. Eine Frage gilt
dann als korrekt beantwortet, wenn
alle möglichen richtigen Antworten
markiert sind.
Verlagshaus der Ärzte GmbH
z. H. Frau Claudia Chromy,
1010 Wien, Nibelungengasse 13,
Fax: 01/512 44 86/24
Einsendeschluss: 28. Juli 2009
(Datum des Poststempels)
Insgesamt müssen vier von sechs Fragen richtig beantwortet sein, damit zwei
DFP-Punkte „Gynäkologie und Geburtshilfe“ im Rahmen des Literaturstudiums
anerkannt werden. Schicken Sie diese
Seite entweder per Post oder Fax an:
1) Die primär systemische („neoadjuvante“) Therapie hat
folgende Vorteile:
3 Antworten richtig
 a) Tumorverkleinerung
 b) Evaluierung der Wirksamkeit einer Therapie in vivo
 c) Erhöhung der Rate der brusterhaltenden Operationen
 d) Wirkt sich positiv auf das gesamte Überleben aus
4) Aromatasehemmer wirken über:
1 Antwort richtig
 a) Blockierung des Spindelapparates während der Zellteilung
 b) Hemmung der Konversion von androgenen Vorstufen
zu Östrogenen
 c) Direkter kompetitiver Mechanismus am Östrogenrezeptor
 d) Komplette Inhibition des HER-2 Rezeptors
2) Eine 30jährige rezeptornegative Patientin mit einem 3 cm
großen Tumor und positiven axilliären Lymphknoten erhält
folgende Therapie:
1 Antwort richtig
 a) Chemotherapie
 b) Bilaterale Ovarektomie
 c) LHRH-Analoga
 d) Aromataseinhibitoren
5) Eine zielgerichtete Herceptin-Therapie ist derzeit in Österreich zugelassen zu einerseits bei
1 Antwort richtig
 a) HER-2 exprimierenden Patientinnen, unabhängig von Ausmaß
der Proteinexpression
 b) Allen prämenopausalen Patientinnen
 c) Allen postmenopausalen nodal-positiven Patientinnen
 d) Nur bei drei+ Überexpression oder fish-positiven
Mammakarzinomen
3) Taxane sind inzwischen Standard State of Art bei:
2 Antworten richtig
 a) bei nodal-negativen, rezeptor-hochpositiven Patientinnen
 b) nodal-positiven, rezeptor-negativen Patientinnen
 c) metastasierten Patientinnen
6) Mikrokalk lässt sich am besten darstellen in der
1 Antwort richtig
 a) Sonographie
 b) Mammographie
 c) MRT
 d) bei der ärztlichen Palpation
Mehr als zwei Drittel der Fragen richtig beantwortet: 
Fragen:
Absender:
Bitte deutlich in Blockbuchstaben ausfüllen,
da wir sonst die Einsendung nicht berücksichtigen können!
Zutreffendes bitte ankreuzen:
Name: Facharzt/Fachärztin für
Ort:
Telefon:
48
Ich besitze ein gültiges DFP-Diplom.
Altersgruppe:
< 30
31–40
41–50
51–60




› österreichische ärztezeitung ‹ 11 ›
> 60

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✃
Strasse:
Arzt/Ärztin für Allgemeinmedizin
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